spendieren,
verb. ,
spenden mit romanischer endung, als modewort gebildet (
vielleicht unter einflusz des ital. spendere. Adelung. Weigand
4 2, 758.
vgl. oben spendern),
dann volksthümlich geworden, seit dem 17.
jahrh. bezeugt, spendiren,
dispensare. Corvinus
fons lat. 1 (1660), 478
a,
erogare 551
a,
spenden Stieler 2071,
schenken, geben, schmieren (
bestechen). Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857
a,
expendere pecuniam Steinbach 2, 622,
lagiri, donare, munere afficere, donis corrumpere. Frisch 2, 297
b,
von diesem als niedriger rede angehörig bezeichnet, nach Adelung
gleich spenden
nur im gemeinen leben üblich, von Campe
im ergänzungswb. lebhaft bekämpft, aber noch heute in volksthümlicher sprache weit verbreitet. Schm.
2 2, 677. Höfer 3, 155. Schöpf 686. Hügel 152
a. Hunziker 245. Sartorius 116. Ruckert
unterfränk. mundart 172. Kehrein 1, 382. Hertel
thür. sprachsch. 230. Albrecht 213
b. Jecht 105
b,
auch nd. spendēren
brem. wb. 4, 943. Dähnert 447
a. Schütze 4, 167. Danneil 203
a. Schambach 204
a, spendäiren Frommanns
zeitschr. 4, 31 (
nordwestfäl.), spandēren Schütze 4, 167. —
das part. prät. wird wie bei allen verben auf -ieren
ohne das präfix ge-
gebildet, doch begegnet mundartlich gespendiert: was man dem zimermann fir die dillen zu schneiden und hinab zu antwurten auf geth und gespendiert wirdet.
tirol. weisth. 3, 316, 45. spendieren
bedeutet austheilen, ausgeben, aufwenden, schenken, zum besten geben, gewöhnlich mit dem nebensinne des freigebigen, reichlichen, oft vom schenken, durch das andres gewonnen, einer bestochen werden soll. vgl. spenden 2. 11)
in bezug auf concretes. 1@aa)
ohne object: wann die königin ausz Reich Arabia nicht wol spendirt hätte, so würden sie alle diener Salomonis für eine närrin gehalten haben, dasz sie da ausz Arabia komme mit ihren schmalhansen, und wolle da einmal zu Jerusalem schmarutzen. Schuppius 111; demnach wir aber nicht mehr wie hiebevor spendiren konten, gesellten wir uns zu einer bursch, die den leuten des nachts auf der gasse die mäntel abzwacken oder sie gar in der Maasz ersäufften.
Simpl. 1, 429, 23
Kurz; wer ein grosser herr seyn will, der musz spendiren.
pers. rosenth. 1, 21; wer geld hat, der kan spendiren. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857
b; wer heut zu tag was erlangen will, der musz spendiren.
ebenda; wer spentiərt, der gwint, wer schmirwt, der färt. Schm.
2 2, 677.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: weil ich nunmehr allbereit im beruff, dasz ich wacker spendire und drauff gehen lasse.
pers. rosenth. 7, 6;
reimend: wer bey dem richter oder advocaten nicht schmiert und spentiert, wird die gerechtigkeit in keiner guten laune antreffen. Höfer 3, 155.
ausdrücken entgegengesetzter bedeutung gegenübergestellt: [solcher] art leütte, wen sie jung sein, bekommen sie; wen sie alt werden, müszen sie spendiren. Elisabeth Charlotte 3, 17
Holland; (
die gute frau) spendiret wen sie kan, und spahret wenn sie soll. Rachel 17. 1@bb)
mit acc. der sache: Abraham a S. Clara
gehab dich wol 157 (
die stelle s. unten); sie spendierte ihre vier groschen.
polit. maulaffe 2; wenn der gnädige herr nur reisegeld spendiren wollten. Kotzebue
pagenstr. 3, 8; hat einer nur dukaten, ist prächtig auszstafiert, spendiret fette brahten, hat ein verlognes maul, ist färtig bei dem wein, so musz er also fohrt ein grosser junker sein. Rist
Parn. 260.
mit dat. der person: allein sie (
die königin von Saba) hat ohne zweifel ... den dienern und auffwärtern (
Salomos) wol spendirt. Schuppius 111; es kommt zu jetziger gold- und geld-vernarrten welt fast kein eintziger künstler und handwercks-mann bey einer herrschaft mehr in die arbeit, er musz dann spendiren: dem agenten spendiren, dem verwalter spendiren, dem hofmeister spendiren ...; der mahler musz ein künstliches bild spendiren, der kaufmann musz einen reichen zeug spendiren, der tischler musz einen nuszbaumen-kasten spendiren. Abraham a S. Clara
gehab dich wol 157
bei Schultz
alltagsleben 248; dem hauptmann bin ich sein fourier; thut er mir spendieren, so werd' ich ihm sein volk hier einquartieren. Birlinger
volksth. a. Schwaben 2, 130.
mit acc. der sache und dat. der person: ein furnemer marggraff in Italien spendirte viel gelts und guts den gelehrten. Lehmann 156; endlich machte Florindo den besten auszschlag, und spendirte dem mahler ein paar ducaten, damit war die sache verglichen. Weise
erzn. 31
neudruck; itzo dächten die andern doch, mir (
dem richter Roland) wäre was spendiret worden, und in der that wäre mir nichts in die küche, in den keller und in beutel kommen.
comödien-probe 260; ich (
derselbe) sage es klar heraus, es darff mir niemand was spendiren, bey meiner seele ich nehme nichts. 261; nachdem allen fragen die bauren und bäuerinnen nichts, sondern lassen ihnen (
von den zigeunern) die gute warheit sagen, spendiren den teuffelsleuten heu und stroh, deszgleichen speck, eyer und andere victualien. Veroander
baurenstands lasterprob 192; enem den brandewien spenderen,
einem ein glas branntwein schenken. brem. wb. 4, 943; spendeer mi nu englischen petum (
eine tabakart). Voss 2 (1802), 126.
freier: wann der faule und saumselige gärtner nicht öffter die spritz-kandel in die hand nimbt, und den matten pflantzen einigen trunck spendiret. Abraham a S. Clara
etwas für alle 1 (1699) 290. 1@cc) etwas auf etwas, an etwas spendieren,
dafür ausgeben, daran wenden: es sagte einsmals ein vornehmer vom adel zu mir, er glaube nicht dasz sein herr jemals ein stück von einem wild auff seiner tafel gehabt habe, davon ihn nicht das pfund zum wenigsten ein reichsthaler gekostet habe, wann er rechnen wolle was desz jahrs über, auff jäger, jagthunde und jagezeug spendiret werde. Schuppius 42; wann ich einen vornehmen herrn antreffen könte, der etwas darauff spendiren wolte, ... und wolte mir ein paar gelahrte studenten erhalten, die da thäten was ich ihnen sagte, ich wolte mit gottes hülffe zeigen, was man in kurtzer zeit bey der jugend mit lust und leichter mühe thun könnte. 52; auff die tulipan wolt ich nicht einen doppelschilling spendiren. 100; ja er würde nimmermehr so viel auf seinen leib spendieren, dasz er die mahlzeit im wirthshause esse. Weise
erzn. 62
neudruck; so hatte er gewisz ein paar groschen daran spendiren wollen.
Jucund. 130; der nicht ein paar hundert thaler auf die kunst spendiren wolte. 161; viel geld auf etwas spendiren. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857
b; etwas spentiren auf ein schönes zimmer, auf einen neuen wagen. Höfer 3, 155; da missn mr schont noch e baar greden (
ein paar kröten, etwas geld) dranspendiren. Albrecht 213
b. einem auf etwas spendieren,
geld geben, damit er es kaufen kann: der herr spendire uns auf ein masz wein,
v. s. ci penda cioè ci dia la mancia, il regalo per un boccal di vino. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857
b. einem etwas zu, auf etwas spendieren,
dazu geben: die hat uns zu diser hofart angewisen, jene zu einer andern, die hat uns dises dazu spendirt, jene was anderes. Philander 1 (1650), 414; es waren keine solche dörffer, die man exequiren könte, und traff man ein nest voll bauren an, so waren die schelmen so boszhafftig, dasz sie sich eher das hertz ausz dem leibe reissen liessen, ehe sie einem ehrlichen manne etwas auff die reise spendiret hätten. Weise
erzn. 42
neudr. 1@dd)
selten klingt die vermutlich älteste bedeutung von spenden: '
almosen geben' (
s. dies 1,
a)
in solchem gebrauch an: auf den ermeln, absonderlich auf den lincken, der von hertzen geht, war ein gantzer kram von allerhand liederlichen bändergen auffgehefft, welche, weil sie keine accordirende farben hatten, sich ansehen liessen, als wären sie von bändersüchtigen personen zum almosen spendiret worden. Weise
erzn. 32
neudr. 1@ee)
eigenartig wie reichlich vertheilen, ausbreiten: nun! sie versammeln sich im weiten raum des alten rittersaals, er faszt sie kaum. auf breite wände teppiche spendirt, mit rüstung, eck und nischen ausgeziert. Göthe 41, 81. 22)
in bezug auf anderes. 2@aa) zeit spendieren,
aufwenden, verbringen (
vgl. spendierung 1,
den zweiten der belege), auf einen,
ihm widmen: wie müssen dieselben personen thun, welche in fürstlichen diensten aufgehalten werden, und oftmahls in einem jahre kaum zwey oder drey tage auf ihre liebsten spendiren können? Weise
kl. leute 16. 2@bb) seinen namen spendiren,
spendere, cioè dare, it. prestare il suo nome, massime à favor d'altrui. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857
c. Schöpf 686,
leihen: wolln súmer eənəʿn namə~ spentiəʿn? Schm.
2 2, 677.
ähnlich: dàrf i eənəʿn namə~ spentiə ʿn,
sie als gewährsmann nennen? ebenda. auch: einen fremden namen spendiren,
spendere un nome finto; voler passare sotto un nome posticcio ò supposto. Kramer
a. a. o. 33)
in freier anwendung mit persönlichem acc.-object: ə~n herrn spentiəʿn,
vorstellen, spielen. Schm.
2 2, 677. 44)
bei unpersönlichem subject, wol mit dichterischer personificierung: wan die milte regen jhre wasser mit vernunfft spendiren, unnd den heissen erden-durst erfrischen. Spee
güldn. tugendbuch 408.