gewerk,
n. ,
eine form, deren neuerer gebrauch auf andere voraussetzungen weist, als die gleichlautenden formen der älteren sprache erschlieszen lassen. althochdeutsch und mittelhochdeutsch gewerk
gehören nach bildung und bedeutung in die gleiche sippe, die in der heutigen sprache durch das neutrum gewirk (
s. d.)
vertreten ist. die hauptlinien unseres heutigen gebrauchs von gewerk
dagegen zweigen von dem entwicklungsgang ab, den das masculinum gewerke (
s. d.)
genommen hat. denn das gewerk
der neuhochdeutschen sprache ist in erster linie ein collectivum, das dem plural von gewerke
entspricht, ebenso wie auch das fem. gewerkschaft (
s. d.)
neuerdings in den gleichen bedeutungszusammenhang einmündet. in dieser collectivbedeutung, die zunächst auf personen eingeschränkt ist, füllt gewerk
eine lücke aus, die der bedeutungsumfang von gewerbe
offen liesz. auf diesem gegensatz beruhen vor allem die bedeutungsunterschiede von compositis wie gewerksabgaben
gegen gewerbeabgaben, gewerksamt
gegen gewerbeamt, gewerksartikel
gegen gewerbeartikel, gewerksassessor
gegen gewerbeassessor, gewerkslade
gegen gewerbeladen, gewerksmässig
gegen gewerbemässig, gewerkschaft
gegen gewerbschaft, gewerkverein
gegen gewerbeverein.
dasz in solcher ergänzungsstellung von gewerk
neben gewerbe
auch übergangspunkte zur bedeutungsannäherung liegen, ist selbstverständlich; in mehr als einem zusammenhang tritt das persönliche moment an der collectivbedeutung von gewerk
zurück, und der gegensatz gegen gewerbe
verwischt sich. überdiesz ist wohl auch mit nachwirkungen mancher älterer gebrauchsformen von gewerk
zu rechnen, die sich namentlich landschaftlich geltend machen, denn die meisten berührungen von gewerk
und gewerbe
gehören nordost-deutschen zeugnissen —
dem colonisationsgebiet —
an. für diese berührungen sind namentlich composita typisch, vgl. gewerksanlage (
neben gewerbeanlage), gewerksfach, -geheimniss, -schule, -stadt, -tisch, -waare, -welt.
vor allem gehören hierher gewerksam
und gewerksleute. 11) gewerk
und gewirk. 1@aa)
formen und bedeutungszusammenhang mit dem substantiv werk
und den schwachen verbis wirkjan, wurkjan (wirken)
und werkô
n. [] 1@a@aα)
das gotische zeigt dreierlei substantivableitungen aus dieser sippe: gawaurki
neben gawaurkjan; waurstw
zu waurkjan
und die participialform, die in zusammensetzungen wie uswaurhts (gerechtigkeit), frawaurhts (sünde)
eine weitgehende verflüchtigung der bedeutung des verbums erkennen läszt. auch in gawaurki
ist die bedeutung weit von ihrem ausgangspunkt abgelenkt; sie hat sich in der gleichen richtung verengert, die gewerbe
in der parallele mit negotium, quaestus
einschlug: ni ainshun drauhtinonds dugawindiþ sik gawaurkjam þizos aldais. Ulfilas
2 Timoth. 2, 4 (kainer, der da ritterschaftet got, unterwindt sich weltlichcz gescheft.
cod. Tepl.); jah gasviltan gawaurki.
Phil. 1, 21 (sterben ist mir ein gewin,
cod. Tepl.;
ebenso Luther
u. a.).
ebenso Phil. 3, 7;
1 Timoth. 6, 6; ei Christau du gawaurkja habau,
Phil. 3, 8 (daz ich gewunne Christum,
cod. Tepl. ähnl. Luther).
ursprünglicher und umfassender ist die bedeutung dagegen im gotischen waurstw
erhalten, sie wird dort auch in den beiden richtungen zum ausdruck gebracht, die die deutschen beispiele bestimmen, in der function eines nomen actionis und in der zuspitzung auf das ergebnisz der thätigkeit. 1@a@a@11)) du þammei arbaidja usdaudjands bi waurstwa þatei inna waurkeiþ in mis in mahtai. Ulfilas
Koloss. 1, 29 (in dem auch ich arbait ze streiten nach seiner wirkung, di er wirkt in mir in der kraft,
cod. Tepl.);
ebenso Phil. 3, 21;
Ephes. 1, 9; 4, 16;
ähnl. Koloss. 2, 12. 1@a@a@22)) got waurstw waurhta bi mir, Ulfilas
Marc. 14, 6 (ain gut werk hat si gewirkt an mir,
cod. Tepl.);
genau so Joh. 6, 29;
ähnl. Joh. 10, 33. 1@a@bβ)
an die eben erwähnten gotischen bildungen knüpfen ähnliche gebrauchsformen auch auf deutschem boden an. 1@a@b@11))
eng vor allem schlieszt sich an uswaurhts, frawaurhts das
fem. kawurht,
alts. giwurhti
an, s. Graff 1, 975;
vgl. angels. gewyrht Bosworth-Toller 473
a,
mhd. gewurht,
mhd. wb. 3, 595
a; Lexer 1, 998.
das fem. bringt durchweg die function des nomen actionis zum ausdruck und unterstellt die handlungen der sittlich-religiösen beurteilung: cawurht, merito; pi kiwurihtim, merito.
Keronische glossen bei Graff
a. a. o.; thanen eft kuman an himil-wolknun herodendi allumu helidô kunnie mid is wordun adêlian,al sô irô gewurhtî sind.
Heliand 5099;
ebenso 2147; ni was it thôh be is giwurhtiun gidô
an. 5110; si sprâch von weleher gewrhte chumet mir daʒ du chome zu mir muoter mines herren min chint wil dih eren, daʒ mendet sich ine mir.
leben Jesu bei Diemer dtsch. ged. 231, 12,
ähnl. 246, 21;
vgl. auch (
bücher mosis) 9, 14; da sint die herren iouh die armen alle gliche da teilit unsere ieclichem sine gebe got der riche also er die mazze an unseren guirhten weiʒ.
das himmelreich 245 (
z. f. d. a. 8, 152); deiz uns nah unsern guirhten nihne werde vergolten. 334.
dagegen weist auf die breitere grundlage, von der sich diese engere bedeutung abgezweigt hat, der folgende beleg zurück: diu maget genas von gotes gewirhte des gotes sunes.
spec. eccles. 26. 1@a@b@22))
der bildung nach schlieszt sich hieran das neutrum gewürchte,
das die sachbedeutung vertritt. die belege reichen nicht über die mittelhochdeutsche dichtung zurück (
das angels. neutr. geweorcht
unterscheidet sich in der bedeutung nicht vom fem. gewyrcht,
vgl. Bosworth-Toller 466
a),
greifen aber in die neuhochdeutsche prosa über, vgl. mhd. wb. 3, 595; Lexer 1, 998.
vgl. auch unten, s. vor allem gewirk.
in der bedeutung lassen sich zwei hauptgruppen scheiden, die allgemeinere eines bauwerks und die engere eines flechtwerks: dem bethuse nahen bi worhten stein metzen dri ein gewelbe so getan (
grab für Hektor) ... an dem gewelbe was sulch pris ... daʒ geworchte was so riche. Herbort von Fritzlar
troj. krieg 10785
Frommann, ebenso 1817
ff. 1828.
vgl. auch gewurchte
Gothaer und Heidelberger handschr. zur Eneide 9401; roc unde mantel haete er an von einem pfelle, des was rîch unde an gewürhte wunderlîch. Gotfrid
Tristan 2534,
[] ebenso Ulrich von Zatzikhoven,
Lanzelet 4760, 9212; Schaidenreisser
Odyssee 42
b; 6
a. 1@a@b@33))
in beiden bedeutungen kreuzt sich mit dieser bildung eine unmittelbare ableitung vom verbalstamm, die dem gotischen gawaurki
am nächsten entspricht. sie tritt allerdings erst spätalthochdeutsch auf, und es ist hier wie bei den belegen der mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen zeit möglich, dasz es sich um neubildungen handelt, die erst später vom verbum abzweigen, vgl. gewurchi Graff 1, 975; gewürke, gewirke
mhd. wb. 3, 595
a, Lexer 1, 999,
vgl. auch gewirk
und gewirke.
der bedeutungsumfang dieser bildung ist der umfassendste, er bringt neben den beiden hauptformen der sachbedeutung auch das nomen actionis auf breiter grundlage zur geltung. 1@a@b@3@aa))
nomen actionis: sîn selbes operatio (kewurche) unde sin selbes fortitudo (chraft) Notker
psalm 97, 1
Hattemer 2, 349; alle leut, mit allem irem gewurke sind vol eitelkeit worden.
ackermann aus Böhmen 39, 15; got und ich wir seind ein in disem gewürcke, er würcket, und ich gewürde. Tauler
predigten (1521) 305
b; des nutzes unde des gewürkes David v. Augsburg
s. z. d. a. 9, 50. 1@a@b@3@bb))
sachbedeutung, vgl. auch des fîants gewirk
Malagis, s. Lexer
a. a. o. 1@a@b@3@b@aα)) daz kewurche dero werlte,
textum mundi Notker,
übersetz. des Mart. Capella, s. Graff
a. a. o.; dar ûf man dô worhte mit simeze und bereite ein geworke, daʒ sich breite al umbe in allen sîten enlenge unde enwîten ze iegelîchem steine gûter spannen eine. H. v. Veldeke
Eneide 253, 4
Ettmüller (
var. gewurke, werc),
ebenso 251, 37 (
Gothaer handschr.: geworchte;
Heidelberger handschr.: gewirke); nieman sol legen dekeinen mist für sin hus, er enwelle in denne zehande emwec füren an die stat, die man hie uz nimet, sunderliche als bi den fleischbenken, bi sant Stephane, bi dem brunnen an dem rossemerkte, und an der stat, der man sprichet gewirke,
deutsche übers. (
des 13.
jahrh.)
des Straszburg. stadtrechts bei Gaupp
stadtrechte d. mittelalters 1, 69 (
locum qui dicitur gewirke
lat. fassung des 11.
jahrh.).
ob gewirke
hier dungstätte bedeutet, und ob das tertium comparationis das kunstmäszige aufschichten des düngers bildet? 1@a@b@3@b@bβ)) item adi 27 novembris kauft ich durch die Lochnerin allerlai polster, küsz und gewurk als hernach stet. Tucher
haushaltbuch 104
Loose, ebenso 105.
das gleiche bei Schaidenreisser
Odyssee 81
a.
vgl. auch gewirk. 1@a@gγ)
wie schon die lesarten einzelner belege zu gewurcht
und gewurche
gezeigt haben, ist in allen diesen verwendungen auch die form gewerk
zu beobachten, die ihrer bildung nach wie in ihrem bedeutungsgehalt als eine verstärkte form zu werk (
s. d.)
anzusprechen ist, vgl. cawerch Graff 1, 965;
nebenformen zeigen auch die bildungsweise der collectiva mit dem i-
suffix (
vgl. kiwirkhi
ebenda 967),
ohne dasz eine collectivbedeutung recht hervortritt. schon in der mittelhochdeutschen periode ist die erhöhung des stammvocals vor dem i-
suffix wieder beseitigt; über den auslaut liegen sichere anhaltspunkte kaum vor, wenn auch als normalform in den textausgaben durchweg gewerke
angegeben wird, vgl. mhd. wb. 3, 590
b. Lexer 1, 987;
die neuhochdeutsche periode zeigt von anfang an die kurze form gewerk
in übereinstimmung mit dem simplex werk.
die form gewirk (
s. d.)
darf nicht für das fortleben des älteren kiwirkhi
in anspruch genommen werden, sie ist rein lautlich aus gewürk, gewürke
entwickelt. 1@bb)
die verwendungen von gewerk
führen in der althochdeutschen periode nicht von der linie ab, die durch den gebrauch des einfachen substantivs gezogen ist (
vgl.werk
bei Graff 1, 962);
dort haben sich verwendungen ergeben, die die function eines nomen actionis ausprägen (werk =
operatio, fabricatio, opera)
und solche, die der sachbedeutung zustreben, vgl. ther sulch werk wirkit Otfrid 3, 20, 150
u. a. 1@b@aα)
die function des nomen actionis (
im angels. geweorc
kaum mehr zur geltung gebracht, vgl. Bosworth-Toller 465
b). 1@b@a@11)) forlâtan fîundes giwerk diuBules gidâdi, endi sôkean irô drohtines rîki.
Heliand 1365;
[] thu skalt hir kraft sehan, waldandes giwerk; thi skal hir willeo gestandan. 2196,
ebenso 160; that ni wâri gôdlîkora alah oBar erðuthurh erlô hand, thurh mannes giwerkmid megin—kraft rakud arihtid. 4279. 1@b@a@22))
scenophigia, constructio templi, kiwirkhi.
Keronische glossen Steinmeyer-Sievers 1, 253; Mathêus endi Markusso wârun thia man hêtana, Lûkas endi Jôhannes;sia wârun gode lioBa, wirðiga ti them giwirkie.
Heliand 20 (
nur im Cott.),
vgl. auch 3429. 1@b@bβ)
die sachbedeutung, die vor allem im angels. geweorc
ausgeprägt ist (
vgl.hord reafian, eald enta geweorc
Beowulf 2775
u. a.;
vgl.geweorc,
arx, figmentum, machina Bosworth-Toller 465
ff.),
findet auch althochdeutsche und altsächsische parallelen; editio cawerch
Ambraser handschr. der Hrabanischen glossen Steinmeyer-Sievers 1, 117 (
in den handschr. der Keronischen sippe cascaf, kiscaf);
figmentum, cawerch
ebenda 1, 157; than mêr te thiu burg ni mag,thiu an berge stâd, hôh holm—klîbu,biholan werðan, wrisilîk giwerk.
Heliand 1397. 1@cc)
für die mittelhochdeutsche dichtung liegen nur wenige belege vor; diese aus der ältesten zeit, beim pfaffen Lamprecht
und Heinrich von Veldeke.
vertreten ist dabei das nomen actionis —
als gegenstand sittlich - religiöser beurtheilung —
und die sachbedeutung in den beiden richtungen des bauwerks und des flechtwerks. 1@c@aα)
nomen actionis, vgl. gewerc Verwijs-Verdam 2, 1898: si dienden Sinte Servaes al dae mit groten œtmœde, mit âlrehande gœde, mit menghen gœden ghewerke mede te zieren sine kerke, met waken ende meede gebede. Heinr. v. Veldeke
Servatius 2, 289
Bormans. ebenso 1, 1742. 1@c@bβ)
sachbedeutung, vgl. Verwijs-Verdam 2, 1899. 1@c@b@11)) diʒ sult ir rehte merken: dô hîʒ er starc gewerke (
handschr. gewerken) machen ûffe schîben und zô der stat trîben und hîʒ di mûren howen mit stehelînen gezowen. Lamprecht
Alexander (
Straszb. handschr.) 1206
Kinzel; dô leitte mich di kuningîn di dritte kemenâten în ... von edelen holze aspindei was daz gewerke. (
Straszb. handschr.) 6095; der besten spiegel einen, dannen abe ich ie gehôrde, der stunt an einem orde oben an dem gewerke mit solhem gemerke, swenne lieht was der tach, daʒ man den spiegel gesach. Heinr. v. Veldeke
Eneide 256, 1
Ettmüller (gewrche
Berl. handschr., gewerche
Münch., werke
Gotha, Heidelb.).
dazu vgl. gewerke
in der ausgabe von Behaghel 9448, 9401. 9565,
wo die lesarten die oben belegten nebenformen aufweisen oder das einfache werk
zeigen. 1@c@b@22)) ein brûn zobil zu mâzen rûch ... des selbin gewerkis was ein roc ir gesnitin nâch den franzoyschin sitin wedir zu lanc noch zu kurt.
Athis u. Prophilias D 158
W. Grimm. 1@dd)
vereinzelte neuhochdeutsche belege sind nicht immer sicher von den unter dem einflusz der entwicklung von gewerke
entstandenen verwendungen zu trennen, einige aber gehören bestimmt hierher. 1@d@aα)
an die obigen belege für das nomen actionis knüpft an: unde vorchte sich ein iclich mensche und si gebotschaften die gewerg gotis und di tat sin vernomin si
Trebnitzer psalmen 63, 10 (
opera dei et facta ejus; gotes werk Notker,
ähnlich Luther.
dazu vgl. gewerck, tagarbeit,
opus, operatio, labor, industria operantis, s. werck Henisch 1598.
dagegen steht das folgende nomen actionis unter dem einflusz der später (
β, 2))
besprochenen verwendung: sieh! wie besorgt um dein neu werdend leben, geschäftig rings sich regen werkgesellen! die bien' häuft linden seim dir in die zellen, ... und zwischen das gewerk tönt das geklinge der nachtigall, als mahnende frohnglocke. Rückert (
liebesfrühling) 1, 358.
[] 1@d@bβ)
die sachbedeutung wird innerhalb der oben festgelegten gruppen verschiedenartig eingeengt und abgelenkt. beim bauwerk wird unter anlehnung an bergwerk
u. a. die beziehung auf den bergbau entwickelt, beim flecht- und netzwerk die von gewirk
so häufig gestreifte thätigkeit der biene; andere entwicklungsformen beruhen auf späterer entlehnung aus dem bedeutungsgehalte von werk,
so die kennzeichnung des räderwerks einer maschine oder die allgemeinere bedeutung eines erzeugnisses des kunstfleiszes. 1@d@b@11))
beziehung auf den bergbau. 1@d@b@1@aa)) item du salt wissen wu freie tsechen und lehenschafft is do hot recht ein tribgewerk fier lochter und ein lehenhewer sall weichen dem tribgewerk zwen lochter.
nachtrag zum Schemnitzer bergrecht Wenzel (
s. Wiener jahrb. d. litt. 104,
anzeigebl. 20),
vgl. auch erbgewerk
ebenda; die meister, knappen, steiger, schmelzer, probirer, scheider, unnd was hilfft in gewercken, sei fleissig und getrew, hab gut gewissn darbei. Mart. Rinckhart
eisleb. christl. ritter (3. 10),
s. 68
neudr. 1@d@b@1@bb)) ich hatt im frieden ja den dienst beim, salzgewerk zu Hall. Immermann (
Andreas Hofer 1) 16, 498
Hempel. 1@d@b@22)) gewerk = gewebe,
das flechtwerk der spinnen, der zellenbau der bienen: o wie fein reimt sich Esaie spruch: si brüten basiliscen eier, und wircken spinnewepp: aber das gewirck und gewerck taugt nichts zur decke: dan ir werck ist muh. Fischart
bienenkorb 57
b (1581;
fehlt 1579); sie bauen sechseckichte zellen und füllen dieselben mit seim, und machen honigkuchen, aus welchen das honig fliesset. die gewerke am feuer geschmelzet, werden zu wachs. Comenius
orbis pictus (1662) 99;
crates, das gewerke.
ebenda; zum dritten die fliegen, unter welchen die seidenwürme die seide machen, die sumsenden bienen honighäuszlein oder das gewercke (so die hummeln auszzehren), und lassen jährlich einen schwarm, als ein newes volck, auszfliegen.
janua aurea (1644) 62 (
favos mellis. les rayons de miel). 1@d@b@33))
neuere verwendung von gewerk
im sinne von werk. 1@d@b@3@aa)) (
Hekuba) stieg empor in's duftende gemach, wo, allerlei an kunst, gewänder lagen, das gewerk der mädchen Sidon'
s. Ilias, übers. v. Bürger (6. 379) 3, 137 (werke
Sidonischer frauen Voss); dann mag's ein anderer, oder nie einer besser machen: mir gleich viel! über meine bereits fertige arbeit aber sprech' ich den schwur des Pandarus aus: »es schlage mir mein feind das haupt herab, wenn meine hand dies nichtige gewerk nicht dann zerreiszt und licherloh verbrennt!« Bürger (
prolog z. 5.
rhapsodie der Ilias in jamben, vgl. Ilias 5, 215 wo nicht dieses geschosz in loderndes feuer ich werfe Voss). 1@d@b@3@bb)) ein hölzern männlein, wunderlich geschmückt, ist aufgestellt vor all den kühnen recken, ein männlein, in die stellung hingebückt, die hinter zäunen heimisch ist und hecken; durch innere gewerke vorgedruckt entfallen münzen in ein klingend becken. Uhland (
Fortunat 1, 221), 1, 350
Erich Schmidt. vgl. die älteren ähnlichen belege: gewerk
signifie aussi le frein, pour arrêter un moulin à vent Schwan (1783) 1, 745
a.
vgl. machinae = gewerkzeug Comenius
orbis pictus (1662) 134. 1@d@b@3@cc)) er nahm den ambosz, als sei er eine feder, auf und trug ihn nebst hammer und zange unter einen kleinen schoppen zwischen wohnhaus und scheure, in welchem hobelbank, säge, stemmeisen und was sonst zu zimmer- und schreinergewerk gehört, bei holz und brettern mancher art stand, lag oder hing. Immermann (
Münchhausen 2. 1) 1, 124
Hempel; du muszt ja schaffen, muszt erraffen, in steter gier nach gut und geld; sie gönnen dir kein handgewerke, sie gönnen dir kein ackerfeld. Karl Bech
lieder vom armen mann (
der trödeljude) (1846) 57. 1@d@b@3@dd))
wie bei werk
wird auch die stätte, die anstalt, in der die arbeit verrichtet wird, in den bedeutungsumfang von gewerk
hereingezogen. Campe
ist der erste, der im gegensatz zu Adelung
auf diese richtung der entwicklung aufmerksam macht: gewerk ... auch eine werkstatt oder
[] anstalt, wo diese arbeit verrichtet wird (
fabrique, manufactur), das grossgewerk 2, 362; das grosze und überaus sehenswürdige gewerk für tücher zu Vael.
ebenda, u. a.; beide älteren brüder hatten gemeinsam eine gerberei von ihrem vater überkommen, ... als aber nach dem kriege dies gewerk ... zu stocken begann, kamen schwere magere jahre. Gervinus
leben 3. 22)
die hauptverwendung des heutigen neutrums als ergänzung und seitenstück zu gewerbe
weist in den entwicklungsgang des nomen agentis gewerke
hinüber, aus dem ein moment deshalb hier vorweg genommen werden musz. 2@aa)
der pluralgebrauch dieses masc. gewerke
entwickelt eine collectivbedeutung, die ihre eigenen wege geht und einen neuen singular ergänzt. damit ist nicht blosz ein genuswechsel verbunden, sondern auch ein übertritt aus der schwachen flexion in die starke, deren vorbedingungen in der unsicherheit des gebrauches dieser formen hier nachgewiesen werden können. gleich die ältesten belege aus Schützes
Preuszen (1599)
lassen das erkennen, in denen das substantiv übrigens bald mit bald ohne präfix erscheint. zur schwachen flexion, vgl.: sonderlich als ihnen nicht unbewust war, was die gemeinden und wercken der rechten und alten stadt dem hohmeister allbereit geantwortet hetten 221
a; am mittwoch nach palmarum schriebe der hohmeister und der gewesene compter zum Elbing der von Plawen an die gewercken und gemeinde der alten stadt Königsberg und lobet ihr trew und guthertzigkeit, die sie zu dem orden trugen 115
b;
zur starken form vgl.: unter den siegeln der wercke hosenneher, schneider und becker, welcher siegel wie alle andere wercke und gantze gemeine der rechten und alten stad Dantzigk hier zu gebrauchen für diszmahl 220
b u. a. der gleiche gegensatz kehrt auch in andern belegen wieder, vgl.: auff diese waren (
folgten im festzuge) die knstler und gewercken, und bald hernach die obrigkeit, ein jeglicher mit dem ehren zeichen seines ampts. Barclays
Argenis (3, 3)
übers. von Opitz 1, 411
gegenüber von: als haben wir hiemit den handwerckern und der gemeinen burgerschaft auferlegt, das ein jeder vor martini zu seines hauses notthurft sein brotkorn einkaufe, versorge und sollen die gewerke für sich und ihre guldebruder ... sich von ihrem vorrath zeitlich in einem jeden ambte mit brotkorn versehen.
Stettiner kornordnung von 1606
bei Naudé,
getreidehandelspolitik 120,
vgl. auch die gewerke
bei Migrälius
altes Pommern 2, 40. 2, 59
u. a. den günstigsten boden für solche verschiebungen bot der dativ pluralis, in dem beide flexionen übereinstimmen, und in dem das substantiv besonders häufig belegt ist: uber dieses alles feierete der hohmeister nicht, sondern unterbawete allenthalb bei dem gemeinen manne und bei den wercken zu Dantzig, damit er sie wieder an sich ziehen möchte. Schütze
Preuszen 220
a; wir haben auch den gemeinen und gewercken in der rehten und alten stadt Dantzig in gleicher weise geschrieben 221
a; also haben wir ... die in gedachten unserm königreiche denen gewerken vorhin ertheilte innungsbriefe, oder sogenannte privilegia aufzuheben resolviret.
königl. preusz. verfügung von 1751
bei Rohrscheidt,
vom zunftzwange 29;
die gleiche form auch in der handwerksordn. für Westphalen v. 1774
bei Ortloff 87;
preusz. verordn. v. 1808
gesetzs. s. 315; Göthe 11, 303; (J. G. Hoffmann)
das interesse des menschen u. s. w., s. 29. 40. 73. 148; Benda
Shakespeareübers. 12, 213; Prutz
übers. des Holberg; Rückert 1, 195
u. a. der collectivbegriff, der das gewerk
als eine geschlossene corporation erscheinen läszt, ist in den einzelnen belegen verschiedenartig entwickelt; am nachdrücklichsten macht er sich gerade in den älteren beispielen geltend. 2@a@aα)
einzelne verwendungen, in denen der pluralgebrauch nicht bis zum ausgesprochenen collectivbegriff vorschreitet, die aber durch die starke flexion des subst. in diesen zusammenhang weisen: etwas durch die gewerke besichtigen lassen,
faire visiter quelque chose par les experts Schwan (1783) 1, 745
a; nachdem der redende ... geschlossen hatte, richteten die sämmtlichen anwesenden sich auf, und die gewerke, anstatt abzuziehen, bildeten einen regelmäszigen kreis vor der tafel der anerkannten oberen. Göthe (
wanderjahre 3, 12). 23, 162; aus den straszen zu entweichen,
[] wo wagner, schmiede und andre gewerke ir wesen öffentlich unermüdet und geräuschvoll treiben, und sich in das gärtchen im geistlichen thale zu verbergen war höchst behaglich. (
kampagne in Frankreich) 30, 149; die edelste schirmvogtei der kaiser und könige wars ohne zweifel, dasz sie der gewalt des raubes städte, und dem joch des leibeigenthums künstler und gewerke entzogen, dasʒ sie den freien fleisz und handel durch gerechtigkeiten, zollfreiheit, den marktfrieden und sichere geleite beschützet und befördert ... haben. Herder
ideen zur philos. der gesch. der menschheit (19, 3, 6) 4 (1791), 237; das capital machte der (
stadt-) aristokratie schon eine um vieles gröszere concurrenz, als die handarbeit der gewerke es vermochte. Th. Mundt
gesch. d. deutsch. stände (2, 3) 322. 2@a@bβ)
zeugnisse für den collectivbegriff; der plural führt geschlossene corporationen ein. 2@a@b@11)) sollen die gewerke die werkskosten und verschwendungen abstellen und anstath desselbigen von den newen gildebrüdern, lehrjungen ein genantes angelde nehmen, undt was also ein jedes werk von newen gildebrüdern, lehrjungen und tadelhaften meisterstücken einbekombt, zu einkaufung des vorraths an getreidig brauchen und sonsten vor solche und dergleichen strafen kein bier nehmen.
Stettiner kornordnung von 1606
bei Naudé
getreidehandelspolitik 121; als die brauer um die erhöhung des vorhin gewöhnlichen bierkauffes ... anhielten, und das quart-bier, zwar mit des landsfürsten vorwissen, aber ohne zuziehung der gewercke und gemeine, auff vier pfenning lübisch mehr als vorhin ... setzeten, der pöbel daher sich sehr auffrührisch bezeigete. Micrälius
alt. Pommerland 2, 59.
ähnlich 2, 40; wenn ein handwerksgeselle gewandert kommt, soll er in der ordentlichen herberge, oder bei einem meister, in welchen gewerken solches gebräuchlich, einkehren.
handwerksordn. f. Westpreuszen (1774)
Ortloff 87; nachdem wir allerhöchst-selbst erwogen haben, dasz der den bäcker-, schlächter- und hökergewerken in den städten unserer provinzen Ost- und Westpreuszen ... zustehende zunftzwang ... den ... übrigen einwohnern der städte zum groszen nachtheil gereicht, ... so haben wir beschlossen, die hökerzünfte gänzlich aufzuheben.
preusz. verordnung von 1808,
gesetzsamml. 1806/10,
s. 315; die grenzen zwischen den gewerken der hufschmiede und schlosser scheinen auch einer verbesserung zu bedürfen. (J. G. Hoffmann)
das interesse des menschen an d. besteh. zunftverf. 73,
ähnlich s. 29; die tägliche erfahrung lehrt indessen, dasz die polizeitaxen bei den geschlosznen gewerken ihren zweck nicht erreichen. 148. 2@a@b@22)) auflage, so nennen die gewerke ihre monatliche ... zusammenkünfte ... wo von einem jeden ein beitrag an gelde zur lade aufgeleget oder entrichtet wird. Jacobsson
technolog. wb, 1, 81
b; »ich sehe es wohl an deiner neugierde, « sprach Fingerling, »dasz du lust zum handwerke hast und dasz du die spöttischen reden der andern gewerke über uns schneider nicht achtest.« Arnim (
kronenwächter) 3, 40; Eugen sasz just unter dem bilde des landesfürsten und der fürstin an dem ecktische, über welchem in laternenähnlichen kästchen die bänderverzierten innungszeichen verschiedener gewerke hingen. Auerbach,
neues leben 1, 232; vor dieser guten stadt löblicher bürgerschaft achtbaren gewerken, erscheine ich endesunterschriebener
N. N., unwürdiger aeltester des achtbaren hutmachergewerks. Prutz
übers. der komödien Holbergs (
der polit. kanngieszer 5, 3) 1, 71; war doch am nachmittage von gesammten zimmerleuten aus stadt und amt der neue galgen ... aufgerichtet und ihnen dann frei bier ... verabreicht worden; da haben die anderen gewerke auch nicht trocken sitzen wollen. Th. Storm (
zur chron. v. Grieshuus) 6, 95; 2@a@b@33)) fromme litaneien betend ziehn die mönche still gepaaret, und die hilfreichen gewerke folgen betend aus den hallen. Brentano
romanzen vom rosenkranz (8, 125)
s. 98
Morris; die gewerke stellst du zu den trägern der macht; so verbrieftest du, scheidend, das erbe Friederich'
s. Immermann (
aus den memorabilien) 19, 266
Hempel; [] von den wällen sprach das geschütz des bürgerthums auf ganz andere weise, wie im freien feld. wie brachen die gewerke vor aus dem Ulrichsthor. W. Raabe
unseres herrgotts canzlei 2, 12; die gewerke zogen aus mit musik und fahnenschwenken, und die schulkinder folgten, mädchen und knaben, und begrüszten den mai. Th. Fontane (
Grete Minde 6) i, 2,
s. 355. 2@bb)
der singular läszt sich in diesem bedeutungszusammenhang zunächst nur ganz vereinzelt belegen; aus dem 17.
jahrh. ist er einmal bezeugt, und in einer verwendung, für deren deutung sichere anhaltspunkte fehlen: mit wirtschafften, kirchgang, kindertauff, rahts- und zunfftkosten, amt, gewerck und gülten, begräbnissen ... bei reich und armen, viel verschwendt und verthan wird. Wolder
türkischer untergang (1664) b
2.
gedacht ist hier wohl an die zugehörigkeit zu einer geschlossenen arbeitsgenossenschaft und an die kosten, die aus der mitgliedschaft erwachsen. anders grenzt sich im folgenden —
weit späteren —
beispiel die bedeutung von gewerk
ab, wo es dem einfachen werk
gegenüber gestellt ist. während dieses den rechtsanspruch auf die ausübung einer thätigkeit kennzeichnet, deutet gewerk
auf den rahmen, innerhalb dessen die thätigkeit erfolgt. das einfache werk
berührt sich hier mit gewerbe
in der oben (
sp. 5511)
festgelegten bedeutung eines arbeitsrechtes und gewerk
steht dem als collectivbegriff gegenüber, der die träger dieses rechtes corporativ zusammenschlieszt: so ein handwerksmann sein werk binnen dieser stadt jahr und tag verfähret, und solches ausser landes getrieben, auch dem gewerke nicht gleich gethan hat, der soll das werk von neuem zu gewinnen schuldig sein.
neu-revidirte willkür der stadt Danzig (1761) 65.
in anderer richtung concurriert mit gewerbe (
vgl. oben sp. 5519)
der folgende beleg, dem eben so gut ein persönlicher collectivbegriff als auch ein nomen actionis zu grunde gelegt werden kann: wollen sie mich aber durchaus bei meinem versprechen halten, so nehmen sie mit einigen der wichtigsten stellen vorlieb, die sich am leichtesten durch worte ausdrücken lassen. zum glück kann ich mit ihnen kunstmäszig sprechen, denn sie sind mit vom gewerke!
M. Mendelssohn (45.
litteraturbrief) 4, 1 (1844),
s. 546; sein nachfolger in der präfektur, war von geburt ein Araber, und folglich von jugend an ein räuber von gewerk. Riemberg
übers. v. Gibbons gesch. d. röm. reichs 1, 315. 2@b@aα)
die ersten belege für den collectivbegriff in der beziehung auf personen fallen beim singular in das 2.
drittel des 18.
jahrh., sie weisen nach Brandenburg, allgemeiner auf die preuszische kanzleisprache. bald gehören sie sowohl dem litterarischen gebrauch als auch den wörterbüchern an. 2@b@a@11)) wir ... ordnen und wollen demnach: ... dasz derjenige, welcher meister bei dem gewerk ... allhier werden will, sich bei dem aus des magistrats mittel dem gewerke zugeordneten beisitzer ... melden ... solle.
privileg des ... gewerks in Brandenburg von 1737
bei Ortloff 53; der gouverneur -.. an einem orte, musz, mit zuziehung des magistrats und der bürgerschaft, gute feueranstalten machen, damit, bei entstehendem falle, ein jedes gewerck wisse, was es dabei zu thun hat.
reglement f. d. kgl. preusz. leichte infanterie (1788) 377; nach zurückerhaltener kundschaft musz der geselle seine reise sofort antreten. wird er daran durch zufall verhindert: so musz er die kundschaft bei dem gewerke anderweit niederlegen.
preusz. allg. landrecht ii 8, 393. 394; bei der auflage der meister werden auch gemeiniglich die neuen lehrlinge ins gewerk aufgenommen, und ... die ausgelernten ... losgesprochen, und zum gesellen gemacht. Jacobsson,
techn. wb. 1, 81
b. 2@b@a@22)) das gewerk ... ein collectivum, welches an einigen orten, z. b. in der Mark Brandenburg, gebraucht wird, alle zu einem handwerke gehörigen meister eines ortes zu bezeichnen, für zunft, innung, handwerk Adelung 2, 660 (
als seltener gebrauch wird ebendort die engere beziehung auf die gewerke einer bergzeche angemerkt, »wofür doch gewerkschaft üblicher ist«,
vgl. dazu gewerke, gewerkschaft);
ähnlich Hederich
prompt. lat. 1, 1422; gewerk ... die zunft, innung,
le corps de métier, les maîtres de l'art Schwan (1783) 1, 745
a; gewerk, zusammenkommende meisterschaft der zunft Fulda,
versuch einer allg. teutschen idiotikensamml. 582; gewerk, innung, zunft
[] Eberhardt 2, 285; gewerk ...
collectively (zunft, innung, handwerk)
corporation, guild, company Hilpert 1, 464
a;
ähnlich Lueger
lex. d. ges. techn. 4, 647; Thiel 4, 428
u. a. zur mundartlichen verbreitung dieser bildung vgl. auszer Adelungs
hinweis auf die Mark auch Hertel
Thüring. sprachschatz 257. 2@b@bβ)
gebrauchsformen. 2@b@b@11))
absoluter gebrauch: das (
meister-)stück wird dem gewerke vorgelegt und beurtheilt. (J. G. Hoffmann)
das interesse des menschen ... bei d. besteh. zunftverf. 112; dahingegen aber wird den zünftigen meistern nicht verwehrt, auch solche waaren und arbeiten zu verfertigen, welche dem gewerk, wozu sie gehören, zwar nicht ausdrücklich, doch aber auch nicht andern gewerken beigelegt sind.
Saalfeldische allgem. innungsgesetze von 1803
bei Ortloff 631; und dann schauet ins bürgerleben! da hat jedes gewerk, oft das leichteste seine jahrelange lehrzeit, seine fest und tief gewurzelte gewohnheit nöthig.
Guts-Muths, turnbuch, einl. s. 17; marktschreiern gleich erwerb' ich ihre liebe. abschmeicheln will ich mir ein jedes herz, und mit der gunst von jeglichem gewerk' in Rom nach hause kommen. benda
übers. des Shakespeare (
Coriolan 3, 2) 12, 138 (
of all the trades in Rome; von jeder zunft geliebt Schlegel-Tieck); ich dächte, man sollte die bürgermeister abwechselnd jetzt aus dem einen gewerk nehmen und jetzt aus dem andern ... und keiner sollte länger bürgermeister sein, als einen monat, damit nicht ein gewerk mehr in flor käme als das andere. Prutz
übers. d. Holberg (
der politische kanngieszer 2, 3) 1, 35. 2@b@b@22))
unter den verbindungen, die das substantiv eingeht, gewähren die attributiven bestimmungen manchen einblick in das denken und fühlen des volkes. die substantivischen begleiter dienen vorzugsweise der gliederung und erwecken socialpolitisches interesse. 2@b@b@2@aa)) gäbe es ein besonderes gewerk, dessen erste bestimmung und ganzer ehrgeiz es wäre, tüchtige fenster und thüren zu verfertigen: so wäre diesem fühlbaren mangel gewisz längst abgeholfen. eben dies gewerk könnte dem zimmermann manche arbeit abnehmen. (J. G. Hoffmann)
das interesse des menschen ... bei d. besteh. zunftverf. 71; in der gesellschaft erscheint der Deutsche selten als mensch,
d. h. als gesellschafter, sondern als guter beamter, professor, soldat ... daher gibt es keinen köstlicheren gesellschafter als einen professor, nämlich für professoren; und so ist ein jurist einer der besten unterhalter für — juristen — und so jeder vor der offenen lade seines gewerks. Jean Paul (
nachdämmerungen f. Deutschland 1) 34, 75; ehe ich jemals der Anna den consens gebe zur ehe mit einem solchen armseligen häfner, und sie in ein solch bettelhaft, schäbig gewerk ziehen lasse, eher will ich des waibels stock mit dem weiszen bettelstabe vertauschen. meines bruders kind soll in ein nobles gloriöses handwerk heirathen. ich aber erkenne kein anderes als den edlen soldatenstand. Eichendorf (
jugendliebe) 6, 33
Müller; von der landwehr sollt ihr hören, auch von mir dem landwehrmann; schuster steht in hohen ehren welcher näh'n und fechten kann. immer bleib' ich am gewerke, wo Hans Sachs die lieder singt, Hans von Sagan's heldenstärke hoch die kreuzesfahne schwingt.
M. v. Schenkendorf
Königsberg'sche wehrlieder: Hans von Sagan); subhastationen konnte er voraus berechnen wie die kalendermacher das wetter; seine eigentliche spezialität aber waren die der feuerlegung verdächtigen windmüller. die liste, die er darüber führte, umfaszte so ziemlich das ganze gewerk. Th. Fontane (
vor dem sturm 7) i, 1,
s. 63. 2@b@b@2@bb)) in der regel wird in den groszen städten beszre waare geliefert, wo das gewerk der kleinschmiede in schlosser, groszuhrmacher, zeug-, bohr-, messer und zirkelschmiede zerfällt. (J. G. Hoffmann)
das interesse des menschen ... an d. besteh. zunftverf. 29; das gewerk der rasch- und zeugmacher,
s. 65; zinngieszergewerk 64; das gewerk der sattler Hilpert 1, 464
a; maurer, zimmergewerk Lueger
lex. d. ges. technik 4, 647; unweit dieses kandelabers ... sitzt eine arbeiter-familie, die aus ihrem
[] väterlichen haupt, einem schon etwas ergrauten und, wie seine stiefel besagen, dem maurergewerk angehörigen manne ... besteht. Th. Mundt
Paris und Louis Napoleon 1, 29; ich führe hier nur als beispiel das gewerk der klempner in Berlin an, welches aus etwa 300 besteht, von denen nur etwa 260 der innung beigetreten sind, welches den beschlusz gefaszt hat, dasz niemand mehr lehrlinge halten darf, als er gesellen hält. Bismarck (
rede in der 2. kammer 1849) 1, 139
Kohl. 2@cc)
die beziehung auf personen, die diesem collectiv im plural- wie im singulargebrauche anhaftet, wird im jeweiligen zusammenhang natürlich nicht immer mit gleichem nachdruck festgehalten. wie leicht sich dieses moment in einzelnen bedeutungsgruppen verflüchtigt, zeigt die parallele bei Schwan: einen aus dem gewerke stossen, ihm das handwerk legen,
exclure quelcun 1, 745
a.
ebenso macht sich beim gebrauch zahlreicher composita von gewerk
die corporative seite des gewerks vielfach weit weniger geltend, als die berufsthätigkeit, die die gewerksmitglieder ausüben, vgl. gewerksangelegenheiten, -ehre, -genosse, -lied, -missbrauch, -privilegium, -recht, -sache, -strafe, -streitigkeit, -vortheil, -zwang, -zweig
u. α.
so bereitet sich eine bedeutungsgemeinschaft mit gewerbe
vor; und wenn diese auch im allgemeingebrauch noch keine groszen fortschritte gemacht hat, so sind doch immerhin einige feste verbindungen von gewerbe,
vor allem eine reihe von compositis, auch für gewerk
erschlossen. 2@c@aα)
die beziehung auf personen wird durch den zusammenhang verdunkelt. 2@c@a@11)) was handel, gewerke und gewerbe zusammen schaffen müssen, bis ein gastmahl gegeben werden kann. Göthe (
W. Meisters lehrj. 5, 10) 19, 194; im schatten eines friedlichen stadtregiments gingen sie (
die zünfte und gilden) durch zucht und ordnung hervor; die sinnreichsten künste entstanden aus handarbeiten, aus gewerken, deren gewand sie, zumal disseit der Alpen, nicht zu ihrem schaden, lange zeit an sich getragen haben. Herder (
ideen z. phil. d. gesch. d. menschh. 20, 5) 4, 331; in gegenden, die Rom nicht besessen hatte, wurden sie (
die städte) vormauern gegen den andrang neuer barbaren, freistäten der menschen, des handels, der künste und gewerke. 329; und da arbeitet denn der baumeister allen übrigen künsten und gewerken vor. Göthe (
paralipomena z. d. schriften zur kunst) 49, 2,
s. 270
Weimar; wie wimmelnd und lebendig regte sich das volk! wie vervielfältigten und bevölkerten sich die städte! wie wuchsen die künste und gewerke! wie zogen handel und reichtümer weit durch das land und die meere, Arndt
geist der zeit (1813) 1, 231. 2@c@a@22)) so entstand im unfriedsamen staate aus eignen kräften der nation ein friedsamer nützlicher staat, durch gewerbe, bündnisse, gilden verbunden; so hoben gewerke sich aus dem drückenden joch der leibeigenschaft empor, und gingen durch deutschen fleisz und treue, zum theil in künste über, mit denen man andre nationen beschenkte. Herder
ideen (18, 5) 4, 185; leis verhallt der lärm des tages, die gewerke schlummern ein ... Leuthold
ged., s. 70,
vgl. die belege für gewerbe
sp. 5531. 2@c@bβ)
das persönliche moment wird ganz abgestreift, gewerk
tritt in die bedeutungsgemeinschaft von gewerbe
über. 2@c@b@11)) die dramatiker werden verzeihe mirs gott! noch toll. es ist ein wahres elend, dasz solches gesindel so jämmerlichen kerlen als Wittenberg, Reinhart u.
s. w. anlasz geben musz, das gewerk der meister zugleich mit zu verschreien. Bürger (
an Boie 1776)
briefe 1, 381; allein sie sieht so wie ich ein, dasz das gedicht selbst die arbeit eines lehrjungen in dem löblichen gewerke der versemacherei sei. G. v. Uslar (
an Bürger 1777),
s. Bürgers briefe 2, 187. 2@c@b@22)) bekannt ists nehmlich, dasz die Britten bei ihren gewerken die kunst theilen, dasz jener uhrfedern macht, dieser uhrgehäuse u.
s. w. ... Herder (
philosophei und schwärmerei ... 1776) 9, 501
Suphan; Paulsen besass mannigfache kenntnisse und war dabei nicht nur von anerkannter tüchtigkeit in seinem eigenen handwerk, sondern er hatte auch eine einsicht in die künftige entwicklung der gewerke überhaupt. Storm (
Pole Poggenspäler) 4, 37.
[] 2@c@gγ) gewerk
dringt in die festen verbindungen von gewerbe
ein: in ländern, wo die freien leute, sie mochten krieger, seefahrer, kaufleute oder müsziggänger sein, es unter ihrer würde hielten, sich mit der viehzucht, dem ackerbau und den gewerken abzugeben. H. H. Cludius
v. d. bei d. ndd. freien bauern mögl. u. nützl. bildung (1805) 1; endlich sind zünftige meister auch berechtiget, neben ihrer profession von unzünftigen gewerben solche, die ex jure reali betrieben werden können, ackerbau und viehzucht und andere unbedeutende gewerbe ... als nebengewerke zu betreiben.
Saalfeldische allgem. innungsgesetze von 1803
bei Ortloff 642; so dasz also weder meister anderer zünfte, noch auch andere, als soldaten, gesellen u.
s. w. diese gewerke auf eigene rechnung betreiben dürfen.
ebenda 633; mehrere handwerke oder technische gewerke soll niemand zu gleicher zeit betreiben.
entwurf einer allgem. d. handwerker und gewerbeordn. v. 1848; und zwar sitzen zuvörderst im linken centrum die Schweiz mit den constitutionellen staaten des alten reichs, die treuherzig, gutmütig, mitten in ihren groszen nöthen, gelassen die freiheit treiben, wie ein ehrsames gewerke. Görres
heil. allianz, s. 11; da doch schlechte musikanten ihr gewerk als eine art anständiger bettler treiben müssen, und da mancher gute maler schier verhungert ist. Brentano (
der philister vor, in und nach der geschichte) 3, 72
Morris.