grundboden,
m. ,
alem. auch grundsboden,
vgl. Staub-Tobler 2, 771; Martin-Lienhart 2, 15
a; Fischer
schwäb. 3, 875
belegt es seit dem 17.
jh. und gibt es als die im schwäb. geläufigere form an; gr. tritt mit dem 16.
jh. auf und scheidet sich der bildung nach in zwei wurzeln: als zusammenrückung der formelhaften paarung grund und
boden und als regelrechtes, einen theilbegriff bestimmendes compositum. 11)
zusammengerücktes grund und boden (
vgl. grund II C)
im wesentlichen auf das alem. beschränkt, doch gelegentlich auch im rheinfränk. 1@aa)
gr. in (
räumlicher)
beziehung auf die bodenfläche (grund II C 1 b): also hab ich ... das vorberürt guot mit grundtpodem und nützlichen früchten ... aufbieten lassen
d. neu laienspiegel (1518) 99
r; es soll ouch der kastvogt nit gwalt haben, einiche güter ... weder
gr. noch eigenschafft der lüten ... ze verlichen Tschudi
chron. helvet. 1, 10; innungszwang und gewerbsfreiheit, festhalten und zersplittern des grundbodens Göthe 42, 2, 157
W. 1@bb)
alem. in volksmäsziger redeweise ausgebreiteter in präpositionaler verbindung, wo die zusammenziehung im sinne der zwillingsformel einen steigernden affectbetonten charakter annimmt: in
gr. (hinein)
vgl. grund II C 1 d
neben verben des zerstörens und schlagens; zunächst concret, mit der vorstellung des unter der bodenoberfläche liegenden erdgrundes verknüpft: dass ettlich stett in
gr. yngfallen sind Vadian
bei Staub-Tobler 2, 771; wend ir echt nit werden usgrüt ja in
gr. gar kert umb, so bessernd üch R. Schmid (1579)
ebda 772; so ist aber selbe (
ernte) ... in grundsboden undertrückt und verritten Bürster
schwed. krieg 164
Weech; der kukuk ist zerschlagen, in grundsboden geschlagen Schiller 2, 142
G.; vgl. e pfōl in de
gr. schlāhe '
einen pfahl mit wucht, tief in die erde schlagen' Staub-Tobler 2, 771;
so in verwünschungsformeln: men sett-en (ungspitzt) in
gr. ine schlohn
ebda; wenn sie das wetter in den
gr. schlüge, die Regine E. Zahn
helden d. alltags (1907) 217; du muszt ihn auch in grundsboden 'nein verfluchen Auerbach
dorfgesch. (1884) 1, 11;
entsprechend auch: sich in
gr. inne schämmen '
vor scham in die erde versinken mögen' Staub-Tobler 2, 771;
vgl. Martin-Lienhart 2, 15
a;
daneben schon früh mit verderben
und anderen unsinnlich gebrauchten verbis in abgezogenerem sinne '
völlig zu grunde richten, ruinieren' (
vgl. grund II B 3 a),
was zur entwicklung von rein adverbial gebrauchtem in
gr. (hinein) = '
gründlich, vollständig'
führt: der unser statt gern inn grundtboden verderbti Ehinger (1530)
nach Fischer
schwäb. 3, 875;
perditum perdere einen verdorbnen noch mer verderben ... in grund boden verderben Frisius 975
b;
metagenes certe periit er hat nichts mer, er ist in grund boden eynhin verdorben 977
a; also haben sie ... das gantz menschliche geschlecht ... so gar befleckt, verderbt und in den
gr. verwüstet J. Füglin
de praestigiis daemonum (1586) 7
a; in grund boden hinein verketzert (
verdorben) Gotthelf
nach Straub-Tobler 2, 771; in
gr. inne '
durchaus, gründlich' Martin-Lienhart 2, 15
a,
vgl. Seiler Basler ma. 148; Staub-Tobler 2, 771,
dort auch neben lügen;
seit alters in verstärkter negation in
gr. nicht (
vgl.boden 6,
th. 2, 214)
gebräuchlich: und viel geschreys und wenig woll, das in grundboden gar nichts soll Fischart
nachtrab 23 (
v. 770)
Kurz; in
gr. nüd '
durchaus nicht(
s)' Staub-Tobler 2, 771. 1@cc)
dem vorbilde von in
gr. (hinein) zerstören
u. s. w. scheint die sinnverwandte wendung auf den
gr. schleiszen, schleifen
ihr entstehen zu verdanken, der keine entsprechende paarung auf den grund und boden
gegenübersteht, bei der auch der begriff der fläche (
solum)
entscheidend vorwiegt (
vgl. grund II B 4):
aequare solo urbes, domos niderbrächen, auf den grund boden schleitzen Frisius 50
a; 269
b; Maaler 194
b; das urtheil ..., das ... alle ihre güter dem könig verfallen, ihr hausz auf den
gr. geschleift ... wurde Henricpetri
general histor. (1577) 230;
doch liegt hier die zweite compositionsart (
s. u. 4)
gr. = '
erdboden'
sehr nahe; vereinzelt bleibt die halb bildlich-gegenständlich (grund II A 2 a),
halb abstract (grund IV B 5 b)
gefaszte verbindung: aus dem
gr. (heraus) = '
gründlich': dises wasser nimmt aus dem
gr. heraus alle wurzen des parlys oder schlags Landenbeck
arzneischatz (1608)
bei Staub-Tobler 2, 772. 22)
für den boden eines gewässers im 15. 16.
jh. belegbar; wohl auch nichts als zusammenrückung der beiden bedeutungsgleich verwendeten wörter (
vgl. grund I A): sucht man im meer also das gold, dasz man es am grundboden holt, gleich wie in etlich goldreich flüssen, da sie den goldsand schwemmen müssen? Fischart
verzeichnusz 360
Kurz; der
gr. davon (
des baches) und die beyden abhängenden seiten ... waren von steinen verfertiget L. Bachenschwanz
Dante, hölle (1767) 100;
in profundam altitudinem maris se immittere sich an grund boden oder in alle tiefe desz meers werfen Frisius 78
b;
dann auch vom boden eines hohlraumes: fundus ain boden o. grund boden (
ima pars vasis) Diefenbach 252
b; es würd ein grosz ... abnemmen in den seckelen sein, vom riemen bisz in
gr. Fischart
praktik 4
ndr. 33)
in zwiefacher verwendung ersetzt gr. als echtes compositum (
vgl.erdboden)
einfaches grund II A 2;
einmal im sinne: oberste erdschicht, dann besonders der für die ernährung der pflanzen bestimmte kulturboden (2 a): wir (
kamen) in ein andere arth, in der der grundtbodem weisz leim war Fabri
eigentl. beschreibg (1557) 130
b; dasz er (
der öconom) einen zu verschiedenen feldfrüchten geschickten acker erlange, den
gr. untersuche
allg. haush.-lex. (1749) 1, 29
b;
so mundartlich: grondbu
edem '
humusschicht'
luxemb. ma. 156
a;
im gleichen sinne auf die lebenspendende untere luftschicht übertragen: aus welcher (
luft) sich aber noch andere gröbere theilchen geläutert und über das gewässer wie ein cremor ... niedergelassen, folglich den menschen, thieren und gewächsen ihren benöthigten
gr. gegeben hätte
Breslauer sammlg. v. natur- u. med. gesch. (1718) 3, 684;
weiterhin als der feste baugrund (2 b): wann aber der
gr. viel abhängig, so sollen die fuszmauren darnach abgesetzt (
v. 1655) Fischer
schwäb. 3, 875;
so noch heute fachsprachlich: gr. '
der erdboden, auf dem man bauen will'; Mothes
baulex. 2, 538;
ähnlich gefaszt: in einem opferhügel ... entdeckte Klopfleisch ... gruben, die in den
gr. des hügels eingegraben waren Hoops
waldb. u. kulturpfl. 304.