verspenden,
verb. ,
zu spenden (
über die herkunft vgl. theil 10, 1,
sp. 2148)
nach verben des musters goth. fragiban
schon in älterer zeit gebildet: ahd. farspentôn Graff
sprachschatz 6, 351;
inpendit Pa. farspentot,
gl. K. firspentod,
Ra. forspentot Steinmeyer-Sievers
glossen 1, 187, 6;
expenso ferspentotemo 2, 47, 7;
mhd. verspenden Lexer
mhd. hdwb. 3, 243;
nachträge 393;
altengl. forspendan
consumere Bosworth-Toller
dict. 318
a,
der ja-
klasse folgend, unmittelbar auf lat. expendere, spendere
zurückzuführen; mengl. forspenden Stratmann-Bradley
dict. 242
a;
im neuenglischen ist das compositum untergegangen. ausspenden, und verspenden,
distribuere largitiones, stipem erogare Stieler 2081;
dilargior Steinbach 2, 622. Campe.
schles. verspenden Weinhold
handschr. nachlasz S 373
b.
das wort gehört der gehobenen und poetischen sprache an. 11)
von der ursprünglich kirchlichen verwendung wie das simplex läszt das compositum nichts mehr erkennen, sondern es bedeutet allgemein '
in reichem masze und freigebig vertheilen': vieles geld verspenden,
maximas largitiones facere Steinbach 2, 622; geld, almosen verspenden, geschenke verspenden Adelunc; der kunic die sunder bat, daʒ si im gæben rât, sît er sich het überdâht an dem guote, daʒ im brâht von Engellande wære, daʒ in der valsches lære der kunic het gesent, wie daʒ wurd verspent ze nutze dem rîche Ottokar
reimchronik 68872.
mit richtungspartikel: nu rüste dich noch ein wile zuo bliben und sitze; du muost das usgen schriben, das ich verspende jores ins hus Conrad Dangkrotzheim
heil. namenbuch 417; brod und wein verspendete keine hand umsonst Zschokke
schriften 1, 316; an dem wagen ..., auf dem ein bauernweib ... pflaumenmus verspendet E. Th. A. Hoffmann
werke 14, 160
Grisebach;
bisweilen mit besonderer betonung der reichlichen und freigebigen spende: er hat sich sonst geschikket, den beutel wol gespikket, gar reichlich zuverspenden, zustutzen derer enden W. Scherffer
ged. (1652) 435; also sagte der richter. die beiden schieden und dankten, und der geistliche zog ein goldstück (das silber des beutels war vor einigen stunden von ihm schon milde verspendet, als er die flüchtlinge sah in traurigen haufen vorbeiziehn ..) Göthe 50, 239
Weim. (
Hermann und Dorothea 6, 193); auch war von dem gestern reichlich verspendeten weine noch der inhalt eines branntweinfläschchens übrig geblieben 33, 75, 19;
in übertragener verwendung: an geistesgaben reich, verspendet die natur sie für die dichter sehr verschiedentlich v. Ayrenhoff
werke (1814) 5, 77. 22)
allzu reichliches verspenden,
besonders für schlechte zwecke, nimmt den sinn verbrauchen, erschöpfen, durchbringen, verschwenden
an: seinen ganzen vorrath verspenden Campe;
mhd. ir hânt nit wîsen muot, daʒ ir verspendent iuwer guot Pfeiffer
altd. übungsbuch 146, 442; ich bin das ungerathne kind, das sich von dir gewendet und mit dem frechen welt gesind sein erbtheil hat verspendet Jos. Heermann
devoti musica cordis bei Mützell
geistl. lieder a. d. 17. jahrh. 1, 25; er (
der erbe)schläft in schwanenbetten; ein harter stein ist deine decke. deinen ersparten schatz verspendet er, und gab dir keinen obolus unter die starre zunge Herder
werke 27, 74
Suphan. 33)
in übertragener verwendung: blut, leben, atem verspenden,
sein bestes drangeben und opfern: dasz ich mein blut auf dieser scene verspenden musz Stamford
bei Goekingk (1780) 1, 237; doch dürft ich es (
mein leben) verspenden, so wie mein gut und geld Bürger
werke 2, 18
Bohtz; wohl weisz ich es, dasz du dein ganzes leben in sorge für andere verspendet hast Klinger
neues theater 1, 41 (
Aristodemos 2, 1);
mit präpositionaler bestimmung: eine lange zeit hindurch herrschte nichts als verwirrung, bis endlich der junker, nachdem er athem genug dran verspendet hatte (
zu rufen), wieder in das besuchzimmer kam Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786f.) 4, 112.