Schicksal gelegentl ‘Schik-’, in der Frühzeit, bes in Briefen u Tagebüchern bis zur Italienischen Reise, meist ‘-saal’ (auch in Kombination, zB GWBAA110,8 Werth1 I); einmal Kleinschr GWBB3,86,13. Wie ‘Geschick’ u ‘Schickung’ subst Abstraktbildung zu ‘schicken’, aber mit weit über 1000 Fundstellen deutlich höher belegt (‘Geschick’, Pkt A ca 250, ‘Schickung’ 19 Belege). Sehr häufig in festen, zeitsprachl-usuellen Vbdgn u Wdgn wie ‘das S. leitet, gebietet, lehrt, treibt, quält’, ‘sein S. erwarten, ertragen, aufhalten’, ‘dem S. entgehen, widerstehen’, ‘sich in sein S. finden, ergeben’, ‘sich mit dem S. aussöhnen’, ‘jdn seinem S. überlassen’, auch ‘Wink des S-s’ ua; bes in Pkt 1b auch mit entspr, die Unverfügbarkeit des Schicksals ausdrückenden Attr: ‘sonderbares, ungewisses, (un)erbittliches, unseliges, ehernes, ewiges S.’ usw. — Jenseits aller situativ, kontextuell od rollensprachl bedingten Äußerungen steht die Schicksalsvorstellung Goethes in der Spannung zwischen einer von außen einwirkenden Macht u einer inneren, den Kern des Individuums bildenden u sein Verhalten steuernden Disposition. Diese unterschiedlichen Facetten zeigen sich schon früh, so in dem immer wieder - ernst od spielerisch - bekräftigten Vertrauen in ein gutes, wohlwollend leitendes Geschick einerseits u der kraftgenialischen Selbstermächtigung großer, insbes dramatisch gestalteter Individuen (Prometheus, Götz, Egmont, Faust) andererseits; und noch der zweite Teil des ‘Faust’ läßt sich aus derselben Grundspannung von Determination u Freiheit interpretieren. Damit berührt sich der Begriff des Schicksals eng mit dem des ‘Dämon’ (sd Pkt 2-4) bzw des ‘Dämonischen’ (s ‘dämonisch’ Pkt 2) in seiner spezifisch Goetheschen Profilierung. Zugl spiegelt sich auch hier Goethes Überzeugung von der Existenz einer in allen Seinsbereichen wirkenden, durchgreifenden Gesetzmäßigkeit, die im Zweifel aber weniger einer transzendenten (göttlichen) Instanz zugeschrieben denn als innere, personale od naturimmanente Triebkraft vorgestellt[] wird. Daneben finden sich durchgehend auch krit bis skeptisch-distanzierte Bemerkungen, die mit bestimmten willkürlichen Wendungen des (eigenen) Schicksals hadern. Mitunter - wiederholt auch in dramentheoret Überlegungen - bekommt der Begriff die Färbung eines eigenmächtigen, unbeherrschbar-dynamisch sich vollziehenden (Welt-)Geschehens u damit einen dezidiert modernen Zug (s bes den zweiten Unterpkt zu 1b).1) 1 das, was dem Menschen ‘geschickt’, dh (durch höhere Fügung, Vorsehung) bestimmt ist u widerfährt; auch in Überschneidung mit 2 a insgesamt das Ergehen eines Einzelnen od einer Gemeinschaft, ihr Los, ihr Geschick (im Lebensmaßstab) [Aufbruch aus Frankfurt nach Italien; Abschied von Lili Schönemann] Lili Adieu Lili zum zweitenmal! Das erstemal schied ich noch hoffnungsvoll unsere Schicksaale zu verbinden! Es hat sich entschieden - wir müssen einzeln unsre Rollen ausspielen GWBT1,8,22 v 30.10.75 [aus Eisenach] Meine Nähe zu dir fühl ich immer..Durch dich habe ich einen Maasstab..für alle Menschen, durch deine Liebe einen Maasstab für alles S. GWBB6,302,12 ChStein 17.6.84 Mit ein Paar Worten muß ich Ihnen nur sagen: daß es mir dießmal..mit der Farbenlehre zu gelingen scheint. Ich stehe hoch genug um mein vergangenes Wesen und Treiben, historisch, als das S. eines Dritten anzusehen GWBB16,232,5 Schiller 22.5.03 [der Pfarrer:] Vieles wünscht sich der Mensch, und doch bedarf er nur wenig;|Denn die Tage sind kurz, und beschränkt der Sterblichen S. GWB50,223 HermDor V 14 Timur Nameh, Buch des Timur, faßt ungeheure Weltbegebenheiten wie in einem Spiegel auf, worin wir, zu Trost und Untrost, den Widerschein eigner S-e erblicken GWB411,88,9 Anz:Div GWB39,108,3 Götz1 III~GWB8,107,20 Götz2 III GWBB27,157,19 WHumboldt 1.9.16 K GWB32,7,24 ItR GWB44,338,14 CellAnh X FlorentinZustände GWBN12,77,5 Witterungslehre 1825 uö(sehr häufig) prospektiv auf Künftiges gerichtet: etw unmittelbar u unausweichlich Bevorstehendes od ferner zu Erwartendes, eine kommende Entwicklung, den weiteren Gang der Dinge, des Lebens, der Geschichte usw [Silva zu Egmont, nach der Verlesung des Todesurteils:] Du weißt nun dein S.; es bleibt dir wenige Zeit dich drein zu ergeben, dein Haus zu bestellen und von den Deinigen Abschied zu nehmen GWB8,293,1 Egm V [erneut auf dem Gotthard] hier oben..wo ich mich vor vier Jahren mit ganz andern Sorgen, Gesinnungen, Planen und Hoffnungen..einige Tage aufhielt, und mein künftiges S. unvorahnend durch ein ich weiß nicht was bewegt Italien den Rücken zukehrte.. GWB19,300,3 BrSchweiz II [Thoas, unter dem Eindruck von Iphigenies vermeintlichem Verrat, im Selbstgespräch:] Vergebens hofft' ich, sie mir zu verbinden;|Sie sinnt sich nun ein eigen S. aus.|Durch Schmeichelei gewann sie mir das Herz:|Nun..so sucht sie sich|Den Weg durch List und Trug.. GWB10,78 Iph2 1799~GWB39,388,14 Iph1 V 2 Sollten nicht, sagte er [Wilhelm] manchmal im Stillen zu sich selbst, uns in der Jugend wie im Schlafe, die Bilder zukünftiger S-e umschweben, und unserm unbefangenen Auge ahnungsvoll sichtbar werden? GWB22,58,7 Lj IV 9 [Susanne:] Das überhand nehmende Maschinenwesen..ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter..Hier bleibt nur ein doppelter Weg, einer so traurig wie der andere; entweder selbst das Neue zu ergreifen und das Verderben zu beschleunigen, oder aufzubrechen..und ein günstigeres S. jenseits der Meere zu suchen GWB251,249,27 Wj III 13 GWBB2,205,10 Sophie La Roche [19.?11.74 Korr GB21,136] GWB31,228,25 ItR GWBB8,226,7 CarlAug [29.?]5.87 GWBB11,101,28 Meyer 20.6.96 GWB36,341,15 Zu brüderlAndenkWielands 1813 uö(häufig) als Wirkung od mit der impliziten Vorstellung einer übergeordneten, autonom herrschenden (göttlichen) Macht (teilw übergehend zu 1b) [Palmire zu Seide:] Wie hat der Himmel unser S. [destinées] doch|In allem inniglich verbunden! uns|Zu Einem Willen väterlich vereint! GWB9,315 Mahomet 868 Gott im Himmel! Hast du das zum Schiksaal [ Schicksale GWBWerth2] der Menschen gemacht, daß sie nicht glüklich sind, als eh sie zu ihrem Verstande kommen, und wenn sie ihn wieder verliehren! GWBAA110,8 Werth1 II [Arkas zu Iphigenie:] Als dich ein tief geheimnißvolles S.|Vor so viel Jahren diesem Tempel brachte,|Kam Thoas dir, als einer Gottgegebnen,|Mit Ehrfurcht und mit Neigung zu begegnen,|Und dieses Ufer ward dir hold und freundlich GWB10,7 Iph2 97~GWB39,326,25 Iph1 I 2 [über literar Gattungen] Der Roman..fordert Gesinnungen und Begebenheiten, das Drama Charakter und Tat. - Im Roman darf der Zufall mit handeln, aber der Mensch muß dem Zufall eine Form zu geben suchen. Im Drama muß das Schicksal herrschen und dem Menschen widerstreben usf GWBGespr(He1,597) Schiller 2.6.95 Wallenstein..Ein astrologischer Aberglaube nährt seinen Ehrgeiz, er..betrachtet sich gern als einen besonders Begünstigten des S-s und überläßt sich ausschweifenden Hoffnungen um so zuversichtlicher, da ihm sein Horoskop die Gewährung derselben zu verbürgen scheint.. GWB40,37,8 Üb:Piccolom [G/Schiller] GWB26,211,6 DuW 4 GWB10,73 Iph2 1684 GWB39,197 PromethFragm 1773 Vs 44 GWB40,208,19 u 209,3 u 210,10 Staël,Dichtgn GWB27,230,22 DuW 9 uö als Folge der individuellen Veranlagung u charakterlichen Prägung eines Menschen, seiner unbezwingbaren inneren Natur od Triebkraft, seines persönlichen ‘Δαίμον/Dämon’ [Egmont:] Es glaubt der Mensch sein Leben zu leiten, sich selbst zu führen; und sein Innerstes wird unwiderstehlich nach seinem S-e gezogen GWB8,301,9 Egm V Im Trauerspiel kann und soll das S., oder welches einerley ist, die entschiedne Natur des Menschen, die ihn blind da oder dorthin führt, walten und herrschen, sie muß ihn niemals zu seinem Zweck, sondern immer von seinem Zweck abführen..Im Epos ist es grade umgekehrt.. GWBB12,101,12 Schiller 26.4.97 [Erläuterung zu ‘Urworte. Orphisch’] Δαίμων, Dämon..Der Dämon bedeutet hier die nothwendige, bei der Geburt unmittelbar ausgesprochene, begränzte Individualität der Person, das Charakteristische..Diese Bestimmung schrieb man dem einwirkenden Gestirn zu..Hiervon sollte nun auch das künftige S. des Menschen ausgehen, und man möchte..gar wohl gestehen, daß angeborne Kraft und Eigenheit mehr als alles Übrige des Menschen S. bestimme GWB411,216,13u16 Üb:Urworte Des Menschen Verdüsterungen und Erleuchtungen machen sein S.! Es täte uns Not, daß der Dämon uns täglich am Gängelbande führte und uns sagte und triebe, was immer zu tun sei. Aber der gute Geist verläßt uns und wir sind schlaff und tappen im Dunkeln GWBGespr(FfA II 12,651,2) Eckermann 11.3.28 GWBGespr(He2,488) Riemer 6./10.12.09 GWB51,148,4 ThS II 5 uö in bildh Zshg od Vergl; auch in Berührung mit 1b So stand es denn im Buche des S-s auf meinem Blatte geschrieben, daß ich 1786 den acht und zwanzigsten September..Venedig zum erstenmal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, erblicken..sollte GWB30,97,1 ItR~GWBT1,241,5 v 28.9.86 Der Faden seines [Wilhelms] S-s hatte sich so sonderbar verworren; er wünschte die seltsamen Knoten aufgelös't oder zerschnitten[] zu sehen GWB22,68,12 Lj IV 12~GWB51,227,11 ThS III 7 [Egmont zum Sekretär, auf dessen u des Grafen Oliva Aufrufe zur Mäßigung:] Kind! Kind! nicht weiter! Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers S-s leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts als, muthig gefaßt, die Zügel festzuhalten.. GWB8,220,22 Egm II Seele des Menschen,|Wie gleichst du dem Wasser!|S. des Menschen,|Wie gleichst du dem Wind! GWB2,57 Gesang dGeister 34 [Stella zu Cäcilie, angesichts der ausweglosen Dreierkonstellation:] Tiefe Wunden schlägt das S., aber oft heilbare. Wunden, die das Herz dem Herzen schlägt, das Herz sich selber, die sind unheilbar und so — laß mich sterben GWB11,193,8 Stella2 V GWBB1,189,16 Friederike Oeser 13.2.69 GWBB6,167,28 ChStein [28.5.]83 GWBB6,96,21 Knebel 21.11.82 uö b in mehr od minder deutlicher Personifikation als unverfügbare Macht, die über dem Menschen, seinem Leben, seinen Verhältnissen u Geschicken waltet; auch in bildh Zshg; öfter entspr attribuiert: ‘ehernes, heiliges, ewiges, gebietendes S.’ usw Ich weiß nicht, was mir hier gefällt,|In dieser engen kleinen Welt|Mit holdem Zauberband mich hält?|Vergess' ich doch, vergess' ich gern,|Wie seltsam mich das S. [ Schicksaal Var] leitet;|Und ach ich fühle, nah und fern|Ist mir noch manches zubereitet GWB1,102 Einschränkung 5 [Titel der Erstfassung: ‘Dem Schicksaal’ GWB1,394] Warum gabst du uns die tiefen Blicke,|Unsre Zukunft ahnungsvoll zu schaun,|..Warum gabst uns, S., die Gefühle,|Uns einander in das Herz zu sehn,|Um durch all die seltenen Gewühle|Unser wahr Verhältniß auszuspähn? GWB4,97 Warum gabst du uns 5 [über Schiller] Hier [auf der Bühne] schildert er das S., das gewaltig|Von Tag zu Nacht die Erdenachse dreht,|Und manches tiefe Werk hat, reichgestaltig,|Den Werth der Kunst, des Künstlers Werth erhöht GWB16,167 EpilSchillersGlocke 59 Mir kommt vor, das sey die edelste von unsern Empfindungen, die Hoffnung, auch dann zu bleiben, wenn das Schicksaal uns zur allgemeinen Nonexistenz zurückgeführt zu haben scheint. Dieses Leben, meine Herren, ist für unsre Seele viel zu kurz.. GWB37,129,4 ShakespTag [Gespräch mit Napoleon] Der Kaiser..kehrte zum Drama zurück..So kam er auch auf die Schicksalsstücke mit Mißbilligung. Sie hätten einer dunklern Zeit angehört. Was, sagte er, will man jetzt mit dem S.? die Politik ist das S. GWB36,273,17u18 BiogrEinzh UnterredgNapoleon 1808 GWBB2,202,9 Sophie La Roche 21.10.74 GWB19,286,11 BrSchweiz II GWB22,58,10 Lj IV 9 GWB30,206,11 ItR uö positiv akzentuiert als freundlich-zugewandte, wohlwollend führende, lenkende, leitende (u Vertrauen verdienende) Instanz; auch ‘gutes, liebes, günstiges, glückliches, heiliges S.’ ua Heiliges Schicksaal du hast mir mein Haus gebaut und ausstaffirt über mein Bitten, ich war vergnügt in meiner Armuth unter meinem halbfaulen Dache..aber du hast mir Dach und Beschräncktheit vom Haupte gezogen wie eine Nachtmüzze.. GWBT1,52,21 v Nov 77 [aus Goslar, auf der 1. Harzreise] Ich weis nun noch nicht wie sich diese Irrfahrt endigen wird, so gewohnt bin ich mich vom Schicksaale leiten zu lassen, dass ich gar keine Hast mehr in mir spüre.. GWBB3,191,28 ChStein 4.12.77 [mBez auf die Verlobung der Adressatin mit Goethes Schwager JGSchlosser] Das Schicksaal habe seine Mutterhand über dir und halte dich so warm, wie's mich hält.. GWBB3,188,6 Johanna Fahlmer [16.]11.77 [Wilhelm im Liebestaumel] Er glaubte den hellen Wink des S. zu verstehen, das ihm durch Marianen die Hand reichte, sich aus dem stockenden, schleppenden bürgerlichen Leben heraus zu reißen GWB21,46,15 Lj I 9~GWB51,69,6 ThS I 18 [Wilhelm im Selbstgespräch] Und muß ich nicht das S. verehren, das mich ohne mein Zuthun hierher an das Ziel aller meiner Wünsche führt? Geschieht nicht alles, was ich mir ehemals ausgedacht und vorgesetzt, nun zufällig ohne mein Mitwirken? Sonderbar genug! GWB22,125,16 Lj IV 19 GWBB2,15,18 Herder [etwa 10.7.72 Korr DjG32,255] GWBB6,369,8 Jacobi 18.10.84 GWB21,192,7u9u12 Lj II 9 GWB30,110,28 ItR uö pejor als ungerührt u willkürlich agierende, ihr (Un-)Wesen treibende, auch launisch-spielende Macht; attribuiert ‘unerbittliches, unseliges, feindliches, vergeltendes S.’ ua; wiederholt in literatur- od dramentheoret Reflexion, einmal als allegor Gestalt [Goethes Schwager JGSchlosser hatte sich fünf Monate nach Cornelias Tod mit Johanna Fahlmer verlobt] Sagen kann ich über die seltsame Nachricht..gar nichts. Mein Herz und Sinn ist zeither so gewohnt dass das Schicksaal Ball mit ihm spielt dass es für's neue es sey Glück oder Unglück fast gar kein Gefühl mehr hat GWBB3,186,16 Catharina Elisabeth Goethe [16.]11.77 [unter dem Eindruck der Nachricht vom Tod Augusts in Rom] es scheinet, als wenn das S. die Überzeugung habe, man seye nicht aus Nerven, Venen, Arterien und andern daher abgeleiteten Organen, sondern aus Drath zusammengeflochten GWBB48,20,16 Zelter 21.11.30 [Debatte zwischen Wilhelm u Serlo über die gattungsmäßigen Spezifika von Roman u Drama] So vereinigte man sich auch darüber, daß man dem Zufall im Roman gar wohl sein Spiel erlauben könne..daß hingegen das S. ..nur im Drama statt habe; daß der Zufall..niemals..tragische Situationen hervorbringen dürfe; das S. hingegen müsse immer fürchterlich sein.. ..weil aber das S. den Plan gezeichnet hat, weil das Stück [‘Hamlet’] von einer fürchterlichen That ausgeht, und der Held..zu einer fürchterlichen That gedrängt wird, so ist es im höchsten Sinne tragisch GWB22,178,23u28 u 179,9 Lj V 7 Der Dichter sucht das S. zu entbinden,|Das, wogenhaft und schrecklich ungestaltet,|Nicht Maß, noch Ziel, noch Richte weiß zu finden|Und brausend webt, zerstört und knirschend waltet GWB16,332 Epimen Vorspr 9 [Euripides, eine Spielszene imaginierend:] Da tritt herein, schwarz gehüllt, das Schwert ihrer heimtückischen Macht in der Faust, die Königin der Todten, die Geleiterin zum Orcus, das unerbittliche S. GWB38,29,11 GöttHeldWieland GWBB20,140,5 ChStein 16.8.08 GWBB2,275,12 Gfin Stolberg 3.8.[75] GWB39,163,16u17 Götz1 V GWB10,4 Iph2 32 uö c mit (personifiziertem) Sachsubj Sein S. [Überschrift] .|Mächtig erhebt sich der deutsche Rhein und mächtig die deutsche|Kunst, nur den Ocean hat keines von beiden gesehn GWB51,275 XenNachl 40(125) Titel eine Seeschlacht [im Hafen von Syrakus] ..welche über das S. von Sicilien entschied GWB46,203,15 Hackert TgbKnight [Paestum] Die Überbleibsel dieser Stadt sind ihre Erhaltung der bösen Luft schuldig: denn wäre der Platz bewohnbar gewesen, so hätten sie [die Tempelruinen] das S. der meisten griechischen und römischen Werke gehabt; man hätte sie niedergerissen und die Materialien zu neuen Gebäuden angewendet GWB46,156,14 Hackert TgbKnight [Diskussion über den göttlichen Ursprung der Bibel] diesem Werke stand, so wie den sämmtlichen Profanscribenten, noch ein eigenes S. bevor, welches im Laufe der Zeit nicht abzuwenden war GWB27,96,14 DuW 7 Es ist sonderbar und gut, daß von allen Seiten das deutsche Sprachwesen zur Sprache kommt..Der Gedanke, die S-e der italienischen und deutschen Sprache zu[] parallelisiren, war sehr glücklich gefaßt und ist recht gut ausgeführt GWBB17,85,7 Eichstädt 29.2.04 GWBB20,271,5 Rochlitz 26.12.08 GWB422,44,22 Üb G zu erricht Denkm GWB23,145,6 Lj VIII 2 GWBN6,131,1 u 137,1 MetamPfl Nachtr Titel uö d in deklarativen Aussagen wie ‘das ist mein/jds S.’ iSv Bestimmung, Prädisposition, unabänderliches Los; einmal, mBez auf die eigene Person, als Manifestation eines tieferen, im Verborgenen wirkenden göttlichen Plans Misverstanden zu werden, ist das S. von unser einem GWBAA9,5 Werth1 I~GWBWerth2 Sie klagen über Einsamkeit! Ach dass das Schicksaal der edelsten Seelen ist, nach einem Spiegel ihres selbst vergebens zu seufzen GWBB2,39,15 Sophie La Roche [16./28.11.72 Korr GB11,244] Mein Gott dem ich immer treu geblieben bin hat mich reichlich geseegnet im Geheimen, denn mein Schicksaal ist den Menschen ganz verborgen, sie können nichts davon sehen noch hören GWBB4,73,25 Lavater 8.10.79 GWBAA128,16 Werth1 II~GWBWerth2 GWBB19,358,1 ChStein 28.6.07 GWBB41,208,21 Boisserée 22.10.26 uö ‘das S. haben’ iSv es erleben, erleiden od gewärtigen (müssen), einem bestimmten Umstand nicht entgehen (können) Die Lehre von der Achromasie war wie ein..unzerstörlicher Same über das Feld der Wissenschaften ausgestreut. So manches davon auch..das S. hatte, auf dem platten Wege der Gemeinheit zertreten zu werden: so konnte es doch nicht fehlen, daß..ein Theil..wenigstens im Stillen keimte GWBN4,210,15 FlH VI GWBN3,241,12 FlH IV ‘mit etw ein eigen S. haben’: immer wieder eine spezielle Erfahrung mit etw machen Mit französchen Briefen hab ich ein eigen S. Der den ich mit gegenwärtiger Gelegenheit abschicken wollte ist verunglückt und die Zeit reicht nicht hin ihn umzuschreiben GWBB23,61,12 Meyer 14.8.12 2 spezieller für od bezogen auf eine bestimmte, faktisch gegebene Lage, Situation, bes jds momentanes Befinden, den aktuellen Zustand, die jüngste Entwicklung u dgl [aus Martinach, nach Überquerung des Col de Balme bei Chamonix] Glücklich sind wir herüber gekommen und so wäre auch dieses Abenteuer bestanden. Die Freude über unser gutes S. [ Schicksaal GWBB4,134,15 ChStein 6.11.79] wird mir noch eine halbe Stunde die Feder lebendig erhalten GWB19,252,18 BrSchweiz II Was zu Hause begegnet kann man sich in fremden Landen gar wohl vorstellen, die Zurückgebliebenen wünschen von dem S. der Entfernten benachrichtigt zu seyn GWBB46,99,3 Kanzl Müller 11.10.29 [Cellini:] Sie..brachten mich in das Gefängniß..und ließen mir einen Wächter da, welcher die ganze Nacht mein übles S. [fortuna] beklagte GWB43,349,16 Cell II 12 GWB22,69,1 Lj IV 12~GWB52,228,3 ThS VI 8 GWB20,140,3 Wv I 12 GWBB7,101,12 ChStein 25.9.85 GWB8,290,21 Egm V uö(häufig) mit negativer Implikation auch iSv Verhängnis, Elend, Not [Alba zu Silva:] eile..Egmonts Geheimschreiber gefangen zu nehmen. Du hast alle Anstalten gemacht, die Übrigen, welche bezeichnet sind, zu fahen? [Silva:] Vertraue auf uns. Ihr S. wird sie, wie eine wohlberechnete Sonnenfinsterniß, pünctlich und schrecklich treffen GWB8,255,25 Egm IV [Marianne:] Unter allem konnt' ich am wenigsten leiden, wenn sich ein paar Leute lieb haben und endlich kommt heraus daß sie verwandt..oder Geschwister sind..Es ist so ein gar erbärmlich S.! GWB9,143,25 Geschw [Adressat hatte unlängst zwei Kinder verloren] Dein Schicksaal drückt mich, da ich so rein glücklich bin GWBB3,122,1 Merck 22.11.76 GWB10,362 NatT 2482 uö 3 für ein einzelnes Widerfahrnis, etw, das einem unwillkürlich zustößt: ein bestimmter Vorfall, eine (folgenschwere) Fügung, Wendung, Entwicklung u dgl; fast nur pl iSv Geschicke, Wechselfälle, negativ akzentuiert auch Widrigkeiten, Schicksalsschläge uä; vereinzelt mit Sachsubj Liebe Schwester. Damit du nicht glaubest ich habe dich..gantz vergessen; so will ich dir, einige absonderliche Schicksaale die mir begegnet..zu wissen thun GWBB1,6,17 Cornelia 21.6.65 [unterwegs in Thüringen] Doch sollte ich noch in derselbigen Nacht, als wenn sie recht zu abwechselnden [dh wechselhaften, konträren] S-en bestimmt gewesen wäre, nach einem unerwartet glücklichen Ereigniß, einen neckischen Verdruß empfinden.. GWB27,46,27 DuW 6 Die Baronesse von C. ..In einer weiten Sphäre erzogen und durch mancherlei S-e ausgebildet war sie als eine treffliche Hausmutter bekannt GWB18,95,17 Unterhaltungen [mBez auf die Kriegsereignisse im Herbst 1813 mit dem Höhepunkt der Völkerschlacht bei Leipzig] Die ungeheueren S-e sind, verhältnißmäßig, gelind an uns vorübergegangen..man half sich wechselsweise selbst die schlimmsten Stunden ertragen GWBB24,56,8 Sara Grotthuß 1.12.13 Ich traf [in Karlsbad] mit dem Residenten von Reinhard zusammen, der mit Gattin und Kindern diesen Aufenthalt wählte, um von harten S-en sich zu erholen und auszuruhen GWB36,13,22 TuJ 1807 Die S-e des Hauses während des Bombardements waren höchst wunderbar. Mehrere Granaten hinter einander fielen in das Familienzimmer, man flüchtete GWB33,15,7 Camp GWB30,24,20 ItR GWBB8,366,16 CarlAug 28.3.88 GWBN3,246,11 FlH V GWB26,111,21 DuW 2 GWBB10,213,9 Schiller 10.12.94 uö(häufig) ― im Anklang an den Wortsinn von ‘schicken’ für eine Schickung, etw (unverhofft, durch äußere Gunst) Zuteil-Werdendes was ich berühre,|Wird mir unter der Hand gleich ein behendes Gedicht.|Gern ertrag ich dies S., ihr Musen GWB1,465 Vs 443 VenEpigr 100 Var [Tamino:] Wenn dem Vater, aus der Wiege,|Zart und frisch der Knabe lächelt,|..Ja! dem S. dieser Gabe|Dankt er mehr als alle Habe GWB12,191 Zauberfl 169 uö(selten) → GWBBade- GWBFrauen- GWBKriegs- GWBLebens- GWBMenschen- GWBPrivat- GWBReise- GWBVölker- GWBWechsel- GWBWelt- Syn GWBFatum GWBGeschick zu 1u2 GWBLos zu 1 GWBDasein GWBGlück GWBHimmel zu 1a GWBMenschengeschick GWBMenschenlos GWBMenschenschicksal zu 1b GWBVorsehung GWBVorsicht zu 1d GWBBestimmung zu 3 GWBBegegnis GWBSchickung GWBVorkommnis 1) vgl generell zum Thema HNicolai, Goethes Schicksalsidee. GOETHE26(1964),77-91, den Artikel ‘Schicksal’ in GHb34.2,941-943 sowie ergänzend ‘Dämonisches’ in GHb34.1,179-181 Nikolaus LohseN.L.