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Spinnrad

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Spinnrad

Bd. 6, Sp. 631
Wossidia Spinnrad selten Spennrad HaHagenow@GresseGresse; StaStargard@CosaCosa; Usad; Hack. Papp. 72 n. Spinnrad 1. eig.: rhombus 'ein Spinradt, Spolradt, Garnewinne' Chytr. 275 a. Syn. und Arten: die Bezeichnung Spinnrad herrscht allgem., daneben gelten (Spinn)wocken, -woppen, -rocken, Spinnkor, vereinzelt Drull-, Snurr-, Trittrad, Spinnradel, Spinnel, Drell-, Raaster-, Rammel-, Schirensliper-, Slip-, Sorgenkor, -karr(en), Snurrdüwel, -mariken, -vagel, Knarrwagen, (Spinn)hingst, Holt-, höltern Pierd, Zägenbuck; vorwiegend war im Lande das abgebildete dreibeinige Spinnrad (Korenrad), bei dem Spindel und Rad nebeneinander lagen, in Gebrauch, das oft vierbeinige Buckrad (Spindel und Rad übereinander, s. Abb. Bd. 2, 59) war daneben nur in Schö@ und Ma@ stärker vertreten; nach dem zu verarbeitenden Material werden Flaß(spinn)rad, Heid' (spinn)rad (Swingelheid'spinnrad) und Wullrad unterschieden; neben dem Wocken(spinn)rad gab es das Spinnrad ohne Wockenstock, vgl. spinnen 1 a; zur Verwendung des Spinnrades beim Spaulen und zum Spaulrad s. diese. b. Beschreibung des dreibeinigen Spinnrades: von den Beinen (Bein, Fäut) sind die beiden rechten merklich kürzer als das linke, so daß das dicke Mittelbrett (Bänk, vereinzelt Bost-, Gestell-, Haupt-, Quer-, Schreg'-, Spann-, Ünnerbrett, Bost-, Middelstück, Geriff, Körper, Rahmen, Unnerlag'), das alle Teile des Spinnrades zusammenhält, zum Schwungrad hin geneigt ist; zusammen mit den Beinen bildet es den Buck (auch Dreibein, -buck, -faut, dreibeinig Disch, Gestell, Faut-, Hauptgestell, Spinnbuck, -stauhl genannt) des Spinnrades; das linke Bein ist mit dem der Spinnerin zugekehrten rechten fest durch die Hackenliest (Hackentritt) verbunden; daran ist nahe dem linken Bein die Stangenliest, die an ihrem freien Ende die Kurbelstang' bewegt, spitzwinklig mit einer Lederschlaufe befestigt; Hacken- und Stangenliest verbindet noch ein kurzes, an der Hackenliest gleichfalls bewegliches Brett, durch das beim spinnen der Fuß der Spinnerin die Drehbewegung des Rades erzeugt; es heißt Träd', häufig auch Tritt(brett), Träder, seltener Pedder, Fautbrett, -liest, -tritt, Träd'brett, vereinzelt Pedd'-, Sahlbrett, Fautträd', Trädels, teilweise gelten diese Namen wie Quer- und Träd'liesten auch für die gesamte Tretvorrichtung; auf der rechten Seite der Bänk sind schräg von oben zwei Stangen (Arms, Stipers, Gawel, vereinzelt Radarms, -dräger, -liesten, -stänner, -stipers, -stütten, Rand-, Schrat-, Vörderstipers, Rachen-, Schrathölter, Schir, Sträben, Stiert, Twäält) eingebohrt, die in ihrem oberen Teil die Achse des Schwungrades (Rad, auch Driw-, Swungrad, Rand) aufnehmen, das im Gegensatz zum Wagenrad nur acht Speiken und vier Felgen hat; der Felgenkranz heißt Rand, Felgen-, Snur-, Spinnrand, Rahmen, Radkranz, Snurfelgen, die in ihn eingearbeiteten ein oder zwei Rillen (Rad)rillen, Felgenläus'; die Achse des Schwungrades läuft in einer Kurbel (Wrang', Dreiher, vereinzelt Haken, Kurbel-, Träderhaken, Tappen, Krummtappen, Gelenk) aus, meist werden Achse und Kurbel gemeinsam mit Well (Kurbel-, Trittwell, Aß) benannt; die Aufundabbewegung der Träd' doublecolSpinnrad (Abb. 1) (Staatliches Museum Schwerin) 1 Bänk. 2 Hackenliest. 3 Stangenliest. 4 Träd'. 5 Kurbelstang'. 6 (Rad)arms. 7 Rad. 8 Kugel. 9 (Stell)schruw. 10 Gerüst. 11 Snur. wird durch eine (Kurbel)stang' (Träder, Träd', vereinzelt Pedder, Knecht, Dreiher, Kell, Scheid', Swingel, Trecker, Dreih-, Driw-, Gängel-, Lenk-, Rad-, Träden-, Träd'-, Trittstang', Jag'-, Träden-, Träd'stock, Kurbelliest) in die Drehbewegung des Schwungrades umgesetzt; mit der Stangenliest verbindet die Kurbelstang' ein durch ein eingebohrtes Loch gezogener Bindfaden, am oberen Ende greift sie mit einem schlitzförmigen Ausschnitt über die Kurbel, die in einem das Herausrutschen verhindernden Knop endigt; am linken Ende der Bänk ist zunächst in einen größeren Einschnitt ein viereckiger Zapfen eingelassen, der die Fortsetzung einer größeren Halbkugel (Kugel, Knuust, Kopp, Buck, auch Klotz, Kluw, Mudder, Puckel, Schruben-, Spirbuck, Kluwen-, Schruben-, Spaul-, Stellkopp, Stellmudder) bildet; in diesen greift von der Seitenkante der Bänk her die hölzerne (Stell)schruw (vereinzelt Dreiher, Stiert, Stüz, Zwing', Holt-, Kopp-, Spinnrad-, Spinn-, Stiert-, Wockenschruw, Holtspindel, Radstiert, Stellwark); die Kugel trägt das aus drei Hölzern bestehende Gerüst (Spaulgehüs', -rahm, Achter-, Koppgestell, Vörtüg) für die Spindel; das hierzu gehörende, mit seinem längeren Ende zur Spinnerin zeigende Querholz heißt Querholt, -balken, Buck, Arm, selten Riegel, Schamel, Dwas-, Schamel-, Stäw-, Stell-, Stiperholt, Blockstück, Poppenarm, die darin beweglich eingelassenen Spindelstützen allgem. Stipers (Vör- und Achterstiper), auch Spaulstipers, vereinzelt Arm, Poppen, Posten, Stangen, Stäw, Stickens, Stipels, Stöck, Stütten, Spaularm, -knörkel, -stänner, -stöck, -stütten, Spinnelstipers; zwischen diesen läuft die Spindel (Spaul, Spinnel, Spill, vereinzelt Spaultüg, Radspaul) in Lederlagern, die in die Spindelstützen eingelassen oder seitwärts an ihnen befestigt sind; fest mit der eigentlichen Spindel, genannt Well, Stang', Sticken, auch Spaulaß, -bom, -höller, -stang', -steng', -sticken, -well, Spinnel-, Flüchten-, Isenwell, Sollstang', sind zwei hölzerne Flügel (Flüchtentüg, mehrfach Flüchten, Flünken, Flüchtel-, Flünkentüg, selten Flœgels, Flüchtengeschirr, -wark, Hakenbœgel, Klunkentüg) verbunden, deren Namen oft auch für die ganze Spindel gelten; auf den Flügeln sitzen kleine Drahthäkchen (Hakens, vereinzelt Draht-, Flüchten-, Goorn-, Spaul-, Spill-, Spinnel-, Spinnhakens, Hœkels, Ösen, Tachel, Goornhollers, Spaulnadeln); auf die Spindelachse wird die Spule (s. Spaul 2a) geschoben und hierauf durch den Wirtel (Soll, Syn. s. Soll2) gehalten; s. Abb.; die Kraftübertragung doublecolSpinnrad (Abb. 2) 1 Querholt. 2 Vörstiper. 3 Achterstiper. 4 Flüchtentüg. 5 Spaul. 6 Soll. 7 Düll. vom Schwungrad zur Spindel erfolgt durch eine doppelt laufende Schnur (Snur, Rad-, Spinn-, selten Krit-, Spinnrad-, Spitt-, Wockensnur, Band, Reim, Pes'), deren einer Gang über das Soll die Spindel und der andere die Spule dreht, wobei ein etwas verschiedener Durchmesser bewirkt, daß letztere stets ein wenig schneller läuft, damit der entstehende Faden fest aufgewickelt wird; dieser läuft durch die Aushöhlung (Düll, Ös', Og', Lock, Düll-, Faden-, vereinzelt Ös'-, Peiterzill-, Soll-, Spinn-, Well-lock, Rühr, Ühr, Uurt, Faden-, Flüchten-, Spinnelrühr, Spinnelühr) der Spindelwelle an deren dickerem Ende, bevor er über die Hakens auf die Spaul geleitet wird; vgl. spinnen 1 a; bei Wocken- rädern (s. 1 a) ist am linken Ende der Bänk noch der Flachshalter (Wocken, Wockenarm, -stock, Arm, Popp, vereinzelt Wöcksel, Woppenholler, -kopp, -stang', Spinnwocken, Flaßhöller, -knüppel, -piler, -wocken, -wöckels, Dockhöller, Knockenstang') eingefügt, er trägt am oberen Ende das zu verspinnende Flachsbündel, das meist ebenfalls Wocken (Syn. s. dieses) heißt und mitunter durch ein Wockenblatt (-bild, Kimmeldauk) zusammengehalten wird; beim Verspinnen von Heid' tritt an die Stelle des Flachshalters die (Heid')twäl, ein oben mehrfach gegabelter Stock (auch Heid'gawel, -stock, -stütt, Splenter, Spüülk); vgl. Nd. Kbl. 65, 33 ff. Die gewöhnlichen Spinnräder wurden vom Drechsler aus Buchen- und Kiefernholz hergestellt, für bessere nahm er Pflaumenholz; das Flüchtentüg an der Spindel war auch aus Erlen-, Pappel-, Birken-, Weißbuchen-, Ahorn-, Buchsbaum- oder Spillbomholz; über Spinnräder als Meisterstück der Drechsler s. Dreßler (Bd. 2, 496). c. Brauchtum und Volksglaube: zur Aussteuer der Braut gehörte ein Spinnrad, das als letztes Stück auf den Kamerwagen geladen und von einer der beiden Brutfrugens oder der Brut selbst gehalten wurde Wo. Hocht. 11; in einigen Dörfern ging die Braut vor der Hochzeit mit einem Spinnrad herum und bat um Gaben Bartsch 2, 59, vgl. Brutwocken (Bd. 2, 48); eine Hexe reitet auf einem Spinnrad zum Blocksberg Wa Waren@Groß GievitzGGiev; Fru Waus' hett up 'n Spinnrad fäuhrt, Hunn' hett se vör hatt HaHagenow@PicherPich; als magisches Mittel: wenn ne Sœg' nich brusen will, möt 'n 'n Stück von 'n Spinnrad in 'n Stall henstäken StaStargard@TriepkendorfTriepk. d. Rdaa.; Kinder werden gewarnt: dor sitt de Ollsch mit 't Spinnrad, dee haalt di rin nah 'n Busch Wo. V. 3, 1043; Scherzaufträge: sast mit 't Spinnrad up 'n Hoff kamen, Heu spinnen Wa; kannst mit 't Spinnrad Arwten laden WiWismar@OertzenhofOertz; sast mit 't Spinnrad Kes'botter tau Balken staken SchwKrummbeck; Volksreim: Dei ierst kreg' 'n Botterfatt, Dei tweit 'n Spinnrad, Dei drüdd' 'n Haspel Wo. Sa.; FN. Spinnradmuur. 2. übertr. beim Reiper und Seiler wie Spinnmaschin (s. Reiper, Bd. 5, 851 mit Abb.): früher wir dat Spinnrad höltern, dor ward mit spunnen un sneert HaHagenow@BoizenburgBoiz; Fahrrad Ro; StaStargard@Alt StrelitzAStrel; dor kümmt de Düwel up 'n Spinnrad ein Radfahrer Wa. — Kü. 3, 224; Me. 4, 758.
8825 Zeichen · 76 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Spinnrad

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Spinnrad , des -es, plur. die -räder, ein mit einem Rade versohenes Gestell, Flachs, Hanf oder Wolle vermittelst des…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Spinnrad

    Goethe-Wörterbuch

    Spinnrad [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Spinnrad

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Spinnrad , s. Spinnen , S. 744,748.

  4. modern
    Dialekt
    Spinnrad

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Spinnrad n. wie hochd. Lohr ; meist Demin. Spinnrädle, –rädel [ʿSpìenrétlə Hirzfn. Su. ; ʿSpìnrátli Heidolsh. ; ʿSpænrêt…

  5. Sprichwörter
    Spinnrad

    Wander (Sprichwörter)

    Spinnrad 1. De dat Spinnrad lett stân, mut mit'n Ars blôt gân. ( Holst. ) – Schütze, IV, 170. 2. Schöne Spinnräder mache…

  6. Spezial
    Spinnrad

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Spinn|rad n. (-[e]s, ...räder) roda da firé f. ▬ Tucheinlage an der Spule des Spinnrad es (um Reibung zu vermindern) fut…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit spinnrad

15 Bildungen · 13 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von spinnrad 2 Komponenten

spinn+rad

spinnrad setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

spinnrad‑ als Erstglied (13 von 13)

Spinnradbank

MeckWB

spinnrad·bank

Spinnradbank f. Brett, das die Teile des Spinnrades zusammenhält Pa; vgl. Spinnrad 1 b.

Spinnradbuck

MeckWB

spinnrad·buck

Spinnradbuck Spinnrads- m. das aus Spinnradbank und -beinen bestehende Fußgestell des Spinnrades: Spinnradbock Pa; Volksreim: Oll Fru nehm '…

Spinnradgäwer

MeckWB

Spinnradgäwer m. s. Haspelgäwer (Bd. 3, 499).

Spinnradmacher

DRW

spinnrad·macher

Spinnradmacher, m. (zunftgebundener) Handwerker, Feindrechsler, der insb. Spinnräder herstellt vgl. Spindelmacher scholen de spinrademakere …

Spinnradmaker

MeckWB

spinnrad·maker

Spinnradmaker m. a. Spr. Drechsler; hd.: 'das Ambt der Dreyer und Spinrademacher' (Ro 1608) Nd. Kbl. 24, 69. Holmb. 234. Mnd. spinrademaker.

Spinnradschruw

MeckWB

spinnrad·schruw

Spinnradschruw f. hölzerne Stellschraube in der Spinnradbank zum Spannen der Treibschnur Gü; vgl. Spinnrad 1 b.

Spinnradsnur

MeckWB

spinnrad·snur

Spinnradsnur f. Treibschnur des Spinnrades Ma Stav ; Wi Tempz ; Syn. bei Spinnrad 1 b; magisches Mittel, wenn eine Kuh beim Melken ausschläg…

spinnradthierchen

DWB

spinnrad·thierchen

spinnradthierchen , n. eine art der räderthiere ( s. oben räderthier theil 8, sp. 50), callidina Oken 5, 41 ; das zierliche spinnradthierche…

Spinnradträd'

MeckWB

Spinnradträd' f. Tretvorrichtung beim Spinnrad Ro Dänsch ; vgl. Spinnrad 1 b.

spinnrad als Zweitglied (2 von 2)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „spinnrad". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/spinnrad/meckwb
MLA
Cotta, Marcel. „spinnrad". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/spinnrad/meckwb. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „spinnrad". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/spinnrad/meckwb.
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