trommel,
trummel,
f. ,
tympanum. mit l-
suffix gebildete ableitung von tromme, trumme '
trommel',
vgl. Wilmanns
dtsche gramm. 2, 266;
dän. tromle,
fries. trymle '
walze'
sind jung entlehnt; aus dem deutschen stammen auch serbokroat. dròmbulja,
tschech. drumbla,
poln. drumla, dromla (
und andere slaw. formen) '
maultrommel',
vgl. Berneker
slav. et. 227.
bis 1500
findet sich das wort nur spärlich bezeugt: trümel
minnes. 3, 197
v. d. H. (
hs. d. 15.
jh., s. Haupt-Wieszner
Neidhart viii),
sowie in gloss., s. unten. erst nach dem 17.
jh. gewinnt es in der schriftsprache die oberhand; mundartlich herrscht es im osten und dringt langsam nach westen. form. bis gegen 1700
hauptsächlich mit u-
vokal bezeugt, das zufrühest im md. des 15.
jh. erscheinende o
in drompel (Diefenbach
gloss. 584
a)
wird erst von 1600
ab häufig, doch hält sich u
noch vereinzelt bis ins 18.
jh., vgl. Wieland
Agathon (1766) 1, 7, Bode
Tristram Schandi (1774) 7, 71, Herder 8, 63
S. (
s. dazu auch H. Paul
gramm. 1, 209)
und lebt mundartlich noch in verschiedenen gebieten weiter. einfaches m
findet sich seit dem mhd. trumel (
s. oben)
des öfteren bis hin zu Guarinonius
greuel (1610) 580 (
aber mm 120); mp
erscheint nur einige male, vgl. trumpel, drompel Diefenbach
gloss. 584
a, trumpel (
v. j. 1421)
nov. gloss. 364
b, trumpel
facetiae facet. (1615) 428,
grillenvertreiber (1670) 93,
wohl in anlehnung an trumpen (
s. dort) '
schlagen, klopfen'
; mit euphonischem b
und synkope begegnet es im österreich., vgl. trumbl Brandis
ehrenkräntzel (1678) 2, trumbl (18.
jh.)
österr. weist. 10, 81, trumbl Lexer
kärnt. 72;
seit Luther
ist mm
die regel. im anlaut haben besonders ostmd. autoren seit Luther
öfter dr,
namentlich im 17.
jh., vgl. noch drommel Neukirch
ged. (1744) 142;
daneben begegnet dr
auch in Österreich, vgl. drumel
minnesinger 3, 197
v. d. Hagen, drombel Brandis (
s. oben), drommel Stranitzky
ollapatrida 181
Wiener ndr., und vereinzelt alem., vgl. drumel Moscherosch
gesichte 1 (1650) 474.
bedeutung und gebrauch. im mhd. bezeichnet trommel
wie auch tromme
auszer dem mit einem oder zwei schlägeln geschlagenen instrument, das aus einer hohlen walze besteht, deren öffnungen mit gegerbten fellen bespannt sind, eine einfellige trommel, bis zum 17.
jh. hin eine art kesselpauke (
vgl.kesseltrommel);
die alte trommel war hoch und ihr klang dumpf und tief, die neuere militärtrommel ist flach und mit schnarrsaiten und [] schalloch versehen, klingt daher hell und rasselnd; dieselbe flache form hat auch die im 18.
jh. eingeführte türkische
oder grosze trommel,
die mit einem paukenschlägel geschlagen und heute meist pauke
genannt wird: jener Italiener Minoni ... stiftete dem jungen corps eine ganz schöne grosze trommel mit dem stadtwappen Kerner
bilderbuch (1849) 26;
auch die den tanz begleitenden schlag- und die signalinstrumente der antike und primitiver völker werden trommeln
genannt: der trommeln schlag, der cymbeln klang, durchtönt den jubel der mänaden Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 192; die tänzerinnen (
eingeborene) bewegten sich nunmehr nach dem schall der trommel G. Forster
s. schr. (1843) 1, 322; einen trommeldolmetscher (
für die deutsche verwaltung in Kamerun), der durch die trommel seinen stammesgenossen ziel und zweck der reise mitteilt
tägl. rundschau 1898
unterh.-beil. 176; gewöhnlich bestehen diese trommeln aus einem stück von einem ausgehöhlten baumstamm, über dessen enden antilopenfelle gespannt sind
ebda 1897, 1060. 11) trommel
als musik- und geräuschinstrument. 1@aa)
hinsichtlich ihrer äuszeren gestalt; ihr wichtigster teil, das trommelfell (
s. dort),
meist aus kalbsfell (
s. dort)
verfertigt, wird mit hilfe von trommelleinen (
s. dort)
oder schraubgewinden straff gespannt, vgl. die trommel spannen
tendere il tamburo Kramer
teutsch-ital. 2, 1148
a: Johannes Ziska ... gefragt, wie er wolte begraben seyn, sagte, man solte ihm ... die haut abziehen und über die drommel spannen Zinkgref-Weidner
t. nation weish. 3 (1653) 82;
darum wird die trommel
gern als vergleich für etwas straff gespanntes verwendet, besonders für den prall gefüllten bauch: wann nun der bauch von essen und trincken wie eine trummel gespannt ist
hummelnvertreiber (1605) 114; ihre megen wie die trumlen strotzen H. Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 580; dasz mein magen so steif ist wie eine trommel Gottsched
schaubühne (1741) 1, 643;
vom kranken leib: wenn ein ross die haubtstrenge hat ..., läufft es über den gantzen leib auff und wird ihm die haut wie eine trommel
M. Böhme
roszartzney (1618) 129;
auch von schwangeren, vgl. sie geht mit der trommel
ist guter hoffnung Albrecht
Leipzig 225
a: (
die braut) hatte einen leib wie eine drommel Stranitzky
ollapatr. 181
Wiener ndr.; davon redensartlich einer eine trommel anhängen
eine frau schwanger machen, vgl. Albrecht
a. a. o.; ähnlich: vor kurtzem war ihre schwester, so jungemagd bei S. ... ist, bei ihr, und hatte die trummel angehängt, da sagte sie: du dumme hure
jungfer Robinson (1724) 24. ein loch in die trommel machen,
wodurch das instrument seine klangwirkung verliert, bedeutet bildlich '
etwas verderben, untauglich machen': wenn man etwas wil verbösern und verderben, so muss man mäussdreck unter pfeffer mischen, der trummel ein loch machen ... Lehman
floril. polit. (1662) 2, 795; wie dieser und jener dir einmal auf deinem geraden gange ein bein stellte, oder ein loch in deine trommel stiesz Thümmel
reise (1811) 2, 177.
vergleiche noch: frau Liesl ist klug, sie versteht den rummel; so ein mädel zieht besser als ein loch in der trummel Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 7, 312. 1@bb)
von der gebrauchsweise der trommel. 1@b@aα) trommel und pfeife
werden früh als zusammengehörige instrumente betrachtet: trumel, pfeif, paugken, seitenspil, das ward umb si erklingen
Neithart fuchs 332
nat.-lit.; so höreten die landsknechtischen hauptleute auch lieber trommel und pfeifen, als trommeten Schweinichen
denkwürd. 93
Öst.; die dumpfe trommel rollt, die helle pfeife schrillt Kosegarten
rhapsodien 3 (1801) 17; dann schwiegen die trommeln und pfeifen, und horn und klapptuba stimmten ... eine ... musik an Fontane
ges. w. I 6, 50.
als sinnbild überlauter töne: aber in der sachen wolt ich nicht gleuben der stimme gottes, wenn sie gleich mit drummeln und pfeiffen gienge und klinge
[] Luther 33, 562
W.; damit sie nicht immer durch die trommeln und pfeifen der heldendichter betäubt werden J. Möser
s. w. (1842) 3, 169;
oft im sprichwort zusammen genannt: trummel und pfeiffen gehören zusammen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 160; nach der trummel sol man pfeiffen, nach der pfeiffen ... dantzen Petri
d. Teutschen weissh. (1604) 3, S s s 1
a;
häufig: was mit trommeln gewonnen wird, gehet mit pfeiffen wieder dahin Grimmelshausen
Simplicissimus 264
Kögel; ebenso bei Hoffmann
polit. Jesus Syrach (1740) 47,
d. h. was im kriege gewonnen wird, geht im kriege wieder verloren, vgl. noch Müller-Weitz
Aachen 248
s. v. tromm;
umgekehrt: was durch die flöte gewonnen wird, geht durch die trommel fort Göthe IV 12, 356
W.; dann geschiehts, dasz mit trommeln wieder weggeht, was mit pfeiffen erworben J. Grosse
ausgew. w. (1909) 3, 333;
abgewandelt: was man mit der trommel gewinnet, das wird durch die trommel wieder verschwendet
frantzös. Simplicissimus (1683) 2, 390.
in älterer zeit in der bedeutung '
pauke'
auch als begleitinstrument der trompete: getrommetet und auff der trummel geschlagen
engl. comedien u. tragedien (1624) h 7
a; die trommeln, die trommeten werden wach Gries
Ariostübers. (1804) 1, 199. 1@b@bβ)
feste verbale wendungen, die das spielen auf der trommel
bezeichnen; alt ist die trommel schlagen: nim mit dir die trümel din unt slach si nach der snurren
minnesinger 3, 197
b v. d. Hagen; Schürzenesl sol die truml schlan
fastnachtsp. 446, 4
Keller; wenn man anfängt gehling eine trummel zu schlagen J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 22; ein Asiate schlug die trommel Fr.
M. Klinger
w. (1809) 3, 30;
seltener auf die trommel schlagen: im namen gottes ... schlagt auf die trummeln! G. Forberger
Guicciardini (1574) 281
a;
auch in transitiver fassung, z. b. der tambour schlug auf der trommel die reveille;
vom instrument in einer art personifikation: da schlugen drüben die trommeln den sturmmarsch Fr. Spielhagen
s. w. (1877) 2, 491; der tanz, den unsere trommel schlägt Klopstock
oden 1, 194
M.-P.; die trommel schlug zum streite L. Uhland
ged. (1898) 1, 184;
übertragen für '
prügeln': hette sich der pfaff mit seinem merwunder nicht davon gemacht und entlauffen were, die bawern hetten im die trummel zu seinem gauckelwerk geschlagen (
um 1600) B. Hertzog
schiltwache b 1
b; wir wollten ihnen auf die feisten bäuche trommel schlagen W. Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 15;
seit dem frühnhd. besonders die trommel rühren,
heute veraltend, vgl. man rühret die trommel starck, die trommel wird starck gerühret
si batte la cassa da per tutto Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1148
a; der trommenschlager soll unterdes mit kleinen streichlin die trommel rühren L. Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, y 2
b; weil Mars die trummel rührt Opitz
poem. (1629) 1, 52; der gröszte schutzgeist führte sie (
die gefährten) und liesz zu diesem marsch die trommel rühren Chr. Fr. Henrici
gedichte (1727) 1, 33.
anders gewendet: wenn sich die trommeln rühren E. Geibel
w. (1888) 3, 12.
mit dem sondersinn von '
alarmieren, zum krieg vorbereiten'
als formel bewahrt: (
ein rechter schmied soll sich) so offt die trommel gerühret wird, in allen ställen finden lassen und zuschauen, ob nichts fürgefallen seye v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 166
b; die weisheit des hofkriegsraths war bereits der schmachvollsten niederlage verfallen, bevor der 'theatermonarch' noch die trommeln hatte rühren lassen L. Häusser
dtsche geschichte (1854) 2, 606;
vereinzelt trommel regen: fieng man nunmehr an die trummel zu regen J. Micrälius
altes Pommerland (1643) 3, 443. 1@cc)
klang und wirkung der trommel
prägen sich in typischen oder formelhaften wendungen aus. 1@c@aα)
den trommelschall bezeichnet man mit verschiedenen ausdrücken: die drumel laut ergellen detten Hans Sachs 22, 184
G.; [] die trommel geht Klinger in:
stürmer u. dränger 1, 72
Sauer; die trommeln trommelten Wieland
w. (1797) 18, 141; laszt die trommeln muthig klingen E.
M. Arndt
s. w. 4, 9
R.-M.; gern lautnachahmend oder mit ähnlichen geräuschen verglichen: die kupffertrummeln puffen G. Treuer
dtsch. Dädalus (1675) 1, 587; die dumpfe trommel rollt Kosegarten
rhapsodien (1790) 3, 17; rumpeln der trommel U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 155; überall rasselte die trommel G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 372; weit in Böhmen herum, herum, klopfen die trommeln terum, terum B. v. Münchhausen
balladenbuch (1924) 73; die trommeln donnern seit sieben jahren
ebda; die trommel dröhnt in der anderen ruhn J. Weinheber
adel u. untergang (1934) 78;
die seit dem 17.
jh. gebräuchlichste bezeichnung des trommelschalls ist wirbeln (
vgl. wirbeln B): es würbeln um und um die tromlen J. G. Schottel
haubtspr. (1663) 63; die dumpfe trommel wirbelt Kotzebue
erinn. aus Paris (1804) 3; das fuszvolk kommt da geschritten, die trommeln wirbeln voran Eichendorff
w. (1864) 1, 396; das wirbeln groszer trommeln J. P. Hebel
w. 2, 35
B. 1@c@bβ)
zu bestimmten seelischen wirkungen ihres klanges verwendet; den menschen erhebend, anfeuernd: trometen, drumel adder orgele ader sunst ein geschrey, da mit das hertz ... erhaben wirt tzu got Luther
w. 2, 85
W.; hör ich die kupfernen drummeln sich regen, wenn sich die kleppel der paucken bewegen, wallt mein geblüte, die augen entbrennen A. Gryphius
lustspiele 189
P.; als zeichen der freude geschlagen: wo es fröhlich und recht zugehet, da musz man alle trummeln schlagen, mit allen glocken leuten Lehman
floril. polit. (1662) 1, 232;
wegen des lauten schalles furcht erregend und scheue tiere verscheuchend, was in redensartlichen wendungen ausgemünzt wird: wer vögel will fangen, der musz mit pfeiffen und nicht einer trummel auff den vogelherd gehen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 364;
besonders bildlich: wie ein hase bei der trommel bleiben
u. ähnl. (
vgl. oben sp. 810
unter tromme),
d. h. '
die flucht ergreifen': so bestehen sie, wanns zum treffen gehet, wie ein hasz bei der trummel J. Nas
antipapistisches eins u. hundert (1567) 4, 297
b; er bleibt bei seinen worten wie ein hase bei der trummel Fr. Wilhelms
sprichwörterreg. (1577) b 1
a; sich bey der gefahr finden lassen, wie der hase bei der trommel Kramer
dict. (1702) 1148
a;
hierher auch: man solte ehe einen hasen mit der trummel fangen B. Faber
thes. (1587) 992
a. 1@dd)
der verschiedenartige verwendungszweck der trommel
spiegelt sich z. t. in bestimmten sprachlichen prägungen oder formelhaften verbindungen wieder. 1@d@aα)
die trommel
ist, neben der trompete, das charakteristische instrument des kriegsvolkes und dient beim militär alter und neuer zeit den verschiedensten zwecken; der werber kündigte mit ihr die werbung an: wo sich ein drummel rüret laut, so lauffen tzu die lantzknecht gleich Hans Sachs 9, 485
K.; er hab gehört, dass eine trommel gerühret und werber da seyn B. Schupp
schr. (1663) 56; auch ein kriegsheer läuft wohl noch dem kaiser zusammen, wenn die trommel wird geschlagen Schiller 12, 125
G. daher die redensart der trommel folgen
soldat werden, vgl. ähnlich: aber der fürwitz mich da stach, dass ich auch lieff der trummel nach, bin also beym kriegswesen blieben W. Spangenberg
ausgew. dicht. 319; wer den eltern nicht folgt, folgt der trummel Hippel
lebensläufe (1778) 1, 272; wer nicht hören will, der musz
[] fühlen — oder ... — dem kalbsfell folgen, das ist — der trommel Laukhard
leben (1791) 2, 298;
sie übermittelt den alarmbefehl: gleichwie ein kriegssmann ... zu seinem fenlein eilet, wenn er die posaunen und trummeln höret
theatrum diabol. (1569) 427
a; mitten in dem ... lermen — würblen der trummeln und pfeiffen Georg Neumark
neuspross. teutsch. palmb. (1668) 452; bei dem schall der trommel soll sich jeder an den bestimmten sammelplatz verfügen Ranke
s. w. 25, 139; überall rasselte die trommel, die straszen der hauptstadt füllten sich mit uniformen G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 372;
sie feuert in der schlacht zum angriff an: man hörete das ächtzen ... nicht vor dem brummen des geschützes, dess schalls der trommeln Grimmelshausen 4, 671
Keller; als nun die Russen ... bis dicht heran waren, rührten sie die trommeln zum angriff Fontane
ges. w. I 6, 336;
sie dient zur befehlsübermittlung überhaupt: er befahl, auf den beiden groszen trommeln das zeichen zum abzug zu geben A. v. Haller
Usong (1771) 298; lasz die trommel rühren, dasz sich die zerstreuten sammlen Kotzebue
dramat. w. (1827) 4, 217; als am morgen auf der trommel tagwache und abends der zapfenstreich geschlagen wurde G. Keller
ges. w. 6, 101;
ihr klang gilt als ehrenbezeugung: indem schrie die wache ins gewehr, worauf ... die trommel gerühret wurde Ettner v. Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 457;
darum gibt man mit ihr den toten soldaten das letzte geleit: die ... sollen (
ihn) ... nach seinem tode ehrlich zur erden bestatten nach kriegesgebrauch mit dreyen drommeln und pfeiffen Reutter v. Speyr
kriegsordnung (1594) 17;
dabei schlägt man mit gedämpfter trommel: wenn man eine soldatenleiche vor mir vorübertrug und der totenmarsch mit gedämpfter trommel hinter dem sarge hertönte D. Fr. Schubart
leben 2 (1793) 246; es geht bei gedämpfter trommel klang A. v. Chamisso
w. (1836) 3, 186;
ehen der soldaten im felde wurden früher vor der trommel
als altar geschlossen: mit siebzehn (
jahren hat er) eine fünfzehnjährige vor der trommel geheiratet C.
F. Meyer
novellen (1919) 1, 222; die ehen der englischen soldaten, die vor der trommel geschlossen werden Fr. Meinecke
v. Boyen (1896) 1, 74.
bis heute als ermunterndes oder rhythmisierendes instrument auf dem marsch verwendet: der sämbtlichen soldatesca ... ward erlaubt, mit fliegenden fähnlein, cornetten, trommeln und pfeifen ... abzuziehen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 477; so folgt der officier, im kriegrischen getöne, der trommel auf dem marsch Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 113; mit trommeln und pfeifen bin ich oft marschiert D. v. Liliencron
ges. w. (1918) 2, 43;
formelhaft sind mit schlagender, rührender trommel: (
sie) zogen auss mit schlagender trommel Duez
le vray guidon (1657) 428; mit fliegenden fahnen und rührender trommel ausziehen Kramer
t.-ital. 2, 390
c;
im gegensatz dazu steht mit, bei stiller trommel '
lautlos'
marschieren, um sich dem feinde nicht zu verraten: mit stillen trommeln abziehen Kramer
t.-ital. 2, 973
a;
daher redensartlich mit
oder bei stiller trommel '
in aller stille, heimlich': darauff ward diss wunderschiff, bei stiller trummel, ins wasser bracht Er. Francisci
voränderung (1671) 421; machte sich mit stiller trummel aus dem staube O. Dapper
America (1673) 94
a; ich schliche unterdessen mit stiller trommel davon und das kammermensch hatte sich auch wieder in ihr bette verkrochen E. W. Happel
Witekind (1709) 1, 229.
wegen ihrer hauptsächlich militärischen verwendung wird sie in der dichtung das symbol des krieges: die trommeln werden stumm, das schwert ficht mit dem roste J. Chr. Günther
ged. (1735) 664; o, flieht der trommel ton! Schubart
s. ged. (1825) 2, 118; ach, ihr seid es, bothen des krieges, herolde des todes, ihr lautkrachenden trommeln Lenz
ged. 21
Weinhold. deshalb kennzeichnet man durch sie etwas kriegerisch rauhes, grobes: ihr witz ist sehr nach der trommel gestimmt
neue [] schausp. (1771) 6, 1, 109; ich hatte den styl so sehr von den feldreden beybehalten, dass alles trommel und trompete war Hippel
lebensläufe (1778) 1, 173. 1@d@bβ)
im bürgerlichen leben als lärminstrument benutzt, um die aufmerksamkeit der leute für amtliche bekanntmachungen, schaustellungen, versammlungen, verkäufe u. s. w. zu erregen: er (
Klaus) schlug einmahl die trommel, da lieff jederman zu Zinkgref
apophth. (1628) 377; dann hörte sie sich aufrufen (
beim urteil), den stab brechen, die trommel rühren maler Müller
w. (1811) 1, 301;
im vergleich: (
ist ein unwichtiger gegenstand einer feier da,) so ist das feierliche eine leere trummel, ... die uns zusammenruft, ohne uns was zu sagen Herder 6, 92
S.; daher ironisch die trommel schlagen
für '
etw. überall herumerzählen'
; so erklärt sich das sprichwort: wann wir alle gescheydt weren, so verkaufften die krämer keyne schellen oder trummeln Lehman
floril. polit. (1662) 2, 546;
deshalb als bezeichnung für redselige menschen, vgl. hausdrummel Stranitzky
ollapatrida 237
Wiener ndr.; ähnlich stadtdrummel
ein mensch, der alle stadtneuigkeiten ausbreitet idiot. austriac. 65;
von der trommel
der quacksalber, schausteller und verkäufer auf dem jahrmarkt leiten sich redensarten her wie trommel schlagen, rühren
im sinne von '
anpreisen': an die grosze trommel kann dann geschlagen werden A. Feuerbach
an die mutter (1866) 2, 181; a verstihts recht uff de grusse drummel zu schlon K. Rother
schles. sprichw. (1928) 247. für euch auch, ihr herren autorlein, die panegyrische trommel zu rühren Blumauer
ged. (1782) 129;
heute namentlich im compositum reklametrommel: als Marie Seebach ... auftreten sollte, war natürlich die reklametrommel ... gerührt worden
tägl. rundschau 1897,
unterh. 764; auf die trommel kommen '
versteigert werden': uf de trummel kommen Stauf v.
d. March
nordmähr. 93. 1@d@gγ)
öfter bildlich oder vergleichsweise gebraucht bei der darstellung von tierlauten: ... ich höre ferne trommeln nur ungestört, es sind im rohr die unisonen dommeln Göthe
w. 14, 220
W.; so sieht man (
die spechte) stundenlang ihre trommel rühren J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 1, 73; die frösche in den sümpfen schlugen ihre hölzernen trommeln dazu H. Fr. Blunck
weibsmühle (1927) 57.
vgl.trommeln 2 a
β u. und bes. 2 b. 22)
als bezeichnung von gegenständen, die eine ähnlichkeit mit der trommel
aufweisen. 2@aa)
für das trommelfell im ohr, bis ins 18.
jh. gebräuchlich, vgl. ohrtrummel
tympano dell' orecchia Kramer
t.-ital. 2 166
b;
auricularium tympanum die trummel des ohrs Pomey
indic. (1720) 200: das im ohr ausgespannte häutlein, so man die trommel nennet Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 356; welch ein wunder, das der ohren kleine trummel oder wand, eh ein kind zur welt gebohren, könne dennoch ausgespannt in der feuchtigkeit bestehen! B. H. Brockes
ird. vergn. (1748) 2, 313. 2@bb)
für ein trommelähnliches gestell, bei dem zwischen einem reifen ein stoff gespannt ist; so als fangnetz: 'trommel,
ein grosser mit reifen ausgespannter garnsack zum fangen der staaren auf den weihern im geröhrig' Kehrein
weidmannssprache (1871) 295,
ähnlich schon bei H. W. Döbel
neu eröffn. jägerpract. (1754) 2, 234;
für einen stickrahmen: ein fünfter, an der trommel, stickte ein blümchen in ihre stickerei Wieland
w. (1797) 21, 11; die weiszstickerei kann man auch im stickrahmen, der sogenannten trommel, ausführen Dillmont
encyklop. d. weibl. handarbeiten (1893) 39. 2@cc)
für hohle trommelähnliche gefäsze, namentlich aus metall, vgl. tromme 3,
im nördl. Deutschland üblich: trommel
blechbüchse, gebäckkasten Schmidt-Petersen 139
a; botanisiertrommel Th. Storm
ges. schr. (1868) 149; eine blecherne kaffeetrommel (
in der gerührt wird) Davidis
kochbuch (1873) 533,
vgl. entlehntes niedersorb. drumla
[] '
kaffeetrommel zum rösten' Bielfeldt
dtsche lehnw. im obersorb. 276;
ähnlich technisch verwendet für hohlräume an maschinen: die in der trommel (
der centrifuge) befindliche milch Schwerz
ackerbau (1882) 830; eine der sinnreichsten wasseruhren ... besteht in einer zinnernen trommel ... v. Schubert
verm. schr. (1823) 4, 267; wird das anwärmen (
des glases) meist an besonderen öfen, trommeln vorgenommen Muspratt
chemie (1891) 3, 1559;
oft für drehbare mischtrommeln an maschinen, wobei keine ähnlichkeit des gefäszes mit einer trommel
mehr vorzuliegen braucht: trummel (
ist) ein cylinderförmiges werkzeug oder gerüste ..., wodurch bei stetigen umdrehen nach und nach hineingezogene galmei zum messingmachen gebeutelt wird
bergm. wb. (1778) 564; trommel für getreide
crible rotatif pour l'orge Hoyer-Kreuter
techn. (1902) 1, 780; kaffeeröstungsapparate stellen cylindrische oder kugelförmige trommeln dar Muspratt
chemie (1898) 6, 287; trommel, aus welcher beim lotteriespiel die nummern gezogen werden L. Boltzmann
pop. schr. (1905) 133;
ebenso für die sich drehenden munitionszuführungen an leichten feuerwaffen: die untersuchung der trommel seines revolvers ergab, dass diese nicht in ordnung war
tägl. rundschau 1907, 610, 1.
beil. 1
a: im nu ist die einzige trommel (
des maschinengewehrs) leer geschossen E. Jünger
das wäldchen 125 (1928) 215. 2@dd)
ohne vorstellung des hohlraums für zylindrische walzen, besonders drehbare seilwinden u. ähnl.: elektrophor mit dazugehöriger trommel C. Fr. Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 1, 91; conductor ... aus hundert und etlichen zwanzig groszen trommeln G. Chr. Lichtenberg
vermischte schr. (1800) 8, 11;
bildlich: dasz der plexus cardiacus die wahre feder und der magen die wahre trommel in der uhr des meisters ist Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 358; trommel
rouleau d'enroulement de la corde Hellwig
wb. der fachausdrücke 89
b; die trommel des gangspills
das breite holzstück, welches oben auf der welle des gangspills befestigt ist Bobrik
seewb. (1850) 422
b; trommel
eine art schiffswinde Mothes
baulex. (1882) 4, 375; trommel
zum auflegen des stehenden gutes der stängen, funnel gobelet Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 1, 780.