worin ,
älter worinne, worinn, adv., seit dem 15.
jh. belegbare zusammensetzung aus wo (
mhd. wâr, wâ)
mit erhaltenem r
vor vokalischem anlaut und adv. in
aus ahd. inni, inna, inne,
mhd. inne,
lat. intus. die form worin
ist demnach nicht aufzufassen als eine verschmelzung von wo
mit präpositionalem in,
das in
des zweiten wortgliedes hat vielmehr, wie sich auch aus der bis zur wende des 18.
und 19.
jh. überaus häufigen schreibung worinn
ergibt, als zu inn, in
verkürztes adverb inne
zu gelten, vgl. dazu auch inne
teil 4, 2, 2123
f. mit dem 19.
jh. verschwinden freilich die formen worinne, worinn
zugunsten der kurzform worin,
so dasz dem sprachbewusztsein der ursprung aus adverbialem inne
verlorengeht, zumal auch das neben worinne
bestehende alte worinnen (
s. d.)
mit dem 19.
jh. fast völlig auszer gebrauch kommt. neben worinn, worin
steht älter häufig warinn, warin,
gelegentlich noch im 17.
jh.: Moscherosch
ges. 1 (1650) 69; Grimmelshausen 2, 18
K.; einmal waur inn Steinhöwel
Äsop 42
Ö. trennung der beiden wortteile durch eingeschobene satzglieder, wie sie Kramer 2 (1702) 1375
c zuläszt, ist nur mundartlich und von da aus umgangssprachlich möglich, vgl. wo ik in biet Mensing
schlesw.-holst. 5, 688
und in der form wo ... drin Fischer
schwäb. 6, 438;
vgl. ferner mundartl. worin Mensing
a. a. o.; wodrin Hofmann
niederhess. 265
b.
demonstrativem darin
gegenüber wendet sich worin
ins interrogative, relative und indefinite. 11)
vorwiegend den zustand des beharrens und bestehens umschreibend. 1@aa)
in fragekonstruktionen, selten in sinnlich lokaler anwendung, meist abstrakter zur bezeichnung eines verhältnisses, einer beziehung, eines gesichtspunktes. 1@a@aα)
in direkter frage: do sprach der koufman ... waur inn möchtest du mir gut sin? Steinhöwel
Äsop 42
Ö.; da sind mein häfen all zerbrochen, worin sol ich dir jetzund kochen? Scheit
Grobianus v. 4011
ndr.; worinn soll sie (
die inquisition) grausamer seyn, als die edikte? Schiller 7, 192
G. namentlich: was iszt und trincket er? worinn besteht sein preis als im geraubten gut und armer leute thränen? P. Gerhardt
in: Fischer-Tümpel 3, 360; worinn besteht ... der richterspruch des publicums? Gerstenberg
recensionen 167
lit.-denkm. 1@a@bβ)
in indirekter frage: betreuge in (
Samson) und lerne von im, worynn er hab die grossen sterck (
richter 16, 5)
erste dt. bibel 4, 400; (
wenn) sie soll antzeygen wie und warynn man soll frum werden Luther 10, 1, 1, 205
W.; worinne das ... urtheil über andre bestehe ... kann uns das betragen der schriftgelehrten ... lehren J.
M. Miller
pred. fürs landvolk (1776) 1, 97; Wilhelm ... wünscht zu erfahren worin man die zöglinge sonst noch zu üben pflege Göthe I 25, 1, 3
W. besonders: darumb ist auch mitt allen figuren nichst anders bedeuttet, dan worynn eyn recht christlich leben stehen soll Luther 9, 575
W.; es ist noch eine grosse frag: worinne die schönheit bestehe? Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641), g 5
a; von der trefflichkeit des alten Athenervolkes, woher sie komme, worin sie bestehe Hölderlin
ges. dicht. 2, 131
L. 1@bb)
in relativer anwendung. 1@b@aα)
meist in unmittelbarer beziehung auf ein substantiv des übergeordneten satzes, an stelle der persönlich konstruierten wendungen in dem, in der, in denen,
die modernem sprachgebrauch als korrekter gelten. häufig in konkret räumlichem sinne: ein zimmer, worinn eine tafel ... stunde Grimmelshausen 2, 372
K.; vgl. 330; 611; das logis, worin Thouret gewohnt Schiller
br. 5, 475
Jonas; schicke mir doch den theil des atlas, worinne die carten von Italien sich befinden Göthe IV 6, 217
W.; (
der) schrank, worin die flasche stand O. Ludwig
ges. schr. 2, 417
Schm.-St. unter verblassen der räumlichen vorstellung: in dem ... buche ist enthalten ... eine introductio ad linguam germanicam, worin die teutsche sprache selbst als eine rednerinn aufgeführet Schottel
haubtspr. (1663) 6; verse, worin er das glück der Ming beneidete A. v. Haller
Usong (1771) 26; an einem buch über die liebe, worinn bewiesen seyn wird, dasz reine liebe nur bey den Griechen statt gefunden habe Schiller
br. 4, 14
Jonas; vgl. 3, 1; 5, 251; 7, 17; ein brief ..., worin ich ... nach Baden zu gehen vermeldete Göthe IV 27, 118
W.; heilige gefäsze sind die dichter, worinn des lebens wein, der geist der helden sich aufbewahrt Hölderlin
s. w. 3, 18
v. Hellingrath; von Büsching sind vorlesungen über die alte ritterzeit angekündigt, worin himmlische dummheiten stehen werden Jac. Grimm
an Lachmann in: briefw. 1, 389
Leitzmann. in der beziehung auf zeitbegriffe: in der zeit, worinn er lebte Wieland
Agathon (1766) 1, 106; er genosz der stunde voraus, worinn alle diese ... lufterscheinungen zusammenstürzen ... würden Klinger
w. (1809) 3, 145.
sonst in sachlicher oder abstrakter beziehung: höre das gepräng der abdanckung, warin des rühmens ... kein ende ist Moscherosch
ges. 1 (1650) 69; ein gespräch, warinn ich ihn ... fragte Grimmelshausen 2, 18
K.; in einer wiszenschafft ..., worinne schon allzuviele excellirt haben Lessing 17, 16
L.-M.; meine damalige gemüthsfassung war diejenige nicht, worinn man sich solchen menschen ... gern zum erstenmal vors auge bringt Schiller
br. 1, 221
Jonas; ordnung und reinlichkeit (
war) das element, worin er athmete Göthe I 51, 58
W. 1@b@bβ)
seltener verallgemeinernd auf die ganze aussage eines übergeordneten satzes bezogen: worinne wir euer liebe freuntlichen willen, dinst und gefallen wusten zu erzeigen, findt ir uns gantz zu thunde geneigt (1474)
privatbr. d. mittelalt. 1, 119
Steinhausen; nim das weisz von hünerkaht und gibs ihm ein, warinn du magst einbringen Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 238; wie möcht der fromme ..., es sey gleich warinn es wölle oder möge, vor dem unkraut ... sein fürgang erlangen? Paracelsus
chir. büch. u. schr. (1618) 126; ein mensch, der, worinn es auch sey, seinen unrath an sich trägt Herder 22, 32
S. im sinne von wobei: andere schlgen mit großen holtzschlAegen an eine dicke eichen, oder trommelten, worinne einige mit dem maul einen schal machten, als wenns zincken wAeren Döpler
theatr. poenarum (1693) 427. 1@cc)
nur gelegentlich in indefinitem gebrauch, soviel wie '
in etwas': wenn ein rittmeister einen officier, wenn er worin gegen die subordination wieder ihn handelt, in arrest setzt
reglement vor die kgl. preusz. cavallerie-regimenter (1743) 8, 8; wer meiner tochter zu nahe kommt oder ihr worin zu leid lebt Lenz
ges. schr. 1, 11
Tieck. 22)
viel seltener als richtungskonstruktion in frage- oder relativsätzen, an stelle von worein (
s. d.)
oder wohinein (
s. d.),
vgl. '
adverbia der richtung (
sind) ... wohin, worein, worin' Adelung
umständl. lehrgeb. (1782) 2, 41: ein anderer hoff, worynn er well Keisersberg
bilgerschaft (1512) 20
a; (
die) noth, worinn dich nun gestürtzt ihr tod Neukirch
auserles. ged. (1697) 2, 174; ein hinterhalt, worinn Hannibal einige tausend seiner besten völcker gelegt hatte A. v. Haller
Fabius u. Cato (1774) 23; wie wenige sind. .. cultivirt? und worinn ist dieser vorzug zu setzen? Herder 13, 4
S.; ein zettelgen ..., worin ich etwas geld gewickelt hatte Lichtenberg
br. (1901) 1, 40
L.-Sch.