gottlob ,
ausruf; interjektion, älter auch gottelob.
zusammenrückung aus gott lob,
dies verkürzt aus gott sei lob.
als got(e) lob
schon frühmhd., vgl. s. v. gott
sp. 1098,
zusammengeschriebenes gotelob
um 1300 (
s. u. 2 a).
in zunehmendem masze zur formel und unverbindlichen floskel erstarrend, rückt das wort mehr und mehr aus dem vollgewichtigen in den religiös entleerten gebrauch. 11)
noch mit dem charakter eines mehr oder weniger selbständigen ausrufs. 1@aa)
verhältnismäszig selten als eigentlicher, von einem verbum des sagens oder denkens abhängiger ausruf: das war nicht lange, fand er (
könig Ludwig) die Normannen: gottlob! rief er, seinen wunsch sah er (
ahd.: gode lob sagêda, her sihit thes her gerêda) Herder 25, 492
S.; gottlob! rief er mir wieder zu Stolberg
ges. w. (1820) 6, 100; der ... lehrjunge ... dachte ..., als er fertig war: 'gottlob!' Hebel
w. 2, 128
Behaghel. hierher: se weet nix as idel gotlof
von einer person, die immer im frömmelnden ton spricht Schütze
Holst. 2, 58
und ähnl. redensarten bei Mensing
schlesw.-holst. 2, 450.
in der wechselrede, ohne unmittelbare verbale abhängigkeit: (
fremder:) ah! ihr nennt euch Sophie? (
Sophie:) ja. (
fremder:) gottlob! Müllner
dram. w. (1828) 1, 42.
älteres gottlob sagen
vereinzelt wohl geradezu umschreibend für '
gott danken': wann do Lya Judam geboren het do sagt sy gotlob ausz innerlicher lieb (
vgl. 1. Mose 29, 35) Keisersberg
granatapfel (1510) J 2
c. 1@bb)
als ausruf am kopf eines hauptsatzes: dasz man nicht anders gemeinet, ich würde sterben. aber gottlob, es ward besser Schweinichen
denkw. (1878) 32.
in jüngerem gebrauch recht häufig: gottlob! der wunsch ist nun gewährt Stoppe
Parnasz (1735) 2;
vgl. 5; 6; 89; dein nachbar ächzet an der gicht; gottlob! mich traf die plage nicht! Herder 27, 373
S.; na, gottlob, ich dachte schon, wir hätten wieder vergeblich gelauert W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 8.
seltener am satzende: sein appetit war trotz den tragischen umständen eher gröszer als kleiner geworden, gottlob Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 219. 1@cc)
in gleicher funktion nicht selten auch einem dasz-
satz vorangestellt: das vnglück wil gerühmet seyn, dasz man noch sagen musz, gottlob das nicht arger ist Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) M 6
b; gottlob! dasz ich nicht schuldig bin! Stieler
geharnschte Venus 43
ndr.; und so lieb ich Jesum Christum ... es war eine zeit, da ich Saulus war, gottlob dasz ich Paulus geworden bin Göthe I 37, 157
W.; gottlob, dasz sie mich verstanden haben, rief er mir entgegen Holtei
erz. schr. (1861) 2, 13. 1@dd)
mnd. elliptisch und versachlicht etwas ist nicht gottlob
nicht so, dasz man gottlob
sagen kann: se kofften dür und gheven na, ydt was nicht goddeloff, haha (
Braunschweig 1490)
städtechron. 16, 161;
vgl. 213 22)
vorwiegend als parenthetische interjektion im inneren zusammenhang einer satzaussage; so schon mhd. 2@aa)
mit noch gefühltem religiösem bezug; so in älterem gebrauch vorwiegend, in jüngerem seltener: din bruder der ist nicht verkert ich habe in gotelob gelert, wie er vz valscheme lebene getreten ist vil ebene
passional 289, 71
Hahn; was uns von des gnanten uwers bruders ... am vergangen sonnabent zu vesperzyd gotlob sere erfreüwelich inquam (1476)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 168; davon ich denn gottlob nicht krank ward Schweinichen
denkw. (1878) 157; mit meinen kindern geht es gottlob ohne böse zufälle ab, und es soll hoffe ich in wenig tagen wieder gut stehen Schiller
br. 7, 206
Jonas; um zwei, gottlob, und um die drei glänzet empor ein hahnenschrei Mörike
w. 1, 162
Göschen. 2@bb)
häufiger als unter 1
als religiös entleerte formel, etwa seit der mitte des 18.
jhs., in getrennter schreibung so aber öfter schon früher belegbar (
vgl. s. v. gott
sp. 1098).
wie formelhaftes gott sei dank (
vgl. s. v. gott
sp. 1099)
im sinne von '
zum glück, glücklicherweise': ich mache jetzt, gottlob! keine falschen (
reime) mehr Gleim
briefw. 1, 80
Körte; ich weisz gottlob für diese ekelhaftigkeit kein deutsches wort
Europa (1803) 2, 155
Fr. Schlegel; aus den nordischen substantiven bin ich gottlob seit gestern wieder ins land der adjectiva versetzt worden br. Grimm
br. an Benecke 146
W. Müller; in den übrigen akten war herr Mischke (
ein unmöglicher schauspieler) (gottlob!) wieder zuschauer (1902) Rilke
br. 1899 -1902 (1931) 170.
in gegensätzlicher korrespondenz zu leider: giebt es gleich leider! noch viele geistliche, welche dem kaiser hindernisse in den weg legen; so giebt es doch gottlob! auch selbst hohe geistliche, welche ihm gleichförmig denken und handeln Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 2, 614. 2@cc)
gelegentlich in jüngerem gebrauch ironisierend oder sarkastisch: da lag in diesen dem scheine nach gewaltsamen anstalten und verbindungen oft ein vestes, bindendes, edles und groszherrliches, das wir mit unsern gottlob! feinen sitten ... fürwahr weder fühlen noch kaum mehr fühlen können Herder 5, 524
S.; vgl. 536; 549; bei uns sind gottlob! alle nationalcharaktere ausgelöscht! Herder 5, 551
S.; (
Miller) (
lacht voll bosheit:) gottlob! gottlob! da haben wir ja die bescheerung! Schiller 3, 410
G.; bis zum betteln habt ihr es, gottlob, bald gebracht A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 283.
in wortspielerischem scherz: hätte der liebe gott bei erschaffung der welt zu Goethe gesagt: 'lieber Goethe, ich bin jetzt gottlob fertig' H. Heine
s. w. 3, 265
E.