weinrebe,
f. ,
ahd. wînreba, -repa, Graff 2, 353
f.; mhd. wînrebe,
mhd. wb. 2, 1, 587
a, Lexer 3, 911;
as. wînreba
ahd. gl. 4, 209, 38
mit bewahrung des hd. e;
mnd. wînrave(n) Schiller-Lübben 5, 732
b f.;
mndl. wijnreve Verwijs-Verdam 9, 2, 2501.
der gebrauch des masc. neben dem fem. scheint ursprünglich nur bairisch gewesen zu sein und hat sich von hier aus über das md. nach norden ausgebreitet; belege etwa bei Megenberg (
stets m.), Heinrich v. Freiberg, Hans Sachs
und bei Harsdörffer.
nd. nur masc., seit der 2.
hälfte des 17.
jahrh. ist das fem. fest, vgl. im übrigen rebe
th. 8, 323.
flexion gewöhnlich sw., nur sehr vereinzelt st.; vgl. etwa: die winrebe (
acc. sing.)
genesis u. exodus 108, 25
Diemer; des weinrebs Anthonius Margaritha
der gantz jüdisch glaub (
Augsburg 1530) c 1
b; die weinreb (
pl.) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 351, 13
Pf.; st. flexion im mnd. s. Schiller-Lübben
a. a. o.; wie hier, so auch im hd.
nom. sing. auf -n: die weinreben
erste dtsche bibel 2, 419, 15
Kurr. (
neben weinreb); die weinreben Berthold v. Chiemsee
t. theologey 538
R.; der weinreben Harsdörfer
frauenzimmer gesprächspiele (1641) 2, 3. —
in der form w(e)inremen
nicht vor dem 14.
jahrh. Claus Cranc
prophetenübers. Jes. 17, 11
Ziesemer; Diefenbach
gl. 482
b (
v. j. 1394);
mlat.-hd.-böhm. wb. 231 (
v. j. 1470)
unter racemus; dazu winreme
Trebnitzer psalmen 127, 3
Pietsch (14. jahrh.). — das im nd. häufige -rab- (vgl. auch Eilhart v. Oberg
Tristrant 9515
Lichtenstein) ist im hd. nur einmal bezeugt: winrapum ahd. gl. 1, 50, 31 (abrogans). — der alte germ.-got. vokal der kompositionsfuge -a- findet sich nur in einigen glossenbelegen, vgl. winarepono ahd. gl. 1, 245, 3 (8./9. jahrh.), ebenso 2, 764, 22; winarepun 2, 765, 5; jüngere abschwächungen zu e und i: winereba ahd. gl. 2, 319, 41 (10. jahrh.); winirebon 2, 567, 57f. im hd. erscheint das wort seit dem beginn der schriftlichen überlieferung (abrogans), und zwar schon in seinen hauptbedeutungen (1 u. 2). nd. entlehnung aus dem hd. ist frühestens aus dem 11./12. jahrh. nachweisbar (ahd. gl. 4, 209, 38). den übrigen altgerm. dialekten ist das wort fremd, ins mndl. ist es aus dem deutschen eingewandert. bedeutung und gebrauch. 11)
zweig des weinstocks, '
rebzweig, weinranke' (
dafür got. weinatains
m., ags. wîntwig Bosworth-Toller 1236
b, 1237
a);
frühester beleg in den Reichenauer gll. des 8.
jahrh.: winrepun
palmites ahd. gl. 1, 224, 5; weinreb (
Hall a. Inn 1429)
sarmentum Diefenbach
nov. gl. 327
a; weinrebe
sarmentum, palmes Steinbach
d. wb. (1734) 2, 232. 1@aa)
allgemein: dâ was von spæhen wînreben erhaben ûf ein grüenez dach Konrad v. Würzburg
Partonopier 5152
Bartsch; da waren toube winreben, der si mit guten vugen vil an daz vuwer trugen (
zum feueranzünden)
d. alte passional 184, 61
Hahn; sie halten die weinreben an die nasen
Hesekiel 8, 17; also Bachum krönten sie mit weinreben Paracelsus
opera (1616) 2, 303
Huser; das land und berg sind bedeckt eben mit dem schatten seiner (
d. v. gott gepflanzten weinstocks) weinreben Hans Sachs 18, 317
K.-G.; nimb ... liebstöckelwurzel, gutte weinreben, dieser stuckh nimb eines so viel alsz des andern, dörr sie in der lufft, darnach pulffer es Joh. v. Groenrodt
pferdearzneibuch (16.
jahrh.) 62
Hung; in einer laube von weinreben
M. A. v. Thümmel
reise i. d. mitt. prov. (1791) 8, 81; er strauchelte gegen den see zu und hielt sich nur noch an einer dünnen weinrebe Göthe 43, 285
W.; könntest du nicht eine weinrebe auch mit dem schwerte abschneiden oder mit der scheere Schleiermacher
Platons w. 3, 1, (1828) 117; ein kläger, der wegen abgeschnittener weinreben geklagt ... habe R. v. Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 2, 649; die Römer lieszen ihre deserteure mit weinreben totpeitschen W. Alexis
Isegrim (1854) 1, 180. —
gelegentlich in der besonderen bedeutung '
spröszling, ableger'
; vgl. winrebe
propago (
Mühlhausen i. Th., 15.
jahrh.) Diefenbach
gl. 465
b; (
Hall a. Inn 1429)
nov. gl. 306
a; der Virgil ... beramet die einsenkung der weinreben mit des storchs heimsuchung J. Prätorius
winterflucht (1678) 194. 1@bb)
in fester verbaler verbindung erscheint weinrebe
vor allem mit (um)winden
und ranken: endlich stand sein pferd ... unter einem breitastigen baum still, der nach italiänischer sitte mit weinreben umwunden war K. Fr. Becker
weltgesch. (1801) 7, 165; und die bäume rundherum mit weinreben umwunden, die von ulme zu ulme wie fenstergardinen hingen Gaudy
s. w. (1844) 2, 50; mit vergoldetem gitterwerk, um welches sich weinreben winden J. G. Jacobi
s. w. (1807) 7, 15; zwei weinreben waren durch das luftloch in die stube hereingezogen, die eine rankte sich folgsam durch die maschen von bindfaden an der decke hin O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 590; die gardinen vor die mit weinreben fest umrankten fenster gezogen W. Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 251;
vgl. noch: am hause liefen weinreben bis unter die fenster des oberstocks G. Freytag
ges. w. 2, 67; (
die freskomalereien waren) reichlich mit weinreben übersponnen G. Keller
ges. w. (1889) 4, 146; die südwände der gebäude bezogen sich mit weinreben W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 269. 1@cc)
vergleiche und bilder. am geläufigsten ist das an Joh. 15, 1
anschlieszende bild von Christus dem weinstock
und den menschen als dessen rebzweigen (
vgl. auch unten 2
c): wan got ist ein wînstam unde wir sîn die wînreben, die an im solten vruht geben Heinrich v. Krolewitz
vaterunser 2602
Lisch; wir cristen sullen wenden an in (
Christus) lîp, sêle und unser leben, wan wir ez sîn die wînreben, die ûz im liez enspriezen er Heinrich v. Freiberg
Tristan 6872
Bernt; ich bin ein weynstock, yr seyt meine weinreben Luther 7, 335
W.; wie die weinreben von ir selbs nit mag frucht tragen, nur sy bleip am weinstock Berthold v. Chiemsee
t. theol. 538
Reithm.; die geistliche weinrebe (
d. i. der gläubige mensch),
überschrift bei Angelus Silesius
cherub. wandersmann 51
ndr.; ins weltliche gewandt: wo er sie (
die sieben kurfürsten) kaiserliche weinreben und die nächste glieder des kaiserthums nennt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 521.
gelegentlich dient die weinrebe
als vergleich für die frau: unde solt lâze wuocherguot. wol ime, der alsô tut! des wîb sol werden vruhteclîch, dort edelen wînreben gelîch (
nach ps. 128, 3
) Heinrich v. Krolewitz
vaterunser 3184
Lisch; dein arme beid seind eben wie zwo newer weinreben Paul Melissus
bei Zinkgref
auszerles. ged. (
v. j. 1624) 6
ndr. 22)
das ganze gewächs, '
der weinstock'.
ebenso alt bezeugt wie 1,
aber wohl daraus entwickelt. als übergang von der bedeutung '
rebzweig'
zu '
weinstock'
läszt sich ein kollektiver plural in der bedeutung '
alle zweige eines weinstocks, der weinstock selbst'
ansehen; er ist zumal in älteren glossen belegt: surculum winarepono asneita odo oleopaumes
ahd. gl. 2, 764, 22 (10.
jahrh.).
die übertragung des begriffs '
weinstock'
auf den singular liegt ebenfalls schon in den glossen vor: winrepa perantiu
vinea fructuosa ahd. gl. 1, 50, 30, winrepa perandiu 1, 51, 30 (
keron. glossar);
zunächst beide bedeutungen gleich häufig nebeneinander; später überwiegt '
weinstock',
im nd. erlangt diese bedeutung die ausschlieszliche geltung. vgl. 'weinrebe
heiszet eigentlich ein zweig von einem weinstock; insgemein aber wird es von dem gantzen gewächs gesagt'
haushaltungslex. (1728) 1022; 'weinrebe, weinstock
nennt man das ganze gewächs der weinpflanzen' Hübner
zeitungslex. (1824) 4, 899
a; 'wein, weinstock'
grösztentheils im nördlichen Deutschland, rebe, weinrebe
im südlichen Metzger
pflanzenkde (1841) 905. 2@aa)
konkret und anschaulich '
der weinstock'.
im vordergrund der anschauung steht das staudenartige und rankende, vgl. die verbindung mit verben wie umschlingen, umwinden, ranken,
s. auch 1
b: der wînkarte pizeichinet die gotis ê, in der die kisezzet und kerihtet werdent elliu reht, alsô diu wînrebe kerihtet wirdit in demo scuzzelinge
Wessobrunner pred. (11.
jahrh.)
bei Müllenhoff-Scherer
denkm. 3 1, 277; kastânen boume ein schache dâ stuont mit wînreben hôch Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 88, 27; nu waz ein wurzegarte in dem hore da beneben, der mit grozen winreben umme wachsen dicke waz
d. alte passional 35, 79
Hahn; und in einander minnenclich vlechten, werren unde weben den rôsenpusch und den wînreben gar bescheidentlich man sach Heinrich v. Freiberg
Tristan 6840
Bernt; vitis haizt ain weinreb, der hieze paz ain staud wan ain paum Konrad v. Megenberg
buch d. natur 350, 15
Pf.; wer dem andern syn czüne bricht und nymet oder syn wynpfel, hopfstangen oder wynreben, der sal geben fünff schillinge
rechtsdenkm. a. Thüringen (
Rudolstadt 1404)
Michelsen; mag denn der feygbaum gemachen weinber oder die weinreben feygen?
erste dtsche bibel 2, 419
Kurr.; ein grausamer hagel hat disz jars zuo Schaffhausen die frücht desz fälds und weynräben in grund erschlagen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 417
a; das dritte zeichen (
eines fundorts beim bernsteinfang) ist ein reisicht oder gesträuch, denen weinreben nicht unähnlich Abraham a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 5; wie die apfelbäume voll früchte stehn, von der kriechenden weinreb umschlungen Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 23; fast den ganzen tag bin ich im freien und halte geistige zwiesprache mit den ranken der weinrebe, die mir gute gedanken sagen Göthe
gespräche 6, 314; an den ufern des Missouri sieht man bisweilen eine mächtige eiche von einer riesenhaften wilden weinrebe ... so umwunden, gefesselt und geschnürt, dasz sie, wie erstickt, verwelken musz Schopenhauer
s. w. 1, 209
Gr.; es ist ... eine einzige weinrebe, die, unter dem glasdach gezogen, ein ganzes treibhaus überzogen hat Moltke
ges. schr. (1892) 6, 303; sie (
die kirche) ist zu hoch und würdig, um sich gleich einer weinrebe am stamme des staates emporzuranken Treitschke
hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 13. 2@bb)
von festen verbalen verbindungen mit bezug auf den anbau der weinrebe
ist die mit setzen
am ältesten (
vgl. lat. vites ponere);
sie stirbt im laufe des 16.
jahrh. ab: îdoch hôrte ich sagin alsus, daz der koning einen rôsenpusch lize setzin ûf daz wîp (
d. i. Isaldes grab) und einen ûf des mannes lîp von eime edelîn winrabin Eilhart v. Oberg
Tristrant 9515
Lichtenst.; einen rôsen stoc, ein wînreben hiez der künec bringen dar. er sate eins her, daz ander dar: die rebnen ûf daz reine wîp, die rôsen ûf Tristanes lîp Ulrich v. Türheim
Tristan 586, 8
Maszmann; und als diese historia saget, so hiesz der könig auff herren Tristranten todten leichnam ein weinreben setzen
buch der liebe (1587) 107
c;
vgl. noch: setzung oder pflantzung der weinreben
vitiarium, vitium, seminarium Pinicianus
prompt. (1516) A 8
c; mit weinreben besetzen
auvignare, previgner Rädlein (1711) 1, 1042
a.
weniger bezeichnend sind bauen
und pflanzen (
auch mit weinreben [be]pflanzen): wy man weinreb und hekken paun schol (
kapitelüberschrift) meister Bartholomäus
arzneib. 108, 46
J. Haupt; besonder wirt darinn (
auf der Reichenau) die winreb gebuwen (1491) G. Öheim
Reichenauer chron. 25
Barack; da Noe nach dem sintflusz die weinreb fand und sie buwet (
et plantavit vineam)
1. Mos. 9, 20. und der könig hies ime bringen die edelsten winreben ... und hies den wingartten damitte pflanzen
elsäss. pred. a. d. 14.
jahrh. in Alemannia 2, 212; welchen (
berg) k. Probus durch seine kriegsleute mit weinreben bepflantzen lassen S. v. Birken
verm. Donaustrand (1648) 78; komm, Mölibeus ... pflanz nun noch weinreben Lenz
bei Erich Schmidt
Lenziana in Berl. sitz.-ber. (1901) 998; die nächsten hügel waren mit weinreben bepflanzt Chph. v. Schmid
ges. schr. (1858) 10, 153.
auf die pflege der weinrebe
bezieht sich das auch in verbindung mit anderen botanischen substantiven vorkommende (be)schneiden: die in den wyngarten die wynreben mit den hepen besnedin (1522) Wigand Gerstenberg
chron. 398
Diemar; (
Ulysses) sahe seinen ... vatter Laerten ... die weinreben beschneiden (1537) Schaidenraiszer
Odyssea 225
Weidling. 2@cc) weinrebe
in allgemein abstrakter bedeutung, ohne beziehung auf ein konkretes einzelgewächs. als botanischer artbegriff, meist für den edlen wein (
vitis vinifera).
singular und plural halten sich im lebendigen sprachgebrauch ungefähr die waage. vgl. winereba
vitalis, vitis ahd. gl. 2, 319, 41; weynräb, räbstock
vitis Frisius
dict. (1556) 1392
a; ein weinreb, weinstock
vitis Calepinus
XI ling. (1598) 1553
a. — wilde weinrebe: winrebun wilda
vitem silvestrem ahd. gl. 1, 457, 12; wilde weinreb
labrusca Dasypodius (1537) 455
a: der sudenwint ... edelt den wein in den weinreben ..., aber der nordenwint ... mêret den wein in den weinreben Konrad v. Megenberg
buch d. natur 351, 3
Pf.; und redten mit dem ölboum, figenboum, winreben und brumberstuden Steinhöwel
Äsop 6
lit. ver.; all specerey und weinreben hat gott so überflüssig geben H. Sachs 1, 178
K.; weinreben, deren ein jeder stock mehr besteck in die runde herumb hat, daran die schenckel gebunden werden Henisch (1616) 334, 27; dasz die weinreben ... sinnenbilder der fruchtbaren keuschheit wären Lohenstein
Arminius (1689) 2, 176
a; (
bei den älteren Persern wurde) vor anderm aber die weinrebe, das eigentlichste kind der sonne, gepflegt Göthe 7, 21
W.; mit der weinrebe, die von den Portugiesen als culturpflanze hierhergebracht scheint Ritter
erdkde (1822) 1, 211; wenn die weinrebe, um trinkbaren wein zu geben, die inseln und fast alle küsten flieht Humboldt
kosmos (1845) 1, 349; weinreben, walnuszbäume und echte kastanien versetzen einen nach Italien zurück Moltke
ges. schr. (1892) 6, 145. — der pfeffer wechst auff paumen, die sein gleich wilden weinreben Schiltberger
reisebuch 80
lit. ver. 2@dd)
vergleiche und bilder. im anschlusz an Joh. 15, 1
ff. (
s. oben 1
c): so thaz winloub ni mac beran wahsmon von imo selbemo, nibiz wone in theru winrebun, so ir nibi ir in mir wonet. ih bin winreba, inti ir birut winbletir
sicut palmes non potest ferre fructum a semetipso, nisi manserit in vite, sic nec vos nisi in me manseritis. ego sum vitis, vos palmites Tatian 167, 3, 4; ik byn de ware wynraven und gy synt myne ranken
fastenandacht (
Bremen ca. 1400)
in: Germania 20, 348; ich bin ein gewere weinrebe
erste dtsche bibel 1, 399
Kurr. freiere umschreibungen in der dichtung: got herre von himel, gip uns dîn lêre, daz wir gar eben nâch der wînreben leben, der namen du dir hâst geben Hugo v. Trimberg
renner 10 443
Ehrism.; unz das begonde leiden Ipolito sin erste leben, dem er mit valsche was ergeben ... an des gelouben winreben wart mit volge do gezogen sin herze, wart vil unbetrogen an unsern herren gebogen
passional 381, 4.
Köpke; und (
gott) uns die genâde gebe, daz wir alsam die wînrebe uns vlechten wider in in und unser herze und unseren sin in im verwerren unde verweben, als man sach den wînreben sich vlechten in den rôsendorn Heinrich v. Freiberg
Tristan 6882. 6886
Bernt. — weinrebe
als bild für die frau in mannigfacher beziehung. gern von Maria in geistlicher literatur: daz dú rebe untAere ist ussnan an der rinden und bringet doch vil edel fruht: also waz dú hýmelsche winrebe, únser liebú vrowe, demtig und verworfen uswendig und brahte den hýmelschen win
st. Georgener pred. 293
Rieder; ich (
Maria) han gewirket also eine winrebe den senften gesmag ... rehte also man den wingarten mit der winreben von erst pflanzet, also ist unser vrowe die erste gewesen, domitte die heilige kristenheit von ersten wart gepflanzet
elsäss. pred. d. 14.
jahrh. in Alemannia 2, 212; nuo bittent die edel winrebe sancta Maria 2, 213.
in weltlicher sphäre: diu vil sælige künigîn was geheizen Ottegebe, ein wol berndiu wînrebe
herzog Ernst B 244
Bartsch; (
mutter zum säugling) hab dir nichts mehr zu sewgen geben, ich bin gleich eim dürren weinreben Hans Sachs 11, 330
K.-G. —
auf den menschen allgemein bezogen: swer gern nû bezzern wil sîn leben der nem guot bilde bî der wînreben, diu ir houbet gar einvelticlîch neiget und gar wunniclîch ûf wehset und hin nâch gebirt des engel und mensche gefröuwet wirt: alsô tuot der mensche, der recht geloubt und unserm herren neigt sîn houbt Hugo v. Trimberg
renner 10 430
Ehrism.; von Adam: der (
himmlische könig) het gepflanzet ein edeln wingarten, daz waz daz wunenkliche paradis, do het er in geseczet ein edele winrebe, daz waz Adam
elsäss. pred. d. 14.
jahrh. in: Alemannia 2, 213. 33)
pl. die weinreben
in der bedeutung '
weinpflanzung, weinberg',
dann noch weiter gefaszt '
die weinberge, das weingebiet'
; entwickelt aus 2,
indem der plural des wortes kollektive bedeutung erhält. in den übergangsbelegen ist der begriff des einzelgewächses noch erkennbar: weil er verwüstet allerley fruchtbare beum und die weinreben Hans Sachs 6, 60
K.; desselben summers liesz keiser Friedrich Barbarossa denen von Meyland all ir weinräben ... uszrüten Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 82
b; die riesengebeine unsrer erzväter aufm gebürg, weinreben zu ihren füszen hügelab gereiht Göthe III 1, 10
W. in deutlicher ausprägung: die zugen fur Stuotgarten und wuosten da die winreben
städtechron. 4, 56 (
Augsburg 1378); im 1378 jar do zoch der bischoff von Wirtzburg für Rottenburg und mit im der von Hochenloch und pranten vor der stat ... und wuosten die winreben 4, 57;
besonders klar in verbindung mit sinnverwandten wörtern: wiesen und matten ... acker und weinreben Paracelsus
opera (1616) 2, 639
Huser; (
er) führt mist auff acker und matten, in gärten und weinreben Sebiz
feldbau (1579) 50; die bühel (
sind) mit weinreben und gärten gezieret Schupp
schr. (1663) 690; die anhöhe zur rechten war von weinreben, die linke mit verschiedenen kornfeldern bedecket Brockes
ird. vergn. (1721) 8, 622; über ihm ragten schöne berge mit weinreben und üppigen wäldern J. Kerner
bilderbuch (1849) 148; man hat ... eine herrliche aussicht über dies mit ... weinreben und fruchtfeldern bedeckte gelände Moltke
ges. schr. (1892) 1, 161. 44)
zusammensetzungen mit weinrebe
als erstem bestandtheil bieten diesen gewöhnlich in der form weinreben-,
selten und nur obd. in der form weinreb-.
der zweite worttheil ist fast immer ein substantiv, als adj. erscheint weinrebenförmig,
eine unlebendige wörterbuchbildung, ebenso weinrebenschwarz.
für ungefähr ein drittel der belegten zusammensetzungen bestehen die entsprechenden einfachen wein-
composita, dahin gehören weinrebenblatt, -gabel, -gäblein, -gehänge, -gesetz, -gewächs, -holz, -holzasche, -laub, -pflanzung, -wasser.
in ahd.-mhd. zeit nur vereinzelt, das älteste compositum weinreb(en)blatt
erscheint zuerst in Vergilglossen des 11.
jahrh.; etwas gröszere entfaltung im 15.
jahrh., doch wirklich häufiger nicht vor der 2.
hälfte des 16.
jahrh. (
nur hd.). —