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gottesrecht

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gottesrecht n.

Bd. 8, Sp. 1293
gottesrecht, n. , in einer reihe sehr verschiedenartiger bedeutungen, vornehmlich in älterer sprache, und hier meist in den kurzformen gotsrecht, gottsrecht, gotzrecht, goczrecht; vereinzelt auch gottrecht (im vers) Neumark (s. u. 3 b). 11) nur vornhd. 'das göttliche gesetz', entsprechend gottes recht unter gott sp. 1074: also hyliclich lebet er (Johannes der täufer) alle sine tage vnd predigote daz gotisreht armen vnd richen, herren vnd fursten (12. jh.) in: Germania 1, 445b. 22) im nd. des 15. u. 16. jhs. für 'ordal', wie in der älteren verbindung godes ordel und in den jüngeren zusammensetzungen gottesurteil (s. d.), gottesgericht (s. d.), sieh auch gottes recht s. v. gott sp. 1074: weil H. R. das godes-recht gestanden und dreymal zum schein gegangen und der allmächtige ihn errettet (1566) in: dt. rechtswb. 4, 1033. 33) auf ein rechtsganzes bezogen. 3@aa) in älterer terminologie synonym mit natürliches recht und oft in der abgrenzung gegen rechtssatzungen anderen ursprungs, vgl. gottes recht unter gott sp. 1074, gott und recht unter gott sp. 1082, göttliches recht unter göttlich A 3 a ε: das recht ist drierhande; gottsrecht ist das erste, marktrecht ist das andere, lantrecht ist das dritte. gotisrecht ist, daz got selbe gesazt hat von anegeng der werlde mit eyner naturlichen ee sächs. weichbildrecht 1, 64 Daniels-Gruben; gotisrecht heisset naturlich recht durch vierley sachen willen ebda 183 (glosse). hierher wohl auch: von gotisrechte sal kein jodde wucher nemen (1387) in: dt. rechtswb. 4, 1033 und dort zur bedeutung unt. b gestellt. als persönlicher rechtsanspruch: das sie gotsrecht hett czum lande G., alleine es ir were mit unrecht abgedrungen (preusz. 1402) ebda. vielleicht im unterschied zu geistliches recht (doch s. unt. b): wedder godesrecht, naturlik recht, ghestlik recht unde keyserrecht (Lübeck 1423) ebda. historisierend: das thut nicht gut, der obrigkeit widerspenstig sein, die gewalt über uns hat. ist wider kaiserrecht und gottesrecht Alexis Roland (1840) 2, 46. auch sonst begegnet das wort in jüngerer sprache mit vergleichbarer bedeutung, aber in freierer anwendung und auszerhalb des fachsprachlichen gebrauchs: durch die verfassung war schlecht oder gar nicht für diese menschenklasse gesorgt, wohl aber durch den eignen vortheil des herrn, und durch das höhere billigkeitsgefühl und gottesrecht Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 243; weil sie (die richter) allerhand milderungsgründe vorfanden, nur eben den nicht, dasz der Jakob nach gottesrecht doch vielleicht unschuldig war P. Rosegger schr. (1895) I 1, 344; ders., nixnutzig volk (1906) 156. 3@bb) im 14. jh. auch als 'geistliches, kirchliches, kanonisches recht' belegbar: gotisrecht ist ouch, das got selber gegeben hot der romischen gewalt, alz noch die christenheit helt, von sente Peters halben dem pabiste gehorsam zu syn, unde allen erzbischoven unde iren undertanen von sinent halben an geistlicher gewalt nach bannes rechte sächs. weichbildrecht 64 Daniels-Gruben. 3@cc) vergleichbar ist eine analoge, auf heidnisch-germanische verhältnisse übertragene anwendung bei Möser: was wir jetzt regalien heissen, mogte dero zeit gottesrecht seyn; und zu dem unterhalt des priesters dienen Osnabr. gesch. (1780) 1, 52. vgl. in ähnlichem bereich, aber in der gegenüberstellung zu menschenrecht kaum im sinne strenger scheidung: vor erster alter zeit nur hain und wälder waren der Teutschen kirchenbau, drin in viel hundert jahren ihr himmelsdienst geschah; drin wittod und druiden das gott- und menschenrecht gerechtstreng unterschieden Neumark fortgepfl. lustwald (1657) ):( ):( 8a 44) kirchensprachlich als bezeichnung der sakramente, in engerem sinne der sterbesakramente, in weiterem der kirchlichen, gottesdienstlichen verrichtungen überhaupt, s. auch gottes recht unter gott sp. 1074. wie die verbindung, so ist auch das kompositum in dieser bedeutung seit dem späten 14. jh. belegbar (gocs recht a. d. 4. bayr. fortsetzung der sächs. weltchron. gehört nicht nach dt. rechtswb. 4, 1033 ins 13., sondern in die mitte des 15. jhs.) und ist bis ins frühe 17. jh. literarisch reich bezeugt, lexikalisch noch bei Frisch (1741) 1, 362b; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 779b. die historische bezeugung verweist das in dieser bedeutung gebrauchte wort vornehmlich ins obd., und hier besonders ins schweizer., schwäb. und bair. (ofränk.), doch kennt es, zumal in frühen zeugnissen, auch das omd. und das wmd., in welch letzterem gebiet allein es die lebende mundart noch festhält, vgl. luxemb. ma. 151 und im rhein. wb. aus moselfrk.-ripuar. grenzgebiet gottesgerecht 2, 1327, gottesrecht 1328. für das mnd. ist nur ein vereinzeltes zeugnis beizubringen (s. u.b). singularischer gebrauch des wortes ist selten. 4@aa) für die sakramente allgemein; b gegenüber anscheinend häufiger von der vorstellung aus, dasz es sich um rechte (im sinne von befugnis und verpflichtung zugleich) der kirche und ihrer geistlichen handelt, vgl. dazu auch s. v. recht I 2 d, teil 8, 366 und unter gottesehe 1, besonders den beleg aus font. rer. Austriacar. II 18, 307: vnd sollen die pfarrleuthe bewahren mit gottesrecht ... es wer dann dasz man von bannes wegen nicht singe (hessisch 1392) bei Haltaus gloss. 744; vnd begehre ..., dasz man mich nicht versaum an gottesrechten, wann ich ie gern eine gantze beicht thun wolle, vnd die heiligen sacrament nehmen des heil. wahren leichnams J. C. vnd der heil. oelung (1445 i. d. confessio fidei Friedr. II. v. Brandenburg) bei Haltaus gloss. 744; sie müsten ire gotzrecht vnd loblich versehung irs gotzhuses thun (schwäb. 1497) ebda. auch hier unter dem bei b deutlicher hervortretenden gesichtspunkt eines kirchlichen rechtes der gläubigen: ein cristen menschen ..., der da getauft sei und hab alle sein gotzrecht entpfangen mit der tauf, firmung und das sacrament entpfangen (Nürnberg 1492) städtechron. 11, 570; sie hund mier die gotzrecht die mir mein pfarrer solt mittailen, abgestelt (Biberach 16. jh.) in: Alemannia 17, 103; warumb er (der pfarrer) ihn in bann hett und seinen leuthen die messe und gottes recht nicht bestellen wolt (schlesisch 1529) in: dt. rechtswb. 4, 1034. wohl geradezu als 'recht auf sakramentsempfang': so soll er (der scharfrichter) das gelt von stunde an den armen weisen überantworten und des nützit behalten, by sinem geswornen eyde, umb das im sin gotsrecht dodurch nit abgestellet werde Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 399 Brucker. nicht selten anscheinend mit den sakramenten auch andere oder überhaupt die anderen gottesdienstlichkirchlichen verrichtungen einschlieszend, vgl. das formelhafte alle gottesrechte (tun): aber der pfarher zu sant Martin, wiewol er nit sang (= messe las), dennoch höret er (beichte) und berichtet meniglich ... und thett in alle gottsrechte (15. jh.) chron. d. st. Bamberg 1, 166 Chroust; werdit abir der kirchoff siner fryheit beroubit alleyne, so tud man in der kirchin wol alle gewonliche gotisrecht (14. od. 15. jh.) Eisenacher rechtsb. 1, 748 Ortloff; so syen ouch alle gotzrecht, das helig sakrament der touff und crisam, ouch die balme- und kerzen-wichy in derselben kilchen (1492) in: schweiz. id. 6, 252; als si (die pfaffen) nit mer woltend mesz halten, treib man si hinusz, doch blibend etlich in der statt, hieltend und tettend den bürgern alle gottz-recht, sachend den pabst nit an (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 318; vgl. 73; mit empfachung der h. sakramenta vnd aller cristlichen catholischen gottszrecht (tirolisch 1604) in: Hintner beitr. z. dt. wb. 28. 4@bb) speziell, und so namentlich im 15. jh., für die sterbesakramente, mit denen nach kirchlicher auffassung in engerem sinne die letzte ölung, in weiterem auch busze und abendmahl gemeint sein können, obwohl die häufige, aber starre formel alle gottesrechte auf eine solche unterscheidung keine rückschlüsse zuläszt. deutlicher wohl als unter a, wenn auch durchaus nicht immer, vom standort des gläubigen her, als die kirchlichen rechte, auf die der gläubige in seiner beziehung zu gott anspruch hat, vgl. die verbindung seine, ihre gottesrechte und feste wendungen wie sich alle gottesrechte tun, geschehen lassen u. ä.: daz er vor im peicht und gotsrecht empfangen (steiermärk. 1398) in: dt. rechtswb. 4, 1034; verdarb in der statt (bei einer beschieszung) nie (kain) mensch denn ain pfaff und ain alt wib. und geschach inen baiden ire gotzrecht (1444) in: schweiz. id. 6, 282; also fuort man in (den verwundeten) glich ze land und geschahent im alle sine gotzrecht H. Fründ chronik 237 Kind; er (ein scheinbar sterbender) liesz im auch alle gotzrecht tun (Augsburg 15. jh.) städtechron. 4, 322; summerteil d. heyl. leben (1472) 169b; das im die gotzrecht werden möchten, dz er dester süsser sterben möcht Eulenspiegel 140 ndr.; beide ... tödtlichen krank lagen, auch ... beide mit allen gotzrechten bewart Zimmer. chron. 22, 212 Barack; so thut mir alle gottesrecht vnd an meinem end mir zusprecht Ayrer dramen 1762 Keller; den kranken mit den gottesrechten versehen lassen (1607 erzdiözese Trier) in: dt. rechtswb. 4, 1034. in dieser bedeutung noch in westmd. mundart, vgl. gottesriechter, pl. Gangler Luxemb. 185; luxemb. ma. (1906) 151; gottsrecht rhein. wb. 2, 1328; gottsgerecht ebda 1327. in fester formel ohne alle gottesrechte sterben 'ohne den empfang der sterbesakramente': da starb er (der erstochene) on alle gotzrecht (Augsburg 1456) städtechron. 25, 309; er waz also gestarben und gelingen verdarben on alle goczrecht, reu vnd peiht M. Beheim buch v. d. Wienern 352; ich wais nit von was gerichts gottes der siech starb sunder peicht, pusz und sunder alle gots rechtt (sine inunctione) (bair. mitte 15. jhs.) Hartlieb dial. 341 Drescher; vgl. 354; er wurde in der wiltnusz sterben vnnd on alle gotzrecht verfaren Fortunatus 118 ndr. erweitert auf die den gestorbenen zu erweisenden kirchlichen handlungen, wie seelenmesse, kirchliches begräbnis u. dgl., die vielleicht auch in den obigen belegen gelegentlich mitgemeint sind: hirvan schall man miner denken und mi godesrecht don (Braunschweig 1462) in: nd. jahrb. 43 (1917) 71; der guot frum mann war gar leydig, liesz sie (seine frau u. kinder) begraben, gieng gehn Lutzern, wachs zuo kauffen, dem weib unnd kindern ir gots recht zu thun Frey gartenges. 52 Bolte; dass er (der papst) si liesse mess halten, ... und den gestorbnen gottz-recht tun (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 144. 4@cc) vereinzelt in andere bedeutungen ausweichend. von a her auf das verhalten der gläubigen während des gottesdienstes übertragen: darbey (bei dem gottesdienst) sy ... sich von anfang bis zum endt mit erzaigung gebürlicher gottsrecht und ehren ... andächtig erzaigen sollen (österr. 1604) in: dt. rechtswb. 4, 1034. anders, als 'spende an die kirche' (?): (die geistlichkeit soll das volk nicht mit) gottesrechten (beschweren) (oberösterr. 1510) ebda.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gottesrechtn.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gottesrecht , n. , in einer reihe sehr verschiedenartiger bedeutungen, vornehmlich in älterer sprache, und hier meist in…

  2. Sprichwörter
    Gottesrecht

    Wander (Sprichwörter)

    Gottesrecht Gottesrecht das ist das erste. – Graf, 1, 8.

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Cotta, M. (2026). „gottesrecht". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gottesrecht/dwb
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Cotta, Marcel. „gottesrecht". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gottesrecht/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gottesrecht". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gottesrecht/dwb.
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