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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Wo

Bd. 5, Sp. 750a
Wo, 1. Als Umstandwort: 1) des Ortes, und zwar (1) irgend einen unbekannten oder unbestimmten Ort zu bezeichnen. Ih habe es wo gefunden, d. h. an irgend einem Orte, den ich nicht mehr weiß, oder den ich nicht sagen will; gewöhnlicher, irgendwo. Es muß doch wo (irgendwo) stecken, an irgend einem Orte. »Wo auch mein Geist nach dem Tode sein wird, so weiß ich doch, daß er allezeit bei Gott sein wird.« Gellert. Hört wo (irgendwo) ein Ohr den Gang des Unendlichen nicht I der Donnerwolke? in dem Lispel des Westhauchs? K. F. Cramer. Sieht wo ein Aug' ihn im Auge des Weibes nicht? Ders. Oft dient es auch, nach einem unbekannten Orte zu fragen. Wo ist er? Wo hast du es gelassen? Von wo ist er? von welchem Orte. Wo werden wir noch hin verschlagen werden! wo es zugleich als ein Ausruf betrachtet werden kann. (2) Beziehlich, einen Ort, welcher im Vorhergehenden genannt ist, oder im Nachfolgenden näher bestimmt wird, zu bezeichnen, für an oder in, auf  welchem Orte. Es beziehet sich dann oft auf ein ausgedrucktes oder verschwiegenes da, und stehet sowol im Vordersatze, als auch im Nachsatze. Da, wo du bist, mag ich nicht sein. »Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler«. Er wohnt in demselben Hause, wo ich wohne. An der Stelle, wo er begraben ist, soll ein Denkmahl errichtet werden. — — die Betten, Wo meine Unschuld starb. Schiller. Ih werde doch wissen, wo ich stehen geblieben bin? Ih seh den Weisen nicht, wo mir der Mensch verschwindet. Cronegk. Uneigentlich steht wo zuweilen auch, aber ungut, für woher? »Wo wissen Sie denn, ob ich Bücher lese?« woher, von wem wissen Sie denn  Gellert. Zuweilen, aber gleichfalls ungut, auch für wie. Wo kann ich das wissen? Wo kenn' ich seine Treu, wenn er sie nicht beweist? Allein, wo wird er sie uns denn beweisen können? Gellert, wo das zweite wo auch wodurch bedeuten kann. 2) Der Zeit, wo[] es beziehlich gebraucht wird, eine Zeit zu bezeichnen, von welcher im Vorhergehenden die Rede ist, oder welche im Nachfolgenden näher bestimmt wird. Das geschah zu einer Zeit, wo ich noch nicht überlegen konnte. Wann wird die Zeit kommen, wo ich euch wiedersehe? 3) ≠ Für etwa. »Warum soll ich einen Geistlichen bitten, die Predigt zu halten, die gedruckt ist. Its wo, damit ich reden höre; kann ich denn nicht laut lesen?« Hippel. 2. Als einen Redetheil, welchen man als ein unbestimmtes und beziehliches Fürwort betrachten kann, für welcher, welche, welches, wo es unverändert bleibt; aber nur in Zusammensetzungen mit Verhältnißwörtern und Umstandwörtern, welchen in der Zusammensetzung ein r vorgesetzt wird, wenn sie mit einem Selbstlauter anfangen, wobei, wodurch, wofür, wogegen, woher, wohin, wohinter, womit, wonach, wovor, wowider, wozu, und, woran, worauf, woraus, worein, worin, worüber, worum, worunter, für, bei welchem, und, bei welchen, durch welches, und, durch welche ; in Gegensatz von dabei, dafür , daran, darauf , welche zuweilen mit jenen verwechselt werden. I diesen Zusammensetzungen darf das wo nicht getrennt werden. Man darf z. B. nicht sagen, die Arbeit, wo ich eben bei bin, für wobei ich eben bin; wenn es noch etwas wäre, wo ich für kann, für, wofür ich kann. Wo dient das Wünschen aber zu? Opiz. Scheint in andern Fällen eine solche Trennung gewöhnlich und ohne Anstoß zu sein. z. B. du fragst wo ich her komme, wo ich hin gehe ; so ist dies nur eine scheinbare Trennung, keine wirkliche, indem wo hier das vorhergehende beziehliche Umstandwort des Ortes ist, und her und hin zum Aussageworte gehören, für: du fragst (nach dem Orte) wo ich herkomme, (nach dem Orte) wo ich hingehe? 3. Als ein Bindewort, eine Bedingung zu bezeichnen, wo man sonst wenn gebraucht. Wo ich nicht irre. Wo mir recht ist, wenn ich nicht irre. — denn wo mir recht ist, Feuchtet der Rasen bereits. — Voß. Aber, wo Ih nicht helfe, der Stier' Anathmung versengt ihn. Voß. Thue es, wo nicht aus Liebe zur Tugend, doch wenigstens des Nutzens wegen. Will er es thun, so ist es gut, wo nicht, so mag er es bleiben lassen. Unnütz und verwerflich ist die Anflickung des daß. Wirf alles das, was Welt ist, von dir hin, Wo daß du willt, was göttlich ist, erlangen. Opiz. Wo daß wir etwan gehen wollen, So schließen sie uns mitten ein. Ders. I N. D. sagt man dafür wor und waar.
4239 Zeichen · 61 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    wô s. wâ.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wo

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Wo , eine Partikel, welche auf eine gedoppelte Art gebraucht wird: 1. Als ein Adverbium, und zwar (1) Als ein Adverbium …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wo

    Goethe-Wörterbuch

    wo [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wo

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wo , chemisches Zeichen für 1 Atom Wolfram.

  5. modern
    Dialekt
    wo

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB wo [wo u. wù, bei nachdrücklicher Betonung wó u. wû allg., ausgen. K. Z. (s. das folg. W.) ] 1. Fragew.…

  6. Sprichwörter
    Wo

    Wander (Sprichwörter)

    Wo 1. Dat ward doch noch wûr (wo, irgendwo) sîn, säd' de Jung, achter îs ôk noch 'n Loch. – Hoefer, 547. 2. Von wo bist …

  7. Spezial
    wo

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wo adv. 1 (interrogativ) olá, olá mai, olá ... pa: Können Sie mir sagen, wo die Kirche ist? Savëise da me dí olache al é…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wo

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Keine Komposita gefunden — wo kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.