wo ,
adverb und konjunktion. herkunft und form. ahd. hwâr, wâr,
mhd. wâ,
nhd. wo
entsprechen in den andern germ. sprachen mit langem stammvokal: mnd. nd. wār (wōr),
mnl. waer,
nl. waar,
afries. hwēr (
länge gesichert, da in der gruppe war ă
nicht erhöht wird, s. v. Helten
altostfries. gr. 1),
nfries. hur, huar, wer (
auf Sylt, Amrum, Föhr, den Halligen, Wangeroog und an der küste, s. [] Wrede
anz. f. dtsch. altert. 21, 158),
nordfries. wir (
s. Bendsen
Moringer ma. 336; P. Jensen
Wiedingharde 701),
ags. hwǽr,
spätwestsächs. hwár,
me. hwār, hwēr (
u. ä.),
engl. where;
mit kurzem stammvokal: got. ƕar,
an. hvar,
mnorweg. hvar(r)a '
wo in aller welt' (
u. ä.),
schwed. (h)var,
dän. hvor,
norw. kvar.
unbestimmbar ist die quantität von as. hwar '
wo, wohin (
wie)'.
die kurzvokalische form des gleichen stammes in der bedeutung '
wo'
ist innerhalb des westgerm. sicher erhalten in ahd. (h)wergin,
as. hwergin (huuargin
nur Hel. 1089
in M),
ags. hwerʒen (
vgl. an. hvergi) '
irgendwo'
aus germ. *har-gin (
das zweite element =
ai. caná,
s. Walde-Pokorny 1, 399
und Wilmanns 2
2, § 428, 3);
ungewisz ist die quantität der emphatischen nebenform des angelsächsischen hwára (
oder hwara?),
s. Sievers
ags. gramm. § 321
anm. 2.
ahd. mhd. wăr
vor adverbien wird aus der schwachtonigkeit erklärt und braucht nicht auf den kurzvokalischen stamm zurückgeführt werden, s. Schatz
ahd. gramm. § 264.
die formen gehen auf ablautende idg. *q
ēr
und *q
or
zurück, adverbialbildungen durch das in dieser funktion mehrfach bezeugte formans -r
zum stamm des fragepronomens idg. *q
o-;
zur kurzvokalischen form gehören auszer den oben genannten ost- und westgerm. bezeichnungen für '
wo'
noch die lokaladverbia der richtung: ahd. (h)wara,
mhd. und frühnhd. war(e),
as. hwar,
mnd. (
nd.) war
und das ostgerm. fragepronomen got. ƕarjis,
an. hverr '
welcher?' (
vgl. das gleichgebildete lit. kurìs '
welcher'
aus ku jìs,
also wörtlich '
wo er');
ferner ai. kár-hi '
wann?'.
die westgerm. langvokalische wortform steht im ablaut mit altlat. quōr,
lat. cūr '
warum'
; dagegen gehört lit. kũr '
wo, wohin'
nicht zum stamme idg. q
o-,
sondern zu danebenstehendem q
u-,
s. Specht
lit. maa. 2, 1922, 211; Walde-Pokorny 1, 521
und Walde-Hofmann
lat. etym. wb. 313.
die gleichen quantitätsunterschiede wie bei dem aus dem stamm des pronomen interrogativum entwickelten adverb finden sich bei der gleichartigen ableitung aus dem stamm des pronomen demonstrativum, idg. *to-,
vgl. got. an. þar
und ahd. dâr,
mhd. dâ,
nhd. da,
as. thr,
afries. thēr (thĕr),
ags. ðǽr,
spätwestsächs. ðár (
dazu ðára
oder ðara).
neben wâr
führt als zweisilbige ahd. form Schatz
ahd. gramm. § 264 wâre
an (vuare Notker 2, 132, 20
Piper);
vgl. dazu mnd. ware (swore)
bei Sarauw
nd. forsch. 2, 140;
mnl. ware Verwijs-Verdam 9, 1536;
ags. hwára,
s. oben; mengl. (h)ware, hwere, where Stratmann-Bradley 358
a;
mnorweg. hvar(r)e, hvar(r)a
u. ä. Torp
nynorsk et. ordb. 341.
altes im ahd. allgemein zu ende des 8.
jhs. geschwundenes anlautendes h
ist noch nachweisbar, z. b. in so huuar so
ubicumque Benedictinerregel bei Steinmeyer
sprachdenkm. 274, 5.
das auslautende r
fällt wie bei andern einsilbigen partikeln mit langem vokal seit dem 11.
jh., vgl. uua Williram 13, 1; 107, 13
u. ö.; doch konnte es in dem schwachtonigen war
vor adverbien, zumal vokalisch anlautenden, erhalten bleiben, vgl. die zusammenfassung über die gestalt des ersten bestandteils der wo-
composita hinter wozwischen.
im simplex begegnet die alte form innerhalb des deutschen noch mundartlich im mfränk. und nd. (
auszer Westfalen und z. t. der gegend von Göttingen),
s. Wrede
anz. f. dtsch. altert. 21, 158
und Sarauw
nd. forsch. 1, 213
anm.; gelegentlich in schriftsprachlichen denkmälern, z. b. Joh. Rist
neuer teutscher Parnasz (1625) 78;
Venusgärtlein 38
ndr. die verdumpfung von ā > ō
unter dem verstärkenden einflusz des vorangehenden w
läszt sich im hd. seit der zweiten hälfte des 13.
jhs. nachweisen, zuerst bei bair.-österr. und md. verfassern wie Ottokar
reimchr. 92366
Seemüller; Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1837
S. (
neben wa);
passional 167, 95
Hahn; märterbuch 109
Gierach, ferner im elsäss., z. b. in einer Straszburger hs. von Taulers
pred. 395, 27
Vetter; städtechron. 9, 933, 29 (
Straszburg 15.
jh.).
doch herrscht wa
zunächst noch vor, Luther
schreibt es bis 1521,
s. H. Paul
dt. gramm. 1, 212.
es hält sich am stärksten im alem. und ist dort noch im späteren 16.
jh. häufig bezeugt, z. b. bei Fröreisen
griech. dramen 2, 243
Dähnhardt; Fischart
Gargantua 26
ndr.; Gäbelkover (1595)
s. u.; vereinzelt auch im 17.
jh., z. b. Weckherlin
ged. 1, 3
Fischer; Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch (1647) 213;
[] heute noch mundartlich im hochalem., s. Bühler
Davos 1, 305.
auszerhalb des alem. im hd. seit der 2.
hälfte des 16.
jhs. nur selten: (1565
Salzburg)
österr. weist. 1, 209; (1744
Tirol)
ebda 2, 208.
im nd. findet sich die gleiche entwicklung seit der mnd. zeit; doch hat sich hier wie im ndrhn. a
oder ein a-
haltiger laut öfter erhalten, s. Wrede
anz. 21, 157
f. auch in der zusammensetzung mit adverbien vollzog sich der übergang von wa(r)-
zu wo(r)-,
wiewohl es sich hier um kurzen vokal handelt; wa(r)-
hält sich häufig bis ins 17.
jh. und ist heute noch in warum
erhalten, vgl. teil 13, 2188
und die hinter wozwischen
folgende übersicht. sonst begegnet altes wa
noch in etwa,
neben dem etwo '
alicubi'
nur bis ins 16.
jh. hinein belegt ist, s. teil 3, 1187
f.; das zurückgehen der ursprünglichen lokalen bedeutung im 16.
jh. (
s. teil 3, 1181. 1187
f.)
und das in gewissen anderen verwendungsweisen synonym danebenstehende etwan (<
mhd. eteswanne)
mögen zur erhaltung des a
beigetragen haben. über die verteilung von mundartlichem wu, wue, wau
u. ä. s. Wrede
anz. 21, 157; wu
findet sich hauptsächlich in teilen des nd., westl. md. und obd. westlich vom Schwarzwald, ferner im obersächs. (
s. Müller-Fraureuth 2, 676
a),
im unterfrk. (
s. Ruckert 197); wü
im elsäss.; wue
im nd. und im Voigtland; wau, wou
im westl. md., schles., bair. und schwäb. (
vgl. Fischer 6, 911);
dazu passen einzelne in älterer zeit bezeugte literarische belege wie mnd. wur, wu
bei Schiller-Lübben 5, 598, 756; wu (
nd. 15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 481
a; wu, wue
bei Luther 8, 514
W.; 34, 2, 40
W.; wu Egranus
ungedr. pred. 143
Buchwald (
aus Zwickau);
ebenso H. Sachs
w. 8, 671
K.; weisth. 6, 21 (
aus Wertheim 1384); wue (1456)
im archiv d. histor. ver. zu Würzburg 22, 122;
ebenso (1525)
in: chron. d. stadt Bamberg 2, 229
Chroust; wu
und wau
in schwäb. denkmälern, vgl. Fischer 6, 911
und wǎ
liederb. der Hätzlerin 78
H.; wau (
Augsb. 16.
jh.)
städtechron. 25, 173.
das relativische und konjunktionale wo
geht zurück auf ahd. sô (h)wâr sô.
die entwicklungslinie wird bezeichnet durch folgende formen: so huuar so
Benedictinerregel bei Steinmeyer
sprachdenkm. 274, 5; so war so Otfrid 3, 3, 12
E.; so war
ders. 4, 6, 24; souuar Notker 2, 37
Piper; sua
Wiener genesis 2040
Dollmayr; swo
passional 86, 80
K.; 375, 50; wa
Elisabeth (
hs. 1.
hälfte 14.
jh.) 850
Rieger; wo
märterbuch (
hss. 14.
und 15.
jh.) 6
Gierach; Marienburger treszlerbuch 1399-1409 275
J. das zweite sô
beginnt seit dem 9.
jh. fortzubleiben, findet sich aber gelegentlich auch noch später, z. b. swâ sô
Nibelungen 1739, 2
Lachmann; Gottfried
Tristan 16352
B. auch das erste sô
erhält sich zuweilen länger, z. b. so wo Tauler
pred. 395, 27
Vetter; soe waer
gemma gemm. (
Köln 1512) z 3
a.
zur erklärung des schwundes des mhd. proklitischen s
s. Wilmanns I
3 § 101
anm. 3
und Behaghel
gesch. d. dt. spr.5 § 381.
über parallelen im übrigen westgerm., auf das die bildungsweise des verallgemeinernden relativums durch so — so (
afries. sâ — sâ,
ags. swâ — swâ, swa — swa)
beschränkt blieb, s. gramm. 3, 44
f. bedeutung und gebrauch. II. wo
als adverb. I@AA.
in interrogativem gebrauch. I@A@11)
als lokaladverb der ruhe. I@A@1@aa)
in direkter rede. I@A@1@a@aα)
in der einfachen frage: uuar ist ther, thie giboran ist, Judeno cuning?
Tatian 8, 1
Sievers; wâ bistu, Adam, mîn trût?
Wiener genesis 757
Dollmayr; (
Lunete zu Laudine:) 'uns ist ein vrumer herre erslagen: nû mac iuch got wol stiuren mit einem alsô tiuren.' 'meinstuz sô?''vrouwe, jâ.' 'wâ wære der?''eteswâ.' Hartmann v. Aue
Iwein 1806; sag, wo ist der gemahel dein? H. Sachs 1, 34
Keller; wo habt ihr das tuch gekaufft? Schupp
streitschr. 2, 8
ndr.; mit einem die dringlichkeit der frage ausdrückenden denn (
s. teil 2, 951):
[] wo aber ist sie denn?wo bleibt sie? Lessing 3, 6, 62
Muncker; wo ist denn der wirth? Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 102; Göthe
und Eichendorff
s. u.; mit zugefügtem doch,
bes. bei vorwurfsvollen fragen: ach, wo kömpt doch das böse ding her?
Sirach 37, 3;
vgl. dazu teil 2, 1204
und unter 1 b;
mit folgendem teufel, zum teufel
u. ä. als ausdruck des unwillens: wo nun dem teufel sol ich dann nun hangen? ... ich bitte, schencket mir mein leben
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 46; wo teufel auch, wo lieszt ihr die perücken? H. v. Kleist 1, 347
E. Schmidt; heda, ihr herren komödianten, rief der eine, wo teufel steckt ihr denn? Eichendorff
s. w. (1864) 2, 415;
s.teufel
teil 11, 1, 1,
sp. 273.
nach einer stelle in einer schrift, einer erzählung fragend: wirffst du mir mein sündgen für, wo hat gott befohlen, dasz mein urtheil über mir ich bey dir soll holen? Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 385; wo war ich denn? (
in meiner erzählung) Göthe 45, 105
W. —
innerhalb eines abstrakten bereichs: wo hören die gesetze auf? wo fängt die freiheit an? Herder 22, 113
Suphan; vgl. auch unter 1 b;
in einer ironischen wendung bei Luther: sie werden ... furwenden, das ... viel schrifft da (
seien), die es erzwingen, das eitel brod und wein da musse sein. antwort: wo da, mein schons lieb? 23, 114
W.; ich hette ... seine ehre und glimpff geschendet — wo da, mein schones lieb? 30, 2, 32.
in der verbindung wo fehlt es?: gott sei dank, dasz da jemand kommt, mir aus der not zu helfen! — von herzen gern, wenns möglich ist, erwiederte Gockel, was gibt es, wo fehlt es? Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 48;
vgl. fehlen 2
teil 3, 1425.
redensartlich: wo drückt der schuh?
vgl. unter 1 b. I@A@1@a@bβ)
in der rhetorischen frage: uuar ist denne diu marhadar man dar eo mit sinen magon piehc? diu marha ist farprunnan
muspilli 60
Steinmeyer; wâ sint si nû, die dich dâ minnent, Êre? ist ir vil, sô helent si sich sêre Reinmar v. Zweter 75, 7
Roethe; wo sind die, so in ihrem hertzen sagen: kommet, wir wollen uns zum herrn bekehren, ihn umb vergebung unserer sünde bitten und von denselbigen abstehen? ich sehe ihrer noch wenig Schupp
streitschr. 1, 133
ndr.; es solte (
unter meiner führung) auch ein biszgen besser umb die spanische armee stehen. ... o Franckreich! wo hättestu bleiben wollen? Chr. Weise
die drei ärgsten erznarren 25
ndr.; wo seyd ihr, harmonische stunden der jugend? maler Müller
w. (1811) 1, 3.
gern in rhetorischen fragen, die die unvergleichlichkeit einer person oder sache ausdrücken: wâr gewan ie sicheinis kuningis gnôz sô manigin wîchgaren man? (
wie die riesen)
Rother 669
v. Bahder; wâ funde ich denne ein alsô wol getâne, diu sô wære valsches âne? sist schœner und baz gelobet denn Elêne und Dîjâne Walther v.
d. Vogelweide 119, 8; wâ wart ie magt sô tiure?(
wie die jungfrau Maria) Reinmar v. Zweter 14, 12
Roethe; wo sein gröszer lerer und meister der heiligen geschrifft dann hie zuo Parisy? Arigo
decamer. 30
Keller; denn wo ist heute doch ein land, wo mehr erfreute seelen wohnen? B. Neukirch
ged. (1744) 6; wo wäre ein virtuos auf der welt, der auf seinem instrument euer gnaden stimme zu erreichen hoffen dürfte? Lenz
ges. schr. 1, 6
Tieck. bei fragen nach herkunft oder verbleib von etwas abstraktem: qaþ þan du im: ƕver ist galaubeins izwara
Lucas 8, 25;
allgemeiner: wo liesze sich mit mehrerer sicherheit ein maszstab zur beurtheilung der kunstwerke finden als in der kunst selbst? Göthe
[] 46, 80
W.; in besonderen fällen: wo ist hie die schneyde des bockischen (
d. h. Emserischen) geystis? Luther
gegen Emser in: flugschr. 2, 96
ndr.; wo ist ihre klugheit? ihr gutes betragen? (
anrede) Göthe 22, 196
W.; wo fehlts nicht irgendwo auf dieser welt? Göthe 15, 14
W. I@A@1@a@gγ)
im mhd., das gern die frageform im adhortativen sinne verwendet, leitet wâ,
gewöhnlich in verbindung mit nû (nu)
derlei oft halb fragende und halb ausrufende sätze ein (
s. Zarncke
bei Benecke-Müller-Zarncke 2, 1, 421
a, 1
und gramm. 3, 302. 778): wanu frunt unt man, den ich zeliebe icht han getan, wanu di mir helven wellen
Rolandslied 202, 19
W. Grimm; aus diesem gebrauch entwickelte sich die verwendung von wâ nû
im sinne einer interjektion von der bedeutung '
wohlan, auf'
!: wa nu mine lute, bringet min ros und min swert! Herbort v. Fritzlar
liet von Troye 8280; wâ nû, ir frouwen, sprechent dar! Konrad v. Würzburg
troj. krieg 1830;
vereinzelt so auch nhd. wo nun: wo nun, ihr herren, seyd nur halb so zürnich, dann es ist unnöhtig
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 41; wo nun, harre ein wenig 46. I@A@1@bb)
in indirekter rede: (
die jünger zu Christus:)meistar, zellen wir thir war, wir woltun wizan in giwis,war thu emmizigen biruwis (
ubi habitas) Otfrid 2, 7, 18; wâ ich den künic vinde,daz sol man mir sagen
Nibelunge nôt 78, 2
L.; sy gingen zuo einem münche, fragten, wo sie gehaben möchten einen heyligen guoten man, peicht ze hören Arigo
decamer. 22
Keller; aber ehe er sich wieder recht besinnen konte, wo er war, ging mein pferd durch Grimmelshausen 2, 338
Keller; wo ich bin, verschweig ich noch eine kleine zeit Göthe IV 8, 25
W.; (
er) baute ein schlosz, von dem niemand weisz, wo es gestanden hat G. Keller
ges. w. 1, 11;
mit doch (
s. unter 1 a): neben diesem hat man auch viel ... meynung gefunden, wo doch die seele im menschen ihre residentz (
habe) W. Spangenberg
ausgew. dicht. 6
Martin; Fischart
w. 2, 73
Hauffen. ohne eigentliche ortsvorstellung: oc scal ik iu seggean noh, huar gi iu uuardon sculunuuiti mesta, menuuerc manag:te hui scalt thu enigan mann besprekean, bruother thinan (
vgl. Matth. 7, 3)
Heliand (
C) 1702
Sievers; nû lob ich got, sît dîniu bant (
der frau Minne) mich sulen twingen, deich sô rehte hân erkant, wâ dienest werdeclîchen lît Walther v.
d. Vogelweide 56, 11; nû merke wi ouch, wâr diu sibbe beginne
Sachsenspiegel 1, 22
Eckhardt; also gewohnen sie eines rechten styli, sie mercken, wo sie gefehlet haben Chr. Weise
pol. redner (1677) 4; siehst du also einem geschöpf besonderen vorzug irgend gegönnt, so frage nur gleich, wo leidet es etwa mangel anderswo Göthe 3, 90
W. in bestimmten wendungen. nach wer weisz, gott weisz
in parenthetischem gebrauch: (
liebende,) die in sachen, die, wer weisz, wo und was sind, witzig sind, diese sind in denen sachen, die für augen, offt ein kind Logau
sinnged. 344
Eitner; häufig elliptisch: ein schaf, das, eingehetzt von hunden, sich durch dornen drängt, läszt nicht mehr wolle sitzen als ihr, gott weisz wo?fleisch habt sitzen lassen H. v. Kleist 1, 325
E. Schmidt; vgl. ähnlich verwendetes mhd. neizwâ (= ich enweiz wâ),
s. Haupt
zu Erec2 7990
und Lexer 2, 44. wo ... überall
u. ä. in sätzen häufig ausrufender art, zu denen ein übergeordneter satz zu ergänzen ist: muster davon (
von vertonungen) hast du gegeben in der Johanna Sebus, Mitternacht, Über allen gipfeln ist ruh, und wo nicht überall?
[] Göthe
an Zelter IV 33, 9
W.; es ist doch eine kuriose theaterprinzessin, die Sissi von Mandelbisz; wo die überall herumkömmt, die kann auch mehr als brod essen! Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 168; da war der junge pater Garzweiler lange jahre fort, in Rom und wo all Heinrich König
d. clubbisten in Mainz (1847) 1, 10.
redensartlich: nicht wissen, wo einen der schuh drückt,
vgl. teil 9, 1847: eur keiner weisz, wo mich der schuch druckt Albr. v. Eyb
dtsche schr. 1, 7
H.; (
wir) wissen selbst am besten, wo uns der schuh drückt, woran das übel liegt Herder 18, 206
Suphan; so auch mundartlich, s. z. b. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 778;
ähnlich: ick meine, gi hebben woll geuollet (
gefühlt), wor jw de scho dvinget (16.
jh.)
Stralsunder chron. 1, 49
Mohnike-Zober; Tunnicius
sprichw. 47
Hoffmann v. Fallersleben; nicht wissen, wo einem der kopf steht,
s. teil 5, 1758: Gockel wuszte auf diese rede gar nicht, wo ihm der kopf stand Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 159; sehen, wo der zimmermann das loch gelassen hat,
vgl. teil 6, 1095: (
ich) sahe, wo der zimmermann das loch gelassen hatte Chr. Reuter
Schelmuffsky 7
ndr. (
vollst. ausg.).
heute nicht mehr gebräuchlich ist: die groszen narren ich hie mein, die für klugheit schier wissen nicht, wo sie der nar und gecke sticht
narrenfresser in Preuszen (1552) a 2. I@A@1@cc) wo
in verbindung mit einzelnen anderen lokaladverbien. I@A@1@c@aα) wo (hin)aus '
quorsum, quo' Calepinus
XI ling. (1598) 1217
b; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 354
b; wo usz, Hans Latz, wilt du daruon? ja, ja, er rytet schon! H. R. Manuel
weinspiel v. 662
ndr.; häufig in wendungen, die die ausweglosigkeit in der lage einer person ausdrücken: nicht wissen, wo ausz
pendere animi, angustiis urgeri Dentzler
a. a. o.; Frisius
dict. (1556) 92
b; ach muttergotz, wo sol ich ausz? H. R. Manuel
weinspiel v. 430
ndr.; zuletzt wird er nicht wissen, wo er hinaus soll Göthe IV 27, 22
W. gewöhnlich in verbindung mit wo ein (oder, und, noch ein): (
er) nicht west, wo aus oder ein Arigo
decamer. 84
Keller; es werden in angst und nott sein alle mentschen uff der erden, wirtt niemandts wiszen, wo aus, wo ein (1521) Egranus
pred. 52
Buchwald; wo soll ich ausz, wo soll ich ein, in der welt ich nit sicher bin (
klagt der floh) Fischart
flöhhatz 26
ndr.; daz ich ... nicht wuste, wo ausz oder wo ein, wo anfangen oder wo enden Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 842; da ich ein kind war, nicht wuszte, wo aus noch ein, kehrt ich mein verirrtes auge zur sonne Göthe 2, 76
W.; dieser junge mann kam aus Welschland zurück, weisz nicht wo aus, wo ein P. Dörfler
d. notwender (1934) 117;
seltener in anderen verbindungen wie neben wo an (= '
wohin'): do wuszt ich nit, wo usz noch an und wolt mich nyemant me ouch han H. R. Manuel
weinspiel v. 2989
ndr.; sie wissen nit wo ausz, wo an, versperrt ist ihnen strasz und ban Spreng
Äneis (1610) 36
b.
so auch mundartlich, vgl. er waiss nitt wous, woane '
sich nicht zu raten und zu helfen' Seiler
Basel 317;
wb. d. Elberfelder ma. 176;
wb. d. luxemb. ma. 489
a;
neben wohin: ich was allain in dem groszen ungeheuren wald und west nit, wahin oder wa ausz (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 107. I@A@1@c@bβ)
in der wendung wo will ... (
die person oder sache) hinaus?
und ähnlich auf absicht oder zweck einer handlung, eines verhaltens u. s. w. zielend: sihe, wo der teuffel hinaus wil, das heist: den nebel fein von den augen thun Luther 26, 370
W.; o wie förcht ich mir, wo hinaus du doch lendest Boltz
Terenz (1539) 5
a; dar ab der zuohOerer verwundret und gedenckt, wo will die vorred hinausz Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 58
ndr.; Amadis 28
Keller; aber genug hiervon: man sieht schon, wo ich hinaus will Lessing
[] 10, 83
Muncker; auch heute noch üblich, auch mundartlich, vgl. z. b. Fischer
schwäb. 6, 911
f. wo
in verbindung mit anderen lokaladverbien, mit denen es composita bildete, s. an alphabetischer stelle. I@A@1@dd) wo
bei verben des nehmens anstelle von heute üblichem woher,
vgl. auch unten II A 7: war nimist thu thanne ubar thaz wazzar fliazzantaz? (
unde ergo habes aquam vivam? Joh. 4, 11) Otfrid 2, 14, 30
E.; wâ næmet ir die spîse,daz brôt und ouch den wîn?
Nibelunge nôt 1627, 2
L.; Soldan zuo der zeit einer groszen summe geltes nottorftig was, nicht weste, wo (
donde) die so palde ze nemen Arigo
decamerone 33
Keller; wo wolten wir schaff nhemen, wan die leyen all selber hirten weren? Emser in:
flugschr. aus der reformationszeit 1, 144
ndr.; wo nemmens (
die samenkörnlein) doch die kunst und witz, dasz nie der art verfehlen? Spee
trutznachtigall (1649) 122; wo nehmen wir denn rechte lieder? Gottsched
ged. (1751) 1, 186;
bei Wieland
und Göthe,
s. teil 7, 540
u. 546
s. v. nehmen.
heute noch redensartlich: wo nemma und nöd steln? A. Hartmann
volksschausp. 187; Fischer
schwäb. 4, 1993; Staub-Tobler 4, 725.
neben giwinnan
und sonst s. Otfrid 2, 4, 24; 3, 6, 17; 2, 4, 13.
zu der ruhevorstellung bei verben des nehmens vgl. got. niman at (
mit dem dativ) Streitberg
got. elementarb. (1920) § 270;
altsächs. niman at, an (
mit dem dativ),
daneben aber auch af Holthausen
altsächs. elementarb. (1921) § 511
f.; ags. niman æt Grein
ags. sprachsch. (1912) 17
a;
im übrigen Behaghel
dtsche syntax 2, 184.
zur herkunftsvorstellung s. unter woher. I@A@22) wo
für wohin
findet sich gelegentlich in denkmälern des nd. sprachgebiets, auf dem mundartlich altes hwr '
wo'
und hwar '
wohin'
nicht unterschieden sind: ach doller sinn!wo wiltu dich versteigen? Roberthin
in: Königsberg. dichterkreis 94
ndr.; kontamination der beiden worte ist denkbar auch bei woir gi' der? '
wohin gehen sie?' Gangler
Luxemb. umgangsspr. (1847) 483.
sonst gelegentlich mundartlich: wo willt? wo wolltest? wo gahst? '
wohin willst du, gehst du?' Fischer
schwäb. 6, 912;
in gleichartiger verwendung auch bereits: nun waisz (= nu enweiz) ich armer, wa ich sol, ach und we und jammers vol!
liederbuch d. Hätzlerin 205
b Haltaus, doch vielleicht beeinfluszt von wo soll ich aus,
s. 1 c;
s. auch unter II B. I@A@33) wo
im sinne von '
wie'. I@A@3@aa)
im ahd. mhd. nach verben der sinnlichen wahrnehmung (
vgl. engl. look where)
anstelle von '
wie dort'
; mhd. geradezu formelhaft seht wâ, schouwet wâ, hœret wâ
u. ä., vgl. Lexer 3, 621; Paul
mhd. gramm.12 § 342
anm.: sehet, quad er herasun,war geit ther druhtines sun; sin lamp, thaz er io meintather wizzod ouh bizeinta (
dixit: ecce agnus dei Joh. 1, 35) Otfrid 2, 7, 11
E.; si sprach, daz hœret, recken,wâ er mir lougent niht aller mîner leide
Nibelunge nôt 1730, 1
L.; seht, wâ der louc sô hôhe bran, daz er der burc nâht Ottokar
reimchr. 9121
S. I@A@3@bb)
sonst gelegentlich mhd. und frühnhd.: wo getar der sunder iemer me iht reden mit dem muonde, der mit dem hellehuonde ewiclich gesellet ist? Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 6641
S.; wa wer der bauer von Saltzburg so ein kleins grosz Hänslin worden, wann er nit sein muter schier arm ... gefressen hette? Fischart
Gargantua 57
ndr. I@A@3@cc)
auf niederdt. boden ist altes hwr
und hwô '
wie'
auf einem mittleren gebiet (
bezeichnet durch die linien Wesermündung-Osnabrück im westen, Misdroy-Netzemündung im osten)
lautlich zusammengefallen, vgl. Wrede
anzeiger [] 22, 93; Sarauw
nd. forsch. 1, 213
anm., so dasz wo
als die regelrechte entsprechung von wie
erscheint, s. d. das gleiche gilt vom obersächs., z. b. wo soll ich denn das wissen? woso? Müller-Fraureuth 2, 676
a; Albrecht
Leipziger ma. 237
b. I@BB. wo
als indefinitum. I@B@11) '
irgendwo'.
im ahd. mhd. nur vereinzelt gebraucht, da die interrogativa als indefinita meist nur mit vorgesetztem präfix fungieren (
wie ahd. eddes-, ette(s)-,
mhd. ete-): ob iz war zi thiu gigatthaz man thia diufi ni firstat, thero brosmono kleinijoh thes brotes reini: lesent zi in thia redinathie hohun gotes thegana Otfrid 3, 7, 49;
öfter nur in der verbindung war inde war
per loca (
hs. 11.
jh.)
ahd. gl. 1, 717, 7
St.-S.; (
die kleider) wâren wâ unde wâ sô mit dem golde ertrenket ..., daz man daz werc dâ kûme sach Gottfried v. Straszburg
Tristan u. Isolde 11114
B.; der sœlden hort 1593
Adrian. auch mnd. bezeugt: desulve greve ... hadde eme drowet, queme he wor boven em, he wolde ene henghen (
ende 14.
jh.)
lüb. chron. 1, 278
Grautoff. im nhd. öfter seit dem 17.
jh.: schau, tochter, ob ich wo die glieder strecken kan A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 972; hohe, die ans licht gesetzt, sollen unter sich stets sehen denen zu, die wo bedrängt und nach recht und rathe flehen Logau
sinngedichte 391
Eitner; in späterer prosa mit umgangssprachlichem charakter: auf den gränzen können wir wohl wo zusammenkommen, aber nach Halberstadt komm ich nicht Klopstock
an Gleim in: Klopstock u. s. freunde 2, 51; dasz kein stäubchen wo zu finden ist Iffland
theatr. w. (1827) 2, 461; Hugo meinte, ... er müsse das schöne ... antlitz wo sehen Stifter
s. w. 3, 166;
sonst öfter dichterisch: sieht sie dich etwa wo schlummern Klopstock
oden 1, 16
M.-P.; ich kenne wo ein festes schlosz, ein stiller könig wohnt darinnen Novalis
schr. 4, 124
Minor; ein narr, wer auch nur eine rose an einem strauche wo vergiszt! Lenau
s. w. 527
Barthel; M. Greif
ged.5 159.
auf eine stelle in einem buch bezogen: ich hoffe, man wird mir auch disz nicht übel deuten, dasz ich biszweilen wo ein sprichwort angeführt Chr. Reuter
ehrl. frau z. Plissine, widmung 4
ndr.; ich habe wo gelesen, dasz es die kokosnusz gewesen Pfeffel
poet. vers. (1812) 2, 128.
mundartlich, s. z. b. Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
a; Ruckert
unterfränk. 197. wo
in indefiniter verwendung ist noch häufig in der verbindung wo anders: o das that Töffeln weh, und er beschlosz bei sich, sich in die fremde zu begeben. kann ich denn nicht ein jahr wo anders leben? Lichtwer
schr. (1825) 87; die vermuthung ..., meine neigung müsse wo anders gefesselt sein Göthe 25, 253
W.; dann wollten sie es mal wieder wo anders probieren W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 99;
heute auch in einem worte geschrieben, s. woanders;
vgl. auch anderswo
teil 1, 313
und sonstwo
teil 10, 1, 1748.
nach dem eingehen der ursprünglichen bedeutung von etwa (etwo) '
alicubi'
im 16.
jh. (
s. teil 3, 1181. 1187)
herrscht im nhd. als indefinites lokaladverb irgendwo,
s. teil 4, 2, 2159. I@B@22)
wie neben der ursprünglichen bedeutung von etwa '
alicubi'
jünger die bedeutung '
forte'
auftritt (
s. teil 3, 1181),
so erscheint auf nd. boden auch wo
im sinne von '
etwa, vielleicht': und wär es wo dein wille, dasz ich heute stürb, ach, lasz mich fertig sein W. Rosemeyer
bei Fischer-Tümpel 2, 522; warum soll ich einen geistlichen bitten, die predigt zu halten, die gedruckt ist? ists wo, damit ich reden höre,
[] kann ich denn nicht laut lesen? Hippel
lebensl. (1778) 1, 185; hett er wor keen geld? '
hat er etwa kein geld?' Richey
Hamburg (1755) 345; (18.
jh.) Frischbier
preusz. wb. 2, 478. I@CC. wo
substantiviert. fone uuenne unde uone uuâr (
de quando et ubi, die aristotelischen kategorien) Notker 1, 468
Piper; etliche heizen in (
den seelenfunken) daz wo der sele, etliche heizen in daz niergen der sele Hermann v. Fritzlar
bei Wackernagel
leseb. (1839) 855; das wo
locus sive spatium Stieler 2572; jeder körper, der ist, musz irgendwo seyn, dieses wo, der raum, den er einnimmt, heiszt sein ort J. Liebig
hdb. d. chemie (1843) 1, 16; in immer engern kreisen, in immer brünstigern, reisen die sonnen, monde, erden um ein unnennbar wo Kosegarten
poesien (1798) 1, 10;
häufig das wie und wo: das wie und wo war mir bald klar genug Göthe 22, 289
W.; 16, 153
W.; das wo und wie seiner geburt E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 16
Grisebach; Liller kriegszeit. (1916) 3, 21. IIII.
in relativem gebrauch. in relativer verwendung findet sich das wort im ahd. in sô (h)wâr (sô),
aus dem sich mhd. swâ
entwickelte, das seit dem 14.
jh. mit wa (wo)
zusammenfiel, s. sp. 905. II@AA. '
ubicumque, ubi'
und daran anschlieszende weitere relativische verwendungsarten. II@A@11)
im ursprünglichen lokalen sinne. II@A@1@aa)
entsprechend der verwendung in der verbindung mit sô ... sô,
einer fügung, die im westgerm. zum ausdruck des verallgemeinernden relativpronomens anwendung fand (
s. gramm. 3, 44
f.),
ist die älteste bedeutung '
ubicumque': so huuar so ... imu kagannant (
ubicumque ... sibi obviant)
Benedictinerregel bei Steinmeyer
sprachdenkm. 274, 5; die maged si frageten, obe si ime wolte uolgen zuo eigenen seliden. si sprach, gerne uuore, sua ire ieht guotes gescâhe
Wiener genesis 2040
Dollmayr; wan swâ wîp unde man âne herze leben kan, daz wunder daz gesach ich nie Hartmann v. Aue
Iwein 3021; (
geltung hat) keine andere silberne munze, wue oder von weme die geslagen ... worden were oder wurde (1456)
arch. d. hist. ver. z. Würzburg 22, 122; wa er im gantzen reich teutscher nation umb wander ..., soll er mit all seiner hab ... so sicher sein, als ob er in seins eygen herrn land were
teutscher nation nodturfft (1523) e 2
a; wa dan unser lieben frauen mair gesessen sind, die selben maier sollen unser lieben frauen alle jar ir zins einnemen (1744)
österr. weist. 2, 208; wo er zu einem bäcker oder fleischer oder krämer ... hinfuhr, um einzukehren, hiesz es überall: alles ist schon für ... Gockel ... gekauft Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 110; da stehln se uns halt a letzten bissen brot ..., wo se kenn'n G. Hauptmann
d. weber (1892) 38.
gern mit einem determinativen korrelat im übergeordneten satze, gewöhnlich da,
s. teil 2, 651
unter da 12: souuar so du bist, dar ist er (
gott) Notker 2, 302
Piper; Tatian 147, 5
Sievers; swâ ir der lîp blôzer schein, da'rsach si der herre Iwein Hartmann v. Aue
Iwein 1331; so wo och das tal aller tieffest ist, da flússet des wassers aller meist Tauler
pred. 200, 33
Vetter; dann wo er thet ein kopff erlegen, da wuchsen zween köpff flugsz dargegen Fischart
w. 2, 7
Hauffen; ... wo es was zu fischen giebt, da pflegen sie ... zu singen Stoppe
Parnasz (1735) 26;
[] wo ein held und heiliger starb, wo ein dichter gesungen, ... da knien billig alle völker in andachtswonne Göthe 2, 136
W.; wo sie die mannsleut verspotten kann ..., da ist sie gewisz bei der hand O. Ludwig
ges. schr. 2, 13
E. Schm. in dieser verwendung zeigen sich öfter als sonst zuweilen übergänge zur bedeutung von II A 1 b
β,
vgl. auch den kopf von II A 1 b.
in öfter wiederkehrenden wendungen: ouch sal her (
der maurer) tabernacula ... machen zu allen gewelben, wo die synt (
wo sie auch immer sind, überall)
Marienburger treszlerbuch 275
Joachim; die schönheit, wo sie ist, kommt leident wol zu passe Rachel
satyr. ged. 32
ndr.; (
er) vergiftet, wo er geht und steht, stadt und land J. U. König
gedichte (1745) 14; wo er ging und stand, redete er mit sich selbst Göthe 21, 46
W. mundartlich im waldeckischen, s. Bauer-Collitz 9
b. er sey, wo er sey, es sey, wo es sey
dovunque egli si sia, sia dove si voglia Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1379
c; ich wils vor augen setzen, mich stäts daran ergetzen, ich sey auch, wo ich sey Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 309; du magst sein, wo du willst, ihm kannst du nicht entgehn Giseke
poet. w. (1767) 5.
wie im letzten beleg auch sonst öfter in sätzen mit wollen
als prädikat: zuo dem meidlein sprache (
er), er bereyt wer, wo und wenn die edel frawe mit im wölte reden Arigo
decamerone 80
Keller; (
der heilige geist,) welcher den glauben, wo und wenn er will, in denen, so das euangelium hören, wircket
Augsburger confession art. v
in: christl. concordienb. (1739) 35; der consul ... eröffnete, dasz ... den bewohnern aber freistehe, sich, wo sie sonst wollten, auf ihrem gebiet ... anzusiedeln Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 26.
wie in den beiden vorletzten belegen wiederholt auch wo und wann: (
er war) hilfreich, wann und wo er konnte E.
M. Arndt
s. w. 1, 38
R.-M. zur hervorhebung des verallgemeinernden charakters von relativem wo
dienen, namentlich in neuerer zeit, die den ausgedehnteren gebrauch von wo II A 1 b
kennt, die partikeln nur, auch, immer: (
die frauen,) die mich verfolgen wider recht und mich nit sicher lassen bleiben, wo ich nur bin Fischart
flöhhatz 3
ndr.; wo ich nur ging, lachten mir die mägde ins gesicht Cl. Brentano
ges. schr. 5, 355; wo auch: ik was al drovych, wor ik ok ghynk
Reinke de vos 2200;
vgl. auch oben Tauler
pred. 200, 33
Vetter; wo ich auch sey, gedenk ich eurer Göthe IV 8, 24
W. wo immer: Reineken sollt ihr überall ehren mit weib und mit kindern, wo sie euch immer bei tag oder nacht hinkünftig begegnen Göthe 50, 73
W.; vgl. auch teil 4, 2, 2072.
veraltet ist nachdrückliches wo dasz,
vgl. teil 2, 824
f., Behaghel
dtsche syntax 3, 150
und mnd. so war dat
ebda: der silberne tau fiel und tröpffelt hier und dar, wo das sie (
Venus) gieng und stund, von ihrem guldnen haar Opitz
poemata 16
ndr. die ortsvorstellung tritt in gewissen zusammenhängen zurück, so dasz swâ
bzw. wo
soviel bedeuten wie '
in allen fällen, in denen': swâ ich gevolget ir bete (
in allen fällen, in denen ich Lunetes daz enwart mir nie leit,
bitte gefolgt bin), und hât mir ouch nû (
d. h. in diesem falle) wâr geseit Hartmann v. Aue
Iwein 2020;
ähnlich Gottfried v. Straszburg
Tristan 15480
Bechstein; Elisabeth 850
Rieger; sich, wo es die eer gottes, den glouben, das hoffen in got antrifft, sollend wir ee alle ding lyden Zwingli
von freiheit d. speisen 22
ndr.; wo eh ist, müssen auch kinder seyn Lenz
ges. schr. 1, 77
Tieck; denn eben wo begriffe fehlen, da stellt ein wort zur rechten zeit sich ein Göthe 14, 93
W. (
Faust 1995);
[] wo das volk schlechthin von arbeit spricht, da faszt es dieselbe immer in einer engeren bedeutung W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 5.
sehr häufig in sprichwörtern und sentenzen: wan swâ des menschen schatz ist, dâ ist ouch sîn herze Berthold v. Regensburg 1, 467
Pf.; wo die tugenden eingeen, da weichen ausz die sünden Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) a 1
a; wo kein fraw, da geschicht dem krancken wee Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 10
b; wo nichts guts innen, geht nichts guts aus Eyering
proverb. copia (1601) 3, 582; wo kein kläger, da kein richter Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1373
c; wo nichts ist, kommt nichts hin J. P. Hebel
w. 2, 64
Behaghel; wo aber nichts ist ..., hat selbst der kaiser sein recht verloren Pückler
briefw. u. tageb. 4, 21. II@A@1@bb) wo
bezieht sich auf einen bestimmten ort; es tritt anstelle des in dieser verwendung im ahd. und mhd. üblichen dâ(r)
und drängt es im laufe des nhd. in der weise zurück, dasz wo
heute als das gewöhnliche gilt, während da
gewählt klingt, vgl. teil 2, 652
s. v. da 13
und Behaghel
dtsche syntax 3, 732
f. der entwicklung gemäsz vornhd. selten: da er kam an den tan, sein rosz wayen began. da horte es gar drate herwider (
l syder?) ain anders wayen herwider. ... er rait, wa (=
dorthin, wo) di stymme was Heinrich v. Neustadt
Apollonius 8688
S.; wo wir es nächten haben gelan (
das schauspiel), da heb wir es hewt wider an
altdtsche passionssp. aus Tirol 77
Wackernell. II@A@1@b@aα) wo
bezieht sich auf ein lokaladverb im übergeordneten satz: ... viel flammen aber müssen dar würcken, wo der stahl sol glühn Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 8; hie, wo das laub und die begrünten zweige am graben mich umbschatten überal Simon Dach 711
Österley; doch öfter eilet sie dorthin, wos unter herrschergräbern kühlt Denis
lieder Sineds d. barden (1772) 100; die gegend unterhalb der Mosel bis da, wo der Rhein sich theilt, bildete Germania secunda K. Fr. Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 44; zwei ehrenpforten waren errichtet, eine am eingang des gutshofes, eine zweite dort, wo der fahrweg eine scharfe ecke macht W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 2; von dem einzelnen falle vor meinem geburtstage anzufangen bis dahin, wo die feder zu laufen aufhört Göthe IV 38, 12
W.; nur da habe ich wesentliche änderungen vorgenommen, wo urkundliche publicationen zum vorschein gekommen sind Ranke
s. w. 3, 3
anm. 1; hier (
in der freundschaft) ist es, wo sich Winckelmann ... grosz, reich, freigebig und glücklich fühlt Göthe 46, 27
W.; aber da, wo das urtheil aus inneren gründen hervorgehen soll, wo kunstwerth, zeitgeschmack und stil zu erkennen ... waren, leisteten sie wenig nutzbares 46, 80;
vgl. Tieck
unter β; hier ist es, wo die historie halt macht an den grenzen der philosophie Justi
Winckelmann (1866) 1, 45. II@A@1@b@bβ)
ohne beziehung zu einer im übergeordneten satz ausgesprochenen lokalen bestimmung (
vgl. die im mhd. gängige ersparung eines lokaladverbs wie bei Heinrich v. Neustadt,
s. oben): es ist bösz stelen, wo der wirt ein dieb ist
schöne weise klugreden (1548) 23
a; salb das haupt umb die schläff und wa der meiste schmertz ist Osw. Gäbelkover
artzneibuch (1596) 1, 6; unter diesem gespräch kamen wir, wo sich ein fuszpfad bey einem wald von dem fahrweg abscheidete Grimmelshausen 2, 390
Keller; wie?oder ruhst du, wo dir des frühlings hand blumen gestreut hat?wo dich sein säuseln kült? Klopstock
oden 1, 20
M.-P.; der sitz der stimme ist, wo nach Homer die seele wohnt, in der brust A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 19; ihr Deutschen von dem fluthenbett des Rheines, bis wo die Elbe sich ins nordmeer gieszet Rückert
w. (1867) 1, 5; wo Lessing in seinem Laokoon am vortrefflichsten schreibt, spricht der critikus, der kunstrichter des poetischen
[] geschmacks, der dichter Herder 3, 9
Suphan; dasz ihr alle immer nur so sehr vernünftig ... seid, wo es nicht hingehört, und niemals da, wo ihr vernunft zeigen müsztet Tieck
schr. 4, 47; weizt du ..., dasz, wo die grammatik lebt, die poesie todt sein musz? A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 9; O. Ludwig
ges. schr. 5, 37
E. Schm. wo
steht zwar in beziehung zu einer ortsangabe im übergeordneten satz, zielt aber auf eine dort nicht näher bestimmte stelle innerhalb des genannten bereiches: (
ich) hörete hinten am hause, wo (=
dort, wo) es an den garten und hof stiesze, ein genüstel Grimmelshausen 2, 422
Keller; hinter dem schenktisch aber, wo drei stufen zu einem höher gelegenen alkoven führten Fontane
ges. w. I 1, 8; auf der mittelsten brücke, wo sie es 'zum Fischstein' nennen Göthe 43, 32
W.; (
es folgen die) gemeinden der Cherusker, beide ufer der Weser, wo diese gebürgigt werden, hinauf K. Fr. Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 43. II@A@1@b@gγ) wo
bezieht sich auf einen durch ein substantiv im übergeordneten satz ausgedrückten orts- oder raumbegriff: es ist brauch in frembden landen, als India, wo golt vorhanden Casp. Scheit
Grobianus v. 224
ndr.; (
ich) brachte meinen zitternden cörper ... an einen solchen orth, wo ich weiter sonderlich nichts wegen des nachsetzens zu befürchten hatte Schnabel
insel Felsenburg 25
Ullr.; der alte ging ... durch einen pesel, wo grosze eichschränke ... standen Storm
w. (1899) 1, 4; eine gemme, wo ein hund einen eber zerfleischt Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 273.
in bezug auf eine stelle in einem buch, einer dichtung u. ä.: das 5. capitel, wo Courage dem autor ihr lebensbeschreibung dictirt Grimmelshausen 2, 6
Keller; die stellen, wo die personen reden, als wüszten sie, dasz sie nur schauspielpersonen sind Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 2. wo
bezieht sich auch auf die umgebung, atmosphäre u. ä. einer person: der vornehme mann aber, wo (
bei dem) wir waren, liesz seine carosse anspannen Chr. Reuter
Schelmuffsky 33
ndr. (
vollst. ausg.); leute, wo der kopf das herz überwiegt Göthe in:
d. jg. G. 3, 116
M.; und was bist denn du? allen gelbschnäbeln ihr schulmeister, wo sie lernen, was nix taugt! O. Ludwig
ges. schr. 2, 35
E. Schm. heute wird schriftsprachlich in der regel eher das relativpronomen mit vorangehender lokaler präposition angewandt, nur bei beziehung auf orts- oder ländernamen gilt auch jetzt gewöhnlich wo: (
sie haben) mich angetrieben, rettung ... und hülfe ... in Berlin zu suchen, wo ich beydes ... fand Zimmermann
über d. einsamkeit (1784) 1, 4; Braunschweig ..., wo ... Göthes Faust zur ersten öffentlichen aufführung kam J. Petersen
aus d. Göthezeit (1932) 2.
zu dem ausgedehnten mundartlich begegnenden gebrauch von wo
in vorliegender verwendung vgl. O. Weise
d. relativpron. in den dtsch. maa. in: zs. f. dtsche maa. 1917, 67. II@A@22)
in temporaler verwendung bei beziehung auf eine durch ein substantiv im übergeordneten satz ausgedrückte zeitangabe. diese relative verwendung im temporalen sinne erscheint im allgemeinen heute schriftsprachlich gebräuchlicher als im lokalen (
s. unter 1 b
γ). wo
steht hier in gleicher funktion wie die zeitpartikeln da, als, wenn: of dem tage, wo her sy usgegeben hatte
Marienburger treszlerbuch d. jahre 1399-1409 498
Joachim; in den klaren nächten aber, wo auszer itzt benanter zeit gleichmäszige zufälle sich begeben J. Prätorius
saturnalia (1663) 21; sie bricht schon an, die güldne zeit ..., wo keine macht der andern dräut Gottsched
ged. (1751) 1, 43; in den tagen Karls des Groszen ..., wo die alten bardenlieder noch vorhanden waren Kretschmann
s. w. (1784) 1, 21; die stunde, ... wo entschieden wird, ob die welt den Slawen, Celtoromanen oder Germanen gehört K. Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 1, 6;
[] aber die winter!oh diese heimliche einkehr der erde.da um die toten in dem reinen rückfall der säfte kühnheit sich sammelt, ... wo das erdenken geschieht unter der starre Rilke
o lacrimosa III
in: stimmen d. freunde 163.
auch mundartlich, z. b.: vorm johr, wo sie so krank sin gsin Ch. Schmidt
Straszburg 118; Schöpf
tirol. 819; Schambach
Göttingen u. Grubenhagen 302. II@A@33)
allgemeiner an stelle einer präpositionalen verbindung mit wo (wobei, worin
u. ä.)
oder dem pronomen relativum (bei dem, in dem
u. s. f.),
wobei eine beziehung auf eine ausgesprochene orts- oder zeitvorstellung fehlt: in den wirklich vorhandenen sprachen, ... wo (=
in denen) zwar allerdings ein vieles nach gewissen regeln übereinstimmt Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 8; bei optischen ... versuchen, wo (
bei denen, wobei) man oft mit blendenden lichtern ... zu thun hat Göthe II 1, 12
W.; in einem dienst, wo (
in dem, worin) ich hunger leiden musz Nestroy
ges. w. (1890) 1, 7; Manuel ... war bei der ehemaligen polizei angestellt, wo (
bei der) nur wenige ehrliche leute sich gebrauchen lieszen Kerner
bilderbuch (1849) 63; mich dünkt der traum ... eine freie erholung der gebundenen phantasie, wo sie alle bilder des lebens durcheinander wirft Novalis
schr. 4, 58
Minor; der zusammenhang dieser theile (
musz) ein organischer,
d. h. ein solcher seyn, wo jeder theil ebenso sehr das ganze enthält, als er vom ganzen gehalten wird Schopenhauer
w. 1, 9
Grisebach; in jedem dieser fälle, wo der dichter vorhandenes benutzt Freytag
ges. w. (1886) 14, 13;
auch mundartlich: a schlacht, wo s drei tag nix als blitzt und kracht A. Hartmann
volksschausp. 29. II@A@44)
dem relativischen gebrauch von II A 3
steht die verwendung von wo
nahe in fällen, in denen in dem wo-
satz der eintritt gewisser umstände oder handlungen ausgedrückt wird, die innerhalb des im übergeordneten satze bezeichneten zusammenhanges möglich sind (
vgl. insbes. wobei 2 c): weller in disem gericht ... mit hus und mit hof gesessen ist ..., denselben mag man hie in dis gericht das sein verlegen und uf die verlegnis nach gastrecht clagen, wo (
in welchem falle, unter welchen umständen) ainer ist nit verbunden noch pflichtich, ainen fürpasz in daz dritte, noch in daz fierte gericht mit recht ze vordren (1427)
österr. weist. 4, 348; und zwar, weil ich August schon in vergleich gebracht, will ich auch sein gestirn mit deinem itzt vergleichen ..., wo (
in welchem falle) aber der vergleich wird offenbarlich weisen, dasz deines ungleich mehr, denn jenes, sey zu preisen Joh. v. Besser
schr. (1732) 1, 9; wären die menschen nationalthiere, wo (
in welchem falle) jedes die seinige (
sc. die sprache) sich ... erfunden hätte, ... Herder 5, 138
Suphan. öfter wo also, wo dann: ist die pfandung von der oberkait als gerecht erfunden worden, so ist auch solche sogleich ... einzutreiben, wo also der weigernde theil sich selbst zuzuschreiben hat, wenn er in mehrere unkösten verfällt (1798)
österr. weist. 3, 349; denn da stemmt sich wie im unglück selbst der geist entgegen, strebt ihren eindruck zu vermindern (
den der gefahr), wo denn die freude der rettung das ihrige leidenschaftlich dazuthut Göthe IV 42, 71
W.; vgl. IV 35, 283; es ging ein strenges nachforschen Gockels über alles an, wo dann Hinkel und Gackeleia mancherlei verdrusz bekamen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 52; S. Brunner
erzähl. u. schr. (1864) 1, 40. II@A@55) wo
dient zur gegenüberstellung vergleichbarer verhältnisse: wir mann in mancherley begire schwerlich sünden, wo ir lieben frawen in einer allein (
der eitelkeit) gröszlichen sünt (
sündigt) Arigo
decamerone 105
Keller; wo nur ein füncklin und kleiner schein in den heidnischen geschiechten sich ereigt, haben wir in den christlichen eytel liecht Casp. Hedio
chron. Germ. (1530) 2
a; wo das rheinische bauernmädchen einen walzer schwenkte, dort zog die
[] Berlinerin den slow fox (
einen modernen tanz) vor H. Steguweit
d. stelldichein d. schelme (1937) 77.
an diese verwendung schlieszt sich die gegensätzliche an, s. unter III C 2. II@A@66) wo
vertritt das pronomen relativum in allen seinen formen; zur erklärung vgl. Behaghel
dtsche syntax 3, 737.
in dieser verwendung ist wo
breiter nur mundartlich entfaltet, s. O. Weise
a. a. o.: wir kumment widerum zuo got, ja wo uns unser sünden lot Murner
badenfahrt 99, 10
Michels; die werk, wo wir selbst erwählen, nennet der herr Christus unnütze (
opera a nobis electa)
apologie d. Augsburger konfession (1530)
bei J. T. Müller
d. symb. bücher d. ev.-luth. kirche (1886) 280; es ist doch nicht mein fräuelein, es ist doch nummen (
nur) eüsser liebstes kind, wo wir so lang verloren hei ghan (
schweizerisch)
bei Uhland
volkslieder 1, 276; der meister nimmt das schlechteste messer, wo er hat Hebel
w. 2, 179
Behaghel; und du muszt doch jezt auch den buben sehen, wo du zu mir eingeladen Pestalozzi
w. 3, 135
Buchenau u. a. II@A@77) wo
bei nehmen,
s. I A 1 d: das er sie ... nemen mag ..., wo er das bekomen mag (1413)
bei B. Arndt
der übergang vom mhd. z. nhd. in d. spr. der Breslauer kanzlei (1898) 98. II@BB.
als lokales adverb der richtung. gelegentlich für quocumque, quo (
vgl. I A 2): maister, ich nachvolg dir, wo (
quocumque) du gest
erste dtsche bibel 1, 30
Kurrelm.; nimmer gelt, nimmer gsell, komm, wo ich wöll
schöne weise klugreden (1548) 40
a; far wo du wilt, der dienst ist ausz! Forster
fr. teutsche liedlein 62
ndr.; wo man nur schaut, fast alle welt zun freuden sich thut rüsten Spee
trutznachtigall (1649) 37; sie habe nichts mit ihr zu reden, sie solle nur gehen, wo sie wolle Pestalozzi
w. 3, 286
B.-Spr.-St. nach hin: (
ich) ker nu hin, wo lang mein sin mit gantzem fleisz thut streben Forster
fr. teutsche liedlein 16
ndr. IIIIII. wo
als konjunktion. die verwendung von wo
als konjunktion geht vom relativischen gebrauch (II)
aus. sie findet sich zuerst im lokalen sinne (II A 1 a
und b
α β);
doch pflegt man im allgemeinen die lokalen adverbien in dieser funktion nicht zu den konjunktionen zu rechnen, zumal da sie ihrer bildungsweise nach zum relativum gehören, vgl. Behaghel
dtsche syntax 3, 349
ff.; H. Paul
dtsche gramm. 3, 224;
V. Michels
mhd. elementarb.3, 4 § 322, 1 (
dagegen Blatz
nhd. gramm. [1896] 2, 1025
ff.). III@AA. wo
als konjunktion der bedingung. konditionales wo
entwickelt sich aus dem relativischen lokalen wo (II A 1),
mit dem es sich vor allem in dessen verallgemeinerndem gebrauch berührt, s. Blatz
a. a. o. 2, 1028.
zum übergang der bedeutung vgl. Wunderlich im
arch. f. d. studium d. neueren sprachen 44 (1890) 261;
er konnte am ehesten da einsetzen, wo bei swâ '
ubicumque'
die lokale bedeutung zurücktrat, s. II A 1 a
gegen schlusz, sp. 912;
vgl. auch Behaghel
dtsche syntax 3, 350.
die konditionale bedeutung läszt sich häufiger erst seit dem 14.
jh. nachweisen, begegnet aber gelegentlich auch früher, z. b. in der predigtsprache Bertholds v. Regensburg (
s. unter 1);
sie ist bis ins 17.
jh. hinein gängig, tritt im laufe des 18.
jhs. zurück und gilt schriftsprachlich seitdem als ungebräuchlich. nur in den elliptischen wendungen wo möglich
und wo nicht,
dazu in wofern
hat sich die alte verwendung erhalten, vgl. Heynatz
antibarbarus (1796) 2, 2
b; Behaghel
dtsche syntax 3, 351. III@A@11)
in nicht verneinten sätzen. III@A@1@aa)
allgemein, gern mit so
im hauptsatz, das die bedingung hervorhebt: swâ sie (
die kinder) ungerâten werdent von iuwern schulden, ... sô müezet ir an dem jungesten tage
[] antwürten für iuwer eigen kinder Berthold v. Regensburg 1, 35
Pf.; wa si das tuond (
quod si faciunt), so haust du (
ihn) in dyner hand Steinhöwel
Äsop 65, 12
Österley; wo du darvon eszt so vermessen, wirst du des ewing todtes sterben H. Sachs
w. 1, 25
Keller; zu nechst dem feldläger (
bei Mohacz) hielt ein geschwader reuter, die sollen des königs (wo die schlacht umbschlagen wolt) war nemmen H. Rätel
Curäi chron. Schles. (1607) 258; ach, frau mutter, ... wo ihre adern einen blutstropfen in sich hegen, welcher mir nur etwas gewogen ist, so erbarme sie sich Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 157; wo keine sanftmuth sich mit tapfern fäusten paart, so gleicht ihr wilden Tartarhorden Gottsched
ged. (1751) 1, 24; ... wo du ein mann bist, gib mir den kelch
Shakespeare (1797) 3, 366.
öfter in der wendung wo mir recht ist
im sinne von wo ich nicht irre (
vgl. Rädlein 1, 1068
a und unten sp. 918): wo mir recht ist, so ist dieser brieff gar in Holland oder Engelland geschrieben Chr. Reuter
ehrl. frau z. Pliss. 17
ndr.; wie alt bist du, Gaddo? (
er antwortet:) zwölf jahre, wo mir recht ist Gerstenberg
Ugolino 222
Hamel; Voss
Odyssee 342
Bernays. wo es not tut
u. ä. (
mit berührung mit II A 1 b
β): (
sie) befrideten die straz, und wo not was, so suchten sie ire feint (
Nürnb. 1488)
städtechron. 3, 103; wa es not thuet, willig und berait sein (1565)
österr. weist. 1, 209 (
Salzburg); Casp. Scheit
Grobianus v. 617
ndr.; nun bin ich, wos noth thut, gleich eine ganze canzlei Göthe 25, 102
W. der für sich allein stehende konditionalsatz als (
wünschender oder drohender)
ausruf: o Augustine, wo du zu unsern zeiten lebest! Ambach
v. zusauffen (1544) f 2
b; wo du mir diese lust verdirbst! Lessing 2, 234
Muncker; aber wo ich das geringste merke! ich bin herr im hause, musz er wissen Lenz
ges. schr. 1, 10
Tieck; auch in der mundart: wo dut deist!
brem.-nds. wb. 5, 282.
konditionales wo
in verbindung mit adverbien, vor allem mit anders (
s. teil 1, 312): das ist die, die ich zuo einem weyb haben wille (wo sy mich anders für iren man haben wille) Arigo
decamerone 659, 32
Keller; sage im, dasz, wo er mich anderst lebendig sehen wöll, er den gefangnen ritter ... eilents hiher zubeleiten verschaff
Amadis 117
lit. ver.; wo anderst krafft mein bitten hat und gültig ist im himmel hoch, so wünsch ich das von hertzen noch Spreng
Äneis (1610) 119
a; wo anders noch rath und hülffe zu finden ist
unless it be past help, so there be but any way left to find out a remedy Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2511; nachsicht, liebe, bitten sind die einzigen waffen, die ich wider ihn brauchen darf, wo ich anders seine schwache seite recht kenne Lessing 2, 281
Muncker. wo gleich '
selbst wenn': wo einer gleich ... diese glieder zuosamen setzte und ihnen das gantze thier ... darstellet, achte ich, sie würden als baldt bekennen, wie sie zuo vor weit von der warheit ... gewesen seyen Xylander
Polybius (1574) 3;
vgl. Amadis 399
lit. ver.; wo man gleich rechtschaffene ursache zur feindschafft hätte, solte man der sache, nicht der person feind werden Lohenstein
Arminius (1689) 1, 21
b. III@A@1@bb)
in der elliptischen wendung wo möglich '
wenn es möglich ist (
wäre)'
; vgl. auch die zusammenrückung womöglich: nim ein häslin mistel, der im dreissigsten, im zeichen der jungfrawen, am zunemen des monds und, wa müglich, an einem freytag morgends frü ... gewonnen sey Osw. Gäbelkover
artzneybuch (1596) 1, 33; anno 1567 rüst man sich, die reformierten in Franckreych unversehener weisz zu uberfallen und wo müglich hinzurichten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 273
a; (
man soll die fremden) auch vor desz todts gefahr wo möglich retten gantz und gar Spreng
Ilias (1610) 257
a; daher der völker löblicher gebrauch, dasz jeglicher das beste, was er kennt, er gott, ja seinen gott benennt ... ihn fürchtet, und wo möglich liebt Göthe 3, 74
W.; wir wollen uns wo möglich täuschen und jene für die liebe verlornen zeiten wieder zu gewinnen suchen 21, 30;
[] selten beim nicht komparierten adjektiv so viel wie '
möglichst': (
er) hielt ... ein wo möglich hohes spielchen mit seinem weidgenossen für die beste erholung Immermann 1, 54
Boxb.; gern nachdrücklich '
wenn es irgend möglich ist': man wandte alles an, ihn, wo möglich, auch vom parlament ... zu entfernen Archenholz
England und Italien (1785) 1, 1, 47; meine idee war ..., aus einer wo möglich ununterbrochenen reihe von reichstagsacten ... die entwicklung der verfassung näher zu erforschen Ranke
s. w. 1, vi;
vor noch
mit folgendem komparativ eines adjektivs im sinne von '
wenn es überhaupt möglich ist': der druck ist wo möglich noch unverzeihlich fehlerhafter als der erste Gerstenberg
Hamburg. n. zeitung 254
lit.-denkm.; waren seine kleider schon bei jenem gastmahle schlecht gewesen, so waren sie jetzt wo möglich noch schlechter Stifter
s. w. (1901) 5, 1, 72. III@A@22)
konditionales wo
findet sich besonders häufig in negativen sätzen. III@A@2@aa)
allgemein, wie 1 a
gern mit folgendem so
im übergeordneten satz: wo sie des nicht enteten, oder wer es nicht entet, der ist uns und dem riche mit leib und mit gut vervallen (1331)
Friedberger urk.-b. 1, 114
Foltz; unmenschlich tet ich, wo ich solch lobeliche gotes gabe, ... nicht beweinte
ackermann aus Böhmen 7
Hübner; wa ich dem rechten nit nach kem, so torft ich weder zuo weib noch zuo kinden me heim (
Augsburg ende 15.
jh.)
städtechron. 22, 350; wo er nit kem, müst er zu busz verlieren beide seel und leib H. Sachs
w. 6, 145
Keller; die (
Rahel) begehrete von Jacob die lebenskrafft ausz dem seegen gottes, und wo sie dieselbe nicht kriegte, so müste sie sterben Jac. Böhme
mysterium magnum (1682) 540. wo nicht ... schon: es würde Lisimen sich dennoch in euch (
augen) dringen, wo sie nicht allbereit schon in dem hertzen sitzt
in: Hoffmannswaldau
u. anderer Deutschen ged. (1697) 2, 16;
ebenso Joh. Ulr. König
ged. (1745) 98; und wenn sie herkömmt, so verlieb ich mich in sie, das ist schon ausgemacht, wo ichs nicht schon binn Göthe IV 1, 120
W. wiederholt wo ich nicht irre: er ist der eintzige erbe, wo ich nicht irre Menantes
neue br. (1723) 535; wo ich nicht irre, so ist er vor zwei jahren gestorben Pfeffel
pros. vers. (1810) 2, 4. III@A@2@bb) wo nicht
in elliptischer verwendung. III@A@2@b@aα)
zu wo nicht
ist der vorhergehende satz in konditionaler form zu ergänzen; wo nicht (, so)
besagt hier so viel wie '
andernfalls': ist es zu thun, so geschieht es, wo nicht, so geschieht es nicht Paracelsus
opera (1616) 2, 459
Huser; merke ich, dasz meine Venus dir belieblich seyn wird, so sezze ich dir zu gefallen meine feder noch wol weiter an, wo nicht: kan ichs auch wol bleiben lassen Stieler
geharnschte Venus vorr. 4
ndr.; so schenk uns doch, nur ihm zum besten, ein reis von deinen lorberästen, wo nicht, so wecke den Virgil Gottsched
ged. (1751) 1, 185; wenn du noch mehr zu reden hast, so sprich, wo nicht, so schweig Göthe 10, 163
W.; ergieb dich, rufen sie, wo nicht, so stirb gleich jenen Geibel
w. (1888) 8, 63. III@A@2@b@bβ) wo nicht
steht zwischen zwei gleichgeordneten satzteilen, deren zweiter eine aussage enthält, die eine steigerung des inhalts des ersten satzteiles bedeutet; gern dient zum ausdruck der steigerung ein auf wo nicht
folgendes gar: da ward manch eh mit leid zertrent, vil gärten öd, wo nicht verbrent Casp. Scheit
d. frölich heimfart 14
Strauch; seiner cardinälen, deren auffs wenigst 40, wo nit 50 sind Stumpf
Schweizerchron. (1616) 9
a; alszdann schlagen sie vilmals die libe justici an ein ohr, wo nicht gar zu todt Äg. Albertinus
Lucifers königreich 101
Liliencron; die Spanier haben eben soviel nationalstolz, wo nicht mehr als die Engländer Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 49; eine wie die andre darstellung ... möchte für
[] uns frauen beschwerlich, wo nicht unmöglich sein Tieck
schr. (1828) 4, 103; dieser umstand hat schon manches ... verzögert, wo nicht gar erstickt Schopenhauer
w. 1, 29
Griseb. III@A@2@b@gγ) wo nicht ... doch (wenigstens)
soviel wie '
wenn auch nicht (
gerade) ...
so doch (
wenigstens)': sie ... faren in andere land, wa nit mit dem leib, doch mit schreiben Joh. Nas
d. antipap. eins u. hundert (1567) 1,
vorr. a 5
b; (
den bernstein) den die Griechen ... dem golde, wo nicht vorgezogen, doch gleich ... gehalten J. Micrälius
altes Pommerland (1640) 1, 3; wessentwegen ich sie dann, wo nicht gar vor die königin, doch wenigist vor eine vornehme fürstin ... halten muste Grimmelshausen 2, 32
Keller; und jeder blick ... kam, wo nicht ganz, doch halb erhört zurücke Gellert
w. (1839) 1, 124; auf gleiche weise wird die anastomose (
das zusammenmünden) der ... die blatthäutchen bildenden gefäsze, ... wo nicht allein bewirkt, doch wenigstens sehr befördert Göthe
w. II 6, 36
W.; es sah so ziemlich aus, als wenn er, wo nicht einen besen, doch wenigstens eine ruthe binden wolle Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 151; (
die) tendenz, die todesstrafe, wo nicht abzuschaffen, doch noch mehr zu beschränken Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 109. III@BB. wo
als konjunktion der zeit '
als'
; nach Behaghel
dt. syntax 3, 351
aus der verwendung von A
hervorgegangen. schriftsprachlich wenig gebräuchlich: wo er eines tages pot den gesten wasser nach seinem sit, da nam es ainer an der zeit (
sogleich). der selb auch da verswant
märterbuch 3846
Gierach; wa das unszer herr, der küng, innen ward, do hiesz er sy ... komen Richental
chron. des Constanzer conzils 67
lit. ver.; so klang es ohngefähr, als madame Szymanowska wegging, wo ich vorstehendes zurückhielt und gleich nachsenden wollte Göthe IV 37, 268
W.; das wird grad gewesen sein, wo du das ... fieber hattest Bettina v. Arnim
die Günderode (1840) 1, 33;
mit beziehung auf eine zeitpartikel: jetzt, wo ich den mut ausgeschlafen habe, bin ich nicht keck genug, es herzuschreiben Jean Paul 42, 88
Hempel; deren ich damals, wo ich der eitelkeit fröhnte, stets mehrere besasz Immermann 1, 14
Boxb.; heut ..., wo jeder denkt, er ... könne tun, was ihm beliebt Fontane
ges. w. I 6, 34.
häufig mundartlich, bes. reichlich fürs oberdeutsche bezeugt: wo er des gesait hat, bin ich verschrocken Fischer
schwäb. 6, 912; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 778; Seiler
Basel 317; Tobler
Appenzell 449; Hunziker
Aargau 300; wo s mi gsegng hat, is s ganz rot worn Schmeller-Fr.
bair. 2, 828; Schöpf
tirol. id. 819;
vgl. ferner Müller-Fraureuth 2, 676
a; ann abend, wo ek inkam Schambach
Götting.-Grubenhag. id. 302; wo ek dat sooch Leithäuser
Barmer ma. 172;
wb. d. Elberfelder ma. 176.
zum relativischen gebrauch des temporalen wo
vgl. II A 2. III@CC.
weitere konjunktionale bedeutungen von wo. III@C@11)
umgangssprachlich auch im sinne von '
angesichts der tatsache, dasz', '
zumal da': wie ists möglich, wo du so selten briefe empfängst, dasz du nicht neugieriger bist Bettina v. Arnim
die Günderode (1840) 1, 24; was hätt ich davon (,
auf die strasze zu sehen), wo man von oben nichts erblickt als hastig daherwandelnde regenschirme Holtei
erzähl. schr. (1801) 1, 3; wos nicht einmal jemand sieht (,
dasz ich den gefahrloseren weg gewählt habe)! O. Ludwig
ges. schr. 2, 105
E. Schm.; Karl Stieler
ged. 2, 17
Reclam. III@C@22)
an den gegenüberstellenden gebrauch von II A 5
anschlieszend im sinne von '
wohingegen, während': (
er bat ihn,) daz er den ... kristenlichen gelauben an sich nem, den er ... stäcz (
sich) meren seche; wo (
dove ... in contrario) er seinen iudischen gelauben widersins mit stätem abnemen vernem Arigo
decamerone 9
Keller; zum ersten ists grewlich ... antzusehen, das (
der papst so) prechtlich feret, das yhm darinnen kein kunig, kein
[] keyszer mag ... gleich werden. ... er tregt ein dreyfeltig kron, wo die hochsten kunig nur ein kron tragen Luther 6, 415
W.; es stehen oder gehen ihrer wohl zehn, wo schon einer es verrichten könnte
there stand or go ten of them, whereas or whenas one could do the business Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2511; sie (
die weberfrauen) sind aufgelöst, abgetrieben, während die männer noch eine gewisse klägliche gravität zur schau tragen, und zerlumpt, wo die männer geflickt sind G. Hauptmann
weber (1892) 5. III@C@33) wo,
vor allem in verbindung mit doch (gar nicht),
in concessivem gebrauch, umgangssprachlich und mundartlich üblich: wans nicht bald 10 uhr wäre, sie hätten sich noch länger gezogen, wo (
wiewohl) sie doch wissen, dasz ...
Wiener staatsakt. 2, 182
nach Behaghel
dt. synt. 3, 351; ich soll mit dem gegangen sein, wo (
obgleich) ich ihn doch gar net kenne Fischer
schwäb. 6, 912; (
er gibt) mir de schuld, wu ich dach von gar nischt weesz Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
a; er hets hus nid gchouft, woni (
obgleich ich) nüt drgege hät Hunziker
Aargau 300;
vgl. auch Blatz
nhd. gramm. 2, 1182. III@C@44)
mundartlich als partikel der indirekten frage wie '
ob'
häufiger im bair.-österr. bezeugt: er hat s gfragt, wo s kümt (
ob sie komme) Schmeller-Fr.
bair. 2, 828; Schöpf
tirol. 819; Lexer
kärnt. 260; (
in einem österr. weistum des 17.
jhs. werden die befugnisse verschiedener instanzen in frage- und antwortform dargelegt:) erste anfrag, ob ... andere anfrag, wo nit (
ob nicht) der gerichtsdiener schuldig sei in die schranken ze tretten und mit dreien gerichtsmännern zu bezeugen ...
österr. weist. 1, 74;
vereinzelt auch im schwäb., s. Fischer 6, 912.
das im gleichen sinne verwendete nd. wo
ist die mundartliche entsprechung von hd. wie (
s. oben sp. 909): merken, wo de puls drade edder langsamen ... sla
bei Schiller-Lübben 5, 757
a; ik weet ni rech, wo 'k dat doon schall Mensing
schlesw.-holst. 5, 677. IVIV. wo
im gebrauch als interjektion findet sich umgangssprachlich in den verbindungen i wo, ach wo
u. ä., die die ablehnung einer für den sprechenden in einer richtung übertrieben oder unsinnig erscheinenden frage ausdrücken; vgl. beispielsweise i wo!
etwa = '
wo denkst du hin!' Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
a; aber wo! '
durchaus nicht!' Jacob
Wien 221; a(ch) wo! ja wo! i wo! Fischer
schwäb. 6, 911.
diese verwendung von wo
wird aus seinem vorkommen in bestimmten redensartlichen wendungen zu erklären sein, die aber nicht mehr faszbar sind; vgl. die ablehnend formelhaften ellipsen nach i
wie i bewahre, i behüte,
teil 4, 2, 2014.
auf nd. boden liesze sich i wo
auf das redensartliche i wo werd ich denn! Betke
Königsb. 66
zurückführen, wo indessen wo
als die nd. form für wie
anzusprechen ist. anderes interjektionales wo
steht nicht in zusammenhang mit dem aus ahd. hwâr
hervorgegangenen wort: wye wo
heus ('
he, holla') Diefenbach
gl. 276
c in einem md. glossar des 15.
jhs. steht neben wach
in anderen gleichzeitigen glossaren und ist auf die nebenform dieser interjektion woch, woh
zurückzuführen, s. Lexer 3, 624, 963
und teil 13, 12.