spenden,
verb. unentgeltlich darreichen, austheilen, mhd. spenden,
ahd. spentôn, spendô
n. Graff 6, 350;
as. zu erschlieszen aus spendunga,
inpensa. Wadstein
kl. as. sprachdenkm. 223
a,
mnd. spenden, spinden Schiller - Lübben
nachtr. 268
a,
nnd. spenden
brem. wb. 4, 912. ten Doornkaat Koolman 3, 272
b;
mndl. spenden, spinden Kilian,
auch noch nndl., doch selten; ags. in der bildung nicht ganz mit ahd. spentôn, spendôn
übereinstimmend, der ja -
klasse folgend spendan,
vgl.spendung,
f. Bosworth-Toller 901
b,
gewöhnlich âspendan 54
b (
nach Pogatscher
quellen u. forschungen 64, 145
entspricht dies unmittelbar dem lat. expendere.
vgl. unten),
auch forspendan 318
a,
engl. spend.
das deutsche wort ist entweder unmittelbar aus lat. expendere,
ital. mlat. spendere
entlehnt. Kluge
etym. wb.6 370. Wilmanns
gramm. 2, § 65,
vielleicht unter beeinflussung durch ein auf griech. σπένδειν zurückgehendes mlat. spendere,
libare (Du Cange 7 [1886], 551
a),
oder eine ableitung von dem einem mittellateinischen spenta, spenda
entsprechenden spende,
f. (
s. dies oben). Weigand
4 2, 758.
für die letztere möglichkeit spricht die bildung nach der ô-
klasse, obschon zu berücksichtigen bleibt, dasz im ahd. das verb häufiger bezeugt ist als das subst. vgl. auch die allerdings angefochtene herleitung von ahd. tîlôn, tîligôn,
nhd. tilgen
aus lat. delere. Franck
anz. f. d. alt. 11, 9 (
mit zugrundelegung der form deleo). Wilmanns
gramm. 2, § 65.
ags. spendan, âspendan,
dem kein dem ahd. spenta, spenda
entsprechendes subst. zur seite steht, kann ohne schwierigkeit unmittelbar auf lat. spendere, expendere
zurückgeführt werden. auf eine nebenform spendigen, spendegen
deutet der folgende beleg: ein chünich von Tennemarch. der het die drey heiligen chünich in eren. der chom gein Chöln. und pracht in drey
[] chünichleich guldein chron. und dannoch spendæcht er durch iren willen armen læuten da selben.
gesta roman. 43
Keller. Adelung
bezeichnet spenden
als '
ein nur noch im gemeinen leben, besonders mancher gegenden übliches wort'.
uns erscheint es eher als gewählter ausdruck, im gegensatz zu dem volksmäszigen spendieren (
s. dies unten).
in den belegen bietet Adelung ausspenden,
und dies scheint auch im älteren nhd. gebräuchlicher als das simplex gewesen zu sein. s. oben theil 1, 976
unten. heute ist es weniger üblich. man darf annehmen, dasz im 18.
jahrh. eine neubelebung des einfachen spenden
stattgefunden hat, das heute jedenfalls durchaus schriftgemäsz ist. 11) spenden
ist wahrscheinlich zunächst ein kirchliches wort. vgl. spende 1. 1@aa)
im sinne kirchlicher anschauung heiszt es wol zunächst: an arme verschenken, (
als)
almosen geben, austheilen, eleemosynas distribuere. Stieler 2081,
mit acc. der sache: fone diu spendota er sîn guot . kab iʒ armen. Notker
ps. 111, 9; almosen spenden. Campe.
mit dat. der person. gesta roman. 43
Keller (
s. oben das formale).
vgl. auch: im (
dem hl. Ludwig bei seiner bestattung) wart groʒ gebet gehaldin, gespent und vel dorch got gegeben.
leben des hl. Ludwig 66, 16.
falls hier, wo es sich augenscheinlich um eine austheilung von almosen handelt, im
auch zu gespent
gehört, kann es auch in beziehung darauf nur heiszen: zu seinem besten. mit acc. der sache und dat. der person: sume firnânum iʒ in thaʒ,wanta er (
Judas) sekilâri was, thaʒ hiaʒi er (
Jesus) io then wortonwaʒ armen wihtin spenton. Otfrid 4, 12, 48; die schrift het mir gesaget daʒ nieman bas mag geduon wenn daʒ men âne der werlte ruom den armen spendet daʒ (
sein gut).
der geistl. streit (Pfeifer
ad. übunsgb. 146) 460; trefflich hast du gehandelt, o frau, dasz du milde den sohn fort schicktest, mit altem linnen und etwas essen und trinken, um es den armen zu spenden; denn geben ist sache des reichen. Göthe 40, 234. 1@bb)
freier entfaltet sich die bedeutung, wenn es von Christus und gott gebraucht wird, in bezug auf das, was sie den menschen schenken, darreichen, bieten, wo es auch auf unsinnliches geht. von Christus: in mînero uuîtun cclesia . diu in allero uuerlte ist keuueren ih mîne intheiʒa . daʒ chît spendon ih sacramenta corporis mei et sanguinis . fore dien . die in (
gott) furhtent:
edent pauperes et saturabuntur. die eʒʒent arme . die seculum neminnont . unde uuerdent iro sat. Notker
ps. 21, 26; indet er thô then sînan mund,theist iamêr ubar worolt kund, thârinne lag, sô er westa,dreso diurista. bigond er thaʒ thô spentônsînes selbes worton, det er then liutin mit thiu drôst,then jungoron thoh zi herôst. Otfrid 2, 15, 21; waʒ forasagon zellentjoh uns thie selmi singent ouh gibot thaʒ alta,er geistlîcho uns iʒ zalta; thaʒ spentôt er nu liutinmit geistlîchen dâtin, mit geistlîcheru lêru. 3, 7, 47.
von gott: fure dene (
praetende) dîna gnâda . daʒ chît sceine sia . unde spende sia dien . die dih uuiʒʒin . unde dîn reht spendo dien . die grehte sîn in íro herzen. Notker
ps. 35, 11;
ebenso in neuerer sprache. im anschlusz daran eigenartig: diu gnâde was sô harte rîch, die got spente in sîme lobe aldâ dem tôten obe, daʒ ir al diu stat empfant.
Alexius E 943
Massmann; Cristus êrte sînen knecht wol durch vruntlîcheʒ recht spendete er dâ in sîme lobe dem heilictûme mit genâden obe, des mauic kranker genas.
pass. 614, 35
Köpke. in ähnlicher art wol auch von heiligen. vgl. spec. eccl. 29
unter spender 1. 1@cc)
ferner bezeichnet es die darreichung kirchlicher gnadenmittel durch den priester, was allerdings, vielleicht zufällig, erst aus neuerer sprache bezeugt ist: das abendmahl spenden. Campe, ausspenden Adelung; den segen spenden,
auch in allgemeinerer anwendung, vgl. Klinger 1, 45
unter 2,
b. 1@dd)
donum ponere deo in gazophylacio. Stieler 2081,
also in bezug auf geschenke für die kirche, so wol: wer spenden will, der thue es aus gutem herzen,
stips in thesauros infundatur pia et recta voluntate. ebenda. 22)
in allgemeinerer anwendung wie schenken, austheilen, darbieten, meist mit dem nebensinne des reichlichen, freigebigen. vgl. spende 2. 2@aa)
in bezug auf concretes: si ganz sih thana fuarta,sô sliumo siu nan (
Christus) ruarta, thoh ni was giwisso erarzât niheiner, thoh si ira al spentoti,ther hulfi iru in theru nôti. Otfrid 3, 14, 12;
[] da ich nur suchte ihr vergnügen zu befördern, dachte ich abermals nicht an meinen beutel, sondern zahlte und spendete immerfort, so wie es eben vorkam. Göthe 23, 78; was aber den goldenen becher betrifft, den die königin dir (
dem sänger Volkmar) gespendet, so war nicht unrecht, was mein alter knabe dir sagte. Freytag
ges. werke 8, 63; damit ich diesem (
Onegis) die geschenke gäbe, welche Maximinus selbst spendete und welche der basileus an Onegis sandte. 17, 159; will ein neuer fürst sich die gunst eines mächtigen nachbars erwerben, so läszt er ihm sagen: 'meines vaters reich und schätze sind mein, sende zu mir, und willig spende ich, was dir von den schätzen meines vaters gefällt'. 187.
mit gen. part. der sache, dichterisch: munter eilten sogleich die schenkbefliss'nen, gewandten jugendgötter hervor, die Charitinnen und Hebe, spendeten rings umher des reichen, ambrosischen gischtes, voll, nicht überflieszend, genusz den Uranionen. Göthe 40, 347.
in gleichem sinne mit von
und dat.: wie kann ich (
der könig) der begehrlichen sinn festhalten und ihren treuschwur gewinnen, wenn ich ihnen nicht von dem fremden metall spende? Freytag
ges. werke 8, 142.
statt des dat. der person erscheint in neuerer sprache auch an
mit dem acc.: spende auch an Wolf, deinen kämmerer, damit ihn die andern nicht schmähen, weil er einem kahlen herrn dient. 73; zwei tugenden hörte ich immer rühmen an dem mächtigen volksherrn, dasz er versteht den schatz zu rechter zeit zu sammeln und zu rechter zeit an seine getreuen zu spenden, damit sie ihm in der noth folgen. 125; als ein Frankenkönig sich mit dem andern versöhnt, bietet er ihm von allen kostbarkeiten, die er besitzt, von waffen, kleidern, königsschmuck und rossen, auch von seinen silberschüsseln je drei paar, und der beschenkte könig spendet wieder ein drittel davon an einen getreuen. 17, 188. thieren etwas spenden: der alten wurde dann ein becher meth gereicht und auch das eichhörnchen nicht vergessen; ihm wurden einige haselnüsse gespendet. Vischer
auch einer 1 (1900), 133; wie er (
der fremde) wandern sie (
die vögel) heimatlos über die menschenerde und wie er nähren sie sich vom raube, den sie greifen, oder von der gabe, die ihnen ein gastfreund spendet. Freytag
ges. werke 8, 24.
freier: willkürlich handeln ist des reichen glück! er widerspricht der fordrung der natur, der stimme des gesetzes, der vernunft, und spendet an den zufall seine gaben. Göthe 9, 284;
narr (
zum kaiser, der papiergeld vertheilt). ihr spendet gnaden, gönnt mir auch davon. 41, 69.
bisweilen auch in bezug auf etwas, was nicht eigenthum des empfängers wird: in groszen haushaltungen spendet der küchenmeister oder die ausgeberinn dem koche die zuthaten zu den speisen,
giebt sie ihm aus der vorratskammer. Campe. 2@bb)
auf anderes bezogen. wol mit scherzhafter übertragung wie hiebe spenden: Durendarde hey do nam mit beyden synen henden ind begunde do spenden mit dem swerde al umbe beyde de richte ind ouch de krumbe.
Kartmeinet 202, 55.
in neuerer sprache mannigfaltig gebraucht: legt eure willkommene hand auf mein haupt, und spendet mir den liebessegen! Klinger 1, 45; gern spende ich mein leben dieses bewirken zu helfen. 4, 264; 'was hat ihnen den sinn verstört?' frug der sänger, der gewöhnt war seine kunst wie ein kluger arzt zu spenden. Freytag
ges. werke 8, 36; dort standen die fremden vor den rossen, während der könig dem gesandten die ansehnlichsten aus seinem gefolge mit namen nannte und dieser von mann zu mann schritt, mit kriegerischem grusze hier und da einzelne worte spendend. 138. 2@cc)
von auszermenschlichem, persönlich gedachtem als subject: jeder war eifrig die früchte einzuheimsen, welche die göttin der flur dem seszhaften manne spendet. Freytag
ges. werke 8, 68; die wolken am himmel waren die heerde des fruchtbarkeit spendenden gottes. 17, 54; spend', o göttinn (
Venus), jede blume, die auf deinen beeten lacht, spende zu des festes ruhme deine ganze farbenpracht! Bürger 2
a; der frühling siegt, und spendet blumen zum kranze! Hölty 195, 3
Halm. [] eigenartig passivisch mit zu
und dat.: jetzt zu der alpe grüngesenkten wiesen wird (
von der sonne) neuer glanz und deutlichkeit gespendet. Göthe 41, 7.
mit reflexivpronomen und prädicativem adj.: ich zog mit dir aus Romas heil'gen mauern, den rücken jenen fluren zugewendet, wo sich der himmel nimmer müde spendet mit seines füllhorns frischen blumenschauern. W. Müller
ged. 2 (1868), 3.