spinnen,
verb. nere, filare, fila ducere. II.
form und geschichte des wortes. I@11)
altes starkes verbum: ahd. spinnan,
mhd. nhd. spinnen,
präs. ind. ich spinne Schottel 597, du spinnest
ebenda, heute du spinnst,
prät. ind. ich spann
ebenda, ich span Stieler 2090. Frisch 2, 303
a, spann Adelung,
so bis auf den heutigen tag; daneben, als der täglichen rede angehörig verzeichnet, ich sponn Adelung. Hönig 148
b.
mundartlich: ich spunn Schm.
2 2, 675. Lexer
kärnt. wb. 237.
auch nd. ick spunn
brem. wb. 4, 952.
vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 277
a und in solchem herzenleit spun ich doch mer denn beide meit. H. Sachs
spruchged. 26, 46
Tittmann. du spannest
in heutiger sprache, du spunnest Schottel 597, sponnest Stieler 2090: o
die du meinen lebensfaden sponnst! gieb bis er in die gruft sich einst verlieret mir nur das wenige, was mir als lohn gebühret: denn ich mag nichts umsonst. Göckingk 3 (1782), 120. wir, sie spannen
in heutiger sprache; wir spunnen Schottel 597 (spunnen
auch in niederdeutschen dialecten Schambach 204
b. ten Doornkaat Koolman 3, 277
a).
schwankend verzeichnet es noch neben wir sponnen Stieler 2090: mitten innen saszen die nimfen ... auff grünen teppichen in einem kreisze umbher, sponnen, stickten undt neheten. Opitz
schäferey (Wackernagel
lesebuch 3, 646, 40);
vgl. mhd.: disiu blou, disiu dahs, disiu hachelte vlahs, dise spunnen, dise nâten.
Iwein 6205.
conj. prät. ich spänne,
von Adelung
zuerst lexicographisch verzeichnet, in älterer sprache ich spünne Schottel 597 (
noch heute in dessen heimat. Schambach 204
b): nu ists gar unlustig ding, eyn buch lesen, das keine ordnunge halt, da man nicht kan eyns zum andern bringen und an einander hengen, das sichs fein nach einander spünne. Luther 19, 350, 17
Weim. ausg. ich spönne (
neben ich spünne) Stieler 2090,
als ausdruck der täglichen rede bei Adelung,
noch: wie in der natur das, was seinen dienst verrichtete, sogleich verginge, wie der wurm in der seide stürbe, die er aus seinem leibe und leben spönne. Gutzkow
ritter v. geiste 9, 522. wir spännen: eh' spännen wir beym trocknen brot, am rocken, ich und mein fräulein, uns die finger wund und weh! Wieland 21, 287.
part. prät. gesponnen
schon bei Luther: es mus aus dem ersten gebot gebacken und gesponnen werden, solt du einen faden an die haut und ein stück brots ins maul haben, so mus dirs das erste gebot geben. 28, 722, 20
Weim. ausg. ebenso Henisch 1568, 61. Schottel 597. Stieler 2090. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b. Steinbach 2, 634. Frisch 2, 303
a. Adelung.
in älterer sprache gespunnen,
ahd. kispunnan,
tortum Graff 6, 345: ob ich
zu ser wer auf geleunt und het zu grob ein teil gespunnen.
fastn. sp. 388, 20
Keller; sanctus Franciscus ist do vor geknügt, und hat dar an (
an der kunkel) gespunnen. Keisersberg
bilgersch. 50
b.
auch Luther
verwendet es neben vereinzeltem gesponnen (
s. oben): aus dem text hat man gespunnen, quod gravida fuerit Maria statim. 27, 230, 28
Weim. ausg.; poetae haben ein merlin gespunnen. 279, 15; und hiemit wöllen wir dieses zweite stuck geendet, und disen spinrock oder kunckel abgespunnen haben.
bienenkorb 160
a;
noch als das gewöhnlichere neben gesponnen
verzeichnet gespunnen,
netum Heinsch 1568, 61; ich hab fast wenig gespunnen,
stamina pauca perfeci 62.
heute noch mundartlich: gespunnen Schm.
2 2, 675. Schmid
schwäb. wb. 689; g'spunnen Lexer
kärnt. wb. 237; (g)espunnen Schambach 204
b.
vgl. brem. wb. 4, 953. ten Doornkaat Koolman 3, 277
a.
ganz vereinzelt findet sich die neigung, das wort schwacher flexion zuzuführen: fället mehr frühzeitiges urthel: dasz die frommen selten seide spinneten, die boszhafften aber meist auf rosen gingen. Lohenstein
Armin. 1, 79
a; die frau spinnte und fünf halb nackende kinder lagen auf dem ofen. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 1 (1790), 99; von achtzehn personen, welche in diesen häusern ... spinnten und haspelten, sind nur drei lebendig gerettet worden. Hebel 2, 51; ich spönnete
cimbr. wb. 235
a, gespunnet
ebenda; g'spinnt Lexer
kärnt. wb. 237. I@22)
das wort ist gemeingermanisch mit weiterem ins slavischlittauische reichenden hintergrund: got. spinnan,
ahd. spinnan,
ags. spinnan,
anord. spinna,
engl. to spin,
schwed. spinna,
dän. spinde (
vgl. dazu oben die geschichte von spindel).
es steht in altem ablautverhältnis zu spannan,
verb. (
s. oben sp. 1855).
auszerhalb des german. stellt es sich zu lit. pinù, pìnti '
flechten' Kurschat
lit. wb. 2, 313
a (
zu einer indog. wurzel (s)pen),
das auch auf die bedeutungsentwicklung des wortes interessantes schlaglicht wirft, ebenso zu altbulgar. pĭna '
spannen.'
über weitere verwandtschaft mit lat. pannus,
altslav. o-pona '
vorhang'
vgl. Schrader reallex. 789.
vgl. auch oben die geschichte von spannen,
verb. (
sp. 1856). IIII.
in eigentlicher bedeutung. II@11)
als menschliche thätigkeit. II@1@aa) spinnen,
nere Dief. 379
a,
filare, filum ducere Dasypodius,
nere ebenda, trahere pensa ebenda, garn machen,
filer. Hulsius (1616), 303
a,
filare (1618), 235
b,
nere Schottel 1419,
carpere pensa Corvinus 128
a,
fila ducere 262
b,
nere, fila ducere, supinis digitis fila formare, et in pollice torquere, fusum versare. Stieler 2090,
filare Kramer
dict. 2 (1702), 870
b,
fila ducere Frisch 2, 303
b. Wachter 1565.
in niederdeutschen gegenden: spennen,
nere Dief. 379
a. Dief.-Wülcker 859. Frischbier 2, 352
a. Hönig 148
b, spönnen Frischbier
a. a. o.: spinnen heiszet flachs, werg, hanff, wolle oder baumwolle, und floretseide, die an einen rocken geschlagen, davon abziehen und zu einem langen, gleichen faden, vermittelst der spindel oder eines spinnrades drehen.
öcon. lex. 2778. II@1@bb)
wie oben spindel
hervorragendstes frauengerät war, so ist spinnen
die den frauen eigenthümlichste art sich zu beschäftigen und zu erwerben. absolut: wo sind jetzt unser müssiggenger, die do sprechen, was sollen wir thuon wenn wir gessen, wir sint nit wyber, wir spunnen sunst wie die wyber thun. Keisersberg
bilgerschaft 50
c; wen dye frouw spint, so entpfalt ir etwann die spinll, so hebt sie sie wiederumb uff. 54
b; die hure spinnt,
la puttana fila, cioè per vivere; segno che non hà piu drudi. Kramer
dict. 2 (1702), 870
c; ich glaube, wir hätten ihr zu gefallen gern mit gesponnen, wenn wir es verstanden hätten. Möser
patr. phant. 1, 124; das mädchen ... war fleiszig, spann, webte und nähte.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 188; wenn es spinnen sollte, so war es so verdrieszlich, dasz, wenn ein kleiner knoten
im flachs war, es gleich einen ganzen haufen mit herausrisz. 156; wenn ich spinne, musz ich singen und plaudern dürfen, und das könnte euch in euren ernsthaften gedanken stören. Novalis 2, 183
Meiszner; da Adam hackt und Eva span, wo war damals der edelman?
spruch bei Zincgref (1639) 78; Adam hackt und Eva spann, zeigen uns der tugend bahn. Mittler
volksl. 836; spinn, spinn, meine liebe tochter, ich kauf dir ein paar schuh. 837; spinn, mägdlein, spinn! so wachsen deine sinn. 836; spinne, mäjen, spinne, denn das hemd wärd dinne, ungerreckchen kreit ä loch, spinne, mäjen, spinne.
volksreim bei Jecht 106
a.
mit zusätzen, die auf begleitende umstände hinweisen: sitzen und spinnen,
sedere filando ò à filare. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b;
seltener: im gehen spinnen: denn wenn sie des viehes hüten, auch so sie von eim ort zum andern wandern, stecken unter einen filzhut, so sie aufs haupt gesetzt, ein materien, so vom flachs ausgehechelt, zu latein stuppa und sie heide, sonst anderswo dieser landsart werk genennet, gehen und spinnen nichts desto weniger, ihre zahl garn den abend mit heim zu bringen. Kirchhof
wendunmuth (1602) 14, 217.
mit beziehung auf ort und zeit: die alte sasz drauszen in der einöde bei ihrem spinnrad und spann.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 179; das arme mädchen muszte sich täglich auf die strasze setzen, und muszte so viel spinnen, dasz ihm das blut aus den fingern sprang. 24; sie muszte sich an den brunnen setzen und spinnen.
ebenda; hinaus sollst du nicht, aber in der nebenkammer bricht ein strahl der oberwelt durch die felsritzen, da magst du spinnen, wenn du so geschickt bist. Novalis 2, 183
Meiszner; diese sasz auf der kleinen gallerie und spann, nicht nach der deutschen spinnradmethode, sondern nach jener uralten weise, wo ein flachsumzogener wocken unter dem arme gehalten wird und der abgesponnene faden an der freihängenden spindel hinunterläuft. so spannen die königstöchter in Griechenland, so spinnen noch jetzt die parzen und die Italienerinnen. Heine 3, 240; die sonne schien mild durch die achteckigen scheiben in die stille schenkstube. nur die groszmutter spann in der ecke, die katze sasz neben ihr auf dem schemel und schnurrte. Riehl
culturhist. novellen (1862) 222; taub, stumpfen geistes, der welt abgestorben, sasz sie in ihrem winkel und spann, sie hatte kein auge mehr für das gegenwärtige. 219; einen eigenthümlichen gegensatz zu der schönen, rüstigen jungfrau bildet eine unheimliche alte, runzlich von gelber farbe, die grauen haare hängen ihr fast ungeordnet über die stirne; sie sitzt in einer ecke und spinnt. Vischer
auch einer 1, 129.
heute auch zu hause, im hause spinnen
mit dem gegensatz: in der fabrik spinnen; (
scherzhaft:) es sasz eine eule und span in einem finsteren kemerlein, sie sach mich übel
an. Uhland
volksl. 260 A. ich sasz und spann vor meiner thür, da kam ein junger mann gegangen. Voss 4, 184; die alte spann noch immer im stillen kämmerlein. Uhland
ged. 406; allein wenn man bedenkt, dasz in den nebenhäusern fast durchgehends zwey familien wohnen, worin die eine bei demselben lichte spinnet und die andre dröschet. Möser
patr. phant. 3, 159; ich weisz gewisz, dasz meine mutter, um hinter den groszeltern einen geheimen pfennig zu verdienen, des nachts verstohlner weise beim licht gesponnen hat. Bräker 12; die kleinern muszten in den stunden neben der schule spinnen. 47. für jemanden spinnen: sie (
die ehefrau) spinnt und näht für ihren mann, bestellt ihm haus und garten. Voss 1, 189.
mit adverbieller bestimmung: seine schöne Omphale drawet jm mit der ruten wor er nicht recht spinnet. Luther 6, 158
b; hüpschlich und subtyl ausziehen und spinnen,
carpere lanam, linum. Maaler 380
d; zart, klar, rein spinnen,
filar sottile, fino. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; grob spinnen,
filar grosso. ebenda; vgl.: zwar man vint im dorf nit iren gleich, wann sie kan gar wol spinnen.
fastn. sp. 577, 16
Keller. so sitzt man dann nider und spint flissiglich, uff daʒ man cleider mach und sich domit deck. Keisersberg
bilgersch. 50
d; sie spynnen fast, aber sie kummen gar kum oder nymer zuo weben. 51
a; nun sprichstu, wie muosz ich aber spinnen, daʒ ich fruchtbarlich spinn.
ebenda; mein lieber herr, die warheit zu sagen bin ich nichts nutz und spinne ungern, dann es ist ein langkweylig ding. Lindener
rastbüchlein 159
Lichtenstein; er sah sie am spinnrad sitzen und emsig spinnen.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 188; froh über das glückliche zeichen fing sie an lustig zu spinnen, liesz die kammerthür ein wenig offen und sang halbleise. Novalis 2, 183
Meiszner; als ich still und ruhig spann, ohne nur zu stocken, trat ein schöner junger mann nahe mir zum rocken. Göthe 1, 202; nein es sieht uns nicht die mutter, denn sie spinnt mit groszem fleisz, und der vater spielt die zitter. Heine 1, 152
Elster; ich habe lang gesponnen und lange mich gefreut. Keller 10, 52.
infinitiv, als subst. gebraucht, oder daran rührend: das spinnen,
filorum ductio. Steinbach 2, 634. Frisch 2, 303
a; wer lernen will spinnen, mus nicht lang von spinnen disputieren, sondern die gunckel in die hand nemmen, da lehrt spinnen spinnen,
dicendo dicere discimus, fabricando fabricam, scribendo scribere. usus omnium rerum optimus magister. Henisch 1778, 59; nähen und spinnen lernen, können,
imparare à, sapere cucire e filare. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; sie setzte sich hin und versuchte zu spinnen, aber der harte faden schnitt ihr bald in die weichen finger, dasz das blut daran herunter lief.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 52; daʒ lernte sî in kurzen zîten, spinnen, rîhen unde næn, daʒ golt umbe de sîden dræ
n. bruder Philipp
Marienleben 586. und August hat nicht nur seine tochter und enckelinnen zum spinnen fleissig angehalten, sondern auch selten ein ander kleid getragen, als was seine gemahlin, schwester oder tochter gewebet. Lohenstein
Armin. 2, 187
a; man hat sie zum mitglied wählen wollen, sie hat aber zur antwort gegeben, sie sey aus den zeiten Moliers, wo die weiber zu nichts
anders, als zum nähen und spinnen angeführt worden wären. Eva König
an Lessing werke 13, 289
Lachmann. einem etwas zum spinnen geben,
dafür häufiger: zu spinnen geben,
dar' à filare. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; was ihr der mann zu spinnen gab, das spann sie nicht fertig, und was sie auch spann, haspelte sie nicht, sondern liesz alles auf dem klauel gewickelt liegen.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 128; laszt mich vor der thür sitzen und gebt mir etwas zu spinnen. Novalis 2, 183
Meiszner; und zalt den zarten frouwlin syn die spillen in den spillkorb yn und gab jn wider morn zuo spynnen, das jm nit lynwadt möcht zerrynnen. Murner
gäuchmatt 1805
Uhl; das schämte sich die frau, dasz sie die faulheit ihrer tochter offenbaren sollte und sprach: 'ich kann sie nicht vom spinnen abbringen, sie will immer und ewig spinnen, und ich bin arm und kann den flachs nicht herbeischaffen'.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 14. geschickt, geübt im spinnen: ist nicht Minerva selbst, die fürstinn kluger sinnen, in beyden gleich geübt, im schreiben und im spinnen. Rachel
sat. ged. 96;
vgl.: des die wîp ie phlâgen, spinnen wurken nâgen, des wart sie geprîset als sie underwîset von Pallade wâre. Albrecht v. Halberstadt 15, 30
Bartsch. so dörffen meine landsleute sich so viel weniger ihres spinnens und webens schämen, zumalen der unglaubliche nutzen dem lande diese arbeitsamkeit reichlich belohnet. Lohenstein
Armin. 2, 187
a; sie nahm ihr essen und ihren rocken mit sich, und vertrieb sich die zeit mit spinnen, mit singen, oder durch gespräche mit den andern schäferinnen. Pfeffel
prosaische versuche 10, 149; zu hause beschäftigen sie sich mit nähen, stricken, spinnen und sticken, und ihre arbeiten verkaufen sie dann in ein armenhaus. Schiller 3, 544, 20; für dise zît wold ich mit næn und mit spinnen mîn lîpnar gewinnen. Ottokar 97386; sey sprach: nu müssist gewinnen mit nayggen und auch spinnen! Wittenweiler
ring 34
b, 27. Hanna aber sein weib, die erbeitet vleissig mit jrer hand, und erneeret jn mit spinnen.
Tobias 2, 19; sich mit spinnen ernehren,
nendo sustentare se, victum comparare, quaerere colo, fuso. Stieler 2091;
campare, procacciarsi il vitto filando, à filare. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b: die armen nehren sich mit spinnen,
pauperes lana et tela victum quaeritant. Frisch 2, 303
a; ich verdient also mein brot mit baumwollkämmen; die andern mit spinnen. Bräker 55; ich bin ein
ganz armes weib; ich musz mich kümmerlich mit spinnen ernähren, dasz mich der hunger nicht ertötet. Bechstein
märchenbuch 143 (
grosze ausgabe);
daneben sich vom spinnen ernähren,
lana et tela victum quaeritare. Steinbach 2, 634: am ende des dorfes wohnte in einem häuschen ganz allein seine pate, die sich von spinnen, weben und nähen ernährte.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 188;
vgl.: frisch heran, tummelt euch, spinnen macht uns ja alle reich.
wockenbriefspruch bei Andree
braunschw. volkskunde1 173. zum spinnen gehen,
die spinnstube aufsuchen. öcon. lex. 2779. sich zum spinnen setzen: als es nun zum ersten male damit (
mit der kunkel) in die spinnstube kam und sich zum spinnen gesetzt hatte. Auerbach
dorfgesch. 1, 8. das spinnen anheben, beginnen
u. s. w.: da liesz es die drei seltsamen weiber herein und machte in der ersten kammer eine lücke, wo sie sich hin setzten und ihr spinnen anhuben.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 14; fang dein spinnen lustig an, mach ein frommes end daran. Mittler
volksl. 836. spinnen, sagte sie uns oft, giebt allezeit warme füsze, und würde sehr gut gegen die hypochondrie sein. Möser
patr. phant. 1, 124; indesz an meiner wange her sein schönes angesicht sich bückte, begegnet ihm von ohngefähr mein haupt, das sanft im spinnen nickte. Voss 4, 185; lerne bei dem spinnen fort gottesfurcht und gottes wort. Mittler
volksl. 836. II@1@cc) am rocken, an der kunkel spinnen,
filare alla conocchia, alla rocca. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b: sie theten alle unvernunft beginnen, wenig theten sie am rocken spinnen. Schade
sat. u. pasqu. 1, 171, 591; ein weiblein grau von haaren dort an dem rocken spann. Uhland
ged. 405.
vgl. mit weiterer verdeutlichung: einen rocken sie begreif, dar ane was ein ummeweif von wollen, da sie ane span.
Elisabeth 2341
Rieger. an einer kunckleten spinnen,
ducere stamina. Maaler 380
d; an der gunckel spinnen,
colo nere, fusum torquere, pensa carpere. Henisch 1778, 45: was ist die kunckel dar an ich spinnen muosz. Keisersberg
bilgersch. 49
c.
häufig auch mit einfachem accusativ: nuo gang, spin dînen rocken. Mone
schausp. des mittelalters 1, 81; tohter, spinn den rokken und laʒ dîn reien!
minnesinger 3, 217
a v. d. Hagen; sie nimmt den rocken, setzt sich hin und schämt sich nicht, dasz sie ihn spinn. P. Gerhardt
ged. 86, 34
Gödeke; nur diesen letzten rocken noch spinnt der mädchenfleisz. Keller 10, 52.
gewöhnlich aber dafür den rocken abspinnen,
sfilare il rocco, finire la roccata. Kramer
dict. 2 (1702), 871
a.
vgl. auch oben abspinnen
theil 1, 123
und rocken
theil 8, 1102.
mit gnomischer nebenbedeutung: das gunckelin, so du angelegt hast, must du selbs abspinnen,
colo quod aptasti, tibi nendum est. Henisch 1778, 40.
in substantivierter wendung: sich mit rockenspinnen ernehren,
campare, procacciarsi il vitto filando, à filare colla conocchia. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b.
mit obscöner nebenbedeutung: ich schatz, wir gen zum rockenspinnen und schuten den meiden die agen ab.
fastn. sp. 270, 8
Keller. aus dem brief spinnen: aus einer solchen düte nun wird mit der spindel von der hand gesponnen, daher heiszt es aus dem brief spinnen, und das gewonnene garn, briefgarn. Göthe 23, 53. II@1@dd) mit der spindel spinnen,
fusum digitis versare. Frisch 2, 302
b;
dann auch, wol analogie der wendung: an dem spinnrade spinnen (
s. dies unten),
auch an der spindel spinnen (
vgl. auch spindel 1,
c sp. 2494): an der spindel spinnen,
filare alla conocchia. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b,
fusum digitis versare. Frisch 2, 302
b.
mit beziehung auf das jüngere, verbesserte gerät: an einem rad (rädlein) spinnen,
filar' alla ruota al mulinello. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; aber seine frau habe nie nachgegeben und am rädchen spinnen lernen wollen. Auerbach
dorfgesch. 4, 116.
daneben auf dem spinnrade spinnen: mit recht belohnten die hiesigen landstände eine junge frau, die seit vielen jahren auf zwei rädern zugleich gesponnen hatte, um ihren alten mann und ihre kinder zu ernähren. Möser
patr. phant. 2, 231.
dem entsprechend heute: in der fabrik auf der maschine spinnen.
ferner die spindel voll spinnen: als ein jedes der mädchen seine vier bis fünf spindeln voll gesponnen hatte, wurde der tisch in die ecke gerückt, und auf dem freien raume von kaum drei bis vier schritten ... begann nun eines nach dem andern zu tanzen. Auerbach
dorfgesch. 1, 10,
am spinnrade eine spule voll spinnen: harre bis der vollmond kommt, dann nimm das spinnrad, setze dich ans ufer und spinn die spule voll, und wenn du fertig bist, so stelle das spinnrad nahe ans wasser und du wirst sehen was geschieht.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 181.
auch eine spul spinnen,
filare una spola. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b.
hierher noch die sprichwörtliche redewendung: wir müssen wacker draufspinnen, wann wir wollen
etc.,
dobbiamo esser' assidue al filare etc. se vogliamo etc. Kramer
dict. 2 (1702), 871
b. II@1@ee)
mit äuszerem object. flachs, hanf spinnen,
filar lino, cannape. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a: in dem schlosz steckte ein verrosteter schlüssel, und als es umdrehte, sprang die thüre auf, und sasz da in einem kleinen stübchen eine alte frau mit einer spindel und spann emsig ihren flachs.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 50; 'nun spinn mir diesen flachs', sprach sie, 'und wenn du es fertig bringst, so sollst du meinen ältesten sohn zum gemahl haben.' 14; das mädchen erschrak innerlich, denn es konnte den flachs nicht spinnen, und wärs dreihundert jahre alt geworden, und hätte jeden tag vom morgen bis zum abend dabei gesessen.
ebenda; er setzte sich zu seiner tochter an die kunkel und lernte mit ihr den flachs spinnen. Auerbach
dorfgesch. 4, 203; hu, wie freu' ich mich auf die langen abende, da sitzen wir beim kienspanlicht um den warmen ofen und spinnen flachs. Scheffel
Ekkehard 432. gesponnener flachs,
lino filato. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a. wozu denn das saubere spinnrad, welches papa mir geschenkt hat, die zartesten flocken zu spinnen! Voss 1, 187. der seiler spinnt hanf. werrig spinnen,
filare stoppa. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a; kuder spinnen: ich hab biszhar ytel kuder gespunnen, nüt guotz, lere mich guot flachs und woll spinnen. Keisersberg
bilgerschaft 49
c; der Betbeele war ihr lehrer, ein groszer langer mann, der sich vom kuderspinnen und etwas almosen nährte. Bräker 14. wollen spinnen,
filar lana. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a: dû diebin, diu da wollen spinnet, dû stilst ie ein wênic her dan unde legest daʒ garn danne in eine fiuhte, daʒ eʒ swære sî ûf der wage. Berthold 1, 87, 4
Pfeiffer; dô was ein armer man, der kunde wollen spinnen ader wollen slahen, der hiʒ Sevêrus.
d. myst. 1, 226, 12
Pfeiffer; ich möchte lieber ein ganzes jahr tag und nacht im zuchthaus sitzen und woll' spinnen, als das noch einmal durchmachen. Auerbach
dorfgesch. 4, 180; du freilich trägst geduldig die braune schafwolle, die sie dir gesponnen haben. Freytag 9, 16; wir schwestern saszen, die wolle spinnend in den langen nächten, wenn bei dem vater sich des volkes häupter versammelten. Schiller
Tell 1, 2. baumwolle spinnen: wann eins buonwoll spynnet, so macht es allweg eyn briefflin darumb, dar an ist etwan ein rymen geschriben. Keisersberg
bilgersch. 50
a; sie thuet auch im haus nichts anderst, dann das sie spint unnd wirckht vonn paumwol. Schmiedel
reise nach Südamerika 86, 15
Langmantel; substantivisch: erst zu ende der dreisziger jahre ward das baumwollspinnen in unserm dorf eingeführt, und meine mutter mag eine von den ersten gewesen sein, die lötligarn gesponnen. Bräker 12;
von maschinen: kann der arme Schlesier den flachs ... nicht so wohlfeil spinnen als der Engländer oder vielmehr seine maschinen die baumwolle. Moltke 4, 81. seide spinnen,
filar seta. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a; gesponnene seide,
sericum netum. Steinbach 2, 634.
von dem abhaspeln des kokons und ihrer verarbeitung zu gedrehten fäden, vgl. Jacobsson 4, 220
a: jhr kittel ist parat von seiden, die sie selbst zuvor gesponnen hat. Opitz
ged. 1 (1629), 127 (
doch vgl. unten II, 2
sowie die sprichwörtliche verwendung unter II, 3),
auch sonst von entsprechender arbeit: gold, silber spinnen,
gold und silberlahn in fäden spinnen und um einen seidenfaden schnell herumwinden. Jacobsson 4, 221
b; gold, silber spinnen,
filar' oro, argento. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a; wie Sardanapal gold spinnen und tapffer schupffen.
Garg. 226
b; glas spinnen,
das flüssige glas in dünne fäden ausziehen; und es schlängelten grünende reben rings von gesponnenem glase mit bräunlichen trauben behänget. Voss 2, 216. tabak spinnen,
die getrockneten blätter des tabaks zu langen runden strähnen zusammen drehen. Adelung; taback spinnen,
incordare tabacca. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a.
als märchenzug stroh spinnen: nun traf es sich, dasz er (
der müller) mit dem könig zu sprechen kam, und um sich ein ansehen zu geben, sagte er zu ihm: 'ich habe eine tochter die kann stroh zu gold spinnen.'
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 55; sie verstand gar nichts davon, wie man stroh zu gold spinnen konnte.
ebenda; das mädchen wuszte sich nicht zu helfen und weinte. da ging abermals die thüre auf, und das kleine männchen erschien und sprach: 'was giebst du mir, wenn ich dir das stroh zu gold spinne?'
ebenda; das männchen nahm den ring, fing wieder an zu schnurren mit dem rade und hatte bis zum morgen alles stroh zu glänzendem gold gesponnen.
ebenda. wenn auch schon weiter abstehend (
anstatt bespinnen),
gehört hierher noch die nadler spinnen den knopfdraht auf eine spindel. Adelung,
wo nur von dem aufwickeln des bereits hergestellten drahtes auf die knopfspindel die rede ist, ebenso gesponne knöpfe
statt besponnene knöpfe,
knöpfe die mit garn umsponnen sind. ebenda. sogar heu spinnen,
es netzartig mit stricken in ein bündel binden. II@1@ff)
mit factitivem object: garn spinnen (
vgl. auch oben garn 4, 1, 1362); grob garn spinnen,
fila crassa ducere Stieler 2090,
filar grosso Kramer
dict. 2 (1702), 870
b: sein junges weib aber spanne hänffen tratgarn.
Simpl. 3, 402, 29
Kurz; ehe es sechse schlug, war das ganze haus aufgeräumt, ... und des winters an manchen morgen oft schon mehr garn gesponnen, als jetzt in manchen haushaltungen binnen einem ganzen jahr gewonnen wird. Möser
patr. phant. 1, 121; vor der königin verbarg sie die drei spinnerinnen und zeigte ihr, so oft sie kam, die menge des gesponnenen garnes, dasz sie des lobes kein ende fand.
brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 14; 'frau', sagte der mann, 'es ist doch eine schande, dasz das gesponnene garn da auf dem klauel liegen bleibt.' 128.
mit angabe der herkunft: das garn zu einem stücke muszte von einer hand, und von einer art flachs gesponnen seyn. Möser
patr. phant. 1, 123; hausgesponnenes garn,
im gegensatz zu solchem, das in der fabrik gesponnen ist. vgl. anders gewandt: sie hat gespart und hat gesonnen und flachs gekauft und nachts gewacht, den flachs zu feinem garn gesponnen, das garn dem weber hingebracht. Chamisso 3, 63. du waist wol, wenn die kinder lernen spinnen, so sitzent sy und dräen und dräen und muosz ains die spindel oft funfzehn oder dreizig mal schlahen, ee das es ain faden spinnet. ain fraw die wol spinnen kan, die spint in ainem schlupf ain faden; sy nympt die spindel zwischen die hend und fert ains mals dort auszhin mit der spindel und spint ainen faden ich waisz wie lang herauszher. Keisersberg
spinnerin (1510) a 5
a; einen faden spinnen zu hemden,
filare qualche pezza di tela da camiscie. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; einen saubern, klaren faden spinnen,
filar sottile, delicato. ebenda; setzt euch nieder und spinnt einen faden für das herumlauffen,
mettetevi là à filare in vece di correre attorno. ebenda; Henrich. was soll ich thun?
Adelheid. nur eine kleinigkeit: zwölf faden nur aus meinem rocken spinnen. Hagedorn 2, 163;
vgl.: oft spinnet er (
Cupido) fädchen am goldenen rädchen, wie haare so fein. Stolberg 1, 124. eine saite spinnen: Mira steht allein und sinnend, ihrem vater eine saite spinnend. Lenau 299. seile spinnen,
als thätigkeit des seilers; acht phund gesponnen seile zur urglocken.
rechenbuch von 1430, 117; wir hören von einer besondern einrichtung der englischen marine. sämmtliche tauwerke der königlichen flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dasz ein rother faden durch das ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann ohne alles aufzulösen. Göthe 17, 212. II@1@gg)
als object steht auch das, was aus dem garne, den fäden gearbeitet wird, sodasz unser wort sich mit der verwendung von weben
berührt: ab der kuncklen würst du on zwyffel spinnen den mantel der lieb, und sunst nyergen von basz. Keisersberg
bilgersch. 49
c; o wie ein loblich kunckel ist daz von deren man ein solch cleid spint mit vil farben. 50
d; ihr müszt mir gleich drei hübsche leichte kleider spinnen. Novalis 2, 194
Meiszner; dies ist das erste hemdlein, das ich ihm spann und das er trug, die leinwand ist vergilbt, denn kein sonnenstrahl hat sie gebleicht und kein nachtthau hat sie genetzt. Freytag 9, 135; sie span mit ir selbes hant von der wollen schœneʒ gewant. Heinr. v. Neustadt
Apollonius 13472; es war eine königstochter, blauäugig, lilienschlank, die spann eine silberne schärpe viel sommermonde lang. W. Müller 1 (1868), 132. selbstgesponnenes gewand; selbstgesponnene, hausgesponnene leinwand: ich trage mein hemd, wie es wackeren jungfraun ziemt, beständig von feiner und selbstgesponnener leinwand. Voss 1, 137.
den übergang zu diesem gebrauche bilden wendungen wie garn, fäden zu einem gewande spinnen,
dann auch mit ausgelassenem objecte: wir haben auch das schöne stück tuch schon verkauft, woran die muhme Margrethe den vorigen winter gesponnen hat. Iffland 5, 281 (
die hagestolzen 4, 1); das fräulein sitzt am herd und spinnt zu ihrem hochzeitsschleier. Geibel 1, 61. II@1@hh)
freier gewendet, auch mit dem object des maszes der täglich zu leistenden spinnarbeit: die facht spinnen,
absolvere pensum. Dasypodius,
vgl.fach 6 (
mundartlich facht)
theil 3, 1220; feirabend spinnen,
absolvere pensum. ebenda; den rast spinnen, den feyrabendt haben,
pensum carpere, pensum facere. Maaler 325
b; seinen rast spinnen,
justa operum peragere. ebenda; den rast spinnen, sein tagen oder tagwerch und facht vollbringen,
pensum absolvere. Varro. pensa devolvere fusis. 380
d; sein rast spinnen,
pensum conficere. ebenda (
vgl. die bemerkungen zu rast 1
oben theil 8, 151),
wendungen, die dann entsprechend der gebrauchsweise von lat. pensum,
ganz allgemein von zu leistender arbeit überhaupt gebraucht werden können. vgl. noch: und ihr mädchen nehmt eure rädchen und spinnt eueren abendsegen. Keller 7, 45. II@1@ii)
der aberglaube verbietet, zu gewissen zeiten zu spinnen: ist ein alter weiber aberglaube, ... es dürffte keine sechswöchnerin binnen solcher zeit spinnen, denn sonsten verursachte sie darmit, dasz ihr kind an galgen kähme und auff gehenket würde.
frauenz.-lex. 1886.
über das spinnverbot für den abend des sonnabends vgl. Kuhn sagen u. gebräuche aus Westfalen 1, 47.
der rocken musz an diesem abend leer gesponnen sein: wenn ein weib oder magd des sonnabends ihren rocken nicht abspinnt, so wird aus dem übrigen flachs oder werk kein gut garn, und bleicht sich auch nimmermehr weisz.
rockenphil. (1709) 1, 245; sie stellte das spinnrad zur seite und Judith drehte die schnur los, welche um das rad lief. 'warum löst ihr die schnur?' frug Regine wiszbegierig. Judith lachte: 'sie sagen, bei ungelöster schnur kommen die erdmännchen und spinnen am rocken, dann hört man die spule schnurren'. Freytag 12, 81. II@1@kk)
das geschäft des spinnens hatte aber etwas geheimnisvolles, und mit der kraft des gedankens mochte die spinnende leicht gutes und böses, freundliches und feindliches dem vom rocken an der spindel hinabschnurrenden faden einspinnen: wirfst du von dir den zauber (
das gewobene drachenbild), den Römer gesponnen, so magst du altern in friedlicher stille, verborgen im volke, geduldig im leben und schicksalsfrei. Freytag 8, 45.
göttliche frauen dachte man sich den lebensfaden der menschen spinnen (
vgl.norne theil 7, 899, parze
theil 7, 1480); ihr parcen, die ihr uns den lebensfaden spinnet, wie kömpt's: dasz einem gold von eurem rocken rinnet, dasz ihr dem silber dreht, dem andern stahl und blei. Lohenstein
Cleopatra 70;
vgl. ganz entsprechend: herrliches tragt ihr und süszes und holdes, darum o spinnet des schimmernden goldes, spinnet ein fädchen ins leben uns ein. Arndt
ged. 11; der parzen jüngste seht ihr kommen, die aller lebensfaden spinnt. Göthe 11, 330; kein nein aus meinem munde soll sie kränken, so lang die parce meinen faden spinnt, so weit die welle meines lebens rinnt. Schiller 13, 477 (
Turandot 5, 1).
mit weiterer bestimmung: die parcen müssen euch so feste faden spinnen. Hoffmannswaldau
hochzeitged. 10; künftig jedoch erduld' er, was ihm die möra, als ihn die mutter gebar, in den werdenden faden gesponnen. Voss
Ilias 20, 128; welch ein winterlich gespinnst hat sie (
die norne) dir gesponnen. Keller 10, 124; weil die parze deiner tage faden seiden spinnet und dein morgen scheint. Gotter 1 (1787), 84;
ohne näheres object: heute noch mag meine parze schneiden: da sie gut spann, spann sie auch genug. Seume
werke 4, 461
Zimmermann; drin bei matter ampelhelle eine greise parce spann. C.
F. Meyer
ged. 111.
mit erweitertem object: in einem meiner finger henckt: dasz euer leben euch die parzen spinnen. Lohenstein
Sophonisbe 2, 440; o möge dir die göttin tage spinnen, den stunden gleich, da, deines zaubers voll, ein ganzes volk, mit allen sinnen, vergnügen in sich sog. Gotter 1 (1787), 189; alsdann so mag die geizge parce einst tausend und noch tausend jahre an meinen tagen günstig spinnen. Cronegk 2, 342; ein würdig daseyn ward von mir gesponnen, das vollgedrängt die goldne spindel trägt. Göthe 11, 330; so unterwerf ich mich, wie kann ichs ändern? der unregiersam stärkern götterhand, die meines hauses schicksal dunkel spinnt. Schiller
braut v. Mess. 2, 6 (
v. 1558): es naht mit gewalt, was mir die untrügliche parze gesponnen. Körner 1, 172; erst trieb den Hippalmos sein doppelgespann entgegen dem los, das die moira ihm spann. Leuthold
ged.4 238; in der alpenhütte kammer spinnt an einem alten jammer einer greisin welke hand. C.
F. Meyer
ged. 111. II@22) spinnen,
als thätigkeit von insekten. die spinne spinnt,
la ragna, il ragno fila. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b, die spinn übt sich mit spinnen,
aranea telas exercet. Maaler 380
d: der wurm (
die spinne) hât die art, daʒ er auʒ seim gedirm fädem spinnet und netzel webt, damit er die mucken væht. Megenberg 294, 26; wenn diu spinn slâf, sô kêr si den ruck gegen der erd und slâf in dem luft hangend an den vädemen, die sie gespunnen hât. 295, 21. (
mit weiterer bestimmung der richtung): so die wasserwellen grosz werden, so spinnen sie in die höhe, da aber schön wetter kommen sol, spinnen sie nicht, verrichten jre arbeit nur bei trüblechtigem, melancolischen lufft. Heyden
Plinius 490; einmal spannen sie (
die spinnen) träg, ein andermal hurtig, lange fäden oder kurze, einmal näher zusammen, ein andermal weiter auseinander, so oder so, und endlich konnte er daran erkennen, was für wetter kommt, sturm regen oder sonnenschein, anhaltend oder veränderlich. Hebel 2, 31; ist dieser künstlerin (
der spinne) wohl je ein künstler gleich? der fäden, die so dünn und zart, und doch so zäh und starck, auf so geschickte art, ohn' hand und finger spinnen kan? Brockes 4, 208.
auch vom seidenwurme (
vgl. oben seide 1,
sp. 174
und seidenwurm
sp. 181),
sowie auch sonst von raupen (
vgl.raupe theil 8, 298),
die sich ihre verpuppung spinnend fertigen: bombix haiʒt ain seidenwürmel ... daʒ spinnet seiden, reht in der weis als diu spinn auʒ ir selber spinnet. Megenberg 297, 5; ein worm der syden spynt. Dief.
nov. gloss. 57
a; dasz dich des blitzes glut versehrt, o maulbeerbaum, der du genährt den wurm, der diese seide spann. Freiligrath 1, 65.
absolut: aber selbstisch eingeklostert spinnt die puppe. Platen 18
b.
reflexiv: verbiete du dem seidenwurm zu spinnen, wenn er sich schon dem tode näher spinnt. Göthe 9, 230 (
Tasso 5, 2);
mit weiterer localer bestimmung: gleich als ein seidenwurm, an dem verdorrten ast sich selbst in faden spinnt, und sich mit sich umfast. A. Gryphius (1698) 1, 519; drum kann der mensch auch mit des lebens schmerzen wie zauberweib mit zahmen nattern scherzen und ruhe auch im schicksalsdrang gewinnen, wie seidenwürmer in ihr grab sich spinnen. W. v. Humboldt 5, 417. lasz dich denn also von mir, lieber leser, in diesen blättern einspinnen, wie der werdende schmetterling sich in den cocon spinnt, wo er blatt und baum, auf dem er hülflos kroch, preisgibt und sich wie in dem vortraum eines neuen lichtlebens begräbt. Gutzkow
ritter vom geiste 1, 10.
dafür gewöhnlicher sich einspinnen (
vgl. einspinnen 3,
theil 3,
sp. 302): ich will mich eine zeit lang als ein häszlicher wurm einspinnen, um wieder als glänzender vogel an das licht kommen zu können. Lessing 11, 750. II@33)
in festgeprägten redensarten: er spinnt grob, er spinnt zu grob
sagt man von einem, der sehr starke scherze macht, im spott allzu ausgelassen ist: grob spinnen,
parlar grasso. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; ir herrn, wir haben grop gespunnen.
fastn. sp. 246, 14
Keller; darumb sult irs in gut aufnemen, ob wir ein tail zu grob hie spinnen. 92, 14; ob etlicher zu grob wurd spinnen, ... das sult ir uns nicht verubel han. 97, 23; ob jemant het zu grob gespunnen, damit uns eur ungunst hetten gewunnen, das solt ir uns zum pesten ruchen. 136, 23 (
vgl. 319, 18); und ob wir zu grob heten gespunnen, so haben wir uns doch nit pas besunnen. 612, 19.
dafür auch: grob garn spinnen,
incondite, loqui, infrunitum, opicum et infacetum esse, putide dicere. Stieler 2090,
parlar grasso Kramer
dict. 2 (1702), 870
b;
das gegentheil bildet wol dünne spinnen,
in der wahl seiner worte vorsichtig sein, mit seiner meinung zurückhalten, furcht, angst haben. spinnen dünne,
furcht haben. cimbr. wb. 235
a.
im groben scherz von zur unzucht verführten frauen: zu dem, sy beschehen, was do welle, so hat es doch inen got lob am spinnen nichts geschadet.
Zimm. chron. 1, 327, 40. wenig seide bei einer arbeit spinnen,
schlechten lohn finden, auf keinen grünen zweig kommen, kein glück haben u. s. w.: er wird hier nicht viel seide spinnen,
non hic proventum, sed detrimentum sentiet. Stieler 2090; er wird hier wenig seide spinnen,
egli non farà grand' acquisti qui. Kramer
dict. 2 (1702), 870
a; darumb spanne Eurilus eben keine seide bei seinen geheimbden liebeskampfe. Riemer
polit. colica 313; man sach kein seyden spynnen, stachen sie wie die schweyn.
volkslied des 16. jahrh. bei Soltau 1, 304; nicht gold und seide spinnen: denn der in den wind so eh als eyde schlägt und zu Carthagens brand' itzt holtz und schwefel trägt, wird selbst hierbey nicht gold und seide spinnen. Lohenstein
Sophonisbe (1689) 91,
auch unpersönliches als subject: auch meiner liebsten reputation dabey keine seide spann.
ehe eines mannes. 222.
vgl. noch als entsprechend: ja, mein liebes kind, im kriege spinnt man kein ander garn, man hat zu thun, dasz man seine ehre, geschweige denn das leben erhält.
jungfer Robinsone (1724) 29.
hierher wol auch: die kriegsgefangenschaft spinnt keine seide, und man kann nicht glauben, wie erbittert damals die Russen über ihre feinde waren, und keiner wurde vorher gefragt, ob er zu den schlimmen gehöre, sondern man nahm ihn dafür. Hebel 3, 130.
doch nicht viel seide mit jemandem spinnen,
nicht glimpflich mit ihm verfahren, einander miszwollend, gehässig sein: doch als der vater sie (
die Venus) darüber schnell sah' an, sprach Juno, die doch nie viel seide mit ihr span, sie hätte sich wohl müssen mit wasser aus dem quell des Canathus begiessen. Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1695) 274. das stroh vom dache spinnen,
etwas schädliches, verderbliches unternehmen. ursprünglich wol nur als kennzeichnung des schädlichen übereifers. vgl.: det strô von 'n dâke spinnen,
das heiszt so spinnen, dasz man schaden davon hat. Schambach 204
b; sondern wenn nichts drauszen zu schaffen war, spann es, als ob es alles stroh von den dächern spinnen sollte. Gotthelf
schuldenbauer 17.
zur charakterisierung von unmöglichem: ich weisz ein fein brauns megdelin, wolt got, sie wäre meine! sie müste mir von haberstro wol spinnen braune seiden. Uhland
volksl. 4 A;
als spottreim im munde trotziger bauern: wenn de ko kann siede spinnen so sall könig Erich unse land gewinnen. Schütze 4, 171;
vgl. noch: dâ saʒ ein hirʒ unt span vil cleine sîden, dâ huote ein wolf der lember in den wîden. Reinmar v. Zweter 159, 7
Röthe. über die silberne spule spinnen,
nicht selbst spinnen, sondern andere gegen bezahlung für sich spinnen lassen: aewer de silvern spaul spinne.
korrespondenzbl. für nd. sprachf. 11, 60. wir spinnen an einem unglücksrade,
fortunam adversam juxta patimur, pari infelicitate premimur. Stieler 2090. sie spinnen zusammen an einem rocken,
sie liegen in demselben spital krank. Simrock 8486. Körte 5085. er hat seinen rocken abgesponnen,
egli hà finito la sua roccata, met. è morto. Kramer
dict. 2 (1702), 871
a.
vgl. zu dieser wendung als erklärend: gott hat jedem in seinem beruff ein rocken angeleget daran soll er schaffen und gut garn spinnen. Lehmann
florileg. (1630) 13. II@44)
im biblischen gleichnis: und warumb sorget jr fur die kleidung? schawet die lilien auff dem felde, wie sie wachsen, sie erbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
Matth. 6, 28.
vgl.: scouuot thes accares lilia, wuo sie uuahsen; sie ni arbeitent noh ni spinnent.
Tatian 38, 4. II@55)
im sprichwort: kein faden ist so rein gesponnen, der mit der zeit nicht komm an die sonnen,
quicquid sub terra est, in apricum proferet aetas. Dentzler 1, 58
a.
auch das feinste gespinst wird auf der bleiche dem sonnenscheine ausgesetzt; vgl. im übrigen unter 3: sonst ist nichts so klein gespunnen, es wird alles wider an die sonne kommen. Mathesius
Sarepta 20
b; so ist nichts so klein gespunnen, es kompt alles an die sonne und tagliecht. 40
b; so ist auch nichts so klein gespunnen, es kompt alles an die sonne. 150
b; es ist nichts so klein gesponnen, es kömmt endlich an der sonnen. Adelung; es ist nichts so fein gesponnen, es kompt an die sonnen. Lehmann 52; es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die sonnen. Simrock 9581; dasz nichts so klar gesponnen, es kommt doch an die sonnen, was heute noch verborgen, entdeckt vielleicht gott morgen.
Simpl. 1 (1685), 488;
vgl.: was ich in dem kämmerlein still und fein gesponnen, kommt — wie kann es anders sein? — endlich an die sonnen. Göthe 1, 203 (
die spinnerin),
wo eigentliche und übertragene bedeutung des sprichwortes zugleich zum ausdruck kommen soll. hierher noch, doch ganz anders gewendet: kein faden ist so fein gesponnen unter der sonne, der so schnell risse als die bande des bubenstücks. Schiller
räuber 4, 8 (
trauersp.).
schon ganz in das gebiet der übertragung hinübergehend: doch thuet ain altes sprichwort jehen, das alles, was unrecht ist gspünen, das kümbt zu seiner zeit ant sünen. H. Sachs
fastn. sp. 7, 48
Götze. auch sonst reichliche verwendung im sprichwort: da sie spann, hatte sie
an. Petri 2, 64; wer spinnt, gewinnt. Wander 4, 721; wer nicht spinnet, behält seinen flachs,
non nenti suum manet linum. Stieler 2090,
chi non fila, conserva il suo lino. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; man kann nicht zugleich spinnen und weifen. Wander 4, 719; wer viel spinnt, der musz viel weifen.
ebenda; wie der faden einmal gesponnen ist, wird er geweift und verwoben, da ist nun weiter nichts mehr dran zu ändern. Göthe 42, 292 (
Götz von Berlichingen 2, 8); was nicht gesponnen werden soll, musz nicht an den rocken kommen. Wander 4, 720; die eine spinnt sich einen rock zu ehren, die andere zu unehren, eine dritte gar keinen. 718.
vgl. ganz entsprechend: wie sie spann, so hatte sie
an. Simrock 9754; selbst gesponnen, selbst gemacht, rein dabei ist bauerntracht. 9756.
substantivisch: mit spinnen kann man nicht viel gewinnen. Petri Pp 3
b,
doch spinnen is en kleen gewinn, wer't nig deit, mit'n blooten ars geit. Schütze 4, 170 spinnen, weinen, waschen, liegen und ihren besten freund betriegen, disz find man in den weibern viel, von allen doch nicht sagen will. Uhl
priamel 397, 414. IIIIII.
zahlreich in bildern. allerlei gedankenarbeit wird als das abspinnen eines rockens in fäden gefaszt; bei dem zustandekommen dieses bildes mögen aber nebenbei auch vorstellungen, wie die spinnen II, 1,
k zu grunde liegenden, von bedeutung gewesen sein, so besonders für die unter III, 1,
e aufgewiesenen wendungen ränke, tücke spinnen
u. s. w. weiterhin war auch das bild der netze spinnenden spinne (
s. oben II, 2)
von einflusz. etwas spinnen, abspinnen,
als bild einer gleichmäszigen, stätig sich abwickelnden arbeit, s. auch oben II, 1,
h. III@11)
transitiv: III@1@aa)
substantivisch mit entsprechendem adjectiv: das sinnenspiel des traumes verwandelte sich ihr dann in ein mystisches spinnen und weben. Riehl
culturhist. nov. (1862) 307. III@1@bb)
in der älteren sprache noch gröszere deutlichkeit des bildes: etwas aus seinem kopfe spinnen; etwas aus eigenem hirn spinnen,
filar cioè trarre, specolare, inventare qualche cosa dal proprio cervello. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b; was du ausz den lerern, die vielmal geyrret haben und deynem hornichten kopff spynnest. Luther 7, 264, 31
Weim. ausg.; gott hatts yhn nicht befolhen, sondern sie spinnen es aus yhrem eygen kopffe. 19, 593, 32; so ist doch unser glaube hiemit fest und stark beweiset, und fragen nach jren tollen glosen, aus jrem kopff gesponnen, gar nichts. 8, 69
a; die zehen gebot, glauben und vater unser, hat kein mensch aus seinem kopff gespunnen, sondern sind von gott selbs offenbaret und gegeben. 4, 421
b; und nit auss seinem eignen kopff gespunnen hab. Ayrer
process. 2, 10; diesen gewaltigen trost ... hab ich nicht ausz meinem gehirn gesponnen, sondern er ist ausz dem munde gottes. Schuppius 261.
anstatt dessen auch: woher ist nu solchs gespunnen? aus der schönen klugen vernunfft, die hat es gesehen in jrer finstern latern. Luther 6, 64
b; aber was sie ausz jrer vernunfft spinnen und fürgeben, ... das musz eitel köstlich ding unnd heiligthumb sein.
tischreden (1568), 271
b.
dementsprechend auch: was menschliche vernunfft ausz dem natürlichen gesetz spinnet, schleuszt und ordnet. 396
b.
mit genauerer angabe des objects: ich mus anzeigen, welche feine gedancken Bernhard aus Mose spinnet, levi. 12. 8, 133
b.
schon mehr aus dem bilde fällt heraus: er spinnts in seinem eigenen hirne,
ex se fingit velut aranea. Dentzler 2, 269
b; etwas in seinen gedancken spinnen,
filare cioè meditare, tramare, mulinellare qualche cosa in testa. Kramer
dict. 2 (1702), 870
b. III@1@cc)
gröszere deutlichkeit des bildes durch hinzufügung einer entsprechenden bestimmung wie netz, faden, gewebe
u. s. w. erreicht; bild von der thätigkeit der spinne: diesem gleicht der mann, der mit roher hand in das gewebe greift, woraus der staat gesponnen ist. Klinger 2, 372; erröthen sie doch wenigstens darüber, das netz so grob gesponnen zu haben, dasz es einer ihr plumpsten schüler beym ersten blick entdeckte. 1, 482; nicht allmählig, sondern plötzlich und durch eine erschütterung reiszt es den selbständigen geist aus dem netze los, womit die verfeinerte sinnlichkeit ihn umstrickte und das um so fester bindet, je durchsichtiger es gesponnen ist. Schiller 10, 222; was traur ich? hat der feind gleich für und für gesponnen mir fallstrick, netz und garn. A. Gryphius 2 (1698), 406; streute ewiger lenz dort nicht auf stiller flur buntes leben umher? spann nicht der frieden feste weben? Novalis 1, 208
Meiszner. hierher auch: ihr habt so recht eure fäden um mich gesponnen und wiszt euch alle im preise zu halten. Gutzkow
ritter vom geiste 8, 365; fäden spinnen
gewöhnlich aber von reiner gedankenarbeit: vermagst du gleiche fäden zu spinnen, — so magst du hier den preis gewinnen. Rückert
makamen (1826) 36; so spinne deine fäden denn, trübe phantasei. Ludwig 1, 48.
auch wirren faden spinnen,
verwirrte gedanken haben, im irrthume sich befinden: wendete er mit sammlung — sich zur versammlung — und sprach: ihr spinnet wirren faden, — und rennet auf irren pfaden. Rückert
makamen (1826) 125;
mit sonst verdeutlichendem adjectiv: denn was jegliche zunft hat geschafft und gewonnen, wird von des denkers vernunft in geistige fäden gesponnen.
ged. (1841) 148. einen leitfaden spinnen: wir finden daher zu unserm zwecke dienlich und nothwendig, dieses werk theilweise zu übersetzen, ... damit denjenigen, welche sich künftig mit dieser angelegenheit beschäftigen, ein leitfaden gesponnen sey, an dem sie sich durch ein solches labyrinth durchwinden können. Göthe 59, 5. ich wollte den faden der untersuchung anders spinnen. J. Paul
vorschule der ästhetik 384; da sie doch ihrem besorgten gedrückten herzen luft zu machen nicht unterlassen konnte, so spann sie ein klagendes garn über ihren backofen, der gar nicht gut sei.
daheim 31, 163
b;
vgl.: wie manche schöne nacht sieht mich der blasse mond in stiller einsamkeit am kummerfaden spinnen. Günther 624.
dann auch ausspinnen (
theil 1, 877): mir thut er einen groszen dienst, dasz er mir gelegenheit giebt, mein andenken bey ihnen zu erneuern, und ihnen zugleich beygehende aufsätze einzuhändigen, die in ein
fach gehören, worin sie mit besserem glück als ich arbeiten könnten, wenn sie den angefangen faden hätten ausspinnen wollen. Heyne
an Lessing d. 18.
juli 1778 (13, 608
Lachmann); fortspinnen (
theil 4, 1, 33): ich wünsche nämlich, sagte er, dasz sie diese hefte gut studirten und nicht nur ein allgemeines inhaltsverzeichnisz darüber machten, sondern auch aufsetzten, welche gegenstände nicht als abgeschlossen zu betrachten seien, damit es mir vor die augen trete, welche fäden ich wieder aufzunehmen und weiter fort zu spinnen habe. Eckermann
gespräche 1, 44; diese fäden wollen wir mit weichen händen weiter spinnen. Frenssen
dorfpredigten 1, 17. III@1@dd)
gröszere freiheit des bildes: gedanken spinnen, seine gedanken weiter spinnen; ich schrieb sie (
die gedanken), ohne sie weiter zu spinnen, oder ihren gehalt zu wägen, mit bleistift auf. Bettine
tagebuch 137; erstlich, dasz man die blosze reine gedankenreihe des menschen, gott weisz wie weit in die länge, voraus spinnen ... musz. J. Paul
komet 3, 238; indem Linette aufsitzend in dem öden bette gedanken spinnt. Kl. Schmidt
bei Campe. III@1@ee)
oft mit mehr oder weniger hervortretender nebenbedeutung des tadelnden, schmähenden: pläne spinnen; dieser sasz mit dem baron H. zusammen, und theilte ihm den fein gesponnenen entwurf mit. Klinger 3, 131. ränke spinnen: Golo, frevelhaft in mich entbrannt, und abgewiesen, wie es sich geziemt, spann ränke. Hebbel 1, 207;
mit weiterer bestimmung: seht, wie er schelmisch in der ecke dort neue ränke spinnt! Gotter 1, 360; während er selbst mit dem hofe von Frankreich gefährliche ränke spann. C.
F. Meyer
der heilige 123;
vgl. noch eine seltsame rückkehr in das bild: zweymal drüber war die sonne durchgereiset diese bahn, als Alecto zunder sponne, drausz der lange krieg entbran. Logau
sinnged. 2, 243. anschläge spinnen: nun wurden des Tiberii anschläge mehrentheils alle von tyrannischer furcht und ehrsucht beherrschet und gemeiniglich zur unterdruckung fürtreflicher leute gesponnen. Butschky
Pathmos 881; unter solchen umständen machte es Friedrich kaum noch eindruck, dasz ein verwegener schlesischer edelmann ... ein komplott spann. Prutz
preusz. gesch. 3, 121; lügen spinnen;
vgl.: nit also! wolt jr ewrs liegens werden fro, so bleibt hie niden bey der erden ... denn wenn jrs allzu grob wolt spinnen, werdt jrs zuletst nit fedmen können. Waldis
Esopus 3, 88, 75
Kurz; vgl. dazu die redensart etwas zu grob spinnen
oben II, 3. betrug spinnen; er (
Ulyxes) geht und siht auch falsch und spinnet im gewissen betrug und arge list. Opitz 2 (1629), 128; es haben sonst viel schäfferinnen ein leichtes ungetreues hertz, das nichts alsz triegerei kan spinnen, ja hält den meineid nur für schertz. Rist
Parnassus (1668) 340. verrat spinnen:
Octavio. ihr sagt euch also von dem fürsten los?
Isolani. spinnt er verrath — verrath trennt alle bande. Schiller
Wallensteins tod 2, 5; desz gedenkt nun Gambacorti, der verrat und tücke spinnt. Platen 36
a.
vgl.: dort wurde daher auch ferner untreue gesponnen. Grote
weltgesch. 6, 463. verderben, unheil spinnen: sie ist der sonne müd und ihres lebens, wie kann sie gegen dich verderben spinnen? Schiller
Phädra 1, 1; weil sie den ränken vertraut, den bösen künsten der verschwörung, und unheilspinnend diese ganze insel aus ihrem kerker zu erobern hofft.
Maria Stuart 1, 1; die höhle da gehöret dem verhaszten, der dein verderben spinnt mit rath und that. Chamisso 4, 14.
dann auch mord spinnen: ihr grimm mehr mord als klugen eifer spinnt. Lohenstein
Ibrahim Sultan (1701) 4, 277. III@1@ff)
mehr als thätigkeit des gemütes; träume spinnen: ohne wald, ohne garten, ohne plätzchen, wo ich meine träume spinnen konnte. Storm 1, 135; das herz trieb seine alten flammen, die seele spann den alten traum. Hebbel 7, 30; und ich schürte seines herzens feuer, wenn er, sehnsuchtsvoll ins weite lugend, lichte träume spann von künftgem glück. Jordan
bei Fulda
neue ged. (1900) 195; hell flammten die kerzen am weihnachtsbaum, als mein herze gesponnen den ersten traum. J. Ambrosius
ged. 2, 31. hoffnungen spinnen: damals bewog Knud, stille hoffnungen spinnend, den herzog Waldemar, sich mit seiner halbschwester ... zu verloben. Dahlmann
dän. gesch. 1, 264. einen wahn spinnen: der wahn verstört ihr das gemüth, ihr holdes lebensglück verglüht, und wenn sie ihn auch selber spann, sie stirbt nicht weniger daran. Hebbel 2, 12. III@1@gg)
in näherer anknüpfung an d von einer darlegung mündlicher oder schriftlicher art, einer erzählung, einem gedicht u. s. w.: iedoch hân ich ain klain angehebt ze spinnen von der lieb an ainer andern stat. Megenberg 278, 32; er (
Pfeffinger) kann fast gute wort spinnen, wird aber nit gut tuch daraus. Luther
briefe 1, 77;
mit gröszerer deutlichkeit des bildes (
vgl. oben III, 1,
b): ex hoc versu ist gesponnen totus psalmus und ist drauff gemacht. 25, 439, 16
Weim. ausg.; ex his duobus proverbiis spinnet er sententias et exhortationes. 20, 126, 6; die unter der mahlzeit gesponnene gänsegedichte sollen gutte lust gemacht haben. Butschky
hochdeutsche kanzlei 355; er verweilt sich bei seinen metaphern, spinnt sie häufig zu gleichnissen. Lessing 10, 174.
mit modalem zusatze: ich will mich nur mit dir der herrlichkeit der märchen, wie du sie behandelt hast (
z. b. Sigurd den schlangentöter), erfreuen; wie schmächtig und kümmerlich das langgedehnte, dünngesponnene Nibelungenlied gegen diese dichtung. Chamisso
an Fouque oct. 1808
bei Moestue
Uhlands nord. studien 16. was Victor hat besonnen, dem denkt ihr weiter nach.was andre mehr gesponnen, das wirkt ihr künstlich aus. Lessing 8, 309; auch ist ja die historia aus wahrheit nicht gesponnen, doch webt ich drein moralia, die hab ich nicht ersonnen. Bürger 50
a; drum hab ich euch diesz neue lied gesponnen, das weder zeit mir noch kritik verheere. Platen 321
a; lange, lange lehrgedichte, die spinn ich recht mit fleisz. Uhland
ged. 405;
scherzhaft: was seine faust gesponnen, wirkt nachdacht und auch lust. Lessing 8, 304.
daneben abspinnen (
vgl. theil 2, 123): ein bösewicht und verräther nimmt sich am ende überall schlecht aus, am schlechtesten auf dem theater, wo der verlauf seiner niederträchtigkeit abgesponnen und uns vor die augen geführt wird. Göthe 32, 64; thust du doch, als ob da drinnen ganze weltenräume wären, wald und wiese, bäche, seen; welche mährchen spinnst du ab! 41, 228. ausspinnen (
theil 1, 977): die (
eine art von witz) sich um dergleichen bilder herumdreht, und nicht abläszt, bis die metapher zu einer kleinen allegorie ausgesponnen ist. Wieland
Lucian 4, 19; eine von Nadinens geist überschattete schriftstellerin könnte diese anecdote zu einem der artigsten romane ausspinnen.
werke 38, 280.
auch: eine erzählung, eine unterhaltung, ein gespräch weiter spinnen. III@1@hh)
dann auch von der schöpferthätigkeit gottes: darumb hat er uns die kinder so nahe eingepflantzet, das er sie nicht aus stein oder holtz, sondern aus unserm eigen fleisch und blut spinnet. Luther 4, 523
b; derjenige grosze haushalter seiner welt, der ungenützt keinen splitter fallen, keine lücke unbevölkert läszt, ... der laster und thorheit zur vortreflichkeit noch endlich verarbeitet, und die grosze idee des weltbeherrschenden Roms aus der lüsternheit des Tarquinius sextus zu spinnen wuszte. Schiller 4, 55.
vgl.: güte gottes würket oder spinnet vergnü
gen. Schönaich
ästh. in einer nusz 169
neudr. III@1@ii)
in dichterischer sprache von einem ähnlichen vermögen der menschen: ich will dir fröhliche tage spinnen. Novalis 2, 197
Meiszner; könnten wir nicht in frohem genusz harmlos vergnügliche tage spinnen, lustig das leichte leben gewinnen. Schiller
braut v. Mess. 1, 3.
auch von dem entgegengesetzten: doch spinn' ich ja, leider! nicht seide, noch gold, ich spinne nur herzeleid mir. Bürger 56
a; doch spinnt es (
das herz) ja, leider! nicht seide, noch gold, es spinnt sich nur elend und schmerz.
ebenda. von einflusz war wol die unter II, 1,
k aufgewiesene verwendung, was deutlich macht: Damon, welche seligkeit, meiner freunde lebenszeit reich an freuden zu verspinnen! Damon, meiner seligkeit fehlte noch unsterblichkeit, um ohn' unterlasz zu spinnen. Gotter 1, 60. III@1@kk)
belebt gedachtes unpersönliches als subject; von sinnlich wahrnehmbarem: da wirket ihr ohn unterlasz, was sonn und sternen spinnen. Spee
trutzn. 103
Balke. abstract: die verläumdung hat ein abscheuliches gewebe von lügen daraus gesponnen. Schiller 4, 344; (
wehmut) die dann um stille seelen ihr zartes dunkel spinnt. Arndt
ged. (1840) 271; das netz der lüge, so beginnt er, spinnt um deines auges ewige klarheit ihre falschen schleier! Platen 336
a; noch immer mit sich kämpfend bei dem, was ihm erinnerung spann. Wolff
landsknecht von Cochem 147. III@1@ll)
mit unterdrücktem object: den wollen wir bald los sein. ich habe den weg über schon gesponnen! Göthe 10, 80; du weiszt ja wie das ist, wenn man aus sich selber, wo man so lange gesonnen und gesponnen, heraustritt ganz ins freie. Bettine
br. 2, 186; ist es nicht, als ob man den geist der geschichte leibhaftig weben und spinnen sieht. Immermann
Münchh. 1, 222; 'und glaube mir, ich weisz auch, wie andere mit einander stehen, und ich sage dir, ich habe so eine ahnung, es spinnt sich etwas
an.' 'wer spinnt?' frug Rollmaus. Freytag
verl. handschr. 1, 122.
vgl. noch ganz entsprechend über etwas nachdenken
u. s. w.: unser geselle Moritz liesz nicht ab, ... über die innerlichkeiten des menschen, seine anlagen und entwickelungen fortwährend zu sinnen und zu spinnen. Göthe 29, 186. III@22)
reflexiv. III@2@aa)
von lufterscheinungen: wie rauchwolken stieg es aus den rissen, und über das ganze watt spann sich ein netz von dampf und nebel. Storm 7, 158; ein durchsichtiger grüner schleier spann sich über die äste des waldes. Pichler
allerlei gesch. aus Tirol 2, 104; und um den himmel oben da spann sich nebelgrau. Uhland
ged. 406. III@2@bb)
mit zugrundelegung des bildes der sich in die höhe spinnenden spinne: das herschsüchtige leute durch frevel und böse tükke sich an den gipffel der höchsten gewalt spinnen. Butschky
Pathmos 695; an dieser hinfälligen stütze spinnt sich der zarte schöszling hinauf, und umschlingt die nachbarliche welt mit tausend üppigen zweigen. Schiller 6, 307. III@2@cc)
mit zugrundelegung des bildes vom sich einspinnenden seidenwurm (
vgl. oben II, 2,
sowie einspinnen,
verb. 3,
theil 3, 302): des vaters eignen sinn und geist erkenn ich in meinem erstgebohrnen sohn! der liebte von jeher, sich verborgen in sich selbst zu spinnen und den rathschlusz zu bewahren im unzugangbar fest verschloszenen gemüth! Schiller
braut v. Mess. 2, 5.
als mystisches bild: sus vater, sun, heiliger geist in mich sich span. Frauenlob
leich 1, 15, 30.
gewöhnlicher statt dessen sich einspinnen: (
beziehungen), die in keiner verbindung mit den zarten fäden stehen, in denen dein herz sich einzuspinnen liebt. Gutzkow
ritter v. geiste 41. III@2@dd)
entsprechend oben III, 1,
e: dasz alle list und alles heimliche gewebe sich allein in meinem kopfe spinnt und webt! Göthe 9, 205; und Abba zu dem freunde: bin friedlich ja gesinnt, du siehst, dasz aller orten sich hader um mich spinnt Chamisso 3, 331;
ohne bestimmtere angabe des subjects: es spinnt sich etwas gegen die vögte. — auf dem Rütli ward getagt, ich weisz, und du bist auch im bunde. Schiller
Tell 3, 1. III@2@ee) das eine spinnt sich aus dem andern,
exoritur (
vgl. den gebrauch oben unter III, 1,
h. i): ein fürstenthumb ist ein hauffen lender und graffschaften, ein königreich ein hauff fürstenthumb, ein keyserthumb ein hauff königreich, diese alle spynnen sich aus eintzlichen heusern. Luther 16, 500, 27
Weim. ausg.; aus diesem sind sie weiter gefahren und gehalten, das auch die teufel endlich erlöset und nicht ewiglich verdampt bleiben werden, und viel deszgleichen, desz sich eins aus dem andern spinnet.
briefe 2, 453; nu ists gar unlustig ding, ein buch lesen, das keine ordnunge helt, da man nicht kan eins zum andern bringen und an einander hengen, das sichs fein nach einander spinne, wie sichs denn gebürt, wo man recht und wol reden wil. 3, 224
b. III@2@ff)
mit einer bestimmung des sich ausdehnenden, hinziehenden: denn seit ich diese stelle sorgenlos verliesz ... ist viel geschehen, was die menschen weit und breit so gern erzählen, aber der nicht gerne hört, von dem die sage wachsend sich zum mährchen spann. Göthe 41, 180; die verhandlungen spannen sich weiter; das gespräch spinnt sich in die länge;
daneben auch sich fortspinnen: in einem hartnäckigen gefechte, das sich den gröszten theil des tages hindurch fortspann. Häusser
deutsche gesch. 4, 284. IVIV.
in fester übertragung. IV@11)
von zähen stoffen, welche fäden ziehen: andere suchen einen kleinen gewinn, indem sie obst, gesponnenen honig, kuchen und zuckerwaare einkaufen. Göthe 28, 260; die seife spinnt,
wenn sie zusammenhängende fäden zieht. Karmarsch-Heeren
3 8, 165;
refl.: der zucker spinnt si' scho'. Hügel 152
b. IV@22)
von der katze, mit rücksicht auf ihr freundliches, dem schnurren eines spinnrades ähnelndes geräusch: eine katze, die sich auf dem niedrigen strohdache gesonnt hatte, sprang bei ihrer ankunft auf den boden und strich spinnend um die halb geöffnete hausthür. Storm 1, 102; wenn ich winters am spinnrad sasz, dann sasz er (
der kater) bei mir und spann auch und sah mich an mit seinen grünen augen. 7, 164; wie wenn die jungen so'n glattes kätzelchen streichen. sanft oder rauh, wohl oder weh, es kann sichs nicht erwehren, zu spinnen. Ludwig 3, 15; meine alte blinde katze die spinnt auf meinem schosz. Uhland
ged. 405.
scherzhaft mit weiterer objectsbestimmung: 's spint e lange fade. Seiler
Basler mundart 273
a. IV@33)
von einem, der ganz allgemein eine arbeit zu leisten hat, ein gebrauch, der schon durch die wendungen unter II, 1,
h angebahnt wird; von einem faulen gaule: er will nicht spinnen. Schm.
2 2, 675;
doch mag auch ein anderer umstand für die redensart anlasz gebend gewesen sein; so vgl.: der esel, so das bronnrad tritt, würd von dem wasser faister nit, welches er mus herausser spinnen. Fischart 2, 8, 211
Kurz, wo die übertragung durch die dem arbeiten am spinnrade ähnelnde thätigkeit veranlaszt wurde. IV@44)
scherzhaft auch von einem wacker, tüchtig essenden, wie von einem, der eine (
grosze)
arbeit leistet: er spinnt gut,
iszt tüchtig. Frischbier 2, 352
a; der kerl kann gut spinnen. Pfister
ergänzungsheft 37 (
für Basel belegt); Seiler 273
a (
als unterrheinisch verzeichnet); Kehrein 1, 383.
dann auch als studentischer ausdruck: fuchs, du muszt gleich spinnen,
als strafandrohung. gehörig spinnen müssen; einen halben, einen ganzen spinnen. IV@55)
zweifelhaft ist, ob spinnen,
geld hergeben sich aus dem vorhergehenden einfach ableiten läszt; es mag auch das bild der aus sich heraus (
fäden)
spinnenden spinne zu grunde gelegen haben und zu der scherzhaften übertragung anlasz gebend gewesen sein; zu erwägen bleibt auch, ob nicht eine scherzhafte umdeutung von spenden,
verb. (
sp. 2148)
vorliegt; spinnen,
geld hergeben. Avé-Lallemant 4, 610; der vater will nicht spinnen,
will dem sohne kein geld geben. Schm.
2 2, 675; da wiar i' wieder spinna müasz'
n. Hügel 152
b; er bat dich auch zu aller malen, dasz du jhm solt das gelt herspinen. da fingstu an zu schelten drinnen. Fischart 1, 42, 1533
Kurz. hierher vielleicht auch: (
es wird) vollauff botter in Holand rinnen, Flämmig viel käsz spinnen, ja es werden viel häring ausz Seeland kommen.
groszm. (
kloster 8, 649). IV@66)
obscön: belangt sie zu spinnen an einer stangen, da zwen enspen an hangen.
fastn. sp. 749, 16
Keller; mit hinzugefügtem object: die Adelheit ist furwar ein schone diern, die spint ausz der maszen guten zwirn. kein knecht hat nie uber sie clagt. 516, 4.