vorsehen,
verb. ,
vgl.fürsehen th. 4, 1, 1,
sp. 805,
wo eingehend das verhältnis von für-
und vorsehen
besprochen ist; ahd. fora-, furisehan Graff 6, 121;
ags. foreséon;
mhd. vür-, vorsehen
unter versehen
mhd. wb. 2, 2, 279
b; vorsehen Lexer 3, 479; vürsehen 587; 608; Jelinek 911;
portendere lang vorsehen o. erkennen Diefenbach 448
c;
previdere vor-, vorhinsehen 458
c; vorsähen Maaler 476
b; für-
sive vorsehen Stieler 2025; vor-, fürsehen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 735
a;
ebenso Steinbach 2, 569; vorsehen Adelung; Campe;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1872;
schweiz. idiot. 7, 577; Schmeller-Frommann 1, 746; 2, 246;
mnd. vorsên Schiller-Lübben 5, 441
b;
mnld. voresien Verwijs-Verdam 9, 1074; vorensien 1047;
dän. forese
ist aus dem deutschen entlehnt. —
in älterer sprache fehlt öfters das ge-
des part. prät. —
die bedeutung des verb. ist in neuerer sprache weit enger geworden, noch die sprache des 18.
jh. bewegt sich freier als die der gegenwart. 11) sehen
im eigentlichen sinne, vor
räumlich: vorsehen, vor sich
ò für sich sehen,
guardare avanti ò innanzi di se Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
a.
im sinne von hervor-, aus etwas heraussehen auch jetzt noch möglich, besonders wenn sehen
im sinne von sichtbar sein, werden gebraucht wird: aus der rocktasche sah das taschentuch vor;
doch auch: Peter sah hinter dem ofen vor. —
wieder freier: nahebei sah der mutter himmlisch liebes und sehnend bleiches antlitz aus dem wandgemälde vor Fouqué
zauberring (1812) 1, 41. 22) vor
zeitlich im sinne von vorher, zuvor, z. b. im sprichwort: vorgesehen pfeil thun keinen schaden Lehman
floril. polit. (1662) 1, 74; ein vorgesehener pfeil flüget langsamer Winckler 2000
gutte gedancken (1685) f 12
b; vorgesehene pfeile schaden minder Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 180. — wie es groszer witz wäre, seiner feinde pfeile vorsehen Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1251
a. 33)
mit leichtem übergang, zukünftiges erkennen, jetzt veraltend und nur noch in einzelnen wendungen wie z. b. auf eine nicht vorzusehende weise;
die bedeutung hält sich in unvorhergesehen (unvorhergesehene durchmärsche Göthe 22, 64
W.). —
sehr häufig in älterer sprache: pronosticare zukunfftige dinge vorsehen Diefenbach
gl. 465
a; vorsähen, vorhin mercken,
praevidere Maaler 476
b;
antevedere vorsehen, vorspüren Hulsius (1618) 2, 30
b; voraussehen,
it. vorsehen, vorhersehen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 754
a; '
eine nur noch hin und wieder im gemeinen leben übliche bedeutung' Adelung;
vgl. zeitschr. f. dt. wortf. 12, 64. 3@aa)
prägnant, als besondere gabe: der segelmacher und spökenkieker, der ... die gabe des vorsehens und vorhörens besasz Gorch Fock
seefahrt ist not (1914) 8. 3@bb)
mit dem acc. des objects: es habend ouch die heilgen boten der glychsneren schaden vorgesehen Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 324; er hab disz wesen und dises lebens, so yetz vor augen ist, alles vorgesehen S. Franck
chron., zeytbuch (1531) 216
b; vorsihet wie ein sternverkündiger die theurung Fischart
geschichtklitt. 111
ndr.; als der herr das verderben Jerusalems vorsahe Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 107; o unvernünftige vernunft, die du nur alzuwol ein ding vorsehen, aber leider allzuwenig vorkommen kanst Schottel
haubtspr. (1663) 711; die begierde, bevorstehendes glücke vorzusehen Lohenstein
Armin. (1689) 2, 214
a; sintemahlen ich alles widriges, was mir daselbsten begegnet, wohl hätte vorsehen können Stranitzky
lustige reyszbeschr. 29
Wiener ndr.; die groszen unkosten, so er hier im hause vorzusehen glaubt Petrasch
lustsp. (1785) 227; der mann von geist, der die folgen vorsieht und erwägt Klinger (1809) 5, 206; ich sah schon lange das herzeleid vor maler Müller (1811) 1, 53; kein heuraht wird gemacht, den er nicht vorgesehen Grob
dicht. versuchg. (1678) 71; wenn etwa dann und wann sich etwas ereignen sollte, das man nicht vorsehn kann Wieland (1794) 5, 143. ich sah den tod, der Odins sohne dem tapfern Balder dräute, vor Denis
lieder Sineds (1772) 20. 3@cc)
mit abhängigem satz: die Römer ..., als die wol vorgesehen hatten, was geschehen würde Xylander
Polybius (1574) 37; deszwegen hatt Jesus so starkh geweindt, weil er forgsehen, das einem ... in seinem totbettl zu streiten werde mit disem erschrecklichen feindt Abr. a
s. Clara
neue pred. 48
lit. ver.; weil er vorsah, die nordischen räuber würden seine ... unterthanen nicht mehr ... zu grunde richten Haller
Alfred (1773) 35; du bist sehr unbarmherzig, bruder! — und ihr zärtlicher als vorsehend Göthe 8, 106
W.; vorsehend ihren fall und spot beraittet sich mein hertz, o got Weckherlin
ged. 1, 349
Fischer; der eine lehrt die kunst, was uns die wolken tragen, im spiegel der natur vernünftig vorzusehn Haller
ged. 31
Hirzel; ach wers vorsäh, was es (
das herz) trägt, würde wünschen, thätst ihm fehlen Lenz
ged. 111
Weinhold; ich sehe vor, dasz einstens ihr mir danket Brentano (1852) 6, 304.
acc. c. inf.: weil er alle einwendungen fruchtlos zu seyn vorsah Lohenstein
Armin. (1689) 2, 633
b. 3@dd)
einige besondere wendungen: sollte es über alles vorsehen nicht beschehen Schweinichen
denkw. 161
Ö.; der sonderbare und nicht vorzusehende zufall Göthe IV 26, 180
W.; diesz unglück, vorgesehen oder nicht I 10, 357; weisheit mag vorgesehne gefahr abwenden Klinger (1809) 2, 368. — dasz der vater oft dahin vorgesehen hatte, wohin sie selbst bisher noch nicht gedacht Stifter (1904) 1, 258. — vorzusehen sein,
vorauszusehen sein: lauter bedingungen, von denen leicht vorzusehen war, dasz sie Heinrich nicht halten werde
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 2, 291; nicht leugnen will ichs: grosz ist unser elend; doch vorzusehen wars J. v. Collin (1812) 2, 134. des vorsehens,
in der voraussicht schweiz. idiot. 7, 577; meines vorsehens,
wie ich es sehe Wedel
hausb. 5
lit. ver. —
das verb. kann in allgemeinerem sinne gebraucht werden: accorgersi di qualche cosa etwas vorsehen, ersehen, vermercken Hulsius (1618) 2, 6
b; weit sehen, vorsehen, scharpfsinnig seyn 2, 10
a. 44)
auf gott bezogen: er sieht alles geschehen in seiner allwissenheit voraus; damit kann sich die vorstellung verbinden, dasz alles geschehen seinem willen entspricht, von ihm von ewigkeit her bestimmt ist. die prädestinationslehre bezieht sich dann in engerem sinne auf die vorausbestimmung des menschen zur seligkeit oder verdammnis; hier kann das verb. mit persönlichem object verbunden werden. neben dieser strengen auffassung steht eine mildere, wobei sich mit dem wort die vorstellung der gütigen fürsorge verbindet (
vgl. vorsehung):
predestinare vorsehen zu der ewigen seligkeit Diefenbach
gl. 453
a;
esse in fatis von gott also vorsehen seyn Corvinus
fons lat. (1646) 327;
fataliter vorsehener weisz 328; gott wird vorsehen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 153
a;
praedestiniren vorsehen, zuvor erwehlen Wächtler (1714) 291; nun es gehe, wie es wöll, so geht es, wie gott wil, vorweisz und vorsehen hat S. Franck
paradoxa (1558) 40
a; dieses ist die stund, so gott von ewigkeit hat vorgesehen Spee
güld. tugendb. (1649) 221; weil sie (
die zukunft) in dem weltenplane gottes vorgesehen ist Lagarde
dt. schr. (1886) 482; ob er (
gott) durch sein macht und vorsehen gschehens könn machen ungeschehen Fischart
dicht. 2, 351
Kurz; wer sich zum vorsehenden hält, den wird er erretten Bodmer
Noah (1752) 242.
gnadenwahl: wiewol got vorschen hatte, das gewiszlich auch vom naturlichen samen Abrahe sollten kinder der benedeyung kommen Luther 10, 1, 1, 503
W.; den dat godt vorseen heefft, dat he sal sündigen, den hebbe he also vorsehen, dat he sundigen möthe Rotmann
restitution 67
ndr.; das got von ewikeit hero hat vorgesehen, das diser oder jener werde ein kindt der selikeit sein Abr. a
s. Clara
neue pred. 24
lit. ver.; seine gnadenwahl kommt ursprünglich aus seiner vorgesehenen würdigkeit der menschen Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 412. —
in freier, untheologischer anschauung: als sie (
Venus) gesehen, sic voluere fata, es also unvermeidlich vorsehen sein, das Ilium soll in Italien portirt werden Fischart 3, 39
Hauffen; diesem übel zu begegnen haben die vorsehenden gottheiten solche wesen geschaffen Göthe IV 22, 191
W.; aber auch hier waltete das vorsehende schicksal über Rom Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 136. 55)
die bedeutung voraussehen liegt auch dem allgemeinen, nicht auf gott bezogenen gebrauch zu grunde und kann unter umständen betont werden (vôrseien is jümmer beter asse nâseien Schambach 277
a),
mit der voraussicht verbindet sich aber leicht die vorsorge. zu beachten ist dabei, dasz in der älteren sprache das einfache vorsehen
auch in der bedeutung erscheint, in der jetzt ausschlieszlich sich vorsehen
gebraucht wird: darauf achten, sich so verhalten, maszregeln treffen, dasz kein schaden eintritt, dasz etwas verhindert wird, sich in acht nehmen, vorsichtig
sein. 5@aa) vorsehen,
provedere d'avanzo Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
a;
providiren vorsehen, vorsorgen, verwalten Spannutius (1720) 356; Ottilie fand nun im garten die frucht ihres vorsehens Göthe 20, 304
W.; wer vorsieht, ist herr des tages 42, 2, 227; weder sei vorgesehen worden, noch eigne ich mich dazu G. Keller (1889) 2, 100; eine wiege hatte sie auf dem boden auch gefunden; also da war vorgesehen W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 27. —
vorsorgend auf etwas achten: aber hinten hätt er nicht vorgesehn, dasz da auch wieder leute stehn Göthe 16, 113
W. 5@bb)
mit schärferer betonung des abwendens oder vermeidens eines möglicher weise eintretenden geschehens: cavere vorsehen Diefenbach
gl. 108
a;
schifare, guardare, vermeiden, vorsehen, entfliehen, entgehen Hulsius (1618) 2, 356; vorsehen, dasz kein unglück geschehe Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
b; als ob man da sich vergessen müszte, wo es doppelt vorsehen gilt O. Ludwig (1891) 1, 204; da kommt der künftge kaiser an, der erb von Österreich, wenn ihr nicht vorseht Grillparzer 9, 15
Cotta; ein unglück wird gewisz geschehen; es abzuwenden, vorzusehen fehlt mir gedanken und begriff Rückert (1867) 6, 152. vorsehen für, vor,
vgl. heutiges sich vorsehen vor: ein hauptmann soll ... für geitz, gotteslesterung ... zum fleiszigsten vorsehen Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) 2. —
nähere angabe durch abhängigen satz: aber es musz der schmeltzer ... sonderlich vorsehen, das er nicht das ertz mit den zusetzen vermischet Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 323; die erste regel ist, vorzusehen, dasz man nicht über stock und block stolpert W. Alexis
Isegrimm (1854) 434. 5@cc)
vorsorge treffen, mit dem dat. einer person oder sache: ich habe der sache schon vorgesehen Adelung,
der diese wendung als veraltet bezeichnet: hast du dir vorgesehen, o mensch, in guter zeit und in tagen des glücks daran gedacht, 'wie helfe ich mir in tagen des unglücks ...?' Harms
verm. aufsätze (1853) 26; dem allen aber hat der himmel vorgesehen
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 56; bald ist dir auch die macht, dir vorzusehn benommen J. E. Schlegel (1761) 1, 263; ist somit dem fünf der sinne vorgesehn im paradiese Göthe 6, 265
W. 5@dd)
mit dem acc. einer sache oder person; besonders häufig in neuerer geschäftssprache in dem sinne von in aussicht nehmen, in rechnung ziehen, vorausblickend anordnen, besorgen, bestimmen u. ä.; vorgesehener fall: auch diesen fall hatte er in seinem plane vorgesehen O. Ludwig (1891) 1, 309; nach einiger zeit trat nun wirklich der vorgesehene fall ein Ranke (1867) 2, 203; in dem contracte ... wird der doppelte fall vorgesehen Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 239; auszer den in diesem gesetze vorgesehenen fällen
bürgerl. gesetzb. einführungsgesetz 42, 9. — zu denen ordentlichen, in des reichs satzungen vorgesehenen mitteln Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 179; (
es war) für lange zeit eine eintheilung der jährlichen schläge vorgesehen Göthe II 6, 100
W.; das wahlgesetz hatte nichts vorgesehen Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 164;
einen nicht in der verfassung vorgesehenen oberbeamten Mommsen
röm. gesch.4 3, 104; im etat die befriedigung zahlreicher mehrbedürfnisse vorzusehen Bismarck
polit. reden 3, 4
K.; für einen bestimmt vorgesehenen zweck Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 121; ohne einen einzigen soldaten und eine einzige kanone mehr zu beanspruchen, als die oberste heeresleitung vorgesehen Beumelburg
sperrfeuer um Deutschland (1929) 151. 5@ee)
in allgemeinem sprachgebrauch mit sächlichem object, mit der voraussicht verbindet sich die vorstellung der vorsorge, der getroffenen maszregeln, der bereit gestellten mittel: so liesz sich nach und nach gar manches in zeiten vorsehen Göthe IV 34, 197
W.; es ist alles vorgesehen, hier im dorfe steht unser wagen, wir haben geld, reiseerlaubnisz, was wir brauchen Holtei
erz. schr. (1861) 14, 158; wenn sie selbst dies vorgesehen haben, so habe ich unnöthigen diensteifer gezeigt Freytag (1886) 2, 155; begab er sich an den vorgesehenen ort Alverdes
Reinhold (1931) 17; doch dasz wir auch nicht also bald ohne trost von ein ander gehen, so hats sanct Martin auch vorsehen unt uns ein feiste gansz gebracht W. Spangenberg
ausgew. dicht. 113
Martin; um zum entführungswerk das nöthge vorzusehen Wieland (1794) 22, 202; es sind ehrenmänner, die unsern vortheil weislich vorgesehn Immermann 16, 369
B. 5@ff)
nachfolgender satz mit dasz: es war daher durch eine stillschweigende übereinkunft vorgesehen worden, dasz so wenig gefahr als möglich entstände Immermann 6, 38
B.; instinctmäszig ist vorgesehn, dasz in der einzelnen sprache wenig oder keine gleichlautige wurzeln für verschiedene vorstellungen statt haben J. Grimm
kl. schr. 1, 287; besonders wird vorgesehen, dasz die vier statthalter ... auch dem minister unterstehen Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 202. 5@gg)
veraltet ist vorsehen mit,
wodurch das verb. sich dem gebrauch von versehen
nähert, von dem es die vorstellung der vorsorge unterscheidet: er liesz im auch sein pferdt mit aller zuogehore vorsehen, des geleichen auch sein kleydung Warbeck
d. schöne Magelone 7
Bolte; so wurden deren (
der armen) täglich vil zu hoff mit aller notturfft vorgesehen Brandis
d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 110. 66)
am häufigsten ist in neuerer sprache sich vorsehen,
besonders in der bedeutung von cavere, zusehen, maszregeln treffen, dasz etwas möglicherweise eintretendes nicht geschieht, eine schädigung irgend welcher art verhütet wird, wofür in älterer sprache auch das einfache vorsehen
gebraucht werden kann (
oben 5 b).
in gleicher bedeutung in älterer sprache vor sich sehen: sihe für
dich, trew ist miszlich S. Franck
sprichw. (1541) 64
a; Adelung
wollte sich vorsehen
aus diesem älteren gebrauch herleiten: '
eigentlich vor sich sehen,
damit man im gehen keinen schaden leide'. sich vorsehen
ist aber aus der unter 5 g
behandelten anwendung des verbums zu erklären: sich mit dem notwendigen versehen (
s. unten 7),
dann eingeschränkt auf die vorsorge zur abwendung eines übels (
vgl. vorsicht und vorsichtig). 6@aa)
alleinstehend oder mit sinnverwandten verben verbunden: sehet euch vor,
guardatevi Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
b; wo und wie der jung (
schiffer) sich hinführo vorsehen, hüten und behutsam fahren solle Schupp (1663) 4; sein geistlicher den traum als böse ausdeutete und ihn sich vorzusehen warnete Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) l 3
a; ich rathe ihnen, mamsell, sehen sie sich vor Lessing 2, 37
M.; wo denn jedermann sich selbst vorsehen mag Göthe IV 22, 112
W.; holla Franz! siehe dich vor! dahinter stekt irgend ein verderbenschwangeres ungeheuer Schiller
räuber 4, 2; mehre häuser (
handelshäuser), die sich nicht vorgesehen hatten, fingen an zu wanken Hauff (1890) 2, 177; das königliche Burgund läszt sich nicht fangen wie ein wild, er mag sich vorsehen Freytag (1886) 2, 42; mit ihm nachsichtig sein, sich selbst aber vorsehen und mit sich vorsichtig sein S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 282; drum wein und weiber machen narrn, wie hoch mit weiszheit viel gebarn; wer sich nicht vorsicht, mags erfahrn Kirchhof
wendunm. 2, 17
Ö. 6@bb)
oft mit adv. bestimmungen: die pilgerin hatte so gut sich vorgesehen, dasz man sie nicht wiederfand Göthe 24, 92
W. — er hat sich wol vorgesehen Kramer
teutschital. dict. 2 (1702) 753
b; bin gewarnet worden, ich möchte mich wol vorsehen Rist
d. friedenwünsch. Teutschland (1648) 18; (
dasz ein hirsch) auch einen jäger, der sich nicht wol vorsieht, forkelt Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 74. — (
der imker soll,) damit er sich desto besser vorsehe ..., eine larve mit augenspigeln nemmen Sebiz
feldbau (1579) 305; wer einmahl betrogen, musz sich hernach besser vorsehen
Reinicke fuchs (1650) 234. — als ich mich aber nicht recht vorgesehen Böhme
roszartzney (1618)
vorr.; wer sich nicht hinlänglich vorsiehet
d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 16; ich könnte mich nicht genug vorsehen Göthe 43, 216
W. — wo wir uns am wenigsten vorsehen Luther 34, 2, 381
W.; als sahe er sich hierin nicht weniger vor Chemnitz
schwed. krieg 2 (1658) 46. wie hat der grosze mann so schlecht sich vorgesehen A. Gryphius
trauersp. 569
Palm. sich auf allen ecken vorsehen müssen Kramer
a. a. o. 2, 753
b. — haben wir uns bisher lebhaft, ja mit heftigkeit vorgesehen und verwahrt Göthe II 2, 68
W. 6@cc)
mit angabe der besonderen umstände, der besonderen lage: gleichwol aber soll man sich in dieser freyheit zu tichten vorsehen Opitz
poeterei 22
ndr.; die Franzosen hatten bei androhender gefahr sich zeitig vorgesehen Göthe 33, 297
W.; ich warne dich, dasz du im schieszen dich vorsiehst br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 61. 6@dd)
von pronominalverbindungen ist die mit vor
am häufigsten (
in älterer sprache für): sich ... vor solcher und dergleichen gefahr je und allezeit hüten und vorsehen Rinckhart
christl. ritter 8
ndr.; er sehe sich nur vor des hirten hunden vor Jac. Böhme 5, 648
Schiebler; er solte sich vor dem pfaltzgraffen wol vorsehen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 163; vor kinder und narren musz man sich hüten und vorsehen Lehman
floril. polit. (1662) 4, 9; sich vor taschendieben ... vorzusehen Brentano (1852) 4, 359; vor dem raben nur sehet euch vor, der hinter ihr krächzet Schiller 11, 107
G. ungewöhnlich: man kan sich vor dieses nicht vorsehen Steinbach 2, 569. —
seltener ist gegen: sich gegen ein gewehr vorsehen,
declinare arma Stieler 2025; sich vorsehen ... für
ò gegen jemand Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753
b; ich konnte mich niemals gegen mörder vorsehen Laube (1875) 4, 213. —
vereinzelte wendung: sich von solcher pestilentzischen seuche besten fleiszes hütten und vorsehen Butschky
Pathmos (1677) 7. —
bei sich vorsehen mit
kann der sinn von cavere vorliegen, doch s. auch unter 7: da hätten wir denn einmal wieder die erfahrung, wie sehr man sich mit allerlei hausfreunden vorzusehen hat Mörike 3, 138
Göschen; der Schwede musz sich vorsehn mit dem Deutschen Schiller
Wallensteins tod 1, 5. 6@ee)
bei der verbindung mit dasz
und einem abhängigen satze, von der Adelung
behauptete, dasz vorsehen
so am häufigsten gebraucht werde, ist zu unterscheiden, ob der satz im ganzen, bzw. in einem theil verneint ist oder nicht. 6@e@aα)
der erste fall ist weitaus häufiger, wobei sich vorsehen
den sinn von cavere hat: man musz sich vorsehen, dasz einem niemand den beutel fege Steinbach 2, 569; ermane ich dich treulich, du wollest dich ye mit fleysz vorsehen, das sie dich nicht betryege Hutten 2, 190
B.; zum fünften sollte ich mich auch im bade vorsehen, dasz ich nicht ein unglück bekäme Schweinichen
denkw. 119
Ö.; er solte sich wol vorsehen, dasz er nicht über gebühr handelte Bucholtz
Herkuliskus (1665) 64; die gesandten ... sich wol vorsahen, dasz sie auf keinerlei weise sich verreden möchten A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 1123; dennoch aber müssen wir uns vorsehen, dasz wir auch darin ihren urtheilen nicht zu viel trauen J. E. Schlegel (1761) 3, 344; alle theile sehen sich ... vor, dasz ja das ganze in keinem kleinsten theil durch wankelmuth und willkür gefährdet werde Göthe 44, 1, 220
W; siehe dich vor ..., dasz ich dir nicht einmal derb übers maul wische R. Huch
d. grosze krieg (1920) 2, 318; drum sich dich eben vor, dasz in dem güldnen becher der tod nicht etwa sey Rachel
sat. ged. 51
ndr.; so siehe dich vor, dasz den hafen ein andrer nicht einnimmt Herder 26, 265
S.; ich musz mich wohl vorsehen, dasz ich die sach nicht mach zu grob Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 431. 6@e@bβ)
sorgsam achten, mit behutsamkeit vorsorge treffen: aber sieh dich vor, dasz du in einer stunde wieder da bist J. E. Schlegel (1761) 3, 557. —
in der folgenden stelle ist der satz mit dasz
nicht verneint, sich vorsehen
hat aber doch den sinn von cavere: wir sullen uns nu vore sehen mit suren listen, daz uns der selbe christen kume in unser lande, legende mancherhande stricke vor sine vuze
Daniel 5546
Hübner. 6@ff)
andere verbindungen: seht euch vor, was ihr verrichtet G. Keller (1889) 4, 188; du junges volk, geh, eil zum tantzen, sieh dich vor, damit du nicht versihst die schantzen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 416. selbst minister ... sehen sich sehr vor, eine sache zu thun, die durch bestimmte gesetze verboten ist Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 323. 77) sich vorsehen,
besonders sich vorsehen mit (
letzteres anders unter 6 d)
kann auch heiszen sich in voraussicht des kommenden oder möglicher weise kommenden vorbereiten, mit mitteln versehen, maszregeln treffen u. ä., vgl. einen vorsehen mit
unter 5 g;
natürlich wird es auch hier sich besonders oft um vorsorgliche abwendung eines übels, eines mangels, einer schädigung handeln: sich mit guten gegengründen gegen jemand vorsehen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 153
a; sieh dich nur dabey in kleidung und sonst einigermaszen vor Göthe IV 21, 2
W.; und das dort? — ist meine eigene stube, die für euer gnaden hergerichtet ist. wir haben uns vorgesehen Bauernfeld (1871) 5, 109; habe mich schon vorgesehen und stöcke machen lassen G. Keller (1889) 3, 77. —
prägnant: ich hatte mich schon frühzeitig vorgesehen,
d. h. gegessen H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 364. —
scherzhaft: er hat sich gut vorgesehen,
ist betrunken Lichtenberg
verm. schr. (1800) 3, 38. 88) sich vorsehen auf,
sich vorbereiten auf etwas: wenn ich mich nicht so gut auf alles vorgesehen hätte Ayrenhoff (1814) 9, 21. —
in der wendung sich auf etwas nicht vorgesehen haben
kann der sinn noch mehr verblassen zu der bedeutung von nicht erwarten: da sich die Asiaten auf einen neuen besuch gar nicht vorsahen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 105. — auf eine solche lobrede hatte ich mich freilich nicht vorgesehen Göthe 13, 1, 55
W. 99) vorgesehen
als wirklicher ausruf, als aufforderung zum ausweichen: '
wenn die sänftenträger in Oberdeutschland die vor ihnen hergehenden mit einem aufgeschaut!
warnen, so rufen sie in Obersachsen vorgesehn!' Adelung; von dem vorgesehn der lastträger erschreckt Thümmel
reise 6, 419; da tönt in meine ohren ein lautes: 'ho! ho! vorgesehn!' Gaudy (1844) 3, 155. —
in freier anwendung: lieber leser, vorgesehen Bode
Thomas Jones (1786) 1, 31; vorgesehn vor den harpyen! sie waren und sind ein kreuz der symboliker Voss
antisymb. 2 (1826) 91; also vorgesehen, weil es noch zeit ist G. Keller (1889) 5, 18.