greifen,
vb. ,
capere, palpare. ursprung und form. 11)
gemeingerm. wort: got. greipan;
ahd. grîfan,
mhd. grîfen;
alts. grîpan,
mnd. gripen;
afries. grîpa,
ofries. grîpen,
wfries. gryppjen;
mnl. gripen,
nnl. grijpen;
ags. grípan,
engl. gripe;
anord. grípa,
norw. schwed. gripa,
dän. gribe.
aus dem germ. entlehnt frz. gripper
packen, griffe
klaue, griffer
mit klauen ergreifen, lomb. grippâ
wegschnappen. aus einer idg. wurzel ghrib-,
die wiederkehrt in lit. grëbiù, grpti
greifen, dazu das iterat. graibaũ, graibýti
umhergreifen; lett. gribēt
verlangen, wollen, griba
wille. 22)
neben dem starken vb. besaszen mehrere germ. dialecte ein abgeleitetes schwaches, ahd. greifôn,
ags. grápian,
anord. greipa.
dem sinne nach waren beide verba ursprünglich anscheinend in der weise geschieden, dasz das starke capere, fassen, ergreifen, das schwache palpare, tasten, fühlen bedeutete. das ags. zeigt den unterschied noch intact, anord. greipa
die hände nach etwas ausstrecken, sich mit etwas befassen, hat schon die bedeutung des starken vbs. angenommen, dieselbe bedeutungsübertragung, die sich im ahd. vollzieht. in der regel zeigt ahd. greifôn
zwar noch den ursprünglichen sinn; texte und glossen brauchen es für palpare, manu tentare, temptare (Graff 4, 318); 'ih bín iz', quad er, 'uuizît
tház, ther blínt hiar bétolônti saz, ih íó mit stábu nôti giang uueges gréifônti zi mánnolîches uuenti Otfrid 3, 20, 38; gisehet mino henti inti fuozi, thaz ich selbo bin, greifot inti gisehet
Tat. 230, 5.
aber fälle wie greiphontem
prensantem und die composita kihantcreifon
violasse, ergreifota si iro bruste
u. a. (Graff
a. a. o.)
lassen eine vermengung mit grîfan
erkennen. andererseits greift auch grîfan
in die bedeutungssphäre von greifôn
über: Notker
gebraucht regelmäszig grîfen
für tasten, fühlen 1, 337, 7. 339, 27. 359, 17. 436, 2. 454, 18
u. ö. der bedeutungsvermengung tritt zuweilen eine formale zur seite: ich gegrîffon dih (
reprehendam) Williram 131, 1.
die ausgleichsbewegung setzt sich im mhd. fort, wesentlich in der weise, dasz greifen
seine bedeutung an grîfen
abgibt; man vergleiche: sus gieng er allez enbor und greifende mit henden an mûren unde an wenden, biz er zir beider bette kam
Tristan 13595; swer birget sô diu ougen sîn, .. der muoz grîfende gân
Barlaam 136, 37; wan unz dar so gangen wir als die blinden schlichen und greifen umb uns H. Seuse
deutsche schr. 387, 12
Bihlmeyer; aber: gangen wir also die blinden slichen und griffen umb uns 468, 16. greifen
wird je später, je seltener (
mhd. wb. 1, 572
a; Lexer 1, 1077).
der durch die diphthongierung von î
hervorgerufene zusammenfall von grîfen
und greifen
in den präsensformen beschleunigte den untergang des schwachen vbs., und mit dem 14.
jh. ist der aufsaugungsprozesz im wesentlichen beendet, wenigstens für die sprache der litteratur. in einzelnen dialecten hat sich die schwache form aber noch lange gehalten; noch Schuppius
sagt: der artzt greiffete nach des krancken puls
schr. 769 (
also in der urspr. bedeutung '
fühlen'),
vielleicht nach dem muster einer nd. form (
auch das fries. kennt neben gewöhnlichem griip, griep
ein prät. grypte Winkler 477
a);
noch ende des 18.
jhs. weist H. Braun
das schwache prät. zurück: ich griff (
nicht griffe, noch minder greiffete)
wb. 126
b.
auch alem.: sy habend hend und könnend nit greyffen (
manus habent et non palpabunt)
Zürcher bibel ps. 113 B (
v. 7);
noch in der modernen ma. greifen
vom betasten der hühner, also ebenfalls mit bewahrung des ursprünglichen sinnes Staub-Tobler 2, 708;
in derselben bedeutung häufiger grīfen
ib. 713;
auch Schöpf
kennt neben dem prät. griff'
noch greiffet'
tirol. id. 211.
den ersatz des alten greifôn
übernahm z. th. tasten,
das um 1200
aufgenommen wurde, zu einer zeit also, als greifen
schon stark zurückgedrängt war. 33)
im nhd. findet sich der präsensvocal î
schwäb. noch ende des 15.
jhs.: gryffen Stainhöwel
de clar. mul. 335
Drescher; alem. herrscht i
in den drucken des 16.
jhs. noch vor, z. b. bei Nicl. Manuel 46, 360; 143, 242; 184, 1411
Bächtold; in der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 25
a. 142
a,
bei Judas Nazarei 31, 37; 34, 6; 41, 35
neudr.; auch noch bei Murner
narrenbeschw. 5, 119; 215, 80
Gödeke; bei Eb. v. Günzburg
erscheinen beide formen: gryffen 1, 113; 2, 122, greyffen
aber auffälliger weise fast immer in der bedeutung begreifen, erkennen: ir greiffen und befinden, das 1, 52
neudr.; so man yetz greyfft, wie 1, 204,
ähnlich 3, 78;
da die bedeutung begreifen an tasten anzuknüpfen ist, könnte hier statt diphthongierter formen das alte greifôn
vorliegen; doch vgl.: so greyffent kecklich yn die klöster zins 3, 31.
seit 1600
herrscht ei,
z. b. Stumpf
Schwytzerchron. 312
b u. ö. md. bis ins 16.
jh. griffen
chron. d. Wigand Gerstenberg 80
Diemar; Alsfelder passionsspiel v. 7802
Grein. sehr auffällig ist der alte vocal bei Harsdörffer: ich will diesem velleisen meisterlich den puls grieffen
frauenz. gesprechsp. 2, 327; bevor ich .. ihm den puls griffen lasse 5, 86 (
gewöhnlich greiffen 2, 288
u. ö.),
anscheinend also an diese redensart geknüpft. hie und da erscheint statt i
im präs. ie,
besonders alem.: grieffen Wickram 2, 11
Bolte-Scheel; der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 35
a;
auch md.: grieffen Diefenbach 430
c. 44)
der vocal des sing. prät. steht in wechselwirkung mit dem des präs., insofern die dialecte, die das î
des präs. am festesten bewahren, auch das ei
des prät. am längsten halten, in der regel sogar länger als den vocal des präs. alem. steht ei
bis ins 17.
jh. hinein fest, z. b. N. Manuel 221, 14
Bächtold; Wetzel
söhne Giaffers 21
Fischer-Bolte; regelmäszig bei Stumpf
Schwytzerchron. 339
b. 369
a. 427
b;
die Straszburger drucke des 16.
jhs. haben greiff: Pauli
schimpf u. ernst 220
Österley; Arigo
decam. 69, 36. 275, 21
Keller; im 17.
jh. griff Paracelsus
opera 2, 258
b;
auch rheinfr. im 16.
jh. ursprünglich noch greiff E. Alberus
wider Jörg Witzeln mammelucken G 3
a; Scheit
frölich heimfart B 2
b;
Amadis 290
Keller; daneben griff Scheit
Grob. 2258. 4818;
fröl. heimf. K 2
b (
die herrschende form);
Amadis 372
Keller; buch d. liebe 98
a u. ö.; herrschend bei Fischart
flöhatz 169
neudr.; Eulenspiegel 1306
Hauffen. am längsten, bis gegen ende des 17.
jhs., hält sich ei
im ostmd.: Luther 30
1, 166; 32, 272
u. ö. (
auch griff Diez 2, 162
b); Lindener
katzipori 74
Lichtenstein; Eyering
proverbia 2, 493; Rachel
sat. ged. 90. 96
neudr.; Scriver
seelen-schatz 1, 219;
aber griff Chemnitz
schwed. krieg 2, 665;
schwäb. dagegen steht seit dem 16.
jh. griff
fest: V. Warbeck
Magelone 41, 14
Bolte; Schaidenreiszer
Odyssea 39
a; Spreng
Ilias 72
a. 81
a. 83
b u. ö. bair. erscheint i
im prät. schon früh im 15.
jh.: gryff
städtechron. 2, 38 (
a. 1421);
auch in Nürnberger drucken herrscht griff: Maximilian
Teuerdank 39, 19
Gödeke; H. Sachs 3, 486, 25;
selten greiff Val. Schumann
nachtbüchl. 212
Bolte; Forster
frische teutsche liedlein 121
neudr. (
aber die 2.
ausg. [1552]
hat gryff,
die 3. [1563] grieff). 55)
für das i
im prät. und part. prät. erscheint vom 16.
bis ins 18.
jh. auch ie,
namentlich im md., und zwar besonders ostmd.: grieffen
N. Herman
sontags evangelia 154
Wolkan; grieff Rollenhagen
froschmeuseler (1595) D I
b; Logau
sinnged. 95
Eitner; Weise
drei ärgsten erznarren 76
neudr.; grief Lohenstein
Armin. (1689f.) 1, 12
a; grieffen 2, 337
a; gegrieffen 2, 279
b; grieff, griffen, gegriffen Steinbach 1, 639;
auch westmd.: grieffen Kirchhof
wendunm. 2, 342
Österley; gegrieffen 2, 550; grieffe Moscherosch
gesichte (1650) 5;
nicht so häufig, aber um so länger obd.: grief
österr. weisth. 6, 149, 37; S. v. Birken
forts. d. Pegnitz-schäferey (1645) 53; grieffe Grimmelshausen 4, 531, 6
Keller; gegrieffen
disc. d. mahlern 2, 163; griefen
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 233; grief Schubart
briefe 2, 244
Strausz. 66)
gerundete formen erscheinen im schwäb. und bair.: greufft Schiltberger
reisebuch 108, 3
Langmantel; inf. greüfen Tauler
sermones (1508) A III
b;
häufig bei H. Sachs: (
er) greufft 8, 151, 15; 499, 37;
imper. greüff 11, 314, 18; greuffet 22, 204, 3;
part. grüffen
österr. weisth. 6, 200, 16.
vereinzelt und offenbar unter obd. einflusz auch bei Luther: greufft 9, 557, 25; 560, 5
Weim. 77)
das part. prät. verliert durch eine art ekthlipsis gelegentlich das präfix ge-;
namentlich obd., bis ins 17.
jh.: griffen
städtechron. 1, 142, 19 (
Nürnberg, 1388); 23, 316, 9 (
Augsburg, ca. 1534);
altd. passionsspiele aus Tirol 423
Wackernell; Eb. v. Günzburg 3, 58
neudr.; Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) L I
a; dieweil du hast gesehen mich und griffen H. Sachs 6, 349
Keller; Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 2, B 8
a; Mathesius
Sarepta (1571) 10
a; getast, griffen Paracelsus
opera 1, 325;
vgl. 2, 480; grüffen
österr. weisth. 6, 200, 16;
nur selten md.: gefallen und griffen Luther 18, 19
Weim. (
meist gegriffen 16, 20, 23; 28, 342, 2. 20
u. ö.); Fischart
flöhatz 30, 1005
neudr. (
öfter gegriffen
geschichtklitt. 87
neudr.; philosoph. ehzuchtbüchlin 191, 22
Hauffen). 88)
sing. prät. zuweilen mit epithet. e: greiffe Arigo
decam. 31, 18
Keller; griffe Tabeus
Mäynhincklers sack (1612) B 1
a; grieffe Moscherosch
gesichte (1650) 5; griffe S. v. Birken
verm. Donau-strand (1684) 122; Hahn
einl. z. teutschen staats-hist. 2, 47. 99)
in nhd. zeit herrscht die schreibung mit ff
auch nach langem vocal bis in den anfang des 18.
jhs.; doch erscheint seit alters daneben auch f,
besonders im bair. und angrenzenden gebieten nicht ganz selten: imper. greift
cod. Teplensis 1, 120
Huttler; (
er) greifet
Nürnberger polizeiordn. 35
Baader; greifen
städtechron. 5, 317, 3 (
Augsburg, ca. 1468);
österr. weisth. 6, 27, 17; 428, 38
u. ö.; md. weit spärlicher: greifst Fischart
podagr. trostb. 43, 11
Hauffen; greifen A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 94; greift
exempl. priester (1690) 153;
seit der 2.
hälfte des 17.
jhs. empfehlen die theoretiker greifen: Bellin
hd. rechtschreibung a 7
b; Stieler
stammbaum (1691) 698;
aber erst in der zeit von 1720—50
setzt sich f
durch: greift Weichmann
poesie d. Niedersachsen 2, 95; greifen Gottsched
vernünft. tadl. 2, 154; (
er) greifet Heppe
aufrichtiger lehrprinz 34; greifen 45; Gottsched
ged. (1751) 14;
imper. greif Dusch
verm. werke 560;
doch hält sich greiffen
darüber hinaus noch ziemlich lange: greiffen Döbel
jäger practica (1754) 1, 96; Dusch
verm. werke 470; Lessing 17, 420; er greifft Schiller 2, 142; ich .. greiffe Göthe 38, 282
Weim.; greiffen Schubart
leben u. gesinn. 2, 9; Stelzhamer
ausg. dicht. 2, 122
Rosegger; noch ende des 18.
jhs. schreibt Angerstein
wenigstens für den imper. greiff
doppel-f
vor, anweis. 170.
wohl nicht ohne zusammenhang mit dieser orthographischen bewegung ist eine andere parallel laufende, die auch im sing. prät. ff
durch f
ersetzt; im 17.
jh. spärlich: grif Zesen
erhöhte majestät (1661) 153; Butschky
Pathmos (1677) 407;
hauptsächlich in der 2.
hälfte des 18.
jhs.: grif Schönaich
Heinrich d. vogler (1757) 43; Kästner
verm. schr. 2, 137; Kretschmann 2, 97; Herder 5, 63; 12, 176; Arnim
trösteinsamkeit 80
Pfaff. bedeutung. die vorgeschichte des mhd. grîfen
läszt erwarten, dasz bei dem verbum zwei bedeutungslinien getrennt werden müssen, die sich zwar berühren, aber begrifflich klar unterschieden sind. II.
mit gekrümmten fingern ein ding oder nach einem ding fassen. I@AA.
absolut. I@A@11) warumb haben die vinger glider? Arestotiles spricht das si füglich sein zu dem nemen, geben und greiffen
proplemata Arestotilis 9
a; der hayden götter sein ... werch menschlicher hende, sy haben ... hend und greiffen nit Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 590; dasz der intellekt ... abhängt von ... dem gehirn, dessen funktion er ist, wie das greifen funktion der hand Schopenhauer 2, 287; dadurch wird die hand geschickt zum betasten, kneifen, greifen Sömmering
vom bau des menschl. körpers 2, 185; zuckungen liefen über stirn und mund und die hände griffen Jean Paul 45, 365
Hempel; auch von thieren: durch ihre ... fühllosen schuhe, welche die zehen zum tasten und greifen unfähig machen, sind die hufthiere auf pflanzenkost gewiesen Vischer
ästhetik 2, 145; die säugetiere, welche klettern ... oder greifen Brehm
thierleben 1, 4;
übertragen: kühn nach oben greift aus nacht waldespracht Eichendorff 1, 468; es waren schwarze fahnen droben (
am himmel), aus denen feurige zungen griffen Stifter 2, 112. I@A@22)
zugreifen: wan ir nun züchtig wölten greiffen .., so wolt ich euch lassen greiffen einen griff usz diser kannen
Eulenspiegel 142
neudr.; er nimmt mit dem löffel,
wo er mit der gabel greifen soll Gutzkow
zauberer v. Rom 6, 102; dann nahm sie ein glas mit bonbons aus dem schaufenster. 'nun greif einmal, aber herzhaft!' Storm 2, 185;
dialectisch: grîpt, wen 't rîpt! Doornkaat-Koolman 1, 689; äs is nix zum greiffen, für'n schnabel kain waid! Stelzhamer
ausgew. dichtungen 2, 122;
anders: kumm Marthla, greif a wing ... stitz mich a wing Hauptmann
Rose Bernd (1904) 135;
mit präpos.: zu der apfel-verkäuferin kamen kinder gelaufen, .. mit munterm sinn griffen sie aus dem haufen Göthe 3, 185
Weim.; unsern schwager und schwester, die wie ich höre glücksritterlich aus lotteriebuden greiffen Schubart
briefe 2, 118
Strausz. leicht konnte sich die bedeutung des gewaltsamen greifens entwickeln; vgl. schon ahd. cagrifu
arripio, kikrifant
rapiunt Graff 4, 315; das tuond si (
landstricher) armen luten abstraiffen mit hinken, biegen und graiffen
teufels netz 6259; unde worden so bequeme alse lammere, dede torvoren weren alse gryppende wulfe
städtechron. 16, 465, 18. I@A@33)
der gebrauch des wortes in wendungen wie die säge, der bohrer, der hobel greift (Heinsius 2, 526
b)
dürfte älter sein, als die belege erkennen lassen: gleich der erste ruck (
beim anziehen der winden) griff vortrefflich: der obelisk erhob sich von der basis Ranke 37, 313;
meist ganz unsinnlich: warum diese redaction (
von Romeo u. Julia) ... auf dem deutschen theater nicht gegriffen Göthe 41
1, 71
Weim.; hätte Castels widerspruch damals gegriffen und auch nur einen theil der gelehrten welt überzeugt II 4, 151;
bei Göthe
häufig, vgl. IV 16, 57; 27, 220; ihre (
der regierung) befehle und anordnungen griffen nicht mehr Ranke 15, 405;
vgl.'t gript nijt
eine sache, eine arbeit geht nicht vorwärts Molema
Groning. ma. 134. I@BB.
transitiv. I@B@11)
ergreifen; mhd. gleichberechtigt mit ergrîfen: sînen staf greif er
Rolandslied 2060; glaser und mûrære muosten grîfen dô zehant gleser, mermel wol bekant Jansen Enikel
weltchr. 12853; de en grep en bret, de ander en span Gerh. v. Minden 115, 163
Leitzmann; Hato trinckt und greufft sein leib und spricht H. Sachs 8, 151, 15
Keller; sie treten zu mit groszer freud und greifen seine füsze P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 342
a; er greif ein gläslein wein J. Rachel
satyr. ged. 96
neudr.; (
der meerteufel) griff sie hinterrücklich in der mitten, ... und kam so weit, dasz er sie schwängert Prätorius
katzen-veit b 3
v; H. v. Kleist
bevorzugt das harte simplex auffallend, z. b. die zügel greifen 2, 34; eine knospe greifen 2, 60; den bogen greifen 2, 113; die krone greifen 2, 120; doch sie sprach nicht, griff leise meine hand, und führte mich durch viele lange leuchtende gemächer Heine 1, 138;
im 19.
jh. erlischt dieser gebrauch; das verbum bekommt den nebensinn des zufälligen, absichtslosen ergreifens: der in den totenschädeln störte, bald einen, bald den andern griff Pfeffel
poet. vers. 3, 19; die pfennige aber oder die von betrunkenen in der zerstreuung gegriffenen groschen ... brachten jährlich mindestens eben soviel ein Gutzkow
ritter v. geist 4, 109;
seit je auch mit unpersönlichem subject: Sigebandes vriunde greif disiu leide nôt
Gudrun 60, 1; darinne wart in grifen ein niuwe liebe
passional 419, 30
Köpke; lasz uns fliehen recht, das uns nit griff der gottes zorn Seb. Brant
narrensch. 26, 60; und der hochmuth, gleich einem gewaltgen adler, kam und grif mich Kretschmann 2, 97; ein fieber griff ihn dann Ayrenhoff 2, 186;
auch die füsze greifen: da ... die kameele mit den fuszsohlen die hügel weichen sandes griffen Stifter 3, 20; (
der diskobol) ruht auf dem rechten fusz, die zehen krümmend wie um das erdreich zu greifen Welcker
alte denkm. 1, 423. I@B@22)
schon frühzeitig tritt in uneigentlichem gebrauch eine abschwächung der bedeutung ein: '
etwas aufnehmen, sich an etwas machen': diu junge greif die nâchvart (
kam hinterher)
Iwein 5670; hyrna grepe wy unde de van Hamburg dit orleghe mit der dat Schiller-Lübben 2, 149
a aus hannöv. urk. v. 1366;
vergleichbar in neuerer zeit: nein, mein kind — so gern ich die dinge leicht greife — so stehen wir .. dennoch jetzt an dem offenen grabe unsrer ruhe Iffland
theatral. werke 5, 195; auf diesem weg', den ich im irrthum griff Kleist 2, 418; küsse, bisse, das reimt sich, und wer recht von herzen liebt, kann schon das eine für das andre greifen 2, 164.
zusammenhängender und weitgreifender tritt eine steigerung der bedeutung in erscheinung: '
haschen, langen nach': dann er (
der delphin) kan nichts greiffen, er hab sich dann umbgeworfen Eppendorff
Plinius 9, 103; die kleine hand griff, was das auge reitzte Kästner
verm. schriften 2, 211; zur sonne will er, möcht' sie greifen, drücken Fouqué
held d. nordens 1, 142; übertreter des gesetzes, und solche, so rechte greifen, die nicht ihre sind Alexis
Roland v. Berlin 2, 162; sie sah, dasz alles schön war. sie versuchte es zu greifen, mitzusummen, wiederzugeben ... sie griff in's leere H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 48; '
packen': so kanstu yhn (
Gott) gewislich greiffen und haben Luther 23, 150
Weim.; greifs, oder fangs an, so ists schon halb gethan Wille
sittenlehre (1781) 73; ich hatte feuer, wuszte wie die menschen zu greiffen waren Schubart
leben u. gesinnungen 2, 9; von dieser seite griff ich meinen Faust maler Müller 2, 8. I@B@33)
fangen; so schon got.: þammei kukjau, sa ist: greipiþ þana
Mc. 14, 44;
ebenso 48. 49. 51;
auf deutschem boden ursprünglich nd.; vgl. die zahlreichen mnd. belege bei Schiller-Lübben 2, 149
a;
ahd. und mhd. anscheinend ganz fehlend; auf hd. gebiet zuerst in md. maa.: sy weren also starg, das sy den torworten griffe und dy tor uffene halde wolden Stolle
thür. chron. 2; liss den bobist griffen unde liss eme die ougen ussbrechin
chron. des Wigand Gerstenberg 80;
erst seit dem 16.
jh. auch obd.: sie liesz auch Constantinum 6. iren eygen sun greiffen .. und in ein ewig gefengnusz werfen Seb. Franck
Germ. chron. 69; haben den Amphidamum in argwon gefasst, fürgenommen ihn zugreiffen und gefangen in Etolien zuschicken Xylander
Polybius 256;
aber bis ins 18.
jh. vorwiegend bei md. autoren: als hernacher derselbige wegen eines mords gegriffen .. worden Nigrinus
von zäuberern 265; ihr knechte, greift die magd, die fürsten trotz darf zeigen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 1000; deswegen er ihn a. 940 greiffen und blenden lassen wolte Hahn
einl. z. d. teutsch. staats-historie 2, 64;
bis ins 19.
jh. poetisch wie prosaisch gleich gebräuchlich: mich aber dort ein räuber griff, der phrygische Göthe
Faust II 8512; der bischof liesz sie spüren, liesz sie greifen, die häuser, drin sie übernachtet, schleifen Lenau 641
Barthel; und wenn sie mich greifen, Zanga, stosz' von rückwärts mir's in leib Grillparzer 8, 183; sie sind entflohen und haben uns im stiche gelassen, drum greifet die beiden da, wir wollen sie als geiseln behalten W. Hauff 1, 256; wo sich eine (
hexe) verspätet beim tanz, ich greif sie Eichendorff 3, 255; die regierung .. hat einige hundert handwerksbursche aus ihren betten greifen und in's gefängnisz werfen lassen G. Forster
sämtl. schr. 8, 131; die armen kerle (
dänische gefangene) waren sehr gekniffen und werden sich nicht zum zweiten male greifen lassen Moltke
schriften u. denkwürdigk. 6, 410;
besondere wendungen: ideo libenter volo esse stultus und wollen uns fangen lassen und gegreppen geben, quod Christus sit deus et homo contra omnem rationem et sensum nostrum Luther
tischreden 12
Preger; sikk gripen
als spiel Dähnert 161
b; unterwegs aber wollte man spielen und sich greifen Fontane I 5, 177.
noch mehr scheint greifen
beim thierfang auf nd. und md. gebiet beschränkt zu sein: gi werden dar müse bi hopen gripen
Reinke de vos 41;
entsprechend: da kanstu frey in groszer meng sie greiffen
Reinicke fuchs (1650) 94; da kündt ihr sie (
die vögel) nach eurem sinn greiffen und fangen wie ihr wolt Sandrub
histor. u. poet. kurzweil 118, 27
neudr.; dasz die thiere von natur so zahm waren, dasz sie der mensch greifen konnte, wann er wollte Liscow
satyr. u. ernsth. schriften 621; der bärin wegen die Hermann jüngst im walde griff H. v. Kleist 2, 436;
vgl. wo bist du, glück, in himmelsbahnen? steig nieder, wo fass' ich die flügel, dasz ich dich greife, dich binde Tieck
schriften 2, 115;
auch von leblosen dingen: die granate entfiel und ich griff sie geschickt Arnim
trösteinsamkeit 80. I@B@44)
mit präpositionen; namentlich bei,
in älterer zeit wie das greifen
des vorigen abschnitts beschränkt auf das nd. und md.: Clemens ein guter man genant den greif er liebliche bi der hant
passional 170, 58
Hahn; ther enne prestere bi tha here gripi Richthofen 787
a (
vgl. noch im heutigen fries. licht bi 't hart gräpen
leicht gerührt Stürenberg 76); hê grêp dat kannîn bî der kele
Reinke de vos 4393; und greiff den fordersten bei dem har
Eulenspiegel 12
neudr.; er greif mich bey den arm, er stiess, er rükkte mich Rachel
satyr. ged. 90
neudr.; iemant by de kop grypen laten Kramer
nider-hochteutsch wb. (1719) 107
b; iemant by de hand grypen
ib.; diese wendung am häufigsten: er griff mich bey der hand und hielt mich fest
Shakespeare 3, 192; er greift Hannibal bei der hand, der sich davon schleichen will Bauernfeld
ges. schr. 1, 231; greifest, wenn sie nun rennt durch den busch, die sau bei den ohren Mörike 1, 80; die hexe hatte ihn noch nicht am schopfe gegriffen W. Alexis
hosen 1, 96; neue hunde kamen an, und griffen es (
das schwein) fest an den hinterläufen Laube
ges. schr. 2, 9; do grep en schiltknecht ene schotteln van der taffelen Schiller-Lübben 2, 149
a aus Herm. Korners
chron.; in hast griff ich das fläschchen von dem tische Stifter 2, 111; wenn überhaupt die meisten menschen ihr loos aus dem glückstopfe greifen J. J. Engel
schriften 7, 164; wie er ... sein achatenes döschen zwischen den fingern wirbelte und eine feurige prise nach der andern daraus griff Mörike 3, 71; da bückte sie sich flugs und griff in ihre hand dorten und dorant Grimm
deutsche sagen 1, 42. I@B@55)
formelhafte wendungen. einen muth, ein herz greifen. alte, wiederum ursprünglich nd. redensart: do ward he sere entsettet, doch so grep he enen mot Schiller-Lübben 2, 149
a aus Herm. Korners
chron.; grypet ein herte
ib.; dat erste is, dat nemant schal vallen in twifelen mod, deme bange is, men sik sulven trosten unde gripen einen konen mod
Reinke de vos 158
Prien; o sünder greiff nun hertz und mut, hör auf die sünd zu mehren Spee
trutznacht. (1649) 73; so griff sie eines morgens ... ein herz, und liesz jene sonderbare aufforderung in die intelligenzblätter von M ... rücken H. v. Kleist 3, 275;
seltene variante: wir brauchen es auch für frölich werden und zumuot greiffen oder getröst werden
schöne weise klugreden (1548) 113
a.
platz greifen u. ä. erst seit dem 18.
jh.; ursprünglich ohne präpositionalen zusatz: darum griffen die vorschläge zu einem frieden endlich platz Hahn
einleit. z. d. teutsch. staats-historie 4, 155; er .. zeigt .., wie wenig die allgemeinheit dieses grundsatzes platz greife
allg. deutsche biblioth. 2
2, 157; es wäre denn, dasz eine andre einrichtung .. platz gegriffen habe J. Möser
sämtl. werke 3, 212;
später mit in: dass in Deutschland der geist der chikane und eigennützigkeit .. nicht so leicht hat platz greifen können J. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 261; die fixe idee .. griff immer mehr in seinem kranken hirn platz Raabe
leute aus d. walde 2, 115; dasz in einigen derselben (
staaten) ... andere bestimmungen platz greifen für die kommunalbesteuerung Moltke
schriften und denkwürdigk. 7, 85.
in anlehnung an platz greifen
tritt auch in den wendungen fusz, wurzel fassen
gelegentlich greifen
ein: das gefühl, das im land anfängt fusz zu greifen Pestalozzi 7, 334; die gröszten unverschämtheiten des herrn v. Schele haben da wurzel gegriffen
briefw. zw. J.
u. W. Grimm, Dahlmann
u. Gervinus 2, 160.
etwas aus der luft greifen u. ä. seit dem 18.
jh.; besonders von frei erfundenen, willkürlichen angaben und behauptungen: vom Plutarch versichert er uns gar, dasz er dieses stück des Euripides für das rührendste ... gehalten habe. dieses letztere ist nun gänzlich aus der luft gegriffen Lessing 9, 347; zahlen, die vollkommen aus der luft gegriffen sind Niebuhr
röm. gesch. 1, 160; wenn auch deine argumente unläugbar aus der luft gegriffen sind B. v. Arnim
Günderode 2, 130; merkwürdige geschichten, die gewisz, wenn man die Bettinaschen zuthaten abrechnet, doch wol nicht alle aus der luft gegriffen waren Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 7, 265;
anders: diese aus der luft gegriffene unterhaltung endigte dann gewöhnlich mit lustigen schimpfreden Eichendorff 2, 3; das war eine oratorische figur, eine redensart, aus der luft gegriffen, die heutzutage mit solchen sätzen angefüllt ist Bauernfeld
ges. schr. 4, 118;
gern in anwendung auf poetische schöpfungen: kein charakter veranlaszt situationen; alles ist aus der luft gegriffen und kümmerlich zusammengestoppelt
allgem. deutsche biblioth. 1
2, 232; alle seine geschöpfe sind aus der luft gegriffen Göthe 37, 215
Weim.; aber eben dieser vorzug, dasz ich meine geschichten nicht aus der luft greife, sondern aus depeschen Jean Paul 15, 51
Hempel; ohne bibliothek hier, in einem groszen nackten zimmer, ist es mir unmöglich, irgend einen stoff aus der luft zu greifen Lev. Schücking
bei A. v. Droste-Hülshoff
briefe 66;
das gegentheil ist aus dem leben greifen: kein charakter ist individuel aus dem leben gegriffen Heinse 3, 571; kurz, wir machen hier soeben novelle .. was da aufduckt in dem revier, italienische gräfin oder deutscher michel .., wird ohne barmherzigkeit unmittelbar aus dem leben gegriffen Eichendorff 3, 169;
vgl. aber noch mehr aus dem menschlichen leben gegriffen sind die zahlreichen epitaphe J. Grimm
kl. schr. 2, 233;
vereinzelt: es ist mit solchen bildern wie mit den degen und helmen des Attila und Skanderbeg ...; sie sind aus der fantasie gegriffen oder nach münzen gemalt E.
M. Arndt
schriften für u. an s. l. Deutschen 1, 215.
zum greifen nahe. jung; anscheinend erst im 19.
jh.: die wunderschönen, blauen, lockenden berge .., gleichsam zum greifen nahe Stifter 3, 61;
vgl. die gallerie .., die so nahe an den (
wasser) fall gebaut ist, dasz man ihn beinahe .. greifen kann Pückler
briefw. u. tageb. 2, 121. I@CC.
erweiterung durch adverbia. I@C@11) weit, hoch, nahe, tief greifen
intrans.: darumb wer sich solchs unterstehet vom nehisten zu sagen, greifft eben so weit als keyser und alle öberkeit Luther 30
1, 171
Weim.; indem sie (
die verrätherei) auch so weit grif, dasz sie den könig selbst vor einen verrähter erklähren durfte Zesen
erhöhte majestät (1661) 153;
meist comparativisch mit der bedeutung des überschreitens irgend einer grenze, gebühr, befugnis, wie das moderne '
zuweit gehen': ye lenger ye weyter greyffen, für und für rucken Maaler
teutsch spraach (1561) 192
b; aber do der anfenger fület, das man im schier in sattel geholfen, greifft er ferner denn zuvor im angeben .. war Mathesius
Sarepta (1571) cliiii
a; da aber der hund zu weit wolt greifen, hieb ihn die katz ... mit einer dappen uber die nas Kirchhof
wendunm. (1603) 7, 109; diesem nun vorzukommen (
dasz die pastoren sich die jurisdiction über die stände anmaszen) und damit der herr administrator nicht weiter greiffe
acta publica verhandl. der schles. fürsten u. stände 2, 261; seine (
des kaisers) eigene überzeugung schien zu sein, dasz er seinerseits bisher zu weit gegriffen habe Ranke 16, 60; der soldat .. greift in seinen scheltworten weiter als ihm zusteht Laube
ges. schr. 14, 216;
anders und erst im 19.
jh. erscheinend: Metellus zug .. durch eine noch weiter greifende expedition zu verdunkeln Mommsen
röm. gesch. 2, 152; (
es entspann sich) ein nach und nach immer weiter greifendes gefecht Moltke
schriften und denkwürdigk. 3, 217;
das ältere, aber seltenere zu hoch greifen
steht dem zu weit greifen
nahe: wand im der sin entslîfet, ob er ze hôhe grîfet Lampr. v. Regensburg
tochter Syon 2154; denn da seyt yhr eyn tyrann und greyfft zuo hoch, gepietet, da yhr widder recht noch macht habt Luther 11, 267
Weim.; etlich artickel (
der bauern), die zu viel und zu hoch greyffen 18, 333;
in der bedeutungsrichtung mit den vorigen verwandt ist zu nahe greifen: niemand sich in eines andern ampt menge, noch andern zu nahe greiffe, noch das ire nem Luther
nach Diez 2, 163
a; die ständ sollen sich dergleichen sr. churfrtl. drtl. hochem respect ... zu nahe greiffender meisterlosen reden enthalten (
vgl. unser '
zu nahe treten') Schmeller 1, 990 (
a. d. j. 1669).
abseits steht tief greifen;
diese wendung ist auch darin von den vorgenannten unterschieden, dasz sie, wenn auch früher vorbereitet, erst im 19.
jh. zur vollen entfaltung gelangt: so mag ich nicht so tief hyneyn greyffen und unsauber von der ehepflicht schreyben (
mich tief einlassen auf Pauli spruch) Luther
nach Diez 2, 162
b; diese gleichheit tief greifender gefühle Iffland
theatral. werke 3, 62; ich habe wieder die erfahrung gemacht .., dasz das .. wovon wir glauben, enthüllt und erklärt müsse es eine völlige umwandlung unsers gefühls .. nach sich ziehen, — nur sehr selten so tief greift Solger
nachgel. schrift. u. briefw. 1, 486; noch tiefer griff der vorgang in der hauptstadt, welchen die zuchtlosigkeit eines ganzen regiments veranlaszte Dahlmann
gesch. d. franz. revolut. 220; eine anfangende, wenn auch noch so tief greifende theorie Steffens
was ich erlebte 4, 180; dieser gedanke barg zugleich einen dritten, tiefer greifenden titel Riehl
deutsche arbeit 9;
vgl.Hutten ist kein groszer gelehrter: seine gedanken greifen nicht sehr in die tiefe Ranke
reform. gesch. 1, 291. I@C@22) daneben greifen
u. ä. ursprünglich von dem miszgreifen auf musikinstrumenten (
vgl. unten IV)?: es greiffen nit alleyn sorglose, sonder auch zuo vil fleiszig hend darneben Seb. Franck
sprichw. 1, 102
a;
aber noch spät ganz concret: wie er die hände nach der schaufel ausstreckte, zitterte er so stark, dasz er daneben griff Ebner-Eschenbach 4, 206;
jünger scheint fehl greifen: (
ein brief) in welchem er ihm den Attilio Regolo, welchen er componiren sollte, ausführlich zergliedert, damit er in der musikalischen charakteristik nicht fehl greife O. Jahn
Mozart 1, 272; wir werden nicht fehl greifen, wenn wir vermuthen, dasz Nitzsch
deutsche studien 163;
dagegen transitiv: die idee, dasz er sein lebensloos falsch gegriffen Gutzkow
ges. werke 5, 63;
vergleichbar: wenn nicht das rechte mädchen zur stunde sich zeigt, so bleibt das wählen im weiten, und es wirket die furcht, die falsche zu greifen, am meisten Göthe
Herm. u. Dor. 4, 206. I@C@33)
mannigfach schillert die bedeutung, wenn transitives greifen
mit adverbien verbunden ist; '
bemessen, ansetzen': sie (
die auffassung) litt nur an dem fehler, dasz sie die wortbedeutung von nexum zu weit griff Jhering
geist. d. röm. rechts 2
2, 570; so kann das kind einer hochgebildeten familie allerdings die ehre der arbeit zu tief greifen Riehl
deutsche arbeit 31;
ähnlich namentlich in participialem gebrauch: wenn sie nun eine oberflächliche berechnung machen und auch nur ... die niedriger gegriffene ziffer annehmen Bismarck
polit. reden 4, 106; erst durch die praxis überzeugte ich mich, dasz die juristischen einzelheiten psychologisch nicht richtig gegriffen waren
gedank. u. erinner. 2, 157
volksausg.; der willkürlich gegriffene vertheilungsmaaszstab der lex Huene Bennigsen
nationallib. partei 132;
anders: um seine wahl zu verhindern, setzte Albero von Trier in einer rasch und kühn gegriffenen intrigue die wahl Konrads III. durch Nitzsch
deutsche studien 11;
in anderem sinn, aber ebenfalls participial in anwendung auf künstlerische production: zu fein ist in den hymnen keine empfindung, keine pflicht, kein trost gegriffen Herder 18, 16; das ganze gesicht überhaupt ist unsicher gegriffen, und kömmt von keiner lebendigen vollen anschauung (
urtheil über eine büste) Heinse 10, 178; seine (
Sallusts) beschreibungen von charaktern und ländern (
sind) tief gegriffen und anschaulich 5, 178; jene oben erwähnte situation .. wäre dramatisch interessant genug, nur müszte die behandlung viel tiefer gegriffen werden Göthe 40, 323
Weim.; dennoch musz ich unter uns gestehen, dasz dessen schilderung tief und wahr gegriffen ist Pückler
briefw. u. tageb. 6, 123;
vgl.das zwingt ihn (
den dichter) die personen und ihre motive real zu greifen, dagegen raum und zeit ideal zu behandeln Ludwig
ges. schr. 5, 536. IIII.
fühlen, tasten, als bezeichnung des fünften sinnes; diese bedeutung ist im ahd. ursprünglich auf greifôn
beschränkt. II@AA.
rein sinnlich. II@A@11) tés man verstân mág séhendo. hôrendo. stínchendo. sméchendo. crîfendo. táz ist êr. êr sélbíu verstántnisseda Notker 1, 436, 2; swes herze die fünf sinne hât, swaz ez hœret, smecket, siht, dræhet, grîfet, ist ein niht Lampr. v. Regensburg
tochter Syon 2795; wenn kein auge were, und wir allein die vier synnen als greiffen, riechen, schmecken, hören hetten Luther 26, 416
Weim.; dann wie man sagt von den fünf sinnen, sehen, schmecken, hören, greiffen, versuchen Paracelsus
opera 2, 199
b;
daher gern in parallele mit anderen sinnesbezeichnungen, namentlich sehen;
vorwiegend transitiv: gisehet mino henti inti fuozi, thaz ich selbo bin, greifot inti gisehet
Tat. 230, 5; chórondo infíndên uuir des hónangis sûezî. crîfendo infíndên uuír des zánderin héizî Notker 1, 454, 18; ánderis nemáhtî síu (
corporalia) nîoman séhen . únde grîfen 1, 436, 16 (
häufig bei Notker;
vgl. 1, 337, 7; 339, 27; 359, 17); und keyn kaufmann dem andern weyter trauen thar, denn er sihet und greyfft Luther 15, 311
Weim.; und niemandts sicht ihn, niemandts greifft ihn, und ist aber da Paracelsus
opera 1, 241
c; claine beülen, die man bas greiffen dann sehen mag Mynsinger
von den falken, pferden u. hunden 61; eyn .. mensch, der .. solche gnade und gueter nicht greyffet noch schmecket Luther 14, 22
Weim. (Bucer: neque sentit neque olfacit); wie solt ein blinder von der farb vernünftig richten, der doch allein dieselbig greiffen oder schmecken müsse Ayrer
hist. proc. iuris 233;
bis ins 17.
jh. bleibt die bedeutung '
fühlen'
durchaus lebendig; später selten in formelhafter erstarrung: dieselbe (
wirthschaftl. entwicklung) beginnt mit den gütern, die man sehen und greifen kann Jhering
geist d. röm. rechts 2
2, 456;
in demselben sinne dient greifen
zur definition des materiellen: corpus heiszt ein ieglich ding dasz man greifft oder greiffen kan Er. Alberus
dict. 9
b;
auch mit abhängigem satz: ey, leg dein hand uff mein hertz, das prynnet recht, als ain kertz, und greiff, wie kaum es lebt Hätzlerin
liederbuch 146; (
ich) bin ein loch in ruggen glägen, darzuo wol dry bülen in grind. griff, lieber, wie ist es so lind und allenthalben so gar seer! Manuel
weinspiel 572
neudr.; vergleichbar: ouwê ouwê, frouwe Minne, mir ist wê. nu grîf her, wie sêre ich brinne Ulr. v. Lichtenstein
frauendienst 7, 27
Bechstein. II@A@22)
oft im sinne des tastens, ohne zu sehen; ein beispiel aus Otfrid
ist sp. 14
angeführt; mhd. belege ebd.; und du greiffest zuo mittem tag als der blind hat gewonheit zegreiffen in der vinster
erste deutsche bibel 4, 220, 46; so das geschen ist .., sol sie (
die hebamme) ... höflich und mit züchten suchen, greiffen, und den auszgang desz kinds erfahren mit iren fingern Ruoff
hebammenbuch 53; und greiff ein jede mit der handt, ob si noch fült ein kalte wandt Scheit
frölich heimfart B II
b; ein blinder .. harfenschläger .. sich mit greiffen und tasten behelfen musz Dannhawer
catechismus milch 4, 174; wan man nicht sicht, ist erlaubt zu greifen Kirchhofer
schweiz. sprüchwörter 244; er .. griff sich durch den gang, in welchem die lampe herabgeworfen worden war Stifter 3, 26;
tastend suchen: (
Eulenspiegel) wischt gleich mit der hand hinausz, greifft, ob der förderst hab kein lausz Fischart
Eulenspiegel 61, 929
Hauffen; er nahm das kalbfellränzchen, öffnete es und griff solange, bis er das fläschchen fand Stifter 5
1, 244. II@A@33)
vom betasten der frauen: er begonde nâher grîfen (
im brautbett) H. v. Freiberg
Tristan 753; greiffen und küssen bewegt das fleisch Marq. vom Stein
spiegel der tugent (1498) d 5
b; wer mit sehen, greiffen, willigen gedancken sich reitzt und befleckt Luther 1, 253
Weim.; Allessander ein wenig höher greiff, do er fande zwei .. prüstlein Arigo
decam. 69, 36; wann dir ein junckfrau auf der strassen begegnet, so mach dich zuothätig, mit greiffen, tasten, nur unflätig Scheit
Grobianus 1151
neudr.; hier wird ein hereinspielen der bedeutung '
fassen'
fühlbar, zumal bei transitivem gebrauch: ewer gröste wyszheit ist, wie ir gredt müllerin gryfft die brüst Murner
narrenbeschw. 5, 119
neudr.; denn was hilft mich, ob ich keyn weyb sehe, höre odder greyffe Luther 12, 98
Weim.; der jung gesell .. bat sie, sie wolt ine doch das wertzlin greyffen laszen Montanus
schwankbücher 38. II@A@44)
einzelne wendungen. puls greifen u. ä. seit dem 15.
jh. belegbar; bis ins 16.
jh. meist in verbindung mit dem harnbesehen: furbas so künden die artzt .. die ursach und natur der krankhait so subtilglich fürheben, mit maisterlichem erzögen desz brunnen senhens, mit gryffen desz puls Stainhöwel
de clar. mulier. 335
Drescher; als aber die arczt syne adern griffent
Esopus 170
Österley; doctor Rundegk besah iro den harn, greif die bulzader
N. Manuel 221, 14
Bächtold; (die arczte) sein krancheit beschauten, sein pulsz und harm sachen und griffen Arigo
decam. 131
Keller; sie besahen der junckfrawen ihren haren, griffen ihr die puls und adern Schumann
nachtbüchlein 306
Bolte; du dann am montag etliche mahl den puls greiffest Spee
güld. tugend buch (1649) 625;
seltener nach
und an: der artzt greiffete nach des krancken puls Schupp
schriften 769; an den puls greifen Steinbach 1, 639;
auch bildlich für '
untersuchen, erforschen': ich will diesem velleisen meisterlich den puls grieffen Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 327; einer sache die puls greiffen ...
scandagliarlo e ponderarlo bene Kramer
teutsch.-ital. dict. (1700) 1, 558
c; wie es das alter trägt, der welt recht an dem puls zu greiffen Fleming
vollk. teutsche soldat 134 § 2.
die wendung geht deutlich vom obd. aus; greifen nach
und an
d. p.
scheint md. im 18.
jh. erlöschend, ersetzt durch fühlen (
vgl. th VII 2213).
hennen greifen u. ä.: warumb geht ihr nicht in die kuchen und kocht, .. greiffet die hennen obs eyer haben Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 79;
noch heute dialectisch: d' henne grīfe
n Staub-Tobler 2, 708; d hüe
hner grife
n Martin - Lienhart 1, 270; d' hihner greifen Follmann
lothr. 216
a;
mit dativ nur lexicalisch zu belegen: den pfäwin greiffen
i. e. experiri num gestant ova Corvinus 1, 370
a; den hünern greiffen
tastare le galline Kramer
teutsch.-ital. dict. (1700) 1, 558
c; den hennen greiffen Dentzler (1716) 139
b;
die wendung scheint specifisch obd., das heutige nd. sagt '
tasten'.
vergleichbar: ein vieh greiffen (
ob es fett ist) Kramer
hoch-nider-teutsch wb. (1719) 100
c.
die finsternis greifen können. aus der bibel stammender ausdruck (et sint tenebrae super terram Aegypti tam densae, ut palpari queant
ex. 10, 21): ez wirt vil vinsterze der zeswen unde ze der winstir daz man si griffen machals ez si tunchliu naht
genesis 150, 3
Diemer; das so finster werde in Egyptenland, das mans greiffen mag
2 Mos. 10, 21; egiptische finsternisz sind ubir und yn yhn, die man greyffen mag mit fingern Luther 10
1,
1, 660
Weim.; von Luther
als sprichwörtlich bezeichnet: es komen so dicke finsternisse, das man sie greiffen möchte, wie wir Deudschen pflegen zu reden 16, 152; es sind nun alle kühe schwartz, es ist so finster, dass mans greiffen kan Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 288; finsternis, die man betastet, die man greifen kan wie jene, die Ägypten einst belastet Heine 1, 315; da wurde es im ganzen himmel auf einmal so dunkel, dasz man es ordentlich mit händen greifen konnte Storm 2, 210. II@BB.
ins unsinnliche übertragen. II@B@11)
schritt für schritt läszt sich die entwicklung von '
tasten, fühlen'
zum rein geistigen '
begreifen'
verfolgen; besonders bei substant. object ist die ursprüngliche sinnliche bedeutung noch durchaus lebendig: es bleyben eygensinnige harte kopf, ob sie schon greyffen die warheyt und wunder gottis Luther 8, 21
Weim.; man sagt die new wal Ludowico, der wils nit glauben ..., bis ers greyffen muost Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 199; das man ye in Christo gott greiffen und sein art sehen solt
paradoxa (1558) 23
b; gott fühlet, spüret und greifet man in allen creaturen Mathesius
evang. S. Joh. 21
a; so solches nit augenscheinlich were und getast, griffen ohn allen zweiffel würde Paracelsus
opera 2, 480;
ähnlich noch sehr spät: lerntest du doch nur zu lügen, lügtest nicht so ohne kunst, dasz man greift den lügendunst Rückert 1, 326;
in anderen fällen zeigt sich deutlich eine hinwendung zu der bedeutung '
erkennen, begreifen',
namentlich bei absolutem gebrauch: dieser psalm, wie man wol greyffen kan, ist ein gemein gebet aller fromen Luther 19, 582
Weim.; disze lugen von den xxv. jar
s. Peters zu Rom wollen wir so klar machen, das auch Emser greyffen musz 7, 671; die lesterung möchte den juden nit zuo hertzen gen, wie du ausz dem evangelion greyffen kannst
flugschr. a. d. kampf d. schwärmer geg. Luther 31
neudr.; ist bekandt ..., und die tägliche erfahrung gibt es zu greiffen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 5; den boltz (
der himml. liebe) wer je gefühlet geschmidt in süssem brand, .. mags greiffen mit verstand Spee
trutz-nacht. (1649) 73;
am klarsten tritt die bedeutung '
begreifen'
zu tage, wenn abhängige sätze folgen, aber auch hier noch fälle concreteren gebrauchs, etwa: das man die sach aufs deutlichst an tag gebe, das es auch die jugent durch offne spil sehen, hören und erkennen und gleichsam greiffen möge, wie unrecht dem Hussen geschen ist Vogelgesang-Cochläus
heimlich gespräch 11
neudr.; schon früh: entschlús din inren sinne, tuo uf dinú geistlichen ogen ..; sich so maht du grifen, daz ich minen vrúnden daz aller minncklichest tuon H. Seuse
deutsche schr. 237, 5
Bihlmeyer; so man yetz greyfft, wie grossen schaden auch hailger lerer biecher geborn haben Eb. v. Günzburg 1, 204
neudr.; das sage ich darumb, das man greiffe, wie der Zwingel mit gauckeley umb gehet Luther 26, 359
Weim.; denn an diesen sprüchen greyfft eyn kind wol, das 18, 310;
bei Luther
sehr häufig, vgl. 18, 164. 197; 26, 346. 379; 34
1, 294; demnach greyffen sie auch das war sein, nemlich das die religion der christen weit ein anders ist dann Seb. Franck
beschreibung d. Turckey A II
b; ja halt man ewer bücher doch gen dem Trentisch concili noch, da wird man greiffen deutlich eben, das ir darwider gentzlich streben Fischart
von s. Dominici artl. leben 126, 125
Kurz; ders nicht greifft, das die ordnung in allen sachen den menschen .. gebüre Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 83; es können ja wohl die bauern greifen, dasz Frankreich und Holland so vil als öffentliche feinde seyn Leibniz
deutsche schr. 1, 171;
im 18.
jh. ist das rein geistige greifen
anscheinend erloschen; ein merkwürdig später nachhall bei Lenau: dir sind zu eng des glaubens schranken, dein Christus ist, greif' ich dich recht, die summe göttlicher gedanken im ganzen menschlichen geschlecht
werke 498
Barthel. II@B@22)
dasz für greifen
intellegere von der bedeutung contrectare, nicht von capere auszugehen ist, erhellt evident aus sätzen wie: auf das solch grobe blinde köpf greyffen, wie weyszlich sie mit yhrem regiren faren Luther 12, 116
Weim.; kain haid ist nie so plind und unsinnig gewest, der solches unpilt nit griff Aventin
bayer. chron. 4, 402
Lexer; dann ein blinder griffe, dass die schriften Avicennae nicht mögen ein warheit seyn Paracelsus
chirurg. bücher 17
c;
dafür spricht auch die häufige zusammenstellung mit sehen,
in der dieselbe entwicklung zu beobachten ist wie beim einfachen greifen,
s. o. 1: man sicht's und grift's, dass ich nit lügen
N. Manuel
Barbali 242
Bächtold, Barbali, du hast mich überkon! du redst so gruntlich und wol darvon, dass wir's sehen und grifen müessen und drüber fallen mit den füessen 1411; ich sihe und greiff das du zornig bist Murner
an den adel 53
neudr.; was darfstu uns leren, das diesz priesterschaft durch gewonheit biszher blieben ist? wilch baur und kind sihet und greyffet dasselb nit? Luther 7, 635
Weim., vgl. 15, 191; 26, 262; 34
1, 288; derhalben nimpt michs sehr frembd, dasz unser guter
M. Gentian hierüber den kopf prechen mag, zu beweisen .. als ob es nicht vor klar genug sei, dieweil mans täglich sehen und greiffen mag Fischart
binenkorb (1588) 74
b; du sichst und greifst, wie gut er sey dem, der ihn ehrt und liebt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 401
b; nun siehe ichs wol, .. und greiff es wol, .. es musz gestorben seyn Abr. a St. Clara
mercks Wien (1680) 19;
im 18.
jh. erlischt die bedeutung '
fühlen'
im wesentlichen (
s. o. A 1);
wenn also sehen u.
gr. ganz spät plötzlich wieder in stark concreter färbung erscheint, erklärt sich das daher, dasz jetzt an greifen
capere gedacht wird: du sollst nur etwas erfinden, dadurch Tiefsinns thorheit so klar an den tag kommt, dasz sie deine frau sehen und greifen musz Petrasch
lustsp. (1765) 1, 64; ich werde mich über manches aus dem gedächtnisse zu schwankend, zu unbefriedigend ausgedrückt haben — unter meinen büchern sollst du sehen und greifen Lessing 13, 410.
andere doppelwendungen: das sie greyffen und fülen möchten .., wie blindt und verstockt sie handlen Luther 15, 254
Weim., vgl. 18, 367; wadurch der böse feind sie dan .. in die stricke führet, daz sie es selbst schier weder fühlen noch greiffen Moscherosch
insomnis cura 107
neudr.; und was ist not, das ich alle unterscheydt ... ertzele, so doch die unvernünftigen thier solchs mercken und greyffen? Luther 8, 521
Weim., vgl. 15, 128; hiebey merck und greyff doch lieber christ, was das müssen für leüt sein Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 2, 160
a; ir greiffen und befinden, das man mit unfruchtbaren märlin uff der cantzel umb gat Eb. v. Günzburg 1, 52
neudr.; warlich alle vernunft mus bekennen und yderman greyffen, das Luther 12, 112
Weim.; das es alle vernunft greiffen und tappen mag 28, 323. II@B@33) an der wand greifen: man mocht es an der wandt greiffen, das es des teufels spill sey, noch will nymant di augen aufthun Luther 9, 543
Weim.; greiffs an der wand, an rex sim 27, 113; ha ha, das greifft man an der wandt, solt gottes sohn in solchen standt sich han begeben? Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) D VIII
a; und zwar es ist kund und bekant, ein blinder griff es an der wand, ich hab es lang bey mir gedacht, dasz es der vatr nicht recht gemacht Rinckhart
christl. ritter 78
neudr.; vgl.: er soll ihnen den vater fur die augen stellen, das sie ihnen (
ihn) greiffen und dappen kondten wie die wanth Luther 33, 557
Weim. II@B@44) mit händen greifen;
da diese wendung in älterer zeit genau so gebraucht wird, wie die unter 1
bis 3
genannten, liegt es nahe, auch sie an die bedeutung '
tasten'
anzuknüpfen: nu greyff du es selb mit der hand ob das nit eyn grosze tolle vorkerung ist Luther 9, 250
Weim.; so wil ich euch dez unterweisen daz ir es mit euern henden greiffen und augen sechen sölt Arigo
decam. 195
Keller; dass man es mit händen greiffen kan, dass das i für das u oder e .. gebrauchet werde Zesen
rosenmând (1651) 92; hingegen niemand ist, der nicht mit händen greifen könne, wie es so gar anders im lande stehen würde Leibniz
deutsche schr. 1, 242;
auch mit fingern
gr.: und das yderman muge mit fingern greyffen, das sie zu Rom nit eine gedancken haben, die warheit zuvorteydingen Luther 6, 619
Weim.; vel coeco adpareat. man möcht es mit fingern greiffen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 16
a; aber so mus man ligen, das mans mit allen fünfen greifen könne, was man nicht kan sonsten behaupten
Reinicke fuchs (1650) 365;
anscheinend nicht übers 17.
jh.; dagegen kommt mit händen
gr.,
das im 16./17.
jh. nicht sehr häufig ist, im 18./19.
erst zu voller blüthe; greifen
wird nunmehr, da die bedeutung '
fühlen'
im 18.
jh. erstirbt, als '
fassen'
verstanden: hier sieht man die wahrheit in ihrer wirklichkeit klar vor augen, dasz man sie mit händen greifen kann Reimarus
wahrheiten d. nat. relig. (1766) 313; wollt ihr mein wort nicht gelten lassen, sollt ihr's mit händen greifen und fassen Schiller
Wallensteins lager 867; man glaubte mit händen zu greifen, dasz der könig von einem papistischen einflusz beherrscht werde Ranke 16, 96; ich will es nicht glauben, ob ich es gleich mit händen greife: den allermeisten fehlt das intellectuale gewissen Nietzsche 5, 37;
daneben stellt sich seit dem 18.
jh. ein concreterer gebrauch mit substant. object ein: und da Gretchen den fremden in dem gütchen herumführte, und ihn alles schöne desselben mit aug und händen greifen lies Hippel
lebensläufe 3, 287; ich könnte einen gewissen jemand mit händen greifen, der auf mich gar nicht gut zu sprechen war Bäuerle
kom. theater 2, 43; die .. sternbilder .. hängen da in der klaren luft, der geist kann sie mit händen greifen, so deutlich nah schimmern sie herab B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig 1, 198; als ob unsere luft sich beinahe mit händen greifen liesze Allmers
marschenbuch 1, 55;
spurweise deutet sich die auffassung von greifen
als capere schon vor dem 18.
jh. an: lügen, die man wohl mit allen fünf fingern hätte haschen und greiffen können Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte 529; man möchts mit fingern greiffen Eyering
proverbia 3, 197;
so wohl auch schon: woldet yr myr nicht gleuben, so gehet hyn, horet, sehet yhn und greyffet myt feusten, an non sit Christus ille Luther 29, 626
Weim.; varianten: da hand und auge greift und sieht, wie gott und glück dich rückwärts führen Stoppe
Parnasz (1735) 2; ich greife mit händ' und füssen, wie freundlich der herr sey, in der belebten und leblosen natur Bräker
sämtl. schr. 2, 112. IIIIII.
präpositionale und adverbielle zusätze neben dem intransitiven verbum. III@AA. greifen zu. III@A@11)
auf gegenstände angewendet, der bedeutung '
ergreifen'
nahe stehend: III@A@1@aa) mit grimmegen muote greif Hagene zehant vil balde ze einer scheide, dâ er ein wâfen vant
Nib. 1502, 2; sie griffen zuo der speyse Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 15
b; von hertzog Ernsts bewartem schiff, wie er zu dem carfunckel griff Scheit
Grobianus 2258
neudr.; greift fröhlich dann zum wanderstabe Schiller 11, 312; als ich nun glaubte meine kräfte wären wieder hergestellt, griff ich zu meinen noch übrigen binden, und wollte sie um einen zacken des mauerkranzes winden Göthe 43, 330
Weim.; ist euch schon der wind nicht günstig, zu den rudern greifet brünstig 2, 39; da griff ich zuo den blumen, die du siehst Grillparzer 7, 13; er griff also zu hut und stock Fontane I 6, 48;
von jeher auch verblaszt oder bildlich: diu swert diu leiten si dernider und griffen zu der stôle wider W. v.
d. Vogelweide 9, 31; dieweil ich aber merckte, das es sehr kurtz .. so hab ich zur feder griffen und eine völlige erklärung .. gestelt Fischart
binenkorb (1588) A 6
a; die besondere fügung, dasz ein mann .. in augenblicken wo uns die sinne vergehen, .. zur feder greift, das unerträgliche in der gegenwart zu schildern Göthe IV 36, 26
Weim.; Carl der fünfte .. grif gemeiniglich zu einem buche, wenn er das schwerdt ... aus der hand gelegt Butschky
Pathmos (1677) 407; schicken sie mir sie (
die neue schrift) doch; wenn es der mühe werth ist, will ich einmal zur peitsche greifen (
in einer kritik) Görres
briefe 3, 167. III@A@1@bb)
besonders vom ergreifen der waffen, und zwar handelt es sich immer um den degen oder ähnliche waffen: ich war es, der zumahl der erste grief zum degen S. v. Birken
forts. d. Pegnitz-schäferey (1645) 53; als griff der ungeschickte kerl zum sebel Ziegler
asiat. Banise (1689) 67; nicht allemahl greift der gedrückte unterthan zum dolch Haller
Alfred könig d. Angels. 125; Wilhelm und Laertes griffen zu den rapieren Göthe 22, 37
Weim.; selten und spät von anderen waffen: was recht liebt, sollte zu den keulen greifen, um dieses ungetüm der macht zu tilgen Kleist 1, 380; ich werde nicht auf alles einzelne eingehen, halte es aber doch für pflicht, bei einigen ausfällen zum schilde zu greifen Vischer
altes u. neues 2, 4.
feste formeln: zur wehr greifen (
vgl. die belege th. 14
1, 180),
seit dem 16.
jh., vom 18.
jh. an seltener; weniger gebräuchliche variante dazu zum gewehr
gr.: zum geweer greyffen, den krieg anfahen Frisius
diction. (1556) 119
a; bey solcher herannahung des feindes wurden auch die römisch-catholischen bauren im Brisgow aufrührisch, griffen zum gewehr Chemnitz
schwed. krieg 2, 250; will man dem dichter dieses gefühl allgemeinen heiligen behagens rauben .., dann steht der friedliche mann auf, greift zum gewehr und schreitet gegen die ihn so fürchterlich bedrohenden irrsale Göthe 40, 274
Weim.; zu den waffen greifen;
seit dem 16.
jh.; anfangs seltener, erst mit dem 18.
jh. recht zur entfaltung gelangt: zuo iren waffen griffen, von leder rückten Arigo
decam. 341
Keller; eyn junckfrawe .. umb der willen ich zuo dem waffen und schwert greiff 275; so greiffen sie zu prügel und spiesen, zu wehr und waffen
Reinicke fuchs (1650) 392; er .. begert, dass si (
die fürsten) zun waafen griffen, ine (
den kaiser) erretten Tschudi
chron. Helvet. 1, 47; ohne wenigstens eine partei unter ihnen (
den churfürsten) zu haben, konnte Franz I. doch nicht zu den waffen greifen Ranke
reform. gesch. 1, 259; welche dritten staaten werden um deshalb zu den waffen greifen weil Moltke
schriften u. denkwürd. 5, 195; in einem kampfe derart .. sieht man die waffen, zu denen man greift, .. nicht an Bismarck
ged. u. erinn. 2, 78
volksausg. eine ähnliche entwicklung von der gegenständlichen zu einer mehr oder minder bildlichen verwendung läszt sich bei zum schwert gr. beobachten: dô griffen si zô den swerten
Straszb. Alex. 1732
Kinzel; man .. viel findet, welche vom pflug .. zum schwert gegriffen Grimmelshausen
Simpl. 48
Kögel; gilts deine ehre, greift zum schwert die hand Böhme
volksthüml. lieder 64. III@A@22)
übertragen '
sich machen an, schreiten zu'. III@A@2@aa) er kom zeinem wazzer haizet Tuonouwe, da greif er wol ze bouwe, ain stat worht er dâ
kaiserchron. 686
Schröder; dô man aber darzuo wolt grîfen mit den teidingen Ottokar
österr. reimchron. 37342,
vgl. 7621; 35873; also worden mannliche hertzen durch weiblich treher .. bewegt, das sie von dem streit liessent und zuo der theyding griffen Carbach
Titi Livii röm. hist. 6
v (ad foedus faciendum duces prodeunt
Liv. 1, 13, 4); ob du gleich unschüldig und der man schuld hat, so solstu doch .. erstlich zur sönung greiffen Barth
weiberspiegel (1565) F VI
a; greiff dapfer zu der gegen-wehr H. Sachs 1, 219
Keller; wo anfangs nicht ein mann zur gegenwehre griff Gottsched
dtsche. schaub. 1, 385; vergisz nit zu vermanen heut, das wir all greiffen zu der schlacht Spreng
Ilias (1610) 44
b; das er verzweifeln mus und nicht mag greiffen zu der bus Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) G V
a; als den 20. februar 1629 Hanns Jäggler .. sein richterambt aufkindet, hat ein löbl. magistrat ... zu einer neuen richterwahl grüffen
österr. weisth. 6, 200, 16;
anders: wenn sie (
die richter) hernach zum ampt greiffen, das sie .. kein person ansehen Luther 28, 537
Weim.; als er
Albrecht II.) zur keyserlichen regierung greiff, freweten sich dieses herren alle reichsgenossen Hossmann
von keyserl. wahl u. krönung 311; '
kommen auf, übergehen zu': die red süll wir lâzen varn unde grîfen zuo den jârn .. Jansen Enikel
weltchr. 6062; ehe wir zur auszlegung greiffen, mussen wir zu vor ausz dem weg reumen das unkraut falscher lere Luther 8, 344
Weim.; ich aber zuo dem andern fürnemlichen theyl greyff Güttel
evang. warheyt (1523) B I
b; drumb lass dir die zeyt sein nicht lang! wir wöllen greiffen zum anefang (
steht im prolog) Schumann
nachtbüchlein 177
Bolte; wider
gr. zu '
sich wieder zuwenden': nuo sult ir widir grifen zuo uwirme schepfere unde lazit iu wesen unmere die vil bosen abgot
Trierer Silvester 430
Kraus; anders: diser Arnoldus bewegt das volck zu Rom, sie söltend wider zu irm uralten regiment .. und irer statt fryheiten gryffen Tschudi
chron. Helvet. 1, 67. III@A@2@bb)
besondere wendungen. zur ehe greifen. ohne dialectische unterschiede vom 14.
bis in den anfang des 17.
jhs.: diz merke ouch du vil ebene, e du grifes zu der e
passional 291, 79
Köpke; er greiff widder zu der ee ader nit (
sive contrahat matrimonium sive non)
oberrhein. stadtrechte I 1, 9 (
urk. von 1325); wilt du mit ir zu der ee greifen?
fastnachtsp. 513, 2; darzuo sag ich, das zuo heuraten oder zuo der ee greiffen niendert geboten ist von got Murner
an den adel deutscher nation 43
neudr.; wilche person mügen mit eynander zur ehe greyffen Luther 10
2, 275
Weim.; die zweymal zür ee griffen haben Casp. Hedio
chron. Germ. (1530) 237
b; wann sy wider zuo der andern ee greiffen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 63
a; in .. paten das er zuo götlicher ee griffe Arigo
decam. 657
Keller; Hans
N. und Greta
N. wöllen .. zum heiligen stand der ehe greiffen
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 96; die .. castriert seind, .. mögen nicht zur ehe greiffen Paracelsus
opera 2, 414;
seltene variante: derhalben soll sie es gleich mit im wagen, und mit im in die ee greiffen Bebel
facetien (1558) M 1
a;
bair. auch zu der konschaft, zur heirat
gr. Schmeller 1, 989;
hie und da taucht im 16.
jh. zun ehren greifen '
heirathen'
auf: umb derer willen, so dise fasznacht zun ehren greiffen wöllen Kirchhoff
wendunm. 1, 296
Österley, anscheinend eine vermischung von zur ehe greifen
und zu ehren schreiten (
vgl. th. 3, 57).
wohl nicht ohne zusammenhang mit zur ehe
gr. mit
ist folgende wendung: ein man sall gelden furo seine frawen .. und die fraw vor den mann. wanne wer sich vorandern will, der sehe sich vor, zu weme er greife Purgold
rechtsbuch 2, 344
Ortloff. zur sache greifen '
auf die sache kommen, die sache angreifen': darnach greifft er mit ernst zur sachen und wils aus dem text Johann. 6. beweisen, das Luther 26, 367
Weim.; da greyffet S. Petrus recht zu den sachen und wil so viel sagen 14, 28; wolan das ichs nicht zlang mache so wöln wir greiffen zur sache
M. Agricola
musica instrum. deudsch 150
Eitner; yetzt wil ich zuor sachen greiffen, und das gantz geschwirm .. erklären Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 4, 71
a;
ähnlich, aber ungleich seltener: nun wöllen wir zuom handel greyffen Eb. v. Günzburg 3, 260
neudr.; aber wir wöllen zum fürgenommenen handel greiffen Bech
Agricola bergwerck buch (1621) 2;
auch '
sich thätig einer sache annehmen, die sache in die hand nehmen': ir liebn getrewn greifft zu den sachen und rhatet mir mit gantzen trewen, ir dörfft daran gar niemand schewen, zu straffen die schendlichen that H. Sachs 15, 94
Keller-Götze, dann etlich wolten sein fridlich leben nit sehen noch dulden, sonder eh selbs zur sach greyffen Stumpf
Schwytzerchron. 374
b; lasz uns mit worten nicht umbgehen, dardurch das werck beleibt anstehen, wir wöllen greiffen zu der sach Spreng
Ilias (1610) 21
a.
zum werk greifen u. ä: welcher zu einem solchen werck wil greyffen, der sol in seinem fürnemen wissen was er machen wil Dürer
vier bücher v. menschl. proportion T II
a; sich nicht zu säumen, sondern zum werk zu greifen Leibniz
deutsche schr. 1, 205; nach dem rath greiff zur that Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 157
a;
vgl. 109
b; fürst Hector griff auch zu der that Spreng
Ilias (1610) 83
b; wan er (
der bischof) zu eüch (
der haushälterin) do wirt schleichen; haist eüch die füchszkürssen weichen, ee das er zu arbeit thut greiffen
pfarrer v. Kalenberg 42, 847
neudr.; jedoch vollstreckt er das gebott, so ihm gegeben war von gott, und bald bereiten liesz die schiff. damit man zu der arbeit griff Spreng
Ilias (1610) 72
a. III@A@33)
abzusondern ist der gebrauch von gr. zu,
wo es sich um eine wahl handelt: er (
gott) hat dir feur und wasser fürgestellet, greiff zu welchem du wilt
Sir. 15, 16; darumb steet in des menschen freyem will, zegreyffen zuo tyerischer oder zuo erster menschlicher art Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 369
Reithmeyer; leidenschaft und zufall werden mir schon maasregeln an die hand geben, wenn ich auch jetzt noch nicht weiss, wozu ich greifen soll Meiszner
skizzen 1, 136;
ähnlich und seit dem 16.
jh. häufig für das ergreifen einer maszregel u dgl. beim versagen, fehlen, nichtgenügen anderer möglichkeiten, '
seine zuflucht nehmen zu': will solches alles nicht helfen, so musz man zum scheiden greifen Luther
br. 5, 667
de Wette; dass sie nicht leichtlich, ohne hochdringende noth zur nottaufe eilen oder greiffen sollen
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 70; bliebe endlich der sieg dem Bardanes, und muste Gotarzes zur flucht greifen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 94; und vater und sohn muszten wieder zum handwerk greifen Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 165; in der verzweiflung griff man mitunter zu ganz abenteuerlichen .. konjekturen Gentz
schr. 2, 170; der arzt welcher .. zaghaft zu palliativen greift, wird nie die krankheit heben B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig 2, 382; man griff (
bei der rekrutenaushebung) zu unbärtigen knaben und familienvätern Häusser
deutsche gesch. 2, 473; wir wären dann nicht genöthigt, zur besteuerung der genuszmittel zu greifen Bismarck
polit. reden 4, 243;
so mit vorliebe in verbindung mit mittel,
doch kommt diese phrase erst mit dem 19.
jh. recht in schwang: sie musten ihre wolfahrt beobachten, und zu andern mitteln greiffen Olearius
reise-beschreib. (1696) 119; eine (
philologische) schwierigkeit, bei der er (
Klotz) so gar zum gefährlichsten mittel greifen musz Herder 3, 339; vermelde dem guten Rehbein: .. dasz ich diese tage zu keinem ärztlichen hülfsmittel greifen müssen Göthe IV 36, 80
Weim.; wirklich griff Brienne .. zu den mitteln der verzweiflung Dahlmann
gesch. d. frz. revol. 138; die nothwendigkeit, im kampfe gegen eine übermacht des auslands im äuszersten nothfall auch zu revolutionären mitteln greifen zu können Bismarck
ged. u. erinn. 2, 78
volksausgabe. III@A@44)
isolierte wendungen. zu sinne gr. '
des sinnes werden, sich entschlieszen, sich besinnen, zur besinnung kommen'
; wesentlich nd. ausdruck: ich dachte an daz megetin, ich leyt swere gantze, ich greyff hertlich doch zu syn, ich hob uff myne lantze Cersne
minneregel 4221; darum se to synne greppen, des insampt do worden al eyn
städtechron. 16, 196; de hadde on seer vorschrecket in dem haghen dar he do slep, dat he yo nicht to synne grep 16, 202; das ein radt der altenstadt das Barfuesser kloster hat lassen befehlen zuzustehen, bisz das rumorisch volck wieder zu sinnen greiffe 27, 172 (
aus der historia des Magdeburgers Seb. Langhans).
zu den zügen gr. '
in die agonie verfallen, sterben' Schmeller 1, 990,
seltene variante zu in die z.
gr. (
vgl. sp. 38);
vielleicht veranlaszt durch wendungen wie: als einez zem tôde grîfende wirt, sô hât man des site Berth. v. Regensburg 43, 5
Pfeiffer. gr. zu
auf personen angewendet '
gefangen nehmen',
specifisch alem.: wer anders liefe, .. zuo dem wil man griffen und in den turn legen
Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 149
Brucker; do griffend die von Costentz zuo im und fiengen in und entran sin knecht Richental
chron. d. Constanzer conz. 90; zuo einem greyffen und in gefencklich an nemmen Maaler (1561) 192
a; Dentzler (1716) 139
b;
in anderen dialecten mit anderer bedeutung: botschaft ..., daz der herren von Bairn volk etlich dez reichs stet angriffen haben, e daz man zu in griffen (
sie angegriffen) hat
städtechron. 1, 142, 19 (
Nürnberg, a. 1388); we ok myt deme andern gudliken ghelevet heft, de en schal nicht to om gripen noch ienneghen schaden don Schiller-Lübben 2, 148
b aus einem landfrieden von 1391;
nur im alem. auch von gütern '
wegnehmen': darnach graif erst unsser herr der küng zuo hertzog Fridrichs guot Richental
chron. d. Constanzer conz. 70; darumb ist es so vil, man hat yhm die kue genommen, als, man hat yhn zu yhrer narung griffen Agricola 750
teutscher sprichwörter (1534) L I
a; in sölchem krieg greiff keyser Otho der 4. zu dem schloss Rheynegk Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 339
b;
vgl. einem zum seckel greiffen darausz zu stelen Calepinus
undec. ling. (1598) 866
b.
in der jägersprache: da denn der jäger bemühet seyn musz, den hund hiervon hinweg zu bringen, damit er wiederum zur erden greiffe Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 4; ein wohlgeführter leithund, der wol zur färthe greifet, keine leichtlich überziehet Heppe
aufrichtiger lehrprinz 34; da lernt der hund desto besser zu boden greiffen Döbel
jäger-practica (1754) 1, 96. III@BB. greifen nach. III@B@11)
in eigentlichem sinn, mit dinglichem object. III@B@1@aa)
im unterschiede von gr. zu
liegt bei gr. nach
das gröszere gewicht auf der handlung des greifens als solcher, dem langen, haschen nach etwas; daher denn auch das resultat nicht nothwendig ein ergreifen zu sein braucht: dô rang er nâch ir minne und zerfuorte ir diu kleit. dô greif nâch eime gürtel diu hêrlîche meit
Nib. 587, 2; das h. öl ..., darmit man die krancken schmiert, wann sie anfahen nach dem leilach greiffen und im hals rocheln Fischart
binenkorb (1588) 182
b; wann mir die sach gelücken thut, das ich die männer beyd gewisz .. werd uberwinden unverdrossen, so greiff du eylends nach den rossen Spreng
Ilias (1610) 57
a; indem der meisten herz von wollust überläuft, und blindlings, ohn bedacht, nach einem gatten greift Weichmann
poesie d. Niedersachsen 2, 95; retten sie das kind! rief sie; wir wollen nach dem übrigen greifen Göthe 22, 214
Weim.; Achill erfreut sich daran, indessen die frauen nach den gefälligen waaren greifen 48, 19; er .. griff nach dem kettenzwickel und machte den .. ziehhund los Fontane I 5, 125; planlos griffen ihre hände nach diesem und jenem Storm 1, 229;
bisweilen klingt die bedeutung '
tasten, fühlen'
an: also begab es sich in einer nacht, daz der ritter aus seinem schlaff erwachet, und wolt neben sich greiffen nach seiner frauwen
buch d. liebe (1587) 286
a; wer was wehes hat, der greifft darnach Henisch 1738; ich greife im finstern nach der klingel Brentano
Godwi 1, 160;
die begriffsgruppen, mit denen sich das verb. vorzugsweise verbindet, lassen die ursprüngliche bedeutungsrichtung der formel klar erkennen: dô greif er (
der esel) sâ durch gewin nâch dem haberen dar in Stricker
Amis 275; owê my, owê Eva, dattu iüwerlde greppest dâr na (
nach dem apfel)
sündenfall 1122
Schönemann; 'ja', sprach der Eulenspiegel, 'ja', wolt nach dem braten greiffen da Fischart
Eulenspiegel 282, 7786
Hauffen; vgl. in einer wüsten, kahlen, menschenleeren zeit, greift das herz nach jeder nahrung Börne
ges. schr. 1, 181; die kisten schlosz er auf gedrot nach dem gut griffen sie bhende Gengenbach 36
Gödeke; als die kaiserliche flotte .. auf allen seiten nach reicher und bequemer beute um sich griff Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 4, 109; das greifen des polypen nach der wahrgenommenen beute D.
F. Strausz
schr. 6, 138; ich griff nach einer pistole Schiller 4, 216; ich muszte ihn lange rütteln, plötzlich fuhr er auf und griff nach dem pistol Moltke
schr. u. denkwürdigk. 6, 15; ein offizier ward über die verwegenheit des indianers so aufgebracht, dass er nach einem gewehr griff J. G. Forster
sämtl. schr. 2, 10; listig blickt er auf ihn hin, lauernd dasz er ihn tödten könne, indem er heimtückisch nach dem versteckten dolche greift Hegel 10
1, 260; das gehen und greifen nach der waffe dauerte doch länger, als der eber zum umkehren und wiederangriff zeit gebraucht hatte Laube
ges. schr. 2, 9;
nicht selten verschwimmt der unterschied, der gr. nach
und gr. zu
bei waffen trennt: dort hat ein paar sich bey dem haar: der greifft nach seinem degen;
Königsb. dichterkreis 31
neudr., auch ihr, o helden rechter art! die langsam nach dem schwerte greifen Gottsched
ged. (1751) 14;
jung und erst bei erzählern des 19.
jhs. häufig in fällen wie: Wurm. (greift nach hut und stock ..) Schiller 3, 365; einige griffen schnell nach ihren hüten Langbein
sämtl. schr. 31, 143; Fanny und deren tante griffen nach ihren umschlagetüchern Holtei
vierzig jahre 1, 199;
älter: greiffen als die kind in die spiegel nach dem bild, das sie sehen Keisersberg
irrig schaf (1514) 51
a; das kind greift nach allem, betastet alles Salzmann
ameisenbüchlein 83; die kindische art, in die ich verfallen, sofort nach dem glänzenden zu greifen Keller 3, 229. III@B@1@bb)
in gewissen, z. th. formelhaften wendungen zeigt sich ein verblaszter oder bildlicher gebrauch: zuerst also griff ich nicht nach werken, die er .. geschrieben hatte Herder 17, 28; es kommt ein büchlein von ihm heraus ..; begegnet es dir, so greife darnach Göthe IV 35, 147
Weim.; will man nicht katholischen orten Calderonische stücke geben, so greife man nach der groszen Zenobia E. Th. A. Hoffmann 4, 76; wie entschieden das publikum vorzugsweise nach jenen darstellungen aus zweiter hand greift Schopenhauer 1, 25; ich griff (
bei der lectüre Göthes) zuerst nach allem, was sich durch den druck als dramatisch zeigte Keller 2, 11; wer auf treume helt, der greifft nach dem
schatten Sir. 34, 2; wer sind sie (
die larven)? — schatten von vergnü
gen. — ihr greift nach ihnen. — sie verfliegen Joh. E. Schlegel 4, 183; ich bin zu sehr wachend, als dasz ich nicht fühlen sollte, dasz ich nach schatten greife Göthe IV 1, 263
Weim.; wer immerdar nach schatten greift, kann stets nur leere luft erlangen 5, 44; hernach lies der bapst Clemens eine bulle ausgehen .., darinne er grieff nach aller könige und fürsten
gelt Luther (1561) 6, 536
a; ich liebe beydes: ich halte es mit dem silber und greiffe auch nach dem golde Birken
ostländ. lorbeerhayn 10; sie (
die streber) haschen nach würde, sie greifen nach geld Overbeck
verm. gedichte 52;
vgl. der nit nach dem seckel stelt und greifft, ... der ist ein bider christen mann
schöne weise klugreden (1548) 96
a; als er .. einen dolch zu sehen glaubt, und mit einem griff, wie man nur nach
kronen greift, nach dem hefte haschte Sturz
schr. 1, 12; aus ehrgeitz griff man itzt nach kutten wie nach kronen Zimmermann
einsamkeit 1, 328; hab ich gefehlt, mein gnädigster gemahl, so sollte die königskrone dieses reichs, wornach ich selber nie gegriffen habe, mich zum mindesten für dem erröthen schüzen Schiller 5, 51; ich wagte .. ihm zu sagen, dasz wir uns liebten. und der gebrochene mann griff danach wie nach einem
strohhalm Storm 1, 280; er stehe nicht hilflos da und brauche nicht nach jedem strohhalme zu greifen, den man ihm hinhalte Polenz
Grabenhäger 2, 20. III@B@1@cc)
von personen: als der aussatz greufft geren nach dene, die do zertlich sein Luther 9, 557
Weim.; die kalte hand des todes erstarrt den nicht schneller, nach dem er greift, als Klinger
werke 4, 35;
anders: nun aber wäre zu berathschlagen, was zu thun; ob bey zeiten nach der Griechin zu greiffen .. wäre? Lohenstein
Arminius (1689
f.) 2, 615
a; man greife nun nach mädchen, kronen, gold, dem greifenden ist meist Fortuna hold Göthe
Faust II 7102;
häufig als '
gefangen nehmen',
vorwiegend bair. und schwäb. (
vgl. das alem. greifen zu
oben sp. 31): sonder ein rath wil hie und anderswo, wo der betreten wirdet, nach im greiffen, ine ein halbe hore an den pranger stellen lassen
Nürnb. polizeiordn. 240
Baader; öfter in den österr. weisth., so 6, 2, 44; 13, 11; erlaupt mir, so will ich nach in greifen und in fanknus pringen
städtechron. 2, 317, 3 (
Augsb.); Nero liesz nach vielen greiffen und hart umb unschuld martern Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 20; also sol der profosz nach demselbigen greifen Fronsperger
kriegsbuch 1, c 4
v; dasz die oberkeyt nicht nach ihm griffe des todtschlags halben Nigrinus
von zäuberern (1592) 30. III@B@22)
von jeher auch uneigentlich, vielfach neben abstractis: sîns herzen gir nâch prîse greif
Parz. 15, 25; das man erkenne, wöllicher recht oder unrecht gryffe nach der freyhayt, so yetz gepredigt würdt in gottes evangelio Eb. v. Günzburg
sämtl. schr. 2, 122
neudr.; denn man ungern unterlasset, nach der occasion zu greifen, die man .. gewünschet Leibniz
deutsche schr. 1, 249; die alten (
arzneimittel und kleidertrachten) kommen ausser der mode, da ein jedweder begierig nach dem neuen greift
allg. deutsche bibl. 1
2, 126; sie .. verachten das naheliegende gute, um nach fernen erscheinungen zu greifen Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 206; wenn unsre höhere welt deutsch spricht, greift sie nicht jeden augenblick nach einem französischen worte Arndt
schriften für u. an s. l. Deutschen 1, 426; nach einem zeitvertreib zu greifen Mörike 3, 29; der dichter soll nach realistik greifen Pocci
komödienbüchlein (1859) 214; sich selbst zerfleischend, griff sie nach den härtesten worten Storm 3, 65; haben die Römer ... damals erstlich nach den ubrigen ländern Italie gegriffen Xylander
Polybius (1574) 4; an den neuen zäunen ... sieht man wie viele wohlhabende leute in der letzten zeit nach gröszern und kleinern stücken eines fruchtbaren bodens gegriffen haben Göthe IV 12, 215
Weim.; biss sie auch nach dem zaum der herrschaft griffen Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 342
b; (
die preuszische macht) die, in ihrer geltung im reiche mächtig gewachsen, doch nicht nach dem kaisertum greifen wollte Ranke 31, 452; ein guter genius hat seine (
des kindes) hand geführt, dasz es nicht nach dem tode griff, der so nahe zubereitet stand Göthe 23, 299
Weim.; von allen seiten gedrängt, greift er zerstreut und unwillkührlich nach dem tode Tieck
schr. 7, 135; berechnungen einer nach allen mitteln des widerstandes greifenden gefährdeten existenz Ranke
reform. gesch. 2, 112; ein mensch, der hungert und friert .. greift nach den mitteln, welche die gegenwart ihm bieten kann Moltke
schr. u. denkwürd. 7, 76;
nicht selten in einem sinn, der dem von gr. zu
oben sp. 30, 3
sehr nahe kommt: Newton griff also nach der ausflucht Göthe II 2, 134
Weim.; als don Karlos fliehen muszte mit der ganzen tafelrunde, und die meisten paladine nach honettem handwerk griffen Heine 2, 356; für ernstere fälle .. griff sie nach dem starken .. sal volatile irgendeines kraftspruches Fontane I 1, 53. III@B@33)
mit dat. der person: sie kan dich singen lassen, pfiffen und sie dir nach dem seckel greiffen Murner
die mülle 12, 235
Albrecht, zih den balken vor ausz deim aug, eh aim andern nach seim splitter greifst Fischart
podagr. trostb. 43, 11
Hauffen; mit besonderem sinn: satan greifft dem gott stets nach der chron Luther 32, 155
Weim.; das sie . Christo nach seinem richt stuel greiffen 18, 529; das wir uns nicht haddern uber der gotheit, alioqui greiff ich gott nach seim namen 27, 242; (
die laffenprediger) die leudt leren gantz gott entgegen. und ym nach seyner eer greiffen 9, 186; dasz sie ihrer fürstl. durchlaucht nach der oberbotmäszigkeit gegriffen
acta publ., verhandl. d. schles. fürsten u. stände 240; Adam und Eva (
haben) gleichsam als Absolon ihrem vater gott im himmel nach scepter und cron gegriffen Dannhawer
catechism. milch 1, 122;
vornehmlich von theilen des körpers: nach der gurglen greyffen Maaler (1561) 192
b; will er da sitzen lang zu mausen, so greiff im bald nach der kartausen und wirff in ubern nechsten banck Scheit
Grob. 670
neudr.; erst hetzt es an mich seine hund, die griffen mir nach kehl und mund Rollenhagen
froschmeuseler (1595) l v
a; Ehrenfried die alteration sehende, griff ihr nach der hand
mediz. maulaffe (1719) 17; sie .. wollte dem Gockel mit gewalt nach der hand greifen und ihm den ring wieder zurück drehen Brentano 5, 101;
gern bildlich: quare tum non fecerunt (
sc. vestes straverunt) pontifices et Pharisaei, immo murmurabant und wolten yhm nach dem kopf greiffen? Luther 27, 438
Weim.; ein aufrürer aber greifft der gewalt nach dem kopf und nach dem schwerd 17
1, 266; dieser medicus Christus greifft dieser kranckeit nach dem hals 34
2, 329; weil sie (
die weiber), die ohnedies allzeit den männern nach dem bart zu greifen begehren, hierdurch die gewalt in die hände bekamen
deutsche volksbücher 5, 7
Simrock; besonders: belegt er dich mit creutz und noth und greifft dir nach dem hertzen Sim. Dach 158
Oesterley; du schickst mir einen brief und greiffst mir nach den hertzen H. v. Hoffmannswaldau
u. and. ged. 1, 1
Neukirch; da greift ihm das verlangen nach der freundschaft wie ein schmerz nach dem herzen Jean Paul
flegeljahre (1804
f.) 1, 139;
selten ohne dativ: aber die stürme fahren doch auf und greifen nach dem herzen Jean Paul 7, 100
Hempel. III@B@44) nach
als blosze richtungsbezeichnung: betrachtungen dieser art greifen freylich nach allen seiten und sind schwer zusammen zu fassen Göthe IV 28, 135; ein enges aber festes Frankreich, das nach allen seiten greifen konnte Laube
ges. schr. 4, 72. III@CC. greifen in. III@C@11)
im ursprünglichen sinn des fassens, langens. III@C@1@aa)
zunächst bei hohlräumen verschiedenster art: ist schon eyn edler do den ir, des achtendt nit, greyfft in das geschir Murner
schelmenzunft 35, 10
neudr.; die in krebslöcher greiffen, werden ein menschen hand heraus ziehen Fischart
praktik 15
neudr.; immer tiefer greift sie in die tüte Holtei
erzähl. schr. 1, 15;
sprichwörtlich: er mag mitten in die schüssel greiffen
er hat ein vorrecht Eyering
proverb. copia 2, 405;
besonders: der krämer greifft in die wehr (
in das degengefäsz) und spricht H. Sachs 9, 16; sie lissen von den worten, und griffen in die schwert Mittler
deutsche volkslieder 4; in de wunden greif eins arztes hant
Parz. 480, 5; griff mir (
Jesu) in mine wunden und gleube zu dissen stunden
Alsfelder passionsspiel 7802
Grein; wohlan, mein herz! in dieser stunde will ich in dein geheimnisz schauen, und greifen tiefst in deine wunde Lenau 3, 187
Grün; mit was für einer edlen unverschämtheit er nur ohnlängst dem kammermädchen in den busen griff Rabener
sämtl. schr. 4, 49; in ihren busen greift der lose und zieht ir schmeichelnd keck das sanfte veilchen und die rose hervor aus dem versteck Lenau 27;
jung: ein frischer wind griff unterdesz rüstig in die geflickten segel Eichendorff 3, 229;
in den beutel greifen u. ä. seit alters für geld hervorholen: wenn ich helfen .. solt, mus ich yn den beutel greiffen Luther 34
2, 334
Weim.; dasz er in die tasche greife, wenn ers nöthig hat Schwabe
volleingeschancktes tintenfäszl 84; und du antwortest ihrer scheuen bitte und greifst in deinen säckel, greifst ziemlich tief Ebner-Eschenbach 4, 333; d' brautführa greifan in sack und vosteht so hübsch toif Stelzhamer
ausgew. dicht. 3, 69
Rosegger; hier ist zu rechnen und nicht zu fühlen, zu erwägen und nicht in einen loostopf zu greifen Göthe IV 9, 113
Weim.; greifen sie nie in den elenden loostopf B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig 1, 274;
vgl. nicht ohne schauder greift des menschen hand in des geschicks geheimniszvolle urne Schiller 12, 216. III@C@1@bb)
darüber hinaus in mannigfachen verbindungen, den verschiedenen verwendungsmöglichkeiten der präpos. gemäsz: in dreck greiffen Kramer
teutsch-italiän. (1700) 1, 559
a; wie die blinden, die nach dem wasser tappen und greiffen yns feuer Luther 26, 148
Weim.; wie wir deudschen von den weybern sagen: sie ist so zart und verzumpen, sie greiffe nicht yn ein kalt wasser 23, 609; und wenn ich wolte was berührn, so möcht ich keine entpfindung spürn, greiff in die reine luft hinein Ringwaldt
christl. warnung B V
b; ihre zitternden hände griffen umsonst in die leere finsternisz Storm 1, 161; die wurtzel ist starck, und greifft tief in den boden Chomel
öcon. u. physic. lex. 5, 729;
bildlich: aufblicken musz ich freudig zu den frohen, und in den äther greifen über mir mit freiem geist Schiller
braut 2724; doch nicht allein sind es kräfte .. der bewuszten natur, welche land schaffen; auch der mensch greift mit starkem arm in die flut Allmers
marschenbuch 1, 90; — hie haben sie auch vier gelyd gesetzt, das ich nach meyns weybs todt nicht mag widder yn yhre freundschaft greyffen Luther 10
2, 281
Weim.; diese beide geschlecht griffen in einander mit heirath 16, 102; greiff hurtig in das geld Olearius
verm. reise-beschreib. 389; zudem hatte onkel Nebendahl seine frau veranlaszt, in die schätze ihrer rauch- und vorratskammer zu greifen Seidel
Leberecht Hühnchen 253;
jünger: liebe greift auch in die ferne Schiller 15
1, 7; so weit in die unendlichkeit hinaus greift unser geist Raupach
dram. werke ernster gattung 5, 152; er (
Jean Paul) greift in die fernsten gegenstände der kosmischen welt, um bilder für die geheimsten stimmungen der seele zu finden Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung (1853) 5, 215; der sänger greift .. mitten in die materie Herder 24, 235; zudem hatte .. Marsiglio in seinem werke weit über die .. entwicklung des kirchlichen systems hinaus, in die christliche urzeit gegriffen Döllinger
akad. vorträge 1, 130;
specifisch göthisch: weil ich aber gar wohl weisz, dasz dergleichen in's ganze greifenden einrichtungen manches hinderliche im wege steht IV 29, 200
Weim.; vgl. I 25, 6; II 6, 118; III 11, 64;
isoliert: da hatte er sich wohl verkältet, und wie im ersten augenblicke denn keine hilfe zu haben war, griff er in die phantasie und wurde immer schlechter und schlechter Grillparzer 13, 264 III@C@1@cc) ineinander greifen
urspr. vom rädergetriebe; vgl.: wie bey der uhr ein rad in das andere greift Rabener
sämtl. schr. 4, 121; sieben kammräder, wovon jedes in einen trilling greifet Nicolai
reise d. Deutschland 1, 265;
daher erst seit dem 18.
jh. in schwang: eine stätige reihe in einander greifender, aus einander gleichsam quellender farben zu trennen ..., ist eine schwere aufgabe Göthe II 2, 62
Weim.; es gehört heut zu tag ein entsetzlicher umfang dazu, um in den wissenschaften komplett zu sein .. und was hat man davon, nichts als die ehre, dasz alles in einander greift mit leeren händen Brentano 5, 57; ein fest in einander greifendes kunstwerk E.
M. Arndt
werke 1, 242; das werk vieler in einander greifender umstände Ludwig 2, 570; die solostimmen und der chor greifen selbständig ineinander Jahn
Mozart 4, 587. III@C@1@dd) nu grifest du mir in min
herz mit dem undergang miner eren Seuse
deutsche schr. 67, 2
Bihlmeyer; darumb so ist gottes furcht nichts anders denn gottes dienst. damit greiffen wir gott yns hertz, das wir yhn fürchten Luther 19, 305
Weim.; um sing und sang schweifen die pfeifen, und greifen in's herz, mit freud' und mit schmerz Brentano 2, 333;
vgl. th. 4
2, 1213;
seit dem sturm und drang tritt die seele daneben (
ähnlich bei von
grund der seele,
s. grund): unsinniger, warum greifst du so kühn in meine seele? Klinger
werke 1, 5; bey gott, er greift in meine seele Schiller 5, 311;
seltener: lasz mich tiefer in deinen busen greifen, ich will mit sturm in die gluth blasen, die du in deinem herzen gesammelt hast Klinger
werke 3, 275; o welch ein schauder greift mit kalter hand in meine brust Mich. Beer
werke 88;
vergleichbar: aber ich halte, der prophet greiffe dem könige und den seinen yns gewissen Luther 19, 411
Weim.; in anderem sinne reflexiv: es heiszt: Hans nim dich selbs bey der nasen und greiff in deinen eigen bosen, wenn du wilt ein schalck suchen Luther 32, 479
Weim.; bei Luther
häufig, vgl. 2, 122; 20, 142; 28, 530; 32, 478; greiff in dein eygen buosen. sihe dich selbs an Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 120
a;
bis ins 18.
jh. gebräuchlich: jeder möge in seinen eignen busen greifen! Göthe II 5
1, 392
Weim.; wer doch immer in seinen eignen busen griffe? G. Forster 8, 170;
seit busen
im sinne '
inneres'
zu veralten beginnt, treten andere worte an seine stelle: merkt, wenn ihr wollt, ein weises sprüchlein euch, und greift dabei in eure eigne brust
Z. Werner
söhne d. thales (1803) 1, 102; du wirfst mir falschheit vor? .. greif' in dein eignes herz! Bauernfeld 1, 243; herr gensd'arm! jreifen sie in ihr herz, ob sie janz fehlerfrei sind? Glaszbrenner
Berlin wie es ist und —
trinkt 6,
th. 3, 5. III@C@1@ee) ins haar, in den bart, ins maul, ins auge greifen
u. ä. nur die erste dieser wendungen ist seit alters auch in wörtlichem sinne verbreitet: er greif im aber in daz hâr Stricker
Amis 1971; greifet aber ain gast ainem burger in sein har oder sleht oder stoeret in, der ist darumb schuldig fünf pfunt haller
Nürnberger polizeiordn. 35
Baader; Wenski (greift ihm in die haare) Fr. L. Schröder
dram. werke 3, 12;
daneben bildlich: willtu nicht sein (
des satans) eigen sein, so were dich, greiff yhm yn die hare Luther 23, 70
Weim.; mit diesen worten hat dennoch Pilatus den jüden viel in die har gegriffen, ob er schon scherfer und herter mit inen hette reden söllen 28, 342;
vgl. th. 4
2, 14;
ähnlich: itzt wollt ich .. eym solchen man, der eyn weyb also aufs narrn seyl furet, wol basz yn die wolle greyffen 10
2, 279;
vgl. 34
2, 76; (
Witzel) trat auf und predigt und greiff den hern und fürsten weidlich in die wollen, schalt und lestert greulich auf sie Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken G 3
a;
anders: das gott redt, er sey ein starcker eiferer, er lasse yhm nicht yn bart greiffen Luther 16, 467
Weim.; vgl. 14, 341; die fürsten .. greyffen godt zu frech yn den bart 17
1, 390; — Pharao sol bey seinem eigenen brot und mit seinen gütern seinen eigenen feind auferziehen .. das heiszet dem Pharao ins maul und nasen gegriffen und alle seine anschlege .. zu schanden gemacht 16, 20; divina potentia greyfft dem todt yns maul 17
1, 73;
gern, wo ein verdrehen oder meistern von geboten gottes, Christi u. s. w. gescholten wird: das ist ye nit anders, denn gottis willen und meynung wandeln und machen nach unserm willen und meynung; das heyst denn gott yn das maul greyffen Luther 10
1,
1, 533
Weim.; weitere belege th. 6, 1791;
zartere gemüther milderten in solchem fall die wendung: will ein eeman parfottisch christen werden, muoss er .. vom weyb geschayden seyn, das auch trutzlych Jhesu von Nazareth in den mund griffen werde Eb. v. Günzburg 3, 58
neudr.; während die genannten wendungen wesentlich im 16.
jh. blühen, bleibt die folgende bis ins 18.
durchaus lebendig: wer aber die (
christen) berürt, der greifft gott yn sein augapfel Luther 20, 516
Weim.; wer im ein leids thuot, greifft mir in die augen Seb. Franck
sprüchwörter (1541) 2, 74
b; es war auch .. nicht ein geringes den falschen mönchen und der ehrwürdigen geistlichkeit in die augen zu greifen Zimmermann
über die einsamkeit 1, 288; wer meinem Evchen was an der ehr abschneiden will, der greift mir ins aug H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 95;
vgl. th. 1, 794;
seltener: sol den teufel lassen her rennen und .. greiffen yhm yns fleisch Luther 32, 272
Weim.; der teufel greyff yn dises Christi fleysch
ebd.; welche fromme bischoff aber dem laster in die zän griffen Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 220
a; in die haube
gr. ist unursprünglich und eine späte entstellung des echten auf
d. h. gr. (
s. u.): wil gegenpart sich gleichwol straube, greiffe wir einander in die haube Gilhusius
gramm. (1597) 112; ich wolt ihnen auch wol in die hauben greiffen, und ihre tück zu offenbaren einen sonderlichen tractat machen Paracelsus
opera 1, 350
b. III@C@1@ff) in die züge
gr. in den letzten zügen liegen, in die agonie verfallen, vorzüglich bair., auch schwäb. (Edw. Schröder
vermuthet als ausgangspunkt der redensart: in die zieche
ins betttuch greifen): man thut in manchem haus oft finden fünf kranck, eins schreit, daz ander jemert, das drit ächtzet und das viert wemert, das fünft das greiffet in die züg H. Sachs 10, 374
Keller; als sie griff in die züg hernach Spreng
Ilias (1610) 238
b; drumb seit fein still! dann es dunckt mich, ihr majestat greiff in die züg Ayrer
dramen 1, 719; dasz ich .. ihn so lange bey dem hals würgete, bis er in die zügen griff Hafner
lustspiele 1, 42;
auch in die letzten züge
gr. Otho
evang. krancken trost 520
und sehr oft; vgl. Schmeller 1, 990; Fischer
schwäb. 3, 820;
selten mit dativ: Achilles, der eben in seinen lezten zügen grif Birlinger
schwäb.-augsb. 201
b (
aus d. j. 1540). III@C@22)
hemmend, hindernd, schädigend in etwas (
ein)
greifen; einen eingriff vornehmen. III@C@2@aa) ich aber stund im in den weg, griff ihm in zaum H. Sachs 3, 486
Keller; aber sie (
Medea) zu ehren, greif' ich dem stürmer in den zügel Klinger
werke 2, 302; aber fest griff sie in das milchweisze rosz und risz seinen reiter zur erde Arndt 6, 238; als ihm auch der schergen einer in den degen greiffen wolte, hieb er ihm die faust lahm Bucholtz
Herkuliskus 7; als schnöde raserey dir in dein richter-schwerdt durch balgen und durch mord zu greiffen hat begehrt Heräus
ged. u. lat. inschr. 145; greiff in die starken arme den frieden - stürmern, dasz sie doch das wehrte christenbluth so grausam nicht vergieszen mehr Rist
d. friedewünschende Teutschland 35; man musz .. dem schlechten in den arm greifen B. v. Arnim
Günderode 2, 28; dasz er allein das wehrlose Frankreich vor einem deutschen überfall bewahrt habe, indem er uns mit einem quos ego! in den arm gegriffen .. habe Bismarck
ged. u. erinn. 2, 200
volksausg.; mit welchem rechte .. ein wurm wie du .. in die räder dieser ungeheuren .. maschine greift Klinger
werke 3, 269; in Ixions rad möcht' ich greifen Göthe 17, 42
Weim.; verwegener! greife nicht in das rad fremder verhängnisse! Eichendorff 3, 184; ein held, ein dem glücksrad in die speichen greifender unüberwindlicher B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig 1, 218. III@C@2@bb)
abstracter: ist das nicht eyn toll küner geyst, der gott so frech yn seyne wort greyfft und eraus zwacket, was yhm gefellet? Luther 18, 145
Weim.; es ist mehr dann kündig, das sie eigentlich meineten .., es würde e.
m. thätlich darein (
in die reformation) greiffen Sleidanus
reden 159
Böhmer; ihr untersteht euch mir in meine werbung zu greifen Stephanie
lustsp. 96; o zeit, du greifst in meinen furchtbarn plan! Schiller 13, 110; doch dann kommt erst das gesetzegeben, das greifet dem klügsten in das leben Arnim 6, 9; die bureaukratie mit ihren hundert armen griff in jegliche wissenschaft Riehl
deutsche arbeit 43;
auch reflexiv: wie selten sind indessen exempel von leuten, die aus schmerz sich ins leben greifen Hippel
lebensläufe 3, 66;
meist vom eingreifen in rechte und competenzen irgend welcher art: er wölt in die kron ze Behem nit grifen, wann sin bruoder Wentzlau noch in leben wär Richental
chron. d. Constanzer conz. 108; vil neidiger menschen, die nit wöllen .. verzeihen, sie wöllen sich rechen, und greiffen got in seinen gewalt Pauli
schimpf u. ernst 30
Österley; wie viel mehr werden sie tyrannen und reuber sein, so sie got yn sein reich fallen und yn sein regiment greiffen Luther 26, 585
Weim.; die beichvetter wolten sich enthalden und nit yn gottes gericht greiffen 7, 292; dazu greiffen sie auch yn die bepstliche rechte und freyheit 26, 563; so greyff ich aber in dein urteyl, so ich mich nit lasz benügen an der zal und gradt, daran dich benügt Eb. v. Günzburg 2, 159
neudr.; uwer bischoff wolt mir in mein recht griffen Tschudi
chron. Helvet. 1, 149; dasz der bube in das heiligthum der gesetze griff Schiller 3, 34; man musz nicht in die allmacht gottes greifen Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 131; greif du nicht in der götter richteramt Grillparzer 5, 167; indem er klagte, dasz man ihm in die obrigkeit greife Ranke
reform. gesch. 1, 99; man nehme den klöstern .. ihre barschaft und kleinodien, greife den geistlichen in ihre freiheiten 2, 314;
auch bei realen competenzen: uns ist nicht zymlich noch fugelich, das wir dem .. bischoff zu Bresslow .. in sein furstentum und lande die sein veterlich erbe sein greiffen und in doran swechen
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 361 (
a. 1413); solt er (
Karlstadt) nicht .. dem fursten .. frechlich yn seyn gut greyffen Luther 18, 96
Weim.; der richter soll alsdann auf anzaigen des glaubigers dem schuldner in seine gueter greiffen, und den glaubiger davon zalhaft machen Lori
bair. bergrecht 226 (
a. 1532); nun haben die von Nürnberg mit dem bischoff zuohandeln gehabt, dann sie ainander zuonahent in daz gebiet griffen hetten Nas
antipap. eins u. hundert 2, B VIII
a; dasz die burger mit erweyterung ihrer vorstatt dem abt .. in das sein griffen Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 375
a; noch den landfürsten in ire gejaide .. mit purschen, jagen .. zuegreiffen
österr. weisth. 5, 13, 2;
besondere formeln: yhr aufrurischen gottes diebe, die yhr mir yn mein
ampt greifft Luther 19, 641
Weim.; ich glaub, dasz sie auch han geschworn, den ketzermeistern inquisitorn ins ehrlich henckerampt zugreiffen Fischart
nacht rab 26, 889
Kurz; damit .. kein richter ohne schwere verantwortung in ein höher ambt greiffen .. darf Thomasius
gedancken u. erinn. 2, 5; (
ich fürchte) der gütigen vorsicht durch meine wünsche ins amt zu greifen Schiller
br. 1, 259; doch herr pastor! ich hab' es gewagt, ihnen ins amt zu greifen Kotzebue 2, 238; welch schreckenslaut tönt durch die stille nacht und greift dem schlafverscheucher, kummer, in sein amt? Grillparzer 4, 204; — in das
handwerk der kürsner greifen
sich übergriffe erlauben durch herstellung von kürschnerwaren Jelinek
mhd. wb. für Böhmen 330 (
aus Iglauer stadtb., 15.
jh.); der sommer zu zeiten dem winter in das handwerk greifft Abr. a St. Clara
mercks Wien (1680) 149; da kein priester vorhanden war, griff ich der klerisei ins handwerk Pückler
briefw. u. tageb. 3, 221;
vgl. th. 4
2, 425;
ähnlich die materialisten .. den apoteekern in die kunst greiffen wollen Moscherosch
gesichte (1650) 344; — zum andermal greiff ich got yn seyn
ere und nim mich des an, das got alleyn zugehört
theologia deutsch 12
Mandel; (
man) erzürnet gott desto mehr, die weil man damit yn sein ehre und werck greifft und wils den menschen zu eigen Luther 30
2, 130
Weim.; wie der mensch, so er ihm selber etwas gutes zuschreibt oder zueignet, .. greifft gott in seine ehre Joh. Arndt
Thomas a Kempis übers. (1631) 5. III@DD. greifen
an. III@D@11) al zehant so leit man riemen und ruoder zuo und griffent alle an den anker Tauler
pred. 325, 10
Vetter; darumb greiff an disen rimen, und hilf hinüber rügen Hutten 4, 6
Böcking; indem so griff er an das hun und zog es strack vom spisz herab Fischart
Eulenspiegel 73, 1306
Hauffen; die diener griffen noch nicht an den abhub des ersten ganges, da Laube 2, 60;
anders: an nestel
gr. manus alicui dare Frisius
diction. (1556) 439; sie griffen denn zuvor an das baret und zogen es abe Luther 16, 136
Weim.; und der selb (
der neu eingesetzte richter) sol an daz stab grîfen, ain gemainer richter ze sîn, nach sînem gewissen .. zu richten
österr. weisth. 4, 343, 21; die misztheter sicher waren .., wenn sie an die hörner des altars griffen Mathesius
Sarepta (1571) 43
b; greifet flugs an die erde Grimm
deutsche sagen 1, 42; drauf greift er mit der hand an den geschärften stahl Zachariä
poet. schr. 1, 13; ich griff an's schwert vor ihrem anblick maler Müller 3, 283; die preuszischen officiere griffen an ihre waffen, um den frechen Franzosen niederzuhauen Freytag 13, 110;
frühzeitig entwickelte sich die bedeutung '
sich an etwas machen': hey, wie lichte man erbiten mochte den vil guten man (
die heiden zu taufen)! er greif mit vreuden dar an
passional 394, 66
Köpke; do greyfft er myt der tauf an seyn ampt Luther 34
1, 25
Weim.; mit rath und kenntniszen ausgestattet, griff er ans werk Herder 24, 430;
ähnlich zu verstehen: wil das nicht helfen, ist zu schlecht, so greiff ich an das fauste recht, und brauch mich desz dich zu vertreibn Gilhusius
gramm. 105. III@D@22)
in anwendung auf personen: sie lagen lang in groszer lust ir freud thet sich nur mehren er greyff ir lieblich an die brust Forster
frische teutsche liedlein 121
neudr.; greift doch an euren steisz Göthe 5, 121
Weim.; als wir uns aber, ohne ein wort zu sagen, an beiden händen griffen Storm
ges. schr. (1868
ff.) 9, 62; eine kühle morgenluft griff stärkend an alle glieder Eichendorff 2, 303;
dagegen: die schuld des bösen fiebers, das ganz erstaunlich an die nerven greift Schiller 5, 323;
jung scheint: gott! gott! (greift sich an den
kopf und fällt auf die knie) Lenz 1, 70; sie griff sich an die stirn, ein schmerzlicher ausdruck flog über ihr angesicht Ebner-Eschenbach 4, 227; Stertinius sagte: dasz ihm hiermit ans
hertz gegrieffen würde Lohenstein
Armin. (1689
f.) 2, 279
b; zurück! weg! greife nicht an das vaterherz, knabe! Schiller 3, 483; die reizende gestalt! der edle anstand! wie mirs ans herz greift 13, 374; lord Byron ist aber der wilde vater jener modernen poesie ohne pietät, welche mit nackten händen ans herz greift Laube 8, 358;
vgl. th. 4
2, 1213;
varianten: wer diese angreift, der greift uns an die seele Dusch
krit. u. satyr. schr. 199; ich musz dir etwas stark an deine entnervte seele greifen Klinger
werke 5, 69; das wiedersehen mit Peter .. hatte auch ihm ans gemüt gegriffen Boy-Ed
ABC des lebens, Velh. u. Klas. monatsh. 1901 I 546;
älter, aber selten auch reflexiv: nu grîpet an iuwe herte unde denket an de smerte, de god an dem cruce leit
osterspiel 25
Schönemann; oft griff ich auch dem trotzer an die kehle Schubart
sämmtl. gedichte 2, 55; greyfft man an deine ere, gut gerucht, gut und was du hast, so greyfft man nit in deyn, syndern yn Christus gut Luther 2, 91
Weim.; den Frundsberg greift's an seine ehr' Hoffmann v. Fallersleben
gedichte9 347; jemand ans leben greiffen Kramer
teutsch-italiän. (1700) 1, 558
c. III@EE. greifen auf. dem hat kinig Ferdinand alle wort nachgesprochen und hat mit beiden henden auf das evangelibuoch griffen
städtechron. 23, 316, 9; (
der priester) geet herab von dem altar, so geent man und frauen für in, so greufft er in auf das haupt Schiltberger
reisebuch 108, 3
Langmantel; hiebei griff er mit der freien hand auf die pistole und spannte beide hähne Stifter 5
1, 363;
übertragen: (
Leo X.) schencket sie (
die fürsten) alle dem teufel .. gab yederman gewalt, auf sie, ihre lant und leut zuo greiffen Sleidanus
reden 115
Böhmer; namentlich im bair. fester rechtsausdruck: da von sullen all die daigen die in der freiung gesessen sind vor dem lantgericht von Wolkenstein, das ain richter noch sein anwald in kainerlai weis auf seu nicht zu greifen hat
österr. weisth. 6, 27, 17; ob aber ein richter so stolz wehre und grief freventlich auf die freiheit, so ist er verfallen 149, 37; '
mit beschlag belegen': eim auf sein guot
gr. confiscare Frisius
diction. (1556) 292
b; wann ainer umb geldschuld oder ander erbar sach wich, auf des guet soll niemant greifen, weder richter noch phleger 428, 38;
vgl. 24; es war eine gutthat des Sempronius Gracchus, dasz man nur auf die güter griff Haller
Fabius u. Cato 156, 11;
anders: auf diese weise müssen die wenigen, so noch gut stehen, und worauf man zur zeit der noth doch greifen musz, nothwendig zu grunde gehen J. Möser 3, 276.
feste formeln: auf die haube gr.,
nicht nur drastisch volksmäszig, sondern auch litterarisch: sihe Claus was hastu für ein buben? du greiffst im nit gnug auf die huben, er hat uns schier hie all erschreckt Fischart
Eulenspiegel 36, 212
Hauffen; dasz sie (
die kaiserlichen) auch ihren feind auf die haube greiffen, und offensive gehen dörfen Chemnitz
schwed. krieg 1, 460, 2;
weitere belege th. 4
2, 563;
varianten: dasz kan ein groszer konig gesein, der der groszen konigen darf also auf die kron greyffen Luther 32, 75
Weim.; wer nicht bescheiden tuht, dem greifft er mit der faust, wie billig, auf den hut Rachel
satyr. ged. 70
neudr.; auf die haut gr. '
auf den leib rücken': als der gubernator merckt, dasz man ihm auf die haut greiffen wolt, ordiniert er sein schlachtordnung Stumpf
Schwytzerchron. 270
b; in deme der general Tilly .. dem churfürsten zu Sachsen selbst auf die haut griff und das messer an die gurgel setzte Chemnitz
schwed. krieg 1, 202, 2;
seltener: einem aufs lebendige greiffen Kramer
teutsch.-italiän. (1700) 1, 558
c; darumb halt ob in hart und vest, mit strenger herrschaft, ist das best! und greuf in dapfer auf das maul H. Sachs 9, 314
Keller; darumb solten wir bitten .., das got dem kayser so vil genad geb, das er die fürsten in zaum hielt, die fürsten den adel und die stet und also fort die oberherren den underherren auf die köpf gryffen und visitierten Luther 17
1, 150, 11
Weim.; anders: wir sind all gebrechlich sagt mein fraw aptissin, do greiff sie uff das heupt Eyering
prov. 2, 493; wenn ich nur sonst ein wacker kerl bin, und ihr weidlich auf die wolle greiffen kan (
im brautbett)
engl. comedien u. tragedien (1624) Z 3
b. III@FF. greifen um. ich griff rasch um das fernrohr und schwang es gegen jene stelle des himmels Stifter 1, 14;
selten in solchem gebrauch, gewöhnlich reflexiv um sich
gr. III@F@11)
in wörtlichem verstande: do es nun mitternacht was, erschrack der mann und greyff umb sich
Zürcher bibel (1531)
Ruth 3 B (
v. 8); (
wenn die gäste) sitzen an dem disch, und keiner ist zu essen frisch, so greiff umb dich, nimb ein par wecken Scheit
Grob. 2749
neudr.; da ich das gleichgewicht verlier', und gleichsam ertruncken in den lüften um mich greife, fasz ich die hosen H. v. Kleist 1, 326;
in weiterem sinne: und zum dritten, das man eraus fare, umb sich greiffe und begere, das iderman mochte geholfen werden Luther 28, 79
Weim.; sie .. sehen .. vil lieber es wäre kain richter, kain hoheschuol damit sie nur frey keck und frisch umb sich greiffen und toben möchten Nas
antipap. eins u. hundert 1, 207
b; jedes wesen darf von natur um sich greifen, so weit es macht hat Heinse 4, 155; man müsse den kindern nicht merken lassen, wie lieb man sie habe, sie griffen immer zu weit um sich Göthe 21, 24
Weim.; ich freue mich sehr, dasz die xenien bey ihnen eingang .. gefunden haben, und ich bin völlig der meinung, dasz wir weiter um uns greifen müssen IV 10, 356;
besonders militärisch, politisch: haben sich die Visigotthier empöret, umb sich gegriffen, ihr landmarck erweytert Stumpf
Schwytzerchron. 192
b; gleichwol .. gewan der feind immer mehr und mehr luft, sich hervorzuthun und ümbe sich zugreiffen Chemnitz
schwed. krieg 2, 104; er sah ruhig zu, dasz die Oesterreicher rasch von Straubing aus weiter um sich griffen Döllinger
akad. vortr. 1, 48; die .. so gewaltig .. um sich greifende etruskische nation Mommsen
röm. gesch. 1, 302; vertheidigungsbündnisz .. für den fall, dasz Napoleon in Italien weiter um sich griffe Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jh. (1897) 1, 218;
seit alters auch unpersönlich: im mör aber, das so weit umb sich greifft Eppendorff
Plinius 9, 99; sintemal diser baum mit seinen ästen weit um sich greifft Sebiz
feldbau (1579) 363; dasz hier das gebiet des flugsandes .. immer weiter um sich greift Ritter
erdkunde 1, 1017;
abstracter: das ist ein starck wort, greifft aus der maszen sehr umb sich Luther 33, 17
Weim.; κόσμιος hat Luther gar wohl durch das wort sittig übersetzet, das greift etwas weiter um sich
exempl. priester (1690) 153; es war mir sehr angenehm .. eine meiner homerischen untersuchungen, die am weitesten um sich greifen, bestätigt zu finden J. H. Voss
antisymb. 2, 145; die grosze thätigkeit .., die täglich weiter um sich greift Göthe 1, 216
Weim.; welch erstaunen griff um sich, dasz Ranke 4, 15;
ein allmähliches zurückgehen dieser älteren gebrauchsarten zu gunsten der unten genannten ist unverkennbar. III@F@22)
in neuerer sprache mit vorliebe von irgendwie destructiven, schädlichen, abzuwehrenden dingen und tendenzen; in diesem sinne schon früh von krankheiten: so man sie (
die geschwüre) lasst irer art nach immer mehr umb sich greiffen Xylander
Polybius (1574) 61; so können die pestilentzischen krankheiten ohne anrühren üm sich greiffen Harsdörffer
frauenz. gesprechspiele 6, 15; (
die bestechlichkeit) greift gleich der pest um sich Klinger
werke 6, 58; da gerade seit der zeit das legenden- und heiligenfieber um sich gegriffen .. hat Göthe IV 23, 243
Weim.; alt wohl auch neben feuer: das feuer greifft um sich Steinbach 1, 639; feuer anlegen zu lassen, und diejenigen pläze (
der stadt) sorgfältig auszusuchen, wo das feuer schneller um sich greifen könnte Schiller 4, 118; die geschichte griff um sich, wie das wilde feuer Bode
Tristram Schandi 1, 50; diese strohflamme so gewaltig sie um sich greift, so schneller wird sie verflackern B. v. Arnim
Günderode 2, 120; die leidenschaft greift wie die flamme von selbst um sich O. Ludwig 5, 451;
aber erst seit dem 18.
jh. mit steigender häufigkeit in buntester verwendung: wenn es nicht .. sichtbar wäre, dasz dieser kitzel .. täglich weiter um sich greift Gerstenberg
schlesw. lit. briefe 206, 33
lit.-denkm.; die langeweile müsste mächtig um sich greifen Meissner
Alcibiades 1, 140; auch in Berlin greift täglich der verderbte geschmack weiter um sich K. Fr. Cramer
Neseggab 2, X; war schon das bös' auch unvermeidlich, doch griff's nicht um sich so gefräszig Rückert 2, 114; das heirathen durch die zeitungen greift um sich Gutzkow 4, 287; die immer weiter um sich greifende abneigung der höheren stände mit frau und kindern sich zu plagen Mommsen
röm. gesch. 2, 43; übrigens greift auch hier die französische tracht um sich Meyr
erzähl. a. d. Ries 1, 5; überall erhält man den eindruck einer um sich greifenden verstimmung Justi
Winckelmann 1, 223;
besonders von meinungen, geistigen strömungen: die ihm beygemessenen meynungen greiffen weit um sich Arnold
kirchen- u. ketzer-hist. 69
a; sah er .. die neue sekte .. immer weiter um sich greifen D.
F. Strausz 3, 385; gaben die offiziere doch den demokratischen ideen raum, welche in der armee um sich gegriffen hatten Ranke 16, 288; wie die schamanistischen wahngebilde zur zeit des exils um sich griffen Peschel
völkerkunde 301. III@GG.
andere präpositionen und adverbia. III@G@11)
aus: wenn die töchter güter hatten, musten sie sich nicht vergreiffen, wenn sie aber nicht güter hatten, so mochten sie aus dem geschlechte greiffen und in ein ander geschlecht freien Luther 16, 102
Weim.; alle die sich unehrlich beweiben, auch aus dem adel greiffen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 404;
ebenso: alle die .. auszer dem adel greifen Vieth
encyclop. d. leibesübungen 1, 262; —
durch (
vgl. durchgreifen th. 2, 1624): sah die sense des schnitters durch die halmen greifen Brentano 4, 153; nur nicht weinen, mein kind, .. es greift mir zu sehr durchs herz Tieck
schriften 3, 201;
anders: er, um deszwillen du durch die führung des schicksals verwegen griffst Klinger 3, 269; du greifst gewaltsam durch die gesetze (
indem du einen gefangenen mörder befreist) 7, 170,
dem sinne nach also gleich dem gewöhnlichen greifen in (
s. o. sp. 38
f.); das dritte und vierte (
kennzeichen) (die epenthetischen l und d) sind die bedeutendsten, sie greifen durch viele wörter J. Grimm
kl. schr. 4, 187; —
über: sie muste .. sich dieselben (
zettelchen) unter das hauptküssen legen, des morgends sobald sie erwachete rücklings über den kopf greiffen Gottsched
vernünft. tadl. 1, 325; wenn das gewitter mit schwarzem wolkenarm über die dächer griff Raabe
hungerpastor 1, 34; man greifft und hat gegriffen vilmals frisch ubir die schnur Chrosner
sermon v. d. christl. kirche 60
Clemen; —
unter: andere griffen unter den arm nach ihrem wundsegen Fischart
geschichtklitt. 364
neudr.; als sie unter das kopfkissen griff, lagen da drei goldstangen Grimm
deutsche sagen 1, 27;
anders: wem er geneigt, dem sendet der vater der menschen und götter seinen adler herab, trägt ihn zu seinem Olimp, unter die menge greift er mit eigenwillen Schiller 11, 270; wo ich unter meine briefschafften greiffe, finde ich traurige denkmahle Göthe 38, 282
Weim.; einem unter die arme
gr. seit dem 16.
jh.: die beförderung in weitem feld stünde, wan einer keine freunde hätte, die einem unter die arme griffen Grimmelshausen
Simpl. 443
Kögel; mit geld unter die arme zu greifen
vogelnest 2, 373
Keller; auch wohl nach gelegenheit den autoribus mit nachrichten und sonst in zeiten unter die arme gegriffen würde Leibniz
deutsche schr. 2, 282; eben so ruhig konnte er seine kinder in seinem hause aufwachsen und ihm in seinem alter unter die arme greifen sehen
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 208; einige indessen hatten vollends die gutheit, mir ... thätlich unter die arme zu greifen Bräker 1, 177; sie werden vielleicht .. bemerkt haben, dasz mir der erleuchtete Jacob Böhme gütig dabei unter die arme gegriffen Brentano 5, 392; es war damals dem himmel noch leicht, durch einen guten gedanken einem ehrlichen kerl unter die arme zu greifen Arnim 3, 82;
eigenartig: wenn meine liebe mutter den eifer bemerkte, der mir bei der erzählung von Herkules unter die arme griff Hippel
lebensläufe 1, 63;
jünger und ungleich seltener mit nicht persönlichem object: man müsse den biblischen geheimnissen mit erdichtungen unter die arme greifen Gottsched
neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. 2, 523; von diesem augenblicke an nahm ich mir vor, meinem vaterlande unter die arme zu greifen. alle tage gab ich ein neues mittel an die hand, die gemeinen einkünfte zu erhöhen Rabener
sämtl. schr. 2, 142; ihre hamburgischen patres conscripti wollen nun auf einmal mit aller gewalt den wissenschaften unter die arme greiffen Lessing 17, 420; —
vor: so aber der lantrichter .. in sölhem unwillen fräflich fur den marchstein herein ritt, ging oder griff, der ist zu wandl
österr. weisth. 6, 66, 27; —
zwischen: wer thar es wogen im zwischen die zeene zu greiffen
Hiob 41, 1. III@G@22) darnach greiff
herab auff die nechste linien darüber. sprich: halb 2. macht 1 Riese
rechenb. (1581) 6
b; von natur pfleget der hund gerne auf dem boden mit seiner nase überall
herum zu greifen Heppe
aufricht. lehrprinz 45 (
vgl. greifen zu
o. sp. 31); dasz die herren abiturienten in Jena auch mich in ihre schmutzige sache ziehen möchten, giebt mich nicht wunder, da sie zu deckung ihrer schande nach allen seiten herum greifen Göthe IV 16, 283
Weim.; es soll gelten, da thu ich stehn, greiff
um her, wo der ander sey H. Sachs 17, 48
Keller-Götze, die hand .. greift irr umher Geibel 2, 72; (
die wiszbegierige jungfer) greiffe in der christ - nacht rücklings zur stuben - thür
hinaus, so bekömmt sie solche haare in der hand J. G. Schmidt
rocken-philosophia 1, 176; greift
hinein bis über die ellenbogen und theilet aus Luther 45, 22
Erlang.; greift nur hinein in's volle menschenleben! Göthe
Faust I 167;
im selben sinne: strawe aus, greif
drein, ein fröhlicher geber liebt gott Luther 40, 277
Erlang.; wer was eigens hat, greiff drein wie [in] eine salzmeste
sprichwörtersamml. nr. 25
Thiele; aber sihe ..., ob dirs auch befolhen sey, das du mit der faust drein greiffest 28, 248
Weim.; vgl. 15, 213; 33, 621; iam hodie greifft er drein mit der that 31
1, 25;
anders: wie gefährlich es ist, wenn man das messer auf den rücken legt, denn es kan ein ander leicht drein greiffen Weise
drei erznarren 128
neudr.; dem sinne von greifen in
sp. 38
nahekommend: (
Jesus) tritt mitten in den tempel an den orth, do die pfaffen regierten ... und greifft also ins spiel hinein Luther 33, 343
Weim.; auszer dasz ich .. meinen Jonathan fallen liesz, und genöthigt war, mit der hand
hinunter zu greifen, und ihn zu holen Göthe 21, 26
Weim.; der krebs greifft stetigs
hin und her im gehn mit seiner offnen scher H. Sachs 9, 245
Keller; nichts desto weniger stunde er nicht still, sondern griff mit den henden hin und her
Amadis 206
Keller; man greif
zusamne (
that sich zusammen) allen wegen, ûf daz ir geschê ein schade
passional 343
Köpke; ebenso: so sullen .. meiner fraun von Göss leut und auch des pharrer leut ab Sand Veitzperg all zu einander greifen und jeder man auf sein mit seiner wer
österr. weisth. 6, 318, 4;
anders: item es greyffen zwey zusamen aus groszer liebe,
verheirathen sich Luther 15, 365
Weim. IVIV. greifen
in der musik. mit vorliebe und wohl ursprünglich in anwendung auf saiteninstrumente; zur abgrenzung der bedeutung vgl.: was man (
auf der laute) greiffen oder ongegriffen muosz schlagen oder zwicken Virdung
musica getutscht (1511) K 2
a; jede hauszhaltung bedarf trei ding, wie ein seytenspil, nämlich die zirlichkeyt, den lieblichen klang und das greiffen oder spielen Fischart
ehzuchtbüchlin 239, 11
Hauffen; (
die musika) wird .. geübt .. durch greiffen und rüren oder spielen, uff seiten in mancherley weise C. Spangenberg
musica 34
Keller. IV@11)
object ist das instrument: alle saiten ohne mit der lincken hand gegriffen heissen a Baron
instrument d. lauten (1727) 152; greift eure harfen!
allg. deutsche bibl., anh. zu bd. 25—36, 30, 11; besserer sänger sei ich, und greif' auch erträglich die cyther Voss
sämtl. ged. 2, 77;
von blasinstrumenten: schwegel, klein flöt, platerspiel, sackpfeiffen mus man all durch fingerlöcher greiffen
M. Agricola
musica deudsch 9
Eitner; vgl.: trug auch an seinem hals ein pfeiffen, kundt also blind die löcher greiffen Spreng
Äneis 59
a;
von tasteninstrumenten: positif, regal, die man kan greiffn Ayrer
dramen 551, 15
Keller; welche tasten man mit der rechten hand greiffen soll Mattheson
kl. generalbasschule (1735) 84; geigt einer Lolli nach; greift's klavikord wie Eckard greift Schubart
sämtl. ged. 3, 107; mir ist mehr darum zu thun, dasz ihre kleinen finger jezt die claves mit sicherheit greifen Caroline 1, 167
Waitz; um der freiheit, seinem liebchen, aufzuspielen serenaden mit der feldschlacht, seiner orgel, die er weisz so stark zu greifen Lenau 308. IV@22)
object sind die töne und melodien; bis ins 17.
jh. häufig ein lied
gr. u. ä.: sze wîse an harpen und an rotten grîfen
leben d. hl. Elisabeth 172
Rieger; so lang bisz er sein liedlein pfeifft, singt und auf der sackpfeiffen greifft Wickram 6, 341
Bolte-Scheel; hab ich je ein gutes lied auf dem haberrohr gegriffen? Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 424;
im 18.
jh. absterbend, aber noch soll vielleicht im schimmer goldner raifen götter, euch die kühne hymne greifen Schiller 1, 341;
umgekehrt gewinnt einen ton
gr. u. ä. in jüngerer zeit sichtlich an ausdehnung: daz herr Bierfiedler ein stümper ist, der nicht drey reine thöne greifen kan Gottsched
vernünft. tadl. 2, 154; wenn ich zween töne greife, wo drey tasten darzwischen sind, so habe ich die grosze terz Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen 2 1, 34; wie nun alle diese töne auf der flöte gegriffen werden müssen Quantz
anweisung d. flöte zu spielen 35; ich musz die lust'gen triller greifen Brentano 2, 335; sie ... greift auf dem klavier einige töne Tieck
schr. 2, 275; sie müssen den tam-tam schlagen .. oder falsche quinten greifen Immermann 1, 47; als .. die zweite violine dis spielte, und er rief: 'verflucht, wollt ihr d greifen!' Jahn
Mozart 3, 122; accorde greifen
lieben die erzähler seit dem 18.
jh.: ich weisz nicht, sagte Allwill, indem er sich gegen mich wendete, und, melodramatisch, noch einige accorde griff Fr. H. Jacobi 1, 128; die linke hand .. ruhte auf dem tisch, als greife er einen accord auf dem flügel E. Th. A. Hoffmann 1, 12; noch einzelne accorde in seine guitarre greifend Eichendorff 3, 144; dann griff sie einen dreiklang und sang Storm 1, 14;
vereinzelt: zu einer instrumentalmusik, deren takt zu greifen ihm genügte Niebuhr
röm. gesch. 1, 89. IV@33)
ohne object mit präpositionen. zumeist in,
ursprünglich natürlich beim saiteninstrument: greif in die mächtige leyer Dusch
verm. werke 560; griffst in die harfe, die Jova dir gab Schubart
sämtl. ged. 2, 184; in die saiten der zither greift er schnell Heine 1, 23; und der sänger greift in die harfe kühn Geibel 1, 59; greif in die saiten, mich zu grüszen nach sänger art Pocci
lust. komödienbüchlein 223;
seltener in prosa: der sänger griff in die saiten und sang ein lied von dem stammeshelden G. Freytag 17, 83;
das blasinstrument verlangt auf: der eine (
schäfer) auf dem flagulet pfeiffend und greiffend Birken
ostländ. lorbeerhäyn 27;
vgl. die belege unter 1
und 2;
indessen wurden die präpositionen später aus ihrem ursprünglichen geltungsbereich in andere gebiete übertragen: greif auf der laute, wenn die glocken tönen Hippel
lebensläufe 4, 93; wie trunken griff er in die tasten und sang Storm 1, 168;
vereinzelt: meine muse, fort zur feyer! .. geh, und suche deine leyer, geh, und greiffe munter dran Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 38; Hortensia griff leise über die saiten hin Laube 8, 253. IV@44)
absolut: die laute stimmen, eh man greifet Schönaich
bei Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 255; ein treflicher violoncellist, der .. sehr rein und fertig greift Heinse 7, 312.