schmarre,
f.,
schmarren,
m. 11)
bair.-östr. ein gericht, das aus mehl oder gries, brodkrumen, zerstoszenem pfannkuchen u. dergl. mit schmalz oder butter, oft unter zusatz von eiern und anderem, durch schmoren oder rösten bereitet wird, schmarren,
f. (brod-, semmel-, mehl-, gries-, topfen-, kapaunen-, lungen-, nierenschmarren) Schm.
2 2, 553,
m. Schöpf 628, schmarn,
m. Höfer 3, 98, schmrn Hügel 140, schmrn Castelli 246, schmrn, schmoarn Lexer
kärnt. wb. 221: ein gesotten haber mit guten nudelpauntzen, und ein feisten schmarn, hat neben dem einhenckel sein preisz in Bayern. Mathesius
hochzeitpred. (1579) 69
b. 22)
klumpen, brocken. frustum alicuius momenti, schmarren Scherz-Oberlin 1421,
f. Schm.
2 2, 553 (Keisersberg,
noch ostfränk.), schmare,
m. Hunziker 225: (
ich) asse fein offentlich unterm freyen himmel zu mittag, darzu mir ein zimlicher schmarren vom reheziemer nicht übel schmeckte.
Simplic. 3, 364, 9
Kurz; dem (
mühlarzt) gab die wirthin, so allein vorhanden, ein stück brod und einen schmarren stinckenden schmir-käsz darauf. 387, 33.
vgl. auch eisschmarre,
eiszapfen oben theil 3, 380. 33)
schwäb. schmarren,
m. obstmus Schmid 470. 44)
ebenda in gleicher form '
viel gerede'.
dazu schmarrenmacher,
der über eine sache viel worte macht Schmid
a. a. o., schmarregrait (=
Grete),
schwätzerin Wander 4, 256 (
Ulm). 55)
bair.-östr. schlechtes, unbrauchbares ding, von Schm.
2 2, 153. Schöpf 628. Hügel 140
a. Castelli 246. Lexer
kärnt. wb. 221
als übertragung von 1
angeführt, also bei diesen in form und geschlecht mit 1
übereinstimmend: en schmarrn von enre haubm, von enere schrift. Schm.
a. a. o.; jà schmoarn!
starke abweisung Lexer
a. a. o. dazu schmarngeld,
wenig geld, lumpengeld Schm.
a. a. o. 66)
karger mensch, knauser, schmarren (
wol m.) Schm.
2 2, 553, schmarn,
m. Höfer 3, 98. 77)
in der neueren schriftsprache begegnet nur schmarre,
f. und zwar im sinne von: streich, hieb, lange wunde, narbe und dem ähnliches. ältere quellen und heutige mundarten bieten daneben auch in dieser bedeutung ein m.: schmarr,
f. Alberus
diction. (1540)
bei Weigand
4 2, 600, schmarr,
f. vulnus, streichmahl, schramm,
incisura cicatrix. balafre Schottel 1403, schmarr, schmarre,
f. (
doch in den belegen auch als m. behandelt),
incisura, vulnus, cicatrix, vestigium veteris vulneris, et signum Stieler 1863, schmarre,
f., schmarren,
m. cicatrix, vibex Steinbach 2, 459, schmarre,
f. cicatrix, eine zugeheilte wunde, und die narbe davon, sonderlich im gesicht Frisch 2, 205 (
als niedrig bezeichnet).
nach Adelung
ist schmarre,
f. in den mundarten häufiger als in der schriftsprache, hat aber nicht das niedrige, das Frisch
darin findet. mundartlich schmarren,
f. Schm.
2 2, 553, schmarr,
f. Schmidt 195.
mnd. smarre Schiller-Lübben 4, 258
b, smarrhe
quelle in Zachers
zeitschr. 11, 78,
nnd. smarre,
deminut. (?) smarrl
brem. wb. 4, 858, smarre Dähnert 433
b, smâr,
m. Danneil 197
a. 7@aa)
hieb, schramme, lange wunde: denn er stiesz alles uber den hauffen, was er ankame, den einen erstach, dem andern die glieder zerstümmelt, oder sonsten ein schmarren versetzt.
[] Amadis 194; (
ein wildschwein) hat viel schaden an viehe und leuthen gethan, sonderlich einem knaben oben am leib an eim schenckel durchs dicke ein groszen schmarren gehauwen und hart verwundet. Kirchhof
wendunm. 2, 399
Österley; vulnus accipere ab adversario, eine schmarre bekommen. Corvinus
fons latin. (1660) 1, 764
b; du ehrlicher säbel, hastu nichts zu thun, möchtestu nicht einmahl einem guten freunde eine schmarre über den kopff hauen, dasz ein bachmatt, wie meiner war, darausz sauffen könnte? Weise
erzn. 101
neudr.; einen schmarren ins gesichte geben,
frontem cicatricibus scindere Stieler 1863; einem eine schmarre machen, geben, setzen, versetzen,
dare, fare uno sfreggio &c. ad uno Kramer
deutschital. diction. 2 (1702), 596
c; er bekahmm eine schmarre über den kopf,
in capite vulnerabatur Steinbach 2, 459; und ich hieb dem langen Hansen gleich die schmarre durch's gesicht. Göthe 1, 155;
Roger .. doch du bist wund —
Gaston. ein streifschusz, hoher herr, die schmarre heilt von selbst. Geibel (1888) 7, 195.
bildlich auch wie '
verlust, schaden': er hat eine schmarre bekommen. Wander 4, 256.
vgl.schlappe 2
oben sp. 485. 7@bb)
das von der wunde zurückbleibende mal, die narbe: erkannte .. aus einer an der stirne über denen augebraunen habenden schmarre, dasz dieses die magd der meinen augen gefallenden dame sey.
avantür. 1, 210; und ist der andere mit der schmarre über die nase nicht der doctor? Hebbel (1891) 2, 71; ein ackerman lobt seine farren, so zeigt der landsknecht seine schmarren. Waldis
Esop 3, 87, 26
Kurz. gnomisch: aus der schmarre nimt man die grösze der gewesenen wunde ab. Stieler 1863; aus der schmarre die wunde (
wird erkannt). Lehmann
bei Eiselein 552. 7@cc)
von ähnlichem, so ein langer schwarzer flecken, ein strich im gesicht Schmidt 195: nach vielem lachen giebt sie ihm mit der nassen (
schreib-)feder eine grosze schmarre übers gesicht. er läuft zum spiegel, sich abzuwischen. Lenz 1, 280.
von einem dicken strich auf dem papier: so eben entdeckte ich den kaffeefleck auf meinem papier ... ich erlaube ihnen dagegen mir auf einem ihrer briefe einmal eine recht derbe schmarre von ölfarbe zu ziehen. Lichtenberg 7, 317. 88)
die angeführten bedeutungen gehören wahrscheinlich nahe verwandten wörtern an, die mit schmer,
fett (
ahd. smero,
gen. smerwes)
etymologisch zusammenhängen (
ablaut i : a).
gestützt wird diese vermutung durch mundartliche nebenformen, in denen ein stammhaftes w
erkennbar ist: schmarben, schmarwen,
m. (schmarben, schmarm),
was schmarren: ein waizener schmarm (
Fürsts bauernzeitung von 1822
p. 53). schmarbisch,
knauserig Schm.
2 2, 556, schmarbe,
f. schmarre, schramme, wunde Spiesz 219.
während jedoch das für diese formen vorauszusetzende mhd. *smarwe
im stamm mit schmer(w)
übereinstimmt, musz schmarre
wol als eine andere bildung aus demselben thema angesehen werden, deren rr
durch assimilation entstanden ist. schon mhd. begegnet nämlich ein wahrscheinlich verwandtes smurre,
schlag, dessen rr
durch den reim gesichert ist (smurren : snurren
Apollon. 10807).
auch das gleichbedeutende smeirre
der folgenden stelle (
handschr. des 15.
jahrh.)
scheint in den gleichen zusammenhang zu gehören: einen smeirre sloch hei durch sin zende. Hagen
köln. chron. 4989 (
städtechron. 12, 164).
als grundbedeutung würde '
fett, fettige, breiige masse'
anzusetzen sein. die unter 1—5
angegebenen gebrauchsarten erklären sich unschwer daraus. zu 4
vgl. das sinnverwandte salbe
in gleicher anwendung oben theil 8, 1686,
zu 5
das von schmer
abgeleitete schmiere
in ähnlichem gebrauch unten (was kostet die schmiere?
u. dergl.), 6
kann sich aus 5
entwickelt haben. am fernsten scheint 7
zu stehen, doch auch hier bieten sich parallelen in der bedeutungsentwicklung von salbe,
s. dieses oben th. 8, 1686
und schmiere (schmirben, schmirn,
f. schlag, streich, wunde: dem hab e' en schmirn eine gebm. Schm.
2 2, 556,
s. auch schmiere
unten),
die diese anwendung als eine übertragung erscheinen lassen.