vorsehung,
f. ,
vgl.fürsehung th. 4, 1, 1,
sp. 808,
wo über das verhältnis der beiden formen und ihre behandlung durch die älteren lexikographen bereits ausführlich gesprochen ist. anzuführen ist noch vürsehunge Lexer 3, 608; vürsehung Jelinek 911;
lexikographisch wird vorsehung
a. a. o. erst aus Hulsius (1605)
belegt, es findet sich aber schon früher: predestinatio vorsehunge Diefenbach
gloss. 453,
auch bei schriftstellern des 16.
jh. neben dem allerdings weit häufigeren fürsehung: ausz vordachtem rad und vorsehung gotes Luther 34, 1, 490
W.; nach des lands brauch vorsehung thuon Münster
cosm. (1550) 152; vorsehung gottes Kirchhof
wendunm. 4, 145
Ö. dasz Adelung
und Campe fürsehung
verwerfen, ist th. 4, 1, 1
bereits erwähnt, den verteidigern von fürsehung
ist aber noch Gottsched
hinzuzufügen: (fürsehung) es bedeutet aber nicht nur ein vorhersehen, sondern eine göttliche sorgfalt für die menschlichen dinge und die ganze welt. man musz es also nicht vorsehung, sondern fürsehung schreiben
beob. (1758) 243. fürsehung
ist eine nachbildung von providentia, wie schon Adelung
bemerkt hat, vgl. zeitschr. f. dt. wortf. 3, 236;
diese bedeutung wird von vorsehung
übernommen, s. unten 3. vorsehung
ist zunächst das voraussehen, in diesem sinne scheint fürsehung
kaum vorzukommen. oben ist es nur einmal aus Paracelsus
belegt; aber die stelle ist miszverstanden: für die fürsehung, dasz er (
der schlaganfall) nicht komm, soll mans (
das öl) also warm mitten auff den kopff ... salben
op. (1616) 1, 693. fürsehung
hat hier den gewöhnlichen sinn von vorsorge, der schlaganfall soll verhindert werden. 11)
das vorhersehen: vorsehung,
so viel als vorhersehung Krünitz
öcon. encycl. 231, 445; voraus-, vor-, vorhersehung,
prevedimento, prognosticamento Kramer
teutschital. dict. 2 (1702) 754
a;
leicht mit erweiterung des sinnes: es ist besser vorsehung (vorsicht) als nachsehung (nachsicht) 754
a;
vgl. vorsehen 3; beide nährten sich von kastanien, welche die mutter nicht ohne vorsehung in der tasche hatte grafen zu Stolberg (1820) 8, 287. —
im reinen sinn von praevidere: niemand hat sich der vorsehung der finsternisse nützlicher als Hanno gebraucht Lohenstein
Armin. (1689) 1, 783
b. 22)
in der ältesten bedeutung von fürsehung,
auf voraus- und vorhergehender überlegung von möglicher weise eintretenden verhältnissen sich gründende vorsorge, ergreifen entsprechender maszregeln, bereitstellung von mitteln u. ä., vgl. vorsehen 5.
diese bedeutung, von Adelung
schon als veraltet bezeichnet, hält sich noch lange bis ins 19.
jh.; im engeren sinne eine vorsorge, um etwas abzuwehren, zu verhüten (vorsehen 5 b). 2@aa) vorsehung,
cautio Stieler 2026; vorsehung,
providenza, provedimento, provisione, cautela, guardia Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
c; die vorsehung wird nicht unnützlich seyn
ebda; provision die vorsehung Spannutius (1726) 389; vorsehung, '
umsicht und klugheit, womit man etwas vorher berechnet und die mittel zur erreichung einer absicht nothwendig früher wählt' Krünitz
öcon. encycl. 231, 445: aus väterlicher kaiser- und königlicher vorsehung zu stewer der heilsamen justitz
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 22
Palm; zu aller ersprieszlicher vorsehung nichts verabseumen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 77; sie überliesz sich der vorsehung des gesindes Rabener (1777) 1, 211; man erstreckte die vorsehung auf die beschützung seines vorraths hinaus Sonnenfels (1783) 2, 17; sonstige vorsehung wegen des Dresdener kunstvereins Göthe III 12, 342
W.; unübersehbare geneigtheit, günstige vorsehung und hochzuverehrende nachsicht IV 39, 63; (
es) wurde erzählt, der feind mache verdächtige bewegungen an der gränze; und kein mensch dachte an eine vorsehung Ayrenhoff (1814) 3, 337. —
mit abhängigem genit.: provisio bonorum ecclesiasticorum vorsehung gnugsamer kirchengüter Orsäus
nomencl. method. (1623) 111. 2@bb)
besonders häufig, jetzt veraltet, ist vorsehung thun (
vgl. schweiz. idiot. 7, 577); Adelung
beschränkt die wendung auf die sprache der kanzleien; providere, far provisione vorsehung thun Hulsius (1618) 2, 314
a; vorsehung thun zu etwas Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
c; zu seiner zeit
ò bey zeiten vorsehung thun
ebda; vorsehung thun,
providere Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 338
a; man wird dafür vorsehung thun Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 973
a; soll vorsehung thun, das er gutes zeugs schneidmesser ... habe Sebiz
feldbau (1579) 50; vorsehung zu euwer reisz zu thun
theatrum amoris (1626) 334; thaten guete vorsehung wider die Teutschen Brandis
d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 27; musz sie auch vorsehung thun, dasz das vieh ... mit gebührender streu versehen werde Hohberg
georg. cur. 3 (1716) 1, 65
a; so glaubte Karl hierinn von des staats wegen vorsehung zu thun
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 298; der gesetzgeber musz desznahen vorsehung thun, dasz ... Pestalozzi 9 (1930) 104. 2@cc) vorsehung thun
in besonderen wendungen: einer stadt vorsehung thun mit lebensmitteln; einer kirchen mit einem pfarrer vorsehung thun Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 754
a;
hier berührt sich vorsehung
nahe mit versehung (
s. versehung thun
th. 12,
sp. 1265). —
mit dem dativ: so gut nun auch Wenzel glaubte der inneren ruhe des reichs vorsehung gethan zu haben
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 21. 2@dd)
andere verbalverbindungen: maszen ... auch in den pragischen landtagen hievon gleichfals meldung und vorsehung beschehen
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 6
Palm; plur.: immer beschehene vorsehungen 2, 273. — woselbst ich weitere vorsehung für euch haben werde Ettner-Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 139. — Karl machte auch wegen Italien die vorsehung, dasz Bernhard
dieses reich haben sollte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 429. — das vermögen, über das sie vorsehung traf Thümmel
reise (1791) 7, 399; damit man bey zeiten vorsehung treffen und sich ökonomisch darnach einrichten könne Göthe IV 34, 163
W.; fälle, für welche die bestehende gesetzgebung nicht hinreichende vorsehung getroffen habe Ranke (1867) 16, 322. 33)
in der sprache der neuzeit wird vorsehung
fast ausschlieszlich auf gott bezogen oder doch in einer bedeutung gebraucht, die von der religiösen vorstellung abgeleitet ist (
s. vorsehen 4); '
im theologischen sinne ist die vorsehung gottes
die bestimmung aller nicht nur künftiger, sondern auch gegenwärtiger veränderungen seiner geschöpfe' Adelung;
seltener wird in diesem religiösen sinne vorsicht (
s. dieses)
gebraucht; fatalmente durch gottes vorsehung, nöhtig, unveränderlich Hulsius (1618) 2, 148
a; die vorsehung gottes,
la providenza di dio Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
c;
über das erste vorkommen von fürsehung
in dieser bedeutung ist th. 4, 1, 1,
sp. 810
unter 6
gehandelt, wo als ältester beleg eine stelle aus Luther
von 1523
angeführt wird; ältere belege sind: die göttliche fürsehung
buch d. beispiele 140
lit. ver.; in aller weysheit und in der fürsechung gottes (durch allerley weisheit und klugheit
Ephes. 1, 8)
d. erste dt. bibel 2, 159
K. —
während bei der vermenschlichung gottes das wort im sinne des voraussehens gebraucht werden kann, weist eine tiefere auffassung diese vorstellung zurück: gott siehet nichts zuvor: drumb leugstu, wenn du ihn mit der vorsehung miszt nach deinem blöden sinn Ang. Silesius
cherub. wandersmann 119, 92
ndr. die zeit ist für gott nicht vorhanden, alles zukünftige für ihn gegenwärtig, damit aber auch als notwendig bestimmt. doch auch hier macht sich die unter 2
behandelte bedeutung geltend, gottes vorsehung
wird zur fürsorge und verbindet sich unter umständen mit verwandten begriffen: ohn dessen (
gottes) vorsehung und sorg er keinen augenblick könte bleiben Hartmann
fluchspiegel (1672) 47; die göttliche hülff und vorsehung Grimmelshausen 4, 648
Keller. —
ein nonnenorden führt den namen schwestern von der göttlichen vorsehung: er errichtete hernach einen vom könig von Pohlen privilegirten orden der göttlichen vorsehung Schubart
leben u. gesinn. (1791) 1, 189;
vgl. vorsehungsorden, -schwestern. 3@aa)
in älterer sprache in dem eingeschränkten sinne der prädestinationslehre, nach der ein theil zur seligkeit, ein anderer von gott im voraus zur verdammnis bestimmt ist (
gnadenwahl),
vgl. vorsehen 4:
praedestination, vorsehung, gnadenwahl, darvon die Calvinisten irrig lehren Wächtler (1714) 291; man findt vill leut, die geren wolten gewisz seyn oder eyn zeychen haben vom hymell, wie sie mit gott dran weren und yhr vorsehung wissen Luther 2, 694
W.; got hat von ewigkeit geordnet, er wolle etlich durch Christum seligk machen, solliche vorsehung und furgeordnete von ewigkeit berufft er in tzeyt durch die predig des evangeli Eberlin v. Günzburg 2, 46
ndr.; streitiger artikel von der vorsehung, ... ob auch eine jede person zum ewigen leben versehen sei Schweinichen
denkw. 4
Ö.; ein alte mutter hat einsmahl ein sehr lehrreiche predig gehört von der praedestination und vorsehung zu der ewigen glory Abr. a
s. Clara
Judas 2 (1689) 442. 3@bb)
in allgemeiner anwendung von dem vorausschauenden und fürsorgenden walten gottes: auf das wir an deiner vorseung unabweichig klebende ... gesettiget waerden vom überflus der güter Melissus
psalm. 136
ndr.; dasz es gott nicht hat wollen haben und also sein will und vorsehung nicht gewesen Schweinichen
denkw. 23
Ö.; konte ich mich nicht gnugsam über die göttliche vorsehung verwundern Grimmelshausen
Simpl. 355
ndr.; kann die vorsehung gottes zutraulicher, zärtlicher gelehrt werden? Herder 12, 226
S.; (
eine seele,) die bisz zu dem grade erleuchtet ist, dasz sie den plan der göttlichen vorsehung im ganzen vor augen hat Schiller 1, 75
G.; dein wille, unendlicher, deine vorsehung Fichte (1845) 2, 307; kampf und streit der nationen als eine ewige nothwendigkeit von der göttlichen vorsehung geboten Freytag (1886) 13, 56; in seinem vertrauen auf die unmittelbare, persönliche vorsehung gottes G. Keller (1889) 6, 386; wenn gottes vorsehung sich dieses mundes zu ihrer rettung wunderbar bediente Schiller
Wallensteins tod 5, 5. 3@cc)
charakterisierende epitheta: die wunderbare vorsehung des herren in allen seinen creaturen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
c; unvorgreiflich der gütigen vorsehung gottes Sebiz
feldbau (1579) 46; der allmächtigen, allweisen vorsehung gottes Moscherosch
insomnis cura parentum 64
ndr.; o allerweiseste gottheit, wie werden doch die scharffsichtigsten augen verdüstert, wenn sie in die sonne deiner unerforschlichen vorsehung schauen wollen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 78
b; von gottes gnädiger vorsehung Reimarus
wahrh. d. nat. religion (1766) 606; von gottes heiliger vorsehung Chph. v. Schmid (1858) 2, 4. 3@dd)
auf einen einzelnen fall bezogen, der die vorsehung gottes
erkennen läszt: und ist nicht ohne sonderbare vorsehung desz höchsten berührt druckerkunst in den letzten zeiten ... empor gekommen Harsdörffer
teutscher secretar. (1656) 1
vorr. 15; er bewundert ... in der aufgehobenen belagerung von Olmütz ... eine besondere göttliche vorsehung Lessing 8, 35
M. 44)
besonders in neuerer sprache wird vorsehung
gern alleinstehend gebraucht, wobei unter umständen die vorstellung des einen waltenden gottes abgeschwächt oder umgebildet werden kann; vor allem aber kann von der vorsehung
wie von einer person gesprochen werden: '
in höherer schreibweise'
wird nach Adelung
gott vorsehung
genannt. diese einschränkung gilt nicht für die weitere entwicklung der sprache. 4@aa)
im allgemeinen wird die religiöse vorstellung festgehalten, z. b. wenn epitheta mit vorsehung
verbunden werden, wie sie unter 3 c
angeführt wurden: an der unsterblichkeit der seele und an einer gütigen vorsehung zu zweifeln
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 9, 689; Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 21; Göthe 37, 331
W.; IV 32, 31; Fr. Th. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 4. — himmlische, allzeit weise vorsehung
br. von u. an Klopstock (1867) 30; Möser (1842) 1, 243; Bräker (1789) 1, 2; Schubert
a. a. o. 1, 6; Freytag (1886) 12, 208. — die gerechte vorsehung Platen 3, 64
R. — die ewige vorsehung Schubart
leben u. gesinn. (1791) 2, 60; das geheimnis der ewigen vorsehung W. Weigand
d. renaissance (1904) 148. — wie viele oder wenige grosze genies die vorsehung der welt gebe, stellen wir ihr anheim Herder 22, 201
S.; nächst der vorsehung war er seine genesung ... der geschicklichkeit unsers wundarztes ... schuldig G. Forster (1843) 1, 430; der gläubige, von dessen haupt kein haar ohne die vorsehung fällt Klinger (1809) 12, 28; es giebt eine vorsehung in der weltgeschichte Jean Paul 7/10, 344; das verhältnisz des wettlaufs zur vorsehung Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 3; trachtete, vorsehung und freien willen in harmonie zu bringen Laube (1875) 5, 208. 4@bb)
auf einen besonderen fall, ein einzelnes geschehen bezogen: nach solcher ihrer that, welche ich glaub von der vorsehung meiner wegen geschah
schausp. engl. comöd. 219
Cr.; (
jünglinge,) die gewisz durch ganz besondre vorsehung ... in Göttingen zusammen kamen Miller
ged. (1783) 447; es waltet eine besondere vorsehung (
special providence) über den fall eines sperlings
Shakespeare Hamlet 5, 2; den zufall giebt die vorsehung — zum zwecke musz ihn der mensch gestalten Schiller
don Karlos 3, 9. 4@cc)
mannigfaltige wendungen beziehen sich auf das verhältnis der menschen zur vorsehung,
das verhalten gegenüber der vorsehung;
glauben an die vorsehung: du weist, wie ich denke, und wie fest ich an die vorsehung glaube Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 90; eine trostlose lehre hatte ihm die vorsehung und tugend genommen Tieck (1828) 8, 71. —
gefühl der abhängigkeit: Johann Friedrich, der ... alles von der vorsehung erwartete Ranke (1867) 4, 369; (
dasz ich) der meinung war, dasz ich einer vorsehung im leben noch sehr benötigt sein würde G. Keller (1889) 1, 317. —
bitte und dank: die vorsehung ... um unglück zu bitten Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 65; wir erflehen den segen der vorsehung Fr. L. Jahn 2, 369
E.; wie ich auf knieen der vorsehung zu danken habe Gaudy (1844) 2, 143; wir haben der vorsehung zu danken, dasz der erste deutsche kaiser sein leben auf einundneunzig jahre hat bringen dürfen Mommsen
reden u. aufs. (1905) 167. —
unterwerfung und auflehnung: das übrige wollen wir der zeit und der vorsehung überlassen Miller
Siegwart (1777) 2, 357; (
tadelnd:) man brauche nur faul und langsam ... hinter der vorsehung herzuziehen Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 1, 473. — (
ein thor,) welcher frembde kinder in seinem hause will auffziehen und wider die vorsehung streiten Lehman
floril. polit. (1662) 3, 316; nach art aller unbesonnenen, die erst der vorsehung trotzen, dann ihren beistand auffordern Gerstenberg
Ugolino 234
dt. nat.-lit.; um sich gleichsam als rebell gegen die vorsehung zu beweisen Hans Grimm
a. a. o. 1, 419. —
vgl. noch folgende besondere wendungen: wie zerreiszend mag die empfindung seyn, mit der wir dann die vorsehung fragen — warum? Caroline 1, 21
Waitz; sie machen der vorsehung kein sonderlich compliment Göthe 22, 90
W.; in der überzeugung, dasz man der vorsehung nicht so in die karten sehn kann Bismarck
ged. u. erinn. 1, 114
volksausg. 4@dd)
die vorstellung der persönlichkeit liegt auch meistens beim walten der vorsehung
zu grunde: die vorsehung hat ihm nichts recht gemacht
d. vern. tadlerinnen (1725) 2, 218; personen, welche die vorsehung ... verwahrloset zu haben scheint Herder 16, 351
S.; wo die vorsehung ihre räzel auflöszt Schiller 3, 514
G.; die vorsehung liesz es zu, dasz verschiedene sprachen entstanden Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 7; der mensch ist einmal so stolz, dasz er durchaus will, die vorsehung lenke jeden seiner schritte Tieck (1828) 14, 212. 4@ee)
mehr noch tritt die vorstellung der persönlichkeit in folgenden, leicht zu mehrenden, z. th. festen wendungen hervor; wille, absichten der vorsehung: also sind alle veränderungen ... den absichten der vorsehung untergeordnet Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 4, 274; jedermann meinte ... den willen der vorsehung zu erkennen Ranke (1867) 40/41, 52; ob es im willen der vorsehung liege G. Keller (1889) 2, 118. —
gunst der vorsehung: es schenkt dir die gunst der weisen vorsehung die würdigste brunst Günther 1, 314
Kr.; eine besondere gunst der vorsehung Ranke (1867) 3, 300.
plan, rat, beschlusz: die groszen plane der vorsehung zu überschauen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 223. — ist es im rathe der vorsehung beschlossen Iffland
theatral. w. (1827) 2, 173;
in anderem sinne: ach, der lieutenant ... war auch nicht im rathe der vorsehung angestellt Raabe
d. hungerpastor (1864) 205. — nach dem schlusz der vorsehung Gottschedin
br. (1771) 1, 66. — buch der vorsehung: keins von uns hat im buche der vorsehung sein schicksal gelesen H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 76. —
mittel, werkzeuge: erlesene werkzeuge der vorsehung Herder 19, 53
S.; die vorsehung hat tausend mittel, die gefallenen zu erheben Göthe 24, 227
W. —
man spricht von der hand, dem arm, dem finger, dem auge der vorsehung: das heisze der vorsehung in den arm fallen Gaudy (1844) 2, 103. — das heis ich ein würdiges werkzeug in der hand der vorsehung abgeben Schiller
räuber 1, 2; ich hätte sinken können, aber die hand der vorsehung hielt mich Caroline 1, 5
Waitz; ihr seht mich ja in den händen der vorsehung Engel (1801) 6, 111. — die natur des dramas duldet den finger des ohngefährs oder der unmittelbaren vorsehung nicht Schiller 3, 5
G.; wer genauer schauen und den finger der vorsehung erkennen will J. Grimm
kl. schr. 1, 219. — wo ist hier der finger gottes? wo das aug der vorsehung Klinger (1809) 3, 137. —
die vorsehung
winkt und ruft: wenn ich ein frommes kind wär, so könt ich sagen — ein wink der vorsehung Caroline 1, 79
Waitz; Immermann 5, 133
B.; als die vorsehung mir noch furchtbarer winkte Meisl
theatral. quodlibet (1820) 1, 211. — man sieht, dasz mir die vorsehung auf mehr als einer seite zurief Schubart
leben u. gesinn. (1791) 1, 38. —
besonders häufig ist die verbindung wege der vorsehung: an den wegen der vorsehung fast verzweifelnd Herder 26, 364
S.; die wege der vorsehung zu bewundern G. Forster (1843) 1, 9; die höhern wege der vorsehung A. v. Arnim 3, 127 Göthe 37, 248
W.; Hegel (1832) 9, 17; Stifter (1904) 1, 281. 4@ff)
die vorsehung
wird daher wie eine person angeredet: geh deinen unmerklichen schritt, ewige vorsehung Lessing 13, 434
M.; da flehen wir, und unsre kinder, vorsehung, dich an Klopstock
oden 1, 150
P.-M.; hör es, grosze vorsehung! so frevelhaft beschimpft er deine gabe Schiller
dom Karlos 2, 5. 4@gg)
eine abschwächung tritt ein, wenn noch eine andere kraft oder macht der vorsehung
an die seite gestellt wird: berge geben uns wohl den begriff von naturgewalt, nicht aber von wohlthätigkeit der vorsehung Göthe
in schr. d. Götheges. 21, 159; fügung des schicksals und der vorsehung Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 302; absicht der natur und der vorsehung Ranke (1867) 27, 83. —
skeptische auffassung: auszer dem schlechten wetter hat die vorsehung noch erst gestern die wirtschaftsgebäude von Dobblhof angezündet Grillparzer
in jahrb. d. Grillpazrerges. 1, 153. 4@hh)
auf menschliches walten übertragen: eine mutter ist die vorsehung ihrer kinder Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 7, 231; (
er, Friedrich Wilhelm IV., werde niemals zugeben,) dasz sich zwischen gott im himmel und sein land ein beschriebenes blatt gleichsam als zweite vorsehung eindränge, um mit seinen paragraphen zu regieren H. Prutz
preusz. gesch. (1900) 4, 234; sie nannten ihn ... ihre vorsehung
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 371; ich habe mir vorgenommen, ein bischen vorsehung zu spielen W. Weigand
d. ewige scholle (1927) 343;
in der folgenden stelle wiegt bei dem ersten vorsehung
der begriff des vorhersehens vor: wer von uns hätte errathen —
d. h. also die vorsehung der vorsehung sein — können, dasz ... Jean Paul (1826) 33, 12. 55)
als erstes glied von zusammensetzungen, meistens im sinne von vorsehung 4: