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staunen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

staunen verb.

Bd. 17, Sp. 1176
staunen, verb. stupere. 11) herkunft. staunen ist erst im nhd. nachzuweisen und geht vom oberd. gebiete aus. daher nimmt Kluge6 376b f. schweizerische entlehnung aus dem franz. étonner, altfranz. estoner, estonner an. (so schon zweifelnd Kramer dict. 1, 1700, 307b. entschiedener Wachter 393.) dieselbe erklärung würde passen auf das engl. astonish, astound, das als mittelengl. astonie, astone, astune, astoune zuerst in Kent um 1315 auftaucht, s. Stratmann - Bradley 34a. vgl. Kluge - Lutz 8a. indessen stehen dieser an sich einleuchtenden erklärung eine reihe gewichtiger bedenken entgegen: 1) der ursprung des franz. wortes ist keineswegs zweifellos. das als etymon vorausgesetzte lat. *extonare = attonare ist nirgends bezeugt (auch nicht mittellat. bei Du Cange und Diefenbach) und nur für diesen zweck erfunden; und da das wort den andern roman. sprachen fehlt (abgesehen von vereinzeltem prov. estornar), so ist die möglichkeit german. ursprungs nicht von vornherein abzuweisen, s. Diez etym. wb.4 579. Scheler3 199a. 2) weder die formen des englischen noch die des deutschen wortes lassen sich ohne schwierigkeit aus dem franz. erklären. über jene vgl. Skeat 39a. auch liegt im mittelengl. neben astonien das einfache stunien percello, stupefacio, stonien, stoune, das nicht viel später gerade in den nördlichen gebieten bezeugt ist (besonders in der allitterationsdichtung, zuerst wol bei Rich. Rolle, vor 1340) und im neuengl. stun fortbesteht, s. Stratmann - Bradley 586b. Skeat 604b f. Kluge - Lutz 203a. bei dem deutschen worte würde einerseits der anlaut st nötigen, die entlehnung in recht alte zeit hinaufzurücken, andrerseits erscheint die herleitung des consequenten ū — au aus einem franz. ŏ kaum annehmbar. 3) überhaupt würde bei dieser herleitung befremden, dasz die entlehnung nicht von der litteratur, sondern von der mundart ausgeht und aus dieser erst spät in die schriftsprache aufgenommen ist, s. unten 2, b. dasz gerade die Schweiz, wo die berührung mit dem franz. besonders intensiv ist, der ausgangspunkt war, läszt sich nur für die schriftsprachliche verwendung erweisen. 4) allerdings hat es insofern eine innere wahrscheinlichkeit, als eben hier das wort in einer mehr sinnlichen, offenbar ursprünglicheren verwendung begegnet, s. unten 3. doch liegt gerade diese ganz abseits von der französ. bedeutung und ist das stärkste argument gegen die annahme einer ent lehnung aus dem franz. diese ist also unhaltbar. alle [] schwierigkeiten verschwinden, sobald wir uns entschlieszen, german. ursprung anzunehmen und das wort auf die in so vielen ableitungen vorliegende wurzel st 'steif, starr sein' zurückführen, vgl. stauen, staude, stütze u. a., sowie Torp bei Fick4 3, 493. dann liesze sich weiterhin auch das mnd. mnl. stunen, sich widersetzen, vgl. Schiller-Lübben 4, 451a, heranziehen. (dagegen wäre ags. stunian krachen, mit lautem getöse schlagen, s. Bosworth-Toller 930, vgl. dazu unten stöhnen, und das spätere engl. stonien u. s. w. davon abzutrennen, vgl. die angezogenen stellen.) vgl. auch erstaunen, theil 3, 998 und Schmeller2 2, 764. Prellwitz griech. etymol. wb.2 439 (unter στυγέω). 22) im nhd. ist zufrühest die zusammensetzung erstaunen bezeugt (lexicalisch bei Maaler 1561, litterarisch schon im Züricher neuen testament v. 1529, s. Kluge6 377a), s. theil 3, 998 f. bei dem einfachen staunen ist dreierlei zu unterscheiden. 2@aa) die ältesten belege bieten die wörterbücher des 17. jahrh.: staunen, starren, suche starren Hulsius dict. (1616) 307a, dazu: starren, von schrecken erstaunen, zittern und alle kräffte sincken lassen, s'estonner, s'esperdre. starrendt, staunendt, o. roide 306b; staunen erstaunen obrigere Schottel 1421; staunen, erstaunen, convenit cum hoc stauden, est enim obrigere, torpere, et timere, conturbari, consternari, percelli, pavescere Stieler 2127 (in den beispielen nur erstaunen); staunen, er-staunen, v. erstaunen Kramer dict. 2, 918a, der also nur letzteres zu kennen scheint, wie auch Wachter 1593 und Steinbach 2, 689; Frisch 2, 323b bemerkt ausdrücklich: das simplex ist nicht im gebrauch, aber das compositum erstaunen, stupere, obstupescere. 2@bb) in die nhd. litteratursprache ist das wort als bewuszte neueinführung durch Haller gekommen. er gebraucht es 1730 in dem gedicht 'Doris' v. 31: du staunst; es regt sich deine tugend, die holde farbe keuscher jugend deckt dein verschämtes angesicht. Schweiz. ged.10 87, mit der anm.: dieses alte schweizerische wort behalte ich mit fleisz. es ist die wurzel von erstaunen, und bedeutet rever, ein wort, das mit keinem andern gegeben werden kann. vgl. ferner: wenn ich etwas erhabenes lese, so fühle ich ein angenehmes staunen (verzeihen sie mir dieses schweizerische wort!) in meinem gemüthe, das mich einzuhalten, und mich gleichsam recht zu besinnen nöthigt. das staunen ist eine wirkung der neuheit oder des unerwarteten, das ... die aufmerksamkeit fesselt, dasz sie hier stehen bleibt Mendelssohn ges. schr. 5, 239 (an Abbt, d. 9. märz 1761, auch bei Abbt verm. werke 3, 13); staunen. ein wort, das wir haben ausgehen lassen, da wir's doch höchst nöthig brauchen das rever der Franzosen damit auszudrükken. in der Schweiz findet sich's noch G. Bider (= Mylius) Hamiltons märlein (1777) s. 576, im vocab., zu der textstelle: allein da solch himmelweiter unterschied zwischen ihrer beider gestalt was, wählte Glinzrich sonder alles staunen, und bot ihre hand dem Wonniglichschönen 114. dasz der nun beginnende häufige gebrauch des wortes durch Hallers vorgang veranlaszt ist, wird nicht nur dadurch bekundet, dasz die wörterbücher stets obige belegstelle anführen, sondern auch durch directe zeugnisse bestätigt. so sagt Gadebusch in den Rigischen gelehrten beiträgen (1763—7): dieses zeitwort war nach Frischens zeugnis nicht mehr im gebrauche. allein herr von Haller hat wieder angefangen sich desselben zu bedienen; dem viele andere gefolgt sind s. zeitschr. f. d. philol. 6, 54; ferner: 'es ist ein altes deutsches wort, welches für sich allein im hochdeutschen veraltet ist, im oberdeutschen aber gangbar geblieben. ... nach dem beyspiele Hallers und einiger anderer neuerer schweitzerischer schriftsteller, ist es auch von einigen Hochdeutschen in der höhern schreibart wieder eingeführet worden, da man es bisher in dieser mundart nur in dem zusammen gesetzten erstaunen kannte' Adelung; s. ferner Kluge6 376b. 'staunen wird jetzt von allen guten schriftstellern in der hochdeutschen sprache gebraucht' Krünitz 171, 73. 2@cc) die form des wortes ist im ganzen fest; ganz vereinzelt findet sich ein unberechtigter umlaut bei einem autor, der zugleich die schnelle verbreitung des wortes beleuchtet: [] nah an dem gartenschlosse eröfnet eine thür dem stäunenden gesichte ein himmlisches revier. Dusch verm. werke (1754) s. 147 (das toppe, 1751, 3, v. 2). (Dusch gebürtig aus Celle, stud. in Göttingen.) 2@dd) staunen in lebenden mundarten, zunächst alem. schweiz. štūne 'still gedankenvoll oder gedankenlos dastehen'. an öpisem stune, über etwas nachsinnen. er ist ganz ferštunet, ganz in sich versenkt Hunziker 264; in Davos stûna Bühler 2, 90; in Basel 'träumen, gedankenlos vor sich hinblicken, tiefsinnig sein' Seiler 283b; els. stune(n) (štýnə, štynə) 'gedankenlos oder gedankenvoll vor sich hinblicken'; zaudern, zögern Martin - Lienhart 2, 602a (daneben stume, štýmə, s. oben staumen). staunen findet sich auch im südfränk., doch ganz im sinne der schriftsprache und wol aus dieser übernommen: in Handschuhsheim štaunə, sic ɐštaunə, 'häufiger sic wunɐn, kukə' Lenz 68a, in Rappenau štaunə, 'dafür häufiger kukə, luurə, španə Meisinger 181b. den östlichen mundarten scheint das simplex fremd, doch sind die zusammensetzungen er- und verstaunen vorhanden, z. b. schwäb. verstaunen 'irre werden vor erstaunen' Schmid 508, bair. sich verstaunen (vo'štau~n) über etwas Schmeller2 2, 764 (einfaches staunen s. unten 7, c), ebenso tirol. Schöpf 703; thür. veršduind (in Salzungen) Hertel sprachsch. 234. 33) die ursprüngliche bedeutung 'starr sein' hat sich in der Schweiz erhalten (s. 2, d), wird von Schweizer autoren in die litteratur eingeführt (s. 2, b und unten) und gelegentlich auch von andern schriftstellern übernommen. so ausdrücklich: 3@aa) staunen bezeichnet zunächst ein gedankenvolles sinnen und träumen, s. Haller unter 2, b und die erklärungen der idiotiken unter 2, d. so: izt eilte Kain zu seinem vater, der kraftlos an einen stamm gelehnt, traurig, tief gebykt staunte und zur erde weinte S. Gessner 1, 31 (tod Abels 1); dann schwieg er wieder und staunt', und seufzt' und redte wechselweise 2, 20 (Daphnis 1); dann stieg er voll ungeduld auf die hohen bæume, seiner Phillis entgegen zu sehen; dann stieg er wieder herunter, und gieng staunend ængstlich umher 46; einsmals sass er staunend unter seinem schilf-dach, auf seinen bogen gelehnt 3, 97; er liebte eine musik, welche die leidenschaften besänftigte, und die seele in ein angenehmes staunen wiegte Wieland 1, 93 (Agathon 2, 3); eine süsse schwermuth bemächtigte sich Agathons; er sank in ein angenehmes staunen, unfreywillige seufzer entflohen seiner brust, und wollüstige thränen rollten über seine wangen herab 297 (5, 5); die stellung, worin sie an eine der marmornen nymfen angelehnt lag, gab zu erkennen sie staune. (vorher: so war wirklich mein erster gedanke, dass es die göttin sey, welche ... unter ihren nymfen schlummere; gleich nachher: so bald sie die augen aufschlüge.) 2, 55 (7, 7); Filistus sah, dass sein herr bey diesen worten auf einmahl tiefsinnig ward. er schloss daraus, dass etwas in seinem gemüth arbeitete. ... was für ein thor ich war! rief Dionysius aus, nachdem er eine weile mit gesenktem kopfe zu staunen geschienen hatte 345 (10, 4); die bauern fragten ihn einmal: ob ihm nicht wohl sey, dasz er so staune? Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 168; lange habe es nicht mehr lachen mögen und nichts als stunen (gedankenvoll vor sich hinstarren) und sinnen Gotthelf geld u. geist (1895) 1, 162 (kap. 7); dass sie so staunend sizt, beweiset, dass sie liebet. Götz verm. ged. 2, 94; kommt diesem Amor nicht zu nah, und stört ihn nicht in seinem staunen! noch steht er so, in éinem süszen staunen, seit er Philinden sah Lessing 1, 14 (sinnged. 71); jedoch du redest nicht. du weinst. ein finstrer gram entstellet dein gesicht. ihr götter! ach! er staunt! er scheut mich zu empfangen. Cronegk schr. (1765) 1, 215 (Codrus 2, 2); die welle, die welle, wenn sie so flüstert und so raunt zum herzen, das so träumt und staunt. Vischer auch einer 1, 184. bei nichtschweizerischen autoren gern sich der bedeutung 4 nähernd oder darin übergehend: ein kleiner gang führte ... zu einem bemoosten sitze, wo man, in tiefsinnendes staunen und erhabene betrachtungen verloren, die natur in ihrer thätigsten und mächtigsten wirksamkeit belauschen [] konnte Klinger 10, 126 (Sahir 3, 6, vgl. indessen 4); eine öffnung des waldes zwischen zwey bergen zeigte ihm — die untergehende sonne. ... er überliess sich der begeisterung, in welche dieses majestätische schauspiel empfindliche seelen zu setzen pflegt. ... endlich weckte ihn das rauschen einer quelle ... aus dem angenehmen staunen, worin er sich selbst vergessen hatte Wieland 1, 32 (Agathon 1, 1); der dummheit erstgeburt war die verwunderung ... wird solch ein schauspiel (gewitter) nicht den ersten hörer schrecken? er läuft, sich, gleich dem wild, in hölen zu verstecken; er staunt; er sinnt und findt dasz nichts gewisser ist, als dasz ein donnergott den blitz aus wolken schieszt. 1, 253 Homeyer (moral. br. 5, 21); staunend bis zum grusz der Morgenhoren lag ich, und erwog den freien schwur ... Bürger 103b (d. erscheinung); aber er fuhr aus dem staunenden traum auf, wendete langsam nach dem dorfe sich zu, und staunte wieder; denn wieder kam ihm die hohe gestalt des herrlichen mädchens entgegen. fest betrachtet er sie; es war kein scheinleib, sie war es selber Göthe 40, 305 (Herm. u. Dor. 7, 8 f.). 3@bb) dann auch vom nachdenken über bestimmte dinge: dann staunt' er, und dacht' eine neue erfindung zu entwikeln tief nach Gessner 3, 98 (erfind. des saitensp.); er sann sich den kopf aus, ob er den junker mit nichts erschrecken ... könnte. ... er wälzte sich die ganze nacht durch, und fand mit sinnen und staunen nichts anders, als sich demüthig zu stellen Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 201; mit abhängigem satz: der junker staunte einen augenblick, was er thun wollte 2, 179; poetisch mit acc. des innern objects: oft, wenn er stillruhend nicht seufzet, dann staunt er ernste gedanken Gessner 1, 109 (tod Abels 3). vgl. auch nachstaunen, theil 7, 135. 3@cc) weiterhin bezeichnet staunen bei Schweizer autoren den starren blick des sinnenden; in diesem sinne gern mit allgemeinen richtungsangaben verbunden; vor sich hin, in die luft staunen (wie gewöhnlich starren): da staunest du so grade aus, dasz man wohl sieht, dasz du an nichts als an deine schleipfe (dirnen) sinnest, mit denen du des ume trolet bist (dich umhergetrieben hast) Gotthelf Uli d. knecht s. 7 Vetter; sie hätten noch soviel abzureden, und da sitze er, staune ('starre vor sich hin') 423; zuweilen stützt sie (die spinnende mutter) ausruhend den kopf auf die hand und staunt unverwandt in das land hinaus über die dächer weg oder in die wolken Keller d. grüne Heinrich 4, 215 (später: blickt unverwandt in das feld hinaus werke 3, 101); der am wenigsten ausrichtete und auf wiese, feld und weinberg zu viel in die luft staunte, als dasz ihm die arbeit recht von der hand gegangen wäre Zahn Lukas Hochstraszer s. 17; David antwortete nicht. er staunte in die ferne 100; dasz er mit über den tisch geworfenem oberkörper sasz und ins leere staunte 143; die beiden buben ... staunten ins leere helden des alltags (1907) 148; die ältliche frau bemerkte nicht einmal, dasz ihr mann zerstreut war und manchmal gar nachdenklich ins weite staunte. und doch röteten sich Christophs braune wangen, als ob er auf einem unrecht ertappt worden wäre, wenn er aus seinem hinausstaunen geweckt wurde die da kommen und gehen! (1909) 123; vielleicht war diese grosze, traumhafte ruhe der landschaft auf die Marianne Boszhard übergegangen, dasz sie das spinnen vergasz, die festen, weiszen hände in den schosz legte und ins leere staunte. über das holzgeländer der zinne ... staunte sie hinaus in die luft 9. dazu die unter erstaunen beigebrachten belege aus Corrodi. 3@dd) noch deutlicher tritt der begriff des blickens in den vordergrund, wenn staunen mit bestimmten richtungsangaben verbunden wird, vgl. dazu: die von Ponte staunten, aber nicht wie sie zu Herrlibach gegafft und die nase gestreckt haben würden, sondern sie blinzelten nur unter halbgeschlossenen lidern auf die zwei männer Zahn Lukas Hochstraszer s. 271. mit jenen allgemeineren angaben verbunden: das braune gesicht des in der gondel zurückgelehnten ... war wie erstorben und erkaltet zu metallener härte. unverwandt staunte es vor sich hin auf die dämmernd gerötheten wellen und erschien fremdartig verzogen und drohend in seiner erstarrung C. F. Meyer Jenatsch s. 140. ähnlich: am fünften morgen, da die sonne bey ihrem aufgang auf sein bett schien, staunte er eine [] weile gegen sie hin Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 35; er staunte auf die stelle, auf die er eben trat Zahn Albin Indergand 106; dort blieb Cilgia plötzlich stehen und staunte in die klaren wasser Heer d. könig d. Bernina (1909) s. 110. dabei nähert sich staunen zuweilen der gewöhnlichen bedeutung (4): Markus Paltram staunte wortlos in das flammende mädchengesicht 94; er ... staunte begeistert in ihr schönes gesicht 167. vgl. 4, g.selten in übertragenem gebrauche, in die grundbedeutung (a) zurückkehrend: er staunte auf sein leben zurück; er achtete jetzt alles thun des menschen wie einen traum Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 34. 3@ee) staunen von thieren: das flüchtige heer gefiederter sänger schweigt und erschrickt vor der kommenden nacht (dem gewitter); ... die staunenden heerden stehen betrübt; die natur erzittert beym kommenden sturme. Cronegk schr. 2, 71 (einsamkeiten 2). ganz ungewöhnlich und nicht hinreichend deutlich ist folgende stelle: die bremsen und bisfliegen folgen den heerden nach der obern alpenregion und staunend sitzen auf dem kuhfladen die schaaren der schönen gelblich behaarten dungfliegen Tschudi thierleben der alpenwelt s. 261. (es geht wol auf die groszen starren augen. nach mittheilung von prof. Edw. Schröder ist in erster linie die 'goldäugige blindbremse', chrysops coecuticus, gemeint.) 44) im allgemeinen bezeichnet staunen einen hohen grad der verwunderung; es ist ein stärkerer ausdruck als sich (ver)wundern und weniger stark als verblüfft, überrascht sein u. a. vgl. die erklärungen bei Eisler wb. der philos. begriffe2 2, 432. zugleich wirkt die ursprüngliche bedeutung noch insoweit nach, als staunen stets den begriff einer gewissen dauer dieses zustandes einschlieszt. diese bedeutung ist zufrühest bei dem compositum erstaunen (s. das., theil 3, 998) ausgebildet, wo sie schon von Maaler bezeugt ist, und wol erst von da aus auf das simplex übertragen. da sie sich zunächst gerade bei nichtschweizerischen autoren der vorklassischen zeit (Klopstock, Lessing, Wieland, Musäus, Pfeffel, Gerstenberg) findet, so hängt dieser bedeutungswandel offenbar mit der übertragung auf ein gebiet, wo das einfache staunen nicht bodenständig ist, zusammen. (ob bei dieser ganzen entwicklung das franz. étonner mitbestimmend gewesen ist, läszt sich nicht ausmachen.) bemerkenswert ist, dasz noch Heynatz Antibarb. 2 (Berl. 1797), s. 444 diese gebrauchsweise verwirft: 'staunen musz nicht für erstaunen oder sich verwundern gebraucht werden, sondern zeigt nur das starrwerden an'. 4@aa) auch hier ist die grundvorstellung die des starrwerdens, sodasz diese bedeutung nur eine specielle anwendung der vorigen ist: 'staunen, ... vor verwunderung gleichsam stumm, unbeweglich da stehen, da es denn zur bezeichnung des höchsten grades der verwunderung gebraucht wird' Adelung. diese grundvorstellung ist noch deutlich in stellen wie: so dasz die vorbeygehenden matronen, candidaten ... staunend stehen bleiben Lichtenberg nachl. s. 101; je ungewohnter der anblick dieses bildes war, ... um so ängstlicher wurde es dem gefangenen Reinhart zu mut, der wie eine bildsäule staunend zu pferde sasz Keller 7, 31; wie eingewurzelt staunt das ritterpaar. Droste-Hülshoff 2, 237 (Walther 5). weniger deutlich liegt sie zu grunde in zusammenstellungen wie stehen und staunen: er verlangt nicht, dasz die aussicht, die ihn entzücket, auch jedes andere auge entzücken müsse. und so, dächte ich, könnte man ihn ja wohl stehen und staunen lassen, wo er stehet und staunt! Lessing 10, 308 (erz. des menschengeschl., vorbericht): wer ist die dirne, die in's ohr ihm lispelt? ich steh' und staune, weisz mich nicht zu fassen! Bauernfeld ges. schr. 3, 48 (Fortunat 2, 6); so sehn in stillen haynen die wandrer, ehrfurchtsvoll, oft eine nymph erscheinen und bleiben staunend stehn. Wieland 1, 282 Berl. ausg. (moral. br. 9, 117). staunend und starr: die palme starr und staunend scheint zu lauschen. Droste-Hülshoff 3, 90 (pfingstsonntag); die werke der groszen und reichen seelen der vergangenheit, bekennt er (Montaigne), machen mich staunend [] und starr vor bewunderung Justi Winckelmann 1, 228. — die zusammenstellung mit starren geht auf den blick: geweckt von dem sternkundigen sprang Wilhelm auf und eilte zum fenster, dort staunte, starrte er einen augenblick, dann rief er enthusiastisch Göthe 21, 185 (wanderj. 1, 10; weiterhin: lassen sie mich noch immer stumm und staunend hinblicken); die rohe menge hast du nie gekannt, sie starrt und staunt und zaudert, läszt geschehn. 9, 356 (nat. tochter 4, 4); dieser staunte mit starrendem blick. Klopstock 4, 10 (Mess. 6, 104). auf ein starrwerden deutet auch folgende stelle, die zugleich an 3, a anknüpft: gefesselt hielt mich staunendes verstummen, und in anschauung war ich hingesunken, bis aus dem traum mich weckt' ein helles summen. Rückert (1882) 3, 164 (edelstein u. perle 22). vgl. auch Schiller 1, 325, Semele 1, v. 356 f., wo staunen als variante zu stuzen steht. 4@bb) so häufig absolut: Osten staunte einen augenblick Pfeffel pros. versuche 4, 77; der knabe staunt, der eindruck bestimmt ihn Göthe 20, 125 (Wilh. Meister 7, 9); ob er staunt, oder sich freut, weisz ich nicht; dasz er als retter zu spät komme, sieht er glücklicherweise nur allzudeutlich 39, 53; staunen würde vielleicht die welt, wenn wir die melodie desselben (des liedes Mosis in der wüste) ... wüszten; so wie jeder gefühlvolle über das lied selbst staunt Schubart ästhetik der tonk. 8; er (Gluck) setzte anfangs simple clavierstücke, die nur wenig sensation machten: mit einmahl aber wagte er sich an eine oper, und ganz Italien staunte 224; wie sie staunten, die fürsten und ritter, als die lärmende munterkeit einer kriegerischen jugend verstummte Törring Agnes Bernauerinn 1, 2; ich staunte wieder wie vorher, und jetzt um so mehr, da lauter blumen statt menschen in den straszen spazieren gingen Heine 3, 253 Elster (Italien 1, 21); ein reines wunderkind war er. ... alles staunte nur so G. Hauptmann einsame menschen 32 (2); früh sang, selber entflamt, die mutter dem knaben ihn (prophetengesang) vor, und dem jüngling, dasz er staunte! Klopstock oden 1, 159 Muncker-Pawel; so lang ein weisser hals noch könige bezwinget, und alles staunt und liebt, wem Roms syrene singet. Wieland 1, 254 Berl. ausg. (moral. br. 5, 68); ein wandersmann ... sieht ... itzt einen tempel vor sich liegen, der dem geblendeten gesicht ein achtes wunderwerk verspricht. er gaft und staunt, und um noch mehr zu sehen, beschlieszt er ganz hinein zu gehen. Pfeffel poet. versuche 1 (1802), 14; wir sahn das wunder, staunen, beten an! Gerstenberg ged. eines skalden 2; dort winkt uns die blauäugige tochter Jupiters. siehe! die thore öfnen sich freywillig. wir staunen und weichen zurück. Abbt verm. werke 3, 220; dann folg' ich unerwartet ihm am flusse, allein so wenig staunet er, als ging' ihm, angeheftet seinem fusze, sein schatten hinterher. Göthe 2, 150 Weim. ausg. (an Zachariä); Seide. wie greift diesz wort an mein zerrüttet herz! die tugend kennt auch meines gottes feind? Sopir. du kennst sie wenig, weil du staunst. 9, 326 (Mahomet 3, 8); da stehen sie umher und staunen. 15, 18 (Faust II, 1, 4977); man horcht und staunt 16, 174 (die geheimnisse 87); o! wo noch voller in's herz der helden dein (der freiheit) nektar strömte, jener, an deren grab nachwelten staunen Stolberg 1, 19; er (der mensch) forscht, und staunt, der wesen leiter vom sandkorn bis zum engelchor Voss 4, 143; ha! chon seh ich unsre enkel staunen, wenn beim klang belebender posaunen aus Franzosengräbern — Rouszeau steigt! Schiller 1, 221; wie er auf das thürlein zieht, sieht er, staunt, und staunt und sieht, dasz der himmel doch mauern kann bauen. Rückert (1882) 1, 166 (die gottesmauer); alles staunte, staunend sagte Harun. Platen 322a (Abbassiden 1); [] vernimm's und staune, unsichtbar macht er (d. ring) jeden, der ihn trägt. Hebbel 3, 259 Werner (Gyges 1, 407). mit synonymen zusammengestellt: man schaurte, weinte, staunte (beim vorlesen des 'Messias'), und ich sah's mit dem süszesten freudengefühl im herzen, wie offen die deutsche seele für iedes schöne, grosze und erhabene sei Schubart leben u. gesinn. 2, 40; du bist von frühern zeiten meine liebe. lächle nur! staune nur! ich will es dir erklären Göthe 13, 284 Weimarer ausg. (Götz v. Berl. 4, 1 bühnenbearb.); staunst du? schwindelt dir? Schiller 2, 110 (räuber 3, 1 schausp.); Marianne staunte, und als sie Michel ansah, wuszte sie, dasz auch ihm des vetters art auffiel. aber sie sprachen nicht von ihrem befremden Zahn die da kommen und gehen! 56; staune nicht und lasz dein grauen. Eichendorff2 1, 725; wo ein mund ihn (den namen) raunet, o wie laut mein herz erschrickt! und mein auge staunet, wo's geschrieben ihn erblickt. Rückert (1882) 1, 457 (liebesfrühl. 3, 19); stolz und herrlich erscheint das erhabne mit göttlicher groszkraft, und der bewundernde geist staune mit heiliger furcht. Körner 2, 20 Fischer; da stand das volk entsetzt und staunend da. Hebbel 3, 242 Werner (Gyges 1, 18); (er) steht auf dem markt — nein! auf den stufen steht er, ... und hört und sieht und staunt und wird verrückt. Schnitzler d. grüne kakadu s. 9. dazu als causativ zuweilen einen staunen machen (vgl. 5 und 6, b): dieser anblick hätte ihn staunen gemacht S. v. Laroche gesch. des frl. v. Sternheim 1, 174 (= 94, 28 Ridderhoff). ungewöhnlicher mit part.: ein herz, welches seine freunde durch redlichkeit, durch aufrichtigkeit staunend macht Schiller 1, 19. 4@cc) besonders im particip. 4@c@aα) attributiv: warum der strom des genies so selten ausbricht ... und eure staunende seele erschüttert? Göthe 16, 69; der herr der erde steigt empor aus ihrem schooss, tritt auf den fels, und zeigt der staunenden natur sein leben. Ramler lyr. ged. (1772) 364; die staunenden heerden stehen betrbt, die natur erzittert beym kommenden sturme. Cronegk schriften (1765) 2, 71 (einsamkeiten 2); wie tönten in meinen ohren, und in der staunenden seele noch mehr die harmonische wirbel ihrer bezaubernden stimme! Wieland 1, 161 Berl. ausg. (Hermann 2, 220); ein schöner traum scheint alles, was mit ihm geschiehet, dem staunenden ritter. werke 21, 115 (liebe um liebe 7, 159); (Amalia) ruhte, mit unaussprechlicher regung, heiss die wang' und bethränt, an der wange des staunenden greises Voss 1, 148 (Luise 3, 258); (der prediger) hiess die braut ... ihm zur rechten sich stellen, und links den staunenden jüngling 154 (315). freier: 'ist es möglich', sagt die Margareth, nicht mit dem mund, — niemand redet drein, sondern mit dem staunenden gesicht Hebel 3, 49. 4@c@bβ) substantiviert: die schaar der staunenden liesz meine glieder zur asche glühn Gerstenberg ged. eines skalden 3; und dem staunenden stand Apollo vor augen. Herder 27, 52 Suphan (Terpsich. 1, 77); allschönst und allbegabtest regte sie (Pandora) sich hehr dem staunenden entgegen Göthe 40, 379 (Pandora 1); wie ward mir, königin! als ... des kolosseums herrlichkeit den staunenden umfing. Schiller 12, 418 (Maria Stuart 1, 6). 4@c@gγ) meist prädicativ bezw. adverbial. staunend neben einem verb drückt entweder die wirkung eines anblicks oder erlebnisses aus (= mit staunen): ein so höchst bedeutendes ereignisz (wie die kaiserkrönung) müsse man nicht unvorbereitet erwarten, und etwa nur gaffend und staunend an sich vorbei gehen lassen Göthe 24, 283 (dicht. u. wahrh. 5); ängstlich fährt Proteus, von ungewohnter stille erweckt, im schlummer auf; und wie er staunend alles stille findet, entriegelt er schnell die feste grotte [] Fr. Müller 1, 156 (sat. Mopsus 3); staunend sah der könig (Alarich, in Rom) auf die reste einer heldengrösze, welche seinem volke durch jahrhunderte verderblich gewesen war Freytag 17, 129 (bilder 1, 2); sie sah ihn staunend an; sie verstand ihn nicht Storm 1, 20; heil mir — o rauschet darein, ihr saiten! darein, dass es in tiefen des hayns staunend der jäger vernimmt, am rande des hayns staunend der wandrer vernimmt! Denis lieder Sineds (1772) 218; oder es bezeichnet die ursache einer handlung, geberde u. s. w., in der sich das staunen äuszert: der alte aber sah ihr staunend nach Freytag 8, 123 (Ingo 7); Brunelleschi hält ihm das crucifix hin und Donatello ist so verblüfft bei diesem anblick, dass er staunend die hände erhebt und alles ... auf die erde fallen lässt Grimm Michelangelo (1890) 1, 37; Judas riefs mit starrendem blick, und erwürgte sich! staunend trat Obaddon selber zurück, da er starb! Klopstock 4, 56 (Mess. 7, 209); so sehn in stillen haynen die wandrer, ehrfurchtsvoll, oft eine nymph erscheinen und bleiben staunend stehn und ehren ihren tritt. Wieland 1, 282 Berl. ausg. (moral. br. 9, 117); nicht so umher, mein liebes kind, verschwende die blicke staunend, ungewisz, auf mich. Göthe 9, 259 (nat. tochter 1, 4); zieh nicht staunend auf die augen! Grillparzer4 3, 21 (ahnfrau 1); ich weisz, Orestes namen sprachst du staunend aus. Droysen Aischylos3 82 (grabesspend. 231). ähnlich: ihr rechtet mit dem, ... mit dem, desz groszen schrecklichen namen der hohe engel staunend nennet, mit gott, mit gott! Klopstock oden 1, 231 Muncker-Pawel (warnung). beides flieszt zusammen in wendungen wie: wird vieles vor den augen abgesponnen, so dasz die menge staunend gaffen kann. Göthe 12, 11 (Faust I, vorsp.); staunend gafft der pöbel nach der säule. Hölty 54 Halm; nun umströmeten ihn die übrigen söhne der Griechen, und betrachteten staunend den wuchs und die wunderschönheit Hektors Bürger 239a (οἳ καὶ θηήσαντο φυὴν καὶ εἷδος ἀγητὸν Il. 22, 370); staunend betrachtet er lang', und umarmt die liebende gattin. Voss 1, 143 (Luise 3, 219); ähnlich: Lewin ... sah staunend und andächtig in den funkelnden himmel hinauf Fontane 1, 7 (vor d. sturm 1); nach osten strebt die masse mit geballtem zug, ihr strebt das auge staunend in bewundrung nach. Göthe 41, 251 (Faust II, 4); komm liebe, komm ins freye, und lass in jene bläue (den sternenhimmel), und lass zu jenen höh'n uns staunend aufwärts sehn! Mildheim. liederb. (1799) s. 6. so auch mit synonymen verbunden: da weiss man doch beim himmel nicht, ob man schaudern und umkehren soll .., oder ob man staunend bewundern möchte Holtei erzähl. schr. (1861) 1, 141; ähnlich: im saal voll pracht und herrlichkeit schlieszt, augen, euch; hier ist nicht zeit, sich staunend zu ergetzen Göthe 1, 178 (d. sänger). anders: dasz seine hunde staunend stehn, die plötzlich sich verlassen seh'n. Rückert (1882) 1, 112 (e. gleichnisz). 4@c@dδ) auf dieser adverbialen verwendung beruhen freiere formen des attributiven gebrauchs, indem staunen von der person auf einen verbalbegriff übertragen wird, vgl. Kinderling 428: der artist musz sich besonders angelegen seyn lassen, uns den triumph der schönheit in den gierigen blicken und in allen den äusserungen einer staunenden bewunderung auf den gesichtern dieser kalten greise, empfinden zu lassen Lessing 6, 501 (Laok. 22); aber Louise erkundigt sich täglich, wo ihr nur seyet, und versinkt dann mit ernstem gesicht in staunendes erwarten der dinge die da kommen sollen Wieland brief vom 17. aug. 1795 bei Zolling H. v. Kleist in der Schweiz 120; was siehet mein staunender blick! Fr. Müller 1, 36; in ihre wunderhellen augen schaute er stumm hinein, bis eine raunende unruhe und staunendes verwundern summend um ihn zusammenrann W. Jensen die pfeifer v. Dusenbach (1884) [] 1, 171; Christophs augen vergröszerten sich in staunender freude ein wenig, als er das liebliche äuszere der kundin ermasz Zahn die da kommen u. gehen! (1909) 119; wenn der schönheit sonst, der anmut immer flüchtige erscheinung ... mir zu staunendem entzücken wieder vor die sinne trat Mörike ged.8 10; (die waffen Achills,) angegossen dem leib, wie flügel den helden erhebend, undurchdringlich und reich, ein wunder staunendem anblick. Göthe 40, 345 (Achilleis 1); dazu: nicht kalt staunenden besuch erlaubst du nur 12, 170 (Faust I). 4@dd) staunen neben verben, die die äuszerung des staunens bezeichnen, s. a und c, γ; ferner: wir stehen und staunen und schlagen die hände zusammen und rufen: 'aber, wie hat ein so groszer mann nicht wissen können!' Lessing 7, 151 (Hamburg. dramat. 34). staunen tritt dann auch für diese äuszeren geberden und symptome ein. so bezeichnet es ein staunendes blicken; den übergang vermitteln stellen wie: so staunte Scyllens blick, ob sie dich, Circe, fühlte. Wieland 1, 56 Berl. ausg. (nat. der dinge 3, 105); so dann mit richtungsadverbien verbunden (vgl. 3, d): und ich sah nun auf, siehe, hoch über mir am himmel brachen alle lichter hervor ... lange staunt' ich hinauf Fr. Müller 1, 36; wenn nun ein fremdling daher wandert, der in seiner heimath von dem hause der gastfreyheit gehört hat, wie wird er hinstaunen auf diesen schutt Babo Otto v. Wittelsb. 5; er staunte selber an sich hinauf und traute sich das ungeheuerste zu Ludwig 2, 23. (davon verschieden sind die unter 3, c. d besprochenen gebrauchsweisen.) — auf die äuszerung des staunens in worten oder tönen geht: wettstreitet, wer am lautsten staunt! Klopstock 2, 36 (ode 'überschätzung der ausländer'). vgl.: Anatol grosz. ich muste hingehen — — — auf die redoute! Max. ah! Anatol. du staunst, wie — ? Schnitzler Anatol s. 176. 4@ee) der gegenstand, der das staunen erregt, kann durch adverbiale bestimmungen (bei etwas, bei einem anblick ä. ähnl.), nebensätze u. s. w. angegeben werden. solche fälle sind bereits unter b aufgeführt. hier handelt es sich um die fälle, wo solche ausdrücke in ein directes abhängigkeitsverhältnis zu staunen treten ('rection'). 4@e@aα) der grund wird durch ein substantiv bezeichnet. hier ist die ergänzung durch einen bloszen casus ausschlieszlich der poetischen sprache eigen. und zwar ist der dativ am häufigsten; vgl.: 'in der höhern schreibart auch mit dem dritten falle des gegenstandes. einer sache staunen, über sie staunen, durch sie in den zustand, welchen staunen bezeichnet, versetzt werden' Campe. belege (zumeist aus dem ende des 18. und dem beginne des 19. jahrh).: Emil Kuh staunte diesem dociren Gutzkow Dionysius Longinus 40; näher wälzt sich die wolke, sie glüht. ich staune dem wunder. Göthe 1, 314 (Euphrosyne); so wahr die göttergestalten, welche sichtbar nur dir, schöpferinn, dir nur allein sich enthüllen, göttlicher sind, eh' zaubernd der pinsel spielt, eh' Albion dir staunt und Italia dir! Stolberg 1, 375 (an Angel. Kaufmann); also staunt' auch der jüngling dem anblick seiner geschmückten blühenden braut Voss 1, 145 (Luise 3, 220); viel zu groszes ja sagst du! ich staune dir (ἄγη μ' ἔχει) Odyss. 3, 227, ebenso 16, 243; und aus der hüll' auffahrend am strand der verödeten salzfluth, staunten sie alle dem hirsch (θηήσαντ' ἔλαφον) 10, 180; dort die götter, um Zeus, den wetterleuchtenden sitzend, staunten dem groszen werk (θηεῦντο μέγα ἔργον) der erzumschienten Achaier Il. 7, 444; ihm staunen sie all' in ehrfurcht (illum admirantur). Georg. 4, 215; doch so herrliche krieger, als in der zehenten legion die erde gewahrte, staunend den söhnen des siegs, die werd' ich wohl nimmer ersehen! Pyrker Tunisias 32 (2, 169); ihm staunen alle gäste. Uhland ged. (1864) 204 (d. sänger); dem wunder muszte Nala staunen. Rückert (1882) 11, 117 (Nal; 28) [] staune nicht dem felsen, stürme, winde, blitze, selbst der menschen äxte mögen ihn zerklüften. Platen 76a (gas. 54); dich zu sehn schien fülle des glücks, und bebend staunt' ich dir, traumähnliches bild der schönheit! 112a (oden 16). 4@e@bβ) seltener mit gen.: desz staun' ich nicht; doch desz, dasz Aias dies, der gröszre Aias, dies erduldet hat. Stolberg 14, 276 (Soph. Philokt. 437); wenn du so willst, o herrscherin, so lasz mich dir gestehn, wie ich des schauspiels staune, das mir in die ungläub'gen sinne fällt. Kleist 2, 53 E. Schmidt (Penthes. 5, 751); halb kuh, halb weib erschien sie (Io); scheu staunte man des wunders. Droysen Aischylos3 263 (schutzfleh. 536). 4@e@gγ) häufig ist nicht zu entscheiden, ob gen. oder dat. vorliegt: Sancho staunte mit offnem munde der weisheit seines herrn; aber mehr noch, als er, verwunderte sich der baumeister aus Sevilla Franz v. Kleist verm. schr. (1797) 323; ihr staunten nicht, der hohen göttinn nicht, im stummen schmerz erstarrt, die freunde Stolberg 14, 164 (Aias prol.); die drängende rudel der hirsche staunt der befremdenden last (torpent mole nova). Voss Georg. 3, 370; ich staune deiner rede ... der tugend staunt' ich, die dein eigen heil dich in dem heil des gatten finden liesz. Platen dramat. nachl. 37; wir staunen deiner rede, wie du zungenfrech noch solche worte prahlest über dich und ihn! Droysen Aischylos3 59 (Agam. 1310). (in den ersteren belegen ist nach obigen analogien eher der dat., im letzten jedenfalls der gen. anzunehmen.) 4@e@dδ) vereinzelt findet sich auch transitive fügung, doch tritt nur das neutr. eines pronomens im acc. hinzu (wie und vielleicht nach lat. mirari aliquid): die einsamkeit suchen, oder mitten in gesellschaft sich einbilden, man habe bloss bäume und felsen und rieselnde quellen zu zeugen seiner empfindungen; staunen ohne zu wissen was, seufzen ohne zu wissen warum; — diess waren, ihrer meinung nach, die wahren symptomen der liebe Wieland 3, 343 (Agath. 14, 5; gehört eigentlich unter 3); so auch: ich werde rasend, toll; ist das ein wunder? ... ich irre, rase schon; ist das zu staunen? Göthe 5, 17 (divan 1). sonst treten hier zusammensetzungen ein, besonders an- staunen, s. theil 1, 477 (dazu: verwundernd staunt es an die träge menge. Novalis 1, 193 Meiszner);
36818 Zeichen · 604 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Staunen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Staunen , verb. regul. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, vor Verwunderung gleichsam stumm, unbeweglich da st…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    staunen

    Goethe-Wörterbuch

    staunen [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    staunen

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia staunen das hd. Wort: man müßt sick staunen Gü Güstrow@Warnow Warn . Ungebräuchlich.

  4. Sprichwörter
    Staunen

    Wander (Sprichwörter)

    Staunen Er staunt, wie der Hahn über den Regenwurm.

  5. Spezial
    staunen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    stau|nen vb.intr. (Bewunderung ausdrücken) se fá demorvëia, ciaré ca, romagne cun la bocia daverta.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit staunen

29 Bildungen · 9 Erstglied · 17 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von staunen 2 Komponenten

stau+nen

staunen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

staunen‑ als Erstglied (9 von 9)

staunenerfüllt

DWB

staunenerfüllt , adj. : als Sudewa das wort enthüllt, trat Sunanda, staunenerfüllt, zu Damajanti Rückert (1882) 12, 85 ( Nal 21).

staunenerregend

DWB

staunenerregend , adj. , vgl. DWB staunen 6, b: dazu gab das mächtige zeitalter ... allen unternehmungen einen reiz, der unserem gelehrten z…

staunenhaft

DWB

staunen·haft

staunenhaft , adj. , ungewöhnliche gelegenheitsbildung für staunend: das kriegsheer schaute staunenhaft auf seinen mut und armes kraft. Rück…

staunensoffen

DWB

staunen·s·offen

staunensoffen , adj. , vom mund, den man beim staunen öffnet: da sah ich, wie im hintergrund bereits mit staunensoffnem mund zukunft und nac…

staunensvoll

DWB

staunen·s·voll

staunensvoll adj. ( adv. ), für älteres staunenvoll, vgl. das.: was gleich verklung'nen sagen aus grauer vorzeit scholl, hat man in diesen t…

staunenswert

DWB

staunen·swert

staunenswert , adj. , vgl. DWB staunen 6, a und staunenswürdig; zuerst bei Kinderling 428 gebucht ( mit verweis auf die Karschin ), vgl. zei…

staunenswürdig

DWB

staunen·s·wuerdig

staunenswürdig , adj. des staunens würdig Campe ( mit beleg aus Gries ), vgl. d. vor.: in diesem sinne muszte nun das erste stück ( einer gr…

staunenswürdigkeit

DWB

staunen·s·wuerdigkeit

staunenswürdigkeit , f. : die ... werke des Phidias haben allein der Niobe nicht geschadet, welche auch ihre eigenthümlichen staunenswürdigk…

staunenvoll

DWB

staunen·voll

staunenvoll , adj. ' voll staunens, von staunen erfüllt; wie auch, von groszem staunen zeugend ' Campe ; nicht mehr üblich. staunenerregend:…

staunen als Zweitglied (17 von 17)

Überstaúnen

Campe

◬ Überstaúnen , v. trs . ich überstaune, überstaunet, zu überstaunen , staunend, mit Erstaunen überblicken. »Ih überstaunte die holde Gestal…

anstaunen

DWB

anstaunen , cum stupore, cum admiratione intueri: dasz ringsher die völker den kommenden all anstaunten. Voss Od. 2, 13 ; was augen hat, läu…

Aufstaunen

Campe

auf·staunen

△ Aufstaunen , v. intrs. erstaunt, mit Erstaunen in die Höhe sehen. Sie hätten sehen sollen, wie er aufstaunte  Das Aufstaunen.

Ausstaunen

Campe

aus·staunen

Ausstaunen , v. ntr. mit haben, aufhören zu staunen. Das Ausstaunen.

bestaunen

DWB

bestaunen , admirari, anstaunen: jeder ort hat einen kleingroszen mann, den der weise verlacht und der haufe bestaunt. Dyanasore 1, 60; wer …

emporstaunen

DWB

empor·staunen

emporstaunen , stupere, aufstaunen: der hoh und niedre pöbel vernimmt und staunt empor. Voss 5, 212 .

erstaunen

DWB

erstaunen , stupere, admirari, gleich dem einfachen staunen; bisher weder ahd. noch mhd. aufzuweisen. da indessen schon ein ags. stunian imp…

Erstlingserstaunen

Campe

erstling·s·erstaunen

◬ Das Erstlingserstaunen , des — s, o. Mz. das erste Erstaunen. »Das es in seinem Erstlingserstaunen übersehen kann.« Thümmel.

hinanstaunen

GWB

hinan·staunen

hinanstaunen staunend nach oben blicken Proserpina .. h-d zu ihrem leeren Thron GWB 40,115,15 ÜbProserp Elke Dreisbach E.D.

hinaufstaunen

GWB

hinauf·staunen

hinaufstaunen als das Mädchen [ Nanny ] .. auf die Knie vor dem Sarge [ Ottilies ] niederstürzte und andächtig entzückt zu der Herrin hinauf…

hinstaunen

DWB

hin·staunen

hinstaunen , verb. : da ich mich doch nicht wohl auf einen eckstein setzen und, den finger auf der nase, nach Klärchens fenster hinstaunen k…

nachstaunen

DWB

nach·staunen

nachstaunen , verb. 1 1) einem nachstaunen, staunend nachblicken. 2 2) schweiz. nachsinnen, nachgrübeln: er staunte dem schicksal der bewohn…

verstaunen

DWB

ver·staunen

verstaunen , verb. , taucht wie das simplex staunen ( th. 10, 2, 1176) im 17. jh. auf, wird in der heutigen literatur nur in der form versta…

Wonneerstaunen

Campe

wonne·erstaunen

◬ Das Wonneerstaunen , — s , o. Mz . ein wonnevolles Erstaunen. — mit der Stimme des höchsten Erstaunens Schauernden Wonneerstaunens — Sonne…

zurückstaunen

DWB

zurueck·staunen

-staunen , v. : die wenigen, die ... mit nachdruck schilderten die szenen, vor welchen jedes gefühl z. muszte G. Fr. Rebmann ministerium der…

Zustaunen

Campe

Х Zustaunen , v. ntr . mit haben, Х Zustäupen , v. intrs . s. Zu 2. 2).

Ableitungen von staunen (3 von 3)

bestaunen

DWB

bestaunen , admirari, anstaunen: jeder ort hat einen kleingroszen mann, den der weise verlacht und der haufe bestaunt. Dyanasore 1, 60; wer …

erstaunen

DWB

erstaunen , stupere, admirari, gleich dem einfachen staunen; bisher weder ahd. noch mhd. aufzuweisen. da indessen schon ein ags. stunian imp…

verstaunen

DWB

verstaunen , verb. , taucht wie das simplex staunen ( th. 10, 2, 1176) im 17. jh. auf, wird in der heutigen literatur nur in der form versta…