[]schweisz,
m. sudor, cruor, mhd. sweiʒ
mhd. wb. 2, 2, 768
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1354;
ahd. sueiʒ Graff 6, 907;
mnd. swêt Schiller-Lübben 4, 494
a,
alts. suuêt,
altfries. swît (Richthofen 1061
a),
ags. swât,
altnord. sveiti.
mnd. swêt
ist m. und n., das geschlecht von alts. suêt
ist nicht auszumachen, für ags. swât
wird bei Bosworth-Toller
neutrales geschlecht angesetzt, nld. zweet
ist neutrum, das altn. zeigt gegenüber den westgermanischen sprachen eine schwache bildung. im got. findet sich nichts entsprechendes. im engsten zusammenhange steht schweisz
mit schwitzen (
unter diesem worte näheres über die auszergermanische verwandtschaft, dem ahd. sueiʒ
entspricht sanskr. svēdas
und in der stammsilbe lat. sudor. Fick
wb.4 1, 152).
die lebendigen sprachen haben isländ. sviti,
schwed. svett,
dän. sved,
engl. sweat,
nld. zweet.
da die auszergermanischen verwandten wörter durchaus die bedeutung von schweisz,
sudor aufweisen oder ihr entsprechen, ist nicht anzunehmen, dasz unser schweisz
im sinne von blut auf eine ältere allgemeinere bedeutung (
feuchtes, aus der haut hervortretendes)
zurückweise; schweisz
ist im sinne von blut (
menschen- und thierblut)
im altnord., ags. und altsächs. bezeugt; die verwendung des wortes in dieser bedeutung gehört eigentlich wol der poetischen sprache an (
blut der bei der kampfesarbeit ausbrechende schweisz, vgl. ags. heaðohildeswât).
der plural kommt naturgemäsz ziemlich selten vor: von wegen der schweisz, die sie ubereylen. Herr
feldbau (1556) 65
b; diese schwindel, diese todesschweisze. Göthe 8, 197; er trat still und bleich und mit kalten schweiszen zurück. J. Paul
Siebenk. 2, 112;
vgl. die aus J. Paul
bei Campe
angeführte stelle. nachtschweisze eines kranken
u. ähnl.: es kündeten ihr schon kältere schweisze ... den tod
an. Klopstock 5, 129 (
Mess. 12, 402); wie nach viel schweiszen ein müder in der abenddämmerung schläft. 5, 187 (
Mess. 13, 438); kraft in seinen lezten schweiszen geusz dem sterbenden in's herz. Schubart
ged. 1, 26 (1787). 11) schweisz,
aussonderung aus den poren der haut in tropfenform bei stark erhöhter körpertemperatur, hervorgerufen durch hitze, starke anstrengung, erregung, krankhafte zustände u. s. w. sudor, sweisz, schweisz, swesz, swetz, swesz Dief. 564
b; schweis,
m. sudor Schottel 1412; schweisz Stieler 1987.
der schweisz
ist aus dem thau erschaffen: von dem leime gab er ime daʒ fleisch. der tou bezeichenit den sweiʒ. Müllenhoff - Scherer
denkm.3 1,
s. 80, 12 (
vgl. die anm. zu der stelle); the suet von tha dawe. Richthofen
fries. rechtsqu. 211; grausamer schweisz,
largus sudor Stieler 1987; stinkender schweisz, gesalzener schweisz.
ebenda; ein starcker schweisz,
sudor multus; es folgt vieler schweisz darauf,
multus sudor consequitur Steinbach 2, 540. der weisze schweisz (
im gegensatze zum roten, dem blute). Heppe
wohlred. jäger 276
a; di sunne schein vil heiʒ, harte mûte si der sweiʒ. Lamprecht
Alex. 2554; durch dhe hitzen und daʒ sweyʒ leyʒ an eyn waʒer sich dher werdhe keyser Frederich.
Braunschweiger reimchron. 3641. nasz sein vom schweisze. Adelung; er hüpfet oft, vom schweisze nasz, den halben sommertag, im garten durch das bunte gras. Hölty 121
Halm. mit schweisz bedeckt
u. ähnl.: auf ihren mit schweisz und staub besudelten pferden. Lohenstein
Arm. 1, 416
b. in schweisz kommen, geraten; schweisz kriegen: dôr schull man wol swêt von krîgn, säd' de diern, dôr krêg se twê kinner up'n mal. Höfer
wie das volk spricht. schweisz
netzt einen: durch klage und durch den tac sô heiʒ begunde netzen in der sweiʒ. Wolfram
Parz. 256, 6. schweisz
bricht aus, rinnt, läuft herab u. ähnl.: der schweisz fart jm abhin uber den gantzen leyb. Maaler 367
a; der schweisz bricht aus, laufft ihm über das gesicht. Frisch 2, 246
c; sieh daumens dick läuft mir der schweis. Fr. Müller 1, 179; ist uns darum der helle schweisz über die baken gelauffen. Schiller
räuber 4, 5
schausp.; daʒ durch die covertiureder blanke sweiʒ dô vlôʒ.
Nibel. 1819, 2; der sweiʒ im über diu ougen ran.
minnes. 3, 312
a Hagen; hi liep ende vlooch mit vresen groot, so seer dat hem uut brac dat sweet.
Reinaert 5801;
[] he leep, dat em uthbrack dat sweet.
Reinke de vos 5195; der schweisz, der läuft von ihnen sehr, die wagen umzusehn nicht mehr.
wunderhorn 1, 116
Boxberger; von der stirne heisz rinnen musz der schweisz. Schiller 11, 305.
in schweisz
gebadet sein u. ähnl.: diu ors in sweiʒe muosen baden. Wolfram
Parz. 262, 30. schweisz
steht auf der stirne, in tropfen, tropft, perlt, quillt u. s. w., schweisz
vergieszen: ein wunderbares feienschlosz, bei dem wohl sonder zweifel, der es gebaut, viel schweis vergosz. Hölty 25
Halm. schweisz
schwitzen: da hab' ich neunerlei schweisz geschwitzt (
fränk.). Frommanns
zeitschr. 6, 324, 354.
nd. im swêt sîn,
scherzhaft für betrunken sein (
Iserlohn). 5, 70, 59;
den schweisz
abwischen, von der stirne wischen, trocknen: den schweisz mit den händen ab wischen. Steinbach 2, 540; nach schweisz stinken. Frisch 2, 246
c;
sprichw.: niemand stinkt von eines andern schweisz. Wander
sprichw.-lex. 4, 462;
bei Tunnicius: nummant hinket van eines anderen swete 866 (Bebel:
nemo claudicat alieno ex dolore, niemand wird durch fremdes leid beschwert). schweisz
als folge oder begleitung von seelischer erregung, besonders von angst, schrecken (
vgl. angstschweisz): ich förcht mir das mir der schweisz auszgadt. Maaler 367
a;
besonders ist kalter schweisz (Stieler 1987. Steinbach 2, 540)
zeichen der angst, des grauens: ich erwachte in kaltem schweisz gebadet
u. ähnl.: erst, wie er (
der geist) verschwunden war, kam mir die eigentliche angst .... kalter schweisz brach mir aus. Hebbel (1891) 9, 27; der schweisz, der ihm auf der stirne stand, war nicht der warme redlichen mühens, es war der kalte schweisz der gewissensangst. Ludwig (1891) 1, 300; der gelieʒ nie vorhtlîchen sweiʒ. Wolfram
Parz. 145, 6; ich saʒ in eime sweiʒe (
vor angst).
minnes. 3, 186
a Hagen; er lît in dem angst swaiʒ daʒ er nit geslâfen mag.
liedersaal 3, 627; als man dj lert zuo diser stundt auff allen schlen dj ich waisz, wj sOelche weysen, angst und schwaisz erhalten inn der tugent streit, das macht zuomelden lange zeyt. Schwarzenberg (1535) 157
a; mein hertz das schlug für angst, als bebten meine glieder, es drang ein kühler schweisz mir eiligst durch die haut. Rist
Parnasz (1668) 449. Judasschweisz: dein vater wird wol all warm sitzen, für dein reichthumb Judas schweisz schwitzen. Rollenhagen
froschm. M 1
a.
vom hahn am bratspiesz; das man dich in heisz wasser taufft, und die federn gar kahl auszraufft, am spiesz Judas schweisz schwitzen lest. E 3
a.
andere erregungszustände; schmerz: daʒ uns begiuʒet jâmers sweiʒ.
minnes. 3, 13
b Hagen; schmerzliche liebessehnsucht: daʒ im zehant von grôʒer liebe wart sô heiʒ daʒ im ein îskalter sweiʒ allenthalben nider ran. dô was er ein bekumbert man. Fleck
Flore 3970;
zorn: hei! waʒ zornes rœte und grimme sweiʒes ab im ran.
minnes. 3, 282
b Hagen; scham, empfindung der schmach: ind ich sus schemelichen sweys van uch haen zu lone.
Karlmeinet 239, 28; ob der verduldet schanden sweiʒ. Frauenlob 196, 3.
krankheit, genesung, heilsame wirkung (
vgl. schweiszbad),
tod: im fieberschweisze liegen, an nachtschweiszen leiden
u. ähnl.; den schweisz bringen, z schwitzen machen. Maaler 367
a; schweisz erwecken, im schweisz liegen, die arzney treibt den schweisz (
vgl. schweisztreibende mittel), todtenschweisz Stieler 1987; den schweisz abwarten (
im bette); der schweisz tritt zurück. Campe; den schweisz stillen; also myner frouwen sente Marian ir sweisz was, da sie des heiligen Cristes genas. Müllenhoff-Scherer
denkm.3 2, 285; er switzit da den tot sweiʒ.
Martina 231
b, 38; und würde mir ein senfter sweiʒ, ich möcht vil lîchte wol genesen. Boner 48, 90;
[] (
baumöl) stillet den übrigen schweisz. Tabernaemont.
kräuterb. (1664) 1451 J; es hinderschlegt auch disz wasser (
rosenwasser) die schweisz. 1497 H; schweisz machen und vertreiben. Hohberg
ad. landleben 1, 311; es zeigt sich ein schweisz! ich hab ihn bewirkt, und wenn mir jezt noch einer gerathet, so bin ich mit ihm glüklich. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 3, 83 (1792).
im schweiszbade: der schweisz wird auff den schwitzbäncken nach dem die schweiszlöcher eröffnet, heraus gelocket. Comenius
sprachenth. übers. von Docemius (1657) 579.
mit schweisz, englischer schweisz
wird eine früher epidemisch auftretende krankheit bezeichnet. Frisch 2, 246
c. Schiller-Lübben 4, 494
a: solt nicht pestilentz, schweis, Frantzosen und ander plagen uns finden. Luther 5, 185
a; dann ynnerhalb fünffzig jarn, haben wir hochteutschen dreyerlay plag ... erlebt. erstlich dʒ zuotringken, volgents dj beschwärlich krangkhait, gnant malafrantzosa, auch neulicher jare, den tod schwaisz. Schwartzenberg 81
a.
s. schweiszfieber, -krankheit, -kraut, -schrecken-, -seuche, -sucht.
eine rinderkrankheit, bei der die haut unbeweglich ansitzt, so dasz man sie auf den knochen nicht bewegen kann, wird nach Adelung schweisz
genannt. 22) schweisz
im sinne von blut: cruor, sweisz, schweisz Dief. 159
c; schweysz,
blut, cruor Dasypodius.
das ausgebildete nhd. kennt schweisz
in diesem sinne nur als ausdruck der jägersprache (
diese beschränkung schon bei Hulsius im
j. 1616);
mundartlich ist indesz schweisz
für blut, wenigstens für blut auch nicht weidgerechter thiere noch gebräuchlich, s. brem. wb. 4, 1118. Schütze 4, 234. Woeste 265
b; sweetenmeelbüdel,
blut- und mehlpudding Schütze 1, 174. Schöpf 656; schweisz,
blut, sofern es verkocht wird. cimbr. wb. 226
a; schweisz,
blutwurst Klein
prov.-wb. 2, 150 (
Bayern);
s. unten schweiszwurst, -blut, -blümel.
vgl. noch: den schweisz sammlen zun würsten; schwein-, ganszschweisz Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 711
a; schweinen-schweisz,
cruor porci mactati Frisch 2, 246
c.
blut von menschen (
oder menschlich gedachten wesen): himinn or hausi ins hrímkalda jtuns, en or sveita sjór.
Vafþrúdn. 21; þät him for swengeswât ædrum sprong forð under fexe.
Beowulf 2967; is drôr sinkit nu an erða, suêt sundar ligit.
altd. genesis 49; mit der faust mus man solchen meulern antworten, das der schweis zur nasen ausgehe. Luther 3, 142
b; demnach sin vergossen schweisz (
im bilde von den gekelterten trauben) in ein vasz gesamlet.
N. Manuel xxxiii
Bächtold (
vgl. unten 8,
b); das bet ist aller voller schweisz gewest.
Zimm. chr.2 1, 244, 28; plattern voller schwaisz. 611, 32; schlecht in der könig user kreften ... ins angesicht, das im der schwais überflüssig überab lauft. 3, 574, 10.
von thieren (Zarncke
zum narrensch. 81, 4);
in neuerer zeit meist eingeschränkt auf die sprache der jäger: schweys, den weidleuten, blut. Hulsius 292
b;
vgl. Stieler 1987. Kramer
dict. (1702) 2, 711
b. Steinbach 2, 541. Behlen
lex. d. forst- u. jagdk. 5, 586; wie ein elephant, wann er seinen schweisz siehet, sich noch mehr ergrimmet. Opitz
Argenis 2, 404 (1644); der hirsch hat schweisz, und kein blut. (
das) ... ist ein haupt-punct, so bey allen wilden thieren und vögeln zu beobachten, und so zu benennen ist. Döbel
jäger-pract. 1, 18
b; die meüler (
der hunde) jn vom schwais (
des zerlegten wildes) rot wassen. Wickram
irr reit. bilger 18
b; sa, sa! der hirsch ist rund umstellt, und matt bis in den tod; sein schweisz, der tröpfelnd niederfällt, färbt schwarzen boden roth. Göckingk 3, 18 (1782); noch seh' ich, wie voll angst durch heid' und bach er (
der hirsch) lechzt! mit schweisz die fährte färbt. Voss 6, 171 (
dazu die anmerk.: schweisz, nieders. sweet, heiszt das blut bei den jägern, und den bremischen landleuten); mit drachenschweisz wird berg und wald sich färben, die ebne färben sich mit räuberblut. Göthe 13, 231;
Elvire. um gotteswillen! Hugo blutet?
Holm. nein, 'sist schweisz eines ebers, wie sie's nennen. Müllner
schuld 1, 8; doch in die fährte tropft schon schweisz (
des hirsches). Immermann 13, 59
Boxberger. 33)
Christus vergieszt blutfarbenen schweisz
in der nacht, da er verrathen ward: und es kam, das er mit dem tode rang,
[] und betet heftiger. es ward aber sein schweis wie blutstropffen, die fielen auff die erden.
Luc. 22, 44; uuart ðhô sîn sueiʒ samasô tropfo bluotes rinnenti in erda.
Tatian 182, 3; drôp is diurlîk swêt,al sô drôr kumid wallan fan wundun.
Heliand 4753.
unter einwirkung dieser stelle wird schweisz mit blut
formelhaft verbunden (
s. auch unter 5
gegen ende),
die sinnesgleichheit beider wörter bewirkt, dasz unter beziehung auf den opfertod des Heilands die bedeutung von sudor bei schweisz
bisweilen ganz zurück tritt, vielleicht aber bestand schon aus alter zeit die verbindung der sinnesgleichen wörter; hieran schliesze ich wendungen, in denen schweisz
durch einen zusatz als blut bestimmt wird: altn. blód ok sveiti, blóðsveiti; thes blodes and suetes rene (
aus der wunde).
fries. rechtsquellen 338, 16; schweisz des pluets o. plutschweisz,
cruor Dief. 159
c; blutiger schweisz,
cruor et sudor sanguineus Stieler 1987; mit dem hailigen cräuz, dâ got seinen rôsenvarben swaiʒ an vergôʒ. Megenberg 298, 24; man fürgeht auch die statt unden im garten, da er bettet und bluotigen schweysz vergosz. Franck
weltb. 173
a; eʒ reis ûf in der bluotec sweiʒ.
Parz. 387, 24; sô sach man des bluotes sweiʒ an dem sper rinnen ze tal.
krone 14065; daʒ dû bluotvarben sweiʒ (
im garten Gethsemane) ûʒ dînem reinen lîbe lie. Ottokar
reimchr. 49778; man sach manchen rôten sweiʒ durch die brunjen dringen.
livl. reimchr. 10648; zwar von heiszen purpur-schweiszen, möchten schmeltzen stein, und ertz. Spee
trutzn. 300 (1649); du machst manch rohten schweisz fürs vatterland vergieszen. Weckherlin 650 (1648); sein (
des gekreuzigten) leib ist ganz mit schweisze des blutes überfüllt. P. Gerhardt 71
Gödeke; wen Christus rechter (
im druckfehlerverzeichnisse verbessert in rother) schweisz und kostbar blut besprenget. Logau 1, 204, 42; er schlug ihm nach dem kopfe, dasz rother schweisz herunter rann. Pfeffel
poet. vers. 4, 84; der mantel ward durchdrungen von schweisz und rothem blut.
wunderhorn 1, 302
Boxberger. schweisz und blut
als geheimnisvolles bindemittel: o sey doch so gut, mit schweisz und mit blut die krone zu leimen. Göthe 12, 125. 44) gottes schweisz (
wol sudor)
als schwur, fluch: wie man schwört am kochersperg: götz lusz, götz dreck, götz darm, götz schweisz. Murner
narrenb. 95, 75
neudruck; du pist geruest, samir pocz schwais! als wolstu zihen in die rais. H. Sachs
fastn. sp. 7, 60, 27
neudruck; o schweig der ding! pocz angst, pocz schwais! 5, 138, 50. 55) schweisz,
sudor, besonders als zeichen der anstrengung, des fleiszes, der mühe, zunächst der körperlichen anstrengung, dann verblassend; fernerhin für die mühe, die arbeit selbst: im schweis deines angesichts soltu dein brod essen.
1 Mos. 3, 19;
eigenthümlich gewendet: in dînem swêtigen blode scaltu dy neren van dînem brode.
sündenfall 1087; ist all mein schwitz und schweisz umsonst. Schm. 2, 649; arbeitsschweisz,
labor multi sudoris Stieler 1987; ehren-, krieges-, kunst-, sieges-, tugendschweisz.
ebenda; es hat uns nicht weniger schweisz gekostet Steinbach 2, 540; dat ward nog'n sweet kosten Dähnert 477
b;
sprichwörtlich: ein tropfen maurerschweisz gilt einen dukaten (
so langsam arbeiten sie); sinen egen sweet nig rüken mögen,
ein fauler arbeiter sein. brem. wb. 4, 1118; hê is bang för sîn êgen swêt. ten Doornkaat Koolman 3, 379
b; die anakreontische moral ist weichlich und hat nichts von dem männlichen schweisze des philosophen. Adelung; daʒ er muose gewinnen mit dem sînen sweiʒe, kûm unt ageleiʒe, daʒ er ernerte den lîp.
anegenge 19, 63; es fuhr gen acker ein grober baur, arbeitet wacker im schweisz so saur.
wunderhorn 2, 311
Boxberger; was jener schwaisz zuvor errungen mit verdrusz, davon hat jetz sein volck den erblichen genusz. Weckherlin (1648) 239;
[] eh will ich, ungeehrt, von aller welt vergessen, mein unbeneidet brod im schweisz der arbeit essen. Uz 250
Sauer; die unsterblichkeit ist ein groszer gedanke, ist des schweiszes der edlen werth. Klopstock 1, 71; bedeckt mit dem müdesten schweisze der laufbahn. 4, 210 (
Mess. 10, 363); was wartet unser? — ach! ein unbelohnter schweisz. Lessing 1, 95; lief' das brot, wie die haasen laufen, es kostete viel schweisz, es zu kaufen. Göthe 2, 240; der bittre schweisz der ewig drängenden arbeit. 40, 328; mit allem fleisz, manchem moralisch politischem schweisz. 57, 257; darumb setzet Columella inn seim feldbawbuch, für das beste mittel den lufft zu besseren, schweisz und arbeit. Sebiz
feldbau 8; wer wolte solchen sauern schweisz und verdrüszlichkeit ertragen können. Schoch
studentenl., vorsp.; nicht ein iglicher, der sein brodt, im schweisze seines angesichtes, isset, wird auch das brodt im himmel-reiche essen: und gleichwohl will es auch ohne schweisze, nicht gegessen seyn; aber mit solchem schweisze, der dein hertze, und nicht die haut, durchbricht. Butschky
Pathmos 911; schöner preisz für euren schweisz in der feldschlacht. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; Grimm: es giebt ein fruchtbares jahr.
Moor: meinst du? — und so würde doch
ein schweisz in der welt bezahlt. 3, 2; (
die) ihr dürftiges individuum zum repräsentanten des allgemeinen gefühls aufstellen, und im schweisz ihres angesichts — über das schöne richten.
schriften 10, 507; was ich besitze ist die frucht eines fünfzehnjährigen fleiszes, ich habe es mit saurem schweisz und nachtwachen erworben.
parasit 2, 4; (
der) sein knechtisches tagewerk im schweisze des angesichtes verdienen sollte. Göthe 18, 42; bild' dir nicht ein, dasz man sich deinetwegen in schweisz setzt. Hebbel 2, 53 (1891).
übergehend in die bedeutung '
ertrag der arbeit, erworbenes': du must doch deinen sauren schweis andern lassen, und deine erbeit den erben ubergeben.
Sir. 14, 15; der einzig von meinem sauer erworbnen schweisze sich mästet und gütlich thut.
erzähler d. 18.
jahrh. 98, 27
Fürst; die die ganze kraft ihres daseyns verschwenden, den schweisz der vorigen (
der arbeitenden) zu genieszen. Schiller 2, 352; (
ich habe) den sauren schweisz eures vaters zusammengehalten. Hebbel 2, 90; hab ich von ewerm schweysz gezert, dagegen hab ich euch ernert. E. Alberus
fabeln 10, 29
neudruck; was hat doch mancher mehr als armer leute schweisz? was iszt und trinket er? worin besteht sein preis als im geraubten gut und armer leute thränen. P. Gerhardt 4, 41
Gödeke; besser harte fäuste strecken, als von fremdem schweisze lecken. Logau 1, 149, 47; das vom blut fette schwerdt, die donnernde carthaun, hat aller schweisz, und fleisz, und vorrath auffgezehret. A. Gryphius 2, 312; kein karger Alphius, der seinem wuchrerschweisz der wälder kühle lust nicht vorzuziehen weisz. Hagedorn 1, 34 (1771); (
wenn) kein mündel seiner väter schweisz, kein freund das anvertraute pfand von meinen händen fodert. Gotter 1, 432 (1787);
getreide, des landmanns schweisz: ach, nur dem raube blühen die saaten; für wen reift jezt des landmanns schweisz? Creuz 1, 158 (1769);
des armen: erbarmen, lieber herr, erbarmen! verschont den sauern schweisz des armen. Bürger 70
b;
der rinder: der schweisz der rinder und des schnitters freude (
sata laeta bovomque labores Verg. Aen. 2, 306). Schiller 6, 361.
verstärkt, schweisz und blut (
s. oben unter 3),
sowol für arbeit als den ertrag der arbeit: dat sure arbeit, dat swêt und blôd der undersaten. Schiller-Lübben 4, 494; dat hef ick dür mynen eegen suuren sweet un bloot erworwen. Strodtmann 238; da wird dann auff einen abend verhüpfft, versprungen und im frauenzimmer verdantzt worden seyn, der schweisz und das blut eines gantzen stamms in Israel. Schuppius 126; verzer der armen schweisz und bluot. Schade
sat. u. pasqu. 2, 272, 8;
[] so ist es doch nicht gottes will, das man es treib zu hoch und viel. mit armr leut threnen, schweisz, und blut, unter sich kratz alls geld, und gut. Rollenhagen
froschm. M 6
b; der fraget nichts darnach wie er an sich verwendet, der armen schweisz und blut durch scheinrecht oder list. Opitz 2, 24; etlike heren, mit den se der armen swêt unde blôt vorteren.
dodes danz 444. blutiger schweisz: (
amtleute, die) den armen burgern das ir nemen ... und inen ir bluotigen schweisz usz saugen. Pauli
schimpf und ernst 36
Österley. schweisz
im sinne von drangsal, noth: haben also die bawren in ein schweis gefüret, den sie nicht bald werden abwischen. Luther 3, 169
a; halte dich von jm (
dem armen), das du nicht in einen schweis gefürt, und von seinem unflat bekleckt werdest.
Sir. 22, 15.
vgl. Frisch 2, 246
c. 66)
spöttisch-mitleidige bezeichnung einer person (
wol nach 2,
vgl.blut 8
th. 2,
sp. 173): der gut schweis meint, jm wer das maul zu. Wickram
rollw. 170, 12
Kurz; mancher armer schweisz und tropff, der auch nicht nur zwey alphabeth gelesen hat. Höniger
narrensch. 109; waher seyt ihr armen schweisz. Fischart
Garg. 259
a; der guot arm schweisz ward heim an seinen junckern und arbeit gedencken. Kirchhof
wendunm. 1, 343
Österley; alle welt meynet, ich bin reich, da ich doch ein armer schweisz in der haut bin. Weise
klügsten leute 279 (1679); nu hör was thet der arme schweisz.
Grobian. 3382
neudruck; da doch der gute schweisz in seiner ganzen kunst nicht anders meint und weisz. Fleming 1, 49, 45
Lappenberg. 77) schweisz,
sudor zur bezeichnung von etwas nichtigem werthlosem: sydt jch sollch kuntschafft von jn weisz, so geb jch umb narren eyn schweysz. Brant
narrensch. vorr. 70 (
mit Zarnckes anm.) dem diener gAeb ich nit ain schwaisz, thuot er nit was ich pAeses haisz. Schwartzenberg 134
a. 88)
besonderes: 8@aa)
schweiszähnlich hervordringende flüssigkeit z. b. an fenstern (fensterschweisz Adelung),
an mauern, an kartoffeln: wenn die kartuffeln vêrtein dâge legen hebbet, sint se von'n swete nat. Schambach 221
b. 8@bb)
poetische übertragung im veredelten sinne ist bei schweisz,
sudor naturgemäsz selten: mit thränen heisz, mit augenschweisz. Spee
trutzn. 89 (1649);
thau: wan offt von klarem himmel-schweisz, an schönen sommer-tagen, die morgen perlen rund, und weisz gar schön zertröpfflet lagen. 189. schweisz,
blut: thut er die farben tragen von rothem trauben-schweisz? 51.
vgl. oben unter 2
die stelle aus N. Manuel. 8@cc)
technische sprache: 8@c@aα) wollschweisz,
auflagerung auf der rohen schafwolle, bestehend aus hautsekreten, staub und schmutz. Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 10, 794; wollschweisz
wird auf kalisalze verarbeitet. 4, 599.
vgl. schweiszen 4. 8@c@bβ) schweisz,
eine beim pechbrennen auftretende flüssigkeit, materia inutilis, humida et aquea Frisch 2, 246
c; nach diesem (
dem weiszen harz) kommt der schweisz vom kihne, als wie wasser. Döbel
jäger-pr. 3, 66
b; schweisz, sauerwasser, theergalle. Jacobsson 4, 98
a. 8@c@gγ) salzschweisz,
salziges wasser, das aus ritzen und klüften hervordringt, gleichsam ausschwitzt, nicht flieszt, im gegensatze zur sole. Adelung; dort aber, wo im schaum der strudelreichen wellen die wuth des trüben stroms gestürzte wälder welzt, rinnt der gebürge gruft mit unterirdschen quellen, wovon der scharfe schweisz das salz der felsen schmelzt. Haller 39
Hirzel; plural schwach: schweiszen,
kleine nebenadern einer salzquelle. Jacobsson 4, 98
a. 8@c@dδ) bleyschweisz,
molybdœna, plumbago Stieler 1987;
wol versehentlich für bleyschweif,
s. oben th. 2,
sp. 102. 8@dd) schweisz-
verhüllend für scheisz-
in schweiszbeere, schweiszer 3,
b, schweiszlein.