gurgel,
f. ,
kehle, luftröhre, speiseröhre. herkunft, ausbreitung, form. ahd. gurgula (
ahd. glossen 3, 689, 69, 9./10.
jh.), gurgela (3, 71, 4, 13.
jh.), gurgulla (
geschr. gurgutta
ahd. gl. 3, 362, 43, 13.
jh.),
mnl. gorgel,
mnd. gorgelstrote.
entlehnt aus lat. gurgulio,
aus dessen i
sich die gemination in gurgulla
erklärt. die genusdifferenz von gurgula
gegen gurgulio
beruht auf einflusz von querca, querchela,
dem einheimischen wort (
vgl. an. kverk
f., mnd. querke, quarke '
gurgel',
afr. querka '
erdrosseln'),
an dessen stelle gurgel
trat. mlat. gurgula,
belegt als lemma in deutschen hss. des 10.-12.
jh. (
ahd. gl. 3, 433,
anm. 2; 434, 26; 436, 11),
dürfte aus dem deutschen stammen, doch vgl. gargula '
guttur' du Cange 4, 33 (gargula, gurgula
im anschlusz an gula,
vgl. ahd. querca chela
ahd. glossen 3, 433, 5?)
sowie gargel '
einkehlung am fasz' (
s. d.). —
im 16.
jh. vereinzelte männliche belege: der gurgel Paracelsus
chirurg. (1618) 126
Huser; den gurgel Rachel 24
ndr. neben ahd. gurgula
aus gurgulio
steht die form gurgile
aus lat. gurgulium,
das sich in dem alem. gürgele,
n., fortsetzen wird: gurgulium gurgile
ahd. gloss. 3, 661 (
aus d. 13.
jh.); gürgele Frisius
dict. (1541) 383
a; 769
b; Fischer
schwäb. 3, 929; Martin-Lienhart 1, 231; Staub-Tobler 2, 418.
in der literatur des 13./14.
jh. ist gurgel
nur spärlich und vorwiegend alemannisch belegt: bi der gurgelen (
lesart gurgel) Hartmann v. Aue
Iwein 176; zuo der gurgelen
lesart für zuo dem gorgen (
des drachen) Gottfried v. Straszburg
v. 9213
Marold;
auch 2982; (
acc. pl.) gurgeln (
der kühe) König v. Odenwald 41; querkele (
s. o.),
nicht gurgel
steckt wohl in die qrquele (
nom. sg.) Herbort v. Fritzlar
v. 10568
Fromm.; hierzu noch flurnamen wie in der gurgelun (14.
jh.)
Alem. 8, 189;
weitere bei Fischer
schwäb. 3, 930. Konrad v. Megenberg
kennt das wort nicht. in den glossaren des 15./16.
jh. fehlt es noch oft. erst im 16./17.
jh. wird es allgemein beliebt. seit der klassischen literaturperiode herrscht das als feiner empfundene kehle
vor. mundartlich noch kräftiger erhalten; das schwäbische braucht sogar kehle
gar nicht, sondern nur gurgel.
die form gurgel
ist durchweg fest; gorgel
findet sich literarisch bei Ortolff v. Bairland
artzneipuch (1477); K. Stolle
thür. chron. 116; Luther 18, 199
W. (
neben gurgel); Dürer
proport. (1520) n 3
c; H. Sachs 2, 7
lit. ver.; 3, 515
u. ö.; dialektisch z. b. Lenz
Handschuhsheim. 29
b; Ruckert
unterfränk. 63; Haltrich
siebenbürg. 130; Fischer
samländ. 54.
auch umgelautete formen sind selten: die gürgel (
acc. sg.) Rist
Parnasz (1652) 778; Aler
dict. (1727) 1, 994
b; görgel Chyträus
nomencl. (1594) 109; güörgl Bauer-Collitz
waldeck. 42
a; görgl Danneil
altmärk. 68
a; gördel Fritz Reuter 2, 221
u. ö. Seelm. —
schwache flexionsendungen im singular zuletzt im 16.
jh. belegt, z. b. der gurgeln (
dat.) S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 105
b; die gurglen (
acc.) Wickram 6, 138
lit. ver.; Frisius
dict. (1556) 133
b u. ö.; mundartlich jedoch noch z. b. Seiler
Basler ma. 156.
bedeutung und gebrauch. 11)
hohlraum des halses, im sinne von '
luftröhre'
und '
speiseröhre'.
nicht immer in dieser scheidung, häufig als '
rachenhöhle': (
ist das zäpfchen geschwollen, so gibt man) ein löffel vol dyamargariton zu der gorgeln mit einem löffel vol warmes wassers und thu es wider zu dem munde Ortolff v. Bairland
artzneipuch (1477)
von dem plate; so lacht das alt weib ongehewr, das man ihr bisz an d gurgel sach Fischart
flöhhatz 14
ndr. andererseits in ausdrücklicher nebeneinanderstellung beider bedeutungen: wie die supp im magen gedewet wirdt, und hatt sein sondere gurgel: also wird der chaos in der lungen gedewet und hatt
auch sein eigen gurgel Paracelsus
opera (1616) 1, 644;
guttur gurgel, athemrohr,
gula gurgel, speiszrohr Frischlin
nom. (1586) 73
a. 1@aa)
luftröhre: gurgulio die gurgel, dardurch der athem gehet Dasypodius (1537) m 2
c;
fistula gurgel oder ror dardurch man athmet Frisius
dict. (1556) 566
b; die gurgel oder lufftröhr,
vulgo die unrechte kähl. das öberste theil an der luftröhren Zehner
nomencl. (1645) 267; wann dem valcken die gurgel und die kele ynwendig verswollen ist und zücht den atem swärliche Mynsinger
v. d. falken 24
lit. ver.; die süssen mandeln ... sein den personen gesund, welchen die gurgel voller schleims ist Sebiz
feldbau (1579) 345; (
man musz) den athem in der geschwindigkeit nur bis an die gurgel ziehen Quantz
anw. d. flöte zu spielen (1789) 75.
meistens als '
sitz der stimme',
gewöhnlich ohne klare örtliche und differenzierende vorstellung '
kehle'
schlechthin entsprechend: das man aber wenig reden soll, lert auch die natur, die der gurgeln ein zäpflin oder thürlin fürgsetzt Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 105
b; wann dem raben das gesang in der tieffen gurgel krachet Sebiz
feldbau (1579) 41; wer das lied zu hoch anfängt, der musz die gurgel enge machen, dasz er es kan hinausbringen P. Winckler 2000
gutte ged. (1685) f 8
b; weil unsere gurgel zu tausend liederchen gestimmt ist Hamann
schriften (1821) 2, 181.
besonders in wendungen, die eine kehlige sprech- oder singweise bezeichnen: ein Franzos aber beschuldigt die Deutschen, dasz sie aus dem halse oder aus der gurgel sprechen Gottsched
sprachk. (1748) 10; durch die gurgel sprechen G. Forster
sämtl. schriften (1843) 2, 328;
vgl. unter hals 11;
auf gleicher linie liegen: (
des castraten) stimme wäre nicht so übel, wenn er sie nicht in den hals und in die gurgel nehmte Mozart
bei O. Jahn (1856) 2, 433; auch brachte er alle töne hinten aus der gurgel oder, wenn man will aus dem rachen hervor Immermann 1, 152
Boxb.; bildlich, das geschmacklose solcher vortragsweise ins lächerliche ziehend: (
Niedersachsen) sang mit offenen nasenlöchern und voller gurgel patriotismus Lichtenberg
verm. schr. (1844) 2, 210; mit dicker gurgel wie vom dreifusz geheimnisvoll herunterlallen
ebda 7, 67.
speciell auf die gesangstechnik abzielend: (
eine sängerin) welche 1. eine schöne stimme 2. eine galante gurgel (
hat)
bei O. Jahn
Mozart (1856) 1, 629; die aria von der Courtanze ... habe ich ein wenig der geläufigen gurgel der mlle. Cavalieri aufgeopfert
ebda 3, 106;
vgl. noch: eine feste gurgel (
stimme) haben Fischer
schwäb. 3, 929; die geprüften gurgeln des theaterpersonals Mommsen
röm. gesch.4 3, 293.
abschätzig: die kehle der nachtigall wird durch das frühjahr aufgeregt, zugleich aber auch die gurgel des guckucks Göthe 28, 161
W;
für einen sprecher: es hätte einsmals eine gottlose gurgel gesagt, er wolte, dasz der teuffel in die kirchen und pfaffen schlüg
M. Hammer
hist. rosengarten (1654) 55. —
im 18.
jh. häufig für sie singstimme der vögel (
vgl. auch gurgeln B 2): von den gurgeln kleiner sänger sey jetzt jeder wald erfüllt Brockes
jahreszeiten (1745) 539; da wars, als hört ich einen schall wie die gurgel der nachtigall Kretschmann
sämtl. w. (1784) 1, 196. 1@bb)
speiseröhre. in dieser verwendung hält sich gurgel
am festesten; seit dem 15.
jh. belegt: die zaichen eines kalten magen: rützung, hesschen (
aufstoszen) und pitrikeit in der gurgel
kuchenmaystrey (1497
Augsb.) e 5
a;
vgl. frumen gurgel, intruck Diefenbach
gloss. 249
b;
gula stomachi dy gurgel
nov. gloss. 222
b;
sowie aus spätrer zeit: oesophagus, gula der schlund, die speiseröhre oder gurgel
onomatol. medic. 2 (1756) 1163;
enger gefaszt: der magenschlung ist ein häutichter gang ..., dessen oberster theil die gurgel ist v. Fleming
vollk. soldat (1726) 348;
so auch Henisch: der obertheil desz proviant rhor, da die speisz und trank durchgehet (1616) 1782.
auch bei tieren: (
wenn die kraniche) das land ergreiffen, so schyessen sye ... den sand usz der gurgel (
e gutture) Eppendorff
Plinius (1543) 150.
meistens in wendungen des sinnes '
schlemmen, prassen',
die gurgel
symbolisch als sitz der esz- und trinklust aufgefaszt: (
einer, der danach strebt) ab andern lten mit essen, trincken und vergebens komen sin gurglen ze smrwn und buch ze hitzigen Riederer
spiegel d. rhetoric (1493) q 4
b; (
der gefräszige Grobianer:) wolt jr vil brangen und hoffieren, dieweil will ich mein gurgel schmieren Scheit
Grobianus v. 840
ndr.; die g. schmieren
stravizzare, mangiar e bere allegramente Kramer 2 (1702) 609
b; die gurgel schmieren
s. auch u.; (
der ehemann) soll kein löwe sein, noch stets im hause brüllen, noch sich in vollem sausz die gurgel allzeit füllen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 345; fülpauch preist man in aller welt, wer die wil nider legen, der musz sein gurgel regen
bergreihen 78
ndr.; in symbolischer deutung: Sardanabalus ... ist die gurgel oder schlund ... hat sich nur auf schwelgen und schlampampen ... begeben Mathesius
Sarepta (1571) 83
a;
für den schlemmer selbst: Belsazer, der wird auch eine gurgel und trossel, denn er ist ein schlampamper, säuft sich voll
ebda 84
a.
in belegen des 17.
jh. auch wie sonst gaumen
als sitz des geschmackssinnes: (
sachen) mit welchen die apotheker unser gurgel anreitzen Schupp 737; (
dasz der schiffer) ein solcher gurgel, der einesz bürgermeisters sohn, mit so schlechten speisen begegnen dürffte (
um 1680) Joh. Schulte
briefe (1856) 2
Merk; der gurgel ess ich nicht; ich esse nur dem magen Logau
sinnged. 138
Eitner. in reichster fülle lebt gurgel
in den redensarten und bildern, die sich auf das trinken beziehen: Fürstenberger (
wein) zu Bachrach ... wie wird dein gurgel lachen Fischart
Garg. 84
ndr.; (
er musz) seiner alten gurgel zusprechen und musz den creditoren tag und nacht vollsauffen Schupp (1663) 26; er soll nur drauf los schaben und scharren, du wollest dir dafür die gurgel absauffen Schiller 2, 33
Gödeke (
räuber),
vgl. mundartlich Fischer 3, 929; Martin-Lienhart 1, 231;
ähnlich schon: sauf, das dir der trunk die gurgel abstos
Reinicke fuchs (1650) 282.
in der wortverbindung gurgel und magen
tritt gurgel
in einen functionellen gegensatz zu magen
analog essen und trinken: der magen und die gurgel sind böse gläubiger Kotzebue
werke (1827) 31, 69; folglich verschlangen gurgel und magen die einkünfte der mittelmäszigen pfarre Holtei
erzähl. schr. 16, 16. eine trockene gurgel haben
u. ähnl. im sinne von '
durstig sein': wenn alsdenn der fastnachtstag vorbey ist, so sind denen handwerckspurschen ihre gurgeln von denen gesaltzenen und gewürtzten würsten gantz dürre J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 336; der südwind aber hat im hergehen mir die gurgel ... ausgetrocknet
med. maulaffe (1719) 71; ich bin alleweil nüchtern, meine gurgel ist trocken Meisl
theatral. quodlibet 1, 115; e truckeni gurgel ha '
gern trinken' Martin-Lienhart
els. 1, 231;
zahlreich sind die mundartlichen ausdrücke für trinkfestigkeit, z. b. der hat e gurgel wie e stiefelrohr
od. ähnl. Fischer 3, 929; sei gurgl is weider als e Paulaner erml Schmeller-Fr. 1, 936. —
an diesen anwendungsbereich ist wohl anzuknüpfen die bezeichnung kriegsgurgel (
s. d.),
rohe begierde ausdrückend; später auch kurzweg gurgel
für einen soldatenbettler v. Train
chochemer loschen 51
b;
vgl. auch mordgurgel Adelung 2, 848;
sowie sauf-
und spielgurgel. die g. waschen, schmieren
u. ä., im sinne von '
saufen': ey, wo wir ziehen auff der strass, hast du stets an der gürtl dein flaschen, darmit du thust dein gorgel waschen H. Sachs 17, 173
lit. ver.; vgl. den hals waschen
ders. unter hals 11 a; setz in den trog die fleschen, so mögen wir die gurglen weschen Wickram 6, 138
lit. ver.; alemannisch noch jetzt: d sufer chönnid d gurgele wider wäsche (
wenn der wein gut geraten) Staub-Tobler 2, 418. (
ein trinker, der) weidlich vom abend an bisz morgen früe die gurgel schmieret Kirchhof
wendunm. 2, 122
Öst.; nun die gurgel geschmirt, dieser stauf hie mag die bin (
bühne) netzen Fischart
Garg. 129
ndr.; s. auch oben sp. 1145; (
ich) fass mit dem maul ihre vollen zitzen, thu mir mit macht die gurgel bespritzen Göthe 16, 80
W. (
Satyros);
ähnlich jemandem die gurgel schwenken, spülen: wenn er ihne (
anrede) nor di gorgel schwenkt Niebergall
dram. w. (1894) 267;
eim d gurgel schwenke '
frei halten' Martin-Lienhart
els. 1, 231; freunden, denen er so offt die gurgel gespület und ihnen aus nöhten geholffen hatte Schupp
freund i. d. not 6
ndr.; vgl. dem kerl soll ik blosz de jurjel ausspülen (
trinkgeld geben) Brendicke
Berlin. wortsch. 131
a.
im gleichen sinne den wein
usw. in die gurgel gieszen
u. ä. wendungen: wir gossen den wein nicht allein in die gurgel, sondern auch auf den kopf Zendorius
winternächte (1682) 775; (
sie hatte) so viel von diesem flüssigen feuer (
punsch) in ihre gurgel gegossen, dasz davon der qualm anfing in ihr pericranium zu steigen Bode
gesch. d. Th. Jones (1786) 4, 270; (
der wirt) gosz langsam den punsch ... die eigene gurgel hinab Raabe
hungerpastor (1864) 2, 70.
in fester wendung durch die gurgel jagen: (
wie er mit seinen nachbarn) zwantzigk und mehr tonnen bier durch die gurgel gejagt hat Micrälius
Pommerland (1640) 416; und wehre weit besser, dasz solch getreidig denen nothleidenden ... ümb ein billiges verkaufft würde, als dasz es ... von den brandteweinbrüdern durch die gurgel gejagt wird Prätorius
saturnalia (1663) 371.
bildlich sein geld, sein gut, alles
u. ä. durch die gurgel jagen '
verprassen, vertrinken',
bis auf den heutigen tag allgemein verbreitet und literarisch häufig belegt: (
nüchterne können) manchen groschen, den ein andrer unnützer weise durch die gurgel jaget, in dem beutel behalten v. Fleming
vollk. soldat (1726) 97; (
burschen, die) tag für tag in den schenken rumhocken, bis der letzte pfennig durch die gurgel gejagt ist G. Hauptmann
die weber (1892) 78; etliche verschwenden und jagen ihr gut durch die gurgel Fischart 3, 287
Hauffen; (
der) jaget sein gütel durch die gurgel Dannhawer
catech.-milch (1657) 2, 60; haus und hof durch die gurgel jagen W. Körte
sprichw. (1837) 194; so mus es doch alles mit guten brüdern verzeret, verschlemmet und durch die gurgel gejagt sein Pape
bettel u. garteteuffel (1586) g 4
b; was das weib daheim ersparet ... anderwerts durch die verdampte gurgel jagen Moscherosch
cura parentum 74
ndr.; elliptisch: in einigen tagen waren diese pferde und ochsen durch die gurgel A. v. Arnim 9, 159
Grimm; vgl. bei dem musz alles die gurgel na Fischer
schwäb. 3, 929.
seltener intransitive wendungen: was uns s fechten gwinnt, durch die gurgel rinnt Nestroy
ges. w. (1890) 1, 72; was du nur bekompst, alles dir durch die gurgel fleusset Kirchhof
wendunm. 1, 365
Österley; der wein ist ein gute, edle creatur gottes. wann er nu musz in einen bösen argen schalck und trunckenboltz gehn ..., erseufftzet er darüber und ist im leid, dasz er dem weinschlauch durch sein gurgel lauffen musse Gretter
erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 491; himmlischer wein! der schleicht die gurgel nunter! maler Müller
werke (1811) 1, 163. 22)
die anschauung der luftröhre von auszen her bestimmt einen anderen bereich der anwendung. nur selten gewinnt das wort dabei die bed. '
auszen am halse sichtbare luftröhre'. 2@aa)
in anatomischer u. ä. beschreibung: (
ich) mach den hals dick vom gnick pysz zu der gorgel Dürer
menschl. proportion (1520) n 3
c; drüssel (
ist) der vorder teil am hals, darin sich die gurgel sehen läszt Henisch 760; (
der vorderhals) begreifft in sich pomum Adami und jugulum die gurgel Prätorius
colleg. cur. (1713) 63; (
die kehle) deren mittlerer teil, die gurgel Oken
naturgesch. (1839) 4, 328.
schon älter in weiterer bedeutung für den hals selbst: mit grôzen kreften stach er in enbor ûz dem satele hin, daz im ein ast den helm gevienc und bî der gurgelen hienc ... (
dort) leit er hangende nôt Hartmann v. Aue
Iwein 176
Benecke; (
der elephant hatte) sein schnabel und gurgel ob dem hals Fabritii auszgestreckt Kirchhof
wendunm. 2, 25
Österley; seine gemahlin, des Iphicrates tochter, schnitt er mit eigener hand vom geburtsgliede bis zur gurgel entzwey Lohenstein
Arminius (1689) 2, 32
a.
im vollen dinglichen sinn als losgelöster körperteil z. b. in belegen für die verwendung tierischer luftröhren: (
von der kuh sind verwendbar) lebern, nieren, lungen, hertze, gurgeln, zungen könig v. Odenwalde 41
Schröder; die gurgel sie (
die gans) ... testieret (
vermacht) hat der spinnerin das sie dieselbig dörren fein und machen daraus ringlein klein ihr garn und faden drauf zu winden W. Spangenberg
ausgew. dichtungen 44; es nehmen auch einige die gurgel vom wolfe Döbel
jäger practica (1754) 1, 35; durch den schornstein mit vergnügen sehen sie die hühner liegen, die schon ohne kopf und gurgeln lieblich in der pfanne schmurgeln W. Busch
Max u. Moritz 10. —
älternhd. besteht besonders in den wörterbüchern unsicherheit in der anatomischen definition; mit der weiteren bedeutung: guttur die gurgel oder kälen Frisius
dict. (1556) 615
a;
ingluvies der kragen oder die gurgel
ebda 697
b.
auszerhalb des üblichen gebrauchs in specialisierenden bedeutungsangaben: gurgel, der undertheil desz halsz
iugulus Henisch (1616) 1782; gurgel, das knöpflin am hals ...
nodus gutturis ebda; dagegen auf das halsinnere zielend: caruncula quaedam ... quam ... columellam appelamus die gurgel, athemzünglin, item zäpfflin im halsz Calepinus xi
ling. (1598) 632
a; gurgel: das zäpflin, der obertheil des lufftrohrs Henisch
a. a. o.;
vgl. Hyrtl
kunstworte d. anatomie 21. 2@bb)
am reichsten in verbindungen und ausdrücken des sinnes '
jemandem mit blanker waffe ans leben gehen': als ermannete er sich endlich, und stiesze ihm selbst den dolch in die gurgel A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1059; gesetzt dasz jemand mir das messer in die hand gäbe, und seinen halsz hinstreckete, mit dem begehren ihm dasselbe durch die gurgel zu stoszen
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 110; ei! desto besser! er wird also auch nicht kreischen können, wenn ich ihm das eisen in die gurgel stosze Grabbe
werke 1, 260
Blumenthal; ich dörfft dich durch dein gorgel stechen H. Sachs 2, 7
Keller; (
Ingo) erhob das schwert, ihm mit der spitze die gurgel zu durchstechen Gust. Freytag
werke (1886) 8, 102; küst schwerter, die man euch durch brust und gurgel treibt, wenn euch der eine schatz des heilgen glauben bleibt A. Gryphius
trauerspiele 220
Palm; wer diese nymfe nicht läst ungeschmähet stehn, dem sol Astreen schwehrt durch hertz und gurgel gehn J. Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) 269.
beim fechten: stosse mit ausgestrecktem arm nach seiner gurgell zu Sutorius
fechtbuch (1612) 79; (
er greift) den knappen an ... stöszt nach der gurgel frei A. v. Arnim 13, 239
Grimm; (
er gab) ihm in die blosze gurgel einen solchen streich
Amadis 78
lit. ver.; darüber ist Casimirus ... tödtlich in der gurgel verwundet Micrälius
Pommerland (1640) 351;
besonders jemandem
die gurgel abschneiden: erstlich dieselben mit ein stich hinferckh (
hinfertige), hinricht gleich wie das vich, hernach die gurgell woll abschneiden, so werden sies nit lang mehr treiben
Endinger judenspiel 39
ndr.; da er den wechter fandt, dem schneyd er die gurgel ab
Aymont v. Dordons süne (1535) f 2
b; diese teuffelinnen (
liefen die gefangenen) grausamlich an, schnitten ihnen mit dem schwerd die gurgel ab Prätorius
saturnalia (1663) 159; die hänn gehet so lang, bisz ihr das messer die gurgel abschneid Lehman
floril. polit. (1662) 2, 600; wie thörlich! wenn man sich die gurgel selbst abschneidet A. Gryphius
trauerspiele 65
Palm; einem solchen menschen zu gelde verhelfen, heiszt das nicht dem wahnwitzigen ein messer in die hände geben, womit er sich die gurgel abschneiden kann? Lessing 2, 134
L.-M; wo der freund dem freunde dadurch seine liebe beweist, dasz er ihm die gurgel abschneidet Hebbel
w. 1, 37
Werner; im älternhd. bis ins 18.
jh. in gleichem sinne auch die gurgel abstechen: do sprach er, er sehe vil lieber grossis strites glancz, tod slahen und gorgiln abe stechen, stormen, fechten, stete und slosz brechen K. Stolle
thür. chron. 116
lit. ver.; wie nun der böszwicht das messer in der hand hette, stach er dem töchterlin die gurgel ab Montanus
schwankb. 89
lit. ver.; machs auff metzgerisch, kratz die sau, dasz sie sich legt, und stich ihr die gurgel ab Lehman
florileg. (1662) 1, 414; so zog gott die hand von ihm ab, dasz er aus verzweiflung ihm selbst die gurgel abstach P.
F. Sperling
Nicodem. quaerens (1718) 1, 404.
für das schlachten von tieren mannigfachere ausdrücke, z. b. zerschneiden Voss
Odyssee 199
Bernays; durchschneiden Bürger 154
Bohtz; aufschneiden Grimm
kinder u. hausm. (1812) 1, 102.
anders: ich sprang herzu, und sägt die gurgel ihm herab D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636)
ges. 9,
str. 40; zwischen den beinen hielt er eine ungeheure baszgeige, die er so wütend strich, als habe er in den Abruzzen einen armen reisenden niedergeworfen und wolle ihm geschwinde die gurgel abfiedeln Heine 3, 249
Elster; runter vom hof, oder ich drehe dir die gurgel ab Petri
rothe erde (1895) 320; (
er wird) eure gurgeln umdrehen Ratzel
völkerk. (1885) 2, 208. — der zweyte wolff kam von hinden, wurff den dragoner zu boden undt bisz ihm die gurgel ab Elis. Charl. v. Orleans 136
Menzel. wendungen bildlichen gebrauches '
jemanden in äuszerste bedrängnis bringen'
; besonders einem das schwert, messer
usw. an die gurgel setzen: (
weil die kaiserlichen) ihres haubt feindes, der ihnen bishero das schwert recht an die gurgel gesetzet, los geworden v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 5; weil die Franzosen schon zum feldzug bereit seien und den Italienern den dolchen an die gurgel setzten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 336; wer weisz, welchem unter uns er (
der tod) zum ehesten werde das messer an die gurgel setzen Joh. Prätorius
abdanckungen (1663) 163; wer wollusten nicht das messer an die gurgel setzt, den bringen sie um leben und seeligkeit Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 922;
die wendung beruht auf eigentlichem gebrauch (
s. auch oben): (
er) sagt, mit gesetztem schwert an sein gurgel, zu im
Amadis 116
Keller; (
als Abraham den Isaak) auff dem holtzhauffen band und das messer an die gurgel setzte J. B. Carpzov
leichpredigten (1698) 91;
vgl. eim das schwärdt an halsz oder an die gurglen haben oder setzen Frisius
dict. (1556) 133
b,
sowie frz. mettre le poignard sur la gorge. der bildliche gebrauch in einer reihe anderer wendungen: das wasser an die seel uns geht, das schwerd ihr an der gurgel steht Dav. v. Schweinitz
bei Fischer-Tümpel 1, 379; erfahrung hofft, ob pfeil und degen ihr schon an hertz und gurgel stehn A. Gryphius
ged. 998
Palm; der sebel grassirt euch noch nit so nahe an der gurgel wie uns Ungarn
unterred. eines Ungarn u. teutsch. cavaliers (1664) c 1
b; (
der mohr) verriet nichts, bis das messer an ihre gurgel ging Schiller 3, 118
Göd.; es geht an die gurgel
soviel wie '
es geht ans leben': wo du (
Deutschland) die lenge wirst zusehn, so wird dirs an die gurgel gehn, der grosse schlag dich rühren (1628) v. Soltau
histor. volksl. (1845) 478; kömmst du nochmals vors conseil, so wirst du arretirt und es geht an deine gurgel Laukhard
leben (1791) 4, 46;
für '
das leben'
steht gurgel
auch in: also sorg ich, meim sommergsellen wöll der tod nach der gurgel stellen Fischart 1, 5
Hauffen; einem nach der gurgel graben Schottel
haubtspr. (1663) 119. '
finanziell ruinieren': mit parem gelt thut er ihn pochen. das heist die gorgel abgestochen H. Sachs 3, 515
lit. ver. 2@cc)
wendungen im sinne von '
jemandem die luft abschneiden',
die gurgel
als luftröhre, sitz des lebens. vom hängen, erdrosseln, erwürgen: seinem begehren ist gnügen geschehen: ihm die gurgel zweimal zugezogen E. Francisci
traursaal (1665) 1, 416; (
da) bunden sie ihn mit andern stricken und rayttelten (
knebelten) ihm die gurgel ab Joh. Nas
antipap. eins u. hund. (1567) 2, g 6
a; wie er sie mit einem küssin ersteckt und die gurgel abgetruckt het Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 221; (
soll ich) diesem abgerichteten schäferhund (
dem pater) die gurgel zusammenschnüren Schiller 2, 102 (
räuber)
G.; vereinzelt präpositional: (
ich) drückte meinen fremden gast fest in die gurgel, dasz er sich nicht rühren konnte Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 4, 260.
humoristisch: verbinde im die gurgel
collum obstringe homini B. Faber
thes. (1587) 806
a; dasz mir fast die gurgel hette dörffen verknüpfft und zu eng gemacht werden Joachim Caesar
J. Harnisch aus Fleckenl. (1648) 287.
übertragen: (
der der freiheit) den würgerstrick der knechtschafft an die gurgel geworfen Butschky
Pathmos (1677) 203.
jemanden bei, an der gurgel fassen, packen: darauff fasset er ihn geschwind bey der gurgel, dasz er nicht weiters schreyen konnte Grimmelshausen 3, 423
Keller; wenn ich einen bei der gurgel fasz ..., der giebt gwisz kein laut mehr von sich Nestroy
werke (1890) 3, 61; der reitknecht faszte den kammerdiener in die gurgel Nicolai
Nothanker (1773) 2, 111; er hat ihn gewisz an die gurgel gefaszt W. Alexis
hosen d. h. v. Bredow (1846) 1, 313;
übertragen: (
wenn) es mich an die gurgel faszt, wie ein meuchelmörder Göthe 19, 79
W. (
Werther).
seit dem 18.
jh. wird packen
in dieser verbindung fest, meist mit der präposition an,
seltener bei: wie? fletschtet ihr die zähne, wie ich kam, bereit schon, bey der gurgel euch zu packen
Shakespeare (1797) 9, 40; hat dich sein geist an der gurgel gepackt, dasz du stocktest?
F. M. Klinger
neues theater (1790) 1, 272; jetzt gings über den Bayer her; der Blitzschwab packte ihn an der gurgel Aurbacher
volksbüchl. (1835) 215; während die übrigen sich schön paarweise noch an den gurgeln gepackt hielten G. Keller
werke (1889) 5, 226;
als lässigerer ausdruck öfter kriegen,
z. b. kriegen sie ihn ... bei die gördel, so, mit diesen griff, bis ich ran komm Fritz Reuter 2, 221; 224
Seelm.; ohne verb: (
scen. bemerkg.) den mohren an der gurgel Schiller 3, 38
G. (
Fiesko 1, 9); soll ich dem schuft an die gurgel? Liliencron
sämtl. w. 6 (1900) 171. —
ohne den sinn des erdrosselns: (
gott) solt ihm wol ein weil zu sehen, aber zu letst ihn bey der gurgel nemen und zum haus hinaus füren Luther 19, 302
W. —
ebenso bildlich '
einem hart zusetzen',
vgl. o. sp. 1148: aber las uns dem schalck an die gorgel Luther 18, 199
W.; wir aber greiffen im (
dem papst) nach der gurgel und käle
tischreden (1574) 240
b;
öfter in älterer zeit, vgl. Frisius
dict. (1541) 659
a;
Alemannia 11, 170;
auch: an die gurgel greifen Laube
ges. schr. (1875) 14, 122;
mundartliche wendungen: einem auf die gurgel trappen (
ihm zusetzen, bis er bekennt) Fischer
schwäb. 3, 929; muess di bim gurgle ne (
nehmen)? Staub-Tobler 2, 418.
aus andrer sphäre: zu theuer schnüret die gurgel zu P. Winckler 2000
gutte gedanken (1685) h 1
a;
vgl.d gurgel zue drucke '
finanziell ruinieren' Martin-Lienhart
els. 1, 231. —
hierher auch das wasser geht an die gurgel
für '
in gefahr laufen zu ertrinken': wenn einem das wasser an die gurgel gehet, so lernet einer schwimmen Kramer
d.-ital. (1700) 1, 576
c;
bildlich: es ist recht, wenn euch einmahl s wasser an d gurgel geht Meisl
theatral. quodlibet 2, 72;
übertragen: der aufruhr schwelle mir an die gurgel Schiller 2, 14
Göd. von seelischen wirkungen so viel wie den athem rauben: das schnürt die gurgel mir, ich musz wohl schrein Zach. Werner
M. Luther (1807) 105; als wenn dir der ärger die gurgel verschnüren thät O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 356; es ist ein inneres unbekanntes toben ... das mir die gurgel zupreszt Göthe 19, 150
W. (
Werther). 33)
in übertragener bedeutung ein krummes verbindungsrohr an einer druckpumpe v. Eggers
kriegslex. (1757) 1, 1124;
Vitruvius de architect. (1800)
anh. 32
Rode; eine runde einbuchtung zwischen den zähnen einer säge Karmarsch-Heeren (1876) 7, 498.
als botanischer terminus bei Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 3, 518. 44)
composita sind zu den einzelnen anwendungsbereichen jederzeit leicht bildbar und darum häufig nur einmalig zu belegen. 00 zu 2~~
mit beziehung auf die auszenseite des halses z. b. aus vogelbeschreibungen bezeichnungen wie gurgelband,
n.: ein gurgelband braunschwarz, ... brustband schwarz Brehm 5, 457
P.-L.; -fleck,
m.: der weisze gurgelfleck ist graulich gefleckt Naumann
naturgesch. (1822) 4, 278; -zeichnung,
f., ebda 7, 274;
ferner etwa verschiedenartige ausdrücke für den beim manne am halse sichtbaren kehlkopf wie -knopf,
m., gorjelknopp Askenasy
Frankf. 160; Martin-Lienhart 1, 507; -stock,
m. Hertel
Thür. 111; -zapfen,
m. Martin-Lienhart 2, 911. 00
zu 1~~,
das halsinnere betreffend, gehören bezeichnungen wie -drüslein,
n., uvula, das zäpfflein oder gurgeldrüszlein Woyt
thes. (1696) 373;
vgl. Hyrtl
kunstworte d. anat. 21; -klamm,
m., angina Kramer (1700) 1, 577
a; -loch,
n., orificium, vulg. mundtloch
vocab. (1515
Hüpfuff) k 6
a; -pfeife,
f.: (
am oberende der luftröhre hat die rohrdommel) keinen rechten kehlknoten oder gurgelpfeiffe, einen schall oder laut zu machen Knorr v. Rosenroth
Browns pseudodoxia (1680) 692; -ritz,
m., languette nouveau dict. (1762) 361
a; -seuche
f.: (
der tod) ausz dem wulcken (
würgen, ersticken), oder einer anderen gurgelseuche
M. Pegius
geburtsstundenbuch (1570) Q q 1
a; -wehe,
m., mal della gorga, angina Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 577
a;
n., bräune Schrader
d.-frz. 1, 584.
eine besondere gruppe bilden die composita zu 1 b
mit bezug auf essen und trinken, z. b. -leder,
n.: (
weinliebhaber) die ihr verschrumpffenes gurgelleder wiederum gern mit linder salbe ausschmiereten E. G. Happel
d. sächs. Witekind 3, 385; (
wein, den die alte) in den dürren schlauch ihres verschrumpfften gurgelleders hinabgeschüttet Er. Francisci
lust. schaubühne (1702) 1, 1041; -öl,
n.: der wirth hat ein fäszchen, da ist ein treffliches gurgelöl darin P. Rosegger II, 10, 270; -provision,
f.: mit vorrhat von gurgelprovision (
lesart: speisz) Fischart
Garg. 420
ndr.; -schinder,
m., schlechter kuchen Spiess
henneberg. 86; -sucht,
f.: über das hatte der gute kerl die gurgelsucht: denn was er desz tags mit betteln sammlete, das versoff er desz abends in gutem bier Er. Francisci
lust. schaubühne (1698) 2, 665; -vergnügen,
n.: jeh mal vor mir nach de andre ecke un hole mir en halb quart jurjelverjnüjen A. Glasbrenner
Berlin, wie es ist u. trinkt 7, 36.