spitze,
f. zu spitz,
adj., spitzes ende, spitzer gegenstand, ahd. spizza Graff 6, 367 (
eine gleichbedeutende pluralform spizzi,
die a. a. o. 366
zu einem f. spizzî
gestellt wird, kann auch zu einem der i-
declination folgendem m. spiz
gehören. vgl. oben spitz,
m.),
mhd. spitze Lexer
mhd. handwb. 2, 1101,
nhd. spitz,
f. das oberste an einem jeglichen ding. Hulsius (1616) 303
b,
cuspis, cacumen, sommet, pointe. Schottel 1419,
mucro, cuspis, omnisque extremitas acuta. Stieler 2062, spitz, spitze,
f. punta, estremità, sommità, cima, capo. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
b, spitze,
f. cuspis, mucro, cacumen, acumen. Steinbach 2, 630. Frisch 2, 304
a. Adelung,
ahd. schwach flectierend (
vgl. jedoch den bei Graff 6, 366
zu spiz,
m. gestellten acc. plur. [] spizza,
capita (
montis),
mhd. schwach und stark, nhd. in die gewöhnliche flexion der feminina (
sing. stark, plur. schwach)
verlaufend. schwache flexion des sing. ist im älteren nhd. noch ziemlich häufig, so: Luther 27, 415, 10
Weim. ausg. 1 Mos. 17, 9
und sonst in der bibelübersetzung. Ayrer 1397, 12
Keller (
s. unten 1).
auch mnd. spitze, spisse,
f. Schiller-Lübben 4, 331
a (
vgl.spese, spetze, speisse 320
b und dazu oben spiesz I
formales sp. 2437),
nnd. spitze Strodtmann 225. Schütze 4, 171, špits
e Bauer-Collitz 97
b, spitse, spits ten Doornkaat Koolman 3, 279
b, spitz Dähnert 449
a;
ndl. spits,
f. vgl. weiter dän. spidse, en. —
eine mundartlich begegnende form spâtzt,
f. (
siebenb.-sächs.) Frommanns
zeitschr. 4, 409, 69
ist entweder verkürzung einer bildung auf -ede, -ete (
vgl. spitzat,
acuties Dief. 11
b)
oder durch antritt eines unorganischen t
entstanden (
vgl.jetzt
aus iez[e]). — spitze,
das das m. spitz
in allgemeiner bedeutung völlig aus der schriftsprache verdrängt hat, findet sich nicht bei Maaler,
der nur spitz
verzeichnet 381
a,
nicht in Ecks
bibelübers. und der Züricher bibel von 1530,
die gleichfalls nur spitz
bieten. Kluge
von Luther bis Lessing (1888) 82,
und scheint auch heute auf obd. sprachgebiete weniger verbreitet zu sein als spitz,
m. Schmeller
verzeichnet nur dies 2, 692
Frommann. vgl. oben spitz,
m. 11)
stechendes, scharf eindringendes ende, auch gegenstand mit solchem ende. vgl. spitz,
adj. 1,
a. 1@aa)
von verfertigtem, zubereitetem. 1@a@aα) spizza,
mucro Graff 6, 367, spitz, stachel eines messers oder spiesses,
f. la pointe. Hulsius (1616) 303
b,
mucro, die spitze am messer, oder anderswo, das spieszeysen. Corvinus
fons lat. 1 (1660), 193
a, spitze des degens,
cuspis gladii. Stieler 2063, die spitz eines messers, dolches, nadel, lantzette .,
mucro. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 872
b, die spitzen an einer gabel,
punte, branchi della forcina. 872
c, die spitze eines pfeiles,
sagittae aculeus. Steinbach 2, 630, die spitze einer nadel, eines messers, eines degens. Adelung: ist auch, daʒ man ain plôʒ swert zuo irm (
der natter) mund habt, alsô daʒ ir zung neur an die spitz rüert, daʒ swert vergift si sô vast, als ob eʒ mit ainer überigen hitz verwüest sei. Megenberg 275, 17; solche schneiden unnd spitzen an wehr, waffen, und gezaw, nennet die heilige sprach: os gladij et instrumenti, den mund, oder wie es geteutschet ist, die scherpffe, spitze, oder stachel des schwerdtes oder waffen, wie denn die Greken auch eben disz wort behalten, und spitz und schneide, weil sie stehelen, auch stoma, den mund, und ein zweyschneidig schwerdt distoma nennen. Mathesius
Sarepta 80
a; nahe bey aber (
kämpft man), in dem man mit partisanen und piken, so forne eiserne spitzen haben (lantzen) mit spiessen, mit hellebarten, mit grosser macht geschwungen (gezwacket) durchstosset. Comenius
sprachenthür übers. v. Docemius (1657) 713; ein messer ohne spitze,
un coltello senza punta ò spuntato. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c; ein messer da die spitze abgebrochen,
coltello spuntato. ebenda; die spitze des degens ab brechen,
cuspidem gladii frangere. Steinbach 2, 630; die spitze des messers stumpf machen,
mucronem cultri retundere. ebenda; die spitze des degens von seiner kehle abwenden,
mucronem gladii a jugulo suo rejicere. ebenda; warum zag ich so vor dieser bohrenden spize (
des degens)? Schiller
räuber schausp. 5, 1; der held risz das schwerdt von der hüfte, stellte es mit der spitze gen himmel, dann ergriff er es und warf es aus dem geöffneten fenster über die stadt und das eismeer. Novalis 2, 169
Meiszner; Ingo schwang sich über ihn und erhob das schwert, ihm mit der spitze die gurgel zu durchstechen. Freytag
ges. werke 8 (1897), 102; an deinen gastlichen herd dachte ich, als der arge mann unter meinem schwert lag und ich die spitze zurückzog. 107; wahre dich, könig, die heerschilde glänzen und die spitzen der speere. 194; als der erschrockene schwieg, griff er nach dem dolchmesser, womit er brot geschnitten, und richtete die drohende spitze desselben gegen die halskrause des Zürchers. C.
F. Meyer
Jenatsch (1901), 53; er reiszt den degen aus der scheide, und — — o was kann verwegner seyn! kurz, er besieht die spitz und schneide, und steckt ihn langsam wieder ein. Gellert 1 (1775), 31. 1@a@bβ)
die spitze
des schwerts dem knopf,
knauf gegenüber gestellt im rechtssprichwort: was der knopf gesiegelt, soll die spitze vertheidigen,
s. oben knopf II, 9
theil 5, 1474.
vgl. auch die formelhafte verbindung von spitz
und knopf
ebenda und unter spitz,
m. 1,
a, α.
dem heft
gegenüber gestellt: er selbst sah einen jüngling, der sich ein schwert auf die brust setzte und so
[] heftig gegen sich drückte, dasz sich das heft bis zur spitze herumbog, und doch drang die spitze nicht in seine haut. Freytag
ges. schr. 20 (1898), 74.
ebenso beim messer, bildlich: aber er nympt das messzer bey der spiczen und nicht bey dem heffte. Luther 27, 415, 17
Weim. ausg. vgl. auch: hoc requiritur intelligere, an verbum dei bey der spitzen vel hefft hab. 415, 10. 1@a@gγ)
die spitze einer waffe ist auch gemeint in wendungen wie es mit der spitze ausmachen,
transigerla, aggiustarla colla punta [
di spada]
cioè per via d'un duello. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c, etwas mit der spitze ausmachen,
rem ense decidere. Frisch 2, 304
a.
ähnlich: dan bey theils teutschen adels, dises jetzt ebenmässig im brauch ist, dasz sie jhre händel vor der spitze mit dem rappier, und nicht, wie die ehrliebende vorfahren, mit der faust oder einem banddegen ausztragen. Philander 1, 601. einem vor die spitze kommen, vor der spitze erscheinen,
comparire dinanzi alla punta, cioè al duelle di spade. Kramer 2, 872
c, einem vor die spitze kommen,
comparere evocanti ad duellum. Frisch 2, 304
a; jemanden vor die spitze fordern,
zum duell. Adelung. einem die spitze weisen,
mostrare la punta cioè la spada, met. il rigore ad uno. Kramer 2, 872
c: Superbus, der ubermütig ritter, zuckt sein schwerdt und sagt: da ist gar nichts daran gelegen. wenn du mich vom plan weg wolst heissen, so wolt ich dir die spitzen weissen. Ayrer 1397, 12
Keller. einem die spitze bieten,
cornua obvertere, provocare aliquem ad duellum. Stieler 2063,
gladio alicui occursare. Steinbach 2, 630. Frisch 2, 304
a,
vgl.den spitz bieten, spitz und knopf bieten
unter spitz,
m. 1,
a, α und den folgenden beleg, der anscheinend einen obscönen sinn enthält: der weibsbilder liebe musz die spitze vom messer gebotten werden, dann sonsten währet sie nicht lang.
Jan Perus (1672) 109,
auch mhd.: ieglîcher sîn swert gewan von der scheiden; mit nîde daʒ ecke und die snîde ieglîcher sîme gesellen bôt.
krone 15512; jâ wiltu gar ze grôʒen ruon an ritters orden leggen, ich biete dir sîn ein eggen: mîn liep hât tugent und êren vil. Heinzelein v. Konstanz 106, 164,
worauf bei Borchardt-Wustmann 447
hingewiesen wird. vielleicht wirkt in dieser wendung auch die unter 3,
a erwähnte bedeutung von spitze.
häufig in neuerer sprache jemanden die spitze bieten,
sich ihm thätig widersetzen. Adelung,
von kriegerischem widerstande: dem feinde die spitze bieten,
hostium copiis se objicere. Steinbach 2, 630; weil der dänische könich auch allbereit im anzuge war diesem wütteriche die spitze zu bieten. Hoffmannswaldau
ebenda; das bundesheer sei so stark, dasz es uns jetzt schon werde die spitze bieten können. Hauff 6, 86; zehn regimenter stehn am Weserstrom, am Rhein und Main; in Schwaben bieten sechs, in Baiern zwölf den Schwedischen die spitze. Schiller
Picc. 1, 2; Brutus und Cassius werben völker an, wir müssen ihnen stracks die spitze bieten.
Shakespeare Caes. 4, 1.
in freiere bedeutung übergehend: da ist der bruder, werden sie sagen! das musz ein braver kerl seyn, der hat ihn in's bockhorn gejagt, er hat sich nicht getraut, ihm die spitze zu bieten. Göthe 10, 102; ich versichere sie, schon längst war mir die arroganz des grafen unerträglich; ich hätte ihm schon einigemal die spitze geboten, wenn nicht sein stand, sein alter, seine erfahrung, seine übrigen eigenschaften mehr als seine güte gegen mich mir wiederum die gröszte ehrfurcht einflöszten. 14, 153; in dem sie (
die geliebte) mir zu leide viel sauer minen macht, und mitten in der freundlichkeit mir unversehns die spitze beut. Weise
überfl. gedancken (1701) 41.
mit grammatisch unpersönlichem subject: in dem letzteren falle hätte ihm mein freyes gewissen die spitze geboten. Eva König
bei Lessing 13, 431.
mit unpersönlichem object: die also falsch genandte, catholische kirche ... bietet die spitze dem göttlichen willen und gebotten. Ludw. Caschai
die verkehrte bäpstische welt (1678) A 2; von einem manne ..., der ... da, wo er nach untadelhaften grundsätzen zu handeln glaubt,
[] dem widerspruche die spitze bietet und rücksichten der menschlichkeit nicht achtet. Gotter 3, 40; aber im vorschlag lag auch etwas unwiderstehliches, das sich gleich geltend machte und zum voraus allen schwierigkeiten ... die spitze bot. J. Grimm
oben theil 1,
vorrede 2
a.
mit anspielung auf die unter 2,
a erwähnte gebrauchsart von spitz,
adj.: die meng ist gar zu grosz, so nach dem Pindus reiszt, und der verstockten schaar die kluge spitze biehet. hierunter seh ich dich, gelehrt- und edler freund! mit feuriger gedult vor andern stehn und kämpffen, und durch den rechten fleisz das thier des pöbels dämpffen, das den Parnasz berennt und zu verwüsten meint. Günther 656.
als formelhafte verbindung ohne artikel. wer hätt auch das gedacht, dass er allein dem ganzen reichstag würde spitze bieten! Schiller
Demetr. 1, 496.
im anschlusz daran einem die spitze bieten,
es mit einem aufnehmen, ihm gewachsen sein. Campe: wie wird mir? o wollust! ich sinck' und erliege. o süsses verhängnisz der künstlichen hand (
eines geigenspielers)! dein mächtiger bogen beuth Amor die spitze. Günther 347.
veraltet in folgender art: er both nicht minder die spitze,
non multum illi virtute virtute cedebat. Steinbach 2, 630. 1@a@dδ)
mit deutlichem anschlusz an spitze
als stechendes ende einer waffe: izt mus, pro ratione reipublicae et status, die spitze der klugheit geschliffen werden. Butschky
Pathm. 79; der verlarvte, neue statist, gleichet einer misgeburt, als welcher am gedächtnüsse übernatürlich scharff; der klugheit selbst die spitzen abgeschliffen (
geschliffen) zu haben vermeinet. 187; so findet sich, das sein hertz und gesichte, von verteufelter simulation und dissimulation, gantz vermummert und verlarvet ist; bey allen leuten, auch denen jenigen, so der klugheit die spitzen abgeschliffen zu haben vermeinen, den glauben leicht gewinnen kann. 239.
vgl. (
mit entgegengesetztem bilde): konnten ihm ein spitzig antwort geben und die zungen herausrecken: ich meine, die spitze (
der antwort oder der zunge) sei stumpf geworden und zubrochen. Luther 48, 326
Erl. ausg. bei Thiele
Luthers sprichw. nr. 354.
in neuerer sprache: einem witzigen einfalle, einem empfindlichen tadel die spitze abbrechen,
sie des treffenden, beiszenden, worauf es dabei abgesehen war, berauben. Campe; brecht eures witzes scharfe spitzen ab. Arnim
schaub. 2, 5. die spitze abbrechen
mit dat. der sache dann auch allgemeiner, ihr das gefährliche, treffende oder wesentliche nehmen: zauberin! brich mich zusammen! brich meiner stärke die spitze ab! Klinger
theat. 4, 146; sein (
des königs) streben, der wahlfreiheit durch die wahl bei seinen lebzeiten nach weise der deutschen könige die spitze abzubrechen. Dahlmann
dän. gesch. 1, 310; als ersten schritt ... begrüszte Gerlach die verwerfung des gesetzes über die ministerverantwortlichkeit, die dem konstitutionalismus 'die spitze abbreche'. Prutz
preusz. gesch. 4, 314.
entsprechend intransitiv: ein feiner plan! fein zugespitzt! nur schade, zu fein geschärfet, dasz die spitze brach! Schiller
M. Stuart 4, 3; einst, wenn der kulturbediente Deutschlands ganz entwöhnt der tinte, bricht dem sprichwort auch die spitze, dasz er 'in der tinte sitze'. Leuthold
ged.4 66.
blasser: eine sache kehrt ihre spitze gegen einen, etwas,
wo auch spitze,
schlachtordnung (3,
a)
herangezogen werden kann. 1@a@eε) spitze einer nadel,
in vergleichen: dô gewan sie nie sô vil zwîvels, daʒ ûf einer nâdeln spitze möhte geligen. Berthold v. Regensburg 1, 376, 26; dar umbe ergiuzet sich der himmel alzemâle in fruhtberlîcher art in daʒ ertrîche, unde wellent daʒ die meistere, daʒ der breite wîte himel niht behalte als breit als einer nâdeln spitze, ern gebere sich alzemâle in fruhtberlîcher art in daʒ ertrîche.
d. myst. 2, 192, 16. 1@a@zζ) die spitz der feder,
punta della penna, met. stilo pungitivo e satirico. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
a; spitze der bleifeder. 1@a@hη)
bei den glasschleifern an einem schaft anstatt der scheibe des rades angebrachte spitzen, die dazu dienen, die punkte in einer auszuschleifenden figur hervorzubringen, z. b. die augen einer figur auszuhöhlen. Jacobsson 4, 226
a. 1@a@thθ)
vgl. auch spitze
als gerät der gold- und silberdrahtzieher, ein stählernes dünnes eisen mit einer stumpfen dreikantigen spitze zum einbohren von löchern. Jacobsson 4, 226
b.
[] 1@bb)
von natürlich gewordenem: 1@b@aα) spitz an der aer,
f. la barbe de l'espi. Hulsius (1616) 303
b, spitze an der kornähren,
aristae. Stieler 2063, die spitze einer kornähre,
arista. Steinbach 2, 630;
vgl.: von der äussern hülsenecken ... sieht man (
an der kornähre), sich ein grünes stänglein voller zarten spitzen strecken, welche fühlbar zwar genug, aber kaum zu sehen seyn. Brockes 6 (1739), 65. 1@b@bβ) spitze der klauen eines wilden schweins,
ungulae aprugnae cuspis. Stieler 2063. 1@b@gγ) spitze des stachels
bei thieren: (
im bilde:) ja, herr, du tratst ihm (
dem als schlange gedachten tode) an das herz, brachst seines stachels spitzen. Gerhardt 290, 13
Gödeke; das lob nährt seinen (
des löwen) stolz, so wie sein grimm die noth. mit beyden durfte nur die kühne mücke scherzen, die ihm aus edlem hasz, mit freyheitvollem herzen, des scharfen stachels spitze both. Hagedorn 2, 23 (
vgl. die wendung einem die spitze bieten
unter 1,
a, γ).
auch spitze der bienen,
alias stachel,
aculeus. Stieler 2063. 1@cc)
nach 2
überleitend: spitze eines stocks, stabes,
zunächst das spitz zulaufende ende, dann aber allgemeiner auch das dem ende, wo man den stock anfaszt, entgegengesetzte: da recket der engel des herrn den stecken aus, den er in der hand hatte, und rüret mit der spitzen das fleisch, und das ungeseurt melh
an. richt. 6, 11; Jonathan ... reckte seinen stab aus, den er in seiner hand hatte, und tuncket mit der spitzen in den honigseim.
1 Sam. 14, 27; da trat Esther erzu, und rüret die spitzen des (
goldenen) scepters
an. Esth. 5, 2; er (
gott) schüttet den reiffen auff die erden wie saltz, und wenn es gefrewret, so werden eiszacken, wie die spitzen an den stecken.
Syr. 43, 22; durch den glauben segnete Jacob, da er starb, beide söne Josephs, und neiget sich gegen seines scepters spitzen.
Ebr. 11, 21; der kretler (
wortführer in streitigen fällen beim '
eisboseln') der parteien trug hier einen weiszen, bei den geestleuten einen schwarzen stab mit eiserner spitze. Storm
sämtl. werke 7 (1899), 183. spitze des mastbaums: ander (
seeleute) hefften in (
l. im) hinter castel die mesan an, die fock im forder castel, die flaggen aber an der spitze des mastbaums. Comenius
sprachenth. übers. v. Docemius (1657) 463. spitze an der segelstange,
cornua antennarum. Stieler 2063. 22)
in allgemeinerem sinne verjüngt zulaufendes ende und gegenstand von solcher form (
vgl. spitz,
adj. 1,
b),
auch oberstes oder äuszerstes ende überhaupt. 2@aa)
von gefertigtem, zubereitetem. 2@a@aα)
an bauwerken (
vgl. spizza,
pinnaculum Graff 6, 367), spitze eines gebeudes,
acroterium. Stieler 2063,
summitas aedificii Wachter 1567,
so die spitze des thurns,
la punta della torre e del campanile. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 872
c, eines thurmes,
pinna, pinnaculum. Steinbach 2, 630. Adelung: a. 1517 sin de heren des kaspels auer ein gekamen mit mester H ... umme enen nigen torne to buwende ... und de spissen hoch XV stige vote ... tho makende und alle dat to dem bile horet an der nigen spissen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; lasst uns eine stad und thurn bawen, des spitze bis an den himel reiche.
1 Mos. 11, 4; durch die vorstädte wird eine stadt grösser gemacht (erweitert) durch die thürme, welche oben auff den spitzen die flüger (wetterhanen) haben gezieret. Comenius
sprachenthür übers. v. Docemius (1657) 618; nun standen die jungen leute, die noch in das spiel hineinwollten, frierernd und fusztrampelnd vor dem kirchspielskrug und sahen nach der spitze des aus felsblöcken gebauten kirchthurms hinauf, neben dem das krughaus lag. Storm 7 (1899), 180. die spitze eines hauses,
aedificii culmen. Steinbach 2, 630, spitze, oder gibel eines hauses,
culmen. Frisch 2, 304
a,
vgl.: als yhn (
Christus) der teuffel auff des tempels spitzen füret. Luther 24, 181, 18
Weim. ausg. spitze des giebels: eyne spissen des gheuels.
quelle v. 1427
bei Schiller-Lübben 4, 331
a. des dachs,
culmen. Stieler 2063,
vielleicht von seitlichen vorsprüngen, ecken: an den ausgeschweiften spitzen der dächer (
der nachbildung eines chinesischen tempels) hingen allwärts kleine glöcklein. Keller 4, 234. spitze der mauer,
pinna, pinnaculum. Stieler 2063,
vgl. ahd. spizzun,
minae (
murorum).
glosse zu Vergils Aen. 4, 88
bei Graff 6, 367. spitze eines denkmals: er (
der römische obelisk bei Igel) steigt in verschiedenen, künstlerisch über einander gestellten stockwerken in die höhe, bis er sich zuletzt in einer spitze endigt, die mit schuppen ziegelartig verziert ist und
[] mit kugel, schlange und adler in der luft sich abschlosz. Göthe 30, 9; spitze der pyramide,
auch von der pyramide als mathematischem körper. Jacobsson 4, 227
a. spitze am brückenpfeiler,
bezeichnung der zwei äuszersten enden der brückenpfeiler, welche spitzig zugehen, in der baukunst. ebenda. spitze eines schiffes,
acroterium. Stieler 2063, die spitz eines schiffs,
punta, sperone, becco di nave, schnabel. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 872
c, die spitze eines schiffes,
ceruchus. Steinbach 2, 630. Frisch 2, 304
a: die spitze richtete sich nach norden, und das fahrzeug durchschnitt wie im fluge die buhlenden wellen. Novalis 2, 201
Meiszner. 2@a@bβ)
an stücken der rüstung und kleidung, spitze des schildes: mit diesen worten schleudert er den schaft, der ohne klang der schwachen hand enteilet, und aufgefangen von des gegners kraft, des schildes spitze kaum zertheilet. Schiller 6, 373 (
zerstörung Trojas 763).
hier kann die erhöhung auf der mitte des schildes, der buckel gemeint sein. sonst läszt sich so natürlich auch das oft spitz zulaufende untere ende des schildes bezeichnen, vgl. mhd.: zegegen kom im gehurtet bî ein fürst ûʒ Anschouwe (diu riuwe was sin frouwe) mit ûf gechêrter schildes spizze.
Parz. 80, 9
lesart (
im text: mit ûf kêrter spitze). die spitze eines helmes,
conus. Steinbach 2, 630,
so des preuszischen infanteriehelms. spitze eines huts. spitze eines schuhes. Campe: derselb und auch anndere schuster und ir gewalt, die sollich zu lanng und verbotten spitzen eynichem burger, burgerin, inwoner oder inwonerin dieser statt gemacht hetten, so sie darumb fürbracht oder gerügt wurden, sollenn von eynem yeden par schuche myt lenngern spitzen, dann das gemelt maass anzaigt gemacht, gemayner statt zu pusse verfallen sein und geben annderhalben guldin, on gnade.
Nürnb. polizeiordn. 109; waʒ der rok hât abeganc, als vil ist der schuoch ze lanc und diu spitze an den schuohen vorn, als diu krumpen widders horn. Teichner 2;
so wol auch: den (
l. dem) füllet man die spitzen syn vil hudelen muosz man dar jn stossen. Brant
narrensch. 95, 9
Zarncke (
vgl. die anm.). spitze eines mantels
u. dgl. 2@a@gγ)
im anschlusz daran in besonderem sinne spitzen,
denticuli patagii. Stieler 2062, spitze, spitzen,
plur. pizzi (
pizzetti)
merletti, dentelli, punti, borten. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 873
a, spitzen, oder, canten, points, seynd ein von gold, silber, gut oder leonisch, nestel-garn, oder weissen auch schwartzen zwirn nach einem gewissen muster gekleppeltes oder genehetes zartes gewebe, dessen sich das frauenzimmer bey ihrem putz zu bedienen pfleget. Amaranthes (1715) 1887, spitze, von zwirn genähtes oder gekläppeltes zeug,
limbus denticulatus, taenia denticulata. Steinbach 2, 630,
de textilibus, quorum extrema cuspides referunt. inde spizen
patagia denticulata. Wachter 1567, spitzen,
pl. limbi floribus inter textis. Frisch 2, 304
a, '
ein geklöppeltes gewirk, welches an dem einen rande mit zarten spitzen oder zacken versehen ist, von welchen es auch den nahmen hat ... auch, obgleich seltener, im singular.' Adelung, '
nach gewissen mustern entweder auf einem klöppelpult geklöppelte, oder genähete, von gold, silber, seide, zwirn verfertigte schmale gewebe, welche zum besetzen der kleider der frauenzimmer in menge und von schöner arbeit gemacht werden.' Jacobsson 4, 227
a.
vgl. Jablonski
lex. (1721) 740.
öcon. lex. (1744) 2781. Jacobsson 7, 410
ff. auch Weiss
kostümkunde 2, 2 (1872), 625,
wonach das spitzenklöppeln um 1536
von Italien (
Venedig)
nach Deutschland übertragen wurde: wann aber die welt witzig wäre, hätten sie billich alle solche händler mit jhren güldinen und silbern stücken, spitzen und pasamenten ... sollen hungers sterben lassen. Philander 1 (1650), 392;
Cyrilla ... wie gefallen euch diese spitzen? es ist recht brabandisch gut.
Coelest. so mäszig! habt ihr nur diese gattung?
Cyrilla. nein, ich habe noch unterschiedene; das hertzgen, zwey hertzgen, das hertzgen mit dem pfeil, das todten-köppigen, das hasen-zähnichen. A. Gryphius 1 (1698), 780 (
vgl. spitzenname
unten); für hundert thaler kann man viel bänder, viel schuhblätter, viel spitzen kaufen. Lessing 1, 479; ich wollte alle kenner der welt hier versammeln und sie fragen, ob sie wünschten etwas von diesen falten, von diesen bändern und spitzen, von diesen puffen, locken und leuchtenden steinen (
einer geputzten frau) wegzunehmen? Göthe 18, 322. spitzen klöppeln,
früher auch kleppel n
[] klippeln, klöpfeln,
vgl.klöppeln 1
oben theil 5, 1233
und spitzenklöppeln,
n. unten: gekleppelte spitzen,
denticuli reticulati. Stieler 2063; zu Annaberg, Schneeberg und sonst in Sachsen werden viel spitzen geklöppelt. Jablonski
lex. (1721) 740
a. spitzen wircken. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 873
a: gewirckte, geklöppelte spitzen,
pizzi fatti ò lavorati alle fusa. ebenda, häkeln, weben: gewebte spitzen,
merli tressuti. ebenda, nähen: allerhand genehete spitzen,
lineum acu textum, vel pictum. Stieler 2062; in Franckreich werden spitzen von mancherley gattung genähet. Jablonsli
lex. (1721) 740
a. spitzen verkaufen,
taenias denticulatas vendere. Steinbach 2, 630: ich habe etliche stücke schöne spitzen zu verkauffen. A. Gryphius 1 (1698), 780. mit spitzen handeln,
auch bildlich, im wortspiel mit spitze,
scharfe bemerkung (
s. unten),
versteckte vorwürfe machen, verweise austheilen. Adelung. Dähnert 449
a. spitzen annähen, anmachen an etwas, mit spitzen besetzen,
metter merli, dentelli, pizzi à qualche cosa. Kramer 2, 873
a. zieren, verbrämen: ein überschlag mit spitzen gezieret,
patagium denticulatum. Stieler 2062; kleid mit spitzen verbrämt,
vestis taeniis descripta, variata, segmentata. ebenda. die spitzen abtrennen,
staccare i merli di qualche veste. Kramer 2, 873
a. spitzen waschen. Jacobsson 7, 412
b. ein schnuptuch (kragen, halstuch . Kramer 2, 873
a) mit spitzen,
linteolum, strophium, muccinium cum limbis, sive taeniis denticulatis. Stieler 2063. spitzen an krägen, halstüchern
etc. Kramer 2, 873
a. feine, klare, köstliche, schöne spitzen.
ebenda, als gegensatz: gemeine, schlechte, grobe spitzen.
ebenda. mit angabe des stoffs seidene, leinene spitzen,
pizzi di seta, di filo. ebenda, goldene, silberne spitzen: di kleider waren von schwarzem seidenem zeuge, mit silbernen spizzen verbrähmet. Zesen
adr. Rosemund 156; ein kleid mit güldenen spitzen,
una veste à merli d'oro. ebenda; die silbernen und goldenen spitzen erhalten wir aus den gold- und silberfabriken. Jacobsson 7, 412
a.
mit angabe der herkunft venedische spitzen,
punto di Venetia. Kramer 2, 873
a: ein halstuch mit venedischen spitzen,
caesitium acu textum opere Venetico. Stieler 2063, frantzösische, niederländische spitzen,
punto, merli di Francia, di Fiandra. Kramer 2, 873
a, brabantische spitzen. Adelung: die Brabanter spitzen oder kanten von leinen waren ehedem in groszem rufe. Jacobsson 4, 277
a, Brüsseler spitzen.
sonderbar pommerische spitzen, bänder,
eine art weiszer zwirnener, auch schwarzseidener, dichter spitzen, zu Harlem verfertiget. 7, 412
b.
warum pommerische?
hat man sie zuerst in Pommern verfertigt, dort besonders geliebt, über Pommern bezogen oder liegt ein miszverständnis zu grunde (
etwa aus bombazijn[en],
stoffbezeichnung)? 2@a@dδ)
an anderen gegenständen, spitze am hammer,
rostrum mallei. Stieler 2063. spitze des zuckerhuts, geschmolzene spitzen,
in der zuckersiederei. Jacobsson 4, 227
b. spitze der zigarre,
die beim rauchen abgeschnitten wird. geräte zum abschneiden und sammeln dieser stücke tragen die aufschrift: bitte um die spitze.
anders zigarrenspitze, spitze,
konisches röhrchen, worin die zigarre beim rauchen gesteckt wird, aus holz, bernstein, meerschaum mit bernsteinmundstück. pfeifenspitze, spitze,
mundstück einer tabakspfeife. Campe.
in der mathematik spitze eines kegels. Jacobsson 4, 227
a.
auch wie ecke, kante eines gegenstandes: wir wünschen dem herrn einen goldenen tisch, auf jeder spitzen gebackene fisch. mitten darinnen eine kante (
kanne) voll wein.
wunderhorn 2, 556
Boxberger. andrerseits auch allgemein wie oberes ende in solcher beziehung, ohne rücksicht auf die form des gegenstandes, im anschlusz an den gebrauch von bergen, häusern, bäumen u. dgl., z. b.: bei der überschwemmung war das wasser in die stube gedrungen, nur die spitze eines stuhls sah aus dem wasser hervor.
bisweilen allgemein wie äuszerstes ende in entsprechender anwendung. bei den zimmerleuten spitzen und ende, was vom zimmerholz abgesäget, und leichtlich verschleppt wird,
extremitates lignorum ad aedificium inutilium. Frisch 2, 304
a. 2@bb)
von natürlich gewordenem. 2@b@aα) die spitz am berge. Comenius
sprachenth. übers. v. Docemius (1657)
teutscher index, die spitze desz berges,
cacumen montis. Corvinus
fons lat. 1 (1660), 98
b, spitze des berges,
cacumen, summitas montis. Stieler 2063, die spitze eines berges,
montis cacumen. Steinbach 2, 630, spitze eines berges,
cacumen, fastigium, vertex. Frisch 2, 304
a. Adelung,
vgl.: der höchste theil eines berges heiszt allgemein gipfel, wenn er abgerundet ist auch kuppe, und wenn er spitzig zuläuft spitze. Oken 1, 543,
woran sich die lebendige sprache aber nicht immer hält: kum
[] mir uon Libano, kum mir! du uuirdest gezieret uon dero spizzon dero hôhon bergo Amanta unte Sanir unte Hermon, an den der sint lêuuon luoger unte pardon holer. Williram 62, 3
Seemüller; es verlieff aber das gewesser fort an und nam abe, bis auff den zehenden mond, am ersten tag des zehenden monds, sahen der berge spitzen erfür.
1 Mos. 8, 5; morgen wil ich auff des hügels spitzen stehen.
2 Mos. 17, 9; als nu der herr ernider komen war auff den berg Sinai, oben auff seine spitzen, foddert er Mose, oben auff die spitze des bergs, und Mose steig hin auff. 19, 20; und das ansehen der herrligkeit des herrn war wie ein verzerend fewr, auff der spitze des bergs, fur den kindern Israel. 24, 17; und sey morgen bereit, das du früe auff den berg Sinai steigest, und daselbst zu mir tretest auff des berges spitzen. 34, 2; und Mose gieng von dem gefilde der Moabiter, auff den berg Nebo, auff die spitze des gebirgs Pisga.
5 Mos. 34, 1; darnach kompt sie (
die grenze) von desselben berges spitzen zu dem wasser brun Nephthoah.
Jos. 15, 9; und die menner zu Sichem bestelleten einen hinderhalt auff den spitzen der berge.
richter 9, 25; da nu David hinüber auff jenseid komen war, trat er auff des berges spitzen von ferne.
1 Sam. 26, 13; (
sie) tratten auff eins hügels spitzen.
2 Sam. 2, 25; und da Ahab hin auff zoch zu essen und zu trincken, gieng Elia auff des Carmels spitzen.
1 kön. 18, 42; auf der spitze des berges stehen,
in vertice montis stare. Steinbach 2, 630; die grause höle des scheuslichen Tänars, sagt wohl ein Lange, aber kein Horaz. es ist eben als wollte man sagen, die hohe spitze des erhabnen berges (
die häufung der beiwörter wird getadelt). Lessing 4, 37; dort die spitze des berges! — ach könntest du von da die weite gegend überschauen! Göthe 16, 39; auf der freytreppe, die rund um den felsen bis zu seiner spitze aufsteigt. Thümmel 10 (1805), 15; und ein gott ists, der der berge spitzen röthet mit blitzen. Haller 77, 4
Hirzel. auch ohne zusatz wie berggipfel: ihr todten, ihr todten sollt auferstehn, ihr sollt vor das jüngste gerichte gehn; ihr sollt treten auf die spitzen, da die lieben engelein sitzen. Brentano 4, 175.
bildlich: und tugent scheint ain hoher bergk wiltu recht klimmen auff dj spitz, in guotem üb, stet sinn und witz. Schwartzenberg 124
b; meine brüder sprangen wie gemsen von spitze zu spitze in den lehrgegenständen herum, ich konnte aber durchaus nichts hinter mir lassen, und wenn mir ein einziges wort fehlte, muszte ich wieder von vorne anfangen. Grillparzer 11 (1887), 268.
vgl. auch unten d. 2@b@bβ) spitze des baums,
apex Stieler 2063, eines baumes Adelung: (
mit genauerer bestimmung) die oberste spitze (
eines baums) ist der poll, oder der wipffel,
fastigium est vertex seu cacumen. Comenius
sprachenthür übers. v. Docemius (1657) 107; nach einigen minuten war der (
tannen-)baum eingeschroben und stand fest und aufrecht, seine grüne spitze fast bis zur decke streckend. Storm
sämtl. werke 1 (1899), 193; das ... Bregagliathal, jetzt ein brodelnder nebelkessel, aus dem mondbeglänzt die spitzen der zu höchst am rande stehenden tannen auftauchen. C.
F. Meyer
Jenatsch (1901) 27; feins lieb, sitz still im grünen moos! der vogel fällt in deinen schoosz wohl von des baumes spitzen.
wunderhorn 1, 177
Boxberger; im bilde: wer aber wil, mag die zween ölebewme deuten das priestertumb und fürstenthum ym jüdischen volcke, aus welchen die zween zweige Josua und Serubabel ... erfur gewachsen sind und hoch ynn der spitzen stehen. Luther 23, 565, 11
Weim. ausg. vgl. auch unten d. 2@b@gγ) spitze eines zweigs: da war's ein ganz mächtiger tannenbaum, der nun nach allen seiten seine entfesselten zweige ausbreitete. lange schmale bänder von knittergold rieselten überall von den spitzen durch das dunkle grün herab. Storm
sämtl. werke 1 (1899), 192. spitz an einem schosz,
f. le tendron de la vigne. Hulsius (1616) 303
b, die spitze an einem rebschosz,
flagellum. Corvinus
fons lat. 1 (1660), 755
b, die spitzen an weinreben,
punta, vette, pampini della vite. lat. flagellum. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c u. ähnl.: die spitzen an bäumen, kräutern abbrechen.
ebenda. spitzen des grases: nicht anders drengen sich und spriessen aus der erden, ... bald hie, bald da, des grases junge spitzen. Brockes 1 (1739), 8;
[] sie (
ein mädchen) flieht, sie schwebet vielmehr, wie Psyche von Zefyr entführt, kaum werden von ihren beflügelten sohlen die spitzen des grases im laufen berührt. Wieland 4, 20 (
n. Amad. 1, 25); 'schwester Ännchen, siehst du nichts?' — 'stäubchen, in der sonne drehen, und des grases spitzen wehen; schwesterchen, sonst seh' ich nichts!' Gotter 1, 55; wo Florens beete die königinn der morgenröthe mit thränen näszt, und perlen blitzen von allen spitzen des grases läszt. Bürger 10
a. spitzen des (
keimenden) getreides (
vgl. spitze an der ähre
unter 1,
b, α): manches feld ..., darauf sonst um diese zeit (
im frühjahr) der roggen seine grünen spitzen trieb. Storm
sämtl. werke 3 (1899), 213. 2@b@dδ) spitze am ey,
ovi cuspis Stieler 2063, die spitze eines eyes,
punta dell' uovo. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
b: ein ey auf die spitze stellen,
posare, collocare un uovo sulla punta. ebenda. vgl. c. 2@b@eε)
an theilen des menschlichen und thierischen körpers. spitze des hauptes,
in älterer sprache, an die beziehung auf den gipfel eines berges oder baumes rührend (
vgl. oben α.
β): eʒ gênt auch âdern durch die rœrloten mitten der prust unz in des hauptes spitzen, und von der spitzen gênt wider ab durch die arm drei fäuht âdern mit pluot. Megenberg 36, 36. spitze an der nase,
nasi crepido. Stieler 2063, die spitze der nase,
nasi acumen. Steinbach 2, 630. Adelung: die schuld liegt an der spitze meiner nase und etwa noch an meinen ohrenzipfeln. H. v. Kleist
Schroffenst. 2, 1. die spitzen der finger. Adelung: er soll sie (
Agamemnon die Iphigenie) nicht berühren — nicht ihr kleid mit seines fingers spitze nur berühren. Schiller 6, 201 (
Iphig. in Aulis 1188);
frei: sehet Moor, ihr habt das leben von tausenden an der spize eures fingers.
räuber schausp. 5, 1. spitze der zehen, des fuszes: an deiner spur sehe ich, dasz du von unserem volke bist, denn die spitze des fuszes strebt auswärts und stark drückt der ballen. Freytag
ges. werke 8 (1897), 6; auf des fuszes spize schwebend lispelt er hinauf zu ihr. Schiller
dom Karlos 2, 8.
entsprechend: da erschien ihm in der betäubung eine männergestalt und rieth ihm nach der richtung zu gehen, welche ihm die spitze seiner fuszspur weise, da liege Italien. Freytag
ges. werke 17 (1897), 178. die spitze der zunge,
la punta della lingua. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c. spitzen des herzens: das menschliche hertz ist also gebildet, dasz nur ein theil oder spitze davon herabwärts hänget, zwo theile und spitzen aber stehen über sich; womit angedeutet wird, dasz unsers hertzens verlangen mehr über sich nach dem himmel, als unter sich, nach dem irrdischen solle gerichtet seyn. Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718), 1255;
die neuere anatomie kennt nur eine spitze des herzens: man unterscheidet an ihm (
dem herzen) die breitere und dickere grundfläche (basis), und die dünnere und schmalere, doch im allgemeinen stumpfe, gespaltene spitze (apex). Meckel
anat. 3 (1817), 4; spitzen der lungen.
der unter 1
erwähnten gebrauchsart näher spitzen der nervenfasern: es gibt also bei dem menschen, von der spitze der nervenfasern an nach innen zu gerechnet, eine schicht, die beständig in arbeit ist. Lichtenberg 1, 123;
vgl.: die gedankenwerkzeuge scheinen am leichtesten zu ermüden zu sein. 124. spitzen der haare: die langen ringellocken sanken herab und tauchten mit den spitzen in das wasser. Freytag
ges. werke 8 (1897), 176. spitzen des schnurrbarts.
bei thieren spitze der ohren, des schwanzes. 2@b@zζ)
in bezug auf flächen, landstrecken u. dgl., spitze des waldes, landes,
punta, estremità del bosco, del paese. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c: daʒ uberig teile der selben muren, von Utengasze untz an den turn der vornan uf der spitze stat (
anmerkung: '
vermuthlich der jetzt noch vorhandene Guldenthurm an der spitze, wo der Rheincanal in die Ill flieszt') und der selbe turn dermite, die wart gemaht nach dem groszen waszer daʒ do was do man zalte 1343 jor.
d. städtechron. 8, 132, 17 (
Straszburg, Closener); dieses muthige volk (
die Friesen) unterstand sich sogar, ohne kompasz, unter dem nordpol hindurch bis zu der nordlichen spitze Ruszlands zu
[] steuern. Schiller 7, 35; die Mainspitze,
wo der Main in den Rhein flieszt. nach α übergreifend: die einwohner der spitze der guten hoffnung, von den Holländern Hottentotten genannt, sind ... darin von andern menschen unterschieden, dasz sie sehr unvernemlich ... ihr gespräch vorbringen. Jablonski
lex. (1721) 741
a.
im kriegswesen spitze des laufgrabens, laufgrabenspitze,
das der festung nächste ende des laufgrabens. Jacobsson 7, 410
a, 6, 428
a. spitze eines winkels,
in der geometrie der punkt, wo die beiden schenkel zusammenstoszen. Eggers
kriegslex. 2 (1757), 955. spitze
in der heraldik eine durch zwei zusammenlaufende linien gebildete figur auf der schildfläche. Siebmacher (Gritzner)
her. term. (1890) 54. 2@cc)
verschiedene sinnliche vorstellungen mischen sich in manchen der folgenden, im gebrauch einander nahestehenden wendungen. deutlich ist das folgende bild: Karlos (
den könig fest an der einen hand, das blosze schwert in der andern). steckt eure schwerter ein. was wollt ihr? glaubt ihr, ich sey rasend? nein, ich bin nicht rasend. wär' ich's, so thatet ihr nicht gut, mich zu erinnern, dasz auf meines schwertes spitze sein leben schwebt. Schiller
don Karlos 5, 4.
vgl.: dein leben stehet an der spitz meines speers.
Octavian M
a (
eingesetzt für älteres am spitz.
s. spitz,
m. 1,
a, α)
und die oben theil 5, 1474
unter knopf II, 9,
b aus älterer sprache belegte bildliche wendung auf spitz und knopf schweben.
es heiszt auch auf spitz und knopf stehen,
s. oben spitz,
m. 1,
a, α. spitze
in der folgenden stelle braucht nicht schwertspitze zu sein: wenn das land wil untergehn, und sich neiget auff den fall, auch die menschen allzumal mit ihm auff der spitze stehn, wil ich seiner säulen stand gründen mit sehr weiser hand. Opitz 75.
psalm, 3.
vgl.: noch nie hat meines wissens das schicksal von 70 millionen menschen so auf der spitze des zufalls gestanden, wie hier jetzt (
Berlin 1850). Bismarck
br. an seine braut nr. 124.
den ersten wendungen entsprechend: (
man entschlosz sich dennoch) sein friedliches vorhaben deswegen nicht zu verendern, noch die friedensintention beyseits und die sache allerdings auff der waffen spitze zu stellen. Chemnitz
schwed. krieg 3, 1, 50
a.
dann auf die spitze stellen,
in summum periculum adducere. Frisch 2, 304 (
unter: spitze, ein gefährlicher ort wegen des fallens,
also mit veränderung des bildes),
zum äuszersten bringen: dies geschlecht von mäklern pflegt alles auf die spitze gleich zu stellen. sie sehen, dasz der herzog mit dem hof zerfallen ist, vermeynen ihm zu dienen, wenn sie den bruch unheilbar nur erweitern. Schiller
Picc. 5, 1.
weiter, mit deutlicher beziehung auf eine waffe: ach! brüder, sollen wir das schwerdt je ferner wetzen, so last uns alles ja auff eine spitze setzen, die nach der freyheit strebt, die gottes sache führt, und eigen nutzen fleucht. Opitz 1, 52;
nahe daran rührend: man musz, wenn sonst nichts hilft, es auf die spitze setzen. Lohenstein
Cleop. 1, 191.
dann auch etwas auf die spitze setzen,
in summum periculum aliquid adducere. Steinbach 2, 630,
etwas in grosze gefahr setzen, es in ansehung des erfolgs sehr unsicher machen. Campe (
mit anderer auffassung: '
auf seinen spitzen theil [
setzen],
da es auf demselben, wenn es überhaupt darauf stehen kann, sehr unsicher stehet und vor dem fallen nicht sicher ist'): dasz die weiber bey dem scheiter-hauffen ihrer männer, den strick erwehlen müssen, wo sie nicht ihre ehre auf die spitze setzen ... wollen. Mascou 2, 43; und setzen darüber gantzer völcker wohl und wehe auf die spitze. 2, 188.
in diesen zusammenhang fügt sich auch die folgende frühnhd. wendung: der meer theil desz volcks ist unverbunden zuo solichem fasten, es soll essen, trincken als offt im tag not erhaischt. und ich will nit die not uff ein spytz (
m. oder femin.) dringen, sunder uff ein lydlich mittel, das ist so eins on schaden siner gsuntheit, den hunger und durst an siner arbeit abstellen mag. Eberlin v. Günzburg 1, 18
neudr. auch hier scheint die vorstellung einer schwert- oder messerspitze zu grunde zu liegen. daran schlieszt sich dann wieder unser etwas auf die spitze treiben,
zum äuszersten bringen, wobei uns freilich die vorstellung einer felsenspitze oder dgl. (
vgl. oben b, α)
näher liegt, von der Frisch
bei der wendung auf die spitze stellen
ausgeht, s. oben: er treibt in der debatte alles gleich auf die spitze; auch flöszen sie
[] (
die werke des ingenieurs Montricher) dem betrachtenden kenner durch die auf die spitze getriebene zierlichkeit und grazie der theile und durch unnachahmliches gleichgewicht ein gefühl der behaglichsten sicherheit ein.
M. M. v. Weber
in Gutzkows
unterhaltungen a. häusl. herd (1854) 2,
nr. 14, 218. 2@dd)
im anschlusz an b, α.
β und ähnliches wie gipfel, höchster punkt in bildlicher anwendung, meist mit dem genit. eines abstractums: nach ihren (
der verschworenen thiere) sinn. solt' kein unfall ihm (
Braun, den bären) gar gewis berühren; sonderen forthin (
sollte er) treten auf des glükkes spitzen.
Reinicke fuchs (1650) 161; hie siehestu, mein freund, wie auf des glückes spitzen, auch in dem höchsten staat, so fährlich ist zu sitzen. Rachel 54; durch dieses mittel schwang er sich aus dem niedrigsten elende auf die spitze der menschlichen grösze. Adelung; nachdem er die leute auf die spitze ihres hoffens und wünschens gebracht hatte. Klinger
theater 2, 205; dasz vornehme personen philosophiren, wenn es auch bis zu den spitzen der metaphysik hinauf geschähe, musz ihnen zur gröszten ehre angerechnet werden. Kant 1, 180; da sah er die dinge unvermuthet auf ihre spitze kommen. C.
F. Meyer
Pesc. 36.
in ungewöhnlichem bilde: und wenn ich ihrer gedenke, so senken sich alle spitzen meines wesens, wie man die waffen senkt, wenn man sich gefangen gibt. Gutzkow
ritter v. geiste 6, 365. allem die spitze aufsetzen,
unsinnlich: allem setzte er die spitze durch ein arzneigläschen auf, das er sich für seine liebe seele im walde, für Drotta, mit dem feinsten stachelbeeren-eise stopfen liesz. J. Paul
leben Fibels 58. 2@ee)
in anderer art mit dem gen. eines abstractums, vielleicht ausgehend von 1,
c: swer merken kan, der volge mîner witze. nâch des rehtes spitze, ê daʒ ein wîp mit bernder wê vrouwen stuol besitze, wie sol ir name geheiʒen sîn, ob sich ir wandel wecket? Frauenlob 151, 10; denn ob sie gleich in solchen tunckeln sachen nicht aller ding gerade die spitzen des rechts treffen, so schadet doch solcher geringer feil nicht. Luther 5, 245
b.
hier sich der allgemeinen bedeutung äuszerstes ende nähernd. so deutlich auch gelegentlich in neuerer sprache in bildlichem gebrauch: in welche eigentümlichen verhältnisse das führen würde, überlasse ich der phantasie eines jeden bis in die kleinsten spitzen hinein zu verfolgen. Bismarck
reden 4, 340. 33)
nach besonderer richtung entwickelt, gleichfalls im anschlusz an spitz,
adj. 1. 3@aa)
allgemeiner derartiger gebrauch des worts. 3@a@aα) spitze, spitz in dem streyde, in einen stride, im krieg,
acies. Dief. 9
b, die spitze des heers,
acies. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c.
die eigentliche keilförmige anordnung der spitze
in diesem sinne ist deutlich ersichtlich aus einer stelle eines berichts über den krieg Nürnbergs gegen Albrecht von Brandenburg i. j. 1450.
d. städtechron. 2, 484, 17
ff., wo es: item er fordert am ersten den edeln und menlichen Haincz Czenger, daʒ er wer an der spitzen; und er solt zu im nemen den edeln Ulrich von Augspurg, Niclas Griesz, Partzifalt Czenger und Hector Peer auf die rechten seiten: die fünf hielten die spitz am ersten glit. auch vordert der vorgenant herr von Blawen an daʒ ander glit der spitzen den erbern und menlichen Erasm Schürstab den jungen ... (
der 3
kämpfer zur linken hand und 3
zur rechten nimmt). auch ward berüft der edel und vest ritter herr Wernher von Parszberg in daʒ dritt glit an die spitzen, und im ward bevolhen daʒ panier der edelen stat Nurmberg (
mit 8
begleitern. dann folgt eine reihe von 11
und schlieszlich eine reihe von 14
kämpfern).
es heiszt eine, seine spitze machen: item aus dem tail der Unger und des cristenlichen heeres sol man lesen und ausklauben zum minsten sechs tausent wolgewapneter reiter von gewönlichem und guotem harnasch und als vil fuoszgeender, die söllent alle schilt tragen und lantzen, und aus den allen sol ain spitz (
nachher: die spitz) gemacht werden. 22, 293, 32 (
Augsburg, um 1450); in der weil die Sweitzer ir spitzen machten (
vor der schlacht bei Sempach). 3, 291, 15 (
Nürnberg, um 1480). die spitze setzen: he satte sine spisse und stellede sik to stride.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; welch houptman mit sinen witzin wel zu eime strite gehin und wel setzin sine spitzin, der sal dri ding da vor besehin, di sunnen, den stoub und den wint, daʒ her sich darvone gekere.
ritterspiegel 2979.
[] die spitze bestellen: de edele herzog bestalte seyne spitzen unde slugk uff die ketzer. Rothe
düring. chron. 782; de spisse bestellen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; syt eynmuodich in uwerm rat, bestelt nu recht die spitzen, wan es dan an ein fechten gat daʒ wir nit affter sitzen. Muscatblüt 92, 74. die spitze ordnen: und also kerten sie sich zu baiden tailen gen ainander und ordneten die spitz, als ob sie fechten wolten.
d. städtechron. 5, 266, 27 (
Augsburg, 15.
jahrh.), die knecht in die schlachtordnung stellen, die spitz verordinen,
aciem struere. Ulneri
phrases (1589) 338. die spitze schicken: he schickede sine spissen, so dat se sick begunden to slanden.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; di spitzin her recht schickete vorne an sime here.
ritterspiegel 753. zu streite schicken: do hadden de heyden ere spissen so gheschickten to stride, dat vor den rideren de votlude ghinghen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; der meistir snel mit witze schikte sîne spitze wol ordinlîch zu strîte. Nic. v. Jeroschin 12750. gegen einen schicken: unde schickede syne spisse tegen de Denen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; dô schicten ouch dî brûdre sân nâch strîtlîchin witzin vurbaʒ ire spitzin kein der Pogenzenschen dît. Nic. v. Jeroschin 4886. die spitze kehren, wenden, gegen, wider, auf einen: als sie die spitz am ersten gen einander kerten.
d. städtechron. 5, 267, 3 (
Augsburg, 15.
jahrh.); darnach keret er (
Otto II.) die spitz auff Lotharium den künig zu Franckreich. Franck
chron. (1531), 175
b; zuoletzt zohe er (
Konrad II.) ausz Rom, liesz Welsch land befridet, und wendet die spitz wider die Winden und Hungern. 178
b.
vgl. unser seine spitze kehren gegen
unter 1,
a, δ.
verbunden erscheinen spitze und ordnung: und als sie dausz waren, da kamen die Pair an sie mit 600 raisiger pferd, und warend gar nahend bei ainander und machten ir spitz und ordnung auf baiden tailen.
d. städtechron. 22, 180, 20 (
Augsburg, v. 1462), spitze und haufen: ain weyser hauptmann zuo der schlacht, so er sein spitz und hauffen macht, am nächsten ordent zuo dem streyt, den er guot weer und harnisch geyt. Schwartzenberg 131
a.
mehrere spitzen,
treffen, schlachthaufen bei einem heer unterschieden: de ersten spissen verloren de Wende; men in der andern spissen ... worden beyde geslaghen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; die Chaldeer machten drey spitzen, und uberfielen die kamel, und namen sie, und schlugen die knaben mit der scherffe des schwerts.
Hiob 1, 17; da vermanet Judas sein volck, das sie fur jre brüder streiten wolten, sie zu retten. und macht drey spitzen, und greiff sie zurück an im sturm. 1
Macc. 5, 33; das heer in vier spitzen ordnen,
ordinare, schierare, la bataglia à quattro fronti. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702) 872
c; der herzoge kunliche gegen on reit und hate drie spitzen gemacht. Liliencron
hist. volksl. nr. 141, 21 (
v. 1476); die Caldeer haben mit witzen uberfallen mit dreyen spitzen deine camel mit gwalt genommen auch sindt all deine knecht umkommen. H. Sachs 2 (1570), 1, 4
c (
nach Hiob 1, 17,
s. oben). die spitze
als vorderste schar im gegensatz zum heer,
der folgenden hauptmasse des heers: sîn sper slûg er undir nâch ritterlîcher manheit unde crefticlîch durchreit der vîende spitze und ir her. Nic. v. Jeroschin 11125
Strehlke; vgl. auch: und dô dî Prûʒin sâhin dî cristenen kein in gâhin mit sô menlîchim mûte ir spitz ein aftirhûte wart in zegelîchir flucht. 4598.
scharf tritt hier die bedeutung: vorderster theil des heeres hervor, die auch in manchem der vorigen belege durchschimmert. 3@a@bβ)
daran schlieszt sich der heutige militärische gebrauch des worts für die vorderste abtheilung einer truppe auf dem kriegsmarsche: die infanteriespitze besteht aus 1 offizier und mindestens einer sektion, und marschiert geschlossen oder aufgelöst auf der strasze.
felddienstordn. (1900) 151; die kavalleriespitze
[] ist 1 offizier und 4 bis 6 reiter stark.
ebenda. beim rückzug wird in entsprechender weise eine nachspitze
gebildet, als dem feinde nächste abtheilung. 3@a@gγ)
allgemein wird spitze
in neuerer sprache gebraucht vom vorderen ende eines zuges, eines heereszuges wie eines zuges anderer art. auch die ältere zeit kennt schon diese allgemeinere verwendung: do quemen de iunkheren unde de riken borghers kyndere van dem rathuse mit pipen unde bassunen ... unde als vöre (
ganz vorne) in der spyssen dar ghink Maria Magd. twischen twen schonen iungelinghen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 331
b; oft, wenn sich das dornengestrüpp lichtet und ein freies stück grassteppe vor uns liegt, kann die spitze unserer karawane grosse flüchtende heerden von zebras, oder rudel von antilopen, in dichte staubwolken gehüllt, davonjagen sehen. v. Götzen
durch Afrika 12; die spitze eines festzuges, einer prozession. 3@bb)
besonderes interesse verdienen wendungen, die auf die kämpfer gehen, die die spitze bilden, die dort ihren platz haben. 3@b@aα) die spitze halten.
d. städtechron. 2, 484, 20 (
s. oben);
mit dem zusatz vorn: Ludewig hielt die spitze vorn.
Ludwigs kreuzf. 1699. die spitze führen,
im bilde: uber das, wo der recht heubtstreit angehet mit dem teufel unter uns selbs, müssen wir gewarten, das auch die fallen die itzt die spitzen füren, es sey Luther, oder wer es wolle. Luther 2, 94
a. die spitze nehmen: nimm die spitze (
des zugs der krieger), Wolf, und lasz die rosse springen. Freytag
ges. werke 8, 152.
vgl. auch die folgende bildliche wendung: dar nâch keiser Julius satzt daʒ Januarius walte sînes jâres spitze mit anvang nâch der sunnen litze. Joh. v. Frankenstein
kreuz. 311. 3@b@bβ)
adverbial in der spitze stehen
u. ähnl.: we synt biir tomalen drede, so de kleyn- unde groffsmede: de kunt wol degger harde slan we wilt myd in der spyssen stan.
d. städtechron. 16, 206, 3356 (
Braunschweig, v. 1490); solt ich enterbt werden, so will ich doch in Gasconien ziehen, und all die jungen gesellen, oder ritter meins heers, mit mir füren, die will ich in die spitz verordnen, und werd jnen geben, das sie sich erhalten mögen, so jr daheym müd und erlegen bleibent.
Aimon k 6
b;
mit betonung des vorn seins, im bilde: do most he als eyn hunt draven vorane in syner spitzen.
d. städtechron. 16, 207, 3381 (
Braunschweig, v. 1490). 3@b@gγ)
das tritt immer hervor in der verbindung vor der, die spitze: wann es aber zu dem rechten sieg kommet, da man solle vor der spitze stehen, für seinem feinde, für ehre und vatterland fechten, und den löwen-muth sehen lassen.
Simpl. 1, 329
Keller; sich vor die spitze stellen,
in primam aciem procedere. Steinbach 2, 630. Adelung,
auch bildlich, sich vor andern der gröszten gefahr aussetzen. Adelung,
heute wie die vorher erwähnten wendungen veraltet. 3@b@dδ)
dasselbe moment wird durch einen zusatz ausdrücklich betont in den folgenden verbindungen: und die feinde waren auff, und machten jre ordnung also, im vorzug waren die schützen, und die besten krieger stunden forn an der spitzen. 1
Macc. 9, 11; und wenn die amptleute ausgeredt haben mit dem volck, so sollen sie die heubtleute für das volck an die spitzen stellen.
5 Mos. 20, 9,
ist aber auch in den nächsten stellen erkennbar. d. städtechron. 2, 484, 18 (
s. oben); herr kaiser, ich (
ein ritter) stund euch pey so gern, möcht ir mich dreier sach gewern, das ich nit dürft an die spitzen gan, die ander, das ich möcht kumen dervan, die dritt sach, das ich plib gesunt: so stund ich euch pei zu aller stund.
fastn. sp. 637, 12
Keller und bleibt in der folge bei der verknüpfung des worts mit an
so vorherrschend, dasz diese verbindung sich in der allgemeinen bedeutung: an vorderster, an die vorderste stelle bis heute erhält. die allmähliche erweiterung des gebrauchs, der schlieszlich noch über den sonstigen entsprechenden des subst. hinausgreift, zeigt die anordnung der folgenden belege. in bezug auf ein kämpfendes heer, lange noch mit dem gefühl für die alte bedeutung: mit uns ist an der spitzen gott und seine priester.
2 chron. 13, 12; an der spitze stehen,
stare in acie. Stieler 2063;
[] an der spitze fechten,
ante prima signa dimicare. Steinbach 2, 630; vornen im krieg an der spitze stehen,
primam aciem tenere, ante signa stare. Frisch 2, 304
a und so bis heute, aber mit der auffassung im obigen allgemeinen sinne. vgl. auch den folgenden bildlichen gebrauch: denn die hohenschulen solten erzihen eitel hochverstendige leut in der schrifft, die da möchten bischove und pfarrherr werden, an der spitzen stehen, wider die ketzer und teufel, und aller welt. Luther 1, 312
b; Christus werck setze vorn an die spitze wider den teuffel, tod, sünd und gesetz. 28, 415, 6
Weim. ausg., den wir heute nicht mehr nachbilden können. auch die bei Stieler 2063
verzeichnete freiere auffassung theilen wir nicht: einen an die spitze stellen,
collocare aliquem in locis difficillimis, sub ictum dare; an der spitze stehen,
caput ruinae subdere. in loserer fügung mit hinzutretendem gen.: wenn der soldat an der spitze des treffens stehet, und nichts so sehr durch schild und waffen, als durch die stimme seines feld-herren auffgemuntert voller lust und als ein siegender, ehe er noch gestritten, auff den feind zufällt, als wie in die armen seines freundes. Schuppius 850.
allgemeiner in bezug auf ein marschierendes heer: also keret jederman von Juda und Jerusalem widerumb, und Josaphat an der spitzen.
2 chron. 20, 27; an der spitze eines heers marschiren. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c; der kaiser setzte sich beim parademarsch an die spitze seines regiments, zog an der spitze der fahnenkompagnie in die stadt ein.
vgl. auch: wir pursche frisch heraus zu siebzehn hundert, und du an der spize, und mezger, und schneider und krämer hinterher, und wirth und barbierer und alle zünfte, und fluchen, sturm zu lauffen wider die stadt, wenn man den purschen ein haar krümmen wollte. Schiller
räuber schausp. 1, 2.
von zügen anderer art (
von nebelmassen): hier dringt eine gebeugte gestalt heran, einem knieenden weibe vergleichbar, das vor schmerz zusammenbricht, dort ein zug in langen wallenden gewändern wie römische senatoren, an ihrer spitze ein kaiser mit der strahlenkrone. Freytag
ges. werke 6 (1897), 5; da erschien Züs unter der thüre, mit feierlicher miene, und zog an der spitze der gesellen gefaszten mutes aus dem thore. Keller 4, 247; das pärchen wurde an der spitze der ganzen schar in das haus begleitet. 7, 50;
bildlich: begierde und hoffnung sind darunter (
unter den leidenschaften) die algemeinsten: jene gehet an der spitze, und diese folget hinten nach. Heilmann
Thuc. 368.
dann auf befehl, leitung gehend, zunächst auch in bezug auf eine schar von kämpfern, deren befehlshaber noch in unserem heer in vielen fällen seinen platz an der spitze
hat: wenn einer ... ein heer füren sol, ... und fornen an der spitzen stehen sol, so wird ime alle kunst ... zu kurtz. Luther 16, 358, 34
Weim. ausg.; singe ihn (
Friedrich den groszen) an der spitze seines heeres, an der spitze ihm ähnlicher helden, so weit menschen den göttern ähnlich seyn können. Lessing 1, 207; nun fehlte ihm zum könige nichts mehr, als eine feierliche anerkennung, und konnte man ihm diese wohl an der spitze seiner gewaffneten und gebietrischen schaaren versagen? Schiller 9, 142; dasz er (
Wallenstein) zum Schweden wolle übergehn, und an der spitze des verbundnen heers den kaiser zwingen wolle.
Picc. 5, 1.
weiter leitung von personen, die sich unter anderen verhältnissen vereinigen, von unternehmungen, bei denen mehrere betheiligt sind, bezeichnend: nun ging er nicht mehr fort, trat aufs neue an die spitze der haushaltung, arbeitete über kopf und hals, und hirtete die kühe selber. Bräker 18
Reclam; und büberei ist das ganze, wenn er nicht an der spitze steht — ohne den Moor sind wir leib ohne seele. Schiller
räuber trauersp. 1, 6; Genueser, ihr stelltet mich freiwillig an die spize des komplotts.
Fiesko 3, 5; das volk an dessen spitze er (
Moses) treten soll, ist dieses kühnen wagestücks, eben so wenig fähig als würdig.
schriften 9, 115; es war aber auch gefehlt von euch, dasz lauter prononzierte liberale sich an die spitze (
eines vereins) stellten. Auerbach
dorfgesch. 2, 141.
auch in folgender art: da sie (
eine gesellschaft) unter ihren mitgliedern viele geistliche zählte, und sogar die namen einiger kardinäle an ihrer spitze trug, so wurde der prinz um so leichter bewogen, sich darin einführen zu lassen. Schiller 4, 266.
schlieszlich kann in derartigen wendungen ein unpersönliches subject oder object erscheinen, wenn es sich um einzelne theile einer mündlichen oder schriftlichen darlegung handelt, wobei sich dann eine sinnliche vorstellung anderer art einstellen kann: auch
[] in den namentafeln stellt Tacitus beide male die niederdeutschen namen des Ingo und der Marsen an die spitze. Freytag
ges. werke 17 (1897), 33; ein artikel an der spitze einer zeitung. 3@b@eε)
schimmert hier die bedeutung oberes ende durch, so schlägt der sinn des worts in den folgenden wendungen deutlich in ähnlicher weise um: einen oben an die spitze stellen,
metter' uno alla testa dell' esercito. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 872
c; hierüber verwunderte sich Petronius, und dieses um so viel mehr, weil der Aiax meistentheils allerwegen auf der spitze gewesen, wenn etwas unter den burschen vorgegangen.
Plesse 1, 46.
die bestimmtere vorstellung eines erhöhten sitzes scheint mitzuwirken in der folgenden stelle: so bitt wir, wollest an die spitzen zu uns in das gerichte sitzen und selber dise sache richten. Rebhun
Sus. 5, 2, 135
Tittmann. vgl. dazu: und wer nicht die vernunft mit an die spitze setzt, der kommt oft lädig weg. Günther
bei Steinbach 2, 630. 44)
weitere zu spitz 1
in beziehung stehende besondere gebrauchsarten. 4@aa)
im anschlusz an 2,
d und 3,
b die spitzen der behörden,
die höchsten beamten. 4@bb)
beim kartenspiel die sieben, weil auf dieser karte das siebente zeichen oben über den in zwei reihen geordneten sechs anderen steht und so eine spitze bildet. Campe. Hertel
thür. sprachsch. 231,
die sieben in der deutschen karte. Spiesz 237,
heute nicht allgemein üblich. 4@cc) eine spitze,
ein wenig, landschaftlich (
vgl. verbindungen wie eine messerspitze salz, zwei fingerspitzen thee,
die ein masz bezeichnen): gib mir nur eine einzige spitze. Anton 13, 4,
bildlich: warte nur eine spitze.
ebenda. 55)
nach spitz,
adj. 2,
d, α scharfe, beiszende äuszerung, stich durch worte, beeinfluszt durch das franz. pointe (
auch spiet,
hohn oben sp. 2476
wird herangezogen. Liesenberg 202): eben das sinnreiche dieses einfalls bringt uns auf die vermuthung, dasz er wohl auch nur ein bloszer zusatz des hämischen erzehlers sey, der sein mährchen gern mit einer recht giftigen spitze schliessen wollen. Lessing 7, 161; die spitzen und schärfen, die sonst aus seinen worten blitzten, waren diesmal nicht dabei. Storm 7 (1899), 184.
landschaftlich, zumal auf nd. sprachgebiete, weit verbreitet, besonders pluralisch: dat weren spitzen. Dähnert 449
a; spitzen geben,
empfindliche reden gegen jemanden führen. Klein 2, 163 (
Harz), geben, austheilen. Anton 4, 12 (
Ober-Lausitz); enem spitzen geven,
einen ansticheln. Strodtmann 225. Bauer-Collitz 97
b; ich danke für die spitzen. Frischbier 2, 353
b; na lassen se man ihre spitzen.
d. richt. Berliner 77
b.
gern im wortspiel mit spitze 2,
a, γ: mit spitzen handeln,
auch so von Adelung
erwähnt (
s. oben a. a. o.); wat kostet de eel vun de spizzen? Schütze 4, 171; dei spötze kannst dî an e underrock nêge. Frischbier 2, 353
b. 66)
nach spitz,
adj. 2,
d, β,
im bilde: ach und die sonne senkrecht die spitzen bohrt in den scheitel. Ludwig 1 (1891), 13.