Wossidia
Gott m. Gott; flekt. a. Spr. Gades, Gade, Pl. Gade, auch Göde,
vgl.: 'Du schalt nene ander GOede hebben beneven my' Corp. Doctr. A 3
b; jung: Gotts, Pl. Götter; die letzte Form nur uneigentlich: hei hadd' so väl Götter in 'n Kahn, felen all weck œwer Buurd berichtete ein Alter von einem Fischer, der fortwährend mit Gotts beginnende Flüche in seinem Kahn ausgestoßen hatte Wa; für Kinder: dei (die Mutter)
mit all' ehr lütten Götter LuLudwigslust@LaupinLaup;
Dim. Götting, im Kinder- und Muttermund: Sünnenworm, fleig' weg, fleig' nah unsen leiwen Götting Wo.
V. 2, 1391 a; häufiger Ausruf: ach Götting, oh Götting; entstellte Formen: au Gorre als Ausruf des Schmerzes Schw Pinn;
Du mein Jitt PaParchim@WerderWerd; nam. Gotts zu Kotz und Potz, auch Hotz. I. Sprachliche Darstellung. 1. der Nom. wird außer als Subj. vielfach im Ausruf verwendet: Gott, wo heff ick mi verfiert! Gott, wat 'n Wäder! Gott in den hogen Himmel, wo sach dat dor ut! Reut. 3, 316; Ausruf ist auch das eingeschobene Glied in folgenden beliebten Fällen: hei hadd' doch Gott in der Welt nicks tau daun Wa;
wur kümmst du Gott in der Welt her! Bri. 4, 17; Gott un Vater 4, 135; als Nom. ist wohl auch zu fassen: dat is, wohrhaftigen Gott! so Ro. 2. der Vok. ist in Ausrufen sehr häufig:
oh Gott janee RoRostock@WillershagenWill; oh Gottenee AHeide; Gott ja! ach du leiwe(r) Gott; Gott du swere Ack HaHagenow@WittenburgWitt; entstellt: Gott du Himmel doch! RoRostock@GraalGraal;
Mein Gott nee ja Bri. 1, 127; wobei die schriftspr. Lautform Beachtung verdient. 3. den starken Gebrauch des Genitivs in der Mda. erklärt die Formelhaftigkeit der syntaktischen Verbindungen, in denen er auftritt; die a. Spr. verwendet ihn noch völlig uneingeschränkt: 'Gades vörgetene Minschen' Gry. Lb. 2, Aa 4
b; 'Dat he scholde Gades begeren' Omich. in Nd. Jb. 54, 40; hier aber auch schon feste Prägungen in Beteuerungen, Schwurformeln, Flüchen, Ausrufen: 'Gades Marter unde Elemente, Christi wunden unde Sacrament, nevenst allen Dvelen laten se (die Kriegsleute) up erer tungen lopen' Gry. Lb. 1, Dd 1
a; unter Umformung: 'Potz Kresemente' Schlue 38; 'Potz parlamente' 45; Potts Swenzelenz! Hey. Kam. 161; Gott zapperdilot (als Nachahmung des Schreiens der Gänse) Wo.
V. 2, 567 a; Gott zackerlot 567 b; in beiden Fällen ursprünglich Gotts; ältere Motive noch bei Schlue: 'Potzfelten' 78; 'potz vyff unde dre' (erweitertes 'fif wunden') 85; dazu Gott zifliden! seem. RoRostock@WustrowWustr aus 'Gotts fif Liden'; die jüngere Zeit bevorzugt Wetternamen: Gotts Wäder! Potts Wäder! Hey. Kam. 139; bedeutet 'Blitz',
vgl.: 'desselbigen Jahres hat Gottes Wetter in St. Marien Thurm zur Wismar geschlagen' (1610) Latom. Geneal. 428; (1666) Spald. Land. 4, 198; sonst schlechtes Wetter, wie solches ein Landmann stets Gotts Wäder zu nennen pflegte Wa; in der Rda.: denn möt jo Gotts Weder äwerall gahn Camm. Herz. 24, der folgende, geläufigere gleichsteht: nu geiht Gotts Wuurt œwerall das ist ja ganz überraschend, unerwartet; andere Flüche oder Ausrufe der Art: Potts Hagel! Hey. Kam. 19;
Gotts Dunner! Reut. 4, 296; Gottweltdunner! Gottweltwäder! Lu; Gottswetterweg! Stillfr. Biweg 141; Gotts Dunner an 'n Barg Nd. Kbl. 15, 23
a; ebda die folgenden Belege: Potz Dunner un Granaten; Gotts Dunner un Pannkauken; Gotts Dunner un Deuwel
u. a.; Hotz Blitz un Stieglitsch Muss. Spr. 60; seit alters ist Ausfall des bestimmenden Subst. üblich: 'Vorwar Gades, Drewes, du byst ein loß hundt' Schlue 72; Gotts! wur witt! (im Ruf des Kiebitzes) Wo.
V. 2, 683; Gotts! Dat mag wol spöcken by em Brückn. Pirdj. 188; Gottes nee, wo bliwt wi nu? Ratz. Bild. 1, 41; Kotz! Himmelblaue Luft un
noch keen Rägen! HaHagenow@RedefinRed; Gods! Hamelgewen un keen Ende! Wilke 68; Gotts! Kindelbir'n un Kindelbir'n! Reut. 5, 305; Gotts Ausruf für
Potz Mi 28
b; wie diese Fälle zerlegen sich auch anscheinend einheitliche Formeln in zwei Teile, wie
u. a. Gotts! Ein Dunner! Reut. 4, 410;
vgl. ferner: Gotts Wunder! 3, 220; Camm. Tid. 15 und Gottseinwunner Tarn. Burrk. 2, 115; Gotts! Kemedi un all' keen Enn'! Nd. Kbl. 15, 23
a; Gotts! Schock in 'n Düstern! Gotts! Dausend ja! Erichs. Läusch. 141; aus Kultnamen zusammengesetzte Ausrufe: Gottes Sœhn! Wo büst du dorto kamen! RoRostock@RibnitzRibn; Kind Gottes! Kinder Gottes! Nd. Kbl. 15, 22
b; Mann Gottes, wo hest du dat don künnt! Mudder Gotts im Tanzreim RoRostock@RibnitzRibn; süht ut as de heilige Mutter Gottes GüGüstrow@BützowBütz; ... as Mudder Gotts Ro; entstellt: ... as Mudder Gottsch (Marienbild), dei de Fleig' beschäten hett Schw; berührt sich als Mudder Gottsch mit de Zägentitten (Schelte auf ein Frauenzimmer) mit Mudder Good'sch (
s. Gaud') Wo. Sag. 1, 41. In zahlreichen Verbindungen wie Gotts
Gnad', Gotts Ierdbodden (
s. Nd. Kbl. 15,21
b), Sünn, Water; Gottes Hand un Düwels Poten; wo de Meß uphöllt, höllt Gotts Sägen ok up RoRostock@HeiligendammHDamm; Bri. 1, 65; hier geiht Gotts Gewalt œwerall Wa, wie ob. Gotts Wuurt; wenn 't Gotts Will un Gotts Wäder is StaStargard@MirowMir; dat 's Gotts Will wääst Bri. 4, 55; Band Gottes Gesangbuch, das der Bräutigam der Braut schenkt, nur a. Spr. Mantz. Ruh. 7, 28; Gotts Barmhertigkeit un Preesters Gierigkeit dee wohrt von Ewigkeit to Ewigkeit Günth. Hs.; die Zss. mit Gotts-
s. unt.; der Gen. auch umschrieben: dat is den Herrgott sin Bähschap, unsen Herrgott sin Dummerjan, ... sin Og'appel
u. a. Nd. Kbl. 15, 20
bf.;
as Gott sin Sägen uppen Disch Bri. 1, 103,
d. h. reichliches Essen; dieselbe Wendung bedeutet eine beträchtliche Menge: dat gifft jo Gott (un) sin Sägen von dei Oort
d. h. viele Mädchen, Trost eines abgewiesenen Freiers (1885) GüGüstrow@GülzowGülz; bes. Bedeutungen: tau Gotts Disch gahn zum Abendmahl gehn; Gottshus Kirche; Gottshusstig Kirchsteig; übertr.: rein Gotts Wuurt reiner Schnaps; das Marienwürmchen, coccinella, heißt leiw Gotts Hauhn Wo.
V. 2, 1417. 4. Akk.: dor weit ick 'n leiwen Gott von nicht das Mindeste StaStargard@BallwitzBallw. 5. präpos. Verbindungen, zumeist Gotts in solchen Verbindungen: 'van godes gnaden' (1397) UB. 23, 300; modern in Spottversen: Dat 's woll 'n Herr von Gottes Gnaden, Hett sœben Poor Strümp un hett kein Waden Ro Rostock@DierhagenDierh; dat möt woll von Gott rut wäsen seine Ursache von Gott her haben LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; von Gotts un Rechtswägt Bri. 3, 82; die Eingangsformel 'in godes namen' (1337) UB. 9, 8 ist bis zur Jahrhundertwende als Segenswunsch viel gebraucht worden, vom Fuhrmann beim Antreiben der Pferde, von den Trägern, wenn sie den Sarg anfassen, und vor anderen Verrichtungen; noch dauernder im Seemannsleben: Nu haug't weg in Gotts Nam sagt der Schiffsbauer beim Stapellauf (1921) RoRostock@RibnitzRibn; der Ruf, welcher die Wachablösung weckte, lautete Reise, Quartier, in Gottes Nam! Wo. Seem. 1, 199; das Essen wurde in Gotts Nam eingenommen; des Säers Wunsch, daß der eben gestreute Samen wachsen möge:
nu waß in Gotts Nam! LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; ein längeres Verweilen, gewissermaßen ein neuer Zeitabschnitt des Aufenthaltes wird gestattet mit den Worten: Bliben Se noch in Gotts Nam hier (1867) RoRostock@RibnitzRibn; üm Gottes willen erbittet der Bettler eine Gabe, mit Gottes Lohn! dankt er für sie Lars. Idiot. 25; 'umme Gades wyllen by huselanck bydden' Gry. Lb. 2, L 3
a; bei armen Leichen findet eine mündliche Einladung zum Gefolge 'um Gotts willen' statt Jb. 2, 128; Fromm Meckl. 111; as hadd' se em blot üm Gottswillen friegt Bri. 2, 76; Gegenstände, die zum Zauber dienen sollen, möt man sick üm Gotts willen snurren,
z. B. einen neuen Besen, den man up 'n Kopp nah de Weig' rinfallen läßt (1895) Wa; üm Gottswillen,
d. h. ohne Entgelt getane Arbeit geht langsam vonstatten, daher: dat 's binah, as wenn 't üm Gotts willen geiht (1887) HaHagenow@RedefinRed; auch auf einen Vorgang bezogen, der von menschlicher Einwirkung unabhängig ist, wie vom langsamen Gang der Windmühlenflügel bei schwachem Winde Wa Waren@JabelJab; inständige Bitte, woraus Abwehr: üm Gotts willen, blot dat nich! MaMalchin@RemplinRempl. Die Anwendung der Formel üm Gotts willen auf Menschen, die an Kahlköpfigkeit und Händezittern leiden, begreift sich nur, wenn sie diese Zustände als Lohn für eine Sünde oder Schuld bezeichnen soll (1890) Wa; die Präpos.
mit: wenn eine Wochenfrau vor ihrem Kirchgang ausgehen will, muß sie einen Stein vor sich hin schmeißen und sagen: so, mit Gotts Willen (1928) SchöSchönberg@WotenitzWot; häufiger mit Gotts Hülp, gern bei einer Verrichtung oder Arbeit: ick ward' de Gäus' grot krigen mit Gotts Hülp WaWaren@LansenLans; sonst noch mit 'n leiwen Gott! Fischerspruch beim Aussetzen der Netze RoRostock@RethwischRethw; unregelmäßige Fügungen: is ... tau Gott in der Welt nich tau bruken Reut. 2, 331 statt: is Gott in der Welt tau nicks tau bruken; de nützt to Gott in der Welt nicks Bri. 2, 247; sei hett von Gott nicks Bös' wüßt WiWismar@KartlowKartl; dei dach sick von Gott nicks Bös' SchöSchönberg@DemernDem; dei weet von Gott nicks Bös' ist ohne Einsicht ebda. 6. Wunschsätze: help Gott als Segenswunsch beim Beginn des Säens (1923) WaWaren@BoekBoek, des Drusches Gott help Camm. Vadd. 115, beim Aussetzen der Wade, meist erweitert zu so nu help de leiw Gott WiWismar@HobenHob; Nu help de leiw Gott tau 'n Glücken, dat wi fangen väl Fisch un ok recht grote Stücken (1920) WaWaren@MalchowMalch; wenn Sonnabends die Betglocke stößt, wird help Gott gesagt Schö Schönberg@DemernDem; der Vorübergehende ruft den Mähern help Gott zu Goss. Was mein 131; RoRostock@SteffenshagenSteff; häufiger in der Reihenfolge Gott help (1910) StaStargard@GrammertinGramm; (1905) Wa; WaWaren@TressowTress; erweitert: So, nu help de leiw Gott tau 'n Glücken, Wat de Meiger nich afmeig't, sall de Binner afplücken (1891) StaStargard@KrickowKrick; Gruß Goden Dag, Gott help, Erwiderung
Schön' Dank ok Lu Ludwigslust@LaupinLaup; Wi; (1927) Schw; GüGüstrow@BützowBütz; help Gott Zuruf an einen Niesenden Mantz. Ruh. 8, 55; Wa; Ro; Gruß an die Wöchnerin beim Eintritt ins Zimmer:
Goden Dag, Gott help Pa Parchim@SpornitzSporn; freier: Gott help den Gewinner, de Verlierer hett liker Malör nog (beim Kartenspiel) Nd. Kbl. 15, 25
b; ein Fischerknecht erweiterte so: so, nu help Gott, help Düwel, wenn de een nich will, de anner möt (1920) WaWaren@MalchowMalch. Andere Formeln: 'Se ys glykwol eins gudemans kindt, Solcker Godt betert (leider) wol mehr sindt' Schlue 43; 'Averst, Gott betert (leider), se weten nu altosamen, Wat idt vOer Dinger sindt, de schOenen Damen' Laur. Schg. 3, 213; 'Up uns will idder ein ock nu, Gott betert (leider), rieden' (Ro 1711) Kohf. Hg. 8, 2; — als scherzhafter Abschiedsgruß: Gott bewohr di vör Unglück un Hollwäg' Prause 90; als Ausruf der Verwunderung:
Gott du bewohre! Derb. 2, 187; Gott bewohren! (1885) WiWismar@MecklenburgMeckl; Gott behäude un bewohre! (1916) RoRostock@RibnitzRibn; 'Dat ys yo ein sehr verblendet und ghar ein vorstockedes wesent, Godt erbarms' Gry. Both. Jon. J 2
a; Lb. 2, O 2
b; Dod sünd wi morgen, Gott erbarm 's Reut. 1, 49; Ji sit't hir sülwst, dat Gott erbarm, Un nu willt Ji up uns hir schellen? 5, 195; alter Spruch über die Rostocker Kirchspiele: Marien rik, Jakobi glik, Sankt Petri arm, Nikolai dat sick Gott erbarm; — 'Godt geve wat ander Lde dartho sagen, Ick wil aver Caldeum so groth nicht klagen' Schlue 28; ick segg' Se, ick hadd', Gott gäw mi, väl Bohnen mit Gottes Hilfe (1887) RoRostock@RibnitzRibn; bloßer Ausruf: Gott gäw, de Gösseln beten sick dot (1890) WaWaren@VipperowVipp; — Wo geiht 't? Oh, dat geiht noch pläs Gott so einigermaßen Wi; Pa Parchim@PlauPlau; dat (Korn) is noch so plägs Gott noch so leidlich (1890) Wi; tritt jem. zu einer Wöchnerin ins Zimmer, so soll er zuerst das Kind segnen (Gott sägn' em oder ehr), ehe er die Mutter anredet Arch. Landesk. 14, 541; Gott sägen di, min Höhning zum niesenden Kinde Wi; Hinweis auf den gesegneten Zustand einer Schwangeren: dee geiht ok all wedder gottsägens LuLudwigslust@TewswoosTewsW; wobei eher 'gottgesegnet' oder 'Gottes Segen' Ausgangsform ist; als Verwünschung: aber Gott segen dir, Krischan (gnade dir Gott) Reut. 2, 116; — in hd. Form regelmäßig Gott sei Dank, gern beim Schluß der Arbeit gebraucht; sonst: Gott sei Dank, dat ick bün satt un bün nich krank un is nich all' worden un hett gaut smeckt (1926) Tischgebet eines Kapitäns RoRostock@DierhagenDierh; Gott sei Dank, seggt de Häwamm, ein Tehn wir all dor Wa Waren@RöbelRöb; verniederdeutscht: Gott si dreimal
Dank Rod. Hinr. 127; — 'Nu syth my Godt wilkamen tho huß' Schlue 73; — Gott ihr (ehre) väl Hänn', Gott schänn' väl Münn' Stoßseufzer einer Mutter, als die Kinder so viel aßen (1919) HaHagenow@RedefinRed; (1930) RoRostock@DierhagenDierh;
Gott straf mi, wo is dat mœglich! Nd. Kbl. 15, 22
a; Gott verdo mi! Ausruf; — in verkürzender Rede steht ein solcher Ausruf an Stelle einer Handlungsangabe: dei steiht ok as Gott verlat mi nich hilflos (1885) GüGüstrow@GülzowGülz; noch häufiger geradezu als Bezeichnung einer Person oder Sache: dat is ok sonn' Gottverdomi ein Taugenichts;
vgl. Gottseibeiuns; Gottstahbi; Tröstegott; Fürchtdigott; dei hett Gott mit uns Geld, nach der Umschrift auf den Münzen (1887) HaHagenow@RedefinRed. 7. Nebensätze: kreg so väl Schell', as Gott in 'n Himmel warden let sehr viel, eine große Menge WaWaren@JabelJab; alle Morgen, de Gott in 'n Himmel warden let Reut. 4, 14. 8. Wendungen mit sœlen und willn: Gott sall mi eenen Daler schenken (Ausruf) Bri. 3, 162; Ro; Gott sall mi behüten un beklüten StaStargard@HelptHelpt; as de leewe Gott will, ick heff œwerst noch keen Il, säd' de oll krank Fru Hoef. 196. 9. Nominale Ergänzungen; von Adjektiven herrscht leiw vor: de leiw Gott lat di 't nich missen Dankformel beim Scheiden aus einem gastlichen Hause; dei (der Schläfer) is bi 'n leiwen Gott in 'n Ellernbrauk; Leew Gott hett uns tosamen gäben Egg. Trems. 51; dann grot: dat ick 'n groten Gott von maken ded', dat nich vergöttert hab ich ihn nicht WiWismar@Klein GörnowKGörn; im Ausruf nur hd. großer Gott!; in Vergleichen mit Kruzifixen werden hagere Menschen gekennzeichnet als: 'n Kierl as 'n höltern, knœkern, steenern, sprickern, bleckern Herrgott Nd. Kbl. 15, 24
b; zu güllen Herrgott
s. gollen 1; als Appositionen treten die religiösen Ausdrücke hinzu: hei lett Gott denn' Vater sorgen SchöSchönberg@DemernDem; hei dankt Gott sinen Schöpfer Bri. 4, 186; 'Herr Gott dir loben wir' zuerst 1607 in Ro gesungen Mantz. Sel. 4, 184; dei lett unsen Herrgott 'n leiwen Mann wäsen kümmert sich um nichts, arbeitet nicht; dat is sin Herrgott sein Abgott;
Pron.: mein Gott! Ausruf; büst 'n Schitkierl gegen unsen Herrgott Nd. Kbl. 15, 21
a; all in ehren Gott vergnäugt Bri. 5, 129; präpos. Ergänzung: dei läwt as Gott in 'n Himmel gut Wa; ... as Gott in Frankreich Hack. Papp. 56; dee is Gott in de Welt narrens nütt to Nd. Kbl. 15, 21
b; gereihte Formeln: dei is Gott un dei Welt gramm jedem und allem Ro; untaufräden ... mit Gott un de Welt Bri. 5, 120;
schimpt up Gott un alle Welt Reut. 3, 255; dei krigen nich Gott oder Minsch tau seihn niemand und nichts (von Leuten, die abgelegen wohnen) Wa. 10. Formelhafte Wendungen a. Subst. Zss.: Dunner-, Fleigen-, Frugens-,
Spinngott; zusammengerückt aus Attribut und Subst.: Trutengott; aus einem Satz: Tröstegott und die ob. 6 Ende aufgezählten Fälle. b.
Adj. Zss.:
gottbang', -los;
gottgesägent, -vergäten, -vergätern, -verlaten; zusammengerückt aus einem Satz: gottbehäud'sch, -gesägent; gottserbärmlich, -fürchtig, -gefällig, -giern, -lästerlich, -mörderlich, -œwel; bloß verstärkend wirkt das erste Glied in gottbang', gottslästerlich, -mörderlich, -œwel. c. Verben, zusammengerückt aus den Gliedern eines Ausrufes: achgotten, gotten, herrgotten, gotthelpen; gottswunnern; aus dem
Adj. abgeleitet: gottlosen. II. Sachliche Behandlung. 1. umschreibende, mildernde Ausdrucksweise in der Todesansage: Ick sall grüßen von Buer
N.: uns' Herrgott hett em den Sœhn nahmen, ick sall bidden PaParchim@SuckowSuck; scherzh. übertr. vom Hausbrand: wenn dei leiw Gott dat Hus tau sick nähmen ded', dat wir 'n Sägen wenn es sehr baufällig ist Gü Güstrow@BützowBütz. 2. kindlichem Verständnis nahegebracht: dei leiw Gott weint sagen die Erzieher bei Bosheiten oder Ungezogenheiten der Kinder allgem.; wenn du nich bäd'st, mag dei leiw Gott di nich liden HaHagenow@BelschBelsch; beim Donner wird den Kindern gesagt: Unse Herr Gott is quat Mantz. Ruh. 2, 60; Gott is bös, min Sœhn, kumm rin (1890) Wa; und entsprechend: züh, dor is 'n Rägenbagen, dei leiw Gott is uns gnädig RoRostock@KlockenhagenKlock; wenn die Sterne hervorschimmern: dei leiw Gott stickt sin Lichter an HaHagenow@LoosenLoos. 3. auch für Erwachsene gilt diese vermenschlichende Neigung; schlechtes Wetter erklärt man aus der Abwesenheit Gottes: uns' Herrgott is verreist, Petrus hett 't Regieren (1890) Wa; uns' Herrgott is int Bad reist RoRostock@RethwischRethw; Gott lett keinen Murer ümkamen, leiwer lett hei 'n Hus afbrennen Gü Güstrow@BützowBütz; dei leiw Gott süht dreimal upt Johr dal, wenn' hei bi dei Arbeit finn't, denn' lett hei dorbi (1887) HaHagenow@RedefinRed; dei leiw Gott lett sick nich in sin Ratsstuw kiken RoRostock@KlockenhagenKlock. 4. in Glaube und Gottesdienst: wenn Kinner ungedöfft starben, dat sœlen unsen Herrgott sin Jagdhunn' warden
d. h. zu Hunden der Wilden Jagd werden MaMalchin@Groß HelleGHelle; von sonn', dei uns' Herrgott 'n Teiken maakt hett, lat ick mi kein Brot sniden sagte ein Mädchen von einer Frau, die große braune Flecke im Gesicht hatte ebda; dei glöwt nich an Religion un Gott un Vater Giel; vom Dummen: dei kennt keinen
Gott un kein Waterstrat WiWismar@WarinWar; bei Feierabend war üblich der Spruch: willn 'n bäten äten un denn' leiwen Gott nich vergäten (1890) Wa; auf das Abendmahl bezüglich: du geihst hüt bi 'n leiwen Gott to Disch Quitz. 1, 61; Kirche: Sünnenworm, ... fleig' œwer Gott sin Hus Wo.
V. 2, 1390; wur de Minschen Gott 'n Hus bugen, dor bugen se ok den Düwel de Kapell ein Gasthaus; Auffassung der Irrlichter:
dat möt doch von Gott wäsen Lu Ludwigslust@Groß LaaschGLaasch. 5. Gottes Fürsorge: uns' Herrgott ... stüert de Böm, dat sei nich in den Hewen wassen Reut. 6, 122; denn' kamm Gott in 'n Himmel to Hülp Nd. Kbl. 15, 18
b; mi hett uns' Herrgott vergäten to halen klagen alte Leute 24
b; o Gott, wat büst du för 'n Gott, anner Lüd' giffst Land un Sand, mi deist 'n Stock in de Hand, säd' de Pracher WaWaren@JabelJab; Gott verlett keinen Düütschen, hungert em nich, so döst't em doch RoRostock@DoberanDob; man kann Gott beleigen, œwer nich bedreigen RoRostock@SteffenshagenSteff; Gottes Uhr geiht langsam, œwer richtig WaWaren@MalchowMalch; Wedderhand hett Gott erschaffen
d. h. die Schicksalsschläge sind durch schlechtes Handeln verdient Pa Parchim@GrambowGramb; dor is Gottes Hand twischen wääst meint man, wenn eine böse Tat anscheinend ungesühnt bleibt,
d. h. Gott hat schon gestraft (1892) Wa; ein minderwertiger Mensch
is 'n leiwen Gott sin Groschenfarken Gü Güstrow@SchwaanSchwaan. — Mnd. god, gades. — Br. Wb. 2, 525; Dä. 156
a; Kü. 1, 594; Me. 2, 440.