gewonnen,
part. praeteriti zu gewinnen (
vgl. sp. 5923—6069),
entwickelt noch mannigfaltigere sonderformen als das particip des praesens s. gewinnend. 11)
verschiedenartig sind schon die elliptischen wendungen, deren rumpfstück gerade die participialform bildet und in denen sie dem eindringen der mitteldeutschen färbung des stammvocals den stärksten widerstand leistet, vgl. wie gewunnen, so zerrunnen
noch bei Aler (1727) 1, 937
b; gewunnen geben
wider erst. Simpl. 3 (1711) 593
gegen gewonnen geben Luther 30, 1, 210
Weimar u. a. 1@aa)
hieran nimmt das sprichwort, das ja von der ganzen sippe reichlichen gebrauch macht (
vgl. sp. 5887
ff., 5974
ff.)
besonderen antheil. 1@a@aα)
so ist z. b. der satz wagen gewinnt (
vgl. sp. 5978)
unserem sprachgefühl in participialer fassung vertrauter: sonsten lob ichs
mit, gewagt, gewonnen ... christen müssen kämpfen ... wer nicht wagt, gewinnt nicht. welt wilt du dran? ... ich wags. ist kein gewinn zu hoffen, so ist
auch kein verlust zu fürchten Heinrich Müller
geistl. erquickstunden (12) 19; die feinde kennestu, mein christ rüste dich. gewagt, gewonnen 194;
dazu vgl. frisch gewagt, ist schon gewonnen (
aus Göthe), — ist halb gewonnen
aus Günther
u. a. sp. 5976;
weniger verbreitung fand: eintweder gar gewunnen oder den hals verlohren Henisch 1609;
vgl. auch Wander 1, 1659. 1@a@bβ)
eine weitverzweigte gruppe von wendungen mit der participialform sammelt sich um die sätze: es ist nicht alles gewonnen, was man gewonnen acht Petri
der Teutschen weiszheit (2) (1605) B
b 4
a,
desgl. Henisch 1609; Lehmann 2, 144, 195,
vgl. Wander 1, 1659; gewonnen, gewonnen säd jeer, on lag unden Frischbier 2, 1270 (
Danziger nehrung),
vgl. Wander 1, 1660; das gewunnen verlieren die reichen die armen das verlorn erschleichen. Fischart
ehezucht s. Scheibles kloster 10, 490; hie gewonnen, dort verlohren Petri (2) I
i 1
b; Henisch 1609; Wander 1, 1660; erst gewonnen, den bach aba g'schwoMen Kirchhofer
schweiz. sprichw. 154
s. Wander 1, 1659; erst löffelweis gewonnen, dann scheffelweis zerronnen
ebenda. 1@a@b@11))
salis onus unde venerat, redijt, so gewunnen, so entrunnen. wie es kompt, so fart es auch hin S.
Frank sprichw. 2 (1541) 94
b; so gewunnen, so zugebracht Petri (2) S
s 7
a. 1@a@b@1@aa)) so gewunnen, so entrunnen Tappius
adag. 139
a;
das gleiche Petri (2) S
s 7
a; Henisch 1610; Lehmann 2, 569; ... gemeiniglich aber heist es: so gewunnen, so zerrunnen Grimmelshausen
wider erstandener Simplicissimus (3, 1:
satyr. pilgr. 1, 5) 3 (1713) 25. 1@a@b@1@bb)) ... vff das solch guot, das mal quesit, ouch widerumb werd mal perdut; wie gewunnen, so verthon, wie es kompt, so wider gon. Murner
narrenbeschw. (80, 101) 242
Spanier; nun heist es: wie gewonnen, so zerronnen Chr. Weise
Masaniello (2, 8) 52
Petsch; das gleiche Abrah. a. S. Clara
Judas 1, 208; wie gewonnen, so zerronnen,
quel che viene di ruffa a raffa, sene va di buffa a baffa, ce qui vient du fric, s'en va de frac, ce qui vient par la flûte, s'en va par le tambour Rädlein (1711) 1, 383
b;
die gleiche franz. parallele bei Rondeau 2 U
u 4
b;
ebenso Schwan 1, 750
b;
male parta male dilabuntur, wie gewonnen, also zerronnen: unrechtfertig gut gedeiet nicht Dentzler (1715) 549
b;
das gleiche Aler 1, 937
b; wie gewonnen, so zerronnen; bel gewonnen, bel zerronnen,
lightly won, lightly gone; ill gotten goods seldom prosper; what's got over the devil's back, is spent under his belly teutsch-engl. lex. 2 (1716) 773; also ist mein geschenk zum teufel? wie gewonnen, so zerronnen! Lessing (
die juden 21) 1
3, 408; nun klagt Wackerlos, wie er ein würstchen im winter verloren hinter der hecke; das sollt er nun lieber im stillen verschmerzen; denn wir hören es ja, sie war gestohlen, zerronnen wie gewonnen; und wer kann meinem oheim verargen, dasz er gestohlenes gut dem diebe genommen? Göthe (
Reineke Fuchs 1) 40, 11; (wie gewonnen, so zerronnen! Gottsched [1, 3]
s. 6
Bieling; male quesite, male perdite: mit rechte wert men quatliken quite, dat men övel heft ghewunnen
Reinke de Vos 263
Prien.)
vgl. auch Adelung 2, 665, Campe
u. a.; vgl. Wander 1, 1662
f. mit reichlichen litteraturnotizen (
u. a. 1815
in Heidelberg ein improvisiertes sprichwortspiel aufgeführt: wie gewonnen, so zerronnen). 1@a@b@22))
den fremdsprachlichen (
lateinischen)
parallelen, die im vorhergehenden angeführt waren, schlieszen sich andere deutsche formeln enger an, sie haben aber weder im volksthümlichen gebrauch noch in litterarischer verwendung annähernd gleiche verbreitung. 1@a@b@2@aa)) mus doch war werden das sprichwort ubel gewonnen schendlich zerronnen. item: de male quaesitis non gaudebit tertius haeres Luther (
pred. über 5. Mos. 4 1529) 28, 587
Weimar. das gleiche (böslich zerronnen)
ein christl. schöner trost (1535) H 4
a s. Dietz 2, 116
b;
male parta, male dilabuntur ... male partum, male disperit, vbel gewonnen, vbel gelungen Faber (1571) 589
a; ubel gewunnen, ubel entrunnen (— gelungen — verschlungen) Tappius
germ. adag. 154
b; (— bald verschwunden — verlohren — böszlich zerrunnen, — ubel verschlungen) Petri (2) T
t 8
a;
u. a. vgl. Wander 1, 1661. 1@a@b@2@a@aα)) ubel gewonnen, ubel zerronnen. ein wol gewonnener pfennig uberwehret einen unehrlichen gülden Joh. Mathesius
Syrach (1586) 1, 136
b; ubel gewunnen, ubel entrunnen Henisch 1600;
ebenso noch Frisch 2, 451
a (zerronnen,
male parta, male dilabuntur); (übel gelungen — verschlungen) Henisch 1600; ubel gewunnen gut gedeiet nicht 1609. 1@a@b@2@a@bβ)) mit vnrecht gewunnen, mit recht vnd schand entrunnen. Henisch 1609; vnrecht gewonnen vbel zerrunnen Chr. Lehmann
florileg. polit. (1630) 534 (
nahrung nr. 27);
vgl. auch Abraham a. S. Clara
Judas der erzschelm 2, 227. 1@a@b@2@a@gγ)) leicht gewunnen, leicht verlohren, verthan, zugebracht Henisch 1609;
vgl. auch Wander 1, 1662/3; ring gewonnen, ring verspielt Kirchhofer 154. 1@a@b@2@a@dδ)) vnrecht vnd bösz gewunnen gut, an dritten erben nicht kommen thut. Petri
der Teutschen weiszheit (2) (1605) V
v 3
b;
das gleiche Henisch (
de male quaesitis non gaudet tertius haeres); unrecht gewonnen kompt zuletzt in frembde hende Petri V
v 3
b; vnrecht gewunnen, kompt nit an dsonnen Franck
sprüchw. 1 (1541), 119
b;
ähnl. (ubel gew ... selten an d'sonnen) 53
b;
dazu vgl. (
zur ersten fassung) Petri (2) V
v 3
b,
s. Wander 1, 1661; (
zur zweiten fassung) Henisch 1609;
vgl. auch übel gewonnen, vergeht wie schnee an der sonnen Wander
a. a. o.; ubel gewonnen gut wird den frommen für gespart Petri (2) T
t 8
a; vbel gewonnen gut, schwiert manchen zu den augen vnd nägeln herausz Lehmann
floril. polit. 15 (
ampt. nr. 45); gewonnen mit schand', geht schnell von der (verschwindt' in der) hand; gewonnen mit ehr', dess wird immer mehr Körte 2163; Wander 1, 1660. 1@a@b@2@bb))
die im letzten zeugnisz angeführte entgegengesetzte fassung ist ganz selten belegt und wohl nur secundär entwickelt: wol gewunnen, wol zugebracht Henisch 1609;
vgl. auch Wander 1, 1663; gut gewonnen ist gut zu halten Körte 2165
u. a.; vgl. Wander 1, 1660;
dazu vgl. gewonnen gut behalten ist kunst Petri (2) F
f 4
b;
vgl. auch self gewunnen, self gespunnen es de beste buerndracht Firmenich 3, 185
s. Wander 1, 1661. 1@bb)
im sprichwort nur vereinzelt angezogen, in den wörterbüchern um so sorgfältiger angemerkt und in der litteratur bis in die neuere zeit noch verbreitet, fordert die wendung gewonnen geben
beachtung, einerseits durch die mannigfaltigen fassungen, die in die kurze formel ausmünden (
zu beachten die breiten lateinischen parallelen),
andererseits durch das spiegelbild, das die bedeutungsentwicklung des verbums in dieser verbindung der participialform zurückwirft. 1@b@aα)
der älteste beleg kann nur mit vorsicht zur erklärung herangezogen werden: wâ sæhe du ûʒ henden ie geben gewunneʒ spil? mir ist der stein sô nutze, daʒ ich dirʒ niht geben wil. Ortnit 145, 3 (
dtsches heldenb. 3, 21).
denn die verbindung gewonnenes spiel
ist nicht für diesen zusammenhang kennzeichnend, sie bildet vielmehr den mittelpunkt eines anderen kreises (
s. sp. 6738)
und streift den unsrigen nur gelegentlich. dagegen wendet uns das verbum geben
in diesem belege eine seite seines bedeutungsumfangs zu, die der aufklärung dient und in der es sich eng mit lassen
berührt, vgl. auch: ist aber jemand der solchen närrischen weisz lacht, oder sonst dem truncknen boltz nit durchaus gewonnen läst, der geb achtung
wider erstandener Simpl. (3, 1
satyr. pilgram 7) 3 (1713), 40. 1@b@a@11))
diese bedeutungsrichtung von geben,
die durch den zutritt der präpositionalverbindung (
aus der hand)
bestimmt wird, gilt aber nicht für alle zeugnisse, die für gewonnen geben
vorliegen. schon die älteste buchung die sach gewunnen geben,
hastam abjicere Dasypodius
deutsch-lat. N 2
a läszt sich auf diesem wege nicht befriedigend erklären. wohl stimmt die lateinische parallele zu dieser auffassung, nicht aber so sehr die deutsche wortverbindung, namentlich wenn diese in ihrem durch das subst. gebotenen zusammenhange, der rechtssprache, beleuchtet wird, aus der attributive verbindungen wie gewonnene sache, gewonnenes urtheil
später noch zu besprechen sind, vgl. auch (
s. oben sp. 5959. 61) recht, urtheil, sache gewinnen.
in der rechtssprache nun wird meist ein factor gekennzeichnet, den uns die buchungen naturgemäsz eher vorenthalten, das subject für das verbum geben,
das der ganzen wortverbindung die entscheidende richtung giebt und dessen zurücktreten in einzelnen fällen verdunkelnd und verschiebend wirkt. 1@b@a@1@aa))
auf der einen seite ist es der richter, der gewonnen giebt: es was ein arme witwe, hat ein sach vor einem richter dem schanckt sie ein hefelin mitt saurmilch, er solt ire sach beschirmen, er gab ir gewunnen ... Geiler von Kaisersberg
irrig schaf (
vorrede) A 2
b; dahero müssen endlich diese richter dem Apollini gewonnen geben Kuhnau
music. quack-salber (10) 44
Benndorf; wie sol jm aber der gefallen baum vnd gebissen hundt thun, kompt er fūr den richter, der ... helt es mit dem hohen zaun, vnd cederbäumen, ... den gibt er recht vnd gewunnen ...
sprichwörter, schöne, weise klugreden (1570) 51
a;
dazu vgl. sie legten jhm den handel für, der hundt gab der schlangen gewonnen 42
b;
dazu vgl. das mundartliche gewunnis gäben,
dare palmam Frisius (1556) 108
b. 1@b@a@1@bb))
auf der andern seite erscheint der unterliegende theil als subject, gewonnen
nimmt dabei passive bedeutung an, wie sie oben (
sp. 5957 he es in der klage, schulde gewunnen)
aus der rechtssprache für das verbum nachgewiesen wurde: hastam subjicere, vom gerichtshandel abstehen, an der sach verzweifflen, oder gewunnen geben Dasypodius
lat.-deutscher theil O 7
b;
vgl.gewunnen geben,
cedere juri deutsch-lat. F 2
b.
so häufig diese wendung auch in rechtssprachlichem zusammenhange erscheint, so weist sie doch eher anderswohin, in den eigentlichen streit, in den waffenkampf, der als der ausgangspunkt für die reflexivverbindung anzunehmen ist: manus dare alicui, sich ergeben, gewunnen geben Dasypodius
lat.-deutsch. theil V 1
b;
dazu vgl. die litterar. belege des 16.
und 17.
jahrh.: darumb ist kein rath noch trost, denn ... das man von hertzen mit gott rede ... so wirstu sehen, das sie ablassen mus und sich endlich gewonnen geben Luther (
deutsch. katechismus 1529,
vaterunser 6) 30, 1, 210
Weimar; fodder getrost von jnen, das sie dir einen richtigen, gewissen, eintrechtigen text machen ... wenn sie das thun ..., so wil ich mich auch gewonnen geben. weil sie aber das nicht thun, so sollen sie vnrecht haben ... (
vom abendmal Christi ...) 3, 441
a Jena; wirst du bei deinem Jesu mit glaubigem gebet tag und nacht anhalten, so wird er endlich still stehen und sich gewonnen geben
geistl. deutsche gesäng Luth. 364
Otho; gewunnen geben,
se donner pour vaincu Hulsius (1596) G 2
a; (
se confesser estre vaincu 1614);
das gleiche Frisch
nouv. dict. des passagers (1772) 2, 279 (
se rendre); mit gott ist kein gut streiten, wer sich nicht biegen wil, musz brechen. er bleibt der obermann, gib dich nur gewonnen Heinr. Müller
geistl. erquickstunden (220) 435;
vgl. auch 244
dare manus, i. e. se victum, gewonnen geben Garth-König 207
a, 782
a;
vgl. auch voc. v. 1618
bei Schmeller 2
2, 930. 1@b@a@22))
so erklärt sich einerseits die unbestimmtheit mancher buchungen, andererseits die vielseitigkeit der parallelen, die beigebracht werden: tergiuersor, cauillor, dissimulo veritatem. ich behelff mich, such ein behelff, wehr mich wie ich kan, geb nit gern gewunnen, bleib nit vff einer red, gehe mit lügen vmb Erasmus Alberus
nov. dict. genus Z 4
b;
huic equidem consilio palmam do, ich geb jm gewonnen Faber 581
b;
ebenso Corvinus 559; einem gewunnen geben,
palmam, victoriam alicui deferre, tribuere, ascribere, concedere Henisch 1609; ich gibs dir gewunnen,
primas vel palmam tulisti ebenda; ein jeder gibt jhm selbst gewunnen und verleurt niemand von jhm selbst kein recht
ebenda; gewunnen geben; gewunnen spiel geben.
succumbere; hastam abjicere; alicui victas manus dare, herbam porrigere; alicui palmam, manus dare, deferre, tribuere; victum se fateri; digitum exserere, manum tollere, alicui victoriam concedere Aler 1, 937
b;
gegen: beiden parteien gewonnen geben,
aequalia reddere capita in pugna 1, 938
a;
palmam alicui dare, deferre, den preisz, gewonnen geben Dentzler (1715) 540
b; gewonnen geben,
succumbere, dare manus, palmam; hastam abjicere Kirsch 2, 152
b;
genau so Matthias 182
b; Bas. Faber
deutsch-lat. th. J 4
b.
je vous donne gaigné, je vous le donne, je vous donne la partie, je vous cede la victoire, je vous laisse le champ de bataille, ich gebe es euch gewunnen,
concedo, et cedo victoriam Duez
dict. gall.-germ.-lat. (1664) 461
a;
vgl. auch 200
a; ich gebe euch gewonnen, ich ergebe mich ... Rädlein 1, 383
b; gewonnen geben,
donner gagné ... se rendre ... einem gewonnen geben,
céder a quelc. ... man musz gewonnen gewonnen geben,
il en faut passer par là Schwan 1, 750; gewonnen geben,
to yield, stoop, bar, submit or cringe; teutsch-engl. lex. 2 (1716) 773; einem das spiel gewonnen geben,
to give up ones game as lost Hilpert II 1, 464
c.
als mundartliche umbildung vgl.: ich ka
nn-ni
h m nit unggewunne
n gë
ben ich kann ihm nicht unrecht geben Münsterthal Martin-Lienhart 2, 831
b. 1@b@bβ)
diese zwiespältige bedeutung, die das particip ebenso wie das verbum (geben)
in dieser verbindung annimmt, je nachdem es ein unparteiischer ist, der den sieg verkündet oder einer der beiden gegner, der ja eben dadurch, dasz er dem andern gewonnen giebt, sich selbst als überwunden bekennt, —
diese gabelung der verwendungen geht dem neueren sprachgebrauch mehr und mehr verloren. 1@b@b@11))
in der verbindung mit einem persönlichen dativ des objects 1@b@b@1@aa))
halten sich noch einige wendungen, in denen als subject der unparteiische gedacht ist, der dem einen gewonnen, dem andern verloren giebt: hort auff, ir zben gesellen guet, last von eurem streiten vnd seyt wol gemt! ich gib euch paeden gebunnen (: entrunnen).
Sterzinger spiele (
das reckenspiel, Wiener neudr. 9) 159; Xanthus ... thet ein red zum volck, wie er mit dem magister gewett hett ... da ward ein gros geschrei und gelechter uber den magister, und rieffen jhm zu, er solt den wassern verbieten, das sie nit ins meer flössen und gaben dem Xantho gewunnen Erasmus Alberus
fabeln Esopi (leben d. E.) 19
neudr.; die rede ... von allen seinen gesellen gelobt ward, ihm einmütig gewonnen gaben
buch der liebe (
Galmy 169); groszmächtiger fürst, wrde es deiner hochheit anstehen ... das menschliche geschlecht sowol hie als dort zu quAelen, wan du dieser allemode nAerrin gewonnen gebest, dasz sie in ihrer verfahrung wider mich recht handele Grimmelshausen
Simplicissimus 478
neudruck, vgl. auch: widerwillen bei denen, welche lieber sehen, dasz man ihnen gewunnen gibt
wider erst. Simpl. 3 (1713), 593. 1@b@b@1@bb))
die meisten belege, namentlich des neueren gebrauches, setzen jedoch den besiegten als subject des verbums voraus: 1@b@b@1@b@aα)) S.
Bernhart, der ... einem guten freund klagete, das ihm so saur würde recht zu beten ... S. Bernhart wettet mit jhm, er solts versuchen und solt gelten einen guten hengst, allein das er jhm gleich zusagte. dieser vermas sichs on alle mühe zuthun, fieng an und betet »vater unser«
etc. aber ehe er uber die erste bitte kompt, da fellt ihm ein, wo er das pferd gewonne, ob ihm auch sattel und zaum
dazu gebüret; kurtz, er kompt so weit mit gedancken, das er so bald ablassen müste und S. Bernhart gewonnen geben Luther (
pred. über Joh. 17, 1, 1528) 28, 77
Weimar; wer uns auff solche buchstaben zu beweisen dringet, dem müssen wir weichen und gewonnen geben (
brieff an zween pfarrherren 1528) 4, 329
a Jena; her graff vnd edler held, ich will euch psten, umb bew ir bolt; vnd solt es mich ckhosten leib vnd leben, so will ich euch nit gewunen geben.
Sterzinger spiele (
rex Viola cum filia sua, Wiener neudrucke 9) 219; und must also Xanthus dem Esopo gewunnen geben Erasmus Alberus
fabeln (
von Esopus leben)
neudr. s. 18;
vgl.: viceris, ich gib dir gwunnens, farhin, mach anhin, machs wie du wilt Cholinus-Frisius (1541) 898
a; mit dieser verantwurtung war der edelman gesettiget und muost dem maler gewunnen geben Jörg Wickram
rollwagenbüchlein 101 (
ausg. v. 1557) 3, 128
Bolte; gab er ir ein hieb oder drei in iren hals vnd lies das weib plutig von im gen, vnd nachmals legt sie die hent zwsam, gab im gewnnen. H. Sachs (
der kampf mit dem bösen weibe)
fab. u. schwänke 3, 285
Goetze u. Drescher; ich gab ihr gewonnen und gedachte doch bei mir selber, was ihr Springinsfeld gewünscht, und indem ich ihr dieser gestalt das maul machte, als wenn ich bei ihr verbleiben wolte, hoffte ich desto ehender die freiheit, mit andern auszugehen, und also gelegenheit zu bekommen, mich wieder von ihr abzuscheiblen Grimmelshausen
Simpl. (2, 1, 6
Springinsfeld 6) 3, 44; dise wortgepränge währeten eine guhte zeit; dan hatt' ich das meinige eingeworfen, so brachte si straks andere gegenwürfe; wolt' ich dehr lätste sein, so begährte sie äben dasselbige, dehrgestalt dasz ich ändlich gezwungen ward, diser kluhg-sünnigen jungfrau gewonnen zu gäben Zesen
adriat. Rosemund 41
neudr.; vgl. mit übertragung auf abstractes subject: was geht diesz den bräutgam an? glück und zeit giebt ihm gewonnen, was sein hertz verneuen kan, ist nicht lufft, nicht glantz der sonnen; seiner liebsten äugelein sind ihm lufft und sonnen-schein. S.
Dach (
hochzeitslied) 860
Österley (
nr. 380);
mit übertragung auf ein abstractes object: des grossen mutwillen der Juden, die dem spruch Jacob nicht wollen gewonnen geben, wie sie doch fülen, das sie thun müssen in irem gewissen Luther (
v. d. Juden u. jren lügen 1543) 8, 66
a Jena; der hartnäkigste anhänger des feuerfarbnen affen sah sich gezwungen, dem zeugnisz seiner sinne gewonnen zu geben Wieland (
der goldne spiegel 1, 10) 6 284. 1@b@b@1@b@bβ))
schon in dieser fügung mit dem dativ der person zeigt die verbindung ihren formelhaften charakter. bestimmungen, wie sie sonst eine lose verbindung erweitern und beleben, werden gemieden, und wo sie doch gesetzt werden, jedenfalls nicht gern zwischen den dativ und die verbindung gestellt: sehen sie, rief der prinz mit verdrusse, wie sie sich von der oberfläche hintergehen lassen, und wie leicht sie mir gewonnen geben! Schiller (
der geisterseher) 4, 296
Goedeke; ausnahmen sind selten und meist nur in leichten lautkörpern belegt: so kanch dir auch nit gwonnen geben. Rinckhart
Eislebische christl. ritter (2, 2)
neudr. s. 36; mein engels kind! ... halt ein! die gluth hat mich fast umgebracht, ich will dir williglich gewonnen geben, du hast gesiegt!
der im irr-garten der liebe herum taumelnde cavalier (1838) 11; Phädra, hör ich sagen, bekennt sich schuldig! Phädra trägt ihn nicht den furchtbaren anblick des verrathnen gatten. wie glücklich ist dein feind, dasz du ihm selbst gewonnen giebst auf kosten deines lebens! Schiller (
Phädra 3, 3) 15, 1
s. 52
Goedeke (
que vous appuyiez ses discours); nichts ist, was diesem feind so bald gewonnen giebt, als bei der schönen, die man liebt, sich dem gefühl stillschweigend überlassen. Wieland (
Oberon 6, 23) 22, 257; jetzo bitte ich der alten zeit liebhabere ... dasz sie dieser unserer zeit glückseeligkeit nit eher verachten ... ehe ... sie die vorige saecula wol durchgangen ... so werden sie mir hierinnen gewonnen geben, und bekennen ... der alte gott lebt noch, und gibt immerzu etwas bessers I. B. Schupp
beschr. dieses 100
jähr. zeitlauffs)
schriften (1663) 784; ... dasz es so weit kam, dasz ich sogar dem Hippias bei mir selbst gewonnen zu geben anfing Wieland (
Agathon 12, 11) 3, 167. 1@b@b@22))
noch formelhafter zeigt sich die verbindung, wenn sie jeder weiteren bestimmung, also auch des persönlichen dativs entbehrt; in dieser fassung ist das verbum fast nur mit der bedeutung des nachgebens belegt: 1@b@b@2@aa))
einmal ist hier auf den richter bezug genommen, doch in anderer weise als oben: der richter spricht verzagt, wo waffen oben schweben und kein gesetz mehr gilt, musz man gewonnen geben. Simon Dach (
C. Malaperten leidender Christus übers. 6
klagelied) 248
Österley; dazu vgl. die übertragung auf gott: ich stand hie an der narren dantz, das ich min arsz schlach in die schantz. gott geb gewonnen oder verloren, so lauff ich doch mit andern thoren. Thom. Murner
narrenbeschwörung (39) 129
neudr. 1@b@b@2@bb))
als unterliegendes subject werden hier häufiger als oben abstracta und personificationen angezogen: 1@b@b@2@b@aα)) in solchem fall und streit musz man nicht alsbald für einen solchen widerpart wehr und waffen niederlegen und gewonnen geben Adam Olearius
persian. rosenthal (7, 20) 89
b; aber der unerfahrne disputator, gibt nicht gewonnen; ob ihn der beweis gleich noch so hart treffe ... Butschky
Pathmos (151:
der ungeschickte schluskünstler) 204; Isegrim heelt vaste mit groteme nid vnde sprack to Reinken mit volleme munde: »o deff, nu is ghekomen dine stunde! giff ghewunnen, efte ik sla di doet!«
Reinke de Vos 6373
Prien; (gieb mir gewonnen, oder ich schlage dich todt Gottsched [4, 8]
s. 135
Bieling; ergib dich zur stelle, oder ich schlage dich todt Göthe 12); allein, so geschwind gab er nicht gewonnen, sondern setzte den dieben nach ... Hebel (
schatzkästlein 84:
die drei diebe) 2, 142
Behaghel; am 3. September, als der tag kam, hörte das schieszen auf; und der Engländer fragte, ob sie noch nicht wollten gewonnen geben. der commandant von Kopenhagen sagte: nein (
rhein. hausfreund: folgen des Tilsiter friedens) 3, 90. 1@b@b@2@b@bβ)) denn wo die sonne nimpt ein weib vnd kinder zeugt von jrem leib, geboren werden noch mehr sonnen, fürwar so geb ich gar gewonnen, vnd würd so dürr, das ich (
die erde) fürbasz kein korn könt geben, kraut noch grasz. B. Waldis
Esopus (3, 61) 1, 349
Kurz; schau, der monde gibt gewônnen und weicht gern der grossen sonnen. S. Dach (
hochzeit-schertz) 816
Österley (
nr. 357); solche zwitracht aber richtet gott nur darümb an, das der kleine hauff empor kome und oblige, das man sehe, wie alle gewalt und stercke gewunnen geben und nichts vermag wider gottes wort und die seinen, wie gering und schwach sie sind Luther (
pred. über d. 1. buch Mose cap. 25) 24, 446
Weimar. 1@b@b@33))
ausschlieszlich in wendungen, die den unterliegenden als subject voraussetzen, ist vereinzelt ein object der sache neben der verbindung zu beobachten, bald durch das pronominale es
angedeutet, bald durch eine genetivverbindung näher ausgeführt; der sieger ist durch persönlichen dativ gekennzeichnet: ... das hann ich danocht auch miessen schreiben, das ainer so hoch herab vom dach fleügt vnd kain fligel abstast, wer lust hat der thie jms nach, ich wils jm gwunen geben Sebastian Fischer
chron. v. Ulm 79
Veesenmeyer; wie Arnold dem kauffman aller red gewunnen gibt und dabei des ursach anzeigt Jörg Wickram (
irr reitend bilger 19. cap. überschrift) 4, 238
Bolte; darauff sagt Aurelia: »o muoter, ich muos dir deiner wort gewunnen geben« (
von guten u. bösen nachbarn, cap. 37) 2, 218;
dagegen vgl.: Diana giebts gewonnen und deckt mit einer wolck ihr schamroth angesicht. Gryphius
werke (
Kürschner)
s. 160. 1@cc)
allgemeiner ist für die verwendung des verbums in bezug auf kampf und streit oben (
sp. 5939)
eine bevorzugung der umschriebenen formen des praeteritums nachgewiesen worden, die unserer participialform zu gute kam; vgl. auch: ... wenn die schwermer in allen sprachen, so auff erden sind, einen spruch bringen, darinn »ist« so viel gelte als »deutet«, so sollen sie gewonnen haben Luther (
vom abendmal Christi 1528) 3, 442
a Jena 1565; wenn euch eure grundsätze auch da nicht im stich lassen, so sollt ihr gewonnen haben Schiller (
die räuber, ein schauspiel 5, 1) 2, 183; wenn ihr da noch feste steht, so sollt ihr gewonnen haben 184; du sollst gewonnen haben Lene! Fontane (
irr. wirr. cap. 9) I 5, 177; die möglichkeit des durchkommens aber musz vorhanden sein. und ist das geglückt, so ist alles gewonnen Hans Hoffmann
aus der sommerfrische s. 30
u. a.;
am bemerkenswerthesten ist aber die ausrufform, in der der erfolg im wettkampfe festgestellt wird, das elliptische gewonnen!,
das in mehreren formen litterarisch belegt ist, bei Luther
in der verbindung mit dem verbum schreien: der bapst mit seinen bischoffen vnd tyrannen werden feindlich rhümen und 'gewunnen' schreien, wenn sie uns, die wir das euangelium recht haben, genug verfolget, gemartert, verbrennet und umbbracht haben Luther (
pred. über das 1. buch Mose 1527
cap. 25) 24, 435
Weimar; wie fest sie auch gewonnen schreien (
vom abendmal 1528) 3, 238
b Jena. wann man gewonnen ruft. Opitz (
Antigone)
ged. (1690) 1, 168; werffen mit ketzerköpffen under uns, und so wir nit hinwider bissen, so schrieen si: fro, hie gewunnen, hie gewunnen! darumb ist not, dasz man in den kolben auff den schilt leg H. Sachs (
gespr. eines evang. christen mit einem luther.) 22, 82
Keller u. Goetze; wo man sich nu an Christum helt, vnd gleubt dz er stercker sei dann die sünde, wie Paulus solchs hie anzeigt, alsdann so heisset es, hie gewunnen Jac. Gretter
erklär. der epistel an die Römer (1566) 323;
dazu vgl.: gewonnen! sieg! hier liegt entseelt der könig. Schlegel (
übers. v. Shakespeares Heinr. IV. th. 1, 5, 3) 1, 317
Brandl (
all's done, all's won). 22)
viel belegt und mannigfach gegliedert, in der entwicklung aber nicht so weitgreifend ist der attributive gebrauch, der das particip auf adjectivisches gebiet überführt. die entwicklung setzt verhältniszmäszig spät ein und ist zunächst ganz von lateinischen vorbildern abhängig, wie die glossen zu Vergil und andern zeigen s. oben sp. 5928. 5931.
auch Notker
folgt hierbei nur seiner vorlage: daʒ sie iro mit unrehte gwunnena sâligkeit swahta,
indigne aucta felicitas (
Boethius) 2, 202
a Hattemer; auffallend spröde verhält sich die mittelhochd. dichtung: het er hôhe an eine stat ein sparwaer ûf gesat ... swes friundinne den strît behielt ze sîner hôchzît, daʒ sî diu schoenste waere, diu nam den sparwaere ... dô het sî wunnen genuoc, wan sî ûf ir hant truoc den gwunnen sparwaere? Hartman
Erec 1378
Haupt. 2@aa)
um so ergiebiger ist die rechtssprache, deren attributive verwendungen aber gleichfalls viel auf lateinische vorbilder zurückführen. 2@a@aα)
im rechtsstreit machen sich wieder die beiden oben besprochenen bedeutungsgegensätze am particip geltend, nur dasz hier die beziehung auf den unterliegenden die ausnahme bildet: sve so nicht ne volget, alse man dat gerüchte scriet, ... oder ne gilt nicht gewunnene scult binnen dinge; umme iewelke disse sake weddet he deme richtere
Sachsensp. 1, 53 § 1
Homeyer3 s. 206;
meist wird auf die obsiegende partei bezug genommen: deszhalb abt und convent iren burschner (
vgl.bursner Lexer 1, 398) Johann Krepsz gen Wurzburg schickten auf den 20. tag aprilis zu dem bischof alsz rechten comissari ... weliche drei uber dise freihait und auch die haupturthail und gewunnen recht wider die
d. f. von Bairen im h. concil und bapst Martino gesetzt, gestellt und verordnet wurden Knebel
chronik v. Kaisheim 252
Hüttner; gewunnen sentenz
und urtheil 291;
vgl. auch 504; ir freihait, gnad, handfest, recht, gerechtigkait, gewunnen urthail 298;
desgl. 497
b; erlangten urteilen, sentenzen, processen, gewunnen rechten
s. 5; doch so zweiffelten sie jetzo nicht mehr, dass sie schon ein guts gewonnens urtheil für sich hätten Ayrer
histor. processus juris (2.
cap. 11) 776;
dazu vgl. aus der neueren sprache: er erzählte ihnen von seinen gewonnenen händeln Pestalozzi (
Lienhard u. Gertrud § 66) 1, 238;
vgl.: Erdmann der gewonnene procesz
lustspiel 189
o. andererseits greift eine hierher gehörende wendung früh über den rahmen der rechtssprache hinaus: damit lieff er zum feind hinan fenrich Stölzer, der küne man, setzt mit den doppelsoldern nach und hoffet gar gewonnen sach. Rollenhagen
froschmeuseler (3, 3, 4) 2, 242
Goedeke. 2@a@bβ)
auf die rechtsformen der besitzergreifung von (
herrenlosem)
grund und boden weist die verbindung gewonnen lant, acker
u. s. w.; vgl.: swe so unrechten wech sleit over gewunnen lant, vor jewelk rat sal he geven enen penning
Sachsenspiegel 2, 27, 4;
ganz ähnl. richtsteig landrechts (
cap. 42 § 1) 271;
die varianten gebauwen lant, gearnen, gravenen acker, garden edder acker
zu dieser stelle weisen auf zwei hauptrichtungen, die in den rechtssprachlichen belegen für das attributive part. praet. zu tage treten, je nach den formen, in denen grund und boden in besitz genommen wird; auf der einen seite vgl. gewonnen, gehegt
sp. 5960; gewunnen ... eingezäunt Brinckmeyer 1, 917
b;
vgl. auch: ungewunnen land sve dar over veret, it ne si en geheget (
var. gewunnen) wese, die blift is ane wandel
Sachsenspiegel 2, 47 § 5.
auf der anderen seite vgl. die attributive verbindung gewunnen holz
u. a. sp. 6740.
die vorschrift des Sachsenspiegels kehrt auch in andern deutschen rechten wieder, so im folgenden, wo die parallele mit gehegt
zur geltung kommt: wer unrechte wege über gewonnen land machet oder über eine gehägte wiesen fähret
stadtrecht der stadt Eisenach statuten 3, 22
art. s. Thüringer geschichtsquellen 9
s. 151;
nicht sicher ist, welche von beiden richtungen in einer andern rechtsformel durchschlägt, die ihre grosze verbreitung vielleicht dem umstande verdankte, dasz sie sich nach keiner der beiden seiten festlegt: mit acker gewunnen und unghewunnen Schiller-Lübben 2, 106;
vgl.als bestetin wir si dem vorgen. abte ... mit ackern, gewunnen und ungewunnen
aus Joh. Peter de Ludwigs reliqu. manuscript. (1, 42)
bei Scherz-Oberlin 1, 548; gewunnene äcker, agri culti et farrarii
s. H. J. Leu
eidgenöss. stadt und landrecht (1738
Zürich) (§ 5
tit. 6
part 2)
s. 94;
vgl. auch (
s. o. sp. 4285) gesucht und ungesucht ... gewunnen und ungewunnen
bedeuten dasselbe Westenrieder 201. 2@a@gγ)
allgemeinere und engere bedeutungen kreuzen sich innerhalb der einen viel angezogenen verbindung gewonnen gut,
die zunächst von gewinnen
im sinne von erwerben, erringen
ausgeht: gewonnen
im engeren sinne von errungenschaft
vgl. sp. 5960;
in anderen verwendungen verblaszt diese besondere beziehung und verallgemeinert sich die bedeutung, so namentlich im sprichwort. endlich bieten sich hier wie auch bei gewonnen lant
gebrauchsformen dar, die noch ganz in der alten bedeutung von gewonnen = erobert,
wurzeln (
s. δ). 2@a@g@11))
für die engere rechtsbedeutung ist namentlich eine ostfriesische stelle kennzeichnend: wanner dair sinnen bona quaesita per filium, dat sinnen gewunnen gueder, de noch van vader- noch van moeder- sit, dann dorch den soene gewunnen, offte gekofft ...
ostfries. landrecht (2, 97) 401
v. Wicht.; so nemen de kinder, van den ersten mann geboren, dat gewunnen guet bi dem ersten manne, und de kinder van dem andern mann nemen dat guet, so bi deme gewunnen. dat guet, so nich gewunnen ist bi oere beide manns ... (2, 108) 409;
dazu vgl.: wie sich aber izgedachter abt hat gebraucht in dem geben, hat er auch betracht, die gewunnen guter zu behalten und zu denselben andere zuo uberkumen, dan izund der anfall und uberlast der gastung grosz wasz Knebel
chronik v. Kaisheim 57; et succedit superstes, si nulli liberi adsint, in desz abgestorbenen ehegemächts gantze, doch mit nutz und eigenthumb beseʒne verlassenschafft, nemblich in all seinem zugebrachten, und im stand der ehe vollkomlich ererbten, oder in andere weg bekommenem ... auch in seinem halben theil errungenem und gewonnenem gut Chr. Besoldus
disp. über das fürstl. würtemb. landrecht (1662) 163; an allen in währender ehe errungen und gewonnenen gütern (darunter auch dasjenige, was den eheleuten zu ihrer hochzeit verehret worden),
conjugalem acquaestum, fortsetzung von Dietherr (1679) 523
a; (
vgl. württemberg. landr. part 3
tit. 7);
vgl. auch 523
b; so es erbgüter seien ... oder so es gewungen überigen güter seien
statuten von Thurn an der Gader s. oest. weisth. 5, 659; in was fällen die töchter oder schwestern in gewungen güetern tailhaben 663;
desgl. auch 659; soll inen darauf an gewunnen guet kain thail ervolgen 5, 726 (
statuten von Enneberg); in erbgütern ... und in gewunnen
öst. weisth. 5, 658; in gewunnen und erübrigten güetern 731; souil aber die gewunnen güter ... betrifft. geben wir demnach hierinnen dise erleuterung vnd erclärung, dasz allein das, für ain gewunnen guet gerechnet vnd erkennt werden solle, was der erblasser selbs gewunnen, erübrigt, oder erspart hat: was aber der abgestorben in seinem leben ain mal ererbt ... das solle für ain stammen guet geacht vnd erkendt (
werden)
Tiroler landtsordnung v. 1603 (3, 19) 41
a; gewonnen gut wird dasjenige genennet, so man erworben hat J. H. Hermann
allgem. teutsch. jur. lex. 2, 596. 2@a@g@22))
verblassung der engeren rechtsbedeutung: parta tueri, gewunnen gut behalten Dasypodius A a 7
a; bruch mässeklich din gewunnen guot das es dich nit verlassen thuot.
deutscher Cato 151
s. Zarncke
narrenschiff 133; das er der erbeit nit obleit —, sunder get geren umb faulenzen, ... mit vogeln und schiesen zum zil, der mues gwunens guetz haben vil. aber die armuet kumpt gewis gewapent als ein starker ris. Hans Sachs (
neue lesterliche stück) 22, 508; gewonnen gut, gekriegt, überkommen gut,
parta bona Henisch 1600; mein rechtmässig gewonnen gut,
my acquisitions, my well-gotten possessions teutsch-engl. lex. 2 (1716) 773; diese ansprüche gründen sich einmal, und zunächst auf das maas des güteraufwandes, der ihm die gewonnenen oder hervorgebrachten güter veranlaszt haben mögen Lotz
handbuch der staatswirthschaftslehre 1, 307. 2@a@g@33))
diese verblaszte bedeutung der verbindung gilt für einige der varianten, die das sprichwort an den oben besprochenen satz (wie gewonnen, so zerronnen
sp. 6728)
anknüpft. die ersten belege fallen hier früh. 2@a@g@3@aa)) sanfte gewunnen guot (
var. gewunneʒ) machet üppigen muot.
Freidank 56, 21
W. Grimm; vgl. auch: dit al unde ôk ovel gewunnen gût wil di nu nicht baten.
Lübecker totentanz 641
Baethcke (16.
de dot); o tod, wie bitter bist du einem reichen menschen! das ist das frnehmste, mit welchem dich die belgewonnene reichthme peinigen ... Schupp
schriften 592 (
kunst reich zu werden) (1684); gewonnen gut ist bös verlassen
als sprichwort in Iduna u. Hermode (1814. 7)
s. 28. 2@a@g@3@bb)) swer kan behalten gwunnen guot, daʒ der an dem loblîcher tuot dann an dem, daʒ er eʒ gewint. Heinr. v. Beringen
schachgedicht 8644
Zimmermann; ganz ähnl. Konr. v. Ammenhausen
schachzabelbuch 17189
Vetter; der dritt gar selten erben thuot, bOesz schnOed gewunnen wuocher guot das merckt jr herren on verdriesz, die juden halten umb geniesz, und sunst geprauchen jren spiesz. Schwartzenberg
teutsch. Cicero 122
b (
memorial der tugent); wer wolgewonnen gut den seinen lassen kan, der ist fr aller welt ein ehrenwerter mann. Rachel
satir. gedichte 63
Drescher (
gut u. böse 115);
vgl. auch: ein jung ding weisz die gewonnene und bereits vorhandene reichthum nicht zusammen zuhalten Grimmelshausen
wider erstandener Simpl (3, 2
rathstübel Plutonis 2) 3 (1713), 134. 2@a@dδ)
die gleichen verbindungen gewonnen gut — land
begegnen auch mit der beziehung auf den waffenkampf, der ja eine hauptform und voraussetzung der besitzveränderungen darbietet und dem unter diesem gesichtspunkt wohl eine ergänzung zu den obigen rechtsformeln entnommen werden kann: 2@a@d@11)) man führt alle gefangene und gewunnen gut mit Aventin 1, 85;
acquest ... choses acquises, gewunnen oder erobert vnd erworben gut,
parta, res partœ Duez
dict. gall.-germ.-lat. (1664) 10
b;
dazu vgl.: wir sehen, dasz ein wucherer sich dermassen in sein vbel gewunnenes gelt verliebet, dasz er niemaln kein ruhe noch leid empfindet, noch das vnrecht eroberte geld vnd gut widerumb erstattet Aegidius Albertinus
landtstörtzer Gusman (36) 297. 2@a@d@22)) gwunnē v bevogtet land,
prouincia Frisius
dictionariolum 108
a;
prouincia, ein gewunnen landt Chytraeus
nomenclator latinosaxonicus. 2@bb)
auch sonst tritt die beziehung auf den waffenkampf innerhalb der attributiven verbindungen des particips verschiedenartig zu tage: 2@b@aα)
so liegt sie den spärlichen belegen für einen persönlichen träger des attributs zu grunde; vgl.: gewunnen volck,
victi et subacti populi Henisch 1609;
doch ist diese grundlage, im neueren gebrauch natürlich verblaszt und verdunkelt: ich habe selbst einen jungen menschen gekannt, der in leidenschaftlicher liebe zu einem schnell gewonnen mädchen ausrief: 'aber wird sie es nicht einem andern ebenso machen wie mir?' Göthe (
zu Eckermann)
gespr. 5, 255
Biedermann; die hervorragendste erscheinung unter diesen neu gewonnenen freunden W. v. Kügelgen
jugenderinnerungen s. 118;
dazu vgl.: 'laszt uns aus diesen beiden der tugend gewonnenen wesen ein paar machen!' riefen die ziegen begeistert Immermann (
Münchhausen 3, 9) 2, 87
Hempel. 2@b@bβ)
neben sächlichen trägern dagegen hält sich die alte bedeutung viel eher auch im neuen gebrauch: 2@b@b@11)) das si mit gewalt die heiden durchdrungen, mit jrer gewunnennē prouiant ...
Fierrabras (1533) E 6
b; es soll keiner dem andern sein gefangene und gewonnene beut mit gewalt ... entfrembden Schwendi (
kaiserl. reuterbestellung) kriegsdisc. 257; so empfieng er auch seinen theil an der erfochtenen beuth, an der gewonnenen ehr, und an den eroberten palmzweigen
wider erstand. Simpl. 3, 354; worauf sie unter einander die in der schlacht gewonnene beute vertheilten Tieck
Don Quichote (3.
buch 8.
cap.) 1, 169;
dazu vgl. die übertragung: mit einiger gewonnenen ausbeute hoffen wir den freunden an der Sale zu dienen und wünschen dagegen freundlichen empfang Göthe (
an Joh. Falmer 1808)
br. 20, 139; während die herren ihr geschäft (
polizeiliche hausdurchsuchung) fortsetzten und die bis jetzt gewonnene ausbeute nur noch mit unbedeutendem ballast vermehrten Mörike (
maler Nolten 1) 4, 174
Krausz. von dieser also erstürmten und gewonnenen, herrlichen friedensstatt G. Frenssen
Hilligenlei 498; bei einem morgenbesuche fand ich ihn vor einem tische stehend, auf welchem seine wohlverdienten, zuerst auf dem schlachtfelde gewonnenen orden ausgebreitet lagen Bismarck
ged. u. erinn. 1, 81. 2@b@b@22)) selbst die gewonnene schlacht, sie kann nur wenig ihm frommen. Fr. v. Sonnenberg
Donatoa (8) 2, 1, 86; ein erschrecken kitzelt seinen stolz mehr als eine gewonnene schlacht Babo
Otto v. Wittelsbach (3.
aufz.) 117; Heinrich der fünfte von England kann nach der gewonnenen schlacht schwärmen und trinken, ohne sich zu entadeln Tieck (
dichterleben) 18, 58; das groszkreuz kann ausschlieszlich nur für eine gewonnene entscheidende schlacht ... der kommandierende erhalten
urkunde über die stiftung des eisernen kreuzes schles. zeit. 20. 3. 1813; bis die thür aufging und der alte hochaufgerichtet wie nach einer gewonnenen schlacht herauskam Paul Heyse (
Beatrice) rom. u. nov. II 1, 327; die weichlichkeit, mit der Friedrich Wilhelm IV. ... seinen truppen befahl, auf den gewonnenen sieg zu verzichten, hat für die weitere entwicklung unserer politik zunächst den schaden einer versäumten gelegenheit gebracht Bismarck
ged. u. er. 1, 42; übrigens hielte ich ... die dort zu erreichenden erfolge für nicht im verhältniss stehend zu den bisher gewonnenen siegen 2, 45. 2@b@b@33)) eine auf dem strassenpflaster erkämpfte errungenschaft wäre von minderer tragweite gewesen als die später auf dem schlachtfelde gewonnene Bismarck
ged. u. er. 1, 42; die auf dem schlachtfelde gewonnene einheit 2, 125;
dazu vgl. die übertragung: ich war zufrieden, wenn es gelang, dem Polonismus gegenüber die im culturkampf gewonnenen beziehungen der schule zum state ... festzuhalten 2, 134. 2@cc)
auch spiel und wette 2@c@aα)
wird in einzelnen festeren oder loseren attributiven verbindungen angezogen: 2@c@a@11)) das gelt ist on das der art, dasz es nicht bleibet, und wie es runde ist so waltzet es dahin wie vil mehr das mit würffeln gewunnen
verdeutschung von Petrarcas trostbüchern 24
a; die ... im brett, auff der karten, oder im schacht spielen, setzen ein heller oder pfenning auff ... und geben das gewunnen gelt etwa zum bier
theatr. diab. (1569) 509
b B;
vgl. unten th. 10
sp. 2375; endlich reisst ihn die letzte ziehungsliste aus seiner ungewissheit ... mag immer ... die von ihm gewonnene summe den betrag der anlage wenig übersteigen (H. A. Kerndoerffer)
lotterien (1796)
s. 37; nicht nur das gewonnene geld, sondern auch die erkauften mobilien waren verschwunden 60; inzwischen liesz er ihr das (
im spiel) gewonnene geld Heinse (
Hildegard v. Hohenthal 1) 5, 42; ... er ... muszte alles um die hälfte theurer bezahlen, da die wirthe bald wittern, wie leicht gewonnenes geld von jungen unerfahrnen leuten leicht ausgegeben wird Aug. Jäger (
gen. v. Schlumb)
Felix Schnabels universitätsjahre (1835) 16; manche dame, die vor der königin weiland auf einem stuhl mit einer rückenlehne sitzen durfte, machte für ihren herrn gemahl die spielkupplerin ... und theilte lachend ... (
mit ihm) das gewonnene geld E.
M. Arndt
reisen (
durch Frankreich 2) 5, 265 (
dagegen vgl.: wenn er also das aus seinem spinnen, aus andern nebenarbeiten gewonnene geld zum unterhalt seines gesindes ... verwenden musz Mauvillon
physiokratische briefe [10] 105). 2@c@a@22)) mit dem vergnügen über die ohne mühe gewonnenen reichthümer, sinkt auch die lust zur arbeit (Kerndoerfer)
lotterien s. 51;
desgl. 61; plötzlich gewonnenen überflusz 88; so gab es ... kegelschieben ... oder vogelschiessen ... und die gewonnenen preise, als taschenmesser, brummeisen, sonnenringe und dergleichen beglückten dergestalt, dass ... W. v. Kügelgen
jugenderinnerungen (1, 5) 47; in die jährliche verlosung ... hatte Erikson eines seiner kleinen bilder verkauft ... da es öfter vorkam, dass so gewonnene gegenstände an zudringliche kinder wieder verschleudert wurden G. Keller (
grüner Heinrich 3) 2, 164; zwischen den blanken messingleuchtern standen ein paar, auf einem bazar gewonnene porzellanvasen, aus deren halb gezahnter, halb wellenförmiger öffnung kleine markt sträusse goldlack und vergissmeinnicht hervorwuchsen Fontane (
frau Jenny Treibel 7. cap.) I 8, 80; als könnten sie sich nicht ersättigen, als könnten sie an das gewonnene glück nicht glauben Adalbert Stifter
studien (
Brigitta 4) 2, 379; 'ich überhole euch doch, was gilt die wette!' ... 'da hast du die gewonnene wette!' sagte sie, dem alten einen kusz gebend Th. Fontane (
vor dem sturm cap. 36) I 1, 343. 2@c@bβ)
mitten in einem weit verzweigten kreis von verwendungen steht die verbindung gewonnen spiel,
die oben schon gestreift wurde. sie ist bereits mittelhochd. mehrfach belegt und zwar in zusammenhängen, die eine weitere verbreitung und umbildung errathen lassen: daʒ uns got gebe ein ende guot unt alles wandels vrî ... got mac eʒ geben, ob er wil: daʒ geloube ich wol: eʒ waer ab ein gewunnen spil, daʒ got guot ende gaebe ân rehteʒ leben ... Reinmar v. Zweter (206, 5) 513
Roethe; (
vgl. anm. 621: geruoche mir dâ geben gewunnen spil
Pariser tagz. 2676;) 'welt ir umb rinder und umb schâf', sprach der margrâf Juslâf, 'gewunnen spil wâgen?' Seifried Helbling (4, 347) 140
Seemüller. im neueren gebrauch sind namentlich die fälle bemerkenswerth, in denen die zur formel erstarrte verbindung gegen die lose zusammenstellung des particips mit dem subst. sich abhebt (
vgl. unten sp. 6739).
in der festen verbindung ist schon rein formell die sprödigkeit des particips gegen flexionsformen hervorzuheben: gewonnenes spiel
nur in der streitschrift v. 1621
bei Opel u. Cohn; bei Lessing 1
3, 194; Göthe
br. 28, 156; (
gegen gewonnen spiel
in mehrfachen belegen); Thümmel 2, 165; Prutz; Georg Reicke
das grüne huhn2 92;
dagegen vgl.: gewunnen spiel,
victoria in manibus Aler 1, 937
b u. a.;
ja selbst: mit gewonnen spiel sol man scheiden Schottel 1134
b vgl. th. 10
sp. 2301.
die formel beorzugt die verbindung mit bestimmten verbis, neben denen es je nachdem auch dem indefiniten pronomen eingang gestattet. 2@c@aα)
selten belegt ist die verbindung mit dem verbum substantivum; in beiden zeugnissen steht das indefinite pronomen: das war nun dem babst ein gewonnen spiel ...
bapsttrew Hadriani ... gegen keiser Friderichen Barbarossa geübt (1545) F 4
a.
genau so aus späterer zeit: das war nun den feinden des buchs und der parthei ein gewonnen spiel Herder (
μαραν ἀθα) 9, 248. 2@c@bβ)
häufiger sind factitiva beobachtet: 2@c@b@11)) und meister wandersmann, der nie sich lest bedeuten, gibt kein gewonnen spiel, hat lieb' und lust zu streiten, ein solcher macht sich selbst bei jedermann verhaszt, und ist auf teutsch ein narr, auf griechisch ein phantast. Rachel
satir. gedichte 73 Drescher (
gut u. böse 378); diesz veranlasste dringende forderungen und wünsche, und gab Herdern gewonnen spiel, als er mich zu überreden suchte, ich möchte diese papiere nochmals mit mir nehmen Göthe (
ital. reise 8. 8. 1786) 27, 26;
das gleiche Prutz
preusz. gesch. 3, 323
s. th. 10
sp. 2306; Adelung
sucht in dieser verbindung den ausgangspunkt von gewonnen geben (
s. o.): einem gewonnen spiel geben, bedeutet zuweilen eben dasselbe (
wie gewonnen spiel machen), zuweilen aber auch, erkennen, dasz der andere gewonnen habe, sein vorrecht, seine übermacht erkennen, welches man auch durch, einem gewonnen geben, ausdruckt Adelung (1807) 2, 665;
desgl. Campe 2, 364
a u. a. diese annahme wird schon durch die dürftigkeit der einschlägigen belege nicht unterstützt, ihr widersprechen aber auch die oben verwertheten thatsachen. eher ist das umgekehrte anzunehmen, dasz gewonnen geben
auf die verbindungen von gewonnen spiel
eingewirkt hat. 2@c@b@22)) wol bedacht, frisch verbracht hat offt gewonnen spiel gemacht Logau
sinnged. (1, 4, 86) 94
Eitner; einem ein gewonnen spiel machen, auch figürlich im gemeinen leben, machen, dasz er seine absicht mit leichter mühe erreicht Adelung 2, 665;
ähnlich Campe 2, 364
6. 2@c@gγ)
im mittelpunkt aller dieser wendungen steht die formel (ein) gewonnen spiel haben,
die sich auch in ihrer bedeutung am sichersten gegen die losen formen der verbindung von spiel
und gewonnen haben
abgrenzen läszt, vgl.: gewonnen spiel haben,
in portu navigare Stieler 2086;
gegen so hon wir dan das spiel gewonnen Murner
luth. narr vgl. unten th. 10
sp. 2306.
in der letzten wendung liegt der thatsächliche erfolg vor, die erste spitzt sich mehr und mehr auf die bloszen voraussetzungen zu, auf die trümpfe, die den, der sie in der hand hat, auch täuschen können: sie warff dir hier und dar geneigte minen zu, und unterhielt dadurch die meinung in dem hertzen, dasz dein entdeckter zug ihr nichts zuwieder thu. du hieltest nun das spiel, allein zu früh, gewonnen; du hattest bei dir selbst den hafen in der näh ... Joh. Chr. Günther (
auf d. Gottfried- u. Mentzelische hochzeit)
ged.2 (1739) 599; und als ich die rednerbühne mit dem Huttenschen 'ich hab's gewagt!' verliesz, durfte ich das spiel für gewonnen halten R. Haym
aus meinem leben s. 185; räumt man euch dieses ein, so habt ihr dem scheine nach gewonnen spiel, in der that aber nichts gesagt Kant (
kritik d. reinen vernunft elementenlehre II 2.
abth. 2.—3.
hauptstück) 3, 408. 2@c@g@11))
auf thatsächlichen erfolg weisen ältere buchungen: victor, oris, ein siegman, der oben liegt, und gewonnen spiel hat Andr. Corvinus
fons lat. (1623) 898; du hast ein gewunnen spiel,
vicisti, cedit tibi victoria Aler 1, 937
6; gewunnen spiel haben ...
victoriam in manibus habere ebenda; wir haben (ein) gewonnen spiel ...
la vache est a nous Rädlein 1, 383
6;
dazu vgl.: so nimpt der mutwil uberhand, das man dem nicht mehr geweren mag. darüber lachet der teuffel und hat aber ein gewunnen spill Eberlin von Günzburg 3, 209
Enders; ebenso Luther 29, 362
Erlangen; dass der bischof gut händel anzufangen hat, dann geräths ihm, so hat er gewonnens spiel, verliert er aber land und leut darüber, so bleibt er doch ein junker
nova nova antiqua (1621)
Opel u. Cohn s. 389; Sathan hat gewonnen spiel S. Dach 765
Österley (
nr. 325); darum hatte oft ein usurpator gewonnen spiel, wenn er nur diesem hange des volks durch eine reihe von lustbarkeiten opferte Schiller (
Solon) 9, 179;
desgl. Wieland
Luc. 5, 89; sie merkte, dasz sie gewonnenes spiel habe, setzte eine triumphierende miene auf und sagte: 'nun komm mir helfen!' Georg Reicke
das grüne huhn (2, 3)
2 92. 2@c@g@22))
andere (
neuere)
buchungen setzen die formel in hypothese und dem entsprechen noch mehr litterarische belege: wenn dieses ist ... so haben wir schon gewonnen spiel ...
si cela est ... la vache est à nous, ou l'affaire vaut faire Rädlein 385
a;
dazu vgl.: ... so weis ich wol vnd zweiffel nicht, wenn er die warheit zeugen wil, so hab ich ein gewonnen spil Chryseus
hofteufel (3, 3) (1562) D 7
b; wenn alle von adel auf die flucht gedencken wollen, so hat der pöbel gewonnen spiel Chr. Weise
Masaniello (3, 10) 75
Petsch; wenn deine gedichte der königin gefallen, haben wir gewonnen spiel Boie
an Bürger (26. 1. 1778)
bei Strodtmann 2, 218; schickestu (
Jupiter) aber ein sterben, so haben die geitzhAelse und alle brige menschen ein gewonnen spiel, indem sie hernach viel erben Grimmelshausen
Simplicissimus 209
neudr.; mit so einer dose hätte ein liebhaber gegen mich gewonnen spiel (1754: das gewonnene spiel in händen; 1767: gewonnenes spiel) Lessing (
die juden 11) 1
3, 394; nun hab' ich gewonnen spiel. euer letzter zug Babo
Otto v. Wittelsbach (3.
aufz.) 119; wenn sie dabei höchstens nur roth werden sollte, ohne nur ... davon zu laufen, so habe ich übermorgen gewonnenes spiel Thümmel (
reise 2) 2, 165; wenn uns als dichtern ... gelegen sein müsste, dass niemand der art, wie ein kunststückchen hervorgebracht wird, umsehen dürfte, so hätten wir freilich gewonnen spiel, so wie jeder der das publikum zum besten haben mag ... auf glück rechnen kann Göthe (
an Schiller) br. 13, 5 (3. 1. 1798); so haben wir andern gewonnenes spiel und können ... ganz gelassen den höchsten betrachtungen vorarbeiten (
an Boisseree) 28, 156; Victor Hugo ... hat ... den Globe auf seiner seite, und so hat er gewonnen spiel (
zu Eckermann)
gespr. 6, 2
Biedermann; wenn wir nur zu einer privataudienz vor ihn gelangen, so haben wir sicher gewonnenes spiel Pestalozzi (
Lienhard u. Gertrud 3, § 54) 3, 248; 'was ist das für ein mensch', nur auf das hin gab er sich antwort und wenn diese günstig lautete, so hatte der betreffende gewonnen spiel Fontane
von zwanzig bis dreiszig s. 513;
dazu vgl.: nun hab ich gewonnen spiel,
now am I above board; now am I out of fear, or out of danger teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; gewonnen spiel haben,
être seur de sa partie Rondeau 2, Uu 4
6;
ebenso Frisch
dict. des pass. 1, 750
6; wenn die katze aus dem hause ist, haben die mäuse gewonnen spiel
als sprichwort in Iduna u. Hermoda (1814. 7)
s. 28. 2@c@dδ)
vereinzelte formen: 2@c@d@11)) dieses schreiben hatte das glück ein paar seichte gegner zu finden, durch welche der verfasser dieser vernunftmäszigen beurtheilung, als der vertheidiger des Schulzischen schreibens, gewonnen spiel bekömmt Lessing (
in der Voss. zeit. 1753) 5
3, 184. 2@c@d@22)) da würfelten die zwei der würfel fiel! gewonnen spiel! spricht sie, und pfeift dabei. Freiligrath (
der alte matrose 3) 2
6, 46. 2@dd)
auch im rahmen des allgemeineren begriffs des erwerbs stehen sich bei den attributiven verbindungen engere und weitere, sinnliche und verblaszte formen der besitznahme gegenüber. 2@d@aα)
unter den rechtssprachlichen wendungen war schon die bedeutung des erarbeitens
entgegen getreten, sei es durch eigenes handanlegen oder mindestens durch die dienstleistungen anderer: vgl. oben sp. 6734;
vgl. auch gewinnen
sp. 5449
f.; vgl. sine damno serere, compendium operœ est, ist gewunne arbeit Cholinus-Frisius (1541) 182
b (ein ersparte arbeit Frisius
dict. [1556] 267
b). 2@d@a@11)) swer gewunnens holz stilt, do sol jener, des es do ist, im auf dem spor nach gen, eʒ sei wagen oder charre
Ruprechts rechtsbuch § 105
s. Westenrieder beiträge 7, 75;
vgl. dazu: swer ungewintz choren stilt oder saltz aus der plahen (§ 100)
s. 73; wo ainer dem andern in seinem panholtz ainen oder mer pawm haimlich abhawt oder stilt ... wo aber ainer dem andern sein gewunnen holtz hin fürt, oder ainen marchpawm abhackt
reformacion d. bayr. landrechts (1518) 119
b (
tit. 35
art. 4); wem sein hew, oder sein gewunnens holtz hingefüert wirdet ... so sol er auf sein pfannd bereden, das jm der beclagt sein hew, oder sein gewunnens holtz hab hingefüert 123
a (
tit. 37
art. 2); hat ... eben so wenig zu befürchten, als der besitzer einer sehr unergiebigen waldung in einer stark bevölkerten gegend von Deutschland für den absatz seines hier gewonnenen holzes etwas von dem Nordamerikaner zu besorgen hat Lotz
revision der grundbegriffe der nationalwirtschaftslehre 3, 320. 2@d@a@22)) weil wir aber diszmals von euerm gezau, farten, magnetten, vnd andern berckinstrumenten fürgenommen haben, mit euch bergkleuten zu reden, wöllen wir nun auch die zeug vnd künste erzelen, damit ir den gewonnen berg vnd ertz, vnd die wasser zu tag auszfödert Mathesius
Sarepta (1562) 132
a; ... dürfen die grubeneigenthümer nicht eher etwas an sich nehmen, als bis die zu ausführung der festgestellten betriebspläne auf den zeitraum von wenigstens einem halben jahre erforderlichen mittel entweder in anstehenden erzen in der grube, oder in gewonnenen erzen über tage, oder baar in der grubencasse bereit stehen
bergges. f. d. königreich Sachsen § 89
s. sächs. gesetzf. 1851, 217;
vgl. gewinnen
sp. 5962
f. 2@d@a@33)) da die rente (
der gutsbesitzer) in beiden fällen nur für den dritten theil der gewonnenen erzeugnisse angenommen wird
übersetzung von Adam Smith
wealth of nations 4, 240 (1796) (
the produce); übersteigt der ... preis der auf die eine oder die andere weise gewonnenen naturprodukte jenen güteraufwand, so ist diesz zwar ein gewinn für den besitzer J.
F. E. Lotz
revision der grundbegriffe der nationalwirthschaftslehre 3, 252; geht der betrag der gewonnenen produkte unter den betrag dieses aufwandes herab 282; der durch den betrieb dieser gewerbszweige geschaffenen oder gewonnenen produkte 293; es giebt leichtsinnige leute welche von der hoffnung leben ... im herbst die gewonnenen speisen verschachern um geringen preis, im frühjahr hungern Jeremias Gotthelf
Käthi die groszmutter 1, (11.
cap.)
s. 139 (1847); doch der alte Vercellini wollte sich nicht von seinen ölbäumen trennen, nahm auch an dem treiben der seeräuber so wenig anstosz, dasz er ihnen sogar einen groszen teil seines gewonnenen öls verkaufte Wilhelm Hegeler
Pietro der korsar3 10;
dazu vgl. die übertragene wendung: bisher ist noch nicht alles von dem bereits entdeckten zu diesem zweck gesammlet; selbst Jablonski schätzbare arbeiten sind noch nicht rein gewonnene früchte Herder (
br. d. studium d. theologie betr. 1) 10, 42. 2@d@a@44))
in gleicher weise wird auch das wissenschaftliche experiment aufgefaszt, und die participialform scheint für das auf diesem wege erzeugte häufiger als andere formen des verbs angezogen zu werden: und wird nächstens mit dem alldorten gewonnenen gemisch von körnern, pulvern und blättchen sich bei den freunden einfinden Göthe
br. 46, 92 (
an Marianne Willemer 30. 9. 1829).
bemerkenswerth ist hier F. Wöhler,
der in seinem grundrisz der chemie (
unorganische chemie)
dem bedürfnisse nach einer abwechslung in den stets sich wiederholenden formen durch den wechsel von erhalten (man erhält), darstellen (wird dargestellt)
und gewinnen
rechnung trägt, für etwaige attributive verbindungen aber gewonnen
vorzieht. gegen: das auf die eine oder andere weise erhaltene silberhaltige werkblei 165,
vgl.: das aus dem alaunstein gewonnene alaun 129; indem man der rohen alaunlauge, statt eines kalisalzes, das von der trockenen destillation thierischer stoffe gewonnene kohlensaure ammoniak ... zusetzt
ebenda; vgl. auch: sie schmolzen schnee und eis, und behielten das gewonnene wasser in der geheizten türmerstube, damit es nicht wieder zu eise fror O. Ludwig (
zw. himmel u. erde) 5, 169
Bartels. 2@d@a@55))
ebenso dient die participialform auch andern formen sinnlicher bewegung und arbeit: sollte man nicht bei der ungeheuern dicke der mauern eine art von amphitheatralischem stufensitz auf beiden seiten für die zuschauer erhalten, oder vielleicht gar durch die abgetragenen ziegeln und gewonnene erde ein wirkliches amphitheater hergestellt haben? Göthe (
an Hirt 1809)
briefe 20, 361; so hörten sie hinter sich auch schon ein schlagen wie von hämmern und äxten und gleich danach wurden allerlei köpfe sichtbar, die durch die gewonnene dachöffnung hin nach ihnen ausschauten Fontane (
unwiederbringlich 27. cap.) I, 7, 241; seht wie die grimmen ungestalten, bewegt im rasch gewonnenen raum das doppel-flügelpaar entfalten. Göthe (
Faust II, 1) 41, 49; und so habe ich denn, das endliche ende vorzubereiten ... neben der fürstlichen gruft ein anständiges gehäus projektiert, wo sie dereinst meine exuvien und die Schillerschen wieder gewonnenen reste zusammen unterbringen mögen Göthe (
an Boisseree) br. 42, 20;
dazu vgl.: es ist schon vorbei, sagte sie mit mühsam gewonnenem athem Paul Heyse (
Vetter Gabriel) II, 3, 100. 2@d@bβ)
die richtung auf das abstracte: 2@d@b@11)) dass gottes urtheil unergründlich, und ... die andere seits gewunnene glori nur mit dem interim versiglet bleibe Abrah. a S. Clara (
auff, auff ihr christen)
Wiener neudr. 1, 63; so hatte sich auch, selbst nach dieser gewonnenen einwilligung, kein verhältnisz der eltern unter einander bilden und einleiten können Göthe (
dicht. u. wahrh. 17.
buch) 48, 65; ... denn niemand erhebt sich daurch über sein volk, dasz er sich auf die zehen stellt, jeder ruhm, jeder gewonnene name hat ein fundament Hebbel
br. 2, 199
Werner; so (
durch '
sund') kann das fremde canal verdrängt werden, und das wäre noch auszer der gewonnenen sprachreinigkeit überdem zu wünschen, weil es so viele nebenbegriffe enthält
F. L. Jahn (
bereicherung des hd. sprachschatzes) 1, 117
Euler; auf der so gewonnenen grundlage ist es mir später möglich geworden, meine vorlesung über geschichte der philosophie ... auszubilden R. Haym
aus meinem leben (1902)
s. 178; längst gewonnene und erprobte formen wollt ihr neu erfinden H. Laube
Paris 1847 (7)
s. 72; und nur auf der von ihr gewiesenen bahn, wenn wir durch kritik und methodische vergleichung das neu gewonnene material zu den nachrichten der alten ins rechte verhältnis setzen lernen, wird es möglich, auch den zusammenhang des äuszern und innern lebens unsrer vorzeit nach allen seiten hin aufzuweisen K. Müllenhoff (
dtsche. altertumskunde 1
2, XXVII); die voraussetzung aller philosophie aber ist ein ewiges sehnen und suchen, ein unablässiges prüfen der gewonnenen wahrheiten G. Freytag (
bilder a. d. dtsch. vergangenheit 4, 3) 21, 110; und ihre schönheit, die in den neu gewonnenen Berliner kreisen gewissermaszen eine neue blüte erlebte, that ein übriges dazu Georg Reicke
das grüne huhn2 (3, 1) 191. 2@d@b@22)) so hatte auch sein geist das kaum durch Ambrosias einflusz gewonnene gleichgewicht eingebüszt
F. Halm (
haus an der Veronabrücke) 4, 83
Schlossar; so würde ich die zeitweilig gewonnene ruhe dankbar genossen haben W. v. Kügelgen
jugenderinnerungen (4, 3) 250; bis ich endlich erkannte, dass es doch eine hexerei war und mich mit der gewonnenen einsicht meines unvermögens begnügen musste (2, 5) 117; dieser ausblick in eine neue völkerzukunft vertiefte sich unendlich durch die gewonnenen fernsichten auf das eben entdeckte Amerika ... Th. Mundt
gesch. der dtschen. stände (2, 5) 348; ohne viel von der gewonnenen höhe zu verlieren Hans Hoffmann
aus der sommerfrische 36; nach meiner in Petersburg gewonnenen kenntnisz des russischen hofes und der dort leitenden einflüsse Bismarck
ged. u. erinn. 1, 237; er war ihr eine bestätigung ihrer neu gewonnenen ansichten durch die oberste instanz, die es für sie gab ... Georg Reicke
das grüne huhn2 (3, 13) 316; in dem er darthat, wie kirchen und prälaten mit ihren bestellungen seiner harrten und auch die gewonnenen fortschritte in der arbeit zählten G. Keller (
grüner Heinrich 3) 2, 259; von einem wohlthätig über nacht ausgebrochenen schweisze merkte sie kaum noch etwas als die gewonnene stärkung Gutzkow
zauberer von Rom (1, 8) 1, 68; Europa würde in unserm verfahren einen missbrauch der gewonnenen stärke erblickt haben Bismarck
ged. u. erinn. 2, 176; so verloren wir auf dem wege zur vollendung unserer nationalen entwicklung den ganzen 1866 gewonnenen vorsprung 2, 88. 33)
die substantivierung hat wenig charakteristische formen entwickelt, obwohl sie schon in einer variante zum Heliand auftritt: thô uuard frômôd hugi bêdiun them gibrôðrun: antkendun that barn godes, lioBan hêrron: forlêtun al saman Andreas endi Petrus, sô huuat sô sie bi theru ahu habdun, geuunstes (
so Mon.; Cott.: giuunnanes) bi them uuatere: uuas im uuilleo mikil, that sie mid them godes barne gangan môstin.
Heliand 1167
Behaghel2. 3@aα)
die schon hier gegebene bedeutung des erwerbs herrscht in den litterar. zeugnissen vor, mit engeren und weiteren formen: bei der nuzzung der aus den bergen zu grabenden schäzze hat man den bau selbst, von dem gewonnenen zu unterscheiden. der bergbau wird entweder alleine oder auf kosten der cammer geführt, oder sie belehnt damit verschiedene personen, wo diese von dem gewonnenen den 10. theil entrichten L. J. D. Suckow
die cameral-wissenschaften (1767)
s. 306/7; dazu endlich mit einkauf ihrer bedürfnisse, und mit verkauf des vom vieh und lande gewonnenen, sich abgeben H. H. Cludius
bildung d. niederd. bauern (1805) 14; zu welchen abgründen ward das denken hinabgeführt, zu welch unendlichen gegensätzen auseinander gerissen, immer wieder dünkte alles bereits gewonnene verloren, und jede anstrengung umsonst ... Heinr. Laube
neue reisenovellen (16:
Hegel in Berlin) 1, 405; da es mit dem zeichnen im freien vorbei ... war, leitete mich Römer an zu versuchen, ob ich aus dem gewonnenen ein ganzes und selbständiges herstellen könne G. Keller (
grüner Heinrich 3, 5) 2, 48; dahin geht eben die klage gegen handelsstädte, dass sie nicht nach einem dritten, einem auszerhalb liegenden, einem höher gewonnenen fragen, dasz sie sich mit der frage begnügen: was haben wir profitirt? H. Laube
neue reisenovellen 2, 222 (27). 3@bβ)
zur beziehung auf kampf und spiel vgl.: um das gewonnene spielen Frisch
nouveau dict. des passag. 1, 750
6; er gerieth ans spiel, gewann ansehnlich, ward dadurch keck, riskirte und verlor das gewonnene und alles, was er am leibe trug E.
M. Arndt
reisen (
reise durch Frankreich 2) 5, 252; wie sich die spätern kriege um die behauptung des gewonnenen gestalten würden, war nicht vorauszusehn Bismarck
ged. u. erinn. 2, 38. 44)
bemerkenswerth ist die adverbiale entwicklung der negierten form, die aus der Schweizer mundart bezeugt ist: ob aber etlich so ungewunnen gitig sind, dasz sie nieman von jrem fürnemen bringen mag, also dasz si für und für mit frömden herren machen, das gelt nemen, ... Zwingli (
vermahnung an die eidgenossen) II, 2
s. 319
Schuler u. Schulthesz; die wendung führt auf gewinnen
im sinne von bezwingen, überwinden
zurück, ungewunnen = unbezähmbar.