jetzt,
adv. nunc. II.
Die form. I@11)
das seit dem 12.
jahrh. nachweisbare mhd. iezuo,
geschwächt ieze
ist zusammengesetzt aus den partikeln ie
und zuo,
vergleicht sich seiner bildung nach dem erst später auftauchenden immerzu (
sp. 2078)
und will im allgemeinsten sinne einen gegenwärtigen, dauernd gedachten zustand bezeichnen. die form leidet mannigfache veränderungen. neben der vollsten und ältesten, die bis auf unsere zeit in itzo, jetzo
dauerte (
s. d.),
ergab sich aus der geschwächten ieze
ein iez,
das im 15.
und 16.
jahrh. höchst gewöhnlich gebraucht wurde, und mit antritt eines etymologisch nicht berechtigten t
ein iezet, iezt,
das erst spät in unser jetzt
sich wandelte; ferner mit nasalierung ein iezent,
mit tieftonigem schweren vocale iezunt,
das unten gesondert betrachtet wird (
s. jetzund, jetzunder). I@22)
die form iez
ist zumal in alemannischen und bairischen quellen der genannten zeit die vorwiegende, und hier nach der diphthongischen aussprache (
die bis heute dauert, alem. ietz,
bair. ietz
und hietz,
vgl. Schm. 1, 181
Fromm. Lexer 151),
auch durch den reim gesichert: yetz : gebiets
Daniel 1545 M 2
a; : gmüets G 2
b; : geblüets Q 3
a; yetz, geleich angends,
nunc, jamprimum, in praesens, hic, eo loci Maaler 510
a; yetz sindt sie also dahin, das man nit weisz, wo die stet gelegen sind. Frank
sprichw. 94
a; dise sind yetz also veracht.
ebenda; yetz brechen wir alt bew ab. 96
a; ietz ist aber die welt noch grober. 147
a; do ist den narren yetz mit wol (
nämlich mit zutrinken). Brant
narrensch. 16, 72
u. oft; botz lung, ietz kom ich wider uff die ban z'reden, was ich fürgnommen han.
spiel von S. Meinrad s. 1; ab dir wil ich ietz wytzig werden.
s. 35
u. ö.; auch wenn in drucken jez
steht, ist die form keine andere, da das zeichen j
bis ins 17.
jahrh. häufig für i
steht, vgl. sp. 2185: jetz Keisersberg
bilg. 3
d gegen ietz 2
d. 3
a;
[] drumb lueg jets was er zu schaffen habe mit beicht, busz, reu der sünden. Püterich
bei Haupt 6, 43; jetz ists umbsunst, du kumst zu spat. Funkelin
in Tittmauns schausp. 1, 199, 775; hör mich auch jetz, wan mein mund sendet mein laid und bit zu deinem ohr. Weckherlin 56
u. oft. in andern als alemannischen und bairischen gegenden hat jedenfalls schon frühe iez
wie îz
oder auch iz
gelautet, H. Sachs 1, 293
c reimt jetz : spitz;
und es wird demgemäsz nun auch itz
geschrieben: manch tröstüng hätt ich in der ehe, itz trag ich ach und aynig whe. Schwarzenberg 148
d (
ebenso 150
d gegen yetz 151
a, yetzt
ebenda, jetzt 154
a); auch ich lig krank und leid grosz quale, davon ir mir itz habt geklaget, das ir darin seit hart geplaget. P. Rebhun
in Tittmanns schausp. 1, 34, 109;
und noch in quellen des 17. 18.
jahrh.: das fleisch, das böse fleisch will jtz behalten schier den obersitz. Philander (1650) 1, 437; ich war der könig der schwarzen inseln, und dieser see, um den sie sich itz (
gedrucht ist itzt) verwandelt in vier hügel, winden, war einst mein königlicher sitz. Wieland 18, 256 (
wintermährchen, 2.
theil). I@33)
schon seit dem 13.
jahrh. findet sich angetretenes t: nu bedarf ich dîn izit wol, wand ich hinnen scheiden sol.
Marien himmelfahrt in Haupts zeitschr. 5, 536, 775;
und diese form, bis ins 16.
jahrh. gegen ietz
die seltnere, breitet sich von da an aus: ich köndte jn jetzet nicht hören. Pauli
schimpf 46
a;
gewöhnlich als ietzt
und itzt (
auch wenn jetzt
geschrieben, s. oben 2):
so bei Brant yetzt 102, 28
für sonstiges yetz;
in S. Meinrads spiel jetzt
s. 13,
sonst ietz; wie sie euch in der bewrischen uffrhur beim leben erhalten haben, ihr weret sunst ietzt lengest faul. Alberus
wider Witzeln L 3
a; yetzt
Aimon bog. O 4
gegen yetzt O 2; wo seindt jr ytzt? O 3; fürwar es ist iezt an der zeit. Schade
sat. u. pasqu. 1, 12, 201 (
gegen iez 10, 117. 13, 4. 14, 44. 16, 124
u. s. w.); Luther
führt jtzt (= îtzt)
durch. diese form ist nun die bis ins 18.
jahrh. herschende und noch bis in unsere tage hineinreichende, theils und gewöhnlich itzt,
theils ietzt
geschrieben: besser iezt als ein andermal,
praesentia sunt meliora Stieler 886; itzt,
jam, nunc Steinbach 1, 816;
bei allen schriftstellern bis in die achtziger jahre des vorigen jahrhunderts sind belege ungemein häufig: ja, ja, mein schönes kind, da war ich gefährlich, da wuszte manche davon zu sagen; aber ietzt — Lessing 1, 549; mein herr, sie beschimpfen mich ietzt mit dieser vertraulichen benennung. 581; ach wüszt er was mein herz noch ietzt für ihn empfindet.
der junge Göthe 1, 162 (=
werke 7, 52,
wo jetzt); dein brief, den ich eben izt erhalte. Wieland
in Mercks briefs. 1, 126; itzt sinkt dem alten arm und muth.
werke 18, 222;
im reime namentlich bleibt itzt
noch lange, auch nachdem sonst das moderne jetzt
durchgedrungen: gewisse freiheiten musz sich jeder dichter im reime gestatten. so habe ich mir z. b. nie ein gewissen daraus gemacht, bald itzt bald jetzt am ende eines verses zu brauchen, weil das itzt oft einen vortrefflichen vers zuspitzt.
äuszerung Wielands
von 1796
in Böttigers
litt. zust. 1, 196; es ist ein wahres zeichen dasz euch ein guter engel schützt; allein, setzt er hinzu, das nöthigste ist itzt dem jungen weibe die hand des trosts zu reichen.
werke 23, 76 (
Oberon 8, 9); wann sie an ihrem tischchen sitzt, so werd ich scherzend hingewinket: 'komm, schmücke selbst dein mädchen itzt, wie deiner laun am besten dünket!' Bürger 18
b; mit deutschheit sich zu zieren itzt hat jeder sein armes wamms zerschlitzt. Göthe 13, 54 (
von 1780), ich seh ihn, wie, die stirn gestützt, er leise lächelt in gedanken; wo weilen sie? wo blühen itzt und treiben diese zarten ranken? A. v. Droste-Hülshoff
ged. (1873) 93; die sonne schwindet, doch ein leuchten streicht um der liktoren beile — wieder itzt — sie rucken, schwenken sich — es blitzt! es blitzt! 127. I@44)
wie frühe die form jetzt
der aussprache nach durchgedrungen sei, läszt sich nicht feststellen. der schreibung nach findet sich [] jetzt
bereits im 16.
und 17.
jahrh., aber es bestehen zweifel, ob die jotierung des anlautes selbst in der zweiten hälfte des 17.
jahrh. schon bestanden habe oder, wenn dies der fall, doch erheblich verbreitet gewesen sei (
vgl. dazu jetzo 3
und unten unter jetzund
den reim Ayrers jetzen : sitzen),
beweisende reime für das 17.
jh. stehen hier nicht zu gebote; erst für das 18.
jahrh. thun sie die heutige aussprache dar: (
bis) jetzt wir blicke wechseln, jetzt leise seufzer, und zuletzt in die arm einander sinken. Gökingk
ged. (
Frankf. 1821) 1, 41 (
v. 1772),
gegen: hat bei den alten diesz vor erkalten kein herz geschützt: warum denn itzt? 125.
die zeit des schwankens ist ganz dieselbe wie bei jetzo,
und bei beiden worten dringt der consonantische anlaut viel später durch als bei je, jeder
u. ähnl. IIII.
Bedeutung. II@11) jetzt,
auf eine gegenwärtige zeit bezogen: hodie, hac tempestate itzt, itzund, zu disser zeit Alb.; uf daʒ er ietz entpfindt in im (
sich) die bitterkeit der stroff (
strafe). Keisersberg
bilg. 5
c; die schuld ist jtzt ewer.
richt. 21, 22; die man jtzt propheten heiszt, die hies man vorzeiten seher.
1 Sam. 9, 9; ist nicht jtzt die weizenerndte? 12, 17; die dir jtzt hofieren, werden dich verachten.
Jer. 4, 30; ich wolt aber, das ich jtzt bei euch were.
Gal. 4, 20; es ist nicht mehr umb die zeit, da Gretlin span, und Henszlin stecken ritt: vor haben sie bei dem hunger gewacht, jetz schlafen sie bei vollem bauch wol. die kirchen seind jetz gar liecht und hell worden, und die herzen tunkel: vorzeiten warn die kirchen tunkel und der menschen herzen liecht. Fischart
bienk. 139
a; die yetz zu jrer zeit gborn werden, müssen zu jrer zeit sterben, und das man yetz pflanzt, muosz etwa uszgerot werden, yetz schneiden wir ab, dʒ wir etwa sorgfeltig pflanzten, nu zerbrechen wir, dʒ wir etwa gebaut haben. Frank
sprichw. 95
b; den wil ich jm jetzt alsdan, und dann als jetzt perfecte und plene gegeben haben. Ayrer
proc. 1, 4; und wird dann (
am jüngsten tage) kein vergleich, keine gütliche handlung mehr gelten. jetzt aber seid ihr mit eurem widersacher noch auf dem wege. Schuppius 321; schon seit anderthalb jahren bin ich mit einer übersetzung beschäftiget, mit welcher auch sie jetzt beschäftiget sind. Lessing 12, 21; vormals war er so arm wie ich, jetzt sitzt er im überflusz. Schiller
parasit 2, 4; verlieren sie keine zeit; es ist gerade jetzt der günstige augenblick — ich möchte es, wo möglich, noch heute an die behörde absenden. 2, 5; jetzt, da es uns noch an nichts gebricht. Göthe 19, 20; das innere lernen wir schon bei gelegenheit kennen; jetzt sei nur gesagt, dasz auf der andern seite des hauses um einen geräumigen hof ställe und scheunen liefen. Immermann
Münchh. 1, 148; welchs iez ligt unden, wirt dan das ober.
fastn. sp. 386, 14; junkfrau, sagt mir, was euch geprist! ich hilf euch iez und alle frist. 549, 16; ich schmelze itzt miseriam. Lessing 2, 409; den reichen nennt es ihn itzt mehr als je. 239; wollt ein strahl der hofnung mich erfreun, dasz du mein noch würdest sein: o! wie kam ich mir so klein, aber izt, wie grosz nicht vor! Gökingk 1, 50; nun sagt mir, herr abt, als ein treuer wardein, wie viel ich itzt werth bis zum heller mag sein? Bürger 67
a; ihn würdest du aus tausenden heraus zum freunde dir gewählt, ihn an dein herz geschlossen haben als den einzigen; und jetzt, da ihn die heilige natur dir gab, dir in der wiege schon ihn schenkte, trittst du, ein frevler an dem eignen blut mit stolzer willkür ihr geschenk mit füszen. Schiller
braut von Messina v. 388; jetzt empfind ich erst den mai, seit der sturm in blüthen wühlet. Uhland
ged. 45; was weht doch jetzt für trockne luft! 66;
in der formel jetzt zu dieser zeit: und ich ietz diser zitt mit alter und libs krankhait beladen. Öheim
chr. v. Reichenau s. 1; der nicht hundertfeltig empfahe, itzt in dieser zeit, heuser und brüder, und schwester und mütter, und kinder .. und in der zukünftigen welt das ewige leben.
Marc. 10, 30; ist aber yetz der zeit ganz öd und wüst. Frank
weltb. 166
a [] II@22)
mit praepositionen, bis jetzt, für jetzt, vor jetzt (
auch zusammengerückt, theil 4
1, 754), auf jetzt: und was ich auf itzt vergessen musz, habe ich denn das auf ewig vergessen? Lessing 10, 329; es gehört für itzt mir zu. Gellert 2, 202; dasz von Spanien vorjetzt noch nichts zu hoffen sei. Schiller 682; komm vor itzt nur mit in meinen harem, eine sängerinn zu hören, die ich gestern erst gekauft. es reift indesz bei mir vielleicht ein anschlag. Lessing 2, 242; habt ihr bis jetzt verheimlicht diesz gesicht, so haltet ferner fest an eurem schweigen.
Shakesp. Hamlet 1, 2.
vergl. auch anjetzt. II@33)
in bezug auf ein vorhaben, eine absicht, einen willen, wunsch, befehl zeichnet jetzt
eine unmittelbar bevorstehende, an die gegenwart dicht heran reichende zukunft, etwa wie sogleich oder auch nun: du solt jtzt sehen, ob meine wort können dir etwas gelten oder nicht.
4 Mos. 11, 23; doch ich wil jtzt von gott reden und von jm handeln.
Hiob 5, 8; wöllend wir nit yetz gon, ist es nit zeit ze gon,
jamne imus Maaler 510
a; sieh, sie regt sich! itzt wird sie erwachen. Lessing 2, 567; so wird man itzt in der that weniger blendende stellen zusammen rechnen können. Ramler
dichtk. d. H. 128; was fangen wir izt mit unserm bären an? Wyttenbach
in Mercks briefs. 1, 504; darum wil ich ietz sterben thon (
thun).
meisterl. fol. 23
no. 243; wir wolln zu ir ins haus itzt gehen. Rebhun
in Tittmanns schausp. 1, 37, 189; itzt wird der südwind mich nicht mehr aus regen büschen, davon der schatten wankt, in ihrem arm erfrischen. itzt werd ich nicht, wie sonst, die rauhen faunen gehn und ziegen über uns am felsen klettern sehn. E. v. Kleist (1804) 1, 147; das alles wird sich itzt o prinz, vor deinem aug verbreiten.
Mercks briefs. 1, xlvii; o, so erfüll itzt die verwünschung mir. Bürger 142
b; jetzt geh und schick mir gleich den Isolan hieher. Schiller
Wallenst. tod 3, 4; jetzt unvermittelt neige du dich zu unserm schmerz! Uhland
ged. 97.
auch bei lebendiger schilderung einer ferneren zukunft: der vater wird ihm bald die herrschaft abtreten und in ruhe auf seinen schlössern leben. i zt hat der stolze strudelkopf den zügel in händen, itzt lacht er seiner hasser und neider — und ich .. werde tiefgebückt vor seiner thürschwelle — Schiller
räuber 2, 1. II@44) jetzt
deutet auf einen bis unmittelbar an die gegenwart reichenden abschnitt der vergangenheit, etwa durch eben, so eben zu umschreiben: sihe, jtzt sind zu mir komen vom gebirge Ephraim zween knaben.
2 kön. 5, 22; die jtzt mit namen beschrieben sind.
1 chron. 5, 41 (
sie sind vorher v. 24—37
genannt); da stunden auf die menner, die jtzt mit namen genennet sind.
2 chron. 28, 15; herr, meine tochter ist jtzt gestorben.
Matth. 9, 18; wer wars, der itzt in die collekte mit langsam schlauer hand ein volles briefchen steckte? Gellert 1, 34; und itzt sprach Hafi doch so ungewisz, so kalt von ihm. Lessing 2, 242.
in den verstärkenden verbindungen eben jetzt, gleich jetzt, grade jetzt: eben jetzt ist diese nachricht eingetroffen; izt gleich bekomme ich meines herrn brudern schreiben (
empfange es so eben). Wallensteins
briefe 20; du siehst es ja, dasz ich den brief nur jetzt gleich bekommen habe. Lessing 1, 275; grad ietz, herr graf, kompt er gegangen (
von einem so eben eingetroffenen).
spiel von S. Meinrad 14. II@55) jetzt
mit einem praeteritum oder historischem praesens, und einien jüngern, gleichsam der gegenwart näheren abschnitt der vergangenheit von einem früheren unterscheidend: und alsbald sie versuochten die feigen, da schamten sie sich ietz des, des sie sich vor nit schamten. Keisersberg
sünd. d. m. 12
d; und da sie geberen solt, worden zwilling in jrem leibe erfunden. und als sie jtzt gebar, that sich eine hand heraus.
1 Mos. 38, 28; und in derselbigen nacht fiengen sie nichts. da es aber jtzt morgen war, stund Jhesus am ufer.
Joh. 21, 3; da namen sie jn und marterten jn, wie den ersten. als er nu jtzt in den letzten zügen lag, sprach er .. 2
Macc. 7, 9; da seid ihr im irrthum, sprach der hofschulze, der das letzte gehört hatte und, das schurzfell jetzt abgethan, im weiszleinenen kittel aus dem schoppen trat. Immermann
Münchh. [] 1, 128; die bauern sprachen jetzt (
nach andern reden) von dem gegenstande, welcher sie zu dem hofschulzen geführt hatte. 137; die mägde hatten vorher schon den tisch abgeräumt und gingen jetzt hinaus. 191; ein guter ehrlicher soldat, der .. im trunke seinen wirth erschlagen, ward itzt hinausgeführt, für seine missethat den lohn durchs schwert davon zu tragen. Gellert 1, 200; durch gassen, wo er sonst stolz auf und ab gefahren, schlich itzt sein fusz ganz unbekannt.
s. 51; hier steht nunmehr das gute kind, allein sie kann sich nicht entschlieszen. doch nein, itzt bückt sie sich geschwind und wagts, Damöten sanft zu küssen. 53; die schaar beginnt, geordnet itzt die reis, und eilt mit schnellen flügeln fort. E. v. Kleist (1804) 2, 31. II@66) jetzt,
auch sonst bei einer zeitfolge, wie nun, nunmehr: wie jetzt geschehen ist.
richt. 13, 23; drumb hab ich ietz erwegen desz üweren rhats in thrüwen z'pflegen.
spiel von S. Meinrad s. 11; das recht, das eine schlimme zeit lebendig uns begrub, das jetzt mit neuer regsamkeit sich aus dem grab erhub. Uhland
ged. 87.
so z. b. in scenischen anweisungen des 16.
jahrh. bei den einzelnen, auf einander folgenden situationen: Richhard gibt ihm ietz ein streich, das ihm das hirn uszlauft.
spiel von S. Meinrad s. 81; gahnd ietz in die zell, suochen den raub.
ebenda; louffend ietz all wider in die hell. 83; yetz kumpt der landvogt.
Urner spiel von Wilh. Tell s. 7
Vischer; yetz gond die diener mit einander zum Thellen.
s. 11 (
neben nun kommend die diener
s. 12); ietzt macht Ludolf mit seinem stab einen kreisz. J. Ayrer 439
c (2208, 13
Keller);
und dann ähnlich auch anderweit: nicht lange lässest du, mein kind, ihn staunen; du fährst so fort, mit frostgen eisesblicken ihn wegzustoszen ... itzt hebst du an zu weinen. Schiller
Semele v. 222. II@77)
abgeblaszt, wie nun, denn, doch: was hab ich jtzt gethan, das ewr that gleich sei?
richter 8, 2; was freundschaft ich dir hab gethan, die hastu mir so gar vergessen, und hast mich keiner genieszen lan, das hett ich dir jetzt nit vermessen (
zugetraut).
Ambras. liederb. no. 185, 22. II@88)
doppeltes jetzt
in verschiedener verwendung; eindringlich: wie einem, der einen giftbecher ausgeleert und mit bebender angst jetzt und jetzt die tödtliche wirkung erwartet. Schiller 857; und jetzt soll ich das thun, jetzt eben, da ich auf mein vollendet werk den kranz will setzen?
Wallensteins tod 3, 4; jetzt im lichte, jetzt im leben find ich, die ich nie verlor. Uhland
ged. 47;
gewöhnlicher aber jetzt — jetzt,
wie bald —
bald: denn das schwert frisset jtzt diesen, jtzt jenen.
2 Sam. 11, 25; wenn, vom orkan gepeitscht, des meeres flut sich mit dem bangenden gewölke mischt, und itzt zur hölle niederstürzt, und itzt sich wieder in den himmel thürmt und heult. E. v. Kleist (1804) 2, 50; ach! was in tiefer brust uns da entsprungen, was sich die lippe schüchtern vorgelallt, miszrathen jetzt und jetzt vielleicht gelungen, verschlingt des wilden augenblicks gewalt. Göthe 12, 10; jetzt ist im dienst der götter was versehn, das uns das leben wüste macht. jetzt ists der meinungen verhasztes mancherlei, die menge die es uns verbittert. Schiller
Iphig. 1, 1; jetzt da, jetzt dort die irren blicke weidend.
Phöniz. v. 287; wenn dein finger durch die saiten meistert, Laura, itzt zur statue entgeistert, itzt entkörpert steh ich da.
Laura am clavier; des nachbars lieblich flötenspielen nimmt jetzt mir die gedanken hin, und jetzt musz ich hinüberschielen nach meiner hübschen nachbarin. Uhland
ged. 30. itzt - - itzt
auch wie noch eben —
jetzt: wo blumen itzt stolzierten, tobt in wasserwogen das verderben itzt. E. v. Kleist (1804) 2, 63. II@99)
für jetzt — jetzt
auch andere fügungen: iez waren sie samenthaft mit gewerter handt bei ainandern, dann tailten sie sich in die gassen.
Zimmer. chron. 3, 460, 30; zu zeiten weinen wir, zu zeiten lachen wir, yetz trauren wir, dann springen wir vor freud uff, und sind gar der zeit underworfen.
[] S. Frank
sprichw. 1, 96
a; yetz sagt er ja, denn nein,
modo ait, modo negat Maaler 510
a; wann er verwandelt sein gestalt. jezt wurt er jung, dann wurt er alt, jezt war er schön, dann wurt er scheuszlich ... H. Sachs 2, 53, 26
Gödeke; er leget bald sein misvergnügen (
beim damenspiele), bald seinen beifall an den tag; er schüttelte den kopf itzt bei des einen zügen, und billigte darauf des andern seinen schlag. Gellert 1, 148; lieblich itzt, wie über glatten kieseln silberhelle fluten rieseln, — majestätisch prächtig nun, wie des donners orgelton, stürmend von hinnen izt, wie sich von felsen rauschende, schäumende gieszbäche wälzen, holdes gesäusel bald, schmeichlerisch linde ... Schiller
Laura am clavier. II@1010) jetzt
als substantiv: über das dann des jenseits hat dieses kleine jetzt keine stimme. J. Paul
Tit. 2, 74; dort eilt ein schnelles blei in das entfernte weisze, das blizt, und luft und ziel im gleichen jezt durchbohrt. Haller (1768)
s. 26; ein einzig itzt in dir (
gott) ist ewigkeit. 157; dreifach ist der schritt der zeit: zögernd kommt die zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das jetzt entflogen, ewig still steht die vergangenheit. Schiller
sprüche des Confucius 1, 3; ach, ans ende statt zu denken, dürft ich in das jetzt mich senken. Rückert 102; schwankend zwischen jetzt und einst. 218; wer beschriebe lenzestriebe? wer die liebe? wer das jetzt? Platen 17;
J. wer aber blickt nicht gern ins künftige?
A. das ist ein schlechter trost! was mir das jetzt versagt, besitz ich nicht. 243.