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wohin

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wohin adv.

Bd. 30, Sp. 1016
wohin, adv. , quo, tritt an die stelle des seit dem 15. jh. veraltenden war, s. teil 13, 1982. in unmittelbarer wortfolge als wâ hin zuerst belegt bei Gottfried v. Straszburg Tristan 11593 B. bei trennung der beiden wörter durch andere seit dem frühmhd., s. unten. die schreibung in zwei worten herrscht im mhd. (mnd.), begegnet wie bei woher später aber nur noch im 16. jh.: wo hyn Luther 19, 134 W. (neben wohyn 10, 1, 1, 802); Hans Sachs 1, 30 Keller; Boltz Terenz (1539) 86b, 88b. die seit dem 16. jh. übliche zusammenrückung läszt sich vereinzelt früher belegen durch wahin (1399) städtechron. 4, 146 anm. 2 (Augsburg); Neidhart Terenz 56 lit. ver.; wohin H. Folz meisterl. 369 Mayer; warhin, wohin (15. jh. md.), worhen, warhen (15. jh. nd.) bei Diefenbach gl. 481a. der ursprüngliche vokal des ersten gliedes a hält sich im nhd. vornehmlich im alem., schriftsprachlich vereinzelt bis ins 17. jh. wie bei Moscherosch Philander v. Sittewald (1650) 184; vgl. unter wo sp. 904f. die seit dem 16. jh. geltende verdumpfung zu o läszt sich vorher nur im 15. jh. nachweisen, z. b. wohin H. Folz a. a. o. und wohin (md.), worhen (nd.) bei Diefenbach gl. 481a; zu dem befund über die mundartlichen ausweichungen nach u, ue, au u. ä. bei wo sp. 905 stimmen die älteren belege wau ... hin H. v. Sachsenheim 139 Martin; liederb. der Hätzlerin 243 Haltaus; wue ... hin weisth. 6, 20 (aus Wertheim 1384); vgl. auch unter woher. neben der bereits im mhd. vorwiegenden form ohne r begegnen an belegen für war (wor): war hin (1414 md.) bei Diefenbach gl. 481a; waer heen gemma gemm. (Köln 1495) t 2a; warhen, worhen (15. jh. nd.) ebda; warhin H. Bullinger (1572) bei Staub-Tobler 2, 1359; worhin Venusgärtlein 28, 4 ndr.; engl. comed. u. traged. (1624) g 6a. dieses war- kann das in nebentoniger stellung mit r erhaltene lokaladverb der ruhe sein (s.wo sp. 904). doch bleibt zu erwägen, ob nicht auch wie bei den zusammensetzungen mit nach oder zu (im mhd. vorwiegend war nâch, war zuo gegenüber gewöhnlichem wâ mite, wâ von) war 'quo' vorliegen kann; vgl. unten war ... hin, dazu die entsprechende komposition des interrogativen lokaladverbs der herkunft wannenher teil 13, 1905f. dem relativischen wohin entspricht im mhd. swâ hin Ulrich v. Türheim Tristan 880 Maszmann; Frauenlob spr. 312, 20 Ettmüller; swâ ... hin kaiserchron. 4940 E. Schröder; frühmhd. auch sowar ... hinein Rother 873 Rückert (zu sowar s. unten); s. dazu unter wo sp. 905, letzter absatz der einleitung. zur erweiterten form des zweiten bestandteils s. Wilmanns dtsche gramm. 22, 641: ... hinein Rother a. a. o., ... hinne G. Hagen v. 2413 in: städtechron. 12, 91 (Köln); ... hine Hermann v. Fritzlar in: myst. 1, 175, 30 Pfeiffer; H. Folz meisterl. 128 Mayer (neben -hin s. oben); -hine (15. jh.) bei Diefenbach gl. 481 s. v. quorsum; im heutigen schwäb. gilt vorwiegend wo (hi)na(n), s. Fischer 6, 911. an ausweichungen des stammvokals von hin begegnen: wohien gemma gemm. (Hagenau 1510) x 2a; Hutten op. omn. 1, 414 Böcking; wo ... hein (15. jh. md.) bei Diefenbach a. a. o.; wa ... hein (1561) bei Fischer schwäb. 6, 911; vgl. hien und hein unter hin teil 4, 2, 1372; -hen(e) läszt sich im nd. und md. nachweisen: ... hene G. Hagen a. a. o. v. 2385; -hene (15. jh. md.), -hen (15. jh. nd.) bei Diefenbach gl. 481a; -heen gemma gemm. (Köln 1495) t 2a; ... hen Schiller-Lübben 5, 598a; Tunnicius sprichw. nr. 273 Hoffmann v. Fallersleben; -hen Mensing schlesw.-holst. 5, 680; Danneil altmärk. 249; Fischer samländ. 176 u. a. mit verklingen des auslautenden nasals: -hi, -hie Hunziker Aargauer wb. 300; Kisch Nösner wörter 174; Gerbet gramm. d. Vogtl. 51; Rother schles. sprichw. 191a. zur trennung der beiden zusammengerückten glieder von wohin durch andere wörter vgl. das unter woher sp. 1010 gesagte; ferner unter hin I 1 teil 4, 2, 1372. das erste glied hat die form mhd. (s)wâ (= nhd. wo) bereits in den frühesten belegen: swâ ... hin kaiserchron. a. a. o.; Hartmann v. Aue Iwein 1485 L. bei war ... hin meint das erste glied war 'quo', vgl. insbesondere die belege bei H. Folz meisterl. (Mayer): war ... hin(e) 85 (v. 120) gegenüber wohin 369 (entsprechend war 'quo' 48 und wo 'ubi' 10, 54, 84 u. ö.); war ... hine Hermann v. Fritzlar in: myst. 1, 175, 30 Pfeiffer (neben war 'quo' 177, 13 und wo 'ubi' 175, 38); war ... hin Marienlegenden 144, 153 Pfeiffer (neben war 'quo' 140, 57 und swâ 'ubi' 139, 22; 141, 75); war ... hin H. R. Manuel weinspiel v. 173 ndr. (neben wo v. 157, 374 u. ö.); s. auch unter hin I 1 teil 4, 2, 1372 und unter war 4 teil 13, 1983. doppeldeutig ist das interrogative lokaladverb (s)war, wor auf mfrk. und nd. gebiet, wo es sowohl 'ubi' als auch 'quo' meinen kann, s. wo sp. 904: sowar ... hinein Rother 873 Rückert (vgl. war 'ubi' im Rother unter wo sp. 906); war ... hin livl. reimchr. 11690 Meyer (neben war 'ubi' 2313, 2324 u. ö. gegenüber wa ... hine 6259 zu wa 'ubi' 61, 363); wor ... hen (1420) bei Diefenbach gl. 481b s. v. quorsum; neben war 'quo' im gleichen denkmal (1473) bei Schiller-Lübben 5, 598a. die trennung findet sich vornehmlich bei verben der bewegung sowie des setzens, stellens, legens und in der regel in sätzen mit wollen oder anderen hilfsverben bei ellipse des vollverbs. in den mundarten hat man wie bei wo ... her mit teilweiser bevorzugung der getrennten verwendung von wo ... hin zu rechnen; so führen ausschlieszlich die mundartlichen entsprechungen für wo ... hin an Gerbet gramm. d. Vogtl. 51, Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 2, 676b; daneben zusammenrückung Mensing schlesw.-holst. 5, 680; Rother schles. sprichw. 191a; Fischer schwäb. 6, 911. wie dem lokaladverb der herkunft von, so kann dem lokaladverb der richtung bis vorangehen, s. bis III 1, teil 2, 44 und vgl. bis dahin teil 2, 685. II. wohin als adverb. I@11) in interrogativer verwendung. I@1@aa) im lokalen sinne zum ausdruck des ziels oder abschlusses einer bewegung wie hin I 1, teil 4, 2, 1372; zuweilen auch mit dem beiklang von hin I 6 'weg, fort', s. ebda 1376, wobei die betonung von hin gewöhnlich die trennung der beiden wortglieder nach sich zieht. in direkter rede: wâ ist nu hin mîn liehter morgensterne (bild der herrin)? wê waz hilfet mich, daz mîn sunne ist ûf gegân? sist mir ze hôh und ouch ein teil ze verne gegen mittem tage unde wil dâ lange stân Heinrich v. Morungen 22 C. v. Kraus; si (Elisabeth) gab auch uzen handen ir mantel so gewere eim armen bedelere ... lieblich zuo ir der herre sprach: ... wa ist din mantel komen hin, den du zu kirchen drge? Elisabeth 2700 Rieger; da sprach Jhesus zu den zwelfen: wolt ir auch weg gehen? da antwortet im Simon Petrus: herr, wo hin sollen wir gehen? (ad quem ibimus) du hast wort des ewigen lebens Joh. 6, 68; Philomuse wo kumstu her? oder wohin ist dein beger? Casp. Scheit die fröhliche heimfahrt v. 3150 Strauch; wohin, o freundin, führst du mich? Göthe 16, 159 W.; o, wo seid ihr hin, ihr schönen tage meiner kindheit! Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 242. mit ellipse eines nachfolgenden verbalen ausdrucks der bewegung: wohin, Simplici? sagt der einsidel Grimmelshausen Simplic. 30 Scholte; wo denn hin, frau Schlampampe? Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine 15 ndr.; wohin so eilend, wohin so geschwind? Kramer teutsch-ital. (1702) 1375b; ach gott, wohin! ringsum kein steg, sich überall die ebne gleicht Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878ff.) 2, 35. häufig steht nur ein hilfsverbum, vornehmlich wollen, vgl. unter hin I 1 gegen schlusz, teil 4, 2, 1372: saget, wâ wolt ir hin, oder wâ habt ir den sin genomen der iu ditz geriet? Hartmann v. Aue Iwein 1485 L.; wo wiltu hin? 1. Mos. 18; wo sollen wir hin? Jer. 15, 2; nun, herr, wo soll ich hin? Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 316; wo wollet ihr mitten im winter hin? Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1375b; wohin soll ich? von grazien ... umgeben, weisz ich nirgend zu fliehn Herder s. w. 26, 33 Suphan; auch mundartlich, z. b.: wo wullt du hen? Mensing schlesw.-holst. 5, 680; Danneil altmärk. 249. mit ersparung des subjekts und eines hilfsverbs neben dem infinitiv eines vollverbs: die bewohner, aufmerksam, hatten den riegel vorgeschoben, und wohin nun sich wenden? Göthe 7, 169. W.; wohin fliehen? 23, 9. wohin geht, steht, führt die reise, der weg: lieben gäst, sagt, von wann her kumbt ihr, ... wahin steet ewre raise? (Od. 3, 71 erweitert) Schaidenraiszer Odyssea (1537) 10a; Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 4; wu gieht de rese hie? K. Rother schles. sprichw. 191a; Schambach Götting.-Grubenhag. 302b; wohin führt mich der pfad dort übern berg? Göthe 2, 176 W. (der wanderer); wohin geht unser weg? M. Herwegh in: br. von u. an G. Herwegh (1896) 173. der gebrauch eines adverbialen genetivischen substantivs wie nach woher I 1 a γ, sp. 1012 scheint bei wohin weniger üblich zu sein: wohin des weges? Gerbet gramm. d. Vogtl. 437a; zu der im ahd. und mhd. gängigen verwendung nach war (swar u. ä.) vgl. gramm. 4, 761 und Wilmanns dtsche gramm. 3, 2, 596 anm. 1. in der indirekten rede: (es sollen) arm und rich wizzen, wa ir stiur hin komen sy (Augsburg 1340) städtechron. 4, 130, 38; 'von wannen gastu?' 'ich weisz es nit, weder woher ich kumm noch wohin ich gang' Boltz Terenz (1539) 38a; ... dasz seither niemand erfahren, wohin er geflogen oder gestoben sey Grimmelshausen 2, 328 Keller; in gleicher wendung bei Lenz ges. schr. 1, 48 Tieck; ungeheure felsen treten hier so nahe zusammen, dasz man kaum errathen kann, wohin der strom sich wenden wird Moltke ges. schr. u. denkwürdigk. (1892) 1, 122. mit ellipse des verbs, gewöhnlich nach wissen in verneintem satz: (Isolde zu Tristan beim abschied von Irland:) die mich von kinde habent erzogen, den habet ir mich nu an ertrogen und füeret mich, in weiz wâ hin Gottfried v. Straszburg Tristan 11593 Bechstein; die fraw erschrak, west nit wo hin. dan in die kist kam ir der sin, dar ein parg sie den fremden gast H. Folz meisterlieder 369 (98, 21) Mayer; das ich in nicht fraget, wo her oder wo hin richter 13, 6; Agathon begleitete seinen herrn, ohne zu wissen wohin Wieland Agathon (1766) 1, 152; wir hatten ... so eine masse stängel und blüthen zusammengebracht, dasz wir nicht wuszten wo mit hin Göthe 25, 43 W. mit ellipse des vollverbs nach hilfsverben: ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte Kirchhof wendunmuth 1, 96 lit. ver.; ich wünsche zu wissen, wer sie eigentlich seien und woher sie kommen und wohin sie wollen? G. Keller ges. w. (1889) 5, 51; die guten bürger ... überlegten, wo sie mit allen ihren semmeln und braten hin sollten Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 147. wie oben mit ersparung des subjekts und eines hilfsverbs neben dem infinitiv eines vollverbs: ich weisz in berggeschlüchten vorm trotzigen kumpan nicht mehr wohin mich flüchten Fr. Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 79. I@1@bb) im uneigentlichen sinne (ohne konkret örtliche vorstellung) fragt wohin besonders häufig nach ziel oder richtung einer gedankenbewegung oder gefühlsregung: mit verdeckten worten anzaigen, wa das gemt hin hangt G. Mayr sprüchw. (1567) d 4a; verwirrt musz ich gestehn, dasz ich nicht weisz, wohin ich meinen argwohn richten soll Göthe 10, 77 W. (Iphigenie v. 1772); ich war begierig, wohin diese seltsamen vorstellungen wohl führen und wie diese gedankenreihe ... endigen möchte Tieck schr. (1828) 4, 33. bei (ge)denken, gewöhnlich bei einem dem sprechenden falsch erscheinenden gedanken: der ritter ... zuo im selb sprach: Galmy, wohin gedenckst du doch? ... was bekümmerst du dich umb ein ding, so nimmer gewert werden mag? Wickram w. 1, 103 Bolte; 'der narr behauptet, es (das chamäleon) sey grün; ich sage blau'. 'wo denkt ihr hin? laszt eines bessern euch belehren; braun ist es, braun, das kann ich schwören' Pfeffel poet. vers. (1812) 2, 42; 'wohin denkt ihr, eccellentissimo?' warnte ich. 'um der allerheiligsten madonna willen, gebt diesen vorsatz auf' Gaudy s. w. (1844) 13, 28; auch mundartlich, z. b.: wo denkst'n hin Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 2, 676b. insbesondere bei fragen nach dem (eigentlichen) ziel oder sinn einer rede, einer gedankenäuszerung, einer meinung u. ä.: neque coelum neque terram attingit wann einer viel sagt, das man nit weysz, was er sagt oder wohin er will (worauf er hinaus will) Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 7a; Mitio: es ist nimmer nichts ungerechters, dann ein unerfarner mensch, der meint es sey nichts recht, dann das er thuot. Demea: wo hin daz? (quorsum istuc? adelph. 1, 2 v. 100) Boltz Terenz (1539) 86b; Joh. Rhenius übersetzt die gleiche stelle mit wohin ist das gemeynet? ... wo zeucht sich diese rede hin? Terenz (1658) 402; doch wohin zielet die klage (über die kürze des menschlichen lebens)? Chr. Weise polit. redner (1677) 20; wohin zielte dieses gespräch? samml. v. schauspielen (Wien 1764) 1, 30; Stephan Langton antwortete, er wisse besser, wohin die wahre meinung des heiligen vaters gehe Ranke s. w. (1867) 14, 51; veraltet bei meinen, vgl. oben Joh. Rhenius (1658); welch gottseliges hertz siehet nicht, wohin disz alles gemeynet? nehmlich der süsze heiland wolte uns lehren, dasz er bisz ans ende der welt nicht fern wolle seyn von seinen gläubigen Chr. Scriver seelenschatz (1737) 4, 35b; da nun jede fabel eigentlich etwas lehren soll, so ist euch allen, wohin die gegenwärtige gemeint sei, ... deutlich Göthe 25, 177 W. wohin fragt weiter nach richtung, ziel, ergebnis, erfolg, ausgang verschiedener verhaltungsweisen, handlungen, entwicklungen u. a.: wo wiltu doch hynn, Emser? sihstu nit, wie dich deyn hasz verblendet, ... wer wil dyr glauben, ... wenn du so mit falschem hertzen, erlogenen wortten gottis gericht anruffist? Luther in: Luthers und Emsers streitschr. 2, 21 ndr.; aber sag er mir, wo will er hin, dasz er sich noch bösen begierden überläszt Lenz ges. schr. 1, 73 Tieck; wer seinem sohn befiehlt, zu kratzen und zu schinden, ... der leitet seinen sohn gemach zu solchen sachen (wie betrügereien) ... siehstu, wohin der geitz ist endlich ausgeschlagen? siehstu, was deine lehr für früchtlein hat getragen? J. Rachel satyr. gedichte 50 ndr.; seine pflichten erfüllen, wohin kann das führen? zur eifersucht, zur unruhe, zur verfolgung Göthe I 45, 57 W.; Schubarth ist ein merkwürdiger mensch; es ist schwer vorauszusagen, wohin es mit ihm gedeihen kann IV 35, 284 W.; in ähnlicher unpersönlicher wendung vgl. Triller unter hin I 1 schlusz, teil 4, 2, 1372; seine fähigkeiten, von denen wissen wir nicht, wohin sie ihn leiten würden Bettina v. Arnim dies buch gehört d. könig (1843) 1, 64. veraltet ist wohin neben verwenden und ähnlichen verben, wo heute lieber wofür oder wozu gebraucht werden: ob die hohen bischof den bann recht bruchind, ... wohin das unfertig (unrechtmäszig erworbene) gut sölle verwendt werden, ob die leer Christi wider die oberkeit sye ..., dise meinungen all und noch vil mee werdend ir hie innen (in den 'schluszreden') finden Zwingli dtsche schr. 1, 722 Schuler - Schulthesz; es soll aber ... der abgesandte zahlmeister das geld nicht ehe ... abgeben, es seind dann ihme zuvor die ... rollen von dem obersten besiegelt eingeantwortet, damit ... die herren fürsten und stände auch sehen mögen, wohin ihre hülffen angewendet, und ob den fürstentagsbeschlüssen gemäsz verfahren (1618) acta publica 1, 5 Palm. wohin fragt nach einem ort innerhalb einer bestimmten gedanklichen ordnung: und doch fühlte der philosoph lust und schmerz; wohin mit diesen? ins reich der begriffe gehörten sie ihm nicht Herder s. w. 22, 110 Suph.; wenn man nicht alles weisz, so weisz man nichts recht. man versteht nicht, wo eine sache hinwill, wo eine andre herkommt, wohin diese oder jene geordnet sein will Göthe 45, 45 W.; (es war) mir (Therese) unendlich angenehm zu sehen, wohin meine natur von einem so verehrten manne (wie Lothario) gestellt und gerechnet werde 23, 57 W. (lehrjahre 7, 6). in fragen nach einem ausweg aus bedrängter lage vgl. wo(hin)aus unter wo I A 1 c, sp. 908, woaus sp. 920, wohinaus sp. 1023: (wir haben,) da wir nit gewust, wohin oder wu hinus, grosz sorg und beschwerd getragen (1522) polit. korresp. d. stadt Straszburg 1, 6; ich wuszte zuletzt nicht, wohin ich mich wenden sollte Göthe 22, 98 W. I@22) als indefinitum: ob er mich durch seinen jungen vor einer stunde wohin hätte fordern lassen Chr. Reuter Schelmuffsky 26 ndr. (vollst. ausg.); wohin reisen, sich wohin begeben andare, viaggiare, portarsi ... à qualche volta, verso qualche luogo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1375c; wie indefinites wo (sp. 910) in jüngerem gebrauch wesentlich umgangssprachlich: weil ich jetzt gerade zur unzeit zum mittagessen wohin engagiert bin Schiller briefe 1, 188 Jonas; der herr von Zins schickt dich als schreiber wohin, fort von hier Nestroy ges. w. (1890) 1, 37; und am sonntag gehn wir zusammen nach den felsenkellern oder zum tanz wohin O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 136. wie wo allgemeiner im gebrauch in verbindung mit anders und sonst, doch gewöhnlich zusammengerückt, vgl. anderswohin teil 1, 313 und sonst wohin teil 10, 1, 1748: avertere fontem, fluvium ein brunnen oder flusz anderszwo hin leiten oder richten Frisius dict. (1556) 139b s. v. averto; (die) Zosser Wenden, welche immer abnamen durch vielfaltige kriege, zogen auch anders wohin (1579) Entzelt altmärk. chron. 166 Bohm; so oft er an den groszen könig oder sonst wohin ... als gesandter geschickt worden ist Schleiermacher Platons w. (1804) 2, 18. heute herrscht für das indefinite fragepronomen der richtung irgendwohin, s. Wilmanns dtsche gramm. 22, 585; früher auch in zwei worten geschrieben: wenn sie solche (statue) irgend wohin auf ihre neuzuerbauende bibliothek setzen Göthe IV 36, 57 W. I@33) substantiviert: man (ist) bisher über das wie, wo, wohin noch im unklaren G. Herwegh in: briefe von u. an H. (1896) 117; häufiger nur neben substantiviertem woher, s. sp. 1014, wie dieses in der regel im übertragenen sinne. IIII. wohin in relativem gebrauch, vgl. wo II A, sp. 911ff. II@11) in verallgemeinerndem sinne: wo hin quocunque, quovis voc. inc. teut. (ca. 1491) O O 7b; die (kampfgefährten) swuoren gewislîche si newolten im (dem führer) niemer geswîchen ze allen sînen sachen, swâ er siu hin wolte scaffen kaiserchronik v. 4940 E. Schröder; ebda v. 4934; ich vuorte in dar oder her, swâ hin wær sînes willen ger Ulrich v. Türheim Tristan 880 Maszmann: würde danne daz lantfolk ermant von unsers herren amptman ..., so solten sie unserm herren ... nochziehen und volgen, wue er ... sie hin ermant (1384 Wertheim) weisth. 6, 20; wohin mich ker, sich ich ye mer daz gstirn mir sein entgegen Forster frische teutsche liedlein 33 ndr.; und wohin ich dich begleite, immer bleib ich so gesinnt Müllner dram. w. (1828) 1, 61; wohin man schaut, kahle hügel und moor Gaudy s. w. (1844) 2, 96. gern mit determinativem korrelat im folgenden übergeordneten satz wie bei wo sp. 911f.: swâ hin er (Amor) broget, dâ muoz ir kraft geligen Frauenlob spr. 312, 20 Ettmüller; wahin sich die kart, da hin folgten ir nach die ougen Niclas v. Wyle translat. 24, 3 Keller; wohin wir gehn, da geht er nach und setzt uns heftig zu Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 401a; wohin man kommt, da hält ein neuer haus Göthe 15, 12 W. (Faust II v. 4836). in öfter wiederkehrenden wendungen wie bei wo II A 1 a, sp. 912: sie rahte aber, heute nach dem monte Testaccio oder vor die porta pia ... oder wohin es sonst sei zu fahren Gaudy s. w. (1844) 2, 104; o, bringt mich fort, nur fort, wohin es sei! Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878ff.) 2, 113. vor allem in sätzen mit wollen: es haut aber der rate im selber den gewalt genomen, das si ainen yeglichen wol setzen mügen im rate, wahin sie wöllent und si duncket, das ainer nutzlichen sitze dem rate und der statt (Augsburg 1399) städtechron. 4, 146 anm. 2; fuort die ouch mit ir gesicht die menschen, wo hin sy wolte Niclas v. Wyle translat. 24, 7 Keller; des konigs hertz ist in der hand des herrn wie wasserbeche, und er neigets wo hin er wil (quacumque voluerit) sprüche Sal. 21, 1; gehet, reiset ..., wohin ihr wollet, wohin euch beliebet andate ... dovunque vogliate Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1375c; alles prüfe der mensch, sagen die himmlischen, dasz er ... ... verstehe die freiheit, aufzubrechen, wohin er will Hölderlin s. w. 4, 22 v. Hellingrath; Innocenz antwortete, der römischen kirche stehe es frei, gesandte zu schicken, wohin sie wolle Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 123. zur verdeutlichung des verallgemeinernden charakters von relativem wohin dienen wie bei wo (sp. 912) die partikeln nur, auch, immer: wo ich mich nur hin wend, der unfall bhend ist stetz nach stellen mir Forster frische teutsche liedlein 115 ndr.; fürwar, wohin nur sehen ihr gläntzend äugelein, musz alles trüb vergehen wie vor dem sonnenschein Zinkgref auserl. ged. 56 ndr.; wohin auch nur dein blödes auge schaut Gellert s. schr. (1839) 150; wahin auch die fallende sternen schieszen, daselbs her musz man des winds warten sein Sebiz feldbau (1579) 7; ob du nicht etwa zeit hättest, eine kleine reise vorzunehmen, wo es auch in die welt hin wäre Göthe IV 42, 5 W.; wohin man den blick auch wendet, findet man Roms innere kraft ... in raschem sinken Mommsen m. gesch. 2 (1865) 68; wohin ich immer gehe, wie weh, wie weh, wie wehe wird mir im busen hier! Göthe 14, 183 W. (Faust I, v. 3602). II@22) wohin bezieht sich auf einen bestimmten ort; früher daneben heute veraltetes relatives dahin, s. teil 2, 686, vgl. dazu über das verhältnis von wo (II A 1 b) und da (13) unter wo sp. 913. II@2@aa) mit beziehung auf ein lokaladverb im vorangehenden übergeordneten satz, im eigentlichen wie uneigentlichen sinne (vgl. I 1 b): wer seyn seel dem gelt und gut anhängt, der wird auch dahin fahren, wo dasselb hinkommt Lehman floril. polit. (1662) 1, 278; darum kommen sie auch nicht dahin, wohin die kinder kommen Lessing s. schr. 8, 18 Muncker; dann würden wir ... die unwilligen dahin treiben, wohin wir sie haben wollen Th. Abbt verm. w. (1768) 2, 65 f.; mich hat die beschäftigung mit der natur dahin geführt, wohin euch die lust und begeisterung der sprache gebracht haben Novalis schr. 4, 235 Minor; dorthin, wohin ihn seine neigung und seine ganze weltanschauung zog W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 233. II@2@bb) ohne beziehung auf eine im vorangehenden übergeordneten satz ausgesprochene lokale bestimmung: sie gingen aber, wohin der wind stund (ubi erat impetus spiritus, illuc gradiebantur) Hesekiel 1, 12; also kan ein herr mit dem schif seines lands nit alweg faren, wohin ers leyt sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 132a; o Jesu, gib uns deinen sinn und bring uns alle, wo du hin durch deinen tod gegangen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 306; ja, singen will ich ... ... von weiten amphitheatern, und wohin von allen seiten die ganze flut Europens dringt Ramler lyr. gedichte (1772) 11; mutter, gibt es auch bretzeln, wo wir hingehen? Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 29. II@2@cc) in beziehung auf einen im übergeordneten satz durch ein substantiv ausgedrückten orts- oder raumbegriff: dar nach kome die pristerschafft ... mit einem ... todengesange, in zuo der kirchen ... fertigen, wo er dann vor seinem tod hin begert hat Arigo decamerone 6, 22 Keller; zottelten wir ... auf einen ... platz, wohin Simplicius einen tisch ... bringen liesze Grimmelshausen 2, 49 Keller; ... aber er wandte sich, strömt in haine, wohin ihm Heinrichs sänger nicht folgen wird Klopstock oden 1, 104 M.-P.; ... im streite, wohin ihn dein verhängnis trug Ramler lyr. gedichte (1772) 98; ... er (Eros) stürzt vom himmel nieder, wohin er sich aus alter öde schwang Göthe 3, 95 W.; (die wanne) stand nicht etwa auf der bank am fenster, wohin sie gehörte O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 342; Philippos flüchtete ... zu dem häuptling Byses, wohin Metellus ihm folgte Mommsen m. gesch. 2 (1865) 41. bei orts- und ländernamen: jetzt ist es zu spät, nach Carlsbad zu gehen, wohin mich die ärzte beorderten Göthe IV 28, 225 W.; einen abstecher nach Deutschland und England ... machen, wohin mich verschiedene gründe zuvor riefen Immermann w. 1, 16 Boxb. bezugnehmend auf eine stelle in einem buch u. ä. (vgl. unter wo II A 1 b γ, sp. 914): welches alles ich ausführlich erörtert habe in der abhandlung über den satz vom grunde ..., wohin ich also verweise Schopenhauer w. 1, 54 Grisebach. wohin im vordersatz entspricht im folgenden übergeordneten satze ein determinatives korrelat: (Salvator dicit Petro): wo ich yetzund hin wird gen, da magstu mir nit pey pesteen altdtsche passionssp. aus Tirol 39 Wackernell; wo ich hin gehe (quo ego vado), da könnet ir nicht hin komen Joh. 8, 21. II@33) in beziehung auf den inhalt des übergeordneten satzes als ganzes: nun gibt es auch kunstwerke, die durch verstand, witz, galanterie brillieren, wohin wir auch alle allegorischen rechnen Göthe 47, 95 W.; daneben verlangte man aber auch persönliche, jedoch nur geistliche dienste der bischöfe, wohin inbesonderheit gehörte, dasz immer einige zur verrichtung des gottesdienstes dem heere folgen muszten Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 398.
25280 Zeichen · 738 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wohin

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Wohin , eine Partikel. 1. Eine determinative Partikel des Ortes, an irgend einen Ort hin. Er muß doch wohin gegangen sey…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wohin

    Goethe-Wörterbuch

    wohin [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wohinAdv.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    wo-hin Adv. : 'in welche Richtung, an welche Stelle', -hiⁿ (-hīⁿ), -hin [verbr., Lambert Penns 180], -heⁿ (-hēⁿ) [ KB-Kr…

  4. Sprichwörter
    Wohin

    Wander (Sprichwörter)

    Wohin Wohen will ji (wollt ihr)? To de Hochtîd. Woher koam 'n ji? Von de Hochtîd. ( Strelitz. ) – Firmenich, III, 73, 11…

  5. Spezial
    wohin

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wo|hin adv. olá, olá ia, olá ... pa, olache, inzai. ▬ wohin etwa? olá mai? ; wohin denn? olá mo?; olá pa? ; wohin wohl? …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wohin

11 Bildungen · 11 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

wohin‑ als Erstglied (11 von 11)

wohinab

DWB

wohinab , adv. , und andere zusammensetzungen mit hin- kompositionen begegnen als gelegenheitsbildungen, in der regel in relativer verwendun…

wohinan

PfWB

wo-hinan Adv. : 'wohin', -naⁿ (-nāⁿ) [mancherorts SOPf]. —

wohinaus

DWB

wohin·aus

wohinaus , adv. , quo, quorsum. in älterer zeit auch in zwei worten wo (wa) hinausz (16. jh. ), s. Fischer schwäb. 6, 911 , wu hinus (1522) …

wohinein

DWB

wohin·ein

wohinein , adv. , gewöhnlich in relativer verwendung: ( der ) geltkasten, wohinein man die tägliche losung zu thun pflegte Grimmelshausen 2,…

wohingegen

DWB

wohin·gegen

wohingegen , konj. , gleichbedeutend mit wo C 2, wogegen 3 ( vgl. auch hingegen 4, konj., teil 4, 2, 1438 und dahingegen, konj., teil 2, 693…

wohinter

DWB

wohin·ter

wohinter , adv. , interrogativ: wohinter hat er sich versteckt? oder wo hat er sich hinter versteckt? ( in vece hinter was, hinter wen) Kram…

wohinunter

DWB

wohin·unter

wohinunter , adv. , gewöhnlich relativ: am westende der kirche ..., wohinunter keiner mitgeht C. Harms pastoraltheologie (1834) 2, 184 ; Pau…

wohinwärts

DWB

wohin·waerts

wohinwärts , adv. , seltene pleonastische bildung: quorsum wohin wert ( anfang 15. jh. obd. ), wohene wert (15. jh. md. ) bei Diefenbach gl.…

wohinzu

GWB

wohinzu [bisher nicht publizierter Wortartikel]