gottberat,
m., n. ,
auch gott(e)sberat, fast ausschlieszlich in älterer sprache und in getrennten, meist terminologisch gefestigten bedeutungen. 11)
im augsburgischen des 14. und 15. jhs. für eine (
meist testamentarische)
stiftung an spitäler zur speisung der insassen, als eine um gottes und des seelenheils willen gespendete gabe. von der bedeutung her wäre an berat
im sinne von '
vorrat'
zu denken, eher noch, wofür auch die fugenlose bildung spräche, an eine analoge bildung zu seelgerät (
s. d.)
als '
vorsorge für das seelenheil',
hier freilich in dem oben angegebenen engeren, spezifischen sinne. als m. bezeugt, soweit die belege eine entscheidung zulassen: daz (
eine bestimmte summe) sulen miniu kinde und min erben alliu jar ewiclich den dürftigen in dem spital hie ze Auspurch geben, und slen darumb ainen gotberat kauffen, und den selben gotberat sulen miniu kinde diu wil sie lebent und nach miner kinde tode ir naehsten erben under die drftigen tailen mit ir selbs henden (1338)
urkundenb. d. st. Augsburg 1, 332
Meyer; daz man den dürftigen älliu jar sol gebn tzwen gotberaut, ieden umb 1 pfd. dn., ainen am mentag nach pfingsten, den andern auf st. Michelstag (
Augsburg 14.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 3, 764; zu yeglichem gotberaut sol man geben suppflaysch, krut, frischen schweinin speck darunder, yeglichem mentschen ain stuck frisch flayschs in der suppen der fünffe an zway pfund gangen, ain seydlin weins für zwen pfenning und ain pfeningsemel (
Augsburg 1445)
stadtb. v. Augsburg 273
Meyer; und die pfenning gît er um einen gotberaut in die siechstuben (
o. j.)
bei Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 199
b.
das im 16.
jh. im gleichen bereich mit gleicher bedeutung mehrfach bezeugte gottsbrot, gotzprot (
s. u.gottesbrot 1)
scheint dies ältere gottberat
in volksetymologischer umdeutung fortzusetzen, vgl. ein dazwischenstehendes gotbrot (
o. j.)
bei Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 199.
zur sache vgl. G. Uhlhorn
d. christl. liebesthätigk. (1882) 2, 243
ff. 22)
wohl kaum in unmittelbarem zusammenhang mit 1,
wenn auch durch eine offensichtliche bedeutungsverwandtschaft mit diesem gebrauch und mit seelgerät
verbunden, erscheint ein gottesberat
in bair. und österr. urkunden des 16.
und 17.
jhs. als allgemeine bezeichnung für spenden an die kirche bzw. für den teil des kirchenguts und kirchenvermögens selbst, der sich aus spenden zusammensetzt. hier vorwiegend in der form gott(e)sberat,
maskul. geschlechts, soweit erkennbar: alls mit der pfarrn, vnd derselben zukirchen, vnd anderer gotzheuser, parschafften, gülten, zinsen, gotzberat vnd guettern, vasst vnordenlich ... gehandelt wirdet (
bair. 1516)
bei Haltaus
gloss. 738; (
ist) durch reich gab vnd allmuesen der frumen leyt ain grosser gotzbratt gefallen (
bair. 1529)
in: dt. rechtswb. 4, 1012; wir haben von dem gottsberath, so bey dem gottshaus zu desselben unterhaltung durch die gemeinde zusammengetragen wird (
bair. o. j.)
bei Westenrieder
gl. (1816) 212.
die Lassinger kirchenreit vom jahre 1623
zählt die bestandteile eines gottberats
wie folgt auf: auf der tafel ersamblt 29 gulden, waxgelt von unterschidlichen abgestorben 3 gulden. im kirchenstock erfunden 2 gulden
bei Unger-Khull
steir. 297
b; dasz, wenn auch von dem ein und andern gottshausz ein gab, oder elemosyna zu fordern (
zu einem kirchbau im dorf ob der Au), wirdet in allweeg der herren ordinarien consens darzue vonnöthen sein, seittemaln sich sonsten nit gebüren will, wider der hergeber intention und mainung, solche gottesberath anderwerts zu uerwendten (
bair. 1621)
bei Westenrieder
histor. beytr. 6 (1800) 333.
für die enge beziehung zu seelgerät
vgl.: gottberat zum selgerät (
von einer laienstiftung an ein gotteshaus) (
bair. 16.
jh.)
in: dt. rechtswb. 4, 1012; so würden auch die stola, seelgeraidt, votivmessen, vnd gottesberath in die 400 fl. ertragen (
bair. 1627)
bei Westenrieder
histor. beytr. 6 (1800) 343.
zeitlich und räumlich isoliert steht folgender, der bedeutung nach hierher gehöriger beleg, insofern er wohl auch einen bestimmten teil des kirchenvermögens meint: die lettische, curische oder undeutsche sprache lernte ich von meiner mutter und dem herrn Jachnis, dem aufseher über die pastorats-bauern oder den gottes-berat Hippel
lebensl. (1827) 1, 48. 33)
in der alten formel auf gottberat (gehen)
scheint eine als m. und n. bezeugte substantivierung der optativischen wendung gott berate
vorzuliegen, vielleicht daneben auch anlehnung an auf gott(es)berat etwas tun,
s.gott sp. 1091,
dazu s. v. berath,
teil 1,
sp. 1486, berathen
ebda 1487,
schweiz. id. 6, 1592.
zunächst formelhaft für den bergmännischen suchgang: wen ainer gieng auf den gottberatt, und fund ain gang mit arzt (
bair. 1308)
bei Schmeller-Fr. 2, 168; wan einer ginge auff den gottberath suchen und fende einen gangk mit ertz ader mit plei (
Schladminger bergbrief v. 1408)
in: zs. d. dt. Alpenvereins 22, 227.
später verallgemeinert und abgeschwächt im sinne von '
auf gut glück, aufs gerathe wohl': auff ein gottberath wird viel angefangen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) j 5
b; man nennt Italien das land des gesanges, aber erst seitdem es nicht wie die anderen länder hierin alles auf gut glück und gottberath ankommen liesz Chrysander
Händel (1858) 1, 158;
rhein. wb. 2, 132
b.
auch auszerhalb der festen formel: und ein ebenthewer von eventura, das ist, ein auszgang und gottesberath, wie man saget: er mag es auff sein ebentewer vorsuchen Scheräus
sprachenschule (1619) 226. 44) '
zugegebenes masz',
in schlesischen urkunden des 16.
jhs., als n.; am ersten wohl von 3
aus: ein jeglich land oder waldseil, soll 42 ellen lang sein, und wann man misset, soll man zu einem jeglichen seil ein gottberath zugeben, das ist 2 quere hand (1596)
cod. dipl. Silesiae 4,
einl. 48;
ebda 49. 55)
für eine zur eichelmast der schweine ergiebige stelle, als n. in urkunden aus der Eifel im 16.
jh.; der zusammenhang mit den übrigen bedeutungen des wortes ist unklar: were es sach, dasz ein got berath oder acker vff dem busch Hasselt were, vnd derselbig reiff vnd zeitigh, sullen die hoefer dem herrn verkündigen vnd ansaghen, ob der herre reide sey mit seynen schweynen, darin zu fharen ... vnd wanne dasz gott berath geratthen isz, solle der lehenherre seynes beschirs ... pharen (1565
Eifel)
weisth. 2, 616; ein gott brade oder ecker (
o. j. ebda)
ebda 614.