Wossidia MeckWBN
Gaus -o-, ä. Spr. auch -u-, Pl. Gäus', -ö-, ä. Spr. Gusen
f. Gans, anser: 'die Hände und Füße krumm als einer guß' (von Teufeln; Ro 1583) Bartsch 2, 15; anser 'ein Goes' Chytr. 377; 'Gusen' Col. Oec. 487
a; Gaus, Gohs Monschr. 3, 628;
Goos Niem. Idiot. 10; Mi 25
b. 1. Wirtschaft: von jeher ist die mecklenburgische Gänsezucht bedeutend gewesen; geräucherte Gänsebrüste und Federn wurden ausgeführt; selbst der Ärmste schlachtete in den besseren Gegenden jährlich einige Gänse; die Gutstagelöhner hatten Weidefreiheit für eine Zuchtgans (Tucht-, Fasel-, Sittel-, Sittgaus, im SO auch Brötgos) und fünf junge Gänse (Gössel); falls sie mehr hatten, mußten sie auf 5 bis 10 Stück eine, auf 10 bis 15 Stück zwei an den Hof abliefern oder für jede abzuliefernde Gans einen Taler zahlen; um 1530 kaufte man in Schw eine Gans für einen Schilling, um 1830 eine Stoppelgans für 10 bis 12 Groschen; Stoppelgäus' sind die nach der Getreideernte zur Anmästung auf die Stoppelfelder getriebenen Gänse, um Michaelis (29. 9.) als solche verkauft oder geschlachtet oder bis um Martini (11. 11.) weiter gemästet und alsdann eingeschlachtet oder verkauft. Die Bauern trieben ihre Gänse von Ostern bis Jakobi (25. 7.) auf die Brache; zu hüten hatte sie dort bis Michaelis ein Jung' oder eine Diern als Gaus'häuder, -hirer, -häudersch, -hirersch, auch scherzend Gaus'scheper, Gaus'liesch genannt; wurde nach Johannis (24. 6.) das Gras knapp, so deutete man den Ruf der Gänse als blag' Jakob, blag' Jakob oder Jakobi, kumm ball, ball, ball, Dat Gras is all' Wo.
V. 2, 556; als Futter erhalten die jungen Gänse Löwenzahn und feingestoßene Brennesseln, mit Kleie, Schrot oder geriebenem Brot vermischt, die Mastgänse in nicht zu dunkelm Stalle fein gestoßene Mohrrüben und Hafer, nach 14 Tagen nur noch Hafer; kommt es nur auf Fleisch und Fett, weniger auf die Federn an, erhält jede Gans bei gleichem Futter einen bes. abgebuchteten Raum, zu bloßem Fettansatz und rascher Mästung gequollene Erbsen, gequollene Gerste, gequollene und ungequollene große Bohnen; zu schnellster Förderung des Fettwerdens nudelt (proppt) man die Gänse auch,
d. h. man füttert sie gewaltsam, sowohl von vorn wie von hinten, mit wie Brotteig angerührtem Weizen- oder Maismehl oder -schrot, zu Propfen geformt; scharfer Sand oder Lehm muß bei jeder Schnellmast für die Gans stets erreichbar sein;
s. Leng. Landw. 1, 386
f.; Jb. 2, 119; Land. Ann. II 1, 1, 66; auch Ferb. Landg. 216 und für frühere Zeiten Col. Oec. 494
a. Das Einschlachten der Mastgänse beginnt beim Bauern zu frühester Morgenstunde, oft schon um 2 Uhr; das zu schlachtende Tier erhält einen Stich in die Grube am Hinterkopf, nachdem man die Federn dort entfernt hat; darauf folgt in häuslicher Gemeinschaftsarbeit das Rupfen (Plücken) der Federn und das Abbrennen der Federreste (Spilen) über offenem Feuer oder mit brennendem Strohwisch; dann geht es an die Zerlegung der nicht zum Verkauf bestimmten Gänse; die Brüste werden zum Räuchern als Spickgaus oder -bost vorbereitet; das Nierenfett wird zu Gaus'smolt und -greeben ausgelassen; die Gaus'lappen, die die Fettschicht umhüllen, sind ein besonderer Leckerbissen zu der Kohlsuppe morgens nach dem Schlachten; das Blut wird zu Schwarzsauer (Swartsuer) verarbeitet, indem Kopf, Zunge, Herz, Magen und die Rawwelbein oder Wickelpoten,
d. h. die nach dem Abziehen der Haut mit den gereinigten Därmen umwickelten Gänsefüße, darin gekocht werden; dies wie das die gleichen ebenfalls sauer, doch ohne Blut eingekochten Bestandteile enthaltende Wittsuer wird vielfach bis zur nächsten Ernte aufbewahrt, das Lüttfleisch (Gänseklein) als Gaus'päk, -päkel vielfach eingesalzen; die Bratgans (Gaus'brad') erhält als Füllung (Ingedüm, Ingemäusels, Testament, letzt Fauder) Äpfel und Backpflaumen, auch Rosinen und Korinthen sowie geriebenes Schwarzbrot und Zucker; sie essen heißt in Sta@ ne Gos snabulieren; zugleich aber sagt man davon: de Gos is 'n snurrigen Vagel, ett man een to 'n Frühstück, ward man nich satt, un ett man twee, verdarwt 'n sick 'n Appetit to 'n Middag Wo. Sa., oder: sonn Gaus is doch 'n narschen Vagel, för einen is 't bald 'n bäten tau väl un för twei wedder lang' nich naug Heim. 2, 176
a; ähnl. Reut. 1, 148; 4, 329; Welln. Volk 92. Von den Federn der Gans sind die wertvollsten die Flaumfedern (Dunen); es folgen die gewöhnlichen Feddern und endlich die Rit-, Splett- oder Splitfeddern mit so starken Kielen, daß die Fahnen davon abgerissen werden müssen, um als Kissen- und bes. Bettenfüllung verwendbar zu sein; zu diesem Feddernriten, -spletten oder -ströpen kam man bis gegen Ende des 19. Jahrh. zusammen und ließ der Arbeit eine Erfrischung mit Kaffee und Kuchen oder sogar einen Fedderball, ein kleines Tanzvergnügen, folgen; die Kiele (Posen) wurden in Wagenspuren, auf einen Kreuzweg oder über die Feldscheide geworfen, andernfalls gab es dem Volksglauben nach einen Toten im Hause; fortgeworfen wurden auch die unter jedem Gänseflügel sitzenden 7 oder 9 Quäl- oder Stritfeddern, da sie, in die Betten gestopft, Streit unter den Eheleuten hervorrufen sollten; die Gänseflügel (Gaus'flünken, -flüchten) dienen allgem. als Handfeger; in der Kindersprache heißt unner dei Gaus gahn zu Bett gehen MaMalchin@TeterowTet; der Volksmund rühmt die Gans als Bettfederlieferantin: dei Gaus is noch föftig Johr nah ehren Dod gaut RoRostock@KlockenhagenKlock und wegen der heilsamen Schwitzkuren in den Federbetten: Fru Gos, vör di möt man 'n Hot afnähmen, du hest all mihr kuriert as alle Dokters tosamen Ro. An Spielzeug liefert die Gans mit ihrer Luftröhre (Gaus'ruhr, -slœk) in frischem Zustande den Kindern eine Quarr oder Blas' (Blasinstrument), getrocknet und mit zwei oder drei Erbsen darin zu einem Ring zusammengeschoben, für die Kleinsten eine Klœterbüß (Klapper) und den handarbeitenden Mädchen eine Einlage für ihr Garnknäuel; aus den Brustknochen wurden Spring- oder Zägenbück angefertigt, aus den großen Knochen der Keulen vielfach Zigarrenspitzen; die Federkiele lieferten früher die Schreibfedern und dienen noch als Griffelverlängerer. Ihrer wirtschaftlichen Bedeutung halber dient die Gans seit alters als Abgabe: um 1600 war die Zehntgans in ritterschaftlichen Dörfern sehr verbreitet Endl.-Folk. 60; in Sta Stargard@SchwanbeckSchwanb wurde eine Pfarrwoort von zwölf Ruten Breite für jährlich zwei Gänse, eine von sechs Ruten für eine Gans verpachtet Volksb. 7, 157; in SchöSchönberg@CarlowCarl kam noch 1847 dem Pastor als Tauf- und Traugebühr unter anderem eine lebende fette Gans im Herbste zu Masch Ges. 398; im 18. Jahrh. herrschte bei vielen Gewerkern in Ro der Brauch, daß sie ihren Gesellen alljährlich, ehe sie anfingen, bei künstlichem Licht zu arbeiten, eine Lichtgos geben,
d. h. einen Gänsebraten vorsetzen mußten Gem. Aufs. 1785, S. 144
b. 2. Volksglaube: 'S. Gallus wachtede de Göse, S.
Marten mestede se' Gry. Paw. F 4
b; junge Gänse steckt man durch ein Beinkleid, damit die Krähe sie nicht holt Jb. 2, 134; Gänse, die nicht legen wollen, muß man während des Osterfestgeläutes durch die Kirchturmsleiter ziehen Ro; bei abnehmendem Mond auskriechende Gänse sind nicht lebensfähig Nützl. Beitr. 1772, S. 213; den jungen Gänsen soll man zur Hebung ihrer Widerstandskraft, ehe sie auf die Weide gehen und wenn sie zurückkommen, Hafer geben und ihnen zum Schutz gegen Mücken und Läuse die Ohren mit Baum- oder Leinöl bestreichen S. 215; als allgem. Mittel gegen Gänsekrankheiten soll man morgens eine Prise Tabakasche aufs Futter streuen, abends etwas Baumöl aufs Saufen gießen oder in einen Leinenlappen genähte Zweigspitzen des Säbenboms (iuniperus sabina) oder eine ein 16-Groschen-Stück große Scheibe der Liebstockwurzel (levisticum) hineinlegen S. 213; zur Beseitigung von Sommersprossen soll man sich stillschweigends mit den ersten jungen Gänsen übers Gesicht streichen und diese dann hinter sich laufen lassen Raabe Allg. Volksb. 38; weiße Flecken am Brust- oder Rücken knochen der Martinsgans bedeuten einen milden Winter mit Schnee, rote einen strengen mit Frost Jb. 2, 134; 9, 219; hat die Gans zu Lichtmeß (2. 2.) noch kein Wasser, dann hat das Schaf zu Marien (25. 3.) noch kein Gras und die Kuh noch nicht im Mai PaParchim@SpornitzSporn; wenn die Gans den Hals halb nach oben recht, sagt man: dei Gaus hälst, dat gifft Rägen Schö. 3. Kinderwartung, Spiel, Tanz; im Wiegenlied: Din Mudder plückt dei bunte Gaus Wo.
V. 3, 7; beim Zubettgehn: Dei Gäus' dei kamen, dei Kinner tau Bett! Mit dei Raud' vör 'n Noors, dat lett mal nett! 128 a; beim Kneifen: Wo heet de Gos? Lat mi los! 376 a; in dem verbreiteten Greifspiel Voß un Gäus' (Wulf un Gäus' oder Schap), bei dem der Voß der Greifende ist, die andern Mitspielenden Gäus', einer Bauersfrau oder Hirt, lautet der letzteren Wechselgespräch: Wile-, Wilegäusings, Kaamt tau Hus! Wi dörben nich. Worüm denn nich? Dei Voß sitt achtern Barg. Wat deit hei dor? Hei söcht sick Holt. Wat will hei mit dat Holt? Füer anbäuten. Wat will hei mit dat Füer? Water heit maken. Wat will hei mit dat Water? Sin Metz slipen. Wat will hei mit dat Metz? Alle Gäus' den Hals afsniden. Wile-, Wilegäus' kaamt all' nah Hus! Wer von den nun herbeilaufenden Gäusings durch den Voß gegriffen wird, muß ihn ablösen GüGüstrow@LübseeLübs;
vgl. Gälgaus 3 sowie Schill. Kr. 3, 11
a (Wulf un Gössel) und Wo.
V. 2, 1639; beim Plumpsack-Spiel singt man: Dei Gaus, dei Gaus, dei leggt 'n Ei, Un wenn dat föllt, denn föllt 't entwei. Dreimal will ick rümmergahn, Den Drüdden will 'ck in 'n Nacken slahn, Dat sall witschel, watschel gahn PaParchim@BroockBroock; ähnl. Schill. Kr. 3, 11
b; im Tanzreim: Gaus up dei Däl, Gaus up dei Däl, Ganten dorbi, Knecht lat dat Mäten gahn, segg' ick tau di. Uns' oll Vadderbraudersœhn Set up den Stubenbœhn Mit dei gäle Pip. Pipendanz, Rosenkranz mit dei gäle Blaum, Wat sall ick min Leiwken upt Sommerfeld daun? Meigen un binnen, as anner Lüd' daun. Anner Lüd' Kuurn is luter gaud' Kuurn, Uns' is nicks as Diestel un Duurn. Diestel un Duurn is liker gaud' Krut, Dor stick ick min Leiwken dat Kränzken mit ut Wo. Rim. 4;
vgl. Schill. Kr. 3, 11
b; bunter Tanz 'Gänse hüten':
Hödi Gäus Horn Selmsd. 1, 345; im Hausstandsreim: Ick dein minen Herrn drei Johr, Donn gew hei mi ne Gaus. Alle Lüd' wullen weiten, Wo min Gaus süll heiten. Fedderfaut Heit min Gaus Wo. Rim. 15. 4. Weiterer sprachlicher Niederschlag; sehr häufig in Vergleichen: 'de Anfechtinge unde ingevinge des Düvels nicht anders achten ..., alse zysseden uns de Göse an' Gry. Lb. 2, B 4
a; schwatzenden Klatschbasen geiht dat Mul grad' so, as wenn ne Haud' Gös' snatern Ro; dei maken 'n Prat (Lärm), as wenn dei Gäus' utdräben warden GüGüstrow@GülzowGülz; ein Gesnater, as wenn Gaus un Gant sick striden daun Bri. 5, 30; der schnell und undeutlich Sprechende
tottert as ne Gaus RoRostock@KlockenhagenKlock; vom Gang: dei geiht as ne oll Gaus, bloß nich vull so wracklig GüGüstrow@GülzowGülz; ein untüchtiger Steuermann steiht as sonn' oll Gos ant Roder RoRostock@WustrowWustr; lütt un grot twischen einanner, as Swin un Gäus' tau Holt lopen Klock; De Kutschen all in eine Reih, Ein achter 'n anner as de Gäus' Reut. 5, 180; der Nimmersatt frett as dei Gäus', so lang' bet 't baben wedder rutkickt SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; der Reiche sitt so warm as dei Gaus upt Nest Wa; der Überanstrengte, Abgemagerte süht ut, as wenn de Gos vont Nest geiht StaStargard@WulkenzinWulk; wem die Haare schlecht geschnitten sind, süht ut as ne plückt Gos Ro; vom Verrückten: dee is in 'n Kopp stäken as de Gos Wa; vom Verdutzten: he kickt as de Gos bi 't Dunnern Schill. Kr. 3, 10
b; der Schlafmüde knippöögt (treckt de Ogen œwer), as wenn de Gös' blitzen sehn Wa; Wi; Se horken up un maoken lange Häls', as wenn de Gös' in 'n Rägen staon Hey. Punsch. 192; wer Durchfall hat, miggt ut 'n Noors as de Gös' Wa; vom Tabak kauenden 'Priemer': he quatscht (spuckt) ut, as wenn ne Gos flutscht (scheißt) RoRostock@WustrowWustr; dat is, as wenn de Retzowschen Gös' up 'n Damm gahn (wenn jem. viel spuckt) Wa; wer tut, als wünsche er das ihm Unerreichbare nicht, is eigen as dei Reganer (SchwSchwerin@Groß RogahnGRog) Gäus', dei supen nich, wenn s' kein Water hebben HaHagenow@RedefinRed; der Eigenwillige hett sinen Kopp för sick as dei Gäus' in Polen PaParchim@PlauPlau; weitere Vergleiche
s. 1, 1068 unt. bottern 2 sowie unter flarten, flarzen, flirten, flutschen; andere Redensarten: auf die Frage nach dem Geburtsort heißt es ausweichend: oh, ick bün so mit dei Gäus' up 'n Hoff kamen RoRostock@MüritzMür; einen Menschen dunkler Herkunft hebben de Gös' uppe Brak schäten Ro; auf einem nassen Wege kann ne Haud' Gäus' up swemmen SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; von spärlichem Bartwuchs: dor kœnen elben Gäus' up schiten un beschiten kein Plant WaWaren@VipperowVipp; von schwachem Flaumbart: dei is mit dei Gäus' in 'n Strit (int Recht, in einen Rang), auch mit dem Zusatz dei spilen ok (erhalten auch Federn) oder ein seggt Spilen (Federstümpfe), dei anner Dunen Wa; GüGüstrow@GülzowGülz; RoRostock@RibnitzRibn; Prahlerei wird abgewiesen: dat is väl Wust von ein Gaus, achteihn Äl un noch 'n Knuppen in Bast; ebenso: büst 'n bannigen Kierl up 'n Platz, wo dei Gäus' up schiten (danzen) Schw Pinn; HaHagenow@RedefinRed; WaWaren@MalchowMalch; Abweisung der Ausrede ick mag nich: Magnich hett mit Kannich Gäus' hött't RoRostock@RibnitzRibn; der Schielende is got to 'n Gös'höden, een Og' nah 'n Gössel un een nah de Wih StaStargard@WesenbergWes; ein Kind, das man bei den Ohren hochzieht, fragt man: Kannst ok Gös' höden? ebda; der dem Tode Nahe möt bald hen un häuden Gäus' RoRostock@BörgerendeBörg; scherzende Hoforder: Kannst mit de Gös' in 'n Butenslagg eggen Wa; Knabenfopperei: stäk de Gos 'n Finger in 'n Noors un dreih ehr 't Hart üm StaStargard@GranzinGranz; Abfertigung auf die Frage wennihr? Pingstmandag, wenn de Gös' up 'n Ies danzen Wa; auf die Entschuldigung ick dacht: denken daun de Gäus' MaMalchin@BrudersdorfBrud; von widerwärtiger Arbeit heißt es: leiwer kann 'n ok Äänten un Gäus' ut 'n Busch hissen Wa; vom Dummen: hei is so dumm, dat em dei Gäus' biten LuLudwigslust@MenkendorfMenk; dee is so dumm, denn' möten de Gös' anpissen StaStargard@WulkenzinWulk; dagegen die 'dumme Gans': statt si so got scherzend si sonn' Gos Ro; Na, wenn de Voß ierst huchlig ward Un hüppt un häwelt mit sin'n Start, Denn trugt em man — de Gos Bri. 1, 180; von der Ente jedoch ehrfurchtsvoll tituliert: Ja, Gnaden Gaus, schön natt, schön natt Reut. 7, 68; 70; der Mäher, der Halme stehen läßt, entschuldigt sich: dei Gaus will ok wat hebben MaMalchin@SchwinkendorfSchwink; geht die Ernte zu Ende, heißt es:
nu kriggt dei Gaus all ehren Willen Ro Rostock@GresenhorstGres; wenn dei lütten (jungen) Gäus' schrigen as dei groten (ollen), denn is dei Stoppel fri Kühl; ... denn is 't Tit för dei Murers tau sporen LuLudwigslust@WarlowWarl; RoRostock@DoberanDob; ... möt dei Timmermann sin Geld tausamenhollen Wa; vom Umzug der Stadtmusikanten am Martinstage heißt es derb: de Gös' dat Fett ut 'n Noors blasen Ro; zur Abweisung einer zu weit gehenden Forderung oder ungenügenden Gegenleistung: so hett uns' Mudder dei Gäus' nich verköfft, dei Feddern gahn wedder retour HaHagenow@RedefinRed; wer bevorzugt zu werden wünscht, sagt: Mann un Mann eenen Vagel, my eene braden Gooß Mantz. Ruh. 24, 58. Sprichwörter: 'vorstendigen GOesen, secht men, ys gudt predigent' Gry. Wed. K 8
a; 'eine drer kopenschop, als wen men ... schOelde ... den Havern van den GOesen borgen, als men im Sprickwort redet' Lb. 2, V 3
b; so noch heute von kostspieligen Unternehmungen: dat is, as wenn 'n von dei Gäus' Hawern borgt MaMalchin@Groß MethlingGMethl; dei Gaus, dei einmal in 'n Hawer snatert hett, will 't ümmer wedder daun HaHagenow@RedefinRed; dei löppt, as wenn alle Gäus' in 'n Gasten gahn SchwSchwerin@PinnowPinn; ick verlat di nich un wenn ... Wa und oft ähnl.; im Neckreim auf Koorl: Koorl, Koorl Kasten, Dei Gäus' gahn in 'n Gasten Wo.
V. 4, 119;
vgl. Reut. 2, 194; Stillfr. Köst. 2, 113;
drinkt ein Gaus, drinken s' all' Bri. Volkssp. 27; Raabe Allg. Volksb. 135; dei Gäus', dei ierst so heit schiten, schiten nahst käuhl von 'dicker Freundschaft', die nicht lange besteht HaHagenow@RedefinRed; wur dei Tun 'n Lock hett, krupen dei Gäus' dörch Wa; man mütt dei Lür spreken laten, dei Gäus känen 't nich (zur Abwehr von Klatsch und ähnl.) Raabe Allg. Volksb. 136; twe Wiefer un eene Goos macken eenen Jahr-Markt Mantz. Ruh. 24, 59; dat is ne slichte Gaus, dei nich nah 'n Ganten geiht
z. B. von einem ihrem Bräutigam entgegengehenden Mädchen Wo. Sa.; dei Gäus' gahn allerwäägs barst MaMalchin@Groß MethlingGMethl;
s. dazu
barst 1, 635; Bri. 5, 69; Beispielsprichww.: is all' ein Gesöff, hadd' dei Gaus seggt, hadd' ut nägen Adelpäuhl sapen HaHagenow@RedefinRed; minetwägen kann dei Buer sin Gäus' in 'n Brauk jagen, säd' dei Voß, ick frät kein Gras Wo.
V. 2, 157; nimm 't nich œwel, säd' de Voß, dor hadd' he de Gos bi de Wickel 160; mag sin, as 't will, säd' dei Voß, œwer ne Gaus smeckt doch gaut Ro Rostock@PrisannewitzPris; häufig in Volksrätseln,
z. B. Oewer dei Brügg' geiht Trippentrappen Un hett den König sin Bedd' up 'n Nacken Wo.
V. 1, 112 b; tau wecker Tit frett dei Voß kein Gäus'? (wenn hei kein hett) 673; up wecker Sit hett dei Gaus dei mihrsten Feddern? (up dei Butensit) 685; im Verwunderungslied: Dei Gäus' dei gahn nah 'n Ganten, Dat sünd dei Muskanten Wo.
V. 2, 1547; Dei Gaus dei set upt Nest Un verdrünk in all den Gest 1548; Dei Gäus' in den Stall, Dei schrigen œwerall 1584. 5. übertr. Schelte: oll Gaus für eine dumme oder ungeschickte Person allgem.; die webende Frau wegen ihrer der brütenden Gans ähnlichen Haltung im Zwiegespräch mit ihrem Mann: will mal seihn, ob min Gaus bald naug säten hett (er); sei hett jo noch gor nich leggt (sie); ach, ick mein di jo (er) PaParchim@GnevsdorfGnevsd; im Pl.: Gäus' größere Heuhaufen SchwSchwerin@PinnowPinn; Gös' up 'n Water Schaumköpfe RoRostock@BörgerendeBörg; Sta Stargard@GrammertinGramm. 6.
Dim.: Gäuschen, Gäusch, Gäusing, Gäusching, ä. Spr. Göseken, vorwiegend als Lockruf gebraucht, auch in den Zss.: Gus-, Pack-, Gile-, Giller-, Kil-, Pile-, Pill-, Piling-, Pip-, Putewile-, Wile-, Wulegäuschen, -gäusing;
vgl. Wo.
V. 3, 45; 80; Gälgäuschen
s. Gälgaus; Gäuschenbrink früherer Platzname in Ro am Grapengießertor Gem. Aufs. 1785, S. 151
b; Gössel
s. d. 7. Volkstümliche Bezeichnungen der Gänsestimmen: snatern, snattern, snottern, tottern, tattern, kraatschen, karken, gigacken, pijalken, pilljalken, krejalken, jalschen, jalpern, pipen, gilken, quiken, brenschen, zesen, zissen, zirsen Wo.
V. 2, 283, 16; Deutungen: Johann Friederich, Hans Diderich, is Krieg, is Krieg. Harre Gott! Harre Gott! 339; Jakob, Isack, Soldaten dee kamen. Väl? Fif. Hott, hott, hott, hott! 343; auf dem Marsche: Abraham, Isaak, Jakob. Sünd dei Vöddelsten noch wit? Ja. Ach Gott, ach Gott! 558; wenn die Gans getrieben wird: Pedd' mi nich in de Hacken! 573; im Stall: Water, Water, Water, Water, Wörtel, Wörtel, Wörtel, Wörtel 582; beim Fressen: ick heff all wat, ick heff all wat, ick krig' wat, ick krig' wat 584, öft.; Lockrufe: wile allgem.; pile Schö; wule vereinzelt im S von Sta@ an der uckermärkischen Grenze; ferner Gausi, Gausi, Gausi GüGüstrow@KobrowKob und die
Dim. unter 6; Scheuchruf:
he Gus! LuLudwigslust@KlüßKlüß; volkstümliche Namen der Gans: Huck; Breit-, Plattfaut; im Hausstandsreim: Snaterpos'; im Rätselmärchen vom Gänsedieb General Gigack, Kigant, Kijack, Killgalk, Spigans und ähnl. Wo.
V. 1, 998; im Wiegenlied Piler, Priter, Putewiling, Wiler, Wirer, Wiring, Wuling, Wüler 3, 45; Gigagack, Kigack, Kikerikack, Piplapack, Wilegack und ähnl. 80. Weitere Zss.: Bräudel-, Bräud'-, Nest-,
Settgaus; Pip-, Snater-,
Tüffel-,
Watschelgaus;
Rottgaus; Bom-, Rot-,
Grawgaus; Gälgaus;
Zillegaus. 8. will, gris', grag' Gaus Wild-, Graugans, anser ferus, in Mecklenburg heimischer Zugvogel, in den großen Waldbrüchen und an den sumpfigen Ufern vieler Gewässer brütend: 'wilde Goes' Chytr. 377;
de Will Goos Siemss. Vög. 196; Schill. Kr. 3, 13
a; ist die Butter nur dünn aufs Brot gestrichen, so sagt man: dor is dei gris' Gaus man so œwerflagen Wa; dor hett dei gris' Gaus mit dei Flücht œwerrackt WaWaren@VipperowVipp; Zand. Bill. 164; so auch von schwacher Düngung des Ackers MaMalchin@RemplinRempl; über unangenehm laut redenden Besuch heißt es: dat is binah, as wenn ne will Gos œwert Dörp treckt RoRostock@KühlungsbornKühl; ähnl. vom Geigenspiel:
dei willen Gäus' schrigen GüGüstrow@Groß LantowGLant; sprw. von einem Unternehmen am unrechten Ort oder zur unrechten Zeit: wenn will Gäus' in de Luft sünd, is slicht Arwten sei'n Reut. 3, 303; Derb. 2, 16; Rätsel: dor flüggt ne Haud' will Gäus'; woväl Ganten sünd dor mank? (gor kein) Wo.
V. 1, 885 a; Zuruf der Kinder: dei hinnelst will Gaus hett Füer vör 'n Noors oder Hinnelsten nah vör! 2, 1343; Deutung des Rufs Killgack, Killgack 1010; volkstümlicher Name Trumpeter S. 361. — FN.: Blag'gaus; Gaus'born, -breid', -horst, -kamp, -kraug, -kul, -pauhl, -winkel. — Mnd. gôs
f. — Br. Wb. 2, 529; Dä. 158
b; Kü. 1, 598; Me. 2, 431; Schu. 3.