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grundbirne

nhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grundbirne f.

Bd. 9, Sp. 761
grundbirne, f. , ältere und mundartlich bewahrte form grundbir(-e): 11) als botanische bezeichnung zuerst im 16. jh. bezeugt, wo gr. als einer unter verschiedenen namen der erdnusz angegeben wird: man nennet diese wurtzel sewbrott, erdnusz, grundeychel, grundbiren, erdmandeln, erdfeigen, schwartz rüben oder retich Bock kreutterb. (1539) 2, 15b; genus raphanus sylvestris vel agrestis, nux terrae, ficus terrae ... chamaebalanus, ... panis porcinus, ... ackereychel, grundeychel, erdnüsz, sewbrot, erdmandel, erdfeigenn, wildbieren, grundbieren, schwartz rettich, schwartz rüb Alberus f f 3 a; in diesen angaben kreuzen sich namen verschiedener pflanzen, zu welcher gehört gr.? mittelalterlich bezeichnet 'erdnusz' die erdscheibe (alpenveilchen) = cyclamen europaeum, die im mittelalter auch 'erdapfel' (ertaffel), swainkrautt, sweinprot, mit lat. namen u. a. cyclama, cassamus, malum terrae, panis porcinus heiszt, vgl. Fischer mittelalt. pflanzenkde 266; die gleichstellung von 'malum terre' oder 'cyclamius' mit seiner 'erdnusz' lehnt Bock 15a ausdrücklich ab und behauptet: das erdnus nichts anderst ist dan raphanus agrestis, in Theophrasto ἴχαρ und in Dioscoride ... ἄπιος geheyszen' ebda; raphanus agrestis ist jedoch einer der lat. namen des merrettich = cochlearia armoracia, vgl. Fischer a. a. o. 265, Pritzel-Jessen 244; mittelalterlich ebenfalls meretich, merrich; Bocks ἄπιος, ackereychel, grundeychel, Alberus chamaebalanus gehen offensichtlich auf die 'erdeichel' = lathyrus tuberosus, mittelalterl. christianswurz, cristiane (vgl. Fischer a. a. o. 273), die auch sonst im 16. jh. als erdnusz bezeichnet wird; dasz gr. mit dieser pflanze identisch ist, wird um so wahrscheinlicher als lathyrus tuberosus in der schwäb. alb den parallelnamen erdbirne aufweist, vgl. Gradmann pflanzenleb. d. alb 2, 209 und Hegi flora v. mittel-europa 4, 3, 1591 anm. 1. 22) der name gr. wird, anscheinend nicht vor der ersten hälfte des 18. jh.s, von lathyrus tuberosus auf die neu angebaute kartoffel = solanum tuberosum (vgl. th. 5, 244f.) übertragen; zunächst wohl in dem bereiche des alem. und rheinfränk. (ostfränk.), in dem grund als stoffbezeichnung für 'erde' lebendig ist (vgl. grund II A 2 c); dem entspricht im groben die dialektgeographische vertheilung, die B. Martin Teuthonista 2, 64 (mit kartenpause) annähernd festlegt; darnach gilt gr. (z. th. neben erdbirne, erdapfel) in einem kerngebiete westl. des Rheins von Basel bis in die gegend von Aachen, weiter das land um den Spessart und Taunus, das südwestl. Württemberg (vgl. Fischer schwäb. 2, 771 u. 3, 874) und die Schweiz (vgl. Staub-Tobler 4, 1501) einbegreifend; mehr sporadisch findet sich gr. in Bayern (um Regensburg-Straubing und Wasserburg), häufiger am mittleren Main, in Kärnthen (vgl. Lexer kärntn. 126), der Steiermark (vgl. Unger-Khull 310b), Niederösterreich (vgl. Castelli 153) und den deutschen maa. Siebenbürgens; für den osten vgl. Bernd dtsch. spr. in Posen 83; Frischbier 1, 257b; als lehnwort drang gr. in wallonische maa. (krompîre u. ä.), ebenso in das litauische, ungarische, rumänische und in slavische sprachen, vgl. Niedermann wörter u. sachen 8, 60 ff.; neben erdbirne ist bodenbirne im südl. schwäb. als parallelbildung zu vergleichen; gr., zufrühest aus schwäb. und ostfränk. schriften belegbar, bleibt im allg. auf mundartliche und volksthümelnde literatur beschränkt; grundbirn ... solanum tuberosum Nemnich wb. d. nat. 213; brod aus grundbirn J. Gropp wirtzburg. chron. (1748-50) 2, 485; die tartuffeln, grundbirn, tartoffeln Chr. Reichart garten- u. ackerbau (1758) 1, 373; grundbieren sind erst seit einem halben seculo in hiesigen landen bekannt ... worden J. C. Schiller betr. über landw. dinge (1767) 45; ase bei der Yorkin grundbirnen in der monture (d. h. in der schale) Ph. H. Patrick tageb. 2, 210; während die grundbirn ... in der pfanne prasselten Hebel w. (1853) 2, 62; auf den grundbirnen lag die schönste bratwurst ebda; wir wollen jetzt nach Landau zu, dasz wir für brockel und grundbirn in ruh v. Ditfurth volksl. d. bayer. heeres 107; von seinen ... nunmehr geernteten grundbirnen (kartoffeln) einen sack voll Gutzkow ges. w. 4, 412; miszverstanden aus mundartlicher aussprache ist grundbeere (vgl.grumbeere Arnold pfingstmontag2 3): wie die erfrorenen erdäpfel oder grundbeeren ... zu behandeln (zitat aus e. anweisung z. verb. d. landw., Straszbg. 1789) allg. dtsche bibl. 102, 161. 33) bezeichnet gr. die kartoffelähnliche, schon im 17. jh. nach Deutschland gebrachte 'erdbirne' = helianthus tuberosus, vgl. Nemnich wb. d. nat. 213, die auch 'erdapfel, roszgrundbirne' heiszt, vgl. Hegi flora v. mitteleuropa 6, 1, 514; Pritzel-Jessen 178; grundbirn ... in der Lausitz und Meiszen ... die knolligen eszbaren wurzeln des helianthus tuberosus Krünitz 20, 278; so auch in Zürich nach Durheim schweiz. pflanzenidiot. (1856) 38; und in der Steiermark: grundbir ... knollen von helianthus (viehfutter) Unger-Khull 310b. zahlreiche volkssprachliche zusammensetzungen mit gr. vgl. Fischer schwäb. 3, 874 und lux. ma. (1906) 155; hier nur literarisch belegte;
5150 Zeichen · 160 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    grundbirnef.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    grundbirne , f. , ältere und mundartlich bewahrte form grundbir(-e): 1 1) als botanische bezeichnung zuerst im 16. jh. b…

  2. modern
    Dialekt
    Grundbirne

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Grundbirne Band 2, Spalte 2,907f.

  3. Sprichwörter
    Grundbirne

    Wander (Sprichwörter)

    Grundbirne Sei keine Grundbirne und nimm diesen Sechser. ( Rottenburg. ) Sei nicht so dumm, nimm's. [Zusätze und Ergänzu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grundbirne

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Ableitung von grundbirne

grundbirn + -e

grundbirne leitet sich vom Lemma grundbirn ab mit Suffix -e.

Zerlegung von grundbirne 2 Komponenten

grund+birne

grundbirne setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grundbirne‑ als Erstglied (30 von 259)

grundbirne als Zweitglied (1 von 1)