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Reiper

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Reiper

Bd. 5, Sp. 849
Wossidia Reiper -ee- m. Reifer, Seiler; Reeper ist das seit alters in Mecklenburg heimische Wort neben selteneren Reepsleger und -winner; erst in jüngerer Zeit tritt vom hd. Sprachraum her mit dem Gewerbe die Bezeichnung Seiler hinzu; die Seiler kamen aus dem Binnenlande in die norddeutschen Küstenstädte; der moderne fachsprachliche Gebrauch kann so zwischen Reiper und Seiler scheiden: de Seilers maakten finen Kram, Sägeltwiern usw., de Reepers de Taue för de Wanten, Liens, Parduuns (1900) Ro; 1855 wiren 14 Reepers in Rostock un 2 Seilers (1920) Ro; s. auch Reipsläger. 1. Sachliches; der in den Seestädten ansässige Reeper dreht die schweren Schiffstaue (lang' Arbeit), seine Bahn ist länger als die des Seilers, der die leichteren Arbeiten bes. auch für den Bedarf in der Landwirtschaft macht, wie (Togg)sträng', die zur kort Arbeit zählen, weil sie eine Bahn nicht benötigen und im Haus gefertigt werden können, und Austbinners; ihre Arbeitsweise und Wortschatz weisen nur wenige aber bis heute charakteristische Unterschiede auf und werden hier zusammen dargestellt: der erste und sehr wichtige Arbeitsgang ist das Häkeln; wer nich häkeln künn, wir nich tau bruken Wi Wismar@NeuklosterNKlost; der Rohhanf (Hemp) wurde in Ballen meistens aus Rußland bezogen und auf Häkelbœhn oder -kamer gehechelt; im Gegensatz zur schrägen Stellung beim Seiler sind die Hecheln beim Reiper gerade auf dem Untergestell (Häkelbuck) befestigt; s. Abb. 1; die verschiedenen Hecheln heißen Groff- oder Aftogg-, Inklorhäkel, auch Sösserhäkel; Middel- auch Achterhäkel; Fin- auch Twölwerhäkel und die ganz feine Karnhäkel des Seilers; man unterscheidet hauptsächlich 2 Arten des Hechelns, das Abziehen (aftrecken) und das Einklären (inkloren); letzteres bevorzugt der Reiper, weil er für das schwere Schiffstauwerk (lang' Wor, auch groff Wor) den Hanf ohne Rückstände verarbeitet, während für feinere, hauptsächlich kürzere Ware (kort Wor), wie sie besonders der Seiler anfertigt, der zu verspinnende Hanf reiner sein muß, was durch das Aftrecken bewirkt wird; der Häkler nimmt sich dazu eine Handvull Rohhanf, schlingt das Ende mit den Spitzen bis zur Mitte mehrmals um Hand und rechten Unterarm (drellen) und beginnt zunächst mit dem Afhäkeln des Stammendes (Wörtelenn'), indem er zuerst das äußerste Ende in lockerem Schwung auf die Groffhäkel fallen läßt und so oft durchzieht (dörchhalen), bis es sauber (klor) ist; die Schäbe (Schäw) fliegt dabei hinter dem Häkler heraus oder wird von der Hechel herausgerissen, das Werg (Heid') verbleibt als Aftogg in ihr; es wird beiseite gelegt, wenn sie voll ist; ist das Ende sauber, zieht der Hechler, immer in gleicher Weise verfahrend, nach und nach den Hanf bis zur Mitte durch die Hechel, wobei er immer näher herantritt; wenn alles sauber is un föllt, wird die Handvull umgedreht und das Spitzenn' ebenso behandelt; je nach der herzustellenden Ware kann die Behandlung auf den feineren Hecheln fortgesetzt werden; der sauber gehechelte Hanf wird pfundweise abgewogen (tau Punnen afwägen), der Schweif wird dann, einmal zusammengenommen, lose geflochten und am Ende mit den Spitzen zusammengewickelt ('n Kopp anwickeln) und so weggelegt fürs spätere Spinnen; für gröbere Garne genügt bei vorgehechelt geliefertem Hanf das Klarziehen der Faserenden (Hemp anspitzen, de Spitz ankloren), deren Mitte dann weiter unbearbeitet bleibt; von ihm heißt es: hei fiert (zu fiern2, hier in der Bedeutung glatt nachlaufen) bi 't Spinnen bäter RoRostock@KröpelinKröp. Während beim Aftrecken und Anspitzen der fertig gehechelte Hemp in der Hand des Häklers ist, verbleibt er beim Einklären (Inkloren) in der Hechel: eine Handvull wird so oft durchgeholt, bis alle Fasern, die man nach und nach losläßt, geordnet zwischen den Zähnen der Hechel zu liegen kommen; auch der beim Aftrecken in der Hechel gebliebene Aftogg, das Abfallprodukt beim Langhemp, wird eingeklärt (de Heid' inkloren); diese Fasern sind singlecolAbb. 1 Häkelbuck mit Groff- und Middelhäkel dann von unterschiedlicher Länge; durch das Verfahren des sog. Bärtelns kann man die längeren von ihnen herausziehen und dem gehechelten Langhemp beifügen; aber auch die übriggebliebenen kürzeren Fasern sind verspinnbar. Der zweite Arbeitsgang ist das Spinnen, von Reiper und Seiler verschieden geübt: de Seilers spinnen ut de Schört, de Reepers spinnen ut 'n Gurt (s. Gört) SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev, und de Seiler hett den Spinnlappen in de linke Hand un tockt den Hemp mit de rechte Hand ut de Schört, de Reipsläger hett den Spinnlappen in de rechte Hand, dei hett mit 'n Schapfell spunnen HaHagenow@BoizenburgBoiz; der Spinnlappen des Reipers ist trocken, der Seiler spinnt dagegen mit einem nassen Wollappen, um den Faden (Faden; in der a. Spr. der Reiper Goorn) glatt zu bekommen; der abgewogene Hanfzopf wird so in die Schürze (de blag' Spinnschört über der Seilerblus' getragen) gelegt oder hinter den Gürtel geklemmt (de Spitzen warden inklemmt), daß der Spinner die Mitte des Faserbündels vor dem Bauch hat (sick 'n Pund, Gewicht vörnähmen, -stäken RoRostock@KröpelinKröp); aus dieser zupft er zunächst einige der besten Fasern heraus und macht sich ein Aufhängsel (Mäsch WiWismar@NeuklosterNKlost; Uphängsel), das er in einen Haken (Spinnhaken) an der Spinnmaschine (Rad, Spinnrad, -maschin; s. Abb. 3) hängt; dann zieht er ordnend mehr Fäden hervor (den iersten Togg farigmaken) und beginnt, beständig rückwärts gehend, immer weiter Fasern zufließen lassend, den Faden auszuspinnen (ne Bahn runnerspinnen RoRostock@KröpelinKröp); mit dem Spinnlappen in der Rechten gibt der Reiper dem Faden die richtige Form und scheidet mit ihm den mit der Linken bereiteten Zug (Togg) von der Drehung (Runn') des Fadens; die erhält er von der Spinnmaschine, und diese wiederum treibt der Spinner meistens selbst im Rückwärtsschreiten durch Seilzug an: vorn in einen zweiten Gurt (Treckgurt, auch einfach Lifreim) hat er sich dazu die endlose Leine (Släp-, Treck-, Maschinenlin) eingehängt, die von der Spinnmaschine über die ganze Bahn, hinten über ein Rad am Buck (s. Abb. 2) und wieder zurück zur Maschine läuft; früher wurde das Spinnrad von einer zweiten Person (Dreihjung') gedreht; das Kommando zum Drehen lautete: rund! WiWismar@NeuklosterNKlost; während der Seiler seine kürzeren singlecolAbb. 2 Buck mit Rull (Kröpelin Privatbesitz) singlecolAbb. 3 Hölzernes Spinnrad (Blindenanstalt Neukloster) 1 Kopp. 2 Drift, Spinnel. 3 Spinnhaken der Haken der Spindel, aber auch diese selbst (2). 4 Said'. 5 (Swung)rad. 6 Trecklin. 7 Faut. Fäden auf der um 50 m oder auch längeren Seilerbahn spinnt oder in der Spinnstuw spinnen kann, muß der Reiper auf seine bis über 300 m lange Bahn (Reiperbahn) hinaus (dat geiht nah buten RoRostock@KröpelinKröp), die oft nur auf ihrem vorderen Teil überdacht ist; eine über 300 m lange Bahn ist in Barth noch heute in Betrieb, wie auch die 90 m lange in RoRostock@KröpelinKröp; die letzte der langen Rostocker Bahnen an der Paulstraße wurde 1930 abgebrochen; Stärke und Länge der Fäden richten sich nach dem Endprodukt; der Faden muß immer länger als dieses ausgesponnen werden; 180 Fadens Länge, etwa 311,40 m, wiesen die Wanten (s. d.) auf (1920) Ro; oder er wird, wie beim Seilfaden, aneinander gesponnen (de Enn's tausamenlopen, anlopen laten WiWismar@NeuklosterNKlost) und aufgehaspelt; die ganze Bahn entlang sind in regelmäßigen Abständen Pfähle mit Querhölzern, auf denen einige kleine Pflöcke oder Eisenzinken sitzen (in der Sprache der Seiler Stütten, in der der Reiper Micken 1967 Ro Rostock@KröpelinKröp; s. Abb. 11), aufgestellt, über die der Spinner den länger und schwerer werdenden Faden legt, damit er nicht auf dem Boden schleift; bei überdachten Bahnen dienen dazu statt der Stützen auch unter der Decke angebrachte Haken (Krückenslagg SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev); es können einer oder mehrere Spinner gleichzeitig die Bahn hinunterspinnen; der fertig gesponnene Faden wird festgeklemmt (afsetten; vgl. Abb. 4); der Seiler spinnt seine kurzen Fäden zwischen 2 Spinnstöcken (Spinnstock); für ganz kurze Ware, die 2 m singlecolAbb. 4 Klemm für Zugstrangfäden mit Vorrichtung zum Snüren: (Kröpelin Privatbesitz) 2 Löper. 3 Ducht. 4 Höwt. 5 Faden. langen Zugstränge der Pierd'sälen, muß er die Strangfaden 3,10 m lang spinnen (3,10 m Utsatz) und am Ende schlank ausgehen lassen; aus einem bestimmten Gewicht soll immer eine bestimmte Länge erzielt werden, so gilt für den Seilfaden des Reifers: 220 m ut 'n Kilo is Vörschrift (1967) RoRostock@KröpelinKröp; kommt der Spinner nicht aus, heißt es: hei spinnt in WiWismar@NeuklosterNKlost, braucht er zuwenig: hei spinnt ut ebda; ungleich gesponnenes Garn ist bohrig (RoRostock@KröpelinKröp), bei zu starker Drehung wird es krillig (RoRostock@DoberanDob), die zu dicken Stellen nennt man Kükenkopp (Kröp); reißt der Faden beim Spinnen, ergibt es eine Knipstell (ebda); der Abfall, den der Seiler in der Schürze behält, heißt Neige (ne Neeg' œwerbehollen SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; WiWismar@NeuklosterNKlost); früher wurde beim Spinnen gesungen. Beim dritten Gang werden die Fäden vervielfacht; das kann auf zweierlei Art geschehn, je nachdem man wenige oder viele Fäden nimmt und mit oder ohne Lehre arbeitet. Der Reiper bevorzugt es, für das lange singlecolAbb. 5 Haspel (Kröpelin Privatbesitz) Tauwerk eine größere Anzahl Fäden, manchmal 30 bis 40 und auch mehr, zu einer Litze (Ducht RoRostock@KröpelinKröp, Kadeel SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev, s. Kardeil, Bd. 4, 110) zu runden: der lang zusammengesponnene Seilfaden wird von der Haspel (auch Rull RoRostock@KröpelinKröp; Winn'; s. Abb. 5) abgewickelt und zwischen Spinnmaschine oder Seilschlagmaschine (Geschirr RoRostock@KröpelinKröp; s. Abb. 9) und Schlitten (Släden; s. Abb. 7) in der vorgesehenen Anzahl ausgespannt (anscheren RoRostock@KröpelinKröp, welches Wort auch für den folgenden Vorgang des Zusammendrehens gilt ebda; SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev); an beiden Enden wird eine Masche gemacht (de Masch inhebben; dörchmaschen RoRostock@KröpelinKröp), und in einen Schlaghaken (a. Spr. Warwel) von Rad oder Geschirr und am anderen Ende in einen unbeweglichen Haken am Släden gehängt oder bei sehr großer Zahl und singlecolAbb. 6 Hängerstrang mit Nahhänger (N) (Blindenanstalt Neukloster) Stärke in dessen Nahslagghaken; bei stärkeren Litzen sind fürs Zusammendrehen dann 2 Mann nötig: einer dreht die Kurbel (Wrang') der Maschine, der andere drückt zunächst den Schlitten zurück (den Släden utschuben RoRostock@KröpelinKröp) oder dreht den Nahslagghaken (RoRostock@KröpelinKröp dafür früher auch Warwel), um die Fäden stramm zu halten, die zu Anfang länger werden, weil sie jetzt eine der Spinndrehung entgegengesetzte Rundung erhalten, und er achtet dann darauf, daß die Litze die richtige Runde erhält (sei is rund), während der Schlitten nunmehr bei ihrer eintretenden Verkürzung über seine Ausgangsstellung hinaus näher an das Geschirr heranrutscht; der Nahslagghaken ist jetzt festgestellt; man kann an der Spinnmaschin gleichzeitig 2, 3 oder 4 Litzen anscheren, wenn für sie weniger Fäden vorgesehen sind; bei kurzer, oft minderer Arbeit spannt der Seiler sie auch neuerdings zwischen 3 oder 4 Haken der Maschine und einem festen Haken am Släden in bestimmter Ordnung so aus, daß über jedem Haken die gleiche Anzahl zu liegen kommt (anscheren, -i- WiWismar@NeuklosterNKlost); dann werden die einzelnen 3 oder 4 Litzen gedreht (afbräuden Wi Wismar@NeuklosterNKlost) und nach Art des Snürens (s. u.) sogleich zum Strang oder Anbindestrick geschlagen; für lange Arbeit kennt der Reifer noch ein anderes Verfahren, viele Fäden zu Tauwerkschenkeln zusammenzudrehen, das sog. Austreiben (utdriben); hierbei arbeitet man entweder mit dem mit konzentrischen Lochkreisen versehenen Löcherbrett (Scherbrett, s. die Abb. ebda) und einer Buchse (Buß RoRostock@KröpelinKröp; SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev), durch die man die von einer Anzahl Rollen abgespulten und über die ganze Bahn ausgezogenen Fäden zieht und für eine Ducht an jeweils einer Masch an einem Haken der Spinnmaschine aufhängt; der Reifer führt Scherbrett mit Buß die Bahn hinunter; hinter der Buß dreht sich die Ducht zusammen, die in ihr fest zusammengepreßten Fäden behalten ihre Ordnung im Verbande (1967 RoRostock@KröpelinKröp); oder man verwendet bei sehr großer Fadenzahl für ganz schweres Tauwerk eine Utdriwermaschin, die auf Schienen die Bahn hinunterläuft, während sie die Fäden von den Haspeln im Scherrahmen durch eine feststehende Registerplatte und Buchse zieht und dabei gleichzeitig zu einem oder mehreren Kardeils zusammendreht (Barth). Die zweite Hauptart des Vervielfachens ist das Zusammendrehen von nur 2, 3 oder 4 Fäden zu einer Schnur (Snur RoRostock@KröpelinKröp; Litz ebda; WiWismar@NeuklosterNKlost; soll sie weiter verseilt werden: Ducht in der Spr. der Reiper RoRostock@KröpelinKröp) mit Hilfe von Pflock oder Lehre; dieser Vorgang heißt snüren (auch insnüren WiWismar@NeuklosterNKlost; sneeren HaHagenow@BoizenburgBoiz); die Fäden werden dabei an einem Ende einzeln in die Haken singlecolAbb. 7 Großer Släden, 2m lang, mit Nähslagghaken und kleiner Släden, 40cm lang (Kröpelin Privatbesitz) singlecolAbb. 8 Großes Höwt, 40vcm lang, und kleines Höwt, 7cm lang (Kröpelin Privatbesitz) der Spinnmaschine gehängt, am anderen zusammengemascht in den am Släden angebundenen sog. Nachhänger (Nahhänger, beschrieben Bd. 5, 39; in der Spr. der Reiper Löper RoRostock@KröpelinKröp); bei dünnerer Ware, die nur los' snüürt ward, ist der Släden durch ein festes Gestell (Hängerstang'; s. Abb. 6) ersetzt; während nun die Schnur zusammengedreht wird, erhalten, im Gegensatz zu den eben beschriebenen Verfahren, die einzelnen Fäden von der Spinnmaschine gleichzeitig eine zusätzliche Drehung (vulle Runn' WiWismar@NeuklosterNKlost), welche ihr durch das Snüren bewirktes teilweises Aufdrehen sofort ausgleicht; überflüssige Drehung (Dralen) der Schnur läuft durch den Löper ab; wie beim Utdriben liegen in der gedrehten Snur die Fäden in gleicher Ordnung; diese wahrt der Seiler durch die Lehre (Lihr in der Spr. der Seiler, s. Abb. Bd. 4, 926; Höwt in der der Reiper RoRostock@KröpelinKröp, s. Abb. 8; auch Drif, s. d.), die er vom Ende der Bahn bis zur Maschine in raschem Schritt heranführt; die Fäden laufen dabei in den Rillen und drehen sich hinter dem spitzen Ende der Lehre zusammen; die Lehrenführung bestimmt auch die Härte der Schnur; nach dem Snüren folgt das sog. Folgern oder Auftreiben (updriben, -runnen): die Schnur erhält noch eine abschließende, der Fadendrehung entgegengesetzte Nachdrehung, wobei sie etwas stärker, aber 3 bis 4% kürzer wird; der Reiper treibt gleichzeitig mehrere Schnüre oder Duchten auf und sorgt zugleich für deren einheitliche Länge (afgliken RoRostock@KröpelinKröp; WiWismar@NeuklosterNKlost; vergliken), um nachher kein bohriges Seil zu bekommen; die Schnüre dürfen sich jetzt nicht wieder aufdrehen, deshalb werden sie noch gereckt (anrecken): man zieht sie dazu vorher durch Wasser (so der Reiper) oder weicht sie längere Zeit ein (so der Seiler) und spannt sie dann stramm zwischen Reckpfahl (Anreckpost, Reckpahl, s. Abb. 11) und Reckbrett (s. Abb. 10) aus; wenn sie trocknen, hängen sie durch und müssen erneut so oft angereckt werden (nahrecken) bis die Drehung fest bleibt (de Runn' is afstorben RoRostock@KröpelinKröp) und die Dehnung herabgemindert ist (de Reck möt rut sin ebda); entsprechend wird auch mit der gezwirnten (anscheren, afbräuden, utdriben) Ware verfahren. Erst der vierte Arbeitsgang ist das eigentliche Reipslagen, auch Tausamenslagen (RoRostock@KröpelinKröp) genannt, oder Seilen: ein weiteres Vervielfachen der Duchten und Litzen nach Art des Snürens, um Sträng', Seils, Linen, Reip oder Trossen, Taue, Wanten und Kardeils zu drehen; die Geräte dazu sind kräftiger und größer: das Geschirr (s. Abb. 9) vertritt das Rad, die große Lehre wird mit einer durchgesteckten Stange (Lihrenknüppel) regiert, bei ganz dicken Tauen ist sie auf einem Wagen angebracht (vgl. Toppsläden); am Släden wird der Nahslagghaken benutzt; stärkere Seile, bes. die vierschäftigen, brauchen einen Mittelschaft (Seel, Hartstück RoRostock@KröpelinKröp), um den herum die andern geschlagen werden; er läuft durch das Längsloch des Höwt und wird beim Schlagen nicht mitgedreht; das starke Schiffstauwerk wird entweder aus 2 oder häufiger 3, auch 4 gezwirnten dicken Kardeils (Duchten) zu Trossen (s. d.) geschlagen (Trossenslagg) oder aus gewöhnlich 3, seltener 4 Trossen abermals entgegengesetzt zu Kawels (s. d.) zusammengeschlagen (Kawelslagg allgem.). Endlich erfährt die Ware, bevor die Enden befestigt oder mit Hilfe des Öhrnagels (Ös'knaken RoRostock@KröpelinKröp) mit singlecolAbb. 9 Geschirr (Kröpelin Privatbesitz) einem Öhr versehen werden (ösen), noch eine Nachbehandlung, um sie gefälliger oder auch haltbarer zu machen; dabei ist sie straff ausgespannt; mit einem Reifende aus Sisal (Schüerreip) werden zuerst die noch anhaftenden Schäben abgerieben, dann wird sie gewässert und anschließend erneut ausgespannt und angereckt; die noch nasse Ware wird jetzt mit einem Strickende aus Roßhaar (Strikhader) hin und her glattgerieben, beim Antrocknen dann mit einem alten Strumpfschaft in einer Richtung nachpoliert (nahglätten mit ne Fusch RoRostock@KröpelinKröp) und schließlich, wenn sie trocken ist, mit 'n Strickenn' œwerhaalt (RoRostock@KröpelinKröp); für die Schiffahrt bestimmte Taue und Leinen werden noch durch Teer gezogen. 2. weitere Belege; auf im Lande herumziehende Reiper, die die Ernteseile anfertigten, deutet: in Dörgelin usw. hett 'n Reiper de Swing'maschin regiert, he häkelte ok (1933) MaMalchin@DörgelinDörg; vgl. Bom. 246; von 1258— 1288 ist für Ro nur ein Reeper nachzuweisen, später wurde es ein wichtiges Handwerk: im 15. Jh. hatte das Amt der 'repere' 10 Bewaffnete zu stellen; 1782 zählte es 10 Mitglieder Beitr. Rost. 2, 3, 96; es hatte einen Repräsentanten im Hundertmännerkollegium Regul. von 1770; 'von 1856—65 haben sich in Rostock vermehrt die Reifer um 5' Arch. Landesk. 1865, S. 227; s. auch ob.; in Wi erhielten die 'repere' 1387 ihre Amtsrolle, danach hatten sie ihre Ware vor ihrem Hause feilzuhalten, Hamburger und Rigisches Garn unvermengt zu verarbeiten, sie mußten auch 'gharne' und 'drade' der Kunden verarbeiten und durften ihre Taue nicht außerhalb der Stadt auf Jahrmärkten verkaufen UB. 21, 109 ff.; 'Hinrico repere II sol. pro fune' (Wi 1336) UB. 8, 597; restio 'ein Reper, Repschlger' Chytr. 248; 'ein außwertiger Reper' Steuerord. 1708; Reper Babst Naschr. 3; ręibə Jac. 1, 113; das Wortspiel mit drei (= 3) und dreih (=dreh!) im Kegelruf Jung', dreih, seggt de Reeper, wenn 3 Kegel gefallen sind Meckl. 8, 93; Schelte für die ungeschickte Spinnerin: dei hett woll bi 'n Reiper lihrt Wo. Sa.; vom Erhängten: dee hett Reeper sin Dochter frigen wullt, un dee hett em 't Strick gäben (1887) RoRostock@RibnitzRibn; häufiger ist Reipers Dochter personifiziert das Henkerseil oder das Seil, mit dem man sich erhängt: Hochtiet mit Reipers Dochter hollen H. Schröd. Buerh. 3, 95; dee hett 'n Reeper sin Dochter frig't (1887) RoRostock@RibnitzRibn; GüGüstrow@BützowBütz; s. auch Seiler; FN.: Reiperbahn, -graben, -holt, -kamp, -weg, -wischen. — Mnd. rêper. — Br. Wb. 3, 481; Dä. 376b; Da. 172b; Me. 4, 62.
18456 Zeichen · 133 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹rêⁱperm.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 rêⁱper , rê(i)pere , m. ( Gen. Sg. -s , Dat. -e rê[i]per ; Nom. Pl. -e ): 1. Handwerker der Seile oder Taue fertigt, S…

  2. modern
    Dialekt
    Reiper

    Mecklenburgisches Wb.

    Reiper -ee- m. Reifer, Seiler; Reeper ist das seit alters in Mecklenburg heimische Wort neben selteneren Reepsleger und …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit reiper

23 Bildungen · 21 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von reiper

reip + -er

reiper leitet sich vom Lemma reip ab mit Suffix -er.

Zerlegung von reiper 2 Komponenten

rei+per

reiper setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

reiper‑ als Erstglied (21 von 21)

rêⁱperambach

MNWB

° rêⁱperambach , -ammet , n. ( Gen. Sg. -es ): 1. Reepschlägerhandwerk, „ Reper ambach funificium Scenofactoria” (Voc. Strals. ed. Damme). —…

Reiperamt

MeckWB

reiper·amt

Reiperamt -ee- n. das Amt der Reifer: 'de in dat reperampt wil unde een reper to der Wismer wil wezen' (1387) UB. 21, 110.

Reiperbahn

MeckWB

reiper·bahn

Reiperbahn -ee- f. Reiferbahn: 'eine Reiferbahn nebst dazu gehöriger Reiferbude in Rostock' N. Strel. Anz. 1824, S. 143 b ; die Reiper Abb. …

rêⁱperbāne

MNWB

reiper·bane

rêⁱperbāne , ° rê(i)pel- (Renner ed. Klink 2, 167 u. 169), f. ( Dat. Sg. -n -bāne ): freie langgestreckte Fläche auf der Seile oder Taue gef…

Reiperbaud'

MeckWB

Reiperbaud' -ee- f. Bude, Schuppen für Geschirr und Gerätschaften auf der Reiperbahn: 'Reiferbuden in Rostock und Wismar 16 ßl.' Contrib.Ed.…

rêⁱperberch

MNWB

reiper·berch

rêⁱperberch , m. ( Dat. Sg. -ge ) : teilweise überdachte Fläche auf der Seile oder Taue gefertigt werden, „ Reperberch efte ene stede dar me…

rêⁱperkint

MNWB

reiper·kint

° rêⁱperkint , n. ( Nom. Pl. -der ) : Mitglied der Reepschlägerzunft (Lüb. ZR 383).

rêⁱperknecht

MNWB

reiper·knecht

° rêⁱperknecht , m. ( Dat. Sg. -e ) : Reepschlägergeselle , sô schal hê māken sîn mê(i)sterwerk ... dat schal hê dôn mit arbê(i)deslü̂den un…

rêⁱperlinnewant

MNWB

reiper·linnewant

rêⁱperlinnewant , ° rê(i)plēnewant (Lüb. Ub. 8, 258), rê(i)plöuwent, ° -löuwant (Hans. Ub. 8, 242), n. ( Gen. Sg. -des ): grobes Leinengeweb…

Reipermeister

MeckWB

reiper·meister

Reipermeister -ee- m. Reifermeister: de Reepermeisters von de Reeperbahn, de drög'ten dor ümmer ehr Trossen un Taljereepen Bri. 2, 238.

reipern1

MeckWB

reipern 1 -ee- 1. Tauwerk drehen, das Handwerk des Reifers betreiben: wi künnen ok reepern Ro Wustr ; von de Heid' hebben wi Taugot reepert …

reipern2

MeckWB

reipern 2 Adj. vom Reifer gemacht: ne reipern Schillingspietsch Ro Bart .

rêⁱperschü̂ne

MNWB

reiper·schuene

rêⁱperschü̂ne , f. : Schuppen in dem Seile oder Taue gelagert werden, in der r. twê nîe geslāgen touw (Hans. Ub. 9, 47).

Reiperstoff

MeckWB

reiper·stoff

Reiperstoff m. Tuch für die Ratzeburger Volkstracht: '4 Raschmacher ..., die aus reiner Wolle den sog. Reperstoff ... fertigten' Wiedemann D…

reiperten

RhWB

reip·erten

reiperten rīpərtən Malm-Weywertz schw.: etwas r., in die Tasche stecken.

Reipertfeger

RhWB

reipert·feger

Reipert-feger ripərtsfE:jər Schleid-Hellenth m.: Taschendieb. R., R., wat dehste en menger Täische ? Beginn eines Kinderliedes LRip (o. O.).

Reipertkleid

RhWB

reipert·kleid

Reipert-kleid ripərtsklēt Malm , WSchleid ; repərklēt Prüm-Reuth n.: 1. Taschentuch. — 2. repər- Kl. mit Taschen Prüm-Reuth .

Reipertmesser

RhWB

reipert·messer

Reipert-messer ręibərmęs Koch-Wollmerath , Daun-Winkel ; ręibərt- Zell-Briedel n.: Taschenklappmesser.

Reiperttuch

RhWB

reipert·tuch

Reipert-tuch rīpətsdō:k Neuss-Büttgen 1844; ripərts- u. ripəlts- uWupp 1870; ripəlts- Sol-Burschd Pattschd (veralt.) n.: Taschentuch.

reiper als Zweitglied (1 von 1)

sê(i)lerê(i)per

MNWB

seile·reiper

° sê(i)lerê(i)per, m. : Handwerker der Seile oder Taue fertigt, Seiler, Reepschläger (Meckl. Ub. 13, 151). rê(i)perambach, ~bāne, ~berch, ~b…

Ableitungen von reiper (1 von 1)