woher,
adv. ,
unde, seit dem 15.
jh. belegbar, tritt an die stelle des im nhd. veraltenden (
von) wannen,
s. teil 13, 1901.
schreibung in einem wort wird zufrühest bezeugt durch worher '
unde'
in einem nd. vocabular v. j. 1425
bei Diefenbach
gl. 626
c;
vgl.worher (1476)
nov. gl. 385
a; woher (15.
jh.)
gl. 626
c;
die schreibung in zwei worten findet sich im 15.
jh. häufig und hält sich wie bei wohin
bis ins 16.
jh., z. b.: wa her Steinhöwel
Äsop 190
lit. ver.; wo her (15.
jh.)
bei Jungandreas
schles. mundart 451; Arigo
decamerone 133, 13
lit. ver.; Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 4
b; Erasmus Alberus
fabeln (1550) 124
ndr. durch mehrere wörter getrenntes wo(r) ... her
läszt sich seit dem beginn des 15.
jh. belegen durch das hartebok (1404),
s. unten. ältere lautformen sind: worher
s. oben; mit a
vornehmlich alem.: waher Niclas v. Wyle
transl. 67, 34
lit. ver.; Steinhöwel
s. oben; wa har (1515)
Eulenspiegel 121
ndr.; waher Carbach
Livius (1551) 60
a;
mundartlich begegnet auch wuher Danneil
altmärk. 251
a; wuhär Liesenberg
Stieger ma. 221; Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
b; Wenisch
Nordwestböhmen 94; Gerbet
gramm. d. Vogtl. 51; wuhar K. Rother
schles. sprichw. 390
a; wo
uh
ier
luxemb. ma. 489
b;
vgl. dazu wo
sp. 904
f. zur gestalt des zweiten gliedes (
alem. har,
schweizer. und elsäss. här,
beide bis zum 16.
jh. schriftsprachlich bezeugt)
s. unter her
teil 4, 2, 999;
zu wohero Ayrer
histor. processus juris (1600) 259
vgl. fürs 17./18.
jh. belegtes dahero
teil 2, 684.
bei den zusammenrückungen von wo
mit den adv. her
und hin
begegnet häufiger als in sonstigen fällen der komposition von wo
mit adverbialen oder präpositionalen partikeln an zweiter stelle die trennung der beiden glieder durch andere wörter, vgl. die bei Behaghel
dtsche syntax 4, 236
f. und 249
angeführten belege. sie kann bei stärkerer betonung der herkunfts- bzw. richtungsfrage eintreten, da dann das zweite glied, als wesentliche bestimmung des verbs aufgefaszt, gern gegen das satzende rückt, vgl. Behaghel
a. a. o. 249
und H. Paul
dtsches wb. (1921) 653
b.
besonders häufig findet sich die trennung von wo
und her
bei den verben sein
und haben, kommen
und nehmen,
wobei sich her
mit den folgenden vollverben später zu einem wort zu verbinden pflegt (
z. b. wo ...
herkommen).
das zerlegte wo ... her
steht von anfang an neben dem zusammengesetzten: (
er) vynk de koplude, al wor se weren her (
Lübeck 1472)
städtechron. 31, 1, 107; (15.
jh.) Keller
erzähl. aus altdtschen handschr. 376, 33 (
s. unter I 1 a
γ); das mich grosz wunder hat genummen, wo doch so seltzam red har kummen Murner
mühle v. Schwind. v. 3
Beberm. (
dtsche schr. 4, 3).
nach den angaben der unten genannten dialektwörterbücher kennen manche mundarten nur die getrennte verwendung von wo ... her,
wie das schlesw.-holst., vogtl. und nordwestböhm., in anderen wie im obersächs.-erzgebirg. überwiegt diese form des gebrauchs: wo kümmst du her? Mensing
schlesw.-holst. 5, 680; wo kommst'n her? wo bist'n her? Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
b;
vgl. Gerbet
gramm. d. Vogtl. 51; Wenisch
Nordwestböhmen 94; Fischer
schwäb. 6, 911.
vor woher
kann auch von
stehen: (
der bär) späht, von woher die imme fleucht maler Müller
w. (1811) 1, 22; ich sehe sie (
anrede) ... in einer lage, von woher mit mir ein stets freundlich belehrendes verhältnis unterhalten ward Göthe IV 41, 110
W.; bei getrenntem wo ... her: van wor mach se her komen?
hartebok bei Schiller-Lübben 5, 598
a;
vgl. von daher
teil 2, 679. II. woher
als adverb. I@11)
in interrogativer verwendung. I@1@aa)
in lokalem sinne. I@1@a@aα)
in allgemeinen fragen nach dem ort, von dem eine person oder sache zu dem ort gelangt ist oder gelangen kann, den der fragende im sinne hat. in direkter rede: woher kumpstu? wer hat dich gesandt? Joh. Nas
d. antipap. eins u. hundert (1567) 3, 160
a; es rief und sprach, woher kömmst du so spät zurück? Lichtwer
Äsopische fabeln (1748) 10; woher sollte ich alle die kuriosen kräuter und blumen ... haben als aus deinen ... vorrathskammern? Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 4; woher kommt der wind? Storm
s. w. (1899) 1, 11.
häufig mit ellipse des verbs, vor allem bei einer begegnung, auch im anschlusz an die gruszformel: Elisa sprach zu im: wo här Gehasi? (
unde venis 4. könige 5, 25)
Züricher bibel (1531) 1, 181
b; da begegnet ihm der esell und sprach zu ihm: sih, lieb gesell, wo her, wo her? Erasmus Alberus
fabeln 124
ndr.; ei guten tag, Peter! Veit, guten tag! woher? Göthe 8, 7
W.; im heutigen schweizerischen: grüez gott, Nänneli, wohar, wohar? Staub-Tobler 2, 1567;
vgl. dazu: woher? ist aber auch die erste frag zun gästen Joh. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678)
zueign. a 2
b.
mit einem ausdruck des unwillens wie bei wo
sp. 906: wa har zuo dem teufel (1515)
Eulenspiegel 121
ndr. in der indirekten rede: die menschen samelnt vil zytliches guottes und frǎgent nit, waher das kom, sunder nun (
nur), das vil kom Niclas v. Wyle
transl. 67, 34
lit. ver.; in meinem leichtsinn hatte ich nicht bedacht, woher ich die nötigen mittel nehmen wolle G. Keller
ges. w. (1889) 1, 141.
mit ellipse des verbs, besonders nach wissen
in verneinendem satz (
vgl.wo sp. 907
f.): man hort das feindtlich geschrey, wiszt doch niemandt woher Carbach
Livius (1551) 179
a; der geist geistet, wo er will, niemandts weisz wohin oder woher Paracelsus
op. (1616) 2, 38
Huser; derselbe brachte, ich weisz nicht woher, ein liecht mit sich Grimmelshausen 2, 422
Keller; er kam, und niemand weisz woher Lessing
s. schr. 3, 8
Muncker (
Nathan 1, 1). I@1@a@bβ)
der verwendung von wannen 3 b
und her I 6 (
teil 4, 2, 1002
f.)
entsprechend in fragen nach der abstammung oder herkunft einer person: nu sage mir, wo her ist der gast (
ὁππόθεν οὗτος ἀνὴρ), so erst bei dir gewest, von welchem land und geschlecht nennt er sich? Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 4
b; wo aber bist du (
Mars) her? von Sparta wil man sagen, der werthen kriegesstadt Opitz
op. (1690) 1, 89; das thor geht auf, und man empfängt ihn gerne mit offnen armen, mit bereiten händen. er sagt, woher er sei, von welcher ferne ihn die befehle höhrer wesen senden Göthe 16, 174
W. (
die geheimnisse); woher war denn der dritte? nicht her von Oestreichs flur, auch nicht von Preuszens sitte, von Deutschland war er nur Fr. Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 123;
vgl. auch γ und die im kopf von woher
genannten fälle von zerlegtem wo ... her,
ferner daher sein '
abstammen'
teil 2, 679. I@1@a@gγ)
mit folgendem adverbialem genetivischem substantiv, der gleichen fügung wie bei wannen
folgend (
vgl.wanana lantes Otfrid IV 23, 31): ... mich wonder hat, was ir dunt hie in dieser stat. ... und wo sit ir landes her? (15.
jh.) Keller
erzähl. aus altdtschen handschr. 376; woher des landes? Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1375
b;
ebenso Göthe 25, 120
W.; fürwahr! es ist Homunculus. woher des wegs, du kleingeselle? 15, 1, 146
W. (
Faust II
v. 7829);
ebenso Tieck
schr. (1828) 4, 180.
vgl. dazu land 6 d
und weg (
teil 6, 94,
bew. 13, 2866),
ferner gramm. 4, 761
und Wilmanns
dtsche gramm. 3, 2, 596,
anm. 1. I@1@bb)
im uneigentlichen sinne (
ohne ausgesprochen lokale vorstellung)
fragt woher
nach dem ausgangspunkt für die entwicklung oder den bedingungen für die entstehung von irgend etwas, der herkunft von etwas begrifflichem (
wie gut und böse, tugenden und laster, empfindungen und gedanken),
der herleitung eines worts oder einer sprache, den quellen oder vorbildern literarischer denkmäler (
α)
oder auch nach der ursache von etwas (
β),
entsprechend her III, daher 5
und wannen 3 c;
vornehmlich bei verben des entstehens und herkommens (
vgl.herkommen teil 4, 2, 1108)
und solchen des erfahrens und wissens; wie bei a
öfter auch mit ellipse des verbs. I@1@b@aα) ob man möge die meszpfronden ... ablassen gen, und woher sie ain ursprung haben Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 172
ndr.; (
da niemand) sich angenommen hette, den gantzen handel miteinander nach ordnung, wann und woher jede sachen angefangen, und wie die zu solchem endt gebracht, zu erörtern (,
habe ich es unternommen) Xylander
Polybius (1547) 3; ... ich fragte, woher das gesundtrincken ursprung genommen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, j vi
b; (
ein buch) untersucht ... mit einer ziemlich philosophischen gründlichkeit, ... woher die zeitungen ihren ursprung haben Lessing
s. schr. 7, 16
Muncker. — was guot ist zuo ... guoten sitten, wohar kummt es? Zwingli
dtsche schr. 1, 223
Schuler-Schulthesz; nun hört zu, all vier eck der erden, ja ihr vier welt, hört zu on bschwerden, woher hie auff all end und eck alles ubel sich her erstreck Fischart
w. 1, 228
Hauffen; wo her kompt diesem solche weisheit und thatten? ist er nicht eines zimmermanns son?
Matth. 13, 54
f.; sage du, bapst, wo hastu her die gewalt, das unrecht gut deyn sey? Luther 10, 2, 136
W.; ich weisz nicht, woher meine kleine frau die geduld nahm J. Möser
s. w. (1842) 1, 91; gott weisz, woher die stärke ich gewann, in dieser einsam grauenvollen stunde Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 240;
umgangssprachlich: woher kommt dir denn der gedanke?,
z. b. J. Jakob
Wiener dial. (1929) 221. — woher wissen sies aber (
die tiere), dasz sie eben den menschen förchten sollen? Joh. Heyden
Plinius (1565) 92; dan was wüsten wol die Deutschen von der sprachlehre ..., wen es ihnen nicht die gelehrten gezeiget? woher haben es aber die gelehrten? Gueintz
dtsche rechtschreib. (1666) 20;
älter auch bei fragen nach den einer annahme, einem schlusz oder ähnlichem zugrundeliegenden umständen, wo heute gewöhnlich andere wo-
composita (wonach, woraus)
gebraucht werden: 'nach hoofe, denke ich, werden sie wohl nicht gehen ...'. 'und woher vermuthen sie das, herr wirth?' Thümmel
reise in d. mittägl. prov. v. Frankr. (1791) 1, 47; woher schlieszen sie das? Göthe 22, 175
W. — (
für das nachtdruckgespenst ist) alp der ... allgemeinste nahme ... bey uns Teutschen ...; es fraget sich, woher er rühre Joh. Prätorius
anthropod. plut. (1666) 1, 4; woher Luther sein süszes und gutes deutsch hatte, konnte man sich nicht ... erklären Adelung
magazin f. d. dtsche sprache (1783) 2, 1, 10; hie sihestu, woher
s. Johannes evangelium fleuszt, und wo seyn grund ligt Luther 10, 1, 1, 185
W.; somit habe ich dir auch eingestanden, woher ich meist alles habe, was dieses mährchen so langweilig macht, nämlich aus Krünitz encyklopädie Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 16.
veraltet nach verben des benennens, wo heute wonach
gebraucht wird (
vgl. von wannen er den namen hat Mathesius, von wannen nennt er sich? Steinbach
unter wannen
teil 13, 1902
f.): von dem nammen der Teutschen, ... item wohär sie Germani genennt werden Stumpf
Schweizerchron. (1606) 54
a (
in: gemeiner loblicher eydgenoszenschaft stetten ... beschreib. [1548] 18
a steht an entsprechender stelle wannen här); du aber, Festus, woher schreibest du dich? Bucholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 7. I@1@b@bβ)
die fragen der unter α genannten art schlieszen oft die frage nach der ursache mit ein: woher kommen alle kriege und empörung, denn dasz eyns dem andern nicht wil einreumen und weichen? Joh. Agricola
sprichw. (1534) d 6
a; (
Achill zu Thetis, Ilias 1, 409—412:) bitt Jovem, das der Griechen heer getriben werd bisz an das meer! ... das Agamemnon recht erfahr und bey ihm selber werd gewahr, woher ihm diser unfall kumb, nemblich, das es gescheh darumb, weil er ausz ubermut und pracht den besten fürsten hat veracht Joh. Spreng
Ilias (1610) 9
b; Gelanor ... erzehlte bey tische, woher sich der gantze streit entsponnen Chr. Weise
d. drei ärgsten erznarren 54
ndr.; woher ist dies gebäud entstanden? ist ... jemand noch vorhanden, der es gemacht? Gellert
s. schr. (1839) 1, 150; frugen wir dann, woher die schlechten erfolge rührten, so brauchen wir nur unsere augen auf das innere (
des nachottonischen reiches) zu richten Ranke
s. w. 1, 17. — was ungewonlichen schrecken und forcht sihe ich an euch, ir werden Römer, waher ist solcher misztrost under euch entstanden? Carbach
Livius (1551) 60
a; woher, o Stähelin, kommt doch die zuversicht, womit der schwächste geist von hohen dingen spricht? A. v. Haller
gedichte 43
Hirzel; so will ich ihnen einen aufschlusz geben, woher dieses guten mannes unwille denn eigentlich entsprungen ist Göthe IV 22, 66
W.; wir sprachen ... von der trefflichkeit des alten Athenervolkes, woher sie komme, worin sie bestehe Hölderlin
ges. dicht. 2, 131
Litzm.; sacht! sacht! rief Theodor, woher diese Neronische gesinnung? Tieck
schr. (1828) 4, 49; woher also diese veränderungslust? W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 99; natur und kunst setzen wir einander oft entgegen, oft schreiben wir der natur selbst ... die gröszeste kunst zu; woher dieses? beides nicht ohne ursache Herder
s. w. 22, 126
Suphan; redensartlich: woher kommt mir die ehre, dasz ... Kramer
a. a. o. —
häufig ist die wendung woher kommt es, dasz ...: mich wundert doch, wohar es kumm, das ir mich schältend umb und umb H. R. Manuel
weinspiel v. 2232
ndr.; woher denn kommt, dasz ... Schnabel
insel Felsenburg vorr. 4
Ullrich; zuerst suche ich, woher es komme, dasz man so gerne in gesellschaft läuft Zimmermann
über d. einsamk. (1784) 1, 7; woher komme es, dasz die eidgenossenschaft so in allgemeinem ansehen stehe ...? Ranke
s. w. (1867) 1, 83.
veraltet ist der gebrauch von woher
in sätzen mit adjektivischem prädikat, wo heute weshalb, warum
gebraucht wird: (
der tod zu dem frommen Christophorus:) woher so trotzig? schnaubstu noch? ... wirst nun nicht lang mehr leben hie ... (
Christophorus:) ey, ist doch sterben mein gewin. nimstu mir schon das leben hin, die seel kanstu mir nemen nicht B. Krüger
aktion von d. anfang u. ende d. welt (1580) h 5
b; ... einen schier möcht nemmen wunder, woher den götteren besunder ein solliches gemüt abhold, das den menschen kaum traumen solt (
tantaene animis caelestibus irae? Aen. 1, 11) Joh. Spreng
Äneis (1610) 2
a.
zuweilen zielt in älterer zeit die frage mit woher,
dem gebrauch von her III 2
entsprechend, zugleich auch auf das mittel, durch das etwas verursacht wird, wofür heute wodurch
oder womit
üblich ist: woher wolt ich mein aufenthalt auf dieser erd erlangen? ich wäre längsten tod und kalt, wo mich nicht gott ümbfangen ... was er nicht hält, das bricht und fällt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 315;
vgl. auch Schupp
unter woher II 3. I@1@cc)
bei den verben des nehmens, bei denen in älterer zeit im deutschen neben der ruhevorstellung auch die der herkunft vorkommt, gewinnt im laufe der entwicklung die letztere immer mehr die vorherrschaft. statt früherem, noch bei Wieland
und Göthe
sowie in einigen modernen mundarten (
redensartlich)
begegnendem wo nehmen (
s.wo I A 1 d,
sp. 909),
heiszt es heute allgemein woher nehmen: ... so darf (
braucht) er sich nicht grämen wo er den unterhalt von kleidern her soll nehmen Fleming
dtsche ged. 130
Lappenberg; wo soll ichs arme frau denn endlich noch hernehmen? Chr. Reuter
ehrl. frau zu Plissine 4
ndr.; speis und trank, woher nehmt ihr diese? Klinger
w. (1809) 3, 86; woher nehmen wir den wiz, diese einfälle zu erfinden Gerstenberger
Hamb. neue zeitung 6
lit.-denkm.; vgl. auch in den vorigen abschnitten und unter 2. I@22)
indefinitiv, nur schwach belegt: causae firmamenta ex aliqua re desumere, argumenta wohernehmen
nomenclator lat. germ. in usum schol. Hamb. (1634) 302; und es fällt mir wahrlich gar schwer alle gelder zu nehmen woher Kortum
die Jobsiade (1799) 1, 64.
öfter anderswoher: anderszwohär etwas neuwes haben und hören
audire nuntium ex aliquo loco Frisius
dict. (1556) 138
a s. v. audio; denn aus gewissen umständen zu urtheilen, bekomme ich den meinigen (
branntwein) anderswoher Lichtenberg
briefe 1, 27
L.-Sch.; vgl. auch sonst woher
teil 10, 1, 1748.
heute gilt zur bezeichnung des indefinitiv gebrauchten interrogativen lokaladverbs der herkunft allgemein irgendwoher,
vgl. dazu Wilmanns
dtsche gramm. 2
2, 585. I@33)
substantiviert, vorwiegend im sinne von 1 b: ich frage dich nicht, woher du meine gedanken weiszt, denn das woher ... weiszest du nimmer Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 243; wann fragt ich sonst den schall nach dem woher, mich schreckte nichts, mich schreckte nicht einmal des feuers glut Hebbel
s. w. 3, 307
Werner (
Gyges IV
anfang);
gern das woher und wohin
zur bezeichnung von herkunft und richtung oder ziel: ohne über das woher und wohin des menschen überhaupt etwas zu wissen, ist es auch über ... die schicksale der nationen nicht möglich, ein urtheil ... zu haben Fr. Schlegel
s. w. (1846) 2, 151
f.; Goethe forschte nicht nach dem woher und wohin: die kinder der natur sollen nur laufen, sagt er, die bahn kennt die mutter Gervinus
gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 112; lasz das woher wohin in frommer dämmerung G. Schumann
ein weg führt ins ganze (1933) 22. IIII.
in relativischer verwendung, vgl. wo II A,
sp. 911
ff. II@11)
in verallgemeinerndem sinne: (
er) vynk de koplude, al wor se weren her (
Lübeck 1472)
städtechron. 31, 1, 107; das (
rohr) bog sich, so oft der wind weyet, wa her er kam (
in quacunque parte ventus eam [
scil. arundinem]
movebat) Steinhöwel
Äsop 190
lit. ver.; in fügungen wie verallgemeinerndes wo
sp. 912
und wohin
sp. 1021: die wurtzel von roten und blauen kornblumen ... stellen (
stillen) das blut ohn zweifel, es komme waher es wölle Osw. Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 242; sey mir gegrüszet! immer gewünscht kömst du, wo du auch herkömst Klopstock
oden 1, 11
M.-P. in der bedeutung von woher I 1 b: um ihr innerliches anliegen, es sey auch woher es sey, zu behertzigen G. Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 3; es komme, woher es will, so bleibt es ein groszer vorzug, dasz bei uns (
den Deutschen) die bewegung der worte mit ihrem inhalte immer übereinstimmt A. W. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 39. II@22)
bei beziehung auf einen bestimmten ort: den mantel hengen, wo der wind hergeht Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 6
b; inzwischen eilt der feind, von deinem muth erschreckt, zurück, woher er kam Joh. Ulr. König
ged. (1745) 10; von des Polacken rücken hat er mühsam sich gebeugt zur und sein beladnes haupt geneigt, seite woher das kind die händlein reicht Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878
ff.) 2, 22.
mit beziehung auf ein lokaladverb im übergeordneten vordersatz: (
es) trieb mich schon nach acht tagen wieder dahin zurück, woher ich eben gekommen war Jul. Fröbel
an Herwegh in: briefe von u. an H. (1896) 233;
in der bedeutung von woher I 1 b: die kinderlieder werden sicher bei allen völkern bis auf einen geringen theil ebendaher stammen, woher das kind seine erste leibliche nahrung erhält K. Bücher
arbeit u. rhythmus (1909) 397.
im vordersatz des übergeordneten satzes, der gewöhnlich ein determinatives korrelat enthält: woher wir gekommen sind, dahin gehen wir wieder O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 175;
in der bedeutung von woher I 1 b: woher ein ding urspringlich ist, darzuo es ist alzeit gerist widerum dahin zuo gon Murner
badenfahrt 26
Martin. in beziehung auf ein nomen des übergeordneten satzes: er horchte gegen die seite, woher es (
das getöse) zu kommen schiene Wieland
Agathon (1766) 1, 6; zu jenen sphären wag ich nicht zu streben, woher die holde nachricht tönt Göthe 14, 42
W. (
Faust I
v. 768); nach der seite zu, woher das steinchen kam O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 332;
im sinne von woher I 1 b: efficiens ist die ursache, woher etwas kömmt Chr. Weise
polit. redner (1677) 117;
entsprechend dem am ende von I 1 b
genannten woher,
das zugleich das mittel mit einbegreift: vom Solone saget man, dasz er ein gesetz gegeben habe, dasz die obrigkeit jährlich einen jeden in der stadt solle vor sich fordern und fragen, was sein einkommen und vermögen sey, woher er sich und die seinigen ernehre Schupp
schr. (1663) 342.
nach Heynatz
synonym. wb. (1795) 2, 6
b '
wird das relative woher
jetzt immer mehr mit einem fürworte verwechselt und man sagt gemeiniglich (
statt die stelle, woher) die stelle, aus welcher'.
bei orts- und ländernamen ist woher (
neben von wo)
aber auch heute noch durchaus gängig, vgl. unter wo
sp. 914: vergünstigung nach Frankreich rückzukehren, woher ich zwar nach Dänmark willig kam, bey eurer krönung meine pflicht zu leisten
Shakespeare (1797) 3, 151 (
Hamlet 1, 2). II@33)
entsprechend wohin II 3 (wo II A 4)
kann sich woher
auch auf den inhalt des übergeordneten satzes als ganzes beziehen, erscheint aber wegen einer gewissen schwerfälligkeit des ausdrucks ungebräuchlich, vgl. eine satzkonstruktion wie: die arbeitsbienen ernähren bestimmte larven mit einer besonderen und möglichst reichlichen kost, woher es dann kommt, dasz wesen wie von einer anderen gattung entstehen, die königinnen. IIIIII.
in interjektionaler verwendung wie wo,
vgl.wo IV
sp. 920,
im eingang von antworten auf eine dem erwidernden unsinnig erscheinende frage, ausgehend von elliptischen redewendungen mit woher I 1 b (
etwa: woher käme ich dazu? woher sollte das kommen?): ah woher! woher denn (auch)! Fischer
schwäb. 6, 911; a wuhar ock! K. Rother
schles. sprichw. 390
a; 'da hast du es also bis zum vize gebracht im kriege?' 'ach woher denn! ich war überhaupt nicht im krieg' H. Zöberlein
d. befehl d. gewissens (1937) 27.