ziege,
f. ,
ziege, seit Luther
das schriftsprachliche wort, welches über geisz (
th. 4, 1, 2, 2796)
obsiegt; im ahd. war es auf die mitte des deutschen sprachgebietes beschränkt, vgl. die belege: zisceidit her sie untar zwisgen, so hirti zisceidit scâf von zigôn (
oves ab hedis), inti sezzit thiu scâf von sîneru zesawun inti thio zigûn fon sîneru winistrûn (
Matth. 25, 32
f.)
Tatian 152, 2 (
ostfränk.);
zur selben bibelstelle zigun (
acc. plur.) Otfrid V 20, 58 (
südrheinfränk.);
in der südmittelfränk. hs. A des Williram 14, 3
S. dîne zigan (
haedos tuos)
neben zikkin
hs. B. und kizzin
der übrigen hss.; das südrheinfränk. summarium Heinrici bietet capra geiz
ahd. gloss. 3, 200, 29,
capella ziga 30,
capra al. cabella keiz, ziga 448, 59,
hedus kizzin 60,
und capra cigun 451, 2;
mfränk.: capra geiz,
capella ziega,
edus ziegelin 368, 7
ff.;
die mhd. zeit kennt es aber, wenn auch nur in einzelnen, verstreuten belegen, auch auf obd. gebiet; vgl. zunächst die md. zeugnisse der literatur: si hüpfet mit im als ein zige
gesamtabent. 3, 121
H. (
ostmd.); seht, ir alden czygen (
schelte für weiber)
altd. schausp. 2, 732
Mone (
ostmd.);
ins obd. gehören: nu sage mir, weder sint dise bônen eines bockes gewest oder einer zigen? (: gezigen) Hugo v. Trimberg
renner 4141
E. (
ostfränk.); und (
der jäger) was den wec gein ime genigen, der truoc ein wilde zigen Heinrich v.
d. Türlin
krone 15070 (
kärnt.); so sich in dort ligen ich wen pey einer schwartzen zigen (
alten weibe) Heinrich v. Neustadt
Apoll. 14312
Si. (
niederösterr.);
vgl. noch zigenbône Hugo v. Trimberg
renner 4136
E.; zigenhiute Ottokar
österr. reimchron. 7382
S. (
steiermärk.); zigenmilch
Reinfrid v. Braunschweig 8587 (
mittelalem.).
dieser befund ist um so auffälliger, als in der nhd. periode die obd. maa. nur geisz
als benennung der ziege kennen; aber an blosze literarische entlehnung, wie etwa bei zeter (
sp. 809)
zu denken, ist doch bei dem auftreten sowohl im österr. wie im alem. gebiet miszlich; zudem lebt ja z.,
freilich in ungewöhnlich abweichender bedeutung, woraus jedoch nicht ein anderes wort erschlossen werden kann, in modernen bair.-österr. maa. fort (
s. unt. II 2).
in seiner eigentlichen bedeutung weicht z.
vor dem siegreichen synonym geisz
im spätmhd. und frühnhd. allmählich bis zur md. sprachgrenze zurück: die nordbair. älteste bibel weist noch zigenbock (
s. d.)
auf; ein oberhess. weisth. von 1338
bietet bereits geisz
neben z-n
weisth. 6, 396
f., aber ein vocab. obd. gepräges vom anfang des 15.
jahrh. s enthält noch capra czig Diefenbach
gl. 98
a;
der Basler A. Petri
musz 1523
freilich Luther
s zygenfell
durch geyszfell, kitzenfel
wiedergeben; s. ziegenfell.
diesen verlust im süden ersetzt reichlicher landgewinn im norden, indem sich z.,
an seiner lautgestalt als md. eindringling kenntlich, früh auf mfränk.-nd. boden durchsetzt: czegen
Sachsensp. landr. 1, 24, 1; 2, 48, 12 (13.
jahrh.);
vgl. ferner die nd. glossen zege, tzeghe, sege, seghe (
meist des 15.
jahrh. s) Diefenbach
gl. 98
a; 195
b;
n. gl. 73
b;
sowie die vorlutherischen nd. bibeln, z. b. 1. Mos. 30, 32 zegen
Köln. bib., ceghen
Lübeck., tzeghen
Halberst.; sogar eens segeken (
hoedi)
1. Mos. 37, 31
Köln. bibel gegen hoken, hOeken
der beiden anderen; eyn tzeeghe
off gheyte
capra G. v.
d. Schueren
Teuth. 347
b Verd.; sogar im nld.: sege Verwijs-Verd. 7, 891; seghe, ceghe
sax., sicambr. Kilian 581
b Hass., um 1777
noch overijsselsch und geldernsch ebda. von diesem frühen vorkommen im mfränk. bereich zeugt das nachleben des wortes in flurbezeichnungen der moselfränk.-luxemb. ma. Siebenbürgens, vgl. M. Orend
in vierteljahrsschr. f. siebenb. landesk. 54, 275.
belege vom 14.
jahrh. ab für das östliche Mitteldeutschland gibt th. 4, 1, 2, 2798.
die heutige sprachgrenze zwischen obd. geisz
und md.-nd. z.
verläuft im osten ungefähr an der obd.-md. sprachscheide: z.
kommt noch im nordwestböhm. gebiet vor (zīche Blumer
nordwestböhm. ma. 96
b),
im Vogtland ohne das bair. Saale- und Selbitzgebiet (Gerbet
ma. d. Vogtlands 65)
und neben geisz
im henneberg. (Spiesz
henneb. id. 73; 289); geisz
noch in Salzungen und Ruhla (Hertel
Thür. 104);
im westl. md. bleibt Oberhessen beim süden, in Niederhessen gilt z. (zäge Hofmann
niederhess. wb. 269
a);
Wetterau, Nassau und Rheingau, sowie das ganze Rheinland kennen nur geisz (
rheinfränk. gs, gais,
moselfränk. gs,
ripuar. jēs,
nfränk. jēt: J. Müller
rhein. wb. 2, 1145;
siebenbürg. gīs, gēs);
s. die angaben th. 4, 1, 2, 2798
und Kretschmer
wortg. 593.
kerngebiet von z.
ist Obersachsen und Nordthüringen (Müller-Fr. 2, 703
a; zegen
um Mühlhausen, zain
um Nordhausen: Hertel
Thür. 264;
M. Schulze
nordthür. 46
b),
wo jedoch zicke (
s. d.)
und mittelthür. hippe, hippel
stark einengen, und ein neuer geltungsbereich ist im gesamten nd. gebiet hinzugewonnen: zäg(e), ssäg,
westfäl. ssiege;
s. th. 4, 1, 2, 2797.
ältere obd. schriftsteller schreiben züge: Spreng
Il. 2, 216; Stranitzky
ollapatr. 180
Wien. ndr. die ursache dieser sprachbewegungen mag z. th. die th. 4, 1, 2, 2797
zu unrecht angezweifelte überlegenheit der rassen und der zucht im md. hügel- und bergland gewesen sein; später trat als wirksamer grund das absinken des nd. bauernstandes in wirtschaftliche enge hinzu. so verschwand das mnd. geite, gête
oder zog sich in flurnamen oder die umdeutende kindersprache zurück, vgl. holst. jitt
mutterschaf, junges rind Mensing 2, 1038,
das bis nach Westmeckl. vielfach in flurnamen vorkommt, s. W. Neumann
flurnam. v. Grevesmühl. 105.
für den sprachkampf in den grenzzonen spricht das th. 4, 1, 2, 2798
f. belegte auftreten beider wörter in demselben denkmal und bei demselben schriftsteller, so bei Kirchhof
und Grimmelshausen; Luther
hält 1. Mos. 15, 9
bis 1523
und 3. Mos. 7, 23
bis 1528
an geys
und geyszen
fest, später zigen;
s. auch ziegenmilch;
auch die Hessen B. Waldis
und Alberus
gebrauchen beide wörter. auszerhalb dieser zonen erscheinen sie später nicht selten nebeneinander, da geisz
seine literarische geltung bewahrt, s. belege u. I 1.
anders in der frühzeit, wo geisz
und z.
als capra und capella, ziege und junge ziege geschieden werden (
s. ob.)
und dazu noch für das ziegenlamm kizzin
oder ziegelin
erscheint; die gleiche fülle bei G. v.
d. Schueren gheyte, tzeeghe, huecksken
capra, capella, edus Teuth. 114
a Verd., und in einem Mainzer voc. von 1414
capra, caprella eyn geiz
vel eyn z.
Mainzer stadtbibl. hs. 604
fol. 41
a (
gleich Diefenbach
gloss. 98
a).
danach besteht die th. 4, 1, 2, 2798
erschlossene grundbedeutung junge ziege zu recht, und nun begreift sich der gesamtvorgang: anfangs ziga
junge ziege neben geisz
mutterziege, danach, zum namen des mutterthiers geworden, obsiegt z.
im ostmd. und, durch wirtschaftliche verhältnisse unterstützt, im nd. gebiet, musz aber zuletzt vor dem jüngsten, wieder aus einem kosewort erwachsenen ausdruck für die mutterziege, zicke,
im ostmd. theilbezirk zurückweichen; im obd. unterliegend, kann das wort z.
doch dem siegreichen geisz
seine spröszlinge zicklein, zickel, zickelchen
als benennung des lamms in einem grenzstreifen unterschieben; das obd. hauptgebiet dagegen bleibt diesen verschlossen, da hier schon durch kitz, kitze,
n., kitzlein (
th. 5, 868)
für den namen des lammes gesorgt ist. etymologisch ist z.
über sein kosewort ahd. zickîn,
ags. ticcen
mit norw. dial. tikka
mutterschaf und weiter doch wohl mit mnd. tîke,
neunord. tik,
altn. tîk
hündin, woraus engl. tike
köter, zu verbinden. ein parallelfall zum bedeutungsübergang liegt bei zibbe (
s. d.)
vor; auszerhalb des germ. läszt sich wohl armen. tik
schlauch (
eig. ziegenfell),
alban. δι ziege, griech. dial. δίζα ziege (<
*διγj
α)
heranziehen. der lenisstand des gutturals in ahd. ziga
macht bei diesem ansatz schwierigkeit. II.
ziege, vornehmlich die hausziege, capra hircus. I@11)
das erwachsene weibliche thier: bringe mir eine dreyjerige kue und ein dreyjerige zigen
1. Mos. 15, 9; Carbach
Livius 291
a (
cit. unter 1zickel); seine schaaff und z-n sind nicht unfruchtbar gewesen Schupp
schr. (1663) 168; warf den z-n und den jungen hipplein das laub vor Musäus
volksm. 1, 47
Hemp.; am zaun im ring die ziege ging mit ihren zicklein Brentano
ges. schr. 1, 500; ähnlich wird auch dem Jupiter zur amme eine z. gegeben Hegel
w. 10, 2, 427; ihre z-n zu melken Mörike
w. 3, 112; die magern z-n geben die meiste milch Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Q 8
b; wer die z. im hause hat, hat den bock fr der thre Kern
sprw. 59; schlacht a bock, schlacht a bock, lutt de zieje laufa Rother
schles. sprw. 48
b; wenn der bart den verstand andeutete, so wären bock und z-n sehr weise Düringsfeld
sprw. 1, 75
a;
dabei gerathen die synonyme, wie th. 4, 1, 2, 2799,
nebeneinander: geisz oder z-n Thurneyszer
alchym. 7; von ken, zigen, geyszen Fischart
Garg. 79
ndr.; vom Heintzen und frau Adlheit wie sie erstlich hochzeit gemacht, ein zieg und geisz zusammenbracht, dieselb umb blen vertauschten hin Eyering
proverb. 1, 70;
gar zusammentretend zu ziegengeisz,
s. th. 4, 1, 2, 2799;
das junge thier nur, wenn jung, klein
od. ä. hinzugefügt wird: ein alter bock ist noch wol einer jungen z-n werth Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, S 5
a;
sonst gebraucht die volks- und z. th. auch die schriftsprache sonderbenennungen dafür, s. zicke,
zickel,
zicklein,
ferner obd. kitz,
thür. hipplein. 2) z.
steht im übrigen für die art, wenn es auf die unterscheidung von geschlecht und alter nicht ankommt: alle unser stedte, gter, berge, hgel, ecker, ochsen, schafe, zigen, rosse und kamel, und was wir nur haben, ... ist alles dein
Jud. 3, 4; als wenn man etliche handwerker zygen, fliegen, katzen und igel nennet Mathesius
Sarepta (1571) 24
a; gAens und z-n von der wintersaat abhalten, es wAechst nicht gern nach ihrem bisz Hohberg
georg. 1, 133; auch siehst du ... z-n behaglich weiden Göthe 49, 105
W.; so allgemein; von ihren eigenschaften zeugen die nachstehenden belege: die kletternde z. Herder 17, 114
S.; hüpft von fels zu fels die ziege Göthe 3, 124
W.; Schiller 6, 392
G.; die z. Aeset sich an allen krAeutern ..., bAeumen und strAeuchern ist sie hOechst gefAehrlich, denn sie schAelt sie ab oder verbeiszet sie ... das fleisch der z. kOemmt dem schaaffleische nahe, ist aber lAeppischer Leopold
hdwb. d. ökon. 533
a; naschende z-n Vischer
äshet. 2, 101; eine zudringliche z. Holtei
erz. schr. 4, 16; lieber wollt ich eine herde z-n bewachen als ein rudel böswilliger und saumseliger schuldner G. Keller
ges. w. 6, 284; das meckern einer z. Fontane I 6, 38; (die) nervösen z-n W. Raabe
schüdd. 1, 107;
von wilden z-n
im amerikanischen norden spricht J. G. Forster
s. schr. 4, 165; A. v. Humboldt
kosm. 2, 28;
spielt im aberglauben eine rolle: die Meiszner (
ritten zum Blocksberg) auf mAeusen, die MAercker auf z-n, welche meck meck sagen J. Prätorius
Blockesberg 45; vor dem militiabataillon aus Wales marschierte mit dem tambour eine weisze z. Moltke
ges. schr. 6, 258. 3)
sehr häufig in redewendungen, welche von der verbundenheit dieses hausthieres mit dem landmann zeugen, wie: auf die faule (
für fahle) z. kommen
sagte man unter dem Harze von mädchen, die sich herumtreiben nd. korrbl. 15, 5;
vgl.: einen auf der fahlen z. ertappen Eiselein 658; dürr wie eine z. Spiesz
henneb. id. 289; dar hots inwendich wie de zieja (
die das fett innen ansetzt),
d. h. er läszt sich seine schlauheit oder seine vorzüge äuszerlich nicht anmerken Müller-Fr. 2, 703
a;
auch: der hats hinter den ohren wie die z. den speck
ebda; du kannst mir nicht die z. fuchsen
kannst mir nichts anhaben; die z. beim schwanz haben
bei einem unternehmen keinen erfolg haben ebda; er hat die z. in den garten gelassen
er hat den bock zum gärtner gemacht Rother
schles. sprw. 345
a; die z. ist die kuh der armen Wander 5, 573;
vgl.: von der weisz man nichts, man weisz nicht, wer ihre küh und ihre z-n sind O. Ludwig
ges. schr. 2, 353;
und in sprichwörtern: denn wer sich grün macht, den fressen die ziegen Göthe 16, 114
W.; J. Prätorius
Katzenveit G 6
b; gott weis wol, warumb er der z-n den schwantz nicht sol lassen zu lang wachsen Friedrich Wilhelm
sprw.-reg. D 2
a; ist der z. der schwanz zu lang, so schlägt sie sich die augen aus Rother
schles. sprw. 48
b; Holtei
erz. schr. 22, 48; die zieg das messer selbst auszkratzt, das ihr ward an die kehl gesatzt Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, R 7
b; wann der z. zu wol ist, so geht sie aufs eis tantzen Kramer
teutsch-it. 2, 1381
c; die fette z. weisz nicht, wie der magern zu muthe ist Wander 5, 572. 4)
wbb.: Calepinus
XI ling. 195
b;
capra ... czyge Diefenbach
hd.-böhm. wb. 59;
zebe zygen, geiszen Hulsius (1618) 2, 443
a;
capra geysz oder z. Zehner
nomencl. (1645) 239; Wiederhold 435
b; z.
neben geisz Stieler 638; Kramer
teutsch-it. 2, 1449
c; Dentzler 363
b; Steinbach 2, 1090; Frisch 2, 473
c; Adelung
2 4, 1702; Campe 5, 859
a. 5)
schon im mhd. (
s. ob.)
als schelte für ein weib und seitdem sehr üblich: der alte geile bock (
Tilly) lAeszt sich noch wol gengen, unwerth der edlen magd (
Magdeburg), an einer alten ziegen Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 262; diese stinckende z-n, ich verstehe die dienstmAegde
verblend. jungfrau (1690) 267; oft hertzt ein fremder eine ziege und sieht sie vor die Venus an Chr. Weise
grün. jug. 34
ndr.; ist ... zu erbarmen, dasz solche alte z-n ... mit ihrer schmierbchsen noch sollen fr dem spiegel stehen Hohberg
georg. cur. 3, 1, 134
a; sie sagn wol gar mit trotzigkeit: ... dasz besser sey ein hOelzern bock als güldne ziegn im fischbeinrock Weichmann
poes. d. Nieders. 5, 330; Henrici
sat. ged. 2, 394; eine z. ... mit weichen händen O. Ludwig
ges. schr. 2, 337;
bes. beliebt: alte z-n lecken auch gerne saltz, aber es stehet mAechtig bel
V. Herberger
Jes. Sirach 405
b;
Venusgärtl. 23
ndr.; Stranitzky
ollapatr. 234
Wien. ndr.; Blumer
nordwestböhm. ma. 96
b. 6)
übertr. a)
für das häufigere geisz
auf die ricke, rehgeisz: zwischen ostern und pfingsten setzen sie auch und absentiren sich die z-n auch alleine Täntzer
Dian. jagtgeh. 1, 88; die ricken oder z-n
allg. haush.-lex. 1, b 4
b; b)
wie zicke
die zehn im kartenspiel: raus mit der z. ufn teichdamm! Müller-Fr. 2, 703
a;
die grüne sieben im deutschen kartenspiel Blumer
nordwestböhm. ma. 96
b; c)
merkwürdig genug bedeutet nach Schacherl
Böhmerwaldma. 44 ziega
das schwein, eine bezeichnung, die aus dem lockruf ziega
für die schweine entstanden ist. 7)
dim. von z.
treten zu allen zeiten auf, bleiben aber vereinzelt und setzen sich gegenüber zicklein, zickel, zickelchen (
s. d.)
nicht durch; a) zieglein: (
mfränk. 11.
jahrh.)
edus ziegelin
ahd. gl. 3, 368, 9; tziglin (
seit der Augsburg. ausg. Z von 1475 kitzlen)
1. Mos. 27, 16
erste bib. 3, 129; czegeleyn Diefenbach
gl. 195
b; (die) jungen zyglin oder kitzlin Ryff
spieg. d. ges. 47
b; zyglin Eppendorf
Plin. 11, 223; die jungen z.
V. Schönfelt
prognost. (1571) E 3
a; ziglin Sebiz
feldb. 143; ein geisz ..., die giebt dir milch und junge zieglin
grillenvertr. 133; ziglein
voc. rei numm. (1558) C 4
b; z.
haedulus Reyher (1686) p 3
a; z., zicklein Kramer
teutsch-it. 2, 1449
c; Rädlein 1092
b; Ludwig
teutsch-engl. 2587;
als ungebräuchlich erkennbar: z.,
quam zicklein
nunc dicunt Steinbach 2, 1090; z.
M. Mendelssohn
ges. schr. 6, 374; eine ziege und ihr z. Jer. Gotthelf
ges. schr. 10, 145;
s. auch züchel
kiefernzapfen unt. II 2; b) ziegelchen: (
rheinfränk.)
edi zigelchin
ahd. gl. 3, 76, 32; zieglichen P. Beling
waldlied. (1649) A 2
b; zigelgen J. Prätorius
anthrop. 2, 489; Rädlein 1092
b; c)
allein steht eine nd. form segeken
1. Mos. 37, 31
Köln. bib. IIII.
auf andere wesen der thier- und pflanzenwelt übertragen. 1 a)
pelecus cultratus, auch cyprinus und cobitis cultratus, ein zur gattung der karpfen gehörender fisch, mager und mit unterseits gebogener scharfer körperlinie (
daher nach der ziege benannt),
auch sichling (
th. 10, 1, 737),
in Preuszen, Pommern und der Mark zege;
ein oberflächenfisch der Ostseehaffe, des Kaspischen und Schwarzen Meeres, von wo er in deren zuflüsse aufsteigt: fr 1200 marck fische gefangen ..., sein fast eitel zigen gewesen Hennenberger
preusz. landtaf. (1595) 402; Micrälius
alt. Pommerland (1640) 6, 384; zägen, so die gestalt wie eine zährte (
haben) Beckmann
beschreib. d. churmark Brandenb. 1, 567; Hennig
preusz. wb. 310; Campe 5, 859
a; Frischbier 2, 492
b; Bandtke
poln. wb. 1, 360
b; Oken
allg. naturgesch. 6, 314; der sichling, der auch z., zicke, sichel, messer- und schwertfisch, messerkarpfen und dünnbauch genannt wird Brehm 8, 286
P.-L.; v. Siebold
süszwasserf. 152; b)
clupea alosa: alosa, sardina, alsem, zig, schad
N. Frischlin
nomencl. bei H. Fischer 6, 1194; z.
vetula fluvialis, alausa Gesnero, wird sonst goldfisch genennet Albinus
meiszn. chron. 629;
alausa ... zieg
vel goldfisch Bas. Faber
thes. 1048
a; Scherz-Ob. 2108; Frisch 2, 477
b. 2)
pinus silvestris, kiefer, föhre: die zihen, zigen (
oberpfälz.) Schmeller-Fr. 2, 1105; in den monaten november, december, januar, februar oder martio soll man die zapfen ... vom nadelholz, sonderlich den forn oder zigen, abplatten
Neuburg. forstordn. von 1690
s. 9
ebda; spän- oder liechtzigen (
oberpfälz. waldordn. von 1694) Lori
bergr. 573; z.
forche, föhre Heppe
wohlred. jäg. 158;
dazu collect. ziegach,
n., föhrenzweige und -äste: es wurde in dem Donaugestade unter der hölzernen brücke das zigach gelegt und stein und koth darauf geführt (1466) Gemeiner
Regensb. chron. 3, 401;
auch ziegicht (
ma. zigət, zihhət)
föhrenwald kommt auszer in Bayern auch in Österreich bei Kremsmünster vor, dort kennt Popowitsch
vers. 138 das zieget; zigach,
n., (
Bayern)
föhrenwald Buck
flurnamenb.2 308;
weiter ein adj. ziehen
von kiefernholz: zihhe
ns holz, die zihhe
n stra
streu von nadelholz oder lange streu, im gegensatz der streu von laubholz oder kurze streu Schmeller-Fr. 2, 1105; ziehenstaude,
f., kiefernstaude Unger-Kh. 651
a;
schlieszlich ist züchel
bei Heppe
der fruchtzapfen der kien- und lärchenbäume: Schmeller-Fr.;
s. ziegenholz, -nadel, -reis, -staude.
diese seltsame benennung ist schon von Adelung
2 4, 1702,
danach von Campe 5, 859
a, Holl
pflanzennam. 101
a und Pritzel-Jess.
volksn. d. pflanz. 281
b beachtet und gebucht worden; Adelung
nennt sie '
unstreitig von einem andern stamme'
als z. I, R. Löwe
germ. pflanzennam. 111
erklärt den namen für eine übertragung von z. I,
hervorgerufen durch die spitze beschaffenheit und das paarweise wachsen der kiefernnadeln, sodann aber dasz gerade die kiefer diesen namen erhielt, rühre von ihrer geringeren höhe gegenüber der tanne und fichte her, denen das volk den namen bock,
d. i. ziegenbock
zulege. so überraschend diese annahme wirkt, so wunderlich die wege des sprachgeistes gegangen zu sein scheinen, so liegt doch dem volksdenken eine solche verlebendigung nahe. hier ist auch der reichen phantasiethätigkeit, die sich in den zss. mit z. (
s. u.)
erschlieszt, zu gedenken. somit finden jene mhd. belege aus dem österr. gebiet (
s. ob.)
eine unerwartete bestätigung: das wort z.
ist so lebendig gewesen, dasz es nach seinem absterben im gemeinen sinne infolge des sieges von geisz
eben in der volkssprache mit der neuen, übertragenen bedeutung fortbestand. auf den abweichenden consonanten des stammauslauts scheint man kein besonderes gewicht legen zu müssen, da neuerdings auch -g- (
s. ziegennadel)
bezeugt und auch bei z. I -h-
nicht ohne beispiel ist, s. unt. ziegenbock
und -haut.
grammatischer wechsel braucht nicht vorzuliegen; eine geringe lautänderung ist bei wörtern, die den räumlichen und semasiologischen zusammenhang mit dem mutterwort verlieren, wohl vorstellbar. ein grund gegen den ansatz lexikalischer einheit von z. I
und II 2
ergibt sich aus dem lautlichen unterschied nicht. —
zss. von z. I: furchtziege,
f., ängstliche person, angsthase: Müller-Fr. 2, 703
b; gefechts-
le cheval du capitaine (
soldatensprache) R. Delcourt 109
b; himmels- (
th. 4, 2, 1368); mecker-
meckernde person Müller-Fr. 2, 703
b.