wohin,
adv. ,
quo, tritt an die stelle des seit dem 15.
jh. veraltenden war,
s. teil 13, 1982.
in unmittelbarer wortfolge als wâ hin
zuerst belegt bei Gottfried v. Straszburg
Tristan 11593
B. bei trennung der beiden wörter durch andere seit dem frühmhd., s. unten. die schreibung in zwei worten herrscht im mhd. (
mnd.),
begegnet wie bei woher
später aber nur noch im 16.
jh.: wo hyn Luther 19, 134
W. (
neben wohyn 10, 1, 1, 802); Hans Sachs 1, 30
Keller; Boltz
Terenz (1539) 86
b, 88
b.
die seit dem 16.
jh. übliche zusammenrückung läszt sich vereinzelt früher belegen durch wahin (1399)
städtechron. 4, 146
anm. 2 (
Augsburg); Neidhart
Terenz 56
lit. ver.; wohin H. Folz
meisterl. 369
Mayer; warhin, wohin (15.
jh. md.), worhen, warhen (15.
jh. nd.)
bei Diefenbach
gl. 481
a.
der ursprüngliche vokal des ersten gliedes a
hält sich im nhd. vornehmlich im alem., schriftsprachlich vereinzelt bis ins 17.
jh. wie bei Moscherosch
Philander v. Sittewald (1650) 184;
vgl. unter wo
sp. 904
f. die seit dem 16.
jh. geltende verdumpfung zu o
läszt sich vorher nur im 15.
jh. nachweisen, z. b. wohin H. Folz
a. a. o. und wohin (
md.), worhen (
nd.)
bei Diefenbach
gl. 481
a;
zu dem befund über die mundartlichen ausweichungen nach u, ue, au
u. ä. bei wo
sp. 905
stimmen die älteren belege wau ... hin H. v. Sachsenheim 139
Martin; liederb. der Hätzlerin 243
Haltaus; wue ... hin
weisth. 6, 20 (
aus Wertheim 1384);
vgl. auch unter woher.
neben der bereits im mhd. vorwiegenden form ohne r
begegnen an belegen für war (wor): war hin (1414
md.)
bei Diefenbach
gl. 481
a; waer heen
gemma gemm. (
Köln 1495) t 2
a; warhen, worhen (15.
jh. nd.)
ebda; warhin H. Bullinger (1572)
bei Staub-Tobler 2, 1359; worhin
Venusgärtlein 28, 4
ndr.; engl. comed. u. traged. (1624) g 6
a.
dieses war-
kann das in nebentoniger stellung mit r
erhaltene lokaladverb der ruhe sein (
s.wo sp. 904).
doch bleibt zu erwägen, ob nicht auch wie bei den zusammensetzungen mit nach
oder zu (
im mhd. vorwiegend war nâch, war zuo
gegenüber gewöhnlichem wâ mite, wâ von) war '
quo'
vorliegen kann; vgl. unten war ... hin,
dazu die entsprechende komposition des interrogativen lokaladverbs der herkunft wannenher
teil 13, 1905
f. dem relativischen wohin
entspricht im mhd. swâ hin Ulrich v. Türheim
Tristan 880
Maszmann; Frauenlob
spr. 312, 20
Ettmüller; swâ ... hin
kaiserchron. 4940
E. Schröder; frühmhd. auch sowar ... hinein
Rother 873
Rückert (
zu sowar
s. unten);
s. dazu unter wo
sp. 905,
letzter absatz der einleitung. zur erweiterten form des zweiten bestandteils s. Wilmanns
dtsche gramm. 2
2, 641: ... hinein
Rother a. a. o., ... hinne G. Hagen
v. 2413
in: städtechron. 12, 91 (
Köln); ... hine Hermann v. Fritzlar in:
myst. 1, 175, 30
Pfeiffer; H. Folz
meisterl. 128
Mayer (
neben -hin
s. oben); -hine (15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 481
s. v. quorsum; im heutigen schwäb. gilt vorwiegend wo (hi)na(n),
s. Fischer 6, 911.
an ausweichungen des stammvokals von hin
begegnen: wohien
gemma gemm. (
Hagenau 1510) x 2
a; Hutten
op. omn. 1, 414
Böcking; wo ... hein (15.
jh. md.)
bei Diefenbach
a. a. o.; wa ... hein (1561)
bei Fischer
schwäb. 6, 911;
vgl. hien
und hein
unter hin
teil 4, 2, 1372; -hen(e)
läszt sich im nd. und md. nachweisen: ... hene G. Hagen
a. a. o. v. 2385; -hene (15.
jh. md.), -hen (15.
jh. nd.)
bei Diefenbach
gl. 481
a; -heen
gemma gemm. (
Köln 1495) t 2
a; ... hen Schiller-Lübben 5, 598
a; Tunnicius
sprichw. nr. 273
Hoffmann v. Fallersleben; -hen Mensing
schlesw.-holst. 5, 680; Danneil
altmärk. 249; Fischer
samländ. 176
u. a. mit verklingen des auslautenden nasals: -hi, -hie Hunziker
Aargauer wb. 300; Kisch
Nösner wörter 174; Gerbet
gramm. d. Vogtl. 51; Rother
schles. sprichw. 191
a.
zur trennung der beiden zusammengerückten glieder von wohin
durch andere wörter vgl. das unter woher
sp. 1010
gesagte; ferner unter hin I 1
teil 4, 2, 1372.
das erste glied hat die form mhd. (s)wâ (=
nhd. wo)
bereits in den frühesten belegen: swâ ... hin
kaiserchron. a. a. o.; Hartmann v. Aue
Iwein 1485
L. bei war ... hin
meint das erste glied war '
quo',
vgl. insbesondere die belege bei H. Folz
meisterl. (
Mayer): war ... hin(e) 85 (
v. 120)
gegenüber wohin 369 (
entsprechend war '
quo' 48
und wo '
ubi' 10, 54, 84
u. ö.); war ... hine Hermann v. Fritzlar in:
myst. 1, 175, 30
Pfeiffer (
neben war '
quo' 177, 13
und wo '
ubi' 175, 38); war ... hin
Marienlegenden 144, 153
Pfeiffer (
neben war '
quo' 140, 57
und swâ '
ubi' 139, 22; 141, 75); war ... hin H. R. Manuel
weinspiel v. 173
ndr. (
neben wo
v. 157, 374
u. ö.);
s. auch unter hin I 1
teil 4, 2, 1372
und unter war 4
teil 13, 1983.
doppeldeutig ist das interrogative lokaladverb (s)war, wor
auf mfrk. und nd. gebiet, wo es sowohl '
ubi'
als auch '
quo'
meinen kann, s. wo sp. 904: sowar ... hinein
Rother 873
Rückert (
vgl. war '
ubi'
im Rother unter wo
sp. 906); war ... hin
livl. reimchr. 11690
Meyer (
neben war '
ubi' 2313, 2324
u. ö. gegenüber wa ... hine 6259
zu wa '
ubi' 61, 363); wor ... hen (1420)
bei Diefenbach
gl. 481
b s. v. quorsum; neben war '
quo'
im gleichen denkmal (1473)
bei Schiller-Lübben 5, 598
a.
die trennung findet sich vornehmlich bei verben der bewegung sowie des setzens, stellens, legens und in der regel in sätzen mit wollen
oder anderen hilfsverben bei ellipse des vollverbs. in den mundarten hat man wie bei wo ... her
mit teilweiser bevorzugung der getrennten verwendung von wo ... hin
zu rechnen; so führen ausschlieszlich die mundartlichen entsprechungen für wo ... hin
an Gerbet
gramm. d. Vogtl. 51, Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
b;
daneben zusammenrückung Mensing
schlesw.-holst. 5, 680; Rother
schles. sprichw. 191
a; Fischer
schwäb. 6, 911.
wie dem lokaladverb der herkunft von,
so kann dem lokaladverb der richtung bis
vorangehen, s. bis III 1,
teil 2, 44
und vgl. bis dahin
teil 2, 685. II. wohin
als adverb. I@11)
in interrogativer verwendung. I@1@aa)
im lokalen sinne zum ausdruck des ziels oder abschlusses einer bewegung wie hin I 1,
teil 4, 2, 1372;
zuweilen auch mit dem beiklang von hin I 6 '
weg, fort',
s. ebda 1376,
wobei die betonung von hin
gewöhnlich die trennung der beiden wortglieder nach sich zieht. in direkter rede: wâ ist nu hin mîn liehter morgensterne (
bild der herrin)? wê waz hilfet mich, daz mîn sunne ist ûf gegân? sist mir ze hôh und ouch ein teil ze verne gegen mittem tage unde wil dâ lange stân Heinrich v. Morungen 22
C. v. Kraus; si (
Elisabeth) gab auch uzen handen ir mantel so gewere eim armen bedelere ... lieblich zuo ir der herre sprach: ... wa ist din mantel komen hin, den du zu kirchen drge?
Elisabeth 2700
Rieger; da sprach Jhesus zu den zwelfen: wolt ir auch weg gehen? da antwortet im Simon Petrus: herr, wo hin sollen wir gehen? (
ad quem ibimus) du hast wort des ewigen lebens
Joh. 6, 68; Philomuse wo kumstu her? oder wohin ist dein beger? Casp. Scheit
die fröhliche heimfahrt v. 3150
Strauch; wohin, o freundin, führst du mich? Göthe 16, 159
W.; o, wo seid ihr hin, ihr schönen tage meiner kindheit! Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 242.
mit ellipse eines nachfolgenden verbalen ausdrucks der bewegung: wohin, Simplici? sagt der einsidel Grimmelshausen
Simplic. 30
Scholte; wo denn hin, frau Schlampampe? Chr. Reuter
ehrl. frau zu Plissine 15
ndr.; wohin so eilend, wohin so geschwind? Kramer
teutsch-ital. (1702) 1375
b; ach gott, wohin! ringsum kein steg, sich überall die ebne gleicht Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878
ff.) 2, 35.
häufig steht nur ein hilfsverbum, vornehmlich wollen,
vgl. unter hin I 1
gegen schlusz, teil 4, 2, 1372: saget, wâ wolt ir hin, oder wâ habt ir den sin genomen der iu ditz geriet? Hartmann v. Aue
Iwein 1485
L.; wo wiltu hin?
1. Mos. 18; wo sollen wir hin?
Jer. 15, 2; nun, herr, wo soll ich hin? Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 316; wo wollet ihr mitten im winter hin? Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1375
b; wohin soll ich? von grazien ... umgeben, weisz ich nirgend zu fliehn Herder
s. w. 26, 33
Suphan; auch mundartlich, z. b.: wo wullt du hen? Mensing
schlesw.-holst. 5, 680; Danneil
altmärk. 249.
mit ersparung des subjekts und eines hilfsverbs neben dem infinitiv eines vollverbs: die bewohner, aufmerksam, hatten den riegel vorgeschoben, und wohin nun sich wenden? Göthe 7, 169.
W.; wohin fliehen? 23, 9. wohin geht, steht, führt die reise, der weg: lieben gäst, sagt, von wann her kumbt ihr, ... wahin steet ewre raise? (
Od. 3, 71
erweitert) Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 10
a; Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 4; wu gieht de rese hie? K. Rother
schles. sprichw. 191
a; Schambach
Götting.-Grubenhag. 302
b; wohin führt mich der pfad dort übern berg? Göthe 2, 176
W. (
der wanderer); wohin geht unser weg?
M. Herwegh in:
br. von u. an G. Herwegh (1896) 173.
der gebrauch eines adverbialen genetivischen substantivs wie nach woher I 1 a
γ,
sp. 1012
scheint bei wohin
weniger üblich zu sein: wohin des weges? Gerbet
gramm. d. Vogtl. 437
a;
zu der im ahd. und mhd. gängigen verwendung nach war (swar
u. ä.)
vgl. gramm. 4, 761
und Wilmanns
dtsche gramm. 3, 2, 596
anm. 1.
in der indirekten rede: (
es sollen) arm und rich wizzen, wa ir stiur hin komen sy (
Augsburg 1340)
städtechron. 4, 130, 38; 'von wannen gastu?' 'ich weisz es nit, weder woher ich kumm noch wohin ich gang' Boltz
Terenz (1539) 38
a; ... dasz seither niemand erfahren, wohin er geflogen oder gestoben sey Grimmelshausen 2, 328
Keller; in gleicher wendung bei Lenz
ges. schr. 1, 48
Tieck; ungeheure felsen treten hier so nahe zusammen, dasz man kaum errathen kann, wohin der strom sich wenden wird Moltke
ges. schr. u. denkwürdigk. (1892) 1, 122.
mit ellipse des verbs, gewöhnlich nach wissen
in verneintem satz: (
Isolde zu Tristan beim abschied von Irland:) die mich von kinde habent erzogen, den habet ir mich nu an ertrogen und füeret mich, in weiz wâ hin Gottfried v. Straszburg
Tristan 11593
Bechstein; die fraw erschrak, west nit wo hin. dan in die kist kam ir der sin, dar ein parg sie den fremden gast H. Folz
meisterlieder 369 (98, 21)
Mayer; das ich in nicht fraget, wo her oder wo hin
richter 13, 6; Agathon begleitete seinen herrn, ohne zu wissen wohin Wieland
Agathon (1766) 1, 152; wir hatten ... so eine masse stängel und blüthen zusammengebracht, dasz wir nicht wuszten wo mit hin Göthe 25, 43
W. mit ellipse des vollverbs nach hilfsverben: ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte Kirchhof
wendunmuth 1, 96
lit. ver.; ich wünsche zu wissen, wer sie eigentlich seien und woher sie kommen und wohin sie wollen? G. Keller
ges. w. (1889) 5, 51; die guten bürger ... überlegten, wo sie mit allen ihren semmeln und braten hin sollten Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 147.
wie oben mit ersparung des subjekts und eines hilfsverbs neben dem infinitiv eines vollverbs: ich weisz in berggeschlüchten vorm trotzigen kumpan nicht mehr wohin mich flüchten Fr. Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 79. I@1@bb)
im uneigentlichen sinne (
ohne konkret örtliche vorstellung)
fragt wohin
besonders häufig nach ziel oder richtung einer gedankenbewegung oder gefühlsregung: mit verdeckten worten anzaigen, wa das gemt hin hangt G. Mayr
sprüchw. (1567) d 4
a; verwirrt musz ich gestehn, dasz ich nicht weisz, wohin ich meinen argwohn richten soll Göthe 10, 77
W. (
Iphigenie v. 1772); ich war begierig, wohin diese seltsamen vorstellungen wohl führen und wie diese gedankenreihe ... endigen möchte Tieck
schr. (1828) 4, 33.
bei (ge)denken,
gewöhnlich bei einem dem sprechenden falsch erscheinenden gedanken: der ritter ... zuo im selb sprach: Galmy, wohin gedenckst du doch? ... was bekümmerst du dich umb ein ding, so nimmer gewert werden mag? Wickram
w. 1, 103
Bolte; 'der narr behauptet, es (
das chamäleon) sey grün; ich sage blau'. 'wo denkt ihr hin? laszt eines bessern euch belehren; braun ist es, braun, das kann ich schwören' Pfeffel
poet. vers. (1812) 2, 42; 'wohin denkt ihr, eccellentissimo?' warnte ich. 'um der allerheiligsten madonna willen, gebt diesen vorsatz auf' Gaudy
s. w. (1844) 13, 28;
auch mundartlich, z. b.: wo denkst'n hin Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
b.
insbesondere bei fragen nach dem (
eigentlichen)
ziel oder sinn einer rede, einer gedankenäuszerung, einer meinung u. ä.: neque coelum neque terram attingit wann einer viel sagt, das man nit weysz, was er sagt oder wohin er will (
worauf er hinaus will) Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 7
a; Mitio: es ist nimmer nichts ungerechters, dann ein unerfarner mensch, der meint es sey nichts recht, dann das er thuot. Demea: wo hin daz? (
quorsum istuc? adelph. 1, 2
v. 100) Boltz
Terenz (1539) 86
b; Joh. Rhenius
übersetzt die gleiche stelle mit wohin ist das gemeynet? ... wo zeucht sich diese rede hin?
Terenz (1658) 402; doch wohin zielet die klage (
über die kürze des menschlichen lebens)? Chr. Weise
polit. redner (1677) 20; wohin zielte dieses gespräch?
samml. v. schauspielen (
Wien 1764) 1, 30; Stephan Langton antwortete, er wisse besser, wohin die wahre meinung des heiligen vaters gehe Ranke
s. w. (1867) 14, 51;
veraltet bei meinen,
vgl. oben Joh. Rhenius (1658); welch gottseliges hertz siehet nicht, wohin disz alles gemeynet? nehmlich der süsze heiland wolte uns lehren, dasz er bisz ans ende der welt nicht fern wolle seyn von seinen gläubigen Chr. Scriver
seelenschatz (1737) 4, 35
b; da nun jede fabel eigentlich etwas lehren soll, so ist euch allen, wohin die gegenwärtige gemeint sei, ... deutlich Göthe 25, 177
W. wohin
fragt weiter nach richtung, ziel, ergebnis, erfolg, ausgang verschiedener verhaltungsweisen, handlungen, entwicklungen u. a.: wo wiltu doch hynn, Emser? sihstu nit, wie dich deyn hasz verblendet, ... wer wil dyr glauben, ... wenn du so mit falschem hertzen, erlogenen wortten gottis gericht anruffist? Luther in:
Luthers und Emsers streitschr. 2, 21
ndr.; aber sag er mir, wo will er hin, dasz er sich noch bösen begierden überläszt Lenz
ges. schr. 1, 73
Tieck; wer seinem sohn befiehlt, zu kratzen und zu schinden, ... der leitet seinen sohn gemach zu solchen sachen (
wie betrügereien) ... siehstu, wohin der geitz ist endlich ausgeschlagen? siehstu, was deine lehr für früchtlein hat getragen? J. Rachel
satyr. gedichte 50
ndr.; seine pflichten erfüllen, wohin kann das führen? zur eifersucht, zur unruhe, zur verfolgung Göthe I 45, 57
W.; Schubarth ist ein merkwürdiger mensch; es ist schwer vorauszusagen, wohin es mit ihm gedeihen kann IV 35, 284
W.; in ähnlicher unpersönlicher wendung vgl. Triller
unter hin I 1
schlusz, teil 4, 2, 1372; seine fähigkeiten, von denen wissen wir nicht, wohin sie ihn leiten würden Bettina v. Arnim
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 64.
veraltet ist wohin
neben verwenden
und ähnlichen verben, wo heute lieber wofür
oder wozu
gebraucht werden: ob die hohen bischof den bann recht bruchind, ... wohin das unfertig (
unrechtmäszig erworbene) gut sölle verwendt werden, ob die leer Christi wider die oberkeit sye ..., dise meinungen all und noch vil mee werdend ir hie innen (
in den '
schluszreden') finden Zwingli
dtsche schr. 1, 722
Schuler - Schulthesz; es soll aber ... der abgesandte zahlmeister das geld nicht ehe ... abgeben, es seind dann ihme zuvor die ... rollen von dem obersten besiegelt eingeantwortet, damit ... die herren fürsten und stände auch sehen mögen, wohin ihre hülffen angewendet, und ob den fürstentagsbeschlüssen gemäsz verfahren (1618)
acta publica 1, 5
Palm. wohin
fragt nach einem ort innerhalb einer bestimmten gedanklichen ordnung: und doch fühlte der philosoph lust und schmerz; wohin mit diesen? ins reich der begriffe gehörten sie ihm nicht Herder
s. w. 22, 110
Suph.; wenn man nicht alles weisz, so weisz man nichts recht. man versteht nicht, wo eine sache hinwill, wo eine andre herkommt, wohin diese oder jene geordnet sein will Göthe 45, 45
W.; (
es war) mir (
Therese) unendlich angenehm zu sehen, wohin meine natur von einem so verehrten manne (
wie Lothario) gestellt und gerechnet werde 23, 57
W. (
lehrjahre 7, 6).
in fragen nach einem ausweg aus bedrängter lage vgl. wo(hin)aus
unter wo I A 1 c,
sp. 908, woaus
sp. 920, wohinaus
sp. 1023: (
wir haben,) da wir nit gewust, wohin oder wu hinus, grosz sorg und beschwerd getragen (1522)
polit. korresp. d. stadt Straszburg 1, 6; ich wuszte zuletzt nicht, wohin ich mich wenden sollte Göthe 22, 98
W. I@22)
als indefinitum: ob er mich durch seinen jungen vor einer stunde wohin hätte fordern lassen Chr. Reuter
Schelmuffsky 26
ndr. (
vollst. ausg.); wohin reisen, sich wohin begeben
andare, viaggiare, portarsi ... à qualche volta, verso qualche luogo Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1375
c;
wie indefinites wo (
sp. 910)
in jüngerem gebrauch wesentlich umgangssprachlich: weil ich jetzt gerade zur unzeit zum mittagessen wohin engagiert bin Schiller
briefe 1, 188
Jonas; der herr von Zins schickt dich als schreiber wohin, fort von hier Nestroy
ges. w. (1890) 1, 37; und am sonntag gehn wir zusammen nach den felsenkellern oder zum tanz wohin O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 136.
wie wo
allgemeiner im gebrauch in verbindung mit anders
und sonst,
doch gewöhnlich zusammengerückt, vgl. anderswohin
teil 1, 313
und sonst wohin
teil 10, 1, 1748
: avertere fontem, fluvium ein brunnen oder flusz anderszwo hin leiten oder richten Frisius
dict. (1556) 139
b s. v. averto; (
die) Zosser Wenden, welche immer abnamen durch vielfaltige kriege, zogen auch anders wohin (1579) Entzelt
altmärk. chron. 166
Bohm; so oft er an den groszen könig oder sonst wohin ... als gesandter geschickt worden ist Schleiermacher
Platons w. (1804) 2, 18.
heute herrscht für das indefinite fragepronomen der richtung irgendwohin,
s. Wilmanns
dtsche gramm. 2
2, 585;
früher auch in zwei worten geschrieben: wenn sie solche (
statue) irgend wohin auf ihre neuzuerbauende bibliothek setzen Göthe IV 36, 57
W. I@33)
substantiviert: man (
ist) bisher über das wie, wo, wohin noch im unklaren G. Herwegh in:
briefe von u. an H. (1896) 117;
häufiger nur neben substantiviertem woher,
s. sp. 1014,
wie dieses in der regel im übertragenen sinne. IIII. wohin
in relativem gebrauch, vgl. wo II A,
sp. 911
ff. II@11)
in verallgemeinerndem sinne: wo hin
quocunque, quovis voc. inc. teut. (
ca. 1491) O O 7
b; die (
kampfgefährten) swuoren gewislîche si newolten im (
dem führer) niemer geswîchen ze allen sînen sachen, swâ er siu hin wolte scaffen
kaiserchronik v. 4940
E. Schröder; ebda v. 4934; ich vuorte in dar oder her, swâ hin wær sînes willen ger Ulrich v. Türheim
Tristan 880
Maszmann: würde danne daz lantfolk ermant von unsers herren amptman ..., so solten sie unserm herren ... nochziehen und volgen, wue er ... sie hin ermant (1384
Wertheim)
weisth. 6, 20; wohin mich ker, sich ich ye mer daz gstirn mir sein entgegen Forster
frische teutsche liedlein 33
ndr.; und wohin ich dich begleite, immer bleib ich so gesinnt Müllner
dram. w. (1828) 1, 61; wohin man schaut, kahle hügel und moor Gaudy
s. w. (1844) 2, 96.
gern mit determinativem korrelat im folgenden übergeordneten satz wie bei wo
sp. 911
f.: swâ hin er (
Amor) broget, dâ muoz ir kraft geligen Frauenlob
spr. 312, 20
Ettmüller; wahin sich die kart, da hin folgten ir nach die ougen Niclas v. Wyle
translat. 24, 3
Keller; wohin wir gehn, da geht er nach und setzt uns heftig zu Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 401
a; wohin man kommt, da hält ein neuer haus Göthe 15, 12
W. (
Faust II
v. 4836).
in öfter wiederkehrenden wendungen wie bei wo II A 1 a,
sp. 912: sie rahte aber, heute nach dem monte Testaccio oder vor die porta pia ... oder wohin es sonst sei zu fahren Gaudy
s. w. (1844) 2, 104; o, bringt mich fort, nur fort, wohin es sei! Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878
ff.) 2, 113.
vor allem in sätzen mit wollen: es haut aber der rate im selber den gewalt genomen, das si ainen yeglichen wol setzen mügen im rate, wahin sie wöllent und si duncket, das ainer nutzlichen sitze dem rate und der statt (
Augsburg 1399)
städtechron. 4, 146
anm. 2; fuort die ouch mit ir gesicht die menschen, wo hin sy wolte Niclas v. Wyle
translat. 24, 7
Keller; des konigs hertz ist in der hand des herrn wie wasserbeche, und er neigets wo hin er wil (
quacumque voluerit)
sprüche Sal. 21, 1; gehet, reiset ..., wohin ihr wollet, wohin euch beliebet
andate ... dovunque vogliate Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1375
c; alles prüfe der mensch, sagen die himmlischen, dasz er ... ... verstehe die freiheit, aufzubrechen, wohin er will Hölderlin
s. w. 4, 22
v. Hellingrath; Innocenz antwortete, der römischen kirche stehe es frei, gesandte zu schicken, wohin sie wolle Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 123.
zur verdeutlichung des verallgemeinernden charakters von relativem wohin
dienen wie bei wo (
sp. 912)
die partikeln nur, auch, immer: wo ich mich nur hin wend, der unfall bhend ist stetz nach stellen mir Forster
frische teutsche liedlein 115
ndr.; fürwar, wohin nur sehen ihr gläntzend äugelein, musz alles trüb vergehen wie vor dem sonnenschein Zinkgref
auserl. ged. 56
ndr.; wohin auch nur dein blödes auge schaut Gellert
s. schr. (1839) 150; wahin auch die fallende sternen schieszen, daselbs her musz man des winds warten sein Sebiz
feldbau (1579) 7; ob du nicht etwa zeit hättest, eine kleine reise vorzunehmen, wo es auch in die welt hin wäre Göthe IV 42, 5
W.; wohin man den blick auch wendet, findet man Roms innere kraft ... in raschem sinken Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 68; wohin ich immer gehe, wie weh, wie weh, wie wehe wird mir im busen hier! Göthe 14, 183
W. (
Faust I,
v. 3602). II@22) wohin
bezieht sich auf einen bestimmten ort; früher daneben heute veraltetes relatives dahin,
s. teil 2, 686,
vgl. dazu über das verhältnis von wo (II A 1 b)
und da (13)
unter wo
sp. 913. II@2@aa)
mit beziehung auf ein lokaladverb im vorangehenden übergeordneten satz, im eigentlichen wie uneigentlichen sinne (
vgl. I 1 b): wer seyn seel dem gelt und gut anhängt, der wird auch dahin fahren, wo dasselb hinkommt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 278; darum kommen sie auch nicht dahin, wohin die kinder kommen Lessing
s. schr. 8, 18
Muncker; dann würden wir ... die unwilligen dahin treiben, wohin wir sie haben wollen Th. Abbt
verm. w. (1768) 2, 65
f.; mich hat die beschäftigung mit der natur dahin geführt, wohin euch die lust und begeisterung der sprache gebracht haben Novalis
schr. 4, 235
Minor; dorthin, wohin ihn seine neigung und seine ganze weltanschauung zog W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 233. II@2@bb)
ohne beziehung auf eine im vorangehenden übergeordneten satz ausgesprochene lokale bestimmung: sie gingen aber, wohin der wind stund (
ubi erat impetus spiritus, illuc gradiebantur)
Hesekiel 1, 12; also kan ein herr mit dem schif seines lands nit alweg faren, wohin ers leyt
sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 132
a; o Jesu, gib uns deinen sinn und bring uns alle, wo du hin durch deinen tod gegangen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 306; ja, singen will ich ... ... von weiten amphitheatern, und wohin von allen seiten die ganze flut Europens dringt Ramler
lyr. gedichte (1772) 11; mutter, gibt es auch bretzeln, wo wir hingehen? Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 29. II@2@cc)
in beziehung auf einen im übergeordneten satz durch ein substantiv ausgedrückten orts- oder raumbegriff: dar nach kome die pristerschafft ... mit einem ... todengesange, in zuo der kirchen ... fertigen, wo er dann vor seinem tod hin begert hat Arigo
decamerone 6, 22
Keller; zottelten wir ... auf einen ... platz, wohin Simplicius einen tisch ... bringen liesze Grimmelshausen 2, 49
Keller; ... aber er wandte sich, strömt in haine, wohin ihm Heinrichs sänger nicht folgen wird Klopstock
oden 1, 104
M.-P.; ... im streite, wohin ihn dein verhängnis trug Ramler
lyr. gedichte (1772) 98; ... er (
Eros) stürzt vom himmel nieder, wohin er sich aus alter öde schwang Göthe 3, 95
W.; (
die wanne) stand nicht etwa auf der bank am fenster, wohin sie gehörte O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 342; Philippos flüchtete ... zu dem häuptling Byses, wohin Metellus ihm folgte Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 41.
bei orts- und ländernamen: jetzt ist es zu spät, nach Carlsbad zu gehen, wohin mich die ärzte beorderten Göthe IV 28, 225
W.; einen abstecher nach Deutschland und England ... machen, wohin mich verschiedene gründe zuvor riefen Immermann
w. 1, 16
Boxb. bezugnehmend auf eine stelle in einem buch u. ä. (
vgl. unter wo II A 1 b
γ,
sp. 914): welches alles ich ausführlich erörtert habe in der abhandlung über den satz vom grunde ..., wohin ich also verweise Schopenhauer
w. 1, 54
Grisebach. wohin
im vordersatz entspricht im folgenden übergeordneten satze ein determinatives korrelat: (Salvator dicit Petro): wo ich yetzund hin wird gen, da magstu mir nit pey pesteen
altdtsche passionssp. aus Tirol 39
Wackernell; wo ich hin gehe (
quo ego vado), da könnet ir nicht hin komen
Joh. 8, 21. II@33)
in beziehung auf den inhalt des übergeordneten satzes als ganzes: nun gibt es auch kunstwerke, die durch verstand, witz, galanterie brillieren, wohin wir auch alle allegorischen rechnen Göthe 47, 95
W.; daneben verlangte man aber auch persönliche, jedoch nur geistliche dienste der bischöfe, wohin inbesonderheit gehörte, dasz immer einige zur verrichtung des gottesdienstes dem heere folgen muszten Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 398.