gott,
m. ,
deus. herkunft und form. ahd. cot, got,
mhd. got,
mnd. got,
mnl., nl. god,
as. god,
ags. god,
engl. god,
afries. god,
an. goð, guð,
dän., schwed., norw. gud,
got. guþ.
das wort kann man geradezu als kennzeichen der germ. sprachen ansehen, wie es schon Jos. Just. Scaliger 1599
tat (Thomsen
gesch. d. sprachwissenschaft [1927] 33).
die zahlreichen versuche, das germ. neutr. *guða-
mit parallelen bildungen anderer idg. sprachen in verbindung zu bringen bzw. es auf seine idg. wurzel zurückzuführen, haben ein formal zwingendes und bedeutungsmäszig voll befriedigendes ergebnis bis heute nicht gezeitigt. einen überblick über die bisherigen bemühungen gibt Wimmer in:
zs. f. kath. theol. 41, 625
ff., vgl. auch Feist
et. wb. d. got. spr. 3227
f. zu den heute noch ernsthaft diskutierten deutungsversuchen gehören namentlich jene, die das wort als eine idg. partizipialbildung (
mit -tó-)
auffassen. am ersten scheint hier rückführung auf die idg. wurzel *ĝhau-'
rufen',
part. *ĝhu-to- '
angerufen'
möglich, so dasz idg. *ĝhu-tó-m
als '
das (
durch zauberwort)
angerufene oder berufene wesen' (
so zuerst Osthoff
morphol. unters. 4, 84;
Bezzenberger beitr. 24, 191
ff.)
zu interpretieren wäre, vgl. ai. part. hūtá- '
geladen, angerufen'
und puru-hūtá-h '
viel angerufen'
als beiname Indras in den Veden. auf den zusammenhang magischer sphäre und zauberischer berufung deuten u. a. lit. žavéti '
zaubern',
lett. zavēt '
zaubern',
dazu gall. gutuater
für eine bestimmte klasse von priestern aus *ghutupətēr '
vater (
meister)
des anrufs (
an gott)',
vgl. Walde-Pokorny 1, 529
f.; Pokorny
idg. etym. wb. 413; Kluge-Goetze
5275
b. —
erwähnung verdient noch die verknüpfung von *guða-
als '
das, dem geopfert wird'
mit der idg. wurzel *ĝheu- '
gieszen'
in der —
im germ. allerdings nicht belegten —
anwendung auf das trankopfer (Bury in:
Bezzenb. beitr. 7, 99);
dagegen ist es nicht angängig, mit Aufrecht in:
Bezzenb. beitr. 20, 256
* guða-
als '
gegossenes bild'
zu fassen. aus der umfangreichen literatur über die german. gottesbezeichnungen und über die einschmelzung von germ. *guða-
in den christlichen gebrauch vgl. an jüngeren darlegungen namentlich M. Cahen
le mot Dieu en vieux-scandinave (
Paris 1921); G. L. Wiens
d. frühchristl. gottesbezeichn. im german.-altdtsch. in: neue forschung nr. 25 (
Berlin 1935); E. Luginbühl
d. dt. kirchensprache (1936),
wiss. beilage z. 80.
programm der St.-Gallischen kantonsschule für 1936/37; Jan de Vries
altgerman. religionsgesch. 2 (1937) § 137-142; W. Baetke 'guð'
in altnord. eidesformeln in: PBB 70, 351-371.
im rückgriff auf das neutr. germ. *guða- (
neutr. wie das wort für '
mensch'
und '
tier',
weil es masculina und feminina zusammenfaszt, s. W. Schulze
kl. schr. 221)
als bezeichnung des christengottes treffen sich alle germanischen stämme. mit dieser in den dienst der mission tretenden wahl wurde für den religiösen hauptbegriff die bis auf den heutigen tag gültige einheitlichkeit des germanischen sprachgebrauchs begründet. während die einzelphasen der aneignung von *guða-
für den christlichen gebrauch im ost- und westgerm. nur in spuren oder gar nicht mehr greifbar sind, erlaubt die relativ junge, über zwei jahrhunderte ausgedehnte bekehrungsgeschichte im anord. sprachraum Skandinaviens beobachtungen, die wohl auch für die anderen germanischen dialekte bedingte gültigkeit besitzen. danach empfahl sich an. goð (guð),
n., durch seine unspezifische bedeutung, deren ursprünglicher sinn kaum noch gefühlt wurde, durch seine feste verwurzelung im allgemeinen sprachgebrauch gegenüber seinen nur poetisch verwendeten synonymen und namentlich durch seine fähigkeit, trotz seines vorwiegend pluralischen gebrauchs als singularisches appellativum der bezeichnung einer einzelnen gottheit zu dienen. diese fähigkeit besasz unter den zahlreichen vorchristlich-anord. gottesbezeichnungen, wie den pluralia tantum regin, hopt, bǫnd, fjǫrg, véar
u. a. als umschreibungen für die unpersönlich gedachten schicksalsmächte, allenfalls noch der an. pl. tívar '
götter',
dessen idg. wurzel *deios
sich in ai. dēváḥ,
lat. deus
namentlich auszergermanisch fortsetzt. er begegnet singularisch als eigenname des höchsten himmelsgottes, später des kriegsgottes an. Týr (
vgl. ags. Tīw,
ahd. Ziu)
und daneben, wie goð,
auch als singular. appellativ, jedoch nur in poetischer sprache. eine zu deutlich heidnische färbung mochte seiner aufnahme in den christlichen wortschatz im wege stehen, wie sich weiterhin etwa der göttername der Asen (
an. áss,
pl. æsir)
wohl durch seine bindung an bestimmte kultformen in nordischer spätzeit für den christlichen gebrauch als ungeeignet erwies und die älteren ost- und westgerman. spuren des namens in niedere religiöse sphäre weisen. um das heidnische germ. *guða-
in den einzelnen dialekten den christlichen missionszwecken gefügig zu machen, war der gebrauch des wortes als eines maskulinen singulars unerläszlich: nur so vermochte es den einen christlichen gott (
in der art eines eigennamens, vgl. den ahd. acc. sg. gotan
entsprechend der flexion der eigennamen)
zu bezeichnen, und nur so grenzte es ihn von den zunächst weiterhin neutral und vorwiegend pluralisch gebrauchten formen des wortes zur bezeichnung der alten gottheiten eindeutig ab. das ausbleiben der maskulinen nominativendung in got. guþ,
m., gen. gudis (
geschrieben gþ, gþs,
s. PBB 21, 562
ff.; Bezzenb. beitr. 24, 199;
dagegen Traube
nomina sacra 274),
an. god (guð)
läszt das ursprünglich neutrale genus ebenso erkennen wie die pluralformen got. guda,
ags. godu (
neben jüngerem maskul. pl. godas),
an. goð, guð.
nur in ahd. got,
m., pl. gota,
selbst der frühesten literarischen zeugnisse, sind die sicher auch hier vorauszusetzenden vorstufen infolge der stürmischen und gegen das heidnisch-religiöse vokabular unduldsamen missionierung nicht mehr erkennbar. erst nach seiner endgültigen christianisierung gibt auch der norden das alte neutrale geschlecht des wortes in den meisten gebieten auf und bildet in aschwed.-anorw. guðir
einen maskul. pl. für die heidnischen götter, doch bewahrt das isländ., unter zusätzlicher inanspruchnahme eines wechsels im stammvokal, in goð,
n., für den heidnischen gott neben guð,
m., für den christlichen das alte neutrum z. t. noch heute. zur lautform: dem ahd. lautstand entsprechend in den obd. quellen des 8.-10.
jhs. vorwiegend mit anlautender tenuis, zunächst cot (
Pa, K , Ra)
ahd. gl. 1, 98, 2
St.-S.; cot (
K) 1, 198, 36; cutum (
Pa), cotum (
K), cotom (
Ra), coto (
R) 1, 102, 2
u. ö., dann auf grund orthographischer neuerung kot (9.
jh.)
kl. ahd. sprachdenkm. 310, 22; 26
Steinm. u. o., nach Jac.
Grimm gr. 21, 149
anm. nur zögernd angesichts der heiligkeit des namens. got
daneben seit dem 9.
jh., jüngeres kot
statt got
noch bei Notker
im rahmen seines anlautgesetzes. mnd. anlautendes gh-
für g-
in ghod
nicht selten, vgl. die nachweise aus mnd. urkunden des 13.
und 14.
jhs. bei Lasch
mnd. gr. § 341,
dazu ghodes (15.
jh.)
Theophilus 44
Petsch. der stammvokal bewahrt qualitativ und quantitativ durchgehende festigkeit. die in obd. hss. des 12.
jhs. nicht ganz seltene schreibung gôt (
z. b. Benediktbeur. gl. u. beichte III 43; 104; 137
Steinmeyer; dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 138, 27
Diemer)
deutet nicht auf dehnung des stammsilbenvokals, für die sonst keinerlei anzeichen vorliegen, sondern auf betonte kürze, vgl. Paul Sievers
d. accente in ahd. u. as. hss. 39; 126. —
die ahd. für abgot
bezeugten -u-
formen des plurals scheinen got
nicht berührt zu haben; ein vereinzeltes cutum
diuum (
Pa)
ahd. gl. 1, 103, 2
St.-S. ist wohl schreibfehler für cotum,
s. PBB 67, 432.
dagegen begegnet jünger im fränk. -u-
statt -o-
im stammvokal trotz Franck
altfränk. gr. § 21, 5
gelegentlich auch bei got,
vgl.gut Williram 19, 3
var. der Trierer hs. nach PBB 67, 432, guth (: geboth)
Rother 516
Frings (
gut v. Bahder; guth
de Vries). —
der mnd. übergang von o
zu a
erscheint bei got,
in den flektierten formen des wortes, vereinzelt schon im späten 14.
jh., häufig seit dem 15.
jh., vgl. die nachweise bei Lasch
mnd. gr. § 89
und PBB 7, 50
f.; für spätere zeit gade (1544)
bei Haltaus
gl. 734; gadesz (
Hamburg 1553)
bei Schirmer
kaufmannsspr. 118; gades Rotmann
restitution 82
ndr. u. ö., s. auch unten jüngere nd. formen. zur lautform und schreibung des dentals: über das verhältnis der westmd.-fränk. formen mit d
statt t
in ahd. zeit s. Braune ahd. gr. § 163
anm. 1,
dazu noch godes heilegon (
rhfrk. 10.
jh.)
kl. ahd. sprachdenkm. 329, 1
Steinmeyer. das gleiche gebiet hält bis tief ins mhd. inlautend weithin an den -d-
formen fest, vgl. z. b. godis sun
Annolied 52
b Roediger; 583; 852
u. ö.; godes gewalt
Upsalaer sündenkl. 9
Waag; godes
Arnsteiner Marienleich 7
Waag u. o.; godes frunt
hl. Elisabeth 2838
Rieger; 5600; di engele godis
parad. anime 11, 11
Strauch; ferner godes licham (14.
jh.)
bei Uhland
volksl. 639;
vgl. 638; godis lichnam (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 212
a;
vereinzelt in einer unsicherheit verratenden schreibung: mit gotdes craft
mittelfränk. bruchstücke 20
Kraus; daneben auch die sonst im auslaut (
s. u.)
begegnende schreibung -th-: zo gothe
Rother 378
Frings; gothis 1201.
auslautend herrscht, auch im westl. md., -t
vor, doch zeigt sich, wie im ahd. (
s. Braune
a. a. o.),
so auch später noch vereinzelt -d: god (
westmd. 13.
jh.)
ahd. gl. 3, 379, 50
St.-S.; god grusz dich (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 509
b.
häufiger begegnet mhd., vornehmlich westmd., aber auch sonst -th
statt -t
im auslaut: goth
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 380, 22
Diemer (
hs. österr. 12.
jh.)
neben sonstigem got
der gleichen quelle; goth Williram 19, 3
Seem., var. d. Ebersberger hs.; goth
Rother 285
Frings; 360; guth 516
neben häufigerem got 1002; 1061; 1236
u. ö.; goth
mittelfränk. legendar H 178
Kraus; goth (
westmd. 13.
jh.)
ahd. gl. 3, 390, 1
St.-S.; jünger goth (
schles. ? 1420) Diefenbach
gl. 323
a.
in noch späterer zeit steht die schreibung vereinzelt bei Luther: unsern goth 9, 127
W.; gothe (
dat. sg.)
ebda. —
im mnd. gilt inlautend -d-
statt hd. -t-
fast ausnahmslos, einfach (godes,
gode)
oder geminiert, vgl. gotdes (
Halberstadt 1377)
bei Lasch
mnd. gr. § 306, goddis (
Hildesheim 1394;
Quedlinburg 1403)
in: PBB 7, 66
und jüngeres leider goddes Schottel
friedenssieg 45
ndr., während ein gotes (
Anhalt)
bei Lasch
a. a. o. § 313,
gottes (
Dortmund 1459)
in: PBB 7, 73
isoliert stehen. im auslaut herrscht -t
vor, auch -dt
geschrieben: godt (
Homb. 1314)
in: PBB 7, 73; Tappius
adag. (1545) a 4
b (
im unterschied zu mnl. nl. god,
das bei diesem wort die sonst auch hier geltende auslautsverhärtung nicht durchführt, wozu Jac. Grimm
gr. 21, 412
anm.).
die gelegentliche mnd. schreibung god (11.
jh. Werden)
ahd. gl. 1, 789, 58
St.-S.; (
Braunschw. 1345)
bei Lasch
a. a. o. § 305; (1412)
bei Pardessus
coll. de lois marit. 2, 458
u. ö. hat als etymologische zu gelten. die schreibung des wortes mit einfacher konsonanz (-t
statt heutigem -tt)
gilt ahd. fast ausnahmslos, nur singulär cotto
deorum (
K)
neben coto (
Pa, Ra)
ahd. gl. 1, 103, 3
St.-S. und neben cotum
diuum (
K)
ebda 2,
ferner (10.
jh.) be gotta
ebda 5, 518, 16, be gott 520, 6.
auch im mhd. gilt einfacher dental, wie ihn die normalisierten texte durchgehend setzen. die vom 13.-16.
jh. herrschenden übergangsverhältnisse scheinen folgendes bild zu bieten, wobei freilich das berücksichtigte material angesichts der uferlosen häufigkeit des wortgebrauchs kaum mehr als den wert einer stichprobe beanspruchen kann: gelegentlich bringen schon hss. des 13.,
verstärkt solche des 14.
jhs., schreibungen mit -tt-,
in den flektierten formen sehr viel häufiger als in den unflektierten oder apokopierten, immer aber neben der alten schreibung mit einfachem dental, die vorherrschend bleibt; vgl. etwa an frühen beispielen osterspiel von Muri (
hs. anfang des 13.
jhs.)
in: Germ. 8, 289: gottes; 297: gotte (
acc. pl.)
neben got 287; 293;
in der Wernigeroder hs. der weltchronik des Rudolf v. Ems (
um 1300): gotte (
dat. sg.) 11 659
Ehrism.; 11 666; gotte (
n. pl.) 3241
neben gotis 11 661; 11 667
u. ö.; göte 3209; 3224
u. ö. unterschiedliche behandlung flektierter und unflektierter formen scheint in manchen hss. des späten 13.
und des 14.
jhs. bereits konsequent durchgeführt zu sein, so im Wasserburgischen kodex des Willehalm von Rudolf v. Ems (
ende des 13. jhs.): gotte (
dat. sg.) 608
Ehrism.; gottes 985; 2137; 2141; 3450
u. o. neben got 196; 354; 585
u. o., vgl. in engster nachbarschaft: got und gottes gebot 11 882;
ähnlich liegen die dinge in der hs. A (1387)
des St. Georgener pred., vgl.: ze gotte und in got 287
R.; in gotte und got in aller creature 185
sowie in den hss. der Tauler
predigten des 14.
jhs., vgl. die Vettersche ausgabe, doppelkonsonanz im wortauslaut darf für das 14.
jh. wohl noch als ungewöhnlich gelten, doch vgl. Hartmann v. Aue
armer Heinr. nach d. Straszburger hs. (14.
jh.): gott 145
Gierach; 914; 925; 1317
neben got 254; 352; 384; 458; 608
u. ö.; Heinrich v. Neustadt
Apollonius (
hs. 14.
jh.) sammer gott 10 254
Singer; gott 10 353
neben got 10 317; 10 350; 10 277
u. ö. im 15.
jh. wird die vorherrschaft der schreibung mit einfachem -t,
auch in den flektierten formen, noch nicht gebrochen. erst im 16.
jh. kehrt sich das verhältnis eindeutig um. Luther
schreibt in seiner bibel nur gott
und gottes, gotte, götter,
läszt aber sonst gelegentlich die alte schreibung gelten, vgl. etwa got 14, 443
W.; got geb 10, 3, 403; zu gote 1, 200; gotes volck 34, 1, 431;
ähnliches gilt für H. Sachs, Murner
u. a. innerhalb der für die doppelschreibung anfälligeren flektierten formen bewahrt einfaches -t-
zähere dauer in den genitivischen kurzformen gots
und gotz,
vgl. z. b. gots urtayl Luther 10, 3, 187
W.; gotz fluch
Zimmer. chron. 23, 123
B.; gotz Custos
itinerar. (1600) c 1
a.
die alte schreibung begegnet noch im 17.
jh.: hinter got Eyering
prov. copia (1601) 2, 225; in gots furcht Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) g 8
a. Weckherlin
hat zwar durchgehend gottes, götter,
aber stets got,
auch in den späten drucken von 1641
u. 1648,
vgl.got 1, 390
Fischer neben gottes seegen
ebda; mein got 2, 33
neben gottes lob
ebda. Rachel
satyr. ged. setzt, vielleicht unter mundartlich nd. einflusz, got 50; 63; 75; 78; 82
u. ö. und gott 50; 119; 123
u. ö. in ständigem wechsel. spätere fälle wie um goteswillen Friedrich
d. Gr.
br. an Fredersdorf 199
Richter; du got der donner Klopstock
oden 1, 10
M.-P. (
fassung v. j. 1747;
dafür 1767: gott)
haben als regelwidrige verstösze zu gelten. lautformen des wortes in der flexion: im mnd. gelegentlich formen mit angehängtem -e
im nom. (
und acc., s. u.)
sg., vgl. gode, godde
s. v. got Schiller-Lübben 2, 135.
vielleicht von hier aus ein ganz vereinzeltes min gote (: gebote)
väterbuch 9680
R. in angrenzendem md. gebiet. der gen. sg. lautet spätahd., auch obd., gelegentlich gotis: gotis mageden (11.-12.
jh.)
kl. ahd. sprachdenkm. 336, 7
Steinm.; (12.
jh.) 358, 45; 46; 47
u. o., dazu Braune
ahd. gr. § 60.
später, und noch bis ins ältere nhd., ist er als gotis, godis
im md. reich bezeugt, oft noch in den früheren schriften Luthers,
s. Diez
Lutherwb. 149
a.
sporadisch dringen diese formen auch in die grenzgebiete des mnd. ein, s. die nachweise in PBB 7, 65
f. —
die zumal in der abhängigkeit von einem substantiv älternhd. äuszerst verbreitete synkopierte kurzform des genitivs scheint mhd. (
obd.)
um die wende vom 13.
zum 14.
jh. aufzukommen, zunächst wohl als metrisch bedingte form der gebundenen rede, z. b.: gots heilikeit uf allen wegen Rudolf v. Ems
weltchron. 9869 (
hs. um 1300)
Ehrism.; vgl. 15 289,
gegen: swa du gotis heilikeit
ebda 15 258;
vgl. 15 261.
schon im 14.
jh. auch in ungebundener rede, vgl. gotz werk 213, 8; barmherzkeit gotz 219, 27
u. o. ganz überwiegend neben fällen wie den wunden gottes Tauler
pred. 173, 9
Vetter (
Engelberger hs., mitte d. 14.
jhs.; in den Straszburger hss. [2.
hälfte d. 14.
jhs.]
scheint das häufigkeitsverhältnis umgekehrt).
im 15.
und 16.
jh. häufen sich die fälle auszerordentlich, zumal in den festen genitivverbindungen der fluch- und beteuerungsformeln (
s. u. I J 5),
in der schreibung gotz,
auch gocz ([15.
jh.]
bei Brenner
Bayerns maa. 2, 384; 439; [15.
jh. obd.] Diefenbach
n. gl. 127
b; 300
b; gocz marter [
aus obd. gefärbter vorlage]
bei Luther 34, 2, 90
W.)
neben gots, gotts. Luther
bedient sich der kurzform nicht selten, vgl. (
bis 1528) Diez
Lutherwb. 149
a.
auch das mnd. hat gelegentlich gods, gots Lasch
mnd. gr. § 363
anm. 1; in der leefte godz J. Veghe 9, 18
Jostes. im jüngeren nhd. beschränkt sich die im ganzen seltene anwendung der genitivischen kurzform auf die auch in älterem gebrauch (
und in der mundart, s. Fischer schwäb. 3, 763; Schmeller-Fr.
bair. 1, 959)
bevorzugte stellung vor dem beziehungswort: ein gotts lohn Wieland
bei Merck 1, 83; gotts lohn! A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 306; gotts wunder! Eichendorff
s. w. (1864) 1, 249; 4, 484; gotts tannenbaum! Heer
könig d. Bernina (1904) 11.
ein ahd. dat. sg. auf -a
bei got
nur vereinzelt: goda endi mi
de Heinrico 13
Steinmeyer. über die möglichkeit eines ahd. dat. sg. goto
vgl. MSD 2, 449
und gkoto liebosta
Georgslied 4
Steinm. (
text d. hs.); demo almahtigen goto
Benediktbeur. gl. u. beichte II 19
Steinmeyer; 24; 34. —
schwund des -e
der dativendung, sofern es sich nicht um blosze elision handelt (
wie schon Otfrid
an Ludw. 32; II 12, 10),
ist bei got
obd. bereits gegen ende des 11.
jhs. und im 12.
jh. nicht selten: demo almahtigen got
Benediktbeur. gl. u. beichte II 21
Steinmeyer neben gote
ebda 1; 11; 16
und goto 19; 24; got (
dat. sg.)
Wessobr. gl. u. beichte II 31
Steinm. neben uone gote
ebda 53; got (
dat. sg.)
Benediktbeur. gl. u. beichte III 43; 58; 61; 65; 69; 74
Steinm. neben gote
ebda 54;
ähnlich die hochzeit 52; 345; 412; 515; 519; 707; 805
Waag neben einmal gote
ebda 364
usw., doch hat die volle form gote
im mhd. noch als die normale zu gelten. im frühnhd. setzt sich die endungslose form mehr und mehr durch, bei Luther
hat sie in der bibel und auch sonst bereits das übergewicht. gotte
bleibt aber auch in jüngerem gebrauch noch möglich, und zwar nicht nur aus metrischen rücksichten in gebundener rede oder (
so Paul
dt. gramm. 2, 8)
in auszermonotheistischer anwendung, vgl. z. b.: dem grundgütigen gotte J. Prätorius
philos. colus (1662) 21; stünde es darum gotte minder frey Lessing 13, 420
L.-M.; der groszen urquelle ... nämlich gotte E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 346; (
auch die mundart kennt gelegentlich noch die vollform des dativs, vgl. pa gotte, kighen gotte Schmeller
cimbr. 125; med gode! Woeste
westfäl. 82
a).
ein ahd. acc. sg. cotan
deum (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 732, 53
St.-S.; vgl. 731, 60; 734, 27;
Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachdenkm. 200, 4; 211, 1; 205, 13
Steinm. u. ö. bezeugt, dasz das wort als eigenname behandelt wurde, vgl. M. Cahen
le mot Dieu 37.
in dem mnl. acc. gode (
neben god)
lebt diese form weiter, s. Franck
mnl. gr. § 178, 5; Verwijs-Verdam 2, 2005;
sie findet sich auch im mnd., vgl. die nachweise gode, godde, gadde
s. v. got
bei Schiller-Lübben 2, 135
b und: de gode vorlevet (
d. i. '
wer Christus überlebt') Tunnicius
sprichw. nr. 351.
von da aus scheint sie vereinzelt ins md. zu dringen: durch gote
väterbuch 23 310
Reiss.; 25 303; ich bite gote
ebda 23 272.
euphemistische verhüllungen und entstellungen des wortes gott
im singular wie gocks, potz, kotz, goll, göll
u. ä. s. u. I J 1 b
β; 4 b
und bes. 5.
der heute allein gültige plural götter
steht am ende einer langen, mehrsträngigen entwicklung. wie das wort in der gesamten ahd. überlieferung von seinem ursprünglich neutralen geschlecht nichts bewahrt hat, so steht hier von vornherein den alten neutralen pluralformen got. guda,
an. goð,
ags. godu
nur ein maskuliner plural gota
gegenüber. zunächst lediglich in den fränkischen quellen des Isidor (13, 20; 21, 8
H.),
des Weissenb. katechism. (72; 77
Steinmeyer),
des Otfrid (III 22, 49)
und des Tatian (134, 8)
und nur in der bezeichnung der drei personen der trinität oder im anschlusz an Joh. 10, 34
f. (
ps. 82, 6),
erst seit Notker
auch im obd., und in der anwendung auf heidnische gottheiten, z. b. gota Notker 1, 190, 13
P.; 247, 27; 248, 2; 697, 13; 714, 24; 2, 569, 11
u. ö. die beschränkung auf maskul. pluralbildung gilt auch für die ahd. komposita mit -got
als zweitem kompositionsglied bis auf die von der bedeutung her nur bedingt als ausnahmen gültigen beiden glossen helligot
für manes: (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 653, 74
St.-S.; (11.-12.
jh.) 4, 205, 10,
s. PBB 67, 420
f., während die auffassung des irmingot
Hildebrandsl. 30
Steinm. als neutr. n. pl. nur eine der vielen verschiedenen möglichkeiten bleibt, s. a. a. o. 423
f. das mhd. hält an diesem alten, unerweiterten plural als normaler und vorwiegend gebrauchter bildung fest, wobei sich freilich neben den n., acc. pl. gote,
später auch gotte
der maskul. a-
klasse nach der mitte des 13.
jhs. als göte,
später auch götte
ein plural der i-
klasse stellt, vgl. z. b. göte Konrad v. Würzburg
Silvester 322; 349; 1407; 2122; 2125
u. ö. Gereke (
hs. 13.
jh.);
troj. krieg 17 632; 20 442
u. ö.; Rudolf v. Ems
weltchron. 3209; 3224 (:gebote)
Ehrism. (
hs. um 1300).
er scheint (
bes. apokopiert, s. u.)
im 15.
jh. sogar die häufigste form zu sein und ist noch im 16.
jh. unter den verschiedenen möglichkeiten die stärkste konkurrenzform. md. gelegentlich sind formen mit -d-,
mnd. regelgerecht solche mit -d-
oder -dd-: gode
parad. anime 16, 25
Strauch; (
nd. 14.
jh.)
städtechron. 1, 119; goden (
d. pl.) (
Köln 1499)
ebda 13, 455; godde (
nd. 1417) Diefenbach
n. gl. 83
b; gödde (
nd. 1417)
ebda 153
a.
neben gote
wie göte
stehen die apokopierten formen got
und göt, gött,
vgl. schon: vrmd
e got
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 158, 12
Diemer; ferner z. b. drî got Wolfram
Willehalm 291, 21.
weit häufiger göt, gött,
besonders im 15.
jh. und in der ersten hälfte des 16.
jhs. im bildungsbereich all dieser formen zeigt der gen. pl. frühnhd. vereinzelt apokope: unser gött gefallen Arigo
decameron 629
lit. ver.; der irdischen gött
N. Manuel in:
schweiz. id. 2, 507,
und, dies schon mhd. (
vgl. Weinhold mhd. gr. § 449),
gelegentlichen übertritt in die schw. deklination: der götten Boner
edelstein 22, 21
Pf.; Niclas v. Wyle
translat. 19; 28; 32; 226
K.; Sim. Grunau
preusz. chron. 1, 3
Perlbach, der vereinzelt sogar auf den acc. pl. überzugreifen scheint: die weisen götten Fischart
w. 1, 359
Hauffen. noch in der zweiten hälfte des 16.
jhs. fehlt es nicht an bezeugungen der alten pluralformen, bes. im schweizer. und in literarischen quellen des ostnd. raumes: gött (
acc. pl.) (1560)
in: schweiz. id. 2, 507; gött (
n. pl.) (1587)
ebda; jre götte Hennenberger
beschreibg. d. landes zu Preussen (1584) 6
a; die götte
derselbe, preusz. landtaffel (1595) 14
b; David
preusz. chron. 1, 91.
im übrigen tritt mit dem 17.
jh. der jüngere plural götter die alleinherrschaft an. seine früheste bezeugung fällt in die erste hälfte des 12.
jhs.: unsir gotir
Milst. gen. 120, 11
Diemer (
Wiener hs. dafür gote 86, 21); in den goteren Egipti
ebda 153, 22.
diese im 12.
jh. noch ganz isolierten, im 13.
jh. etwas zahlreicheren formen bezeugen den einflusz des ahd. neutr. abgot,
das neben seinem im 9.
jh. und vielfach später bezeugten neutr. a-
plural abgot
gleichzeitig (
und auch später noch)
in abgutir (
Ja)
ahd. gl. 2, 340, 8
St.-S. einen neutr. -er-
plural aufweist. ein maskul. pl. abgota
ist relativ jung (11.
jh.)
und nur durch unmittelbare gegenüberstellung zu gota
hervorgerufen, vgl. im einzelnen hierzu und zum folgenden E. Karg-Gasterstädt got
und abgot
in: PBB 76, 420-433;
dazu Gürtler
z. gesch. d. dt. -er-
plurale in: PBB 37, 412
ff.; 38, 67
ff.: für gott
bes. 38, 132
f. sowenig das ahd. neutr. abgot
als wahrscheinliche entlehnung aus dem got. adj. afgups
seiner bildung nach zum substantiv got
zu gehören scheint, so konnte es in jüngerer zeit den übertritt des maskul. pl. gote
in den bildungsmäszig neutralen -er-
plural immerhin vermitteln, zumal für abgot
ein nebeneinander beider genera bis tief ins mhd. und ein mischgebrauch der alten -er-
plurale und der für got
ursprünglichen a-
und i-
plurale bei abgot
bis in das frühe 16.
jh. hinein (
so bei Zwingli, Nazarei
und vereinzelt bei Luther)
möglich blieb, vgl. die nachweise in PBB 38, 132.
gleichwohl bleibt im ganzen mhd. und noch im 15.
jh. der neue pl. götter (
und oft ohne umlautbezeichnung gotter)
hinter den alten formen zurück, übrigens ohne dasz von der bedeutung her, etwa in einer unterscheidung götter = '
götzenbilder, abgötter'
und göte = '
götter allgemein'
die wahl der formen bestimmt zu sein scheint. nur ein spätfall deutet in diese richtung: die heiden an iren göttern, die doch nit gött sind (1587)
in: schweiz. id. 2, 507.
bemerkenswert aber, und wohl nur aus der analogie zu mhd. daz abgot,
pl. diu abgot
erklärbar, sind einige mhd. fälle, in denen der seiner bildung nach neutrale pl. göter
auch grammatisch neutrales geschlecht anzunehmen scheint, vgl.: die (
Apollo und Mahmet) sint diu göter mîn
Ortnit 271, 3
Amelung (
freilich neben al dîn göter 273, 4); al diu göter
br. Philipp
Marienleben 3403
Rückert. übertritt in schw. deklinationsform n ist beim pl götter
nur vereinzelt und spät bezeugt: der grossen göttern Weckherlin 2, 323
Fischer. im d. pl. gelegentlicher abwurf der endung: von diesen götter (
St. Gallen 1324)
in: PBB 37, 541.
jünger erscheint manchmal pleonastisches -e-
in der dativendung: götteren Pauli
schimpf u. ernst (1522)
nr. 288; Spreng
Ilias (1610) 69; 74.
für die vielfalt der pluralformen, hinsichtlich der bildung wie der lautform, ist im mhd. häufiger promiscue-gebrauch bezeichnend. so im nebeneinander umgelauteter und unumgelauteter formen: göte Rudolf v. Ems
weltchron. 3209; 3224
Ehrism. neben gotte 3241, gote 3203;
in zs. f. dt. alt. 1, 129 goter
neben göter
ebda; götter
d. gr. Alexander 389; 454
Guth, göter 1429
u. o. neben gotern 1199; goter 2167, gottern 4318 (
hs. v. j. 1397
mit einer für got
sonst noch seltenen beschränkung auf den -er-
plural).
aber auch im nebeneinander der alten und der jüngeren pluralbildungen: goten (
d. pl.) Ottokar
österr. reimchron. 46 992; 47 885
u. ö. neben gotern 46 648, goter (
n. pl.) 19 309; gote br. Philipp
Marienleben 3383; 3459
u. ö. neben göter 3340; 3344; 3403.
gleiches, wenn auch schon seltener, begegnet im 15.
und 16.
jh.: göt Steinhöwel
Äsop 41
lit. ver., götten (
d. pl.) 40
neben götter 75; gött Nazarei
v. alten u. neuen gott 6
ndr., götten (
d. pl.) 4
neben götter 4; 6; 7
u. ö., götten (
d. pl.) Pauli
schimpf u. ernst (1522)
nr. 288
neben götteren
ebda. noch Luther
schwankt, zumindest bis etwa 1530,
stark zwischen alter und jüngerer bildung, auch zwischen umgelauteten und umlautlosen formen. die bibel von 1545
hat nur noch götter,
in früheren ausgaben begegnet daneben der n. pl. gotte:
richter 10, 16 (
Zerbst r hs. 1523)
in: bibel 1, 8
W.; häufiger der d. pl. gotten:
richter 10, 6
ebda 7; 10, 8
ebda 8;
2. Mose 12, 12 (
varr. 1523-24)
Bindseil; götten
2. Mose 12, 12 (
varr. 1525-26)
Bindseil; der n. pl. gotter:
richter 10, 14 (
Zerbster hs. 1523)
in: bibel 1, 8
W.; s. auch Franke
schriftspr. Luthers 2, 227.
auszerhalb der bibel findet sich vereinzelt der n. pl. gotte: (1522) 10, 1, 1, 100
W. (
jüngere varr.: gotter [1525]; götter [1530
ff.]);
etwas häufiger gotter: (1530) 30, 2, 607; (1531) 34, 1, 499
W. in den mundarten neigt der anlaut des wortes in teilen des westobd. zur tenuis, vgl. kot Martin-Lienhart
elsäss. 1, 244
a; Meisinger
Rappenau 75
b; Lenz
Handschuhsh. 28,
in mittleren gebieten des md. und nd. zur halbvokalis: jott Jecht
Mansfeld 44
a; Trachsel
Berlin 26.
der stammvokal ist vorwiegend das hochsprachliche offene kurze -o-,
zeigt aber daneben beträchtliche schwankungen, besonders im omd. und im nd.: dehnung in gôt Weinhold
schles. 28; (
Gradlitz) Knothe
Nordböhm. 261,
vokalsenkung zu -u-
in gutt (
Erzgebirge) Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 431
a; gud Gerbet
Vogtland 91
und vereinzelt nd. gud (
in ausrufen) Mensing
schlesw.-holst. 2, 440,
diphthongierung in gout (
Gabersdorf) Knothe
Nordböhm. 261; gaut (
schles. Niederland)
in: zs. f. dt. phil. 3, 347,
nd. in gu
ot Bauer-Collitz
Waldeck 42
und nordfries. guad (1749)
in: PBB 45, 45, gûod (
neben got
als hd. lehnwort) Jensen
nordfries. 167.
den mnd. übergang von o
zu a
zeigen auch jüngere nd. formen: gatt Strodtmann
Osnabrück (1756) 75; um gades willen Dähnert
plattdt. wb. 156
b.
der auslautende dental erscheint md. oft, nd. fast immer als -
d. vom plural des wortes macht die mundart begreiflicherweise nur spärlichen gebrauch. reste der alten pluralbildung: saint da mearar gott? hundart gotte Schmeller
cimbr. 125; wiə vil sán' god? Schmeller-Fr.
bair. 1, 959.
im übrigen hat das obd. wie das md. götter: Fischer
schwäb. 2, 763; gettar Bühler
Davos 4, 56; geder
rhein. wb. 2, 1313; gätter Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 431
a.
das nd. verzeichnet, soweit überhaupt, den plural goden (
wie nl. goden) Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 654;
nordfries. godden Schmidt-Petersen 52
b.
bedeutung und gebrauch. der hauptanwendungsbereich des wortes gott
ist der christliche (I).
in seiner allgemeinen gültigkeit ist das wort hier, auszer in der frühzeit (
s. u.),
von keiner der sonst möglichen benennungen und umschreibungen ernsthaft angetastet worden. so festgelegt es aber gerade hier in den grundlinien seiner bedeutung ist und bleibt, so einzigartig ist die kraft, mit der sein begriffliches gewicht sich in der sprache niederschlägt. spürbar wird die kraft dieses wortes nicht nur in der fast unvergleichbaren häufigkeit seiner anwendung, der auch ein rückgang in jüngerer zeit (
s. PBB 67, 420)
keinen fühlbaren eintrag zu tun vermag, sondern eindrücklicher noch in der unübersehbaren fülle seiner sprachlichen bindungen, verknüpfungen und beziehungen sowie in der gewalt, mit der es den ganzen raum der sp ache auf allen stufen und in allen schichten jederzeit durchdringt. dabei hat der kaum übersehbare bestand geprägten formelgutes, besonders in älterer zeit, weithin als christlichabendländischer gemeinbesitz zu gelten, dem kirchliche sprachpraxis und ihre ausstrahlung in den literarischen raum die allgemeine verbreitung sichern. erst in der lösung aus dem festen gefüge seiner christlich-dogmatischen voraussetzungen und in der begrifflichen verflüchtigung (II)
erlahmt die kraft des wortes hinsichtlich der vielfalt seiner sprachlichen beziehungen. aber noch in der anwendung auf gottheiten anderer religionen und im vergleichenden oder vermenschlichenden gebrauch (III)
tritt neben das eigenständige dieses bereichs vielfach das geprägte gut christlichen sprachbrauchs. zur frühgeschichte des wortes im ahd., seiner reichweite und seiner begrenzung durch synonyme vgl. K. Guntermann
herrschaftl. u. genossenschaftl. termini i. d. geistl. epik d. Westgermanen (
diss. Kiel 1910); G. Ehrismann
d. wörter für '
herr'
im ahd. in: zs. f. dt. wortf. 7, 173-202; E. Luginbühl
stud. zu Notkers übersetz.-kunst (
diss. Zürich 1933) 15
ff.; 111
ff.; G. L. Wiens
a. a. o., s. ob. sp. 1018; Th. Frings
antike u. christent. a. d. wiege d. dt. spr. (1949) 22
ff.: bereits im ältesten deutschen schrifttum ist got
die genaue entsprechung des gr. (
ὁ)
θεό,
lat. Deus im biblisch-monotheistischen sinne. feste beiwörter wie waltant, alwaltant, almahtîg,
die schon durch das omnipotens des apostolikums nahegelegt waren, und komposita wie irmingot (
Hild. 30)
und as. thiodgod (
Heliand 285; 789
u. ö.)
suchten nicht nur einer verwechslung mit den alten gottheiten vorzubeugen, sondern unterstrichen gleichzeitig den umfassenden, jenseitig überweltlichen charakter des begriffs, gleichsam seine objektive seite. für die intimeren, unmittelbar persönlichen beziehungen zwischen mensch und gott jedoch blieb innerhalb der verwendung des ahd. wortes got
ein raum ausgespart, der in der wiedergabe des lat. dominus (deus)
die ganze frühzeit hindurch weniger von got (
so aber z. t. im Tatian, vgl. 2, 3; 3, 9; 6, 1; 7, 2
u. ö.)
als von der wörtergruppe frô, truhtîn
und hêrro
ausgefüllt wurde, die zugleich der benennung Christi diente (got
in prägnanter verwendung für Christus blieb ausnahme, s. u. I B 3). frô '
herr'
freilich, das in got. frauja,
ags. fréa,
as. frôho, frao, frô
den dominus deus als den religiösen herrn bezeichnete, begegnet im ahd. nur noch für den weltlichen herrn und verrät lediglich in der verwendung der adj. frôno, frônisg
den alten geistlichen gebrauch. um so entschiedener tritt das gemeinwestgerm. wort für den herrn der gefolgschaft, ahd. truhtîn (
wie ags. dryhten),
in den religiösen bezirk hinüber, wo es bis zur wende des 10.
und 11.
jhs. neben got
seinen selbständigen anwendungsbereich als gottesbezeichnung behauptet, vor allem auch in der anrede gilt und epitheta wie guot, liob
an sich zieht, die neben got
ungebräuchlich sind. nur zögernd dringt anfangs ahd. hêrro
aus der weltlichen in die religiöse sphäre ein, im unterschied übrigens zum as., das in Heliand und genesis mit frô, drohtin
und hêrro
gleichermaszen die göttlichen personen benennt; erst Notker
setzt es in steigendem masze als bezeichnung gottes, indem er gleichzeitig das alte truhtîn
zurückdrängt, das in seiner nachfolge mehr und mehr auf den individuellen gebrauch als eines göttlichen eigennamens eingeschränkt wird und sich in dieser verwendung noch bis ins höfische zu halten vermag. in der verdrängung des truhtîn
durch hêrro,
das von da ab mit gott
als der jetzt den ganzen vorstellungsbereich beherrschenden und die fülle möglicher beziehungen umfassenden gottes- bezeichnung im gemeinschafts- und wechselverhältnis bleibt (
s. u. I A 6 a),
spiegelt sich der übergang aus dem germanischen gefolgschaftswesen in den mittelalterlichen lehnsstaat wider. II. gott
als der biblische gott der jüdischen bzw. der christlich gedeuteten alttestamentlichen und der christlich-neutestamentlichen offenbarungsreligion, für hebr. ל und םי im sinne eines appellativs wie für die als eigenname gebrauchte bezeichnung הה,
für gr. (
ὁ)
θεός (
z. gebrauch bzw. nichtgebrauch des artikels im neuen testament und bereits in der klass, gräcität vgl. Kittel theol. wb. z. n. t. 3, 93),
für lat. Deus der vu gata. gott
ist name des höchsten, allmächtigen, personhaft gedachten wesens, das die welt geschaffen hat, regiert, erhält und erlöst. in der prägnanten verwendung entspricht dabei gott
durchweg der ersten person der trinität, doch kann von den voraussetzungen des trinitarischen und christologischen dogmas aus die prägnante benennung gott
auch Christus zukommen (
s. u.B).
dem charakter seiner einzigkeit entsprechend und gemäsz seiner verwendung in der art eines eigennamens steht gott
hier seit je artikellos, vgl. schon got. guþ
auch gegenüber gr. ὁ θεός,
und so auch in den übrigen german. sprachen. nur einige besondere gebrauchsweisen ziehen den bestimmten oder unbestimmten artikel an sich (
s. u.A 4; 9; C 1 b; 2; 4). I@AA.
in personaler benennung; ohne jeden zusatz, häufiger aber mit und neben anderen personhaften bezeichnungen, die als benennungen gottes dienen, oder mit sonstigen, meist nominalen erweiterungen. gerade die früheste bezeugungsschicht des wortes ist weithin durch dogmatisch begründete feste prägungen gekennzeichnet, die in frühkirchlicher praxis (
apostolikum)
vorgebildet und in ahd. katechismen, tauf- und glaubensformeln, beichten u. ä. für den missionarisch-katechetischen gebrauch der kirche bestimmt waren, vgl. etwa: truhtin got, cuning himilisger, got fater almahtiger (
domine deus, rex coelestis, deus pater omnipotens)
Weissenb. katech. 113
Steinm.; cot almahtico, du himil enti erda gauuorahtos
Wessobrunner gebet 10
Steinm.; gilaubistu in got fater almahtigan? ih gilaubu
frk. taufgelöbn. 6
Steinm.; ih gihu gote alamahtigen fater inti allen sinen sanctin ... allero minero sunteno
Lorscher beichte 1
Steinm. die meisten hierher gehörigen prägungen bleiben dauernder bestand der religiös-christlichen sprache, nicht nur innerhalb der eigentlich dogmatischen und kirchlichen terminologie, sondern auch in vielfacher ausstrahlung auf den allgemeinen dem worte gott
zugeordneten sprachgebrauch. I@A@11)
ohne weiteren zusatz oder mit bloszer interjektion (
formelhaft ungewichtigere anwendung dieser art s. u. J 3). I@A@1@aa)
nicht selten in der anrede und anrufung, wenn hier auch alte und junge sprache erweiterte gebrauchsweisen bevorzugen und im gebrauch der frühzeit truht în (
s. ob. sp. 1025)
vorherrs ht: got, thir eigenhaf ist, thaz io genathih bist
rheinfränk. gebet 1
Steinm.; hore got mein geschrey, vnd merck auff mein gebet
ps. 61, 2; an gott. ein stiller schauer deiner allgegenwart erschüttert, gott! mich. sanfter erbebt mein herz Klopstock
oden 1, 70
M.-P.; vgl. 72; höre mich! erhöre mich, gott! Göthe I 11, 194
W. als ach gott, o gott
sehr häufig im beginn der protestantischen kirchenlieder d. 16.
u. besonders d. 17.
jhs., vgl. die register bei Ph. Wackernagel
d. dt. kirchenl. (1864). I@A@1@bb)
in der von festen nominal- oder verbalverbindungen freien verwendung bleibt im übrigen die zusatzlose benennung gott
beschränkt: ich diende eim der heizet got Wolfram v. Eschenbach
Parzival 447, 25;
vgl. 119, 17; welchs tags jr da von esset, so werden ewre augen auff gethan, vnd werdet sein wie gott, vnd wissen was gut vnd böse ist
1. Mose 3, 5; welche philosophiam und jura studieren. die werden dadurch weiter von gott abgeführt Lehmann
floril. polit. (1640) 493; immer ist gott dem menschen jenseitig, neu, fern, fremd, überlegen, nie in seinem bereich, nie in seinem besitz, immer sagt wunder, wer gott sagt Karl Barth
Römerbrief (1926) 96. I@A@22)
in trinitarischer sicht und von da her bestimmtem terminologischem gebrauch. I@A@2@aa)
als umfassende bezeichnung der dreieinigkeit: gilaubistu einan got almahtigan in thrinisse inti in einisse?
fränk. taufgelöbnis 9
Steinm.; wir sun gelouben daz ein got drie genemide sint, unde daz die genemede ein war got ist
Lucidarius 2, 4
Heidlauf; vgl. 33, 11; 13; drivaltig got, bhuet mich vor ewig sterben Hugo v. Montfort 46
Wackernell; daz diser segen werde vollebraht in der heren namen drin di ein warer got sin Uhland
volkslieder (1881) 636.
in pluralischem gebrauch nur in der dogmatischen verwahrung gegen polytheistisches miszverständnis: ni sindun zi chilaubanne, dhazs sii dhrii goda siin, so sama so dhea dhrii heida (
personae) sindun, oh in dhem dhrim heidim scal man ziuuaare eina gotnissa beodan (
non autem sicut trespersonae ita et tres dii credendi sun)
Isidor 21, 8
Hench; 13, 20; noch könnens nicht zween götter sein, oder der son ein ander und frembder gott sein. denn das erste gebot leidets nicht, da es sagt: 'du solt nicht ander götter neben mir haben' Luther 54, 41
W. I@A@2@bb)
in der getrennten benennung der drei göttlichen personen als gott vater, gott sohn, gott (heiliger) geist: so sama got fater, got sun, got heilago geist
Weissenb. katech. 71
Steinm.; got vater, got sun, got geist ein war got unzuscheiden Heinrich v. Hesler
apokalypse 707
Helm; vgl. 644; gott vater, gott sohn, gott heil. geist
dio padre, dio figliuolo, dio spirito santo Kramer
t.-ital. 1 (1700) 549
b; mit gott dem vater such' ich dich. mit gott dem sohn find' ich dich, mit got dem hlg. geist vertreib ich dich (
spruch gegen das hinken des viehs)
bei Fischer
schwäb. 3, 1636:
rhein. wb. 2, 1323. I@A@33)
mit betonung des monotheistischen gesichtspunktes, besonders in der verbindung ein oder (ein) einiger gott,
wobei gott
aus der funktion des eigennamens in die des gattungsnamens hinüberwechselt: chihori dhu Israhel, druhtin got dhin ist eino got (
audi Israhel, dominus deus tuus deus unus est)
Isidor 13, 16
H.; diu liute mit ainem ougen, diu bezaihenent âne lougen dî der ainen got pechennent
himml. Jerusalem v. 255
Waag; er aber sprach zu jm, was heissestu mich gut? niemand ist gut, denn der einige gott. wiltu aber zum leben eingehen, so halt die gebot
Matth. 19, 17;
Jak. 2, 19; ein gott, ein könig, ein pfarherr ... denn wenn jhr mehr ist, so verderben sie es gemeiniglich Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) V 3
a.
redensartlich: ik heff een rok un een gott:
ich bin ein armer teufel Schütze
holst. 2, 57. I@A@44)
alttestamentlichen ursprungs ist die zwischen eigenname und gattungsbegriff stehende verbindung (ein, der)
gott der götter, aller götter gott
u. ä., die innerhalb polytheistischer grundvorstellungen den unbedingten vorrang des biblisch-jüdischen gottes umschreibt, in der übernahme in den allgemein-christlichen sprachgebrauch aber eher monotheistisch zu verstehen ist. zur verbindung vgl. biblische wendungen wie herr aller herren, könig aller könige
u. ä., auszerbiblisches buch der bücher
u. ä.: cum apparuerit deus deorum in Syon so uffen uuarto got allero goto irscine Notker 2, 348, 22
P. (
ps. 83, 9); der engel furste Sabaoth (er ist aller gOete got) ist in sines riches throne Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 1046
Singer; dancket dem gott aller götter, denn seine güte weret ewiglich
ps. 136, 2;
Daniel 12, 36; wie ist so grosz und schwer die last, die du uns aufgeleget hast, o aller götter gott! Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 3, 396
a;
confitemini deo deorum iehent is gote dero goto Notker 2, 570, 7
P. (
ps. 135, 2);
vgl. 49, 1; liebe schwingt den seraphsflügel wo der gott der götter wohnt Hölderlin
s. w. 1, 100
Hell.; vgl. 37; 4, 165.
in artikellosem gebrauch wie ein eigenname empfunden: zu Friedrich Wilhelm, als zu einem viel rechtern gott, weil gott der götter die beherrscher der erden selbst so nennet Lohenstein
Arminius (1689) 1,
zuschrifft b 1
b. I@A@55)
der gen. gottes
begegnet in stehenden bezeichnungen Christi, die den charakter des wortes gott
als eines eigennamens (
vgl. dazu ags. goding
für filius dei
in: zs. f. dt. alt. 70, 38)
besonders fühlbar machen. vor allem gottes
sohn, sohn gottes,
neutestamentlichen ursprungs: anastodeins aiwaggeljons Jesuis Christaus sunaus gudis
got. bibel Mark. 1, 1; gelobistu in Crist, godes suno?
sächs. taufgelöbnis 7
Steinm.; dô gotes sun hien erde gie, do versuohten in die juden ie Walther v.
d. Vogelweide 11, 18; das du uns sagest, ob du seiest Christus, der son gottes
Matth. 26, 63;
vgl. Joh. 3, 18
u. o.; well heut anhebt zu erlegen gottes sohn das lösegeld P. Gerhardt
bei Fischer-tümpel
evang. kirchenl. 3, 302.
älter variierend: gotes barn (
filius dei)
Tatian 3, 7;
vgl. Heliand 1164
u. o.; und (
sie) ouch begnade daz gotes kint, daz an alle valsche list ein getruwe gezuk ist Heinrich v. Hesler
apokalypse 862
Helm; (15.
jh.)
in: zs. f. dt. alt. 1, 157.
jünger so vereinzelt noch poetisch: o mensch, beweyne deine sünd, vmb welcher willen gottes kind ein mensche muste werden P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 302.
auch andere verbindungen dieser art haben biblische wurzel: lamp gotes (
agnus dei)
Weissenburger katech. 114
Steinm.; sihe, das ist gottes lamb, welchs der welt sünde tregt
Joh. 1, 29; o lam godes vnschüldich am stam des crützes geslachtet Nic. Decius
in: Wackernagel
kirchenl. 3, 568; das sie nicht sehen das helle liecht des euangelij von der klarheit Christi, welcher ist das ebenbilde gottes
2. Kor. 4, 4; die schrifft nennet Christum nach der gottheit ein mal gottes son, ein mal gottes wort, item gottes bild und gleichnis Luther 17, 2, 313
W. I@A@66) gott
in appositionellen verbindungen, denen auch solche fälle zuzurechnen sind, in denen, wie bei herr gott,
das bestimmende wort voransteht; seltener in kopulativer bindung. I@A@6@aa)
am häufigsten in der verbindung mit herr und seinen nur älteren synonymen, wie ja, besonders unter bibelsprachlichem einflusz, herr
bis heute auch die geläufigste selbständige entsprechung des wortes gott
ist und das kompositum (der) herrgott (
s. d.)
den gebrauch des simplex gott,
freilich nur in den tieferen sprachschichten, zumal in der mundart, überflügelt, vgl. die einschlägigen groszen mundartwbb. (
den zur formel verflachten gebrauch im erstaunten oder ärgerlichen vokativischen ausruf herr gott!
s. u.J 3 d).
über frô, truhtîn
und hêrro
als selbständige bezeichnungen gottes
in der frühen sprache, ihr verhältnis, ihre zeitliche folge s. ob. sp. 1025.
mhd. steht herr
in der verbindung mit got
nur in der vollform herre,
nicht her,
s. Grimm
gramm. 21, 150
anm. I@A@6@a@aα)
zufrühest in der wortfolge truhtîn
oder (
seit dem 11.
jh.) herre got,
die sich in der form herr gott
neben dem schon mhd. (
s. Lexer 1, 1259)
bezeugten und stetig vordringenden kompositum herrgott
bis in die neuzeit behauptet: domini dei truhtines cotes (
Pa); druhtines kotes (
K)
ahd. gl. 1, 172, 29
St.-S.; Otfrid I 10, 3
u. o.; herro got almahtiger (11.
jh.)
kl. ahd. sprachdenkm. 139, 23
Steinmeyer; vgl. 348; 349; 360
u. ö.; herre got, nû lêre mich die rede der ich genieze Hartmann v. Aue
Iwein 5988; 5205.
biblisch vor allem in der anrede: darumb bistu auch gros geachtet herr gott 2.
Samuel. 7, 22;
ps. 86, 15; 88, 2
u. o.; unser herre gott ist ein guter goldschmidt, er kan aus einem gülden mehr denn hundert tausent schmiden Luther 19, 311
W.; wenn ein erdenklos sich hinsetzen und aus thon oder stein — mit unserm herrn gott in die wette menschen machen wollte Wieland
s. w. (1794) 24, 231.
fälle, in denen das erste glied der verbindung unflektiert bleibt, sind eigentlich für das kompositum in anspruch zu nehmen: (
es) auch bei unserm herr gott also recht sein sollte Luther
br. 8, 93
W.; (Gretchen:) mein bruder! gott! was soll mir das!
(Valentin:) lasz unsern herr gott aus dem spasz Göthe I 14, 189
W. (
Faust 3733).
selten und nur älternhd. mit dem bestimmten artikel: dorum der herre got bildet einen menschen von lietiger erd
erste dt. bibel 3, 49
Kurr. u. o. I@A@6@a@bβ)
seit dem späteren ahd. und vereinzelt noch bis ins frühnhd. in der umgekehrten wortfolge got herre,
die aber nicht kompositionsfähig ist und unter dem einflusz der Lutherbibel durch die appositionelle verbindung gott der herr
abgelöst wird: got hêrro
altostniederfrk. psalmenfragm. 67, 27
van Helten; got herre, wie wol dû weist, swer ez anders wære Hartmann v. Aue
Iwein 1392; 5205; wie der teüffel gotz hern also gar ein grosser feint wer Arigo
decameron 235
lit. ver.; zu der zeit, da gott der herr erden vnd himel machte
1. Mose 2, 4; 1.
Petr. 3, 15
u. o.; fallt gott dem herren wol in die ruht, steht ab von ewern sünden
bei Weller
dreiszigjähr. krieg (1855) 168; alle gute geister loben gott den herrn! Göthe IV 27, 224
W.; vgl. C.
F. Meyer
s. w. 3, 425
Knaur. mundartlich omd. in der redensart als, wie, dasz gott (der) herr
im sinne von '
als wollte er sagen, um anzudeuten'
oder auch '
als ob er wer weisz was wäre',
schlieszlich auch als ausdruck hohen grades, s. Müller-Fraureuth 1, 432; Albrecht
Leipzig 124. I@A@6@a@gγ)
gelegentlich kopulativ gott und herr: du sage in als ez ist: ze div hat mich gesant der da ist got unde herre ivweren uordironen
Milstäter exodus 127, 18
Diemer; befilhe euch ... inn den schutz ... des allmächtigen herren und gotts Jac. Frey
gartenges. 5
Bolte. I@A@6@bb)
in der durch apostolikum und paternoster gewichtig festgelegten verbindung mit vater drückt sich, soweit es sich nicht um die benennung der ersten person der trinität im strengen sinne handelt (
s. ob. 1 b),
die vorstellung der vaterschaft gottes über Christus oder die der fürsorge gottes für die menschen aus. in älterem gebrauch gern in der dreigliedrigen reihung herr gott vater:
dominus pars hereditatis meę ... truhten got fater ist teil mines erbes Notker 2, 41, 19
P. (
ps. 15, 5); got herre vater in himel vnd in erde
jüng. Titurel 65, 2
Hahn; wie gott der vater uns vergibt Luther
br. 8, 44
W.; ich erinnere mich der groszen lieb gottes des vatters Schupp
Corinna 53
ndr.; der glaubt, er sei mit gott vater per du Fischer
schwäb. 3, 762. I@A@6@cc) gott (der)
schöpfer, vgl. auch den prägnanten gebrauch des wortes schöpfer
für gott
teil 9, 1550: gilaubiu in got fater almahtigon, scepphion himiles enti erda
Weissenb. katech. 47
Steinm.; gott der schepffer ist etwas höhers, denn orth, zeit vnd creatur Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 6
a; wie entzückst du, anschauung der herlichen welt! gott schöpfer! wie erhaben bist du, gott schöpfer! Klopstock
oden 1, 157
M.-P.; ich will dich nicht zur rede stellen, gott schöpfer Schiller 3, 499
G.; demselbigen einigen waren gott vnnd schöpffer
volksb. v. dr. Faust 7
ndr. I@A@6@dd)
anderes gelegentlich: frew ih mih in muate gote heilante (...
in deo salutari meo) Otfrid I 7, 6; vnd sprecht, hilff vns gott vnser heiland
1. chron. 17, 35; o meiner seele erbarme dich gott der erbarmer! Schiller 3, 502
G. vgl. auch: wenn sie (
die seele) zu gott, zu dem unendlichen sich erheben will Klopstock
oden 2, 123, 15
M.-P. I@A@77) gott
in kennzeichnend benennender verbindung mit himmel, erde, höhe u. ä. durch genitivisches oder präpositionales attribut. I@A@7@aa) (der) gott des himmels (und der erde): der got tes himilis, wâges unde luftes
Ezzos gesang in: Waag
dt. ged. 3.
in der Lutherbibel ohne oder mit (
so immer in den jüngeren revidierten ausgaben)
bestimmtem artikel: that jnen gott des himels das meer auff
Judith 5, 10; vnd die andern erschracken, vnd gaben ehre dem gott des himels
offenb. 11, 13;
vgl. Judith 5, 17; 6, 12; vnd schwere mir bey dem herrn dem gott des himels vnd der erden
1. Mose 24, 3; 7;
Esra 5, 11
u. ö.; gott des himmels vnd der erden, vater, sohn vnd heilger geist H. Albert
in: Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 48. I@A@7@bb)
älter got von, vom,
jünger gott im himmel: da flegeter got uone himele umbe di sculdigen menige
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 65, 9
Diemer; daz des got von himele ruochen wolde
Nibelungenlied 2132, 1
L.; vgl. 2114, 1
u. ö.; liedersaal 1, 25, 78
Laszberg. noch in der Lutherbibel, mit und ohne artikel, doch setzen die neueren revidierten ausgaben dafür der gott des himmels (
s.α): dancket dem gott von himel, denn seine güte weret ewiglich
ps. 126, 26;
Esra 7, 23;
Dan. 2, 37. gott im himmel
bis in jungen gebrauch: die priester ... rieffen gott im himel an 2.
Makk. 3, 15;
vgl. 15, 34; gedult, die rache wacht vor euch, und gott im himmel streitet J. Chr. Günther
s. w. 2, 296, 42
Krämer; o gib mir, gott im himmel! dasz ich mich der höh und liebe nicht überhebe Göthe I 2, 86
W. doch vgl. noch: guter gott von deinem himmel, alte kinder siehst du und junge kinder Göthe I 19, 41
W. I@A@7@cc)
ähnlich in anderen, meist älteren verbindungen: durch got dort in dem höchsten graud Hermann v. Sachsenheim 93
Martin; ach gott ins himmels throne (1607)
bei Soltau
dt. histor. volksl. 2, 319; ehre sey gott in der höhe, vnd friede auff erden, vnd den menschen ein wolgefallen
Luk. 2, 14. I@A@88)
mit einem gott
beigegebenen eigennamen strenggenommen nur in der alttestamentlich Lutherbiblischen verbindung gott
Zebaoth, die in ihren älteren entsprechungen gemäsz dem deus exercituum und deus virtutum der vulgata noch nicht als eigenname gefaszt ist, vgl. Isidor 10, 18
H.; Murbacher hymnen 7, 8, 2; 26, 3, 2
Sievers; erste dt. bibel 7, 325; 9, 23
Kurr.: gott Zebaoth tröste vns, las leuchten dein andlitz, so genesen wir
ps. 80, 8
u. ö.; meist als (der) herr (der) gott Zebaoth: vnd Dauid gieng vnd nam zu vnd der herr der gott Zebaoth war mit jm
2. Sam. 5, 10
u. o. I@A@99) gott,
mit und ohne bestimmten artikel, durch den genitiv eines personen- oder völkernamens im sinne der zugehörigkeit bestimmt, nach alttestamentlichem vorbild und mit anspielung auf die patriarchalische epoche der alttestamentlichen religion, in der auch andere götter
als existent gedacht werden (
s. u. III A 1): ih bim got Abrahâmes, got Isâkes, deus Jacob (
ego sum deus Abraham deus Isaac deus Jacob)
Tatian 127, 4; kelobot si truhten got Israhelis Notker 2, 152, 28
P. (
ps. 40, 14);
vgl. 458, 25
u. ö. das (der) gott Israel, (der) gott Jacob
u. ä. in den frühdrucken der Lutherbibel ist in den revidierten ausgaben sinngemäsz durch (der) gott Israels, Jacobs
ersetzt: und richtet daselbs einen alter zu, vnd rieff an den namen des starcken gottes Israel
1. Mos. 33, 20
u. o.; ich bin der gott Abraham, vnd der gott Isaac, vnd der gott Jacob
Matth. 22, 32.
gelegentlich auszerbiblisch: dasz er ... zum glauben an den einen gott Abrahams bekehrt sei O. Jahn
Mozart (1856) 1, 326.
in formaler angleichung, aber religionsgeschichtlicher einschränkung: (
da) der gott Abrahams nach wie vor den sinnen freundlich erscheint, wenn uns der gott Mosis eine zeitlang mit grauen und abscheu erfüllt hat Göthe I 7, 180
W. auch sonst mit abhängigem persönlichem genitiv, ebenfalts biblischen ursprungs und von da her weiterlebend: gelobet sey der herr vnser veter gott, der solchs hat dem könige eingegeben, das er das haus gottes zu Jerusalem zieret
Esra 7, 27; herr, meiner väter gott, du bist mein lobgesang J. Chr. Günther
s. w. 2, 22, 6
Krämer; gott unsrer väter und ihr ruhm Hagedorn
poet. w. (1800) 1, 13.
anders, auszerhalb eigentlicher benennung: gott aber ist nicht der todten, sondern der lebendigen gott
Mark. 12, 27. I@BB. gott
in der anwendung auf Christus. I@B@11)
zu der durch das trinitarische dogma festgelegten bezeichnung Christi als gott (
s. ob. A 2 b)
tritt, weniger als person - denn als gattungsbegriff, von anfang an die göttliche benennung Christi im sinne der christologischen zweinaturenlehre. älter vor allem in der verbindung wahrer gott (und wahrer mensch): ih glouba daz der gotes sun inphangen uuart fone demo heiligen keisti ... uuarer got unde warer mennisco (11.
jh.)
Wessobr. gl. u. b. in: kl. ahd. denkm. 135, 26
Steinm.; der wârer got unde wârer mensche ist und uns allen ze trôste unde ze heile geborn wart von mîner frouwen sant Marîen Berthold v. Regensburg 1, 206, 24
Pf.; Christus Jesus, wahrer gott
Endinger judenspiel 19
ndr.; o wahrer mensch, o wahrer gott, o helfer, voller hohn und spott P. Gerhardt 42
Goedeke. in begrifflichem spiel barocker lyrik: (
Christus im grab) zwar ein entseelter mensch, doch auch ein wahrer gott, dann were gott, als gott, vertorben vnd begraben, die erde müszte bald den sterbekittel haben Scultetus
in: barocklyrik 3, 129
Cysarz; der vater war in ihm, er war sein bild und wesen, der ganzen gottheit glanz, von gott ein gott erlesen P. Fleming
dt. ged. 1, 16
lit. ver.; verlassen von der welt vnd wegen ihr von gott. von gott sich reisset gott (
Christus am kreuz) Zesen
in: barocklyrik 2, 87
Cysarz. auf Christus als die zweite person der trinität zielen auch appositionelte umschreibungen wie gott der mittler Klopstock
oden 1, 46
M.-P., gott der erlöser
ebda 14, gott der Messias
ebda 87. I@B@22)
in einer reihe z. t. fester oder formelhafter anwendungen erreicht das wort gott
als bezeichnung Christi nur scheinbare prägnanz, jedenfalls darf es hier nicht ohne weiteres als mit dem namen Christus
oder Jesus
auswechselbar genommen werden. I@B@2@aa)
so namentlich dort, wo unter heilsgeschichtlichem aspekt die erscheinung Christi als menschwerdung gottes
gesehen wird, wie dies für das neue testament (
Joh. 1, 14)
und die christliche dogmatik grundlegend ist: ich bin komen an die stat dâ got mennischlîchen trat Walther v.
d. Vogelweide 15, 5; aller gOette got ist komen har zelande, den ain magt gebar Wernher
Marienleben 4119
Päpke; der armen trost ist, das gott selbst auff erden auch arm gewesen ist Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) A 7
b; sie (
die beine des Jesuskindes) tragen gott der alle welt, auff seinem kleinen finger hält (1676)
in: barocklyrik 3, 107
Cysarz. besonders alter heilsgeschichtlicher sprachgebrauch, der in der geistlichen lyrik des barock noch kräftig weiterlebt, läszt gott
geboren werden, leiden oder sterben, auferstehen und gen himmel fahren und meint damit im eigentlichen sinne gott
selbst, der (
in Christus)
mensch geworden ist: daz was got selbe, der sînin munt zuo dînen (
Marias) brustin bôt
Mariensequenz a. Muri v. 45
Waag; dô sprach der rîter grâ gevar meint ir got den diu magt gebar? Wolfram v. Eschenbach
Parzival 448, 2;
vgl. 464, 26; (
Maria) die gott gebohren hat Opitz
in: barocklyrik 1, 145
Cysarz; was für freude ward erwecket, da gott in der krippen lag v. Assig
in: barocklyrik 2, 244
Cysarz; bi demo holze, da der almahtigo got an ersterban wolda
kl. ahd. sprachdenkm. 386, 4
Steinm.; wâ wart ie hôher triwe schîn, dan die got durch uns begienc, den man durch uns anz kriuze hienc? Wolfram v. Eschenbach
Parzival 448, 11;
vgl. 448, 1; 464, 26; Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 6275; 6374; bi des keysers (
Tiberius) ziten wart got gemartelt und schreip Pilatus disem keyser Tyberio einen brief von den zeichen und wundern die got geton hette (
Straszburg um 1400)
städtechron. 8, 339;
vgl. 9, 499; er (
gott) muste vns gleich ein mensch werden, dasz es heissen könte, gott gestorben Dannhawer
cat.-milch (1657) 5, 704; o schmertz! das leben stirbt! o wunder! gott musz leiden! Gryphius
in: barocklyrik 2, 188
Cysarz; der uns gesagen chunde uon gotes urstende
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 275, 8
Diemer; gott, der nach und vor herrschet, fährt empor Klaj
in: barocklyrik 2, 126
Cysarz. I@B@2@bb)
der anwendungsbereich a
findet seinen niederschlag in einer reihe fester formeln, die die vokabeln gott
und Christus
leichter noch als unter a
als auswechselbar erscheinen lassen. im schutze der formel hält sich dieser gebrauch z. t. bis in die moderne sprache. I@B@2@b@aα) gottes
geburt: Matheus buplicanus der dihtote alsus, der guote hirte, uone gotes geburte
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 274, 27
Diemer. besonders in der wendung vor, nach, von gottes (
statt Christi) geburt,
vgl. in früher zusammenrückung: dith is geschit na gozzeborde duosint iar, zveihundirt iar in deme zvei inde seszigsteme iare (1262)
corp. altdt. originalurk. 1, 100, 11
Fr. Wilhelm; also Moyses starp, das was vor gotz gebürte 1400 und 72 jor (
Straszburg um 1400)
städtechron. 8, 265
u. o.; in dem jare da von gottes geburt warend zwölff hundert (
vor 1572) Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 149. I@B@2@b@bβ) gottes
mutter für Maria als mutter Christi, seit dem spätahd. und lange nur in dieser wortfolge, die im 17.
jh. zum kompositum zusammenwächst (
s. u.gottesmutter): do daz suert durhfuor dei heiligen innobeli (
eingeweide) dere gotes muoter Notker 3, 44, 2
P.;
kl. ahd. sprachdenkm. 358, 44
Steinm.; (
wir wollen) mit blôzen vüezen und in haerin hemden stân ... vür daz bilde daz nâch gotes muoter ist getihtet
Lohengrin 427
Rückert; steht und hört für allen dingen gottes mutter fröhlich singen bei dem kripplein ihres sohns P. Gerhardt 313
Goedeke; 'gottes und seiner mutter gnade zum grusz, ehrwürdiger herr' C.
F. Meyer
s. w. 4. 11
Knaur. jünger sonst in der wortfolge mutter gottes,
die vereinzelt auch als kompositum muttergottes
möglich ist, vgl. vor einem bunten schreine der muttergottes C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 38: so recht, ihr herren, so musz man die mutter gottes ehren (
durch singen des ave Maria) Grimmelshausen
simpl. schr. 3, 315
Kurz; die vorhersagung der mutter gottes über die grosze zukünftige ausdehnung des ordens Nitzsch
dt. studien (1879) 8.
volkssprachlich auch für ein Marienbild, s. teil 6, 2808.
zu der hierher gehörigen vornhd. verbindung gotes brût
als bezeichnung der Maria, einer heiligen, einer nonne oder auch der seele s. u. gottesbraut. I@B@2@b@gγ)
in bezeichnungen des abendmahlssakraments und seiner elemente, namentlich der hostie, s. dazu noch unt. E 3 b
γ;
vor dem in der reformation aufkommenden abend-
bzw. nachtmahl,
in katholischem gebrauch auch jünger noch. vor allem gottes leichnam (und blut): ih neeroti ... den gotes lichinamen, sin heilic pluot, die toufa (11.
jh.)
Wessobrunner gl. u. b. in: kl. ahd. denkm. 143, 11
Steinm.; so ge wir dar beide sampt, horen da daz gotes ampt unde nemen, ob ez dich dunket gut, gotes licham und sin blut
väterbuch 18 622
Reiss.; vgl. 18 670;
eucharistia godis lichnam (1420) Diefenbach
gl. 212
a;
vgl. 506
c s. v. sacrificium; 511
a s. v. sanguis. dafür auch prägnantes gott: das sü (
die heiden) zuo jungest cristen wurdent und sich liessent touffen und bihtetent ire sunde und enpfingent got vor allem volke (=
das abendmahl) (
Straszburg um 1400)
städtechron. 8, 354;
vgl. 9, 512; nachdem und er gebeichtet und das sacrament empfangen het ... da was ein frau auch darbei, die sprach: 'ach lieber sun, ir haben got empfangen' (1522) Pauli
schimpf u. ernst 181
Öst.; (
er hat) sich mit got versehen (
das abendmahl genommen) (
um 1600)
bei Fischer
schwäb. 3, 763; drauf als der priester fromm sich neigt und, zum altar gewandt, den gott, den gegenwärtgen, zeigt, in hocherhabner hand Schiller 11, 253
G.; rhein. wb. 2, 1323; Hentrich
Nordwestthür. 94. I@B@2@b@dδ)
nur älter in verbindungen, die auf Christi leben und leiden anspielen, vgl. dazu vor allem unter J 5: (
der priester) der an dem gotes galgen (
dem kreuz) mit ûff gerachten handen stêt Heinrich v. Melk
priesterl. v. 263
H.-K.; nû suln wir fliehen hin ze gotes grabe Walther v.
d. Vogelweide 13, 18; wir süllen gottes liden in unsern herzen tragen (15.
jh.) Uhland
volkslieder (1881) 689;
calix gotes martir (15.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 90
c; er (
gott) müste uns gleich ein mensch werden, das es heissen kündte ... gottes marter, gottes blut, gottes tod Luther 50, 590
W.; Dannhawer
cat.-milch (1657) 5, 704. I@B@2@cc)
im gleichen dogmatischen zusammenhange der menschwerdung gottes eignet Christus das prädikat gott
besonders in der anrede und gern mit den sonst zu A
gehörigen erweiterungen und appositionellen verbindungen (
s. ob. A 4; 6): truhtin suno einboraner heilanto Christ, truhtin got ... (
domine fili unigenite Jesu Christe, domine deus)
Weissenb. katech. 114
Steinm.; do erschein in (
den jüngern) unser herre got an dem dritten tage, als er gehiez Konrad v. Heimesfurt
himmelf. Mariae in: zs. f. dt. alt. 8, 177, 442; dat merkede men bi den falschen Jodden de gott unsen heren deden vorraden Uhland
volkslieder (1881) 762; (
Jesu) mein artzt, heil, theil, licht und hort, mein gott über alle götter B. Schmolck
in: barocklyrik 3, 233
Cysarz. biblisch und von dort her: Thomas antwortet, vnd sprach zu jm, mein herr und mein gott
Joh. 20, 28; Jesu, du mein herr und gott, mein erlöser, mein erretter B. Schmolck
in: barocklyrik 3, 233
Cysarz; in die wunde deiner seite legt ich meine hand nicht; aber du bist mein herr, und mein gott Klopstock
oden 1, 128
M.-P.; vgl. 132. I@B@33)
die voll prägnante verwendung des wortes gott
als benennung für die irdische erscheinung des historischen Jesus Christus bleibt in der deutschen überlieferung beschränkt. auszer betracht zu bleiben hat hier der sprachgebrauch der mystik, insbesondere der mhd., in dem die vokabel gott,
zumal im bereich der trinitarischen spekulation und der unio mystica, vielfach prägnant auf den präexistenten bzw. den erhöhten Christus, nicht aber eigentlich auf die historische gestalt Jesu Christi zielt, vgl. etwa: die ewige worheit unsers herren Jhesu Cristi het gesprochen: 'min joch daz ist ssse und min búrde ist lihte.' dis widersprechent alle natúrliche menschen ... und sprechent daz gottes joch bitter si Tauler
pr. 25, 14
V. die eigentliche prägnanz greift das älteste deutsche schrifttum nur zaghaft auf (
im gegensatz zur altnordischen überlieferung, in der goð, guð
in missionarisch-kirchlicher verwendung vorwiegend Christus bezeichnet, vgl. M. Cahen
le mot Dieu en vieux - scandinave 4; 7; 37).
unter den wenigen in frage kommenden Heliandstellen mit einiger sicherheit nur: gehôrdun mahtiges godes lioflîca lêra (
epische schluszzeile der bergpredigt) 1827
B.; vgl. noch 3646; 3666.
auch bei Otfrid
nur vereinzelt: erquam (
erschrak) er ana baga (
fürwahr) thera thikun gotes fraga (
Petrus über die wiederholte frage des auferstandenen [!]
Christus: hast du mich lieb?) V 15, 29;
vgl. noch III 26, 8; IV 5, 47.
erst und nur in den geistlichen quellen des 11. und 12. jhs. ist gott
sehr häufig in eigentlichstem sinne der historische Jesus Christus: des (
kananäischen) uuibes, diu mit ira zaheren gotis fuoze duuuoch (
pedes domini) (11
jh.)
predigtstg. A 1, 23
Steinm. 157;
vgl. 156; sô lang och der (
Petrus) gotis drî stunt virlouginôti
summa theologiae v. 271
Waag; got hiez si sitzzen (
die jünger bei der fuszwaschung)
die hochzeit v. 918
Waag; vgl. 716; die he(i)ligen zwelf poten, eines tages giengen si mit gote, da sahen si ein blinden man
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 246, 19
Diemer; vgl. 339, 13.
jünger in vergleichbarer anwendung nur vereinzelt und ungewöhnlich: dem almehtigen gotte und siner muoter Marien zuo lobe und eren (
mitte 15.
jh.)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 60; si spuwen got under daz antlit sîn, sîn bart und hâr mit speichel wart umbhangen (
meistersingerl.)
in: zs. f. dt. alt. 45, 159
passim; dy gulden port (
in der stadtmauer Jerusalems), dar durch got am palmtag eingeriten ist (1476)
in: archiv f. gesch. u. altertumskde v. Oberfranken 21 (1901) 3, 28; do got der herr spricht: wer mich bekennt ... (1529)
bei Fischer
schwäb. 3, 763; de gode vorlevet, nummer scht em gût (
huic non succedit, Christi qui vicerit annos) Tunnicius
sprichw. nr. 351
Hoffm.; und gott, des vaters lust, ist bis in tod betrübt (
Christus am kreuz) Lohenstein
in: barocklyrik 2, 223
Cysarz. etwa noch: er (
Friedrich V.), der könig und christ, wählt dich zur führerin, bald auf Golgatha gott zu sehen Klopstock
oden 1, 88
M.-P. mundartlich: '
katholisch für Christus und das bild desselben; der gross gott im münster (
ein groszes crucifix) (1529)
schweiz. id. 2, 507;
vgl. Hentrich
Nordwestthür. 94.
es musz offenbleiben, wieweit hier und auch schon unter 2
über die oben angedeuteten bibeldogmatischen voraussetzungen hinaus eine neigung sich auswirkt, wie sie etwa der französischen chansondichtung eigentümlich ist, in der zur stützung des trinitätsdogmas die attribute gottes und Christi gern bewuszt vertauscht werden; vgl. dazu und zur gelegentlichen übernahme dieses verfahrens in deutsche übersetzung W. Liepe
Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken (1920) 252
f. I@CC.
ein erheblicher teil des zum worte gott
gehörigen sprachlebens entfaltet sich in verbindungen und fügungen, die in meist anthropomorpher grundvorstellung das wesen und die eigenschaften gottes, sein verhältnis und sein verhalten zur welt und zum menschen, bestimmte weisen seines wirkens u. ä. umschreiben. bei vielen, wenn auch keineswegs bei allen dieser festgewordenen verbindungen handelt es sich um biblische, insbesondere Lutherbiblische lehnübersetzungen. I@C@11)
in substantivischen verbindungen sachlich-begrifflicher art. I@C@1@aa) gott
vornehmlich als genitivus subjectivus oder possessivus in der abhängigkeit von substantiven, seit alters in einer groszen zahl fester, nhd. vielfach kompositionsfähiger fügungen. in der wortfolge steht gottes
schon ahd. meist, mhd. immer voran, s. auch PBB 23, 240
ff. erst im älteren nhd., vor allem in der Lutherbibel, wird die umgekehrte folge gleichberechtigt, während für die überkommene ältere wortstellung oft nicht sicher zu entscheiden ist, ob noch die eigentliche genitivverbindung oder bereits das aus ihr hervorgegangene kompositum vorliegt. die im druckbild der texte vorherrschende willkür bietet weder nach der einen noch nach der andern seite sicheren anhalt. man wird vom inhaltlichen her echtes kompositum in solchen fällen schon annehmen dürfen, in denen es sich um engbegrenzte, irgendwie spezialisierte bedeutung handelt, vom formalen aus oft dort, wo die genitivverbindung durch den artikel oder durch ein adjektivattribut bestimmt ist. in jüngerem gebrauch sind schreibungen wie ein gottes urthel Schiller 12, 228
G., ein gottes werk Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 4
durchaus ungewöhnlich, s. Adelung umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 2, 252. I@C@1@a@aα)
in der bezeichnung geistiger und sittlicher eigenschaften, die der vorstellung gottes im sinne seiner vollkommenheit unveräuszerlich zugehören: denn sie sahen, das die weisheit gottes in jm war, gericht zu halten
1. kön. 3, 28;
Eph. 3, 10
u. ö. personifizierend: selb diu gotes wîshait, diu durch uns nam die menneschait
vaterunser 1
Waag; vgl. dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 4, 24
Diemer; 10, 2; darumb spricht die weisheit gottes, ich wil propheten vnd apostel zu jnen senden
Lukas 11, 49.
ihrem ursprung nach hellenistisch-neuplatonisch, wenn auch ins christliche übernommen und gedeutet (
s. teuthonista 8, 7)
sind ähnliche verbindungen in Notker
s Boëthius wie fone gotes foresihte (
de providentia) 1, 317, 13
P.; gotes forebechenneda (
divina prenotio) 354, 12; dero eouuigun gotes uuizentheite (
eternę prescientię) 318, 6
u. a.; die gottes warheit haben verwandelt in die lügen
Römer 1, 25; wee allen denen, dye under dem schein und deckel der gewalt gottes warhait verachten Luther 17, 2, 499
W.; danne mih mer freuuen solta gotes reht (
iustitia dei), diu nehein unreht ungeandot nelazzet? Notker 2, 158, 18
gl. P. (
ps. 42, 2); 74, 26 (
ps. 23, 3)
u. ö. (gottes recht
anders s. u. E 3 a
θ γγ); ists aber also, das vnser vngerechtigkeit gottes gerechtigkeit preiset, was wollen wir sagen?
Römer 3, 5; Luther 17, 2, 450
W.; vnd sie entsatzten sich alle vber der herrligkeit gottes
Lukas 9, 43
u. o. gottes ehre
im sinne eines ihm objektiv zugehörigen charakters, einer eigenschaft, von der gebräuchlicheren bedeutung '
verherrlichung, ehrung gottes' (
s. u.D 1 e)
oft schwer zu trennen: si rachen gotes êre. des irwurfen si mere denne di guoten da fore uirlorn heten
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 55. 3
Diemer; die himel erzelen die ehre gottes, vnd die feste verkündiget seiner hende werck
ps. 19, 2;
Baruch 4, 37; der almechtigkeyt gottes
d. peinl. gerichtsordnung kaiser Karls V. (1876) 91
Zoepfl; in der sich ihm (
dem gläubigen christen) von selbst verstehenden voraussetzung der grösze und allmacht gottes Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 47.
zum hochhöfischen sprachgebrauch gehören mhd. verbindungen wie gotes kunst (
Parzival 123, 13), gotes vlîz (
ebda 88, 16; 140, 5), (gotes) meisterschaft (
Iwein 1688), gotes hövescheit (
Erec 3461)
u. ä. zur umschreibung göttlicher schöpfervollkommenheit, die am vollkommenen menschen der höfischen welt sichtbar wird. I@C@1@a@bβ)
andere verbindungen zielen in mehr dynamischem sinne auf göttlichen willen, göttliche kraft und ihre äuszerungen. I@C@1@a@b@aaαα) gottes
wille. allgemein als element göttlicher wirksamkeit: unti (
als) der godis willo was irgangin, daz her ci Kolne ward mit lobe intfangin
Annolied 583
Roediger; Paulus beruffen zum apostel Jhesu Christi, durch den willen gottes, vnd bruder Sosthenes
1. Kor. 1, 1;
Römer 1, 10
u. ö.; gottes wille hat kein warumb Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 130; unsere mutter ... hatte sich in den willen gottes ergeben Göthe I 25, 50
W. in redensartlichen wendungen der mundart bei Fischer
schwäb. 3, 758.
anders, sofern der wille gottes
zugleich ein vom menschen zu leistendes darstellt: der mensche wirt versuocht inwendig, wie er sich inwendig halten sol nach dem liebsten willen gotz Tauler
pred. 194, 12
V. hier häufig in verbaler bindung: so wer so wolle thenken, then gotes willon wirken (
si quis voluerit voluntatem ejus facere) Otfrid III 16, 15; das jr solchen willen gottes thut von hertzen
Eph. 6, 6; moralisch handeln und religiös handeln sind sonach aufs innigste vereinigt. man soll ... zugleich das gesetz und den willen gottes, jedes um sein selbst willen erfüllen Novalis
schr. 2, 289
Minor. I@C@1@a@b@bbββ) gottes
kraft: erda bibinota, thiu gotes kraft sies notta Otfrid IV 34, 1
u. ö.; er sprach 'ist gotes kraft sô fier daz si beidiu ors unde tier unt die liut mac wîsen, sîn kraft wil i'm prîsen' Wolfram v. Eschenbach
Parzival 452, 1: auff das ewer glaube bestehe, nicht auff menschen weisheit, sondern auff gottes krafft
1. Kor. 2, 5; wie gottes kraft der nachtentstammten hyder durch diesen schlag zerschmettert hat die glieder Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 34.
in personifizierender umschreibung für gott: darumb von nu an wird des menschen son sitzen zur rechten hand der krafft gottes
Lukas 22, 69; Hans Sachs 1, 308
lit. ver. als etwas dem menschen mitteilbares, in ihm wirksames: aber gottes krafft, das ist sein wort ynn uns, yhe mehr es unterdruckt wird, yhe höher es gehet Luther 17, 2, 152
W. I@C@1@a@b@ggγγ) gottes
macht: mikil is thîn gilôbo an thea maht godes
Heliand 3025
B. u. ö.; euch, die jr aus gottes macht, durch den glauben bewaret werdet zur seligkeit 1.
Petr. 1, 5. I@C@1@a@b@ddδδ) gottes
gewalt gliedert sich stärker aus, besonders in älterer sprache, vgl. s. v. gewalt,
teil 4, 1, 3, 4922
f.; 4924; 4936; 5003
f.; 5005
f.; 5006
f. '
göttliche machtvollkommenheit'
im sinne der potestas: vuanda in gotes keuualte (
in manu domini) ist lex data Judeis diu uetus testamentum heizet Notker 2, 302, 12
P. (
ps. 74, 12); die erde habet (=
hält) nith wen der gotes gewalt, wen sie suebet in dem singewege (
weltmeer)
Lucidarius 8, 24
Heidlauf; göttliche gewalt, gottes gewalt
potenza divina Rädlein (1711) 381
a.
formelhaft in gottes gewalt stehen, liegen: mein leib und auch mein leben steet alles inn gottes gewalt
lieder d. Heidelb. hs. Pal. 343 162, 42
Kopp; das alle creaturn ynn gottis gewalt stehen Luther 12, 443
W. spezieller für den zustand schwerer krankheit, des sterbens oder des todes, vgl. schon mhd.: ich wil mich alsus reine antwürten in gotes gewalt. ih fürhte, solte ich werden alt, daz mich der werlte süeze zuhte under füeze Hartmann v. Aue
armer Heinrich 699
G.; das mitwoch nach Mathie kam sie nicht, wan sie in gotes gewalt lag (
ca. 1450)
bei Haltaus 744; da ich jetz lag in gotts gewalt (
d. h. im himmel war), vnd starb in meine augen nein, flux er sich auch zu todte grein Hayneccius
Hans Pfriem 27
ndr.; er liegt in gottes gewalt
in letzten zügen Rädlein (1711) 381
a.
in mehr dynamischem sinne von der in das weltgeschehen und menschenschicksal eingreifenden macht gottes: das itzunt allenthalben hieumb die hant und gewalt gots mit sterben der leut groz strafft (1484)
in: privatbr. d. ma. 1, 264
Steinhausen; betrat in aber ein sturmbwint so hart, das die schiffleut die schiff in gottes gewalt musten geen laszen
Wilwolt v. Schaumburg 197
lit. ver. im kompositum gottesgewalt (
s. d.)
auch prägnant für '
naturkatastrophe',
vgl. mundartlich gottes gewalt '
wassersnot' Schröer
darst. d. dt. maa. d. ungr. bergl. 244.
vom frühnhd. bis ins späte 18.
jh. verengert als rechtssprachlich und sonst gebrauchte bezeichnung der vis maior, im 19.
jh. durch höhere gewalt
abgelöst (
s. u.gottesgewalt): das eur lieb denselben tag vff angeregte zeit eigener person gewisslich besuchen, vnd sich daran gar nichts, dann allein gottes gewalt vnd ehehaffte leibskranckheit verhindern wollen lassen (1540)
bei Haltaus 742 (
s. reichliche belege ebda und teil 4, 1, 3, 5005).
vom gleichen ausgangspunkt her anders spezialisiert zur bedeutung '
schlagflusz',
die volksmedizinisch vom 15.
bis ins 18.
jh. reich bezeugt ist, vgl. s. v. gewalt
sp. 5006
f.; Höfler
krankheitsnamenbuch 198
b: adi 19. dez. 1547 am morgens umb 5 vr traf mich gottes gwalt
bei Birlinger
schwäb.-augsburg. wb. (1864) 200; wie man erkndigen soll, ob noch ein leben verhanden seye an denen, die von der gewalt gottes gerret seind Wirsung
artzneybuch (1588)
reg. 169
c;
synonym dazu gottes hand (
s. u.η ββ). I@C@1@a@b@eeεε)
in ähnlichen verbindungen: neuuas danne gotes rat (
consilium dei) bezzera danne mannis Notker 2, 355, 12
gl. P. (
ps. 85, 5): es ist bestimmt in gottes rath, dasz man vom liebsten, was man hat, musz scheiden Feuchtersleben (
um 1825)
in: teil 8, 167; das der engel aus gottes befehl auff eine nacht gieng durch gantz Egyptenland Luther 16, 237
W.; das Moses mit einer ruten, stecken oder stabe aus gottes geheis drein (
in das meer) geschlagen hat
derselbe 16, 267
W.; solches haben wir nicht selbs erdacht, sonder durch gottes offenbarung gesehen und gehort
derselbe 14, 27
W.; gottes wege sind on wandel, des herrn rede sind durchleutert
2. Sam. 22, 31;
ps. 18, 31; gottes wege sein wunderbar! und wie a een'n heimsucht, darf man nich murren Gerhart Hauptmann
d. ges. w. (1942) 4, 255 (gottes weg
in anderm sinne s. u. E 3 a
θ δ δ; b
γ); gottes fügung
voluntas divina Stieler
stammb. (1691) 577; (
die befreiung des gefangenen) ist unsers verhoffens aus gots geschik bescheen Planitz
ber. 396
Wülcker; dasz sie (
solche betrachtungen) uns ... zu glauben verleiten, gottes gedanken seyen wie unsre gedanken Klopstock
s. w. (1823) 11, 212. I@C@1@a@gγ) gottes
tat, werk, wunder, ordnung u. ä. als stärker verdinglichte fügungen, die den verbindungen unter E 3
nahestehen, indem sie nicht nur das göttliche wirken selbst, sondern auch das ergebnis solchen wirkens bezeichnen, im bereich der schöpfung wie der heilsgeschichte: (
dasz wir) irkennen, so iz giscriban stat, thia wuntarlichun gotes dat Otfrid V 12, 18; wir hören sie (
die jünger) mit vnsern zungen, die grossen thaten gottes reden
apostelg. 2, 11;
ps. 78, 7; kompt her, vnd sehet an die werck gottes, der so wünderlich ist mit seim thun vnter den menschen kindern
ps. 66, 5;
Joh. 9, 3
u. ö.; siv (
Maria) ist der ellenden trost, gehuogede der gotes wunder also groz
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 79, 18
Diemer; gottes zceichen und wunder stellen sich, wie das widderspill drausz werden sall Luther 14, 244
W.; so doch die schrifft gottes zeugnis von jm selbs ist
derselbe 50, 282
W.; denn dasselbige (
irdische gut) ist allbereit gnugsam bestellet jnn der welt durch gottes ordnung
derselbe 41, 92
W.; br. 10, 505
W.; wenn sie (
die sonne) ein vernunfftige creatur wer, und solte nach jrem willen gehen, nicht nach unsers herr gottes schöpffung ... so möchte sie leiden, das alle lose buben nicht ein glentzlin von jr kriegten
derselbe 41, 307
W. stärker konkretisiert: dennoch ist das weyb so wol eyn gottis werck als der man Luther 12, 104
W.; er hat aber doch auch herrliche, schattige gänge, in denen die französische kunst gottes werk unbeschnitzelt gelassen hat Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 180.
älter gottes
geschöpf '
einrichtung, ordnung' (
anders s. u. E 1 c): das man gottes geschepffe (
die ehe), werck, ordnung und segen solle verdampt, verflucht und fur die grosseste sunde halten? Luther 51, 528
W.; wider den satan, der der ehe als gottes geschepff feind ist Er. Alberus
ehbüchl. (1539) G 1
b. I@C@1@a@dδ)
der christlichen gottesvorstellung entsprechend vor allem in solchen prägungen, die wesen und wirken gottes im blick auf die welt und den menschen als hilfreich, freundlich, gnädig kennzeichnen. der für die frühe deutsche wortgeschichte wichtigen entwicklung des zum sinnbereich der göttlichen gnade gehörenden wortschatzes kann hier (
in den verbindungen gotes anst, ginâda, huldi, geba, gunst, guoti, armiherzida
u. ä.)
im einzelnen nicht nachgegangen werden, s. dazu Th. Frings
Germania Romana (1932),
bes. 17-25;
derselbe, antike u. christent. a. d. wiege d. dt. spr. (1949) 12
f. und namentlich s. v. gnade,
teil 4, 1, 5, 508
ff. mit sonstiger dort verzeichneter spezialliteratur. I@C@1@a@d@aaαα) gottes
hilfe: sino uuar der man ist der gotes helfa nesuohta (
ecce homo qui non posuit deum adiutorem suum) Notker 2, 200, 31
P. (
ps. 51, 9); si truogenn künec sunder twâl durch die gotes helfe für den grâl Wolfram v. Eschenbach
Parzival 480, 26; das als durch gottes hilff geschach Hans Sachs 1, 213
lit. ver. seit alters in der bis heute gültigen formel mit gottes hilfe: die uuitiuun, die sih mit gotis helfa inziehint dere uuerltlichen vuunne (11.
jh.)
predigtsamml. B 3, 23
Steinm.; es wurde zwischen euch beyden mit gottes hilffe ein ehe beschlossen Warbeck
d. schöne Magelone 20
Bolte; und wolte mit gottes hülf in kurzer zeit thun, was ich hiebevor in vielen jahren ... nit gethan hab Schupp
schr. (1663) 4; nein, unsere kinder sollen mit gottes hülfe erst frische, gesunde und tüchtige hausfrauen werden Reuter
w. 2, 203
Seelmann. I@C@1@a@d@bbββ) gottes
liebe, ahd. mhd. gotes minna, minne
als gen. subj. in älterer sprache hinter der gleichen verbindung im gen. obj. (
s. u.D 1 c)
weit zurückstehend, während sich nhd. das verhältnis mehr und mehr umkehrt. nicht völlig eindeutig in sehr früher bezeugung: gotes minnî ist gagozan in unsere moutuuillun durah heilagan geist, der uns gageban uuarth (
Römer 5, 5)
Monsee-Wiener fragm. 29, 8
H.; vgl. 12; 17; so ist fore allen dingen daz zebedenchenne uuieo ferro unsih praht habet diu gotes minna unde uuieo hoho si reichet Notker 2, 434, 8
P. (
ps. 103, 3);
vgl. 3, 251, 1; und getwungen mein fumf synn da mich dew gotes mynn mit hat geeret Heinrich v. Burgus
d. seele rat 4934
Rosenf.; weder hohes noch tieffes noch keine andere creatur, mag vns scheiden von der liebe gottes, die in Christo Jhesu ist vnserm herrn
Römer 8, 39;
2. Kor. 13, 13; ich bitte euch umb der liebe gottes willen, ihr wollet eure zeitliche und ewige wohlfahrt betrachten Schupp
Corinna 18
ndr.; gottes liebe vergiszt kein stäubchen E.
M. Arndt
w. 1, 4
R.-M. I@C@1@a@d@ggγγ) gottes
gnade in den differenzierten, wenn auch oft schwer abgrenzbaren bedeutungen des beziehungswortes (
und seiner frühen synonyma),
die hier nur vergröbernd angedeutet werden können; s. im übrigen s. v. gnade,
teil 4, 1, 5, 505
ff., bes. 511—529,
zur frage des plurals gottes gnaden
ebda 506
f. am breitesten in der anwendung auf gottes huld, geneigtheit, liebe und gütige fürsorge, ihre wirkungen und gaben im natürlichen und geistlichen bereich: (
das haus) thar ther liut io betota, ginada gotes thigita (
um gottes gnade flehte) Otfrid III 4, 44; und (
ich) wil iemer varnde sîn, mirn tuo noch gotes gnâde schîn von wanne ich sî ode wer Hartmann v. Aue
Gregorius 1804;
vgl. 136; Paulus aber welet Silan, vnd zoch hin, der gnade gottes befolhen, von den brüdern
apostelg. 15, 40; gottes genad erfület die welt
schöne weise klugreden (1548) 5
a.
von charismatischen gaben: daz an imo offeno skine etelih gotes gnada, einuueder dero beruochunga ode des kechosis ode des uuissagtuomis ode etelichero gotes gebe Notker 3, 190, 29
P.; vnd dienet einander, ein jglicher mit der gabe, die er empfanget hat, als die guten haushalter der mancherley gnaden gottes 1.
Petr. 4, 10.
formelhaft: von gotes genaden do vant er die zwene wallende man Gottfried v. Straszburg
Tristan 3804
Ranke; ein ehrliches eheweib, das jhren schwangern leib von gottes gnaden, und mit ehren trüge Moscherosch
gesichte (1642) 2, 143; hast du auftrag? sagte der baron ... aus eigner macht und gewalt, versetzte Friedrich, auch von gottes gnaden, wenn ihr wollt Göthe I 23, 307
W.; hernach lies der bapst Clemens eine bulla ausgehen, ... darinne er grieff nach aller könige und fürsten geld ... aber es feilet im auch, durch gottes gnad Luther 50, 362
W.; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 549
b.
in engerem sinne von der göttlichen barmherzigkeit und sündenvergebung: confiteantur suam iniquitatem, gratiam dei iehen iro unrehtis unde gotis kenadon Notker 2, 251, 20
gl. P.; vgl. 275, 25; weil wir sind brechlich allesammen, mit gleichen sünden schwer beladen und dürffen all der gottes gnaden Hans Sachs 1, 295
lit. ver.; die grosze indulgenz ... war die vergebung der sünden, so dasz man die gnade gottes wieder erlange Ranke
s. w. (1867) 1, 207.
oft schwer trennbar von dem zur christlichen rechtfertigungslehre gehörenden biblisch-theolog schen (
paulinischen)
gnadenbegriff: zu bezeugen das euangelium von der gnade gottes
apostelg. 20, 24;
vgl. 2. Kor. 6, 1;
Kol. 1, 6;
Titus 2, 11; ich fürchte nichts auf der welt, wenn ich die gnade gottes habe Göthe I 43, 286
W. mit betonung des gratuitätscharakters: unte sîe nechein gedinge nehânt an in selbon durh decheina iro uuoletât, neuuâre okkeret in gotes gnâdon Williram
hohes lied 52, 40
Seem.; vgl. 106, 11; on allen verdienst gar umb sunst ausz lauter gottes gnad und gunst Hans Sachs 1, 26
lit. ver. im 16.
jh. als segens- und gruszformel, in der umbildung neutestamentlichen vorbildes (
vgl. z. b. 1. Kor. 1, 3;
2. Kor. 1, 2;
Gal. 1, 3): gnade und friede gottes in Christo! Luther
br. 8, 133
W.; gottes genad vnd alles gutes zuvor Ringwaldt
evangelia (1581) A 2
a. I@C@1@a@d@ddδδ)
zur formel von gottes gnaden in der verbindung mit herrschertiteln s. s. v. gnade II C 4,
teil 4, 1, 5, 523
ff.; dt. rechtswb. 4, 1007. I@C@1@a@d@eeεε) gottes
güte vorwiegend in allgemeinem sinn von der liebenden fürsorge gottes für seine schöpfung und seine geschöpfe, s. güte 3 a
γ,
teil 4, 1, 6, 1401: wanta manag man in war giloubta thuruh inan thar, thuruh theso dati in selben gotes guati Otfrid IV 3, 12; Heinrich v. Melk
er. a. d. tod 1008
H.-K.; ich aber werde bleiben, wie ein grüner olebawm, im hause gottes, verlasse mich auff gottes güte jmer vnd ewiglich
ps. 52, 10; so find ich (
in der natur) gleich ein herlichs reich vol lauter gottes gühte Rist
himl. lieder (1652) 2, 120; sie fühlte das bedürfnis, hier (
bei einer armen sterbenden frau) helfend einzugreifen; mit dem bloszen hinweis auf gottes güte konnte man diese mutter nicht dahinfahren lassen Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 102.
daneben in dem engeren sinne der den sünder rechtfertigenden, verzeihenden gnade: oder verachtestu den reichthum seiner güte, gedult vnd langmütigkeit? weissestu nicht, das dich gottes güte zur busse leitet?
Römer 2, 4;
vgl. 11, 22; um der güte gottes willen frage nicht mehr, warum ich gekommen Stifter
s. w. 1 (1904) 289. I@C@1@a@d@zzζζ) gottes
huld, gottes
gunst. vornehmlich ahd. anst (
wie auch miltida:
Tatian 4, 18)
hat den vollsinn der eigentlichen gratia, s. auch s. v. gunst B 2,
teil 4, 1, 6, 1109:
gratia kepandi anst anti huldi kotes (
K)
ahd. gl. 1, 200, 8
St.-S.; kl. ahd. denkm. 195, 8
Steinm.; on allen verdienst gar umb sunst ausz lauter gottes gnad und gunst Hans Sachs 1, 26
lit. ver. gottes huld
besonders älter in der gleichen doppelbedeutung wie gottes güte: swaz ir wider gotis hulden habet getân
Benediktbeurer gl. u. b. III, 39
Steinm.; wie sol ich gotes hulde gewinnen nâch der missetât diu hie vor mir geschriben stât Hartmann v. Aue
Gregorius 1782;
vgl. 3962
u. ö.; daz dritte ist gotes hulde, der zweier (êre
und varnde guot) übergulde Walther v.
d. Vogelweide 8, 16;
minnes. frühling 181, 1
Kraus; das ist allein die gottes huld das sie hielten so grossen gedult Murner
badenfahrt 20
Martin. I@C@1@a@d@hhηη) gottes
erbarmen, barmherzigkeit nur in der engeren anwendung auf die befreiung des menschen aus not und sünde: fona cotes armiherzidv neonaldre farvvannan (
de dei misericordia numquam disperare)
Benediktinerregel 206, 10
Steinm.; die alten federn zeuht der sünder niht ab, denne er naig sich gegen mittem tag, dâ der sunnen hitz allermaist ist, daz ist gotes parmherzichait, wan got ist diu wâr sunne Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 205, 1
Pf.; so liegt es nu nicht an jemands wollen oder lauffen, sondern an gottes erbarmen
Römer 9, 16; da mein vorrath (
für das kind) auf war, macht' ichs wie Hagar, nahm das kind auf die schulter und ging auf gottes barmherzigkeit Lenz
ges. schr. 1, 60
Tieck. I@C@1@a@d@ththθθ)
weniger gefestigt in anderen verbindungen, die im sinne der gütigen, freundlichen zuneigung eigenschaften und äuszerungen gottes umschreiben: edo nivveist danta kidult cotes ze hrivvvn dih zualeitit (
an nescis quia pacientia dei ad poenitentiam te adducit)
Benediktinerregel 195, 28
Steinm.; unde (
wir) biten unzubrochen alle dise wochen die hohen gotes truwe daz er an uns vernuwe sine wunder
väterbuch 23 761
Reiss.; Parzivâl sprach 'hêrre, der gotes gruoz mir verre, op mich ie baz gez me swes ich von wirte næme' Wolfram v. Eschenbach
Parzival 486, 28;
d. teufels netz 5770
Barack; und sölt ich leben nun ain jar, ain jar auf diser erden, so wölt ich beicht und busz empfahn und gottes trost erwerben Uhland
volkslieder (1881) 595; wenn nu die so hart angefochten werden, die ynn gottes schutz sind Luther 16, 434
W. zur verdinglichung neigend: dei mei salus cotes mines haili (
Pa), kotes mines heli (
K)
ahd. gl. 1, 172, 31
St.-S.; wer danck opffert, der preiset mich, vnd da ist der weg, das ich jm zeige das heil gottes
ps. 50, 23;
apostelg. 28, 28
u. ö. I@C@1@a@d@iiιι) gottes
segen, vgl. s. v. segen 7,
teil 10, 105
f., segen 12,
teil 10, 109 (
in der Lutherbibel nur segen des herrn).
mit noch leicht magischem charakter im älteren, bes. mhd. gebrauch, wo göttliche hilf und göttlicher schutz als unmittelbar wirkende kraft gedacht sind: wan daz mich der gotes segen vriste von des weteres nôt, ich wær der wîle dicke tôt Hartmann v. Aue
Iwein 654;
Gregorius 3110; 3744;
so gern in wunsch und grusz: benedictio domini super uos gotes segen si uber iuh (
als segenswunsch) Notker 2, 560, 28
P. (
ps. 128, 8); guote naht geb iu der gotes segn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 279, 26;
vgl. 494, 12; nun fart hyn haim in gottes segn
pfarrer v. Kalenberg 24, 470
ndr.; gute nacht — gottes segen über mein mütterchen A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 18.
sonst allgemeiner umschreibend für gottes fördernde hilfe, meist im natürlichen bereich: gottes segen nehrt, vnd nicht die arbeit Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 48.
sprichwörtlich: an gottes segen ist alles angelegen (1710)
bei Flaskamp
hausinschr. d. st. Wiedenbrück 24.
in verdinglichender anwendung auf bestimmte gaben und lebensgüter, die gott schenkt: de fruw hefft ein kind gekregen, welckes im ehestand is ein eddel gades segen Lauremberg
in: korr. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 20
a.
mit scherzhaft ironischem unterton: einen andern verwandten, welchem seine frau zwillinge in die wiege gelegt hatte und welcher über diesen segen gottes die hände zusammenschlug, ... schalt er E.
M. Arndt
w. 1, 39
R.-M. I@C@1@a@d@kkκκ) gottes
lohn: retributio dei lon cotes (
Pa), lon kotes (
K)
ahd. gl. 166, 12
St.-S.; erbarmet er sich über sî dâ stüende gotes lôn bî Hartmann v. Aue
Iwein 4858.
jünger besonders da, wo ein lohn von seiten dessen, dem man gutes erweist, nicht zu erwarten ist: das es nicht ein gotts lohn verdienen heisse ... allen bettlern ... seine allmosen spenden Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) c 8
b; als Klaus ... sich auf den weg machte und wieder um gottes lohn auf einem fuhrwerk an der Iller dahinglitt Dörfler
d. notwender (1934) 20. I@C@1@a@d@llλλ) gottes
gabe. zufrühest im sinne der eigentlich religiösen gratia und misericordia und als konkurrenzwort neben ahd. ginâda: inti gotes geba uuas in imo (
dem Jesuskind) (
et gratia dei erat in illo)
Tatian 12, 1.
so noch in der Lutherbibel: denn so an eines sünde viel gestorben sind, so ist viel mehr gottes gnade vnd gabe vielen reichlich widerfaren, durch Jhesum Christ, der der einige mensch, in gnaden war
Römer 5, 15;
vgl. Eph. 2, 8.
speziell vom heiligen geist: do Symon der zouberrer die gotis gabe wolte kovfen
Lucidarius 34, 26
Heidlauf; das du verdampt werdest mit deinem gelde, das du meinest, gottes gabe (
der heil. geist) werde durch geld erlangt
apostelg. 8, 20.
von bestimmten gnadengaben: oh in imu ist elliu folnissa gotes ghebono ioh gheistes (
plenitudo diuinitatis et gratiarum)
Isidor 40, 14
H. meist, und namentlich jünger, von göttlichen wohltaten, freundlichkeiten und geschenken im bereich des natürlichen lebens, oft gegenständlich und verdinglicht: die Sodomite unde Gomorrei cherton die gotis geba (
den wein) in ubilen nuz (
5. Mose 32, 32) Notker 3, 373, 32
P.; das bergwerck auch ein gnediger segen und gute gabe gottes ist Mathesius
Sarepta (1571)
inhaltsang. 1
a; allein, das
Davids (dichterische begabung) war eine sonderbahre gabe gottes Schupp
Corinna 13
ndr.; es thäte noth, dasz man solchem verfluchten volk die gaben gottes (
gaben der kunst) in spiritus aufhübe Göthe IV 27, 149
W. in der speziellen bedeutung '
kirchliche stiftung'
in früher komposition, s. u. gottesgabe 1. I@C@1@a@eε)
δ gegenüber in verbindungen gegenteiligen sinnes, die aber, als zur vorstellung eines zürnenden, strafenden gottes gehörig, auch in ihrem frühen gebrauch nicht durchaus heidnischen ursprungs zu sein brauchen (
so Jac. Grimm
mythol. 41, 15; 3, 12).
gerade die meisten der hier geläufigen verbindungen dürften vielmehr in biblischen, namentlich alttestamentlichen vorstellungen und wendungen eine stärkere wurzel haben. I@C@1@a@e@aaαα) gottes
zorn, vgl. s. v. zorn II,
teil 16, 99
ff. im gegensinn zur göttlichen gnade und barmherzigkeit innerhalb der biblisch-christlichen grundbegriffe: denn gottes zorn vom himel wird offenbart vber alles gottloses wesen vnd vngerechtigkeit der menschen, die die warheit in vngerechtigkeit auffhalten
Römer 1, 18;
vgl. Joh. 3, 36; aber die welt achtet nichts, weder gottes zorn noch barmherzigkeit Luther
tischr. 3, 4
W.; vergeblich wehrst du mir gebohrn, wann ich nicht wär in gottes zorn Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 328.
enger im blick auf die dem zorn entspringende strafe: der sînem scolen nieht vergibet, ... der laitet uber sich den gotes zorn
vaterunser v. 167
Waag; vgl. 218; da kam der zorn gottes vber sie, vnd erwürget die fürnemesten vnter jnen, vnd schlug darnider die besten in Israel
ps. 78, 31; schwerdt, das ducaten prägt, und lügensaaten schlägt mit gottes zorn Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 50.
seltener: das wo uberkeyt strafft, die das schwerd tregt, odder die feynde beschedigen, das man solchs alles gottis rach heysse Luther 17, 2, 59
W. nur älter: mich hât mit unminne der gotes haz bestanden
die klage 518
Lachm.; mhd. häufig abgeschwächt in verwünschungsformeln, s. u. J 1 a
κ. I@C@1@a@e@bbββ) gottes urteil, gericht, strafe. gottes
urteil sowohl als göttliche gerichtsgewalt wie enger als verdammungsspruch und strafvollzug: 'wer ougta iu', quad, 'fillorane, fon nataron giborane, thaz ir intfliahet heile themo gotes urdeile?' Otfrid I 23, 38; denckestu aber, o mensch, der du richtest die, so solches thun, vnd thust auch dasselbige, das du dem vrteil gottes entrinnen werdest?
Römer 2, 3; (
ich) gloubo denne daz rehtista gotes urteila
Bamberger glaube 139, 17
Steinm.; vgl. 140, 16; ewr person leben und fürstlich wesen liessen wir ewrem gewissen und gottes urteil, so haben wir auch bis her euch solchen zwangk nie genomen, jhr habt jhn selbs lassen fallen Luther 30, 2, 342
W. speziell als ordal (
s. u. gottesurteil): die sogenannten urtheile gottes sind ... beybehalten worden
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 548.
von hier aus: denn aller ausgang (
eines doppeldeutigen unterfangens) ist ein gottes urthel Schiller 12, 228
G.; jünger statt gottes urteil
meist gottes
gericht, in gleichem doppelsinn, s. auch s. v. gericht 18,
teil 4, 1, 2, 3648
f.: wazzer unde fiur sint zuei starchiu gotes gerihte, dei dere werlte allere sint offen cegesihte (12.
jh.)
in: Meyer-Benfey
mhd. übungsbuch 5; das sie selbs sehen musten, wie sie durch gottes gerichte also zuplaget worden
weish. Salomonis 16, 18; ich will es nicht einmal vor gottes gericht zu verantworten haben Lenz
ges. schr. 1, 8
Tieck; der erzspion verfolgt mich überall wie die gerichte gottes Schiller 5, 5
G auch ordal (
s. u. gottesgericht): gottes gericht ... ist vor alters der vermeinte wunderbare beweiszthum durchs feuer oder wasser gewesen Jac. Döpler
theatr. poen. (1693) 73; von den sogenannten gerichten gottes kömmt in den salischen gesetzen nur die probe des siedenden wassers (aenei) vor
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 311. gottes
strafe: und ist hie kain wegerung die an der gotis straff vnd gesetz wolte eintrag thun Jac. Strausz
christenl. unterricht (1523) a 2
b; der abgehärmte, alternde, kranke könig, der sein unglück als strafe gottes fühlet Herder 12, 224
S. älter noch in anderen verbindungen: mit Jûdâ, dem verflûchtem manne in dem êwigem gotes panne Heinrich v. Melk
priesterl. v. 365
H.-K.; auir gotis racha get ubir antichristum der huobit ist allere ubile Notker 3, 375, 27
P.; (
gott) macht ein end seiner (
Israels) schinterey durch Ehud, der durch gottes rach zu tod diesen tyrannen stach Hans Sachs 1, 223
lit. ver. mhd. gotes slac
in fester umschreibung für unglück aller art, vgl. s. v. schlag I 4 a,
teil 9, 319: nach mitter naht uber di burc gi der gotes slac, do wurten si irtrenket
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 17, 22
Diemer; iwer prîs, sînhalp der gotes slac, im (
dem getöteten) freude hât enpfüeret Wolfram v. Eschenbach
Parzival 545, 6. I@C@1@a@zζ)
in abstrakten verbindungen ganz allgemeiner art wie gottes natur, sache
u. ä.: dis sey gottes art und natur, das er denen helffen wolle, die an seinen son Jhesum Christum glauben Luther 16, 350
W.; vgl. 17, 2, 152; die snd erlan nach gottes art vnnd schencken auch das leben Ringwaldt
evangelia (1581) g 7
a; wie gottes weise ist, das er die buben blind machet, wenn sie sollen gestrafft werden Luther 50, 413
W.; hie sihet man, wie die blinde vernunfft tappet jnn gottes sachen und trost sucht ynn eigenen wercken
derselbe 50, 230
W.; vgl. 12, 233. I@C@1@a@hη) gott,
allgemein als wirkende person gedacht, begegnet in einer besonderen gruppe anschaulich-bildhafter verbindungen, in denen das anthropomorphe element gesteigert erscheint. I@C@1@a@h@aaαα) gottes
rechte eine durch bibel und apostolikum gestützte verbindung, vgl. ahd. gotes zeswa: (
Christus) sizit az zesuun cotes fateres almahtikin (8.
jh.)
kl. ahd. sprachdenkm. 27, 13
Steinm.; vgl. 30, 52; 33, 103; als er aber vol heiliges geistes war, sahe er auff gen himel, vnd sahe die herrligkeit gottes, vnd Jhesum stehen zur rechten gottes
apostelg. 7, 55;
Römer 8, 34; ihr werdet ihn sehen sitzen zur rechte gottes, und kommen in wolken des himmels Klopstock
s. w. (1823) 4, 33
u. ö. I@C@1@a@h@bbββ) gottes
hand in vielfacher beziehung und spezialisierung. namentlich umschreibend für die macht gottes in der schöpfung und in der hilfreichen oder strafenden lenkung der menschlichen geschicke: duo diu vrône godis hant diu spêhin werch gescuoph so manigvalt
Annolied 21
Roediger; so demütiget euch nu vnter die gewaltige hand gottes, das er euch erhöhe zu seiner zeit 1.
Petr. 5, 6; die hand gottes war drüber gekommen Alexis
Roland (1840) 1, 81.
formelhaft: denn es stehet ynn gottes hand, nicht ynn yhrem willen, was sie vns thun oder wir leiden sollen Luther
br. 8, 235
W.; an andern beyträgen (
für die horen) ist nichts eingelaufen, und das siebente stück steht noch ganz in gottes allmächtiger hand Schiller
br. 4, 171
Jonas. von Lukas 23, 46
aus, pluralisch: meine ... seele wird bald seyn in den händen gottes Schupp
Corinna 58
ndr. auch soviel wie '
göttliche weisung': verkennt nicht gottes hand, die euch gewiesen, was sein heilger wille Grillparzer
s. w. 6, 94
Sauer. in verschiedenen konkretisierungen spezialisiert. besonders für den schlagflusz wie gottes gewalt (
s. ob. C 1 a
β δδ): den tropff, schlag, gottes gewalt oder gottes hand Wirsung
artzneyb. (1588) 148
b; tropf
pro schlag, hand gottes
apoplexia Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 869.
anders: epfich, der zum gries und stein so fürtrefflich ist, das er die hand gottes genant wird (1568)
bei Fischer
schwäb. 3, 1106.
mundartlich: 'de hand gottəs
wurde früher der wacholderstrauch genannt, der an häusern herausstak, wo getränke verzapft wurden'
rhein. wb. 2, 1321. I@C@1@a@h@ggγγ) gottes
finger. älter meist als umschreibung für göttliche machteinwirkung: so ich aber durch gottes finger die teufel austreibe, so kompt je das reich gottes zu euch
Lukas 11, 20; es (
das unglück) ist als gschehen durch gottes finger. der hat all dieng in seinem gwalt Jac. Ayrer
dramen 719
Keller. jünger als bildrede im sinne von '
weisung, mahnung gottes': denn nur im elend erkennt man gottes hand und finger, der gute menschen zum guten leitet Göthe I 50, 200
W.; Rudolph Wagner ist ein haupt-glaubensmann und sieht den finger gottes in seinem rufe nach Göttingen Dahlmann in:
briefw. zw. J. u. W. Grimm (1885) 1, 464. I@C@1@a@h@ddδδ) gottes
auge, auch gottes
ohr, mund u. ä., von mehreren ansatzpunkten aus: thanna thu scalt lôn nemen fora godes ôgun
Heliand 1564
B.; vgl. 1969; 1977; Notker 1, 315, 8
P.; wer wolte vor gottes augen stehen unnd nicht erschrecken, so diser priester (
der uns schützen soll) nicht vor gott stünde? Luther 17, 2, 471
W.; wer gott-gesalbte rührt, rührt gottes augen an Gryphius
trauersp. 761, 94
Palm; vgl.: god na den ogen tasten
die verwägenheit weit treiben Dähnert
plattdt. wb. 156; Mensing
schlesw.-holst. 2, 442; sîn gebet wirt verunrûchet, wan ez ze gotes ôren nicht stîget Heinrich v. Melk
erinn. a. d. tod v. 97
H.-K.; der mensch lebet nicht vom brot alleine, sondern von einem jglichen wort, das durch den mund gottes gehet
Matth. 4, 4; verflucht war durch gottes mund die stunde, in der ich geboren wurde Th. Mann
d. erwählte (1951) 218; das sie durch den odem gottes sind vmbkomen
Hiob 4, 9; ich wil liber sein in gottes schosz, den bey vatter und mutter Luther 14, 383
W.; und (
dasz ich) auf einem sterne mit dir lebe, und in gottes schoosze ruh Hölty
ged. 64
Halm; als die welt im tiefsten grunde lag an gottes ewger brust Göthe I 6, 188
W. I@C@1@a@h@eeεε) gottes
antlitz, angesicht in bildhafter umschreibung für gott
selbst, aus biblischer wurzel: ir (
der seligen im himmel) allermäiste wunne daz ist gotes antlutze Heinrich v. Melk
erinn. a. d. tod v. 993
H.-K.; vgl. 40; meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott, wenn werde ich da hin komen, das ich gottes angesicht schawe
ps. 42, 3;
1. Mose 3, 8; o! wenn da diese herrliche natur so starr vor mir steht wie ein lackirtes bildchen ... und der ganze kerl vor gottes angesicht steht wie ein versiegter brunnen, wie ein verlechter eimer Göthe I 19, 128
W. I@C@1@a@h@zzζζ) gottes
stimme umschreibend für eine selbstbekundung gottes, eine göttliche weisung, einen besonderen göttlichen auftrag: gotes stimna hluda in Sinaberge quhedhenda
Isidor 13, 14
H.; diu gotes stimme sprach in zuo daz sî des næhsten tages vruo die Rômære zesamene bæten Hartmann v. Aue
Gregorius 3172; wirstu der stim des herrn deines gottes gehorchen, vnd thun was recht ist fur jm, vnd zu ohren fassen seine gebot
2. Mose 15, 26; gottes stym (sagen sie) (
die anhänger Münzers in der Schweiz) mustu selbst hören Luther 15, 211
W.; freunds rath ist offt gottes stimm Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 618; das herz ist gottes stimme, menschenwerk ist aller klugheit künstliche berechnung Schiller 12, 345
G. sprichwörtlich: volcks-stimme, gottes stimme
voce del popolo, voce di dio Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1207
a. I@C@1@bb)
seltener im umgekehrten syntaktischen verhältnis, wobei der abhängige genitiv als attribut einen grundzug im wesen oder wirken gottes umfassend bezeichnet, bibelsprachlichem gebrauch entnommen. oft steht hier neben gott
der bestimmte oder unbestimmte artikel: deus pacis got des frides (9.-10
jh.)
ahd. gl. 2, 319, 53
St.-S.; so wird gott der liebe und des friedens (
rev.: der gott der ...) mit euch sein
2. Kor. 13, 11;
Römer 15, 5
u. ö.; wann du bist ein gott der wahrheit. was du verheist, das gschicht alzeyt Hans Sachs 1, 69
lit. ver.; o gott der macht und herrlichkeit Gellert
s. schr. (1769) 2, 145; gott der gnade, nimm die sünde von ihm Schiller 3, 502
G. I@C@22)
in der bestimmung durch adjektiva, meist attributiv, seltener prädikativ oder appositionell mit nachgestelltem substantiviertem adjektiv. in dem 1
entsprechenden anwendungsbereich, aber doch mit fühlbar anderer verteilung der akzente. einen erheblichen teil der festen verbindungen steuert auch hier die sprache der bibel bei. auszerhalb der anrede und des prädikativen gebrauchs begegnet gott
hier durchweg mit dem bestimmten artikel. die nicht seltene verbindung mit dem unbestimmten artikel wurzelt (
wie ob. A 3)
in der verwendung des wortes als gattungsbegriff und (
wie unt. 4)
in scheinbar polytheistischer grundvorstellung, bleibt aber im biblisch-christlichen rahmen, vgl. etwa: wan er ist ein almehtic got Konrad v. Würzburg
Pantaleon 900; denn du bist ein gnediger vnd barmhertziger gott
Neh. 9, 31.
nur in vereinzelt übertragenem gebrauch der mundart wird dieser rahmen gesprengt: de hät en goden gott agebett
glück gehabt rhein. wb. 2, 1322; Leithäuser
Barmen 14; Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 654. I@C@2@aa)
das schwergewicht adjektivischer bestimmung liegt im ahd., fühlbarer noch im as. (
Heliand),
auf der kennzeichnung göttlicher machtfülle und hoheit (
s. ob. sp. 1025),
verlagert sich aber schon in mhd. höfischer zeit; doch reichen manche verbindungen bis in jungen gebrauch. I@C@2@a@aα) der
allmächtige gott
als geläufigste, durch die bibel und das omnipotens des apostolikums gleichermaszen gestützte formel, vgl. auch die verselbständigte substantivierung der allmächtige
als christliche gottesbezeichnung: enti do uuas der eino almahtico cot
Wessobr. geb. 7
Steinm.; vgl. 10
u. ö.; Heliand 476
B.; und ein durchliuhtic himelbote, der von dem almehtigen gote wær in daz lant gesendet Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 23 070; wie wol der almehtig got wider uns in zoren (
zorn) ist Arigo
decameron 10, 38
Keller; vnd (
Jakob) sprach zu Joseph: der allmechtige gott erschein mir zu Lus im lande Canaan, vnd segenet mich
1. Mose 48, 3
u. o.; (
das vieh) ... bleibt in seim beruoff, wie es gott der allmechtig schuoff Scheit
Grobianus v. 4960
ndr. I@C@2@a@bβ)
andere epitheta gleicher bedeutung bleiben auf älteren gebrauch beschränkt: der
waltende, allwaltende gott,
namentlich als uualdand, alouualdo god
im Heliand, vgl. 20; 98; 645; 861; 3937
u. o.: welaga nu, waltant got, (quad Hiltibrant) wewurt skihit
Hildebrandsl. 49
Steinm.; o vader alweldiger got der durch true gebot din kint her nieder santes
passional 3, 32
Hahn; 86, 41; 88, 48
Köpke. der
rîche got
der mächtige: 'ni scal that rîki god', quad he, 'uualdand uuillien'
Heliand 3095
B.; vgl. 2611.
vornehmlich mhd.: 'rîcher got der guote, wie sol ez mir nû ergân' Hartmann v. Aue
Iwein 5972; Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelot 7593.
besonders appositionell nachgestellt: der ie nâch sælden warp. nû pflege sîn got der rîche Walther v.
d. Vogelweide 108, 3;
Nibelungenlied 1793, 3
L. vereinzelt nhd., im volkslied, wo also die bedeutung potens noch nachklingt: ach reicher gott vom himmel, wie bitter wird mir der tod! (1776) Uhland
volkslieder (1881) 129. I@C@2@a@gγ)
in der verbindung mit mächtig, gewaltig, stark, grosz von längerer lebensdauer: mehtiger got, dû bist sô lanc und bist sô breit Walther v.
d. Vogelweide 10, 1; herr gott du bist der mechtige gott, der grosse thaten thut, vnd niemand kan dir widerstehen
Judith 16, 16; was kan vns kommen an für noth, wen vns beysteht der gewaltig gott? Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) F 5
b; der starcke gott der herr, der starcke gott der herr weis
Josua 22, 22;
1. Mose 33, 20; vnd warten auff die selige hoffnung vnd erscheinung der herrligkeit des grossen gottes, vnd vnsers heilandes Jhesu Christi
Titus 2, 13;
Daniel 2, 45; groszer gott, wir loben dich
anfang e. kirchenliedes a. d. 18. jh., s. Kosch
dt. lit.-lex. 21, 750; J. Chr. Günther
s. w. 2, 136, 20
Krämer; 224, 1.
auch in der reihung verwandter attribute: dero michelo got unde der mahtigo habet kebreitet kelouba ... in alla uuerlt Notker 2, 181, 17
gl. P. (
ps. 47, 3); der allmächtige, grosze, starke gott! maler Müller
w. (1811) 108. I@C@2@a@dδ)
in einer A 7
entsprechenden attributiven kennzeichnung vor allem der
höchste gott (
deus altissimus),
bibelsprachlichen ursprungs und unter polytheistischer voraussetzung, aber vorwiegend als absolute rangbezeichnung empfunden: ih haren ze demo hohesten gote (
clamabo ad deum altissimum) Notker 2, 215, 13
P. (
ps. 56, 3); der hohesto got (
deus excelsus) 317, 5 (
ps. 77, 35); dem hosten gote bevilh' ich dich: ein scheiden von dir riuwet mich
minnesinger 1, 211
b v. d. Hagen; dis alles ist eben das buch des bunds, mit dem höhesten gotte gemacht
Jesus Sirach 24, 32
u. ö.; womit sie und ire libe angehörige ich in den schuz des höchsten gottes ... befäle Bellin
hochdt. rechtschr. (1657) )( 5
b; dieselbige folgete allenthalben Paulo vnd vns nach, schrey vnd sprach, diese menschen sind knechte gottes des allerhöhesten, die euch den weg der seligkeit verkündigen
apostelg. 16, 17; wer gott dem allerhöchsten traut, der hat auf keinen sand gebaut G. Neumark
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 4, 311. der
oberste, der
himmlische gott
nhd. kaum noch üblich (
doch s. ob. A 7 a gott des himmels): diu vorhte des oberisten gotes daz ist diu gebe zaller vorderest
vaterunser v. 25
Waag; die böse frau v. 217
Schroeder; niist in kihuctin himiliskin gote
muspilli 29
Steinm.; Otfrid I 12, 9; IV 19, 47. I@C@2@bb)
andere adjektivverbindungen kennzeichnen gott
im sinne der echtheit, tatsächlichkeit und unwandelbarkeit seiner existenz. I@C@2@b@aα) der
rechte, wahre gott
in ausdrücklichem oder unausgesprochenem gegensatz zu falschen oder nicht existenten göttern (
s. u. III A): das, welcher sich segnen wird auff erden, der wird sich in dem rechten gott segenen
Jesaia 65, 16; der rechte gott
deus verus Frisch
teutschlat. wb. 2 (1741) 96
b; wâre got, ih lobin dih
Ezzos gesang in: Waag
dt. ged. 3; sîn flîz der wart groz zuo dem wâren gote (
von einem bekehrten heiden) Ottokar
österr. reimchron. 19 317
Seem.; das ist aber das ewige leben, das sie dich, das du alleine warer gott bist, vnd den du gesand hast, Jhesum Christ, erkennen
Joh. 17, 3;
1. Thess. 1, 9; daher man alles klar und helle darüber bey den göttern hört, was man vom wahren gott darunten lehrt (
in einer christl. kapelle mit deckengemälden heidnischer götter) Triller
poet. betrachtg. (1746) 2, 22. I@C@2@b@bβ) der
ewige, der
alte, der
lebendige gott: der herr der ewige gott der die ende der erden geschaffen hat
Jesaia 40, 28;
Römer 16, 26
u. ö.; o almechtiger, ewiger, gutiger gott, jch bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine sunde Warbeck
schöne Magelone 42
Bolte. der alte gott
ohne biblisches vorbild: er (
Adam) nicht uermiden ne wolde, daz ime der alde got uerbot
könig Rother 4410
de Vries; Wittenweiler
d. ring 8574
Wieszner. bis heute sprichwörtlich (
s. auch u. 3 b): der alt gott lebt noch S. Franck
chron. zeytb. (1531)
vorr. a; Eyering
proverb. copia (1601) 1, 425; der alte gott lebet noch und lässet nicht zu schanden werden Immermann
Münchh. (1841) 1, 17; Fischer
schwäb. 3, 762; Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 654.
in der beteuerung mit J 2 b
kombiniert: so wahr der alte gott noch lebt, so hol ich mir auch mein recht Eichendorff
s. w. (1864) 3, 321.
mit eigenem ton vor religiöspatriotischem hintergrund: und auch vom vaterland kunde gib: obs noch das land der treuen lieb, ob der alte gott noch in Deutschland wohnt, und niemand mehr dem bösen front H. Heine
s. w. 2, 57
Elster; E.
M. Arndt
w. 1, 39
R.-M. der lebendige gott
als ausgesprochen biblische verbindung: thu bist Christ sun gotes lebentiges
Tatian 90, 2; 190, 1; meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott, wenn werde ich da hin komen, das ich gottes angesicht schawe?
ps. 42, 3; 84, 3;
Jes. 37, 17;
Matth. 16, 16
u. ö.; wann er sich gar verlassen thet auff den war lebendigen got Hans Sachs 1, 214
lit. ver. I@C@2@cc)
in ethischer wertung verbindet sich gott
vor allem mit heilig, gerecht, treu, wahrhaftig und fromm: enti cot heilac
Wessobrunner gebet 9
Steinm.; ahd. sonst nicht, doch vgl. Heliand 161; 240; 1513
u. ö.; darumb du heiliger gott, dem allein gehöret alles was heilig ist, beware fort an dein haus 2.
Makk. 14, 36;
quoniam iustus dominus iustitias dilexit vuanda got rehter minnot dero menniscon reht Notker 2, 33, 5
P. (
ps. 10, 8); las der gottlosen bosheit ein ende werden, vnd fördere die gerechten, denn du gerechter gott prüfest hertzen vnd nieren
ps. 7, 10; gott der gerechte hat ursach genug Schupp
Corinna 55
ndr. der treue gott
in bibli chem und biblisch beeinflusztem gebrauch: also Paulus chit: ketriuuue ist got der unsih nilazzet ferror irsuochit uuerden danne uuir uirtragin mugin Notker 2, 107, 15
gl. (
ps. 32, 4)
P.; in deine hende befelh ich meinen geist, du hast mich erlöset herr du trewer gott
ps. 31, 6;
1. Kor. 1, 9
u. ö.; der treue gott dies jahr vermehre was sie erquickt zu jeder zeit Schiller 1, 4
G.; es bleibe viel mehr also, das gott sey warhafftig, vnd alle menschen falsch
Römer 3, 4; du hast eine schande begangen an der majestät des wahrhaftigen gottes dasz du dir die tugend die hände zu deinem bubenstück führen ... lieszest Schiller 3, 159
G. im kirchenlied der fromme gott '
der heilige, gnädige': o gott, du frommer gott, du brunnquell guter gaben J. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 308; Paul Gerhardt
ebda 3, 300
u. ö.; E.
M. Arndt
w. 4, 9
R.-M. I@C@2@dd)
in der kennzeichnung der auf die welt und den menschen gerichteten gesinnung und wirksamkeit gottes. I@C@2@d@aα) der
liebe gott
als heute geläufigste verbindung (
vgl. s. v. lieb 8 a,
teil 6, 899)
ist biblischem sprachgebrauch durchaus ungemäsz und auch der Lutherbibel fremd. ahd. (
s. ob. sp. 1025)
steht liobi
nur neben truhtîn,
nicht neben got (
vgl. z. b. Otfrid
L. 35; III 1, 31);
erst das mhd., dann namentlich das ältere volkslied kennt die verbindung der liebe gott.
im eigentlichen vollsinn des epithetons als '
gütig, gnädig, freundlich'
nur selten: das der bete vor sy den libin got das her sy irloste
Marco Polo 6, 29
Tscharner; Printzel soll mit euch varen. der liebe got musz euch pewaren, der geb euch geluck und hail Heinrich v. Neustadt
Apollonius 4886
Singer; dasz sie ... jhre seelen dem lieben getrewen gott zu trewen händen bevehlen sollen Sandrub
kurzweil (1618) 137.
schon früh mit der neigung zu formelhaftem gebrauch, wobei die aktive vorstellung '
liebreich, gütig'
mehr oder minder zur passiven '
geliebt, teuer'
hinüberwechselt: wer deutsch kan, der weis wol, welch ein hertzlich fein wort das ist: die liebe Maria, der lieb gott, der liebe keiser, der liebe fürst, der lieb man, das liebe kind Luther 30, 2, 638
W.; sie liebet mir vor allen, das red ich auf mein eid; der liebe got sol ir walten! (1533) Uhland
volkslieder (1881) 64; (1547)
ebda 159
u. ö.; liebster gott, wie wunderbahr ist die führung deiner wege J. Chr. Günther
s. w. 2, 258, 1
Krämer. schon im 17.
jh. kann die verbindung alles gewicht einbüszen, um den heute allgemein gültigen ton des vertraulichunverbindlichen anzunehmen, der auch einer ironisierung fähig ist. in diesem gebrauch verliert das epith ton, bezeichnenderweise und im unterschied zu allen übrigen adjektivverbindungen mit gott,
in der gesprochenen sprache den sprechton: ein kerle, der den lieben gott danken solte, weil er ihn zu einem mannsbilde erschaffen Chr. Weise
erznarren 59
ndr.; der liebe gott könnte uns recht in verlegenheit setzen, wenn er uns die geheimnisse der natur sämmtlich offenbarte Göthe IV 29, 203
W.; der liebe gott hatte sich ins mittel gelegt Storm
s. w. (1898) 1, 58.
in scherzhaften redensarten: und du denkst, mein herr würde es so mit ansehen, dasz du ihm den lieben gott von der stube treibest (
ihm seine ruhe störst)? Lessing 1, 312
L.-M.; beim lieben gott sein
im arrestlokal Horn
soldatenspr. (1899) 121.
in der kindersprache und in der mundart, hier neben (der) herrgott,
häufiger als das einfache gott
und in zahlreichen redewendungen, s. schweiz. id. 2, 508; 521; Fischer
schwäb. 3, 763; Dähnert
plattdt. wb. 156; Kück
Lüneburg 595. I@C@2@d@bβ)
in anderen, mehr oder weniger synonymen verbindungen. der
gnädige gott
im doppelsinne des freundlichgütigen wie des verzeihend-barmherzigen: in doufe, the unsih reinot ther ginadigo got Otfrid I 26, 9; es verdreust gott sehr, wenn man jhn anders helt, als für einen gnedigen gott Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 4
a.
biblisch vor allem in der wunsch- und bittformel (
s. auch J 1 a
θ α α): vnd der zölner stund von ferne, wolte auch seine augen nicht auffheben gen himel, sondern schlug an seine brust, vnd sprach, gott sey mir sünder gnedig
Luk. 18, 13;
ps. 67, 2
u. ö.; barmherziger gott, erkenn die not! barmherziger gott, erkenn die not! wir müssen sonst verderben also (1525) Uhland
volkslieder (1881) 395.
gern in verbindung mit dem vorigen: denn der herr ewr gott ist gnedig vnd barmhertzig, vnd wird sein angesicht nicht von euch wenden, so jr euch zu jm bekeret
2. chron. 30, 9; der gnädige erbarmende gott hat auch der hohen häupter sinn und hertzen ... gelenkket Schottel
friedenssieg 6
ndr. der
gute gott,
im älteren ahd., sofern im sinne von '
hilfreich, freundlich',
nur neben truhtîn (Otfrid
L. 43; III 7, 1; V 23, 11; 79; 95
u. ö.),
s ob. sp. 1025),
neben got
seit Notker
und sehr geläufig im mhd. als got der guote:
quam bonus Israhel deus der Israhelis got uuieo guot der ist. uuemo?
his qui recto sunt corde dien die rehte sint in iro herzen Notker 2, 287, 14
P. (
ps. 71, 1); nû hilf mir, got der guote
die hochzeit v. 1031
Waag; vgl. 994; eiâ herre got der guote, wer gît sô starke sinne daz ich die s sêre minne diu mir zem tôde ist gehaz? Hartmann v. Aue
Iwein 1610; für die besserung der lieben mama sei dem guten gott herzlich gedankt (1790) Schiller
br. 3, 83
Jonas. seltener zum ausdruck sittlicher vollkommenheit: also sterchet tisiu reda, got uuesen guot, taz an imo si folleglih kuot (
deum bonum esse) Notker 1, 181, 29
P.; vgl. 213, 19.
so in der einzigen biblischen bezeugung: aber Jhesus sprach zu jm, was heissestu mich gut? niemand ist gut, denn der einige gott (
οὐδεὶς ἀγαθὸς εἰ μὴ εἷς ὁ θεός)
Mark. 10, 18 (
Luk. 18, 19;
Matth. 19, 17).
gewisse verbindungen bleiben älterem gebrauch vorbehalten. namentlich der
süsze gott (
vgl. s. v. süsz II C 1 a,
teil 10, 4, 1315
u. II D 1
sp. 1320),
als '
der gnädige'
oder '
der geliebte',
besonders hochhöfischer sprache zugehörig, vgl. B. Schwartz
d. gottesbild i. höf. dicht. (1933) 5; 22: nû sî got der süeze der iu vrouwen büeze iuwer unwerdez lebn Hartmann v. Aue
Iwein 6409; Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 6580; süezer got, du enscheide die herzelieben von mir niet
Tristan als mönch 2527
Paul. im älteren nhd. nachklingend: o wär ich da! o stünd ich schon, ach süszer gott, für deinem thron Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 399
a;
daneben: vil edeler, süezer, zarter got Frauenlob 207, 1. I@C@2@d@gγ)
gegensinnige verbindungen sind kaum fest geworden mit ausnahme der nur biblisch-alttestamentlichen formel ein
eifriger gott '
ein eifersüchtiger'
: deus est emulator cot ist ellinari (8
jh.)
ahd. gl. 1, 336, 75
St.-S.; denn der herr dein gott ist ein verzehrend fewr, vnd ein eiueriger gott
5. Mose 4, 24; 6, 15;
2. Mose 20, 5
u. ö. gelegentlich: gott ist wol barmhertzig, er ist aber auch zornig Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 8
a; der folgende sommer gab eine nähere gelegenheit, den zornigen gott, von dem das alte testament so viel überliefert, unmittelbar kennen zu lernen Göthe I 26, 43
W. I@C@33)
aus der nicht annähernd auszuschöpfenden fülle verbaler verbindungen, in denen sich das dasein und wirken gottes ausdrückt, ist vieles sprachlich fest geworden. das meiste freilich drängt schon früh in die verwendung als kurze wunsch- oder beteuerungsformel, um sich dort unter modifizierung, spezialisierung oder entleerung des sinngehaltes schnell abzunutzen, s. u. J 1 a. I@C@3@aa)
im hinblick auf gott als ein geistig und innerlich tätiges, fühlendes und empfindendes wesen: I@C@3@a@aα) gott
weisz auf das umfassende, überlegene, dem menschen verborgene wissen gottes anspielend: alles des ubilis, daz got hie zi mir waiz
ahd. sprachdenkm. 356, 50
Steinm.; es wird mir doch auf erden, weil die welt ist so weit, ein feins brauns mägdlein werden, gott weisz die rechte zeit (1588) Uhland
volkslieder (1881) 91;
Gaddo: bin ich dein geliebter Gaddo? ich frage nicht umsonst.
Francesco: ja! gott weisz es! Gerstenberg
Ugolino 251
H.; gott mott et wete ... we wess, wat gott wess!
wenn die ansichten geteilt sind rhein. wb. 2, 1318.
früh zur parenthetischen kurzformel weisz gott
oder gott weisz
erstarrt und entleert, s. u. J 2 a. I@C@3@a@bβ) gott
will, gott
tut: div menege gesigete, alsez got wolte
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 62, 26
Diemer; vgl. 76, 11; heut wollt es gott, dasz ich noch drinnen war in seinem gemach ..., als er eintrat Th. Mann
d. erwählte (1951) 209.
meist formelhaftem gebrauch zuneigend: aber was gott im himel wil, das geschehe 1.
Makk. 3, 60; was gott will, das wird geschehn Müllner
dram. w. (1828) 1, 33; es gehe mir nu, wie gott will Luther
br. 8, 50
W. in ironisierender umschreibung für '
richtungslos, führungslos': Homer, Homeriden, rhapsoden und alle das confuse geschlecht haben so hin gesaalbadert wie gott gewollt Göthe IV 29, 90
W. die konditionalen formeln so, ob, wenn gott will, wills gott
s. u.J 2 c
α,
die wunschformel wolle gott (nicht) J 1 a
ι αα; was gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt gerecht sein wille Sam. Rodigast
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 4, 379;
vgl. 2, 62; Fischer
schwäb. 3, 755. I@C@3@a@gγ)
in unpersönlichen verbalverbindungen, die ein gefallen oder miszfallen ausdrücken, steht gott
im dativ: so iz gote liche (11.
jh.)
ahd. sprachdenkm. 168, 19
Steinm.; ich wæn daz allez sîn (
Walthers) gesanc, beide kurz unde lanc, si got niht sô wol gevallen sô im daz ein (
der eine papstspruch muoz missevallen Thomasin v. Zirclaria
d. wälsche gast 11221
Rückert; das wird ohne zweifel gott gefällig sein Luther
br. 8, 120
W.; und wenn es nicht gott gefallen hätte, mich erst nach erlittenem sturme wieder in disz land zu werfen Schubart
leben 1 (1791) 168; Lenz
ges. schr. 1, 92
Tieck. von hier aus in attributiver verwendung: ähnlich wie einst der prädestinationsglaube Calvins seine anhänger ... ruhelos vorwärts trieb zu gott wohlgefälligem handeln Fr. Meinecke
Boyen (1896) 1, 82. wie es gott gefällt
in gleicher ironisierung und ohne religiösen bezug wie oben wie gott will: man läszt das ... unwesen fortlaufen, wie es gott gefällt Thibaut
bürgerl. recht (1814) 430. I@C@3@bb)
die frage der existenz gottes
berührend: uuannan chad er chumet taz ubel, ube got ist? unde ube er neist, uuannan daz kuot? Notker 1, 32, 21
P.; vgl. 47, 6; es sei kain got, tuot er tukkisch gedenken Schede
psalmen 39
ndr.; aber ich sucht', und ich fand entschuldigung für den feigen (
den gottesleugner), der ist, und dem doch gott nicht ist Klopstock
oden 2, 62, 14
M.-P. substantiviert: wie mir ... das dasein gottes zur unmittelbaren gewiszheit wurde A. Winnig
heimkehr (1935) 400.
die vorstellung, dasz gott
lebt oder gestorben ist, begegnet in redensartlichen oder sprichwörtlichen wendungen: hierumb (
um ihren toten sohn) stelleten sie sich dermassen mit heulen und zannen, raufften und schlugen sich selbs, als wer gott im himmel gestorben Kirchhof
wendunmuth 1, 211
Ö.; ich (
ein verdammter in der hölle) wolt, dasz gott im himmel stürb, darzu der engel schaar verdürb Ringwaldt
getreuer Eckart (1698) G 4
a gott lebt noch,
s. auch der alte gott
sp. 1047: wann (
denn) gott lebt noch ... Hans Sachs 1, 219
lit. ver.; was traurest du doch? gott lebet noch Scriver
Gotthold (1679) 583.
speziell in der redensart wie gott in Frankreich leben '
herrlich und in freuden',
im schweiz. id. 1, 1310
erklärt als satirische anspielung auf die absetzung gottes durch den französischen konvent; vgl. schon: he is so glüklich as gott in Frankrich Schütze
holst. id. (1800) 2, 56; aber sehen sie sich mal um hier, wie leben sie? wie gott in Frankreich Fontane
ges. w. (1905) I 5, 137; Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 654. I@C@3@cc)
in umschreibungen für die göttliche schöpfermacht mit bezug auf die welt und den menschen: 'in dhemu eristin chiteda got himil endi aerdha'
Isidor 16, 1
H.; Otfrid II 1, 36; got ez allez geshuof, also saget uns daz puch, hymel unde erde schuof er werde unde ellev dinc
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 6, 10
Diemer; am anfang schuff gott himel und erden
1. Mose 1, 1; 'endi got chiscuof mannan anachiliihhan endi chiliihhan gote chifrumida dhen'
Isidor 7, 17
H.; got worhte ûz der erden Adâmen den werden Wolfram v. Eschenbach
Parzival 463, 17; das got den menschen vnd alle dinge beschaffen hat, sie allzumale gut beschaffen hat
ackermann a. Böhmen 25, 6
Hübner; gott hat den menschen gemacht nach seinem bilde; dann kam er selbst herab, mensch, lieb und milde Göthe I 3, 250
W. in der redensart wie ihn gott erschaffen hat
für '
nackt': vorige woche zeichnete man die menschen wie sie gott erschaffen hat, und diese woche will man sie ganz in stahl und eisen kleiden Göthe IV 8, 353
W. in der höfischen sprache des mhd. in einer groszen zahl anderer oder erweiterter wendungen, vgl. z. b.: got was an einer süezen zuht, do'r Parzivâlen worhte Wolfram v. Eschenbach
Parzival 148, 26;
s. im übrigen die mhd. wbb., dazu Jac. Grimm
mythol. 41, 15; 20; 3, 11; B. Schwartz
d. gottesbild i. höf. dicht. (1933) 29. I@C@3@dd)
die mehrzahl verbaler verbindungen umschreibt die verschiedenen formen der aktiven und unmittelbaren beziehung gottes zu den menschen, meist im sinne der göttlichen freundlichkeit, güte und hilfe. I@C@3@d@aα)
sofern gott im ganzen und im einzelnen das menschliche leben und geschick bestimmt. gott verhängt
in der doppelbedeutung des '
zulassens'
oder des '
anordnens',
s. teil 12, 1, 524
ff.: odo imo (
dem seligen) tod so gienge, thaz got io thaz gihenge, thaz in themo riche iaman sar irsieche Otfrid V 23, 249; also kan ... der teuffel einem frommen christen nicht ein haar breit weiter schaden, als ihm gott verhängt hat Schupp
schr. (1663) 162; o söllich ubel das hat gott gewiszlich uber uns verhengt Hans Sachs 11, 101
lit. ver.; wenn es dem lieben gott gefallen hat, das unglück über uns zu verhängen Lenz
ges. schr. 1, 92
Tieck. in gleichem sinne: gott hat es also gefgt oder verhengt Frisius
dict. (1556) 16
a; gott hat es anders gefügt (
dasz Schiller den vater überlebte) (1796) Schiller
br. 5, 69
Jonas. des weiteren: uil wole fuorote si
got. da gab er in himel brot
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 47, 16
Diemer; hera santa mih godjoh mir selbo gibod, ob hiu rat thuhti,thaz ih hier geuuhti
kl. ahd. denkm. 85, 33
Steinm.; Otfrid III 22, 55; bist du's? dich sendet gott! Grillparzer
s. w. 6, 14
Sauer; Bräsigen hat mir gott geschickt Fr. Reuter
w. 2, 223
Seelmann. I@C@3@d@bβ) gott
als der gebende. die verbindung mit geben
ist in ihrer anwendung seit alters unbegrenzt (
s. auch teil 4, 1 4, 1707
f.),
wie auch die wunschformel gebe gott, gott gebe
sich vielfach verzweigt, s. u. J 1 a
ζ: so fram so mir got geuuizci indi mahd furgibit, so haldih thesan minan bruodher, soso man mit rehtu sinan bruodher scal (842)
Straszb. eide 20
Steinm. 82; nû gap im got der guote, ... daz im ein garzûn widerstiez, der einen guoten bogen truoc Hartmann v. Aue
Iwein 3261; ich pin mit dir hie und dort, got hat mich dir gegeben
fastnachtspiele 620, 10
Keller; bisz dasz im got würt geben die ewig freud und sälikheit Uhland
volkslieder (1881) 383; gott der herr nahm wieder, was er gab Müllner
dram. w. (1828) 1, 8.
formelhaft: unde welle uns got die gnade geben, daz wir den sich an in genemen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 150, 5
Diemer; gott gebe seine gnade dazu (1537) Luther
br. 8, 115
W. daneben: des uns got gerne wil geweren
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 277, 25
Diemer; gott beschert uber nacht Eyering
proverb. copia (1601) 2, 680; wann uns gott gesundheit und frieden verleyhen wird Riemer
polit. maulaffe (1679)
vorr. bis ins 16.
jh. häufig (
s. u.J 1 a
ε und teil 1, 1487): got hât dich, sun, berâten fünf werder kinde Wolfram v. Eschenbach
Titurel 9, 1; das es (
eine geldsumme) villeicht nymer geloszt wurd, got beriet dann die herschaft vast uberiges geldes (1480)
in: dt. rechtswb. 4, 1010; und theilt im miltiglich, wes sie got beraten het
hertzog Aymont (1535) B 2. I@C@3@d@gγ) gott
als der helfende und behütende: cote helfantemv (
deo auxiliante) (
um 810)
kl. ahd. denkm. 196, 23
Steinm.; Otfrid V 25, 7; so vil dir gott hilfft Frisius
dict. (1556) 923
b; gott hilfft dem fleisz vnd nicht Hansz Vnfleisz Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 220;
dominus custodiet te ... got pehuotet dih Notker 2, 549, 21
P. (
ps. 120, 5); wöll mir in got behüten, ja des ich warten bin Uhland
volkslieder (1881) 147; sie (
die boten) bat diu marcgrâvinne got von himele bewarn
Nibelungenlied 1366, 4
L.; beware mich gott, denn ich traw auff dich
ps. 16, 1; wer nur den lieben gott läst walten und hoffet auf ihn allezeit, der wird ihn wunderlich erhalten in aller noht und traurigkeit Georg Neumark
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 4, 311; die rosse rucken sich, nun mag der fahrt gott walten! Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 11; wande got mit ir ware
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 171, 17
Diemer; wist ir nit, das got mit uns ist? Hans Sachs 1, 215
lit. ver. elliptisch: gott mit uns war das wort der Schweden; das der kaiserlichen: Jesus Maria Schiller 8, 288
G. daneben; ist gott für vns, wer mag wider vns sein?
Römer 8, 31; ist gott für mich, so trete gleich alles wider mich Paul Gerhardt
ged. 229
Goedeke. I@C@3@d@dδ)
von einer besonderen hinwendung gottes zum menschen. vor allem in der verbindung mit segnen,
s. ob. gottes segen 1 a
διι und teil 10, 123
f.: benedixit te deus in eternum ... segenota dih got in euua Notker 2, 168, 20
P.; der herr dein gott wird dich segenen in alle deinem einkomen, und in allen wercken deiner hende
5. Mose 16, 15
u. ö.; dasz wieder streit und zweifel entstehen kann über die entscheidung, gehört zu den wohlthaten, womit uns gott jetzt gesegnet hat Savigny
v. beruf uns. zeit (1814) 3.
des weiteren: uuio sie avur got thar drosta Otfrid
an Hartmut 87; gott betrübt niemandt so hoch, er tröstet ihn wider, ist er sonst ein christen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 6
a; in herzen si iz (
das gebet) scono, thaz iu es got gilono Otfrid II 21, 5; getrewen dienst belonet gott Eyering
proverb. copia (1601) 2, 666; also hat gott die welt geliebet, das er seinen eingeboren son gab
Joh. 3, 16; gott liebt dich ser on alle masz und hat dich auserwelet Uhland
volkslieder (1881) 632; gott will ich lassen sorgen, dem ich mich zugesagt Paul Gerhardt
ged. 231
Goedeke; gott vergisset vnser nicht, nur das wir seiner auch nicht vergessen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) D 3
a; gott verlaszt die seinen nit
schöne weise klugreden (1548) 31
b; darumb erhöret mich gott, vnd merckt auff mein flehen
ps. 66, 9; daz sich got durch sie gerovhte zerbarmen uber siv uil armen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 172, 16
Diemer; gott tet sich ir erbarmen in sölcher groszen not Uhland
volkslieder (1881) 126; ich uirgibe allen, die mir ie gitatin, daz mir got alle mine schulde uirgebe
ahd. sprachdenkm. 353, 22
Steinmeyer; du bist ein frommer gott, der sünde vergiebet Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 300; (
Valentin:) und wenn dir denn auch gott verzeiht, auf erden (
sollst du) sein vermaledeit Göthe I 14, 190
W. der Lutherbibel entstammt die verbindung gott sucht heim '
nimmt sich gnädig an',
die auch in gegenteiligem sinne begegnet (
s. u.ε): es ist ein grosser prophet vnter vns auffgestanden, vnd gott hat sein volck heim gesucht
Luk. 7, 16;
vgl. apostelg. 15, 14
u. ö. im älteren sprichwort, häufig bei Luther: gott grüszt die menschen, sie wissen es ihm aber nicht zu danken,
s. teil 4, 1, 6, 1013;
in umgekehrter beziehung s. u. D 2 b
δ;
dazu: wenn gott einen grüsset, soll man jhm dancken Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 283; Binder
sprichwörtersch. 78.
in obszönem sinne: der mann sprach (
zu seiner frau) unbedacht: ... soll ich dir (gott helff uns) gott grüssens machen? Schumann
nachtbüchl. 17, 30
Bolte. I@C@3@d@eε)
gegenteilig von der gebietenden, richtenden, strafenden oder sonst feindlichen funktion gottes: iuan fiant minnot, so gibiutit druhtin got Otfrid II 19, 15; vnd Noah thet alles was jm gott gebot
1. Mose 6, 22
u. ö. in der fügung gott gebietet über jmd.
vom mhd. bis noch ins 19.
jh. als verhüllende umschreibung für '
sterben lassen': wenn got über mich gepäutet, also das ich von tods wegen abgangen bin (
Nürnb. 1406)
städtechron. 1, 206;
weitere belege s. teil 4, 1, 4, 1756
f.; dâ rihtit got rehte dem herren joch dem chnehte
die hochzeit v. 734
Waag; da dacht ich in meinem hertzen, gott mus richten den gerechten vnd gottlosen, denn es hat alles furnemen seine zeit, vnd alle werck
pred. Salomo 3, 17;
Römer 2, 16; du, mein gott, wirst gnädig richten und ein herz nicht ganz vernichten, das in angst und reue schlägt Grillparzer
s. w. 4, 76
Sauer. gott straft
in nuancierter anwendung, s. teil 10, 3, 707
ff.: doch straffet gott sein übelthat Hans Sachs 1, 222
lit. ver.; sihe, selig ist der mensch, den gott straffet, darumb weger dich der züchtigung des allmechtigen nicht
Hiob 5, 17; dafür wird gott mich nicht strafen Schiller 1, 55
G.; das land murret, gott zürnet Herder 5, 366
S. aus der Lutherbibel gott sucht heim '
straft' (
anders s. ob. δ): ein eiveriger gott, der da heimsucht der veter missethat an den kindern
2. Mose 50, 5; ich sterbe, und vergeb es der hand, durch die mich gott heimsucht Lessing in:
teil 4, 2, 858.
biblisch auch gott versucht '
stellt auf die probe': nach diesen geschichten, versuchte gott Abraham (
durch Isaaks opferung)
1. Mose 22, 1; gott ... vielleicht sie hiermit versucht und ihren festen glauben ... probirte Grimmelshausen 2, 622
Keller. die vorstellung, dasz gott
einen menschen vergiszt,
dient im mhd. als stehende wendung zur bezeichnung eines unglücklichen: wie gar iuwer got vergaz, daz ich iuch brâhte her in! Hartmann v. Aue
Iwein 6254;
vgl. Jac. Grimm
mythol. 41, 18; 3, 14
mit zahlreichen weiteren nachweisen. dazu die jüngere, ihres religiösen bezugs entleerte redensart von gott verlassen sein: und wenn ich nicht ganz von gott verlassen bin, wie Carl Heyne zu reden pflegt, das ist, wenn mir meine eignen geisteskräfte nicht fehlen (1786) J. G. Forster
briefw. (1877) 264.
hierher anders, im neutraleren sinne einer göttlichen aussonderung, an 1. Mose 4, 15
anknüpfend: für sie war er einer, den gott gezeichnet hatte, wie er früher die wahnsinnigen, die heiligen und die bettler gezeichnet hatte ... ihnen hatte man nichts nachzutragen, weil man nicht wuszte, was gott mit ihnen vorhatte E. Wiechert
missa sine nomine 227; hön (
hüte) dich för dem, der va gott gezeəchent (es)
rhein. wb. 2, 1323; Mensing
schlesw.-holst. 2, 441. I@C@3@ee)
zu einer besonderen, C 1 a
ζ entsprechenden gruppe schlieszen sich stärker anthropomorphe verbindungen zusammen, in denen gott
hört, sieht, spricht u. ä., s. dazu Jac. Grimm
mythol. 41, 15; 3, 14,
der hier heidnische vorstellungen zugrundelegt; doch dürfte biblisches vorbild mindestens gleich starken einflusz ausüben: in herzen betot harto kurzero worto joh lutoro thare, thaz iz got gihore Otfrid II 21, 18; got möhte in (
den harfengesang) gerne hœren in sinen himelkœren Gottfried v. Straszburg
Tristan 7645
R.; meinstu, das gott sein (
des heuchlers) schreien hören wird, wenn die angst vber jn kompt?
Hiob 27, 9;
Joh. 9, 31
u. ö.; mancher mönch liebet sein kloster, weil er denkt, gott höre und sehe in der welt nichts so gerne, als wie er seine horas singt Zimmermann
über d. einsamk. (1784) 1, 13; vnd gott sahe, das das liecht gut war
1. Mose 1, 4; sündige nicht, gott sihets Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) f 2
a.
ältere vorstellung, namentlich der höfischen zeit, kennt gott
in der rolle des zuschauers, seltener des zuhörers (
s. ob. Tristan 7645),
vgl. im mhd. formelhaftes: hie huop sich ein strîten daz got mit êren möhte sehn Hartmann v. Aue
Iwein 1021; 3046;
weitere nachweise bei Jac. Grimm
a. a. o., die den höfischen gott
auch an anderen werten und formen der höfischen sphäre beteiligt zeigen. in einer älteren bedeutung von sehen '
gnädig ansehen, segnen'
wurzelt die bereits ahd. und vielfach mhd. bezeugte formel gesah in got '
beatus qui, wohl ihm, dasz ...',
in der das präs. durch das präteritum vertreten wird, s. Jac. Grimm
gramm. 4 (1898) 205: kesah in got, ter dir lonot nah temo lone
beatus qui ... Notker 2, 574, 1
P.; vgl. 572, 7; 567, 17; 558, 11;
dazu die zahlreichen mhd. nachweise mhd. wb. 1, 555
b; 2, 2, 277
b; Jac. Grimm
a. a. o. seltener in der form eines wunsches: alsus trôstens mînen muot, er und mîn juncvrouwe. dâz sî got iemer schouwe! Hartmann v. Aue
Iwein 794.
die vorstellung, dasz gott spricht, redet,
ist im formelschatz biblischen, namentlich alttestamentlichen sprachgebrauchs fest verankert; sie umschreibt eine form der göttlichen offenbarung oder eine kundgebung des göttlichen willens: got sprah ze Moyse: stoz dine hant in dinen pusem
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 35, 18
Diemer; vnd gott sprach, es werde liecht, vnd es ward liecht 1.
Mosc 1, 3; 3, 9;
Jes. 17, 6;
Luk. 12, 20
u. o.; da redet gott mit Noah, vnd sprach
1. Mose 8, 15; 17, 3;
ps. 62, 12;
Ebr. 1, 1
u. o.; 's unservater und dänn 's gott redet lerne
n (=
die 10
gebote)
schweiz. id. 2, 510.
in uneigentlichem sinne: wenn gott redet, so sol jederman schweigen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) g 1
a. I@C@3@ff)
prädikative wendungen mit substantivischem prädikatsnomen umschreiben in hervorhebendem sinne eine bestimmte wesentliche eigenschaft gottes
oder einen bezeichnenden zug seines wirkens: uuanda ... got saligheit ist, ter kot kuuinnet, ter ist salig (...
beatitudo uero ipsa est diuinitas ...) Notker 1, 190, 4
P.; vgl. 212, 26; 213, 7; sît getriwe ân allez wenken, sît got selbe ein triuwe ist Wolfram v. Eschenbach
Parzival 462, 18;
vgl. 25; gott ist die liebe; und wer in der liebe bleibt, der bleibt in gott, und gott in ihm 1.
Joh. 4, 16; da declamierte pater Cochem aus Eckhartshausen's 'gott ist die reinste liebe' Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 12.
anders, auf die wesenheit gottes zielend (
s. auch gottes geist
unt. E 3 a
α): gott ist ein geist, vnd die jn anbeten, die müssen jn im geist vnd in der warheit anbeten
Joh. 4, 24; dieweil gott ein geist ist, so ruhet er nicht Agricola
sprichw. (1534) 181
b. I@C@44) gott
mit bestimmten oder unbestimmtem artikel und folgendem relativsatz, der über wesen oder wirken gottes etwas bestimmtes aussagt. der bei dieser aussageform vorauszusetzende vergleich mit anderen göttern
bleibt eine blosze fiktion: ze demo gote, der siu uuerden hiez, ter iro allero causa ist (
lli causę, quę dedit esse) Notker 1, 293, 1
P.; der got der nie deheine lügen getete Berthold v. Regensburg 1, 234, 28
Pf.; vgl. 1, 53, 7.
nicht selten auch biblisch: vnd (
er) hat den gott faren lassen, der jn gemacht hat
5. Mose 32, 15;
ps. 25, 5;
apostelg. 4, 24
u. ö.; der gott, der eisen wachsen liesz, der wollte keine knechte E.
M. Arndt
lieder f. Teutsche (1813) 81; wir haben einen gott, der es besser machen kann, weder wir gedenken, und mehr gibt, weder wir vorstehen (1537) Luther
br. 8, 109
W. auch so einigemal biblisch: wir haben einen gott der da hilfft
ps. 68, 21;
ps. 5, 5;
1. Sam. 2, 3; weil du nicht glaubst, dasz es einen gott gibt, der den menschen bei namen rufen kann W. Kramp
d. fischer v. Lissau (1947) 48. I@DD.
ein anderer kreis fester verbindungen substantivischer oder verbaler art umschreibt, in umgekehrter blickrichtung wie unter C,
die stellung des menschen zu gott
oder die äuszerungen des menschlichen verhaltens gott
gegenüber. I@D@11)
neben substantiven erscheint das wort gott
hier vorwiegend als abhängiger gen. objectivus, daneben auch in präpositionalem anschlusz (
s. u.g).
für die wortfolge in den genitivischen verbindungen und für den typus mit gottes
an erster stelle als den sproszbezirk einiger der gewichtigsten gott-
komposita, der im nhd. die eigentlichen genitivverbindungen mehr und mehr zurückdrängt, gilt das unter C 1 a
bemerkte. I@D@1@aa) gottes
dienst '
erfüllung des göttlichen willens, gott wohlgefälliges werk oder leben',
dem meist kultisch-sakralen und mehr dinglichen sinn der gleichen verbindung gegenüber (
s. u.E 3 b
α)
allgemeiner, umfassender und innerlicher (
s. auch gott dienen
unten 2 a
α u. gottesdienst): nu birun wir gihursgte zi gotes thionoste, wir wizun, waz ther scado was, thaz wir got minnon thes thiu baz Otfrid II 6, 55;
Annolied 562
Roediger; (
die bibel) nennet die rache, so durch die Oebrickeit geschicht, gottes dienst Luther 26, 229
W.; aller gottes dienst stehet in gehorsam Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) h 7
a. I@D@1@bb) gottes
furcht (
s. u.gottesfurcht).
im eigentlichen sinne der furcht vor gottes zorn und gericht: non est timor dei ante oculos eorum gotes forhta nist in fore ougen Notker 2, 37, 30
P. (
ps. 13, 3); vnd es kam die furcht gottes vber die stedte die vmb sie her lagen, das sie den sönen Jacob nicht nachiageten
1. Mose 35, 5;
2. chron. 20, 29.
jünger nach biblischem vorbild meist für die grundhaltung rechter frömmigkeit, neben der furcht die ehrfurcht und die erfüllung des göttlichen willens einschlieszend: lasset vns ... fort faren mit der heiligung, in der furcht gottes
2. Kor. 7, 1;
Eph. 5, 21; die zehen gebot, dadurch die leute zu gottes forcht vermanet werden Luther 26, 230
W.; ein wacker hertz vnd ernster muth, hat gottes furcht in guter hut Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 1
a;
vgl.A 1
b. I@D@1@cc) gottes
liebe, älter gotes
minne '
liebe zu gott'.
im jüngeren nhd. kaum noch so, in früher sprache aber weit häufiger als die gleiche verbindung im gen. subj. mit der umgekehrten beziehung (
s. ob. C 1 a
δ ββ): zi gotes minniu endi zi rehtnissa uuerchum (
ad amorem dei et operationem iustitię)
Isidor 29, 15
H.; Otfrid V 12, 72; 25, 8; sîn swert und rîterlîchez lebn hete Trevrizent ergebn an die süezen gotes minne Wolfram v. Eschenbach
Parzival 823, 21; ein vil groz vater was Pastor, wan er ie daz herze enpor an die gotes liebe truc
väterbuch 19 535
Reiss.; wer aber sein wort helt, in solchem ist warlich die liebe gottes volkomen, daran erkennen wir, das wir in jm sind 1.
Joh. 2, 5; 5, 42; entschlafen sind nun wilde triebe, mit jedem ungestümen thun; es reget sich die menschenliebe, die liebe gottes regt sich nun Göthe I 14, 61
W. I@D@1@dd) gottes
lob: in laudem dei in lope cotes (
Pa), in lop kotes (
K)
ahd. gl. 1, 168, 38
St.-S.; das si an dem gotes lob prynnen in der mynn und schreien all darynn ... sanctus, sanctus, sanctus
väterbuch 41 394
Reiss.; wann alle geweichten zu nichten anders, dann zuo dem lob gots verordnet sind
teütscher nation nodturfft (1523) B 2
b; auf zum dank, zum lobe gottes voll gefühl Cramer
s. ged. (1781) 1, 3.
von hier aus auch präpositional: dieses ergnis wollen e.
f. g. gott zu lob wegknemen Luther
br. 11, 127
W. I@D@1@ee) gottes
ehre '
verherrlichung',
von der gleichen verbindung unter C 1 a
α nicht immer sicher zu trennen: sô wuohs diu gotes êre vil harte stärclîche in rœmischem rîche Hartmann v. Aue
Gregorius 3828; daz gotes êren töhte und dâ mite er sich möhte gelieben den liuten
ders., armer Heinrich 15; durch diser fleisz regiert der aberglaub vnd bleibt die wore gottes eer auszgeschlossen (
vera exulet pietas) Hutten
opera 1, 416
B. hierher wohl auch mhd. gotes êre sprechen
als umschreibung für '
gottesdienst halten': swâ kirchen ode münster stuont, dâ man gotes êre sprach, kein ouge mich dâ nie gesach Wolfram v. Eschenbach
Parzival 461, 5.
meist präpositional, älter durch die gotes êre,
jünger zur ehre gottes, zu gottes ehre: selbe vert er dar ûz (
gibt seinen besitz auf) durh di gotes êre Hartmann
rede v. glauben 3202
v. d. Leyen; die krankheit ist nicht zum tode, sondern zur ehre gottes
Joh. 11, 4
u. ö.; eben so sehr und auf gleiche weise hinderte (
die anatomische forschung, akk.) die fromme denkart, da man jedes einzelne zur ehre gottes unmittelbar verbrauchen wollte Göthe II 8, 9
W. formelhaft: zu gottes lob und ehre Luther
br. 8, 114
W.; wie ich immer bereit bin, zu lob und ehre gottes, auch zu nutz und vortheil meines nächsten mich thätig finden zu lassen Göthe I 43, 58
W. älter auch speziell, in umschreibungen für kirchliche stiftungen: acht acker holtzes
etc. zugebrauchen vnd an gottes dienste vnd ehre zu wenden (1390)
bei Haltaus
gl. 739; soll kain haab, die einmal zu der eer gottes gemacht und geordnet ist, zu pfanndt gelegt werden (1573)
in: dt. rechtswb. 4, 1009. I@D@1@ff)
in mehr gelegentlichen verbindungen, älter auch in solchen, die später nur mit präpositionalem anschlusz (
s. u.g)
möglich sind: thô anuurtita ther heilant, quad in: habêt gotes giloubon (
habete fidem dei)
Tatian 121, 3; pe diu habet er hina geuuorfen den skilt, daz chit tes muotes festi unde gotes zuuersihte (
i. robur dominicę protectionis) Notker 1, 22, 31
P.; der mac in die einikeit gotes niht enpfangen werden meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 525, 30
Pf.; wie reine gottfurchtige und christliche gewissen haben sie da; die zuvor nach keynem mord noch gotts gehorsam gefragt hetten Luther 19, 220
W.; denn ich habe lust an der liebe, vnd nicht am opffer, vnd am erkentnis gottes, vnd nicht am brandopffer
Hosea 6, 6;
2. Kor. 10, 5
u. ö.; der baum des erkenntnisses gottes wuchs, und breitet über die völkerheere der erde lebenschattend sich aus Klopstock
s. w. (1823) 6, 192 (
Messias 19, 543); siehe diesen mann voll kraft und gefühl gottes Herder 5, 480
S. auch von einer negativen haltung des menschen gott gegenüber: an aller gotis uirlouginide
ahd. sprachdenkm. 143, 39
Steinmeyer; odium dei haz cotes (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 321, 51
St.-S.; das erst ist die letzung gotz, die sünd die do thuot der mensch der ein anderen vnbillich letzt, wann nyeman mag ein andern vnbillich schedigen on sünd und letzung gotz Keisersberg
bilgersch. (1512) B 6
a. I@D@1@gg)
präpositionale verbindungen mit den gleichen oder auch anderen substantiven sind im ganzen länger lebensfähig als die genitivischen, auf komposition dringenden: petitio mea deus petungā in kot (
K)
ahd. gl. 1, 245, 31
St.-S. besonders: vnd hettind nit so ein starcken glouben in got, das sy allein jm vertruwten Zwingli
v. freih. d. speisen 16
ndr.; nicht abermal grund legen von busse der todten wercke, vom glauben an gott
Ebr. 6, 1; so (
vorurteil) ... nennt der atheist den glauben an gott
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 23; denn das ist die liebe zu gotte, das wir seine gebot halten, vnd seine gebot sind nicht schwer 1.
Joh. 5, 3; thue es (
das gute) darum, weil es gottes wille ist, aus liebe zu gott Lichtenberg
aphorismen 5, 44
lit.-denkm.; di sêle hât danne di einunge mit gote, di di sêle mit dem lîbe habet
dt. myst. 1, 179
Pf.; ich habe wahres festes vertrauen auf gott (1778) Caroline 1, 3
Waitz; ich habe noch keinen gekannt, der über die furcht vor gott erhaben zu seyn vorgab Hölty in:
teil 4, 1, 4, 691. I@D@22) gott
als dativ-, akkusativ- oder präpositionalobjekt in der bindung an verben; der kreis der beziehungen ist gröszer als unter 1. I@D@2@aa)
zur umschreibung einer positiven grundhaltung des menschen zu gott. I@D@2@a@aα) gott
dienen u. ä. '
den göttlichen willen erfüllen, sich im leben, denken und handeln gott ergeben': thaz sie sint guate thegana, ouh gote thiononti alle Otfrid I 1, 112;
Ludwigslied 2
Steinm.; ir künd nicht gott dienen, vnd dem mammon
Matth. 6, 24
u. ö.; gott dienen mit seel und leib Eyering
proverb. copia (1601) 2, 680.
daneben in engerem, mehr dinglichem sinne von priesterlichem, kultischem dienst und bestimmten geistlichen übungen (
s.gottes dienst
unten E 3 b
α),
alttestamentlich auch in der abgrenzung gegen den götzendienst: joh thionota iogilicho thar gote driulicho (
Anna im tempel: jejuniis et obsecrationibus serviens nocte ac die) Otfrid I 16, 10; dô man dô gote gediende (
nach der messe)
Nibelungenlied 1806, 1
L.; vgl. Kudrun 1671, 4; vnd stelleten die priester in jre ordnung, vnd die leviten in jre hut, zu dienen gott der in Israel ist, wie es geschrieben stehet im buch Mose
Esra 6, 18.
ähnlich gott gehorsam sein, gehorchen: uone deme wart geborn Abraham. gote was er gehôrsam
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 15, 28
Diemer; man muss gott mehr gehorchen, denn den menschen
apostelg. 5, 29; 4, 19; ein mensch, der gott gehorcht, erwählt das beste theil Gellert
s. schr. (1769) 2, 180. I@D@2@a@bβ) gott
fürchten. seltener im eigentlichen sinne des angst habens vor dem gericht gottes: 'wazamo manno (
verstoszener) thu nu bist, thaz thu thoh got ni forahtist' (
Luk. 23, 40:
neque tu times deum) Otfrid IV 31, 7; das syg üch äben gseit kurtzumb, fürchtend jr doch nit gott darumb, das jr mit üwerm wüsten suffen vwer wyb vnd kind schlahend zhuffen H. Manuel
weinspiel 3849
ndr. nur in diesem sinne reflexiv und in präpositionaler form: vnd du fürchtest dich auch nicht für gott? der du doch in gleicher verdamnis bist
Luk. 23, 40;
Micha 7, 17.
umfassender und positiver bezeichnet, nach biblischem vorgang, die wendung gott fürchten
die grundhaltung rechter frömmigkeit und gottesverehrung, vgl., wenn auch aus der religiösen sicht der aufklärung heraus: so fürchtet der tugendhafte gott, ohne sich vor ihm zu fürchten Kant
w. (1838) 7, 111
Hartenstein; beati omnes qui timent dominum salig sint alle die got furhtent Notker 2, 558, 20
P. (
ps. 127, 1);
ebda 71, 4 (
ps. 21, 24); das du den herrn deinen gott fürchtest, das du in alle seinen wegen wandelst
5. Mose 10, 12; 17, 19
u. ö. doch bleibt auch hier der ursprüngliche sinn spürbar: ich fürchte gott, und weiss von keiner andern furcht Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 113; wir Deutsche fürchten gott; aber sonst nichts in der welt Bismarck
pol. reden 12, 477
Kohl; ein richtiger arzt, ... kann alles, macht alles, fürchtet gott und sonst nichts in der welt Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 77. I@D@2@a@gγ) gott
lieben, älter minnen: thaz sie sculun thuruh notminnon got, so er gibot Otfrid V 12, 70; minne got, sô maht dû frô belîben Walther v.
d. Vogelweide 37, 29; 36, 18; Jhesus aber sprach zu jm, du solt lieben gott deinen herrn, von gantzem herzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüte
Matth. 22, 37
u. ö.; ich liebe gott und meinen nächsten Lenz
ges. schr. 2, 327
Tieck. gern in der verbindung mit β,
in der sich die doppelseitigkeit christlicher frömmigkeit ausdrückt: die, die got furhtent unte minnent (11.
jh.)
kl. ahd. denkm. 171, 17
Steinm.; das du den herrn deinen gott fürchtest ... vnd liebest jn
5. Mose 10, 12; arme elende brüder, die gott können (
kennen), fürchten unnd lieben, seindt reicher, denn gottlose reiche kinder Henisch (1616) 1296, 50. I@D@2@a@dδ) gott
glauben, in, an, zu gott glauben,
s. auch s. v. glauben I A 1,
teil 4, 1, 4, 7822
ff. als umfassende bezeichnung für die christliche grundhaltung zuversichtlichen vertrauens und gottesfürchtigen lebens, das fürwahrhalten der existenz des christlichen gottes einschlieszend. gott (
dat.) glauben,
vornehmlich älternhd., früher und später nur vereinzelt: thoh ni sprachun sie in war, thaz sie giloubtin gote sar Otfrid III 26, 9;
vgl.: sunder die enpfohent diser edelre fruht allermeist, die ... uf zuo gotte gont ... und lossent nút abe und truwent und geloubent ime in habende und in darbende Tauler
pred. 129, 12
V.; gott gläub ich was ich gläub; ich gläub es menschen nicht Logau
sinnged. 617
Eitner. in der für den rechtfertigungsbegriff der reformation wichtigen biblischen kernstelle: Abraham hat gott gegleubet, vnd das ist jm zur gerechtigkeit gerechnet
Römer 4, 3;
Gal. 3, 6; 'er glaubte gott'. das ist Abrahams gottesgerechtigkeit Karl Barth
Römerbrief (
51926) 99.
präpositionaler anschlusz mit in
namentlich ahd., kaum über das ältere nhd. hinaus: gilaubistu in got fater almahtigan? ih gilaubu (9.
jh.)
kl. ahd. denkm. 23, 6
Steinm.; vgl. 27, 8; 30, 47
u. ö., Otfrid IV 15, 4; V 16, 28; ynn gott glewben sey: mit lieb und gutten wercken gotte nach folgen Luther 11, 453; 10, 2, 389
W. die heute fast allein gültige wendung an gott glauben
seit dem spätahd.: ih glouba fasto an got almahtigen (11.
jh.)
kl. ahd. denkm. 135, 9
Steinm. u. o.; der sprach 'ir sult gelouben, iwerr sêle den tiuvel rouben, an den hôhsten got al eine' Wolfram v. Eschenbach
Parzival 817, 11; das sie nicht gleubten an gott, vnd hoffeten nicht auff seine hülffe
ps. 78, 22;
Joh. 14, 1; 1.
Petr. 1, 21; (
Marg.:) glaubst du an gott? (
Faust:) mein liebchen, wer darf sagen: ich glaub an gott? Göthe I 14, 173
W. in scherzhafter redensart: ich wollt sie lehren an gott glauben (
ich würde sie gehörig verprügeln) Fischart
Garg. 399
ndr. in der verbindung mit zu
selten: und glaubt mit ganczem herczen zu gott Luther 10, 3, 349
W.; Klopstock
Messias (1780) 310. I@D@2@a@eε) (auf) gott
trauen, vertrauen u. ä.: undi suli wir goti vili wol gitrûwin
summa theologiae v. 266
Waag; sey from vnd beth, vertrau gott, so findstu hilff in aller noth Luther
tischr. 5, 378
W.; zu schiffen in dem wüthgen see! das heiszt nicht gott vertrauen! das heiszt gott versuchen Schiller 14, 340
G.; der auff gott vertrawet, der wol bawet Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 71; lasz uns auf gott vertrauen und unsre ... tochter ... durch die weite welt suchen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 157. auf,
seltener zu gott
hoffen, dafür älter: uuanda er chuninch uuesenter an got kedinget (
quoniam rex sperat in domino) Notker 2, 64, 18
P. u. o.; denn dahin erbeiten wir auch, vnd werden geschmecht, das wir auff den lebendigen gott gehoffet haben
1. Tim. 4, 10
u. o.; wir hoffen aber zu gott, das der herr ... werde sich vnser balde erbarmen 2.
Makkab. 2, 17; ich hoffe nichts von ihm, ich hoffe zu gott: er wird ihn retten Klopstock
s. w. (1823) 9, 14;
so bis heute in erbaulicher sprache. I@D@2@a@zζ) gott
vor augen, (und)
im herzen haben '
gottes eingedenk sein': swelch man sich alle tage begên muoz von bejage, ... der solde got vor ougen hân Hartmann v. Aue
Gregorius 2862; denn stoltze setzen sich wider mich, vnd trötzige stehen mir nach meiner seele, vnd haben gott nicht fur augen
ps. 54, 5; ich habe gott immer vor augen, ich erkenne seine allmacht, ich fürchte seinen zorn (1770) Mozart
briefe 1, 97
Schied.; vnd dein lebenlang hab gott fur augen vnd im hertzen
Tobias 4, 6; disem (
sterbenden) gab man das heilig sacrament, da schrei man etlichen (
verwundeten) zu, got im herzen zu haben, so giengen ainem tail die selen aus
Wilwolt v. Schaumburg 81
lit. ver. elliptisch: als du noch voll unschuld hier zum altare tratst, ... halb kinderspiele, halb gott im herzen Göthe I 14, 192
W.; rhein. wb. 2, 1322, 20.
ohne religiösen bezug: 'do hoste gott im herze'
heiszt soviel wie: da tust du nicht mehr wie recht, da hast du einen vernünftigen gedanken Reuting
Höchst 19. I@D@2@bb)
in verbindungen, die eine besondere hinwendung des menschen zu gott zum ausdruck bringen. wie unter C 3,
so erstarrt auch hier ein teil der verbindungen zu festen formeln und redensarten, die sich vom ernsthaft religiösen gebrauch bis zur ironisierung oder sinnentleerung hin nuancieren, s. diese unten J 1 b. I@D@2@b@aα) gott
loben u. ä.: thô sliumo uuard thâr mit themo engile menigî himilisches heres got lobôntiu
Tatian 6, 3;
vgl. 7, 5; sî sprach 'daz ich iuch alsô bî vunden hân, des lob ich gott' Hartmann v. Aue
Iwein 7955;
vgl. 2564; vnd Dauid sprach zur gantzen gemeine, lobet den herrn ewrn gott
1. chron. 30, 20
u. o.; und wahrt das feuer und das licht, dasz dieser stadt kein leid geschieht und lobet gott den herren! Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 106; dasz wir alle sollen ... preisen gott (1537) Luther
br. 8, 44
W. I@D@2@b@bβ) gott
ehren: des sî got iemer gêret Hartmann v. Aue
Iwein 6798; ehr gott für allen dingen, so mag dir nichts miszlingen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) S 3
b.
biblisch vor allem gott die ehre geben: denn ich wil den namen des herrn preisen, gebt vnserm gott allein die ehre
5. Mose 32, 3;
Jer. 13, 16;
Joh. 9, 24
u. o.; und zuletzt, dasz ich es sage, um gott und der wahrheit die ehre zu geben Stifter
s. w. 3 (1911) 283. I@D@2@b@gγ) gott
danken: thes scal er gote thankon Otfrid
an Ludwig 25;
vgl. 30; da danckte ich gott, dasz ich gelegenheit hatte, in mein vaterland zu kommen Weise
erznarren 38
ndr.; ergehts euch wohl, so denkt an mich, und danket gott so warm, als ich für diesen trunk euch danke Göthe I 1, 163
W. mit pharisäisch selbstgerechtem unterton: ich dancke dir gott, das ich nicht bin wie die andern leute, reuber, vngerechte, ehebrecher, oder auch wie dieser zölner
Luk. 18, 11.
von da aus: indesz sie die gerichtspersonen für eine freche dirne erkannten, und die gegenwärtigen bürger gott dankten, dasz dergleichen fälle in ihren familien ... nicht vorgekommen ... waren Göthe I 21, 74
W. als religiös entleerte wendung wie formelhaftes gott sei dank
unter J 1 b
α γ γ: lebe wohl, kamerad, und danke gott, dasz ich dir vor und nicht nach tische geschrieben habe, denn was würd in der weinlaune geworden sein, da es schon nüchtern so toll ist! Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 110. I@D@2@b@dδ)
von beschränkter geltung in der verbindung gott
grüszen '
ihm freundlich entgegenkommen',
umgekehrt wie ob. C 3 d
δ ende und wie dort bei Luther
und im sprichwort des 16.-18.
jhs., mundartlich noch bei Mensing 2, 441: hie adagium verum est 'got begegnet uns, wen wir in khunden grusen' Luther 14, 443
W.; weitere nachweise s. teil 4, 1, 6, 1014. I@D@2@b@eε) gott
anbeten, zu gott
beten. ahd. got betôn,
dafür später gott anbeten
adorare, venerari: uuir iahen an einen got unde beteton einen got Notker 2, 208, 29
P.; 407, 9;
kl. ahd. denkm. 173, 1
Steinm.; es stehet geschrieben, du solt anbeten gott deinen herrn, vnd jm allein dienen
Matth. 4, 10
u. ö. zu gott beten
orare, rogare, die verschiedenen formen des gebets umfassend, seit dem spätahd.: si bedditin ci gote in crûcestal (
mit ausgebreiteten armen)
Annolied 838
Roediger; (
Cornelius) gab dem volck viel almosen, vnd betet jmer zu gott
apostelg. 10, 2
u. ö. I@D@2@b@zζ)
in mehrfachen wendungen zur umschreibung des bittenden betens: thes sculun uuir got simbles bitten, thaz sin uuilleo uuerdhe samalih in erdhu in mannom, soso her ist in himile in engilom
Weissenb. katech. 14
Steinm.; gott hab ich viel gebeten, er möge nicht ansehen meine schuld Th. Mann
d. erwählte (1951) 216; grosze gedanken und ein reines herz, das ists was wir uns von gott erbitten sollten Göthe I 24, 180
W.; biginnent thanne wuafanjoh zi gote ruafan Otfrid V 6, 47; da rüfft das gantze Israel zu gott umb hilff in seiner quel Hans Sachs 1, 212
lit. ver.; der wec wart vinster unde tief, daz sî got ane rief daz er ir nôt bedæhte Hartmann v. Aue
Iwein 5792; brauchst gott nicht anzurufen, bist schon bewahrt
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 23; wie der hirsch schreiet nach frischem wasser, so schreiet meine seele gott zu dir
ps. 42, 2
u. ö.; und würgt den schwarzen blau und grün, der hätte schier nach gott geschrien Mörike
ges. schr. 1, 197
Göschen. I@D@2@b@hη) etwas gott
klagen als dem höchsten richter und lenker, mit früher neigung zu formelhaftem gebrauch: do Moyses der guote man hine widere uf den berch chom, wi harter gote chlagete, was er irliten habete
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 55, 7
Diemer; namentlich mhd.: nû clag ich gote mîn ungemach, daz ich nû niht ersterben mac Hartmann v. Aue
Iwein 1890; 1348; 3976; Walther v.
d. Vogelweide 9, 38; das ist alles, gott clag ichs, war worden und alles gerad ergangen, als ich weysgesagt Luther 18, 439
W. jünger noch in der wendung gott seis geklagt,
s. u.J 1 b
β. I@D@2@b@thθ) jmd.
oder etwas gott
befehlen, ergeben seinem schutz anheimgeben: do gruozte in dev guote mit trurigeme muote. si beualch in gote mit deme inneren gebete
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 24, 16
Diemer; alle dein anfang und end, befehl gott in seine hend Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) H 5
b.
speziell angesichts des todes: got und sant Michêle enphalch si die sêle (
eine zum tode verurteilte) Ottokar
österr. reimchron. 19 257
Seem.; deck jhn (
den pestkranken) wol zu, dasz er wol schwitze, so genieszt er: mag er aber den schweisz nicht leiden, so befihle jn gott Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 195.
ähnlich: als er befunden, das sie gott ergeben (
verstorben war), hat er sie ehrlichen gehn Creutzennach fuhren lassen (1481)
Flersheimer chron. 53, 16
Waltz. die gleichen verbindungen auch reflexiv: jetzt war die noth am höchsten, ein jeder befahl sich gott Eichendorff
s. w. (1864) 3, 258; er wil sich ledigen von disen schulden, und sich dapfferlich und gentzlich got ergeben Keisersberg
bilgersch. (1512) C 1
b.
älter auch in engerem sinne: morgen dô ez tac wart ... zem êrsten dêr sich gote ergap (
verrichtete seine morgenandacht) Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelot 1907; sich gote ergeben
in ein kloster treten (13.
jh.)
dipl. miscell. seculi XIII 25
Chmel. I@D@2@b@iι) (sich) zu gott
kehren, bekehren als durchaus biblische wendung: sih kerta er zi gote ana wank Otfrid
an Hartmut 61; wenn er sie erwűrget, suchten sie jn, vnd kereten sich früe zu gott
ps. 78, 34;
Hosea 5, 4; das jr euch bekeren solt, von diesen falschen (
göttern), zu dem lebendigen gott
apostelg. 14, 15
u. o. ähnlich: bald mit gebet, bald mit gespräch, wendete ich mich zu gott Göthe I 43, 359
W. die nur ältere verbindung (sich) zu gott richten
scheint auf die situation eines zum tode verurteilten eingeschränkt: rihte dich zuo gotte: du wurst am dirten tage erhenket (
Straszburg 1400)
städtechron. 8, 257; schicket man nach den briestern, saget den (
zum tode verurteilten) pauren, sy söllten beichten und zu got richten
qu. z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 1, 107
Baumann. I@D@2@b@kκ)
speziell in der verbindung mit schwören, einen eid tun u. ä., in der gott
als höchster zeuge und richter angerufen wird. zur anrufung der götter
in der heidnisch germanischen schwurpraxis s. Jac. Grimm
rechtsaltert. 894
f., vgl. auch die schwur- und beteuerungsformeln unter J 1 a
δ ζζ;
ηη; 2 b; 4 b; 5.
die christlich geläufigste verbindung bei gott schwören
ist biblischen ursprungs: 'duo dhina hant undar miin dheoh, endi suueri bi himilischin gote' (
iura per deum celi) (
1. Mos. 24, 3)
Isidor 33, 7
H.; (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 710, 16
St.-S. zu Matth. 5, 33; des swuor ouch bî got von Fullenstein her Herbot Ottokar
österr. reimchron. 16 015
Seem.; so schwere mir nu bey gott, das du mir, noch meinen kindern, noch meinen neffen, kein vntrewe erzeigen wollest
1. Mose 21, 23;
1. Sam. 30, 15
u. ö.; schwöre bei gott! bei dem fürchterlich wahren! schriebst du diesen brief? Schiller 3, 484
G. gelegentlich in anderer präpositionalverbindung und synonymen wendungen: jch verheisse vnd schwere euch hie vor gotte, meinem schopffer, das mein meynung vnd gemutte nichs anders jst dan zucht vnd ehre Warbeck
d. schöne Magelone 23
Bolte; unser hoffrichter und die beysitzer, sollen geloben und schweren zu gott
hofgerichtsordnung Friderichs pfalzgraf bei Rhein (1573) 42; (
sie) schwuren auf gott und ehre maler Müller
w. (1811) 1, 358; zum dritten soll der schultheiz sampt den zwOelffern dem oberst ein eyd thun, zu gott vnd dem heiligen euangelio Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) a 1
b.
in schwurähnlicher beteuerung: ich rufe aber gott an zum zeugen auf meine seele, dasz ich euch verschont habe
2. Kor. 1, 23 (
vgl. biblisches gott ist [der, mein] zeuge
1. Mose 31, 50;
weish. Sal. 1, 6;
Phil. 1, 8;
1. Thess. 2, 5); so ers bey gott zügt Frisius
dict. (1556) 407. I@D@2@cc)
andere verbindungen umschreiben allgemein die möglichkeit einer persönlichen, geistigen oder seelischen beziehung zu gott. I@D@2@c@aα) gott
suchen, finden, haben u. ä.: ibu ist farstantanti edo suahhanti cotan (
si est intellegens aut requirens deum) (9.
jh.)
kl. ahd. denkm. 212, 32
Steinm.; die elenden stehen vnd frewen sich, vnd die gott suchen, den wird das hertz leben
ps. 69, 33;
Esra 4, 2;
Ebr. 11, 6
u. ö.; ich kam nie leer zurück, wenn ich unter druck und noth gott gesucht hatte Göthe I 22, 305
W. jünger daneben weniger im streng christlichen, eher in dem nach II
weisenden sinne (
s. auch gottsucher): gefühle, welche allen edel gearteten und gott suchenden menschen gemein sind Fr. Schlegel
s. w. (1846) 1, 6; ube er ze gote, fone demo er cham, uuidere funden chan Notker 1, 139, 21
P.; denn auch sie wol jrren können, wenn sie gott suchen vnd gerne funden
weish. Salom. 13, 6; uuelih kuot nehabent, die got habent, der al guot kibet? Notker 2, 114, 5
P.; 93, 27; 138, 4; gott haben ist alles haben, was man gut nennen kan Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 6
b; ob Abraham 'gott hat'? nein niemals, aber gott hat ihn Karl Barth
Römerbrief (
51926) 99. keinen gott haben
soviel wie '
gott nicht haben': wer sagt, das er ohn sünden sey, der hat keinen gott das glaub nur frey Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) G 6
b; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 550
a. gottes sein
sein eigentum sein, ihm gehören: darumb bin ich nit dyn, aber ich will gottes syn Keisersberg
bilgersch. (1512) b 4
d.
hierher, aber in christlichem sprachgebrauch selten: also sol ein christ geschaffen sein ... innerlich gottes vol, ausserhalb nicht anders dan andere menschen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 49
ndr. I@D@2@c@bβ) gott
erkennen, schauen u. ä., aber nicht in der eigentlich spekulativen anwendung von gott II: wir warun umbitherbejoh harto filu dumbe, so thie sar got nirknaent Otfrid IV 5, 16;
vgl. 26; sol diu sêle got erkennen, sô muoz si ouch ir selber vergezzen unde muoz sich selber verlieren; want als si sich selber siht und erkennet, sô siht noch erkennet si got niht meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 222, 37
Pf.; nu jr aber gott erkand habt (ja viel mehr von gott erkand seid), wie wendet jr euch denn vmb
Gal. 4, 9; gott erkennen
conoscere (
dio) Kramer
t.-ital. 1 (1700) 549
c. gott sehen, schauen
umschreibt den zustand des frommen im paradies: wie möcht in immer wirs geschehen die got nimmer sulen gesehen Heinrich v. Melk
erinn. a. d. tod v. 926
H.-K.; selig sind die reines hertzen sind, denn sie werden gott schauen
Matth. 5, 8; uns, die wir voll höchster freuden gott den brunn der wollust sehn (
im paradies) Gryphius
trauersp. 717
Palm. I@D@2@dd)
aus der vielzahl solcher verbalverbindungen, die eine ungebührliche, widerstrebende, feindliche oder gleichgültige haltung des menschen zu gott umschreiben, ist folgendes, z. t. nach biblischem vorbild, mehr oder minder fest geworden: gott
versuchen seine geduld und güte ungebührlich auf die probe stellen: ziu (
weshalb) scal ih iowannegotes koron thanne (
non temptabis dominum deum tuum) Otfrid II 4, 78; Notker 1, 224, 11
P.; da sprach Jhesus zu jm, widerumb stehet auch geschrieben, du solt gott deinen herrn nicht versuchen
Matth. 4, 7
u. ö.; man müsse gott nicht weiter versuchen, nicht immer wunder erwarten Ranke
s. w. (1867) 4, 380.
weiterhin: wie solt ich denn nu ein solch gros vbel thun, vnd wider gott sündigen?
1. Mose 39, 9; frouwe Ênîte zurnte vaste an got Hartmann v. Aue
Erec 5774; zurnet noch murret er nicht wider gott, das er jn hatte lassen blind werden
Tob. 2, 13; geduld! geduld! wenns herz auch bricht, mit gott im himmel hadre nicht Bürger
s. w. 15
b Bohtz; blasphemare got schelten (15.
jh.)
bei Schmeller-Fr.
bair. 2, 416; da zureis der hohepriester seine kleider, vnd sprach, er hat gott gelestert, was dürffen wir weiter zeugnis?
Matth. 26, 65; 9, 3
u. ö.; Marforius fand allen sachen mängel, er lästerte gott, engel und erzengel E. v. Kleist
s. w. (1771) 1, 109; niht verzwîvelt an gote Hartmann v. Aue
Gregorius 2698; jch bin zuo euch kommen, euch ein gesicht zuo eroffnen, ... euch zuo erfrewen, damit jr muget jn hoffnung leben; dan kein mensch soll verzweyfeln an gott Warbeck
d. schöne Magelone 69
B.; und
(damit) wir nicht, als die gott vergessn, ein kranckheit doran mügen essn Ringwaldt
christl. warnung n 2
a; suer gotes so uerlaugenot, daz er sineme eben christene tut den tot, der hat sihc selben erslagen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 348, 16
Diemer; Judas 4; sie machten nicht viel wesens mit fluchen, schwören und gott verläugnen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 31.
übertragen: ich sagte, dasz sie ... ursache wäre, dasz er nochmals gott verläugnete (
seine kunst verriete) Göthe I 43, 58
W. auf anderer ebene die seit dem späten 18.
jh. belegbare redensart (den lieben, frommen) gott einen guten mann sein lassen,
nicht nur zur umschreibung religiöser indifferenz, sondern auch unbekümmerter gleichgültigkeit überhaupt, s. Schwan nouv. dict. (1783) 1, 778
b;
in etwas anderer form schon früher: wie mancher ist ein narr ... läst gott den besten mann und fünfe grade seyn J. Chr. Günther
s. w. 3, 157, 16
Krämer; aber du läszt gott einen guten mann seyn, und läszt dir das liebe, reiche mädchen da von dem hungrigen teufel weghaschen Stephanie
sämtl. singspiele (1792) 146; du bist also ... ein fröhlicher geselle, der gedankenlos umherschwärmt, gott, wie man im sprichwort sagt, einen guten mann sein läszt, und nicht auf morgen denkt, wenn er heute nur noch spasz machen kann Tieck
novellenkranz 4 (1835) 169.
mundartlich weit verbreitet, s. z. b. Schütze
holst. 2, 55; Albrecht
Leipzig 124; Christa
Trier 100; Meisinger
Rappenau 75
u. o. I@EE.
in einer groszen gruppe fester, meist schon sehr früh bezeugter prägungen drückt sich ein personen oder dinge betreffendes verhältnis besonderer zugehörigkeit und beziehung zu gott
aus. über die wortfolge der meist genitivischen verbindungen und ihre durchgehende neigung zu fester kompositionsbildung vgl. das unter C 1 a
gesagte. I@E@11)
neben personen, deren verhältnis zu gott
als ein besonders enges und nahes gedacht ist, in der syntaktischen form des possessiven genitivs. im frühen gebrauch zumal der geistlichen texte äuszerst vielfältig, in einigen verbindungen, besonders unter biblischem einflusz, bis in die neuere zeit, wenn auch mit gelegentlicher neigung zur abschwächung oder ironisierung. der kreis so bezeichneter und ausgezeichneter personen umfaszt in engerem sinne bestimmte, durch frömmigkeit oder göttlichen auftrag herausgehobene, Maria, die patriarchen, propheten und apostel, die heiligen, die priester u. ä., daneben aber auch die frommen und gläubigen überhaupt, wobei sich die einzelnen verbindungen in ihrer anwendung weithin überschneiden. I@E@1@aa)
neben an sich eindeutigen bezeichnungen in lediglich verstärkendem sinne, vgl. in alten beichtformeln reihungen wie: so gi ich dem almahtigen gote unde minere urouun sante Mariin, minemo herren
s. Michaele unde allen gotes engelen, minemo herren
s. Johanne unde allen gotes wissagen, minemo herren
s. Petre unde allen gotes boton, minemo herren
s. Georien unde allen gotes martereren, minemo herren
s. Martin ... unde allen gotis bihteren, minere urouun
s. Margareten unde allen gotis mageden unde disin heiligon unde allen gotes heiligon (11.-12.
jh.)
kl. ahd. denkm. 336
Steinm.; vgl. 347
u. ö. besonders: am häufigsten in der (
wie engel des herrn)
biblischen verbindung gottes
engel: dher angil gotes (
lat. vorlage nur angelus)
Isidor 25, 19
H.; vnd der engel gottes sprach zu mir im traum, Jacob, und ich antwortet, hie bin ich
1. Mose 31, 11;
Joh. 1, 51
u. o.; lebt wohl, ihr edles frauenbild, und heil und glück und gottes engel sein mit euch Tieck
schr. (1828) 1, 97. gottes
heilige: ich gloubo ... gemeinsami aller gotis heiligon (11.
jh.)
kl. ahd. denkm. 139, 11
Steinm.; mijn man is al inder kerken, hi bidt gods heilighen an Uhland
volkslieder (1881) 569. gottes
priester, älter êwarto: ther gotes ewarto (
Zacharias) Otfrid I 4, 23;
kl. ahd. denkm. 314, 3
Steinm.; der gotes prister lobesam nam die bruder hin bi sit
väterbuch 11 024
Reiss. in reformatorischer polemik gegen den katholischen begriff des priesters: also fern, das sie (
die priester) sich nicht 'gottis priester' heyssen Luther 12, 316
W. jünger vereinzelt, uneigentlich: mensch, mann, weib, vater, mutter, sohn, erbe, priester gottes, regent und hausvater, für alle jahrtausend soll er (
der mensch) da gebildet werden! Herder 5, 481
S. I@E@1@bb)
die mehrzahl derartiger verbindungen empfängt dagegen durch den genitiv gottes
erst nähere bestimmung und abgrenzung. I@E@1@b@aα) gottes
bote in schwankender anwendung den engel, den priester, den apostel oder allgemein jeden in besonderem auftrag gottes handelnden menschen bezeichnend, s. auch unt. gottesbote: thar gisah er stantan gotes boton sconan (
den engel) Otfrid I 4, 21;
vgl. 57; 59
u. o.; väterbuch 26 108
Reiss.; ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon unde allen godes heilegon unde dir godes boden (
dem priester) (10.
jh.)
kl. ahd. denkm. 329, 1
Steinm. u. ö.; durch daz schreib der gotes bote (
Johannes) sin buch so tunkel von gote Heinrich v. Hesler
apokalypse 775
Helm; dise zwen gottes botten sind Martinus Luther vnd Vlrich von Hutten Eberlin v. Günzburg 1, 4
ndr. I@E@1@b@bβ) gottes
knecht in ähnlicher anwendungsbreite: ente di (
dir) gotes scalche (
dem priester) (9.
jh.)
kl. ahd. denkm. 316, 2
Steinm.; vgl. 15.
jünger wohl spontan: ohne heilige fürbitten ... der knechte gottes (
der priester) Gerstenberg
Ugolino 259
H.; Bürger
s. w. 66
a Bohtz; gotes scalch (
papst Gregorius)
kaiserchron. 6051
Schr.; daz trugenliche unheil irkante wol der gotes kneht (
ein heiliger)
väterbuch 5101
Reiss. u. o. biblisch speziell von Moses, daneben von propheten und aposteln: wie Mose der knecht gottes geboten hatte
1. chron. 7, 49;
2. chron. 24, 9;
offbg. Joh. 15, 3;
Dan. 6, 20;
Titus 1, 1;
Jak. 1, 1.
sonst allgemein von den in gottes dienst stehenden gläubigen, älter insbesondere auch den glaubenskämpfern (
s.gottes held
u. ä. unt. δ): alsô ma ger
(der reuige mensch) werden gotes chneht
vom rechte 66
Waag; den edelen gottes knechten, die umb das recht solten fechten
schausp. d. mittelalters 1, 144
Mone; Stricker
Karl 710; nu jr aber seid von der sünde frey, vnd gottes knechte worden
Römer 6, 22;
offbg. Joh. 7, 3; durch jhn (
gott) setzen urtheil vnd recht die rathsherren als gottes knecht
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 237. I@E@1@b@gγ)
ebenso gottes
diener: und (
wer) gotis diner obil gedenkit und uf geistliche luthe tribit spod Joh. Rothe
rittersp. 3334
Neumann; denn sie (
die regierenden) sind gottes diener
Römer 13, 6; ihr diener gottes des allerhöchsten, jhr wollet doch alle vornehme und reiche huren ... ermahnen, dasz sie bey zeiten in ihr gewissen gehn Schupp
Corinna 57
ndr. gottes
dienerin, magd u. ä. vornehmlich älter: nu stunt ouch bi der wende ein juncfrouwe, ein gotes maget
väterbuch 7997
Reiss.; habe wir denselben gotis dirnen disen brif daruber geben (
Weimar 1320) Diefenbach-Wülcker 631; ich will jetzt in ein kloster gehn, will gottes dienerin seyn Herder 25, 133
S. vereinzelt scheint, vielleicht unter dem einflusz von H 2,
auszerreligiöser gebrauch möglich: schaid ich mich mit dem leibe, so bleibt doch mein junges herz stetigs bey ir, alde du gotes megetlein (
die geliebte) (16.
jh.)
lieder d. Heidelberger hs. Pal. 343 162, 55
Kopp. I@E@1@b@dδ)
die mhd., z. t. schon ahd. äuszerst häufigen verbindungen gotes degen, helt, riter, kempfe, wîgant
u. ä. (
s. die nachweise der wbb.)
leben nhd. nur als komposita weiter, im älternhd. und mit archaisierendem oder romantisierendem unterton besonders im 19.
jh. (
s. u.gottesheld, -ritter, -streiter
u. komp. typ I D 1).
sie bezeichnen nicht nur den in eigentlichem sinne christlichen kämpfer namentlich des kreuzzugszeitalters, sondern darüber hinaus biblische gestalten, die märtyrer, heiligen, geistlichen und überhaupt die gläubigen als die in der militia Christi stehenden. I@E@1@b@eε)
ähnliches gilt von der vornehmlich zu ob. B 2 b
β gehörenden verbindung gotes
brût als bezeichnung der Maria, einer heiligen, einer nonne oder auch der seele (
s. u. gottesbraut). I@E@1@b@zζ)
die wendung gottes
freund hält sich als einzige aus einer geschlossenen gruppe ahd. mhd. synonymer verbindungen meist mit substantiviertem adj. wie der gotes trût, der gotes werde, holde, liebe
u. a., die ahd. und frühmhd. auch in der form dativischer verbindung auftreten, vgl. die nachweise der vornhd. wbb. einzelnes klingt in nhd. komposition nach: tretet her, ihr gottes-lieben, wie ihr auch, wie ich, ans holtz durch die liebe seid getrieben G. Arnold
d. geheimnisz d. göttl. sophia (1700) 2, 6; nun will ich (
könig Ludwig), dasz mir folgen alle gottesholden (
nach dem ahd. Ludwigslied: alle godes holdon) Herder 16, 199
S.; Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 4, 208.
die nhd. ebenfalls vorwiegend als kompositum (
s. u. gottesfreund)
geläufige verbindung gottes freund
ist biblisch gestützt: da (
im himmel) ist der gotes friundo sundergebiuwe
kl. ahd. denkm. 153, 30
Steinm.; ein heimlich vrunt gotis der hate zu einer zît inphangen gotis lîcham, und bat unsen herren
dt. mystiker 1, 4, 18
Pf.; Abraham hat gott gegleubet, vnd ist jm zur gerechtigkeit gerechnet, vnd ist ein freund gottes geheissen
Jak. 2, 23;
vgl. Judith 8, 19; ein held war Josaphat der neund, ein künig Juda, gottes freund Hans Sachs 1, 216
lit. ver. I@E@1@b@hη) gottes
mann in vielfacher anwendung. ahd. gotes man
im 9.-11.
jh. als bezeichnung des priesters in md. und nd. quellen, s. teuthonista 8, 39: elliu in luttero bigihti trohtine gote almahtige ente sinen heilegun ente di (
dir) gotes man biiah (9.
jh.)
kl. ahd. denkm. 317, 33
Steinm.; 318, 2; 323, 2
u. ö. in beichttexten. sonst in spezieller benennung von heiligen, märtyrern, geistlichen und kirchlichen führern: thie gotes man (
heilige u. märtyrer) Otfrid IV 5, 56; Antonius, der gotes man, Pauli roc nam zu sich
väterbuch 2094
Reiss.; Lutherum, den teuern mann gottes Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 487; zu dem tanz des mannes gottes (
David) vor der bundeslade her Claudius
bei Herder 12, 252
S.; er (
Totila) wollte aber versuchen, ob der mann gottes (
der heilige Benedikt) die gabe der weissagung wirklich hätte br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 19.
alttestamentlich als fester beiname des Mose: dis ist der segen, da mit Mose der man gottes die kinder Israel vor seinem tod segenet
5. Mose 33, 1;
Josua 14, 6;
ps. 90, 1
u. ö. daneben als terminologische bezeichnung für die vorläufer der schriftpropheten an zahllosen stellen: es kam aber gottes wort zu Semaja dem man gottes, vnd sprach
1. kön. 12, 22;
1. Sam. 9, 6;
2. kön. 1, 9
u. o. auch allgemein für den frommen, gläubigen menschen, nur älter: so zimit gotes manne (
dem frommen) Otfrid III 2, 15;
d. hochzeit v. 802
Waag. nur jünger, in der wortfolge mann gottes,
als ironisierende benennung von geistlichen oder auch von personen mit betont frommem gehabe: was mir jetzt wieder dieser herrliche mann gottes (
graf Arco) neues erzählte Mozart
in: O. Jahn
Mozart (1856) 3, 21; 'glaubt der herr baron, dasz der sohn gottes lügt? er zeigte mir' — 'na j-ja, schon gut. aber das war doch nur ein traum, sie mann gottes?' (
von einem frommen handwerker) W. Kramp
d. fischer v. Lissau (1947) 35;
schweiz. id. 2, 508.
mundartlich noch anders: mann gottəs
anrede jedes unbekannten mannes geringen standes rhein. wb. 2, 1321. I@E@1@b@thθ)
neben gottes mann
ist gottes
mensch wenig entwickelt, doch vgl.: dô quam ên cristen ûp den kerkhof gânde, den rêp dô de jode unde sprak: ô minsche godes, hale mî den kerkheren van dosser kerken (15.
jh.)
in: Germania 10, 286, 17.
vereinzelt neutestamentlich für den gläubigen: aber du gottes mensch fleuch solches, jage aber nach der gerechtigkeit, der gottseligkeit
1. Timoth. 4, 11; 3, 17.
durch weitere belege nicht zu stützen: gottes mensch aber pfleget man zu nennen, der blödes sinnes und ohn verstand ist Schottel
haubtspr. (1663) 289. I@E@1@b@iι) gottes
kind, meist pluralisch gottes kinder,
gemäsz der von Christus verkündeten anschauung von gott als dem vater ganz aus biblisch-christlichem sprachgebrauch erwachsen, aber in vielfach getönter anwendung. die genuin neutestamentliche lehre von der gotteskindschaft des menschen klingt schon in der sprache des alten testamentes vor: ir seid kinder des herrn ewres gottes, ir solt euch nicht mal stechen, noch kalh scheren vber den augen, vber einem todten
5. Mose 14, 1;
Hosea 2, 1;
weish. Salom. 5, 5; 12, 7.
neutestamentlich für die im glauben an Christus und in seiner nachfolge stehenden, aus den kindern der welt
herausgehobenen gläubigen: selig sind die friedfertigen, denn sie werden gottes kinder heissen
Matth. 5, 9; auff das jr seid on taddel, vnd lauter, vnd gottes kinder, vnstrefflich, mitten vnter dem vnschlachtigem vnd verkereten geschlecht, vnter welchem jr scheinet als liechter in der welt
Phil. 2, 15;
Joh. 1, 12;
Gal. 3, 26;
Römer 8, 16
u. ö. von da her seit alters im allgemein christlichen sprachgebrauch: giereta er (
Christus) se in then sind (
in der weise), thaz sie (
die gläubigen) warin gotes kind (
Joh. 1, 12) Otfrid II 2, 28; 19, 19; sît die wîsen alle heizent gotes kint ... und der Werlde holden alle tôren sin Neidhart v. Reuental 88, 2
Wieszner; das (
gottes wort, taufe u. sakrament) ist der rechte schatz, der uns alles guts und ewige seligkeit bringet, gottes kinder machet und der lieben engel gesellen, die auff uns warten und uns dienen Luther 45, 625
W.; 10, 1, 1, 331; 11, 158.
von hier aus uneigentlich: diesz wird euch kindern gottes taugen, erbaut euch (
am gedicht) und ergetzt die augen! (
im gegensatz zu den '
philistern',
die mit gedichten nichts anfangen können) Göthe I 3, 169, 12
W. daneben noch enger und im sinn der obigen verbindungen für glaubenskämpfer, märtyrer, heilige und durch besondere frömmigkeit ausgezeichnete menschen, vornehmlich in älterer sprache: uz den gotes kinden geuielen ahtzec unt sibene, di urouwent sich iemir da zehimile pfaffe Konrad
Rolandslied 161, 11
Gr.; Stricker
Karl 10773
Bartsch; gebartet unde geharet, also diu waren gotes kint und wallære dicke sint Gottfried v. Straszburg
Tristan 2627
Ranke. gelegentlich auch in jungem gebrauch: kind gottes, wie soll kenntlich mir dein herzgeliebter seyn (
eine pilgerin ist angeredet) Bürger
s. w. 46
b Bohtz. prägnant für geistliche und mönche: du bist vil wol geschaffen ze einem gotes kinde und ze kôrgesinde: diu kutte gestuont nie manne baz Hartmann v. Aue
Gregorius 1555; 1527; Hugo v. Trimberg
d. renner 18 012
Ehrism. umgangssprache und mundart ironisieren die wendung in ähnlicher weise wie oben unter mann gottes: weil die frau, wenn sie zu jemand sagen will: aber du esel oder mondkalb! den ausdruck hat z. b. aber, kind gottes! du siehst ja wieder wie ein schwein aus? Gutzkow
ges. w. (1872) 3, 187; kenk goddes! =
was tust du! Elberf. ma. 62;
schweiz. id. 2. 508.
singulär und willkürlich bleibt die sonst der bezeichnung Christi (
s. oben A 5)
vorbehaltene verbindung gottes sohn
in der anwendung auf menschen: daz ander (
der früchte des geistes) ist: er (
der gläubige) wirt gotes sun von gnâden meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 482, 1
Pf.; da die vorsteher des krankenhauses, auf die frage des güterhändlers: ob es dem jungen (
einem findling) wohl erlaubt wäre, einzusteigen? lächelten und versicherten, dasz er gottes sohn wäre und niemand ihn vermissen würde H. v. Kleist
w. 3, 359
E. Schmidt. I@E@1@b@kκ) gottes
volk, älter auch gotes liut
nach biblischer, besonders alttestamentlicher auffassung prägnant für das jüdische volk als das auserwählte: den fluoch uirbot er ime uber luot uber daz here unde uber daz libe gotes livt
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 75, 10
Diemer; wann die Juden sprachen: wir sein daz volck gotz
erste dt. bibel 2, 6 (
vorr. z. Römerbrief)
Kurr.; warumb hastu ein solches gedacht wider gottes volck, das der könig ein solches geredt hat
2. Sam. 14, 13; bey den alten heyden fande man so wol solche exempla, als bey dem auszerwehlten volck gottes Grimmelshausen
Simpl. 13
Scholte. von hier aus schon neutestamentlich in der übertragung auf die gemeinschaft der Christusgläubigen: die jr weiland nicht ein volck waret, nu aber gottes volck seid, vnd weiland nicht in gnaden waret, nu aber in gnaden seid 1.
Petr. 2, 10;
Ebr. 4, 9; das ist das heubtstück in dieser historien, das, die gottes volck sein wollen, müssen verfolgung leiden Luther 16, 75
W.; 30, 2, 533. I@E@1@b@lλ) gottes
(aus)erwählte die in ausgezeichnetem sinne gläubigen: die wandelunge die zu get an den gotes irwelten, die den lib hie quelten Heinrich v. Hesler
apokalypse 15 263
Helm; vgl. 9589; wer wil die ausserweleten gottes beschüldigen? gott ist hie, der da gerecht machet
Römer 8, 33;
Kol. 3, 12;
Titus 1, 1. I@E@1@b@mμ)
mehr gelegentliche verbindungen, auch solche bildhafter art, umschreiben das verhältnis zwischen gott und mensch in ähnlichem sinne wie oben, biblisch und bibelsprachlich: sind wir denn kinder, so sind wir auch erben, nemlich, gottes erben, vnd miterben Christi
Röm. 8, 17; denn wir sind gottes gehülffen, ir seid gottes ackerwerck, vnd gottes gebew
1. Kor. 3, 9; Luther 17, 2, 192
W.; wer Mosen ... verachtet, der da gottes wort füret und gottes zeuge ist, der verachtet gott selbs
derselbe 16, 61
W.; das weyb ist auch gottis rusttzeug odder wercktzeug ... solche werck (
kindergebären, hauswartung) soll das weyb thun. darumb ist es gottis zeug und gefesz
derselbe 12, 346
W. I@E@1@cc)
weitergefaszt in der allgemeinen benennung und kennzeichnung des menschen als gottes
geschöpf, kreatur, bild, ebenbild u. ä.: gotes chiscaftim (
creaturis)
Isidor 29, 1
H. auch auf geschaffenes überhaupt ausgedehnt: es sint die warmen bad, ich sprich, geschöpf gottes gantz wunderlich
fastnachtsp. 1253
Keller; (gottes geschöpf
in anderm sinne s. oben C 1 a
γ); den werden menschen, gotes aller liebste creature
ackermann a. Böhmen 25, 2
Hübner (gotes werkstuck
ebda 22); erzürnt den schöpfer nicht als gottes creatur J. Chr. Günther
s. w. 5, 14
Krämer. zumal in dieser verbindung über den menschen hinaus auch die tiere oder andere geschaffene wesen und dinge bezeichnend: denn alle creatur gottes ist gut, vnd nichts verwerfflich, das mit dancksagung empfangen wird (
πᾶν κτίσμα θεοῦ)
1. Timoth. 4, 4; so denn nu gold und silber, eisen und kupffer gottes gute creaturen sein Mathesius
Sarepta (1571) 6
a; vnd gott schuff den menschen jm zum bilde, zum bilde gottes schuff er jn
1. Mose 1, 27;
1. Kor. 11, 7.
die biblisch nur Christus zukommende bezeichnung ebenbild gottes (
s. oben A 5)
benennt jünger auch den menschen: (
nach Manes und Marcion wäre bei weibern nicht) die mindste spur von gottes ebenbild und seiner kraft zu finden J. Chr. Günther
s. w. 5, 10, 8
Krämer; vgl. 6, 196, 51; wirst du doch immer aufs neue hervorgebracht, herrlich ebenbild gottes! rief er aus Göthe I 25, 1, 298
W. I@E@1@dd) gottes armer,
mit eigener entwicklung, s. u. H 2. I@E@22) gott
mit vorgesetztem possessivpronomen drückt innerhalb des christlichen sprachgebrauchs, nach biblischem vorbild, das verhältnis enger zugehörigkeit, persönlicher bindung und besonderen vertrauens aus: ich habe mich müde geschrien, mein halsz ist heisch, das gesicht vergehet mir, das ich so lange mus harren auff meinen gott
ps. 69, 4;
1. Kön. 17, 20
u. ö.; mein gott, gedencke nicht der sünden meiner noth J. Chr. Günther
s. w. 3, 71
Krämer u. ö.; sein (
Jehovas) wort ist ewig, wie sein nahmen ... ich (
der dichter) glaube meinem gott Hölderlin
s. w. 1, 31, 119
Hell. hinter der festen alttestamentlichen wendung ich bin der herr, dein gott
und der herr, unser (euer, ihr) gott
steht dagegen oft noch die vorstellung des für das jüdische volk alleingültigen gottes,
welche die existenz anderer götter
nicht unbedingt ausschlieszt (
s. u. III A 1): ich bin der herr, dein gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem diensthause gefürt habe
2. Mose 20, 2;
ps. 81, 11;
Jes. 43, 3
u. o.; sie sprachen, der Ebreer gott hat vns geruffen, so las vns nu hin ziehen drey tagereise in die wüsten, vnd dem herrn vnserm gott opffern, das vns nicht widerfare pestilentz oder schwert
2. Mose 5, 3;
5. Mose 1, 6
u. ö. I@E@33)
eine grosze zahl unpersönlicher substantiva wird, teils durch den attributiven, teils durch den possessiven genitiv, als von gott
stammend oder zu gott
gehörig gekennzeichnet. I@E@3@aa)
so in biblisch-christlicher terminologie von bestimmten erscheinungsformen der göttlichen offenbarung, kundgebungen des göttlichen willens und gegebenheiten der christlichen lehre. I@E@3@a@aα) gottes
geist, s. auch s. v. geist,
teil 4, 1, 2, 2641
ff. I@E@3@a@a@aaαα)
selten als gott,
sofern er seinem wesen nach geist
ist, vgl. oben C 3 f
ende: mit waru wilit ther gotes geist, thaz man inan beto meist Otfrid II 14, 72. I@E@3@a@a@bbββ)
alttestamentlich als umschreibung der schöpferischen göttlichen kraft: 'endi gotes gheist suueiboda oba uuazsserum' (
et spiritus dei ferebatur super aquas)
Isidor 16, 2
H.; 1. Mose 1, 2;
Hiob 33, 4.
vor allem als eine von ihrem träger losgelöste, dem menschen mitteilbare magische kraft, die ihren empfänger zu gesichten, prophetischer rede u. ä. befähigt: sihe, da kam jm ein propheten hauffe entgegen, vnd der geist gottes geriet vber jn, das er vnter jnen weissaget
1. Sam. 10, 10; 19, 23;
1. Mose 41, 38;
Hes. 11, 24
u. ö. I@E@3@a@a@ggγγ)
in neutestamentlichem und von da aus allgemein christlichem gebrauch dasselbe wie heiliger geist,
die dritte person der trinität (
s. oben A 2 b),
sofern sie als ausstrahlende, im geist des gläubigen und in der gemeinschaft der gläubigen wirkende kraft gedacht ist. älter auch als gotes âtum
im obd. (
s. PBB 43, 407
ff.),
entsprechend der auch in geist
nachwirkenden ursprünglichen mehrdeutigkeit von (
hebr. ור gr. πνεῦμα)
lat. spiritus: ther gotes geist, ther mo (
Simeon) anawas, ther gihiaz imo thaz (
et spiritus sanctus erat in eo) Otfrid I 15, 5; 25, 23; 26, 8; II 12, 35; der gotes âtem was in imo (
Christus)
Ezzos gesang v. 198
Waag; der süeze gotes geist ûz dînem (
Marias) edeln herzen blüete Walther v.
d. Vogelweide 36, 24
K.; vnd er sach den geyst gotz nyder steigen als ein taub vnd kument auf in
erste dt. bibel 1, 14
Kurr.; Matth. 3, 16; denn welche der geist gottes treibet, die sind gottes kinder
Römer 8, 14;
1. Kor. 2, 14
u. ö.; gotts geist ist aber nit verschlossen und nur gen Rom hinein gestoszen Fischart
s. dicht. 2, 52
Kurz; die diener der kirche, die von gottes geist erfüllt, von ihm zu seinem werke ausersehen waren Dietr. Schäfer
dt. gesch. (1919) 1, 191.
von hier aus weiter und unbestimmter: die frische luft des freien feldes ist der eigentliche ort, wo wir hin gehören, es ist als ob der geist gottes dort den menschen unmittelbar anwehte Göthe
bei Eckermann
gespr. m. Göthe 3, 164. I@E@3@a@bβ) gottes
name, s. auch s. v. name,
teil 7, 330
f.; 333; 335. I@E@3@a@b@aaαα)
in eigentlichem sinne die gott
zukommende oder zugeteilte benennung, gott
sofern man ihn nennt und sich auf ihn beruft: vnd wil auff jn schreiben den namen meines gottes
offenb. Joh. 3, 12; Robert Boyle sprach den namen gottes niemals anders, als mit einer so tiefen ehrfurcht aus, dasz er nicht anders konnte, als nach der aussprechung desselben eine weile stillschweigen Klopstock
s. w. (1823) 11, 213; wenn wir aber das bildnis umgingen einmal und siebenmal ... und legten ein blättchen in seinen toten mund, ein blättchen mit gottes namen Th. Mann
Joseph u. s. brüder (1948) 1, 728.
formelhaft an verben gebunden, besonders solche des anrufens und aussagens, vornehmlich biblisch und mehr oder minder im übergang zu ββ: giuuihit si namo thin. gotes namo ist simbles (=
semper) giuuihit
Weissenb. katech. 6
Steinm.; ich wil den namen gottes loben mit einem lied
ps. 69, 31;
Jes. 24, 15;
Joel 2, 26
u. ö.; du solt den namen des herrn deines gottes nicht misbrauchen, denn der herr wird den nicht vngestrafft lassen, der seinen namen misbraucht
2. Mose 20, 7;
Römer 2, 24. I@E@3@a@b@bbββ)
umschreibend für gott
selber und als kennwort seiner herrlichkeit, grösze und ehre, in älterem, biblisch begründetem gebrauch, doch vgl. auch die mhd. wendung manes, wîbes name
für man, wîp
in: mhd. wb. 2, 1, 306
b:
propter nomen domini dei nostri quesiui bona tibi vmbe gotes namen forderota ih din guot Notker 2, 551, 32
P. (
ps. 121, 9); und sprich: 'mein frewnt, darumb nicht schilt, ... und lazz sein walten gotes nam' Suchenwirt 44, 93
Bobertag; väterbuch 30 466
Reiss.; der name des gottes Jakob schütze dich
ps. 20, 2;
vgl. 8. I@E@3@a@gγ)
geläufig in der präpositionalen form in gottes namen, im namen gottes, deren unmittelbar religiöser gehalt sich später weithin abnutzt (
s. u.J 6 a). I@E@3@a@g@aaαα)
als formel der berufung auf gott, in der sich bitte oder erwartung göttlicher zustimmung und göttlichen schutzes ausdrückt, in verbaler bindung: vnnd nam vrlob ... vnnd sas in dem namen gottes in die galleen vnd fuor gen Alexandriam (1509)
Fortunatus 78
ndr.; nimm Ottilien, lasz mir den hauptmann, und in gottes namen sei der versuch gemacht! Göthe I 20, 19, 22
W. besonders bestimmten situationen formelhaft zugeordnet: in godes namen ende vreden, also beginnen wir deser reden Heinrich v. Veldeke
Servatius 1; nun weiter heb ich in gottes namen, das es wol gerat, das werk an (
das buch) Aventin
s. w. 4, 16, 25
bayer. akad.; si stiezen an und vuoren dan; mit hoher stimme huobens an und sungen eines unde zwir: 'in gotes namen varen wir' Gottfried v. Straszburg
Tristan 11 535
Ranke; Wackernagel
kirchenl. 2, 515; far ich dahin im namen gots und gesegen got alle welt (
ein sterbender) (1517)
bei Fischer
schwäb. 3, 515; leget euch in gottes namen nieder P. Fleming
dt. ged. 100
lit. ver.; so sangen sie noch: nun ruhen alle wälder, machten die laden zu ... und legten sich in gottes namen zur ruhe O. Ludwig
ges. schr. 2, 416
Schm.-St. I@E@3@a@g@bbββ)
in diesem sinne häufig elliptisch, mit vollem religiösen gewicht, dem freilich auch abergläubisches zugrundeliegen kann, vgl. hwb. d. abergl. 3, 992: in gotes namen amen (
schlusz eines wurmsegens, 12.
jh.)
kl. ahd. denkm. 374, 7
Steinm.; schweiz. id. 2, 509; in gottes namen. amen (1293,
beginn einer Ulmer urkunde)
bei Fischer
schwäb. 3, 757;
Limburger chron. 120
Wyss; vgl. 123; 124
u. ö. soviel wie '
mit gott, mit gottes hilfe'; wolan in gottes namen, sagt der könig, der wölle euch seine gnad darzu verleihen (
zur ritterschaft)
Amadis 57
Keller; ein yedtlicher soll alle zeit sein handel im namen gottes anfahen, vnd den in gedechtnus haben, anrüffen, vnd zu öberst setzen; ... also zu öberst, im anfang in namen gottes, oder Jesus, oder laus deo, got sey lobe
etc. darnach die jarzal (1549)
bei Schirmfr
wb. d. dt. kaufmannsspr. 118; in gottes nahmen
deo auspice Aler
dict. 1446
a;
mundartlich im obd. lebendig als grusz, abschiedsformel, zuruf bei der arbeit u. ä., s. schweiz. id. 2, 508
f.; Fischer
schwäb. 3, 757; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 245
b. I@E@3@a@g@ggγγ)
objektiviert und von der voraussetzung gelöst, dasz gott
bei seinem namen
genannt wird, soviel wie '
in gottes auftrag, in göttlicher vollmacht, an gottes statt': giwihit si er filu fram, want er in gotes namen quam (
bei Christi einzug in Jerusalem) (
qui venit in nomine domini) Otfrid IV 4, 47;
Heliand 2079
B.; dieser ist des todes nicht schüldig, denn er hat zu vns geredt, im namen des herrn vnsers gottes
Jer. 26, 16;
Esra 5, 1;
2. chron. 33, 18; der pfarrer sprach: mein lieber mann, ich hab mein ambt mit fleisz gethan. und hab euch beyd in gottes namen, mit meinen händen geben zsammen Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 10, 15
ndr.; und nehm euch in des reiches eid und pflicht, im namen gottes und durch meine macht Grillparzer
s. w. 6, 97
Sauer. I@E@3@a@g@ddδδ)
von ββ wie von γγ aus im älteren sprichwort sarkastisch: das der name gottes mus der schanddeckel sein, darunter alle unglck angericht werden, wie man auch sagt: ynn gottes namen hebt sich alles unglck an Luther 24, 164
W.; in gottes namen schluog der bawr sein knecht zu tod
schöne weise klugreden (1548) 5
a;
vgl. Frommann dt. maa. 7, 500
u. das walte gott
unter J 1 a
ι ββ.
von da aus: so hörte und sahe ich auch in gottes nahmen sündigen, welches wol zu erbarmen ist; von den kriegern wurde es am meisten practicirt, wenn sie nemlich sagten: wir wollen in gottes nahmen auff parthey, plündern, mitnemmen, todtschiessen, nidermachen Grimmelshausen
Simpl. 73
Scholte. I@E@3@a@dδ) gottes
wort, s.wort I C,
teil 14, 2, 1492
ff., gelegentlich in anderen synonymen verbindungen (
s. u. ββ). I@E@3@a@d@aaαα)
als ein bestimmtes einzelnes, gott
zugeschriebenes wort: es stehet geschrieben, der mensch lebt nicht allein vom brot, sondern von einem iglichen wort gottes
Lukas 4, 4.
so auch pluralisch: vnd er sprach zu mir, schreibe, selig sind die zum abendmal des lambs beruffen sind. vnd er sprach zu mir, dis sind warhafftige wort gottes
offenb. Joh. 19, 9.
das einzelne bibelwort: ein wort gottes ist gröszer denn drey welt Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) C 1
b.
das dem sakrament (
als zeichen)
beigegebene einsetzungswort: brod und weyn ynn gottes wort gefasset und daran gebunden Luther 30, 1, 223
W. von einem bestimmten göttlichen wortauftrag, besonders alttestamentlich: vnd Ehud sprach, ich hab gottes wort an dich, da stund er auff von seinem stuel
richter 3, 20;
1. chron. 18, 3
u. ö. als '
göttliches gebot': duo sich Lucifer duo ce ubile gevieng unt Adâm diu godis wort ubirgieng
Annolied 40
Roediger; (
die bilderstürmer) rhümen sich noch, sie reissen die bilde um nach gottes befelh und wort Luther 16, 444
W. I@E@3@a@d@bbββ)
meist kollektiv für die im biblischen zeugnis niedergelegte offenbarung und botschaft gottes an die menschheit, insbesondere das evangelium: thaz sie gihortin gotes uuort (
ut audirent verbum dei)
Tatian 19, 4 (
Luk. 5, 1);
vgl. 58, 2; man sal di ruwe lieben, daz gotes wort in schieben (
hineinschieben) den harten, die vorsteinet sint unde an gote wurden blint Heinrich v. Hesler
apokalypse 2040
Helm; das hew verdorret, die blume verwelckt, aber das wort unsers gottes bleibet ewiglich
Jesaia 40, 8; mögen wir ... unser leben nach gottes wort und befehl anstellen Schupp
Corinna 56
ndr. neutestamentlich evangelium gottes: Paulus ein knecht Jhesu Christi, beruffen zum apostel, ausgesondert zu predigen das euangelium gottes
Römer 1, 1;
2. Kor. 11, 7
u. ö. ähnlich: wie wol wir iczt ausz gottes gnade haben die do gottis lehr predigen Luther 14, 356
W. besonders frühmhd. gotes lêre
für das evangelium, die christlich-kirchliche lehre, das göttliche gesetz, auch das christentum überhaupt, vgl. Tundalus 13
Kraus; dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 50, 28
Diemer, dt. pred. 2, 109
Grieshaber; Milst. exod. 139, 29
Diemer; kaiserchron. 6367
Schr.; 7924; 8038
u. ö. I@E@3@a@d@ggγγ)
in speziellen bedeutungen. für liturgie und predigt im gottesdienst: der genadege sente Servas, de ein geware biscop was ... ende godes wort scone sprac Heinrich v. Veldeke
Servatius 166
Frings-Schieb; also morgens nach angehörtem wort gottes, wapnet sich Galaor
Amadis 124
Keller. prägnant für die bibel: wie sie (
die kinder) in gottes wort studirn Hans Sachs 1, 53
lit. ver.; ich bin schon heut früh munter gewesen und habe in gottes wort gelesen Tieck
schr. (1828) 2, 330.
in scherzhafter personifizierung gottes wort vom lande '
landprediger',
s. Bauer-Collitz
Waldeck 146;
nd. korrespondenzbl. 15 (1891) 21
a.
prägnant für die reformation: (
wir haben) unsere gelehrte und geistlichen zum teil, so dem wort gotts zugetan, bei einander gehabt (1537) Luther
br. 8, 71
W.; 20. I@E@3@a@eε) gottes
friede. I@E@3@a@e@aaαα)
nicht so sehr als eine gott zugehörende eigenschaft, eher als eine dem frommen mitteilbare äuszere oder innere gabe: in dem gotes fride du var. der heilic geist dich bewar (12.
jh.)
denkm. dt. poesie u. prosa 186
Müllenhoff-Scherer; vnd der friede gottes regiere in ewren hertzen, zu welchem jr auch beruffen seid, in einem leibe, vnd seid danckbar
Kol. 3, 15;
Phil. 4, 7
u. ö.; engelharfen hallen frieden gottes in ihr krankes herz Matthisson
schr. (1825) 1, 3. I@E@3@a@e@bbββ)
spezieller und objektiviert (
s. auch unt. gottesfriede),
als deutsche entsprechung der treuga dei, die im cluniazensischen Frankreich des 11.
jhs. entstand und zur sicherung des öffentlichen landfriedens ein fehdeverbot an kirchlichen festtagen und in der zweiten wochenhälfte aussprach, vgl. dt. rechtswb. 4, 1015: er (
der könig) gebôt ainen gotes fride: nâch dem scâchroube retailte man die wide, nâch dem morde daz rat
kaiserchronik 15 140
Schr.; vnde ist kein vride gesworen, er sol den gotes vride sweren (
ca. 1275)
Schwabensp. 180
Laszberg. und sonst in rechtsprachlichem gebrauch: wie der stadt-vogt in Bresslau bey den stadtgerichten daselbst ding heget: so gebiete ich diesem dinge gottes fried, der erbaren herren rathmannen vnd schoppen fried, vnsers allergn. herrn des königs zu Böhmen fried vnd allen denen, so fried lieb vnd vnfried leid ist
bei Haltaus
gloss. 741;
weitere belege ebda u. dt. rechtswb. a. a. o. I@E@3@a@zζ) gottes
reich für neutestamentliches, im alten testament als verbindung vereinzelt (
weish. Sal. 10, 10)
vorgebildetes βασιλεία τοῦ) θεοῦ,
regnum dei (
neben gleichbedeutendem βασιλεία τῶν οὐρανῶν,
regnum coelorum, s. oben himmelreich).
als feste bezeichnung für den der gegenwärtigen weltordnung entgegengesetzten künftigen aeon, dessen anbruch mit der erscheinung Christi zugleich auch schon als innerweltliche, im frommen und in der gemeinschaft der gläubigen verwirklichte ordnung vorgestellt wird: quaeme richi thin. richi gotes ist simbles endi eogihuuar: thes bittem uuir thoh, thanne uuir thiz quedem, thaz gotes richi si in uns
kl. ahd. denkm. 29
Steinm.; 159; 169; Notker 2, 4, 13
P.; vgl. 57, 9; 548, 18
u. ö.; du ensihest mich hinnen vurder niht untz in dem gotes riche, da sehe wir uns vroliche
väterbuch 11 935
Reiss.; nach dem aber Johannes vberantwortet ward, kam Jhesus in Galilea, vnd prediget das euangelium vom reich gottes
Markus 1, 14;
Joh. 3, 3
u. o.; aber in der christenheit, do vater, son, heiliger geist bey uns leret und sacrament gibt, das ist gottes reich Luther 49, 311
W.; vgl. 14, 72; 15, 724; 41, 154; vor allem suchet gottes reich und zwar noch auf der erden (
nach Matth. 6, 33) J. Chr. Günther
s. w. 2, 293
Krämer; vgl. 263.
in erweitertem, nicht eigentlich biblischem sinne: aber kein ding im ganzen reiche gottes kann ich mich doch überreden! ist allein mittel — alles mittel und zweck zugleich, und so gewisz auch diese jahrhunderte Herder 5, 527
S. I@E@3@a@hη) gottes
stuhl, thron in bildhafter umschreibung für den himmel als göttlichen herrschaftssitz, auch mit anspielung auf die richterliche funktion gottes. in der ersten verbindung vornehmlich biblisch: tronus dei gotes stuol Notker 2, 159, 11
gl. P.; ich aber sage euch, das jr aller ding nicht schweren solt, weder bey dem himmel, denn es ist gottes stuel
Matth. 5, 34; 23, 22; vnd in jrem munde ist kein falsches funden, denn sie sind vnstrefflich für dem stuel gottes
offenb. Joh. 14, 5
u. ö.; noch sol er (
Christus) dennoch heissen gott gleich und sitzen inn gottes stuel Luther 41, 154
W.; wer alles nach seinem kopff will regieren, der setzt sich neben gottes stul Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 671; du solt sitzen ûf gotes trône bruder Philipp
Marienleben 1581; darumb, das sich dein hertz erhebt, vnd spricht, ich bin gott, ich sitze im thron gottes, mitten auff dem meer
Hes. 28, 2. I@E@3@a@thθ)
in verbindungen, die den im göttlichen gesetz und recht niedergelegten und objektivierten willen gottes umschreiben, vorwiegend älteren gebrauchs. I@E@3@a@th@aaαα) gottes
gesetz, älter dafür gotes êwa, ê (
anders s. unt. b
γ),
zusammenfassend für die summe der einzelgebote: sô iz giscriban ist in gotes êuuu (
sicut scriptum est in lege domini)
Tatian 7, 2 (
Luk. 2, 23);
hierher, wenn nicht zu b
γ: nicht achten auf dew gotes ee, zuder peichte nicht gahen Heinrich v. Burgus
d. seele rat 3452
Rosenf.; denn gottis gesetz wird niemand fur den andern erfullen muogen, eyn iglicher wirds mssen fur sich selbs erfullen (1525) Luther 17, 2, 100
W. bibelsprachlich vor allem das mosaische gesetz: vnd sie kamen das sie schwuren, vnd sich mit eide verpflichten zu wandeln im gesetz gottes, das durch Mose den knecht gottes gegeben ist
Nehemia 10, 29;
ps. 37, 31;
Röm. 7, 22; 25; 8, 7. I@E@3@a@th@bbββ) gottes
gebot. älter auch in zusammenfassendem sinn wie gottes gesetz: in gotes gibotes suazi laz gangan thine fuazi Otfrid I 1, 47; stelen, ehebrechen und alle offentliche laster widder gottis gepot Luther 15, 752
W. auszerhalb des eigentlichen sittengesetzes, soviel wie '
göttliche ordnung'
im natürlichen und menschlichen bereich: sît man in (
den himmel) zergänclich siht, als ez gebiutet gotes gebot Rudolf v. Ems
Barlaam 237, 39; und wolt also abermal ein frei gesell sein, gottes gebot aufheben, und keine oberkeit (
gewalt über mir) haben Luther 4, 410
a in: teil 4, 1, 1, 1809.
singularisch sonst auf ein bestimmtes einzelgebot zielend: der ouch vroun Êven verriet, dô sî von gotes gebote schiet Hartmann v. Aue
Gregorius 1962; Freidank
bescheidenheit 174, 25; so ist auch kein menschlich gebott ber gottes gebott Luther 10, 3, 373
W.; rein und streng nach gottes gebot sollte der priester sein leben führen D. Schäfer
dt. gesch. (1919) 1, 191.
im plural zusammenfassend für das göttliche gesetz: uil wol si di erten, dev gotes gebot si behilten
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 68, 21
Diemer; welcher pfaff sich vnerlich halt yn siner leer oder yn offentlicher vbertrAettung der gots gebot, so soll man yn ... vervrteilen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 111
ndr. I@E@3@a@th@ggγγ) gottes
recht in vielfacher verzweigung (
noch anders s. u. b
γ).
biblisch wie gottes gesetz: das ich richte zwisschen einem jglichen vnd seinem nehesten, und zeige jnen gottes recht und seine gesetz
2. Mose 18, 16;
Jes. 58, 2; 1.
Makk. 1, 51.
älter auch soviel wie der rechtsanspruch gottes, die sittliche leistung, auf die gott anspruch hat; so schon ahd., wo die wendung freilich mit der vorstellung von der iustitia dei eng zusammengehört (
s. oben Notker 2, 158, 18
P.; 74, 26
unter C 1 a): ich habe gisundôt ... an demo uirwazzinen merselie des gotis rehtis
kl. ahd. denkm. 143, 38
Steinm.; 165, 20; 169, 22; Witege unde Heime die brâchen gotes reht
Alpharts tod 14, 1
Martin; vgl. 279, 2.
hierher wohl auch Oswald v. Wolkenstein 106, 47
Schatz (
entgegen der üblichen übersetzung '
gottesfrieden').
als das von gott stammende, das '
natürliche'
recht, auch im unterschied zu einer rechtssatzung anderen ursprungs, s. unt. G 5,
ferner gottesrecht
und dt. rechtswb. 4, 1032
f.: daz man dem chnechte puezze als dem herren oder dem aigen als dem vreien, daz ist weder gotes reht noch lantreht
in: dt. rechtswb. 4, 1032; dat cromme veen ... van godes recht den cloester ... toehoert (1487)
ebda 1033; weltlich recht folge nach gottes recht Graf-Dietherr
dt. rechtssprichwörter 1.
als '
gottesgericht, gottesurteil'
mehrfach mnd. belegbar: welk man dat recht up driuen wil myd eneme godes rechte (
Dithmarschen 1447)
in: dt. rechtswb. 4, 1033,
woselbst weitere nachweise. I@E@3@a@th@ddδδ)
umschreibend in der wendung gottes
weg für die sittlichen forderungen gottes (
anders s. u. b
γ und oben C 1 a
β εε):
quia custodiui uias domini nec impie gessi a deo meo uuanda ih gotes uuega behuota unde ih ubelo neteta fone imo zihendo Notker 2, 51, 24
P.; werestu auff gottes wege blieben, du hettest wol jmerdar im friede gewonet
Baruch 3, 13;
Matth. 22, 16 (
vgl. Heliand 3805
B.); sing, bet und geh auf gottes wegen, verricht das deine nur getreu G. Neumark
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 4, 311. I@E@3@a@iι)
in bezeichnungen für die christliche kirche und gemeinde: gilaubistu heilaga gotes chirichun? (9.
jh.)
ahd. sprachdenkm. 23
Steinmeyer; seyt on schaden den Juden vnd den heiden vnd der kirchen gotz
erste dt. bibel 2, 88
Kurr.; so habt nu acht auff euch selbs, vnd auff die gantze herd, vnter welche euch der heilige geist gesetzt hat zu bischouen, zu weiden die gemeine gottes, welche er durch sein eigen blut erworben hat
apostelg. 20, 28;
Gal. 1, 13
u. o. bildlich von b
β her: ecclesia diu ist daz gotes hus Notker 2, 82, 21
P.; vgl. 173, 10; denn es ist zeit, das anfahe das gerichte an dem hause gottes
1. Petrus 4, 17; wisset jr nicht, das jr gottes tempel seid, vnd der geist gottes in euch wonet?
1. Kor. 3, 16. I@E@3@bb)
in dem mehr dinglichen bereich des gottesdienstlichsakralen lebens und der kirchlichen praxis. I@E@3@b@aα) gottes
dienst in engerem, gegenständlicherem sinne als oben unter D 1 a,
zusammenfassend für regeln und ordnungen des kirchlichen lebens, geistliche übungen, kultische verrichtungen u. ä. (
s. u. gottesdienst): deta si tho then githanc zi gotes thionoste ana wanc joh thionota iogilicho thar gote driulicho (
jejuniis et obsecrationibus serviens nocte ac die) Otfrid I 16, 9;
kl. ahd. denkm. 143, 13
Steinm.; 146, 27; in dem hêiligen ewangelio daz man huto lîset an gottes dîenste
altdt. leseb. (1839) 299, 30
Wackernagel; do wart erslagen eyn prister in dem dorff Solczbich bie Kappelndorff, do wart nedder geleget gotis dinst dry wochen jn der probistie vnsser lieben frowen zu Erffort Stolle
thüring. chron. 54
lit. ver.; so vor etlich hundert iaren künig, fürsten ... richlich gaben zuo gots dienst ... geben haben Nazarei
v. alt. u. neuen gott 2
Kück. schon als kompositum empfunden: es werden dahero die soldaten in denen kriegsarticuln christlicher potentaten dahin angewiesen, wie sie gott vor augen haben, den gottes dienst fleiszig abwarten Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 96. I@E@3@b@bβ) gottes
haus, gottes
tempel. ahd. für den jüdischen tempel der bibel: gistuantun in thera nahithes gotes huses wihi Otfrid III 22, 1
u. ö.; Heliand 460
u. o. so auch jünger noch: wie er (
David) in der zyt des oberesten priesters Abiathar in das husz gottes gangen ist Zwingli
v. freiheit d. speisen 12
ndr. in gleich speziellem sinne gottes tempel: ingangenti in gotes tempal (
ingressus in templum domini)
Tatian 2, 3.
so in der Lutherbibel: vnd Jhesus gieng zum tempel gottes hin ein, vnd treib eraus alle verkeuffer vnd keuffer im tempel. vnd sties vmb der wechsler tische, vnd die stüele der taubenkremer
Matth. 21, 12; 27, 40
u. ö. von hier aus übertragen: wer, der uns den tempel gottes herstelle, wie er in seinem fortgebäude ist, durch alle jahrhunderte hindurch! Herder 5, 566
S. gottes haus
in der anwendung auf das christliche kirchengebäude nur selten neben dem schon früh gefestigten kompositum: und (
sie) truogin (
das kind) suoze, als ir gezam, mit ir zem gotes huse also Gottfried v. Straszburg
Tristan 1963
R.; was muss herr Allerich doch wol verrichtet haben, dass man ihn nach dem tod in gottes haus vergraben? J. Grob
dichter. versuchgabe (1678) 43.
älter neben '
kirche'
auch '
kloster': daz (
sein gut) gibit er an dî gotis hûs, selbe vert er dar ûz der arme Hartmann
rede v. glauben 3200
v. d. Leyen. selten gottes kirche
für einfaches kirche: als sich der priester reyh in gottes-kirchen drang Gryphius
trauersp. 113
Palm. I@E@3@b@gγ)
in bestimmten, halb terminologischen verbindungen von kultisch-sakralen geräten, sakramentalen einrichtungen, kirchlichen handlungen, nur z. t. bis in jungen gebrauch. gottes
tisch für '
altar': do brahten si mit sinne daz opfer zu dem chinde, zua tuben (
tauben) uf den gotes tiske
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 236, 27
Diemer; mit blut, das in der kirch auf gottes tisch vergossen! Gryphius
trauersp. 118
Palm; es heiszt, sie (
die könige) nehmen die krone von gottes tisch G. Keller
ges. w. (1889) 3, 279.
vielleicht von gott
als prägnanter benennung Christi aus (
s. ob. B 2 b
γ)
in der bezeichnung des abendmahlsakraments, in der wendung zu gottes tisch gehen (
neben tisch des herrn,
vgl 1. Kor. 10, 21),
s. auch s. v. tisch
sp. 510
f.: aber grosse schwere sünd ist es zu gotz tisch gon on geweschen hend J. Pauli
Keisersbergs narrensch. (1516) 108
a; Murner
prosaschr. geg. d. reform. 72
Pfeiffer-Belli; (
sie) wird bald zu gottes tisch gehn Lenz
ged. 155
Weinhold; korrespondenzbl. f. nd. spr. 15 (1891) 21
a.
ebenso als gottes
rechte (
anders s. oben a
θ γγ)
für die sakramente, zumal die sterbesakramente, nur älter, vgl. s. v. recht
sp. 366,
dazu unt. gottesrecht, gottesehe
und dt. rechtswb. 4, 1033
f.: das er (
der pfarrer) zu serre het zu arbaiten, zu der capellen zu Feucht vnd den leuten vor zu sein mit gotes rechten (1366
bei Nürnberg)
mon. Zoller. 4, 79
Stillfried; den fand er in schwerer krankheit und das im alle gots recht getan waren, ligende
Wilwolt v. Schaumburg 92
lit. ver. gottes
amt '
gottesdienst, messe',
nur älter: ih gihu ... ubermuodi, geili, slafheiti, tragi gotes ambahtes (9.
jh.)
kl. ahd. denkm. 323, 7
Steinm.; 318, 10; dô ich unz an ein ende vernam daz gotes ambet hie Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 1895;
väterbuch 24 250
Reiss.; als kompositum gotsämbter
in dieser bedeutung noch bei Aventin
bayer. chron. 1, 637, 13
L. gottes
fahrt '
wallfahrt': gienc dâ rittr und knappen mêr mit zühten ûf der gotes vart Wolfram v. Eschenbach
Parzival 446, 29;
daneben für '
kreuzzug': dô Liupolt spart ûf gotes vart, ûf künftige êre Walther v.
d. Vogelweide 36, 1.
von da aus romantisierend: wer gottes fahrt gewagt, trägt still sein kreuz J.
V. v. Scheffel
ges. w. (1907) 6, 43 (
Biterolf: im lager von Akkon). gottes
weg '
wallfahrt' (
anders s. oben a
θ δδ): ziehen ûf gotes wec als gen Rôme
d. alte stadt- u. bergrecht v. Schemnitz art. 2
Wenzel. nur vereinzelt in der bedeutung '
beichte'
belegbar: der mord ist durch gottes weg, nemblich durch die beicht herfürkommen J. Pauli
bei Haltaus
gloss. 744. I@E@3@cc)
allgemeiner in der beziehung auf objektive gröszen, die damit den göttlichen macht- und eigentumsbereich symbolisieren; in einer reihe fester, z. t. alter prägungen wie gottes
erde, gottes
welt, gottes
himmel u. ä., in denen gottes
nicht, wie unter dem hier nicht fernliegenden gebrauch H,
blosz verstärkende bedeutung hat. namentlich in umschreibungen für die '
welt': wo es nicht ist erger hie (
im himmel) bestelt, denn auff gotts erd in jener welt Hayneccius
Hans Pfriem 30, 676
ndr.; und es sei so still und einsam gewesen, wie sie garnicht gedacht, dasz gottes erde sein könne Fontane
ges. w. (1905) I 5, 52; der bravste junge ..., den gottes erdboden trüge Göthe I 22, 30
W.; ganz froh ich durch die bergstrasz ging, und sah mich ganz vergnüget um in gottes welt, dem heiligthum Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 3; auf des lieben gottes weiter welt Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 3.
vgl. mundartlich in fluchartigem ausruf: gotts welt! Frischbier
pr. wb. 1, 247.
früh als gottes
garten (
s. u.gottesgarten),
mit gefühlshaltigem unterton: du zarter gotes garte (
die welt), in dem got wunder wunders hat gewundert und erbuwen manik tiure wundersat Friedrich v. Sunenburg
in: minnesinger 2, 357
a v. d. Hagen. zugrunde liegt die gleichlautende biblische wendung in der bedeutung '
paradies, garten Eden': vnd war jm kein cederbawm gleich, in gottes garten
Hesekiel 31, 8;
s. dazu auch 1. Mose 13 10;
Jes. 51, 3; als du (
Adam) zuerst in gottes garten auferwachtest maler Müller
w (1811) 1, 10. gottes
boden in engerem, aber oft emphatisch gesteigertem sinne für '
erdboden',
an die vorstellung bloszer verstärkung (
s. u.H)
rührend: es sind männer, werth gottes boden zu betreten Göthe I 8, 267
W.; 115; Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 33.
namentlich: darnach ... nahm er (
der erzürnte papst) das buch und warfs wider gottes boden Luther
tischr. 4, 289
W.; nimmt er (
Siegfried) denselben beym kragen, und wirfft ihn wider gottes boden
volksb. v. geh. Siegfried 63
ndr. sprichwörtlich fest: gottes wasser über gottes boden (
oder häufiger gottes land) laufen lassen '
sich um etwas nicht kümmern, gleichgültig sein': lasz gots wasser über gots land lauffen
schöne weise klugreden (1548) 46
a; Aler
dict. (1727) 1, 969
b; doch ich stosz mich nicht daran und lasse gottes wasser über gottes boden laufen (1798)
bei Hüffer
rhein.-westph. zustände 112.
vielfach mundartlich, vgl. Strodtmann
Osnabrück 75; Lüpkes
seemannsspr. 22; 130; 140;
rhein. wb. 2, 1321, 22.
geläufig unter gottes freiem himmel: da stand ich nun unter gottes freiem himmel wieder auf dem stillen platze mutterseelenallein, wie ich gestern angekommen war Eichendorff
s. w. (1864) 3, 82; Riehl
d. dt. arbeit (1861) 263. gottes sonne: o der sonne gottes! und solche sonnen, wie diese, die jetzo gegen uns strahlt, hiesz er, gleich dem schaum auf den wogen tausendmal tausend werden in der welten ozeane Klopstock
oden 2, 51, 25
M.-P.; getrost! es ist der schmerzen werth, disz leben, so lang uns armen gottes sonne scheint Hölderlin
s. w. 1, 175
Hell. dem blosz verstärkenden gebrauch H
näher: musten das schiff nur treiben lassen, wohin es gottes wetter haben wollte Andersen
oriental. reisen (1696) 92; 17.
jh. in: dt. rechtswb. 4, 1036; das musz wie gott's gewitter durch die wälder thalnieder, berghinauf mit schnaufen gehn Tieck
schr. (1828) 2, 241. I@E@3@dd)
einigen für redensartlichen und sprichwörtlichen gebrauch bezeichnenden verbindungen speziellerer art liegt bildliche vorstellung zugrunde, z. b.: in gottes kanzlei steigen
scrutari divina bei Fischer
schwäb. 3, 757; wollet ihr nicht ... in gottes kanzlei steigen und vorsehung spielen? Auerbach
ebda. ähnlich: ihr ... wollet zu gott in seine rathstube sehen, lieber, wer hat euch das befohlen? Scriver
Gotthold (1679) 388.
in anderm sinne: gots mül steht oft lang stil Seb. Franck
in teil 6,
sp. 2638; das gottes mühlen langsam, aber sehr klein zu mahlen pflegen Butschky
Pathmos (1677) 75;
vgl. Kück
Lüneburg 595. I@FF.
mit vorgesetzter präposition, soweit dieser gewissermaszen eine selbständige funktion zukommt, erscheint das wort je nach dem zusammenhang in verschiedenster beziehung, aber in jeweiliger bestimmtheit. I@F@11)
mit gott. I@F@1@aa) mit gott etwas tun
mit seiner hilfe, unter seinem schutz und beistand: wanta allaz, thaz sies thenkent,sie iz al mit gote wirkent Otfrid I 1, 105;
vgl. 54; mit gott wöllen wir thaten thun, er wird vnser feinde vntertretten
ps. 60, 14.
formelhaft: ade! gee mit got! (15.
jh.)
in: Brenner
Bayerns maa. 2, 443; erst, wenn fruchtlos, zieh mit gott Grillparzer
s. w. 7, 131
Sauer. so ironisch gewendet: geht, geht mit gott madame. wir fürchten uns vor keinem teufel mehr, sobald ihr weg seid Schiller 13, 232
G. in der elliptischen verbindung mit gott für könig und vaterland
s. unt. G 4,
als kurzformel mit gott
unt. J 4 c.
auch '
im blick auf gott, in verbindung mit ihm, in seinem namen'; mit got so wöln wir heben an zuo allen unsern dingen Wackernagel
kirchenlied 2,
nr. 1289, 1; drum, liebe nachbarn, hab ich mich mit gott entschlossen, weil ichs heute noch vermag, die töchter zu versorgen Schiller 13, 172
G. älter etwas geschieht mit gott
in übereinstimmung mit göttlichem gesetz und ohne sünde, s. auch mit gott und mit recht
unter G 5: der ... urteilete, das sich die bredigere nüt möhtend mit gotte (
d. i. ohne unrecht zu tun) verbinden zuo den dingen die men an sü gefordert hette (
Straszburg um 1400)
städtechron. 9, 734; so vil mit gott vnd gewissen gescheen kan (1530)
bei Haltaus
gloss. 734; Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) K 6
b;
vgl. noch mundartlich: et es äwer och, as wenn et net met gott wär
als ob ein fluch darüber wäre rhein. wb. 2, 1323, 27. I@F@1@bb)
älter auch wie jüngeres bei gott (
s. u. 4): bithiu uuanta nist unôdi mit gote (
apud deum) iogiuuelîh uuort
Tatian 3, 8 (
Luk. 1, 37); waz freuden richer freuden jar hant die do mit gote sint. ey, sie gewnschten gotes kint! Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 7693
Singer. I@F@22)
ohne gott
im gegensinne zu 1 a: der lîp vertwelt ânez prôt, same tuot diu sêle âne got
vaterunser v. 142
Waag; besser ohn mann, denn ohn gott leben Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) K 7
a; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 550
a; er (
der feldprediger) sagt auch noch, dasz einige in ihrer letzten stunde jeden beistand von seiner seite ablehnten und ohne gott gestorben sind R. Hoffmann
d. dt. soldat (1937) 240. I@F@33)
vor gott.
namentlich im hinblick auf die richterliche funktion gottes. vor gott
vor gottes gewalt und gericht: thaz sulih urlosifora gote unsih firwasi (
vertrete) Otfrid II 6, 54;
d. hochzeit v. 705
Waag; demütiget euch für gott, so wird er euch erhöhen
Jakobus 4, 10;
2. chron. 34, 27; er (
der kommandierende einer armee) trägt eine ganz andere verantwortung vor gott und seinem gewissen für das leben von tausenden seiner leute und das wohl des staates Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 48. vor gott
im urteil gottes (
s. auch vor gott und der welt
unter G 2 b): siu (
Zacharias u. Elisabeth) uuârun rehtiu beidu fora gote (
iusti ambo ante deum)
Tatian 2, 2; dasz wir allein durch den glauben gerecht würden für gott Luther
br. 8, 81
W. fast wie eine beteuerung: es ist vor gott nüd recht. i
ch chann's vor gott bitüre
n schweiz. id. 2, 510. I@F@44)
bei gott (
in verbindung mit verben des schwörens oder als beteuerungsformel s. oben D 2 b
κ,
unt. J 4 b). I@F@4@aa)
in eigentlich lokaler bedeutung in der verbindung bei gott sein '
gestorben sein': ich sag es mit warheyt vnd spott, ich wOelt du grawbart werest bei gott
schöne weise klugreden (1548) 119
a; he is bi god den herrn '
gestorben' Mensing
schlesw.-holst. 2, 440.
sonst mehr in kausale funktion hinüberwechselnd: fürchte dich nicht Maria, du hast gnade bey gott funden
Luk. 1, 30; 2, 52; 1.
Petr. 2, 20;
apostelgesch. 7, 46; bey gott ist rath und that, krafft vnd stercke Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) A 4
a. I@F@4@bb)
bei gott
wie oben 3 a '
im urteil gottes': kinder stehen am besten bei gott Luther
tischr. 1, 18, 8
W.; auffsehen gen himmel macht werth bey gott Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) A 3
b. I@F@55)
in gott,
durchweg in abstrakter beziehung. I@F@5@aa)
mit noch fühlbar lokaler ausgangsvorstellung zum kausalen neigend: fone diu ist note in gote uuariu saligheit Notker 1, 182, 23
P.; denn wir sind auch noch fleisch und blut, drumb können wir uns nicht so gar verlassen und trotzen auff unsern ewigen unvergenglichen schatz jnn gotte Luther 36, 598
W.; je mehr vnfried in der welt, je mehr fried in gott Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) D 5
b. I@F@5@bb)
in rein instrumentaler oder kausaler bedeutung ein durch
oder mit
vertretend: gewalt, vorhte, tôt noch drô moht ir (
der bibel) wort verdrücken niht, daz man in gote wahsen siht Rudolf v. Ems
Barlaam 328, 18
Pf.; nu hebet er an seyn begirde unnd vorlangen nach dem leben, das yn gotte ist Luther 1, 200
W.; gib dich zufrieden und sei stille in dem gotte deines lebens Paul Gerhardt 274
Goedeke; seit er sich seinen Johann ohne land als vormund gesetzt hat, ist er in seinem gott vergnügt
br. von u. an Herwegh 219
Marcel Herwegh; Mensing
schlesw.-holst. 2, 442.
mhd. für um gotes willen: dô ir der rehten wârheit alsô vil wart vür geleit, sî volgte ir râte und ir bete alsô daz sîz in gote tete Hartmann v. Aue
Gregorius 2227;
vgl. 1764
instrumental-kausale vorstellungen stehen auch hinter älterem gebrauch, der eine einzelperson oder eine gemeinschaft von menschen durch die formel in gott
terminiert: o geloubigin liute, ir der pruodere unte swestere in gote genennet pird (
qui fratres et sorores in Christo vocamini) (12.
jh.)
St. Galler gl. u. beichte II, 1
Steinm.; siht man dich iender bî dir hân iht bruoder und gesellen ... ? 'jâ' sprach er, 'ich hân zwêne dort die mîne bruoder sint in gote' Konrad v. Würzburg
Pantaleon 1737
Gereke; nachdem jr aller liebsten in gott ... das euangelium ... so durstig gehört (
anrede an alle frommen christen zu Zürich) Zwingli
v. freiheit d. speisen 3
ndr.; der irwirdige in gote vater und here here Johannes, bisschoff der kirchen czu Pomezan (1413)
handelsrechn. d. dt. ordens 290, 13
Sattler; der hochwürdige, in gott andächtige, groszachtbahre und hochgelahrte herr, hr. Gottfried Fuchsius ... pastor und scholarcha J. Chr. Günther
s. w. 4, 10
Krämer. archaisierend, aber in dem spezielleren sinne '
geistlicher vater': darin hatte nach menschlichem ermessen sein vater in gott (
der abt, der Gregorius erzieht) vollkommen recht Th. Mann
d. erwählte (1951) 142. I@F@5@cc)
bis in jungen gebrauch in verbindung mit verben, die das sterben oder gestorbensein in christlicher formel umschreiben: darnach doctor Reuchlens halbenn, der negst yn got verscheiden (
nuper vita defuncti) Hutten
opera omnia 2, 185
Böcking; anno 1613 den 30. aprilis ist der woleddel und veste Otto de Wendt zum Woestebrinck in gott saliglich entschlaffen
bei Flaskamp
hausinschr. d. st. Wiedenbrück 41.
namentlich: mit diesem guten, redlichen, nun in gott ruhendem mann Kirchhof
wendunmuth 2, 133
Ö.; neben ... unserem zur zeit in gott ruhenden herrn bäckermeister
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 153. I@F@66)
durch, um gott;
durch, um gottes
willen (
als ausruf in elliptischer und häufig abgeschwächter anwendung s. u. J 4 a). durch gott
vornhd. vorwiegend, aber dann kaum bis über das 16.
jh. hinaus, um gott
vornhd. gelegentlich, z. b. umbe got
himml. Jerusalem 285
Waag; Hartmann v. Aue
Erec 8894,
später nur archaisierend (
s. u.J 4 a). durch gottes willen: Williram 52, 22
Seem. und noch im 16.
jh., mundartlich bis heute, s. Schmeller-Fr.
bair. 1, 959; Fischer
schwäb. 3, 758.
das jetzt schriftsprachlich allein gültige um gottes willen
seit dem 15.
und 16.
jh. I@F@6@aa)
allgemein '
mit rücksicht auf gott, gott zuliebe': ir ni thultut thuruh got,thaz ih giangi nachot Otfrid V 20, 75; 76; swer durch got wirt gemartelet
Lucidarius 56, 3
Heidlauf; denn eine gansz, die mOegt ir essen, und thuont durch got des gouchs vergessen! Murner
geuchmat 3175
Fuchs; 3869
u. ö.; suer ouh durh gotes uuillon dirro uuerlt arbeite muode ist Williram
hohes lied 52, 22
Seem.; und wasz er auch busze lesset, die sole er durch gotts willen lassen (1384)
weisth. 6, 20; allein sey du ein rechter christ, der einfeltiges hertzens umb gottes willen leide Luther 51, 412
W.; der religiöse ist sittlich um gottes willen Riehl
d. dt. arbeit (1861) 16.
formelhaft in der verbindung mit bitten, '
mit berufung auf gott bitten': nû wil ich iuch durch got biten daz ir ruochet mir vergebn Hartmann v. Aue
Iwein 8126; (
er) bate mit gefalten händen und umb gottes willen, seiner zu schonen Kirchhof
wendunmuth 2, 373
Ö.; in den lichten zwischenräumen bat er mich um gottes willen ihn nicht zu verstoszen E. T. A. Hoffmann
s. w. 2, 106
Gr.; verstärkt: ins henkers nahmen — ich sage — ich bitte sie um gottes Christi willen — gold! Schiller 3, 491
G. I@F@6@bb)
seit alters speziell durch gott, um gottes willen etwas tun,
besonders etwas geben
oder (
almosen) erbitten '
aus barmherzigkeit, umsonst, gratis, in der hoffnung auf göttlichen lohn',
vgl. dazu dt. rechtswb. 4, 1008: mit sô getânem entsagen (
ablehnen) gebent si minner noch mêre (
die hartherzigen), durch got noch durch êre Heinrich v. Melk
priesterleben v. 88
H.-K.; daz selbe eigen hat siu geben durh got und durh ir sele ze einem ... almuosen (1275)
bei Fischer
schwäb. 3, 762; vor der stat lag ein kranck mensch ... den fuort ich vmb gots willen für daz thor (1515)
Eulenspiegel 137
ndr.; ihr sollet mirs nicht um gottes willen thun (
non melo farete già per nulla; io vene ricompensarò) Kramer
t.-ital. 1 (1700) 550
a; ich komme mir vor, wie jener arzt, mein freund, dem alle curen gelangen, die er um gottes willen an armen that Göthe I 20, 194
W.; vor der auswahl von jungen leuten, die eltern und angehörige 'um gottes willen' der verwaltung zu gebote stellen, kann sich diese kaum retten Gutzkow
ges. w. (1872) 11, 220.
mundartlich nuanciert: wer (
ein armer o. ä.)
nur ungern irgendwo gelitten ist, ist um (dur
ch) gottes willen da Fischer
schwäb. 3, 758; maə~st, i stê gràd də' góds willn dà? (
um nichts) Schmeller-Fr.
bair. 1, 959. I@F@77)
von gott,
besonders in den verbindungen von gott sein, von gott kommen.
in sachlicher anwendung: quad, allaz thaz gizamifon selben gote quami Otfrid I 8, 23; 12, 8
u. ö.; furste was er Beniamin, uone gote heter guoten sin
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 78, 3
Diemer; ein ieglich sel die sey undertenig den ... obersten gewelten. wann der gewalt ist nit neuer von got
erste dt. bibel 2, 50
Kurr.; alle macht kömmt von gott Graf-Dietherr
dt. rechtssprichw. 486.
in der gruszformel der paulinischen briefe: gnade sey mit euch vnd friede, von gott vnserm vater, vnd dem herrn Jhesu Christo
Römer 1, 7;
1. Kor. 1, 3;
2. Kor. 1, 2
usw.; verkürzt: gnad vnd fride von gott Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1,
vorr. 1.
in persönlicher anwendung jmd. ist, kommt von gott
ist göttlicher abkunft oder art, kommt in göttlicher vollmacht u. ä.: ther fon gote ist, wizit thaz, ther horit wort sinaz (
qui est ex deo) Otfrid III 18, 7; bist du von gott, so zeige dich am licht Tieck
schr. (1828) 2, 243. I@F@88)
aus gott,
wie 7,
aber ungebräuchlicher: ist der rat oder das werck aus den menschen, so wirds vntergehen. ists aber aus gott, so könnet jrs nicht dempffen
apostelg. 5, 39; wer auss der warheit oder auss gott ist, der hört gotts wort Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) G 2
a. I@F@99)
zu gott. I@F@9@aa)
in verbalverbindungen, die eine bewegung, ein gerichtetsein zu gott hin umschreiben: daz ist geist der guote, der zuntet unser gemuote, daz iz uf zuo gote get
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 276, 24
Diemer; meine seele ist stille zu gott, der mir hilfft
ps. 62, 2; das unschuldig blut schreit zu gott Eyering
prov. copia (1601) 1, 346. I@F@9@bb)
speziell zu gott eingehen '
sterben'
in christlicher redeweise: wir gehn zu gott ins leben ein Gryphius
trauersp. 227
Palm; ich gehe durch den todesschlaf zu gott ein als soldat und brav Göthe I 14, 191
W. I@F@1010)
in anderen, selteneren präpositionalverbindungen auf redensartlichen gebrauch beschränkt. I@F@10@aa) vor gott und nach gott
oder hinter gott und vor gott bitten '
inständig, dringend bitten',
in älterem, mundartlich erhaltenem gebrauch: sie, die drey, battens vor gott und nach gott, sie solten sie nicht streychen Schumann
nachtbüchl. 296
Bolte; der mann aber bat die exequirer vor gott und nach gott Grimmelshausen 2, 408
Keller; hinter gott und vor gott bitten
pregare istantemente Jagemann
dt.-ital. (1799) 536.
variiert: der kranke ... bat durch gott und nach gott, dasz doch der pfarrer wolte zu ihm kommen Otho
evang. krankentrost (1671) 1331.
mundartlich bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 959; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 244
a; Fischer
schwäb. 3, 762; Albrecht
Leipzig 124. I@F@10@bb) drei meilen hinter gott denken '
sehr alt sein',
nur älter: er denkt drei meil hinder got Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 29
b; Eyering
prov. copia (1601) 2, 225. I@GG. gott
in typischer gegenüberstellung zu anderen personen, mächten und werten. ein teil dieser meist zweigliedrigen, vor allem in sprichwort und redensart lebenden figuren kann sowohl kopulativ zusammenschlieszende als auch antithetisch trennende bedeutung haben. I@G@11) gott
und der
teufel, satan. I@G@1@aa)
antithetisch, zur kennzeichnung der grundmächte des guten und des bösen: das gute von gott, das böss vom teuffel Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) M 3
a; heint, als die dunckeln schatten mich gantz ümbgeben hatten, hat sathan mein begehret, gott aber hats gewehret Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 297; ach leider hat er gott auf der zunge und den teufel im herzen Klinger
w. (1809) 11, 228.
in mundartlichen wendungen und sprichwörtern, vgl. z. b. Fischer
schwäb. 2, 168
f. I@G@1@bb)
vereinzelt unter der antithetischen voraussetzung auch in umfassend zusammenschlieszender bedeutung: do begunden sî vor zorne toben. und got noch den tiuvel loben Hartmann v. Aue
Iwein 1272;
vgl. 4635; de kihrt sik nich an gott orer düwel
korr. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 26
a; Kück
Lüneburg 595. I@G@22) gott
und (die)
welt. I@G@2@aa)
in gegensätzlicher sicht entsprechend christlichem dualismus: swer zwein herren dienen sol die sô gar undr in beiden des muotes sint gescheiden als diu werlt unde got (Hartmann v. Aue)
zweites büchl. 197
Haupt; die wält für got, den antichrist für Christum, Barrabam für Jesum Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 4
ndr. wie unter b
meint welt
hier gelegentlich die menschen: gottes freünd, vnd aller welt feind Tappius
adag. cent. sept. (1545) N 3
a. I@G@2@bb)
in verbindendem zusammenschlusz, auszerhalb wertender unterscheidung; welt
steht hier durchweg für '
die menschen'.
die höfische epik faszt in der verbindung got und (diu) werlt
die höfische gesamtordnung zusammen: verlegeniu müezekheit ist gote und der werlte leit Hartmann v. Aue
Iwein 7172
u. o.; die beide ein triuwe unde ein lip got unde der werlde waren, des si guot bilde baren beidiu der werlde unde gote Gottfried v. Straszburg
Tristan 1803;
vgl. 8011; 8013; 15 672
u. ö. später namentlich so, dasz gott und welt
als die beiden groszen urteilenden instanzen empfunden werden, doch vgl. schon ags. for gode and for worulde (10.
jh.)
bei Liebermann
ags. ges. 130: im vor gott und der welt ... unrecht geschicht Arigo
decameron 307
lit. ver.; da ein von gott und welt so werthgeschäztes kind mich unversehnen gast auf ewig lieb gewinnt J. Chr. Günther
s. w. 1, 253, 35
Krämer; ich verdiente so viel ... als ich nur brauchte, und könnte dabei vor gott und der welt bestehen Göthe I 43, 154
W.; dort schlosz er hochbetagt, in frieden mit gott und mit der welt, sein dasein
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 4. I@G@2@cc)
von b
aus abgeschliffen zur bedeutung '
jedermann'
oder '
alles'
bzw. '
alles mögliche': er ist gott, vnd aller welt schuldig Tappius
adag. cent. septem (1545) H 1
a; so bin ich von gott und aller welt verlassen Schupp
Corinna 48
ndr.; von angegeistetem schwatzen über gott und die welt J.
V. v. Scheffel
ges. w. (1907) 2, 197.
in der mundart beliebt, s. Fischer
schwäb. 3, 756; Hügel
Wien 69;
luxemb. 150
b;
rhein. wb. 2, 1323; Kück
Lüneburg 595. I@G@33) gott
und mensch. I@G@3@aa)
trennend, von der bloszen unterscheidung bis zur betonten entgegensetzung: huueo got uuard man chiuuordan (
deus homo factus est) (800)
Isidor 21, 16
H. (
s. oben B 1); e kedahtastu nah mennisken, nu nah gote
kl. ahd. denkm. 156
Steinm.; was nu gott zusamen gefüget hat, das sol der mensch nicht scheiden
Matth. 19, 6;
vgl. apostelg. 5, 29;
homo proponit, deus disponit der mensch denckts, gott lenckts
Nürnberger wb. (1713) 29; Binder
sprichwörtersch. 133. I@G@3@bb)
zusammenschlieszend, meist wie unter 2 b
umfassend die beiden instanzen benennend, denen ein urteil über menschliche dinge zusteht: diu selba hoorsamii denne antfanclih ist cote indi suazzi mannum
kl. ahd. denkm. 207, 39
Steinm.; also daz he were fruont godis und des menschen
paradisus anime int. 10, 28
Strauch; zu scharf recht verleuret gnade, beide bei gott und bei den menschen Luther
br. 8, 193
W.; um verzeihung seines biszhero böszlich geführten lebens bey gott und menschen ernstlich anhält Rist
d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 20; noch ist kein wort über seine lippen gekommen, dessen ich mich vor gott und menschen ... zu schämem hätte Fontane
ges. w. (1905) I 5, 57. I@G@3@cc)
in pronominaler vertretung des zweiten gliedes, namentlich in sprichwörtern: mensch hilff dir selbs, so hilfft dir gott
schöne weise klugreden (1548) 29
a; Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 408; ein jeder für sich, gott für vns alle Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) 3
b; Pistorius
thes. paroem. (1715) 45. I@G@44) gott
und reich, obrigkeit, kaiser, könig, vaterland. seit dem älternhd. in formelhaftem zusammenschlusz: ich wiese dich hir yn gerichte von gotisz weghen vnde von desz richs weghen (1425)
in: dt. rechtswb. 4, 1008; sie wollen obgedachten herrn magister kraft ihres von gott und der obrickeit entpfangenen befehls bestätigen Luther
br. 8, 74
W.; er aber sprach zu jnen, so gebet dem keiser, was des keisers ist, vnd gotte, was gottes ist
Luk. 20, 25;
vgl. Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 171.
die verbindung gott und vaterland
und die dreigliedrige formel gott, könig und vaterland
sind schon seit der mitte des 17.
jhs. gängig, bevor sie im erlasz Friedrich Wilhelms III. vom 27.
märz 1813
als mit gott für könig und vaterland
fixiert werden, vgl. Schoppe in:
mitt. d. schles. ges. f. volkskde 17, 84
ff.: und der mit redlichem gewissen für gott und für das vaterland (
kämpft) Opitz
in: mitt. d. schles. ges. f. volkskde. 17, 84; wenn für gott und vaterland keiner wagt den tod zu sterben (1794)
in: zs. f. dt. wortf. 10, 232; mich strafe, wenn ich treulos bin, gott, könig, vaterland Schubart
in: zs. f. dt. wortf. 9, 305;
weitere nachweise bei Schoppe
a. a. o. in satirischer antithese gott
und st.
Peter: was einem gott bescheret, das nimpt jm
s. Peter nicht Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) 2
a; Henisch (1616) 304. I@G@55) gott
und recht, gott
und ehre. in der verbindung mit recht
schon mhd.: ich selbe spriche ez ouch dar zuo: 'got unde reht, wa sint si nuo, Tristandes stritgesellen'? Gottfried v. Straszburg
Tristan 6980
R.; vgl. 6996.
vielleicht steht schon hier die doppelvorstellung göttlichen, d. h. nach mittelalterlicher auffassung natürlichen und menschlichen, geschriebenen rechtes im hintergrund, wie sie in älternhd. formeln hervortritt, in denen die verbindung gott und recht
den sinn '
göttliches, natürliches recht'
annimmt, s. auch Haltaus
gl. 735
f., dazu: natürlich recht heiszt man gottes recht Graf-Dietherr
rechtssprichw. 1. mit gott und (mit) recht: das konigk Adolff ... das lant zu Doryngen mit gote adir mit rehte gekoufen adir besitzen mochte Joh. Rothe in:
dt. rechtswb. 4, 1010; wy ... don dat mit gode vnd mit rechte vnd nicht mit walt (
Lüneburg 1453)
bei Haltaus
gloss. 736.
schwächer: freylich, mein geliebtester T., kannst du mit gott und recht böse auf mich seyn ..., dasz ich ... nicht an dich geschrieben habe Bürger
br. 1,
nr. 49
Strodtmann. ferner: desselben schadens trawt er got vnd dem rechtten (1394)
in: dt. rechtswb. 4, 1010; des sy gott und dem rechten trüweten, dass er sy des wegs nit entsetzen söllte (
berufg. auf menschl. u. göttl. recht in prozeszsachen) (1510)
in: schweiz. id. 2, 510.
in ähnlichem sinne mit gott und (mit) ehre(n): oder nere dich sunst mit got vnd eren Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 32
ndr.; die andern alle verdienten meines wissens ihr brod mit gott und mit ehren U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 187.
erweitert in der formel wider gott, ehre und recht: wy vngeverliche vnd vnbilliche wider god, ere vnd recht mit dem guden manne vmbgegangen ... ist (1454)
bei Haltaus
gl. 736
mit weiteren belegen des 15. und 16. jhs.; variiert: der rath habe in fürfallenden hendlen vnd sachen gott, das recht vnd die billigkeit in acht genommen (1578)
bei Haltaus
gl. 736.
formelhaft von gott und rechtswegen '
nach göttlichem und menschlichem recht': alse billick van godes unde rechtz wegene geboert (1476)
in: dt. rechtswb. 4, 1010; von gott, natur vnd rechts wegen (1600)
bei Haltaus
gl. 736.
so auch jünger noch, aber weniger gewichtig: nimm ja gleich wieder ein neues loos: denn was du nun gewinnst, gehört von gott und rechtswegen dein Göthe IV 20, 79
W.; da ihm (
dem teufel) nun der liebe gott von gott und rechts wegen die welt noch schuldig ist H. Heine
s. w. 3, 459
E.; Fischer
schwäb. 3, 762. I@G@66)
die vom 16.
bis ins 18.
jh. formelhafte verbindung gott und (das)
glück meint nicht zwei selbständige, gleichgeordnete mächte, ist also nicht als einschränkung des wortes gott
im sinne von gott II,
sondern eher als seine modifizierung und nähere bestimmumg aufzufassen: vnser wolfart sollen wir got vnd dem gelück zuo schreiben G. Mayr
sprüchwörter (1567) D 2; wer ist feind? der mir nicht günnet, was mir gott und glücke schenckt Logau
sinnged. 68
lit. ver.; wie gott und glück dich rückwerts führen Stoppe
Parnass (1735) 2. I@G@77)
auch in der verbindung gott und (die)
natur geht das zweite glied modifizierend in der umfassenden einheit des ersten auf, vgl. dazu eine seltsame alte stelle: wan dv mir (
der natur) gebe daz gebot daz ich were der ander got Stricker
kl. ged. 12, 489 (
var.)
Hahn; weiter mainten unser altväter, die Teutschen, das weiblich pild wär etwas als sunder begabt von got und der natur Aventin
bayer. chr. 1, 112, 21
L.; und zürnestu ... wo gott und die natur den reichthum ihrer gaben in deiner brust mit fleisch und blut verschlossen haben? J. Chr. Günther
s. w. 1, 51, 5
Krämer; das höchste was wir von gott und der natur erhalten haben, ist das leben Göthe II 6, 216
W. I@G@88)
in anderen verbindungen mehr gelegentlich: heute lebt man ohne sorgen, gott und vorsicht weis, ob morgen J. Chr. Günther
s. w. 4, 75, 16
Krämer; wann mit gott und schicksal schon zu rechten der verzweiflungsvolle mensch begann Hölderlin
s. w. 1, 104
Hell.; gott und die warheit sey unser schilt und schirm Arigo
decameron 12, 29
lit. ver.; gott vnd die zeit hindern viel ding Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 614. (was, wies) gott und die reb (gibt, gönnt)
eine redensart des 17. und 18. jhs., zunächst wohl im blick auf die güte einer weinernte, dann ganz allgemein, schweizerisch und schwäbisch (
dort bis heute)
belegt, s. schweiz. id. 2, 510; Fischer
schwäb. 3, 66.
antithetisch: gott regiert im himmel und 's geld uf erde
schweiz. id. 2, 510. I@G@99)
bis ins älternhd. erhalten sich spuren eines mhd. äuszerst verbreiteten gebrauchs, der in beteuernder oder emphatischer, dann auch in abgenutzter rede gott
und ein personalpronomen oder seltener ein persönliches substantiv formelhaft verbindet, wobei in menschlichen beziehungen und vorgängen gott
als unsichtbar gegenwärtige höchste instanz gedacht ist; vgl. etwa: den schatz weiz nu nieman wan got unde mîn
Nibelungenlied 2308, 3
L.; dô neic sî im unde gote und bôt sich ime ze gebote Hartmann v. Aue
Iwein 6013.
weitere zahlreiche nachweise aus dem mhd. bei Jac. Grimm
mythol. 41, 14; 3, 10;
nhd. nachlebend: gott vnd mir ist am besten bekand, dasz ich bin vnschuldig der that Ayrer 2689
Keller; das wissen zwene: got und ich Fleming
bei Jac. Grimm
mythol. 43, 10.
vgl. im übrigen auch (sei) gott (und mir) willkommen
unter J 1 b
γ ββ. I@HH.
in einem vornehmlich älteren, in zusammensetzungen und mundartlich fortlebenden gebrauch hat gott
lediglich die funktion einer verstärkung des zugeordneten wortes, vgl. die gleiche erscheinung in woordenboek 5, 231; Murray
s. v. god II 5
f., s. auch Jac. Grimm
gramm. 22, 529
und unten kompositionstyp I
F. formal steht gott
hier fast ausschlieszlich als (
possessiver)
genitiv, zunächst neben substantiv und substantiviertem adjektiv, später auch neben attributivem adjektiv und adverb. eine logische beziehung zwischen gott
und dem beziehungswort als ausgangspunkt verstärkender bedeutung ist auch in früher bezeugung kaum noch sicher erkennbar, wenn man sie nicht allgemein in der zu gott gehörigen
vorstellung der grösze, des einmaligen und absoluten finden will, vgl. etwa in der Lutherbibel im anschlusz an alttestamentlich-hebräischen sprachgebrauch: deine gerechtigkeit stehet wie die berge gottes
ps. 36, 7; berge sind mit seinem schatten bedeckt, vnd mit seinen reben die cedern gottes
ps. 80, 11
und in jüngerer poetischer wendung: wie ein berg gottes über niedere hügel (
hervorragt) maler Müller
w. (1811) 1, 23,
dazu den gebrauch ob. E 3 c
und eine ähnliche funktion der wörter himmel, teufel, tod. I@H@11)
schon früh, aber unhäufig neben substantivischen sachbegriffen, im ältesten beleg neben substantiviertem adjektiv: dannen uber manec iâr, daz ist al daz gotes wâr, Ysaac altote, daz daz gesuone ime tunchelote
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 22, 17
Diemer; si tâten im (
dem bischof) daz gotes unreht dâ er an sînem gebete lac ... si marterten in ze tôde
kaiserchronik 16 127
Schr.; vgl. 15 613 (
in diesen beiden belegen möglicherweise auch nur als das unrecht, das einem '
gottesmann'
angetan wird, und insofern nicht als verstärkung im eigentlichen sinne); gottes lange zyt (1519)
in: schweiz. id. 2, 520.
mundartlich noch heute: en aller gotts mal '
nur ein einziges mal'
ebda; nig een gods koorn '
nicht ein körnlein'
brem.-nds. wb. 2, 525; gottes nichts '
gar nichts' Müller-Fraureuth
obers. 1, 433
a; des ist gottes reine wahrheit Fischer
schwäb. 3, 758;
vergleichbar: o ja, da hast du gottes recht Auerbach
ebda. I@H@22)
seit dem frühmhd. und bis ins älternhd. hinein neben persönlichem beziehungswort, meist einem substantivierten adjektiv. für die weitaus häufigste mhd. verbindung gotes armer, gotes ellender
läge eine logische beziehung '
der göttlichem schutz empfohlene oder um gottes willen zu schützende arme'
nahe, vgl. godes volk
hl. Elisabeth 6307; gotes her
gute frau 1492
für pauperes, s. auch Schönbach
d. christent. i. d. altdt. heldendichtung 5
zu Nibel. 2195, 4
L. meist jedoch ist im gebrauch der wendung eine solche beziehung hinter der blosz verstärkenden bedeutung nicht fühlbar. zu den zahlreichen nachweisen über gotes armer,
seltener gotes ellender, dürftiger
bei Jac. Grimm
mythol. 43, 14
f. und in den mhd. wbb. s. v. got
vgl. noch Kudrun 1359, 3; 1477, 3; 1171, 1; 1184, 2; 929, 4; Heinrich v. Burgus
d. seele rat 2108
Rosenfeld. weiter verstärkt noch vereinzelt im 16.
jh.: die braut die haist: ach leider! der breutgam: dasz got derbarm! so hab wir kaine klaider und sind gots marter arm (16.
jh.) Uhland
volkslieder (1881) 556.
anderes gelegentlich, vgl. ahd. gotewuoto Otfrid I 19, 18, goteleido
ebda IV 7, 34 (
dazu Frommann
dt. maa. 5, 10; Henzen
dt. wortbild. 62,
ferner sub tyrannide under themo godouuvden (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 366, 3
f. St.-S.: die gotes unholden
väterbuch 22 492
Reiss.; ez hêt der gotes tumbe vor an dem lîme al umbe von dem zeswen ôren hin (
eine stickerei auf seiner haube) Wernher
meier Helmbrecht 85
Haupt; wer ... himlischen vater trutzlich belaidigt, der ist nymer gleich ainem sun gots vnd thuot als ain gots poeswicht Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey 219
R.; (1514)
bei Fischer
schwäb. 3, 766.
obszön für '
penis': so bald er zuom stall eingeht und sein nit wahr nimpt, so ist das füllin fast hungerig, felt den nechsten unden in das grasz, erwüscht das grasz und alles miteinander, beiszt damit dem armen teufel den gots böszwicht und den element allen mit dem grasz am leib hienweg Jac. Frey
gartenges. 31, 28
Bolte. I@H@33)
wohl von 2
aus, und nicht aus einer gedanklichen verknüpfung zwischen gott
und dem regierenden wort ist auch der in der mundart noch weitverbreitete gebrauch zu verstehen, der adjektiva in adverbialer oder auch attributiver funktion in verstärkendem sinne mit gottes-, gotts-,
seltener gotte-
verbindet. in zusammenrückungen wie gottserbärmlich, -jämmerlich (
s. d.)
u. a. dringt dieser gebrauch auch in die umgangssprache und in die derberen schichten der schriftsprache ein, vgl. auch unten kompositionstypen I F 4.
im 16.
jh. gelegentlich noch in getrennter schreibung: dorch den h.geist, den du so gades rycklycken heft uth gegaten
bei Schiller-Lübben 2, 136
a; (
ich) muosz yetz so gotz erbermklich gan H. R. Manuel
d. weinspiel v. 3135
ndr.; ir gotts verfluchten nachtschabaun Hayneccius
Hans Pfriem 76
ndr. vgl. noch: nun farend hin in minem namen ir mine diener all gotz samen (
Lucifer zn den andern teufeln) J. Murer
belagerung v. Babylon (1560)
akt 2; wilkom seid jr mir all gotts sammn. danck habt, schwegrin, in gottes namn Rollenhagen
spiel v. reichen mann 71
Bolte; sieh auch s. v. allgotsammen,
teil 1, 235
und unten gottessammen.
für die mundart vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 960;
schweiz. id. 2, 520; Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 433
a; Frommann
dt. maa. 3, 346; 5, 10
f.; 7, 252,
ferner Trübner
s. v. gott. I@H@44)
vereinzelt bleibt ein verstärkender gebrauch in der kopulativen formel gott und genug '
durchaus genug, reichlich': ir werdend des alles gott und g'nuegsamen underricht finden (16.
jh.) J. Kessler in:
schweiz. id. 2, 520,
vgl. das schweizer. sprichwort gott und g'nueg sind bi-n-enand
ebda; dazu bair. gott und gar Schmeller-Fr. 1, 961,
schweizer. gottsgär Staub-Tobler 2, 398
und erzgebirg. gudegōr '
gott und gar'
in: zs. f. hd. maa. (1905) 30; gottegar Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 433
a; folglich hatte er nach des oberstlieutenants meinung an jetztgedachten geschicklichkeiten gott und genug Müller v. Itzehoe
Siegfried v. Lindenberg 1, 51;
vgl. 2, 92
und s. v. genug 5 c,
sp. 3499
f., wo zur erklärung die wendung wenn wir gott haben, so haben wir genug Henisch (1616)
herangezogen wird. I@JJ. gott
in festen formeln und redensartlichen prägungen, die sich als entwicklungsfähig erwiesen haben und ein eigenes sprachliches leben führen. die zentrale bedeutung des wortes gott,
soweit es sich dabei im ausgangspunkt um den christlichen gottesbegriff handelt, spiegelt sich besonders eindrücklich in der tatsache wider, dasz schon seit den anfängen, in voller stärke seit dem mhd. die sprache in all ihren schichten von einer fülle geprägter wendungen durchsetzt ist, in denen das wort gott
begegnet. sie knüpfen, soweit nicht unmittelbare anlehnung an lateinische oder lateinisch-kirchensprachliche muster anzunehmen ist, vorwiegend an gängige verbindungen des wortes an, besonders aus den bereichen C, D,
F. inhaltlich dienen sie dem ausdruck von wunsch und anwünschung, grusz und dank, verwünschung und fluch, erschrecken und abwehr, beteuerung, anruf und klage, vornehmlich in der form kurzer, oft parenthetischer sätze, verbaler adverbien oder bloszer interjektionen und ausrufe. häufig hat die gleiche wendung verschiedene bedeutungen, so dasz sich die einzelnen formeln in ihrer anwendung vielfach überschneiden. die lebensdauer mancher wendungen ist begrenzt, eine erhebliche anzahl jedoch reicht aus früher bezeugung bis in die gegenwart. dabei verliert der religiöse (
bzw. der abergläubisch-magische, s. hwb. d. abergl. 3, 961
s. v. gott 5)
gehalt des anfänglichen gebrauchs, früher oder später, weithin an ernst und gewicht, modifiziert sich in irgendeiner richtung, weicht ins ironisch-spöttische aus oder büszt auch als bloszes stilmittel jeden eigentlichen sinn ein. in ähnliche richtung deutet die jüngere konkurrenz des unverbindlicheren wortes himmel
mit ursprünglicherem gott
in zahlreichen fällen. für den nhd. sprachgebrauch ist es bezeichnend, dasz sich das schwergewicht der anwendung in wachsendem masze in niedere sprachschicht, besonders in die umgangssprache verlagert, wie denn auch die mundart sie in besonderer stärke entwickelt, sie durch beständige variation bis zur unkenntlichkeit entstellt oder auch durch eigene wendungen bereichert, vgl. dazu Frommann
dt. maa. 3, 345
ff. formal bemerkenswert ist die überaus häufige euphemistische entstellung des unverhüllten namens gott
in bestimmten gebrauchsweisen, so vor allem unter 5,
wo die deckformen gotz, potz, kotz
neben nur älteren verhüllungen bis heute bezeugt sind. die mundart strebt hier nach immer neuen bildungen, vgl. auch goll, göll
u. ä. unter 4 b.
vereinzelt bleibt: ey das gocks geklagt sey Nas
eins u. hundert 6 (1569) 16
b,
s. u. 1 b
β.
aus einem teil der wunschformeln kann sich das als subjekt fungierende wort gott
infolge häufigen gebrauchs zurückziehen, so bei (gott) gesegne, (gott) geb, (gott) bewahre, behüte,
vgl. auch mhd. sammir (gott helfe),
s. dazu R. Hildebrand in:
zs. f. d. dt. unterr. 6, 729
ff.; Jac. Grimm
gramm. 24, 302.
in den gleichen und einigen anderen redensarten begegnet häufig auch ellipse des personalpron. mir, dir, mich, dich,
vgl. Jac. Grimm
gramm. 24, 312. I@J@11)
in der form eines konjunktivischen kurzsatzes als wunsch- und anwünschungsformel, in einigen wendungen auch elliptisch (
s. u.a δ ζζ; b
α αα;
γγ;
γ αα;
ββ; c).
mhd. gilt vielfach statt des einfachen konjunktivsatzes nach dem muster got ner iuch
eine umschreibung in der form got sî der iuch ner,
vgl. z. b. Hartmann v. Aue
Erec 6901; 8351;
Iwein 1172; Ulrich v. Türheim
Willehalm 154
d u. ö. I@J@1@aa) gott
als subjekt an transitive verba gebunden, sofern ein aktives eingreifen gottes in den ablauf des irdischen geschehens und in die beziehungen der menschen untereinander gewünscht oder erbeten wird. hier festigt sich ein groszer teil der zu C 3 d
gehörigen verbalverbindungen zur stehenden formel, verliert aber zugleich vielfach seinen religiösen sinngehalt, wandelt oder spezifiziert sich in der bedeutung und anwendung. I@J@1@a@aα)
in zwischenmenschlichen dankesformeln, der vorstellung des dankenden, lohnenden, vergeltenden gottes entsprechend: gott
danke dir,
vgl. schon: habe mammuntaz muat, in thiu ni giwanko, thaz thir es got githanko Otfrid III 19, 36;
vgl. II 20, 6; got danck dir sprach herr Dieterich deine wort die lauten hart freundlich
Laurin 1477
Schade; man gab im sein brief und sigel, man schankt im ain pfert darzuo! gott dank euch, herren zu Basel! Uhland
volkslieder (1881) 245.
als gegengrusz: er sprach: 'guten abend, mägdlein!' sie sprach: 'got dank euch, man!'
ebda 187; (
er) rief schon von weitem ...: grüsz euch gott, gevatter garnträger! dieser liesz ihn näher herankommen, dann rief auch er mit verwunderung: dank euch gott, gevatter geschirrfasser! Göthe I 25, 1, 120
W.; Fischer
schwäb. 3, 759. gott
lohne (es) dir,
vgl. schon: in herzen si iz scono (
das gebet), thaz iu es got gilono Otfrid II 21, 5; nuo lône iu got von himele, vil edel Rüedegêr
Nibelungenl. 2136, 1
L.; vgl. 156, 1; 302, 1; 733, 1
u. ö.; gott belohn es ihnen Jagemann
dt.-ital. (1799) 536.
parenthetisch: des der erber man got lone in willig ist Arigo
decameron 158
Keller. gott
vergelte (es) (dir): 'got vergelte iu, knabe guot: iwer êre sî von im behuot' Hartmann v. Aue
Erec 3596;
Iwein 5233; nun vergelts gott und die heilig kirchweih Fischart
Garg. (1590) 92; so vergelt dir's gott, bauer, sagte sie Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 124;
mundartlich obd. (ver)gelts gott Fischer
schwäb. 2, 1140;
schweiz. id. 2, 512; Lexer
Kärnten 119.
substantiviert: ich meine doch, einem das leben retten, ist ein ritterdienst, der wenigstens ein vergelts gott werth ist Wieland
s. w. (1794) 11, 362. I@J@1@a@bβ) gott
grüsze (dich),
grüsz (dich) gott,
s. dazu s. v. grüszen
sp. 1013
f. (
in der älternhd. doppelformel gott geb, gott grüsz
s. u.ζ εε).
von der bedeutung grüszen '
freundlich begegnen'
her (
s. oben C 3 d
δ ende).
formelhaft im sinne des gruszes schon im frühen 13.
jh., häufig erst seit dem 15.
jh. zu dem versuch, diese nur obd. gebräuchliche gruszformel letztlich auf den einflusz irischer klostersprache zurückzuführen, s. Weisweiler in:
dt. wortgesch. 1, 116: sî sprach 'got grüeze iuch, herre' Hartmann v. Aue
Iwein 5997;
minnes. 2, 19
a v. d. Hagen; gott grüsz euch, jungfraw hüpsch und fein! Uhland
volkslieder (1881) 38
u. o.; gott grüsze dich, Gregor, gott grüsze dich tausendmal Stifter
s. w. 1 (1904) 239.
in sachlicher beziehung: Vlenspiegel ... sagt: got eer got grüsz daz hantwerck
Eulenspiegel 116
ndr.; gott grüsze dich, tiefes himmelsblau Strachwitz
ged. (1850) 13.
schon früh auch in umgekehrter wortfolge: auete grüsz euch gott (1515) Diefenbach
gl. 60
a; ei, Erny, grüsz dich gott! Grillparzer
s. w. 6, 156
Sauer. mundartlich als geläufigste gruszformel vor allem obd., s. Fischer
schwäb. 3, 887;
schweizer. auch mit ersparung des subjekts gott Staub-Tobler 2, 511
f. I@J@1@a@gγ)
von der vorstellung des behütenden, bewahrenden, erhaltenden gottes aus in bedeutungsmäszig sehr wandlungsfähigen formeln. I@J@1@a@g@aaαα) gott
behüte, ursprünglich noch in weiterem syntaktischem rahmen. als ernsthaft gemeinte bitte: dâ vor uns got behûte, daz wir im icht werden genôzsam von dem diu ubermuot anegenge nam Heinrich v. Melk
erinn. a. d. tod v. 308
H.-K.; gott bht euch vor der helle gluote! Uhland
volkslieder (1881) 11.
ohne echten religiösen bezug: gott behüte mich vor deutscher rhythmik wie vor französischem thronwechsel Göthe IV 29, 90
W. vorwiegend als kurzformel. so im abschiedsgrusz und segenswunsch: got hüete iur, ich wil hinnen varn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 626, 29.
formelhaft besonders im älteren volkslied: behüt dich gott, mein herzigs herz, röslein auf der heiden Uhland
volkslieder (1881) 86.
mundartlich Fischer
schwäb. 3, 888; Lexer
Kärnten 119;
schweizer. b'hüet-i gott säge
n, (1715) den behüt gott machen (
sich verabschieden) Staub-Tobler 2, 514.
schweizer. auch in der speziellen anwendung von helf gott (
s. u.δ δδ)
als wunsch an den niesenden ebda 2, 512.
bairisch pfüt-gott sagen
in der scherzhaften bedeutung '
sich drücken, durchbrennen': die oan sag'n wist, die andern hott, die andern sag'n glei ganz pfüt' gott Karl Stieler
ged. 3, 18
Reclam. als ausruf des erstaunens, des erschreckens, der selbstbeschwichtigung, der einschränkung vor einem starken wort u. ä.: dij uestram fidem? admirantis aduerbium cum exclamatione herr gott behüt Frisius
dict. (1556) 407
b; sie (
die magd) geht im hausz auff wie die sonn, ist des hauses Lucifer (gott beht vns) versicht das vihe, melcket die k Fischart
Garg. 109
ndr.; bhüt gott! nun het ichs glaubet kaum, dasz mir solt war werden mein traum vnd dasz jr solt bey mir ligen Ayrer
dramen 2407
lit. ver.; damit schrift, papier und druckerei nicht, gott behüte mich! verloren sey Kortum
Jobsiade (1799) 1, 4.
von hier aus verhüllend für den teufel, mundartlich, doch s. oben auch den Fischart
-beleg: der gott behöues
der teufel rhein. wb. 2, 1316;
schweiz. id. 2, 513.
als abwehrformel gegen zauberei: die zauberey (
wird) ... vertrieben ... auch mit den worten: gott behüts Comenius
janua res. (1644) 254.
in anderer richtung als starke form beteuernder oder abwehrender verneinung, aus einer erweiterten form mit abhängigem dasz-
satz entwickelt: behüt mich gott, dass ich die menschen den mastschweinen nicht vergleiche Grimmelshausen 2, 405
Keller; du glaubst vielleicht, dasz meine frau mich erwartete? gott behüte! Castelli
s. w. (1844) 10, 332. I@J@1@a@g@bbββ) gott
bewahre, in gleicher anwendung wie αα.
zunächst in erweiterter form und eigentlichem sinn, vgl. ahd. synonym: waz duit thanne iro fravilitheru minera nidiri, joh iro willo ubiler?got biskirme mih er! Otfrid V 25, 78; got sol iuch dervor bewarn Hartmann v. Aue
Iwein 6149; dann müszten sie wohl wieder arm und elend in das alte schlosz zurück. 'bewahr uns gott davor!' sagten alle Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 101.
abgeschwächt: gott bewahre mich vor solchen verkürzungen, die zugleich sinn und wirkung aufheben Göthe I 22, 165
W. meist auf kürzere formeln reduziert: sollte ich, gott bewahre, heute krank sein (1782) Mozart
br. 2, 174
Schiederm. in abschiedsgrüszen: er sprach 'got müez iuch bewarn ... ichn belîbe hie niuwet mêre' Hartmann v. Aue
Iwein 5530; Wolfram v. Eschenbach
Parzival 389, 14; fart hin, mein schöne junkfraw, und dasz euch got bewar Uhland
volkslieder (1881) 147; gott bewahr dihr! (1745) Friedrich
d. Gr.
br. an Fredersdorf 51
Richter. seltener als ausruf des erschreckens: wie so nicht? das euch gott bewar, es spricht der herr jo selber klar, das sie (
die heiligen) vns helffen Hayneccius
Hans Pfriem 44
ndr. mundartlich im nd.: gott sall mi bewohren, ok de noch Fritz Reuter
w. 2, 177
Seelmann; rhein. wb. 2, 1316.
in jüngerem gebrauch sehr verbreitet als abwehrende verneinung, die übrigens auch der nennung gottes
entraten kann: gott bewahre! wir haben eine zähe haut H. Beck
schachmaschine (1798) 19; 'aber Dörr darf nicht dabei sein.' — 'i, gott bewahre!' Fontane
ges. w. (1905) I 5, 134. I@J@1@a@g@ggγγ)
in verwandten wendungen geringerer bedeutungsbreite sind noch fest geworden gott sei bei, mit,
seltener über uns, gott steh uns bei, gott erhalte (ihn),
mundartlich gott stärke mich.
ernsthaft, vor allem in grusz und segenswunsch: der al mechtigt got sein albeg mit euch (15.
jh.)
in: Brenner
Bayerns maa. 2, 441; gott sey bey euch! gott sey bey euch! der herr segne euch alle Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 150
lit.-denkm.; lebt alle wohl, und gott sei über euch! Grillparzer
s. w. 6, 172
Sauer; got kehalten in in allen uuerltfreison (
dominus conseruet eum) Notker 2, 150, 12
P. (
ps. 40, 3); gott erhalte den könig! Schiller 13, 9
G. als schreckensruf oder ausruf unangenehmen erstaunens: er taumelte schlaftrunken auf, lief wie besessen umher und rief: gott steh uns bei! Langbein
s. schr. (1835) 31, 134.
mundartlich in dieser bedeutung gott stärke mich,
s. Fischer
schwäb. 3, 760; Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 431.
gern vor und neben starkem wort, unangenehmer vorstellung u. ä.: auch wär' er sicher ... auf der stelle todes verblichen, wenn etwa, gott sey bei uns! ein riese ... erschienen wäre Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 25; wenn ihr nicht etwa des gewissen harrt, nu, ihr versteht mich, den gewissen mein ich, kaum trau ich mir die sünde auszusprechen, des, ach gott sei bei uns, des sklaven nämlich! Grillparzer
s. w. 11, 149
Sauer. besonders: wenn, gott sey bei uns, der teufel selbst aus der hölle (oder aus Frankreich) käme Scriver
seelenschatz 2, 227; der fette braten schmeckte dem, gott sey bei uns, gut (
dem teufel) Hölty
ged. (1869) 11;
vgl. 25 (
s. u. gottseibeiuns) I@J@1@a@dδ) gott
helf(e) (dir),
in spezieller bedeutung (
s. u.ββ)
in der imperativischen form hilf gott. I@J@1@a@d@aaαα)
allgemein in der wirklichen bitte um göttlichen beistand: ube er carnem nemuge frenare, so helfe imo got Notker 2, 150, 22
P. (
ps. 40, 4); Tauler
pred. 169, 36
V.; gott helffe dir
sit felix. adsit deus. deus fortunet labores. bene vertat quod agis Orsäus
nomencl. meth. (1623) 290; du hest noch nig help god seggt
heiszt es, wenn man jemand vorrücken will, dasz er zu voreilig ein künftiges gute für gewisz hält Dähnert
plattdt. wb. (1781) 156. I@J@1@a@d@bbββ)
in der form hilf gott
nhd. als ausruf des bedauerns, des schreckens, als stoszseufzer u. ä.: hilf gott, du mensch würst mich vnsinnig machen Boltz
Terenz (1539) 87
a; begiebt sich auch zuletzt mein denken in die weite, hilf gott, was seh ich da vor kräuter, thier und leute! J. Chr. Günther
s. w. 3, 103, 80
Krämer; hilf gott, was werden die leute treiben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 143.
ironisch: überall werden die wilden, je mehr sie unsern brandtwein und üppigkeit liebgewinnen, auch unsrer bekehrung reif ... werden bald, hilf gott! alle menschen wie wir seyn! gute, starke, glückliche menschen! Herder 5, 546
S. I@J@1@a@d@ggγγ)
als abwehrformel einem bittenden oder einem bettler gegenüber: ein nimm hin ist besser, dann zehen gott helff dir Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 258;
vgl. 53; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 549
c; da sitzt er wie ein bettler vor der thür und holt ein: helf euch gott! sich und verachtung Grillparzer
s. w. 6, 104
Sauer; vgl. 17, 90;
rhein. wb. 2, 1318; Fischer
schwäb. 3, 760. I@J@1@a@d@ddδδ)
schon früh als wunschformel, die man einem niesenden sagt, zunächst von der vorstellung aus, dasz das niesen eines schwerkranken zeichen des nahen todes sei. zur geschichte dieser in christlicher tradition mit pestzeiten frühkirchlicher zeit in verbindung gebrachten formel vgl. Wieland in:
d. teutsche Merkur (1785) 2, 173/189,
wo entsprechend gleichlautende verbindungen in heidnischer antike, auszerhalb jeder beziehung auf die pest, nachgewiesen werden (
synonyme verbindungen für diesen speziellen gebrauch s. oben γ αα,
unt. η γγ): und wenne (
bei einer seuche in Rom zu Gregors d. Gr. zeit) ein mensch nyesete, so fuor die sele von ime und was dot. dovon gewone men zuo sprechende so (ieman) nyeset: 'got helfe dir'! ouch zuo der selben zit, wenne ein mensche gewete (
gähnte), so viel er nyder und was dot. dovon kam die gewonheit, das men ein crüze für den munt machet so men gewet (
der legenda aur., de S. Gregorio entnommen) (
Straszburg um 1400)
städtechron. 9, 770; vnd wann es an ein nisen geht, dem nechsten zuo der bey dir steht solt huosten in sein angesicht, damit er auch (gott helff dir) spricht Scheit
Grobianus v. 268
ndr.; hinzuliegen in der zeit, eines weibes gunstbezeugung zu erbetteln, zu der du im grunde nicht einmahl hoffnung hast, dasz sie dir je auch nur gott helf sage maler Müller
w. (1811) 3, 91.
modern an stelle des jetzt üblichen: 'gesundheit!'
wohl nur noch in mundartlicher sphäre: und nach einer weile hör ich pflitzgen (
niesen). ich natürlich: helf gott! P. Dörfler
Apollonias sommer (1932) 46.
vielfach mundartlich. I@J@1@a@d@eeεε)
nur mundartlich, aber über das ganze sprachgebiet verbreitet ist die verwendung als gruszformel, besonders im zuruf an arbeitende, vgl. z. b. Mensing
schlesw.-holst. 2, 444; Woeste
westf. 82; Hertel
Thür. 108;
rhein. wb. 2, 1318; Staub-Tobler 2, 512;
schwäbisch auch in anderen nuancen, s. Fischer 3, 759. I@J@1@a@d@zzζζ)
am ältesten in der längeren formel so
oder als mir gott helfe,
die feierliche beteuerung und starke versicherung ausdrückt und in der schwurformel so wahr mir gott helfe
bis heute weiterlebt. der zusammenhang mit der schwurpraxis ist alt und schon heidnisch verwurzelt, vgl. Jac. Grimm
rechtsalt. 895
und die nachweise ebda 50
ff.: semergot elfe, ne haben ne trophen (=
gutta)
i. si me deus adiuuet non (
h)
abeo nihil (10.
jh.)
ahd. gl. 5, 518, 31
St.-S. mhd. mit beziehung auf die erste oder zweite person des personalpronomens als so helfe mir (dir, iu) got, so mir (dir, iu) got helfe,
vornehmlich aber in der ellipse so mir got
und zusammengerückt samir, semir, somer, sumer got
u. ä., vgl. die zahlreichen belege der mhd. wbb., Jac. Grimm
a. a. o. und Frommann
dt. maa. 3, 347
f., dazu den namen Heinrich Jasomirgott (
herzog v. Österreich, 12.
jh.)
bei Henzen
wortbildung 252.
die elliptischen formen halten sich bis ins älternhd. und vereinzelt noch darüber hinaus, vgl. auszer den teil 8, 1727
s. v. sam,
teil 8, 1745
s. v. sammer,
teil 10, 1, 1508
f. s. v. sommer
und schweiz. id. 7, 904
f. aufgeführten belegen noch: per deum summe got (
nd.)
bei Diefenbach
nov. gl. 286
a; sammer got (also war sein spruchwort oder schwur)
Zimmer. chron. 23, 383
Barack; ebda in der form saumer got 3, 253; sommer got 1, 463; 3, 253; sammer botz, i
ch hät das fürnembst schier vergessa z' säga (1712)
schweiz. id. 4, 1996.
künstlich archaisierend: ihrer wängelein lichtes roth hat kein engelein, so mir gott! eya, säsz ich unablässig bei der preislichen bis zum tod J. H. Voss
s. ged. (1802) 4, 25.
vgl. unter mundartlichem einflusz: ja, ja, so gott, das hat er getan Storm
bei Mensing
schlesw.-holst. 2, 444.
vom späten 14.
bis ins 16.
jh. auch in elliptischen verbindungen wie samer gotz genad, samir boks wunden
und zahllosen varianten, daraus in weiterer verkürzung samer box, sumer gotz
und dgl., s. u. 5
und schweiz. id. 7, 904
f. auf höherer und eigentlich literarischer ebene begegnen neben so (wahr) mir gott helfe
andere vollformen im schwur und in der beteuerung: das mir god so helffe und die heiligen (15.
jh.)
in: dt. rechtswb. 4, 1009; als mir gott helff, du jammerst mich Hans Sachs 6, 158, 10
lit. ver.; also helff mir gott vnd die heiligen euangelia
peinl. gerichtsordn. kaiser Karls V. 13
Zöpfl; vgl. 15.
vereinzelt in negierter form: mein liebste fraw, jch verheisse vnd schwere euch hie vor gotte, meinem schopffer ... oder gott helffe mir nicht jn diser welt. amen Warbeck
schöne Magelone 23
Bolte. im übrigen: so whar mi godt helpen solde vnde sin hilliges evangelium (1589)
in: dt. rechtswb. 4, 1009; ich ... schwur, dasz es durch das gebirge tönte: 'ich rette Bünden, so wahr mir gott helfe!' C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 307. I@J@1@a@d@hhηη)
der älternhd. beteuerungsformel wahrlich und als gott mir helfe (
s. teil 13, 936)
entspricht elliptisches wahrlich und gott, wahrlichen gott, wahrhaftig und
oder in gott
der md., wahrhaftigen gott, wahrhaftiges gottes, wirklich und gott, richtigen gott
u. ä. einiger md. oder nd. mundarten. diese wendungen werden in der nur scheinbar akkusativischen formel wahrhaftigen gott
von hier aus md. und nd. wieder literarisch, s. teil 13, 936
und 834,
wozu hier ergänzend nachzutragen ist: wahrhaftigen gott, der herr kammerrat! — die ehre! Fritz Reuter
w. 2, 84
Seelmann; reden se blosz ni aso! das darf ich wahrhaftigen gott nich mit anheeren! Gerhart Hauptmann
d. ges. w. 4 (1942) 199; wirklichen gott
ebda 229. I@J@1@a@eε)
nur älternhd. in der δ synonymen formel gott
berate, s. teil 1, 1487,
schweiz. id. 6, 1592
und unt. gottberat.
zu den dort gegebenen nachweisen vgl. noch: den armen schülern, die lust und liebe zum studieren haben, sol man allewege behülflich sein und lieber zu andern betlern gott berat sagen Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) I 7
b. etwas auf gott(s) berat tun '
auf gut glück': jedennoch machte sie sich fort, auff gott berath, und ritt', als die vermeint', den best- und nächsten pfad Dietrich v.
d. Werder
Ariost 23, 19, 7; Hayneccius
Hans Pfriem 565
ndr.; 1860. I@J@1@a@zζ) gott
gebe, als besonders reich entwickelte optativverbindung, vornhd. auch wëre got
in einer speziellen bedeutung (
s. u. δδ). I@J@1@a@z@aaαα)
in der verbindung mit satzteilen oder abhängigen sätzen ernsthaft als wunsch oder bitte: guolo geb u got
i. bene te donet deus (10.
jh.)
ahd. gl. 5, 520, 1
St.-S.; gott der geb euch sein himmelreich! (14.
jh.) Uhland
volkslieder (1881) 11.
auch in verwünschungen: got gebe den heiden sînen slac
livl. chron. 5218
Meyer; gott gebe dir den ewigen fluch Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) t 1
b.
besonders mit abhängigem dasz-
satz: so gebe in got tarmite, taz si diu uuaren (
güter) bechennen Notker 1, 168, 14
P.; gott geb, das du ein böse herberg bekömpst Eyering
proverb. copia (1601) 2, 684; fahre wohl, und gott gebe, dasz wir bald wieder zusammenkommen Eichendorff
s. w. (1864) 2, 64.
jünger seltener in der folge gebe gott: die erzählung am schlusse Werthers ist verändert, gebe gott, dasz sie gut gerathen sey Göthe IV 8, 6
W. vgl. auch vereinzeltes frühnhd. vergabe got
und gebe gott
für utinam (1491)
bei J. Müller
quellenschr. u. gesch. d. deutschsprachl. unterr. (1882) 25,
wofür sonst wolle gott (
s. u. ι αα). I@J@1@a@z@bbββ)
speziell in vollformen des gruszes, als mhd. und älternhd. vorstufe der später verkürzten gruszformeln guten morgen, guten abend
u. dgl.: 'hiute gebe ir got vil guoten tac der ich anders niht gegrüezen mac'. also spriche ich iemer alle morgen vruo Rudolf v. Rotenburg
in: dt. liederdichter 238
Bartsch-Golther; got geb euch ein gueten morgen herr! (15.
jh.)
in: Brenner
Bayerns maa. 2, 441; gott gebe euch eine gute nacht Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) A 1
b.
mundartlich noch heute, s. schweiz. id. 2, 511;
korrespondenzbl. d. ver. f. nd. sprachf. 15 (1891) 24
a. I@J@1@a@z@ggγγ)
in allgemeinem gebrauch von αα aus auf die kurzform (das) gebe gott, gott gebe es, gott gebs
gebracht, in gleichem sinne wie wolle gott (
s. u. ι αα):
voglia iddio wolte gott, gott geb es Hulsius (1618) 2, 439
a; wie ich höre hat eine neue einwirkung der preszfreiheiterey abermals eine andere, gebe gott! eine günstige wendung verliehen Göthe IV 29, 42
W. jünger auch als ausdruck zweifelnder resignation: und wird der schöne traum je wahrheit werden? gott geb's! Gaudy
s. w. (1844) 2, 7.
mundartlich in drohungen: gott geve ik krieg em to pakken, ik will em nix anners! Schütze
holst. 2, 59. I@J@1@a@z@ddδδ)
in der synonymen verbindung wëre got
sehr früh in der selbständigen funktion eines verbalen adverbs, aber auf vornhd. gebrauch beschränkt; bedeutungsmäszig vom grundsinn schon erheblich entfernt. als beschwörender ausruf '
wie denn, ich bitte dich',
für lat. quaeso: nu uuere got (
queso), chad ih, ist tehein uuize dero selon nah temo tode? Notker 1, 260, 21
P. besonders neben einem imperativ: were got nu sprich, ist gote ieht ummathlich (
unmöglich)?
genesis 1776
Dollmayr; vgl. 4558; 2369
u. ö.; wer got, rît für dich, lâ müezege rede belîben, ez zimet niht guoten wîben Konrad v. Fussesbrunnen
kindh. Jesu 736
K. auch als beteuernder ausruf '
wahrlich' (
s. ähnliches gott geb
unter εε): min neue, weri got, dune scolt nieht ingelten deich dir guotes pin sculdech
genesis 2566
Dollmayr. I@J@1@a@z@eeεε)
eine andere, vom ansatzpunkt sich mehr und mehr entfernende wendung nimmt die formel gott geb
im 15.
bis 17.
jh., die seither noch mundartlich begegnet. die vielfältigen linien dieses gebrauchs sind s. v. geben,
teil 4, 1, 1, 1708-11
so deutlich nachgezogen und begründet, dasz sie im folgenden nur angedeutet und ergänzt zu werden brauchen. die verstärkende doppelformel gott geb, gott grüsz
tritt schon im 15.
jh., selten noch im 17.
jh. neben die einfache. zur ersparung des gott
neben geb
s. a. a. o. 1710
f. vor einem konjunktivischen oder auch indikativischen nebensatz, dessen aussage zwei entgegengesetzte möglichkeiten offen läszt, wie lat. sive-sive bzw. auch et-et. so schon in der ersten hälfte des 14.
jhs. nachweisbar: got geb, si sprechind war ald liegind
teufels netz 3118
Barack. häufig bei Luther: das man die leute zum sacrament zwingen ... wil, gott gebe sie sind geschickt oder ungeschickt, lustig oder unlüstig 10, 3, 51, 19
W.; 403, 5; 13; helle sprüche ..., die mit klarem verstand uns zwingen, gott gebe, es sey mit grossen adder kleynen buchstaben 18, 148, 22
W.; 32, 85, 20; 412, 11
u. o.; (
er) lobt alles, was seinem herrn gefällig ist, gott geb es sey gut oder bösz Lorichius
pädag. princip. (1595) 108.
am gebräuchlichsten und lebensfähigsten vor interrogativpronomen oder -partikel an der spitze konjunktivischer oder indikativischer nebensätze, die damit als '
wer, was auch immer ...', '
wie sehr auch ...', '
selbst wenn ...'
u. ä. verallgemeinernden oder konzessiv steigernden sinn bekommen. gott geb
steht hier, wie im grunde schon im vorigen, im sinne von '
gleichgültig, einerlei': got geb doch, was die pfaffen sagen, sie richtens als in iren kragen Murner
v. d. gr. Luther. narren 3196
Merker; ich wart sin (
des weins) all min läben lang, gott gAeb, wies wyb vnd kinden gang H. R. Manuel
weinspiel 272
ndr.; gott geb wem es nicht gefall, so ist es doch mein gefallen
Boccaccio (1580) 1, 53
b; (
er) versilberte die pferd, gott geb, was ich darzu sagte Grimmelshausen
Simpl. 292
Scholte; godt geue, wat ander lüde dartho sagen
korr. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 23
b.
die doppelformel namentlich bei Murner: er msz usz gen (
geben), ob jm schon brist. do msz es syn; got geb, got griesz, wo er das alles nemmen miesz
geuchmat 60
Fuchs; badenfahrt 142
Michels. auch mit ersparung des abhängigen satzes: der jhn mit einem guten bratn, oder mit gelde hat berathn, so steht er (
der böse richter) im bald mit geschrey in allen seinen sachen bey, vnd spricht im recht, gott geb gott grsz vnd flucht der andern part die drsz Ringwaldt
lauter warheit (1602) 257.
gleiche bedeutung hat eine konstruktion des 15.
und 16.
jhs., bei der zwischen gott geb
und das fragewort ein verb im konjunktiv tritt: wir sind in disem land ouch gest. got geb, es müg joch wen es wöll Hermann v. Sachsenheim 94
Martin; doch ist unser euangelium die warheit, gott gebe es zürne wer da wolle Luther 28, 322, 19
W. seltener vor einem ohne fragewort eingeleiteten abhängigen nebensatz, wobei gott geb
die bedeutung '
einerlei, ob ...'
vertritt: und laus in glouben, was er well, gott geb, er kumm joch in die hell Hermann v. Sachsenheim 226
Martin; sed was recht ist, da bey wil ich bleiben, got geb, es zurne princeps, pater Luther 28, 619, 4
W. aus syntaktischem zusammenhang gelöst und im sinne eines beteuernden '
wahrlich, weisz gott, wohlan, nur zu'
zum verbalen adverbium verselbständigt, vgl. die ähnliche funktion des were got
oben δδ: ich sprach zuo in 'got geb, got gruesz: ir mügt mich touten, ob ir welt' Hermann v. Sachsenheim 48
Martin; ja du hast es (
dein kind im kloster) wolversorgt, als so man ainen mit bundtschuohen deckt, nur das du sein abkomest, got geb got grüsz, es gang jm wie es wöll, es dien joch got oder der welt Keisersberg
granatapfel (1510) C c 3
c; gott geb, gott griesz, ich sags fürwar, nüt schedlichers dann ein gelerter narr Murner
narrenbeschwörung 129
Spanier; v. d. gr. Luther. narren 182
Merker; gott gebe, gott grüsze, bier und wein schmeckt süsz, versaufe ich die schue, so behalte ich die füsz (1618) Hildebrandt
stammbuchblätter 9.
hierher scheint noch ein dem Schlesier J. Chr. Günther
geläufiges gott geb
zu gehören: ich selbst verfalle vor den jahren ... und dencke bey den grauen haaren: gott geb, jezund erscheint das grab
s. w. 2, 45, 44
Krämer; vgl. 157, 48.
zu den unter geben II 20 h
sp. 1711
aufgeführten mundartlich fortentwickelten sonderbedeutungen '
nur' (
Zips), '
meinethalben, allenfalls' (
Kuhländchen), '
möglicherweise, am ende' (
Ostpreuszen)
vgl. noch gott geb
als ausruf der verwahrung '
nanu!' Frischbier
preusz. wb. 1, 246
und als ergänzung des oberbair. go ge warum '
ich möchte doch wissen warum'
ähnliches gott geb was der
N. noch erleben muss '
was der wohl noch erleben wird'
schweiz. id. 2, 70; gogelei was der jetzt tut '
gott weisz, was der tut, was der jetzt wohl tut' Fischer
schwäb. 3, 759. I@J@1@a@hη) gott (ge)
segne. I@J@1@a@h@aaαα)
in persönlicher wunschformel allgemein: got der himel unde erda teta der segenoe dih (
benedicat te dominus) Notker 2, 566, 25
P. (
ps. 133, 3); so gesegen dich got min trAechtin
liedersaal 3, 10
Laszberg; und diese stunde (
der liebe) bin ich dir (
dem freunde) schuldig ... gott seegne dich (1767) Göthe IV 1, 132
W. I@J@1@a@h@bbββ)
speziell als formelhafter abschiedsgrusz älteren gebrauchs: gesegen dich got, mein höchster hort. kain schaiden tet mir nie so we Oswald v. Wolkenstein 38, 19
Schatz; gesegen dich gott im herzen! es musz gescheiden sein Uhland
volkslieder (1881) 99; 106.
auch in den abschiedsworten eines sterbenden, vgl. schon: got gesegen iuch alle: wünschet noch daz mir ein heil gevalle Walther v.
d. Vogelweide 115, 4; got gesegen dich, löb, got gesegne dich, gras, got gesegne alles das da was, ich muosz mich von hinnen scheiden (15.
jh.) Uhland
volkslieder (1881) 304;
vgl. 681; Ayrer
dramen 1628
Keller. gruszartig auch jünger gelegentlich: gott segne dich, junge frau, und den säugenden knaben an deiner brust! Göthe I 2, 170
W. I@J@1@a@h@ggγγ)
als wunsch beim niesen wie gewöhnlicheres gott helf (
s. oben δ δδ):
sternutanti gott segne dich
sit felix. sit salutiferum. bene vertat. servet te deus Orsäus
nomencl. meth. (1623) 290.
mundartlich noch weit verbreitet, vgl. Seiler Basel 144;
schweiz. id. 2, 513;
rhein. wb. 2, 1316; Blumauer
Nordwestböhmen 43. I@J@1@a@h@ddδδ)
besonders als wunschformel beim essen und trinken: dem pfarer schmeckt die wurst also wol daz er sie gantz frasz, vnd sprach zuo im selber gesegen mir es got es hat mir wol geschmeckt
Eulenspiegel 56
ndr. als tischgebet oder tischspruch: sy setzen sich zu tisch, bringt der junge Tobias 's voressen und spricht: gsegne euchs gott, ihr lieben fründ, all die ihr z'tisch hie g'sessen sind (1619)
in: schweiz. id. 2, 513; gott gesegne die mahlzeit ... gott gesegne euch den wein Orsäus
nomencl meth. (1623) 293.
als wunsch an den, dem ein trunk gebracht wird: (
wirt:) da stadt der wyn, den gsägn üch gott! H. R. Manuel
weinspiel v. 224
ndr. beim zutrunk: man sprach (
bei der mahlzeit) das tischgebet sehr still ... gleichsam als wenn man in einem capucciner-convent gessen hätte; aber kaum hatte jeder drey oder viermal gesegne gott gesagt, da wurde schon alles viel lauter Grimmelshausen
Simpl. 81
Scholte; (
Weidmann:) eure gesundheit! (
Cossheim:) gott gesegne's maler Müller
w. (1811) 1, 196. I@J@1@a@h@eeεε)
seltener als ausruf der verwunderung, verwahrung oder verwünschung: 'got segene!' sprach diu künigin Gottfried v. Straszburg
Tristan 13 690
Ranke; got segen mich, entruwen, wir syn und wollen und wolden ye syn, ye einer uber den andern Seuse
dt. schr. 511
B.; vgl. 531; 'ja wohl!' gott segne mir die redensarten! ein andermal sprich: ja! Grillparzer
s. w. 6, 156
Sauer. vgl. noch: die zauberey (
wird) ... vertrieben ... auch mit den worten: gott behüts, gott gesegne es Comenius
ianua res. (1644) 254. I@J@1@a@thθ)
in formeln, die an gottes gnade, trost, verzeihung appellieren, in allgemeinen und speziellen anwendungen. I@J@1@a@th@aaαα) gott
gnade, gnade gott, gott sei gnädig.
das vornhd. vb. gnaden '
gnade schenken, gnädig sein'
lebt älternhd. vorwiegend, später fast ausschlieszlich in dieser optativen verbindung mit gott
weiter, meist mit persönlichem beziehungswort im dativ, seltener in transitivem gebrauch mit dem akkusativ. s. im übrigen s. v. gnaden
teil 4, 1, 5, 561
f., s. v. gnädig 600
mit zahlreichen nachweisen, denen hier nur wenige an die seite gesetzt werden. schon der allgemein religiöse gebrauch, als bitte um die vergebende erbarmung oder hilfe gottes, ist formelhaft gefestigt: ich schiltes (
die andern leute) niht, wan got genâde uns beiden walther v.
d. Vogelweide 104, 29;
Nibel. 2129, 1
L. vor einem gewagten wort: sein lächeln sehe ich noch, das — gott gnade mir — heilige hohnlächeln, mit dem er verschied C.
F. Meyer
s. w. 4, 17
Knaur. abgeschwächt und vergröbert zum schreckensruf: er (
ein verprügelter) schrey, o weh, mir gott genad Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 69
ndr.; erinnert es nicht an pfeile mit widerhaken ? gott sei uns gnädig! Göthe I 25, 1, 80
W. speziell im munde eines sterbenden oder bei der nennung eines verstorbenen, auch in der form gott gnade der, seiner seele: noch dem als bruder Conrad von Gyburg vorscheiden was, dem got genade (1399/1409)
Marienburger treszlerb. 133, 11
Joachim; der doch nichts tut dann mord und prant; ich hoff er werd an leib geschant, gott gnad der armen sele! (
eines raubritters) Uhland
volkslieder (1881) 276; (
Anselmo:) ... ist das sterben? gott sei mir gnädig! Gerstenberg
Ugolino 260
H. warnend oder drohend in der ankündigung einer schweren, der erbarmung oder hilfe gottes bedürftigen lage: denn, kOempt es aus, so gnad jhm gott, sein bestes hie gelebt er hat Hayneccius
Hans Pfriem 28
ndr. die religiöse beziehung wird jünger nicht mehr gefühlt: und gnade gott dem kurzweiligen Franzosen, der in Shakespears fünften aufzug käme, um da die rührung in der quintessenz herunter zu schlucken Herder 5, 226
S.; ich möcht euch wünschen ... dasz ihr nicht echt und meinesgleichen wäret, sondern gewächs für die heutige zeit. ist das nicht, dann gnad euch gott! P. Dörfler
d. notwender (1934) 31. I@J@1@a@th@bbββ) gott
tröste ihn
oder gott
hab ihn
selig formelhaft bei der nennung eines verstorbenen, in jüngerem gebrauch: Soest: hattet ihr seinen herrn vater, Karl den Fünften, nicht lieber?
Ruysum: gott tröst ihn! das war ein herr! Göthe I 8, 175
W.; die frau rath, gott tröste sie, kann mich nicht mehr trösten wie einstens Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 17.
mundartlich auch mit ellipse des pronomens: mei' papp gott tréscht Gangler
Luxemburg 185; unser kleiner Jakob, gott hab ihn selig O. Ludwig
ges. schr. 2, 403
Schm.-St.; Mörike
ges. schr. (1905) 1, 72. I@J@1@a@th@ggγγ) gott
verzeih mir (die sünde)
in redensartlichem gebrauch neuerer sprache. meist entschuldigend neben einem starken wort, einer gewagten behauptung u. ä.: 's beste wär schon, ins wasser mit mir! wenns aso is ... gott verzeih mir die sinde! Gerhart Hauptmann
d. ges. w. (1942) 4, 225;
vgl. 230; 199
u. ö. meist leichteren gewichts: die weder kalt noch warm sind und, gott verzeih mir meine sünde! so ungenieszlich maler Müller
w. (1811) 1, 253.
so vielfach mundartlich: ihr seid e
in paar, verzeih mirs gott Fischer
schwäb. 3, 761;
schweiz. id. 2, 514;
ebda u. rhein. wb. 2, 1316
auch substantiviert für einen sündigen menschen, armen kerl. nd. in der form gott vergeve all wat sünde is Richey
id. Hamb. (1755) 78;
vgl. Schütze
holst. 2, 57; Danneil
plattdt. wb. 68.
als leichtes kraftwort: vnd, gott verzeih mir! soll ich mirs denn nicht auch einmal bequem machen ? Göthe I 45, 92
W. scherzend: er nennt es (
aus unkenntnis der weinsorten) Lafitte, gott verzeih es ihm, und bildet sich noch ein, eine weinzunge zu haben Fontane
ges. w. (1905) I 5, 75. I@J@1@a@iι)
in verbindungen, die sich an gott als ein wollendes, bestimmendes wesen wenden. I@J@1@a@i@aaαα)
wollte gott
und wolle gott
nicht (
s. 2wollen
sp. 1353
f.)
vor abhängigem konjunktivsatz mit oder ohne konjunktion, und im letzteren falle selbst fast wie eine konjunktion; der ursprüngliche religiöse gehalt dieser einen dringenden wunsch umschreibenden wendung nutzt sich im formelgebrauch frühzeitig ab. die nicht negierte form bevorzugt das präteritum, bedient sich älter aber auch des präsens: aber got uuelle, daz sie ... tero unsaligheite halto darbeen (
sed uti hoc infortunio cito careant ... uehementer exopto) Notker 1, 255, 16
P.; uuolti got 31, 21; 98, 3; 242, 21; 'daz wolde got der rîche', sprach dô Rüedegêr, 'daz iu diu margrâvinne noch solte geben mêr!'
Nibelungenl. 2142, 1
L.; 1878, 1; 1638, 2
u. ö. in glossarien und lexiken des 15. und 16. jhs. häufig für lat. utinam und osi, vgl. Diefenbach
gl. 631
c; 402
c;
n. gl. 274
b; Alberus (1540) yy 1
a; Frisius (1556) 1111
b.
dem älteren volkslied sehr geläufig: wolt gott ich solt heint bei ir sein in zühten und in eren! Uhland
volkslieder (1881) 65;
vgl. 11; 17; 18; 90
u. ö. auch biblisch: wolt gott, wir weren in Egypten gestorben, durch des herrn hand, da wir bei den fleischtöpffen sassen, vnd hatten die fülle brot zu essen
2. Mose 16, 3;
richter 9, 29;
1. Kor. 4, 8;
Gal. 5, 12
u. ö.; wollte gott, wir hätten in ganz Europa ein volk, das ihn läse Herder 17, 7
S.; wollte gott! alle menschen wären eitel Göthe I 24, 273
W. die negierte form, als reiner verhütungswunsch wie die synonymen wendungen unter γγ,
erscheint durchweg präsentisch als gott wolle nicht
und, soweit es sich nicht verselbständigt, stets vor abhängigem dasz-
satz: des aber got nicht enwelle, daz iwer einer sich oder ander iemen dar în (
in die hölle) velle! Heinrich v. Melk
priesterl. v. 134
H.-K.; 'nune welle got von himele', sprach Gunther der degen, 'daz ir iuch genâden sült an uns bewegen'
Nibelungenl. 2114, 1
L.; 2182, 1; 2275, 1
u. ö.; Walther v.
d. Vogelweide 40, 12; wolle gott nicht, dasz ich ... hasse maler Müller
w. (1811) 1, 55.
in verselbständigtem ausruf: das woll gott nicht Eyering
proverb. copia (1601) 1, 363;
Verrina: ich nehme mein eigenthum zurück.
Fiesko: das wolle gott nicht Schiller 3, 157
G. I@J@1@a@i@bbββ) das
walte gott, walts gott,
seit dem 16.
jh., in ersterer fassung fehlerhaft an stelle des mhd. walte des got, got waldes
u. ä., älternhd. z. t. noch richtig des walte gott.
formelhafte segenswünsche in erweiterter form sieh s. v. walten,
teil 13, 1380;
die kurzformeln des walte gott, das walte gott, walts gott, gott walts
sind bedeutungsmäszig stärker differenziert, als teil 13, 1381
f. erkennen läszt. als ernsthafte bitte um göttliche hilfe und zustimmung wie in gottes namen
oben E 3 a
γ αα;
ββ: si wellnt nu gein den heiden. got waldes, sît ers alles phligt Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 313, 29; eyn newes lied wir heben an, des wald gott, vnser herre Luther
in: Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 3; Uhland
volksl. 721; das walt gott, das walt der herr
adsint dij beati. dij bene faxint Eyering
proverb. copia (1601) 1, 348.
sarkastisch: das kein krieger in krieg geht, er spricht: das walt
got. summa man huort in gots namen, vnd thuot alles vbel, also das dauon ein sprichwort entstanden: alles vnglück fahet sich in gots namen an Seb. Franck
sprüchw. (1545) 2, 5
a (
s. oben E 3 a
γ δδ).
als abwehrformel gegen zauberei: die zauberey (
wird) ... vertrieben ... auch mit den worten: ... gott gesegne es, gott walts Comenius
ianua res. (1644) 254.
die mundarten kennen in grusz-, arbeits- und gebetswünschen vielfache verwendung, s. schweiz. id. 2, 515; Fischer
schwäb. 3, 761; Schön
Saarbrücken 86; Crecelius
oberhess. 431;
rhein. wb. 2, 1317;
ebda 1318
auch in abstrakter und dinglicher substantivierung. auffallend früh bereits in abgeschwächter, religiös neutraler bedeutung wie jüngeres in gottes namen
unter 6 a,
im sinne von '
meinetwegen, einerlei'
oder auch '
wohlan, nun denn': hie wil ich (
Gawan) mîne reise sparn. got waldes, welt ir fürbaz varn (
ich will hier bleiben!
wenn ihr weiter wollt, dann in gottes namen, meinetwegen) Wolfram v. Eschenbach
Parzival 602, 2;
ähnlich (
ebenfalls in Gawans munde) 514, 21; got der waldes, swiez ergê: schœner troum enwart nie mê Walther v.
d. Vogelweide 94, 36; des walt gott, ich wil aber dran! (
an den wein) H. R. Manuel
weinspiel v. 240
ndr.; walts gott, ich gehe auch eins herfür Hayneccius
Hans Pfriem 20
ndr.; wir ritten gestern durch in dunkler nacht. jetzt liegt der kaiser drinnen. (
Ottokar:) nun, gott walt's! (
meinetwegen) Grillparzer
s. w. 6, 125
Sauer. vereinzelt als klage- und verhütungsruf: ach dasz gott walte, weistu nichts von unserm herr gott? Grimmelshausen
Simpl. 26
Scholte. I@J@1@a@i@ggγγ)
in verhütungs- und besserungswünschen stehen feste formeln neben mehr gelegentlichen varianten. als geläufigste abwendungsformel da sei gott vor,
älter auch das wende gott (zum besten)
u. ä.: got sî der daz wende daz ich sô iht gevar daz ich dise freudenlôse schar iht mêre mit mîm wîbe Hartmann v. Aue
Erec 8351; es send auch disz jar ... vil seltsamer impressiones geschehen, gott wends zuom besten Knebel
chron. v. Kaisheim 444
lit. ver.; das gott wend, daruor gott sey Frisius
dict. (1556) 8
a;
vgl. 139
b; 407
a; Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 905; da seye gott für, das wolle gott nicht!
che dio non voglia! Kramer
t.-ital. 1 (1700) 549
c; da sei gott vor, dasz ich die arbeit und mühe meines kindes nehme Stifter
s. w. 1 (1904) 196.
daneben: were, dat god vorbede, en schip in der zee brokhaftich wurde (1412)
bei Pardessus
coll. de lois marit. (1831) 2, 458; gott verhüte! dasz ich mich mit diesem auf ein mehrers einlassen sollte Lessing 13, 88, 12
L.-M. gott bessere es,
als formelhafte bitte um besserung eines bestehenden zustandes, tritt mehr oder weniger in die bedeutung der klageformeln gott seis geklagt (
s. u.b
β)
und leider gottes (
s. u. 6 b)
hinüber: und verblendest den armen christen das dir seer ubel an stodt, got bessers Murner
kl. schr. 3, 14
Pfeiffer-Belli; aber gott bessers, das die meisten zeiten da werden zugebracht mit eitelkeiten Voigtländer
oden u. lieder (1642) 104, 8; he kann god btert nich lesen noch schrieben Mensing
schlesw.-holst. 2, 444. I@J@1@a@kκ)
in verwünschungs- und fluchformeln. mhd. erscheint, namentlich frühhöfisch, aber stilistisch verfeinert auch hochhöfisch, got
in einer fülle optativischer verbindungen mit hazzen, hœnen, vellen, schenden
u. a., s. die nachweise bei Jac. Grimm
mythol. 41, 16; 3, 12,
wo heidnische wurzel vermutet wird, vgl. dazu auch B. Schwartz
d. gottesbild i. höf. dichtg. (
diss. 1933) 8
f.; 32.
späterer gebrauch beschränkt sich im wesentlichen auf selbstverwünschungsformeln im sinne einer groben beteuerung. nhd. hat sich gefestigt gott strafe mich:
dii me perdant ... gott strafe mich Faber
thes. (1587) 390
b; straf mich gott, das sind sie werth Göthe I 16, 30
W.; du gehörst, gott straf mich, in den narrenthurm! Holtei
erz. schr. (1861) 1, 29.
so und in zahllosen entstellungen und verdrehungen mundartlich, vgl. Fischer
schwäb. 3, 760; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 244
a;
schweiz. id. 2, 514; Hertel
Thür. 108; Jecht
Mansfeld 44;
korresp.-bl. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 22
a.
das vergröberte umgangssprachliche (gott) verdamme mich
mundartlich ebenfalls vielfach entstellt, s. Frommann
dt. maa. 2, 502;
Elberf. ma. 62; Martin-Lienhart 1, 244
a.
das Lutherbiblische gott tue mir dies und das
scheint über den gebrauch dieser quelle nicht hinausgedrungen zu sein: da sprach Saul, gott thu mir dis und das, Jonathan du must des tods sterben
1. Sam. 14, 44;
2. Sam. 3, 35;
1. kön. 2, 23
und alttestamentlich öfter. I@J@1@bb)
in einer weniger umfänglichen gruppe optativischer wendungen, die passivisch konstruiert oder doch passivisch empfunden sind, wird gott
nicht als handelnder, sondern als empfangender angesprochen. den hierher gehörigen formeln liegen verbindungen aus D 2 b
zugrunde, die bestimmte möglichkeiten des menschlichen verhaltens gott
gegenüber umschreiben. I@J@1@b@aα)
vor allem in dankesformeln, mit durchgehender neigung zu elliptischem gebrauch, so schon ahd. in den übersetzungen von Luk. 2, 14: tiurida in hohem cote (
gloria in altissimis deo) (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 732, 2
St.-S.; kl. ahd. sprachdenkm. 34, 110
Steinm. I@J@1@b@a@aaαα)
gelobt sei gott
oder gott sei gelobt
u. ä.: kelobot si got (
benedictus dominus) Notker 2, 88, 13
P. (
ps. 27, 6); 250, 27; 258, 11; 262, 22; gelobt sey gott, der mein gebet nicht verwirfft, noch seine güte von mir wendet
ps. 66, 20;
Daniel 3, 26;
Eph. 1, 3
u. ö. formelhaft: (
sie) kamen all wol gesund herwider, gott sei gelopt (
Augsb. um 1450)
städtechron. 5, 251.
ebenso gott sei
und gott habe lob,
älternhd., aber schon vornhd. vorauszusetzen: gott sey lob in seim höchsten saal Ayrer
dramen 1578
Keller; als eintrittsgrusz lob si gott! (1781)
in: schweiz. id. 2, 515;
schwäbisch sei's gott lob Fischer 3, 757.
in parenthetischer formel: mir ein grosse krancheit die rede nam, die mir in diser vergangen nacht got sey lobe ist wider komen Arigo
decameron 170
Keller. in gleicher verwendung: dweil ... auch einicher mistrau eines posen verdachts, got hab lob, bei inen nie eraigent gefunden (1525)
chron. d. st. Bamberg 2, 216
Chroust; (1779)
in: schweizer. id. 2, 515.
daraus elliptisches gott lob,
das schon mhd. auch zusammengerückt erscheint (
s. u.gottlob),
aber bis in jungen gebrauch daneben in getrennter schreibung begegnet. frühmhd. gote lop: von holze huob sih der tôt, von holze gevîl er, gote lop
Ezzos gesang v. 258
Waag; vgl. v. 406;
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 329
Diemer; alle sprachen: gott lob! der könig liesz die lügner ... hängen br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 85.
die als interjektion oder parenthetisch gebrauchte formel gott lob
nutzt mit der häufigen verwendung ihren religiösen gehalt ab: denn so toll bin ich gott lob nicht gewesen, das ich verhoffet hette, mein brieff solte heymlich bleiben bey dem könige alleine Luther 23, 28
W.; 18, 135; 26, 497
u. o., so doch (gott lob) nutzlicher bücher ... ein zimmliche anzal vorhanden Xylander
Polybius (1574)
vorr. 2
b; ich bin gott lob so gut wie jene kaufmannsjungen, von denen einer nechst an mir das maul verbrand J. Chr. Günther
s. w. 2, 164, 3
Krämer; ich lese gott lob! meinen Homer in seiner sprache Herder 3, 126
S. in mundartlicher redensart: der ist net recht bei gott lob '
nicht ganz bei trost' Fischer
schwäb. 3, 757.
wohl aus der mundart in der genitivischen kurzform gottes lob (
s. ob. I D 1 d): 'gottes lob!', seufzt die kniende, 'weil nur grad der regen dader ist, der macht dem blitz die knie weich und elend!' Billinger
d. schutzengelhaus 295. I@J@1@b@a@bbββ) gott
sei ehre und ehre sei gott,
selten über biblischen gebrauch hinaus und nicht in blosz redensartlichen gebrauch abgesunken: ehre sey gott in der höhe, vnd friede auff erden, vnd den menschen ein wolgefallen
Luk. 2, 14; demselben gott, der allein weise ist, sei ehre durch Jesum Christum in ewigkeit
Römer 16, 27;
Phil. 4, 20;
1. Tim. 1, 17; gott sey ehre! Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 6. I@J@1@b@a@ggγγ)
in den verbindungen mit dank und danken zufrühest bereits in elliptischer formel: aber gote dang, ter dia gesundeda gibet Notker 1, 48, 29
P.; vgl. mit lat. vorlage: deo gratias daz chuit gote danc 3, 224, 32.
jünger gelegentlich und schwächer: gott dank! dasz uns so wohl geschah, der tyrann sitzt auf Helena! Göthe I 5, 1, 143
W. auch zusammengeschrieben, adverbial: einen gewissen Lappe ..., der sich gottdank nur in einem kleinen bändchen blamirt hat A. v. Droste-Hülshoff
br. 133
Theo Schücking. volleres gott
sei dank, vornhd. nicht belegbar, als gängigste wendung. in den paulinischen briefen noch im eigentlichsten sinne: gott aber sey danck, der vns den sieg gegeben hat, durch vnsern herrn Jhesum Christum
1. Kor. 15, 57;
vgl. 2. Kor. 8, 16; 9, 15.
mit abhängigem dasz-
satz meist in abgeschwächter bedeutung '
was für ein glück, dasz',
besonders als ausdruck innerer erleichterung: gott sey ewig dank, dasz ihr doch endlich einmahl wiederkommt Lessing 3, 3, 1
L.-M.; gott sei dank, dasz du da bist Th. Storm
s. w. (1898) 1, 78.
auch mit selbstsicherem oder selbstzufriedenem unterton und dadurch mit einem anflug von ironie: sie verglich mich mit ihrem weiszfisch. gott sei dank, dasz ich mich stellen darf Göthe I 8, 86
W. einem hauptsatz vorangestellt: gott sei dank, ich fange an von andern lernen und annehmen zu können Göthe I 32, 35
W.; gott sei dank, Cécile, sagte der oberst ..., gott sei dank, wir sind allein Fontane
ges. w. (1905) I 4, 234.
vornehmlich als satzparenthese im sinne von '
zum glück, erfreulicherweise': da es uns, gott sey dank! auch nicht an Homeren fehlt Lessing 8, 19, 27
L.-M.; ich finde, gott sei dank! kein deutsches wort, um perfid in seinem ganzen umfange auszudrücken Göthe I 22, 234
W. vielfach im trivialgebrauch der umgangssprache, hier und mundartlich auch ironisch: na gott sei dank!
das ist ja eine schone bescherung Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 432;
ähnlich Bruns
volksw. d. prov. Sachsen 26.
die verbale verbindung gott sei gedankt
tritt stark zurück: bei uns ist dies, gott sei gedankt, nicht der fall Claudius
w. 2, 408
Redlich; vgl. noch die burschikose abwandlung gott sei's getrommelt und gepfiffen
u. ä. Spiess
Henneberg 82;
rhein. wb. 2, 1315. I@J@1@b@a@ddδδ)
in mehrgliedriger reihung: gott sey nun lob ehr danck vnd preys Thym
Thedel v. Wallmoden v. 991
Zimmermann. die kopula gott lob und dank
in fester, aber religiös integrer formel: gott lob und danck, ir sind itzt allenthalben gar viel, die des bapsts irthum erkennen Luther 16, 251
W.; gestern als den 16 ten bin ich, gott lob und dank, ganz mutterseliger allein in einer postchaise hier angekommen Mozart
in: O. Jahn
Mozart (1856) 3, 4; gott lob und dank, er hat sich mit der einöde ausgesöhnt P. Dörfler
d. notwender (1934) 6; Fischer
schwäb. 3, 757. I@J@1@b@bβ) gott
seis geklagt als ausdruck echter klage oder starken bedauerns, schon mhd. in ähnlichen wendungen vorbereitet: daz sî dir, süezer got, gekleit Walther v.
d. Vogelweide 25, 23; nun sey es got von himel clagt
liederb. d. Hätzlerin 20
Haltaus; du weist wol wieuil secten der Hetzenhundius erzölt, darunder dein hertzlieber vatter, ey das gocks geklagt sey, mein lieber sun, gezölt wirt J. Nas
eins u. hundert 6 (1569) 16
b (
s. oben sp. 1086); so sind wir menschen, gott sei's geklagt! Holtei
erz. schr. (1861) 1, 21.
jüngerer, blosz redensartlicher gebrauch zieht im übrigen die wendung dasz gott erbarm
vor (
s. u. c). I@J@1@b@gγ)
persönlich bezogen in grüszen oder gruszähnlichen formeln, in denen ein mensch dem göttlichen schutz empfohlen wird. I@J@1@b@g@aaαα) gott
befohlen, elliptisch aus sei gott befohlen
u. ä. vgl. schon mhd.: ir sult âne sorge got bevolhen varn
Nibelungenlied 1030, 1
L. vornehmlich als abschiedsgrusz: a dio, vel stà in pace lebe wol, gott befohlen, ade Hulsius (1618) 2, 11
a; gott befohlen brüder! in einer andern welt wieder (
angesichts des todes) Schiller 1, 231
G.; und nun, mein lieber herr pastor, gott befohlen! Ina Seidel
Lennacker (1938) 610.
als schluszformel eines briefes, eines vorworts u. ä.: hiemit gott befohlen (1537) Luther
br. 8, 45
W.; vgl. 93; 113; 115; und somit gott befohlen! lasz mich bald etwas vernehmen Göthe IV 23, 200
W. in merkwürdiger variante: hiemit gott vns sämptlichen befolen (
schluszwort einer vorrede) Tabeus
Maynhincklers sack (1612)
vorr. 5. I@J@1@b@g@bbββ)
die namentlich an einen gast gerichtete begrüszungsformel (sei) (mir) gott
willkomm(en) ist frühen, von Jac. Grimm
auf heidnische wurzel zurückgeführten ursprungs. die ahd., mhd. ausgangsform bis gote unde mir wilkomen
erscheint schon mhd. mit ersparung des und.
daraus erklären sich die älternhd. formen mit doppelter dativbeziehung, bei denen fraglich sein mag, wieweit ihr ursprünglicher kopulativer sinn (
s. auch oben G 9)
noch verstanden wurde. das gilt namentlich für die zusammenrückung gottwillkommen,
die schon mhd. begegnet, älternhd. weitergreift und mundartl. obd. noch heute lebt (
s. u. gottwillkommen),
wobei dem worte gott
vielleicht nur noch verstärkende bedeutung zukommt. zur vornhd. bezeugung vgl. über die mhd. wbb. und teil 14, 2, 191; 199
hinaus Jac. Grimm
mythol. 41, 13; 3, 10; Frommann
dt. maa. 3, 345
ff.; Benecke
zu Iwein 7400; Schmeller-Fr.
bair. 1, 961.
formen mit doppeltem dativ bis ins 17.
jh.: seit mir got wilkomen Arigo
decameron 471
Keller; 210; meine herrn sind mir freundlich gott willkomen
franz. Simpl. 1, 150
bei Jac. Grimm
mythol. 43, 10.
variierend: seyt mir hieher got willig khumen!
Theuerdank 96, 83
Haltaus. daneben mit einfachem dativ: bis gott willkomm, du schöns mein lieb! Uhland
volkslieder (1881) 203.
so vereinzelt auch jünger noch: 'gott willkommen, bester herr landsmann!' rief ich aus Eichendorff
s. w. (1864) 3, 66 I@J@1@cc)
vereinzelt unpersönlich konstruiert in der klagenden oder bedauernden wendung dasz (es) gott
erbarm(e) und ihren varianten. schon früh formelhaft erstarrt, wenn auch noch in gröszerem gefüge mit abhängigem dasz-
satz: daz ich ir (
der welt) sô vil gedienet hân, daz muoze got erbarmen
Vorauer sündenklage v. 379
Waag; daz ez got erbarme daz ich ie wart geborn! Hartmann v. Aue
Iwein 4214;
Nibelungenl. 936, 1
L. die konstruktion hält sich bis ins ältere nhd.: erbarm es got das ein vngelerter, eergytiger, lusiger münch das gantz römisch reich regieren sol Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 11
ndr. zum ausruf verselbständigt, fast wie eine interjektion, aber meist am schlusz einer aussage: Walther, ich solte lieben dir, nû leide ich dir: daz müeze got erbarmen Walther v.
d. Vogelweide 24, 35.
nhd. meist in der form dasz gott erbarm(e)
mit pronominalellipse, seltener gott erbarms, gott erbarme: es ist ein gschrey (
d. i. eine nachricht), das gott erbarm! H. R. Manuel
weinspiel v. 405
ndr.; hören sie? hören sie? das wimmert vom thurm der Dominikaner. gott erbarme! wie fürchterlich! Schiller 3, 141
G. substantiviert: weh dem, der hie zugros will seyn! disz gros-seyn macht ihn dorten kleyn. in der wält reich; in jener arm, ist wol ein ewigs gott-erbarm! Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 19.
häufig ohne echten religiösen bezug, als ausdruck des widerwillens oder der (
oft komischen)
entrüstung: die stube kalt, das bier warm, das ist ein wirt, das gott erbarm Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) R 3
b; gott erbarms! wann ich gleich etwas sagte, so wäre es so viel, als wenn ich den tauben predigte Grimmelshausen
Simpl. 75
Scholte; der (
der schriftsteller Nepos) blos der phrases wegen gelesen und also zerstückt, zertrümmert, geradbrecht wird, dasz gott erbarm! Herder 5, 307
S. in euphemistischer personifizierung: nehmen kann er (
der baron) das mädel nicht — vom nehmen ist gar die rede nicht, und zu einer dasz gott erbarm? — guten morgen! (
umschreibend für '
maitresse') Schiller 3, 357
G. als parenthetische formel innerhalb eines satzganzen, älter in der form gott erbarms,
jünger dafür lieber dasz gott erbarme,
mit vollem oder leichterem gewicht: nachdem (got erbarms) ein jung khindt jm flissenden wasser todt gefundenn, ... habe ich nach dem burgermaister geschickt (1539) Luther
br. 8, 494
W.; da stüzt man kopf und arm, die baarschaft wird gezehlt und steiget (gott erbarm's!) nicht über sieben dreyer J. Chr. Günther
s. w. 3, 135, 23
Krämer; heiszt er (
der dämon) vielleicht — dasz gott erbarm! talent?
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 197.
schweizer. formal und bedeutungsmäszig variiert, s. Staub-Tobler 2, 515.
mit verbalellipse verkürzt zu dem ausruf dasz gott!
jüngeren gebrauchs: aber, dasz gott! — meine pferde, — die armen thiere stehen noch gesattelt Lessing 1, 392
L.-M.; dasz gott! was giebts schon wieder, dasz ihr mich von der arbeit abrufen laszt Lenz
ges. schr. 1, 63
Tieck. I@J@22)
in der form indikativischer kurzsätze, als aussage oder ausruf; auch hier mit neigung zur kürzung oder zusammenrückung. der bedeutung nach in beteuerndem oder verallgemeinerndem oder einschränkendem sinne. I@J@2@aa) gott
weisz, weisz gott,
s. oben C 3 a
α. I@J@2@a@aα)
formelhaftes got weiz, weiz got,
zusammengerückt gotweiz, weizgot
als starke beteuerung '
wahrlich'
ist schon frühmhd. als verbaladverb so geläufig, dasz ältere erweiterte formen, wie sie später in daz weiz got, daz got wol weiz, (nun) weisz (es) gott
u. ä. noch bis in jungen gebrauch begegnen, vorauszusetzen sind. zum vornhd. formen- und überlieferungsbestand vgl. die mhd. wbb., zur unorganischen form gote weiz, goteweiz
darüber hinaus noch Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5954
Singer; buch d. Makkab. 5634
Helm; 7569; 11 036;
md. Hiob 9884; 15224
Karsten; historien d. alden ê 1973.
nhd. (
s. auch s. v. wissen
sp. 767)
stehen seit je gott weisz
und aus vornhd. gebrauch sich fortsetzendes weisz gott
gleichberechtigt nebeneinander, während ein konjunktivisches wiss gott (
vgl. mhd. wizze got, wizze Krist)
als ähnlich beteuernde formel, vielleicht auch im sinne von '
das soll, möge gott erfahren',
sich nur bis ins frühe 17.
jh. zu erhalten scheint, vgl. (1538)
bei Luther
br. 8, 270
W.; (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 3, 762; (1619)
in: schweiz. id. 2, 511.
je nach der stellung im satzganzen als interjektion oder parenthese: gott weisz, nein! 's soll mich nichts angehn! Herder 5, 196
S.; bey allen, gott weisz nicht zu entschuldigenden sorglosigkeiten Schiller
br. 3, 315
Jonas; weisz gott! du warst ein muntres weib maler Müller
w. (1811) 1, 116; sie (
Rosa) hatte ihrem alten Unrat weisz gott die freundschaftlichsten gefühle entgegengebracht H. Mann
d. blaue engel (1950) 191.
daneben auch als volles satzgebilde: ich mein es doch furwahr nicht bös, das weisz gott Luther
br. 8, 119
W.; vgl. 117; weisz es gott, ich habe gestern nichts gehabt und heute im klub erst recht nicht Fontane
ges. w. (1905) I 5, 144.
im schwebezustand zwischen α und β: wenn ich nicht schon hundertmal auf dem puncte gestanden bin, ihr um den hals zu fallen! weisz der grosze gott, wie einem das thut, so viele liebenswürdigkeit vor einem herumkreuzen zu sehen und nicht zugreifen zu dürfen Göthe I 19, 127, 13
W. I@J@2@a@bβ)
erst seit dem älteren nhd. umschreiben die gleichen formeln in der verbindung mit abhängigem fragesatz oder fragewort die tatsache, dasz etwas ungewisz oder unbestimmt ist, also der göttlichen allwissenheit überlassen bleiben musz, vgl. schon: daz weiz got, ich weiz sîn nicht Nicolaus v. Jeroschin
chron. v. Pruzinlant 10852
Strehlke; (
der pfründenjäger läuft) wie ein lantfarer von einem jarmarkt zuo dem andern, dasz er verdiene das corpus der pfründen, got weisz wol wie es verdienet wirt
bei Schade
sat. u. pasqu. 3, 63, 7; sie (
die verliebten) kamen zusammen und gott weisz, ob er sie nicht besser zu unterhalten wuszte; genug, er erzählt ihr den spasz Göthe I 25, 175
W.; ich leb, gott weiss, wie lang Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) D 6
a; mit dem ding an der fensterwand oder gott weisz wo O. Ludwig
ges. schr. 2, 313
Schm.-St.; er schwirrt herum, weisz gott auf welcher hecke seine nahrung zu suchen Göthe I 8, 84, 11
W.; sie hätten nun beim besten willen um nichts gefragt werden können, weil das berberische volk um sie her weisz gott welche idiome sprach P. Dörfler
Peter Farde (1929) 28.
die wendung gleitet aus der umschreibung des ungewissen nicht selten in die eines (
unbestimmbar)
hohen grades hinüber: nun habe ich alles ohne plan durcheinander gemacht und, wenn recht fremdartiges dazwischen lag, gemeint, gott weisz wie neu zu sein A. v. Droste-Hülshoff
br. 246
Theo Schücking; du hast gemeint, weiss gott, was das für ein enormer witz ist Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 283.
elliptisch in verkappter frage, zugleich mit dem beteuernden sinn von α: die worte waren, weisz gott, vielleicht in einem anflug von herausforderndem zynismus ... über seine lippen gerutscht O.
M. Graf
unruhe (1948) 258. I@J@2@bb)
in der beteuerungsformel so wahr gott
lebt für so wahr es ist, dasz gott lebt: Joab sprach, so war gott lebt, hettestu heute morgen so gesagt, das volck hette ein jglicher von seinem bruder abgelassen
2. Sam. 2, 27; meine zweitausend gulden, die sie mir schuldig sind, so wahr gott lebt
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 89.
variiert: er wird es freylich läugnen, aber deszwegen ist es doch so wahr als gott im himmel ist Mozart
in: O. Jahn
Mozart (1856) 3, 20. I@J@2@cc)
als offener oder verhüllter konditionalsatz in formelhaft geprägten, parenthetisch eingeschobenen oder bis zu adverbialer funktion verkürzten sätzen, die auf das wollen und gefallen gottes anspielen, im anschlusz an C 3 a
β,
γ. I@J@2@c@aα)
in verbindung mit wollen:
ob, wenn, so gott will, wills gott
u. ä. I@J@2@c@a@aaαα)
im sinne eines vorbehaltes die ausführung eines vorsatzes oder das eintreffen eines ereignisses der göttlichen zulassung anheimstellend; mit vollem gewicht oder bis zur religiös entleerten bedeutung '
hoffentlich', '
vielleicht'
abgeschwächt. am frühesten in der form ob gott will: er (
der teufel) was des leider ane mir gewis, des aver, obe got wil, nie nist, daz er mich in der hant hæte
Vorauer sündenklage v. 596
Waag; dâ von sol sich mîn senediu nôt, ob got wil, unz an mînen tôt nimmer volenden Hartmann v. Aue
Iwein 1812; 2382; denn sie werden, ob gott will, den groszen narren nach den kleinen auch heraus schutten Luther
br. 8, 38
W.; 118; 127. '
hoffentlich': die dritte stund am tag, zu welcher zeit, ob gott will, trunken funden werde noch niemand (1650)
in: schweiz. id. 2, 516.
daneben und dafür wenn gott will, so gott will: ich wil lenger leben wenn gott wil Eyering
proverb. copia (1601) 2, 577; und hoffe nun mit meinen fabrikaten noch einige jahre so fortzufahren, auch die versesachen zu purifizieren und neu zu sammeln
u. dgl. so gott will, wie der mucker sagt (1873) G. Keller
br. u. tageb. 3, 75
Erm. vereinzelt auch wo gott will: einige (
einzelhölzer im gefolge eines floszes) kommen auch hinab wo gott will, andere werden im wirbel umgetrieben, andere interimistisch auf kies und sandbank aufgeschoben Göthe IV 29, 89
W. vereinzelt konjunktivisch: am besten aber läge doch dieser band auf dem clavier des liebhabers oder meisters der tonkunst, um ... ihnen schickliche weisen anzuschmiegen, oder wenn gott wollte, neue bedeutende melodien durch sie hervorzulocken Göthe I 40, 338
W. mundartlich auch mit verbalellipse: so gott (will) kam ik to em!
dies so gott ...
oft als leere füllfloskel, und hinten an einen redesatz geflickt: ik mag der nix vun weeten, so gott! Schütze
holst. 2, 56.
vor allem in der kurzform wills gott,
häufig in parenthetischer verwendung: als ir wils got vernämen wert Arigo
decameron 272
Keller; 39; ich mus aller ding das künfftig fest zu Jerusalem halten, wils gott, so wil ich zu euch komen
apostelg. 18, 21; ihr werdet, wills gott, bald gar catholisch werden Grimmelshausen 2, 359
Keller; prinz Constantin ist endlich angelangt, ein brief serenissimi wird ew. excell. von dessen neusten, und wills gott letzten verirrungen unterrichtet haben Göthe IV 30, 28
W. '
vielleicht, hoffentlich': taub sind die herrn — wills gott, sind sie nicht blind Gaudy
s. w. (1844) 2, 10.
älternhd. auch mit pronominalellipse wil gott: denn ir gnad (ihro gnaden) wil got, kein mangel sol haben Luther
br. 8, 127
W.; Uhland
volksl. (1881) 476. I@J@2@c@a@bbββ)
die gleichen formeln auf schweizer. boden in historischem und jung mundartlichem gebrauch auch im sinne von '
wahrlich, gewisz, ja doch wohl',
wohl als beteuerung mit vorbehalt: ich bin gehorsam gesyn und (
hab) mym gebot an selbem ort, an gott will, g'nuog ton (1525)
in: schweiz. id. 2, 516; er vermöge das nicht, und es sei, ob gott wolle, genug, dass er die schöne sache, die er gehabt, beinahe bis auf den letzten heller durchgebracht Pestalozzi
ebda mit weiteren belegen. zu schweizer. gott-well, gott-will
mit zahlreichen verstümmelungen wie gottel, gottli, goppel
u. ä. und mehreren bedeutungsnuancen vgl. schweiz. id. 2, 515
und PBB 14, 408,
dazu: su wirst öppe, so gottel, nie mangel leiden Gotthelf
s. w. 6, 140
Hunziker-Bl. I@J@2@c@bβ)
in synonymen wendungen schon mhd.: und (
ihr) mugt ein alsô biderben man wol gwinnen, obes iu got gan Hartmann v. Aue
Iwein 1928; ob ir gebietet, rîters tât sol ich hie leisten, ruochets got Wolfram v. Eschenbach
Parzival 558, 5; 660, 21.
nhd. durchgehend geliebts gott
u. ä.: dan so es gott gelibet, mocht jr jn kurtzs noch woll ehrlich vnd reichlich vergeben werden Warbeck
schöne Magelone 14
Bolte; 'geliebts gott' (1575)
bei Fischer
schwäb. 3, 292; ein mehres, geliebts gott, wird folgen (1644)
urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 1, 882
Erdmannsdörffer; 178; 4, 232; ein dutzend disticha sind ihm schon gewidmet, welche künftigen mittewoch, geliebt es gott, anlangen werden Göthe IV 11, 18
W.; Grillparzer
s. w. 9, 214
Sauer. I@J@33)
die vokativische anrede gottes,
mit oder ohne zusatz, entfaltet im formelgebrauch vom ernsthaften anruf bis hin zur gedankenlos oberflächlichen floskel und bloszen stilunart eine fülle von zwischentönen. die gebrauchsweisen b-e
begegnen mit und ohne interjektionen. I@J@3@aa)
blosz mit interjektion. I@J@3@a@aα)
ach gott
vornehmlich zum ausdruck des schmerzes, der klage: ach got, und west si mein gedank, wenn ich vor ir senlichen krank Oswald v. Wolkenstein 1, 13
Schatz; ach gott! ich klag dir meine not, ich bin verwundt bisz in den tot Uhland
volkslieder (1881) 77;
vgl. 98; 99
u. o.; klagte sie ihr anliegen ihr selbsten mit einem grossen scheufftzen. ach gott, sagte sie Grimmelshausen 2, 341
Keller; ach gott! rief sie, voll wehmüthigen mitleidens, aus Heinse
s. w. 6, 49
Sch. sonst jünger meist im flach redensartlichen gebrauch der umgangssprache und ohne gewicht als ausdruck der resignation, der abwehr, des ärgers o. ä. I@J@3@a@bβ) o gott.
α gegenüber mehr zum ausdruck starker gefühlserregung, des schmerzes, der verzweiflung, aber auch der freude, der beseligung u. ä.: o gott! der thorheit aller hochgelehrten! Moscherosch
gesichte (1642) 252; o gott! es muszte ja ein todesbote für mich seyn, jedes lächeln ihres heiligen friedens Hölderlin
s. w. 2, 63
Hell.; o gott, wie drang ein wonnestrahl durchs herz mir! Göthe I 37, 32
W.; o gott! wie bin ich glücklich! ... Tieck
schr. (1828) 1, 64. I@J@3@bb)
mit possessivpronomen mein gott! (
vgl. oben E 2).
als ausruf des schreckens, der bestürzung: 'o mein gott, was habe jch gethan! hette jch die ringe ligen lassen ann jrem orthe, do sie woll vnd sicher lagen!' Warbeck
schöne Magelone 42
Bolte; mein gott, wie ist die zeit entronnen! J. Chr. Günther
s. w. 2, 115, 15
Krämer; mein gott, was ist ... was ist ...? Fritz Reuter
w. 2, 160
Seelmann. anders als ärgerlicher, gereizter ausruf: mein gott! ist denn ausser unserer evangelischlutherischen kirche kein schatten von wahrheit zu finden?
allg. dt. bibl. (1765) 1, 1, 215;
vgl. umgangssprachliches mein gott nochmal!
vereinzelt älter in der form der gott! ey der gott! (1641)
bei Crecelius
oberhess. 431.
die zu bloszem mein!
verkürzte formel bei Moscherosch
gesichte (1650) 2, 818. I@J@3@cc)
häufig mit adjektivischem attribut verbunden, an C 2
angelehnt, in den ausrufen (ach, o) (du, mein) lieber gott! guter gott! gerechter gott! allmächtiger gott! groszer gott!
u. ä., von verschiedenartigen seelischen voraussetzungen aus, die sich aber in der wahl des epithetons nicht sondern. als bloszer ausruf: rîcher got, wie wir nâch êren dô rungen! Walther v.
d. Vogelweide 85, 29; grechter gott, in was vor zeiten geräth nicht unser lebenslauf! J. Chr. Günther
s. w. 2, 103, 1
Krämer; guter gott! es waren seelige tage Hölderlin
s. w. 2, 312
Hell.; vgl. 338.
in der klage: ach lieber gott, wie mach ichs doch, dasz nit mein mutter mich so poch Fischart
w. 2, 48
Hauffen; wie (
soll ich) die würmchen ernähren, wenn sie ihre mäulchen aufsperren ... oh! du lieber gott! oh! maler Müller
w. (1811) 1, 116.
als schreckensruf: (
marketenderin:) eine verschwörung? du lieber gott! da können die herren ja nicht mehr zahlen Schiller 12, 48
G.; was seh ich, schrie er, grosser gott! Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 59; in dem aufzug vor seine durchleucht! gott der gerechte! ('
unmöglich') Schiller 3, 379
G. als ausruf der überraschung: 'ei, du mein lieber gott, das ist ja die selige mamsell tante!' erwiderte die alte, indem ihr die thränen aus den augen stürzten E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 111
Griseb. zurückweisend, ablehnend, einschränkend, in der verwahrung gegen ein ansinnen u. ä.: du lieber gott, da könnte ich ja auch mit dem ganzen service in die georginen hinunterspringen H. W. Seidel
Krüsemann (1935) 209; ob ich erlaube, frägt sie? — guter gott! soll ich erlauben? und hab nie verwehrt! Grillparzer
s. w. 6, 156
Sauer; groszer gott, wer kann 'empfehlen' richtig schreiben? die ganz jungen komtessen nicht immer und die ganz alten nie Fontane
ges. w. (1905) I 5, 155. I@J@3@dd)
in der verbindung herr gott (
s. oben A 6 a)
als kräftiger ausruf des erstaunens oder ärgers, schon mhd.: nû herre got, waz moht ich daz ir an im missegie? (
was kann ich dazu, dasz ...) Hartmann v. Aue
Iwein 4058; Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelot 905; herr gott, herr gott! sagte darauf der alte, ist dann dieser handel noch nicht ausgemacht? Grimmelshausen 2, 355
Keller; vgl. 353; herr gott, wat was de mann in korte tid olt worden Fritz Reuter
w. 2, 78
Seelmann; vgl. 203.
umgangssprachlich zum fluchartigen kraftwort abgesunken: herr gott nochmal!
u. ä., vgl. in kopulativer form: du gingst wohl durch den schloszhof? herr und gott! es kann dein tod sein, schneidend weht die luft Grillparzer
s. w. 6, 183
Sauer. I@J@3@ee) gott
vom, im himmel! (
s. oben A 7 b),
klagend, erschreckt, erregt, beteuernd oder als bloszes kraftwort: owê got von himele, daz mihs niht wendet der tôt
Nibelungenlied 2090, 4
L.; aber der arbeit halb das man nit missig gon gestatten sol, sie seien geistlich oder weltlich, ach got vom himmel das es geschehe Murner
kl. schr. 2, 110
Pfeiffer-Belli; gott im himmel! so ein mädchen! (
in höchster anerkennung) Hölderlin
s. w. 1, 195
Hell.; vgl. 206; sie sind aso gutt wie a engel, frau leutnant! gott im himmel: sie sein viel zu gutt mit mir! Gerhart Hauptmann
d. ges. werk (1942) 4, 226. I@J@3@ff)
als bloszer, zusatzloser ausruf gott,
parenthetisch oder an der spitze eines satzes, in vielen bedeutungsschattierungen als beteuernde oder bekräftigende berufung, soviel wie bei gott (
s. u. 4 b),
vgl. schon: uuer got habet kegeben solicha ringun zuein uuaren? (
o deus quis statuit tanta bella duobus veris?) Notker 1, 323, 7
P.; darauff hat der von Landen gesagt: 'ich wolt, got, die sach befind sich also, es ist aber anderst' (
Augsburg 1534)
städtechron. 23, 395.
sonst jünger: gott! was erlitten wir nicht da! (
auf der flucht) ... Schiller 13, 344
G. als notruf: die wilden verzweiflungen, wo der mensch sich in die haare fährt und 'gott! gott! gott! ists denn möglich!' oder dergleichen dumme redensarten ausstöszt, hatte er hinter sich Gutzkow
zauberer (1858) 1, 7.
neben einer aussage mit verächtlichem unterton: aber gott, wenn das kritik, theater, illusion seyn soll — was wäre denn kritik? illusion? theater? was bedeuteten alle die leeren wörter Herder 5, 229
S. einschränkend: und nu gar erst die Lene selber. jott, ein engel is sie woll grade auch nich Fontane
ges. w. (1905) I 5, 120;
vgl. 129.
ärgerlich: die klinke ist zerbrochen. gott, schlaf doch! A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 266.
als blosze floskel soviel wie '
ach'
oder '
na ja'
oder auch ohne sinn, vgl. den ungeheuer verbreiteten gebrauch im jargon der umgangssprache: gott, sie sind immer so gut, frau Dörr Fontane
ges. w. (1905) I 5, 129; gott — wie man eben jemand kennen lernt! Schnitzler
Anatol (1901) 56; ach, als ich dich zum ersten mal sah! einen weiszen anzug hattest du
an. und so kalt! so höhnisch! ich haszte dich fast. aber innerlich war ich verliebt in dich. gott! ich bin ja immer in dich verliebt gewesen Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 159.
mundartlich und umgangssprachlich sind entstellende doppel- und tripelformen wie chottechott Kück
Lüneburg 595; gittigitt (
als ausruf des ekels)
ebda; goddergoddergott
rhein. wb. 2, 1315. I@J@44)
auch präpositionale bindungen des wortes (
s. oben F)
festigen sich zu selbständigen formeln mit verschiedenen bedeutungsfunktionen. I@J@4@aa)
durch, um gott,
um gottes
willen und variierende wendungen (
zur zeitlichen folge dieser formen s. oben F 6). I@J@4@a@aα)
als verstärkung beschwörend bittender rede, aber oft ohne gefühlte religiöse beziehung. in der bindung an imperative: durch got sitzent stille (
in einer gefährlichen situation) Hartmann v. Aue
Iwein 1498;
vgl. 1987; 5461; und gloub durch gott nit yedem windt Murner
narrenbeschwörung 427, 36
Spanier; nun sagt, um gott, meine mägde werth, was klirrt in der finsternisz? Strachwitz
ged. (1850) 246; um gottes willen, theuerster Anselmo, mäszige dich itzt ...! Gerstenberg
Ugolino 255
H. in gleichem sinne, aber aus der verbalen verbindung gelöst, parenthetisch oder als ausruf. die ersparung des imperativen verbums ist meist noch fühlbar: sî sprach 'durch got, wer ist der man den dû mir gester lobtest? Hartmann v. Aue
Iwein 2084;
vgl. 2120; 2211; 2260; 4436; um gottes willen, fährmann, euren kahn Schiller 14, 274
G.; nur schnell, um gottes willen, schnell (1826) Beethoven
s. br. 5, 247
Kalischer. auch zusammengeschrieben: nicht so laut, um gotteswillen nicht so laut W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 9. I@J@4@a@bβ)
stärker verselbständigt zum ausruf des erschreckens oder der heftigen abwehr: er sprach 'wer sît ir, herre?' 'ich bin ez Îwein'. 'nû durch got'. 'herre, ich bin ez sunder spot'. Hartmann v. Aue
Iwein 2611;
vgl. 7671; um gottes willen! rief er aus, was ist das? Göthe I 23, 151
W.; 'ich habe einen umgebracht' ... der wachtmeister griff hinter sich nach der tischkante — 'umgebracht? ... wen denn, um gottes willen, wen willst du umgebracht haben?' Waggerl
mütter (1935) 248; 'um gott nicht', sagte sie erschrocken, '... wir wollen ihn (
diesen augenblick) auch nicht vergessen' Stifter
s. w. 1 (1904) 30.
variierend. vereinzelt: ich sage, wenn ich mir dies jetzt deutlicher entwickle; so um des gottes willen! denke ich an keine allgemeinregeln Herder 3, 360
S.; um gottes barmherzigkeit! da ist er H. L. Wagner
d. wohlthätige unbekannte (1775) 25.
mundartlich in erweiterten oder verdoppelten formeln, s. Fischer
schwäb. 3, 758; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 246
a. I@J@4@bb)
bei gott,
vereinzelt auf, zu gott,
als beteuerungsformel '
wahrlich, wahrhaftig',
aus den zu D 2 b
κ gehörigen verbalen schwurformeln verkürzt. im 16.
und 17.
jh. sind verhüllende euphemismen wie bei goll, bei göll, bei golle, gölle, gölli, göli, götzle, götzli
literarisch verbreitet, die mundartlich obd., z. t. in zusammenrückungen und weiterbildungen wie bî gosch, bî goscht, bî gopp, bî goch
u. ä. fortleben (
s. die wbb.);
singulär, aber kaum im zusammenhang mit den obigen formen, sondern wohl als echte wortvertauschung begegnet ein bey golde
für bei gott Rinckhart
christl. ritter 61
ndr.: be gotta (10.
jh.)
ahd. gl. 5, 518, 16
St.-S.; be gott
ebda 520, 6,
beide als beteuerung; geviel ir niht mîn zeswiu hant, ich slüeg si ab bî got zehant Ulrich v. Lichtenstein 27, 18
L.; pey got wilt du nit so must du Arigo
decameron 88
Keller; ich weisz es, vnd bey göly, deshalben verzeihe ich dir yetz dester mer Boltz
Terenz (1544) 72;
vgl. 137
b; 152
a; ja bei golle, antwort Gargantua Fischart
Garg. 212
ndr.; ich kerete mich vmb, zu sehen wer mir ruffet, sihe so ist es Theagenes. da sprach ich: ich habe dich bey göle nicht gesehen
buch d. liebe (1587) 195, 1; unsers nachbarn Michelein, das musz bei gölle werden mein! (1618) Hoffmann v. Fallersleben
gesellschaftslieder (1860) 2, 108; der handel ist bei götzle, wie du gsagt hast Boltz
Terenz (1539) 14
b; bei götzli
ebda 113
a; Nathan! Nathan! ihr seyd ein christ! — bey gott, ihr seyd ein christ! ein bessrer christ war nie Lessing 3, 139
L.-M.; ha, bei gott! es soll kein prahler trotzig vor mich hin sich stellen Grillparzer
s. w. 7, 120
Sauer. auch mit verstärkung durch ein adjektivisches attribut: der pfaff sagt: beim lebendigen got (also war sein schwur)! gnediger herr, ich waisz nit, wo er ist
Zimmer. chron. 23, 71, 22
Barack; vgl. 72, 24; 2, 309, 22; nein, beim groszen gott! ich kann das nicht aushalten Schiller 3, 405
G. vereinzelt in gleichem sinne in anderer präpositionalverbindung: uff myn gOellen red ich das, nie kein man so gemlich was Murner
narrenbeschwörung 217, 57
Spanier; nun sollen uns die diebe zu gott nicht entgehen, antwortete der gnädige kurfürst Alexis
Roland (1840) 2, 159.
nur mundartlich: ech weiss für gott net, we dat gedohn hät!
rhein. wb. 2, 1315, 10. I@J@4@cc)
mit gott '
mit gottes hilfe',
formelhaft gekürzt und verselbständigt aus dem an verben gebundenen gebrauch F 1: nun, mit gott! wir wollens wagen Körner
w. 1, 127
Hempel; vollzählig kehren euch, mit gott, die sommergäste (
zurück) (
die zugvögel) Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 12.
mundartlich auch anders: med gode! '
ganz gewisz! und ob'
! eine beteuerung, durch welche die erklärung eines andern zurückgewiesen wird Woeste
westf. 82.
schon alt als kaufmännischer wahlspruch in handlungsbüchern, vgl. 'mit gott!
laus deo (
semper),
im 15.
jh. aus Italien übernomm ne formel, mit der im 15.-17.
jh. alle bücher, briefe, wechsel usw. beginnen ... noch heute mit gott ...
in den meisten handlungsbüchern' A. Schirmer
wb. d. dt. kaufm.-sprache (1911) 118: Sabine ... legte zwei bücher ... auf das pult ... 'kommen sie doch, sehen sie mein soll und haben an'. sie öffnete das erste buch. unter kunstvollen schnörkeln standen die worte: 'mit gott'. 'geheimbuch von T. O. Schröter' G. Freytag
ges. w. 5 (1887) 402. I@J@55)
substantivische verbindungen mit dem genitiv gottes
dienen, meist zum ausruf verselbständigt, als verwünschungen und flüche. im späten mittelalter aufkommend, sind sie in der grobianischen redeweise des älteren nhd. auch literarisch sehr verbreitet und so weithin mundartlich erhalten geblieben. analoge, aber meist gemilderte bildungen begegnen literarisch wieder im 19.
jh. die wurzel des gebrauchs liegt in der bei schwüren oder beteuerungen üblichen berufung auf gott (
s. oben D 2 b
κ; J 1 a
δ ζζ),
die hier auf göttliche dinge, insbesondere auf die passion und die körperlichen merkmale Christi ausgedehnt werden. bezeichnend ist die frühe lösung aus dem bereich der eigentlichen schwurformeln und der übergang in beteuernde verwünschungsformeln, die z. t. noch in verbaler bindung begegnen, vorwiegend aber sich zum elliptisch gebrauchten fluch und kraftwort verselbständigen (
vgl. s. v. schwören
sp. 2735
den frühen übergang zur bedeutung '
fluchen').
hierher gehörige bildungen wuchern im 16.
jh. nach allen seiten, wobei vielfach an stelle von gotz, gotts (
meist so statt gottes)
euphemistische entstellungen treten, besonders potz, botz (
s. teil 1, 279; 2039),
dann kotz, getz, götz, gox, box, bost, bott, hotz
u. a., s. die einschlägigen groszen mundartwbb. und teil 1, 202; 203; 281; 5, 1900
sowie Jac. Grimm
mythol. 41, 13; 3, 9. I@J@5@aa)
die wendungen bei gottes allmacht, gliedern, wunden, martern
usw. schwören
zielen durchweg auf verwünschungen: niemand soll bei gottes (
d. i. Christi) gliedern, als da sind haupt, hirn, fleisch, bauch, blut, kraft, macht, wunden, schweisz
u. dgl. wörter, wodurch gott bestimmt wird, schwören (15.
jh.)
in: schweiz. id. 1, 1221;
vgl. 2, 519
f.; bey denn hayligen glüdern gottes ... ellendt, tauff, fnf wunden ... schweren (1616)
bei Fischer
schwäb. 6, 971. I@J@5@bb)
in noch vollständigen verwünschungs- und fluchformeln des 15. und 16. jhs., z. b.: dass uch gotz marter uff ain hauffen schänd! (1429)
bei Fischer
schwäb. 4, 1496; eya das dich getz unfal schend
trag. Joannis (1549) K 2; pfaff, das dich botz schweisz schende
Zimmer. chron. 22, 308
Barack; vgl. 3, 123; so helf mir gotts grind! (1411)
in: schweiz. id. 2, 762.
letztere formel meist schon mit verbalellipse, s. dazu auch oben 1 a
δ ζζ u. die dortigen verweise: summer gottes marter (1429)
bei Fischer
schwäb. 4, 1496; samer gotts oder botts macht, liden, wunden, marter (1526), sommer potz fünf wunden (1538, 1572), samer botz bluots (1521), samer botz kraft (1525)
u a. in: schweiz. id. 4, 1996.
in einer sonst zu 4 b
gehörenden euphemistischen verhüllung: mutter! mir liebt der jeger, ich wil zuo jm dahinn. samer gölle vnd weger! (
fürwahr!) er leyt mir in dem sinn
ein newes lied von einem jeger, fliegendes blatt anf. d. 16. jhs.; Gotfridt Wernher, du hochgelobter fürst, du bist, botz schweisz! ain leckerschman, sommer gele! du bist ein fuchs
Zimmer. chron. 22, 309
Barack; vgl. 302. I@J@5@cc)
im 15.
und besonders im 16.
jh. auch als bloszer elliptischer ausruf der verwünschung oder derben beteuerung, als fluch- oder kraftwort, und so auch in der jüngeren mundart allenthalben: der fürst ... lachet und sagt also mit einer kurtzen, schnellen red und einem gewonlichen sprichwort: 'gots hingender gans, das soll sein'
Georg v. Ehingens reisen 9
lit. ver.; wellicher ... schwOerdt, fluocht oder sagt ... gots leichnam, marter, wunden, onmacht, pluot, creütz ... gots feltin, kürin, oder ander gottes heiligen, und doch in demselben das wOertlin botz oder gotts nent, gleicher gestalt, gots oder botz sacrament, tauff ... der yegklicher, soll von einem yeden fluoch ... ein pfenning geben
d. fürstenthumbs Wirtemberg newe landsordn. (1586) A 4
a; Murner
v. d. gr. Lutherischen narren 165, 1806
Merker; botz marter, vnnd gotts leyden Nas
d. antipap. eins u. hundert 1 (1567) 188
b; gots knopf (
kopf), las dem wirt sein ru!
fastnachtsp. 567
Keller; was? sol ich euch thun rechenschafft? warumb auch jhr nicht mir? botz krafft Hayneccius
Hans Pfriem 63
ndr. in archaiisierender nachahmung: 'bei der durchlöcherten seite gottes', heulte sie, 'der arme herr ... ist kein anderer als der sohn des comes' C.
F. Meyer
s. w. 3, 369
Knaur; vgl. 4, 137.
im 19.
jh. neu aufkommender literarischer gebrauch zeigt formal analoge, in der wortwahl mildere verbindungen, in denen übrigens der genitiv gottes
auch als blosze verstärkung neben dem beziehungswort aufgefaszt werden könnte (
s. oben H): am land hat man mich gleich erkannt, das war ein lärm, gott's wunder! Eichendorff
s. w. (1864) 1, 249;
vgl. 4, 484; warum nicht? gottes feu'r! warum nicht! Grillparzer
s. w. 6, 29
Sauer; gott's blitz, seht, weisz der kerl wohl selbst, ob er — H. v. Kleist
w. 1, 405
E. Schmidt; sie sollen, müssen! müssen, gottes donner! Grillparzer
s. w. 6, 29
Sauer; vgl. 9, 145; eben schickte die Schillerstiftung eine quittung über 500 mark. und dein brief ... meldet von 1000 mark. gottes tod! es war aber auch zeit (1921) Lersch
br. u. ged. (1939) 69; gotts tannenbaum! Heer
könig d. Bernina (1904) 11. I@J@66)
formal gesondertes. I@J@6@aa) die wendung
in gottes
namen (
nicht in umgekehrter folge, doch s. u. den Frisius
-beleg),
deren ernsthafte und vollgewichtige anwendung unter E 3 a
γ verschiedene bindungen einging, begegnet seit dem 17.
jh. in inhaltlich abgeschwächter formel als ausdruck der bedauernden oder ärgerlichen resignation, einer schickung in etwas unvermeidliches, aber unerwünschtes, verstärkend für '
meinetwegen'.
schon das 16.
jh. kennt einen vorbereitenden gebrauch im sinne einer konzedierenden formel: age age, consentientis siue permittentis wolan, wolan, ich lasz es seyn, im nammen gottes Frisius
dict. (1556) 61
b; nit das ich die meszs wOell wider auffrichten, sondern lasz sie liggen in gottes nammen, der glaüb wil nit gefangen noch gebunden seyn Luther 10, 3, 17, 3
W. dann mit entschiedener wendung ins formelhafte, abgeschwächte, besonders den ernsthaften gebrauch eines abschiedswunsches für die reise u. ä. parodierend; vereinzelt scheint ein ähnlicher gebrauch in der zusammengerückten form an gotznamen
schon wesentlich früher bezeugt, wenn hier nicht noch ernsthafter gebrauch vorliegt: vnd ist er (
der verwalter eines meierhofes) daruffe vnnutzz, so sol man in da von an gotznamen schicken (1408-17) Reyscher
altwürtt. statutarrechte 37; ey dan dich troll, rieff ich im groll, fahr hin in gottes nahmen Spee
trutznachtigall 14
ndr.; so geh in gottes namen; deins gleichen giebts noch mehr! Herder 25, 133
S.; ich will also einige wochen noch dem treiben der welt zusehen, dann aber, wenn sich keine entschiedene vaterländische aussicht eröffnet, in gottes namen in die Schweiz gehen Dahlmann in:
briefw. zw. Jac. u. W. Grimm ... (1885) 1, 406;
rhein. wb. 2, 1320.
und sonst: schüttelt sie den kopf (
weist sie ihre werbung zurück) — noch beszer — in gottes namen wolt ich sagen — so steken sie den korb ein Schiller 3, 364
G.; (
ich) gab dem verwalter anheim, lieber den leuten einen monat frist zu lassen oder ihnen in gottes namen einen teil der schuldigen summe zu erlassen R. Huch
triumphgasse (1902) 5.
nuanciert. zum ausdruck des bedauerns, soviel wie leider gottes (
s. u.b): aber, junker! man musz, man musz in gottes namen die reine höhe des menschlichen herzens beym armen verlassenen und elenden suchen Pestalozzi
s. w. (1927) 5, 218, 26
Buchenau-Spr. als ausruf der beteuerung oder verwunderung: es ist in gottes namen unbegreiflich, wie ein vernünftiger mann andere so öffentlich widerlegen darf
br. an und von Merck (1838) 2, 269; Fischer
schwäb. 3, 757. I@J@6@bb)
die formal schwer erklärbare verbindung des alten komparativadverbs leider
mit dem gen. gottes
in der bedauernd resignierenden formel leider gottes,
ohne fühlbar religiösen ton, ist seit der mitte des 17.
jhs. nachweisbar (
ein herleitungsversuch aus leiden gottes [
s. ob. 5 c]
in: zs. f. dt. alt. 30, 417
f.): ji seit ja wol, dat ik leider goddes ein bur bin Schottel
friedenssieg 45
ndr.; leider gottes
proh dolor Stieler
stammb. (1691) 1135; und, leider gotts! vor fremden thüren betteln musz Hölty
ged. 38
Halm; obwohl ich doch, leider gottes, keinen anlasz habe, mit dir zufrieden zu sein Rilke
ges. w. (1927) 6, 126;
bair. auch als laider gott! Schmeller-Fr. 1, 1437. I@J@6@cc)
die seit der mitte des 18.
jhs. belegbare gruszformel gott
zum grusz(e) entspricht den verbalen wendungen oben 1 a
β: gott zum gruesz! Schwabe
tintenfäszl (1745) a 3
a; 'gott zum grusze, herr schwiegervater', hatte Robert dem schmiede zugerufen Stifter
s. w. 2 (1908) 47;
weitere bezeugungen sieh s. v. grusz,
teil 4, 1, 6, 993. I@J@6@dd)
gelegentlich dringt aus obd. mundart die in ihrem ursprung nicht recht durchsichtige formel gott
versprich in literarischen gebrauch ein. so im beteuernden sinne von '
natürlich': müller, einmal laszt mich etwas gelten ... ich hol den doktor gegen die bösen weiber ... gott versprich, ihr wiszt ja P. Dörfler
tör. jungfrau (1930) 63.
daneben als formel einfacher erklärung, soviel wie '
das heiszt', '
sozusagen': und dann heizst es: 'der Konrad musz ans messer, gott versprich, an die schule!'
ebda 77.
hierher auch ein vereinzelter beleg bei Murner: und (
sie) setzt sich an ein ort allein, als gott er spreche: 'sichst mich nit, wie ich so schon zuo kirchen trit?'
narrenbeschwörung 283, 63
Spanier. in obd. maa. weit, aber meist in zusammenrückungen verbreitete und formal vielfach variierte wendung, die sich analog auch mit anderem zweiten bestandteil verbindet, s. im übrigen unter gottversprich,
vgl. auch gottigkeit. IIII.
neben die im biblisch-christlichen offenbarungsglauben wurzelnde, deutlich ausgeprägte vorstellung gottes
tritt, spürbar seit dem 18.
jh., und namentlich unter dem einflusz der aufklärung, ein gottesbegriff, der gegen denjenigen der christlichen tradition mehr oder weniger abzugrenzen und zu verselbständigen ist. sowenig eine scharfe sonderung beider vorstellungen für viele einzelfälle des wortgebrauchs möglich oder nach grad und stufung zu bestimmen ist, so zeichnet sie sich im ganzen des sprachgebrauchs doch deutlich genug ab: im hervortreten einer philosophisch-spekulativen betrachtungsweise, als dogmatisch unbestimmte, unverbindliche oder subjektive fassung des begriffs oder als entpersönlichung der gottesvorstellung. wie diese wandlung negativ im fehlen der vielen zu I
gehörigen verbindungen, sprachläufigen wendungen und formeln spürbar wird, so müszte sie positiv in der hier nicht nachweisbaren tatsache zum ausdruck kommen, dasz dogmatisch unbelastete ersatzwörter für die in gewissem grade rückläufige vokabel gott
wie gottheit, himmel, verhängnis, vorsehung, schicksal
u. a. hervortreten. II@11) gott
begrifflich als objekt menschlicher spekulation, als gegenstand menschlichen denkens, vor allem im philosophischen bereich und auszerhalb des strengen offenbarungsglaubens. früher gebrauch dieser art ist als umformung spätantiker philosophischer terminologie in den sprachgebrauch christlicher dogmatik noch nicht hierher zu rechnen, vgl. etwa: uuanda got ist bonum, er ist finis, also er ouh principium ist Notker 1, 46, 31
P.; ze der anschouwunge des obersten guotes, daz got selber ist meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 382, 31
Pf. später steht hinter solchen oder ähnlichen formulierungen nicht mehr oder doch nicht notwendig der biblisch-christliche gottesbegriff: solcher aller erster anfang und ursach aller ursachen wird gott genennet J. J. Becher
psychosophie (
31707) 313; unter denen dingen, die möglich sind, musz eines nothwendig selbständig seyn, denn sonst wäre etwas möglich, davon man keine raison geben könnte, warum es ist ... das selbständige wesen nennen wir gott Chr. Wolff
vernünft. ged. v. d. menschl. verstand (1713) 3; es giebt eine kalte, metaphysische (
art zu denken), die gott beynahe nur als ein objekt einer wissenschaft ansieht und eben so unbewegt über ihn philosophiert, als wenn sie die begriffe der zeit oder des raums entwickelte Klopstock
s. w. (1823) 11, 210; ihm schwebt eine art natürlicher religion vor, wobei jedoch gott als urquell des schönen ... erscheint Göthe I 46, 61
W. in diesem zusammenhang gedanke, begriff, idee gottes: der gedanke eines heiligen gottes, den kein freigeist aus seinem herzen vertilgen kann Gellert
s. schr. (1769) 6, 85; die furcht (
hat) ... zuerst götter, aber die vernunft ... zuerst den begriff von gott ... hervorbringen können Kant
w. 7, 331
Hart.; vgl. 4, 247; die idee gottes als des alles prädestinierenden wesens ist die idee einer unbegrenzten verantwortung, zugleich freilich auch die idee einer unbegrenzten verantwortungsfähigkeit
N. Hartmann
ethik (
21935) 327.
oder: der gott, den ich in den göttern Griechenlands in schatten stelle, ist nicht der gott der philosophen oder auch nur das wohlthätige traumbild des groszen haufens (1788) Schiller
br. 2, 188
Jonas. II@22)
in der durch die aufklärung inaugurierten reihung mit den begriffen unsterblichkeit
und tugend: dasz aber dieser enkel Alfreds, wie sein groszer urahnherr, gott und die tugend über alles liebt, ..., dieses sind unschäzbare vorzüge, die ihm eigen sind Haller
Alfred (1773) 3
b; und so gründet sich auf das heilige gesez in uns (
menschen) der vernünftige glaube an gott und unsterblichkeit, auch an die weise lenkung unserer schicksaale, insofern sie nicht von uns abhängig sind Hölderlin
s. w. 2, 326
Hell.; dasz der mensch immerfort an seine drey idealen forderungen: gott, unsterblichkeit, tugend erinnert (
wird) Göthe III 3, 271
W. II@33)
die verbindung mit dem unbestimmten artikel meint hier, dasz in irgendeinem mehr oder weniger unpräzisierten sinne ein einziges höheres, mit dem wort gott
bezeichenbares wesen verstanden wird, das aber mit dem gott
des christlichen sprachgebrauchs nicht ohne weiteres identifiziert werden kann: also gibt es leute, welche zwar mit dem maul prahlen, dasz sie einem gott glauben, mit der that aber selbigen verlaugnen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 21; und ein gott ist, ein heiliger wille lebt, wie auch der menschliche wanke, hoch über der zeit und dem raume webt lebendig der höchste gedanke Schiller 11, 259
G.; weder aus sich selbst allein, noch einzig aus den gegenständen, die ihn umgeben, kann der mensch erfahren, dasz mehr als maschinengang, dasz ein geist, ein gott ist in der welt Hölderlin
s. w. 3, 263
Hell. vgl. wendungen wie an einen gott glauben, glauben, dasz es einen gott gibt
u. ä.; in entsprechender verneinung: (
der mensch) verehrt würmer und mäuse göttlich und glaubt dort (
d. i. anderseits) keinen gott Lichtenberg
aphorism. 2, 158
lit. denkm. II@44)
vorgesetztes possessivpronomen steht hier (
anders als oben I E 2)
einschränkend im sinne subjektiver, an glauben und erkenntnis des individuums gebundener, gelegentlich auch fiktiver gottesvorstellung, die gegen den als allgemeinverbindlich gedachten gottesbegriff der christlichen offenbarungsreligion deutlich abgegrenzt ist, vgl. schon, wenn auch von anderen voraussetzungen aus: dann jetweder theil hat ... sein besondern gott und geber, also, das viech hat sein viehischen gott ... die seel den ewigen gott Paracelsus
opera 2, 332
Huser. dann: bedeckt mit edelsteinen, nahm bald der priester auch des pöbels augen ein und wollte, wie sein gott, von ihm verehret sein Haller
ged. 50, 154
Hirzel; wie einer ist, so ist sein gott, darum ward gott so oft zum spott Göthe I 3, 288
W.; mein gott war längst nur eine art von präsident oder erstem konsul, welcher nicht viel ansehen genosz; ich muszte ihn absetzen (1849) G. Keller
br. u. tageb. 2, 184
Ermat. II@55)
manchmal dient das wort gott
ohne jede weitere bestimmung hier als kennwort für religion oder die religiöse sphäre in ganz allgemeinem sinne: denn es werden noch stets die entschlossenen völker gepriesen, die für gott und gesetz, für eltern, weiber und kinder stritten und gegen den feind zusammenstehend erlagen Göthe I 50, 267
W.; dasz uns der tod nicht entwurzeln würde, sondern noch tiefer wurzeln, dauernd wurzeln zugleich in uns und dem ewigen, schönen, guten der welt überhaupt (in gott) R. Hildebrand
ged. üb. gott, d. welt u. das ich (1910) 353; J. Duboc das leben ohne gott, untersuchungen über den ethischen gehalt des atheismus (1875) (
titel einer atheistischen schrift). II@66)
zumal in junger sprache ist eine bewuszt umriszlose, unbestimmte verwendung des wortes für den gebrauch der vokabel gott
weithin bezeichnend: nenn es dann, wie du willst, nenns glück! herz! liebe! gott! ich habe keinen namen dafür! gefühl ist alles, name ist schall und rauch, umnebelnd himmelsgluth Göthe I 14, 174
W.; einsamkeit ist nähe gottes Watzlik
pfarrer v. Dornloh (1930) 175; ist denn gott nicht einfach der name für das, was wir nicht wissen? ... man sagt, gott ist am anfang und am ende; an beiden stellen zugleich kann er doch nur im kreise sein! J. Ponten
nov. (1937) 238.
in der wendung viel gott
fast wie ein sachbegriff: so musz gewisz viel vorsehung und viel gott in diesem fadenwirrwarr (
d. i. verwickelungen des zufalls auf erden) walten und schlichten J. Paul
dämmerungen (1809) 58; jeder einzelne habe die möglichkeit, durch gute meinungen und taten soviel gott auf die erde herunter zu bringen, wie seine natur ertragen könnte W. Schäfer
erz. schr. (1918) 2, 322. IIIIII. gott
eindeutig nicht von dem biblisch-christlichen gott. vornehmlich als bezeichnung religiös verehrter höherer wesen auszerhalb der jüdischen und christlichen religion, doch reicht die spannweite dieses gebrauchs von der vorstellung personhaft gedachter gottheiten, wie sie den historischen nichtchristlichen religionen zugrunde liegen, über eine mythologisierende oder eine ins begriffliche verblassende betrachtungsweise bis zur uneigentlichen oder vergleichenden anwendung auf irdische wesen und auf sachliche gröszen und werte. von der polytheistischen voraussetzung aus ist artikelloser gebrauch des singulars, im gegensatz zu I
und II,
selten, wenn auch nicht grundsätzlich ausgeschlossen, vgl. etwa gott Phoebus Spreng
Ilias (1610) 1
a; gott Amor Fontane
ges. w. (1905) I 5, 64
neben häufigerem der gott Mahomet
volksb. dr. Faust 66
ndr.; der gott Herkules Gerstenberg
recensionen 107
lit.-denkm. III@AA.
im alten testament oder in alttestamentlicher sicht von den gottheiten der nichtjüdischen völker, die in vorexilischer zeit noch als tatsächlich existent gedacht sind, deren religiöse verehrung aber den Juden (
im sinne der monolatrie)
verboten war. III@A@11) herr, wer ist dir gleich vnter den göttern?
2. Mose 15, 11;
vgl. ps. 86, 8; 95, 3; 96, 4
u. ö.; nu weis ich, das der herr grösser ist denn alle götter
2. Mose 18, 11.
in ausdrücklicher kennzeichnung: (
ich) wil meine straffe beweisen an allen göttern der Egypter, ich der herr
2. Mose 12, 12; da aber der Philister fürsten sich versamleten, jrem gott Dagon ein gros opffer zuthun
richter 16, 23.
in jüngerer monotheistischer sicht: denn alle götter der völcker sind götzen, aber der herr hat den himmel gemacht
ps. 96, 5; so wissen wir nu ... das kein ander gott sey, on der einige. vnd wiewol es sind die götter genennet werden, es sey im himel oder auff erden ... so haben wir doch nur einen gott
1. Kor. 8, 5.
hier besonders als gattungsbegriff: der wird priester, dere die nicht götter sind
2. chron. 13, 9;
vgl. Jer. 2, 11; 16, 20;
Gal. 4, 8.
die abgrenzung gegen Jahve als den jüdisch-biblischen gott namentlich in der verbindung andere, fremde götter,
vgl. schon: deus recens cot croni (
Pa) (
K) (
Ra),
deus novus cot niuui (
Pa) (
K) (
Ra)
ahd. gl. 1, 98, 1. 2
St.-S.; Notker 2, 337, 3
P. (
ps. 80, 10); swene auer si uon im gecherten unde einen anderen got erten, so rden si ge und
e erslagen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 146, 6
Diemer; du solt kein andere götter neben mir haben
2. Mose 20, 3;
vgl. 34, 14; drohtin einer herizogo siner uuas unde neuuas mit imo got uremider (...
deus alienus) (10.-11.
jh.)
ahd. sprachdenkm. 303, 18
Steinmeyer; Jer. 5, 19; inn dem das du (
der Jude) wenest, und halten mOechtest, das wir christen eynes unrechten glaubens weren, und frembde gOetter anbetten
d. keyserl. maiestat cammergerichtsordn. (1555) 73
a.
von hier aus noch in junger übertragener anwendung: wirst du aber auf andere sachen dich verlassen, und gleichsam andere götter machen, so wird alles glücke ... zu lauter bellenden hunden werden Weise
erznarren 140
ndr.; seine (
des bräutigams) halb väterliche pädagogische fürsorge ... erschien dem reizenden geschöpf (
der braut) alsbald nur langweilig und komisch, und so wandte sie sich andern göttern zu (
anderen liebhabern) Fontane
ges. w. (1920) II 2, 36; sein (
des mannes) zeitvertreib macht, dasz das weib oft fremde götter ehrt J. Chr. Günther
s. w. 1, 72, 16
Krämer. auch die häufige verbindung mit dem possessivpronomen hat hier meist einschränkenden, relativierenden sinn: uuir geeiscoton Busiridem io slan sine geste unde opferon sinen goten. pe dero uuilo teta imo daz selba sin gast Hercules Notker 1, 105, 9
P.; si (
die heiden) manten in bî ir goten daz er in hulfe Wolfram v. Eschenbach
Parzival 17, 6; als jn das volck (
der Philister) sahe, lobten sie jren gott, denn sie sprachen, vnser gott hat vns vnsern feind in vnsere hende gegeben
richter 16, 24. III@A@22)
mit schärferem ton und mit dem nebensinn des unwirklichen, ohnmächtigen, götzenhaften: forsahhistu allem them bluostrum indi den gelton indi den gotum, thie im heidene man zi bluostrum indi zi geldom enti zi gotum habent? (
anf. 9.
jh.)
fränk. taufgelöbnis 4
Steinm. 23; da selbs wirstu dienen den göttern, die menschen hende werck sind, holtz vnd stein, die weder sehen noch hören, noch essen, noch riechen
5. Mose 4, 28.
meist durch attribut gekennzeichnet, besonders in älterer sprache und an stelle des jüngeren götze (
s. d.): (
Christus damnat)
infames deos thia misliumiandigon goda (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 583, 52
St.-S.; noh wart der valschen gOete me, die dú scrift úns nennet sus: Mars und Saturnus, Jupiter unde Archas Rudolf v. Ems
weltchron. 3209
Ehr.; also albeide afgeworpen haven die irrung van den vil goden (
Cöln 1499)
städtechron. 13, 455; vnder andern heydnischen gOettern wurden auch zwo gOettinnen verehrt Albertinus
hirnschleiffer (1664) 1.
in junger übertragung: (
der förster) konnte nicht dafür, dasz es falsche götter waren (
an die er geglaubt hatte, politisch gemeint) E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 257. III@A@33)
verdinglicht zur bedeutung '
götterbild', '
götzenbild',
meist älter und an stelle dieser jüngeren wörter: in (
idolis et)
sculptilibus ingagrapenem kotom (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 762, 11
St.-S.; der kunic Avennir (
hiesz) zehant die göter brechen und ir sal (13.
jh.)
Barlaam und Josaphat in: zs. f. dt. alt. 1, 129; in dem sulven jare toch de koning van Denemarken mit anderen vorsten up dat land to Ruygen und vorstorde ore gode und nemen dat gold unde sulver (
Magdeburg, nach 1350)
städtechron. 7, 119; vnd weil du denn ja woltest ziehen, vnd sehnetest dich so fast nach deines vaters hause, warumb hastu mir meine götter gestolen? (
Laban zu Jakob)
1. Mose 31, 30;
vgl. 35, 2;
2. Mose 32, 31
u. ö.; barbaren hatten versucht sich götter zu machen; allein sie sahen verflucht, garstiger als drachen Göthe I 3, 250
W. nur gelegentlich auszerhalb dieser sphäre und ohne nebenton: die von der tückischen zeit verstümmelten götter, wie z. b. diesen daliegenden torso Bonaventura
nachtw. 110
lit. denkm.; dasz es (
das schicksal) die verstümmelten götter zu bänken vor der bauernhütte und die grabmäler hier zur ruhestätte des weidenden stiers macht Hölderlin
s. w. 2, 195
Hell. III@BB.
in neutralem oder, soweit es sich um wirklich geglaubte wesen handelt, in positivem sinne von den gottheiten polytheistischer religionen. vornehmlich von den göttern
der Griechen und Römer, die schon früh, in den übersetzungen antiker autoren bei Notker,
und später immer wieder, in den nachdichtungen antiker sagenstoffe aus höfischer zeit, in der literatur des humanismus, des barock und der klassik in das deutsche schrifttum eingang finden. III@B@11)
in historischer festlegung: das si wurdin ouh genant ubir allir Chriechin lant an helfe krefte riche gOete Rudolf v. Ems
weltchron. 3224
Ehr.; bald führte mein Adamas in die heroenwelt des Plutarch, bald in das zauberland der griechischen götter mich ein Hölderlin
s. w. 2, 98
Hell.; die unsterblichen götter auf dem Olimpus (1785) Schiller
br. 1, 257
Jonas; es wird bald kein rother hahn ... mehr in der welt sein, der nicht gefahr läuft, für einen germanischen gott erklärt zu werden W. Scherer
kl. schr. (1893) 1, 149. III@B@22)
von einzelgöttern. III@B@2@aa)
von einer bestimmten, namentlich genannten gottheit: mîn kreftec got Jupiter dirre sælden was mîn wer Wolfram v. Eschenbach
Parzival 748, 19; Calchas die vrsach bald entdeckt, warumb gott Phoebus hett erweckt die schwere sucht Spreng
Ilias (1610) 1
a; auf Tonga hören wir von einer priesterin des gottes Haehaetahi Ratzel
völkerkde (1885) 2, 186. III@B@2@bb)
mit attributen zur umschreibung ihrer funktion, ihres schutz- und herrschaftsbereiches, ihrer menschlichen schützlinge u. ä.: uuanda si Mercurium sah ze himele faren, der got tes lenzen ist Notker 1, 721, 9
P.; dat der hêre Mars, des wîges got, bî frouwen Vênûse lach Heinrich v. Veldeke
Eneide 5626
B.; Vulcanus, der got des füres Steinhöwel
Äsop 6
lit. ver.; o Phoebus, ... der ärzte gott, und haupt der dichter! Gottsched
ged. (1751) 1, 184; Thor, der gott des donners Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 237
lit.-denkm.; siehst du? hoch eine andre glänzende gestalt, wie man der leier und des bogens gott zu bilden pflegt? Grillparzer
s. w. 4, 141
Sauer; es hAvnd gestritten die landes gOete mit den gOetten uf dem mer priester Wernher
Marienleben 4094
Päpke; denn des gastlichen hauses unverletzliche schwelle hütet der eid, der Erinnyen sohn, der furchtbarste unter den göttern der hölle! Schiller 14, 21
G.; ich will von hinnen zuohausz gon, zegrieszen meine heimische gOetter oder hauszgenossen Boltz
Terenz (1539) 142
b; nehmt mich auf, ihr götter dieses hauses Grillparzer
s. w. 4, 38
Sauer. jünger von hier aus auch übertragen: das an und für sich kleine nothwendige übel, unter die zwölf gewaltigen götter des himmlischen tonreichs gleich vertheilt, würde so vielleicht am leichtesten zu ertragen (
auf die gleichschwebende stimmung anspielend) Heinse
s. w. 5, 64
Sch.; gleichwohl habe ich ... schon manches den unterirdischen göttern geopfert, was mir nach dem zeitgeschmacke, aber gegen mein gewissen gelungen war (
an poetischer produktion) O. Ludwig
ges. schr. 5, 149
Schm.-St. III@B@2@cc)
personifizierend in der vergöttlichung kosmischer und naturhafter gröszen: sei, wie dieser! rief mir Adamas zu, ergriff mich bei der hand und hielt sie dem gott entgegen (
der sonne) Hölderlin
s. w. 2, 101
Hell.; wann des gottes letzter milder schimmer sich vom see verlor Platen
ges. w. (1839) 5
a; auf grünen bergen wird geboren der gott, der uns den himmel bringt (
der wein) Novalis
schr. 4, 157
Minor. III@B@2@dd)
mit bestimmung des ranges, der gewissen gottheiten zukommt. unter dem einflusz biblisch-christlichen sprachgebrauchs der gott der götter (
s. ob. I A 4)
für Zeus: wie sieht der gott der götter aus (
Jupiter)? Ramler
fabellese (1783) 1, 61;
vgl. derselbe, lyr. ged. (1772) 286; wenn in weiszen federn der gott der götter (
Zeus als schwan) einst zärtliche accente lispelte ... das wirktest du (
gott Amor) allein durch deine strenge Heinse
s. w. 6, 58
Sch. synonym, aber nach antikem vorbild: ums vaters aller götter thron Herder 29, 299
S. in antikem mythos halber gott
für häufigeres halbgott (
s. d.):
heros ein halber got (
Hagenau 1516) Diefenbach
gl. 276
b; aber daz obera teil dero lufte behebet tie, also du gesihest, tie Greci heizent halbe gota, Latim beidiu, ioh halbe man ioh halbe gota Notker 1, 819, 23
P. der kopula götter und helden, götter und heroen
liegt die gleiche rangunterscheidung zugrunde: zwischen menschen, göttern und heroen, knüpfte Amor einen schönen bund Schiller 11, 4
G.; weil die vorbilder von göttern und helden, wie er sie überliefert hat, von andern als nöthigend ... befolgt ... werden Göthe I 46, 44
W. zur abgrenzung gegen gottheiten niederen ranges auch in anderen verbindungen: es ist blos ihre macht, wodurch sich götter und dämonen dem kindischen alter der menschheit verkündigen (1793) Schiller
br. 3, 393
Jonas; alle wörter, die höhere wesen, menschen, götter oder geister bezeichnen Peschel
völkerkde (1874) 487.
gelegentlich aber werden auch dämonen und geister selbst als götter
bezeichnet: in dem (
haupt) ist kunstenreiche kunst allen gotern ebentewer verborgen
ackermann a. Böhmen 25, 27
H., s. dazu Burdach im
kommentar seiner ausgabe 326.
vereinzelt biblisch: das weib (
die seherin von Endor) sprach zu Saul, ich sehe götter (
h)er auffsteigen aus der erden
1. Sam. 28, 13.
in christlichem zusammenhange gelegentlich von engeln und engelartigen wesen: sie (
die hirten von Bethlehem) brechen majoran auff gutgeheisz der götter Klai
in: barocklyrik 2, 109
Cysarz; darfst du die götter schmähn? darf einer der niedrigsten geister wider Satan und mich (
Adramelech) aus seiner tiefe sich rüsten? Klopstock
s. w. (1854) 1, 61.
übertragen (
s. auch oben 2 c): nur unter den göttern minderen ranges herrscht eifersucht und neid (
weine geringerer qualität) Göthe I 34, 27
W. III@B@2@ee)
unbestimmt in der verbindung ein gott: es war, als träte die sonne hervor im freundlichen äther, oder als stiege ein gott hernieder zu einem unschuldigen volke Hölderlin
s. w. 2, 65
Hell.; so tief herunter liesz ein gott mich sinken! Schiller 15, 1, 20
G.; in andre länder, unter andre völker hat uns ein gott geführt in seinem zorn Grillparzer
s. w. 5, 132
Sauer. III@B@33)
oft in kollektivem plural, allgemein und ohne individuelle bestimmtheit: cunctatio nulla est quod superi uoluere taz tie gota uuellen, des neist nehein tuala Notker 1, 714, 24
P.; dich êrent drumbe reiniu wîp und aller werden göte schar Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 1829; da aber das volck sahe, was Paulus gethan hatte, huben sie jre stimme auff, vnd sprachen auff lycaonisch, die götter sind den menschen gleich worden, vnd zu vns ernider komen
apostelg. 14, 11; dass unsere vorfahren ... die kräuter so hoch geachtet und gepriesen, dass sie jhre anzeigungen und kräfft denen göttern und allerheiligsten haben zugeeignet Prätorius
saturnalia (1663) 330; ich kenne nichts ärmeres unter der sonn, als euch, götter! Göthe I 2, 76
W.; die götter leben im glauben. glaube hat sie erzeugt Wilamowitz-Möllendorff
glaube d. Hellenen (1931) 1, 1. die alten götter
in poetisierender umschreibung für einen versunkenen glauben: was euch (
ihr lieben) der väter mund erzählt, gelehrt, gesez und bräuch, der alten götter nahmen, vergeszt es kühn Hölderlin
s. w. 3, 146
Hell.; es rauschen die wipfel und schauern, als machten zu dieser stund um die halbversunkenen mauern die alten götter die rund Eichendorff
s. w. (1864) 1, 273. III@B@44)
als eigentliche gattungsbezeichnung, von solchen wesen, denen der charakter des göttlichen zugesprochen wird, singularisch und pluralisch: sed qui beati sint, deos esse conuenit ... unde die salig sint, tarmite gota sint Notker 1, 247, 27
P.; der knappe wânde sunder spot, daz ieslîcher wære ein got Wolfram v. Eschenbach
Parzival 120, 28; nach der bildnusz gottes, und nit nach unseren bildnussen, dadurch vil wesen oder götte hättind mögen verstanden werden Zwingli
dt. schr. 1, 56
Sch.-Sch.; musz ich (
Apollo) schon als ein gott mehr als die menschen leiden J. Chr. Günther
s. w. 3, 41, 173
Krämer; und doch kann er (
der herr der elemente, der riese) nicht würdig heiszen, mit göttern ganz ein gott zu sein Mörike
ges schr. 1, 146
Göschen; das elementare selbst wird nicht mehr als gott empfunden, aber hinter ihm, in ihm birgt sich ein gott Wilamowitz-Möllendorff
glaube d. Hellenen (1931) 1, 22.
geläufig in den verbindungen nur ein gott
und kein gott: alles des, das neur ain got an spot uns sölche gnad verzinst (
gewährt) Oswald v. Wolkenstein 35, 88
Schatz allein ein schwur drückt mir die lippen zu, und nur ein gott vermag sie aufzuschlieszen Göthe I 2, 113
W.; Erwin, o schau, du wirst gerochen; kein gott erhöret meine noth
ebda 11, 297; sehen sie, so sind (
nämlich ausbesserbar) die 'Polzinschen' (
teppiche). aber wenn der Smyrnaer ein loch hat, dann hat ers, und da hilft kein gott nicht Fontane
ges. w. (1905) I 5, 8. III@CC.
in mythologisierender, poetisierender, aber auch in religiös empfundener verflüchtigung der konkreten göttervorstellungen historischer religionen. sie erfolgt namentlich im barock, um später im zeitalter der geniezeit und der klassik starken, vertieften auftrieb zu erfahren. III@C@11)
als personifizierung von lebensmächten mit hilfe des mythologischen apparates: ich schwere bey den händen damit der kleine gott (
Amor) kan vnsre sinnen wenden, ich schwer euch auff den pfeil, der mein gemüte trifft Opitz
teutsche poemata 15
ndr. auszerdem weisz ich, ... welche launen gott Amor hat Fontane
ges. w. (1905) I 5, 64; ein jungfrAewlin dort nahe, ... sprach: ach das ist der gott (
Cupido), der mein hertz also brennet Zinkgref
auserles. ged. 17
ndr.; gott der träume! freund der nacht, stifter sanfter freuden (
Morpheus)! Hagedorn
poet. w. (1800) 3, 135; versuche (
Johanna) nicht den falschen gott der schlachten, denn blind und ohne schonung waltet er Schiller 13, 237
G.; vgl. 220; 241. III@C@22)
jünger, und in tieferer fassung, nimmt gott
hier, hohen lebensmächten und wirklichkeitsbereichen zugeordnet, den sinn von '
genius, schutzgeist', '
dämon'
an: der gott der jugend waltet noch über dir und mir Hölderlin
s. w. 1, 158
Hell.; aber in unsrem innern, ein bild der fürsten des himmels, wandelte neidlos der gott unserer liebe dahin
ebda 2, 41 er (
der zufall) ist der wahre gott der politischen welt: das glaube mir Klinger
s. phil. rom. (o. j.) 11, 32; folglich treffen wir in der geschichte auf zwei entgegengesetzte erscheinungen, welche uns deren gott verhüllen J. Paul
dämmerungen (1809) 6; derartig eindeutige schicksale haben ihren gott Rilke
briefe 1914 -1921 (1937) 335. III@C@33)
der kollektive plural die götter,
später auch singularisches der, ein gott,
umschreibt (
wie schon im sprachgebrauch der antike, dort auch in artikellosem sg. θεός,
s. dazu Kittel
theol. wb. z. n. t. 3, 66
f.)
seit dem humanismus in unbestimmter weise die über der welt und dem menschen waltenden höheren mächte oder eine allgemeine göttliche ordnung oder naturhafte gesetzmäszigkeit. älterer gebrauch dieser art hat mehr als mythologisch poetisierendes und erhöhendes stilmittel zu gelten, das die volle gültigkeit des allgemeinverbindlichen christlichen vorstellungs- und wortgebrauchs kaum berührt; in jüngerer anwendung jedoch, etwa seit dem mittleren und späten 18.
jh., kommt hier auch eine tiefere wandlung zum durchbruch, die unter bewusztem verzicht auf den biblisch-dogmatisch bestimmten wortgebrauch sich entweder heidnisch-antikem religiösem grundgefühl nähert und sich seiner ausdrucksformen bedient oder diese ausdrucksformen für eine etwa im sinne von gott II
unverbindlichere fassung des gottesbegriffs wählt (
s. auch die belege unter D): der schöne himmelsbau, das haus der gOetter A. Buchner
dt. poeterei (1665) 62; mein Carl (
der kaiser) vermag auf einen streich aus vollmacht von den göttern die feinde zu zerschmettern J. Chr. Günther
s. w. 4, 51, 19
Krämer; ohne licht, ohne götter, kalt verstoszen, klimmt er (
der bedrängte) pfadlos hin maler Müller
w. (1811) 1, 214; so schlief er, keinen schwätzer fürchtend, nicht ohne götter, ein kühner jüngling Klopstock
oden 1, 27
M.-P.; schüchterne dummheit und verschämte armuth sind den göttern heilig
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 7.
häufig bei Göthe: und ich! — götter, ists in euren händen, dieses dumpfe zauberwerk zu enden; wie dank ich, wenn ihr mir die freiheit schafft! I 2, 91
W.; über meine sicilianische reise halten die götter noch die wage in händen; das zünglein schlägt herüber und hinüber I 31, 57; ich bin selbst ein geplagter fremdling, den nicht die furien, den die musen und grazien und die ganze macht der seligen götter mit erscheinungen überdecken IV 8, 134.
am ausgeprägtesten und in unmittelbarer anlehnung an die mythische welt der Griechen bei Hölderlin,
aber in einer nur für ihn gültigen einmaligkeit, deren religiöse hintergründe hier nicht darstellbar sind: im arme der götter wuchs ich grosz
s. w. 2, 48
Hell.; ihr kalten heuchler, sprecht von den göttern nicht! ihr habt verstand! ihr glaubt nicht an Helios, noch an den donnerer und meergott
ebda 3, 5; ihr guten götter! arm ist, wer euch nicht kennt, im rohen busen ruhet der zwist ihm nie
ebda 3, 58.
in kollektiv zu fassendem singular: denn ein gott hat jedem seine bahn vorgezeichnet, die der glückliche rasch zum freudigen ziele rennt. wem aber unglück das herz zusammenzog ... Göthe I 2, 61
W.; bruder! dir gab ein gott der liebe göttlichen funken, zarten geläuterten sinn, zu erspähn, was herrlich und schön ist Hölderlin
s. w. 1, 130
Hell.; groszes glück zu tragen und zu opfern giebt der gott dem einen, weniger gegeben ist dem andern
ebda 3, 42;
vgl. 37
u. ö.; wär nicht das auge sonnenhaft, wie könnten wir das licht erblicken? lebt nicht in uns des gottes eigne kraft, wie könnt uns göttliches entzücken? Göthe II 1, XXXI
W.; eines schattens traum ist der mensch; kommt aber ein strahl ihm, vom gotte gegeben, ist lichter glanz dem manne gewährt und ein mildes leben Fr. Schlegel
s. w. (1846) 3, 253. III@C@44)
anders umschreibt die nur jüngere verbindung der, ein gott in uns, der innere gott
u. ä. die vorstellung der im menschen, in seinem unsterblichen teil wirkenden höheren kräfte: du hast ein herrlich wort gesprochen, Hyperion! was? vom wurme soll der gott abhängen? der gott in uns, dem die unendlichkeit zur bahn sich öffnet Hölderlin
s. w. 2, 118
Hell.; zum zeugnis gegen mein eigen zweifelnd herz, das manchmal auf die seite des ungläubigen pöbels treten will und den gott läugnen, der in den menschen ist
ebda 3, 361; ihr, die dem gott in ihrer brust vertrauten zu mutigem entwurf, zu schwerer that Stägemann
kriegsgesänge (1813) 62; in dessen busen ein gott ist, der wird von den niedrigkeiten, die die welt hat, nicht berührt Stifter
s. w. 3 (1911) 131; ihm (
Mozart) gab es in dämmernder ahnung sein gefühl — der gott in ihm O. Jahn
Mozart (1856) 4, 54
anm. 52.
seltener pluralisch: aber dennoch stirbt der trieb in unserer brust, und mit ihm unsre götter und ihr himmel Hölderlin
s. w. 2, 135
Hell.; die tugend läszt sich nicht lehren und lernen, auszer durch freundschaft und liebe mit tüchtigen und wahren menschen und durch umgang mit uns selbst, mit den göttern in uns Fr. Schlegel in:
Äthenäum 2 (1799) 8. III@DD.
im vorstellungsbereich der götter
als handelnder, zur welt und zum menschen in beziehung tretender oder vom menschen angesprochener wesen ist in festen verbindungen, formelhaften wendungen und redensarten, vom gelegentlichen fortleben antiker vorbilder abgesehen, der einflusz des biblisch-christlichen sprachgebrauchs weithin spürbar. das gilt sowohl für die anwendung des wortes in antik historischer oder sonst heidnischer sphäre (
s. oben B)
wie namentlich für einen unverbindlich umschreibenden, mythologisierenden gebrauch des wortes (
s. oben C).
eben hier tritt dann oft der plural götter,
auch singularisches der gott,
seltener ein gott,
als unverbindlichere aussage an die sonst von gott
als dem christlichen gott eingenommene stelle. christlicher sprach- und formelgebrauch des wortes gott
setzt sich oft genug auch dort durch, wo von den heidnischen göttern
die rede ist, so dasz zwei einander ausschlieszende sphären gewaltsam gemischt werden, vgl. etwa: delubri cotes huses (
Äneis II 410) (12.
jh.)
ahd. gl. 2, 693, 31
St.-S.; swaz got an sîne hantgetât rîliches wunders hât geleit (
Paris beim anblick der Helena) Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 19 818; das ich nie wär geporen! es war pesser sammer gott; wann ich pin der götter spott Heinrich v. Neustadt
Apollonius 10255
S. und oft in mhd. dichtung, s. dazu B. Schwartz
d. gottesbild in höf. dichtg. (
diss. 1933) 13
ff. auch jünger: in gottes namen dann darbey, die götter geben ihnen glück darzu Schoch
com. v. stud.-leben 12, 3
Fabricius; in 14 tagen sind wir all auseinander, und es geht so im hurry dasz ich nicht weisz wo mir der kopf steht, wie noch hoffnung und furcht ist. gott verzeihs den göttern die so mit uns spielen (1773) Göthe IV 2, 83
W.; (
Psyche:) laszt ab! — mich schauderts — wonn und weh — o gott im himmel! ich vergeh —
derselbe I 16, 89
W. (
Satyros III 212); ich ahns, durch armuth und durch blösze erkenn ich deine (
Christi) göttergrösze Pichler
marksteine (1874) 27. (
doch begegnet auch das umgekehrte, dasz antik-mythologisierende redeweise in eindeutig christlichen zusammenhang eindringt, so wenn Zesen
vom kreuzestod Jesu als göttertranck
für die gläubigen barocklyrik 2, 87
Cysarz, Klaj
von der götterkost
aus Marias brust ebda 110
und vom Jesuskind als dem götterkind
ebda 111
redet). III@D@11)
in verbalen verbindungen wie unter I C
und D.
vornehmlich entsprechend I C 3 d,
die beziehung der götter zu den menschen umschreibend: daz iro (
der seele) dia gota ... michela giba gaben Notker 1, 697, 13
P.; vnd hetten die gött im (
dem Marianus Sozimus) gegeben gebürlicher gestalt vnd vntödemlichkait, so were er mit inen ouch ain got gewesen Niclas v. Wyle
translat. 17
Keller; und wenn der mensch in seiner qual verstummt, gab mir ein gott, zu sagen, was ich leide Göthe I 10, 243
W.; die götter helffen dasz ihr fleiszig studieren, und künfftiger zeit hohe und vornehme männer aus euch werden mögen Schoch
com. v. stud.-leben (1657) f 4
b; so viel im vogelflug von unserer tour, dasz du folgen kannst und siehst, dasz bisher die götter mit uns waren Göthe IV 4, 88
W.; wan uns dan die götter lieben, solle man sich nicht enttrüben zu einer solchen ankunft (
der neuen fürstin)? Weckherlin
ged. 1, 102
Fischer; alle götter mögen dich segnen! O. Ludwig
ges. schr. 2, 448
Schm.-St.; wie I C 3 e: alles erzählt er den musen, und dasz die götter nicht zürnen, lehren die musen ihn gleich bescheiden geheimnisse sprechen Göthe I 2, 128
W. seltener gemäsz I D 2,
die haltung des menschen den göttern gegenüber betreffend: ich dank den göttern, die mir dieses glücke (
deiner liebe) gaben Göthe I 9, 23
W.; Falstaff ... bittet bey allen göttern, ihn ... zu verbergen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 145
lit.-denkm.; mit unrecht, bei den göttern schwör ich es Grillparzer
s. w. 5, 142
Sauer. III@D@22)
speziell entsprechend der gegenüberstellung gott
und mensch,
s. oben I G 3. III@D@2@aa)
antithetisch: uuanda iz (
das buch) saget uuio mennisken ze goten uuerden Notker 1, 692, 9
P.; noch eins hab ich überig, so ihr mir solches aufflösen können, wil ich euch mehr für götter denn menschen halten J. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 49
lit. ver.; gold, silber, fleisch und fett ist nur der menschen lust, davon der götter zunfft nicht weiss noch hat gewust Rachel
satyr. ged. 58
ndr.; was unterscheidet götter von menschen? dasz viele wellen vor jenen wandeln, ein ewiger strom: uns hebt die welle, verschlingt die welle, und wir versinken Göthe I 2, 82
W.; vgl. 81; und riefst hinan in den Olymp den hundertarm, bei göttern Briareus, Ägäon unter sterblichen genannt Bürger
s. w. 147
a Bohtz. III@D@2@bb)
kopulativ zusammenschlieszend: sol ich (
der ölbaum) meine fettigkeit lassen, die beide götter vnd menschen an mir preisen?
richter 9, 9; und wan ihr englische gestalt die götter und menschen versehret Weckherlin
ged. 1, 101
Fischer; der dichter (
ist) ... freund der götter und menschen Göthe I 21, 129
W.; vgl. 24, 117; die geheimnisvolle dunkle macht, die über götter und menschen waltet E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 88
Gr. III@D@33)
auch in gewissen gebrauchsweisen aus dem formelhaften bereich I J. III@D@3@aa)
vor allem wie I J 3,
in vokativischem anruf, dem neben der christlichen entsprechung freilich wohl auch die entsprechenden antiken formeln als muster dienen; ernsthaft eigentlich oder in emphatischem ausruf, aber kaum als gewichtslose interjektion: ir götter, wie mügt ir anschawen den unschulding todt der junckfrawen? Hans Sachs 2, 16
lit. ver.; Göthe I 9, 25
W.; o ir guten göt. was kranckhait ist das? Neidhart
Eunuchus 42
Fischer; gute götter! wie er schön ward mit dem blik auf mich Hölderlin
s. w. 2, 225
Hell.; so sagt er, und — götter, götter! noch beb ich durch alle glieder S. Gessner
w. (1778) 2, 42; soll der gute so zu grunde gehen? ach, er sollte, ach er könnte! götter! Göthe I 2, 73
W. III@D@3@bb)
auch in anderen formeln vereinigen sich wohl antike und christliche redeweise. so in gelegentlichen verhütungs- oder anwünschungsformeln, s. oben I J 1 a
ιγγ;
κ: verhüt's ein gott! Grillparzer
s. w. 8, 222
Sauer; das den alten alle gOett vnd gOettin mssen schenden vnd verderben, der mich heüt gehindert hat Boltz
Terenz (1539) 38
a.
entsprechend I J 2 a: was aus unserm wiedersehn wird, das wissen die götter! (1789) Caroline 1, 50
Waitz. wie I J 2 c: wollendts die götter Xylander
Polybius (1574) 189; denn von oben kommt verführung, wenns den göttern so beliebt Göthe I 3, 13
W. wie I J 4: ich bitt durch die gOette, sag mir, was ist begirlicher Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 39
b; 'aber um der götter willen!' rief ein hagrer mann Immermann
w. 1, 11
Hempel; by den götten! Steinhöwel
Äsop 40
lit. ver.; bei allen göttern, wer bist du? sag es mir graf Pocci
lust. komödienb. 2 (1861) 267. III@D@44)
einiges gehört ausgesprochen antiker vorstellungs- und redeweise an, vor allem wendungen, die auf das selige leben der olympischen götter anspielen: sie (
die bastarde) saugen dann ... verstolen der Juno milch, so sitzen sie auch alsdann mit andern göttern zu tisch Fischart
Garg. 36
ndr.; er (
ein üppig bewirteter) bilde sich nicht anders ein, als dasz er an der götter tafel sitze, wo der nectar selbst eingeschencket werde (1700) Kuhnau
musikal. quacksalber 110
lit. denkm.; und es ist nicht leichter, eines halbgotts freund zu seyn, als an der götter tische, wie Tantalus, zu sizen Hölderlin
s. w. 2, 164
Hell.; wären wir beide (
Schiller u. seine frau) nur gesund, wir brauchten nichts weiter, um zu leben wie die götter (1791) Schiller
br. 3, 164
Jonas; jetzt däucht mir kehren sie (
Göthe), ausgebildet und reif, zu ihrer jugend zurück und werden die frucht mit der blüthe verbinden. diese zweyte jugend ist die jugend der götter und unsterblich wie diese (1797)
ebda 5, 143; ein schauspiel für götter, zwei liebende zu sehn! Göthe I 11, 289
W.; ich weisz nur, dasz es ein schauspiel für götter war Fontane
ges. w. (1920) II 1, 84.
nach homerischem vorbild: wor se werd inloseern steit in de götter knee (
homerisches θεῶν ἐν γούνασι κεῖται) Lauremberg
scherzged. 5
ndr.; ob es zum besseren oder noch schlimmeren sich zunächst wenden werde, das lege ich auf der götter kniee Dahlmann in:
briefw. zw. Jac. u. W. Grimm (1885) 2, 373.
mit der anspielung darauf, dasz frühverstorbene als lieblinge der götter gelten: alle nationen habens gefühlt, dasz ihn (
den zu zarten jüngling) die götter geliebet Herder 15, 295
S.; vgl. 11, 370; glücklich zu preisen, weil die götter ihm gaben jung aus dem leben zu scheiden Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 27.
speziell des gottes (
Apoll) voll sein
von der dichterischen begabung als einem geschenk Apolls: die seele eines vom gott erfüllten dichters Lenz
vertheid. d. hrn. W. 36
lit.-denkm.; ihm schenkte des gesanges gabe, der lieder süszen mund Apoll, so wandert er, an leichtem stabe, aus Rhegium, des gottes voll Schiller 11, 240
G. III@EE.
in direkt vergleichendem oder in uneigentlichem, auf vergleich beruhendem gebrauch erweiternd auf solche personen, wesen oder erscheinungen angewandt, die ihrem ursprung und ihrer art nach nicht gott
oder götter
sind. III@E@11)
im eigentlichen vergleich: sihe, das sind denn recht gottformige menschen, wilche von gott empfahen allis, was er hatt, ynn Christo, und widderumb sich auch, alsz weren sie der andern gotte, mit wolthaten beweiszen Luther 10, 1, 100
W.; (
der geizige und der wucherer) reist alles zu sich, dasz mans von jhme, als von einem gott musz betteln vnd empfangen Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 277.
jünger namentlich wie ein gott: es sieht ihm gleich, zu überraschen wie ein gott Schiller 12, 145
G.; gleichsam wie einen gott hat das schicksal den dichter über dieses alles hinüber gesetzt Göthe I 21, 128
W. redensartlichem gebrauch nahe schön wie ein (junger) gott
u. ä.: da stand er plötzlich an des klosters pforte, schön, wie ein gott und männlich wie ein held Schiller 14, 53
G.; beten wie ein junger gott '
andächtig'.
auch sonst in vergleichen: schön, stark
usw. wie ein junger gott Fischer
schwäb. 3, 763. III@E@22)
uneigentlich von personhaften wesen auszergöttlicher art. III@E@2@aa)
vom teufel: diabolus den sie ahtont got, der ist falsus unde inutilis Notker 2, 630, 15
P.; vgl. 28, 7.
meist mit attributiver kennzeichnung: summanus got der helle, teufel (1482) Diefenbach
gl. 566
a; dagegen hat der höllische gott auch gewirket in der natur, und spötter und verächter geboren Jac. Böhme
s. w. 2, 5
Schiebler; bei welchen der gott dieser welt der vngleubigen sinn verblendet hat
2. Kor. 4, 4; dess teuffels ..., welcher ein gott dieser welt ist, ein frst der welt Nigrinus
v. zäuberern (1592) 148; nicht gott, sondern der gseng gott hat sie (
die trinkerin) also erleuchtet (1710)
bei Fischer
schwäb. 3, 516; du werscht ȧȧ ne schworzen gutt ze sȧhn kriegen =
du kommst in die hölle Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 431. III@E@2@bb)
von menschen in mehrfacher hinsicht. III@E@2@b@aα)
als ältere bezeichnung für den papst als den vicarius dei (gots statthalter Dietenberger
d. ander buch wider M. Luther [1524]
p 2
a),
aber meist mit einschränkendem attribut und mit satirisch-polemischem unterton: der bâbest ist ein irdesch got und ist doch dicke der Rômer spot Freidank
bescheidenheit 151, 23
Gr.; ich will vor (
vorher) gen Rome, den papst ze sechenn, den du sprichst er eüer got hie auf erden, und got des hern vicari sey Arigo
decameron 30
Keller; haben aber endlich beschlossen, er (
der papst) sey gottes stathalter auff erden und ein jrdisscher gott, eine person aus gott und mensch zu samen geschmoltzen Luther 30, 2, 488
W.; se denen mönniken und papen, de pawest is ere got Uhland
volkslieder (1881) 426. III@E@2@b@bβ)
von königen, fürsten, regenten, zunächst im anschlusz an prägnanten gebrauch des alten testamentes: den göttern soltu nicht fluchen, vnd den obersten in deinem volck soltu nicht lestern
2. Mose 22, 28;
vgl. 21, 6; 22, 8; 9;
ps. 28, 1; fursten und regenten dieser welt werden genannt und sind gewisz götter darum, dasz sie gott zu statthaltern gesatzt und verordnet hat Luther
tischr. 2, 314
W. jünger von hier aus oder unter dem einflusz antiken, namentlich durch den spätrömischen kaiserkult bedingten sprachgebrauchs (
s. Kittel
theol. wb. z. n. t. 3, 68),
aber durchweg mit einschränkendem attribut als irdische götter, götter dieser erde, dieser welt
u. ä. (
die gleichen wendungen auch anders, s. u. ε): dein Carl, dein kayser, lebt, dein herr, dein irdscher gott J. Chr. Günther
s. w. 4, 126
Krämer; Rädlein (1711) 402
a; da sie ... nicht sehr geneigt scheinen, was auch dabey zu gewinnen wäre, viel weihrauch an die götter der erde, oder diejenigen, die ihre gnaden austheilen, zu verschwenden Wieland
s. w. (1794) 24, 33; ja die gekrönet auch sich der welt götter nennen Weckherlin
ged. 2, 143
Fischer; fürsten! götter dieser welt, dencket, das ihr könnet fallen Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 173; ich habe nie in meinem leben das bücken vor weltlichen göttern (
den fürsten) weder verstanden noch geliebt Gervinus
an Dahlmann in: Jac. Grimm
br. an Gervinus 2, 415
Ippel. III@E@2@b@gγ)
gelegentlich in der einschränkung auf den träger einer bestimmten auszergewöhnlichen leistung: elender ceremonienmeister! Savoyarde des theaters, nicht schöpfer! dichter! dramatischer gott! Herder 5, 227
S.; er nennt den Raphael einen urbinatischen hafner, nach der pöbelhaften sage, dasz dieser gott der künstler gefäsze bemahlt Lessing 15, 298
L.-M.; noch nie hat ein künstler in unseren mauern so ungeheure sensation erregt, als dieser gott der violine Castelli
s. w. (1844) 10, 143. III@E@2@b@dδ)
allgemeiner, in der anwendung des prädikates gott
auf irgendwelche menschen. noch dem eigentlichen vergleich nahe: vnd er (
Aaron) sol für dich (
Mose) zum volck reden, er sol dein mund sein, vnd du solt sein gott sein
2. Mose 4, 16; (
der) patriarch! — hat also gegen alle verluste späterer zeiten, unschuld, gottesfurcht, menschlichkeit: in denen er für jedes späte zeitalter ewig ein gott seyn wird! Herder 5, 506
S. in unmittelbarer übertragung: einige bekanntschaften habe ich indesz schon bei Charlotten gemacht ... die übrigen Weimarischen götter und götzendiener werde ich in dieser woche schon expedieren. Wieland soll mir hierinn einige politische maaszregeln vorzeichnen (1787) Schiller
br. 1, 354
Jonas; wie wackelig die zeiten sind, das spürt man nur an der haltlosigkeit der heutigen götter (
der emporkömmlinge) (1926) Lersch
br. u. ged. 104
Jenssen. besonders auf innermenschliche beziehungen angewandt, um die zuerkannte oder auch angemaszte überlegenheit eines menschen über einen oder viele andere zu umschreiben: und die prediger wollen götter seyn uber die zuhörer Luther
tischr. 6, 253
W.; ein gott bist du dem volke worden, ein feind kommst du zurück dem orden Schiller 11, 282
G.; preise dem kinde die puppen, wofür es begierig die groschen hinwirft, so bist du fürwahr krämern und kindern ein gott Göthe I 5, 245
W. in durchaus positivem, stark auszeichnendem sinne: so sollen wir auch unserer nehisten götter sein, das wir auch die ergisten feinde lieb haben Luther 24, 111
W. so namentlich im sprichwort: ein mensch ist des andern
got. wann ein mensch den andern ... in todts nöten erredt, sagt man, der ist sein got gewesen, es were jm sonst vbel gangen Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 41
a; wo wir einander begegnen, vnd zusamen komen, je einer dem andern freundlich zuspreche, vnd gruosse ... hieher gehOeret das gemeine sprichwort, dasz man sagt, ein mensch ist des andern gott Gretter
erklerung d. epistel S. Pauli (1566) 27; Schellhorn
sprichw. (1797) 87.
die einschränkung, dasz das prädikat gott
hier nur subjektive gültigkeit hat, wird gern durch vorgesetztes possessivpronomen verdeutlicht, vgl. schon in einmaliger mhd. bezeugung (
dazu aber unter göttin 3 b a): min got! min wunsch! du vræude min! du an begin! du sendes drum! (
anrede an die geliebte) Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 6722
R.; so etwan dir ein guoter fründ vsz grosen nOeten hilfft, so sprichstu, der ist mein got vff disen tag gewesen Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) 6
b; ein Göthepfaffe, der so glücklich war eine ganze brieftasche voll ungedruckter zettelchen von seinem gotte zu besitzen Börne
ges. schr. (1829) 8, 85; kommt heute (
nach Bach) mein 'zweiter gott' W. A. Mozart
kriegsbr. gef. stud. (1928) 257. III@E@2@b@eε)
vom menschen überhaupt in der wendung gott der erde, gott der welt (
anders s. oben β): die jagd ergözt der erden götter J. Chr. Günther
s. w. 1, 308
Krämer; vgl. 4, 77; aber tritt er daher, der wie der wachsende ahorn schlank sich erhebt, komt er der erde gott (
der mensch) Klopstock
oden 1, 53, 10
M.-P.; Herder 6, 283
S.; wohl den schöpfer ahmet ihr nach, ihr götter der erde Göthe I 2, 129
W.; vgl. 21, 108; der kleine gott der welt bleibt stets von gleichem schlag und ist so wunderlich als wie am ersten tag (
sagt Mephisto vom menschen) Göthe I 14, 20
W. III@E@2@cc)
in der anwendung auf menschen, sofern sie an göttlicher art anteil gewinnen oder besitzen. III@E@2@c@aα)
in biblisch-christlichem gebrauch, im anschlusz an die Joh. 10, 34
f. zitierte stelle aus ps. 82, 6: iâ ist giscriban in iuuueru êvvu: uuanta ih quad: ir birut gotâ? oba thiê quad gotâ ci dên gotes uuort gitân ist ... (...
quia ego dixi: dii estis? si illos dixit deos ad quos sermo dei factus est ...)
Tatian 134, 8 (Luther
Joh. 10, 34: götter); Otfrid III 22, 49; als spricht nser herre: 'ich sprich daz ir gOet sint' (
ps. 81, 6)
St. Georgener pred. 97, 8
R.; vgl. 12; macht das gespreche gots mit dem menschen, aus menschen gOete vnd gots sOene, denckt es nicht zuuertragen, das ich mich gots son nenne
M. Risch
paraphrasis (1524) Cc 3
a.
in älterer geistlicher und mystischer ausdeutung, vgl. auch die ausdrückliche einschränkung einer Boëthiusstelle bei Notker: also fone rehtes kuuinne rehte unde fone uuistuomes quuinne uuise, so uuerdent ouh note gota ze samolichero uuis fone gotes kuuinne ... aber den underskeit fernim du uuola, ein got ist echert naturlicher, knuoge mugen uuerden per gratiam, an imo teil habendo 1, 190, 13
P.; alsô sulen wir von gnâden got sîn, als got von nâtûre got ist meister Eckhart in:
dt. mystiker 2, 533, 10
Pf.; Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 7843
Singer. III@E@2@c@bβ)
anders in jüngerem, nicht eigentlich christlichem gebrauch, auf das göttliche im menschen, den göttlichen teil der menschlichen natur anspielend: der mensch ist aber ein gott, so bald er mensch ist. und ist er ein gott, so ist er schön Hölderlin
s. w. 2, 185
Hell.; jeder gute mensch wird immer mehr und mehr gott. gott werden, mensch seyn, sich bilden, sind ausdrücke, die einerley bedeuten Fr. Schlegel in:
Athenäum 1, 2, 73; wer zum ersten male liebt, seis auch glücklos, ist ein gott H. Heine
s. w. 1, 123
Elster. III@E@33)
in gegenständlicher anwendung können auch konkrete dinge oder abstrakte gröszen als gott, götter
bezeichnet werden. III@E@3@aa)
meist mit dem negativen ton des abgöttischen, götzenhaften, von allem weit über gebühr bewerteten oder von dem, was sittlich wertlos ist, wenn es praktisch an die stelle des einen wahren gottes
oder der götter
gesetzt wird. allgemein: swaz der menshe aller meist minnet uf erthriche, daz hat her ir welet zu eineme gote
d. hl. regel 6, 1
Priebsch; worauff du nu (sage ich) dein hertz hengest und verlessest, das ist eygentlich dein gott Luther 30, 1, 133
W. vor allem gott bauch,
im anschlusz an Phil. 3, 19: die feinde des creutzes Christi; welcher ende ist das verdamnis, welchen der bauch jr gott ist, vnd jre ehre zu schanden wird.
im allgemeinen gebrauch wird die dieser bibelstelle zugrundeliegende überbewertung der jüdischen speisegesetze als materialistische lebensweise umgedeutet: die daz vleisch uber vetzen und irn buch zu gote setzen Heinrich v. Hesler
apokalypse 14 510
Helm; die fresser vnd sauffer, deren grOester lust ist in wollust zuo essen ... also das ir buch ir got ist Murner
in: Hutten
opera 5, 452
Böcking. daneben: so bald der mammon ... für ein gott gehalten wirt, treibt vnd verjagt er alle tugent hinwegk, vnd besetzt die statt mit lastern vnd vnbilligkeit Scheit
Grobianus 4
ndr.; gold ist ihr gott, geld ist ihr licht Paul Gerhardt
ged. 191
Goed. in der anwendung auf abstrakta: und (
sie) buhlet mit den göttern der fleischeslust, als mit hoffart und geize Jac. Böhme
s. w. 5, 517
Schiebler; der eigennutz, der gott dieser welt Kant
s. w. (1867) 6, 342
Hart.; gold und macht die höchsten götter Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 360. III@E@3@bb)
neutral oder positiv von inneren kräften, werten und idealen: meine liebe ist der gott, der mich begeistert Schiller 14, 192
G.; daher ist das wollen schmeichlerisch und muszte sich der menschen bemächtigen, sobald sie es kennen lernten. es ist der gott der neuern zeit (
gegenüber dem gesetz des '
sollens'
in der antiken tragödie) Göthe I 41, 1, 61
W. indirekt: denn es zerreiszt mir fast das herz, wenn ich in eben dieses herz zu den lieben schönen hohen dingen ... das heu stroh und den häkerling des amtes laden, und die götter dadurch beschmuzen musz Stifter
s. w. 18 (1941) 220.
zusammensetzungen. als erstes glied eines kompositums begegnet gott
in tausenden von bildungen, wie sie in dem reich entwickelten sprachleben des wortes mit seinen festen verbindungen und geprägten formeln an vielen stellen unmittelbar oder mittelbar vorgebildet sind. dabei ist bis ins 16.
jh. und besonders in diesem jh. die frage, ob noch blosze verbindung oder bereits komposition vorliegt, in vielen fällen nicht zu entscheiden, da sichere kriterien fehlen, vgl. dazu Paul
prinzip. d. sprachgesch. (
51937) 325
ff. und die kopfbemerkungen unter gott I C; D; E.
der noch leicht überschaubare bestand ahd. zusammensetzungen erfährt im mhd. bereits erheblichen zuwachs. im nhd. sind das reformationsjahrhundert und die zweite hälfte des 18.
jhs. besonders bildungsfreudig. in jüngerer und jüngster zeit scheint der zustrom an neubildungen nachzulassen. was die form der komponierung betrifft, so zeigt das ahd. nur echte komposition, mit und ohne bindevokal, vgl. z. b. ahd. goteforahtal, gotegelt, gotopetti, gotawebbi, gotewuoto
neben gotforht, gotman, gotspel, gotspellôn
u. a.; die letztere bildungsweise behauptet sich im mhd. noch weithin (
vgl. z. b. unten kompositionstypen I B 2 d),
wie sie grundsätzlich auch später, zumal in jungem gebrauch, noch möglich ist. daneben treten seit dem frühmhd. in steigendem masze zusammengerückte substantivverbindungen mit genitivischem gottes-
als erstem glied (
vereinzelt spätahd. gotesgelt [10.-11.
jh.]
ahd. gl. 1, 651, 66
St.-S., aber noch cotekelt, kotekelt [8.-9.
jh.]
ebda 273, 45),
ein typus, der die hauptmasse aller jüngeren bildungen stellt. im nhd. ist das bild der fuge durch das nebeneinander der gottes- (
bzw. gotts-)
und der fugenlosen gott-
bildungen bestimmt. weithin sind für die wahl der einen oder der anderen bildungsweise die syntaktischen beziehungen zwischen grund- und bestimmungswort maszgebend, s. dazu die bemerkungen unter den kompositionstypen. zur erklärung des doppelgebrauchs in zahllosen bildungen kommen neben einer oft möglichen verschiedenheit der syntaktischen auffassung aber auch andere gesichtspunkte in frage, die hier nur angedeutet werden können: so das übergewicht der gottes-
bildungen, das sich analogisierend nicht selten auch in adjektiven wie gotteseinsam, gotteshell, gotteswidrig,
gelegentlich sogar in partizipien wie gotesminnend Seuse 29
B., gottesverachtet
hdwb. d. staatswiss. (1898) 6, 391
durchsetzt, umgekehrt das besonders in gehobenem jüngerem gebrauch hervortretende bedürfnis nach variierung, das anstelle der abgenutzten fuge die fugenlose bildung bevorzugt, des weiteren rhythmische rücksichten in der gebundenen rede, ausfall des fugenelements vor s-
anlaut des grundwortes. in vielen fällen fugenloser bildung ist die formale herleitung nicht eindeutig auszumachen, da sich in jüngerem gebrauch offenbar die neigung verstärkt, echt zu komponieren. die kurzform gots-, gotz-
für gottes-
eignet namentlich den bildungen des 15. und 16. jhs., tritt aber vielfach auch mundartlich hervor und hält sich in bildungen blosz verstärkender bedeutung auch schriftsprachlich (
s. kompositionstypen I F 4).
kompositionstypen. zur frage der kompositionsfuge vgl. die bemerkungen in den einzelnen köpfen unten. verschiedenheit der fuge nach gottes-, gotts-
und gott-
bildungen innerhalb des gleichen typus bleibt für die alphabetische folge unberücksichtigt, wird aber im fall jeder abweichung durch abdruck der vollen form gegen die vorhergehende abgesetzt, wie auch bezeugte doppelformen bei gleichem grundwort grundsätzlich aufgeführt sind. II.
im anschlusz an gott I
als den biblisch-christlichen gott in zahllosen bildungen. auch dort, wo manche der jüngeren bildungen daneben auch für gott II
als den dogmatisch unverbindlicheren oder für gott III
als den heidnisch-antiken gottesbegriff in anspruch genommen werden könnten, bleibt im ganzen der christliche wortgebrauch ausgangspunkt und richtmasz. an einzelnen stellen christlichheidnischen doppelgebrauchs freilich scheinen antike prägungen primär, entsprechende christliche sekundär zu sein (
s. unt. B 2 b; c; e). I@AA.
während aus dem bereich gott I A
sich keine gruppe von zusammensetzungen ergibt, wird durch gott
als bezeichnung Christi eine reihe typischer bildungen bestimmt, mit oder ohne fuge je nach der syntaktischen beziehung der kompositionsglieder. besonders im anschlusz an den halbprägnanten gebrauch I B 2 b
γ;
δ: