Wossidia
Spinnrad selten Spennrad HaHagenow@GresseGresse; StaStargard@CosaCosa; Usad; Hack. Papp. 72
n. Spinnrad 1.
eig.: rhombus 'ein Spinradt, Spolradt, Garnewinne' Chytr. 275 a. Syn. und Arten: die Bezeichnung Spinnrad herrscht allgem., daneben gelten (Spinn)wocken, -woppen, -rocken, Spinnkor, vereinzelt Drull-, Snurr-, Trittrad, Spinnradel, Spinnel, Drell-, Raaster-, Rammel-, Schirensliper-, Slip-, Sorgenkor, -karr(en), Snurrdüwel, -mariken, -vagel, Knarrwagen, (Spinn)hingst, Holt-, höltern Pierd, Zägenbuck; vorwiegend war im Lande das abgebildete dreibeinige Spinnrad (Korenrad), bei dem Spindel und Rad nebeneinander lagen, in Gebrauch, das oft vierbeinige Buckrad (Spindel und Rad übereinander,
s. Abb.
Bd. 2, 59) war daneben nur in Schö@ und Ma@ stärker vertreten; nach dem zu verarbeitenden Material werden Flaß(spinn)rad, Heid' (spinn)rad (Swingelheid'spinnrad) und Wullrad unterschieden; neben dem Wocken(spinn)rad gab es das Spinnrad ohne Wockenstock,
vgl. spinnen 1 a; zur Verwendung des Spinnrades beim Spaulen und zum Spaulrad
s. diese. b. Beschreibung des dreibeinigen Spinnrades: von den Beinen (Bein, Fäut) sind die beiden rechten merklich kürzer als das linke, so daß das dicke Mittelbrett (Bänk, vereinzelt Bost-, Gestell-, Haupt-, Quer-, Schreg'-, Spann-, Ünnerbrett, Bost-, Middelstück, Geriff, Körper, Rahmen, Unnerlag'), das alle Teile des Spinnrades zusammenhält, zum Schwungrad hin geneigt ist; zusammen mit den Beinen bildet es den Buck (auch Dreibein, -buck, -faut, dreibeinig Disch, Gestell, Faut-, Hauptgestell, Spinnbuck, -stauhl genannt) des Spinnrades; das linke Bein ist mit dem der Spinnerin zugekehrten rechten fest durch die Hackenliest (Hackentritt) verbunden; daran ist nahe dem linken Bein die Stangenliest, die an ihrem freien Ende die Kurbelstang' bewegt, spitzwinklig mit einer Lederschlaufe befestigt; Hacken- und Stangenliest verbindet noch ein kurzes, an der Hackenliest gleichfalls bewegliches Brett, durch das beim
spinnen der Fuß der Spinnerin die Drehbewegung des Rades erzeugt; es heißt Träd', häufig auch Tritt(brett), Träder, seltener Pedder, Fautbrett, -liest, -tritt, Träd'brett, vereinzelt Pedd'-, Sahlbrett, Fautträd', Trädels, teilweise gelten diese Namen wie Quer- und Träd'liesten auch für die gesamte Tretvorrichtung; auf der rechten Seite der Bänk sind schräg von oben zwei Stangen (Arms, Stipers, Gawel, vereinzelt Radarms, -dräger, -liesten, -stänner, -stipers, -stütten, Rand-, Schrat-, Vörderstipers, Rachen-, Schrathölter, Schir, Sträben, Stiert, Twäält) eingebohrt, die in ihrem oberen Teil die Achse des Schwungrades (Rad, auch Driw-, Swungrad, Rand) aufnehmen, das im Gegensatz zum Wagenrad nur acht Speiken und vier Felgen hat; der Felgenkranz heißt Rand, Felgen-, Snur-, Spinnrand, Rahmen, Radkranz, Snurfelgen, die in ihn eingearbeiteten ein oder zwei Rillen (Rad)rillen, Felgenläus'; die Achse des Schwungrades läuft in einer Kurbel (Wrang', Dreiher, vereinzelt Haken, Kurbel-, Träderhaken, Tappen, Krummtappen, Gelenk) aus, meist werden Achse und Kurbel gemeinsam mit Well (Kurbel-, Trittwell, Aß) benannt; die Aufundabbewegung der Träd' doublecolSpinnrad (Abb. 1) (Staatliches Museum Schwerin) 1 Bänk. 2 Hackenliest. 3 Stangenliest. 4 Träd'. 5 Kurbelstang'. 6 (Rad)arms. 7 Rad. 8 Kugel. 9 (Stell)schruw. 10 Gerüst. 11 Snur. wird durch eine (Kurbel)stang' (Träder, Träd', vereinzelt Pedder, Knecht, Dreiher, Kell, Scheid', Swingel, Trecker, Dreih-, Driw-, Gängel-, Lenk-, Rad-, Träden-, Träd'-, Trittstang', Jag'-, Träden-, Träd'stock, Kurbelliest) in die Drehbewegung des Schwungrades umgesetzt; mit der Stangenliest verbindet die Kurbelstang' ein durch ein eingebohrtes Loch gezogener Bindfaden, am oberen Ende greift sie mit einem schlitzförmigen Ausschnitt über die Kurbel, die in einem das Herausrutschen verhindernden Knop endigt; am linken Ende der Bänk ist zunächst in einen größeren Einschnitt ein viereckiger Zapfen eingelassen, der die Fortsetzung einer größeren Halbkugel (Kugel, Knuust, Kopp, Buck, auch Klotz, Kluw, Mudder, Puckel, Schruben-, Spirbuck, Kluwen-, Schruben-,
Spaul-, Stellkopp, Stellmudder) bildet; in diesen greift von der Seitenkante der Bänk her die hölzerne (Stell)schruw (vereinzelt Dreiher, Stiert, Stüz, Zwing', Holt-, Kopp-, Spinnrad-, Spinn-, Stiert-, Wockenschruw, Holtspindel, Radstiert, Stellwark); die Kugel trägt das aus drei Hölzern bestehende Gerüst (Spaulgehüs', -rahm, Achter-, Koppgestell, Vörtüg) für die Spindel; das hierzu gehörende, mit seinem längeren Ende zur Spinnerin zeigende Querholz heißt Querholt, -balken, Buck, Arm, selten Riegel, Schamel, Dwas-, Schamel-, Stäw-, Stell-, Stiperholt, Blockstück, Poppenarm, die darin beweglich eingelassenen Spindelstützen allgem. Stipers (Vör- und Achterstiper), auch Spaulstipers, vereinzelt Arm, Poppen, Posten, Stangen, Stäw, Stickens, Stipels, Stöck, Stütten, Spaularm, -knörkel, -stänner, -stöck, -stütten, Spinnelstipers; zwischen diesen läuft die Spindel (Spaul, Spinnel, Spill, vereinzelt Spaultüg, Radspaul) in Lederlagern, die in die Spindelstützen eingelassen oder seitwärts an ihnen befestigt sind; fest mit der eigentlichen Spindel, genannt Well, Stang', Sticken, auch Spaulaß, -bom, -höller, -stang', -steng', -sticken, -well, Spinnel-, Flüchten-, Isenwell, Sollstang', sind zwei hölzerne Flügel (Flüchtentüg, mehrfach Flüchten, Flünken, Flüchtel-, Flünkentüg, selten Flœgels, Flüchtengeschirr, -wark, Hakenbœgel, Klunkentüg) verbunden, deren Namen oft auch für die ganze Spindel gelten; auf den Flügeln sitzen kleine Drahthäkchen (Hakens, vereinzelt Draht-, Flüchten-, Goorn-, Spaul-, Spill-, Spinnel-, Spinnhakens, Hœkels, Ösen, Tachel, Goornhollers, Spaulnadeln); auf die Spindelachse wird die Spule (
s. Spaul 2a) geschoben und hierauf durch den Wirtel (Soll, Syn.
s. Soll
2) gehalten;
s. Abb.; die Kraftübertragung doublecolSpinnrad (Abb. 2) 1 Querholt. 2 Vörstiper. 3 Achterstiper. 4 Flüchtentüg. 5 Spaul. 6 Soll. 7 Düll. vom Schwungrad zur Spindel erfolgt durch eine doppelt laufende Schnur (Snur, Rad-, Spinn-, selten Krit-, Spinnrad-, Spitt-, Wockensnur, Band, Reim, Pes'), deren einer Gang über das Soll die Spindel und der andere die Spule dreht, wobei ein etwas verschiedener Durchmesser bewirkt, daß letztere stets ein wenig schneller läuft, damit der entstehende Faden fest aufgewickelt wird; dieser läuft durch die Aushöhlung (Düll, Ös', Og', Lock, Düll-, Faden-, vereinzelt Ös'-, Peiterzill-, Soll-, Spinn-, Well-lock, Rühr, Ühr, Uurt, Faden-, Flüchten-, Spinnelrühr, Spinnelühr) der Spindelwelle an deren dickerem Ende, bevor er über die Hakens auf die Spaul geleitet wird;
vgl. spinnen 1 a; bei Wocken- rädern (
s. 1 a) ist am linken Ende der
Bänk noch der Flachshalter (Wocken, Wockenarm, -stock, Arm, Popp, vereinzelt Wöcksel, Woppenholler, -kopp, -stang', Spinnwocken, Flaßhöller, -knüppel, -piler, -wocken, -wöckels, Dockhöller, Knockenstang') eingefügt, er trägt am oberen Ende das zu verspinnende Flachsbündel, das meist ebenfalls Wocken (Syn.
s. dieses) heißt und mitunter durch ein Wockenblatt (-bild, Kimmeldauk) zusammengehalten wird; beim Verspinnen von Heid' tritt an die Stelle des Flachshalters die (Heid')twäl, ein oben mehrfach gegabelter Stock (auch Heid'gawel, -stock, -stütt, Splenter, Spüülk);
vgl. Nd. Kbl. 65, 33 ff. Die gewöhnlichen Spinnräder wurden vom Drechsler aus Buchen- und Kiefernholz hergestellt, für bessere nahm er Pflaumenholz; das Flüchtentüg an der Spindel war auch aus Erlen-, Pappel-, Birken-, Weißbuchen-, Ahorn-, Buchsbaum- oder Spillbomholz; über Spinnräder als Meisterstück der Drechsler
s. Dreßler (
Bd. 2, 496). c. Brauchtum und Volksglaube: zur Aussteuer der Braut gehörte ein Spinnrad, das als letztes Stück auf den Kamerwagen geladen und von einer der beiden Brutfrugens oder der Brut selbst gehalten wurde Wo. Hocht. 11; in einigen Dörfern ging die Braut vor der Hochzeit mit einem Spinnrad herum und bat um Gaben Bartsch 2, 59,
vgl. Brutwocken (
Bd. 2, 48); eine Hexe reitet auf einem Spinnrad zum Blocksberg Wa Waren@Groß GievitzGGiev; Fru Waus' hett up 'n Spinnrad fäuhrt, Hunn' hett se vör hatt HaHagenow@PicherPich; als magisches Mittel: wenn ne Sœg' nich brusen will, möt 'n 'n Stück von 'n Spinnrad in 'n Stall henstäken StaStargard@TriepkendorfTriepk.
d. Rdaa.; Kinder werden gewarnt: dor sitt de Ollsch mit 't Spinnrad, dee haalt di rin nah 'n Busch Wo.
V. 3, 1043; Scherzaufträge: sast mit 't Spinnrad up 'n Hoff kamen, Heu spinnen Wa; kannst mit 't Spinnrad Arwten laden WiWismar@OertzenhofOertz; sast mit 't Spinnrad Kes'botter tau Balken staken SchwKrummbeck; Volksreim: Dei ierst kreg' 'n Botterfatt, Dei tweit 'n Spinnrad, Dei drüdd' 'n Haspel Wo. Sa.; FN. Spinnradmuur. 2. übertr. beim
Reiper und Seiler wie Spinnmaschin (
s. Reiper,
Bd. 5, 851 mit Abb.): früher wir dat Spinnrad höltern, dor ward mit spunnen un sneert HaHagenow@BoizenburgBoiz; Fahrrad Ro; StaStargard@Alt StrelitzAStrel; dor kümmt de Düwel up 'n Spinnrad ein Radfahrer Wa. — Kü. 3, 224; Me. 4, 758.