grund,
m. ,
dialektisch auch f. gemeingerm. wort; fraglich ist das geschlecht von got. *grundus
in grunduwaddjus,
vgl. afgrundiþa;
sonst meist masc.: ahd. grunt, crunt;
mhd. grunt;
as. grund;
mnd. grunt
meist f., selten m.; mnl. gront
meist m., selten f.; ndl. grond;
afries. grund, grond;
ofries. grund;
wfries. groun, grùwn;
ags. grund;
engl. ground;
anord. grunnr
m., grund
f.; dän. grund
comm. gen.; schwed. grund;
als dem german. entlehnt gelten lit. gruntas
m., preusz. gruntan
acc. m., grunte
f., lett. grunts
m., grunte
f., poln. russ. slov. nlaus. grunt
m. form und herkunft. 11)
für das verständnis der vorgeschichte des wortes ist die zwiegeschlechtigkeit von höchster bedeutung. sie ist in gewissen nd. maa. zumal des nordens bis heute lebendig: slaa
den pahl in'e
gr.; de köh möten dat gras sach ut de
gr. ut halen; ji sünd hier op frömde
gr.;
dagegen up'n
gr. wahnt uns herrgott
beim essen, wenn das beste auf dem boden der suppenschüssel liegt; ik mutt de saak op'n
gr. kamen Mensing 2, 500
f.; doch ist die trennung zwischen '
erde'
fem. und '
tiefe'
masc. im schlesw.-holst. nicht rein; vgl. auch he bohrt hum in d'
gr. er vernichtet ihn Lüpkes
seemannsspr. 34;
ähnliches gilt für Reuter: as wenn ich de ollsch ... in de grawe
gr. rinne pedden müggt 2, 48;
aber auch: as wenn einer en beker bet up de grund utdrunken hett 2, 431;
bezeichnenderweise in der jüngsten bedeutung regelmäszig masc.: hadd woll keiner so'n
gr. un ursak, sick mit sinen herrgott tau bereden 2, 24; dat hodd sinen
gr. dorin dat 2, 150; en
gr. utfünnig maken weswegen 2, 449; se müszt en
gr. von jedes ding weiten 2, 265;
auch in einigen westfäl. maa. erscheint das fem., und zwar abgesehen von der bedeutung '
talgrund' (
s. u.)
gerade wieder für '
erde, fuszboden' Woeste 86
ndr. im mnd. ist das wort durchweg fem. Schiller-Lübben 2, 158; 6, 145
b,
selbst in der jüngsten bedeutung: desse lögene erdichtet Reinke uth der grundt dat
jg. glosse z. Reinke de vos 70, 9;
ebenso allgemein nicht selten auch in älteren md. (
besonders preuszischen)
schriftwerken: und liezen in vertrinken und in die grunt sinken
väterb. 37206; die (
gestrandeten) brudre von der grunt sich intbrachin in der stunt Nic. v. Jeroschin
preusz. chron. 24220.
noch heute erscheint das fem. in einer ähnlich breiten geographischen ausdehnung, vom westfäl. bis an die untere Saale, aber auch im brandenburg. (
s. zs. Brandenburgia 20, 240
ff.),
im preusz., im holstein., doch nur in einer ganz bestimmten bedeutung, als '
wiesengrund, talgrund',
zumal in flurnamen; genaue nachweise bei A. Hübner grund
als femininum, zs. f. vergl. sprachf. 51, 17
ff., dazu noch in'e
gr. gehöft bei Sarau; die ganze siede
gr. (
Fehmarn 1709) Mensing 2, 501.
diese verhältnisse lösen sich vermutlich in der weise auf, dasz das fem. für die bedeutung ursprünglich ist, in der es sich mundartlich am besten gehalten hat, das ist die bedeutung '
erdgrund, wiesengrund',
dies anscheinend nur eine specialisierung von jenem. das wird bestätigt durch das anord., das neben dem masc. grunnr '
meeresgrund'
ein vollentwickeltes fem. grund
besitzt im sinne '
erdboden, feld',
und zwar besonders auch '
der grüne grund, das tal durch das die flüsse flieszen'.
das nord. und das deutsche fem. vereinigen sich demnach in einem germ. fem., dessen eigenthümliche bedeutung anscheinend die des erdbodens war. in allen germ. sprachen (
vielleicht mit ausnahme des got.)
hat das masc. früher oder später das fem. aufgesogen. allein das nd. hat in der periode des mnd. das fem. verallgemeinert; ob etwa auch im altsächs. schon, ist unentscheidbar, denn an
gr. Hel. 2633, an hellia
gr. 2601,
ähnlich 2638; 5429
sind dem geschlecht nach indifferent. 22)
von den nordischen formen fällt auch insofern licht auf die vorgeschichte des wortes, als sie erweisen, dasz im germ. mit der trennung von geschlecht und bedeutung auch eine formale sonderung verbunden war. das nebeneinander von anord. grunnr (nn < nþ)
masc. und grund
fem. weist auf germ. grunþu-
masc. und grundu-
fem., wenn man das wort nach dem zeugnis von got. *grundus
zu den u-
stämmen stellt. in den germ. einzelsprachen (
auszer dem anord.)
hat demnach eine vereinheitlichung nicht nur des geschlechts, sondern auch des wortstammes stattgefunden, worüber genaueres bei Hübner
a. a. o. die
germ. stammpaarung weist auf
idg. ghntu-
masc., ghṛntú-
fem.; und dies endbetonte fem. der u-
declin. wird wenigstens formal von got. *grundus
repräsentiert. bei diesem ansatz wird die altbeliebte zusammenstellung von gr. mit ags. grindan '
mahlen'
nach analogie von got. malma,
nd. mulda
zu malan (
so gr. 2, 35
und neuerdings Grienberger
Wiener sitz.-ber. 142, 8, 99)
unmöglich; denn grindan
führt nach lat. frendo,
lit. gréndu '
reiben', grándu '
schrapen, kratzen'
auf idg. ghrendh-
zurück. aber auch die bedeutungsentwicklung bei malma, mulda, '
das zermahlene'
zu '
sand, staub',
läszt sich nicht vergleichen, 1)
weil eine mit malma, mulda
vergleichbare bedeutung '
erde'
sich erst spät auf dialektisch beschränktem gebiet entwickelte (
s. u. II A 2 c)
und auch als '
erde'
gr. gerade die fette, schwere, zusammenhaftende erde bezeichnet, —
wie auch sonst die vorstellung des massigen, räumlichen sich als bestimmend zeigt; 2)
weil der begriff des unteren, der tiefe so stark an dem wort haftet, und zwar bis in junge gebrauchsweisen hinauf, dasz er von seinen ursprüngen kaum getrennt werden darf (
das empfindet auch Franck
etym. woordenb. 322
mit seinem ansatz '
unterste fläche').
da die germ. formen auch auf ghṛmtu-
zurückgehen können, vielleicht nach der alten Fick
schen ansicht (
wb.3 3, 111)
zusammenzustellen mit lit. gramzdùs '
tiefgehend' (
vom schiff),
lit. grimstù, gristi '
im wasser versinken', gramzdė '
gründling' (
fisch).
die auf grund der anord. form- und bedeutungstrennung wiederholt ausgesprochene ansicht, dasz sich in gr. zwei verschiedene idg. wörter vermengt haben (Falk-Torp 252
b, Meringer
Wiener sitz.-ber. 144, 6, 70),
stützt sich auf das argument, dasz die bedeutungen '
meergrund'
und '
erde'
schwer miteinander zu vereinigen seien. aber nicht nur lat. fundus,
auch das deutsche boden
zeigt ein zusammengehen ähnlich sich sondernder bedeutungen. die sprachlichen schicksale von gr. und von boden
haben sich, bei fühlbaren bedeutungsunterschieden, öfter gekreuzt und beeinfluszt (
s. u. II A 1 a). 33)
sonderformen. schriftsprachlich ist im ganzen die form grund
sehr fest. o-
formen finden sich, entsprechend dem stande der heutigen maa., gelegentlich auf schwäb., etwas öfter auf mfränk. boden: in sinem eignen grond
dtsche volksb. 256, 33
Bachmann; der funf synne gront Muskatblüt 86, 43
Groote; vgl. 90, 8 (
Trierer hs.); brochen Ardenberg abe inne den gront
Limb. chr. 98, 18
Wyss; gront, ze gronde
gemma gemm. (
Cöln 1507)
nach Diefenbach
gloss. 252
a; 353
c.
ebenfalls moderner ma. entsprechend zeigen westmd. texte gelegentlich gutturalisierung des auslautenden dentals: dasz sein fürnemen ... keynen grung auf im trüg Carbach
Livius 47
r.
epithetisches e
im nom. sg., seltener im acc. sg. verstreut bis ins 17.
jh., natürlich vorwiegend obd., und zwar nur selten in der prosa: ein sehr starcker beweis und grunde Nigrinus
von zäuberern (1592) 79;
öfter in poetischer sprache: (
die spur führte mich) in eynen ubertiefen grunde (: ich funde) H. Sachs 3, 824
Keller; bezeichnenderweise gerade bei poeten der beginnenden renaissance: da sein wir aber christen nur mit munde, das hertz ist weit hindan zu aller stunde, lähr ist der grunde Höck
blumenf. 26, 13
ndr.; es ist zwar weit der grunde (: sie funde) Zinkgref
ged. 17
ndr. in älteren schwäb. texten erscheint gelegentlich, in der sprache begründet, ein umlautloser plural: so vil der falschen grund (: er kund) H. v. Sachsenheim
spiegel 177, 30; die neuen grundt zu der kirchen
zimm. chron.2 2, 539, 36;
du findest noch vil gar alter meür und grunt und
thürn Sigmund Meisterlin
in städtechron. 3, 51, 14.
auszerschwäb. im obd. nur selten: mosige grunde Sebiz
feldbau (1579) 149.
anders, als rein graphische erscheinung versteht sich das fehlen des umlautzeichens in md. texten; häufig z. b. bei Luther: grebt die grunde 1, 148; drey starcke grund 6, 290.
bedeutung. die bedeutungsgeschichte des wortes läszt sich schwer aufbauen, weil ihre wesentlichsten etappen in vorgeschichtliche zeit fallen. die auch auszerdeutsch altbezeugten verwendungen im sinne von '
tiefe' (
s. u. I)
und im sinne ron '
erde' (II)
stellen offenbar die beiden cardinalen bedeutungsstränge dar. aber auch die bedeutung '
tal-, wiesengrund' (III),
anscheinend auf der grundlage von II
entwickelt, liegt schon im anord. vor; und die für die jüngere entwicklung wichtigste bedeutung '
fundament' (IV),
von I
nicht zu lösen, musz schon das got. gekannt haben. das subst. boden
ist dauernd zu vergleichen, das bei fühlbaren bedeutungsunterschieden die schicksale von gr. des öfteren gekreuzt und beeinfluszt hat (
s. u. II A 1 a).
nach Jac. Grimm
liegt der unterschied darin, '
dasz gr. mehr nach innen geht, boden
die oberfläche bezeichnet' (
th. 2, 211).
das trifft mehrfach zu; doch erschöpft diese unterscheidung einer mehr räumlichen und mehr flächenhaften vorstellung die sache nicht. II. grund
bezeichnet die feste untere begrenzung eines dinges. I@AA.
grund von gewässern; seit ältester zeit belegbar: profundum (
sc. mare) crunt
ahd. gl. 1, 232, 18; latid thea odra (
fisch) eft an
gr. faran
Hel. 2633. I@A@11)
am häufigsten vom meer (
in übereinstimmung mit dem anord. gebrauch): du weist daz mer unz ûf den grunt
lobgesang auf die hl. jungfrau 56, 11
zfda. 4, 534; der tiefe grundt der see mit wässern ubergossen Opitz
teutsche poem. 173
ndr.; wie wellen auf dem meer, desz grund erbebte Göthe 37, 31
W. dann von gewässern jeder art: auf dieses flusses
gr. Dietr. v.
d. Werder
ras. Roland ges. 1
str. 25; kraut .., das auf dem grunde (
des grabens) wucherte Storm 1, 93; der (
brunnen) was so wislichen ergraben, daz die sunne rehte an den grunt schein
Lucidar. 18, 11
Heidlauf. specialisierend kann der begriff der qualität des grundes hinzutreten: gr., darunter verstehet man die beschaffenheit des fluszbodens oder strombettes und die erdarten, woraus es bestehet Benzler 1, 179; Röding
wb. d. marine 671—73
scheidet '
festen, harten, weichen, losen, faulen, scharfen, grünen, schülpartigen gr.' (
vgl. composita wie sand-, stick-, schlick-, muddergr.
u. a.); die karpfen sind gerne in leimichten, sandichten, schlamichten und lättichten gründen
fischbüchl. 83; der grosse parsch leichet ...
unten auf dem harten grunde 9;
prägnant: grond (van een water) ... '
schlamm auf dessen grunde'
M. Kramer
nider-hoch-teutsch dict. (1719) 108
b;
ähnlich auch obd.: (
das schiff) mer dan halbes in den griesse und grunt sancke Arigo
decam. 123, 6
Keller. anders specialisiert meint gr. stellen geringer tiefe: '
untiefe' v. Alten 4, 477; diese tage ... sind die flachen gründe ... uns an unser fahrt ... verhinderlich gewesen A. Olearius
persian. reisebeschr. 185; (
die meerbusen) sind voll klippen und seichter gründe Niebuhr
röm. gesch. 3, 701;
obd. auch ohne bezeichnende adjectiva: gr., ein fort,
vadum, aquae minus profundus locus Henisch 1765; '
in engerer bedeutung werden im o. d., besonders am Bodensee, seichte stellen gründe
genannt' Heinsius 2, 549. I@A@22)
seit alters kann grund
auch den dem boden nächsten theil des gewässers bezeichnen, also '
tiefe'
; das ist der unterschied von meeresgr.
und meeresboden;
daher bei Diefenbach
gloss. 572
a talassus = meris teufe, grunt; der wâg vuort in (
Alexander in dem glasgefäsz) in demo grunte
Annolied 227
R.; die mutter (
Thetis) in desz meeres grund sasz bey dem vatter zu der stund Spreng
Ilias (1610) 8
b; (
die geister des waldstroms) streckten schneeweisze arme empor ..., ihn hinabzuziehen in den kühlen
gr. E. Th. A. Hoffmann 5, 39
Gr.; vgl. zu halben grunde fischen, '
eine art der angelfischerey, wo die angeln zwischen der oberfläche und zwischen dem grunde gestellet werden' Krünitz 20, 250;
so zumal auch bildlich: wie hurtig sie (
die ursachen der ceremonien) ausz dem allertiefsten
gr. der heil. schrift gefischt seien Fischart
bienenk. (1588) 172
b; der
gr. des glückes ist so voller trübsand Lohenstein
Armin. (1689) 1, 396
b; denn nur der grosze gegenstand vermag den tiefen grund der menschheit aufzuregen Schiller 12, 7
G. I@A@33)
plural: alsô geschiht oft under den wazzern, diu vest gründ habent, und sô ir gründ erhebt werdent, sô vleuzt daz wazzer auz K. v. Megenberg
buch d. natur 113, 18
Pf.; später mehr md. und nd., soweit nicht eine specialbedeutung wie oben unter 1
vorliegt; namentlich poetisch: es sind die worte mit den winden geflohen zu des meeres gründen C. Stieler
geharnschte Venus 39
ndr.; ihr, die ihr in den gründen seid, hört meinen seufzen zu, ihr fische Zesen
verm. Helikon 2, 52; wie in der meere gründen des himmels bild sich dunkel malt E. v. Kleist 1, 53
Sauer; der sargfisch, der in den untersten gründen dieses wassers hausen soll Storm 2, 105; de stillen water hebben depe grunde Husemann
spruchsamml. nr. 94, 4
W.; stille wateren hebben de dêpste grunden Doornkaat-Koolman 1, 702,
und so überall auf nd. boden; dagegen stille wasser haben tiefen grundt Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 73
a,
doch auch tiefe gründ
schöne weise klugr. (1548) 102
b;
anders: es ist kein wasser so tief, es hat
gr. 160
a. I@A@44)
in fester verbindung mit verben: I@A@4@aa)
transitive wendungen: und als sie den
gr. spüreten, wurfen sie ire ancker ausz
buch d. liebe (1587) 10
a; gleych wie hie Jona aus dem schiff geworfen wird ... yns meer, da er keinen
gr. fulet Luther 19, 217
W.; es kann hier nicht tief sein und wir müssen immer peilen und
gr. suchen Fontane I 6, 352; da capt. Tuckey, bei 900 fusz ..., mit dem senkblei keinen
gr. finden konnte Ritter
erdk. 1, 272; der schiffmann wolte wohl gerne anckern, allein er hatte keinen
gr. Chr. Reuter
Schelmuffsky 36
ndr.; man musz sich nicht tiefer herein lassen, als man
gr. hat Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 179; d
er grund verliere
n Martin-Lienhart 1, 278;
rein nautisch-technisch: den
gr. peilen '
messen' Kramer
nider-hoch-teutsch dict. (1719) 108
b; den
gr. brechen
die anker lichten Röding
wb. d. marine 674;
in übertragenem gebrauch namentlich gr. finden: ich habe nun den grund gefunden, der meinen ancker ewig hält Joh. Andr. Rothe
in gr. Zinzendorfs samml. geistl. u. liebl. lieder (1725) 878
a;
wer sol dan richter sein? die ursach, nicht der wâ
n. wol dem der solchen grund vergnüglich fünden kann Bellin
hochd. rechtschreibung (1657) )( 2
b;
im wortspiel: wenn man selbst
gr. gefunden hat und
gr. sucht, so ist es höchst erfreulich, mit einem auf eignem
gr. und boden gegründeten manne hin und wider zu sprechen Göthe IV 33, 323
W.; hier kreuzt schon die bedeutung '
fester boden' (
s. u. II A 2 b)
herein; noch deutlicher: so war der boden beschaffen, auf dem Savonarola festen
gr. gefunden zu haben glaubte H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 205. I@A@4@bb)
unter den präpositionalen fügungen zunächst eine fülle nautischer wendungen, namentlich mit auf
und an: damit so faren sie auf grundt S. Brant
narrensch. 51, 302: die nordischen schiffe geriehten auf den seichten
gr. Haller
Alfred 37; wenn das schiff ... auf den
gr. festgerät
handelsgesetzbuch § 853
ist unursprünglich und tautologisch; das schiff wurde genöthiget, auf den
gr. zu laufen, oder sich auf den
gr. zu setzen Krünitz 20, 251; wenn das schiff auf
gr. kommt Gödel
deutsche seemannsspr. 181; das schiff stöszt sich oft an den
gr. Stieler 710
b; auf (an) den
gr. stoszen
stranden M. Kramer
teutsch-ital. (1700) 573
a; auf den
gr. stoszen mit dem schiff
frisch 379
a; sich an
gr. setzen
subsido, pessum eo Garthius 718
b; an den
gr. rathen '
auf den gr. festzusitzen kommen' Bobrik 321; ein schiff vom grunde abbringen
ib.; danach miszgebildet: ein schiff von dem grunde abhelfen Röding
wb. d. marine 674; das schif ward bald hier, bald dort gegen den
gr. geschmissen Zesen
Assenat (1690) 552;
öfter bildlich: so wird es doch noch auf gutem
gr. gewündschter glückseeligkeit zu anckern kommen Schoch
com. v. stud. leben (1657) h 1
r; den, der auf den
gr. deiner tugend geanckert Lohenstein
Armin. (1689
f.) 1, 79
b. I@A@4@cc)
am entwickeltsten ist zu grunde. I@A@4@c@aα)
unter den transitiven fügungen sind stehend zu gr. ziehen und senken: deine wellen heben sich hoch empor und haben mich ... fast zu grund hinab gezogen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 378
a;
schon mhd. übertragen: der (
sirenen) dônes vanc ze grunde zôch der sünden kiel K. v. Würzburg
leich 1, 138; dasz ... das irdische gut nicht die seel beschwere und zu grundt ziehe W. Schaller
theol. herold (1604) 288; gedachte wüllen werden das schiff bedecken, zu
gr. sencken Krafft
reisen 29
Hasler; eh als sein schwaches schiff sich auf dem mer verirt, ... gescheitert oder sonst zu grund versäncket wird Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 210;
anderes ist seltener: die (
schiffe) wurden beide mit leuten und allem zu
gr. gesegelt
Wilw. v. Schaumburg 100; bohrten die jagd zu grunde Schnabel
insel Felsenburg 51, 9
U.; dieser schiffer ... segelt mit vollem winde wider die höltzin brücke ... und leuft die brücke zu grunde Rätel
Curäi chron. 47;
die wendungen sind seit dem 18.
jh. in starkem rückgang zu gunsten von in den
gr. (
s. u.d);
doch vgl. noch: (
der schlund) ziehet die frau mit den kindern zu grund Göthe 2, 37
W.; da zog die nymphe ihn zum grund Brentano 2, 150; stolzes schiff mit seidnen schwingen, führst mein boot zu grunde schier Eichendorf 1, 610; dass deren führer ... zwei galeonen zu grunde bohren musste Chamisso 2, 14. I@A@4@c@bβ)
unter den intransitiven wendungen dominiert zu grunde gehen. mhd. noch selten, erst im 16.
jh. reich entwickelt; ursprüngliche bedeutung '
im wasser untersinken': der mocht nye zugrunt gan, uncz in der engel gevie und in in die barken lie
st. Stephans leben 3966
McClean; ein groszer wint treib das schiff ... auf ein pflock oder pfal, das es ... mit allem so darinn zu
gr. gienge Kirchhof
wendunmuth 2, 225
Ö.; dass die schwalben zu grunde giengen oder sich zu des meeres boden begaben und alda einschliefen Prätorius
winterflucht d. sommervögel 65; die erde sey
schwerer als das wasser, und dennoch schwimme ... sie in den allerhellesten wasser, und gehe nicht anders als sehr langsam zu grunde Leibnitz
deutsche schr. 2, 339; weil ich aber das schwimmen ... gelernt hatte, so ging ich nicht zu
gr. Ph. Hafner
ges. lustspiele (1812) 1, 15.
dasz von der bedeutung '
wassertiefe'
auszugehen ist, bestätigt die alte formel zu
gr. und scheitern gehen:
schon bei Er. Alberus 62
b pessum eo ich gehe zu
gr., gehe zu scheittern; es musz eher alles zu
gr. und scheitern gehen Dentzler 141
b;
noch heute im schwäb., vgl. Fischer 3, 871.
indessen ist der ursprüngliche sinn der wendung früh zurückgetreten zu gunsten der bedeutung des verderbens, untergehens, die im 16.
jh. ursprünglich an die wendung zu boden (
d. h. auf den erdboden) gehen
geknüpft ist (
vgl.boden 5,
th. 2, 212); zu
gr. gehen
hat im 18.
jh. das erbe dieser formel angetreten, nachdem es lange in concurrenz mit ihr gelegen; daher auch die doppelwendung zu
gr. und boden gehn,
worüber unter II C 2
genaueres. die ablösung vollzieht sich auf breiterer front, ähnlich auch bei zu
gr. richten, stürzen
u. ä. (
s. II B 1),
zu welchen wendungen zu
gr. gehen
seit dem 16.
jh. das intransitive gegenstück bildet. das lat. pessum ire mochte wie bei untergehn —
interire den bedeutungswandel fördern; vgl. Singer zs. f. d. wortf. 4, 129.
der übertragene gebrauch gilt für folgende hauptkategorien: von menschen; physisch, =
sterben, doch meist mit dem nebensinn des kläglichen: dann sie vermeynet, dasz er in dem meer zu
gr. gegangen
Amadis 1, 92
lit. ver.; darumb, dass seine söne mit dem volck erschlagen worden, und er sie hülflos zu
gr. hette lassen gehen
buch d. liebe (1587) 341
c;
von thieren '
eingehen': ein schön gutschenpferd ..., welches zu
gr. gangen, weil man die feigwartzen ... verabsaumet Hohberg
georg. cur. 3, 165
a;
in älterer sprache öfter parallel mit sterben: er hat leider zu mir gesagt, dasz ich nur sey ein alter hund, musz sterben und baldt gehn zu grund Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 107, 34
ndr.; geistig: wie mancher jüngling von den herrlichsten anlagen ... für seine ganze lebenszeit zu grunde gieng Schubart
leben 1, 50;
vgl.: weil aber kein trost war dabey, ging seel und leib zu grunde P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 303;
wirtschaftlich: aber sind sie keine wirthinn, so muss ihr mann zu grunde gehen Rabener
s. schr. 6, 79; und sollten auch gleich zehn andre familien darüber zu
gr. gehen B. Mayr
päckchen satiren (1769) 110;
vgl.te grond gaan '
arm werden' Lüpkes
seemannsspr. 41, 68.
von realen dingen; im 16./17.
jh. besonders häufig von bauten (
also deutlich berührt von der vorstellung grund =
erdboden),
entsprechend zu grunde richten
u. ä. =
solo aequare, urspr. von gebäuden (
s. II B 1 b): prophetirt er, dass die helfenbeinen heuser zu grundt werden gehen Heyden
Plinius 101; in solchem fürhaben gehet ein sturmwindt seinem hausz zu, als wollte es alles zu grunde gehen
volksbuch v. dr. Faust 26
Braune; allgemeiner: was ist er (
der komet), in dem trüben glanze? ein erdball, der zu grunde geht Gottsched
gedichte (1751) 118;
in älterer sprache häufig in einer heute erstorbenen verwendung '
ruiniert werden': hat er noch den verdrusz, dasz ihm dabei ein rock und überrock zu grunde gegangen Göthe IV 190
W.; (
das geschirr wird verkauft) nach Carlsbad, wo bey so vielen gästen eine menge geschirr nöthig ist und vieles zu
gr. geht 152; das
Dach war schadhaft geworden ... und die malerei allmälig zu grunde gegangen H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 75.
von abstracten: seit alters gern angewendet auf politische, kirchliche, wirtschaftliche institutionen: wie mochten die mönich irgent zu grundt gen Jac. Strausz
beichtbüchl. (1523) b 3
b; würde der römische stul zu grundt gehen Zinkgref-Weidner
teutsch. nation weish. 3, 38; Spanien, was daran (
an den folgen des friedens) zu grunde gegangen Bismarck
ged. u. erinn. 1, 190
volksausg.; daran geht jede dynastie zugrunde Fontane I 2, 157; durch eigennutzes schlund gehen viel handwerck zu grund Petri
d. Teutschen weish. 2, 51
b; wenn unsere heimische industrie nicht völlig zugrunde gehen soll G. Hauptmann
weber (1892) 84;
doch auch mannigfach sonst: mit dem msst zuolest cristenlicher glaub gantz und gar zuo
gr. geen Berth. v. Chiemsee
t. theolog. 106; ehe das die warheit ging zu grund Fischart 131 (
v. 316)
Kurz; aber erst seit dem 18.
jh. in der heutigen reichen entfaltung: wenn seine redlichkeit nicht dabey zu grunde geht J. E. Schlegel 3, 459; unsere ehre ist zu grunde gegangen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 328; wie so manche edle kraft bei uns zu grunde geht, weil sie nicht genützt wird Hölderlin 2, 73
L.; mit dem gottesdienst ... ging ... die tradition und das herkommen zu grunde Herder 19, 184
S.; vor der allgewalt des willens geht zu grunde jedes recht Platen 1, 17
R.; gelegentlich verstärkungen: zu grunde untergehen
perire funditus Basil. Faber
thes. (1573) 280; es ging ouch darnach alles sin gut zegrund und verderbung Tschudi
chron. helvet. 1, 39;
seltene varianten: o wie vil jungen kumen also zuo
gr. Wickram 2, 171
B.; ... die schiffe, risch! zu grund eilen in der höllen schlund Schupp
schr. (1663)
titelbl.b.
sinken, ebenfalls bis ins 18.
jh. sehr häufig: streitwägen, reuter und die ross verdarben alle und ertrunken, gleich wie die stein zu grunde suncken H. Sachs 15, 147, 6
K.-G.; da ...
braut und breutigam in der sindflut zu grunde sanck Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 10
a; so kan solches (
gold) ... im wasser nicht so leichtlich schwimmen, sondern musz viel ehe zu grundt sincken L. Ercker
mineral. ertzt (1580) 60
a; da zuckt das schiff und sinckt zu grund Mörike 1, 154
Göschen; bildlich '
untergehen': ja die gantze welt (
müszte) zu
gr. sincken Fischart
geschichtklitt. 94
ndr.; ich kam in jammer und in noth und sanck fast gar zu grunde P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 380
a;
wie zu
gr. gehen
kreuzt sich auch diese wendung mit zu grunde '
auf den (
erd)
boden'
; und ein fall wie ein solcher mann steht und fällt nicht als ein einzelner mensch; die umgebung, die er sich geschaffen hat, trägt und hält ihn ... oder lässt ihn ... zu grunde sinken Göthe 40, 7
W. ist zu verstehen nach einem älteren: alszdan vergessend mehr zu trincken sah man die vier, wie fromme schaf, zu grund und auf die bäncke sincken, beschlieszend ihre freud mit schlaf Weckherlin
gedichte 1, 506
F. fallen: seine (
Pharaos) auszerweleten heubtleute versuncken im schilfmeer ..., sie fielen zu
gr. wie die steine
2. Mos. 25, 5; dasz wir versincken oder zu
gr. fallen werden Luther
br. 3, 551
de Wette; sie versenckten es mit einem stein ..., domit es bald zuo dem grundt fiel Seb. Münster
cosmogr. (1550) 160;
nur bis ins 17.
jh. häufiger; in der regel bedeutet zu grunde
neben fallen '
auf den (
erd)
boden',
s. u. II B 2.
fahren: (
die mannen Pharaos)
descenderunt in profundum quasi lapis. tiefiu uuazer bedahten siu. si fuoren ce grunte also stein Notker 3, 361, 9 (
2. Mos. 25, 5);
übertragen: so ich sihe, das zucht, ehr, landt, gut, leib und seel bey ynen zu grundt faret Eberlin v. Günzburg 3, 151
ndr. sitzen: bisz man ... entlich wie ein schwer bley zu grundt sitzet und ersaufet Fronsperger
kriegsbuch 3, 150
a. I@A@4@dd)
in den grund. bei transitiven verben hat in
in moderner sprache zu
verdrängt, mit dem es in älterer zeit hand in hand geht: indem wir alhier unser ancker in
gr. bringen wolten A. Olearius
orient. reise 62; die morn die gallee beraubten und in den grunt des meres senckten Arigo
decam. 321, 26
K.; wie sie (
die see) so manches schiff versenkket in den grund J. Rachel
satyr. gedichte 52
ndr.; läuft sie (
Nemesis) auf wogen einher, stürzet die schiff in den grund grafen Stolberg 4, 12; mit meeresschiffen wild gerungen, sie krachend in den grund gebracht Kerner
lyr. ged. (1854) 385; 'ein schiff in den
gr. bohren,
d. h. es mit geschütz so beschieszen, dasz es zu grunde geht oder untersinkt' W. Hoffmann
wb. der d. sprache 2, 708
a; der ... corsar bohrete das ... schiff ... in
gr. Happel
akad. roman (1690) 1019;
anders aufgefaszt: kein schiffer bohret selbst sein strandend schif in grund Lohenstein
Cleopatra (1680) (
v. 193); alle meine heroischen vorsätze hat die kleine hexe in den
gr. gefahren Fr. Arndt
bei E.
M. Arndt
schr. (1845
ff.) 1, 29; wo die jugend ... häufig die bedächtige breite treckschuite der philister in
gr. segelt Brentano
ges. schr. 5, 408;
ebenfalls anders verstanden: am ende doch sich unversehens in den
gr. segeln Fr. H. Jacobi
w. 1, 20;
bei intransitiven verben dagegen bevorzugt die moderne sprache zu;
in älterer zeit ist in
vorwiegend nd. und md.: itzt sinkt dein schief in grundt Gryphius
sonn- u. feiertagssonette 19
ndr.; dat schip ghink in de grunt
Lüb. chron. 2, 102
Grautoff (
die übliche nd. ausdrucksweise)
; übertragen: darumb wirt es Teutschland gelten, das sorg ich, es mus ynn
gr. ghen Luther 17, 1, 389, 23. I@BB. grund der hölle.
das ältere scheint abgründe,
das im Heliand neben grund,
bei Otfr., im Tatian allein erscheint und sich bis ins nhd. gehalten hat: so müste Jona hie ynn abgrund der hellen faren Luther 19, 240;
doch ist gr. auch obd. alt: tartarum hellagrunt
ahd. gloss. 2, 329;
nur sehr selten im absoluten casus: dirre tac ... der lûtirit alliz daz dir ist, himil und erde, und den grunt der helle
speculum ecclesiae 68
Kelle; in den weitaus meisten fällen abhängig von präpositionen, und zwar zumeist nach verben der bewegung: thuo thiu seola quam Judases an grundgrimmaro helliun
Heliand 5429;
ähnlich 2601; sie vielen in der helle grunt Jansen Enikel 325
Str.; vgl. 754; 22699; und wurt er (
der edle mensch) gezogen in den tiefen grunt der hellen Tauler
predigten 33, 1
Vetter; du solst yn grundt der hel ... faren Luther 34, 1, 351;
plural seltener: in der helle gründen muoz ich ân ende quelnde sîn K. v. Würzburg
lied. 32, 269; geister in der hölle gründen Gerok
auf eins. gängen 20 78;
varianten: latid thea fargripononan grund faren hellie fures
Hel. 2638; bisz das sie ... ym
gr. des hellischen feuris ligen Luther 8, 679
W.; in des abysses grunde Heinrich v. Hesler
apok. 6895; bis auf den
gr. des Tartarus verfolgt Winckelmann 1, 159;
ähnlich empfunden: syn (
des vaters) flôk ... wärpet kinder in des todes
gr. C. Schulze
bibl. sprichw. 98.
gelegentlich steht gr. prägnant für höllengr. (
wie häufig im ags. Bosworth-Toller 491);
die älteren belege wohl nicht zufällig von Niederdeutschen: und zoch sie mit im zu stunt in den grundelosen grunt Heinrich v. Hesler
apok. 19306; de dar sytten an desser duster grunt
schausp. d. mittelalt. 2, 43
Mone; die in dem schwefelvollen grund mit nie gedämpften schmerzen brennen Triller
poet. betracht. 1, 112;
gehaltvoller: als der grosze geist des grundes wollte überm lichte wohnen Brentano 3, 102. I@CC. grund
von hohlräumen. I@C@11)
dem vorigen am nächsten steht die anwendung auf klüfte, felskessel u. dgl.: ist ein tiefe zerspaltung im felsz on allen grundt '
ohne boden'
geistlich strasz (1521) k 1
a; ohne durch steilwände aufgehalten zu sein, gelangte ich ... bis in den
gr. der enge (
des Vomperloches) H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 469;
gewöhnlicher von behältern aller art: was aber unten am grunde (
der retorte) bleibet, ist ein grober rotter schwefel Thurneyszer
m. alchymia (1583) 25; mich dünkt, am grunde (
der weinflasche) bemerke ich etwas trübes Cronegk
schr. (1771) 1, 101; so saufs gar ausz bisz auf den grundt Scheit
Grobianus 1809
ndr.; dies die seit je übliche ausdrucksweise; selten mit anderer präpos.: nun hab ich bis zum grund getrunken den becher, den die hoffnung bot E. Scherenberg
gedichte5 39; Wolfgangerl tauchte die feder ... bis auf den
gr. des dintenfasses ein
briefstelle bei Jahn
Mozart 1, 31;
dialektisch: wenn men uf -em
gr. ist, so ist spare
n z' spōt Staub-Tobler 2, 770; he gript dar henin, as wen dar kien
gr. to krigen is
brem. wb. 2, 553.
der unterschied gegenüber dem ähnlich gebrauchten boden (
th. 2, 210)
liegt darin, dasz gr.,
mit räumlicher vorstellung, auch den unteren, dem boden nächsten theil des hohlraumes bezeichnen kann; dann als präpos. nicht mehr an,
sondern in: im grund der urne, von tausend namen überdeckt, liegt tief der meine Göthe 4, 332
W.; im grunde des säckels 12, 152
W.; als sie starb, fand ich den ganzen
gr. ihres kastens mit zugebundenen strümpfen zugestopft G. Freytag 4, 264;
öfter von gebäuden: aus dem grunde (
des turmes) steigt ein alter Schiller 2, 166
G.; ein fürchterlicher ort, der lebendige genug verschlungen hat, denn sie fallen in den
gr. des castells hinunter Göthe 43, 362
W. daher zuweilen für '
gefängnis': sie verdiendt, dasz man sie alle vier in die gründt stecke Frischbier 1, 257 (
a. 1618); grond
staatsgefängnis luxemb. wb. (1906) 156;
vielleicht ist auch an gr. '
fundament'
zu denken. I@C@22)
vielfach in anwendung auf theile des menschlichen oder thierischen körpers: das buch wirt, so du iz vrisses, honicsuze in dinem munde, bitter in des buches grunde Heinrich v. Hesler
apok. 15388
Helm; seit dem nhd. meist als wissenschaftlicher terminus: fundus, der
gr. ist der weitere und runde theil verschiedener behälter oder hölen, die sich in einen länglichen und engen hals endigen, z. b. der
gr. der harnblase, der gebärmutter Blancard
arzneiw. wb. 2, 52
a; diszes säcklin hat zwey muntlöcher ... eins got gegen dem mittel der leber ... daz ander zuo dem
gr. des magens Gersdorf
feldtbuoch d. wundtartzney (1517) x 2
b;
vgl.magengr. '
fundus ventriculi, die blindsackförmige ausbuchtung der linken magenseite' Höfler 207
a; (
die gallenblase) wird eingetheilt in den hals (
cervix), den körper (
corpus) und den
gr. (
fundus) Sömmerring
bau d. menschl. körpers 5, 143; der
gr. oder die basis des schädels zeigt 4 ... knochen Oken
allg. naturgeschichte 4, 28;
gr., basis, die unterste fläche oder der unterste teil des bauchs, der spitze entgegengesetzt (
bei der gewundenen schnecke, cochlaea spiralis) Illiger 280;
gr., basis, die seite der muschel (
testa biualuis), wo ein lederartiges band die beiden klappen ... miteinander verbindet 292;
hierher wohl auch: die erst artzney und die erste reinigung machet dir ein frischen grundt und wunden, die gar leichtlich ... heilen Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 114
a H. ebenfalls auf der vorstellung des hohlraumes beruht die anwendung auf die augen: ihr schwartzen augen ihr, in euren dunkeln gründen kan ich itzt glück und todt, itzt höll und himmel finden Hoffmannswaldau
u. a. gedichte 2, 94
Neukirch; in ihren augen, im tiefsten grunde, rührte sich ihre seele Storm
w. 1, 112. I@C@33)
als feste formel: inn hundstagen schwümmt es (
das salpeter) neün tag entbor, denn setzt es sich wider zu
gr. Forer
Geszners thierb. (1563) 25; hefen, mit dem einfachen kurtzen e, ist was sich im geträncke zu grunde setzet Gueintz
deutsche rechtschr. (1666) 79;
genauer: also setzt sich das metall an einem könig zu
gr. des tigels Paracelsus
opera (1616) 1, 904 b
H.; heute meist prägnant: sich setzen;
von hier aus übertragen, wird gr. '
dasjenige was sich in einer flüssigkeit auf den gr. oder zu boden setzt, z. b. der gekochte kaffee, der sich im topfe zu boden setzt' Heinsius 2, 550;
vgl. Campe 2, 469;
ähnlich schon im 17.
jh.: gottes kelch ist bitter trinken, sonderlich der letzte grund Logau
sinnged. 335
E.; eine vergleichbare concretisierung zeigt gr. '
ballast' Hulsius (1618) 143
a; Jagemann (1799) 548. I@DD.
in einigen fällen übertragenen gebrauchs liegt ganz allgemein die vorstellung der unteren begrenzung zu grunde, ohne dasz in jedem falle ein bestimmter sinnlicher ausgangspunkt bewuszt oder erkennbar wäre. I@D@11)
seit alters in negativer form auf abstracta angewendet; z. th. noch mit bildlicher vorstellung: iudicia tua abyssus multa. dine urteilda michel abcrunde, daz chit ane grunt, uuanda sie nemag nieman ergrunden noh erfaren Notker 2, 125, 3 (
ps. 35, 7); ir schœne was sô bodenlôs, daz man niht grundes drinne sach Konr. v. Würzburg
Troj. 19721,
vgl. 226;
z. th. ohne deutlichen sinnlichen ausgangspunkt: Reinkens losheit hadde nene grunt (
nhd.: '
war bodenlos')
Reinke de vos 2128; weibes lyst hand kein gründ Keller
erzähl. 309, 12. I@D@22)
einige verbale fügungen: auf den gr. kommen bis zum untersten, zu den anfängen einer sache vordringen und dadurch zu ihrem verständnis gelangen. im 16./17.
jh. häufig absolut '
die wahrheit ermitteln': kumpt man aber uf den grundt und würt der sachen oflich ynnen Murner
schelmenzunft 33, 32
ndr.; nichts so tief verborgen, man kompt zuletzt auf den
gr. Lehmann
florileg. polit. (1662) 3, 240;
offenbar wurde die wendung in älterer sprache mit gr. '
wahrer sachverhalt' (
s. u. IV B 4)
zusammengebracht; daher, wie in jener bedeutung, oft mit wahr
und recht: der goldschmidt hört wol weitläufig darvon (
von der untreue seiner frau) sagen, kundt doch nye auf den rechten grundt kommen Lindener
rastbüchlein 8
L.; dialectica ... lernt, wen einer ein ding nit kan oder wais, wie ers suechen .. sol .., damit er auf den wârn rechten
gr. kum und die wârhait erforsch Aventin
s. w. 4, 426, 12
L.; daher auch mit hinter: ich wil gleichwol der sachen noch ein wenig nachdencken, ... solte ich auch alsdann hinter den grundt kommen H. J. v. Braunschweig
schausp. 271
H.; noch bei Frisch 379
a auf keinen gewissen
gr. kommen können
certum invenire non posse; auch der gen. des attributs ist alt: also wenig mag auch der mensch auf den
gr. philosophiae adeptae kommen Paracelsus
opera (1616) 2, 399
H.; daneben in: die begierde ..., in diesen sachen auf einen beständigen
gr. zu kommen Leibnitz
deutsche schr. 1, 266.
der gen. wird wie bei zu grunde liegen, legen (
s. u. IV A 3 c, d)
seit der 2.
hälfte des 18.
jh.s durch den dat. ersetzt; das object bilden meist allgemeine begriffe wie problem, ding, sache: (
tempelherr:) ein problema. (
patriarch:) dem ich tiefer doch auf den grund zu kommen suchen musz Lessing 3, 119 (
Nathan 4, 2)
M.; ich möchte wenigstens einigen dingen auf den
gr. kommen Göthe IV 8, 243
W.; eine instruction Ferdinands, in welcher er herzog Georg auffordert, der sache auf den
gr. zu kommen, wo sie ihren anfang und ursprung habe Ranke
s. w. 3, 32;
auch nd.: ik möt de sâk upn
gr. kâmen, sä de stêrnkiker, do ful he in den sôd Lüpke
seemannsspr. 9 (
mecklenb.). —
auf den gr. gehen; anscheinend jünger als das vorige; ebenso construiert: die menschen glauben oft in den urtheilen ... verschieden zu seyn, wo, wenn man auf den
gr. geht, die sache ein bloszer wortstreit ist Gerstenberg
recens. 164
F.; wen man wat ôrdenlîks leren un wêten wil, den mut man de sake up den
gr. gân Doornkaat-Koolman 1, 702;
etwas anders: Frida, de in allen dingen up den
gr. gung Fr. Reuter 2, 252
S. —
auf den gr. sehen '
durchschauen',
anknüpfend an den boden des gewässers; erst mit dem 18.
jh. häufiger, daher meist mit dem dat. (
s. o.);
hat vor den vorigen die gröszere mannigfaltigkeit des ob jects voraus: mit der oper ... mag ich mich nicht abgeben, besonders weil ich diesen musikalischen dingen nicht auf den
gr. sehe Göthe IV 19, 378
W.; unser gröszestes übel besteht darin, dasz niemand unserm staate auf den
gr. sieht Dahlmann
frz. revolution 6; wenn sie ihren bestrebungen auf den
gr. sehen D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, xxii;
älter: wenn man klar in dieser ganzen sache und auf den
gr. sehen will
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 336. —
anderes seltener: man läszt sich nicht den klang, den leeren ton bethören, man forschet auf den grund Scheibe
crit. musicus (1745) 603; der herzog von Gotha fragt bestimmt und auf den
gr. Gleim
briefw. 2, 364; dürft ich euch wohl ein andermal beschweren, von eurer weisheit auf den grund zu hören? Göthe 14, 95 (
Faust 2042)
W.; Herder wird dir geschrieben haben; er ist diesen sachen auf dem grunde Göthe IV 6, 231
W. I@EE. grund des herzens, der seele
u. ä. war bisher der begriff der unteren begrenzung als bedeutungsinhalt oder -ursprung der wendungen ohne weiteres erkennbar, so tritt er hier fast völlig zurück zu gunsten der vorstellung des unteren, tief gelegenen bezirkes (
vgl. die unterscheidung unter C 1).
als solcher bezeichnet gr. des herzens
sitz und quelle der geheimsten und tiefsten empfindungen, auch gedanken. I@E@11) herzens grund
ist am ältesten, wenn auch nicht ganz so weit zurück zu verfolgen wie die bisherigen gebrauchsformen: so nimit er uon des herzzen grundedaz sovften mit dem munde
Milstäter genesis 17, 14
Diemer. bis ans ende des 18.
jh.s die weitaus häufigste zusammenstellung, dann z. th. verdrängt durch gr. der seele.
plural selten, nur poetisch: das reuet mich von herczen grunden
st. Stephans leben 1118
McClean; und wie ein freundlich sternlein blinkt ihm tief ins herz und wieder aus des herzens gründen ein klares blaues aug A. v. Droste-Hülshoff 2, 347
Schücking. I@E@1@aa)
vergleichsweise selten ohne präpos.; doch zeigt dieser gebrauch die formel ausdrucksvoller; sie betont bald das verborgene, dunkle der empfindungen: nu kennet er ja unsers hertzen
gr. (
var. das heymliche ym hertzen)
ps. 44, 22;
vgl. wan eht got dem ist kunt aller hertzen sinne grunt H. v. Langenstein
Mart. 202, 105; und (
gott) erleucht deines hertzen grund mit seim tröstlich heylsamen wort H. Sachs 1, 173
K.; bald die wahrheit und echtheit: was nit von hertzen grundt kummet, ist schein und nit wesen Eberlin v. Günzburg 2, 155
ndr.; daher oft in parallele oder im gegensatz zum wort des mundes: dan wer anhebt tzu bitten 'vater unszer ...' und thut das mit hertzes grundt Luther 2, 83
W.; begehrt dein mundt ohn hertzens grundt, dasz man sich zu dir wende S. Dach 154
Ö.; wenn nun des menschen mund des herzens grund entdecket, und aus der red erhellt, was im gemühte stecket J. Grob
dichter. versuchung (1678) 56; voller mund sagt des hertzen
gr. Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 21
a; trunkner mund verräth des herzens
gr. v. Düringsfeld
sprichw. 1, 270;
bald ernst und tiefe: sein sünde, so er hett gethon ..., die im peinigt seins hertzen grund H. Sachs 18, 112
K.-G.; zuweilen in bewusztem bilde: Irekel diu viel im zehant tiefe in sînes herzen grunt K. v. Würzburg
Partonopier 16549; du (
gott) muost hút in den
gr. mines herzen gesmelzet werden H. Seuse
deutsche schr. 16, 8
Bihlmeyer. I@E@1@bb)
mit vorliebe nach präpositionen, und zwar am häufigsten nach von und aus. nach verben des affects wiegt von
weit vor: der von sînes herzen grunde bischof Ruodolfen was gram Ottokar
steir. reimchr. 35917; freuet euch von
gr. eueres hertzen
V. Schumann
nachtb. 106
Bolte; dasz sie in von
gr. ires hertzen liebet
Amadis 1, 43
K.; dass ... ich ... von
gr. meines hertzens erschrocken Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 270; so hätte sie mich von
gr. meines hertzens tauren müssen Grimmelshausen
Simpl. 2, 273
Keller; auch plastischer: lesset sie jetzt von grundt ihres hertzens manchen tiefen seuftzer faren Mathesius
leichenreden 85; aus
ist ungleich seltener: die thu ich aus
gr. des herzens lieben A. v. Arnim 21, 125
Gr.;
regelmäszig aber aus herzen
gr.: und (
er) was bekumbert usz hertzen grund
Friedr. v. Schwaben 1271
J.; (
Venus) erbarmet sich ausz hertzen grund Spreng
Äneis 11
a; ir schrecket mich ausz hertzen grund H. Sachs 6, 147
K.; sie thut all stund ausz hertzen grund mein gmüt alles erfreuen Forster
fr. teutsche liedlein 29
ndr.; für bitten, danken, preisen
u. ä. gilt dieselbe theilung: also das er von grunde sines herzen got sol bitten Tauler
pred. 209, 29
Vetter; von grund des herzens preis ich euch Mörike 1, 128
Göschen; ich dancke dir gantz inniglich ausz grundt meines hertzens
buch d. liebe (1587) 391
a; das wir betten ausz hertzen grundt Nigrinus
von zäuberern (1592) 59;
neben sprechen, sagen
herscht dagegen aus
vor: und sprach us dem grunde sines herzen zuo mir Tauler
pred. 187, 23
Vetter; ihr habet alzuviel mir itzt schon angethan, ihr augen, dasz ichs euch aus grund des hertzens sage Hoffmannswaldau
u. a. gedichte 2, 16
Neukirch; er sagt dir aus dem grunde seines herzens prost zum heutigen tage! Raabe
hungerpastor 1, 162;
bei diesen verben in moderner sprache nicht mehr recht üblich, wie überhaupt der geltungsbereich der formel früher ausgedehnter war: sô si ûz herzen grunde ir friunde ein lieblich lachen tuot W. v.
d. Vogelweide 27, 36; on allen zweyfell werden ir gesuntheit erlangen, so ir euch geloben von
gr. euers hertzen Warbeck
Magelone 966
B.; so schencke ich es euch hiemit von
gr. meines hertzens Moscherosch
gesichte (1650) 248;
auszer bei verben nur beim adv. gern
häufiger: das habe ich von grunde myns herzen begirlich und gern gehort
privatbr. d. mittelalt. 1, 54
Steinhausen; ich will sie (
die gelder) ihnen von
gr. des herzens gern noch funfzehn jahr ... lassen Lessing 2, 146, 21
M.; von grunde des herzens gern Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 49;
vgl.: alle ... verrichtungen ... von grundherzensgerne über sich genommen Fischer
schwäb. 3, 872. —
im grunde des herzens
ist in älterer sprache ohne specifische färbung: diu wîsheit in des herzen grunde smecket rehte als in dem munde dem guom ein guotiu spîse tuot Lampr. v. Regensburg
tochter Syon 2796; die bösen in irs hertzen grund stets wider mich gedenken Mich. Sachse
bei Fischer-Tümpel 1, 15;
später eingeschränkt auf das geheime, das man nicht zeigt oder sagt: wer im grunde seines herzens ein schalk ist, der zeigt es nie mehr, als in hektischen krankheiten Lavater
handbibl. (1793) 2, 111; dazu hatte die Annemarie das mädchen ... im grunde ihres herzens doch noch zu lieb O. Ludwig
ges. schr. 2, 198; ich weisz doch, dasz sie meinen schritt im grunde ihres herzens billigen Bauernfeld
ges. schr. 4, 5. —
bis auf den
gr. des herzens,
bildhafter empfunden: (
sünden) die niht geriuwent zaller stunt hin abe unz ûf des herzen grunt W. v.
d. Vogelweide 6, 12; si wurden paide da enzunt mit liebe untz in ir hertzen grunt H. v. Neustadt
Apollonius 3534
S.; ähnlich: diu mir daz herze hât verwunt vaste unz ûf der minne grunt Tannhäuser 3, 126
S.; vgl.: (
die situationen) beklemmen das hertz, sie beunruhigen die seele bis auf einen gewissen grad: aber sie kommen nicht auf den
gr. Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 46. I@E@1@cc)
verschiedenartig verstärkt: ich bin in strenger lieb verwund gar tief in meines hertzen grund gen Rosmunda H. Sachs 17, 6
K.-G.; vgl. die schweren seufczen, die aus grunt und tief ires herczen kamen Arigo
decam. 191, 37
K.; nach analogie der formel von ganzem herzen: also bit got von gantzem grunt dins hertzens Keisersberg
bilgerschaft (1512) b 3
b; es ist von gantzen hertzens grund mein bitt an euch zu diser stund Spreng
Ilias (1610) 81
b;
im älteren nhd. recht gebräuchlich; vgl. ausz bitterem und von gantzem
gr. seines hertzen
Fortunatus 59
ndr.; solches wünsche eurer königl. mayt. ich aus innerstem grunde meines hertzen v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648)
widmung 6; wenn der treugesinnte mund oft des herzens innern grund liesz entdeckt und offen schauen Gottsched
gedichte (1751) 208; und tief bewegten gesänge des herzens innigsten grund Göthe 1, 49
W.; seltener: von
gr. meines innersten hertzens
ollapatrida 111, 37
Wiener ndr. I@E@22) grund der seele
erscheint zuerst in der mystik des 14.
jh.s (
s. u. 6);
doch bleiben die belege bis ins 18.
jh. ziemlich selten: so mag in unser sele grund Cristus nit wol werden kunt
Christus u. die minn. seele 2103; ich ... bit dich lieber herre, das du dich schliesest in den grunt myner sele
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 130
b; ich bin auch ihnen wieder von grund der seelen hold
Königsberger dichterkr. 50
ndr.; das es mir von grundt meiner seelen leydt ist El. Charl. v. Orleans 1, 2
M.; das andere wort heist
ἐπιθυμεῖν, etwas von hertzen und von
gr. der seele wünschen und begehren
wohlgeplagte priester (1695) 9.
in schwang kommt der ausdruck erst mit dem sturm und drang, mit der wiederentdeckung der seele. plural auch hier beschränkt auf poetischen gebrauch: doch schau hinab, in deiner seele gründen, was du hier suchest, wirst du dorten finden Bettine
Günderode 1, 347.
in manchen verbindungen tritt der gr. der seele
für den gr. des herzens
ein, ohne darum die ältere wendung ganz zu verdrängen: und soll ich, weil Leszing wiederum alles aus dem grunde der seele holt, soll ich ihn für einen spekulativen witzling halten? Herder 3, 11
S.; am häufigsten auch hier präpositional von, aus, im grunde der seele: ich wünsche von
gr. meiner seelen Lessing 17, 146
M.; sie dauert mich von
gr. der seelen, das gute kind H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 97; der patron war mir so recht im grunde meiner seele verhaszt Gaudy
s. w. 2, 107; von
gr. der seele gern Campe 2, 469; im innern grunde meiner seele Göthe 45, 231
W., auch modern dialektisch: ût de
gr. fan mîn sêl Doornkaat-Koolman 1, 702.
dagegen ist die seit dem ausgehenden 18.
jh. reich verbreitete wendung auf den
gr. der seele sehen
in älterer sprache ohne parallelen; gr. des herzens
in dieser verbindung bleibt vereinzelt: ha! barbarische Marwood, diese rede liesz mich bis auf den
gr. ihres herzens sehen Lessing 2, 290, 23
M.; schon bei Wieland: er richtete sich auf, und sahe sie eine weile an, als ob er bis in den
gr. ihrer seele schauen wollte
Agathon (1766
f.) 1, 254; er glaubte bis auf den
gr. ihrer seele zu sehen Göthe 23, 40
W.; öfter wird das auge als durchgangspunkt des forschenden blicks hinzugefügt: diesen fürchterlichen blick ... so kalt, so durchbohrend, so wild, als wollt er durch mein auge hindurch auf den
gr. meiner seele schauen Tieck
schr. 2, 311;
das bild der seele als eines gewässers schwebt mehr oder weniger deutlich vor: wie auf dem
gr. eines sees die fische muthwillig durcheinander spielen, so konnt ich deine gedanken spielen sehen auf dem klaren
gr. deiner seele Bettine
frühlingskranz (1844) 19; du würdest wähnen, in dieser klarheit müsse man bis auf den
gr. der seele blicken können Stifter
w. 1, 82
bibl. dtsch. schriftst. a. Böhmen. I@E@33)
anderes seltener: welcher (
arzt) nun grüntlich helfen will, der mus im
gr. des gemüts anfangen Fischart
podagr. trostbüchlein 18, 20
H.; o wie preis ich die sängerin drum, die, unter der muse schutz, mir den lieblichen grund ihres gemütes enthüllt Mörike 1, 100
Göschen. jung und nur poetisch: was ihr vernahmt, bewahrts in eures busens tiefem grunde Schiller 14, 47
G.; und in meines busens gründen schien ich mir mich selbst zu finden Grillparzer 4, 84
S. I@E@44)
im mhd. kann auch grund
allein den herzensgrund bezeichnen, wie es scheint, nur nach präpositionen; namentlich nach von: enbiute dir von grunde mit herzen und mit munde mînen küneclichen gruoz Konr. v. Würzburg
Silvester 2575; daz si von grunde wolte senen zallen zîten sich ûf jenen
Engelhard 1229;
vgl. 6418; daz ir lerent von grunde got minnen Tauler
pred. 59, 7
Vetter; vgl. 138, 28; er ... neig ir von grunde Seuse
dtsche schr. 29, 24
Bihlm.; seltener nach anderen präpositionen: sîn leit gienc ir ze grunde und sîn vil strengez ungemach
Engelhard 5190;
nhd. vereinzelt ähnliches: ich sprach: 'bist du dann Jesus nicht?' und seufzet aus dem grunde Spee
trutznacht. 4, 72
B.; ebenso verstärkt wie gr. des herzens: und begerent von ganzem grunde, das si in alleine minnen Tauler
pred. 138, 32
Vetter; neur was du wilt, mein schöne Gret, ausz ganczen gründen, daz tün ich snell Osw. v. Wolkenstein 77, 33
Sch. I@E@55)
mit dem vorigen steht offenbar eine verwendung in zusammenhang, die unter lockerung der bildlichen vorstellung zu einer bedeutung ähnlich wie '
gesinnung, sinn'
führt; dann sind kennzeichnende adjectiva nötig. vorwiegend alem.: und hett gen ir (
der amy) ain falschen grund H. v. Sachsenheim
möhrin 1753;
dasz auch hier an herzensgrund gedacht wurde, lehren fälle wie: drutz das kein meister schrib und nümer schriben kund so vil der falschen grund, als in irm hertzen was H. v. Sachsenheim
spiegel 177, 30; du weist, das ouch erdichtet hand wider mich dises alles sand us falschem hertzen, argem grund
schweiz. schausp. des 16. jh.s 2, 61
B.; das gegenstück ist alem. aus rechtem
gr. '
ernstlich, mit überzeugung': wer zuo im kumpt und dienst begärt usz rächtem grund, wird von im gwärt
ib. 3, 162;
doch kann auch die bedeutung IV C 5 a
hereinkreuzen: dieweil er an disem löuwen (
einem kunstwerk) nichts, das er ausz rechtem
gr. tadlen hette können, finden mocht Wetzel
reise d. söhne Giaffers 88
Fischer; wer hoffen kan ausz gutem grund, der find sein trost zu aller stund Petri
d. Teutschen weisheit 1 g 4
b; dasz feinds mund redet nimmer ausz guten
gr. Lehmann
florileg. polit. (1662) 3, 97 (
vgl. IV B 41);
auch ohne adj.: ob man etwas uf mich seit, ... so bedenkend, us was
gr. und herzen es kumme Zwingli
dtsche schr. 1, 86; hab acht auf aigen leib und eer und wy dein grund in
gott sich ker J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 3
a; der bösen grund wend got zur stund Fischart 2, 291
Kurz; ir wurd irs gmals gemüt und grund entdeckt Thym
Thedel v. Wallmoden 980
Zimmerm.; er was seins worts gedächtig, sein mund, sein grund eindrächtig Zinkgref-Weidner
teutsch. nat. weish. 3, 25; bestymbt fals lerer dichten und piegen wol iren
gr. auf heilige schrift, aber dieselb pflegen sy unrecht zeversteen B. v. Chiemsee
teutsche theol. 114
R.; auch das nd. kennt gewisse wendungen, die ähnlich verstanden scheinen (
vgl. nl. quaden grond
mala mens, malus animus Kilian 163): weret sake ..., dat unser welk sodanen hat tohope hadden van herten, dat wy dar nene gude grunt (
gute gesinnung, freundschaft) an maken konden
pomm. geschichtsdenkm. 2, 75
Pyl; ik kan kinen
gr. to dem minsken krigen '
ich kann kein vertrauen noch freundschaft zu dem menschen fassen'
brem. wb. 2, 553. I@E@66)
eine besondere rolle spielt grund
in der sprache der mystik, die das tiefe, vieldeutige wort sehr liebt und oft mit seinen verschiedenen bedeutungsrichtungen spielt (
nach Herm. Kunisch
das wort '
grund'
in der sprache der deutschen mystik des 14.
und 15.
jh.s [
dissert. Münster 1929] 1, 15, 98
u. ö. ist gr. specifisch für Tauler);
schillernd zwischen '
herzensgrund, innerstes geistiges wesen'
und schlichtem '
sinn': wenne das ewig wort wirt gesprochen in den grunt der selen, und der grunt als vil bereitschaft und enphenglichkeit hat, das ... Tauler
pred. 334, 14
Vetter; dieser tempel ist der überminnekliche inwendige grunt der selen 266, 8; die dritten empfiengent in ... in das verborgen abgrunde, in daz heimeliche rich, in den wunnenclichen grunt 92, 95; daz sich min herze und mine sele rehte al zuo male gegen dir uf tuon welle, und muos dir offenboren und sagen allen minen heimmelichen grunt Rulman Merswin
buch v. d. zwei mannen 2
L.; er ... danket ire herzeklich usz einem demütigen grunde Seuse
dtsche schr. 14, 24
Bihlm.; etlichú ... die hohen sinne der heiligen schrift ... verkerlich hain genomen nah ir selbs eigem und wilden grunde 4, 13;
ähnlich auch von gott: súllen wir iemer komen in den grunt gotz und in das innigoste gotz, so müssen wir zuo dem aller minsten zem ersten komen in unsern eigenen grunt und in unser innigostes Tauler
pred. 149, 34
Vetter. I@FF.
der begriff des tiefen, unteren bezirkes (
s. o. C 1, E
anfang)
kann so entgegenständlicht werden, dasz grund
der bedeutung des abstractums '
tiefe'
nahekommt. I@F@11)
schon mhd. in präpositionalen fügungen recht entwickelt (
manche von ihnen lassen auch an II A 1 b
denken; doch zeigt sich die bedeutung '
erdboden'
mhd. sonst nicht entfaltet): dâr zouh an der stunde di vedere (
auf der wagschale) ze grunde
Straszb. Alex. 7148
Kinzel; er seite im daz mære von obene hin ze grunde Gottfr. v. Straszburg
Trist. 8239; din (
gottes) wunder sich so wirret in höhe und an dem grunde Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 13691; ir schön gepär tuet mir ungemach von höch der schaitel überab den grunt Osw. v. Wolkenstein 1, 20
Sch.; vgl.daher auch (
in dem mauerwerk) ein unheilbarer risz vom scheitel bis zum
gr. klafft Scheffel 3, 235,
wo bed. IV
hereinspielt. I@F@22)
von concretis ist gewöhnlich erde
beigeordnet: do sprach der in dem throne saz und der erden grünt maz H. v. Neustadt
gott. zuk. 1218
Singer; (
er) wollte alle gründ am himmel und erden erforschen
volksbuch von dr. Faust 13
Braune; in den stillen tiefen des meers, wohin kein senkblei reicht, in den verborgenen gründen der erde, wohin kein bergmann steigt Gerok
psalmen 3, 397; wenn die dunkelheit schon aus den gründen der erde stieg Stifter
w. 2, 318;
in der regel plural; singularischer gebrauch der formel liegt auf einer andern bedeutungslinie, s. u. II A 1 a.
vielfältig auch bei abstractis schon in alter sprache: wie wol der wisheit gruont hede beslozzen din (
Jesu) muont H. v. Neustadt
gott. zuk. 2147
S.; mîn sin was al der werlt ze tief, ... nu vindestu die hœhe und ouch die gründe (
des sinnes)
Wartburgkr. 33, 6; daz (liden) get hie uz dem grunde siner (
gottes) unsprechenlichen minnen Tauler
pred. 17, 26
Vetter; der (munt) mich tieflichen wunt gar in des todes grunt Osw. v. Wolkenstein 19, 20
Sch.; sogar: das im die lieb durch das marck trang zuo des endes grunt
Friedr. v. Schwaben 1015
J.; in jüngerer sprache gern neben begriffen wie: das (
sc. rad) die folgen böser that aus der zukunft finstern gründen ist bestimmet aufzuwinden Müller
dram. w. (1828) 1, 55; und was noch ruhte in der zeiten grund Fr. Kind
gedichte2 2, 151; in den tiefen gründen der ewigkeit L. Hofacker
pred.16 894; die sehnsucht der creatur nach der reinheit ihres schöpfers, der sie sich im grunde ihres daseins verwandt ... fühlt Ranke
s. w. 1, 198.
oft verstärkt durch tief: darnoch so sicht der (
vergottete) geist herwieder verre in den allertiefesten grunt der allernidersten übunge die er ie geübete Tauler
pred. 88, 5
V.; da er die tzwey weyber urteyllt ..., erfand, wilch die rechte mutter war ausz dem aller tiefisten
gr. der natur Luther 10, 1, 560
W.; vgl. swer des niht gloubet dan, des val hât endelôsen grunt Frauenlob 404, 6; o
gr. ohne boddem! '
gewöhnlicher ausruf bei überraschungen oder sich entgegenstellenden schwierigkeiten' Frischbier
preusz. sprichw. 100. I@F@33) zu grunde '
bis in die tiefe'
hat eine besondere entwicklung genommen, die indes mit dem 17.
jh. erlischt. nur mhd. neben verben des affects zur gradbezeichnung, '
gründlich, sehr': nu ligent der risen ehtwe tôt. des vröuwe ich mich ze grunde
Virginal 747, 3; und leid ir muoterliches herz ze grunde alles, daz ich an dem libe leid Seuse
dtsche schr. 260, 7
Bihlm., hier spielt wohl die bedeutung E
herein. sehr verbreitet in mystischen schriften; namentlich sich ze grunde lâzen
mit dat. '
sich völlig hingeben'
; gelegentlich noch gegenständlicher empfunden: aldo lie sú (
die verzückte frau) sich zuo grunde in ein ewikeit Tauler
pred. 41, 6
V.; so beginnet der creatúrlich geist ... sich der ewigen götlichen kraft ze
gr. lassen Seuse 182, 27
Bihlm.; dis loszen mag meinen, das kein mensche in der zit derzuo kummen mag, das in das ewige vetterliche wort zuo grunde rüeren wil, er habe sich denne e dem vetterlichen ewigen worte alzuomale zuo grunde geloszen in rehter, demüetiger, ufgebender, zuo grunde sterbender geloszenheit Nic. v. Basel 274; so wenig mag auch das göttliche sprechen in dem zugrundegelassenen ... leben stille stehen Jac. Böhme 4, 181;
gern bei verben des erkennens: ab di êwige geburt des êwigen wortis in der sêle keine krêatûre zu grunde verstên muge
mystiker 1, 44, 16
Pf.; und kanst du dú zwei wort eben wegen und ze grunde prüfen uf ir jungstes ort Seuse
dtsche schr. 334, 25
Bihlm.; ähnlich: er ist unsprechlich, er wardt nie tzu
gr. gar auszgesprochen
theol. deutsch 32
M.; dies ist allgemeiner: up wîsheit achten se nicht to grunde
Reinke de vos 6013.
am längsten gehalten hat sich zu grunde
als '
völlig, gänzlich'
bei verben, die ein wie immer geartetes '
beseitigen, vernichten'
bezeichnen: du muost zuo
gr. dir selbs absterben G. v. Keisersberg
bilgersch. (1512) c 3
d; daz sie sein zuo grunt vergessen het Arigo
decam. 203, 3
Keller; dein gbot sie gar zu grund verachtn Dedekind
christl. ritter (1550) d 5
b; eyn wif, de er synne to grunde verloren hadde Schiller-Lübben 2, 158
aus oldenburg. gebetb.; ich werde mein hant ausstrecken und sie zuo grunde reformiren Reinh. Lorich
wie junge fürsten .. underwisen mögen werden 101; es wird, will gott, nun mit des babsts reych schyr zu
gr. gar aus seyn Luther 18, 256
W.; als wann er das unkraut zu grundt auszwurtzeln wolte Nigrinus
von zäuberern (1592) 482; das geistlich recht von dem ersten buchstaben bisz an den letzten wurd zugrund auszgetilget Luther 6, 459
W.; fälle wie die letzten zeigen grenzberührung mit zu grunde richten (=
solo aequare), verstören
u. ä. (
s. u. II B 1);
die beiden gebrauchsweisen haben sich wechselweise beeinfluszt; eine andere kreuzung (
mit von
gr.,
s. IV A 4)
in beispielen wie: Magis ... alle zuo grundt heylet und gesundt machet
Aymont (1535) p 3
a; streue es auf das faule fleisch und in die wunden. es heilet zu grunde ausz Walther
pferde- u. viehz. (1658) 134;
hierher weiter: so sprech iederman, der groll wer ab und wir wern zuo
gr. gericht (
ausgesöhnt)
städtechron. 2, 530, 21 (
Nürnberg c. 1450); alles was hasz, zorn erregt, ist zu grunde beigelegt E. Chr. Homburg
bei Fischer-Tümpel 4, 300
a;
namentlich nd. und md. öfter in pleonastischen verbindungen: gansselich zo gronde totten merch (
bis aufs mark) Diefenbach
gloss. 353
c; das nicht das königreich Beheimb und die ... annahende länder darüber genzlichen zue grunde erschöpft ... werden
acta publ. 1, 246; dat we uns gansliken unde to grunde ghesonet hebbet
braunschw.-lüneburg. urk.-buch 3
nr. 123
S.; dat ik umme alle zake, claghe, ansprake ... myd den ersamen heren borgemesteren ... my vruntliken unde lefliken to gantzer ghuden
gr. gescheden ... hebbe
zs. des hist. vereins f. Niedersachsen 1859,
s. 153 (
urk. von 1433); und han ir ieglichen luterlichen und zu grunde verzigen Diefenbach-Wülcker 637 (
a. 1374).
merkwürdig ist zum grunde,
öfter im 19.
jh.; anscheinend aus zu grunde
entwickelt, vielleicht differenziert gegenüber zu grunde '
ins verderben': bis die zigeuner müd zum grunde, heimlich sich winken — und spielen leise Lenau 243
Barthel; leid und wonne nun hab ich sie zum grund erprobt Geibel
w. (1888) 1, 2;
früher ganz vereinzelt: es werden in diesem spiel aygentlich und zum grundt repräsentiert alle die späsz und contemplationes des kriegszwesens Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 72. I@GG.
der begriff der unteren begrenzung, der tiefe, in die horizontale ebene übertragen, ergibt die bedeutung der hinteren begrenzung, des räumlich entfernten; dieser gebrauch wird häufig erst mit der 2.
hälfte des 18.
jh.s. I@G@11)
hintergrund, hinterer theil; seit dem sturm und drang häufig von der bühne (
aber nur bis in den anfang des 19.
jh.s gehalten): ein kleines armselig meublirtes zimmer; vier hölzerne stühle, ein alter schrank und im
gr. ein bett H. L. Wagner
wohlthät. unbekannte 5; sie gehen nach dem grunde des theaters Göthe 11, 289
W.; was eben der zuhörer nicht hört, das hört er nicht, des rückenwendens, nach dem grunde sprechens ist kein ende Göthe III 2, 290
W.; Sigurd öffnet eine thür im grunde Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 165;
auch auszerhalb der bühne von geschlossenen räumlichkeiten: dem eingang an der schmalen seite gegenüber, im grunde des saals, stand die tafel des priors Göthe 49, 206
W.; vgl. der
gr. eines wagens '
der hintere bedeckte theil desselben' (
der hintergrund, hintersitz) Heinsius 2, 549;
sowohl dies wie gr. als bühnengrund übersetzungen von frz. fond. seltener als hintergrund im freien raum: und im letzten scheine glühet in der strasze fernstem grunde schon das capitol Waiblinger
ged. aus Italien 1, 23
Grisebach; im scheinbaren raum: ich wollte im gemälde nicht gern im
gr. stehen und mich verlieren Winckelmann
bei Justi 2
2, 53; plötzlich sah sie im grunde des spiegels, zwei kleine nebelgestalten Storm
w. 2, 271. I@G@22)
zu besonderem sinn entwickelt sich diese bedeutung in der malerei: gr., grundfeld,
frz. fond, ... bedeutet feld oder hintergrund. auf dem grunde stellet man alle gegenstände vor, woraus ein gemälde bestehet Jacobsson
technol. wb. 164
a;
auch hier handelt es sich vielleicht um einfache übersetzung aus dem frz., vgl. denjenigen
gr. eines gemähldes, worauf vermittelst einer vielfachen, aber unmerklichen degradation der tinten (
teintes), eine sehr weitläuftige gegend mit vielen höher und niedriger liegenden plätzen abgebildet ist, nennt man einen umschweifenden
gr.,
fr. fond vague; so wie einen luftigen
gr.,
fr. fond aërien, bey gemählden, welche z. e. eine unermeszliche meerstrecke vorstellen, wo der abstand nicht, wie bey sachen auf dem lande, durch hintereinander folgende gegenstände bezeichnet werden kann Krünitz 20, 253; auch versteht sie (
Angelika Kaufmann) wenig luftperspektiv, kein beiwerk, keine landschaft, und überhaupt keine gründe Sturz
schr. (1779
ff.) 1, 34; halbfiguren und kniestücke mit landschaftlichen gründen begleitet Göthe
nach W. Hoffmann
wb. d. dtsch. spr. 2, 708
b; Gioconda, du, aus wundervollem grund herleuchtend mit dem glanz durchseelter glieder H. v. Hofmannsthal
kl. dramen (1907) 1, 61.
die räumliche tiefe innerhalb des bildes kann zerlegt gedacht werden: bey den malern und kupferstechern ist
gr. die scheinbare abtheilung eines gemäldes nach seiner tiefe, sonderlich einer landschaft Jacobsson 161
a; die abstufung der fast parallelen gründe mit wenigen figuren ... erregt bewunderung Göthe 47, 349
W.; ein blatt, welches durch einfache tinten und wohlgesonderte gründe sich auszeichnet Göthe
nach W. Hoffmann
a. a. o.; im sing. dann durch attribute geschieden: den ersten
gr. (
vordergrund) in dem kupferblate Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 4, 51; im mittlern grunde diesseit des flusses ragen cypressen Göthe
nach W. Hoffmann
a. a. o. I@G@33)
nicht ganz rein erscheint der begriff der horizontalen tiefe in waldes
gr.;
hier ist die vorstellung des bergenden, verbergenden hinzugetreten: hetst mir gefolgt und werest weyt geflohen in des waldes grunt H. Sachs 9, 215
K.; (
ein fräulein,) welches tief in eines waldes grunde manch hundert jahre schlief Uhland
gedichte (1898) 1, 317.
häufiger im plural: in des waldes tiefste gründe flüchtete die seherin Schiller 11, 369
G.; ähnlich: in jenen äuszersten stunden nachts in des Ölbergs grunde schwitzt ich ... blutige ströme Brentano 1, 147. IIII. '
erdboden',
neben '
meeresboden'
u. ä. der andere grosze bedeutungsstrang des subst., für den ursprünglich das feminine geschlecht anzusetzen ist (
s. o. form 1);
die bedeutung ist, verschieden variiert, ags., anord. und ahd. bezeugt; indessen bis ins spätmhd. merkwürdig selten; doch heute ebenso in hd. wie in nd. maa. die art des bedeutungszusammenhangs mit I
ist unerkennbar. wenn von I
abgespalten, vielleicht zu verstehen als das unterste, die feste grundlage von allem, was sich dem auge darbietet. II@AA. '
erdboden'
im eigentlichen, materiellen sinn; so schon bei Otfrid erdgrunt iv 27, 20. II@A@11)
ganz allgemein, ohne qualitative oder räumliche beschränkung; nur sing., plur. ganz vereinzelt: es (
das rosz) grebt die grunde
corr. in scharret den boden Luther 1, 148
Jena. II@A@1@aa)
der unterschied gegenüber boden
liegt wieder darin, dasz boden
mehr die vorstellung der fläche, gr. mehr die vorstellung des räumlichen, der compacten masse anklingen läszt (
s. o. I C 1);
man sagt den boden küssen,
aber den
gr. beiszen (
vgl. ins gras beiszen): das machen offenbar vil frembd und welsche krieger, ... die (
sterbend) für dein gold gebissen deinen grund Weckherlin 2, 283
F.; vgl.: von diesem platze stehe ich nicht wieder auf! ächzte der räuber in den
gr. beiszend Raabe
Horacker (1876) 89; auf das die furch nit oben hin alleyn den
gr. schürpfe Mich. Herr
feldbau (1551) 27
b; wo sich der grund in moderhügeln hebt Seume
ged. (1804) 5; und als sie kamen näherwärts, begann der grund zu zittern Lenau 49
Barthel; als formel der rechtssprache: sy sullen auch die selben holczer mit grunt und wurtzen in nucz und gewer inne haben
urk.-buch d. stiftes Klosterneuburg 1
nr. 430
Z.; vgl. nr. 399;
deshalb gern mit den präpos. in
und aus: sie (
die glieder) werden wider all erstan, und wirt ir keins im grund vergan Murner
badenfahrt kap. 21, 8
Martin; vgl. kap. 35, 82; dasz man mich auch begrab in grund Spangenberg
griech. dram. 1, 193
Dähnhardt; von dessentwegen die macht der winden solche baum ... ausz dem
gr. reiszet Ph. Bech
Agricolas bergwerck (1621) 29;
auch bildlich: das wir sy rütend gantz usz dem grundt wol mögend
schweiz. schausp. des 16. jh.s 3, 34
Bächtold; selbst nach unter
ist diese vorstellung noch zu spüren: vor allem seltsam wars, als unterm grund auftauchend, schritte rechts sich gaben kund Droste-Hülshoff 2, 97
Sch.; in älterer sprache gern in zusammenhängen wie: wen du ligst fulen underm grundt Murner
narrenbeschw. 168, 21
ndr.; vgl. 132, 61; das er im entlich fürnam zuo sterben und solche heymliche liebe mit im under den grundt zuo tragen Wickram
w. 1, 4
B.; von kabalen: es musste also lange unter
gr. gearbeitet werden Wieland
w. (1794
ff.) 24, 355;
neben erde: der heldt hub in auf von dem grund der erden und truckt in zu todt H. Sachs 8, 506
K.; doch kann hier die bedeutung IV
mitklingen: uons wuord der grund des ærdbodens entdeckt (
fundamenta orbis terrarum ps. 17, 16) Schede
ps. 60, 16
ndr.; wie? hofft der keinen sieg, vor dem die welt erzittert? auf dessen wort der grund der erden sich erschüttert? Gryphius
trauersp. 182
P.; vom stampfen ungeduldger pferde ertönt der grund der untern erde J. A. Schlegel
verm. ged. (1787
f.) 1, 189;
vgl.erlangten sie gar balt den kaiserlichen grunt des ertrichs an dem walt Sigm. Meisterlin
in städtechron. 3, 45. II@A@1@bb)
freilich kann die vorstellung des räumlichen zugunsten des flächenhaften verblassen: der gotlosz mit gekrümbtem mund ... sich spreiszend, trittet auf den grund, gantz trutzig, unwürsch, aufgeblasen Weckherlin 2, 19
F.; sie (
die rosse) riechen den streit von fern, und stampfen den grund Dusch
verm. w. (1754)
vorr. 4
a; und deckte den grund ein starker für sie Denis
lieder Sineds (1772) 113, 1;
das kann so weit gehen, dasz der begriff der erde als substanz gleichgültig wird und die vorstellung der unteren fläche als solcher dominiert: gichtrisch zuckt der bleiche mund, und dein aug sucht scheu den grund Grillparzer 4, 71
S.; am grund streicht die schwalben, als hätte sie kein luft Brentano 2, 25;
so vielfach mundartlich: halt ow mar läg an de
gr.; op flake
gr. auf flacher erde; op de
gr. kneje; enen an de
gr. plecken
zur erde werfen, cleverländisch, doch sonst nicht rheinisch (Josef Müller); he kreeg keen been an e
gr. richtete nichts aus Mensing 2, 500;
geradezu =
diele Schmidt-Petersen 54
b;
ebenso cleverländ.; vom haus des herrn: o heilger grund! von jenem blut getränket, das sich aus gott ins menschenherz gesenket Brentano 1, 231; der gerade boden aber (
im gegensatz zur verticalfläche), der
gr., worauf alles stehet, (
heiszt) die grundfläche Sulzer
theorie d. schönen künste 3, 672;
etwas anders: am himmelfahrtstage wird ein crucifix vom grunde der kirche ... in die höhe gezogen Gutzkow
zauberer v. Rom 2, 15;
vgl. der falt hwet op e gronn (=
nl. op den vloer) Winkler
friesch wb. 702; t fald up de
gr. (
erdboden, diele etc.) Doornkaat-Koolman 1, 702; dasz er fiel nider uf den grunt Wickram 7, 126
B.; weh! da entfiel mir vom mittelfinger mein bräutgamring zu grunde Herder 25, 145
S.; entwickelter in einer mehr oder minder bildlichen verwendung im sinne '
untergehen' (
deutlich beeinfluszt von B 2): so der müeterlich gedanc mich ze reden iht betwanc, so viel daz wort ze grunde unt zukt es von dem munde der bitterliche smerze hin wider an daz herze
schausp. d. mittelalters 1, 226
Mone; eyn yedes ding, wann es ufkunt zuom höchsten, felt es selbst zuo grunt S. Brant
narrenschiff 39, 6
Z.; zu herzen fierende die blödigkeit mentschlicher nathur und wie gähling dieselbe zugrunt falle
quelle bei v. Brandis
landeshauptleute 32. II@A@22)
der grund
ist seiner qualität nach näher bestimmt. II@A@2@aa)
nach seiner geologischen oder physikalischen beschaffenheit, vorab unter dem gesichtspunkt des vegetationsträgers. II@A@2@a@aα)
im eigentlichen sinn: ich solt ain gartner darein lôn, der es (
das gärtlein) mit edeln kreütern schôn ziert, das wär der grund wol wert Hätzlerin
liederb. 244; eben als ein akkerman, der auch zuvor die gestaltnus des grundes untersucht, eh er denselben anfähet zu pflügen Zesen
gekrönte majestät (1661) 16; wenn man eine pflanze aus der muttererde auf einen fremden wilden
gr. versetzt Babo
schausp. (1793) 48.
adjectiva der qualität sehr zahlreich: man sich erspaciert in hartem dürrem
gr. Ryff
spiegel d. gesundh. (1544) 25
b; do sie sich auf irem magern
gr. nit mochten erneren Seb. Münster
cosmogr. (1550) C 1; so wollen etzliche früchte ... einen mittelmeszigen
gr. haben Hennenberger
erclerung d. preüss. landtaffel (1595) 1; der pflaumen kärne pflegt man ... in feyste und wolgetüngte gründe zu setzen Sebiz
feldbau (1579) 315; ein weites, sanfthüglichtes stadtgebiet vom triebsamsten
gr. J. H. Vosz
antisymbolik 2, 179; wüsten grund macht er (
gott) zur see Eschenburg
beispielsamml. 4, 115; nimm hin und pflanz dies reis in frischen grund Heine 1, 60
E.; was (
von weizenkörnern) in guten
gr. gefallen Brentano
ges. schr. 4, 154;
etwas anders: die stolzen nachkommen Sems lieszen sich in dem fetten grunde Asiens nieder J. J. Schwabe
belustig. 1, 208;
gr. wird ... vor das erdreich ... genommen, und alsdenn in feuchten und trockenen, steinigten, kalten, hitzigen, magern, sandigten, kreidigten, dohnigten, leimigten, schwartzen, grauen, rothen
etc. unterschieden
allg. öconom. lex. (1731) 872;
die moderne sprache zieht boden
vor, vgl. schwerer,
leichter ...
gr., gew. boden K. W. L. Heyse
handwb. 1, 627;
dialektisch gehalten: grund, nöt z trucka, nöt z nasz, das braucht — blüemel und gras Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 181
Rosegger; wo birke
n ... wachse
nt und e
in rotes haar, ist kei
n guter
gr. Fischer
schwäb. 3, 871; de grund is nog to nat un kold Doornkaat-Koolman 1, 702;
nd. ist namentlich die graue
gr. in redensarten sehr verbreitet: ik schaam mi in de grabe
gr. '
bis in den tiefsten gr.' Mensing 2, 500
b;
vgl. form 1).
bemerkenswerth ist, dasz der gr. oft den charakter des wiesigen, weichen oder gar moorigen bezeichnet (
vgl. III A 5): (
das stachelschwein) wonet gern ... an den büchlen, die ein weichen
gr. haben, dareyn es sich vergraben mag Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 35; dieweil aber mosige grunde inen den horn am huft erweychen Sebiz
feldbau (1579) 149; sumpfichter
gr. Hulsius-Ravellus 147
a; hier schläft auch ruhig und gesund das mädchen auf dem feuchten grund
Shakespeare (1797
ff.) 1, 213;
namentlich vom rasengrund: auf einem grund und wasen ... mit wölfen werden grasen die rinder Spee
trutznacht. (1649) 201; den streck ich todt auf dieses rasens grund Schiller 14, 82
G. treff ich dich mit einem schwert aber später auf grünem grunde G. Freytag
ges. w. 9, 49;
im älteren österr. anscheinend auch für '
moorgrund': da mit wir tzugen aus dem land gründ und greben, prüch und sant, und eylten tzu der Mymmel Suchenwirt 4, 440
Pr. vgl. composita wie wiesengr., moosgr., moorgr.,
von wiesenboden
usw. wieder charakteristisch dadurch unterschieden, dasz boden
mehr auf die fläche, gr. mehr auf den tiefenraum geht, vgl. th. 2,
sp. 211, 4). II@A@2@a@bβ)
vielfältig bildlich; mhd. namentlich bernder
gr. '
fruchtbarer boden': swâ meister Ernest wirt vertriben ..., dâ vindent mîne sprüchevil selten stillen rûm noch bernden grunt Reinmar v. Zweter 156, 3
R.; gern persönlich gewendet (
auf eine dame): (sist) mîner vröude ein wernder (
l. bernder) grunt
ib. 28, 11
u. anm.; des danke ich dîner werdekeit, du bernder grunt Frauenlob 425, 10
E.; du bernder grunt (
Maria)
ib. 6, 12;
ähnlich: rhetorica, bluender grunt der liebkosunge
Ackermann a. Böhmen 61
Bernt-Burdach; wär der lebendig bron quellen in eurm dürren grunt Tauler
sermones (1508) 51
v b (
spielt mit gr. '
herz'); glatter worte falsches eis wird ein schlechter grund der triebe Gottsched
ged. (1751) 1, 206; dieses ist ein guter
gr., aus welchem sicherlich das schöne ... blühend erwachsen kann Göthe 48, 17
W.; der allgemeine jubel hätte in meinem gemü
te ... einen um so empfänglicheren
gr. gefunden, wenn ... G. Keller
ges. w. 1, 134;
namentlich gr. fassen
ist seit dem 18.
jh. häufiger: damit ... Christus auch in euch ... so grund als wurtzel fasse Günther
gedichte (1735) 51; dasz die unternehmung ... in stadt und provinz
gr. faszte Göthe IV 41, 62
W.; die französischen einrichtungen fassen in Westpfalen keinen
gr. Görres
ges. br. 2, 57. II@A@2@bb)
gr. unter dem gesichtspunkt der festigkeit; zuweilen geradezu prägnant für festen
gr.: ihr wissen stehet aufm sand und nicht im
gr. Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 207.
entweder allgemein als träger des menschen und aller dinge: es ist ..., ein dam hierüber (
über den morast) geschlagen; wegen seiner krümme, weil man die erhobneste plätze und besten
gr. darzu aussuchen müssen, einer gantzen meilewegs lang Chemnitz
schwed. krieg 1.
th. (1648) 59, 2;
besonders bildlich: wo bleibt aber mein gewissen, das gerne auf gutem grunde und sicher stehen wolt Luther 26, 483
W.; auf wie nicht festem grund all unser hoffen steh Gryphius 226
P.; Leszing soll ... das aufgedeckt haben, dasz seine (
Winckelmanns) känntnisz der alten ein schwankender
gr. sey Herder 3, 8
S.; tretet darum nicht zu sicher auf diesen lockern
gr. Klinger
w. 4, 81; heurathe nicht ohne recht festen
gr. unter den füszen Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking 192.
oder als baugrund: guter
gr. ist derjenige, bis zu welchem man das erdreich abräumt, und den man geeignet hält, die last des gebäudes darauf zu setzen Helfft
wb. d. landbaukunst 161;
gern bildlich: das antichristisch regiment von dem teufel auf den faulen
gr. der lugen gebauet H. v. Cronberg
schriften 14
neudr.; wer deinen worten gläubt, der baut auf losen grund J. Rachel
satyr. ged. 99
neudr.; loser
gr. nie lang stund Petri
d. Teutschen weish. 2, M m 8
a; um wenigstens entweder ein sichres fundament ... zu legen, oder die stellen zu zeigen, wo der zu unsichre
gr. kein haltbares ... erlaubt W. v. Humboldt
sechs aufs. über d. klass. altertum 56
Leitzm. oder als fester boden im gegensatz zum wasser; nur selten wie in der ags. formel grund and sund =
earth and sea (Bosworth-Toller 491)
ohne bezeichnendes beiwort: was suechst uf dusem wilden wag? es hat doch ferre zuo gronde (
bis ans land) Muskatblüt 90, 8
Gr.; meist epitheta: als ein sprunck uber eynen flachen strom, da man auf beyden seytten eyn gewissen
gr. und ufer sihet Luther 19, 217
W.; vgl. der hochbetrübte held an dieses ufers grunde tiefsinnig so verblieb D. v.
d. Werder
ras. Roland ges. 1
str. 40; die boszheit herrscht auf diesem runde, in wassern, wie auf trocknem grunde Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 95; so scheint dem endlich gelandeten schiffer auch der sicherste grund des festesten bodens zu schwanken Göthe 50, 267
W. II@A@2@cc)
als stoffbezeichnung für '
erde',
wesentlich beschränkt auf das alem.; übergangsfälle: weiden ist ain trost dem land vor dem wasser, das es dest mynder den
gr. mit im nem Hätzlerin
liederb. 171; stille wasser fressen auch
gr. Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 167.
besonders gute, schwere erde, humus: die von Mülhein clagten, inen die von Núwenburg mit iren herten ze weiden, deszgleichen mit sand und grunt graben ubergriff teten
stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 78
M.; das ander mal suchten wir den feisten
gr. an schattigen orten, und ausz holen bäumen zusammen Grimmelshausen
Simplic. 31
Kögel; besonders in den modernen maa.: gr. träge
n '
kulturerde ... als düngemittel in die reben, wiesen tragen' Staub-Tobler 2, 772 (
mit vielen weiteren belegen);
ebenso cleverländisch: gr. op de wies fahren;
gr. = '
acker- und gartenerde' Ch. Schmidt
Straszburger ma. 45;
ähnlich F. Schön
ma. d. Saarbrücker landes 71
b;
als guter
gr. der erde gegenübergestellt: ist der platz (
für einen garten) ein morast, so füllet man ihn mit steinen und grober erden aus und schüttet guten
gr. darüber Staub-Tobler 2, 772 (
a. 1772);
vgl. Martin-Lienhart 1, 278; Wöste-Nörr.
westf. 86; (
doch als wilder
gr. auch tiefere erdschicht im gegensatz zur ackerkrume Martin-Lienhart 1, 278);
gesteigert zu lehm, schlick: agger coctus, vom brennten
gr. oder zieglen Frisius 333
a; so gend die kerb uf und felt der
gr. ins schiff (
bei baggermaschinen) Schickhardt
reis in Italiam 42
H. auch für '
erde'
schlechthin: nim ... tubenmist und mach den rein daz kein holtz oder stro oder
gr. oder federen dorinn ligen Gersdorf
wundarzney (1517) 34
b; do von (
von dem acker) got nam den selben grundt, als er Adam zuo schaffen bgundt Murner
narrenbeschw. 14, 28
neudr.; vgl. denn der mann aus irdschem grunde war vom erdgeist nur geformet Brentano 3, 106; ich (fing) an, ihn (
den toten) mit mehr seuftzen als schaufeln voller
gr. zuzuscharren Grimmelshausen
Simplic. 35
Kögel; gr. füe
hre
n erde herbeischaffen Martin-Lienhart 1, 278.
parallel mit erde: nimm heublumen, und misch desz erdrichs oder desz grunds darunter Sebiz
feldbau (1580) 329; auf deinem bauch solt du gehen,
gr. und erden sol dein speis sein dein gantzes leben Wickram 3, 161
B. II@A@33)
der grund
wird quantitativ, in räumlicher ausdehnung vorgestellt; seit dem ahd. belegbar: grunt u. boidim
fundus, praedium Graff 3, 330;
vgl. predicia grundt, bodem, gelend, felt Diefenbach
gloss. 453
b; und het ich aller welte grunt Osw. v. Wolkenstein 97, 10
Sch.; die ochsenhaut, welcher riemen so viel grundes umfangen, als die mauren von Carthago Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 5, 148; und baue kohl auf einer spanne grund Grillparzer 5, 9
S.; diese quantitative vorstellung entwickelt einige besondere gebrauchsweisen: II@A@3@aa)
zu dem begriff der ausdehnung tritt der begriff des besitzes; grunt u. eigen
fundus Graff 3, 330.
eigenthumsbezirk: wer darüber betreten wirdt, ainicher zaun, gemeir oder hag hinaus gesetzt und der
gr. erweitert wird
österr. weisth. 2, 131, 7; wann ainer zimert, soll er die tropfen auf sein
gr. richten
ib. 1, 84, 1; hastu ainen gangsteyg uber deines nagsten
gr. gehabt nur zehen jar Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 119
R.; bauen auf eines anderen
gr. Dentzler (1716) 141;
pleonastische formel: uf des reichs
gr. und eigen Haltaus 756.
concreter '
grundbesitz, grundstück': weiter
gr. latifundium Emmelius
nomenclator (1587) 277; grundt in einer vorstatt
praedium suburbanum Frischlin
nomencl. (1586) 247
b; der herzog ... besitzt ... einen
gr., auf den 8000 häuser gebaut sind Archenholz
England u. Italien 1, 1; wenn er sein haus oder seinen
gr. ... verkauft Kant 5, 98
Hartenst.; stattliche bauerngüter mit 100 und 200 jochen
gr. Wimmer
gesch. d. dtsch. bodens (1905) 29;
specieller fassen composita wie jagdgr., weidegr.
diese bedeutung. rechtssprichwort: alle gebeu folgen dem grunde
holländ. sachsenspiegel (1493)
sp. 69, 55.
plural namentlich in älterer sprache nicht selten: wer mit ainem geladen armst in frefel auf der herschaft grünt get
österr. weisth. 6, 19, 14; reichtumb seind nit zu achten nach den gründen, vile oder schwere, sondern nach dem sin und gmüt des besitzers Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 119
a; Nathanael ... fragte ... bei ihr an, was sie zu einer selbstverwaltung seiner gründe sagen würde Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 19;
neben andern substant: unengolten andern leuten an irn gerechtikaiten, grunten und besuchen Lori
baier. bergrecht 32 (
a. d. j. 1446); alle die, so verkaufen ..., wellen ire grund, wiszmat, äcker, albm
österr. weisth. 10, 101, 36; das alle weld, ecker, weinberge, see, guter und gründe und alle ding iderman gemein sein sollen Urbanus Rhegius
wie man fürsichtiglich ... reden soll 35
Uckeley; güldene tramen ..., die da gründen und eckern am gelde gleich hoch geachtet werden J. Barth
weibersp. (1565) 6
b; das der bischof solchen ... gotsdienst auf seinen gründen und orthen hielt Fischer
schwäb. 3, 871 (
a. 1588). II@A@3@bb)
das pluraletantum liegende gründe
bezeichnet den grundbesitz im gegensatz zur fahrbaren habe und ist vom md. ausgegangen: wem ligende gründe und fuhrgüter verheuret ... werden, der ist ein heuermann Comenius
janua (1638)
cap. 386;
in älterer sprache gern parallel mit güter: wyssentlich sey, das ich ... gethon habe Girhard Lange 100 & und 20 & geringes geldes uf alle siene guttere unde legende grunde
handelsrechn. des d. ordens 310, 32
S.; nutzunge ligender grunde und guter Luther 11, 24
W.; geschicklichkeit ... trägt ihre zinsen weit richtiger ab, als alle capitale und liegende gründe
vernünft. tadlerinnen 2, 196;
bei Adelung 4, 62
ist liegende gründe an einem orte habend
definition für '
seszhaft'.
in moderner sprache meist als singularbegriff '
grundbesitz'
empfunden, etwa: das gut, das auszer dem schlosse in liegenden gründen, besonders wäldern bestand Stifter
w. 5, 1, 349;
belege für plurale bedeutung '
grundstücke'
selten: also verkauft nur einige liegende gründe, lieber rentmeister Immermann 1, 63
B.; übertragen: wenn Schiller auf die kantische philosophie stürzte, was lag hinter ihm? auf welche liegenden gründe konnte er sich zurückziehen? Gutzkow
ges. w. 12, 15. II@A@3@cc)
aus dem begriff des besitzes flieszt der begriff politischer begrenzung: der weit
gr. des reichs also entpfrembt und zerrissen ist Sigm. Meisterlin
in städtechron. 3, 51; nehmt war, wie öde liegt der Teutschen ädler grund Sigm. v. Birken
fortsetz. d. Pegnitzschäf. 38; es ist sofort zu merken, wenn man auf den
gr. eines biszthums oder nur einer abtei kommt Nicolai
beschr. einer reise 1, 42; (
der deutsche orden) versuchte ... sich auf litauischem grunde festzusetzen G. Freytag 18, 219;
namentlich poetisch: seit ich steh auf Norwegs grunde Müllner
dram. w. (1828) 3, 71; frei, auf deutschem grunde, walten lasst uns, nach dem brauch der alten H. v. Kleist 4, 33
E. Sch. II@A@3@dd)
dazu mannigfache fälle ähnlichen gebrauchs, deren gemeinsames die irgendwie geartete vorstellung räumlicher begrenzung ist: mein handl ist schier iedermann kund, musz auf ein unverschalckten grund mich richtn an die einfelting bauren H. Sachs 21, 49
K.-G.; wir wandern
ferner auf bekanntem grund Göthe 3, 132
W.; und frei, auf mütterlichem grund, behaupte der Brandenburger sich H. v. Kleist 3, 120
E. Sch.; wir stehen, wisz es, auf verbotnem grund Grillparzer 7, 32
S.; technisch: bergfreier
gr. '
jenes gebiet ober oder unter der erde, über welches eine ausschlieszliche bergbauberechtigung noch nicht ertheilt wurde' Scheuchenstuel
österr. berg- u. hüttenspr. 115;
auch bildlich: die schriften der denker, die nicht auf kirchlichem grunde bauten Dahlmann
franz. revol. 11;
hierher endlich auch fälle wie: aber wir, aller ihrer brander, so auf uns hinabkamen, ungeachtet behielten unsern
gr. M. Kramer
leben u. tapfere thaten (1681) 966; viermal hat Östreich ... das spiel gegen uns durchgeführt, dasz es den ganzen
gr., auf dem wir standen, von uns forderte und wir ... die hälfte oder so etwas abtraten Bismarck
ged. u. erinn. 1, 138
volksausg. II@BB.
präpositionale wendungen. II@B@11) zu grunde
als prädicative bestimmung neben trans. verben. II@B@1@aa)
neben stoszen, stürzen, schlagen, verderben
u. ä. ursprünglich ganz eigentlich '
zu boden'
; vgl. den vollkommen parallelen gebrauch von zu boden
th. 2, 213 B: eyn jedes nam steyn, wo es fandt, und warf die hindersich zu grundt Wickram 7, 31
B.; (
knecht Heintz) peylet wie ein hund und stiesz sein pauren umb zu grund H. Sachs 9, 366
K.; unmerklich entwickelt sich daraus der allgemeinere sinn des verderbens: daher von dieser angst und vil zu schweren plagen bin ich so tief und lang kraftlosz zu grund geschlagen Weckherlin 2, 142
F.; (
dasz) mich dein rawe faust nu mehr erhaben, mit mehr macht und spot zu grund geschmissen
ebd.; oder untergangs: den widersacher dämpf und tritt den feund zu grund Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 15; mocht kein ... wildschwein so grosz sein ..., sie brochtens mit irer ... geschickligkeit zuo
gr. Wickram 2, 82
B.; zu grunde
steht seit alters in concurrenz mit dem völlig gleich gebrauchten in den grund (
s. u. 3);
wo das eine, wo das andere ursprünglicher ist, läszt sich nur vereinzelt feststellen. eine reihe von verben erscheint fast nur in zusammenhängen, wo es sich um die vernichtung von städten und gebäuden handelt. deshalb mag die vorstellung des (
gerade auch präpositional reich entfalteten) grund IV '
fundament'
hereinkreuzen: das slosz wart zubrochin unde zu grunde vorstoret J. Rothe
dür. chron. 587; und vorbranten sy zu grunde, dy guten dorfere K. Stolle
thür. chron. 15; den gewonne er mit sturmen an die schloss Wolkenstein und Rottenbuhel und schleift die zu grunde
M. v. Kemnat
chron. Friedrichs I. 33
H.; mit welchen (
kanonen) er ... den mehrern theil der stadt zu grunde schoss Ziegler
asiat. Banise (1689) 389; der tempel zu grund verwüstet ist Liscow
schr. (1739) 31;
anscheinend erst secundär neben ab brechen,
weil in den
gr. brechen
die übliche formel ist (
s. u. 3 a): unde brochen daz (
Burgsolms) zu grunde abe
limb. chron. 76, 19
Wyss; zu
gr. abbrechen
funditus vel radicitus diruere; solo aequare ...; in planum redigere Calvisius (1666) 849;
es stellt sich in diesem bezirk also auch der gedanke an zu grunde '
bis in die tiefe, gründlich, gänzlich'
ein (
s. o. I F 3);
dasz diese formel indes hier nicht den ausgangspunkt bildet, zeigt in den
gr. (
s. u. 3).
bei andern verben wiegt übertragener gebrauch vor: gar kein ubels wirdt dir begegen, das es dich kund zu grunde legen H. Sachs 6, 270
K.; Venus ... die aller besten und fürtrefflichsten menschen zu grundt stürtzt Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 1109;
variiert: der unser dignitet jetzund umbstürtzt und gar umbkert zu grund A. Lobwasser
calumnia B 2; jener fuchsschwantz, welcher täglich vil tausend menschen zu
gr. fellet Guarinonius
grewel d. verw. 1199; der dir (
vaterland) sonst nach deinem leben stund, dein kirche und freiheit wollt reiszen gar zu grund Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 283; dasz aber dieser weeg also gantz zu grunde gestoszen wird Jac. Böhme 5, 119; si (
die frau) wel mich zu grunt vurderben
limb. chron. 37, 34
Wyss; da wird denn sein gewalt weggenommen werden, das er zu
gr. vertilget und umbbracht werde Luther 30, 2, 165
W.; all diese wendungen, bei denen der sinnliche ausgangspunkt deutlich ist, häufig bis ins 17.
jh.; später seltener: aber es kann ja über nacht ein hagel fallen und alles zu
gr. schlagen Schiller 2, 115
G.; die gemeine ewige ordnung zu
gr. stürzen 2, 84.
nachdem die formel ihren sinnlichen gehalt eingebüszt hatte, treten über die typischen verba hinaus auch andere auf: und deine schwere hand zerquetschet mich zu grund Weckherlin
ged. 2, 124
F.; (
die feinde) das städle vollent zue
gr. ... contribuiret haben
acta publ. 2, 29
P.; namentlich seit dem 18.
jh. fälle wie: ein pferd zu
gr. reiten Kramer
deutsch-ital. (1700) 573
a;
danach: kommen sie (
poesie und edelmut)
an hof ..., so müssen sie sich ... wandlen, oder sie werden mit ihren besitzern zu grunde geritten Klinger
theater 2, 189; einen Franzosen zu grunde filiren
werke 1, 112; reiter und fuszgänger suchten sich ... auf die wiesen zu retten; aber auch diese waren zu grunde geregnet Göthe 33, 132
W. II@B@1@bb) zu grunde richten
ursprünglich =
solo aequare; aber schon Calepin
setzt es gleich pessundo XI ling. 1082
a;
im älteren nhd. nicht besonders häufig (
so wenig wie zu boden richten,
s. th. 2, 213
f. B e),
gewinnt es erst mit dem 18.
jh. in der bedeutung '
verderben'
weite verbreitung, nachdem die urspr. synonymen wendungen zu
gr. reiszen, fällen
etc. (
s. o. a)
erloschen waren. die farblosigkeit des verbums richten
errang den sieg über die parallelen wendungen. bei dinglichem object gelten wieder die ältesten belege der vernichtung von städten: Troya vor Joue bleibet nicht, musz werden gar zu grund gericht Spreng
Ilias (1610) 14
b; dadurch sie ... viel griechische schiff zu
gr. richtete
theatrum amoris 343; wie das bild ... durch die herstellung selbst völlig zu grunde gerichtet worden Göthe IV 28, 336
W.; erst im vorigen jahre hab ich des geizigen Odoardo weingärten durch einen hagel gänzlich zu grunde gerichtet Hafner
ges. lustsp. (1812) 2, 32; Syriens flotte (
war) vertragsmäszig zu grunde gerichtet Mommsen
röm. gesch. 2, 63; bei der entfaltung des alten materials, welches er oft zu
gr. richtet Jac. Grimm
Reinh. fuchs xvii; unten da fangen se gar schonn an und richten an sache zugrunde (
Dreiszigers wohnungseinrichtung) G. Hauptmann
weber (1892) 89;
in dieser verwendung, als '
ruinieren'
von dingen, in jüngerer sprache zurückgehend; umgekehrt zunehmend in anwendung auf personen; am frühesten in der entschiedensten bedeutung: die kecksten wurden unverlängt von der deutschen reuterey zu grunde gerichtet Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 49
a;
die in der modernen sprache herschenden schwächeren bedeutungen verbreiten sich erst seit dem 18.
jh.; physisch: unsere körper sind durch fatiguen zu grunde gerichtet Stephanie
lustsp. (1771) 118, 33;
seelisch: je glücklicher du bist, um so weniger kostet es, dich zu grunde zu richten Hölderlin
ges. dicht. 2, 88, 9
Litzm.; moralisch: ha! da ist er, der mir sie beide verdirbt — meine söhne, mir sie beide zu grunde richtet Lessing 10, 87
M.; wirtschaftlich: auf den täglichen verbrauch eine abgabe legen, ... richte den landmann zu grunde Gerstenberg
hamb. nat. ztg., lit.-denkm. 128, 66;
auch reflexiv: damit ein herzogthum sich nicht zu grunde richte, vermählet sich sein herr mit eines pachters nichte Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 513; hat er diese jugend verstreichen lassen und sich durch vielwissen und recensieren ... zu grunde gerichtet Fichte 2, 391.
die formel bildet heute das transitivum zu dem auf anderer grundlage erwachsenen zu grunde gehen,
s. o. I A 4 c
β. —
im späteren 18.
jh. und früheren 19.
jh. erscheint nicht selten ein subst. zugrunderichtung: verderben! zugrunderichtung des menschengeschlechtes! Lavater
verm. schr. 2, 279; das ich die zugrunderichtung des abendblatts ganz allein ihrem einfluss ... zuschreibe H. v. Kleist 5, 413
Schm.; die zugrunderichtung des adels, wenn es krämer ... sind Fichte 4, 416. II@B@22) zu grunde
als prädicative bestimmung neben intrans. verben; zu sondern von zu grunde sinken, gehen
u. ä. (
s. o. I A 4 c
β)
und weit weniger entwickelt als jenes: Saul aber stürtzt für diesem schein in einem nu zu grunde Ringwald
evang. G 8
b; (
der hirt) sanck mit dem haupt gantz blaich und sprachlosz zu dem grund Weckherlin
ged. 1, 461
F.; wo herrschaft seins gewalts miszbraucht, wie plötzlich sie zu grunde haucht H. Sachs 2, 20
K.; voll entwickelt nur zu grunde liegen '
am boden liegen',
dann '
darnieder liegen, verdorben sein': jetz sinckt es (
das gebäude) schwehr darnieder, ligt gäntzlich schier zugrund Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 99; weil doch on danck und lohn dein tichten liegt zu grund H. Sachs 9, 545
K.; wie zu grund ligt all ihr ruhm Weckherlin
gedichte 1, 155
F.; musz aber ich zu grunde liegen, so liegt der segen gottes auch (
sagt die gerechtigkeit) Neumark
fortgepfl. lustw. 1, 188;
nachdem neben die eigentliche bedeutung von zu grunde
die übertragene getreten war, in mannigfachen anderen verbindungen: wie er (
der christliche glaube) ... schier gar zuo grund zergangen Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 106
R.; feindselig ding, dadurch mancher frumer man betrogen zu grund verderben mus Luther 23, 605
W.; da die gottlosen zu grund verloren sind
bibel 7, 391
Bindseil; oder zu I F 3? ich bin die esch und würd zuo grundt, so do kumpt min letste stundt Murner
badenfahrt 4, 41
M.; er ist zu grund
egli è ... nel fondo della sua fortuna Jagemann (1803) 2, 528
b;
auch elliptisch: der eine von euch heiden muss zu grunde Grabbe
w. 2, 289
Bl. II@B@33) in den grund
wird ebenso und meist neben denselben verben gebraucht wie zu grunde;
die formel gilt hier wie dort von haus aus der richtungsbezeichnung; nur so versteht sich zumal die wendung in den
gr. legen '
zerstören': auf das versincken der stadt Lysimachia wäre alsofort der stamm ... dessen, der sie in
gr. gelegt hätte, untergegangen Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 185
a;
vgl. auch die vereinzelte variante an den
gr.: die burc er an den grunt brach
Reinhart fuchs 1264;
doch tritt neben die locale frühzeitig eine intensitätsvorstellung; deshalb auch verstärkt bis in den
gr. oder in
gr. hinein '
bis in den boden hinein, gründlich, gänzlich. darum bevorzugt Frisch 379
a,
den ausgangspunkt der formel verkennend, im
gr.: eine stadt im
gr. zerstören
a fundamentis proruere urbem, desgleichen das land im
gr. verwüsten
flamma ferroque depopulari agros; doch ist im
gr. eine jüngere seltene umbiegung. II@B@3@aa)
transitiv; noch entschiedener als bei zu
gr. tritt in der älteren sprache die zerstörung von städten und gebäuden hervor: man brante ouch in der selben stunt daz hachelwerc in den grunt
livländ. chron. 11080
Pf.; ausz Babotsch flog er schnell und bhend, hats selbs anzündt, in grund verbrent W. Schmeltzl
zug in d. Hungerl. B 1
a; sô sold er die mûr in den grunt heizen brechen Ottokar v. Steierm.
steir. reimchr. 30186; unz in den grund er si (
die veste) stört 28766;
mit abe-, zu-brechen
oft in der limburg. chron. 38, 16; 50, 10; 88, 19; 91, 7
u. ö. Wyss; da wurd ihre gantze stadt ruinirt und in
gr. verderbet Schupp
schr. (1663) 196;
an. 1601 ... ward sie ... durch der verzweifelten Türcken eingelegtes pulver fast in
gr. verwüstet Birken
verm. donaustrand (1684) 69; wie man auch die ... neue kirche ... in
gr. geschleift und der erden vergliechen
acta publ. 1, 90
P.; brannten die festung aus und zurissen sie in
gr. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat 278;
nahe lag die übertragung auf vernichtung durch krieg: darnach bekriegten sie den von Regensperg in
gr. Stumpf
Schweizerchron. (1606) 487
a; krieg krieg verzehrt, fried fried ernährt, weh dem, der alles in grund verheert Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 435; warumb die Lacedaemonier die Argivier ... nit gar vertrieben und in
gr. gantz auszgetilget Lehmann
florileg. polit. (1662) 3, 217,
reine intensitätsbezeichnung seit dem 18.
jh. in starkem rückgang. viel seltener, aber schon früh in allgemeinerem sinne: wand du (
hoffart) brengest in den grunt manche sele, die gesunt were vor gotis ougen
md. bearbeitung des Daniel 4819
Hübner; darnach syns vatters strafen kundt, den bringt er warlich in den grundt Murner
schelmenz. 41, 18
neudr.; wenn einer sich durch schwelgerey nicht selbst in
gr. richten dörfte Lohenstein
Arminius (1689
f.) 2, 295
a;
namentlich bei verderben (
vgl. in boden verderben
th. 2, 214): in dem fieng es an zuo regnen, verwiescht und verderbt im die hendtschuoch gantz in
gr. hinein
Bebel facet. (1585) B 8
b; zu unseren in
gr. verderbten zeiten Butschky
Pathmos (1677) 69; dasz man es nicht künstlicher hätte anlegen können ..., mich aus dem grunde und in den
gr. zu verderben Holtei
vierzig jahre 1, 9. II@B@3@bb)
intransitiv; seltener, aber unter denselben bedingungen wie bei trans. gebrauch: da fiel das haus und bad in grund Rollenhagen
froschmeuseler (1595) D 4
a; unser flecke in grundt verbrandte Nigrinus
von zäuberern (1592) 71; und verfelt das schloss in grundt
M. v. Kemnat
chron. Friedrichs I. 38
H.; abt Jacob v. Br. und probst Anthis v. L., die dann ursach worden, das das closter in
gr. verdarb 52; welchs so es geschicht, so verdurb ich in
gr. hinein (
funditus) Boltz
Terenz (1539) 8
b; was soll das leben mir zur stund, die ich verlohrn bin bisz in grund Spangenberg
griech. dr. 1, 174
Dähnhardt. II@B@44) auf den grund
erst seit dem 16.
jh. belegbar; urspr. wohl '
auf den boden',
vgl. aequare solo auf den
gr. zerschleifen Garthius 23
b;
vgl. schleifen ... auch so viel als bis auf den
gr. niederreiszen Gueintz
dtsche rechtschreib. (1666) 126.
auszugehen ist wiederum von der vernichtung von städten und gebäuden: in dem zoch der von Chordis ... für Neubert, schoss die stat auf den grunt hinweg
Wilw. v. Schaumburg 89
K.; nach ... ernstlichem stürmen ward die vesti ... erobert, und ouch uf den
gr. verbrennt Tschudi
chron. helvet. 1, 32; darnach das schloss ward angesteckt, verbrandt, zerschleyft bis auf den grundt Schmeltzl
zug in d. Hungerl. A 4
a;
dann allgemeiner: ich wil ... Franckreich gantz und gar auf den grundt zerstören
buch d. liebe (1587) 9
c; als die Frantzosen ... alles bis auf den
gr. verwüsteten Chr. Weise
polit. redner (1677) 873; nur dass sie (
die heuschrecke) alles bis auf den
gr. verheeret
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 54.
neben verben anderer bedeutungsrichtung verschiebt sich die vorstellung: er ... nahm sich seiner bis auf den
gr. an Herder 17, 57
S.; ein gefährlicher philosophischer charlatan ..., der sich selbst bis auf den
gr. zu kennen glaubt Tieck
schr. 7, 175: '
völlig, gründlich'
meint hier '
bis zum letzten'
und läszt eher an grund I
denken. II@CC. grund und boden
seit dem 15.
jh. belegbar, vermutlich älter; die ältesten belege bis ins 16.
jh. obd. (
namentlich alem.)
und rheinfr.; wie eng zusammengehörig beide worte empfunden wurden, lehren die lexika: fundum, einn
gr. odder bodem Er. Alberus 62
b;
fundum ... gront off boedem van eyn vasz Diefenbach
gloss. 252
b;
anders soll ihnen ... auf dem teutschen grundt oder boden nur ein halber monatsoldt ... gereicht werden Fronsperger
kriegsbuch 1, 32
r,
wo oder
ein und
vertritt; merkwürdig und vereinzelt: die grefin ... mit ir selbes rates pflage und von grunt ze poden ir sache bedencken warde Arigo
decam. 229, 38
Keller. die zusammenziehung grundboden
seit alters vornehmlich im alem.: eim sein hausz auf den grundboden schleitzen J. Maaler 194
rb;
häufig in den modernen maa., z. b. e pfōl in de grundboden schlahē Staub-Tobler 2, 771
a;
auch in md. maa.: grundebuden Müller-Fraureuth 446
b;
nicht beschränkt auf die bedeutung '
erdboden'
: fundus ... ain boden o. grundboden (
ima pars vasis) Diefenbach
gloss. 252
b.
das erste subst. kann unflectiert bleiben: des zu A. gehörigen grund und bodens Fischer
schwäb. 3, 871
aus Wieland. II@C@11)
urspr. ein ausdruck der rechts- und urkundensprache; so die ältesten belege: den wingarten ze R.
gr. und b. mit aller witi Fischer
schwäb. 3, 871 (
a. 1429); die eygen wysen vor dem yrhertürlin an der Pegnitz gelegen, grunt und podem, mit aller czügehörung, nützzen und rechten
städtechron. 1, 394
anm. (
Nürnberg 1434);
nach Staub-Tobler 2, 771
steht es im alem. besonders in kaufs- und übergabsbriefen zur umschreibung des gesamten grundeigenthums, in lat. urkunden entsprechend: terra et fundus. so wird eine waldung abgetreten: unser frowen hölzli, holz und feld,
gr. und b. (
a. 1558);
mit anderm sinn, aber ebenfalls in der rechtssprache: sy habent geschworen, die püntnussen, wyl grunt und b. stat, zuo halten
ib.; desgleichen als beteuerungsformel: '
sie wollen das gotteswort halten, auch leib und gut dazu setzen', es mües ê
gr. und b. kosten
ib. (
a. 1529).
die formel breitete sich frühzeitig auf fast alle spielarten und gebrauchsformen der bedeutung '
erdboden'
aus. II@C@1@aa)
mit rücksicht auf die qualität des bodens. wie II A 2 a (
geologische oder physikalische beschaffenheit): da leichtsinniges wandeln auf feuchtem
gr. und b. mir ein übel am fusze zugezogen hat Göthe IV 28, 98
W.; das vaterland der verschiedenen dipusarten hängt ... vom
gr. und b. ab Nehring
tundren u. steppen 75; sie wuszte ..., auf welch vulkanischem
gr. und b. der tempel dieses friedens errichtet war Holtei
erz. schr. 2, 232.
wie II A 2 b (
fester untergrund)
; meist übertragen: der her dær ist mein grund und bode vest Schede
psalmen 53, 5
neudr.; ohne diesen
gr. und b. der wirklichkeit würden selbst Homer und Ariost als geringe poeten erscheinen müssen Platen
w. 3, 4
R.; die volle formel hat öfter einen emphatischen beiklang: dasz ihm nichts daran lag, die systeme der andern zu stürzen, da er
gr. und b. für das seine gefunden hatte Fr.
M. Klinger 11, 168; während sie für ihre ideen sich einen
gr. und b. schaffen muszten Hoffm. v. Fallersleben
ges. schr. 7, 287; der chemiker (
behauptet) nur den festen
gr. und b. seiner wissenschaft, wenn er ... J. Liebig
chem. briefe 59;
als baugrund: alle künste ... kommen mir vor wie städte, deren
gr. und b., worauf sie erbaut sind, man nicht mehr entziffern kann Göthe IV 20, 87
W.; auch das sprichwort hat die variante: stille wässerle
in fresse
nt (nehme
nt)
gr. und b. Fischer
schwäb. 3, 871. II@C@1@bb)
mit rücksicht auf die quantität, die räumliche ausdehnung (
die häufigste gebrauchsweise, zumal in neuerer sprache): habe ich ... den
gr. und b. ... nach dem verjüngten maaszstab auf den riss gebracht v. Fleming
vollk. teutscher jäger 46.
nach II A 3 a (
begriff des eigenthums): derhalben sag ich euer gnoden, ich sitz hie auf meim grundt und boden Fischart
Eulenspiegel 134
H.; es freut mich sehr, dasz sie meinem
gr. und b. die ehre geben wollen Pückler
briefw. 6, 33
Ass.; wenn man denselben (
bauernstand) als pächterstand wieder an den
gr. und b. gefesselt hätte Jhering
geist. d. röm. rechts 2, 1, 248;
concreter '
grundbesitz': das ist das einkommen, die gülten, zins, renten,
gr. und b., die ein haus unterhalten Sebiz
feldbau (1579) 3; versaufen hausz, hof und stadt,
gr. und b. Äg. Albertinus
Lucifers königr. 191, 27
L.; pluralisch: die besüzungen Burgetti Orsenici ... mit allen dern schloszgehörigen und allen derselben grunt und böden, besüzungen, zinsen v. Brandis
landeshauptleute v. Tirol 40; welche häuser, gründ und b., gold, silber
etc. besitzen Schupp
schr. (1663) 697;
vereinzelt und jung neben liegend: der aneinander hängende liegende
gr. und b. fordert eine scheide Jac. Grimm
kl. schr. 2, 30;
mit besonderem gefühlsgehalt: eine ursprüngliche sprache, die ihre wörter ... von ihrem eigenen
gr. und b. hernehmen kann Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 8, 797; unsere dogmatische theologie wird aber nicht eher auf eigenem
gr. und b. ebenso sicher stehen Schleiermacher I 3, 107.
nach II A 3 c (
politische begrenzung): so bald die armée über die Weser solcher maszen kommen, und den westpfälischen
gr. und b. erreichet Chemnitz
schwed. krieg 2, 49; eine fremde nation in den waffen auf dem
gr. und b. des reichs beysammen wohnen zu lassen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 137;
ähnlich: bis ich erst wieder auf protestantischem
gr. und b. war Bahrdt
gesch. s. lebens 4, 17. II@C@1@cc)
aufs alem. beschränkt ist gr. und b.
halb adverbial nach länder- und städtenamen als landschrei (
wieder emphatische verstärkung des einfachen wortes): die (
beiden ringer) wurfent einander zu beiden teilen glych nider, doch der Zuger den von Wädischwyl erstmals, da der jünger brueder ze schrygen anfienge: hie Zug,
gr. und b. Staub-Tobler 2, 771
a;
es ist nicht eine aufforderung zum wurf an gr. und b.,
wie dort vermutet wird, sondern eine verstärkung im sinne von Zuger
gr. und b.;
vgl. frisch uf, mir wendt ihn frölich strelen: hie ist guot Schwytz grund und boden! ir eygnossen, nun londs uns wogen
schweiz. schausp. des 16. jh. 2, 152
B.; hett sich inn der statt mit ainen trunkh uberrist, am haimziehen Wirtemperg
gr. und b. geschrihen Fischer
schwäb. 3, 871. II@C@1@dd)
nach präpositionen. II@C@1@d@aα)
entsprechend II B 1 2: zu
gr. und b.;
in den alten belegen tritt die gegenständliche bedeutung '
zu boden'
klar hervor: zu
gr. und b. stoszen Staub-Tobler 2, 771 (
a. 1571); alles hauet zu
gr. und b., und habt gar kein erbarmen
engl. comedien (1624) H 7
a; was die alten erbauet han, will man zu grund und boden schlan Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 440;
jünger sind fälle wie: ein kranker mufti spricht hundert verliebte prinzen zu
gr. und b. Klinger
theater 3, 113;
intransitiv: schlug er so mannlich unter die ungläubigen, dass sie gleich als fliegen oder mücken zu grunde und b. fielen
buch d. liebe (1587) 25
d; du kommst, o liebes kind, ein gast in diese welt, da gleich das gasthaus jetzt zu grund und boden fällt durch, in, und mit sich selbst Logau
sinnged. 12
E.; über zu
gr. und b. gehn
s. u. 2.
seit dem 18.
jh. nur noch selten: mit diesem schwerte schlag ich dich zu grund und boden Fr. W. Weber
dreizehnlinden (1907) 92. II@C@1@d@bβ)
entsprechend II B 3: in grund und boden (hinein)
dagegen kommt erst mit dem 19.
jh. recht in schwang, wenn es auch in älterer sprache nicht fehlt: wir zuntend das schloss inwendig an, dass es in grund und boden verbrann
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 4, 48;
es löst das einfache in den
gr. ab; namentlich dialektisch: das wetter schlägt alles in
gr. und b. (nein) Müller-Fraureuth 446
b; a schielt een ei
gr. und b. nei G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 25;
gern ebenso wie in den
gr. neben verderben: sich in
gr. und b. inne
n verderbe
n, verheie
n '
seine gesundheit gründlich ruinieren' Staub-Tobler 2, 771;
auch schriftsprachlich oft mit dem anflug des volksmäszigen: mich dauert nur das kind, ... das wird in
gr. und b. verdorben Hafner
ges. lustspiele 2, 224; unsere güter waren ... in
gr. und b. gewirthschaftet Spielhagen 1, 218; ich musz ... unterducken, will ich nicht in
gr. und b. getreten werden Holtei
erz. schr. 36, 216; ich bin ein guter fuszgänger, Brant geht mich aber doch in
gr. und b. Grillparzer 20, 54
S.; intransitiv: hier ist alles ... in
gr. und b. hinein verdorben A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 19. II@C@22)
leicht ergab sich die übertragung der wendung von '
erdboden'
auf '
boden eines gewässers': der see ... habe gar keinen
gr. und b. Aurbacher
volksbüchl. 251; man findet keinen
gr. und b., gar kein ende, wenn man alle übel des krieges herrechnen wollte Tieck
schr. 5, 420;
präpositional: hat nit vor jahren Pallas grim der Griechen schiff (wie ich vernim) zu boden und in grund versenckt? Spreng
Äneis 3
a;
und so noch spät: wir hätten zu
gr. und b. gehen müssen, ohne dasz uns ... von dem andern schiffe die geringste hülfe hätte geleistet werden können J. G. Forster
sämtl. schr. 1, 92;
aber frühzeitig in dem allgemeineren sinn des verderbens (
vgl. I A 4 c
β): das der teufel die oberhand bekomen und alles zu
gr. und b. gehen müsse Luther 16, 155
W.; und muoss oft manche ehe zu
gr. und b. gehen, dass das weyb dem mann nit will folgen
V. Schumann
nachtb. 200
B.; der unfride ... verderbe nur sein land und unterthanen, die gehen gantz zu schreitern, zu grund und zu boden
Reinicke fuchs (1650) 344; sie würden mein, als der zu grund und boden gangen, lachen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 414
b;
sehr häufiger gebrauch; ganz selten in anderer verwendung: das ewangelium sicht die hertzen an, geet zu grundt und boden Luther 10, 3, 404
W. II@C@33)
da gr. u. b.
früh zur reinen formel wurde, konnte es auch auf solche bedeutungszweige von gr. übertragen werden, die dem sinne '
erdboden'
fern stehen; so häufig in gebrauchsformen, die auf die bedeutung '
fundament'
zurückzuführen sind. gelegentlich in formeln, die dort wurzeln: weil ... gedachte haut ... gleich unter den haaren als ir grundt und boden gelegt ist Wirsung
arzneibuch (1588) 58 b; der tugend wohlgelegten grund und boden
Königsberger dichterkr. 120
ndr.; häufiger für '
grundlage, basis': der
gr. und b. einer sprache, so zu reden, sind die worte Leibnitz
dtsche schr. 1, 460; diese methode erforderte fleisz und häuslichkeit, und das ist der
gr. und b. einer glücklichen ehe Hippel
lebensläufe 3, 114; es giebt vielleicht keine erfindung, die nicht die allegorie ... zum
gr. und b. ihres wesens hätte Tieck
schr. 4, 129.
umso häufiger, je weiter sich die von '
fundament'
abgeleitete bedeutung von ihrem ausgangspunkt entfernt und je leichter sie eine umdeutung auf '
boden'
hin gestattet; parallel mit anfang: wolan so hab dir hiemit die ersten euangelischen centonouell gegeschenckt, als ain anfang,
gr. und b. von dem Luther selbst Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1567
ff.) 1, 3
a;
hauptsache, grundbedingung: wo eine rechtschaffene bestendige kirchenordnung soll gestellet und aufgerichtet werden, muss das fürnemste, ja der grundt und bodem sein, das die lehre rein ... sey
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 15; der
gr. und b. des schönen ... in der mahlerkunst ist ... die wahrheit oder wahrscheinlichkeit Breintingfr
crit. dichtk. 1, 62;
hauptinhalt, kern: das bauernleben bildet doch eigentlich den
gr. und b. des buches; aus andern ständen wandeln nur einige gestalten flüchtig über diesen boden Jer. Gotthelf
ges. schr. 1, x;
das innerste: gr. und b. eins yeden dings
fundum, vel fundus Frisius
dictionariolum 102
b;
gr. und b. wissen wöllen,
a cœlo ad terram percontari Dentzler 141
b.
nach präpositionen: ist es nichts desto weniger alles in grundt und b. erlogen C. Andreä
gründl. relation (1602)
vorr. ** 3
a;
vgl. IV B 5 a
γ; dass die gegebene welt ... durchaus nicht dasey ... und im grunde und b. nichts sey Fichte
w. 4, 378; er ist im grunde, in
gr. und b. nichts nutz Kramer
teutsch-ital. 1, 573
b;
ebenso Hügel
Wiener dial. 71
b; er taugt in
gr. und b. nichts, er ist in
gr. und b. verdorben Spiesz
henneberg. 85;
der gebrauch verrinnt mit 1 d
β; man muss die wunden von
gr. und b. auf heilen und mit nichten von auszen hinein Staub-Tobler 2, 771 (
a. 1634). II@C@44)
vereinzelt sogar den causalen gr. streifend: auch das recht des schwertes, ohne dessen besitz die krone nur ein schatten sein würde, erschien als ein guter
gr. und b. für einen könig, um dafür zu fechten Ranke
s. w. 16, 199. IIIIII. grund
kann jeden theil der erdoberfläche bezeichnen, der tiefer liegt als seine umgebung; dieser gebrauch läszt sich verstehen als addition von I
und II:
mit dem begriff des unteren, tiefen verband sich der der erdfläche. dem entspricht es, wenn die bedeutung '
erdvertiefung'
die jüngste scheint. III@AA.
in der bedeutung '
thal, senkung'
seit dem mhd. in mannigfachen abstufungen und variationen. III@A@11)
mhd. zumeist eine mäszig tiefe thalsenkung: sus reit der werde degen balt sîn rehte strâze ûz einem walt mit sîme gezog durch einen grunt Wolfr. v. Eschenb.
Parz. 339, 17; si zogten durch einen grunt und enhalp balde wider ûf Ottokar v. Steierm.
steir. reimchron. 11041;
vgl. 11050; dâ zwischen (
zw. d. bergen) was ein kleiner grunt
livländ. chron. 9992
Pf.; nach dem aber der in einem grunde verborgene fürst C. ... das zeichen bekam ..., rennte er spornstreichs zu Lohenstein
Armin. (1689f.) 2, 1082
a; soll ich verirrter hier in den verschlungnen gründen die geister Shakespeares gar verkörpert finden? Göthe 2, 143
W.; durch zufügung gewisser adjectiva kann der begriff der thalsenkung zu der bedeutung '
schmalthal, hohlweg, schlucht'
specialisiert werden: sucht immer weiter hin und wider in diesem walde auf und nider, bisz er kam in ein tiefen grund H. Sachs 21, 158
K.-G.; da brachen die Polen im hinderhalt aus dem holen
gr. auf Hennenberger
preuss. landt. (1595) 30; Rom selber ward der barbarn raub. sein rest ist kaum in hohlen gründen mit schutt und graus verscharrt zu finden Gottsched
ged. (1751) 118; das kloster war in einen engen
gr. gebaut Kerner
bilderb. 148; schluchten, klüfte, kaminspalten ... vereinigen sich zu einem finstern, eingeklemmten grunde H. v. Barth
kalkalpen 379;
in älterer sprache, wie mundartlich noch heute, völlig gleich '
thal'
: vallis taal
vel grunt Diefenbach
gloss. 606
a;
bei Luther
vielfach im sinne von vallis: auch gruben Isaacs knechte im grunde (
var. tal)
1. Mos. 26, 19 (
in torrente); der herr sey ein gott der berge und nicht ein gott der gründe
1. kön. 20, 28 (
deus vallium); du lessest brünnen quellen in den gründen
ps. 104, 10 (
in convallibus);
vgl. in den abseits gelegenen reizenden thälern (oder 'gründen', wie man in Sachsen sagt) fanden sich mühlen am muntern bach W. Chezy
erinn. 1, 218;
auch in der bedeutung des tiefen gebirgsthales, die am schärfsten das alem. entwickelt hat: wir führen das wasser ausz den tiefsten grundten auf die höchste berge J. Betulejus
discurs v. d. höchsten gut (1615) 292; wann sich der erde schoosz mit neuem schmucke zieret, ... so bald flieht auch das volk aus den verhassten gründen Haller
ged. 28
Hirzel; besonders im sing.: am 28. ougsten hat es bis in
gr. geschnyt Staub-Tobler 2, 772 (
a. 1592); es ist vom berg so weit in grund, so weit der berg vom grunde stund Petri
d. Teutschen weish. 2, B b 7
a;
ebenso modern: wir blībe
n mit de
n chüene im
gr. bis mitte maje; was macht-men im
gr.?
fragt der älpler den besucher; vgl. grundvolk im gegensatz zum bergvolk Staub-Tobler
a. a. o.; so auch (
mit localfärbung?): wirds winter, siedelt alles sich an im sichern grunde Zach. Werner 24.
febr. (1815) 30. III@A@22)
wo berg, höhe u. ä. den ausgesprochenen oder unausgesprochenen gegensatz bilden, vielfach auch in einem allgemeineren sinne '
tiefliegendes gelände, niederung': das ir zu dem gebirge der Amoriter kompt und zu allen iren nachbarn im gefilde, auf bergen und in gründen
5. Mos. 1, 7 (
montana et humiliora loca); die Amalekiter und Cananiter, die im grunde wonen
4. Mos. 14, 25 (
in convallibus); was im gebirge, gründen und unter der erden sein narung suchet Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 1
b; und wuchsen die wasser trefflich sehre, darüber die, so in gründen wonhaftig, nicht in geringe gefahr gekommen
M. Dreszer
sächs. chronicon (1596) 460; wo es auf der revier dickungen ... gründe und höhen hat Heppe
lehrprinz 134; mit dese stripen un strippen an de berg und in de grünn Fr. Reuter 2, 77
S.; namentlich in poetischer sprache: thier und kräuter und getreyde in den gründen, in der höh P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 348
a; wem sind die samen all umher in gründ und höhn, in teich und meer aus milder hand geronnen J. H. Vosz
ged. (1802) 5, 18; aus den gründen, zu den hügeln tritt die nebelwoge wachsend Brentano 3, 6;
also gewöhnlich plural; etwas anders, aber auch hierhergehörig, ist folgender singularische gebrauch: auch diese (
stadt) liegt ganz im grunde, an einer krümmung des Mains, von kahlen höhen eingeschlossen H. v. Kleist
briefe an s. braut 64; nachts durch die stille runde rauschte des Rheines lauf, ein schifflein zog im grunde Eichendorf 1, 698;
wieder anders: auf dem gebirge rauscht der schall, der tiefe grund vernimmt den hall Stoppe
Parnasz (1735) 4; die felsen scheinen sich zu regen, ... und langsam steigend aus der höh die schatten auf den grund sich legen Droste-Hülshoff 2, 35
Sch. III@A@33) grund
und thal.
sind beide begriffe coordiniert, so bezeichnet gr. die flachere senkung, oft das tiefgelegene gefilde schlechthin: es haben doch die künig und keyser vil stett, thaler, gründ ... dem reich vorbehalten S. Münster
cosmogr. (1550) 367; da aber die blosze gründt und thäler machten, dasz mann sie von fern gesehen mocht Carbach
Livius (1551) 385
r; er manchmahl vor solchen gebirgen sich zuruck drehet, ... die gewöhnlichen tähler und grunde suchet Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 118; ist es doch in thal und grunde gar gespenstisch anzuschauen Göthe 15, 1, 111 (
Faust 7042)
W.; bald änderte sich die scene, als sich das thal ... in einen weiten
gr. verwandelte Roon
denkwürdigkeiten 1, 472.
ist der gr. ein theil des thals, so bezeichnet er entweder die thalsohle oder auch das gefilde, das sie bedeckt: die ritten fürsich ungehindert und kamen in den grundt des thals
Aymont (1535) n 1
b; und du, du süszes liljentahl, wie gern wolt ich in deinen gründen Adonis gleich mein ende finden Stieler
geharnschte Venus 68, 6
ndr.; ach aus dieses thales gründen, die der kalte nebel drükt Schiller 11, 334
G.; da ging ich jagen durch die wilden gründe des Schächenthals auf menschenleerer spur 14, 341
G.; durch ... öde thäler und spaltungen sind sie (
die berggipfel) von einander getrennt, ohne baum und strauch, ohne bäche und gründe Ritter
erdkunde 1, 99. III@A@44)
modernes schriftsprachliches empfinden unterscheidet thal
und gr. wohl so, dasz mit dem thal
die vorstellung des wasserdurchströmten verbunden ist, mit dem gr. nicht; für ältere und mundartliche sprache ist das anders: nû wart überkapht, daz in des grundes tan ein grôzez wazzer ran Ottokar v. Steierm.
steir. reimchron. 11050; lest prunnen quellen hin und wider, die in den gründen sich ausgiesen H. Sachs 18, 402
K.-G.; westwärts von hier, den nahen grund hinunter, bringt euch die reih von weiden längs dem bach, lasst ihr sie rechter hand, zum orte hin
Shakespeare (1797
ff.) 4, 278; die bäuerin wäscht die leinewand am bach im schattigen grund Chamisso
w. (1830) 3, 150; in einem kühlen grunde da geht ein mühlenrad Eichendorf 1, 653;
gr. '
ein fluszthal mit wieswachs' Schmeller-Fr. 1, 1004;
seit alters auch für das ufergebiet gröszerer flüsse, und zwar gerade in dem gebiet von Baiern und Schwaben nördlich der Donau, in dem gr.,
mit flusznamen verbunden, feste geographische bezeichnung geworden ist: (
der markgraf) zoch an die Swabach gen Eschenau wertz und verprent denselben grunt an der Swabach
städtechron. (
Nürnberg 1449) 2, 149, 8; und zugen in den grunt bei Leutershausen (
gemeint ist der Altmühlgrund)
ib. 214, 14; und kamen am eritag früe in den grunt enhalb des Gnadenbergs (
in den gr. der vorderen Schwarzach)
ib. 224, 6; im grunde der Steinlach, welche rechts blieb Göthe III 2, 134
W. III@A@55)
die durchwässerte thalsenke ist die stätte reicher vegetation. so wird gr. '
wiesensenkung'
und allgemeiner '
mit gras, blumen, bäumen bestandene senkung'.
der begriff des vegetationsreichen kann den des gesenkten ganz zurückdrängen. mhd. recht selten: tal, berc und lîte, eben unde gründe Seifr. Helbling 4, 437
S.; auch nhd. sind die belege bis ins 18.
jh. spärlich; vielfach dem begriff der wiese nahe oder gleichkommend: und wolte einem knecht ... hausz und hof, acker und grunde und andere erbgüter ... geben Luther 28, 567
W.; davon ... die jungen kälber und lämmer in den gründen der kleereichen ... wiesen lechtzen
schauspiele d. engl. comödianten 196, 22
Creizenach; in den gründen und weidplätzen J. Prätorius
Katzenveit (1665) e 3
b; kornfelder, umzäunte gründe, kleine dörfer ... verschönerten die bergige landschaft J. G. Forster
sämtl. schr. 1, 33; der wiesengrund gehörte zum theil der kämmerei, zum theil einzelnen bürgern ... um diesen
gr. bestand ein uralter streit Freytag
ges. w. 1, 47;
dialektisch: '
gr. steht öfters, besonders unterrheinisch, überhaupt für wiesenthal' Kehrein
volkssprache in Nassau 1, 76; soweit halden und gründe in den see hinein gehen Fischer
schwäb. 3, 872 (
Tettnang).
die schäferdichtung namentlich des 18.
jh.s hat diesem gr. breitesten eingang in die literatursprache verschafft; sie spielt auf ihm und hat ihn aufs bunteste ausgestaltet: wo ausz Hymettens bunten grund am morgen die bemühte biene äzzt ab, ist deiner jugend grüne Stieler
geharnschte Venus 130
ndr.; es lachen die gründe voll blumen E. v. Kleist 1, 231
Sauer; komm, Doris, komm zu jenen buchen, lasz uns den stillen grund besuchen Haller
gedichte 80
Hirzel; endlich kam sie zu den gründen, da wo unter jungen linden Emiren am wasser lag Göthe 37, 15
W.; gleich einer schäferin, die nach bebüschten gründen zu ihrem Thyrsis eilt Uz 252
Sauer; und weil sich jeder stamm von diesen wieder mehret, zuletzt den ebnen grund in einen wald verkehret v. König
ged. (1745) 70; in diesem wald, in diesen gründen herrscht nichts, als freyheit, lust und ruh Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 25. III@A@66) grund
kann sich, je mehr der begriff des gesenkten zurücktritt, der bedeutung des offenen, unbegrenzten gefildes nähern; jung, erst seit dem 18.
jh.; stets plural: der herbst ... stand und sah noch eins um sich, aus gränzenlosen gründen nur eine hand voll ären um seine stirn zu winden Dusch
verm. w. (1754) 14; in diesen lieblichen gründen (
von Florenz) sind künste und wissenschaften der neuern zeit zuerst wieder aufgegangen Göthe 48, 126
W.; kastanienhügel führten nun mir den blick in der Campagna bunte schimmernde gründe weit zur ferne Waiblinger
ged. aus Italien 1, 51
Gr.; durch des himmels gründe wallen wolkenschafe Brentano 3, 84;
so öfter von den gefilden der seligen und unterirdischen: in den gründen der selgen kann man ihn, hier nur den leichnam finden Ayrenhoff
w. (1814) 2, 65; doch hier in unsern traurgen gründen, in unsrer unterwelt, wird man sie schwerlich finden Cronegk
schr. (1766) 2, 82;
ähnlich: sie sollen aus dem buche der dichter ausgekratzet und in die kalten gründe der reimer verbannet werden Schönaich
ästhetik in einer nusz 6
K.; jedoch wer engel sucht in dieses lebens gründen, der findet nie, was ihm genügt Tiedge 3, 179. III@A@77) grund
als geographischer name. als geographische bezeichnung für fluszthäler, schmalthäler, thalsenkungen überhaupt erstreckt sich gr. über das ganze deutsche sprachgebiet bis ins nd.: von Hoppenplacke die Niendahlsgrund uf auf dem stoppelwege, ... vom steinbrink die Netteldahlsgrund uf ... Grimm
weisth. 3, 303 (
Hülseder mark);
die nähere bestimmung gibt bei fluszthälern in der regel der fluszname; die ausdehnung der bezeichnung ist nicht unbegrenzt; so werden im salzburgischen nur die an den hauptthälern liegenden seitenthäler gründe
genannt, z. b. der Zillergr., Zemgr. ... Schmeller-Fr. 1, 1004;
auch in dem bair. und schwäb. gebiet nördl. der Donau beschränkt auf neben- und zuflüsse; namentlich im Rezatkreis der Rezat-, Aisch-, Biber-, Altmühl-, Wörnitz-, Zenngr. (Schmeller-Fr. 1, 1004);
doch auch westl. davon Tauber-, Kochergr.; '
der Plauische Gr.
bei Dresden, d. h. ein schmales tiefes und von felswänden gebildetes thal der Weiseritz' W. Hoffmann
wb. d. dt. spr. 2, 707 (
dieser ortsname konnte Jean Paul
sogar als begriffsbezeichnung dienen: in einem solchen strich landes ... mit landhäusern, irrgärten, tharanden, plauischen gründen vorher, bergschlössern
nach W. Hoffmann
a. a. o.);
in anderer composition (
gern für engere thäler): eine waldschlucht ... die Pulvergr. bei Elbing Schemionek
elbingsche ma. 15; in der Riesengr. (
bei Niederelsungen) Vilmar 139; plötzlich fiel ihr ein, dasz der
gr., in den sie nun einbiegen müsse, der Blutgr. heisze O. Ludwig
ges. schr. 2, 104;
endlich kann auch bloszes gr. geographische bezeichnung werden: '
im besonderen heiszt där jrund
das thal der bösen sieben von Wimmelsburg aufwärts' Jecht
Mansfelder ma. 44
b; im
gr. '
bezeichnung für ein kurzes, tiefeingeschnittenes trockenthal'
württemb. vierteljahrshefte f. landesgesch. 9, 113;
im schweiz. sind Grund, Grunden
dorfnamen (Staub-Tobler 2, 772);
das dörfchen Wipperode am Meiszner heiszt nach Vilmar 139
im volksmunde nur der
gr.;
ortsname Grund
im Harz. —
gr. als flurname ist von alem. bis ins obersächs. reich zu belegen; zuweilen ohne attributive bestimmung, z. b. im, an dem, unterm
gr. Fischer
schwäb. wb. 3, 872,
häufiger mit einem bezeichnenden beiwort, z. b. im dürren, heiligen, hinteren, langen, mittleren, näheren, roten, störzenden, süszen, vorderen
gr. ib.; auch im plur.: in, zwischen beiden gründen; schöne, untere gründe
ib.; zahlreiche belege Staub-Tobler 2, 772
f.; vgl. ferner Meisinger
Rappenauer ma. 79; Müller-Fraureuth 446
b; Bohnenberger
festgabe f. Sievers (1896) 359
ff. —
gr. als uferstrecke (
am Bodensee): solche flachere uferstrecken führen vielfach ohne rücksicht auf die feineren unterschiede des hangs, der wysse, ja selbst flacherer halden den allgemeinen namen 'grund', z. b. Gaiszauer, Rohrspitzen, Fuszacher ...
gr. Bodenseeforschungen (1893) 85
f. —
gr. als name eines stadtbezirks: undergrund (1545: niderer
gr.)
heiszt nach Staub-Tobler 2, 772
eine vorstadt von Luzern an der Reusz; ich wohne am dritten
gr. sagt der Wiener, 'die entern gründ'
lied von L. Krenn,
in einem liede Karl Schmitters: ich kenn an hausherrn da vom grund, der kein kind leidt und kein hund Schranka
Wiener dialektlex. 64;
unterstadt Grund
in Luxemburg wb. der luxemb. ma. (1906) 156. III@A@88) grund und grat.
diese gewisz alte allitterierende formel ist zumal in der urkundensprache schwäb. und alem. sehr verbreitet; sie bedeutet '
niederung und höhe' (
in lat. urkunden entspricht: in plano et in monte)
und bezeichnet den gesamten grundbesitz im thal und auf den bergen: mit weg, steg, mit wun und waid, mit wasser und wasserlayty, mit grunt und grAvt und mit allen rechten Mone
zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 20, 160;
vgl. 11, 83; (
ich habe verkauft) zehen juchart eigenre reben, ... und gemeinlichen grunt und grat 13, 449; es sy an aignen luten, an voyt luten, ... an wasen, an zwy, an
gr., an grat, an stegen, an wegen
monum. Zollerana 1, 269; und schwuren ... 'so lange
gr. und grat stehen' Scheffel 3, 87 (
Graubünden 1424);
zahlreiche belege Staub-Tobler 2, 773;
halb adverbial: er verprant Gossow grunt und grt Schmeller-Fr. 1, 1004; darnach über dri tag do verbran Bischofzell
gr. und gerat J. von Watt 3, 210. III@BB. grund '
abgrund'
hängt deutlich mit dem vorigen zusammen, ist nur insofern unterschieden, als vorwiegend der begriff der tiefe die vorstellung bestimmt; erst spät und vorwiegend in poetischer sprache: abgrund ... das bodenlose loch ... ein ungegrundter rachen des auszgewaschnen grundes, ein
gr., den keiner je gemeszen Treuer
deutscher Dädalus 9, 16; über nie erforschte gründe ... leitet uns der steg Körner 2, 10
Hempel; hier stürzen gründe, felsabschüsse Heine 2, 86
E.; ich folgte dir an schwarzen gründen hin Mörike 1, 165
Göschen; dort schlieszt jach das hohe gebirge und fällt in entsetzliche gründe Laube 9, 123; wo ein jäher
gr. war, da ist itzt nur eine schwache senkung Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 135. IVIV.
die zukunftsvollste bedeutung, die erst in jüngerer sprache aufs reichste entwickelt wurde, ist '
basis, fundament'.
nach got. grunduwaddjus '
grundmauer'
Luc. 6, 48. 49;
Eph. 2, 20
u. ö. musz sie sehr alt sein; aus I
etwa in der weise abzuleiten, dasz der begriff des unteren, festen auf körperliche massen angewendet wird. IV@AA. grund '
fundament, basis'
ist ahd. nicht nachgewiesen, mit dem 13.
jh. werden die belege häufiger; in den wbb. oft gleich fundamentum: gr. fundamen, fundamentum, stabilitas Er. Alberus 62
b;
firmum fundamentum ein fester
gr. Garthius 288
b;
sine fundamento das kein
gr. hat
ib.; seltener gleich basis: gr. darauf etwas stehet und ruget, der fusz, basis Decimator
thes. (1615);
vgl. Calepinus
sept. ling. (1731) 1, 116
a;
fast ausschlieszlich von gebäuden; erst seit dem nhd. auch anders: auch macht er 10 erene grunt, 4 daumelen lange itzlicher
gr. erste dtsche bibel 5, 268 (
decem bases aeneas 3. kön. 7, 27); und wirdt (
die basis) verstanden vor den grundt oder fundament der figur S. Curtius
practica d. landmessens (1610) 9; darunter (
unter das zelt) setzen sie einen erhobenen
gr. oder heerd, darauf sie das feuer Homam zubereiten Chr. Arnold
offne thür (1663) 73;
etwas häufiger nur: ferr von dem
gr. des berges Xylander
Polybius (1574) 443; an den enden und gründen der berg 58; nun nimmt der berge grund des Bachus leibtracht an Gottsched
neueste ged. (1750) 75; solang die berge stehn auf ihrem grunde Schiller 14, 364
G.; die hauptbedeutung '
fundament'
ist im 19.
jh. fast erloschen; umso ausgebreiteter ist bildlicher und übertragener gebrauch, der zumal seit dem 16.
jh. den eigentlichen vollkommen überwuchert. IV@A@11) '
fundament'
im eigentlichen sinn: der unterste theil eines gebäudes, so in die erde eingesencket wird Jablonski 260
a; in die tufe des grundes gewan er (
der stein) ein vastes lager Heinr. v. Hesler
apok. 21582; ja du findest noch vil gar alter meür und grunt und thürn
städtechron. 3, 51, 14 (
Nürnberg); herr Gotfridt Wernher hat die neuen grundt zu der kirchen umbs halb erweiteret, wie noch augenscheinlich
zimmer. chron. 2, 539, 36; und steckten ... viel büchsenpulver unter die gründe, zündeten es an H. Rätel
beschreib. d. krieges (1590) a 2
b; pfäle, so man zum
gr. in die erde oder wasser schlegt Orsäus
nomencl. method. 150; der
gr. zum neuen glashaus ist nun aus der erde Göthe IV 33, 111
W.; leute .., die ... an den
gr. (
des thurmes) nicht mehr steine und arbeit verwenden, als man allenfalls einer hütte unterschlüge 22, 334
W.; (
die maurer) schicken ... mir etwas das ich in ihrem nahmen in
gr. legen kann IV 3, 143
W.; eine junge frau wird eingemauert ..., welches um so roher erscheint, als wir im orient nur geweihte bilder ... in den
gr. der burgen eingelegt finden I 41, 2, 141
W.; einen
gr. stoszen: im morastigen erdboden zur befestigung des grundes pfähle einrammeln Krünitz 20, 254; ein hausz ..., das ... den grundt oder die wend nit hatt Paracelsus
opera (1616) 2, 350
H.; es wanket grund und dach und pfeiler und gewölbe Gottsched
gedichte (1751) 295;
bildlich: allein die lehre ist ja mehr dem
gr., die kirchengebräuche mehr dem dach zu vergleichen Leibnitz
deutsche schr. 2, 258.
verbunden mit synonymen oder sinnverwandten substantiven ebenfalls gegenständlicher bedeutung; gr. und fundament
häufig, in der regel übertragen: dan das ist ein
gr. und fundament aller ding do mit die cosmographei ... umb ghat S. Münster
cosmogr. (1550)
vorr. 7; büchlin ..., darinnen er aufs kürtzst und anmütiglich alle fundament und besten
gr. desz h. rö
m. glaubens erholet Fischart
binenkorb (1588) a 2
b; wan ich meiner ... meinung nicht einen gewissen, festen und sicheren
gr. und fundament habe Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648),
vorr. 2;
andere verbindungen seltener: zuvorderst die stadt Magdeburg, als einen basim und
gr. der gantzen expedition ... gnugsamb zuversichern 105, 1; der dritt himel haizt ze latein firmamentum, daz ist der vest himel, dar umb daz er ain vest und ain grunt ist aller gesteckten stern (
wortspiel mit gruntveste) K. v. Megenberg
b. d. natur 55, 22
Pf.; wie kan ich meinn
gr. und bau auf ein ding setzen, das ich nit weysz ob ichs morgen hab Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 131
a; auf euch, allein auf euch musz ich mein hoffnung steifen, ihr, meine liebsten söhn! ihr seid ihr grund und stein Fleming 1, 108
L.; mit solchen irrthümern, die den
gr. und eckstein, Christum, nicht gantz ümreiszen Butschky
Pathmos (1677) 207; die stütze und der
gr. aller speisen ist das brod Hohberg
georg. cur. aucta 3, 113
a; ich hab in ihrem musensitze ... der wissenschaften grund und stütze, ... erreicht Gottsched
gedichte (1751) 1, 162; Irenäus sagt in dieser stelle schlechterdings nicht, dasz die schrift der
gr. und der pfeiler unseres glaubens geworden Lessing 13, 374
M.; jeci fundamenta pacis ich habe den
gr. und weg gebawet zum vertracht Bas. Faber
thes. (1587) 346
a;
häufiger ist die reimformel gr. und fund (=
lat. fundus): die zahl ist der
gr. und fund aller ordnung Harsdörfer
poet. trichter 3 (1653), 495;
s. u. 2 b. IV@A@22)
die bedeutung '
fundament'
verblaszt zu der allgemeineren '(
feste)
grundlage'. IV@A@2@aa)
je nach dem zusammenhang mannigfaltig nuanciert; bei dingen und zuständen: das ist yhr (
der kaufleute) heubtsprach und
gr. aller fynantzen, da sie sagen 'ich mag meyne wahr so theuer geben alls ich kan' Luther 15, 294
W.; wan uns die natur zwar mittel zu reden verliehen, aber keine gewisse sprache eingepflantzet, sondern sie alle durch gewonheit und übung erlernet werden, so seind sie derowegen beyde aller dinge
gr. Gueintz
dtsche rechtschr. (1666) 1; ein rest der bellomoschen gesellschaft ... gab den
gr. (
für die theatertruppe) Göthe 33, 249
W.; für die 150 rh. können sie bey uns quartier und tisch bestreiten und diese summe wäre also als der
gr. der hauszhaltung anzusehen IV 9, 98
W.; ebenso bei reinen abstractis; namentlich im älteren nhd. gern in zusammenhängen wie: nun muostu vor allen dingen in dem
gr. warer demütigkeit wol gefestnet sein Keisersberg
granatapfel (1510) h 1
c; sol dein anfang der buosz hailsam sein ..., so betracht, das er geschech ausz aim guoten
gr., das ist ausz götlicher lieb a 6
b; (
die werke) müssen ein
gr. der zuoversicht haben Zwingli
dtsche schr. 1, 280; den grunt der wâren gotsforcht haben wir lengst verlorn Aventin 5, 45, 21
L.; als wenn bey unsrer freundschaft gründen sich eine trennung könte finden Stieler
geharnschte Venus 22, 1
ndr.; die zeitungen sind der
gr. ... aller klugheit Stieler
zeitungslust (1697) 18; dieses wohlgefallen an der allgemeinen höchsten verordnung ... ist der rechte
gr. der wahren religion Leibnitz
dtsche schr. 2, 52; geselligkeit ist der
gr. der humanität Herder 17, 11
S.; ganz jung ist die folgende, heute sehr entfaltete verwendung: auf dem grunde des parlamentarischen lebens ... bildeten sich neue anschauungen Ranke
s. w. 31, 83; auf dem grunde dieser substanzenlehre ... eine haltbare vorstellung des verhältnisses von geist und körper auszubilden Dilthey
einl. in d. geisteswissenschaften 1, 9; das moderne confessionelle selbstgefühl auf dem grunde geschichtlicher tradition Bismarck
ged. u. erinn. 1, 146
volksausg. IV@A@2@bb)
in verschiedenem sinne auf menschen angewendet: es ist doch ein zeichen von einem guten grundt ('
fond'), dasz ihr euch so baldt wider erhollen könt Elis. Charl. v. Orleans 1, 201
M.; anders (
an B 3 c
streifend): da (
bei jeder künstlerzunft) forscheten, ergründeten und ersinnten sie eines jeden kunstfertigkeit, fund (=
fundus) und
gr. Fischart
Garg. 296
ndr. (
vgl. oben 1
schlusz); er (
Rumohr) hat mir doch wohlgefallen und ich glaube, dasz er einen schönen
gr. hat W. Grimm
bei Steig
A. v. Arnim u. J. u. W. Grimm 522;
wieder anders: er war reich und roh, aber er hatte einen
gr. von gutmüthigkeit Göthe 23, 96
W.; 'so ist er immer', sagte er dann; 'der
gr. ist gut' (
wenn sein gebahren auch ungut scheint) Storm 8, 57;
hier ist der gr. das unterste, worüber etwas anderes liegt, an gewisse technische verwendungen (
vgl. etwa V 2)
gemahnend; dor is keen gude
gr. in em '
er taugt nichts' Mensing 2, 501
a. IV@A@2@cc)
im älteren nhd. entwickeln sich einige formelhafte verwendungen; noch halbconcret: deren (
der entschuldigung) copie ... hieneben wir zu bestendigem grundt (
als '
beleg') dises anzaigens übergeben
städtechron. (
Augsburg 1555) 32, 298;
die reformation schafft den gr. des glaubens: unszer glaub soll eynen
gr. haben, der gottis wort sey, und nit sand und mosz Luther 10, 1, 589
W.; die vil sein hern und vätter sind seins glaubens grund Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 4
b;
früh zur toten formel geworden: ist so kurtz deines glaubens grund H. Sachs 1, 79
K.; später in causaler richtung weiterentwickelt: dasz ... die männliche, der gründe ihres glaubens sich bewuszte religion dabei hätte gedeihen können Ranke
s. w. 1, 164.
aus demselben boden erwuchs der gr. der schrift,
der namentlich in den religiösen schriften des 16.
jh.s mit der häufigkeit eines schlagworts erscheint; '
grundlage, begründung': auch so hab ich ausz
gr. heyliger geschrift, wider gedicht ettlicher bäpst gefochten Hutten
op. 1, 375
Böcking; aber die schwermer hat Lutherus ausz gewaltigem grunde der schrift wiederlegt
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 41; man soll eyn reynen glauben haben, der nichts on
gr. der schrift gleubt Luther 10, 1, 446
W.; vgl. auch: denn schrift und guten
gr. wollen wir haben, nicht seinen eigen rotz und geifer 26, 323
W.; geradezu für '
lehre': in iij
. hundert iaren ist kein lerer für hochgelobter gehalten worden, dann welcher am meisten wider evangelischen
gr. gefochten hat under guot gliszendem schein Eberl. v. Günzburg 1, 170
ndr.; wiewol an vilen orten on den nammen des evangelion nit vil evangelischer gründ und lere ist 3, 144; das er ... die zwen gen Costentz santi, wann doch da jetzo der
gr. und die ler aller cristenhait wär Richental
chron. d. Constanzer conzils 76.
formelhaft ist auch gr. und kraft: gottes verheyszunge, wilche ist das heubtstück,
gr. und kraft aller gebete Luther 17, 1, 249
W.; möchte man dem text (
der frz. kunstannalen) mehr
gr. (
gehalt) und kraft wünschen, so erhalten wir dennoch durch ihn manche historische notiz Göthe IV 16, 131
W.; stark gewandelt: sein heilger mund hat kraft und grund, all feind zu überwinden Georg Weiszel
bei Fischer-Tümpel 3, 9;
nach anderer richtung hin entsinnlicht: der welt werck ist alles ... feurwerck, gottes werck hat
gr. und bestand Petri
d. teutschen nat. weish. 2, p 4
b; verlogen zeug ..., das weder
gr. noch stich hält J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. 1, (a) 4;
dies herüberspielend nach 4 a;
vgl. unten d. IV@A@33)
in den weitaus meisten fällen steht grund '
fundament'
in festen verbalverbindungen. IV@A@3@aa) (den)
gr. graben, werfen
den für das fundament nöthigen raum im erdreich ausgraben; die ältesten belege bis ins 17.
jh. nur alem., z. b.: (
die maurermeister sollen) den
gr. legen an enden, allwo die baulüt
gr. graben Staub - Tobler 2, 772 (
a. 1651);
später weiter verbreitet: wenn Huschke seinen
gr. gräbt (
beim hausbau), so stöszt er auf die röhrenfahrt Göthe IV 13, 80
W.; junge variante: eine zweite statue, die ... entdeckt wurde, als man den
gr. zu einem hause ausgrub Herm. Grimm
Michelangelo 1, 30;
dasz nicht etwa von gr. '
erde'
auszugehen ist, beweist der nicht seltene plural: als nun der platz geraumpt und ... abcirckelt ward, fieng man an gewaltig die gründ zu graben Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 313
b;
später freilich auch als '
erde'
verstanden: da gräbt man in den grund, es steigt der neue bau v. König
gedichte (1745) 24;
dagegen wieder: und als man nun grub zu dem grundt, den tempel drauf zu bauen H. Sachs 15, 469
K.-G.; anders (
vgl. unten b): namb der teufel die aller ärgisten aus der kirchen, ... denen auch bewist der kirchen heymligkait, damit er ihr dester basz kundte zum
gr. graben Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 2, q 6
a;
übertragen: den grund zum glück der nachwelt werfen, läszt auch zu nacht ihn (
d. kaiser) niemals ruhn Haller
gedichte 14
Hirzel; bis Rom in trümmern lag und die gründe eines neuen lebens geworfen waren E.
M. Arndt
schr. (1845
ff.) 2, 34. IV@A@3@bb) den (einen)
gr. legen.
absolut: fundamentum pono ... ich leg ein
gr. Er. Alberus 62
b;
fundator der den
gr. legt Garthius 288
b; den ersten grundt der statt gelegt
Z. Müntzer
Livius (1562) b 1
a; wer ein hausz bauet, (
musz) einen
gr. legen Hippel
über die ehe (1774) 1;
übertragen: denn sanct Paul hatte von gott befelh zu leren und
gr. zu legen Luther 26, 574
W.; so bald hat eine sehnsüchtige zuneigung ihren ersten
gr. geleget Chr. Weise
polit. redner (1677) 38; daher ist es in der natur der seele gegründet, dasz ... die historische kenntnis den
gr. legen musz Lessing 8, 25
M.; und er (
der Romwanderer) spürt nun gar zu bald, dasz er wieder zurück lernen musz, dasz er seinen
gr. tiefer graben, stärker und breiter legen musz Göthe IV 8, 301
W.; ich schrieb ziemlich geläufig französisch: ich hatte bei meinem alten einen guten
gr. gelegt I 22, 286;
scherzend vom essen: hast du den ersten
gr. etwas weniger gelegt Tölpel
baurenmoral (1752) 12; sie scheinen einen guten
gr. legen zu wollen Göthe 31, 44
W.; dialektisch: no ena guata
gr. lega, dasz ma au trinka ka
zs. f. hochd. maa. 1906, 34 (
Ulm);
gr. legen
tüchtig essen Müller - Fraureuth 446
b.
mit gen.: auf dem hügel, wo einst der ewigen stadt
gr. gelegt werden sollte Niebuhr
röm. gesch. 1, 124;
meist übertragen, und zwar auf reale dinge: als gott selbst den Job ... fragte: wo warest du, da ich der erden
gr. legte? Grimmelshausen
vogelnest 2, 386, 12
K.; ehe der welt
gr. geleget war
ante conditum mundum Frisch 379
a; du (
gott) hast des berges grund gelegt Karschin
auserl. ged. (1764) 28;
aber auch früh ganz ungegenständlich: nu die histori, wiewol sie
gr. legt eines heiligen lebens ... Luther 24, 306, 11
W.; sondern haben auch bey frommen und gelarten gemütheren hie in der welt einen ...
gr. wahres ruhmes ... fest gelegt und gepflanzet Schottel
friedenssieg 7
ndr.; das rehte fundament (den
gr.) aller geschickligkeit und schriftgelährtigkeit hat der geleget, welcher ... Comenius
janua (1638)
cap. 4; er legt durch ankauf gröszerer landbesitzungen den
gr. des fürstlichen daseins Göthe 44, 346
W.; im 19.
jh. nur noch spärlich. mit zu;
die jüngere ausdrucksweise; im 17.
jh. noch selten: wann die liebhaber anfangen gegen einander betrübt zu sein, so ist der
gr. zur liebe schon gelegt Riemer
polit. stockfisch 257;
mit der 2.
hälfte des 18.
jh.s stark zunehmend, verdrängt die präpos. allmählich den gen.: verdienstreich ist die hand, die zu einem gebäude den
gr. legt, in welchem ... Herder 23, 53
S.; meist übertragen, und zwar in weitestem umfang: der ... sozusagen, den
gr. zur holländischen republic gelegt hatte Schnabel
insel Felsenburg 239, 33
Ullrich; unter den einsiedlern, die um diese zeit anfingen ..., den
gr. zum mönchsleben zu legen Jung Stilling 3, 57
Gr.; da Alexander noch selbst den
gr. zu dem lamischen kriege legte W. v. Humboldt
sechs aufsätze über d. klass. altertum 171
L.; dadurch, dasz er ... die grosze spanische erbschaft herbeiführte, zu der ungrisch-böhmischen definitiv den
gr. legte Ranke
s. w. 1, 237;
namentlich üblich in zusammenhängen wie: der zusammenflusz aller dieser glücklichen fügungen ... (
hat) den
gr. zu dem glück meines ganzen lebens gelegt Schiller 1, 139
G.; weil auch dieser (
bediente) den
gr. zu einem gewissen zuge meines charakters gelegt hat Bahrdt
geschichte s. lebens 1, 50; sie legte mit andauernder sorge den
gr. zu einem lebendigen gottvertrauen in mich G. Keller
w. 1, 43; dem heil. Bonifacius, als einem mann, ... der ... den
gr. zum schreiben bey ihnen geleget
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 394; Tizian hatte erst den
gr. zur landschaftsmahlerey gelegt A. W. Schlegel im
Athenäum 2, 87; und legte den
gr. zu den weitläufigen kenntnissen der literatur, die man überall bei ihm antrifft Göthe 46, 92
W. sonst ist noch aus
üblich: nu wyr
gr. aus der schrift gelegt ... haben, daneben
d. Carlstads
gr. verlegt Luther 18, 182, 14
W.; dasz ich den geschmack von einem wohlgeschriebenen teutschen buche bestärcket, dazu ich schon vorhin aus Ernsts historischem bilderhause den
gr. geleget hatte
vernünft. tadlerinnen 2, 515; weil ich nicht wollte, dasz einer aus meinem blute den
gr. zur künftigen knechtschaft legen sollte Klinger
w. 2, 350.
anderes seltener: im vierden jar ... ward der
gr. geleget am hause des herrn (
fundata est domus domini)
1. kön. 6, 37; einen guten
gr. im studiren legen Frisch 379
a; derjenige ..., welcher in den üblichen ... carminibus nicht vorher guten
gr. geleget ... hat Neukirch
anfangsgr. 777; die grosze aufgabe ..., in allen kleinen kreisen des staatlichen lebens festen
gr. zu legen für den neubau unserer zeit G. Freytag
w. 15, 40; ein alter
gr. von religion war in sie gelegt worden Gutzkow
zaub. v. Rom 4, 28. IV@A@3@cc) zum (zu) grunde legen
gewinnt erst mit dem 18.
jh. boden; ältere belege vereinzelt: wie der Zwingel ... solch lose geschwetz seinem yrthum zu grunde legt Luther 26, 359
W.; wer die leut betriegen wil, der legt zum grundt eine krumme lügen Lehmann
florileg. polit. 1, 106;
der übergang von zum grunde
zu dem modernen zu grunde
vollzieht sich in den dreisziger bis vierziger jahren des 19.
jh.s; Schleiermacher
und Schopenhauer
schreiben zum grunde, Ranke zu grunde.
freilich tritt zu grunde
schon früher gelegentlich auf; doch scheint regel zu sein, dasz die wendung dann allein steht, nicht erweitert durch attribut. gen. oder objectsdat. aus diesem nebeneinander beider möglichkeiten musz es sich erklären, wenn die wbb. schon auffällig früh nur zu grunde
bringen: bei Campe 2, 469
und Heinsius 2, 549
nur zu grunde legen,
ebenso bei K. W. L. Heyse 1, 627.
sehr auffällig ist, wenn demgegenüber W. Hoffmann
wb. d. deutschen sprache (1859
ff.) 2, 709
a nur etwas zum grunde legen
vermerkt. stets übertragen gebraucht, und zwar übertragen auf geistiges gebiet; überwiegend handelt es sich um begriffe, sätze, schriften, geistige producte im weitesten sinne, die zum ausgangspunkt wiederum geistiger thätigkeit und production gemacht werden. IV@A@3@c@aα)
construction der formel mit attributivem gen.: dasz der ... verfasser zum grunde seiner vernunftlehre die schriften dreyer berühmter männer ... legen wollen
vernünft. tadlerinnen 1, 174; ich legte mir es (
das lied) zum grunde dieses spiels Brentano
ges. schr. 7, 219;
bei dem schon mehr adverbial empfundenen zu grunde
ist abhängiger gen. nicht mehr üblich. mit dat. des objects (
wie zu
gegenüber dem gen. bei grund legen
die jüngere ausdrucksweise): seiner letzten heftigsten rede gegen die pharisäer ... legt er diesen satz zum grunde Herder 19, 186
S.; diesen schematismus der begriffe ... kann man ... der ganzen syllogistik zum grunde legen Schopenhauer 1, 84
Gr.; der dem frieden mit Syrien ... zu grunde gelegte satz Mommsen
röm. gesch. 2, 56.
absolut (
mit ellipse des objectsdativs): der mathematiker ... legt das zeugnisz der sinne zum grunde
allgem. deutsche bibliothek (1765) 1, 144; natürlich wäre es zwar, die ... erklärung zum grunde zu legen Schleiermacher I 3, 2; man legte fortwährend lehrbücher des elften und zwölften jahrhunderts zu grund Ranke
s. w. 1, 161.
mit in
und bei: die Griechen wenigstens haben nie andere als ihre eigene sitten, nicht blos in der komödie, sondern auch in der tragödie zum grunde gelegt Lessing 10, 193
M.; bei ausarbeitung des abschnitts von der groszen parade sind die bisher bestehenden vorschriften und observanzen zum grunde gelegt Wilhelm I.
militär. schriften 1, 6 (
a. 1821); eine tabelle ..., welche jeder bei seiner arbeit zu grunde legte Göthe II 8, 12
W.; vereinzelte varianten: o der verdampten geschicklichkeit, welche nicht für einen grunt gelegt hat die ewige seeligkeit Moscherosch
insomn. cura 36
ndr.; ir habt dem israelitischen volk die ehre erzeigt und seine geschichte im grunde dieser darstellung gelegt Göthe 24, 247
W. IV@A@3@c@bβ)
das 19.
jh. schuf ein subst. zugrundelegung,
das in der gelehrten- und amtssprache lebhaft gewuchert hat: wenn bei diplomatischen unterhandlungen es vorkäme, dasz der eine theil die zugrundelegung seiner proposition ... gefordert hätte Hegel 16, 349; dasz Sullas umlage ... maszgebend war, zeigt ... die zugrundelegung der Sullanischen repartition bei späteren ausschreibungen Mommsen
röm. gesch. 2, 346;
namentlich mit präpositionen: Kant hat ... unter zugrundlegung des schemas der kategorien vier antinomien herausgebracht Hegel 6, 104; die gesetze, welche wir bei zugrundelegung des fixsternhimmels als bezugssystem erhalten Boltzmann
popul. schr. 279. IV@A@3@dd) zu (zum) grunde liegen
ist das intransitivum zu zu
gr. legen
und entspricht ihm in vielen punkten. die wendung scheint noch etwas jünger zu sein als die vorige; sie entfaltet sich erst in der 2.
hälfte des 18.
jh.s. die grenze zwischen zu
und zum
bilden wieder etwa die vierziger jahre des 19.
jh.s; daher kennen z. b. Jac. Grimm
und D. Fr. Strausz
beide formen. wo zu grunde
früher erscheint, fehlt fast durchweg der attributive gen. oder das dativobject. so regelt sich z. b. der sprachgebrauch des jungen Schiller (
s. Pfleiderer
in Paul
u. Braunes
beitr. 28, 365).
dasz die ursprüngliche bedeutung der formel noch durchaus lebendig ist, lehrt etwa Göthe: dasz reine erfahrungen zum fundament der ganzen naturwissenschaft liegen sollten II 51, 8
W.; vgl. auch die vereinzelte variante: unsere zeitung nimmt sich wohl gut genug aus; wenn nur erst die schweren quadersteine im grund liegen, wird sich das übrige schon leichter in die höhe bauen IV 17, 78
W.; trotzdem erscheint sie nur in übertragenem gebrauch, und zwar ist ihr geltungsbereich als einer intransitiven wendung weiter als bei der vorigen. attributiver gen. selten: ein sehr einfaches ... gesetz vermuthen, das auch zum grunde anderer phänomene zu liegen scheint Göthe II 5, 1, 7
W. die jüngere ausdrucksweise mit dat. des objects aufs reichste entwickelt; der subjectsbegriff zeigt mit vorliebe begriffe, gedanken, empfindungen, auch kräfte, motive, interessen: maximen ..., welche der erziehung zum grunde liegen sollten Göthe 24, 227
W.; selbst dem gemeinen verstande liegt also die idee zu grunde Solger
vorles. über ästhetik 56, 14; dem uralten brauch des sühnopfers liegt gewisz ein frommes gefühl zu grunde D. Fr. Strausz
schr. 6, 17; das bewusztwerden der ursachen und kräfte, die so vielen und reichen erfolgen zu grunde liegen Liebig
chem. briefe vorr. III; da sie wuszte, dasz diesen so heiteren ... wechselgeschichten eine heitere absicht zu grunde lag G. Keller
w. 2, 70;
vorbilder, urformen nach jeglicher richtung: den hymnen ... lagen jene alte ebräische psalmen zum grunde Herder 18, 13
S.; es mag ihm (
dem bronzenen Bachus) ein uraltes vorbild der besten zeit zum grunde liegen Göthe IV 35, 286
W.; das geschichtliche, das dieser dramatischen handlung zum grunde liegt Börne
schr. (1829
ff.) 1, 112; welche wortgestalt aber allen diesen (
formen) zum grund liege, scheint noch verborgen Jac. Grimm
kl. schr. 3, 120; so liegen diesen unterredungen nicht wörtlich abgefaszte hefte zu grunde Stiftfr
w. 14, 5
S. absolut (
wieder elliptisch zu verstehen): eine böhmische volksmelodie, eine art notturno, soll zum grunde liegen Göthe IV 29, 20
W.; es lag mindestens ein richtiges gefühl zum grunde Fouqué
gefühle 1, 60; eine schöne sittliche natur liegt wie ein capital zu grunde, von dem die interessen ... in den gedichten ausgespendet sind Göthe 40, 243
W.; die moderne sprache liebt den früher sehr ausgebreiteten absoluten gebrauch nicht mehr, von präpositionen steht in
vorwiegend bei dichtwerken: die geschichte vom juden Melchisedech, welche in meinem schauspiele zum grunde liegen wird Lessing 18, 287
M.; dasz oft in einem narrenspiel ein sehr weiser gedanke zu grunde liegt Klinger
w. 6, 57;
doch auch sonst: wenn man auch die spätere ... allegorie absondern musz, so liegen doch gewisse urbegriffe davon unleugbar auch in den ältesten vorstellungsarten zu grunde W. v. Humboldt
sechs aufsätze über d. klass. alterth. 132
L.; bei
erscheint neben den verschiedensten subjectsbegriffen; die vorliebe für das adv. dabei
ist zu beachten: man wird uns bei diesem unterfangen ... vergebung wiederfahren lassen, weil dabei keine bosheit ... zum grunde gelegen Heilmann
gesch. d. pelop. krieges 39; es liegt unstreitig etwas wahres bey dieser methode zum grunde Hufeland
kunst d. leben zu verlängern (1797) 289; wenn einer oder der andere thut, als ob er einen angriff von uns besorgte, so liegen dabei ganz andere absichten als abwehr zu grunde Moltke
ges. schr. 7, 16. IV@A@3@ee) einen
gr. setzen,
übertragen: du seczt und rürst ain tiefen grund H. v. Sachsenheim
möhrin 2102; (
ironisch: '
du gehst mit deinen ausführungen sehr in die tiefe'
; vermengt mit gr. rühren
den gr. aufrühren); die aposteln, die dazu erwelet waren, das sie solchs reine solten leren und der lere einen
gr. setzen Luther 17, 1, 104, 13
W.; diser (
spruch), da du dein
gr. und trost auf setzest 7, 660, 10; maas halten in dem leyden ... das hat, das helt den stich, das setzet festen grund
Reinicke fuchs (1650) 421; sol man den
gr. recht und fest in teutscher sprache setzen, musz man das grundbrüchige auszfesten Schottel
t. sprachkunst (1641) 165; ich ware schon zu alt ..., umb von gemühte zu endern, mein grundt war schon gesetzt El. Charl. v. Orleans 1, 13
M.; vgl. seinen
gr. legen
oben b. IV@A@3@ff)
etwas zum grunde setzen,
übertragen: die stund kurtzrund zum grund wird gesetzt dieser sachen W. Spangenberg
griech. dramen 1, 123
Dähnhardt; welche die geometrie, deren sie nicht fähig sind, zum grunde setzen v. Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 79; weil Oesterreich am ende Teutschlands, und also die wienerische mundart nicht wohl zum grunde gesetzt werden kann Leibnitz
deutsche schr. 1, 483; man hat an einem solchen wechselplatz ein gewisses (
kapital) zum
gr. gesetzt
allg. dtsche bibl., anh. zu 53—86, 2324. IV@A@3@gg)
etwas auf einen
gr. setzen, auf einem (einen) grunde (
gr.) bauen, befestigen, gründen: du (
Fortuna) hast deine stetsbleibende wohnung auf vierekten
gr. gesetzet Schottel
friedenssieg 23
ndr.; übertragen: sagstu der welt ade? sol Christus gantz allein der grundt sein, drauf du wilt die keusche liebe setzen? Gryphius
sonn- und feiertagssonette 37, 79
ndr.; die gròsze moschee zu Jerusalem auf den
gr. des salomonischen tempels gebaut Göthe IV 8, 259
W.; übertragen: das (
die demut) ist der grunt, do alles das gezimmer des menschen leben ... uf gebuwen müssent werden Tauler 322, 6
V.; diese tägliche, allen himmelskörpern gemeinschaftliche bewegung, ... ist der
gr., auf dem die ganze sternkunde gebauet ist
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 8; dasz ich auch den unverdienten beyfall einiger gelehrten nicht suche auf einem so schwachen grunde zu befestigen Heräus
ged. (1721) 13; die maurer folgen hierauf, die auf den streng untersuchten
gr. das gegenwärtige und zukünftige wohl befestigen Göthe 25, 221
W.; die voraussetzung ist der
gr., worauf ich alles folgende gründe Schiller 4, 43
G.; vgl. gott gründt sich ohne grund und meszt sich ohne masz A. Silesius
cherub. wandersmann 18
ndr. IV@A@3@hh) auf einem grunde (be)ruhen: ein jedes standfestes gebeu beruhet auf seinen unbeweglichen, wolbepfälten gründen Schottel
t. sprachkunst (1641) 74;
übertragen: auf was gründen ... die ausübung der ädlen sprache beruhe Neumark
fortgepflanzter lustwald (1657)
zuschr. 10; allein da diese einwendungen auf keinem rechtsbeständigen grunde beruhten Wieland
w. (1794) 20, 28; wie schön musz ein talent seyn, das auf einem solchen grunde ruht Göthe IV 23, 185
W.; der gleichmuth, mit dem ich empfange und gebe, ruht auf dem grunde deiner liebe IV 6, 115
W. IV@A@3@ii) zum grunde dienen: derjenige, der grosze quadersteine in graben neben einander wälzt, dasz sie einmal künftig einem gebäude zum grunde dienen können Nicolai
Nothanker 1, 125;
übertragen: der basz, ob er gleich zum grunde dienet, ist nur der oberstimme halben und ihr zum besten gesetzet Mattheson
kl. generalbaszschule (1735) 50; Richardi de S. Germano zeugnisz soll uns ... zum sichern grunde dienen S. Fr. Hahn
einl. z. d. teutschen kaiserhist. 4, 133;
bisweilen bis zur bedeutung '
ausgangs-, anknüpfungspunkt'
verblaszt: der mensch ... musz in dieser vergleichung zum grunde und allgemeinen beziehungspunkte dienen Kant 8, 366
H.; ... deucht es mich, dasz die sogenannten nationaltänze dem philosophen zu einem guten grunde dienen können Ayrenhoff
w. 5, 271. IV@A@3@kk) zum grunde haben,
übertragen: obgleich die sprünge ... aus dreyerley verschiedenen intervallen ... bestehen: so haben doch selbige alle einerley basznoten zum grunde Quantz
anweisung d. flöte zu spielen 125; dasz unter zwantzig solchen ... begebenheiten kaum zwey die wahrheit zum grunde haben J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. 1, 12; (
bestimmte gesetze des sehens) haben zum grunde (
zur voraussetzung), dasz ... eine gerade linie zwischen dem sehenden organ und dem gesehenen gegenstand müsse zu ziehen sein Göthe II 1, 77
W.; häufig bei dichtungen und schriftwerken: diejenigen handlungen, die eine wahre geschichte zum grunde haben Dusch
krit. u. satyr. schriften 134; dasz mein briefwechsel nicht blos die schauspiele zum grunde habe Lessing 17, 12
M.; oft nähert sich gr. der bedeutung '
ursache': ihr erster wiederstand schien etwas mehr, als eine blosze bescheidenheit zum grunde zu haben
vernünft. tadlerinnen 1, 3; soviel ich muthmasze, hat ihre melancholie physische ursachen zum grunde H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 59. IV@A@3@ll)
überaus häufig sind, namentlich in übertragenem gebrauch, wendungen, die ein zerstören oder gefährden des grundes
bedeuten: nos iecimus fundamentum, ipsi (
die sectierer) heben uns den
gr. auf Luther 34, 2, 100
W.; den
gr. aufheben Garthius 289
a; dasz sein lippen, so lehren und gottes urtheil uns vorlegen, schlecht und rund untergraben voll list all unser hoffnung
gr. Treuer
deutscher Dädalus 1, 465; er hätte fürchten müssen, den geistigen
gr. zu untergraben, auf welchem seine eigne würde beruhte Ranke
s. w. 2, 4; der teufel ... erschütterte den
gr. des gebäudes Klinger
w. 3, 204; er hat das gebäude der grösze im
gr. erschüttert, das ich ... aufführen wollte 231; die felsenwohnung Giafars erbebte in ihrem tiefen grunde bey dem fürchterlichen schall 5, 20; Babel wankt und sinkt und fällt, dasz grund und catacomben beben Gottsched
ged. (1751) 1, 293; ich ... baute tausend luftschlösser und spürte nicht, dasz ich den
gr. des kleinen gebäudes zerstört hatte Göthe 21, 29
W.; allzutief (
ist) das geistige reich in seinem
gr. bewegt Görres
ges. schr. 2, 93. IV@A@44) grund
in präpositionalen wendungen; für einige der folgenden formeln ist es wahrscheinlich, dasz sie nicht auf eine bestimmte specialbedeutung von gr. als einheitlichen ausgangspunkt zurückzuführen sind, sondern von jeher an verschiedene bedeutungszweige geknüpft waren. aber die beziehung auf '
fundament'
ist am deutlichsten und am meisten ausgebreitet. IV@A@4@aa) von grunde.
mhd. selten, nhd. fast ausschlieszlich von gebäuden, also '
vom fundamente ab': daz die vest zebrochen zehand solden werden von grunde ûz der erden Ottokar v. Steierm.
steir. reimchr. 44140; dasz in der vorstatt ir von grund ein neu collegium erbauten Fischart
nachtrab 14, 436
Kurz; als der sie erweiteret, von
gr. erbauwen, und zuo einer königklichen statt gemachet hat Stumpf
Schweizerchron. (1606) 7
a; sie werfen die mauern vom grunde um
subruunt muros ab imo Steinbach (1734) 1, 649;
selten mit anderer bildlicher vorstellung: erfrisch den luft mit bestem schall erschöpf die kunst von grunde Spee
trutznacht. (1649) 19.
dagegen mhd. öfter rein adverbial '
gründlich': und sagen uns bî ir triuwen an welher rede wir sîn betrogen; volrecken uns die einen wol von grunde, die alten ode die niuwen Walther v.
d. Vogelweide 13, 1; sînen marterlîchen tôt entsliuz ouch nû von grunde mir Konrad v. Würzburg
Silvester 4333. IV@A@4@bb) von
gr. auf;
frühzeitig vermengt mit von
gr. aus: mînes herzen tiefiu wunde diu muoz iemer offen stên, si enheiles ûf und ûz von grunde Walther v.
d. Vogelweide 74, 17;
bei Diefenbach
gloss. 482
c beides für radicitus; doch zeigt der gebrauch merkliche verschiedenheit. noch nhd. vielfach in eigentlicher bedeutung: vom
gr. oder pfülment auf
a fundamento Frisius (1556) 1
a;
aber gewöhnlich in positivem sinn: aufbauen, errichten u. ä.; schon Diefenbach
gloss. 252
a belegt neben funditus alzomale von grunde uff
vor allem fundatus von grunt off funderet
u. ä. reichlich; (
das schlosz) sahe ..., als wers von
gr. auf mitten in das waszer gebauwen Kirchhof
wendunmuth 2, 94
Ö.; bis an das schindeldach des hohen thurmes war sie von
gr. auf aus granitquadern aufgebaut Storm
w. 3, 206;
selten in negativem gebrauch: Barog vil balde kerte hin gein Achor und zerstorte die von grunde uf gar Rud. v. Ems
weltchr. 18095.
ebenso wie von
gr. mhd. schon rein adverbial '
gründlich, ganz und gar': er was von grunde ûf geborin zô deme aller trûwisten man
Rother 5087
Rückert; swes wir uns haben gevlizzen und gesen haben urkunde, daz wizze wir of von grunde Heinr. v. Hesler
apok. 3418
Helm; vgl. 4540;
anders: doch ward mans bengeln mit dem stro, daz die frauen schrien do von grundauf gar ze vollen Heinr. v. Wittenweiler
ring 8
c, 12. von
gr. auf, gantz und gar, mit stam und wurtzel
funditus, ἐκβάτρων,
stirpitus Decimator
thes. (1615); ich bin dhein glychsner, sunder von
gr. uf luter, rein Zwingli
dtsche schr. 1, 309; soll man mit der laugen das haar von
gr. auf netzen Gäbelkover
arzneib. (1595) 2, 102; einen irrtum von
gr. auf widerlegen Stieler 710,
wo von
gr. aus
angemessener wäre, s. u. c;
gelegentlich auf I A
bezogen: (
die winde) durchwühlten die meere von grund auf Ramler
einl. in d. schön. wiss. 1, 156. IV@A@4@cc) von
gr. aus
erst seit dem 15.
jh. öfter belegbar, reich entfaltet erst seit dem 18.
jh.; gelegentlich gekürzt (
vgl.gr. dessen C 5 c
α): das der ... pfeiler von oben, unter der orgel, ab grund aus ümgefallen Butschky
kanzelley 851. IV@A@4@c@aα)
am geläufigsten in der bedeutung '
vom fundament ab'
oder davon abgeleiteten, aber ursprünglich nur in negativem sinn, namentlich bei verbrennen: zu zeiten (
wird die stadt) ... in
gr. zerstöret, verwüstet und von
gr. aus umbgekehret Comenius
janua (1638)
cap. 719; die ... neuerbauete kirche ... von grundausz einwerfen und mit der erde vergleichen lassen
acta publ. 1, 67
P.; und (
das haus) wäre leicht von grund aus abgebrannt Lessing 3, 4
M.; um das haus seiner seele von
gr. aus zu erschüttern Wackenroder
herzenserg. (1797) 39;
erst secundär und in jüngerer sprache neben erbauen, errichten
u. ä., zu denen urspr. von
gr. auf
gehört: so führet man ihn schon in einen ehrentempel den selbst die tugend hat von grund aus aufgeführt H. v. Hoffmannswaldau
u. a. ged. 7, 168
Neukirch; der alte meister hatte ... sein haus nach dem neuesten geschmacke von
gr. aus aufgebaut und möblirt Göthe 21, 16
W.; den anstosz zu der vermengung konnte dissimilationsabsicht neben verben wie aufbauen, aufführen
u. a. geben; der gegenständliche sinn von gr. gelegentlich noch dunkel bewuszt: wenn man recht von
gr. und haus aus zu werke ginge Göthe IV 16, 268
W.; nicht minder alt, aber seltener ist gr. in anderem sinn: und durchgruoben den wyngarten von
gr. usz Steinhöwel
Esopus 259
Ö.; da werden sich von
gr. und wurtzeln aus abgefaulte ... bäume ... finden Hohberg
georg. cur. aucta 3, 43
a; (
die spielkarten) gleich den pilulen die beutel von
gr. ausz ... vielmals zu fegen und zu reinigen pflegen Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 1, 10; der dichter pflegt, um nicht zu langeweilen, sein innerstes von grund aus umzuwühlen Göthe 2, 17
W. IV@A@4@c@bβ) von
gr. aus
berührt sich in seiner verwendung mit aus dem
gr. (
s. u.B 5 b,
bes. β);
ebenfalls bei verben, die ein irgendwie geartetes beseitigen ausdrücken (
dazu stimmt die bedeutung unter α): basilgen samen ... heilet sie von
gr. ausz Bock
kreutterbuch (1593
ff.) 13; alte schäden inwendig zu heylen vom
gr. heraus Hohberg
georg. cur. aucta 3, 235
b; dasz das concilium von Pisa das übel nicht von
gr. aus gehoben
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 80; die griechische verfassung ... ward jetzt von
gr. aus beseitigt Mommsen
röm. gesch. 2, 345; dieses vorgeben von erraisonnirten ... kenntnissen von grundaus zu widerlegen Fichte 2, 332; dennoch hätte Lulu einmal seine gunst ... vom grunde aus verscherzt Stifter
w. 5, 1, 355
S.; bei verben wie erkennen, erfahren
u. ä. ist aus dem
gr. durchaus das ältere, von
gr. aus
erst seit der 2.
hälfte des 18.
jh.s häufig; es scheint also von
gr. aus
functionen des in moderner sprache stark zurückgegangenen aus dem
gr. übernommen zu haben: ein werk, wie der Meszias, musz von
gr. aus untersucht werden Gerstenberg
recensionen 226, 8
Fischer; ich fahre ... fort ... von
gr. aus zu studieren Göthe IV 8, 66
W.; bis er die ursache ihres zwists von
gr. aus erfahren E. Th. A. Hoffmann 12, 104
Gr.; für von
gr. aus verderben,
das erst mit der 2.
hälfte des 18.
jh.s recht in aufnahme kommt, scheint ähnliches zu gelten: wenn man sich an so genanntem wohlriechenden wasser die nase von
gr. aus bis auf die wurzel verdorben hat Hippel
lebensläufe 1, 379. IV@A@4@c@gγ)
sehr jung (
erst seit Göthe)
ist von
gr. aus
neben ausdrücken des affects: nächstens hoffe ich es noch einigemal zu hören und mich daran recht von
gr. aus zu ergötzen Göthe IV 21, 204
W. (
bei G.
sehr beliebt, vgl. I 1, 103; 25, 263
u. ö.); kann er die eigenthümlichkeit eines 'wüsten wetters' von
gr. aus genieszen Melch. Meyr
erzähl. a. d. Ries 1, 71; bücherweisheiten, die mir von
gr. aus zuwider sind Fontane I 4, 12;
desgleichen bei qualitätsbezeichnungen: Salzmann, der von
gr. aus nichts taugt, (
ist) abzuschaffen Göthe IV 16, 312
W.; (
sie) erwarteten nichts mehr von einzelnen ausbesserungen, wo das ganze so von
gr. aus faul war Häuszer
dtsche gesch. 1, 96; vom Niederrhein gebürtig, ein freudiger rittersmann von
gr. aus Treitschke
aufsätze5 2, 28; Hölderlin ... ist romantiker von
gr. aus Fontane I 2, 39;
jung auch bei ausdrücken der verschiedenheit: vielmehr sind beide arten der philosophie sich von
gr. aus heterogen Schopenhauer 1, 26
Gr.; die Araber ... von einem positiven stolzen, dem christenthume von
gr. aus entgegengesetzten glauben ... durchdrungen Ranke
s. w. 37, 10. IV@A@4@dd)
öfter mit zu grunde
vermengt zu zu
gr. aus: zu wiederaufrichtung der durch das fremdausländische wortvermeng fast zu
gr. aus verderbten teutschen helden- und muttersprache Neumark
t. palmbaum (1668) 194; jetzt wird ein mann zu grund ausz rein gemacht, wo der soldat quartier hat eine nacht Tscherning
d. gedichte früling (1642) 125;
vgl. nd. dat id vruntscopp blef twischen em ... to grunde unde to ende uth Schiller-Lübben 2, 158
b aus Herm. Korner. IV@A@4@ee) auf (den)
gr. mit gen. erst seit dem ende des 18.
jh.s; anzuknüpfen an die bedeutung '
grundlage': in jenem augenblick, in welchem eine vereinbarung ... auf den
gr. der alten zustände möglich erschien Ranke
s. w. 4, 3;
in der regel leitet es die voraussetzung ein, aus der eine berechtigung flieszt: madam verlangte auf den
gr. dieses vorzuges ein vollstimmiges ja zur heirath Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 87; (
pudel und möpse) durften nur ... auf den
gr. der nach beratung des ausschusses erteilten erlaubskarte mitgebracht werden E. Th. A. Hoffmann 6, 13
Gr.; mit der 2.
hälfte des 19.
jh.s erlischt der artikel; schon bei Schopenhauer: der richterstuhl der processe auf
gr. desselben (
des völkerrechts) ist die öffentliche meinung
w. 2, 700
Gr.; Ranke
andererseits hält den artikel, noch in der engl. geschichte (1859—68): er beabsichtigte auf den
gr. derselben (
bestallung) ein paar regimenter zu werben
s. w. 4, 37. IV@BB. grund '
fundament, basis'
entwickelt sich unter völligem verblassen der ursprünglichen bedeutung nach verschiedenen richtungen hin; zunächst '
die ersten bestandtheile eines dinges, der anfang',
gesteigert '
die hauptsächlichen bestandtheile, das wesentliche'
; daher gelegentlich in parallele mit anfang: dergestalt ist der glaub unsers hayls anfang und
gr. Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 10
R. IV@B@11)
je nach dem subjectsbegriff ergeben sich für die ersten oder wesentlichen bestandtheile verschiedene bedeutungen: grundstoff, grundbestandtheil: dann welcher darf es wagen, ein urthail von dem grund uns artig her zu sagen, aus dem des schöpfers hand die wählt zuwegen bracht? Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 27; der evangelist (
hat) ... den historischen
gr. des damal üblichen catechismi Theophilo ... zugeschrieben Dannhauer
catechismusmilch 1, 4
b; was wird uns denn als
gr., als urstoff von den vier letzten büchern Mosis übrig bleiben Göthe 7, 156
W.; so ist die cacao der
gr. der chocolate Krünitz 20, 254.
grundgestalt: wann die gelehrten diese wort (joch oder last
Matth. 16, 24) ausz dem grunde herholen (
d. h. genau aus der grundsprache übersetzen), wird dadurch gelegenheit gegeben zu gar tröstlichen gedancken J. Saubert
currus Simeonis (1627) 546; maszen das seligmachende wort gottes aus den hebräischen gründen in unsere sprache vernemlichst ... übersetzet ... worden Neumark
teutsche palmbaum (1668) 63.
grundlehren, anfangsgründe: sie hat ihr selbst die gründe des christenthums gleichsam spielend beigebracht
vernünft. tadlerinnen 1, 190; es ist aber um desto nöthiger, die ersten gründe der deutschen prosodie hier vorzutragen Gottsched
dtsche sprachk. 450; ich kam an einen ort, wo ich etliche jahre lang die gründe der sprache lernte Schwabe
belustig. 2, 547;
dergleichen weitverbreitet; sing. ungewöhnlich: o wie lieblich ward mir ferner aller freyen künste grund durch die väterlichen lippen schon in früher jugend kund Gottsched
gedichte (1751) 1, 413.
in den folgenden fällen tritt die bedeutung des wesentlichen stärker hervor: grundregeln, grundgesetze: wie unsere teutsche haubtsprache nach ihren gründen und eigenschaften in eine gewisse form der kunst zu setzen Schottel
haubtspr. 11; wann alles und jedes was zu unserer teutschen sprache gehören wird, allhie nach seinen gründen und richtigen hauptregulen befindlich ist
t. sprachkunst (1641) 12; wie wir undanckbaren Teutschen doch eines unsere eigene sprache möchten gründlich ausz ihren gründen erheben (
systematisch-grammatisch darstellen)
ib. 10;
vielfach von künsten und gewerken: ein mercker solbesinne wol den rechten grunt,schlos unde punt mit cluger maisterschöfte Muskatblüt
lieder 99, 17
Gr.; bisz ich ... bey dem sinnreichen herren Hans Sachsen ... bessern bericht des grundes dieser kunst erlangete Puschmann
gründl. bericht 3
ndr.; damit man durch ein völliges systema die theile und gründe der musik desto leichter in eine gehörige gewiszheit setzen könne Scheibe
crit. musicus (1745) 11; folgt mir: ich singe fein, recht nach der tonkunst gründen Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 242; ob er nicht zu animieren, eine beschreibung der gründe der handwerke und deren terminorum vorzunehmen Leibnitz
dtsche schr. 2, 459;
zuweilen fast im sinne von '
theorie': man hat byszher ... vil geschickter jungen zu der kunst der mallerey gethon, die man an allen grundt und alleyn ausz eynem täglichen brauch gelert hat Dürer
underweysung d. messung (1525) a 1
b.
grundlagen, grundbegriffe, grundwahrheiten (
von wissenschaften);
gelegentlich noch als bild empfunden: Euclides hat den grundt der geometria zusamen gesetzt Dürer
underweysung d. messung (1525) a 2
a; habe ich ... nicht geruhet, bis ich zu den letzten, ursprünglichen gründen kommen, so ... in der mathesi und physica befunden Leibnitz
dtsche schr. 1, 266; eine wissenschaft ..., in welcher die allgemeinen gründe aller menschlichen erkenntnisz gelehrt werden Lessing 8, 23
M.; (
eine akademie,) welche nicht klare und ausgemachte gründe der wissenschaften lehren ... soll Kästner
verm. schr. (1755
ff.) 1, 3.
grundwort; anscheinend von Schottel
aufgebracht: der
gr. (
oder hauptglied) desz verdoppelten wortes ist allezeit dasselbige wort, auf welches deutung vornemlich ... unser sinn und gedancken sich lencken, und welches ... allezeit die hinterstelle desz wortes einnimmt
t. sprachkunst (1641) 108 (
in eigenthätlichkeit
z. b. that
ib. 103),
lat. subjectum ib. 24;
daher subjectum gr., grundwort Zeillers
epistol. schatzkammer (1683) 266. IV@B@22) '
anfang'
nicht als erster bestandtheil innerhalb des dinges, sondern als ausgangspunkt, ursprung auszerhalb des dinges; namentlich obd.; mehr oder weniger sinnlich: unde der aftero teil iro rukkes. dar die
penn radicem habent federa crunt eigin Notker 2, 256, 13 (
ps. 67, 14); diu versuochende kraft der sêl (
gustus) und daz gerüerd habent irn grunt in dem herzen; aber die andern drei sinn sitzent in dem haupt Konr. v. Megenberg
buch d. natur 13, 6
Pf.; wer ist dann? der nit seche den ursprung des adels haben ainen unadelichen grunde. etlich hAvt rych gemachet wuocher
N. v. Wyle
translat. 67, 25
K.; ich wils ein wenig vom
gr. här nemmen.
repetam paulo altius J. Maller 194
r b; auch bezeugt solchs, das aus malens grund die erst egyptisch schrift entstund Fischart
bibl. historien 270, 7
Kurz; daher öfter parallel mit ursprung: (
die von der leber ausgehende ader heiszt) gruntâder, dar umb, daz diu leber ain grunt ist und ain ursprinch des pluotes Konr. v. Megenberg
buch d. natur 37, 5
Pf.; vom rächten
gr. und ursprung här nemmen.
a capite arcessere J. Maaler 194
r b; (
das göttliche licht) hat weder
gr. noch anfang Jac. Böhme 4, 6; der schall seines worts ward
gr. und wurzel jeder menschlichen seele Herder 26, 341
S.; von hier aus ist gr. als bezeichnung gottes in der mystik zu verstehen: aber da in dem einvaltigen úberweslichen grunde ist der gereht mensch nút der lipliche mensch, wan es ist kein liplichkeit in der gotheit H. Seuse
dtsche schr. 157, 24
Bihlm.; die entwicklung der bedeutung beleuchtet z. b. die stelle: wir sint uz dem selben grunde heruzgeflossen, und mit allem dem daz wir sint, so gehörent wir rechte in das selbe ende und wider in den selben grunt Tauler
pred. 81, 13
Vetter. IV@B@33)
der begriff des anfangs tritt hinter dem des wesentlichen völlig zurück; gänzliche abstraction, infolge dessen fast ausschlieszlich sing.; oft stellt sich das bedürfnis ein, die besondere bedeutungsschattierung durch ein synonymon zu kennzeichnen. IV@B@3@aa)
hauptsache: darumb wil ich greifen zum grundt und darbringen, daz die mesz das war opfer ist Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 457
R.; peto vel premo iugulum, ich dring oder treib hart auf den
gr., oder haupthandel Er. Alberus 29
b; der
gr. und hauptartickel daran die sach gelegen ist.
columen actionis J. Maaler 194
r b;
auch '
hauptinhalt': die den grunt der gantzen comedien haben wöllen
Terenz deutsch (1499) 10
a;
argumentum, das ist der grundt des nachfolgenden buchleins Reuchlin
erste olynth. rede 6
ndr.; das und vil anders mêr schreibt kaiser Ludwig ... ich hab auf das kurzist nur den grunt gesetzt, daraus der ganz handel wol verstanden mag werden Aventin
bayer. chron. 5, 466, 15,
wo die urspr. bedeutung von gr. setzen
noch lebendig ist; vgl. ib. 496, 5.
inbegriff: dan der grundt aller geschrift ist 'liebe goth und dynen nehsten' Luther 9, 155, 17
W.; du wirst bald bekennen — dasz in mir allein ist aller schönheit grund Weckherlin
ged. 731
F.; denn eigentlich ist doch der
gr. und das a und o aller kunst hier (
in Italien) noch aufbewahrt Göthe IV 8, 250
W. IV@B@3@bb)
innerstes wesen, kern: substantia wesenkait, grunt Diefenbach
gloss. 561
c; dieweil aber diese unsere fürstin in schwebenden ... miszbräuchen gleichwol den grundt unsers ... glaubens fest behalten Rätel
Curäi chron. (1607) 75; so hat die verschiedenheit nur das zufällige und niemals den
gr. der sache betroffen Ramler
einleit. in die schön. wiss. 1, 83; der pöbel ... würde sich durch eine schöne seite (
des lasters) bestechen lassen, auch den häszlichen
gr. zu schäzen Schiller 2, 6, 11
G. (
räuber, vorr.);
aus deutlichkeitsgründen oft in pleonastischer verbindung: das ist der
gr. und gantzes wessen der ehe, das sich eyns dem andern gibt Luther 2, 168
W.; die ... wider den
gr. und die natur der sprache selbst laufende falsche schreibahrt Zesen
verm. Helicon (1656) 1, 96; (
die Australier sind sich) über den
gr. und kern ihrer religiösen vorstellungen sehr im unklaren Ratzel
völkerkunde 2, 86;
gern präpositional: alles grosze unheil ist seinem innersten grunde nach eine ernsthafte fratze Fr. Schlegel im
Athenäum 1
2, 106. IV@B@3@cc)
bei gegenständen des wissens und könnens das wissen um das wesentliche eines gegenstandes, gründliche kenntnis; den rechten
gr. wissen wollen
volerne saper' il proprio, il fondamento M. Kramer
teutsch-ital. 2, 274
a; daz tummer man ze lange sait hie von (
v. d. dreieinigkeit), der niht des grundes wais Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 10445; deszgleichen auch ander sprachschriften mit rechtem schreiberischen
gr. zu gestalten Fischart
Garg. 277
ndr.; häufig von der medizin: dann wölcher artzt kan guoten grund, der macht sich billig selbst gesund Schwartzenberg
teutsch Cicero (1535) 133
r;
personifiziert: yzt kompt der artzeney ein grund H. Sachs 9, 29, 16
Keller; ähnlich: die rächten grund und griff eines redners Frisius 82
b;
gern neben haben: als wie es zugehe mit dem donner, mit dem regenbogen ..., davon niemand einen
gr. haben mag J. Agricola 750
teutsche sprichwörter (1534) z i
a; der seinen spiesz wol brauchen kundt, hett auch desz kriegens satten grund Spreng
Ilias (1610) 211
b; und laszt sich doch sin werck ansehen, als ob er der alten geschichten wenig
gr. gehept Tschudi
chron. helvet. 1, 158; ich habe der sachen keinen
gr.,
de causa mihi non liquet Kirsch
cornu copiae 160
b;
vgl. ik heff den rechten
gr. dor ni von '
die sache ist mir nicht klar' Mensing 2, 501
a;
vielfach parallel mit synonymis: die heyden von der heyligen geschrift keinen grundt, auch vom waren gott kein bericht gehabt Lorich
wie junge fürsten ... underwisen mögen werden 11; (
der '
suchende',) welches kunst und grund allein manches teutsches hertz ergetzet Rist
Parnasz 464; ohne
gr. und eigendliches wissen von dieses herrlichen ordens rechter beschaffenheit Neumark
teutsche palmbaum (1668) 36; mein sinn ... ist dieser von wahrheiten, wahrscheinlichkeiten,
gr. und guten erkänntnissen das nöthige ... einfältig anzunehmen Zinzendorf
bedenken u. besond. sendschreiben (1734) 53;
gelegentlich noch abstracter '
gründlichkeit': welche ihre krieg, leben und wesen mit fleisz und grundt beschrieben Reuter v. Speir
kriegsordn. a 2
a;
noch etwas anders '
gehalt, gewicht': es redet der von Frundsberg mit einem solchen grundt und ernst, dasz er einen stein solt bewegt haben Adam Reiszner 105
a. IV@B@44)
aus dem begriff '
das wesentliche eines dinges'
entwickelt sich der andere '
die wahre, wirkliche beschaffenheit eines dinges',
auch ganz abstract '
das richtige, wahre, die wahrheit'.
gegentheil ungrund
mendacium, falsum Stieler 710
b.
auf alem. boden besonders entfaltet. IV@B@4@aa)
öfter durch adjectiva wie wahr, recht
genauer bestimmt: (
dialectica) gêt kurz dem wârn
gr. nach, lernt denselbigen suechen Aventin 4, 426, 7
L.; ich in inen (
den zeugnissen) allein finden mag ainen wAvnlichen schatten gantz alles wAvren grunds mangelnde
N. v. Wyle
translat. 173, 24
K.; vgl. (
in anlehnung an I A 4 a) damit noch mehr ... den falschen weg verlassen und wahre gründe fassen Heinichen
generalbasz bl. 6
v; den liesz der voyt fangen, im fürsatz an im zuerkundigen etwas grunds der bäurischen anschlegen ... halben Stumpf
Schweizerchron. (1606) 343
b; gedicht und traum eines wachenden, ohne gewiszheit und
gr. Lehmann
florileg. polit. (1662) 2, 624;
meist neben bestimmten verbgruppen: wirt mir der âventiure grunt von dir durnehteclichen mit gesange kunt
Lohengrin 1074;
vgl. 2277; merkt hie den rechten grunt der fremden abenteur H. v. Sachsenheim
spiegel 171, 38;
vgl. sleigertüchl. 216, 37;
auch nd.: latet ene nu in desser stunt uns wytlyk doen de rechten grunt
Reinke de vos 2118;
danach Göthe: lasst uns je eher je lieber den grund der geschichte vernehmen 50, 57
W.; ich wil üch singen den rechten grund, wie die eidgnoschaft ist entsprungen
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 4, 3; feindes mund redt nie kein
gr. Friedr. Wilhelm
sprichw. reg. (1577) d
α,
nr. 9; mich dünkt, in seinen reden ist viel grund
Shakespeare 2, 90;
über gr. haben
s. u.C 5 a; leg dich nit uf zwyfelhaftige ding, bis du den
gr. erfindest
buch d. beisp. 6
lit. ver.; darnach sichst du an den
gr. der bruoderschaften, der nüt anders ist weder ein geltkleb Zwingli
dtsche schr. 1, 321; der verdacht, weil er mehr auf den euserlichen schein als auf den
gr. siehet Lohenstein
Armin. (1689
f.) 2, 133
b;
auch in heutigen alem. maa.: i woasz da gwiesa
gr., dasz ... Fischer
schwäb. 3, 872; mins herz hät
gr. und mins mul hät oich
gr. '
was ich fühle und rede, ist wahr' Staub-Tobler 2, 770;
vgl.es ist grund-so '
wahrlich so'
ebda. IV@B@4@bb)
gr. der wahrheit
namentlich im 16./17.
jh. sehr häufig, zumal im alem.; im 19.
jh. aussterbend. die bedeutung '
grundlage'
scheint den ausgangspunkt der formel zu bilden; vgl. wer sich vliszet an den grunt der worheyt
qui fundamento veritatis innititur geometr. Culm. 14
b Mendthal; mit
gr. der wahrheit '
der wahrheit gemäsz'
ist das eigentliche geltungsgebiet der formel: so soll sich, ob gott will, mit
gr. der warhait befinden, dasz ...
städtechron. (
Augsburg c. 1565) 32, 291;
meist verba dicendi: welches wir mit
gr. der wahrheit reden Thurneyszer
magna alchymia (1583) 134; kan ich selbige (
bibliothek) mit
gr. der wahrheit rühmen, dasz sie fürtrefflich ist Menantes
allern. art höf. zu schreiben (1718) 353; es hat jemand mit groszem
gr. der wahrheit behauptet, dasz ... G. C. Lichtenberg
verm. schr. (1800
f.) 1, 159;
selten nach: das kain underthon seiner obrigkait künn behebliche zeügknusz geben nach grundt der warhait Joh. Nas
antipap. eins und hundert 2, 152
a.
andere formen des gebrauchs sind seltener: wir wöllent üch des (
hierüber) grunds der warheit berichten Staub-Tobler 2, 770 (
a. 1521); darf ich, dein freund, mit dir jetzund, wie vor, reden der warheit grund? Spangenberg
griech. dramen 2, 131
Dähnhardt; als hüt etlich on allen
gr. der warheit reden gdörend Zwingli
dtsche schr. 1, 264;
gelegentlich hat die formel einen stärkeren sinngehalt: der alleine ist, so solche worte redet, der wahre mund und
gr. (
inbegriff) der wahrheit selbst Schweinichen
denkw. 3
Ö.; forsch alles (
in diesem buche) fleiszig ausz, du wirst mit mir bekennen hier sei der wahrheit grund, nicht ein gemeiner tand Rist
Parnasz 131. IV@B@4@cc)
dasz die formel mit gr. '
wahrheit'
zusammengebracht wurde, lehren fälle wie: wirt ... ins Turgow gerechnet, die doch im
gr. der warheit beide im Zürychgöw ligen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 345
a (
genau = im grunde '
in wahrheit',
s. u. 5 a
δ); und was ir wissen seit in rechtem gründ und der warheit H. Sachs
fabeln u. schwänke 4, 68
G.-D.; 'ich beicht dir all meine sünde'. sie sprach: 'verschweyge nichts, sage mir den rechten grundt und warheyt!'
V. Schumann
nachtbüchlein 36
B.; diese coordinierende umformung im 16.
jh. ziemlich häufig; später gelegentlich umgedeutet (
nach C): und sodann (
werde ich) ... den
gr. und wahrheit meiner verflossenen thränen ... erzehlen
mediz. maulaffe (1719) 14. IV@B@55)
die bedeutungsschattierungen von '
anfang'
bis '
kern, wesen, wahrheit'
auch in präpositionalen wendungen. IV@B@5@aa) im grund;
abgesehen von einem specialfall (
s. u.δ)
reichen die belege nicht über das 17.
jh. hinaus; später nur ganz vereinzelt: so willst du mich denn ganz im grund vergiften Schiller 6, 197
G. IV@B@5@a@aα)
im älteren nhd. sehr häufig bei verben der geistigen thätigkeit '
gründlich, genau' (
entsprechend 3 c): diese zwitrechtigkeit (
zwischen Welfen und Ghibellinen) haben in dem grunt ersucht alle hochgelert man Sigm. Meisterlin
in städtechron. 3, 102, 15; doch bringen sie (
diese worte) so viel mit, wo man sie im grunde ansihet Luther 3, 427
Jena; wann ir die sach im grundt erwegen Wickram
w. 1, 297
B.; die ir im grund nicht wisset, wie gott nach seinem wolgefall sein hoch genad auszmisset Ringwalt
handbüchlin a 10
b; du hast verstanden kurtz und rund der Griechen meinung in dem grund Spreng
Ilias (1610) 91
b; gott und sich im grunde kennen, ist die höchste witz zu nennen Logau
sinngedichte 243, 79
E.; sölich aber falsch, kein im grunde gelert frum leut thuon würden Lorich
wie junge fürsten mögen underwisen werden 95; der teutschen sprache im
gr. erfahrne Leibnitz
dtsche schr. 1, 466. IV@B@5@a@bβ) '
im kerne'
bei qualitätsbezeichnungen: der baum im grundt und wurtzel muoss entwicht sein, weil er so lose, böse frücht bringt Joh. Nas
antipap. eins und hundert (1567
ff.) 2, 184
b;
namentlich beim menschlichen charakter: dieser spitzknecht, eyssenbeiszer oder lotterbuben gebrauch, art und sitten ist im
gr. nichts wehrt Fronsperger
kriegsbuch 1, 111
a; (
einer ist durch und durch schlecht), der ander ist im
gr. fromb, gerecht Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 246; wer gegen sein gesinde gut ist, ist meistens im grunde gut Lichtenberg
verm. schr. (1844
ff.) 4, 68; wo weisz ein sterblicher, wie böse er im grunde ist, wie schlecht er handeln würde Lessing 2, 359
M.; nur in dieser verwendung hat sich die formel bis in die moderne sprache gehalten, weil sie sich hier eng berührte mit im grunde '
in wahrheit' (
s. u.δ): im grunde sind es gute leute, man musz sie auf diese weise austoben lassen Schnitzler
gr. kakadu (1899) 132. IV@B@5@a@gγ) '
in den anfängen, im kern'
wird zu '
gänzlich, völlig'
; gern bei verben negativer bedeutungsrichtung: durch sein wunderbarlich ausdärrung nimpt es die gantz kranckheiten ... im grundt und ursprung Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 119
c; dardurch mag dem schmertzen im
gr. abgeholfen werden Gäbelkover
arzneib. (1595) 1, 8;
besonders häufig bei vernichtung von städten, wo die formel ihre grundbedeutung wieder hervorkehrt und in concurrenz mit in den
gr. tritt (
s. o. II B 3 a): sonder er wolte die statt im grunde umbkehren
buch d. liebe (1587) 218
d;
an. 1376. ist Schwäbischen Haal im
gr. auszbrunnen Stumpf
Schweizerchron. 105
a; bisz die glübdbrüchig statt mit grausz gar wurd im grund getilget ausz Spreng
Ilias (1610) 35
b;
öfter in zusammenhängen wie: ir hört wol, wie das gmein volck klagt: und ich sag, es sey im grund war Ayrer
dramen 1, 138, 30; es ist lauter teutscherey und im grund erlogen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 384
a;
anderes gelegentlicher: wen du im schendst syn gantz geschlecht, in und all syn fründt im grundt Murner
narrenbeschw. 47, 43
ndr.; sonder beruf die knecht zu stund halt ihnen für die noth in grund Spreng
Ilias (1610) 27
b; ich sprach, mein mund will gott im grund all ubelthat erzehlen L. Vollbrächt
bei Fischer-Tümpel 5, 181
b. IV@B@5@a@dδ) '
in wahrheit, in wirklichkeit' (
entsprechend 4);
heute der herschende gebrauch; gegensatz ist der äuszere schein: daz were ware demütekeit sunder alle glose, und nút in den worten oder in dem schine, sunder in der worheit und in dem grunde Tauler
pred. 75, 31
Vetter; doch war es (
das klagen um Patroclus) nur ein schein darneben, im grund bewainten sie vilmehr ihr eigne not und trübsal schwer Spreng
Äneis 273
b; sie ging ... ihrem sohne entgegen, scheinbar eine träge kuh anzutreiben, im grunde aber, ihm einige rasche ... worte zuzuraunen Droste-Hülshoff 2, 271
Schücking; auch ohne so ausdrückliche gegenüberstellung bleibt der äuszere schein der gegensatz: dise reformation, die obgleych Jesus an allen bletern oben an gemalt, ist sie doch ym
gr. ... anderst nichtzit dann des teufels gesphenst Luther
und Emser
streitschr. 1, 17
Enders; ist doch im grundt kein fleisch, sondern mehr ein zusammen gebackter lucker schwamm Wirsung
arzneib. (1588) 538
c; die jungfer, die hier liegt, war jungfer nicht im grunde Logau
sinngedichte 392
E.; daher mit vorliebe, wo es sich um gleichsetzung dem scheine nach verschiedener dinge handelt: im grunt ists ein ding, die näm werden nur ... verändert Aventin 4, 104, 24
L.; ob gleich im grunde mit dem einen so viel gesagt ist, als mit dem andern J. E. Schlegel
w. 3, 399; die gelehrsamkeit war im grunde wenig von der des früheren zeitraums unterschieden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 118; wie ähnlich im letzten grunde motiv und bau dieser beiden dramen Schillers ist G. Freytag
w. 14, 13;
plastischer (
mit rückgreifen auf B 1 '
grundform'): wie die malerei Mengs und Dietrichs schon im rohesten grunde auf dem rothbemahlten schilde Hermanns glänzte Herder 5, 142
S. wo ein gegensatz gegen den äuszeren schein nicht mehr deutlich ist, bekräftigt im
gr. doch das nicht unmittelbar einleuchtende und augenfällige; daher gleichbedeutend mit '
genau betrachtet, genau genommen': und wem schmeichelts doch im grunde nicht, sich gar so werth und theuer, von wems auch sey, gehalten fühlen Lessing 3, 164 (
Nathan 5, 6)
M.; im grunde schien Mariane zur lehrerinn so wichtiger wissenschaften nicht eben geschickt zu seyn Nicolai
Seb. Nothanker 1, 176;
gesteigert: wir möchten ... auf die falschen, krankhaften und im tiefsten grunde heuchlerischen maximen derb und unerbittlich losgehen Göthe IV 28, 109
W.; seit dem 18.
jh. verblaszt auch das: wir wären doch im grunde recht übel angeführt, wenn der geist ausbliebe I 22, 190; wir waren im
gr. alle froh, diese einöde zu verlassen Ulr. Bräker
sämtl. schr. 1, 54; wie gar nichts er im grunde an mir habe Mörike 3, 55
Göschen. im grunde genommen
erst seit dem 19.
jh.: und daraus konnte ich mit recht schlieszen, wie er im grunde genommen damit einverstanden sei, dasz ... E. Th. A. Hoffmann 1, 249
Gr.; bei ihrer im grunde genommen ganz auf wirtschaftlichkeit ... gestellten natur Fontane I 5, 19. Campe
erklärt wb. 2, 469 in grunde
für die bessere form, wohl im gedanken an von grunde;
doch ist das nur vereinzelt überliefert: ain vorschwester (
im kloster), war aber in grund ein glatter, junger gesell gewest
zimmer. chron. 3, 436, 10. IV@B@5@bb) aus dem grunde
steht vielfach in parallele oder concurrenz mit im grunde;
das ursprüngliche '
vom fundament ab'
erscheint in älterer sprache noch: an der münsterkilchen ..., die abt Embrich nach der brunst von nüwem usz dem grund anfieng buwen Äg. Tschudi
chron. helvet. 1, 12; die mauern wurden aus dem äuszersten grunde wohl aufgeführt Weise
drei ärgsten erznarren 6
ndr.; in der regel aber übertragen '
von den anfängen ab, gründlich'. IV@B@5@b@aα)
wie im grunde
vorwiegend bei verben geistiger thätigkeit im weitesten sinne; zuweilen noch mit sinnlicher anschauung: deren viel und mancherley hierinnen gantz ernstlich ... ausz dem rechten grund her geführet, beschrieben ... werden
theatr. diabol. (1569)
vorr. 3
b;
die wendung ist alt: he vragede ersten ût de grunt den kater van den musen
Reinke de vos gl. 1, 12;
aber bis ins 17.
jh. nur spärlich belegt: der wird üch brichten usz sim mund des anfangs trom, end usz dem grund
schweiz. schausp. des 16. jh. 3, 63
Bächtold; und ausz dem grund bewisen sie, dasz kein weiser solt freyen nie Fischart
anweisung z. Ismenius 377, 9
H.;
die belege häufen sich erst mit dem 17., 18.
jh.; aus dem grunde
löst das ältere im grunde
ab, das im 18.
jh. ganz selten ist: es (
das mädchen) weisz sein christentum aus dem grunde und in dem grunde Lenz
ges. schr. 1, 10
Tieck; z. th. dieselben verba wie bei im grunde: das sol mein Ephraim gar bald erfahren und mich dergestalt recht aus dem grund erkennen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 381
b; es ist die weiszheit, die kein mann recht aus dem grunde wissen kann P. Gerhard
ib. 426
a; viele, die von der kirchenhistorie aus dem grunde geschrieben, haben dennoch den Altheimischen synodum übergangen Hahn
histor. (1721
ff.) 2, 21
not. a; auch von den allerschweresten hypothesibus künstlich und aus dem grunde disputirn Rätel
Curäi chron. 262; einen eigenen curirer ..., mit welchem ich zuvor von dieser sachen auszm grunde mündliche unterredung halten ... könte
acta publ. 2, 311
P. die der modernen sprache geläufigste verwendung neben verstehen
erst im 18.
jh. recht entfaltet: du es einmahl recht aus dem grund verstündest Spee
güld. tugendb. vorr. ** 3
b; ja das hauswesen verstehet mein weib aus dem grunde
ollapatrida 140, 11
Wiener ndr.; jung auch bei untersuchen, studieren, lernen
u. ä.: des verfassers vorhaben, die natur der poetischen mahlerey aus dem grund ... zu untersuchen Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 4; sein zweck war, die medicin auf einer universität aus dem grunde zu studieren Jung-Stilling
schr. 1, 254. IV@B@5@b@bβ)
bei einer reihe negativer verba, die ein beseitigen ausdrücken (
hier trifft sich die formel mit von
gr. aus,
s. o. A 4 c
β): so aber der prästen widerum kompt, so soll mans mit ... eynem scharfen schärlin fein subtil ausz dem grund abschneiden Sebiz
feldbau (1579) 154; in welcher (
stellung) man so lange fest zu stehen vermöchte, bis die eingerissene schwierigkeit ausm grunde widerumb gehoben würde v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 104; die nachdrückliche art ..., mit welcher er sie (
die zweifel) nicht blosz zu verkleistern, sondern aus dem grunde zu heben sucht Lessing 7, 12, 21
M.; gelegentlich auch mit der bedeutungsschattierung von 4 a
δ: eine solche cur, dadurch die kranckheit nicht ausz dem grund gehoben, sonder nur zum schein geheilet wird Blancard
med. wb. 430;
je länger je mehr zur bloszen quantitätsbezeichnung verblassend: und die mehrsten ... haben sich ohnehin dabei das othemholen aus dem grunde abgewöhnt Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 194;
namentlich zwei gruppen von verben: verderben, vertilgen: nun ist es zeit, jetzt ist die stund, sie (
die lutherischen) zu vertilgen aus dem grund Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 105; wir haben es an nichts fehlen lassen ..., das drama aus dem grunde zu verderben Lessing 10, 30
M.; später meist beschränkt auf menschen: nachdem sie (
Lydia) aus dem grunde verdorben war Göthe 23, 52
W.; heilen: der saft ... heylet den aussatz ... ausz dem grund Sebiz
feldbau (1579) 216;
im älteren nhd. sehr häufig; eine arznei ..., die aus dem grunde curiert Göthe 23, 303
W.; bei Göthe
auch in anderen verbindungen positiven charakters: doch kann ich völlig zufrieden seyn, meine entzwecke aus dem grunde erreicht zu haben IV 8, 332; wie glücklich fühlt man sich, wenn man einmal mit
gr. etwas aus dem grunde loben kann IV 20, 297
W. IV@CC. grund
ist das, woraus die existenz eines dinges folgt (
daher sagt man grund und folge,
aber ursache und wirkung).
die logik fordert: ein jeder satz musz einen
gr. haben und ein jedes ding musz einen
gr. haben Kant 3, 327
H. und spricht demgemäsz von dem satze vom grunde, welcher allem erkennen zu grunde liegt Dilthey
einl. in d. geisteswissenschaften 1, 55. Schopenhauer
hat in der abhandlung über die vierfache wurzel des satzes vom zureichenden grunde (
w. 1, 11
Gr.)
statt der üblichen zweitheilung in erkenntnis- und realgrund (
s. o. Kant)
vier erscheinungsarten des satzes aufgestellt; an seine eintheilung lehnt sich die folgende darstellung an, unter verzicht auf die nur für die apriorischen formen der anschauung gültige ratio essendi. die neue bedeutung hat sich entwickelt aus gr. '
fundament',
aber nicht einheitlich; vielmehr konnten verschiedene aus '
fundament'
abgeleitete bedeutungsrichtungen in die bedeutungen causa, ratio ausmünden. im späten mhd. erst ansätze dieser entwicklung, die namentlich in der sprache der mystik nachzuweisen sind (
vgl. die oben I E 6
citierte untersuchung von Herm. Kunisch
s. 24
ff.);
erst seit dem 16.
jh. die abklärung zu völliger abstraction, erst seit dem 18.
jh. die weite ausbreitung, die die begriffe in der modernen sprache zeigen; von den dialekten nicht gleichmäszig aufgenommen: im elsäss. z. b. ist gr. '
ursache'
selten Martin-Lienhart 1, 278. IV@C@11) grund
des seins und werdens (
realgrund; vgl. ratio fiendi).
die causalität bedingt den zusammenhang zwischen realem gr. und realer folge: dasz eine so grosze fruchtbarkeit (
an folgen) in dem wesen eines so einfachen grundes (
wie das dasein einer atmosphäre) liege Kant 6, 55
H.; verloren ist nichts ... nur das auge vermag nicht des grundes unendliche folgenkette zu übersehen Bettine
Günderode 1, 7.
am frühesten für das letzte glied der causalität, gott, als den gr. alles vorhandenen: du bist der elementen grunt H. v. Neustadt
gott. zuk. 7424
Singer; da man verwunt des himels grunt (
Christus) spöttleichen schaut Osw. v. Wolkenstein 120, 55
Sch.; bis ins 18.
jh. sehr gebräuchlich: o gott! du bist allein des alles grund Haller
ged. 153
Hirzel; von hier aus ist gr. zum philosophischen terminus für das letzte princip geworden: befehlt ihm ... nicht etwa nur das urwesen, den
gr. alles daseyns, aller kräfte und ordnung, ... sondern seinen eignen verstand zu schaffen Herder 22, 5
S.; dasz ein luftkreis existirt, kann gott als einem moralischen grunde beigemessen werden Kant 6, 55
H.; die welt wird ihrem grunde entgegengesetzt. der
gr. ist die eigenschaft der welt und die welt die eigenschaft des grundes. gott heiszt
gr. und welt zusammen Novalis 3, 273
Minor; vgl. du sollst mir den
gr. der dinge, die geheimen springfedern der erscheinungen der physischen und moralischen welt eröffnen Klinger
w. 3, 54; man wird in ein düsteres grübeln hineingelockt über vorsicht, schicksal und letzten
gr. aller dinge Stifter
w. 3, 7; die letzten gründe der dinge Hebbel 11, 6
W.; vgl. eine spekulative untersuchung über die letzten gründe des rechts Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 58.
erheblich jünger ist die allgemeinere form des gebrauchs: der
gr. der harmonie entdeckte sich im bau der körper selbst, in den jeden erklungenen ton begleitenden mittönen Herder 22, 66
S.; sieht man ... die ausübung der meisten tugenden nicht nur als pflichten, sondern auch als den
gr. unseres wohlergehens an S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 1, 42; jene einfachheit der substans wird nicht vorausgesetzt, als sey sie der wirkliche
gr. der seeleneigenschaften Kant 2, 518
H.; überhaupt nimmt der verfasser auch die furcht und den bürgerlichen contract als den ersten
gr. der staaten an K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1, 63; das dogma ... ist herausgerissen aus seinem zusammenhange mit der tatsächlichen welt, in der es den
gr. ... seiner existenz ... fand Jhering
geist d. röm. rechts 1, 48; dieser mann war von einer sehr zornigen natur; statt aber den
gr. davon in sich zu suchen Aurbacher
volksbüchl. 76. IV@C@22) grund
des handelns (
motivation; vgl. ratio agendi);
hier handelt es sich um eine durch den geist des menschen hindurchgehende causalität; also ein specialfall des vorigen. als '
beweggrund'
am frühesten nach aus;
darin zeigt sich der ursprung der abstracten bedeutung, die vorstellung '
von einer grundlage, einem ausgangspunkte aus' (
s. u. 5 c
β);
ohne die präp. aus
erst seit dem 18.
jh. voll entfaltet: aber wenn man ... einen namen verschweigt, so musz ein
gr. vorhanden seyn J. J. Schwabe
belust. 1, 167; wann du der thaten grund uns würdigest zu lehren, dann werden alle dich, o vater, recht verehren Haller
ged. 142
Hirzel; ich hasse dich, Sabin; doch weis ich nicht weswegen: genug, ich hasse dich. am grund ist nichts gelegen Lessing 1, 12
M.; enthülle den
gr. deiner verfolgung, den neid Herder 27, 325
S.; vorher selten ganz abstract: dir (
Fortuna) ist gnugsam kund der
gr. meiner ... bemühungen und rathschläge; den zweck meiner welterstreckenden hoffnung weist du gar wol Schottel
friedenssieg 175, 21
ndr.; ältere anwendung beruht gewöhnlich noch auf der sinnlichen vorstellung (
gr. =
grundlage): geitigkait ist ain
gr. der weibischen sünden Albr. v. Eyb
spieg. d. sitten (1511) B 5
a; der wuocher ist ain starcker
gr. des unersettlichen geitzes der pfaffen Jac. Strausz
haupst. wider den wucher (1523) 2
a. IV@C@33) grund
des wahren (
logischer gr.;
vgl. ratio cognoscendi).
gr. regelt, beschränkt auf die klasse der abstracten vorstellungen, den zusammenhang des denkens; die entwicklung dieser bedeutung vollzieht sich wesentlich im 16.
jh.: ich befind drey starcke
gr., ausz wilchenn mich angreyfet das ... buchle des romanisten von Leyptzick. der erst und aller sterckist, das er mich schiltit eynen ketzer ... der ander
gr. ... ist naturlich vornunft ... der dritte
gr. ist ausz der schrift genommen Luther 6, 290; 302
W. gemeint ist also '
argumente, mit welchen',
aber die vorstellung von gr. als '
grundlage, ausgangspunkt'
ist noch so deutlich, dasz sie die präpos. aus
rechtfertigt; ich frag nach dem
gr. yhrer meynung ausz der heyligen schrift, so faren die lieben larven eynher. und an statt des grunds zeygen sie an, was sie hallten 9, 717;
vgl. zur bedeutungsentwicklung ferner gr. des glaubens,
gr. der schrift,
oben A 2 c.
zunächst '
erkenntnisgrund',
der die voraussetzung jedes urtheils bildet: auch die schwermer yn so viel falschen lügen und grundlosen gründen drüber ergriffen sind Luther 26, 147
W.; 'du hast unsterblichkeit im sinn; kannst du uns deine gründe nennen?' Göthe 3, 278
W.; männer richten nach gründen, des weibes urtheil ist seine liebe Schiller 11, 187
G. der erkenntnisgrund wird zum '
beweisgrund'.
wo es sich um die logische entwicklung eines urtheils, namentlich andern gegenüber, handelt: argumenti ragioni grundt ein ding damit zu bewehren und wahr zumachen Hulsius (1618) 2
a;
argumentum gr., zeygung Orsäus
nomencl. method. (1623) 12; wenn wir der wahrheit ehnlichen gründen weichen ..., das ist uberredung Comenius
janua (1638)
cap. 358; ich habe wider die gründe, die man zu dem ende anführet, nichts einzuwenden Liscow
satyr. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 51; wird es ihm niemals an gründen und autoritäten fehlen sie (
die meinung) geltend zu machen Ramler
einl. in d. schön. wiss. 2, 76; welches ein verdrieszlicheres geschäft sey: die lichter putzen oder weiber durch gründe zu belehren Börne
schr. (1829
ff.) 6, 6; wenn gründe so gemein wären wie brombeeren
Shakespeare 1, 261;
danach: bei dir wachsen wirklich ... die gründe gemein wie die brombeeren Immermann 2, 116
B.; gegensatz ist '
gewalt': hier (
im kampf der sprachen) wird nicht mit gewalt gestritten sondern mit gründen A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 6; wo-me
n keini gründ hed, brucht-me
n d' füst Staub-Tobler 2, 774;
oder '
thaten': dir beweisen gründe nichts, man musz mit thaten kommen Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 23; mit gründe cha
nn me nid stöck spalte
n '
man soll nicht räsonnieren, sondern hand anlegen' Staub-Tobler 2, 774;
oder '
wortgeplänkel': auf beyden seiten sind die waffen mancherley: bald gründe, bald nur witz und leichte spötterey Uz 267
Sauer; verstärkt: verknüpft die beweiszthumbs gründe und folgerungen scharfsinnig in schluszformen Comenius
janua (1638)
cap. 750; der
gr. des beweises
beweisgrund Kant 8, 60
H. IV@C@44)
die bedeutungen 1
und 2
können dadurch variiert werden, dasz gr. und folge nicht rein objectiv, sondern als ein berechtigendes und berechtigtes in beziehung gesetzt werden; meist in festen formeln wie gr. haben, finden, es ist
gr.,
gr. liegt vor
u. ä.; erst seit dem 18.
jh. häufig: ich wil nichts damit sagen, als dasz ich noch zu wenig
gr. habe, die allgemeinheit meines urtheils ... um ihret willen einzuschränken Lessing 2, 54
M.; das volk ... fand nunmehr an seiner sieghaften klugheit ... neue gründe, ihn zu verehren Haller
Usong (1771) 16; er mag gründe haben, es kann eigensinn sein Klinger
w. 1, 205; auch wenn sie ihn nicht kennten, so ist aller
gr. zu glauben Stifter
w. 1, 129; welchem grunde zufolge hr. H. imer statt des konsonanten j den vocal i schreibt A. W. Schlegel 11, 5;
mit vorliebe negativ: darab were zuo mercken, dasz sein fürnemen ausz muotwillen und boszheyt geschehe, und keynen grung auf im trüg Carbach
Livius (1551) 47
r; wer wird ... solchen grillen nachhängen, die doch eigentlich gar keinen
gr. haben E. Th. A. Hoffmann 12, 17
Gr.; zur entschuldigung war kein
gr. A. v. Arnim 9, 39
Grimm; dasz mit den armen und elenden leuten irgend etwas nicht richtig sein ... müsse und jedenfalls kein
gr. vorliege, sie zu bemitleiden R. Huch
triumphgasse (1902) 5. IV@C@55) grund
ist in seiner zusammenrückung mit gewissen verben, adjectiven und sinnverwandten substantiven, sowie in seinen vielfältigen gebrauchsformen nicht immer an eine der angeführten specialbedeutungen gebunden; deshalb müssen diese fälle, die gutentheils auch für das verständnis der bedeutungsentwicklung wichtig sind, gesondert behandelt werden. IV@C@5@aa)
gr. haben
mit sächlichem subject; auch im älteren nhd. schon verbreitet; aber der ausgangspunkt '
grundlage'
ist oft noch deutlich spürbar gegenüber dem abstracten modernen gebrauch; vgl. dasz diese antwort keinen fusz noch
gr. habe J. Badius
gründl. ableinung (1592) 38;
bedeutung '
richtig sein, wahr sein' (
vgl.B 4),
dann auch '
berechtigt sein' (
s. o. 4): du fürstin sprach: 'das haut nit grunt ich vörcht, die urtail sy verlorn' H. v. Sachsenheim
mörin 1920; das aber etliche bucher von dem Habacuc melden, er habe ..., hat widder
gr. noch schein (
ist weder wahr noch wahrscheinlich) Luther 19, 354
W., mein juncker, komt zu diser zeit der abt, hat die kundschaft ein grund? H. Sachs 21, 5
K.-G.; zu Quinsay hat es birnen, die wägen auf zehn pfund; es wird davon geschrieben, hats aber auch wol grund? Logau
sinnged. 655
E.; ew. excellenz sage gehorsamsten dank für die mittheilung
gr. habender neuigkeiten Göthe IV 19, 176
W.; manche hängen gerne die silbe en an wörter, die auf lich endigen, an: ... welches aber gar keinen
gr. hat Gueintz
d. rechtschr. (1666) 24; wenn eine vermutung ...
gr. hat und harz dem pech gleichsteht Jac. Grimm
kl. schr. 3, 136; wat wie schwatzet, hiät gründe, drümme kannt de ganze welt wietten Bauer-Collitz 189
a;
ähnlich: es hat einigen
gr. est aliquid; es hat keinen
gr., was er sagt
nihil est quod dicit Steinbach 1, 649.
gr. vor sich haben '
recht, die wahrheit auf seiner seite haben' Krünitz 20, 255; alle neuern versicherungen des goldreichthums von ... Habesch haben keinen in den quellen bestätigten
gr. für sich Ritter
erdk. 1, 249.
dazu die adjectiva gut
und schlecht: das warhaftig die bebstlich gesetz ... kein guoten
gr. haben H. v. Cronberg
schr. 5
ndr.; ob diese muthmaszung aber einen guten
gr. habe, ... wird ... gezweifelt Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 92; dein red, o liebe hätz, hat schlechten grund, ist nur geschwätz W. Spangenberg
ganskönig 1, 252
M. seinen guten
gr. haben
erst mit dem 19.
jh. häufiger: das hatte aber auch seinen guten grund O. Ludwig
ges. schr. 2, 81;
öfter plural: dasz ich ... keine langen briefe von dir erhalten will, das hat seine guten gründe Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 128;
seltener persönlich: nun sie muszten wohl ihre guten gründe gehabt haben Gaudy
s. w. 2, 83.
gr. haben in;
ursprünglich '
grundlage': ich briefschribender art (die zuo guotem teil ... in der rhetoric reglen grundt hat) zepflegen mich üb Riederer
rhetoric (1493) a 3
a;
frühzeitig spielt '
beweisgrund'
hinein: aber das juden fasten ... hat kein
gr. in der geschryft Eb. v. Günzburg 1, 22
ndr.; wen man aber fragt, wo sie des ynn der schrift
gr. haben, blaszen sie sich auf Luther 7, 399
W.; mit reflex. erst seit dem 18.
jh., den thatsächlichen gr. bezeichnend: im vierten buch ist die heutige staatsverfassung von Engelland mit wenigen änderungen beschrieben, die doch auch ihren
gr. in der geschichte haben Haller
Alfred (1773)
vorr. 4. IV@C@5@bb)
adjectiva neben gr.; stark, schwach
u. ä. sind die ältesten; in ihnen wirkt der reale ausgangspunkt, die bedeutung '
fundament'
nach; sie ist noch spät bewuszt: Maffei meynung triumphirt und steht auf scheinbar festen gründen Triller
poet. betracht. 1, 376; wie woll diss nicht mein sterckister
gr. ist, wie Heyntz (
Heinr. VIII. v. Engl.) lügener leugt Luther 10, 2, 258
W.; das seye bei ihm ein stärkerer
gr. Mozart
bei O. Jahn 3, 18; wann man wüszte, wie ein blöden
gr. haben der örden regel Eb. v. Günzburg 1, 33
ndr.; mit unmächtigen ... gründen Neumark
t. palmbaum (1668) 53; ha, ihr entschuldigt! mit schwachen gründen, oder mit thörichten Klopstock
oden 2, 16
M.-P.; aus derselben grundvorstellung heraus: er ... verstärkte meine gründe durch den zusammenhang, den er ihnen gab Göthe 23, 58
W.; aus verstärkten gründen bitt ich dich darum Caroline 1, 24
W.; im 19.
jh. gehen diese adj. zurück. tief, seicht
erklärt sich durch secundäres hereinspielen der bedeutung '
boden eines gewässers'
; erst seit dem 18.
jh.: mit scharfem schlusz und tiefgesuchten gründen Drollinger
gedichte (1743) 50; doch musz es ... einen tieferen
gr. gehabt haben Arndt
s. w. 1, 65
R.; seichte gründe für eine sache anführen Campe 2, 469;
vgl. wie tief der
gr. auch liegen mag Mörike
werke 3, 65
Göschen. wo sonst adjectiva eine sinnlich-bildliche auffassung von gr. andeuten, hat sie mit den ursprünglichen bedeutungen des wortes nichts zu thun: mit wichtigen gründen euch zum kriege zu bereden Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 19
a; man glaubet, was man wünscht, das herz legt ein gewicht den leichtern gründen bei Haller
ged. 54
Hirzel; mit überwiegenden gründen Göthe II 6, 37
W.; daher auch: ich wäge keine gründe Lichtenberg
aphorism. 2, 6
L.; so will ich kommen, und ihren gründen das gewicht geben Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 28; aus sehr naheliegenden gründen Moltke
schr. 7, 25; wie sinnreich bist du doch, in weitgesuchten gründen den vorwand einer that, nach der du strebst, zu finden Gottsched
d. schaubühne 4, 32.
die weitaus meisten adjectiva fassen gr. rein abstract; ein theil von ihnen beurtheilt die gründe
von innen heraus nach wesen und wirkung (
meist logischer gr.);
alt ist satt (
namentlich im 16., 17.
jh. häufig): dasz forthin one satten
gr. ... nit mehr so leichtlich glauben geben wolten
Amadis 1, 62
Keller; auch falsch: das man aus solchem nichtigen, falschen grunde sol leucken die helle wort Christi Luther 26, 281
W.; die buntheit der modernen sprache wesentlich erst seit dem 18.
jh.: ein glaubhafter grund Lohenstein
Arminius (1689f.) 1, 123
b; sehr triftige gründe Archenholz
England u. Italien 1, 1; überzeugende gründe
discourse d. mahlern 2, 67; ohne den gültigsten
gr. E.
M. Arndt
s. w. 1, 13
R.; sie hören disputieren mit gleich scheinbaren gründen Görres
ges. br. 3, 163; der zureichende
gr. ihn bös zu machen v. Loen
ges. kl. schr. 1, 31; dagegen giebt es auch keinen nöthigenden
gr. ... zu verwerfen W. v. Humboldt 4, 5
ak. ausg.; später zwingender
gr.; gut
ziemlich beschränkt auf gr. haben (
s. o. 5 a)
und gewisse präpositionale wendungen (
s. u.c);
ähnlich schlecht;
fondamenti aèrei eitle und nichtige gründe Castelli
ital.-teutsch (1741) 1, 19
a; mit ungereimten gründen Neukirch
ged. (1744) 173; mit handgreiflichen gründen v. Einem
Mosheims kirchengesch. 2 (1770), 203;
unerschöpflich sind die adjectiva, die die gründe
nach äuszern gesichtspunkten sondern, nach der zugehörigkeit zu gewissen gebieten, z. b. dasz sie (
die gelehrten) historische gründe dazu haben könnten Lessing 9, 44
M.; das meist unmoralische leben der künstler hat doch auch einen philosophischen
gr. Schubart
leben 1, 156; politische gründe Scherer
liter.-gesch. 32;
oder nach ihrem zusammenhang mit geistigen qualitäten, momenten des sittlichen, des affects u. ä., z. b. noch ein edlerer
gr. als das blosze bedürfnisz Savigny
beruf uns. zeit 1; ich hatte dir geschrieben aus ernsten gründen Bettine
frühlingskranz 309. einfach
nach aus
scheint ganz jungen ursprungs: zu einer auseinandersetzung ... konnte ... aus dem einfachen grunde kein anlasz gegeben sein, weil ... Bennigsen
nationallib. partei (1892) 20;
ohne diese besondere färbung ist es älter: ein langes geschwätz ... das auf meine einfachen gründe paszte wie die faust aufs auge L. Schücking
in Droste-Hülshoff
br. 184;
vgl. den beleg aus Kant
oben 1. inner, äuszer
erst seit dem 19.
jh. häufig: aber da, wo das urtheil aus innern gründen hervorgehen soll Göthe 46, 80
W. (
Winckelm.); die entwicklung ... der wesentlichen eigenschaften und inneren gründe, aus welchen ihr (
der poesie) charakter und ihr ton entsprang Fr. Schlegel
w.2 4, 8;
in neuester sprache sehr häufig als präpositionale formel: und dies thun wir jetzt bei jeder arbeit, während man es früher aus äuszeren gründen nicht überall that W. H. Riehl
deutsche arbeit 20. IV@C@5@cc)
gr. nach präpositionen. IV@C@5@c@aα)
früh erscheint aus
gr. mit gen., bis ins 16.
jh. nicht selten; ursprünglich '
von einem ding als grundlage ausgehend': zum ersten wil der redner die sach usz
gr. geschribner rechten anwengen Rieder
spiegel d. rhetorik (1493) a 7
b; usz
gr. diser worten Christi und Pauli wil ich mich hie entschuldiget han Zwingli
freiheit d. speisen 31
ndr.; eines handels mit geschwetz, und nicht aus
gr. der sachen obliegen Friedr. Wilhelm
sprichw. reg. (1577) n
α,
nr. 579;
die formel nähert sich früh präpositionalem gebrauch im sinne von '
wegen' (
vgl. die lat. präposition causa): uszer disem grunde diser begerunge (
l. berürunge?) so wurt er erlichen gesunt Tauler
pred. 38, 14
Vetter; anscheinend auch mit unterdrückung des aus: und bitt euwer liebe ..., mir grunt dieser euwer liebe krancheit ... zu verstheen wollen lassen
privatbr. d. mittelalt. 1, 222
Steinhausen; noch im heutigen schweiz. (us)
gr. dessen '
deshalb, in dieser absicht' Staub-Tobler 2, 774; Campes aus dem grunde der erbschaft, der schulden
wb. 2, 469
klingt papieren, läszt sich jedenfalls literarisch nicht belegen; doch vgl. junge wendungen wie aus gründen der billigkeit
u. ä. (
s. u.d
δ),
wo aus
gr. wiederum halb präpositional gebraucht ist. IV@C@5@c@bβ)
daneben erscheint schon im 16.
jh. häufig ein abstracter zu verstehendes aus dem grunde,
sowohl realgrund wie beweggrund bezeichnend (aus bewegenden gründen Campe 2, 469): so mögen wir kein inrede haben das wir tausent mal mere verschult der ... strafe dan Lucifer ..., und usz dem
gr.: wir haben erstlich ... H. v. Cronberg
schr. 27
ndr.; das du sehest, ausz was grundt die fürtrefflichsten alten christlichen lerer ... so ernstlich gerufet Ambach
vom zusaufen (1544) a 2
b (aus was
gr. noch im modernen schwäb. Fischer 3, 872); anfangs lehnt ich den antrag aus dem
gr. ab, weil ... Ulr. Bräker 1, 226;
treten adjectiva hinzu, so weisen frühe belege noch einen weniger abstracten charakter auf: dasz man aus gewissen gründen beweisen kan, der himmel sey rund
theatr. diabol. (1569) 103
a; ich reiche dir keinen anlass reich zu werden ausz losen gründen Prätorius
glückstopf (1669)
vorr. 1; habe ich auch der Scythen ... apophthegmata hinten bey diesem werck angehenckt ausz gnugsamen ursachen und gründen Zinkgref
apophthegm. (1628) 65; man besorgt aus gutem grund einen aufruhr Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 2, 185; ... hat diesem gestirn aus nicht übeln gründen den nahmen Uranus gegeben Lichtenberg
br. 2, 65
L.; kann man aus bessern gründen eine rathsversammlung halten Tieck
schr. 1, 73; aus dem einfachen
gr., aus inneren, äuszeren gründen
s. o. b
schlusz; aus gründen
auch prägnant für aus gutem
gr.: der kenner stritt mit ihm aus gründen Gellert
s. schr. 1, 135; weil ihn seine mitbürger aus gründen nicht mochten Gutzkow
zauberer v. Rom 4, 240;
vgl. unten γ schlusz. IV@C@5@c@gγ) mit
gr.,
in älterer sprache manchmal noch kräftiger als heute: '
mit beweiskraft, überzeugung' (
logischer grund);
vgl. argumentis refellere mit gutem grunde verlegen Bas. Faber
thes. (1587) 78
b;
deshalb vornehmlich neben verbis dicendi und sentiendi; gewöhnlich '
mit recht' (
s. oben 4): inmaszen disz gantz klar und rund bewiesen wird hierinn mit grund Fischart
die gelehrten die verkehrten 43
Kurz; daher man denn auch keinen man mit grundt glückselig nennen kan Ringwalt
christl. warnung k 3
a; dieweil einiger undeutlichkeit ich mit grunde nicht beschuldigt werden mag Rabener
w. 1, 185; und wäre es nicht wahr, (
möchte ich) mit grunde widersprechen können Göthe IV 4, 331
W.; denn wie kann einer mit grunde glauben, dasz die offenbarung von gott komme, wenn er nicht vorher ... Reimarus
wahrh. d. natürl. relig., vorber. 3; durfte man nicht mit
gr. hoffen, dasz ... Ranke
s. w. 1, 246; ein jedwedes alter hat ... etwas in dem geschmacke verändert, entweder mit
gr. oder auch ohne
gr. Dusch
verm. w. (1754)
vorr. 1, 7
b;
sehr häufig erweitert mit gut: sage demnach mit gutem grunde, dasz ... Bucholtz
Herkuliskus (1665) 6; da dieselben anderswo mit besserm grunde bemerken, dasz ... Dusch
krit. u. satyr. schr. (1758) a 4; mit gutem grunde kann man an der wahrheit dieses gerüchtes zweifeln Ranke
s. w. 30, 10;
ungewöhnlich: da nun die meisten verfechter ... aus einem so unsichern ort stritten, den andre ... mit so vielem grunde bekämpften Herder 5, 21
S.; bis es (
das bild) einst mit gutem fug und grunde ... wieder aufgenommen werden könne Fichte 2, 453;
vgl. (
die Welschen) so uns biszhero sich beflissen aufzuropfen mit falschem grundt und fug Zinkgref
apophthegm. (1628)
*** 4
a;
gelegentlich auch prägnant (
vgl.β schlusz): er widerspricht mit gründen G. Stephanie
lustsp. 48, 29. IV@C@5@c@dδ) ohne
gr. gegenstück zu mit
gr.;
in älterer sprache '
ohne grundlage, beweisgrund': es wirdt vom glauben zu disputiern bey ihn (
den Türken) nit gestat, sonder muosz alles on grundt geglaubt sein Seb. Franck
chron. d. Türkey (1530) h 4
b;
aber gewöhnlich und früh '
unberechtigterweise' (
s. o. γ): wiewol ... sonder
gr. ... also davon geredt würt Eppendorf
Plinius (1543) 11, 230; ausz dem ervolgt das widerspil das man on grund yetz vil betracht Forster
fr. teutsche liedlein 17
ndr.; das wunderbare, welches einige kunstrichter ohne
gr. für ein erfordernisz der fabel angenommen haben Eschenburg
entwurf (1783) 57;
seltener im sinne der motivation: meynst du, man hab uns ohne grund heute die doppelte löhnung gegeben? Schiller 12, 16 (
Wallst. s lager 2)
G.; neben substantiven: titul ohne
gr. Rachel
satyr. ged. 80
ndr.; es wäre eine voraussetzung ohne
gr., dasz ... Kretschmann
w. 1, 14. — nicht ohne
gr. '
nicht mit unrecht'
ebenso gebraucht wie mit
gr.: nicht ohne
gr. glaubte sie sich die ursache seiner trauer A. v. Arnim
w. 1, 146
Grimm; man sagt, nicht sonder gutten grundt, das gottes mühlen langsam ... mahlen Butschky
Pathmos (1677) 75;
häufig als prädicatsbegriff: was von vorzug des boni privativi gesagt wird, ist nicht ohne
gr. Leibnitz
dtsche schr. 2, 46; und so wenig freundlich ihre betrachtungen waren, so waren sie doch nicht ganz ohne
gr. Fontane I 5, 4. IV@C@5@dd)
arten der abhängigkeit nach grund. IV@C@5@d@aα)
abhäng. gen., von, zu, für, gegen.
der gen. und das ihn vertretende von
drückt rein objectiv causalen zusammenhang aus (
vgl. oben 1): seht, heiszt es, meiner zähren grund, seht, dieses grabes dunkle schwelle ... Gottsched
gedichte (1751) 124; das was du ... als den
gr. meiner krankheit erkanntest Göthe IV 38, 279
W.; sieh hier den ganzen grund von meinen zeilen an H. v. Hoffmannswaldau
u. a. gedichte 7, 227
Neukirch; wir haben leider noch zu viele gründe von deiner (
des teufels) existenz Blumauer
ged. 220; zu
steht, wenn der antheil des subjects betont wird (
vgl. oben 2),
zumal wenn gr. gleichzeitig den nebensinn des berechtigenden hat (
vgl. oben 4);
in der regel bei handlungen und affecten: Lucians ... Timon hatte gründe zum menschenhasz Zimmermann
einsamkeit 1, 100; ja, wenn man immer den
gr. zu allen schönen handlungen wüszte Kotzebue
dram. spiele 2, 344; der
gr. zu dieser mummerei Deinhardstein
ges. dram. w. 6, 158; dazu (
zu maszregeln gegen das herrenhaus) sehe die regierung keinen verfassungsmäszigen
gr. Bismarck
polit. reden 2, 26
Kohl; daher kann in analogen fällen der gen. mit zu
wechseln, je nachdem das thatsächliche oder das bewegende des grundes mehr hervorgehoben wird: (
der gärtner) findet graus und wüsteney, den grund gerechten schmertzens Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 43; hier wird der trostberaubten brust diesz, was sie sonst am kräftigsten erfreut ein grund zu gröszrer traurigkeit Pietsch
gebundene schr. 257
Bock. für
ist nicht an eine der specialbedeutungen gebunden: der geist sol sich selbs also verkleren, was er fur
gr. fur seine lügen habe Luther 26, 436
W.; für die zurechtweisungen des schicksals einen
gr. in meinen fehlern zu suchen G. Keller
ges. w. 2, 22; ich kann für diese seltsame erscheinung keinen andern
gr. finden, als ... Moltke
schr. 7, 17.
anders für, gegen
pro, contra; hier liegt stets eine entscheidung des urtheils vor, also zu 3
zu stellen: meine gründe gegen den deutschen Ossian Herder 5, 160
S.; (
richter:) das dokument ist nicht übel ... doch die gegenpartey hat längst eins von gleichem gewicht eingegeben. (
Faust:) so müssen wir die gründe für uns schwerer machen Klinger
w. 3, 95; das ist ein neuer
gr. wider den selbstmord J. J. Engel
schr. 1, 33;
elliptisch: für mich ... ist es ... schwierig, die gründe für und gegen richtig gegeneinander abzuwägen Moltke
schr. 7, 28. IV@C@5@d@bβ) zu
mit infin. entspricht zu
mit subst.; ebenfalls zu 2
und 4
zu stellen; erst mit dem 18.
jh. häufig; meist neben haben: der sommer hat nicht grund zu prahlen Günther
gedichte (1735) 214; seit Egrösund euch abgefallen, hatt er grund auf grund mir abzurathen Müllner
dram. w. (1828) 3, 177;
gern auch neben sein: einigen von ihnen mag es wohl
gr. genug uns zu tadeln seyn B. Mayr
päckchen satiren (1769) 4; grundes genug, ihm zu folgen v. Einem
Mosheims kirchengesch. 3 (1771), 11;
seltener anders: ersinn ihm gründe zu zögern Bürger
w. 244
B. IV@C@5@d@gγ)
als regens von nebensätzen hat gr. schwankende bedeutung; meist folgt warum: so thu uns doch die gründe kund, warum die wünsche fehl geschlagen Gottsched
gedichte (1751) 54; diese bestimmung für das volk ist der eine von den gründen, warum ich statt einer neuen auflage ... ein neues buch gebe D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, xxi; gründe, warum man diese bilder dem dreizehnten jahrhundert zuschreiben darf Göthe 49, 15
W.; vor dem 18.
jh. selten: dann ich hab darauf gedrungen, das sie solten
gr. zeigen, warumb diese wort falsch weren Luther 26, 317
W.; seltenere varianten weshalb, wonach: der grund, weshalb ich kommen her Mittler
dtsche volksbl. 218; indem er die gründe ausführte, weshalb die Augsburger einrichtungen rückgängig geworden Ranke
s. w. 1, 109; noch einen politischen grund will ich anführen, wonach Bürger wohlgethan hat Bürger
w. 1, 178
Bohtz. IV@C@5@d@dδ)
gr. mit abhängigem classifizierenden gen. (
vgl. die adjectiva unter 5 b): dies urtheil zwar, daucht ihn, bestund nach augenschein, nicht rechtens grund Gilhusius
gramm. (1579) 91; aus dem grunde rechtens,
d. h. aus einem rechtsgrunde Campe 2, 469;
häufiger wird der gebrauch erst seit dem 18.
jh.; namentlich: aus gründen der vernunft Lessing 7, 9
M. (
seit dem rationalismus im schwange); wenn sie (
die religion) ... mit den gründen der offenbarung und der vernunft, die befehle der regierung unterstützt Th. Abbt
verm. w. 2, 10; mit gründen der vernunft und religion Mörike
w. 3, 55
Göschen; auch als hendiadyoin: so oft wir frauenzimmer unsere aufführung mit vernunft und gründen vertheidigen Lessing 2, 37
M. vgl. vernunftsgrund; die mächte des luftkreises schienen ... auf gründe der billigkeit zu hören H. v. Barth
Kalkalpen 68. IV@C@5@ee)
gr. in typischer verbindung mit substantiven. IV@C@5@e@aα)
gr. und ursache
ist namentlich im 16.
jh. sehr häufig; die philosophie sondert: wenn ein ding A etwas in sich enthält, daraus man verstehen kan, warumb B ist ...: so nennt man dasjenige, was in A anzutreffen ist, den grund von B; A selbst heiszet die ursache Chr. Wolff
vernünft. gedanken v. gott (1720) 12;
ähnl. Mos. Mendelssohn
ges. schr. 2, 249;
sonst wird gelegentlich der gr. als innerer, rechtmäsziger der ursache
als äuszerem anlasz gegenübergestellt: wo ist der
gr. ihn zu verdammen? (
Elisabeth:) die bosheit sucht keine gründe, nur ursachen Göthe 8, 148
W.; aber meist und schon früh liegt tautologische verbindung vor: wo ist nu der
gr. und ursach, das Christus darumb habe das hynzu gesetzet Luther 18, 146
W.; ein weiser man redet, des er grundt und ursach hat, aber ein narr redet, was im einfellet, on grundt und ursach
schöne w. klugr. (1548) 46
a; ausz was ursachen und
gr. wir dich ... wirdig ... achten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 330
b;
seltener in wendungen wie: kein ander ursach ist noch grund, drumb ich hab aufgethan den mund Hutten
opera 1, 452
B. fug und
gr.;
ursprünglich deutlich unterschieden: recht und ursache: ihr (
geistlichen herren) habent ye keyne fuog noch
gr. uns zuo verweiszen, das ir fromer, gotsförchtiger und gelerter seind Sleidanus
reden 105
B.; doch ist früh eine vermischung eingetreten; bald herscht der begriff der berechtigung (
s. o. 4)
vor, bald der der veranlassung: (
der) all sein ding hoch mit worten plümbt, das doch hat weder fug noch grund H. Sachs 9, 150
K.; ein junger künstler hat ebensoviel fug und
gr., am fuszgestell einer antike zu sizzen ..., als die natur selbst zu belauschen Schubart
leben 1, 201; wenn z. b. das sprichwort 'freye um die witwe, weil sie noch trauert' ... ohne allen
gr. und fug scheint Körte
sprichw. (1837) xxxv;
s. auch oben γ;
seltene variante: mit glimpf und gutem
gr. Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 3
a.
gr. und zweck
bleiben unterschieden zum ausdruck der ursache und des beabsichtigten erfolges: vielleicht gelingt es uns ..., ihre (
der modernen poesie) geschichte vollständig zu erklären und nicht nur den
gr., sondern auch den zweck ihres charakters befriedigend zu deduziren Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 95
Minor; der eigentliche grund und zweck dieses krieges Mommsen
röm. gesch. 5, 21. beweis und
gr.,
wie die folgenden fälle zu 3
gehörig; tautologisch: so ist es ein sehr starcker beweisz und grunde, dasz die giftmischerin mit ihren zauberkünsten etwas auszrichten können Nigrinus
von zäuberern (1592) 79;
ebenso: aber es liget im wege ein ander argument und grundt
ebda 103; der menschen kleinster theil fragt nach beweis und gründen J. J. Schwabe
tintenfässl 26.
gr. und meinung: drumb mus ich zwo erbeyt thun, die erste, das ich
d. Carlstads
gr. und meynung klerlicher darlege Luther 18, 152
W.; als er (
Faust) den geist von disen dingen hatte gehört, speculiert er darauf mancherley opiniones und gründe
volksb. vom dr. Faust 30
ndr. Br.; anders, an I E 5
gemahnend: es hat nicht aller menschen rath gleich guten
gr. und treue meinung Petri
d. Teutschen weish. 2, z 8
b;
sondernd: ebenso wird man aufmerksam die meinungen und gründe anderer prüfen Göthe 47, 42
W. gr. und urkund
u. ä.: wolte sich aber iemand einiger gerechtigkeit ... anmaszen, so soll derselbig zuvor mit
gr. und urkund ... solches dartuen Fischer
schwäb. 3, 872 (
a. 1615); es wirt wol mehr dings an grundt und bewerung gesagt Luther 1, 245
W. VV. grund
als technischer ausdruck in künsten und gewerken. V@AA.
meist bedeutet es die '
grundlage'
oder '
grundfläche',
die träger von etwas anderem ist; also zurückzuführen auf '
fundament, basis'. V@A@11)
bei den architekten ist gr.,
abgesehen von den in die allgemeine sprache eingegangenen bedeutungen '
fundament' (
s. o. IV)
und '
baugrund' (
s. o. II A 2 b);
die grundfläche des bauwerks, in natura oder in der zeichnung: also ist die pastey unden im
gr. gar mit disen linien beschlossen Dürer
etliche underricht (1527) a 1
b; anfencklich werdt gerissen in eynem nidergetruckten (
ebenen?)
gr. mit zweyen linien ... die form des ecks der stadtmauren
ebda; nun sol man den hindern
gr. (
grundfläche) in der stat auch so tief in den
gr. rechnen (
in den grundrisz einrechnen, eintragen) als fornen
ebda; das alles werd getragen in den
gr. (
in die grundfläche eingetragen) a 2
a;
dann auch '
querschnitt': wie nun die schlechten und krummen mauren gleych nach dem undern
gr. im verjungen recht in den oberen
gr. eingeteylt sollen werden aa 1
a; also ist der ober plan oder
gr. umbzogen
ebda; hier meint gr. schlechthin die zeichnungsfläche, = ebene;
ebenso V@A@22)
bei den zeichnern und kartographen; häufige redensart: etwas in
gr. legen, setzen
o. ä. '
einen geometrischen risz davon verfertigen': hab ich ... angefangen, die statt ... A. in
gr. von holtz zu setzen, erstlichen von ainem egk oder winckel, auch weiten der gassen ... abgeschritten, dieselbigen schritt aufgemerckt ..., darausz ein
gr. gestelt
zs. d. hist. ver. f. Schwaben 24, 13 (
Augsburg 1563);
alem. und schwäb. reich bezeugt; auch bei md. lexikographen: eine gegend in den
gr. legen
misurare geometricamente Jagemann (1799) 548;
vgl. Campe 2, 469,
aber wohl aus lexikalischer tradition; am frühesten bei städten: (
nachdem er gewöhnliche ansichten der stadt hergestellt hatte, hätte er sich) fürgenommen, üwere statt hoch und in
gr. zu leggen, dasz man die hüser, ouch allenthalben in die gassen, gesëchen möchte Staub-Tobler 2, 774 (
Zürich 1546); wie ich dan ouch bey etlich groszen stetten erfaren hab, daz nit ein jeder maler ein stat in
gr. legen kan Seb. Münster
cosmogr. (1550)
vorr. 8;
doch frühzeitig auch anders: haben wir ... den gantzen Neckherstrom ... mit fleisz in
gr. gelegt und wie weit ein ort von dem andern ordenlich gemessen und beschriben H. Schickhardt 375
Heyd. V@A@33)
in der malerei. V@A@3@aa)
gr., bey den mahlern, die erste schlechte ölfarb, womit das mahlerschild, oder die leinewand überstrichen, und eben gemacht wird Frisch 379
b; so hand si (
die maler) den grund nit wol berait, darumb ist es verlorn arbait
teufels netz 11008; ein ... mahler ... (
hat) dieselben mit einer dem
gr. gantz gleichen wasserfarb überstrichen Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 2, 79; die malerey auf nassen gründen musz bey den alten weniger gemein als auf trocknen gründen gewesen seyn Winckelmann 5, 179
E.; als ursache warum Tintorets gemählde meistens so dunkel geworden sind, wird angegeben, dasz er ohne
gr., auch auf rothen
gr., meist a la prima und ohne svelatur gemahlt Göthe 47, 218
W.; auf dunkle gründe mahlte man auch eine zeitlang II 1, 353;
bildlich: ob sie (
die gaukler) yhr gleyszen der warheit, yhr gauckelen dem ernst, yhr farbe dem
gr. raumen lassen Luther 7, 311
W. allgemeiner die unterste farbschicht schlechthin, auch wenn sie nicht durch die übermalung ganz gedeckt wird: (
der fächer) wird fleischfarb der
gr., mit lebendigen blumen Göthe IV 1, 166
W.; zwei grosze tafeln mit dem zartesten grauen grunde ..., worauf wir sie (
die skizzen) ausführen werden Stifter
w. 1, 97; sprüche aus dem koran mit erhabenen oder vergoldeten buchstaben auf tiefblauem grunde Moltke
schr. 1, 205;
beim wappen '
die hauptfarbe, mit welcher das wappenschild oder das feld im wappen überzogen ist und auf welchem sich die wappenzeichen befinden' Heinsius 2, 549; diese Wasgensteiner ... führen 6 silberne hände auf rothem grunde in ihrem wappen W. Scherer
kl. schr. 1, 548;
auch wenn die farbe der grundfläche natürlich, nicht erst durch einen farbenauftrag hergestellt ist: graue veraltete ... blätter reizten mich am meisten (
darauf zu zeichnen), eben als wenn meine unfähigkeit sich vor dem prüfstein eines weiszen grundes gefürchtet hätte Göthe 27, 18
W. vgl. es machte auf schwarzem grunde das silber (
der stickereien) den schönsten effekt Heine 2, 123
E.; bildlich: die nicht selten rohe, aber immer drastische auftragung römischer localtöne auf den griechischen
gr. Mommsen
röm. gesch. 2, 483. V@A@3@bb)
übertragener gebrauch. in gegenständlichem sinne: gr. '
ist ein malerischer ausdruck, diejenigen gegenstände anzudeuten, die hinter andern besonders merkwürdigen gegenständen stehen. so kann man sagen, dasz ein teppich, eine rasenbank, ja eine figur, einer andern figur zum grunde
gereichet' Gottsched
handlex. 801;
die malerische herkunft des ausdrucks erhellt daraus, dasz der farbenunterschied in der regel ausdrücklich hervorgehoben wird: dann, wie die sonne selbst mit doppelt hellem licht oft durch den dunklen grund pechschwarzer wolken bricht v. Koenig
gedichte (1745) 166; der ungeheuren sonnenuhr ..., deren ziffern ellenlange platten von bronze auf einem weiszen marmornen grunde waren Archenholz
England u. Italien 2, 190; als das bild vorüberglitt an der mauer grauen gründen Droste-Hülshoff 2, 328
Schücking; auch wo entsprechende adjective fehlen, ist ein farben- oder wenigstens helligkeitsunterschied vorauszusetzen: steht er (
der carneol) gar auf onyx grunde, küsz ihn mit geweihtem munde Göthe 6, 7
W.; die figur des sohnes ... auf dem
gr. des zurückgeworfenen mantels sich abgrenzend Justi
Winckelmann 2
1, 189.
abstracter: bilder und erlebnisse in der jugend gehen, je mehr wir uns von ihnen entfernen, in um so hellerem lichte in uns auf dem schwarzen grunde des alters auf Kerner
bilderbuch vorr. vi;
öfter von der malkunst auf die dichtkunst übertragen: hier ist das abenteuerliche verschlungner menschlicher schicksale der
gr., auf dem die handlung vorgeht Göthe 40, 83
W.; der epische
gr. der volksdichtung gleicht dem durch die ganze natur ... verbreiteten grün
kinder- u. hausmärchen 2,
vorr. vi;
vereinzelt auch auf die musik: und dieses fortgehende summen (
der zweige) dient als zarter
gr., auf dem sich die andere morgenmusik geltend macht Stifter
w. 1, 102. V@A@44)
bei vergoldern, lackierern, anstreichern, tapezierern; bey den vergoldern und lackirern ist der
gr. entweder ein leim- oder ein kreide- oder ein farbengr.,
d. i. ein auftrag unter den gold- oder silberblättern oder dem lackfirnisz Jacobsson 161
a;
vgl. Prechtl 19, 572; die gegenstände, welche mit farben angestrichen werden sollen, erhalten vorläufig einen so genannten
gr.,
d. h. einen schwachen anstrich, der die feinen poren des holzes ausfüllt, und die oberfläche zum auftragen der farbe vorbereitet Prechtl 1, 293;
gr. beim häuseranstrich Meisinger
Rappenauer ma. 79;
bei den tapezierern bedeutet gr. die zeitungen, die als grundlage für die tapeten angeklebt werden: gr. ankloppen
mit der bürste Schumann
Lübeck (1907) 49. V@A@55)
in der zeugfärbekunst und beim kattundruck: diese gemischten farben entstehen ..., indem in zwei färbeoperationen eine farbe auf die andere gesetzt wird, in welchem falle die erstere farbe der
gr. genannt wird Prechtl 5, 385; hat man ... zeugen einen blauen
gr. gegeben, so werden sie durch genista grün Schlechtendal
flora von Deutschland5 23, 77; '
ebenso bedeutet im kattundruck gr. die farbe des zeuges, in welche die blumen eingedruckt sind' W. Hoffmann
wb. 2, 708
b. V@A@66)
bei gewebtem und besticktem zeuge: bey einem gewebten zeuge nennt man die sichtbare oberfläche und deren verschiedenes ansehen
gr., und unterscheidet vorzüglich den leinwandsgr. von dem kiepergr. dieses ist bey geblümten zeugen am sichtbarsten, wo die blumen und figuren in dem grunde liegen und sich zum theil darüber erheben. diese letzte bedeutung hat
gr. auch in der stickerey. doch heiszt hier auch die anlage oder grundlage von zwirn bey erhaben gestickten blumen
gr., worauf hernach die seidenen und reichen fäden bevestiget werden Jacobsson 161
a; '
bei spitzen und blonden bedeutet gr. die einförmige zeugfläche, in welche die blumen etc. eingeklöppelt oder eingewebt sind' W. Hoffmann
wb. 2, 709
a;
die erste der von Jacobsson
für stickgr. angeführten bedeutungen ist die gewöhnliche, z. b. wenn ... der
gr. weisz, die bildungen aber blau gewürcket würden Lohenstein
Arminius (1689
f.) 189
b; während Johanna an den blumen arbeitete, begnügte sie sich den
gr. auszufüllen Stifter
w. 1, 221; eine prächtige stola,
gr. und fransen waren von goldfaden Scheffel
w. 1, 225;
auch für den zu bestickenden stoff als solchen: dasz es ihr sehr leid thue, keinen aufgezogenen
gr. zu haben Göthe 24, 78
W. (
auf den stickrahmen gezogen);
schon bei M. Kramer
gr. eines stickwercks
fondo del ricamo teutsch-ital. 1, 573
b. V@A@77)
vergleichbar ist bei zu waschendem zeuge die redensart: m
e kan ken
en grunt wîder drin breŋ
en '
von sehr schmutziger wäsche' Bauer-Collitz 41:
die ursprüngliche reinheit liegt unter dem schmutz wie unter einer farbe; mundartl. weit verbreitet, zumal in westd. maa., vgl. Woeste
westfäl. 86; Schütze
holst. id. 2, 76;
F. Schön
Saarbrück. 72
a;
auch ndl.: geen grond weer int linnen of katoen kunnen krijgen Molema 136. V@A@88)
bei den tuchscherern '
die rechte seite eines tuches zum unterschiede von der haar- oder linken seite' Heinsius 2, 549;
vgl. Jacobsson 161
a. V@A@99)
bei den schwertfegern: gr. hauen ... '
wenn an manchen stellen auf einem degengefäsze figuren von goldblättern eingeschlagen werden sollen, dann schlägt oder hauet der schwertfeger mit einem kleinen meiszel in den umrissen der figuren kreuzhiebe ein, damit das gold bey dem einschlagen auf diesen grundhieben
hafte' Jacobsson 164
a. V@A@1010)
bei den kupferstechern in verschiedener bedeutung; in der radierkunst: gr. einer kupferplatte zum ätzen ist ein auftrag, der das ätzwasser gehörig in den einschnitten (
der radiernadel) einschränkt Jacobsson 161
a;
in der schabkunst: das werkzeug, womit die (
vor dem auftragen der zeichnung erforderliche) rauhigkeit des kupfers (der
gr., das korn, die granirung) hervorgebracht wird, ist die wiege oder das granireisen, gründungseisen Prechtl 9, 33. V@A@1111)
bei den druckern: gr., grundfeste, fundament. '
in der druckerey die metallene platte, worauf die formenweise abgesetzte, und in eiserne rähmen zusammen geschraubte schriften gestellet werden, damit sie darauf bey dem abdrucke ruhen' Jablonski 260
a;
auch aus holz: gr. der buchdrucker ist ein brett, worauf die gesetzten schriften gestellet werden Jacobsson 164
a. V@A@1212)
bei den maurern: gr. '
wird am häufigsten für die fläche eines gebäudes gebraucht, im gegensatz der auf derselben angebrachten erhöhungen für gesimse u. s. w.' Helfft
wb. der landbaukunst 161. V@A@1313)
in der musik: theile meine seite in fünf theile, lasse zween auf der einen, und drey auf der andern seite des ... stegleins, so gibt die gröszeste länge den
gr., die kürtzere aber den oberton des fünflauts an Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 46; sonst würde der
gr. die oberstimme überschreiten Mozart
violinschule 2;
vgl.so haben doch selbige alle (quinte, septime, oktave) einerley basznoten zum grunde Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 125. V@BB.
in einigen fällen ist der technische ausdruck an die bedeutung '
boden eines hohlraums'
anzuknüpfen. V@B@11)
bei den dachdeckern die knierinne, die durch verschiedene im winkel aneinanderstoszende dachflächen gebildet wird; ausschlieszlich im schweiz., und zwar früh: von den gründen und umbgängen (
einfassungen) uf der lütkilchen mit kupfer ze beschlagen Staub-Tobler 2, 773 (
a. 1559); (
die besitzer zweier aneinanderstoszender häuser sollen) jeder sein tach in ehren halten und mit namen das vorder haus den tachgr. gegen dem hof, das hinder haus aber den uszeren
gr. gegen der münz machen
ebda (
a. 1690);
mit anlehnung an die formel 'grund und grat' '
niederung und höhe': die kirche soll in gründen und gröten mit schindeln gedeckt werden
ebda (
a. 1805). V@B@22)
bei den küfern: '
am fasz heiszt die der '
spunddauge'
gegenüber liegende daube, auf welcher das fasz aufliegt, der gr.' Fischer
schwäb. 3, 872.
compositionstypen. als compositionsglied erweist sich grund-
in seinen verschiedenen bedeutungen als überaus fruchtbar; doch tritt die junge abstracte verwendung IV D
gegenüber den concreten und daraus unmittelbar abgeleiteten übertragenen bedeutungen (
vgl. IV B)
völlig zurück; in der älteren sprache noch auf einige hauptbildungen beschränkt, entwickeln sich die grund-
composita breiter seit dem älteren nhd. und dehnen ihren bereich vor allem in fachsprachlichen und terminologischen bezeichnungen stetig aus; die zeitlichen entwicklungsstufen, die bildungsarten und ihren umfang veranschaulicht die folgende übersicht. 11)
adjectiv. 1@aa)
bereits im mhd. beginnt die composition von grund-
mit adjectiven, die als qualitative bezeichnungen, werth- oder vergleichsbestimmungen neben persönliche oder sächliche objecte treten oder rein adverbial gebraucht werden; grund-
entspricht hier ursprünglich wohl der bedeutung von grund auf (IV A 4)
oder aus dem grunde (IV B 5 b),
beides mit der vorstellung grund des herzens
vermischt, wenn es sich wie bei grundböse (
s. alph. st.)
um kennzeichnung persönlicher eigenschaften handelt, wird aber schon früh zum bloszen intensivierungsmittel (
wie erz-,
vgl. th. 3, 1076, ur-);
doch hat das 16., 17.
jh. daneben noch bildungen, die an grund IV B 5 b
unmittelbar anzuschlieszen sind: grundausführlich: darinn er selbige belägerung
gr. beschreibt Valvassor
ehre d. hertzogth. Crain (1689) 4, 2, 75;