kot,
kote,
hütte, kleines schlechtes haus, ein altes bedeutsames wort. II.
Die form ist reich entwickelt. I@11)
alle drei geschlechter sind vertreten, wie oft bei alten worten (
vgl.kohle I,
a zuletzt). I@1@aa)
die wbb. zwar setzen nur n. und f. an, das koth
und die kothe (Adelung
und ff.),
und allgemeiner bekannt ist nur das f., das z. b. Frisch
ansetzt (kote 1, 540
c)
und welches Steinbach, Ludwig, Stieler 911
allein kennen. es ist nd. und md. (
s. unter II, 1,
a. 2,
a),
und aus alter zeit wenn auch nicht bei uns, doch bei den Angelsachsen bezeugt (
s. 2,
b).
vom neutr. s. c. I@1@bb)
aber auch das masc. ist jetzt noch lebendig und alt bezeugt. Möser
u. a. brauchen es: einen kotten.
patr. phant. 3, 149 (
die ganze stelle sp. 1883
β); ich habe frau und kind in meinem kotten. Grabbe
Hermannsschlacht 4,
also westfälisch. ebenso niederrh., im 14.
jh. salzkotte
m.: dat der burchvrede angeit an deme salzkotten, dae steit ein stein (
grenzstein) ...
weisth. 2, 707 (
nachher werden dafür mehrere kotten
genannt, ind geit widder up die salzkotten).
aber auch md., z. b. hessisch im 16.
jh., s. bei Vilmar 215 vom koden (
s. mehr II, 1,
b).
und schon im 12.
jh. im Pilatus: ein mulin gestelle (
mühlengestelle) heten vonden die boten, einen mosehten koten, ein arm heimuote. Mones
anz. 4, 439.
s. auch kate
m. unter 2,
c. I@1@cc)
auch das n. ist alt bezeugt, aus dem 15.
jh. auf md. boden (
s. II, 2,
b),
und wie jetzt noch nd. und nl. kot
n., so schon ags. und altn. (2,
b).
da ist denn ein wort wahrscheinlich von alters her in allen drei geschlechtern ausgeprägt, und zwar alle drei auf md. und nd. boden sich begegnend, zum theil wahrscheinlich auch in ganz gleicher anwendung. I@22)
auch im vocal ist manigfaltigkeit. I@2@aa)
es zeigen sich formen mit umlaut. I@2@a@aα)
fem. salzköte Stieler 1676 (
ob md.?),
nd. köte
f. in den fürst. Göttingen und Grubenhagen (
s. II, 1,
a);
es wird also urspr. neben kota
auch kotia
gegeben haben. köte
schrank (
sp. 1884)
ist dasselbe wort. ebenso steht neben kate (
s. c)
ostfries. käte,
hütte für deicharbeiter Stürenburg 100
b. I@2@a@bβ)
aber auch köt
n. im 16.
jh.: treger tragen die sahl (
soole) in groszen zübern in das köt. Mathesius
Sar. 125
b; man macht tag und nacht in eim köt vierzehen stück salz. 127
a; die heuslein, darinn das ehrlich gut (
die reine soole) versotten .. wird, heist man ein köt. 126
b; wenn man inn (
d. i. in'n) köten arbeit. 127
a; die bornknecht tragen die sahl in die köt. 126
a (
doch auch: der meister im kot, der die stück salz machet. 127
a).
also urspr. koti? I@2@bb)
mit ungebrochnem vocal liegt das vielleicht vor in ahd. 'chuti
caule' Graff 4, 366,
d. i. caulae,
schafstall. ebenso steht ags. neben cot
n. und cote
f. auch cyte
f. hütte (
z. b. wächterhütte Grein 1, 181),
altn. neben kot
n. kytja
f. hüttchen Fritzner 380
b.
ob kutte
hütte in dem namen des böhmischen bergortes Kuttenberg,
früher der Kuttenberg (Math.
Sar. 17
a)
enthalten ist? er wird im 14.
jh. amtlich mit 'auf den chutten'
bezeichnet (
z. b. Gengler
cod. jur. mun. 1, 376
a),
daher noch böhm. Kutna
neben Kutná Hora;
die kutten
wären die kaue
der bergleute. I@2@cc)
eine nd. nebenform ist kate,
wieder f. und m. (
s. sp. 274),
und das a
ist da vielleicht nicht blosz die nd. änderung wie in kamen
für komen, gade
für gode
deo (
vgl.kochen I,
b),
denn schwed. kätte
m. verschlag im hause z. b. für vieh (
auch kitte) Rietz 384
b,
altschw. kätti,
altn. keta (
das.),
isl. kéta
für kota Biörn 1, 451
a,
ags. cete
cella Grein 1, 181,
altengl. chete Stratm. 140 (?),
nl. keete
casa, keetken
casula Kil.
erklären sich auch nicht aus kot,
leicht aber aus kat
als stamme. I@33)
der schlieszende consonant macht schwierigkeiten. I@3@aa)
das tt
in kotte
zwar (1,
b)
ist nicht echt, soll nur die bewahrte kürze bezeichnen, wie das th
in kothe, koth
die eingetretene länge; übrigens kommt schon ags. neben cot (
gen. cotes)
auch cott
vor in den nordh. evangelien. wenn bei Schambach 110
b [] kôthûs
haus eines kotsaszen und kothûs
hütte im salzwerke unterschieden werden, so ist das nur späteren ursprungs. I@3@bb)
aber auffallend erscheint das d
in dem md. koden
aus dem 16.
jahrh. (
s. II, 1,
b),
ist das blosze erweichung durch das n
der endung nach der aussprache kodn?
es könnte doch mit dem gleichfalls auffallenden hd. t
in chuti
u. a. (
s. 2,
b)
zusammenhängen; vgl. III, 1,
c. ebenso für köte
sp. 1884
bei Stieler köde. IIII.
Bedeutung. Die allgemeine bedeutung ist haus in geringem sinne, womit sich das wort als ein uraltes verrät, das schon in die geschichtliche zeit als ein heruntergekommenes eintrat. II@11)
Am besten hat es sich in wert erhalten als geringeres wohnhaus. so II@1@aa)
haupts. in Norddeutschland. II@1@a@aα) kote
f., geringes bauernhaus Frisch 1, 540
c,
genauer bauernhaus ohne feld und hofstätte, gewöhnlich nur mit einem garten, das haus eines köters, kossaten, kotsassen,
die eben davon benannt sind; mnd. kote Haltaus 1125.
alts. ist das wort bezeugt in einem ortsnamen Getakoton (
dat. pl.),
s. Crecelius
index bon. et red. Werd. s. 29,
vgl. das. s. 23 duos cottos et mansionem.
götting. köte
f. Schamb. 110
b,
brandenb. kaot
f. (Danneil 98
a),
d. i. kate,
s. d II@1@a@bβ)
wahrscheinlich auch kot
n. (
wie altn., s. d)
nach der anführung Frischs
aus einer urk. v. 1326,
in der '
venditur monasterio in villa Ekhorst una domuncula, quae kot
vulgariter nuncupatur'.
und kote
m. (kotte): der beamte sagte ganz eifrig zu mir, es sind hundert freie kotten durch die nachlässigkeit meiner vorfahren (
im amte) verloren gegangen, weil sie leibeigene darauf gelassen haben, und wann man nicht gleich die leute als biesterfrei behandelt, so ist gar kein mittel einen kotten gegen dergleichen eingriffe zu retten. Möser
phant. (1778) 3, 148
fg. II@1@a@gγ)
es gibt aber auch koten,
die wirklich etwas bauland und darum hofgebäude und anspann besitzen, aber nicht bis zu einer vollen hufe; so ist aber doch auch von kötergütern
die rede. vergl. erbkotte, markkotte (Möser
osn. gesch. 1, 4
ff.),
s. auch unter d aus Schottland und weiter unter köter. II@1@bb)
in gleicher bed. einzeln auch auf md. boden, aber nur im westen (
im östl. Mitteldeutschland entspricht dem köter
der häusler, gärtner),
in der form kode. Vilmar 215
bringt aus hessischen urk. des 16.
jh. bei: aus einem garten und koden; usz einem kodden; iiij hanen gibt (
als zins) relicta Jordan Winthers vom koden,
in lat. fassung de domo.
auch Scherz 807
bringt einen md. beleg aus einer '
rechn. des dorfs Bell.': daselbsten fällt jahrs 2 alb. von 9 koden, von jeglichem koden 2 alb. 2 heller,
ist das etwa aus der Pfalz? II@1@cc)
merkw. aber ganz ähnlich auch in Schwaben: kott, kotten
f., kotthäusle
n., nebenwohnung bei einem bauernhause, die sich der erbpachter von dem, welchem er das baurengut übergiebt, auf seine lebenszeit ausbedingt, ausdinghäusle. Schmid 321. II@1@dd)
auch in Norwegen lebte kot
n. in dem nordd. sinne, dazu kotkarl
häusler (Möbius 239),
letzteres auch altschwed. und dän.; und bei den Angelsachsen cot
n., dazu cotsæta
kotsasse, sodasz das wort wie das daran geknüpfte rechtsverhältnis in die germ. urzeit weit zurückreichen müssen. aus Schottland gibt Jamieson
unter cottar (
d. i. köter,
kotsasz)
dessen lage an ganz gleich der unserer nordd. köter, sein cot
ist ein haus mit oder ohne gärtchen und einem stückchen ackerland, wofür sie einem herrn oder pächter dienen müssen. auch noch engl. cot,
erweitert cottage (
gleichs. cotagium),
schwed. dial. kta
f. Rietz 381
a,
dän. dial. kodde, kaad,
doch diesz wol nicht ohne nd. einflusz. II@22)
Hütte, nicht zum wohnen, nur zum arbeiten darin oder zu zeitweiligem aufenthalte. II@2@aa)
z. b. 'fischerkote
am ufer des meeres' Ludwig 1061,
nd. köte
hirtenhütte, jägerhütte, köhlerhütte Schamb. 110
b.
aber auch in md. gebiete: auf dem Thüringer walde heiszen schleifmühlen kothen,
leichte holzhäuser über den bächen stehend (Völker
das Thüringer waldgebirge 1836
s. 100),
und selbst im nördl. Franken gibt es solche schleifkothen. II@2@bb)
besonders in salzwerken, hütte worin das salz gesotten wird, nd. kot
n. (
pl. köte), kothûs Schamb. 110
b,
in der sog. thalordnung von Halle a. S. v. j. 1424 koth
n.: beschege ouch eine noth adir eine heimsuchunge in eime kothe, darumb darf man sin koth ufhauwen, wenn (
denn) alle salzwerke sin fri.
neue mitth. d. thür.-sächs. v. 11, 441 (1867); ouch sal man das bluth, dar man die sole mitte stellit, bi tages schine in die kothe (
pl.) obir die straszen mit nichte tragen. 440.
auch aus Halle sind die angaben des Mathesius
u. I, 2,
a, β,
er gibt 126
b an: der (köte) sind 100 besatzt, etlich grosz, mittel, klein,
[] die sind von leim (
lehm) gemacht und mit erden ausgeschütt.
noch jetzt heiszt es in Halle das koth (
pl. kothe
und kothen),
aber nur noch in der bed. unter d, denn die alten kote sind längst durch grosze siedehäuser ersetzt. aus Salzungen im westlichen Thüringen gibt Reinwald 2, 75 salzkothe
f., sie heiszen aber da eig. nappen,
wie in Frankenhausen sölden,
in Lüneburg solder (Keferstein
die Halloren 62
fg.).
in Westfalen aber wieder kotte (
wie 1,
a, β), salzkotte,
daher das salzwerk Salzkotten
dort, im 13.
jh. Saltcotten Höfer
ausw. d. urk. 5 (
vgl. das Getakoton 1,
a).
auch oberdeutsch in diesem sinne bekannt: das salzfasz, so ein groszer bottich und an dem kothe in die erde hineingesetzet ist. Abr. a S. Clara
etwas für alle (
Würzb. 1711) 2, 561; sowol in die königliche kothe als der sog. pfänner oder salzjunker ihre. 2, 562,
es ist wol aber von nordd. salzwerken die rede. II@2@cc)
eigen ist engl. 'cote
a salt-pit' Halliwell 272
b,
doch wol eig. das haus über der grube? wie weit rückt aber damit diesz wort für das salzhaus ins alterthum zurück, da hier an entlehnung wol nicht zu denken ist. aber eigner weise gibt auch Stieler 1676 salzköte
vielmehr als salzgrube, salzquelle, Steinbach 1, 921
stellt salzkothe
salina unter angenommenes kothe
fovea, und Frisch 1, 540
c bringt aus Fritsch var. tract. 266
eine angabe aus lüneburg. salzwerken, dasz die soole 'in die gruben oder koten'
geleitet wird. ist das nur verwechselung mit kaute
grube? II@2@dd) koth
n. heiszt auch der antheil an einem salzwerke (
wie kux
beim bergwerke),
so in Halle, auch götting., z. b. ein werk ist in vöftein köte delt Schamb. 110
b;
der antheil nach der einzelnen siedehütte benannt. II@33)
Endlich blosz als schuppen, stall u. ä. II@3@aa)
das schwäb. kott, kotthäusle
unter 1,
c ist auch ein behälter für holz, gerätschaften u. dgl. beim bauernhause. Schmid 321,
und dieser begriff sieht doch nicht entlehnt aus. II@3@bb)
für stall besteht es nd., hamb. kott '
keficht, gehäuse, worin man geflügel mästet',
z. b. kapûnenkott, dûvenkott Richey 136.
auch nl. verkenskot
schweinestall, hondekot
u. ä., engl. dial. cot
viehstall Hall. 272
b,
vgl. die nord. wörter unter I, 2,
c. das verächtliche tritt recht hervor in nl. hoerekot
bordell, schon mnl. horenkot Dief. 466
b;
vgl. schott. kitt
bordell, das auch Jamieson
auf ags. cyte
zurückführt. II@3@cc)
westf. auch lager von wild, wie hasenkott, eichhornkott.
so ist das wort von den menschen heruntergekommen zu den thieren, erst im hause, dann im walde. in den nordhumbr. evang. steht cott
noch von der kammer, in der man z. b. beten soll: ingâ in ðînum cotte and .. gebidda ðînne fäder.
Matth. 6, 6. IIIIII.
Verbreitung und verwandtschaft. III@11)
die verbreitung über das germ. gebiet ist schon aus obigem ersichtlich. III@1@aa)
wichtig aber ist das spurweise auftreten auf hd. gebiete mit demselbem t
wie in den sprachen niederdeutscher lautstufe. wenn das ahd. chuti I, 2,
b nicht sicher ist, ist es doch das schwäb. kotte
f. II, 1,
c, und der stamm erscheint, in erweiterung, auch in bair. kotter
m. (
s. d.),
haus in verächtlichem gebrauch; die erweiterung liesze sich nord. wiederfinden in isl. kytra
f. winkel im hause, eine bedeutung die auch kota
isl. hat. III@1@bb)
das rätsel der mangelnden verschiebung wiederholt sich in hütte,
das aus ahd. zeit her gut hd. ist (
östr., alem.),
aber mit gleicher lautstufe bis in den norden geht in nd. nl. hutte (
br. wb., Kil.),
engl. hut,
dän. hytte,
norw. hytta;
das trifft aber in der bed. ganz, in den lauten mehr als halb mit kote
überein. III@1@cc)
das md. kode II, 1,
b reicht kaum aus, um in dem hd. kotte, kotter
eine nebenform mit eigner lautstufe zu begründen, wie z. b. in hd. kittele
zicklein neben kitz (
sp. 870),
umgekehrt klatze
neben klate
kralle (
sp. 1008). III@22)
Das wort greift aber über Deutschland hinaus, und immer ohne lautverschiebung. III@2@aa)
gael. cot
m. a cottage wird zwar ausdrücklich als englisches lehnwort angegeben (coiteir
a cotter, cottager, s. u. II, 1,
d),
und kymr. cwtt
m. a cottage mag es also auch sein, allenfalls auch cwtt moch
schweinestall (
s. II, 3,
b).
ebenso könnte ehstn. koddo
haus, finn. kota
haus, hütte germ. einflusz sein. vgl. Diefenbach
goth. wb. 2, 546
fg. III@2@bb)
aber slav. wörter bei Miklosich 306
b sind als entlehnt kaum vorstellbar, altsl. kotĭcĭ
cella, mansiuncula, bulg. kotec,
serb. kotac, kot
und noch weiter verbreitet. und selbst ein altind. wort stimmt ohne verschiebung, kuṭi
hütte, das Bopp
mit hütte
zusammenstellt, vgl. zend. kata
haus Justi 77
a.
da drängt sich denn wieder der gedanke auf an ein urverwandtes entsprechen zugleich mit und ohne verschiebung, wie sp. 14. 349. 306 (kauchen
am ende).
übrigens s. auch kötze
korb am ende.