schmoren,
verb. 11)
in neuerer schriftsprache allgemein üblich nur im sinne von '
langsam kochen oder braten, in verschlossenem gefäsze bei gelindem feuer gar machen oder werden' Adelung. Jacobsson 4, 12
b,
vase clauso lixare, incluso intus vapore excoquere Frisch 2, 209
c, schmoren, schmuren,
sottestare in tegame coperto Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 613
b, schmoren, schmuren,
dicitur de carne, quae in olla tecta ad satietatem lixatur Stieler 1884, schmoeren Schottel 1404,
in solcher anwendung wol aus dem nd. oder ndl. entlehnt Weigand
4 2, 608:
mnd. smooren, smoren Schiller-Lübben 4, 266
a,
nnd. smoren
brem. wb. 4, 869. Dähnert 435
a. Schütze 4, 132. Danneil 198
a. ten Doornkaat Koolman 3, 231
b, smören, smüren Mi 82
a,
ndl. smooren,
in olla operta aliquid coquere, sive excoquere Kilian. 1@aa)
transitiv: doet daer in een godt stuck botter .. en wat van die botter dar toe, daer die duyven mede gesmoort syn.
quelle von 1656
bei Schiller-Lübben 4, 266
a; fleisch im topfe schmoeren Schottel 1404; geschmort
sive geschmurt fleisch Stieler 1884; fleisch in einem stollhafen schmoren Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 613
b; nudel schmoren
ebenda; geschmorte kalbskeule Adelung; vleesk smoren
brem. wb. 4, 869; und er (
Holofernes) meint sehr gnädig zu sein, wenn er bei der gluth einer und derselben stadt sein schwert putzen und seinen braten schmoren läszt. Hebbel 1 (1891), 23; die gewöhnliche dorfkost verschmähend, schmorte er sich ein saures eichhörnchen, briet ein fischchen oder eine wachtel. Keller 1, 315; was die fische halbgeschmohrt, pflichtschuldigst in der pfanne gesungen. Wieland 18, 248;
im bilde: wenn man Wielands poetische schriften stückweise in einer hexenpfanne neben einander setzte, und sodann über einem gelinden feuer so lange schmorte, bis naturell, geist, anmuth, heiterkeit mit allen übrigen lebendigen eigenschaften völlig abgeraucht wären. Göthe 33, 221. 1@bb)
intransitiv: das fleisch im topfe schmoren lassen Adelung; hier stand die grosze breterhütte, in der man schon einige tage den ganzen fetten ochsen an einem ungeheuren spiesze bei kohlenfeuer braten und schmoren sah. Göthe 24, 315; hier steht er, aufmerksam auf das fleisch, das über den kohlen bratend schmort. 39, 70.
freier: in der hölle schmoren Campe; in der küche schmoren müssen,
am herde die hitze aushalten müssen Frischbier 2, 299
b; er schmort gut,
von einem, der grosze hitze erleiden musz. ebenda; smôrn,
der brennenden sonnenhitze ausgesetzt sein und so stark schwitzen Danneil 198
a; smören Dähnert 435
a.
im preusz. dafür auch refl. sich schmoren: sich am heiszen ofen schmoren Frischbier 2, 299
b. 22)
in naher beziehung zu 1
steht eine bei Frisch 2, 209
c verzeichnete anwendung: schmoren,
dampfen, vaporare, exhalare, vaporem emittere, die dem seltenen deutschen schmor,
ndl. vläm. smoor,
dampf, rauch (
s. dieses oben),
ndl. smooren,
fumare, vaporare, exhalare Kilian,
vläm. smooren, smoren,
smooken, rooken Schuermans
vlaamsch idiot. 634
b entspricht. aus nhd. schriftquellen ist sie sonst nicht belegt, bildet aber die grundlage für das im preuszischen übliche schmoren,
stark tabak rauchen Frischbier 2, 299
b.
so auch vläm. tabak, eene pijp of cigaar rooken Schuermans
a. a. o. westerwäld. nass. wird das wahrscheinlich etymologisch verwandte schmarren, schmorren (
s. u. 6)
in diesem sinne gebraucht Schmidt 196. Kehrein 1, 357. 33)
wol von hier aus übertragen auf zorn, unmut: smooren ende stampen,
ventose minare, intonare verbis Kilian, schmoren, schmuren,
tristem, horridum, severum, trucem esse Stieler 1883: gegen einen schmuren,
torve aliquem adspectare. ebenda; er schmuret nieder,
tristis capite demisso terram intuetur. ebenda. 44)
im wesentlichen auf nd. und ndl. gebiet beschränkt geblieben ist smooren,
suffocare Kilian,
nndl. smoren,
mnd. smören Schiller - Lübben 4, 266
a,
nnd. smôren,
sticken, ersticken, erlöschen, trans. und intrans. brem. wb. 4, 869. ten Doornkaat Koolman 4, 231
b: sê hed hör kind smort, ofsmort, 'n brand mit sand smoren,
bildlich 'n uprôr smoren
ebenda; in sinem egenen fette smoren,
ersticken. brem. wb. 4, 869; man kan licht smoren, wen ên de dôk so fast um de hals snrt word. ten Doornkaat Koolman 3, 231
b. Schottel 1404
und Stieler 1884
bieten zwar auch die glosse suffocare (
der letztere daneben schmorren,
fumo necare, s. unten 6),
aus der lebendigen nhd. sprache ist dieser gebrauch jedoch nicht bezeugt. Kilian
hält ihn für eine verallgemeinerung von 1
aus: quia vase operto, et incluso intus vapore, id quod intus coquitur velut suffocari videtur. dagegen spricht, dasz schon ags. ein anscheinend etymologisch verwandtes smorian
im allgemeinen sinne von '
ersticken'
bezeugt ist Bosworth - Toller 890
a.
der bedeutungsübergang nach der einen oder der anderen seite hin wird aber jedenfalls durch Kilians
bemerkung klar. 55)
diesem gebrauche nahe steht ndl. smooren,
mergere, submergere, demegere Kilian,
das die erklärung bietet für eine übertragung des worts auf starken genusz geistiger getränke und trunkenheit, wie sie im preuszischen üblich ist. Frischbier 2, 299
b.
allgemein burschikos sich beschmoren,
sich betrinken, beschmort sein,
betrunken sein. vgl. schmorvoll. 66)
einen auch auf oberd. sprachgebiet verbreiteten gebrauch zeigen stellen wie die folgenden: beeren wilder art, die kärglich hier und dort an kahlen hecken schmoren, all ihre kost! Wieland 22, 6 (
Oberon 1, 5); ist einer blind geboren, er musz in's clinicum. und blieb er ungeboren, musz er als embryo in seinem (
Loders) branntwein schmoren. Schiller 11, 301.
die bedeutung '
schrumpfen',
die hier hervortritt, läszt sich mit der unter 1
erwähnten durch die zwischenstufe des schrumpfens als folge von hitze vereinigen. so sagt man im aarg. s'fleisch schmoret z'säme,
schrumpft beim kochen zusammen. Hunziker 226,
aber daneben auch im allgemeineren sinne: d'öpfel sind g'schmoret,
vor alter runzlig geworden. ebenda. schmoren
hat hier kurzen stammvocal. ten Doornkaat Koolman 3, 231
b bietet fersmoren,
sich langsam verzehren, wegsickern, vom wasser. H. Sachs
gebraucht im sinne von '
verschmachten' verschmorn
im reim auf korn,
daneben ebenso verschmorret : gedorret,
s. verschmoren unten theil 12, 1127. 1128.
in Beheims
buch von den Wienern begegnet verschmart,
verdorrt: ausdart,
ausgedorrt 126, 22
und in gleicher bedeutung gedaret : verschmarret 128, 22. schmorren,
austrocknen, vertrocknen, verdorren, das in zusammensetzung mit ver-
aus frühnhd. häufiger belegt ist, s. unten theil 12, 1127,
kommt auch heute mundartlich vor Vilmar 360. Schm.
2 2, 556.
diesem nahe verwandt ist augenscheinlich ein gleichbedeutendes starkes part. prät. verschmorren,
s. dieses unten theil 12, 1127, eingeschmorren Schm.
2 2, 556,
das, falls es nicht falsche neubildung ist, ein starkes schmerren
voraussetzen würde, s. Schm.
ebenda. als eine übertragung von schmorren
in solcher anwendung könnte ruhl. schmorr,
ängstlich und übermäszig sparen angesehen werden: ich hûn mîld gesorrt unn geschmorrt,
ich habe mein ganzes leben lang gesorgt und gekargt Regel 263.
daneben begegnet dort in gleichem sinne geschmorkt,
sodasz es bei der analogie von gesorrt
für gesorgt
nahe liegt, das rr
in diesem falle als aus rk
assimiliert zu betrachten. Stieler 1884
hält ebenfalls schmorren
für dasselbe wort wie schmorchen,
das wol gleich schmorzen
weiterbildung von schmŏren
ist (
s. diese).
ob aber schmorren
in allen fällen so zu erklären ist, musz so lange zweifelhaft bleiben, bis die weitere etymologische beziehung dieser wörter aufgehellt wird. die bei Weigand
4 2, 608
aufgestellte vermutung einer entstehung des rr
aus rt
hat weniger wahrscheinlichkeit, weil smôrten, smurten
nur nd. vorkommt, denkbar wäre aber entstehung des rr
durch einflusz eines folgenden j.
vergl. ags. smorian
oben unter 4.
bei seinem verhältnismäszig späten vorkommen könnte schmorren
sogar mit dem aargauischen schmŏren
identisch sein. in jedem falle darf eine nahe etymologische beziehung zwischen schmōren, schmŏren, schmorren
und ags. smorjan
als sicher gelten (
vgl. Kluge etymol. wb.5 331
b),
da eine vereinigung der weit auseinander gehenden bedeutungen nach obigem möglich erscheint. zu betonen ist, dasz schmŏren, schmorren
auf ein selbständiges leben des wortstammes auf hochdeutschem boden weisen, dessen triebe dann durch die herübernahme des nd. ndl. smōren (ō
wol aus ŏ)
im sinne von 1
bereichert wurden.