ledig,
adj. liber, solutus. Das wort ist zwar erst in einer jüngern periode der sprache häufig bezeugt, und kommt in den alten dialekten nur verstreut vor (
altnord. liðugr
free, unhindered, fries. lethoch,
ahd. darf auf ein lidic
durch das spätere verbum lidigen
expedire Graff 2, 180
geschlossen werden);
doch zeugt die grosze örtliche verschiedenheit im vorkommen dafür, dasz hier eine uralte, gemeingermanische bildung vorliegt, für die nur durch zufall uns der beleg in den meisten altgermanischen dialekten entgeht. die form mit stammhaftem i,
die nicht nur im mhd. noch mehrfach bezeugt ist (Lexer
handwb. 1, 1852,
elsässisch: d. städtechron. 9, 1112
a),
sondern die sich mundartlich selbst bis heute erhalten hat (
oberpfälz. lidi Schm. 1, 1438
Fromm.; hessisch, henneb.-düringisch lidig,
vergl. unten no. 16,
b; schweiz. lidig
neben ledig Seiler 189
a. 190
a),
weist darauf hin dasz das adj. zunächst sich stützt auf das alte masc. oder neutr. lid
gang, wanderung, bezeugt ahd. in galit, uʒgilit
excessus, ablit
obitus (after Moyseses ablide
post obitum Moysis. Isidor 29, 4
Weinhold),
so dasz der eigentliche sinn ist: den gang habend, den weggang nehmend, wie das noch im mhd. erscheint: si sprach: lieber herre, sagt, da er (
ein gast gewesener ritter) von iu ledec wart, wiʒʒet ir war dô sîn vart wurde? des bewîset mich.
Iwein 5857;
und wenn wir die noch heute übliche anwendung in bezug auf verpflichtung und haft (
no. 1—3)
erwägen, so dürfen wir ledig
wol als einen alten rechtsausdruck ansehen, der vom gefangenen galt, welchem man freien abzug gestattete, sowie vom schuldner, der sich durch erfüllung seiner verbindlichkeit die persönliche freiheit zurückgekauft hatte. ledig
heiszt 11)
frei, los, von gefangenschaft, strafe, schuld, verpflichtung: mhd. wirt ein phleger gevangen, man sol den kinden einen andern geben, die wîle; wirt er ledic, er sol wider an sîne stat stê
n. Schwabenspiegel 54, 2; die erben suln eʒ tûn (
den schaden ersetzen) von dem gûte, daʒ si geerbet hânt ... und ist niht gûtes dâ, sô sint die erben ledic. 20, 2; hat aber der tôte man einen mâc von sînem vater, und wil der mit im (
dem todtschläger) kemphen: des enmac er im niht geweigern, er sî danne sîn genôʒ niht. und hat der tote man niemandes, er ist ein ledic man (
frei von rechtsansprüchen). 63; er (
der die aussage verweigernde beklagte) ist dem rihter wettehaft dar umbe, daʒ er niht antwurten wolte ... wan er ist dâ mit niht ledic, daʒ er im niht antwurten wil. 279;
in bezug auf die fesseln der liebe: sî abe ich dir gar unmære, daʒ sprich endelîche: sô lâʒ ich den strît, unde wirde ein ledic man. Walther 69, 19; daʒ ich minnen vrî werde und ein ledic man.
minnes. 2, 128
b Hagen; nhd. bei welchem er (
der becher) funden wird, der sei mein knecht, jr aber solt ledig sein.
1 Mos. 44, 10; wisset, das der bruder Timotheus wider ledig ist.
Ebr. 13, 23; und bitten das du (
der gefangene Leonhard Keiser) ledig werdest. Luther 3, 422
a; aber der vatter oder muter, schwester oder bruder ermörd, der wirt mit vier pfunden, eim ducaten, und sechs carlinen ledig. Fischart
bienk. 232
a; so lange der nexus nicht addicirt war, hatte er gleiches recht mit jedem ledigen bürger. Niebuhr 1, 641; verpfändete und ledige liefen zusammen, und alle heischten abhülfe der allgemeinen noth. 664;
[] ich hab gesehen an den man, der sein leib geben wolt für mich, auf das ich ledig were, nicht dienen dorft mein leben lang. H. Sachs
dicht. 1, 152, 34
Gödeke. in verbindungen, wie ledig machen, ledig lassen, ledig geben: als ich nun erfuhr, dasz der bub eingelegt worden, schrieb ich dem bischoff von stund an, er solt mir den buben ohne alle entgeltnus wieder ledig lassen ... wo es nit geschehe, müst ich nachdenkens haben, wie ich mein buben wieder ledig macht. Götz v. B. 102; damit er uns, so wir hie gefangen liegen, .. wölle ledig machen. Luther 5, 533
a; ich sæhe och gern den neven mîn, möht eʒ mit sînen hulden sîn, der in hie gevangen hât. ine hâns von sippe decheinen rât, ine müeʒ in ledec machen.
Parz. 46, 13; all pœs rihter, die gelt nement von den schuldigen und lâʒent die ledig umb daʒ unrain guot. Megenberg 188, 27; las los, welche du mit unrecht verbunden hast, las ledig, welche du beschwerest, gib frei, welche du drengest.
Jes. 58, 6; alle gefangene Jüden in meinem königreich, sollen ledig gelassen werden, und frei sein. 1
Macc. 10, 33; wir haben eine gewonheit, das wir euch einen gefangenen ledig lassen auf dises fest pascha. Reiszner
Jerus. 1, 28
b; da schlosz er die gefengnusz auf, und liesz die gefangenen darausz, derselbigen war mehr denn ob zweihundert, die liesz er alle ledig.
buch der liebe 280
a; damit schlossen sie die kammern auf und lieszen den (
darin eingesperrten) ritter ledig. 290
c; laszt sie ledig! Schiller
kab. u. liebe 2, 7; Tygranes Cyro fiel zu fusz, erbot sein leben im zu busz, das er in richten wolt, doch das er darnach solt sein gmahel ledig lassen wider heim in ir königreich. H. Sachs 1, 152, 15
Gödeke; bat jn, das er den raub und die gefangen wider ledig geben wolt. 1
Macc. 9, 70; wiltu mir nu hundert centner schicken, und seine zween söne zu geisel geben, das er nicht von uns abfalle, und sich darnach wider uns setze, wenn er los worden ist, so wil ich dir jn ledig geben. 13, 16; und gab die gefangenen ohne lösegeld ledig. Beckers
weltgesch. 13, 197; o, so öffnet euch, mauern, und gebt den gefangenen ledig! Schiller
spaziergang v. 171; gib die gefangnen ledig.
jungfr. v. Orl. 5, 9; ledig sprechen,
frei sprechen: der ee halb ledig gesprochen, der von einem weib komen ist,
thalamus alicujus foeminae ereptus. Maaler 266
a; des eebruchs halbs ledig gesprochen,
adulterii absolutus. ebenda; die richter lachen zu diser sach und erkanten den reuter ledig. Wickram
rollw. 129, 20
Kurz; einen ledig sagen,
durch eine erklärung frei machen: ich habs blosz gesagt, damit ich mich ganz leedig sagte. Claudius 1, 130;
auch einen entlassen, fortschicken: er pflag mit jhr (
einer königin) der unkeuschheit, darnach sie jn bald ledig sagt.
Ambras. liederb. no. 226, 76; einen ledig zählen,
für frei erklären: ja du hast mich ledig gezelet und will auch frei bleiben. A. v. Eybe
Menechm. 105
a; das gehört allein got zuo, er ist allein der do mag einen ledig zalen und on sü
nd. Keisersberg
bilg. 5
d; er wil jhn auch nicht auf andere masz und condition ledig zelen, dann dasz er jm etliche stette zur rantzon und erledigung einreumen sol.
Melanchthons orat. von landgraf Fridrichen, deutsch von Lauterbeck (1563) 18; wen jr euch ergebend, wil ich alle gefangne ledig zelen. Reiszner
Jerus. 2, 131
a; als dann wirdt einer ledig zehlt, oder dem gmeinen mann fürgstelt, wirdt gericht nach verschuldter that. Fronsperger
kriegsb. 3, 84
b;
bei den handwerkern, aus der lehre entlassen, für welches sonst lossprechen
gesagt wird: wann ein meister einen jungen auszgelehrt und ledig gezehlt hat.
würtemb. beckenordn. 1651 § 12.
Von thieren: ein stück vieh, ein hund ist ledig,
von der kette los, und dies auch auf das schiff übertragen. Schm. 1, 1439
Fromm.; dasz jhr die löwen hierinnen ledig lasset, damit sie die verjagen.
Amadis 242. 22) ledig,
in diesem sinne formelhaft verbunden mit ähnlichen begriffen; so mit dem allitterierenden los,
wie schon altnord. lauss ok liðugr (Vigfusson 388
a),
fries. lêthoch and lâs (Richthofen 896
a),
vgl. auch die zusammensetzung losledig: das du, der jtzt unter des teufels gewalt gefangen, ... sollest durch
[] deinen herrn Christum selbs vom himel los und ledig gemacht ... werden. Luther 5, 532
b; ledig und losz erkennet worden. Reuter v. Speir
kriegsordn. 59; ze dienest bin ich unverphliht, lôs und ledig alzemâl.
liedersaal 1, 385, 375; und frau Ermelyn sprach: ich möchte fragen, wie seid ihr los und ledig geworden? Göthe 40, 100 (
niederd. vrou Ermelin sprak: noch môt ik vragen, wo worde gi los unde quît?
Reinecke 2895); und legte mir schlingen, und raubte mich dir; und führte mich auf ihr bezaubertes schlosz, und liesze nicht eher mich ledig und los, als bis ich in liebe mich zu ihr gesellt. Bürger 59
a; quitt und ledig,
altnord. kvittr ok liðugr (Vigfusson
a. a. o.): das alle burger und ynwonner des hoffs von Remich fry burger und auch sust quitt, los und ledich syn sullent.
weisth. 2, 241 (
Obermosel 1477); und wen er redt, solt er (
der henker) den kopf im hauen rab; schwieg aber er, solt er den strick im schneiden ab und in frei quit ledig los wider geben. H. Sachs
dicht. 1, 86, 46
Gödeke; zu predigen .. den zuschlagenen, das sie frei und ledig sein sollen.
Luc. 4, 18; so du einen ebreischen knecht keufest, der sol dir sechs jar dienen, im siebenden jar sol er frei ledig ausgehen.
2 Mos. 21, 2; also ist der dieb in die kirchen gangen, ledig und frei.
Bebels facet. (1589) 16
b; und jeder der die majestät des königs ... geschändet, ginge frei und ledig hin und wieder! Göthe 8, 258,
weitere beispiele s. unter der folgenden nr.; vgl. auch freiledig. 33) ledig,
mit angabe dessen, wovon man befreit wird. 3@aa)
diese angabe steht im genitiv. ledig
bezieht sich hierbei (
vgl. no. 1
und 2)
zunächst nur auf gefangenschaft, schuld, verpflichtung und strafe: ist er (
der gerichtlich kämpfen soll) böser ougen, er ist aber wol kamphes ledic.
Schwabensp. 62, 2; aller irer gelübde und aide, so sie dem gotzhause getan hond, ledig gesagt werden. Haltaus 1215 (
v. 1446); und sollent ouch rate und meister der hundert gulden, die also verfallen und verschuldet wurdent, niemant lidig sagen nach (
lies noch) lassen.
rechtsquellen von Basel 1 (1856)
s. 83 (15.
jh.); ich sage euch aller forderung ich zuo euch haben möcht, ledig.
Aimon bog. XI; und bitte ich seiner klag ledig erkannt zu werden. Frey
garteng. 35
b; dasz er (
gott) uns der sünden strafe ledig zehle. Fischart
bienk. 106
b; (
der papst hat) seine (
Friedrichs II) underthanen jres eides ledig gezehlt. 126
b; wann schon er mich dahin lassen und meines versprechens ledig zehlen wollen.
Simpl. 1, 312
Kurz; und seiner sund als ledig wirt, als ein grintiger kopf vol leus und ein alte scheuren der meus.
fastn. sp. 384, 11; ich zehle euch dessen (
des zugesagten) quitt und ledig.
Amadis 206; so hab ich als oberster den jetzt gemeldten
N. seiner gefengnusz ohn alle entgeltnusz frei, sicher, ledig gezelt. Fronsperger
kriegsb. 26
a; als ob ich meinen schuldner aller seiner schuld quitt und ledig schelte. Fischart
bienk. 106
b; swaʒ wandels man genennen kan, des ist si alles ledic vrî. Lichtenstein 570, 27; du güt und gnade selbst, gott, sei mir sündern gnädig, und sprich mich meiner schuld in gnaden quit und ledig. Fleming 20; nun sei, o gott, dem armen gnädig! lasz aller schuld ihn los und ledig! Bürger 68
a; verstoszen haben dich die deinen; aller pflichten bist du ledig für dein unwürdig vaterland. Schiller
jungfr. 5, 9; drum lebe! aller schuld bist du jetzt ledig!
Phädra 1, 5; winkt der sterne licht, ledig aller pflicht, hört der bursch die vesper schlagen.
glocke v. 271.
dann aber steht ledig
auch in bezug auf eigenthum oder etwas anhaftendes, begleitendes (
vgl. dazu unten no. 5):
mhd. dîn freude ist kumbers ledec zehant.
Parz. 88, 6;
nhd. ubermorgen sol deine tochter dieser krankheit ledig werden.
buch d. liebe 195
a; wie oft hat Hercules, Menelaus, Pyrrhus .. gewünschet, von ihren allerliebsten entlediget zu werden! aber sie haben ihrer nicht können ledig werden. Butschky
Patm. 129; wir wagen uns, ein ding zu erlangen, und bemühen uns hernach, desselben wider ledig zu werden. 454; so waren wir denn an der gränze von Frankreich alles französischen wesens auf einmal baar und ledig. Göthe 26, 71; wie sollen wir ihrer (
der eindringlinge) ledig werden? Wieland 8, 190;
[] natürlich wird sie hier noch eines wunsches ledig (: Venedig) 18, 191; dame, ledig seid ihr nun des ritters, möget nun nach Maloank in frieden ziehn, nach euerm eignen willen. 51; noch éinen wunsch, mein kind, so bist du meiner ledig! 209; des leibes bist du ledig; gott sei der seele gnädig! Bürger 15
b; eines kindes ledig werden,
gebären: welche frau ein tods kint in yrem leib hat, sie trink von peyfues, sie wirt des kindes sanft ledig.
vorsehung eines menschen (1489) 100
b; sie wird gewisz darnach in kurzem der geburt ledig. Rüff
hebammenb. (1581) 61; ob nun jetzt die frau ledig ist, und das kind sampt der nachgeburt alles mit gottes hülf hinweg ist. 63. 3@bb) ledig
in gleichem sinne mit präpositionen; so von: aber von dem funfzigsten jar an sollen sie ledig sein vom ampt des diensts, und sollen nicht mehr dienen.
4 Mos. 8, 25; mache dich los von deinen sünden, durch gerechtigkeit, und ledig von deiner missethat durch wolthat an den armen.
Dan. 4, 24; in diser erfarung wirt die seel ledig von jr selber, ergibt sich gott ganz. Frank
weltb. 123
a; ich wil von ir niht ledic sîn, die wîle ich iemer gernden muot zer werlte hâ
n. minnes. frühling 158, 21; der sol von sünden ledic sî
n. Freidank 163, 24; von leiblichen begiren ledig und gar quit. H. Sachs
dicht. 1, 67, 109
Gödeke; dan kaiser Fridrich der tritt machet sich (
lies sie) ledig, losz und quit von aller ansprach überal. Adrian
mittheil. 112 (
Ulmer reimchron., v. 1600); ganz lödig von gericht. Weckherlin 244; muthig kam er heran und gelassen, als wär er des königs eigner sohn und frei und ledig von allen gebrechen. Göthe 40, 59; von etwas ledig sagen, sprechen: wie man ihn dann verwahret und seine burgen bricht, bis er von allem zwange die edeln ledig spricht. Uhland
ged. 361; mit diesen inhaltschweren götterworten sag ich von anderem bericht mich ledig. 435;
mit aus
oder vor: da disz Arsace geredet hatte, schrei die ganz gemein, lobten diesen raht, sonderlich dieweil sie ... ausz dieser gefahr also mit freuden ledig würden.
buch der liebe 208
a; ich was ledec vor allen wîben. alsus wânde ich frô belîben.
minnes. frühl. 84, 37;
mit wider: haben sie die landesfürsten angesucht, ... sie wieder beregte mandaten ledig zu machen. Haltaus 1215;
mit adverb darab: jene sî dar abe ledic, der eʒ (
das gut) deme richtêre antwurte.
Sachsensp. 3, 15, 3. 44)
alt musz die anwendung von ledig
auf einen durch das band der ehe nicht gefesselten sein (
vgl. dazu auch die bemerkung unter frei 3,
theil 4
1,
sp. 95);
mhd.: ledige oder êliute. Br. Berthold 106, 5; brichet aber ein man sîn ê mit einre lidigen dohter.
d. städtechron. 9, 533, 9; die ledige liute wâren.
fundgrub. 2, 168, 31;
nhd. ledig, on ein eegemahel,
caelebs. Maaler 265
d; ledige töchteren, die noch keinen mann habend, unvermächlet oder verheuret,
puellae innuptae, virgines viduae. 266
a; lediger, desz eelichen standes ungenosz,
exors matrimonii. ebenda; ich sage zwar den ledigen und widwen, es ist jnen gut, wenn sie auch bleiben wie ich.
1 Cor. 7, 8; fürnehme von manns- und weibspersonen, verheirat oder lödige. Adrian
mittheil. 316; bildet er jungen ledigen personen ein, dieses gebot gehe nur die eheleut
an. Schuppius 509;
es heiszt ledig sein, im ledigen stande sein, ledig bleiben: so sol uwer yeglichs ledig sin: also das uwer keins sich mit einem andern menschen versprochen oder verredt hat.
manuale curatorum 94
b; wer ledig ist, der sorget was dem herrn angehöret, wie er dem herrn gefalle.
1 Cor. 7, 32; ein jüngling der ledig und fry ist.
rechtsquellen von Basel 1 (1856)
s. 260 (16.
jh.); herr Paul Werner .. ein wohlhabender mann, und noch ledig. Lessing 1, 550; ich bin ledig, bejahrt, ohne verwandte. Göthe 10, 67; ich will ledig bleiben. Lenz 1, 113; mein weibnemen wil ich lenger sparn; darümb so sein wir paid noch ledig.
fastn. sp. 703, 25; gib sie ihm; oder er bleibt, so schwur er, im ledigen stande. Göthe 40, 279; da der alte Lips lediger weise gestorben war. W. O. v. Horn
rhein. dorfgesch. 1, 20; ledig bett, daran einer allein on ein weib schlaaft,
lectulus liber. Maaler 265
d.
in der ältern sprache [] nannte man verhüllend die bulerin ein ledig wîp,
vgl. gesamtabent. 2,
no. 35 (
s. 219
fg.); dô quam ein ledic vrouwil gâ
n. und als der hêrre dî gesach, vrâginde er zûzir sprach: wannen kumistû, dirne? Jeroschin 9380;
aber U. v. Lichtenstein
im frauenbuch zählt fünf gattungen ehrbarer frauen auf und sondert dabei ledigiu wîp
von witwen und jungfrauen: wie si vor spote sich bewar, si habe man oder ein witwe sî, oder ein maget. die namen drî hab wir: daʒ vierd sint ledegiu wîp, der ouch hât manegiu schœnen lîp: die fünften friundîn sint genant. 618, 13,
welche ledegiu wîp
er nachher näher mit den witwen zusammenstellt: ein witwe und ein ledic wîp, die jugent habent und schœnen lîp, die habent des ein schœne leben, daʒ si sich selben mügen geben nâch ir herzen willen wol swem si wellen. ieslîch sol merken schouwen unde spehen, frâgen rehte und ouch sehen, wem si ir frîeʒ leben gebe, daʒ si dar nâch iht übel lebe. 626, 27;
daher: lediger, auszert oder näbend der ee geboren,
spurius. Maaler 266
a; ein lediges kind. Schm. 1, 1439
Fromm.; quando solutus peccat cum soluta, daʒ heiʒet lidige unkûsceit.
ebenda (14.
jahrh.). 55) ledig,
auch sonst frei, unabhängig, in mancherlei art. im alten recht ein ledig mann,
homo absolutus, liber et solutus, liber fidelis, vasallus liber, vasallus uni addictus, uni domino totus et unice serviens contra omnes, nisi qui pacto fuerint excepti. Haltaus 1220. Grimm
rechtsalt. 307;
worauf das mittellat. homo ligius,
provenz. litge,
franz. lige,
engl. liege
beruht, vgl. Diez
wörterb. d. rom. spr. 2, 359
fg. In der gewöhnlichen sprache: absolutus, frei, quit, ledig Dief. 5
b; ledig und frei,
liber, quasi solutus. voc. inc. theut. m 2
b; diu freien ledigen herzen diu alleu auʒwendigeu dinch ring wegent. Megenberg 234, 12;
auf eine beschäftigung bezogen, der man enthoben ist: beiten (
warteten) so lang, daʒ Ulenspiegel ledig waʒ (
fertig mit essen).
Ulensp. s. 97
Lappenberg; indessen habe ich (
vor meiner abreise) alles geordnet und bin so los und ledig als jemals. Göthe 43, 12; kein sarg macht ihm beschwerde; los, ledig, sonder druck, grüszt er sein bett, die erde, im blut- und waffenschmuck. Freiligrath
dicht. 1, 51 (
banditenbegräbnis);
oder die man nicht hat: ledig ampts halber,
privatus. Schm. 1, 1439
Fromm.; so konnte sich geradezu die bedeutung müszig entwickeln: ociabundus ledich,
ociari ledig wesen, leddig sin,
ociosus ledig, ledeg Dief. 392
b; ledig sitzen,
otiose sedere Frisch 1, 593
b;
die namentlich im niederdeutschen und niederländischen gröszere verbreitung gewonnen hat: ociari ledich wezen, gaen Dief. 392
b; leddig gaan
müszig gehen. brem. wb. 3, 34; uytgegaen zijnde ontrent de elfde ure, vont hy andere ledigh staende, ende seyde tot haer, wat staet gy hier den geheelen dagh ledigh?
Matth. 20, 6 (Luther müszig);
vgl. lediggänger. 66)
die ältere rechtssprache bezieht ledig
ferner auf gegenstände, güter u. ähnl., die von lasten frei sind: ledigeʒ eigen, ledigeʒ guot Lexer
mhd. handwb. 1, 1853; ledig frei aigen, frei ledig aigen Schm. 1, 1439
Fromm. (
mit weiteren belegen); frei ledig guot oder besitzung, darab man niemandt nüt schuldig ist, auch kein lehenherren hat,
alaudium. Maaler 265
d; das hausz ist ledig und losz, es hat niemants nichts darauf,
liberae sunt aedes. ebenda; ledige gter, auf denen nüt statt, kein zinsz oder zehenden,
agri immunes, frei ledig eigen. 266
a; kaufbrief .. vermög dessen herr dr. Brandmüller .. die behausung für ledig eigen verkauft.
rechtsquellen von Basel 1,
s. 359 (17.
jh);
die alte sprache brauchte so auch ledig reht,
freies recht, wegen dessen anwendung man keinem verantwortlich ist: ir sult mich doch für eigen hân: daʒ dunct mich iwer ledec reht.
Parz. 523, 29;
der bergmann nennt ledige schicht
die arbeit, die er auszerhalb seiner gesetzlichen arbeitszeit, ungezwungen verrichtet: ledige schicht, ledig schichten, wird gesagt, wenn ein bergmann nach verrichteter ordentlicher schicht noch eine machet.
mineral. lex. 360
b. 77) ledig,
von lehen, die erledigt, offen sind; von einem ledig,
von dem bisherigen inhaber: begibt aber sich ein man, der zu sînen jâren komen ist, her hât sich von lantrechte und von lênrechte geleget, und sîne lêne sint von ime ledic.
Sachsenspiegel [] 1, 25, 3; einem ledig,
in bezug auf den lehnsherrn, dem das lehen wieder zufällt: sô werden die lên den herren ledig. 1, 33; in swilche stat .. der kung kümt binnen deme rîche, dâr ist ime ledic muncze unde zol, und in wilch lant her kumt, dâr ist ime ledic daʒ gerichte. 3, 60, 2; eins valschin richters peine ist, daʒ man dy czunge auʒwinden sol, und sein gerichte ist dem landis herrin ledig.
Magd. blume 2, 5, 14; und seind ihm ehr und recht genomben, sein lehen dem herren ledig gesetzt. Haltaus 1215 (
von 1313); das gut, das mir ledig und losz gestorben ist von einem meinem rechten lehenmanne.
ebenda; ein lediger fall,
feudum apertum Frisch 1, 593
b. 88)
anlehnend an diese verwendung steht ledig
bis heute von ämtern und stellen, die frei werden: do daʒ rich alsus lidig stund.
d. städtechr. 8, 40, 16; dasz also .. das keiserthum 17 jar on ein haupt ledig gestanden. Fischart
bienk. 126
b; sobald ein pfründ erst ledig stirbt, der denn baldt kompt, dieselben erbt. B. Waldis
Esop 4, 83, 71 (
vergl. dazu den vorletzten beleg der vorigen nr.); aber Kalaf war ehrgeizig; er hatte ein auge auf die würde eines oberbonzen der hauptstadt Scheschian, welche in kurzem ledig werden muszte. Wieland 6, 277; als die stelle eines oberamtmanns in Emmendingen ledig ward. Göthe 48, 108. 99) ledig
ist das ross, dem der reiter fehlt: lär oder ledig rossz, darauf niemants sitzt,
equus vacuus, inanis equus. Maaler 265
d; darnach ein baner und iij lediger hengst mit gülden und silbern barssen.
beschreibung der einreitung Caroli des fünften (1520) ij
b; solche rosse (
geschenke des königs von Neapel) samelt ein jeder bapst ... und leszt sie ledig für jm herfüren wenn er prangen wil mit einer sonderlichen herrlichen pracht. Luther 6, 490
b; wie die rossz und ochsen disz thier sahen, scheuweten sie darab, erschraken, zerrissen die zügel und seiler, und wurden zwei rossz ledig.
buch der liebe 226
d; sein ledig fliehendes, in blut gebadetes ross. Schiller 964; die sind wol nicht recht gescheut, haben einen ledigen esel und laufen zu fusz nebenher. Eichendorff
Lucanor 95; an dem velde lac manic man .. bedecket was daʒ grüene gras mit den schilden eteswâ. diu ros liefen ledec dâ.
Wigalois 17, 24; die rosse, ledig ihrer herrn, sie gehn im walde wild. Uhland
ged. 307; sag an, traut lieber knappe! wem gehört der ledige rappe? 323;
danach ledig,
entsattelt, vom reiter: da rannte im Wilwolt durch die tartschen und blatten hinein bis uf den leib, das er ledig herab viel (
vom ross).
Wilw. v. Schaumb. 47; darumb thet der Peter sich herfür und rennet die frembden alle ledig ab.
buch der liebe 32
d; nach herr Heinrich kam einer, genannt Lancelot von Valois, der vom ersten treffen herrn Friderich ledig herab stach. 36
d; in foller rüstung leichtlich von ebener erden auf ein ross sitzen, auch aus dem sattel sich wider ledig machen. Butschky
Patm. 96; ein lediger fall,
casus ex equo, wodurch der sattel ledig wurde, bei den turnieren. Frisch 1, 593
b. 1010) ledig,
in den begriff des räumlich leeren übergehend, in bezug auf behälter und andere gegenstände: dâ fundens eine barke ledege unde starke.
Gregor. 610; lediger ziebank oder ruoderbank darauf niemants sitzt und zücht,
transtrum vacuum. Maaler 266
a; wie oft haben sie (
beim abendmahl) essig oder wasser im kelch, zuweilen ledige kelche, aufgehaben und lassen anbeten. Luther 3, 527
a; ein fuhrmann uber land rollet mit einem ledigen wagen. Wickram
rollw. 50; an einen ledigen tisch sitzen. 85; die wolle auf den ledigen wagen aufladen. Schweinichen 1, 362; der geiz dreschet allzeit ledig stro. Henisch 750; ledige aeren,
spicae inanes Stieler 1108; der beutel voll gold und silber kan ledig werden.
pers. baumg. 7, 24; deren cammern werden und bleiben ledig, wann mans schon mit millionen hinein brächte. Schuppius 27; auf solche art wird euer schiff lediger, und desto bequemer, andere nützliche waaren einzunehmen.
Felsenb. 2, 529; zwei ledige flaschen. 4, 489; einen herrlichen platz in einer seiner zeichnungen leer und ledig zu wissen, den er mit den gestalten .. zu verzieren gedachte. Göthe 22, 130; sie nahm kein schreiben mehr, und schickt aufs letzte mir, statt antwort, ein verwahrt, doch ledig blatt papier. A. Gryphius 1698 1, 200;
[] Fabull verschlieszet alle kisten vor freunden, dienern, weib und kind, damit sich niemand läszt gelüsten, zu sehen, dasz sie ledig sind. Lessing 1, 15; die fäunlinge sonnen, bei ledigen tonnen, sich krauend auf rasen. Matthisson
ged. (1794) 110; ein lediges nest,
zunächst vom vogel, dann auch übertragen: stiegen ungehindert auf die wehren und funden das ledige nest. Schütz
Preuszen 78; ein lediges haus,
aedes vacivae Frisch 1, 593
b;
in der technischen sprache: bei den bergleuten ist ledige bergart
taubes gestein (
leer von erz); lediger kübel,
nicht gefüllter, leerer kübel; ein lediges nest finden,
statt der gehofften erze taube mittel oder abgebautes feld finden; ins ledige feld führen,
betrügen (
von kuxkränzlern, welche kuxe zum verkauf bieten von bergwerken, die gar nicht existieren); lediger stein,
reiner zinnstein (
etwa frei von schlacken). Veith
bergwb. 321. 180;
in der wappenkunst heiszt ein lediger schild
ein solcher ohne figur. 1111) ledig,
dann auch von menschen, leer, in bezug auf besitz und eigenschaften: du hast dich eingebildet voller weiszheit zu sein; in eine volle flasche kan man nichts mehr gieszen, aber du bist voller einbildung und ledig von weiszheit; so gehe dann hin, und komm auf eine andere zeit ledig wieder, damit du von lehre und weiszheit voll werden mögest. wer sich einbildet nichts zu haben, und ledig zu sein, der kan noch ein gepriesener und berühmter mann werden.
pers. baumg. 4, 14; da die wollüstigen und bauchdiener von tugenden ledig sein. 6, 1; einen ledig lassen,
leer ausgehen lassen: gott ist nicht ein vater der reichen, sondern der armen, witwen und waisen, die reichen hat er ledig gelassen. Luther 1, 30
a; ledig ausgehen, wo man etwas nicht empfängt,
excidere. Frisch 1, 593
b,
unterschieden von ledig ausgehen, wo man etwas nicht geben oder thun musz,
immunem esse. ebenda (
vgl. zu diesem oben no. 5); denn wild und blinde wuth macht warlich keinen held, und wer nicht die vernunft mit an die spitze stellt, der kommt oft ledig weg. Günther 730; ledige hände,
leere, besitzlose: seindt Alex. Landgrafen und ewr weiber mutter mit ledigen henden ehelich zusammen kommen und in die tausent gulden werdt in stehender ehe erworben. Haltaus 1214 (
gegen 1562); dasz die königin ausz reich Arabia nicht mit ledigen händen zu Salomon kommen sei. Schuppius 111. 1212)
aber auch, der ledige,
arme, gedrückte, verlassene: er hat angesehen das gebet der demütigen. die ehre ist ganz sein, hat sie alle zu sich genomen, und alle ausgelediget, darumb die nicht ledig sein wollen, die sihet er nicht
an. aber die ledigen und [die] armes geistes sind, .. die sihet er gnedig an .. denn gott kan nicht gnade geben, denn den demütigen das ist, den hungerigen, dürstigen, ledigen armen sündern und narren. Luther 1, 38
a,
auslegung von ps. 102, 18
, wo der spätere text gibt er wendet sich zum gebet der verlassenen, während eine andere auslegung hat er hatt angesehen das gebeet der ledigen, vgl. Bindseils
bibel 3, 235
. 1313) ledig,
räumlich frei, ohne enge verbindung mit anderem: ledige heüser, mit allen vier ecken ledig, dasz sy sunst an kein ander hausz stoszend, als namlich die groszen höf oder fürstenheüser,
insulae Maaler 266
a; ledige häuser, die nicht an einander stoszen.
prompt. v. 1618
bei Schm. 1, 1439
Fromm.; ain ledig zung, die niht haft, wirt gehindert an der sprâche oft von pœser gewonhait. Megenberg 14, 33; haben ein ledige zungen wider die art anderer fischen. Forer
fischb. 55
b;
im bergbau lediger maschinentheil,
ein maschinentheil der seine feste verbindung verloren hat, locker geworden ist. Veith
bergwb. 321;
bei den jägern das hängeseil wird ledig,
schlaff, hängt zu lang herunter. Adelung.
auch frei von etwas bedeckendem: dirre mensch sach diesen fels abbe und sach das über alle die welt mittenander ein garn gezogen was, onne alleine über diesen groszen withen hohen berg, der was liddig. Merswin 67. 1414) ledig,
unbebaut oder unbenutzt, brach, wüst, von gebäuden und äckern: also spottet er hie des groszen königs gebew auch, als solt er sagen, o du bawest köstlich ding, aber welch ein schön fewr sols werden, da jtzt so viel leute an erbeiten, und wie viel feiner ledigen hofestette sollen da stehen, daran itzt so viel leute sich müde erbeiten. Luther 3, 250
b; die jenigen, so aus fürwitz und lust newer dinge gerne zugaffen (
beim evangelischen gottesdienst), sollen solchs alles gar bald müde und uberdrüssig werden, wie sie bisher
[] auch in den latinischen gottesdienst gethan haben, da man in den kirchen teglich gesungen und gelesen hat, und dennoch die kirchen wüst und ledig blieben sind. 284
a;
im feldbau Meiszens ist die ledige
ein unbebaut stück ackers. Adelung.
auch von andern dingen ledig
unbenutzt: weil du nicht wilt, das ledig lige, was du durch deine weisheit geschaffen hast.
weish. Sal. 14, 5; Kant 5, 53
braucht ledige sachen
im sinne von herrenlose. 1515) ledig
in dem sinne von alleinig, einzig: item es was kain furst da denn markgraf Hannsen aus der mark lediger sun.
d. städtechr. 11, 582, 2;
wie rein, blosz, nichts als: also nu das sprengen mit hysopen und mit wasser waschen euszerlich nichts nütz ist zu der innern waschung und besprengung, denn allein ein figur und lediges zeichen. Luther 1, 32
b. 3, 14
a; darumb wer von diesem becher trinket, der trinkt warhaftig das rechte blut Christi, und die vergebung der sünden oder den geist Christi, welche in und mit dem becher empfangen werden, und wird hie nicht ein ledige figur oder zeichen des newen testaments, oder des bluts Christi empfangen. 496
b; Jacob musz hexen können: vor hatte ich ihn so gewis gefast, ich hätte ihn wollen wegschieszen als eine mütze, aber zu meinem unglücke war der pfeil weg und da konte ich mit ledigem winde nicht schieszen. Chr. Weise
comöd. 180; lediges getön,
von worten, die keinen gehalt haben: wenn mit ledigem getön Pfax hurtig, ohne masz und unbedachtsam spricht. Wernike
bei Campe. 1616) ledig
als adverb; 16@aa)
frei von kosten (
vergl. oben no. 6): auch demselben kutscher befehlen, dasz er (
sie, die englischen instrumentisten) nach ihrer ankunft gegen der Zosse folgenden tags vollends ledig hereinfahren soll.
anz. d. germ. mus. 1859
sp. 9 (
v. 1586). 16@bb)
gewöhnlich (
an no. 15
angeschlossen),
nur, blosz, rein: (
Christi jünger sollen) in die schanz schlagen, das sie besitzen, und ledig jhm allain anhangen, aller ding jm ergeben. S. Frank
parad. 152
b; es ist ledig meine schuld, wenn der ungenannte bis itzt so beträchtlich nicht scheinet, als er ist. Lessing 10, 50; dasz die schuld nicht an den büchern liege, dasz die schuld ledig sein eigen sei. 317; nein, ich zittere nicht. wars doch ledig ein traum. Schiller 693
b (
aushebung einer stelle aus den räubern 5, 1).
das hessische lidig
ganz, völlig: der hat den braten lidig und ganz aufgezehrt. Vilmar 248,
hennebergisch lidig o ganz Fromm. 6, 515,
gehört ebenfalls hierher. vgl. dazu lediglich 4.