Wossidia
gollen ä. Spr. güllen golden: 'glden' Chytr. 75 1.
eig.: 'n gollen Ring; danach Golleringer Ringfinger Wo.
V. 3, 291; de güllen Bäker meist der Abendmahlskelch, ein Blick hinein verheißt eine glückliche Zukunft, in sprw. Vergleich up (in) einen as in 'n güllen Bäker kiken, Belege 1, 587; sei kickt in em as in 'n gollen Kelch die Verliebte (1890) Wa; de güllen Herrgott goldenes Christusbild: der ... kickt in em (den Jungen) as in den güllen Herrgott (er vergöttert ihn) Bri. 2, 35; Rda.: hei denkt, dor (in einem andern Lande) sünd noch göllen Pött sei es besser Ro; im Neckreim: De Pampelowschen Buern Dei hebben gollen Uhren Wo.
V. 3, 477; gollen Kron bildlich für Reichtum, Wohlstand in der Rda. an einen übereifrigen Dienstboten: du wist dinen Herrn woll ne gollen Kron upt Hus bringen Wa; im Tanzreim Gaus uppe Däl: satt up den Stubenbœhn mit de gollen Kron StaStargard@NeubrandenburgNBrand;
s. Gaus 3; gollen Weig': kinderlose Eheleute werden nach einer Sage am 18. Oktober uppen Wischbarg inne gollen Weig' weig't un möten sick in 'n gollen Stauhl setten (1925) Wi;
s. unt. 2 a; dei gollen Weig' in Seen oder Bergen versunkenes Schatzgut: Bartsch 1, 236 u. öft.; dei lütten Kinner liggen in 'n Reithwischer Binnensee inne gollen Weig' un sünd taudeckt mit 'n Mümmelingenblatt (1929) RoRostock@DoberanDob; Bartsch 1, 293; 302; zum Zwergenschatz gehörig Wo. Ünn. 25; beim Kartenspiel übertr. für hohen Gewinn: du gewinnst di jo woll ne gollen Weig' (1887) RoRostock@BörgerendeBörg;
s. unt. 3 a; gollen Weig' häufiger FN.; andere FN. mythischen Gepräges: gollen Tafel Wasserloch beim Burgwall RoRostock@FresendorfFres; gollen Sarg Sandgrube Lambr; Riesen- und andere Könige liegen mit goldenem Panzer, goldenem Schwert und goldener Kette in goldenen Särgen Wo. Sag. 1, 105
f.; goldene Tressen auf den Schultern trägt der Dämon Juuchhans 126; biblisch Danz ümt gollen Kalf: ji danzt hier woll ümt gollen Kalf (zu lärmenden Kindern)
V. 3, 1234; gollen Rahm vergoldeter Bilderrahmen in der übertr. Rda. ick lat ehr (die Ehefrau) in 'n gollen Rahm faten halte ihr Andenken in Ehren Wa; gollen Appel mit Gold- und Silberschaum überzogene Äpfel an der Erntekrone StaStargard@RoggenhagenRogg; rod' Strümp un gollen Schoh Lohn des Freiwerbers Sta; gollen Mütz mit Goldfäden durchzogene Mütze als Brautschmuck: Schultengret, jung' Brut, kriggst de gollen Mütz up MaMalchin@RemplinRempl; Gold hat heilende Kraft: ein Knabe hatte goldene Buchstaben in der Hand; was er mit dieser Hand bestrich, ward heil (1895) RoRostock@BartelshagenBart; gegen Gerstenkorn am Auge: du mööst 'n poor gollen Ring' in de Uhren hebben, Gold haalt de Fuchtigkeit an (1930) Dierh. 2. rot-, goldglänzend a. in Natur- und Menschenleben: in einem Segen gegen Inschott wird die Sonne gollen Ring genannt; daraus im Reim Rägen ruusch: Lat de Sünn wedder kamen mit gollen Käden (bildlich für Strahlen), mit 'n gollen Ring WiWismar@KrusenhagenKrus; Leew Sünn, kumm wedder ... Mit den gollen Strahl Bartsch 2, 198; Blank Mœning (Mond), kumm wedder Mit dine goldne Ledder RoRostock@WarnemündeWarn; gollen Hoor rote Haare Wa; gollen Ader Hämorrhoiden; blinn' gollen Ader nicht fließende Hämorrhoiden Mi 28
a; hei hett 'n gollen Oorslock vom Reichen (1887) SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; rotglühend ist de güllen Stohl der Höllenpein: ful Lüd' kam' uppen güllen Stohl Bri. 1, 91; so ist wohl auch de gollen Stauhl für die kinderlosen Ehepaare ob. 1 zu verstehen; gollen Wäder (gutes Wetter) gibt es, wenn hei (ein gewisser Vogel) œwer Gold röppt (1887) LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; gollen Ritter ein Knabenspiel, in welchem ein Stock, der in einen Abort gesteckt war, verwendet wurde Lu. b. gollen Knöp ranunculus repens, kriechender Hahnenfuß mit gefüllten Blüten Schildt 23; Nds. 4, 180
a; Lübbe 93; gollen Köpp Rudbeckia laciniata, schlitzblättrige Rudbecksblume E. Krüg. 73. 3. uneig. a. an Wunschdingen: dem Gewinner beim Kartenspiel wird gesagt, du gewinnst woll 'n gollen Pierd, 'n gollen Näs', 'n gollen Krüz Ro;
ick will di ok 'n gollen Vagel gäben Wo.
V. 2, 1715; 'n gollen Knop als wertvollstes Stück an der Kleidung in Rdaa.: Jungens (Dierns) krigen 'n gollen Knop Wa; abends 'n gollen Knop, morgens 'n Kackhop abends in lustiger Stimmung, morgens arbeitsunlustig (1887) HaHagenow@RedefinRed; im Spiel wo wahnt Fru Ros': hinner mi up 'n gollen Knop SchöSchönberg@WelzinWelz; de güllen Wagen: de nah dem güldenen Wagen ringt, kriggt noch woll eene Lünß daraf Mantz. Ruh. 6, 72; lebt fort, so von der Brautwahl: dei ümmer nah 'n gollen Wagen ringt, finn't tauletzt ne Lünß (1887) HaHagenow@RedefinRed. b. in der Vorstellung und der Sprache der Kinder: 'die goldene Brücke' der Durchgang unter den hochgehobenen Händen eines sich gegenüberstehenden Paares WaWaren@SchorssowSchorss; im Neckreim auf Lieschen: lehn mi dinen gollen Wagen WiWismar@NeuklosterNKlost;
up 'n gollen Stein Wo.
V. 3, 433 b; im ABC-Reim: bet an de goldne A Wi; gollen Tähn als Ersatz für einen hohlen: Mies, hest 'n holl Tähn, giff mi 'n gollen wedder Wo.
V. 3, 653; die meisten Fälle liegen außerhalb des vernünftigen, verständlichen Bereiches und sind zum Teil Reimspielereien: Rägen, gah weg mit din goll Schal HaHagenow@GothmannGothm; Wenn de gollen Wagen In den Busch so jagen u. ähnl. Wo.
V. 2, S. 170; im Spielreim wo wahnt Fru Ros' die Antwort: kort achter in de gollen Kamer GüGüstrow@Groß WokernGWokr;
de gollen Jungfern Wo.
V. 3, 29; ick gäw di 'n gollen Mann Lu; Wenn de gollen Poppen An dat Finster kloppen Wo.
V. 2, S. 171;
ne gollen Brut Wo.
V. 2, 1671 a; de gollne Draußel 3, S. 298. — Mnd. gülden. — Br. Wb. 2, 528; Dä. 157
b; Kü. 1, 590; Me. 2, 420.