lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

zicke

mhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 12 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
33
Verweise raus
55

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zicke f.

Bd. 31, Sp. 880
zicke, f. , ziege; 11) ein md., besonders ostmd. wort, die erwachsene weibliche ziege bezeichnend in Ost- und Westpreuszen, Brandenburg, dem osterländischen und obersächsischen, im nördlichen Thüringen mitsamt den angrenzenden nd. strichen, in der Wetterau, in theilen von Oberhessen, in Lothringen und einem schmalen streifen des Unterelsasz: Frischbier 2, 492b; (Brandenburg) zs. f. d. maa. 1910, 33; Brendicke 195b; richt. Berl.8 195a; Müller-Fr. 2, 702a; Jecht Mansfeld. ma. 127b; Block id. v. Eilsdorf 102b; (Fallersleben) Frommann d. maa. 5, 302; Liesenberg 223; z-n (Nordhausen) Hertel Thür. 264; z-n, f., Kleemann nordthür. id. 25c; M. Schulze id. d. nordthür. ma. 47a; z-n, f., Hentrich wb. d. Eichsfeldes 73; osterländ. z.; zick (Wetterau) Crecelius 2, 933; z. neben dem dim. zickel, lothr. auch zickelchen: Follmann 557a; Martin-L. 2, 900a; wie denn überhaupt das heutige verbreitungsgebiet von zickel (s. d.) als alter z.-bereich angesprochen werden kann, wodurch neben dem rheinfränk. und z. th. dem ostfränk. bezirk namentlich der mittelfränk. theil des Rheinlandes hinzugewonnen wird. das siebenbürg. als moselfränk. ma., welches in flurbezeichnungen nach M. Orend vierteljahrsschr. f. siebenb. landeskde 54, 275 z-n und zickel aufbehalten hat, vermittelt so das ins östliche nld. eingedrungene sik: limburg. Schuermans 610b, holl., fries. Halbertsma 436. das weitere nd. gebiet hat z. zumeist in der bedeutung junge ziege, ziegenlamm aufgenommen, wodurch sich dies wort von zege (lautlich tsʒ[ə], sʒ[ə] westfäl. siəʒə) scheidet (s. ziege), vgl.: zick kleine ziege (Meckl.-Vorpomm.) Mi 110a; (götting.) z., zick, f., weibliche ziege, namentlich das weibliche ziegenlamm Schambach 308b; anscheinend gilt zäg und zick für das erwachsene thier in der Altmark: Danneil 251b; in Vorpommern-Rügen ebenso: Dähnert 561a; daher auch dort zickenbuck ziegenbock 561b; Hinterpommern bevorzugt zäg; neben zäge ist auch wohl z. im oldenb. bekannt: Frommann d. maa. 3, 498. die gleiche bedeutung läszt sich in md. randbezirken nachweisen: (Nassau) zick, zickel (rhein.) Kehrein 453; (Rhön) zekke junge geisz, zicklein Schmeller-Fr. 2, 1094; Vilmar 469 (neben zickel); z. in einem kinderreim des Ederthales bei Bauer-C. 283a; z., f., (als nhd. empfunden, dagegen der ma. gehört an) zickele, n., Lenz Handschuhsheim. dial. 79b; aus älterer sprache: von den jungen z-n, die man zeicht (württ. Franken) H. Fischer 6, 1174; und die nordthür. nebenbedeutung weibliches kaninchen (z-n, f., Hertel Thür. 264; Kleemann nordthür. id. 25c) begreift sich aus derselben vorbedeutung. die älteren zeugnisse führen auf die form z-n; so zwei glossen aus vocabularien des 15. jahrh. s aus einem nd. grenzbezirk: edus ziken, tzicken Diefenbach gl. 195b; ferner: he haelde de tzickene (hOekene Lübeck. bib.) 1. Mos. 27, 14 Halberst. bib. (1522), woraus zugleich die bedeutung ziegenlamm folgt, die in v. 9 durch die neue diminutivform tzickeken (hOekene Lübeck. bib., böcklein Luther) noch stärker betont wird. mit dem alten neutralen geschlecht lebt die form z-n noch im götting. und kurhess. bezirk: z-n weibliches ziegenlamm, junge geisz Schambach 308b; ebenso im oberhanauischen, dagegen im niederhess. kommt z-n, n., auch ungeschlechtig für bock und geisz vor: Pfister 344. damit ist die anknüpfung an die ahd. und frühmhd. belege, die ein neutrales dim. zickîn darbieten, gegeben, hier, soweit durchführbar, nach landschaften geordnet: wohl dem nördl. Elsasz zuzuweisen sind die glossen edi zikkin, zizzin, kizzi, zigelchin, kiczlein ahd. gloss. 3, 76, 31—33 und hedum cikkin 3, 501, 8 aus dem summarium Heinrici; nach Ostfranken gehören: ni gâbi mir zikîn, thaz ich mînên friuntun goumti (numquam dedisti mihi hedum, ut cum amicis meis epularer, Luk. 15, 29) Tatian 97, 7; der ostfränk. heimatsprache Williram s ist die form zikkin haedos, hinnuli der hss. B und F gegen kizzin, khizze der übrigen hss. 14, 3; 59, 2; 115, 2 S. zuzuweisen; dem niederalem.: unde die úbelen zuo der lirken hant alse cikin Lucidarius 68 H. am götting. zicken, n., noch bewahrt, ist in Nordthüringen an derselben form das neutrum dem natürlichen geschlecht gewichen, und nun war der weg zu der form mit der üblichen endung -e vorgezeichnet. war dieser endpunct erreicht, so hatte das wort einen haupttheil seines diminuierenden gehalts verloren, konnte sich nun in den neuen sinn mutterthier schicken und wurde ein ausdruck der erwachsenen sprachträger. anfänglich hatte kindermund den lautkörper, spielerisch den binnenconsonanten verstärkend, gestaltet und so ein kosewort zikkîn aus ziga gewonnen. danach wäre für beide wörter ursprünglich dieselbe geographische verbreitung anzunehmen; heute ist ziege nahezu ganz aus dem westmd. bereich, den z. und sein diminutiv zickel behaupten, durch geisz verdrängt; s. die geisz/ziege-grenze unt. ziege. dem ahd. zickîn entspricht ags. ticcen; schon vor der lautverschiebung ins ital. als ticchio grille, laune, einfall, caprice entlehnt; über die weitere verwandtschaft s. unt. ziege. durchaus auf die ma. und niedere verkehrssprache beschränkt, hat z. keinen zutritt zur literatur gefunden. buchungen: zick, geise Harsdörfer poet. tricht. 2, 182; zick, zicklein Kramer teutsch-it. 2, 1449a; die ziege oder z. a goat, a she-goat Ludwig teutsch-engl. 2586; Dentzler 363a; zick (pro ziege) capra Steinbach 2, 1090; z. capra Frisch 2, 473c; z. ziege Heynatz 2, 667; z. junge ziege Voigtel 3, 695b; Adelung2 4, 1701; ziege, bes. junge ziege Campe 5, 858a; junge ziege Weigand 2, 1139; weibliche ziege Heyne 3, 1437; junge ziege, auch junges reh H. Paul wb.3 669b. auf den niederen stand der ziegenhalter (landarbeiter u. ä.) deutet die meckl. ra.: he het nich zick edder buck (ist arm) Mantzel Bützowsche ruhestund. 2, 69; auf die magerkeit des erwachsenen mutterthiers spielt der übertragene gebrauch an: z. schmächtiges mädchen Block 102b; vgl.mager wie ne z. Brendicke 195b; olle z. dürres weib, auch mageres pferd richt. Berl.8 195a; se ös verdreegt (vertrocknet) wie e zigg Frischbier sprw. 273; schimpfwort für ein mädchen, bes. ein rothaariges: Martin-L. 2, 900a; unangenehme frau: Albrecht Leipz. 240b; scheltwort für weinende kinder Müller-Fr. 2, 702a. eine diminutivform auf -chen ist nicht üblich geworden, belege dafür: tzickeken 1. Mos. 27, 9 Halberst. bib. (1522); zickchen S. Geszner 2, 39; gebräuchliche dim.-formen sind zickel, zicklein, zickelchen (s. d.) 22) sonderbedeutungen: 2@aa) z. spöttische benennung der perücke durch den pöbel, vornehmlich wenn sie schlecht aufgekraust ist, weil man ziegenhaar dazu verwendete und weil ein solch unordentlich gehaltener kopfschmuck den herabhängenden haaren der ziege nicht unähnlich ist: Hennig preusz. wb. 311; Frischbier 2, 492b; 2@bb) eine oberpfälz. forstordnung von 1565 verlangt: man soll in den monaten dezember ..., in zue- oder abnehmenden mond, die zapfen oder z-n von vorchenen paumen abplaten und einfangen Schwappach forst- u. jagdgesch. 1, 415; z. hier aus der gleichung ziege für kiefer, föhre (s. ziege II 2) übertragen auf den zapfen der kiefer; 2@cc) gleich ziege II 1 a: Brehm 8, 286 P.-L.; 2@dd) die zehn im kartenspiel: richt. Berl.8 195a; spielerwort: raus, mit dr z. uff a markt! Rother schles. sprw. 201a; G. Hauptmann Pippa 78; raus mit der z. uff n deichdamm! Müller-Fr. 2, 702a. — zss. mit 1zicke 1: zickenbart, m., spitzbart, kinnbart: (Brandenburg) Brendicke 195b; richt. Berl.8 195a; zs. f. d. maa. 1910, 34. —
7575 Zeichen · 210 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zickeswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    zicke swv. 1. berühre leise, gebe einem einen leichten kurzen stoß. Schmeller 4,223. ndd. tikken Brem. wb. 5,67. 2. s. v…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zicke

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Zicke , plur. die -n, Diminut. das Zicklein, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, eine junge Ziege zu …

  3. modern
    Dialekt
    Zick(e)

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Zick(e) [Tsikə Oermi. ; Tsik Avolsh. K. Z. Zinsw. ; Demin. Tsikl U. ] f. 1. weibliche Ziege. ‘Wie diss Zickel lusti spri…

  4. Sprichwörter
    Zicke

    Wander (Sprichwörter)

    Zicke Fort ('raus) mit der Zicke auf den Markt, sagte der Bauer. ( Oberlausitz. )

  5. Spezial
    Zicke

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zi|cke f. (-,-n) 1 (junge Geiß) cioura (-res) f. 2 (abwertend: unangenehme Frau) cioura (-res) f. , stria (-ies) f. , al…

Verweisungsnetz

55 Knoten, 67 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 6 Hub 1 Kompositum 38 Sackgasse 10

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zicke

91 Bildungen · 89 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

zicke‑ als Erstglied (30 von 89)

Zickezacke

SHW

Zicke-zacke Band 6, Spalte 797-798

zickedei

MeckWB

zicke·dei

zickedei Deutung vom Ruf eines Vogels, angeblich des Pirols: Zickedei, zickedei, Snider Dietz, Snider Dietz Wo. V. 2, 925 b. Lautmalend.

Zicke II

RhWB

Zicke II vereinz. Rees-Brünen f.: nur in der Verb. blinn Seck Dasselfliege.

Zicke III

RhWB

Zicke III tsik Bernk-Berglicht f.: Euterzitze; verdorbe Z. fünfte Z. am Euter.

Zickelbart

SHW

Zickel-bart Band 6, Spalte 795-796

Zickelfell

SHW

Zickel-fell Band 6, Spalte 795-796

Zickelhaut

SHW

Zickel-haut Band 6, Spalte 795-796

Zickelbart

RhWB

zickel·bart

Zickel-bart, Zickelbärtchen Trier-Stdt , Bitb-Ernzen Orsf , Neuw-Melsb u. auch sonst bekannt m. (n.): s. oben Zickenbart.

Zickelbein

RhWB

zickel·bein

Zickel-bein -bān Koch-Moselkern n.: übertr. herabhängender Nasenschleim.

Zickelboort

MeckWB

zickel·boort

Zickelboort m. eig. Bart einer (kleinen) Ziege; scherzh. für schlechten Bart Schw; Ha Lank .

zickelchen

DWB

zickel·chen

zickelchen , n. , die dritte gangbare verkleinerungsform, in Lothringen, der Pfalz u. a. md.-obd. mischgebieten heimisch: Follmann 557 a ; A…

Zickel(ches)braten

PfWB

Zickel(ches)-braten , Zickels-braten , Zicken-braten m. : 'Speise aus gebratener junger Ziege', Zickelbrode, -brore, -brole [ PS-Schmalbg Pi…

Zickel(ches)essen

PfWB

Zickel(ches)-essen n. : 'Mahlzeit mit Fleisch der jungen Ziege', Zickelesse [ LU-Opp ]. —

Zickel(ches)fell

PfWB

Zickel(ches)-fell n. : 'abgezogenes Fell der jungen Ziege', Zickelfell [mancherorts], Zickelche- [ ZW-Battw Bechhf FR-Assh ], Zickels- [manc…

Zickel(ches)fleisch

PfWB

Zickel(ches)-fleisch n. : 'Fleisch der jungen Ziege', Zickelflääsch, -flaasch, -fleisch usw. [mancherorts], Zickelches- [ HB-Kirrbg ZW-Battw…

Zickel(ches)füllsel

PfWB

Zickel(ches)-füllsel n. : 'womit man einen Zickelbraten füllt: Brötchen, Hackfleisch, Kräuter usw.', -fillsel [ KU-Schmittw/O ]. —

Zickel(ches)haut

PfWB

Zickel(ches)-haut f. : = Zickelchesfell , Zickelcheshaut [ RO-Dielkch ], Zickels- [ RO-Bistschd ]; Dim. -haitche [ RO-Als ]. Rhein. IX 765 .…

Zickel(ches)kopf

PfWB

Zickel(ches)-kopf m. : 'zerstreuter, verwirrter Mensch', Zickelskopp [ KU-Odb ]. —

Zickel(ches)leder

PfWB

Zickel(ches)-leder n. : 'Leder aus der Haut der jungen Ziege', -lerreʳ [ KU-Schmittw/O ]. —

Zickel(ches)pelz

PfWB

Zickel(ches)-pelz m. : = Zickelchesfell , Zickelbelz [ PS-Bundth ], Zickelches- [ IB-Gersh Ommh ], Zicke- [ IB-Bebh ].

zickelen

KöblerMhd

zick·elen

zickelen , sw. V. nhd. „zickeln“, Zicklein werfen E.: s. zickel, zige W.: nhd. (ält.) zickeln, V., „zickeln“, Junge werfen, DW 31, 885 L.: L…

zickelfell

DWB

zickel·fell

-fell , n. : Campe 5, 858 a ; zu glacéhandschuhen verarbeitet wie die felle von schaflämmern: Lueger lex. d. techn. 6, 110 ; Karmarsch-H. te…

Ableitungen von zicke (2 von 2)

gezicke

BMZ

gezicke swv. berühre leise. er gezicte den tôten mit sînem rocke Spec. eccles. 24. swelhen er an geblîhte oder der an in gezihte dem wart sî…

verzicke

BMZ

verzicke swv. behandele unredlich. Schmeller 4,223. hierher?