Metamorphose selten abgekürzt ‘Metamorph(.)’ od ‘Metam.’; ‘Metarmophose’ (GWBN7,113,1
); mit ca 400 Archivbelegen erheblich stärker nachgewiesen als ‘Umbildung’ (56), ‘Umgestaltung’ (7), ‘Umwandlung’ (43) od ‘Verwandlung’ (88). - Ausgehend von antiken Vorstellungen des Formen- u Gestaltenwandels (griech μεταμόρφωσισ), bes im Mythologischen mit seiner poetischen Summa in Ovids ‘Metamorphosen’1) (vgl Pkt 1b), aber auch in den biologischen Auffassungen des Aristoteles, entwickelt Goethe seine Theorie der Metamorphose weitgehend unabhängig von den vergleichsweise zeitnahen Positionen bei Swammerdam, Leibniz, Bonnet, Voltaire u Linné zum Grundbegriff seiner Morphologie. In der Metamorphose erkennt Goethe ausgehend von seiner gegenständlichen Anschauungsweise das allgemeine Entwicklungsprinzip der (künstlerisch) schaffenden Natur (natura naturans), das er als einen vom Innern der Dinge heraus erfolgenden Generierungsvorgang betrachtet u dabei als das Gegenmodell zu hierarchisch-klassifizierenden Ordnungssystemen versteht. Universalen Harmonie- u Korrespondenzprinzipien folgend, geht Goethe von einem spezifischen, gestaltgebenden u gestaltverändernden ‘Bildungstrieb’ aus u zielt auf eine Deutung der Formenvielfalt durch stetige Entwicklung, wodurch er teleologischen Konsequenzen entgeht (s in diesem Zshg auch s v Entelechie u Monade). Metamorphose (od Gestaltwandel) ist für Goethe der Schlüssel für das Verständnis von Gestalt als Zeichen des beweglichen Lebens der Natur. Er erkennt u beschreibt den Formenwandel vornehmlich innerhalb bestimmter Arten u Spezies. Er nimmt jeweils ein elementares, typologisches Phänomen an - bei den Pflanzen das Blatt, bei den Wirbeltieren den Wirbel -, das überall in der Gestalt der jeweiligen Lebewesen auf je differenzierte, modifizierte, sich tendenziell steigernde Weise wiederkehre. Obwohl sich Goethe den ‘mystisch’ erscheinenden Gedanken einer artenübergreifenden Entwicklung zumeist versagt (zB GWBN7,83,22
), finden sich insbes bei zool Betrachtungen dennoch Ansätze zu einem Konzept stammesgeschichtlicher Entwicklung (s 2b u unter 2d). Die Metamorphose erscheint als ein zentrales übergreifendes Wirkprinzip, das sich in der Abwandlung der Grundformen, zB durch Ausdehnung (Diastole) u Zusammenziehung (Systole) sowie andere Transformationstypen auf den gesamten Bereich der Biologie von den Pflanzen (s 2aα), über Insekten u Weichtiere bis zu den Wirbeltieren erstreckt (2aβ). Goethe schließt unter Feststellung der ontologischen Differenz zur belebten Natur (generalisierend) auch die unbelebte mit ein, wenngleich er etwa wegen der Nichtbeobachtbarkeit der Zeitabläufe der Prozesse (zB bei Gesteinsbildungen) die explizite Wortverwendung vermeidet (s 2c u 2d).2) Sein morphologisches Konzept bezieht auch die Bildung des Menschen (s zB 2aα) sowie kulturelle u gesellschaftliche Entwicklungen mit ein, wobei er auch hier zur Beschreibung seiner Beobachtungen das Wort Metamorphose meist umgeht (s 3).3) 1
als mythologisches, künstlerisches Motiv: phantastische, zauberische, auch mystische Verwandlung eines Wesens (in ein Wesen anderer Art) a
wiederholt in allg Aussage, überwiegend mBez auf Transformationen in Tiere, Mischwesen, auch Steine ua das erste [
Epigramm] von Menage, welcher Juno auf diese [
Myrons] Kuh eifersüchtig sein läßt, weil sie ihr eine zweite Jo vorzubilden scheint. Diesem..Neueren ist also zuerst beigegangen, daß es im Alterthum so viele ideelle Thiergestalten gibt, ja daß sie, bei so vielen Liebeshändeln und M-n, sehr geeignet sind, das Zusammentreffen von Göttern und Menschen zu vermitteln GWB49
2,13,13 MyronsKuh Poetische M-
n..Phantasie ist der Natur gewachsen, Sinnlichkeit wird von ihr beherrscht..Frühste..Sinnlichkeit finden wir immer sich zur Phantasie erhebend. Sogleich wird sie productiv, antropomorphisch. Felsen und Ströme sind von Halbgöttern belebt, Untergötter endigen unterwärts in Thiere..Götter nehmen Thiergestalt an, ihre Absichten zu erfüllen..Bei Ovid ist die Analogie der thierischen und menschlichen Glieder im Übergang trefflich ausgedrückt GWBN6,361,9 PoetMetam Titel [
Mephisto, zu den eselsähnlichen Lamien, wohl in Anspielung auf Apulejus' ‘Metamorphosen’:] diese Mühmchen, zart und schmächtig,|Sie sind mir allesammt verdächtig;|Und hinter solcher Wänglein Rosen|Fürcht' ich doch auch M-
n.. [
Lamien:] Laßt nach und nach die Masken fahren|Und gebt ihm euer Wesen bloß GWB15
1,143 Faust II 7759 [
wohl in Anspielung auf die Vereinigung von Drache u Mensch zu einem neuen Wesen im 25. Gesang der ‘Divina Commedia’]
M. im höhern Sinn durch Nehmen und Geben, Gewinnen und Verlieren hat schon Dante trefflich geschildert GWB42
2,118,15 MuR(96)
uö(selten) b
speziell für Ovids ‘Metamorphosen’ bzw die darin enthaltenen Verwandlungsgeschichten Abends den Mann von 50 Jahren. Bey dieser Gelegenheit Ovids M-n und eine zeitlang darin gelesen GWBT11,32,7 v 11.3.27 Mit dem größten Entzücken sieht man im Apollo-Saal der Villa Aldobrandini zu Frascati, auf welche glückliche Weise Dominichin [
DZampieri] die Ovidischen M-n mit der schicklichsten Örtlichkeit umgibt GWB48,182,15 MuR(232) c
‘phantastische M.’ mBez auf Innendekoration; in Berührung mit 2aα [
betr Arabeskenmalerei der Villa Borghese] Bei solchen Willkürlichkeiten jedoch ist wohl zu merken, daß eine geniale phantastische
M. immer geistreicher, anmuthiger und zugleich möglicher sich darstelle, je mehr sie sich den gesetzlichen Umbildungen der Natur, die uns seit geraumer Zeit immer bekannter geworden sind, anzuschließen und sich von daher abzuleiten das Ansehn hat GWB49
1,181,25 Üb:Zahn,OrnamentePompeji
[] 2
im Zshg von Naturanschauung u (dynamischer) Naturkonzeption: gesetzmäßiger, kontinuierlicher, auf Entwicklung u Steigerung ausgerichteter Formenwandel a
mBez auf die Individualentwicklung von Lebewesen; öfter in allg Aussage (vgl 2d) α
botan: für das auf der (kontinuierlichen, sich qualitativ steigernden) Umbildung des als das pflanzliche Grundorgan angesehenen Blattes begründete, durch abwechselndes Aufeinanderfolgen von Diastole u Systole gekennzeichnete Entwicklungsphänomen; auch im Hinblick auf innere wie äußere Bedingungen des Wandlungsprozesses Die
M. ist ein Phänomen das sich mir bey Betrachtung der Pflanzen jederzeit aufdringt und das ich nicht bemercken kann ohne daß zugleich der Begriff der Stetigkeit in mir entstehe GWBN13,120,6 MetamPfl Plp Alle Organe der Blüthe: Kelch, Krone, Staubfäden und Fruchtknoten sind umgestaltete Blätter. Sie sind also im Wesen gleiche, nur durch die Potenz ihrer
M. verschiedene Blätter GWBN7,343 SpiralTend 1831 Die
M. findet vorwärts wie rückwärts statt, wobei ein wichtiger Umstand zu beobachten ist. So wenig man leugnen kann, daß eine Pflanze von ihrer Wurzel bis zur Blume und Frucht zusammenhängt und von unten auf den thätigsten Einfluß empfindet, so scheint es doch, daß jedes Organ, an jedem Knoten selbst thätig sei und sich dadurch gleichsam selbst hervorbringen und gestalten und den folgenden zu einer neuen Hervorbringung und Gestaltung Gelegenheit und Anlaß vorbereiten müsse GWBN7,338 Versuche übWachstum dPfl 1796 Begriffe einer Physiologie. Die
M. der Pflanzen, der Grund einer Physiologie derselben. Sie zeigt uns die Gesetze, wornach die Pflanzen gebildet werden. Sie macht uns auf ein doppeltes Gesetz aufmerksam: 1. Auf das Gesetz der innern Natur, wodurch die Pflanzen constituirt werden. 2. Auf das Gesetz der äußeren Umstände, wodurch die Pflanzen modificirt werden GWBN6,286,5 PhysiolPfl N1,248,6u10 FlD 620u621 N13,52,3 MetamPfl Nachtr Plp
uö mehrf ‘regelmäßige, fortschreitende M.’ uä, auch ‘unregelmäßige, rückschreitende M.’ ua, einmal ‘dritte M.’ für eine von außen bewirkte, zufällige Wandlung Die regelmäßige
M. können wir auch die fortschreitende nennen: denn sie ist es, welche sich von den ersten Samenblättern bis zur letzten Ausbildung der Frucht immer stufenweise wirksam bemerken läßt, und durch Umwandlung einer Gestalt in die andere, gleichsam auf einer geistigen Leiter, zu jenem Gipfel der Natur, der Fortpflanzung durch zwei Geschlechter, hinauf steigt GWBN6,26,17 MetamPfl 6 Der zweite..Erfahrungssatz ist der: daß das Wachsthum, welches über der Erde, gegen die Luft zu, sich fortsetzt, nicht immer in einem gleichen Schritte vorwärts gehen kann, sondern die Gestalt nach und nach verändern und die Theile anders bestimmen muß. Dieses ist die regelmäßige vorwärtsschreitende
M. der Pflanzen GWBN6,284,19 MetamPfl II 10 Freilich wäre hiebei [
bei bildkünstlerischer Darstellung der Pflanzenmetamorphose]..von der eigentlichen, gesunden physiologisch-reinen
M. auszugehen und alsdann erst das Pathologische, das unsichere Vor- und Rückschreiten der Natur, die eigentliche Mißbildung der Pflanzen darzustellen und hiedurch dem hemmenden Verfahren ein Ende zu machen, bei welchem von
M. bloß die Rede war, wenn von unregelmäßigen Gestalten und von Mißbildungen gesprochen wurde GWBN6,172,18u23 MetamPfl Nachtr Die unregelmäßige
M. könnten wir auch die rückschreitende nennen. Denn wie in jenem Fall die Natur vorwärts zu dem großen Zwecke hineilt, tritt sie hier um eine oder einige Stufen rückwärts. Wie sie dort mit unwiderstehlichem Trieb und kräftiger Anstrengung die Blumen bildet, und zu den Werken der Liebe rüstet, so erschlafft sie hier gleichsam, und läßt unentschlossen ihr Geschöpf in einem unentschiedenen..unkräftigen und unwirksamen Zustande. Durch die Erfahrungen, welche wir an dieser
M. zu machen Gelegenheit haben, werden wir dasjenige enthüllen können, was uns die regelmäßige verheimlicht GWBN6,27,8u19 MetamPfl 7 Merckwürdiger Fall.|Acatien erst aus dem Saamen vielblättrig aufgehend, dann lanzenförmig, in umgekehrter
M.|Wundersam daß die Blätter der dortigen [
aus Australien stammenden] Pflanze diesen Habitus zeigen GWBN13,52,21 MetamPfl Nachtr Plp Dagegen werden wir von der dritten
M., welche zufällig, von außen, besonders durch Insecten gewirkt wird, unsere Aufmerksamkeit wegwenden, weil sie uns von dem einfachen Wege, welchem wir zu folgen haben, ableiten und unsern Zweck verrücken könnte. Vielleicht findet sich an einem andern Orte Gelegenheit, von diesen monströsen, und doch in gewisse Gränzen eingeschränkten Auswüchsen zu sprechen GWBN6,27,24 MetamPfl 8 N6,175,6 MetamPfl Nachtr B47,207,10 FSVoigt 4.9.30 K N6,180,15 MetamPfl Nachtr N6,64,13 MetamPfl 75
uö in bildlich-vergleichendem Zshg: bezogen auf Goethes eigene frühe Entwicklung (im Zshg von ‘Dichtung u Wahrheit’) bzw im Lehrgedicht ‘Die M. der Pflanzen’ auf die Entwicklung einer Liebesbeziehung (als generativem Schöpfungsakt) Ehe ich diese nunmehr vorliegenden drey Bände zu schreiben anfing, dachte ich sie nach jenen Gesetzen zu bilden, wovon uns die
M. der Pflanzen belehrt. In dem ersten sollte das Kind nach allen Seiten zarte Wurzeln treiben und nur wenig Keimblätter entwickeln. Im zweyten der Knabe mit lebhafterem Grün stufenweis mannigfaltiger gebildete Zweige treiben, und dieser belebte Stengel sollte nun im dritten Beete ähren- und rispenweis zur Blüte hineilen und den hoffnungsvollen Jüngling darstellen GWB28,356,3 DuW III EntwVorr Die
M. der Pflanzen.. ..Jede Pflanze verkündet dir..die ew'gen Gesetze,|Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir..|O, gedenke denn auch, wie aus dem Keim der Bekanntschaft|Nach und nach in uns holde Gewohnheit entsproß,|Freundschaft sich mit Macht in unserm Innern enthüllte,|Und wie Amor zuletzt Blüthen und Früchte gezeugt GWB3,85 MetamPfl Eleg Titel ─
metonym (auch im Titel) für Goethes Metamorphose-Schriften bzw die darin ausgeführte Lehre, auch in Personifikation [
erste Begegnung mit Schiller] ..da trug ich die
M. der Pflanzen lebhaft vor, und ließ, mit manchen charakteristischen Federstrichen, eine symbolische Pflanze vor seinen Augen entstehen. Er vernahm und schaute das alles mit großer Theilnahme..als ich aber geendet, schüttelte er den Kopf und sagte: „Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee.” GWBN11,17,16 GlücklEreign Die Metamorphose der Pflanzen ward als Herzenserleichterung geschrieben GWB35,13,18 TuJ 1790 Herrn Frommann
d. J., Jena, die ersten Bogen der französischen Übersetzung meiner
M. [] GWBT12,185,25 v 23.1.30 Und nun zum Schluß: was sagen Sie von Henschels Werke über Sexualität der Pflanzen? Schelver hat mir längst diese Lehre vertraut und ich konnte ihr nicht abgeneigt seyn, denn sie ist doch im Grund eine natürliche Tochter der
M. GWBB33,127,14 Nees 23.7.20 Goethe's
M. hatte einen zu tiefen Sinn, sprach durch Einfachheit so sehr an, und war so fruchtbar an den nützlichsten Folgerungen, daß man sich billig nicht wundert, wenn sie weitere Erörterungen veranlaßte, obwohl mancher sich stellte, sie nicht zu achten GWBN6,256,26 MetamPfl Wirkg 1830 [Sprengel] 33,197,2 Camp N6,159,26 MetamPfl Nachtr
uö β
zool: für deutlich nach Entwicklungsstadien geschiedene Umwandlungs- u Wachstumsvorgänge von der Larve zur Adultform bei Wirbellosen (Insekten, Würmern, Weichtieren) u niederen Wirbeltieren (Amphibien), einmal ‘vollkommene M.’ Sobald die unbedeutenden oder ungestalteten Bildungen der Würmer, Mollusken und dergleichen, sich durch
M. oder sonst zu einer entschiedenen Gestalt entwickeln, findet man den Körper in drey Hauptabtheilungen gesondert, welche verschiedene Lebensfuncktionen ausüben und durch ihre Verbindung unter einander, durch ihre Wirckung auf einander die organische Existenz auf einer höhern Stufe darstellen GWBN13,204,13 VglAnatomie 3 Plp Am auffallendsten aber zeigt sich die Farbengewalt [
der an/in Pflanzen sich entwickelnden Insekten] verbunden mit regelmäßiger Organisation, an denjenigen Insecten, welche eine vollkommene
M. zu ihrer Entwicklung bedürfen, an Käfern, vorzüglich aber an Schmetterlingen GWBN1,257,21 FlD 649 35,72,6 TuJ 1797 N8,84,24 Vortr VglAnatomie 3 1796
uö mBez auf Häutung bzw Mauser bei Schlangen u Vögeln, auch Spinnen Schlangen und ihre Häutungen, und was sonst auf die
M. deuten mag GWBN6,320,22 Morph Schema Daß [
JPh]Leisler in Frankfurt die
M. der Vögel näher in's Licht setzt, freut mich sehr. Das Mausen ist als eine Art von Häutung zu betrachten..Es sind jährliche Ausbildungs- und Umbildungsepochen GWBB23,114,26 Knebel 17.10.12
uö(selten) speziell bei Säugetieren; für die differenzierte Umformung wesensgleicher Körperteile in Hinsicht auf Goethes Auffassung vom Wirbel als dem sich wiederholenden, differenzierenden Grundelement (in Analogie zum pflanzlichen Grundorgan Blatt) Wir haben..gesehen, daß aller Betrachtung über Pflanzen und Insecten der Begriff einer successiven Verwandlung identischer Theile, neben oder nach einander, zum Grunde liegen müsse, und nun wird es uns bei'm Untersuchen des Thierkörpers zum größten Vortheil gereichen, wenn wir uns den Begriff einer gleichzeitigen, von der Zeugung an schon bestimmten
M. aneignen können. So ist
z.B. in die Augen fallend, daß sämmtliche Wirbelknochen eines Thieres einerlei Organe sind, und doch würde, wer den ersten Halsknochen mit einem Schwanzknochen unmittelbar vergliche, nicht eine Spur von Gestalts-Ähnlichkeit finden.. GWBN8,87,13 Vortr VglAnatomie 3 1796
uö(selten) einmal mBez auf die Pubertät beim Menschen Der Mensch hat nach der Geburt noch eine
M. zu bestehen, die der Pubertät. Die Pubertät kann sich lange verziehen, weil zuerst das Knochensystem sein völliges Recht haben muß. Dieses frißt zuerst erstaunlich viel weg GWBGespr(JbSKipp 4,63) Riemer Mitte Februar 1831
allg in Unterscheidung von ‘simultaner M.’ u ‘sukzessiver M.’4) Specielle simultane Metamorphose. Hauptgesetze derselben müssen im Typus begriffen seyn. Wenn nun die Möglichkeit dieser speciellen Simultanen
M. bey jeder Thiergattung sich auf eine besondere Weise manifestirt ohne daß der Bildende Trieb aus dem geschlossnen Kreise des Typus herausgeht ergeben sich die Abweichungen oder das Schwancken des Typus wodurch die Thiere gebildet werden. Durch die Beschräncktheit der speciellen simultanen
M. wird der Typus, durch ihre Versatilität werden die Thiergattungen und Arten möglich GWBN13,215,17,19u25 Vortr VglAnatomie 3 Plp
M. der Insekten. Die successive augenfällige anerkannt. Hauptmaxime der Häutung. Simultane Metamorphose. Indem sich die Theile von einander unterscheiden. Instanz von den Krebsen. Wie die simultane
M. als eine Art Gemmation anzusehen GWBN13,9,12u15u18 Morph Plp N6,321,9 Morph Entw
uö b
für die stammesgeschichtliche Entwicklung eines Körperorgans in der Reihe der Wirbeltiere (insbes bei Säugetieren) Auch giebt es lehrreiche Zusammenstellungen, wo man einen Theil des Körpers, nach den Stufen seiner
M., durch viele Thierarten nebeneinander stellt; ich will nur des Vorderarms erwähnen der aus der Function einer blos tragenden und sich allenfalls bewegenden, gegliederten Säule, sich zu der gewandtesten Supination und Pronation herauf bildet GWBB29,147,10 Schreibers [16.4.18] K
uö(selten) c
mineralog: (aphoristisch) für Bildungsprozesse, Veränderungen hinsichtlich Form bzw Zusammensetzung von Gesteinen5) Die schönste
M. des unorganischen Reiches ist, wenn bei'm Entstehen das Amorphe sich in's Gestaltete verwandelt. Jede Masse hat hierzu Trieb und Recht. Der Glimmerschiefer verwandelt sich in Granaten und bildet oft Gebirgsmassen, in denen der Glimmer beinahe ganz aufgehoben ist und nur als geringes Bindungsmittel sich zwischen jenen Krystallen befindet GWB42
2,257,10 MuR(1259)~LA II 8B/1,156 wie der Basalt..von der ersten Stufe der Verwitterung bis zur..Auflösung..wahrgenommen..ist; eben so sind seine M-n, durch jeden modificirten Hitzegrad, theils erkenn- und reducirbar, theils, durch eine Legion von angestellten Beobachtungen darüber in der Natur, deutlichst aufgezeichnet GWBN9,190,27 Üb:KWNose [1820] [Nose] d
in generalisierendem Gebrauch; in terminologischer u begrifflicher Definierung als Naturgesetz,
als allumfassendes (sich in der Individualgenese, auch in der Artenvielfalt manifestierendes) Entwicklungsprinzip der (den Menschen einbegreifenden) natürlichen Welt; wiederholt ‘Begriff der M.’, ‘Idee der M.’ Wir wenden uns..zu dem was Gestalt hat. Das unorganische, das vegetative, das animale das menschliche deutet sich alles selbst an, es erscheint als was es ist unserm änssern [
äußeren] unserm inneren Sinn. Die Gestalt ist ein bewegliches, ein werdendes, ein vergehendes. Gestaltenlehre ist Verwandlungslehre. Die Lehre der
M. ist der Schlüssel zu allen Zeichen der Natur GWBN6,446,11 Morph Plp Alles ist
M. im Leben, bei den Pflanzen und bei den Tieren bis zum Menschen und bei diesem auch. Je vollkommener, je weniger Fähigkeit aus einer Form in die andere überzugehen GWBGespr(He2,1033) Boisserée 3.8.15 wenn ein organisches Wesen in die Erscheinung hervortritt, Einheit und Freiheit des Bildungstriebes ohne den Begriff der
M. nicht zu fassen sei GWBN7,73,13 Bildungstrieb
[] Über
M. und deren Sinn; Systole und Diastole des Weltgeistes, aus jener geht die Specification hervor, aus dieser das Fortgehn in's Unendliche GWBT3,336,26 v 17.5.08 Die Idee der
M. ist eine höchst ehrwürdige, aber zugleich höchst gefährliche Gabe von oben. Sie führt in's Formlose; zerstört das Wissen, lös't es auf. Sie ist gleich der vis centrifuga und würde sich in's Unendliche verlieren, wäre ihr nicht ein Gegengewicht zugegeben: ich meine den Spezificationstrieb, das zähe Beharrlichkeitsvermögen dessen was einmal zur Wirklichkeit gekommen. Eine vis centripeta, welcher in ihrem tiefsten Grunde keine Äußerlichkeit etwas anhaben kann.. GWBN7,75,10 Probl uErwiderg Gespr(He2,772) Falk [25.1.13]
uö mehrf im botan Zshg (vgl 2aα); einmal in gewisser Distanzierung vom Konzept einer artenübergreifenden Evolution Die
M. ist ein höherer Begriff, der über dem Regelmäßigen und Unregelmäßigen waltet, und nach welchem eben so gut die einfache Rose als die vielblättrige sich bildet..Wenn eine Pflanze nach innern Gesetzen, oder auf Einwirkung äußerer Ursachen, die Gestalt, das Verhältniß ihrer Theile verändert; so ist dieses durchaus als dem Gesetz gemäß anzusehn und keine dieser Abweichungen als Miß- und Rückwuchs zu betrachten. Mag sich ein Organ verlängern oder verkürzen, erweitern oder zusammenziehn, verschmelzen oder zerspalten, zögern oder sich übereilen, entwickeln oder verbergen, alles geschieht nach dem einfachen Gesetz der
M. GWBN6,276,21 u 277,15 MetamPfl Wirkg 1830 Aus dem Begriff der
M. geht hervor, das ganze Pflanzenleben sei eine stetige Folge von merklichen und unmerklichen Abänderungen der Gestalt GWBN6,355,17 Morph Aphorist Die
M. ist ein Naturgesetz nach welchem die Pflanzen in einer stetigen Folge ausgebildet werden GWBN13,120,9 Morph Plp Ich fuhr fort mich mit Wartung des Bryophyllum calycinum zu beschäftigen, dieser Pflanze die den Triumph der
M. im Offenbaren feiert GWB36,155,17 TuJ 1820 N7,83,18u22 Probl uErwiderg [EMeyer] N7,49,22 SpiralTend 36,155,17 TuJ 1820 N13,14,12 Morph Plp
uö auch im zool Zshg; mBez auf Individual- wie stammesgeschichtliche Entwicklung; in enger Verbindung mit dem ‘Typus’-Begriff6) (vgl 2aβ) Die Metamorphose..wirkt bei vollkommneren Thieren auf zweierlei Art: erstlich..nach einem gewissen Schema, durch die bildende Kraft auf die beständigste Weise verschieden umgeformt werden, wodurch der Typus im Allgemeinen möglich wird; zweitens daß die in dem Typus benannten einzelnen Theile durch alle Thiergeschlechter und Arten immerfort verändert werden, ohne daß sie doch jemals ihren Charakter verlieren können. Zum Beispiel des ersten..das von den Wirbelknochen Hergenommene, deren jeder von den Halsknochen bis zu den Schwanzknochen seinen eigenen Charakter hat. Zum Beispiel des andern..daß den ersten und zweiten Halsknochen jedermann durch alle Thiere ohnerachtet der außerordentlichen Abweichung erkennen werde GWBN8,88,8 Vortr VglAnatomie 3 1796 ein allgemeiner, durch
M. sich erhebender Typus gehe durch die sämmtlichen organischen Geschöpfe durch GWB35,16,13 TuJ 1790 Er [
Nees von Esenbeck] feiere mit uns den Triumph der physiologen
M., er zeige sie da wo das Ganze sich in Familien, Familien sich in Geschlechter, Geschlechter in Sippen, und diese wieder in andere Mannichfaltigkeiten, bis zur Individualität scheiden, sondern und umbilden. Ganz in's Unendliche geht dieses Geschäft der Natur, sie kann nicht ruhen noch beharren; aber auch nicht alles was sie hervorbrachte bewahren und erhalten GWBN6,185,14 MetamPfl Nachtr
uö mehrf metasprachl; auch mBez auf fremdsprachl Übersetzungen (dort wiederholt fälschlich identifiziert mit ‘Metapher’) nicht allein braucht der Verfasser [
HFLink in ‘Elementa philosophiae botanicae’ (1824)] das Wort
M.7) bei den ersten Schritten seines Vortrags und sonst..in einem völlig verschiedenen Sinne, als es von uns und andern gebraucht worden, ja in einer Bedeutung, wie es nie gebraucht werden sollte und wo es ihm selbst nicht recht passen will..Alsdann fügt er jedesmal eine sogenannte Anamorphose hinzu, wodurch der eigentliche Sinn in's Unsichere getrieben wird GWBN6,262,16 MetamPfl Wirkg 1830 Was aber den sonderbaren Druckfehler betrifft, wodurch der oben mitgetheilte Titel [
LReichenbachs ‘Botanique pour les dames..contenant une exposition du règne végétal dans ses métaphores (sic)..’ (1828)] entstellt wird, indem statt
M. Metapher gesetzt ist, so halten wir unsre Zeit für zu hoch gebildet, als daß wir dahinter eine spöttische Anspielung auf die deutsche Behandlungsweise der Naturgegenstände argwöhnen sollten GWBN6,274,17 MetamPfl Wirkg 1830 N6,397 Morph Var N13,56,1f MetamPfl Wirkg 1830 [Link] Plp
uö 3
mBez auf Artifizielles, Kulturelles, auch Politisches: iS der durch den Menschen bewirkten (entwicklungsfördernden) Ab-, Veränderung er [
Hackert] hatte die Freundlichkeit..mich Abends mit der Illumination von St. Peter und deren
M. zu überraschen. In dem Mittelpunct der edlen Kunst aber störte mich nun..die Idee der Pflanzenmetamorphose, welche mich in Sicilien ergriffen hatte GWB32,389,6 ItR Var Das Stück [
‘Götz’] hat so viele M-en erlitten daß ich selbst nicht wüßte wie man die gegenwärtige besonders auszeichnen sollte GWBB47,190,15 Riemer 24.8.30 Es war die
M. einer hundertjährigen [
französischen] Literatur, sagte Goethe, die seit Ludwig dem vierzehnten heranwuchs, und zuletzt in voller Blüte stand GWBGespr(FfA II 12,472,22) Eckermann 21.3.31 [
bezogen auf BGNiebuhrs ‘Römische Geschichte’ (1811-1832)] Die sämmtlichen Ackergesetze gehen mich eigentlich gar nichts an, aber die Art..wie er mir die complicirten Verhältnisse deutlich macht, das ist's, was mich fördert..Ich habe das..Werk..durchgelesen und mich durch das Labyrinth von Seyn und Nicht-Seyn, von Legenden und Überlieferungen..von Gesetzen und Revolutionen, von Staatsämtern und deren M-en..durchgeschlungen GWBB48,87,23 Zelter 17.1.31 4
mBez auf einen Erkenntnisgegenstand: iS der Anverwandlung an die (individuell-)menschlichen Wahrnehmungs- u Verständnismöglichkeiten die Erörterung der Frage..welche die Philosophen so sehr beschäftigt: in wie fern wir..einen Gegenstand, der uns durch die Erfahrung gegeben wird, als einen Gegenstand an sich ansehen dürfen, oder ihn als unser Werk und Eigenthum ansehen müssen. Denn wenn man der Sache recht genau nachgeht, so sieht man, daß nicht allein die Gegenstände der Kunst, sondern schon die Gegenstände zur Kunst eine gewisse Idealität an sich haben; denn indem sie bezüglich auf Kunst betrachtet werden, so werden sie durch den menschlichen Geist schon auf der Stelle
[] verändert. Wenn ich nicht irre, so behauptet der kritische Idealismus so etwas von aller Empirie, und es wird nur die Frage sein, wie wir in unserm Falle, in welchem wir, wo nicht eine Erschaffung, doch eine
M. der Gegenstände annehmen, uns so deutlich ausdrücken, daß wir allgemein verständlich sein können, und daß wir auf eine geschickte Weise den Unterschied zwischen Gegenstand und Behandlung, welche beide so sehr zusammenfließen, schicklich bezeichnen können GWB34
1,439,12 ReiseSchweiz 1797 [G/Eckerm]~B12,450,33 Schiller 25.10.97 K
→ GWB
Insekten- GWB
Pflanzen- Syn Degenereszenz Formenwechsel Gestaltveränderung Mutation Umbildung Umgestaltung Umwandlung Verwandlung Verwandlungsgeschäft 1) vgl hierzu WA II 6,322, auch FfA 13,774f2) zu Goethes Metamorphosenkonzept s insbes folgende Schriften: DKuhn, Typus u Metamorphose, 1988; MWyder, Goethes Naturmodell, 1998; OBreidbach, Goethes Metamorphosenlehre, 2006; GToepfer, Historisches Wörterbuch der Biologie, 2011,2,573-591; 624-654 (s v Metamorphose; Morphologie); vgl auch Anm 53) s GHb3 3,282ff sowie ChMichel, Goethes Autobiographie u die Metamorphose der Pflanzen. Philosophia Naturalis 20(1983),339-364, ferner PNicklas, Die Beständigkeit des Wandels (2002),129ff4) s hierzu zB LA II 9B,4585) vgl WA IV 13,428f.; zur Geologie: WvEngelhardt/DKuhn: Nicht von Goethe: ‘Der Dynamismus in der Geologie’. GOETHE 113(1996),273-275; WvEngelhardt, Morphologie im Reich der Steine? In: In der Mitte zwischen Natur u Subjekt. Hg GMann ua (1990),33-51; zur Wolkenlehre: ASchöne: Über Goethes Wolkenlehre. Jb Akademie der Wiss Göttingen (1969),26-486) s GHb3 42,783ff7) vgl LA II 10B/2,950 Michael Niedermeier, Renata KwaśniakM.
N./R.K.