trommeln,
trummeln,
vb. denominative bildung zu trommel, trummel (
s.trommel),
nur im deutschen vorhanden; seit dem späten 15.
jh. (
s. u.)
belegt, für das 16.
jh. fehlen belege. das u
der stammsilbe hält sich schriftsprachlich bis ins 18.
jh., vgl. trummeln
portraits (1779) 46,
später nur als dialektisch gefärbte form gebraucht. o
tritt zunächst bei md. und nd. autoren auf, vgl. D. Cramer in:
dr. Martin Luther der beste prediger (1722) 33, H. Rätel, Spee, Rist,
ebenso bei Harsdörffer;
md. sind auch die wenigen dr
im anlaut, vgl. Cramer, Weise. -mb-
begegnet im bair., vgl. dazu Ayrer 933
lit. ver. 11) '
die trommel schlagen, trommelmusik machen'. 1@aa)
allgemein: si hattend ein grosses brumlen mit trumlen vor dem wald, die eidgnossen fiengen sich an tumlen (
v. j. 1499)
bei Liliencron
hist. volksl. 204, 11; die priester haben dazu mit paucken getrummelt Heupold
dict. (1620) 275; ob man, wan man trumlen höret von der corybanten hand, wirt von allem witz entwand D. G. Morhof
unterr. (1682) 1, 804.
an die redensart vom hasen und der trommel (
s. oben sp. 814)
angelehnt: bursch, thut euch frisch tromblen vom busen den hasen (
v. j. 1686)
bei Ditfurth
volksl. d. bayr. heeres 42; die wachtparade zieht vor meinem fenster vorbei und da weckt mich das verdammte trommeln Kotzebue
dram. w. (1827) 1, 306; trommelten in kummer ihren leichenmarsch Fontane
ged.7 198.
im bilde: wenn nicht der unerbittliche tod deinen leichenmarsch getrommelt hätte Gaudy
s. w. (1844) 4, 114. 1@bb)
in fester paarung besonders mit blasen
und pfeifen (
vgl.trommel 1 b
α): da lieszen die unsern zum abzuge blasen und trommeln A. H. Buchholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 78; blast und trommelt die menschen taub J.
M. v. Babo
schauspiele (1793) 15; wenn (
d. bischöfe) mahlzeit halten, gehet erstlich ein drommeln und pfeifen an H. Rätel
Curaei chron. (1607) 255; dasz der herr landgraf der schaarwache verböthe, nicht immer um mitternacht zu trommeln und zu pfeifen Knigge
roman m. lebens (1781) 1, 229; keine pracht, keine kanonenschüsse, kein trommeln und pfeifen Fontane
ges. w. I 1, 216;
zur festen redensart gott sei getrommelt und gepfiffen
im sinne von '
gott sei dank'
entwickelt: gott sei gepfiffen und getrommelt Cl. Brentano
briefw. m. Sophie Mereau 2, 161
Amelung; gott sei gelobt und gedankt und getrommelt und gepfiffen S. Hensel
familie Mendelssohn (1879) 3, 70,
vgl. mundartlich gatrummelt und gapfiffa! Sartorius
Würzburg (1862) 161. 1@cc)
in verkürzter ausdrucksweise mit objektsakkusativ, den zweck bezeichnend '
durch trommelsignal etwas befehlen': oberst, laszt aufbruch trommeln Immermann
schr. (1835) 4, 111;
das signal oder das musikstück angebend, '
durch trommeln etwas spielen': um 2 uhr in der nacht generalmarsch getrommelt, die bürgerwehr trat zusammen Varnhagen v. Ense
tagebücher (1861) 5, 41;
redensartlich jemandem den marsch trommeln (
geläufiger blasen) '
gehörig die meinung sagen'
; aus dem brauch, bekanntmachungen bei trommelschlag zu verlesen, vgl. trommel 1 d
β,
konnte sich die bedeutung '
herumerzählen'
entwickeln: der herzog trommelt es überall herum Schiller
briefe 3, 98
Jonas; mit persönlichem objekt '
jemanden durch trommeln herbeirufen'
; so besonders zusammen trommeln '
zusammenrufen'
u. ä., redensartlich gebraucht: ich soll alle unsere
[] mädchen zusammen trommeln
theater d. Deutschen (1768) 12, 331;
ähnlich: so mach ich der Lieschen erst vorwürf, wie sie so dumm könnt sein, und mir die leut über den hals trummelt Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 135;
vgl. noch: völker in den harnisch zu trommeln H. Lindenborn
Diogenes 2, 710.
vom wecksignal der reveille ausgehend als redensart jem. aus den federn (dem bette), dem schlafe trommeln,
nur in bildlicher anwendung gebraucht oder auf trommeln 2 a
bezogen '
durch klopfen aufwecken': also der liebe alte (
Fiesco) ist zu bette? wir wollen ihn aus den federn trommeln Schiller 3, 117
G.; beim ersten wirtshaus halten wir, trommeln die leute aus dem schlafe K. Gutzkow
ritter v. geist (1850) 1, 141; vater ... ist ein alter hasenfusz, der alle welt aus dem schlafe trommelt, sogar den wächter, blosz weil er sich ein bischen fürchtet Holtei
erz. schr. 6, 200. 1@dd)
das trommeln von quacksalbern und schaustellern, vgl. trommel 1 d
β,
bildet den ausgangspunkt für die bedeutung '
anpreisen': das trommeln und posaunen werde ich wohl nie lernen Solger
nachgelass. schr. u. briefw. (1826) 1, 185; wenn sie laut zu trommeln verstehen, sendet sie (
die regierung) mir auch eine kommission ins haus G. Freytag
w. (1886) 6, 56;
anders '
lärm schlagen, sich ereifern': kritik und die zeitung trommeln so wüthend W. Waiblinger
ged. 2, 61
Gr. 22)
in uneigentlichem gebrauch. 2@aa)
bewegungen machen wie beim trommeln und dadurch auf einem festen gegenstande klopfgeräusche hervorbringen, vgl. auch in älterer sprache ebenso verwendetes trumpeln (
s. d.). 2@a@aα)
vom menschen besonders mit der faust, den fingern, den händen trommeln,
auch absolut: das ganze chor der zecher trommelt mit der faust den takt zur melodie Pfeffel
poet. versuche (1812) 10, 71; Grips, welcher mit der faust an seiner thür trommelte W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 106;
elliptisch: wenn unsre (
pastoren) auf der kanzel herum trommeln und die leute mit lateinischen brocken erwürgen Göthe 8, 170
W.; als zeichen des miszfallens: doch fälscht ein rebenhasser den feuertrank mit wasser: frisch! trommelt auf den tisch! J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 4, 132. die studenten ... die wache geneckt und die hüthe bald abgethan, bald aufgesetzt, auch fingen sie an zu trommeln, was man absolut nicht leiden musz Göthe IV 13, 73
W. mit spielkarten in der faust auf den tisch schlagen: während die herren ihren skat trommelten J. Stinde
Buchholtzens in Italien (1885) 160; fängt man an, mit fingern und händen am untersten bienenkorbe zu klopfen und zu trommeln Overbeck
gloss. melitt. (1765) 2; (
er hatte) mit den fingern weiter auf den scheiben getrommelt Spielhagen
ges. romane (1877) 2, 320; (
Moltke) trommelte mit den fingern auf die tischplatte Moltke
ges. schr. (1892) 1, 331.
ähnlich: ihren gemahl, welcher leise einen marsch mit dem fusze trommelte W. Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 102; mit einem stock in einen alten hut zu trommeln G. Freytag
an herzog Ernst v. Coburg im briefw. (1904) 54.
auch als '
prügeln, schlagen': o dasz ich dir nicht auf dem buckel trommeln darf Chr.
F. Weisze
lustspiele (1770) 3, 272; war sie lustig darüber her, ihm mit beiden fäusten im antlitz zu trommeln Bode
Thomas Jones (1774) 3, 547; sie reiszen den postillon herunter und trommeln tüchtig auf ihn los B. Auerbach
schr. (1892) 18, 3;
übertragen: kann ich im krieg mich doch menschlich fassen, aber nicht auf mir trommeln lassen Schiller 12, 53
G., d. h. '
auf einem herumschlagen, einem alles zumuten'
; die sinngleichen wendungen jem. auf dem mund, dem maul, der nase trommeln
sind aber erst sekundär von trumpeln (
s. dort)
auf trommeln
übertragen und umgedeutet worden: lasz ihme nicht mehr den satan gleichsam auff dem mund trumlen Dannhauer
catechismusmilch (1657) 1, 445; weil ich mir von keinem auff dem munde trommeln liesz
[] Schnabel
insel Felsenburg 27
U.; nun aber hoff ich so leben zu können, dasz ich mir nicht werde auf dem maule trommeln lassen Heinse
s. w. 2, 107
Sch.; vgl. sich auf dem maul trommeln lassen A. Schellhorn
sprichwörter (1797) 121; der papst und sein weltlich hofgesind drommelte der weltlichen obrigkeit auf der nasen (
gegen 1600) Dan. Cramer in:
dr. M. Luther der beste prediger (1722) 33; wer zu gut ist, dem trommelt man auf der nase Iffland
w. (1827) 8, 307. 2@a@bβ)
von tieren und physikalischen erscheinungen der natur; zuerst vom klopfen der hasen, vgl. trommeln sagt man, wenn der hase mit seinen vorderen läufen ganz geschwind auf die erde schlägt v. Heppe
wohlred. jäger (1763) 300: das hasenküniglin, es laufet, springt und spielet auch trommelts eigentlich Fr. v. Spee
trutznachtigall 157
Balke; nur hasen trommeln, ... wenn die gefahr ihnen nahe kommt Görres
ges. schr. (1854) 1, 338; was über das trommeln der gorillas berichtet wird ..., fanden wir völlig bewahrheitet Brehm
tierleben (1890) 1, 69; in trommelndem paradeurgalopp
F. Th. Wolf
Philipp Dulder (1793) 1, 106; spukhaft stieg aus dem nachtenden wald das trommeln des spechtes H. Watzlik
der alp (1923) 198;
vom trommelnden geräusch niederfallender tropfen, hagelkörner u. ähnl.: während der regen auf das junge laub trommelte H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 236; der regen machtlos über seinem kopfe auf dem dache trommelt W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 10;
ins bildliche gewendet: wenn der sommer barsch in hagelwettern trommelt einen marsch dasz sie (
die hoffnung) sich trollt Lenau
sämtl. w. 2, 64
Grün; vom fallen der äpfel und birnen trommelte es fortwährend auf der erde G. Keller
ges. w. (1889) 5, 85;
freier gebraucht: stürme trommeln R. Billinger
rauhnacht (1931) 89. 2@a@gγ)
in der technik für schnell aufeinander folgende schläge; vom schlagen der räder auf den schienen: bei bethauten schienen ... tritt das sogen. gleiten ... oder trommeln der räder ein Karmarsch-Heeren (1876) 3, 101;
seit dem weltkriege 1914-18
für schnelles und anhaltendes artilleriefeuer, vgl. trommelfeuer: ... trommeln die Franzosen hier nur zwei tage lang W. Beumelburg
sperrfeuer (1929) 131; nach wochenlangem trommeln wurde der infanteriekampf eingeleitet E. Jünger
in stahlgewittern (1934) 176; die zu trümmern getrommelten mauern
kriegsbriefe gefall. studenten (1928) 301. 2@bb)
ohne den bewegungsbegriff im sinne '
töne hervorbringen, die dem klange des trommelns ähneln'
; so namentlich von tierstimmen: (
ein auerhahn,) der ... unentwegt trommelt und sich dabei langsam um sich selber dreht H. Löns
auf d. wildbahn 111; sah zum bau fliehn das kaninchen, hörte trommeln den fasanen Freiligrath
ges. dicht. (1870) 6, 44; im
ahd. hiesz er (
die rohrdommel) horotumbil, im
mhd. rordumbel, worte, deren erster teil seinen wohnort, und deren zweiter sein trommelndes gebrüll bezeichnet Wimmer
gesch. des dtsch. bodens (1905) 354; das ... trommeln ..., welches der sperbergrasmücke eigentümlich ist Brehm
tierleben (1890) 4, 98; über das meckern oder trommeln der schnepfe
tägl. rundschau 1907, 605;
bildlich von einem verliebten: trummelt der tauber gut? Chr.
F. Weisze
lustspiele (1770) 3, 271; der wildkater ... antwortete mit wütendem trommeln
daheim v. 1. 2. 1934, 9
b; da trommelte der otternbrutfänger igel O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 288. —