lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gewirk

nhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
4 in 4 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
5
Verweise raus
12

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewirk n.

Bd. 6, Sp. 6111
gewirk, gewirke, n. , schriftsprachliche form für das ältere gewürk, gewürke, gewürche (vgl.gewerk sp. 5634; zu der bildung mit dem t-suffix vgl. gewürcht, gewürchte) und neuerdings ganz als verbalsubstantiv zu wirken, würken (s. d.) empfunden und gebraucht. in diesem anschlusz an das verbum wirken und unter dem einflusz des nahe verwandten werk, mit dem unser subst. immer wieder in verbindung gesetzt wird, ist auch die entrundung des vocals gefördert. sie ist mitteldeutsch zuerst belegt, so bei Rothe und später im Malagis, und ist bei Luther durchgeführt, bei Wickram und Schaidenreisser neben ü bezeugt; andererseits bevorzugen spätere mittel- und norddeutsche denkmäler wie Gryphius, Edelmann, Rist wieder ü (das letzte bei Grüwel 1761). die wörterbücher nehmen seit Henisch von unserer bildung notiz (die vocabularien beschränken sich auf die form mit dem t-suffix) und zeigen übereinstimmend entrundeten vocal (nur bei Praschius ü neben i). die apokope setzt natürlich oberdeutsch ein (zu gewirk im Malagis vgl. sp. 5634), bei Fischart (gewirck), Schaidenreisser (neben gewirke), dringt aber in den wörterbüchern rasch durch, nur das teutsch-engl. wb. und Frisch buchen auch die form gewirke, die in mittel- und norddeutschen quellen bis auf Lessing (auch bei Voss noch gewirk') vorwiegt. die aspirata des gutturals, die an der nebenform gewürcht ihre stütze findet, ist fast nur nach gerundetem vocal belegt: gewürch bayr. landordnung v. 1553 bei Schmeller; gewürche und gewirche Hohberg; gewürche Becher, beide für das zellenwerk im bienenstock; ebenso Campe 2, 365b. im neuhochdeutschen gebrauch hat die sachbedeutung die älteren allgemeineren beziehungen (z. b. auf das bauwerk) ganz abgestreift, sie beschränkt sich auf die beiden bedeutungsrichtungen: die parallele mit gewebe einerseits und das zellenwerk im bienenstock andererseits. hieraus erwächst ein regerer pluralgebrauch als die angaben der wörterbücher erwarten lassen: mit schwarzen gewürcken Rauwolf 51; ähnlich 239; 219; 37; seine kostbaren gewirke C. F. Meyer; bienengewirk' (sind dort) Voss. in der parallele mit gewebe wird an gewirk die function eines nomen actionis entwickelt, doch entsprechen die litterarischen belege nicht ganz dem gewicht, das die wörterbücher dieser bedeutungsfärbung beimessen. dagegen ist der allgemeinste begriff, den das verbum wirken zur geltung bringt, mit dieser function schon in der ältesten prosa vertreten. in entsprechend späteren belegen ist diese bedeutung nicht immer sicher gegen übertragungen aus dem begriffe eines flechtwerkes abzugrenzen. 11) der allgemeine begriff: gewirk als nomen actionis zu wirken: das würcken und dʒ werden das ist ein. so der zimmerman nit würcket, so würckt auch das hausz nit, da die bartt oder axt lAet, da lAet auch das gewerden. got und ich wir seind ein in disem gewürcke, er würcket, und ich gewürde. Tauler predigten (1521: auf aller hl. abend) 305b; der vater ist daʒ anegenge, der sun daʒ mittel, der heilige geist daʒ zil des götelichen fluʒʒes, wan daʒ oberste guot mac niht an stete gestân alsô, eʒ enteile sich und erbiete sich ze nieʒende unde ze würkende daʒ beste. und wan enkein crêatûre begrîfenlich bevâhic ist genzlîche des nutzes unde des gewürkes, daʒ diu oberste maht unde güete unde wîsheit ist unde bringen mac. David v. Augsburg Pfeiffer, z. f. d. a. 9, 50; vgl. auch die belege auf sp. 5634: so wird die welt ein punct genennt gen himmelischen fürmament. auch wont der mensch mit seim gewirck den klainsten thail inn solchem zirck. Schwarzenberg trostspruch um abgestorbene freunde (2. bearb.) s. 55 Scheel; (teutsch Cicero 159a: gewürck); denn die sternen sind selber stumm, und haben keine erkäntnüsz noch fühlung, allein ihr sämbtlich gewircke machet im wasser ein quellen durcheinander. J. Böhme (3 principien göttl. wesens 4, 28) (1682) 35; ich sahe, dasz er die Herrnhuter, als menschen liebte, und wo er kunte, ihnen dienste that: aber mit dem grafen und seinem gewürcke, wolte er nichts zu schaffen haben. Edelmann selbstbiographie (1750) 165; ähnlich 151 (bei alle dem unnützen gewürcke); 300 (secten-gewürcke ... das todte, einförmige und abmattende gewürcke der mancherlei secten). 22) gewirk, gewebe: Noema erdachte darnach mancherleie gestricke unde gewircke von wollen unde von baste unde von andern dingen. Rothe Dür. chron. bei Sch. bl. 166a (Germania 18, 377). vgl. gewirk neben gewebe bei Schaidenreisser Odyssee 81a (s. b, η); vgl.: wenn sich aber an einem kleid eine aussätzige stelle zeigt — sei es nun an einem wollenen oder linnenen kleid —, oder an einem linnenen oder wollenen gewebe oder gewirke oder an leder ... und es ist die betroffene stelle an dem kleid oder dem leder oder dem gewebe oder dem gewirke ... grünlich oder rötlich, so liegt ein fall von aussatz vor. 3 Mos. 13, 48 Kautzsch (am werfft oder am eintracht. Luther; in dem wepff und in dem wefel. Eggesteyn; Koburger; in den vedemen off in dem weuelsse. Quentel; in deme gharne effte in deme weuegharne. Arndes; am zettel oder am eintrag. Züricher bibel; Dietenberger; am wäpfen [am rande: zettel] und am eintrag. Eck; in stamine atque subtegmine); will mir nicht allein ein schönes gärtlein schaffen, um mich in demselben, an dem zierlichem gespinste, gewircke, und teppichwercke der natur, zu erquicken; sondern auch ein mittelmässiges lust-haus dazu setzen. Er. Francisci lust. schaubühne (2, 1) 2, 350. 2@aa) das nomen actionis: 2@a@aα) zu den buchungen vgl.: der weber wirckstatt, item die kunst desz gewircks, textrina. Henisch 1602; pluribus licijs texere primum Alexandria instituit, das gewürck mit vielen kammen, blätern, und schemeln, hat die stadt Alexandria in Egypten erfunden. Praschius 94; das von gewirck ist, opus textile. Henisch 1602; ebenso Praschius 94; vgl. auch gewirk, textura (neben tela, pannus bei Henisch, Stieler, Hederich); vgl. Frisch (gewirk, gewirke, textura); das gewircke oder gewirck, das weben, the weaving. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewirk, tricotage de bas; tissure de tapisserie. Rondeau 2, Uu 3e; gewirk ... l'action de tisser, le tissage, tissu, la tissure. Schwan 1, 746b; act of working or weaving. Hilpert 2, 1 s. 465b. Adelung, unter dessen einflusz die letzten beiden belege stehn, geht von dem verbalsubstantiv aus, und führt von da zur sachbedeutung über. 2@a@bβ) in litterarischen belegen ist das nomen actionis nur selten sicher gestellt: ebenmässig geht die hocherfreute mutter, zu ihrer tochter, welche, unter der aufwartung ihrer juncfrauen und gespielschafft, bei einem gewirck, sich in ihrer kammer antreffen liesz. Er. Francisci indisch-chines. lustgarten 1 (1668), 92a; Peleus sohn nur verbarg sich im kreis lykomedischer jungfraun. wollgewirk erlernt' er für wehr. Voss übers. des Bion (idylle 7, 16) (1808) 336 (εἴρια δ' ἀνθ' ὅπλων ἐδιδάσκετο 2, 16). häufiger ist es in verbindung mit attributen belegt, die auch die möglichkeit einer sachbedeutung offen lassen (vgl. b): und über ihn warf er den mantel, grosz und dichtes gewirks. (χλαῖναν ... πυκινὴν καὶ μεγάλην.) Voss Odyssee 14, 521 (so seit 1793; 1781: mit dem groszen wollichten mantel); zeug von dichtem, lockerem gewirke, stuff of close or compact, of loose texture. Hilpert 2, 1 s. 465a; ihre jungfrauen und sie sind alle ein einziger brand von gold, lauter bündel von perlen, sie sind lauter diamanten, lauter rubinen, lauter brokat von mehr als zehnfachem gewirke. Tieck übers. des don Quixote (7, 3) 25, 71. 2@bb) die sachbedeutung: gewirktes, das gewirkte, ein gewirk, textura, textum, tela. Stieler 2559. schon die buchung bei Henisch (neben textura auch tela, pannus, vestis) kennzeichnet die dreifache richtung, in die sich die sachbedeutung hier gabelt: das ergebnisz der thätigkeit schlechthin; der gewandstoff, der daraus entstanden ist, und endlich der gebrauchsgegenstand, zu dem dieser stoff verarbeitet wurde. 2@b@aα) auch das ergebnis der thätigkeit als solches wird in verschiedenartigen formen erfaszt. 2@b@a@11)) den weitesten begriff erschlieszt das substantiv in einigen belegen, in denen das subject der verbalthätigkeit das einzige bestimmungsmerkmal bildet: ir spinneweb lang nicht zu kleidern, und jr gewircke taug nicht zur decke, denn jr werck ist mühe und in jren henden ist freuel. Jes. 59, 6 Luther (noch werdent bedeckt mit irer werken Eggesteyn, Koburger u. a.; klaidern Eck, machwerken Kautzsch; neque operientur operibus suis); vgl.: si brüten basiliscen eier, und wircken spinnewepp: aber das gewirck und gewerck taugt nichts zur decke. Fischart (s. sp. 5636); dergleichen habest du im auch etliches gewircks deiner arbeit zuo einem gegenwurff und widergeltung seiner gaben zuohanden gestellt. Jörg Wickram (von guten u. bösen nachbarn cap. 29) 2, 193 Bolte. 2@b@a@22)) auf die herstellungsart weisen einige attribute (zahlreicher bei β): ein sonderlich gewirck, das allweg nach zweien gleichen fäden einen kleineren faden hat, sextarius. Henisch 1602; ein weit gewirck von grober gesponst, tela levidensis, crassi fili. ebenda; genau so 1567; ebenso Praschius 95. in der litteratur überwiegen schmückende beiworte, unter denen nur fein, zart im gegensatz zu grob auf die technik im engeren sinne weist: vgl. köstlich gewirk Wickram 2, 289; disz schon gewirck was nit zu stroffen (var. gwirck), dann sie auch dran gewircket hot inn mancher gstalt des möres gott, Neptunum, wie er sich verkert. Wickram (Albrechts Ovid 6, cap. 2, v. 236) 7, 256 (ohne lat. entsprechung 6, 115 f.); haben zuogehOert, wie si (vernempt fraw Circes) siessigklich gesungen und gewürckt hat, dann si für all und andere gOettin, die aller schOenisten und kostbarlichen gewürckt machen kan (am rande: fraw Circes gewürck). Schaidenreisser Odyssee (10. buch) 42b (οἷα θεάων λεπτά τε καὶ χαρίεντα καὶ ἀγλαὰ ἔργα πέλονται 10, 223); sie (Kirke) sang mit melodischer stimme, webend ein groszes gewand, ein unsterbliches, so wie mit anmuth göttinnen feines gewirk und wundervolles bereiten. Voss in der ausgabe von 1802; 1781: fein und lieblich und glänzend, wie aller göttinnen arbeit; in der von 1793: zart und fein sich glänzende werke bereiten); (die weiten bloderhosen der türkischen weiber) seind mehrthails ausz zartem gewürck, gar schOen von mehrerlai farben zuogericht, und aussen an den seiten hinab, mit borten beleget. Rauwolf reisbeschr. (1583) 50 u. a.; grobe gewirke Rauwolf 239; als von ästen aufgerichtete mohr- und arabische hüttlein mit grobem gewürck bedeckt. türckischer vagant (17) (1683) 140; vgl. auch die belege a, β. zu andern attributen vgl.: dasz die weber das belont gewürch treulich und on abtrag arbaiten sollen. landordn. v. 1553 f. 129 Schmeller 22, 987; ausreissen als stiche in altem gewirk, non tenere. Frisch 2, 108b. 2@b@a@33)) die unterordnung des substantivs unter ein zweites dient der einengung des begriffes, wobei gewirk nicht das gewebe schlechthin, sondern das einzelne muster in demselben kennzeichnet: Arachne fieng zu weben an ein werck, das was kunstreich und schon. dann es stund an ir gwürckes bild Europa auff dem ochsen wildt. Wickram Albrechts Ovid (6, cap. 2, v. 203) 7, 255 (Maeonis elusam designat imagine tauri Europam 6, 103 f.). in derselben richtung verengt sich aber auch das substantiv ohne weitere bestimmung: dort auch laufen hindurch die geschmeidigen faden des goldes; und im gewirk erhebt sich ein alterthümlicher inhalt. Voss Ovid (Arachne 65) 1 (1798), 315 (et vetus in tela deducitur argumentum 6, 69). dazu vgl.: modelbuch, aller art nehewercks und strickens ... venedigische stern und gewirck. uff der laden, und nach der zal. die welisch, weisz arbeit. glattstich, creutzstich, stichwerck. Frankfurt, Chr. Egenolf, 1527; betracht des wäbers stuhl, der schöne zeuge wäbt; sie an das blum-gewürck, dasz gleichsam leibt und lebt in manchem solchen zeug! Rompler (erfindung der buchdruckerei) erstes gebüsch der reimgedichte 52; denn sie (die vertirten bücher) wären gleich den umgewandten teppichen, in welchen zwar das gewirck erscheinet, aber mit geringem glantz und verstellten bildern Taubmaniana (1703) 134; verdammter erzähler! ...; die zuschauer zittern: und du malst uns das gewirke der tapeten, den ganzen gestirnten himmel von seide. Lessing (anmerk. über Euripides) 153, 428. auch für den bloszen knäuel tritt gewirk ein in: was hängt da hinten, fragte der prinz, an der wand, das ganz wie eine wurst aussieht? ... so könnte man fast in die versuchung geführt werden, anzunehmen, dasz es das letzte gewirk, oder der rest von der fädensammlung sei, den er, im mittelpunkt des gebäudes angelangt, nicht mehr gebrauchte, und welches ihm Ariadne, die königstochter gegeben hatte, um nicht zu verirren. Tieck die vogelscheuche 2, 6, vgl. Gries sp. 6115. 2@b@a@44)) unter den verbis, denen sich gewirk als object hier unterordnet, ist das verbum wirken selbst aus älterer zeit belegt: stund er vor der junckfrawen Angliana, welche an einer rammen köstlich gewirck, desz sie dann ein meisterin was, wircket. Wickram (goldtfaden cap. 9) 2, 289 Bolte; dagegen gewirk bereiten Voss. dazu vgl.: gewirk vollenden Schaidenreisser Odyssee 81a; ein gewirck wider auff thun Henisch 1602; ebenso Praschius 95 (telam retexere); gewirk beginnen Voss Odyssee 19, 142. 2@b@bβ) gewirk für den gewandstoff, der durch wirken entstanden ist: gewirk ... ein gewirkter zeug. Adelung 2, 667; Campe 2, 365b; un tissu. Frisch nouveau dict. des passagers 2, 280; gewirks, n. gewirktes, gewebtes zeug. Hönig wb. der Kölner mundart 65b. 2@b@b@11)) substantivverbindungen kennzeichnen den rohstoff, aus dem das zeug hergestellt wurde: seidengewirk, textum sericum. Stieler 2559; ward doch der schaden, den sie am seiden gewürk von Damasco gebracht, saiffen ... erlitten, nit klein. Rauwolf reisbeschr. 146; alsz da seind schöne tapetzereien, kostliche seidingewürck, darein bluomen unnd rosen von mancherlai farben künstlich gewircket, ... 3, 7; wöllin gewirk, laneum. Stieler 2559; wie auch jre hemmeter, die mehrthails von zartem bomwollin gewürck zugericht, und wir (!) jre klaider an helsen so weit auszgeschnitten sind. Rauwolf reisbeschr. 49; kamen wir ... zuo etlichen vil zelten, welche mit groben gewürcken von gaisz und eselhaaren bedeckt ... waren. 239. 2@b@b@22)) auf die herstellungsart weisen adjectivverbindungen: dreischifftig gewirck oder gewand, das ist, das mit dreien schemelen gewircket wirdt, zwilch, federrit, ein jeder grat, oder carisey inn wollenem gewand, tela aut vestis trilix. Henisch 1602; tela, vel vestis bilix, ein zweischifftig tuch, oder gewirck ... tela, aut vestis trilix. ein dreischifftig gewirck. Praschius 95; pannus seu vestis levidensis, crassi fili, ein weit grob gewand, oder gewirck. Praschius 88; das türckisch gewirck, arbeit, vestis Alexandrina. Henisch 1602; ein gewirck von vielerlei farben, vestis polymita. ebenda; ebenso Praschius 95. 2@b@gγ) unter den gebrauchsgegenständen, die aus gewirktem zeuge verfertigt sind, werden teppiche, decken, schleier und kleidungsstücke aller art genannt. unter diesen ist namentlich der mantel der Penelope von den übersetzern verschiedenster zeiten als gewirk eingeführt. aber auch die tarnkappe Siegfrieds wird von R. Wagner mit unserm substantiv gekennzeichnet: sie (die Perser) haben aber under andern wahren fúrnemlich schOene teppich von mehrerlai farben, zarte bomwolline gewürck, mit wellicher arbait sie sehr kunstreich seind. Rauwolf reisbeschr. 219 (gewirck reisbuch d. hl. lands 1, 577); der Parthen arbeit hat die schlechte wand geziert, die erd ist mit gewürck der mohren ausstaffirt. Gryphius (Leo Arminius 3, 4) trauersp. 92 Palm; komm doch, Praxinoa, komm; den künstlichen teppich betracht' erst! fein! und wie anmutsvoll! ein gewirk der unsterblichen scheint dirs! Voss übers. des Theokrit (idylle 15, 79) s. 141 (θεῶν περονάματα); der persische teppichhändler ... hatte einen flug nach Ferrara gethan, um dem prachtliebenden hofe seine kostbaren gewirke zu verkaufen. C. F. Meyer Angela Borgia 41; item mee 4 sidelpolsterlen rott in rot hieig gebürk mit federen angefullt, dafur 2 fl. Tucher haushaltbuch 105; 13 eln alts gebürck ... darausz czu machen 2 panck und 2 sidelpolsterlen. 74; fur tebig, polster, gewurk 32 fl. 106; vgl. oben sp. 5634; und wirst du, holde schäferin, den zauber des gewirks erproben, dann denke still in deinem sinn: die liebe hat ihn drein gewoben. Geibel (Juniuslieder: an Clara, mit einer schlummerdecke) 23, 116; ihre (der türkischen weiber) angesicht seind verdecket mit schwartzen gewürcken, denen etliche gar zart von seiden, etliche andere aber von roszharen. Rauwolf reisebeschreibung 51; calyptra, ein subtil schwartz gewirck von seiden, oder wolle, das die kloster-frauen (virgines velatae) und jungfrauen zu Venedig fürs angesicht hängen. J. Praschius 92; sprach's und langte die strümpf' und die festlichen schuhe von atlas, wandte sich weg und streifte der baumwoll' helles gewirk ab, hüllete flugs in die seide die zartgeründeten füszchen. Joh. Heinr. Voss Luise 3, 1; vgl.hemden von baumwollengewirk. Rauwolf (s. β); und die hülle der Thisbe hebt er, und trägt sie zum schatten des abgeredeten baumes. als er mit thränen genetzt das bekannte gewirk, und geküsset ... Voss Ovid (des Minyastöchter 84) 1 (1798), 209 (utque dedit notae lacrimas, dedit oscula vesti 4, 117); so mögt jr warten bisz ich mein fürgenommen gewürcke vollende, will ich alsz dann ainen ausz euch erkiesen. si seind durch mein getichte wort uberredt, haben sich des geweps zuo erwarten, bewilligt, aber was ich ain tag gewürcht, das alles hab ich bei der nacht auffgelöst. Schaidenreisser Odyssee (19) 81a (einen mantel zuerst, gebot mir ein waltender dämon, angelegt in der kammer, ein groszes gewirk zu beginnen ... wartet ... bis ich den mantel fertig gewirkt. Voss [μέγαν ἵστον ... εἰς κε φᾶρος ἐκτελέσω] 19, 142); sie erfand ein gewirk, ihre freier zu betrügen, she devised a web, her wooers to deceive. Hilpert 2, 1, s. 465a; (Hagen:) und nichts entnahm'st du ihm? (Siegfried auf das stählerne netzgewirk deutend, das er im gürtel hängen hat:) diesz gewirk, unkund seiner kraft. (Hagen:) den tarnhelm kenn' ich, der Niblungen künstliches werk. R. Wagner (götterdämmerung 1) 63, 193. 2@cc) übertragungen sind hier jetzt weit seltener beobachtet als bei gewebe. zum nomen actionis vgl. unter 1); zur sachbedeutung führt das gewebe der parzen herüber: der schicksalsgöttinnen dunkles gewirk. Voss übers. des Horaz 1 (1806), 97 (sororum fila trium atra); auszerdem vgl.: und ist dies gedicht faden von seiner spule — oder gewirk von fremdem webestuhle? Rückert (6. makame) 11 (1869), 267; fern sei von mir der lüge kunstgewirk! Immermann (gericht von St. Petersburg 4, 6) 15, 338 Hempel; da sagt Vafrin: nun gieb dem wunsch erhörung, und sprich, wie man dem feldherrn netze spannt. und das gewirk der schändlichen verschwörung entwickelt sie ihm jetzt mit sichrer hand. Gries Tassos befreites Jerusalem (19, 86) 210, 272 (tela); (der gantze knaul desz mords wurd von jhr auffgewunden. Dietr. v. d. Werder s. 232), s. auch oben sp. 6114. dazu vgl.: gespinst und gewirk und teppichwerk der natur. Erasmus Francisci s. sp. 6112. 33) in der beziehung auf thierische arbeit ist gewirk nur selten für das gewebe der spinne oder seidenraupe beobachtet. um so häufiger tritt es für das zellenwerk im bienenstock ein, wo es noch bei Voss viel verwendet wird. 3@aa) man musz ... über dem kunstreichem gestrick und gewirck dieser lufft-wirckerinn (der spinne), erstaunen. Er. Francisci lust. schaubühne (2, 1) 2, 272; spinnengewirk, aranearum tela. Stieler 2559; in gestalt des innern gewirkes der seidenwürmer. J. Grüwel Brandenb. bienenkunst 287; dazu vgl. die übertragung: ach, unser leben ist recht ein gewürk der spinnen, wenn wir bemühet sind was grosses zu gewinnen, ... alsden so komt der todt. Rist neuer teutscher Parnass (1652) 732. 3@bb) wachs ... heisset das beim feuer zerlassene und geläuterte roos (gewircke, wüftig, wafel oder honig-waben, nachdem vorhero das honig davon geseimet worden). Zinke ökon. lex. 3060; vgl.: geren, gewürke, wachstafel. Grüwel 396; s. auch 399; gewürchte, gewirk, gebäu, roosz, waben, (bienenzucht) die sämmtlichen scheiben oder das werk in einem bienenstock. Jacobsson technol. wb. 2, 86b; dazu vgl. Adelung 2, 667; Campe 2, 665b; on appelle aussi das gewirk l'ouvrage des abeilles. Schwan 1, 746b; das gewirk der bienen, the working of the bees, honey-comb. Hilpert II, 1 s. 465a; gewirk, das werk im stocke. Nemnich 193; ob auch hier ein nomen actionis sich entwickelt hat, ist fraglich. doch kann das folgende so aufgefaszt werden: so bringen die bienen ihren könig allerhand nothdurfft zum gewürche an honig, wachsbändern und beutlein. J. J. Becher kluger hausvater 156. in allen andern belegen ist die sachbedeutung gesichert. der umfang dieser bedeutung ist jedoch verschieden gefaszt, bald wird das ganze des werkes (die wabe mit samt dem honig), bald im engeren sinn die wachsscheibe gekennzeichnet. 3@b@aα) die weiteste bedeutung zeigt folgender vereinzelter beleg: dasz die ambra schwerlich ein gewirck der bienen seie; weil sie anfangs stincket: welches von keiner bienenarbeit, zu vermuten. Er. Francisci lust. schaubühne (3, 2) 3, 1146; in engerer richtung auf das zellenwerk, aber das ganze umfassend, zielen die folgenden belege: gleich an mute den ungewafneten dronen, die der ämsigen bienen gewirk aufzehren in trägheit, nur mitesser (ὅτε μελισσάων κάματον τρύχουσιν ἀεργοὶ ἔσθοντες). Voss Hesiods hauslehren 305 s. 30; und ihr (der biene) gewirk ist göttlich in wahrheit, und äuszerst nüzlich den menschen. (zu Georg. 4, 219) ndl. ged. 4, 805; damit der regen und schnee nicht auf ihre flug- oder ziehlöcher falle, hinein fliesse, und ihr gewirke rauh und schimmlich mache. J. Grüwel Brandenburg. bienenkunst 34; die maden würden ... den bienen ihr gewirke verderben. 162; so sind sie (die motten) stracks in gebäue oder gewirke, so ist es dann um die bienen leichtlich geschehen. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 370a; schafe sind dort, dort geisze mit zwillingen, dort voll honigs bienengewirk', und es trägt höher die eiche das haupt. Voss übers. des Theokrit (idylle 8, 45) 88 (ἔνθα μέλισσαι σμάνεα πληροῦσιν); vgl. bienengewirk theil 1, sp. 1818; vgl. zellengewirk Voss erklärung zu Georg. 4, 214. 3@b@bβ) der engere begriff der wachsscheibe: weil, durch ihr (der bienen) gewirck, das honig, vielerlei dinges, mag conserviret werden. Er. Francisci lust. schaubühne (3, 2) 3, 1153; das gemülbe fällt täglich herab in das hönig und gewircke. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 387a; scheinet den gantzen tag ... die sonne drauf, so erhitzen die bienenstöcke, das gewircke wird flüssig. 2, 369a; mitten steht ein teller mit würzigem scheibenhonig, der aus weiszem gewirk' hervorquillt. Voss (idyllen: Philem. u. Baucis 120) 2, 109 Hempel. 3@b@gγ) zu den verbis, mit denen sich gewirk in dieser bedeutung vorzugsweise verbindet, vgl: wie jhnen das gewürche (im text gewürchte und gewürcht) zu verkehren sei. Colerus hauszbuch, register (unter bienen); mit solchen (drat) kan man nachmals das gewürche in beeden stöcken ohne schaden voneinander schneiden und theilen. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 371b; wann man das gewircke unten ein paar finger hoch wegschneidet. 2, 439a; hierzu musz man die bienen beräuchern, dasz sie halb beschweimlen, und dann das gantze gewürcke ausbrechen. J. J. Becher kluger hausvater 157; dass jhnen im führen das gewircke (im text: gewürchte) nicht abfalle. Colerus hauszbuch, register; dem verbalsubstantiv bau des gewirks (erklärung zu Georg. 4) entsprechen bei Voss mehrere, nicht immer anschauliche verba: drin auch stehn mischkrüg' und zweigehenkelte urnen, alle von stein, wo die bienen gewirk anlegen für honig. Odyssee 13, 106 Hempel (in der ausgabe von 1781: honig bereiten; 1793: honiggewirk sich bereiten); sie beginnen das gewirk, indem sie die thränen sowohl der anderen blumen, als von den bäumen die der weide und der ulme, und der übrigen klebrichsten, eintragen. erklärung zu Georg. 4.
24159 Zeichen · 410 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewirk

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Gewirk , des -es, plur. inus. von dem Zeitworte wirken, in verschiedenen Bedeutungen desselben. 1. Die Handlung des …

  2. modern
    Dialekt
    Gewirkn.

    Mecklenburgisches Wb.

    Gewirk n. das Herumwirken, -wirtschaften, Tun und Treiben: Dor makt (ihr Teufel) jug Sprüng'n un jug Gewirk Reut. 1, 335…

Verweisungsnetz

18 Knoten, 14 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 14 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewirk

7 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von gewirk

ge- + wirken

gewirk leitet sich vom Lemma wirken ab mit Präfix ge-, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

gewirk‑ als Erstglied (3 von 3)

gewirke

FWB

1. ›Wirken, Schaffen (eines religiös-ontischen Prinzips); Tun, Tätigkeit (des Menschen)‹; als Metonymien sehr unterschiedlicher Ausrichtunge…

gewirken

DWB

gewirken , verb. , verstärktes wirken, s. d., in der frühnhd. periode noch mehrmals beobachtet, vor allem bei den mystikern. dort wird neben…

gewirket

KöblerMhd

gewirket , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „gewirkt“ Hw.: s. wirken E.: s. ge, wirken W.: nhd. gewirkt, (Part. Prät.=)Adj., gewirkt, DW 6, 6118 L.: …

gewirk als Zweitglied (1 von 1)

ladengewirk

DWB

laden·gewirk

ladengewirk , n. ein prächtiges stückwerk, welches an einer besondern lade gemacht wird, die eine art eines kleinen webstuhls ist. Jacobsson…

Ableitungen von gewirk (3 von 3)

gewirke

Lexer

ge-wirke , ge-wirken stn. an. v. s. gewürke, gewürken.

Missgewirk

RhWB

Miss-gewirk -we- Eup n.: missratenes Stück Arbeit.

urgewirke

DWB

urgewirke , n. , gewirke 1 bei J. Böhme mit ur- C 4 c: da denn ... die adern ... und andre gliedmaszen ihr u. oder ersten beginn gewinnen Fr…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gewirk". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewirk/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gewirk". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewirk/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gewirk". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewirk/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_gewirk_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gewirk"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/gewirk/dwb},
  urldate      = {2026-05-17},
}