stauen,
verb. flieszendes wasser hemmen; waren fest schichten. —
in ganz verschiedenem sinne finden sich in den germ. sprachen verben gleicher oder ähnlicher lautform, die sich auf ursprüngliches *stôwjan
oder *stawjan
zurückführen lassen und deren zusammenhang nicht ganz klar ist. sie sind wol alle als eine causativbildung zu der idg. wurzel sthu-,
einer nebenform zu wurzel sthā- (
schwachstufe zu der weiterbildung sthāv-) '
stehen'
oder als ableitungen von dem auf dieser beruhenden nomen *stōwō '
stelle, stätte' (
in got. staua
gericht, altn. stó, eld-stó
feuerstelle, ags. stów,
altfries. stō,
überall fem., vgl. lit. stowà '
stelle, wo etwas steht')
aufzufassen. dann entspricht genau slaw. staviti '
stellen' (
von stavŭ
stand);
vgl. ferner lit. stowěti
stehen, lett. stāwēt,
s. Torp
bei Fick4 3, 493. Prellwitz
etym. wb.2 440 (
στύω). Franck 977. ten Doornkaat Koolman 3, 322
b.
folgende hauptbedeutungen lassen sich unterscheiden: 11)
urgerm. *stôwjan (
bezw. *stôwian) '
richten',
vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 748
f. dies wort deckt sich lautlich mit slav. staviti '
stellen'.
die specialisirung der bedeutung läszt sich auf verschiedene weise vermitteln, einerseits mit persönlichem object, einen vor gericht stellen, oder sächlich, eine rechtssache festsetzen, entscheiden. dies verb liegt im got. und hd. vor. 1@aa)
got. stojan (
prät. stauida),
dazu staua,
m., richter, und staua,
f., gericht. vgl. J. Grimm
a. a. o. Paul
in Paul-Braunes
beitr. 7, 156. Uhlenbeck
2 141. Th. v. Grienberger
unters. zur got. wortkunde (
Wien 1900)
s. 198
f. (
mit lett. entsprechungen). 1@bb)
im ahd. hat stojan
eine doppelte entsprechung, vgl. darüber Paul
in Paul - Braunes
beitr. 8, 214—6
und Kögel
ebenda 9, 514
f., sowie H. Möller
anz. f. d. alterth. 20, 118. 1@b@aα)
lautlich entspricht genau stûen (
für *stuojan, -en)
mit der gewandelten bedeutung '
büszen': uuê demo in vinstrî scalsîno virinâ stûen.
Musp. 25.
so häufiger arstuen
luere; arstuota,
expendit, pertulit. daneben jedoch auch stuouuan
corripere, stuoot
quaeritur, zi stuuanne
conquerendum, s. Graff 6, 728.
vgl. noch stûatago
gerichtstag (
vom jüngsten gericht),
Musp. 55. 1@b@bβ)
daneben steht ein häufiges verb mit kurzem vocal der stammsilbe (
also einem got. *staujan —
*stawida
entsprechend)
und der bedeutung '
schelten'
; es glossiert queri, conqueri, causari, incusare, increpare, objurgare, invehere. neben der überwiegenden flexion nach der 1.
schwachen classe: stou(u)uan,
prät. stouida, -ita, stouta
begegnen formen nach der zweiten: stouuônes, -ônti, stauuôs
causeris, stouuôt
quaeritur, stouuôta
u. s. w. dazu ferner arstouuôn, irstou(u)ita,
part. arstou(u)iti
correpti u. s. w., s. Graff 6, 727.
vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 748
f. 855 (
42, 356. 488). 1@cc) stouwen, stöuwen
in der bedeutung '
schelten'
lebt auch im mhd. fort bis ins 13.
jahrh.: sumiliche instnovten (
l. in stouten), vil harte si im drouten, si baten in swigen. Diemer
ged. 239, 16; vil harte si in stouten. 248, 6; den richtære si steuten, ze dem chæiser si im dreuten, si sprachen: ob er genist, des chæisers vriunt du niene bist.
urstende 106, 76.
danach sind wol auch folgende stellen mit acc. zu verstehen: dem andern sol hie nieman droon (?) noch mit scharphen worten stoun. 109, 5; des begunden si im starke dröun und ungezogenlîchen stöun. Konrad v. Fussesbrunnen 2684
Kochendörffer. ferner oft einen umb etewaʒ stöuwen: der künic Tybalt hin zer wide Arabelen dicke dreute: Ebmereiz in drumbe steute. Wolfram
Willeh. 221, 30; ich weiʒ wol, daʒ eʒ geschach in schimpf unde in tagalt, ... umb daʒ sie sô mich stöut. Heinr. v.
d. Türlin
crone 4363; vil wart er umb die rede gestöut. 16845. 22)
vom 13.—16.
jahrh. begegnet stöuwen, stouwen, stau(w)en
in einer bedeutung, die nicht wol von der vorigen hergeleitet werden kann, so nahe sie sich zuweilen mit ihr berührt, nämlich '
einhalt thun, wehren, hemmen, hindern'.
dabei ist die construction verschieden. 2@aa)
zufrühest (
im 13.
jahrh.)
mit acc. der sache: ich weiʒ [wol], daʒ ir iuch (tuot) ze mîme schaden vröuwen: doch wil ich iuwer valschen list mit vuoge stöuwen.
minnes. 3, 57, 12
Hagen (Rumelant);
kummer beschwichtigen, stillen u. ähnl.: si begunden sich harte vröuwen der râche und mit alle stöuwen an ime alles jâmers muot, als ein vrô herze tuot, daʒ leides gar vergiʒʒet.
crone 19230; al ir kumber wart gestöut. 22877; ein trosteclichir clanc der daʒ herze irfrouwet und valschis (?) truren stouwit. Hugo v. Langenstein
Martina 28
b, 52.
später in anderm sinne, gerichtlich, eine sache beilegen (?): die sache im besten helffen stauwen und nyderlegen
Frankf. urk. v. 1442
bei Dief.-Wülcker 863. 2@bb)
dafür selten der dativ der sache: ich wil mîner vröude stöuwen, ich möhte ir mê gemachen.
crone 25179. 2@cc)
mit dativ der person; einen ärgern, verdrieszen, quälen, stören: dà wider ein unvröude stöute Artûse unde sînen man.
crone 11615;
dafür der acc. (?): diu rede stöute in sêre. 28539. 2@dd)
gewöhnlich doch in der bedeutung des wehrens: als tuot der hofwart: der bilt ie mê, sô man im stöut.
crone 17803.
so häufig im 15.—16.
jahrh.: Abraham nam
das swert und swang es auf in die luft, do was der engel gottes hie, und stauet im und wert im
handschr. v. 1470
bei Schmeller
2 709; das er do den lüten stouwe und were
Straszb. quelle des 15.
jahrh. bei Ch. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 342
a; begert das man den chor mit einer brustgewer verschlagen wolt, domit das getreng nit so grosz würd, auch das man etliche knecht verordnet die den leuten stowen wolten Brant
wyhe bisch. Wilh. v. Honstein (1507)
s. cod. hist. de Strasb. 2,
s. 254 (
auch narrensch. 200
b Zarncke. Ch. Schmidt
a. a. o.); doch erschrocken die Römer so gar nichts ab dem schaden das man grösser müg und arbeit het inen zuo stauwen und weren (
deterrendi et continendi), daz sie sich nit so sorglicher scharmützel underwünden, dann sie zuo reitzen oder ermanen Ringmann
Jul. Caesar (
Straszb. 1507) 113
a (
bell. Alex. 22); eim jungen kind ... dem lugestu uff ob es unzimliche wort rede oder schwere, das du im stoutest und treuwest im Keisersberg
brös. 1, 70
a bei Ch. Schmidt
a. a. o.; die do für giengent, die schnawten jn (
den blinden vor Jericho) an, überbolderten jn, stOewten jm das er solt schwygen, und nit also ein geschrey machen
postill (1522) 1, 35
a; die sprochent zuo jm. meister, geschweig, stOew, oder überbolder deine iüngeren. als ob sye sprAechen. nit lossz sye also schryyen 116
b; und wan sie dir nit künnen stauwen, so haben sie dir vil me getrauwen (
gedroht). redestu dem Luther noch ein wort, sie wöllen es achten für ein mort. Murner
Luth. narr 449.
dazu: fieng ein mensch nur ein wenig an, sich mit usz treyben der laster zuo ben, ... so würd er sehen was im gebrest ... und gewunn mit im selber so vil zuo stowen, zuo meisteren, das er aller anderer leüt vergesse Keisersberg
v. d. syben scheiden (1516) h 5
b. 2@ee)
mit angabe der sache daneben, zunächst im gen., einem
bezw. einen eines dinges stouwen,
ihn daran hindern: hi vone er weiʒgot ir gebot, daʒ si zu keiner hande not ... zu gebesnitz (
freigebig) enwere ... sa sazte er ir zu biwar ... ein deil strenger frouwen, di ir des solten stouwen.
Elisab. 7936; gleich eynem wasser, so sanfft geht und dem keyn staden widersteht, sobald es kompt an eynen strauch, so laufft es erst ungstim und rauch, dem gleichen auch Pentheus thet do man in seinr wort gstawet het. Wickram 7, 159
Bolte (
Ovid 3, 1361).
dafür der acc.: das sie mir aber schreiben stauwen, und mir uff weiter schenden trauwen (
drohen) ... das grOewet mich nit umb ein hor. Murner
Luth. narr 486. 33)
damit berührt sich die heute gewöhnliche bedeutung '
wasser hemmen',
so dasz es nahe läge, die behandelte gebrauchsweise als freiere verwendung von dieser herzuleiten (
vgl. Kluge6 376
b und die stelle aus Wickram
bezw. Albrecht v. Halberstadt
unter 2,
e).
doch stehen dem die thatsachen des sprachgebrauchs entgegen. stouwen '
wehren, hindern'
ist dem ältern hd. (13.—16.
jahrh.)
eigenthümlich und begegnet fast nur in oberd. quellen; (wasser) stauen
fehlt im ältern oberd. vollständig, ist vielmehr zunächst specifisch nd. und erst in neuerer zeit in die nhd. schriftsprache eingedrungen. 3@aa)
auch dieses *stawjan
ist wol als eine causativbildung in dem sinne '
stillstehen machen'
von der wurzel sthu-
herzuleiten, die in gr. στύω steifen, emporrichten vorliegt und u. a. deutschem steuer, stier, stutzen, stützen, stollen
zu grunde liegt. weniger nahe liegt es, von einer andern idg. wurzel steu-, stū '
stopfen, verdichten, ballen'
auszugehen, auf die stauche, staude (?)
zurückgeführt werden, vgl. diese. s. Fick
3 3, 342.
41, 147
und 145. 570. 3, 493. Prellwitz
etym. wb. der gr. spr. 306
f. bezw. 2440 (
unter στύω). Kluge
a. a. o. Franck 977. Goedel
etymol. wb. der seemannsspr. 460.
auffällig ist, dasz im holl. neben stouwen
auch (
jetzt überwiegend?) stuwen
vorkommt. 3@bb)
das verb geht aus vom mnd., wo es seit dem 14.
jahrh. als stouwen, stowen, stawen, stuwen
nicht selten bezeugt ist, s. Schiller - Lübben 4, 420.
bemerkenswert ist, dasz auch eine mitteld. quelle das reflexiv in bildlicher verwendung bietet. es lebt fort in den nd. mundarten: hamb. stauen '
hemmen, aufhalten. wird insonderheit vom wasser gebraucht, wann selbiges durch dämme oder schliessung der schleusen an seinem lauffe behindert wird' Richey 288;
so auch osnabr. water stauen Strodtmann 380
b;
brem. wasser dämmen, auch af stauen, up stauen
brem. wb. 4, 1007;
südhann. stawen Schambach 208
a;
ostfries. stauen Stürenburg 262
a, stôen, stôjen, stauen ten Doornkaat Koolman 3, 322 (
a);
holst. stauen Schütze 4, 189;
altmärk. stau'n, uppstau'n Danneil 209
b;
pomm. stauen '
das andringende wasser zurückhalten' Dähnert 458
b;
hinterpomm. stauge
nd. korrespondenzbl. 13, 86
a;
preusz. stauen Frischbier 2, 363
b;
in Liv- und Estland '
dämmen, den abflusz des wassers hindern' ('
einige sagen unrichtig dafür staugen') Hupel 227.
den hd. mundarten ist es fremd. (
nur Schmeller
2 2, 709
giebt stâuen, stæuen
in diesem sinne; aus der schriftsprache? —
in Handschuhsheim dafür šwelə Lenz 68
a.)
holl. stouwen, stuwen,
vgl. a. 3@cc)
in den nhd. wörterbüchern seit dem 17.
jahrh.: das wasser stauen Schottel 1421; einen flusz stauen,
arborum truncos, cespites et saxa obmoliri flumini Stieler 2126; stauen
neben stauchen (
vgl. dieses III, 1) Kramer
dict. 2, 917
a; 'stauen, (
wasserbau)
den lauf des wassers hemmen' Jacobsson 4, 266
a; 'das wasser stauen,
es in seinem laufe aufhalten und dadurch in die höhe schwellen machen' Campe.
s. auch Stenzel
seemänn. wb. 400
a (4).
vielfach noch als nd. bezeichnet (
neben hd. stauchen): im niders. ist für stauchen stauwen, und von diesem stemmen, stauwen
Frisch 2, 331
c; stauen ...
nieders. stauen,
ital. stuare ... '
im niedersächsischen und einigen andern gemeinen mundarten lautet dieses wort ohne hauchlaut stauen' Adelung (2, 3
und anm.); 'das wasser stauen
heiszt machen, dasz es wegen des gehinderten abflusses anschwillt. dieser ausdruck aber ist blosz niederdeutsch. die Hochdeutschen sagen dafür stämmen,
andere auch ... stauchen' Heynatz
Antibarb. 2, 444. (
umgekehrt bezeichnet Campe
fälschlich stauchen
als nd.)
die litteraturbelege setzen im allgemeinen erst im 19.
jahrh. ein (
mit Jahn, Eichendorff, Heine
u. s. w., s. unten);
vereinzelte ältere belege s. unter d und f (Stolberg). 3@dd)
zunächst eigentlich, transitiv, wasser, einen flusz stauen,
vgl. oben: stouwan, schutten als men water stouwet Schueren
Teuthonista 381
a Verdam; dath die zelve Bernd of zine erven ... hebben vullecomene macht eweliche ... to dammene ind die Emeschere tho stuwene ... also, dat die Emeschere eren ganch hebbe tuschen den tven dyken ... ind valle op des vorseiden Berndes moln. were ouch zake, dath de dam uyt breke, ... so mach Bernd ... dammen ind dye Emeschere dvingen ind stuven
Dortmunder urkundenb. 1, 509 (
vom j. 1355); her Otto ... leyt stuwen boneden der stad dat water, dat utht den Garbroke kumt, dat um dat sloet geyt. do dranck syck dat water so hoge ynt more um dat sloet gelick off et eyn zee were
Münstersche chron. 1, 173; up der stede, dar se buweden, mochte me stouwen dat water der Elmenowe hogher, wenne se wol lyden konden in der stad
Lüb. chron. 2, 87 (
zum j. 1443); dat water stouweden se so hoghe, dat id de stad vorvullede wente to den balken des huses Korner
bei Schiller - Lübben 4, 420
b.
nhd.: soll kein wasser so hoch gequalt, zugelacht oder auffgetrungen, dasz die strassen oder wege vertrenckt, grundtlosz oder arg dadurch gemacht werden, sondern so ... jemandts einig wasser zu quellen oder zu stewen ... zugelassen wäre oder würde ...
Gülich u. Bergische policey-ordn. (1696)
s. 47,
vgl. Frisch 2, 331
c; zur zeit der wasserschwelle wird der höher als gewöhnlich aufsteigende strom durch einen querdamm gestaut Ritter
erdkunde2 11, 608; wie wenn etwas eine röhre verstopft hat, das gestaute wasser erst heftiger und in stöszen gesprudelt kommt, ehe der gleichmäszigere flusz sich wiederherstellen kann Ludwig 5, 133; aber das wasser flieszt einmal den berg hinab. — es wird bald an eine schleuse kommen und dann für eine gute weile gestaut werden, brummte Mohr Heyse
kinder der welt 1, 170; (
im bilde:) das ringen aber bleibt keinem geschlechte erspart, ... nicht der kampf gegen jene, die den strom stauen wollen Anzengruber
3 4, 378; es ist umsonst, sie stau'n mit macht den strom. Grillparzer
4 7, 92 (
weh dem, der lügt! 4); je sichrer sie dein schifflein trug zur stelle, wenn du sie nutztest, desto grimmer trachtet dich zu vernichten die gestaute welle. Geibel 2, 102.
so auch mit angabe des effects: man vermorastet die marschen durch fangdämme, einsumpft auen durch wehre ... und stauet wasserreiche thäler durch wall und mauer zu seen Jahn 2, 589
Euler (
merke 162).
der inf. substantivisch: um den karren und dem zugvieh einen weg durch den flusz zu sichern, stemmten sich die riesengestalten der männer mit ihren lindenschilden in langer kette gegen das reiszende wasser; im Kimbrerkriege sahen an der Etsch die Römer erstaunt, dasz die männer im strome die arbeit des stauens verrichteten, die man sonst wohl einmal der kraft der stiere und rosse überliesz Freytag 17 (
bilder 1), 117. 3@ee)
so reflexiv, in intransitivem sinne: das wasser staut sich an der schleuse; de Sassen hadden der Doringh so vele dot geslagen, dat de Unstrot dat water sick mydde stauwede mit den doden, dat me dar uppe over gingk
script. rer. Brunsw. 3, 281 (Botho
chron. Brunsv. pict.); hohl gurgelte das wasser und staute sich an den letzten stufen der treppe Freytag 5, 342 (
soll u. haben 6, 4); wie sie (
die gletschermasse) plötzlich anschwellt, und sich trübt, weil tief unten die gröszeren massen sich an unbekannten hemmnissen stauen Nitzsch
deutsche studien s. 297.
mit angabe des effects: wo sich der fluss in einen see gestaut, der eine stunde mag an breite messen. Gries
Bojardo 2, 2, 15.
so schon mhd., im ausgeführten bilde: do uns geborn ein mensche wart, der in den vluʒ (
der gerechtigkeit) wart geleit, als (
so) daʒ die gerechtekeit, die mit den luten vloʒ den val, in der vinsternisse tal sich stouwen muste und ufhaben!
pass. 3, 77
Köpke; da die barmherzekeit (die) sich stouwet und hin uf treit ... biʒ zu der vreuden trone, swaʒ in ir bevangen ist. 4, 81. 3@ff)
in demselben sinne auch bloszes stauen;
so schon mnd.: sunder reghen quam dat water ut der erden unde stowede so hoghe upwordes, dat it quam den perden bet to dem sadel
Lüb. chron. 1, 67: ok in ener tyd weren se mit den gantzen heere in eme dale, dar stowede up en beke, unde vordrenkede des volkes een grot deel 38.
so auch neund. '
aufsteigen, aufschwellen, wie das gestauete
oder gehemmete wasser'
brem. wb. 4, 1007. Stürenburg 262
a. Frischbier 2, 363
b; 't water fangt an to stôen, 't stôed op ten Doornkaat Koolman 3, 322
b. stauend water '
wenn der strom zwischen ebbe und fluth gleichsam stille stehet' Richey 288 (
auch: et is stahnde water). Schütze 4, 189.
hierher die frühesten nhd. belege: die lava flosz wie ein breiter und tiefer strom gegen die stadt
an. ... statt, wie man erwartete, die mauer zu stürzen, staute sie vor derselben, erhub sich und flosz über sie hinweg Stolberg 9, 230; wie wenn an einer stelle im gebirge ... eine plötzlich gehobene, unsichtbare schleuse einen wasserstrom in majestätischem sturze niederdonnern läszt, nur umgekehrt! hier staute plötzlich der volle strom und wie im nu waren die brausenden gewässer zum unheimlichen schweigen gebracht Gutzkow
ritter v. g. 9, 367; gleichmässig die bergländer und die tiefebene bedeckend, mag der wald nur da von anfang an den gesellig lebenden graspflanzen gewichen sein, wo periodische überschwemmung und stauende bodennässe ihn verdrängten Bernhardt
gesch. des waldeigentums (1872) 65; die ströme werden nimmer rückwärts stauen. Eichendorff
2 1, 437. 3@gg)
in neuerer litteratur sehr gewöhnlich von einer menschenmenge ('
menschenstrom'). 3@g@aα)
transitiv selten, auszer im part.: einer nur, ein kranker gelber mann, schleppte sich teilnahmlos und mühsam durch die gestauten massen Ilse Frapan
arbeit 251. (
dafür gewöhnlich aufgestaut.) 3@g@bβ)
häufiger reflexiv: 'die menschen stauen sich,
wenn bei groszem gedränge das vorwärtskommen gehindert wird' Frischbier 2, 363
b; mit unwiderstehlicher wucht dringen die Germanen in das land ... endlich staut sich die fluth an einer stadt, deren bürger in der verzweiflung die mauern besetzen Freytag 17 (
bilder 1), 117; für sie wehten diese fahnen, für sie staute sich die menge in den straszen Isolde Kurz
lebensfluten 87; doch siehe, da staut sich der völkerstrom, nicht treibt's ihn, nach westen zu fluthen. Scherenberg
ged.5 386;
so auch: kaum dasz die hand des herrschers (
kais. Wilhelms I.) zurück den vorhang schnellt, staut sich vor dem palaste die buntbewegte welt. 236; da packt die Trojaner entsetzen und grau'n; es drängen, dasz wagen und leichen sich stau'n, die scharen zur flucht. Leuthold
ged.4 307 (
Penthes. 10). 3@g@gγ)
intransitiv: niemals staut der zug, unaufhaltsam strebt er vorwärts
M. v. Ebner-Eschenbach
meine kinderjahre 6; nun, stauend wie ein mühlenbach, zum lager schiebt es drängend nach, es ist ein fürchterlicher trosz. A. v. Droste-Hülshoff 2, 143 (
d. schlacht im Loener bruch). 3@hh)
in mannigfacher nuancierung wird stauen
gelegentlich vom blute gesagt. 3@h@aα)
mnd. transitiv, eine blutung stillen: naderwort mit mede ghedrunken stowet dat blot
quelle bei Schiller-Lübben 4, 420
b; dat blôd is nêt to stôen ten Doornkaat Koolman 3, 322
b. 3@h@bβ)
reflexiv, im bilde: auch die unter der bezeichnung allegorisches und didaktisches erscheinenden stücke (
Schnyders v. Wartensee) sind gehaltvoll. im gröszten derselben ... staut sich jedoch die poetische ader an einer kleinen hauptsache Keller
nachlasz s. 26. 3@h@gγ)
intransitiv, vom stocken des blutumlaufs: ein kaum spürbares rieseln war durch des knaben starre pulse geglitten, und wenn es auch sofort wieder staute, dennoch erklärte der doctor voll siegesgewiszheit: 'jetzt hab' ich ihn'
M. v. Ebner-Eschenbach
dorf- u. schloszgesch. 14. —
ähnlich brem. 'idt stauet mi to koppe,
wenn das geblüt, oder die dünste aus dem magen, mit einer plötzlichen hitze und röthe ins gesicht steigen'
brem. wb. 4, 1007. 3@ii)
selten wird stauen
von festen körpern gesagt, deren bewegung gehemmt wird. 3@i@aα)
mnd. trans., vom ruder: datt he ... datt rohr stauen scholde, darmede J. R. vorby dryven mochte
brem. urk. v. 1564
bei Schiller-Lübben 4, 420
b. 3@i@bβ)
intransitiv: das leben ist eine schublade, die nicht geht, stockt, staut, spannt Vischer
auch einer 2, 318. 44)
schichten, fest packen. diese bedeutung hat das wort besonders in der sprache der Nordsee-anwohner. 4@aa)
engl. stow (
spr. stōu)
packen, zurechtlegen, aufbewahren; dies geht zurück auf mittelengl. stōwin '
stow away, place' Stratmann-Bradley 582
a,
das offenbar eine verbalbildung zu dem subst. stōwe,
f., platz, ist. dieses ist ags. stów,
f., s. Bosworth - Toller 924
b,
das bereits vorgerm. gebildet ist, vgl. altfries. stoe Richthofen 1050
b,
altn. stó
in eldstó
feuerstelle, herd Cleasby-Vigfusson 126
a,
lit. stowà
stelle, s. Fick
4 1, 147. 3, 493. Goedel
etym. wb. der seemannsspr. 460. (
das ags. verb stówian
zurückhalten, zügeln, stouuigan
retentare, läszt sich nicht direct mit dem heutigen stow
identifizieren, sowol wegen der abweichenden bedeutung, wie wegen der nebenform steowien, steowe, stewen,
s. Bosworth-Toller 924
b.)
vgl. Skeat 601
a. Kluge-Lutz 201
a. 4@bb)
im deutschen besteht kein lautlicher unterschied gegenüber der vorstehenden bedeutung. auch diese gebrauchsweise ist zuerst im nd. zu belegen, wie sie überhaupt zunächst der seemannssprache angehört. doch im mnd. nur ganz vereinzelt nachgewiesen: dat schip is al vol ghestouvet (
voll waren gestopft)
Hans. rec. v. 1395
bei Schiller-Lübben 6, 273
a.
heute in den mundarten der Nordseeanwohner: hamb. stauen '
fest und gepackt zusammen setzen, insonderheit die waaren in einem schiffe, welche in der fahrt nicht müssen gerüttelt, gestossen oder zerdrücket werden; wiedrigen falls hat der schiffer nicht wol gestauet,
und ist für den schaden gehalten' Richey 288 (
so nicht in Osnabr. Strodtmann 380
b);
holst. Schütze 4, 189;
brem. wb. 4, 1006
f.; ostfries. stauen '
fest u. dicht zusammenpacken, schichten (
z. b. holz, torf, waaren im schiff etc.)' Stürenburg 262
a, stôen, stôjen ten Doornkaat Koolman 3, 322
b (
c).
so auch nl. stouwen,
vetus vel tassen,
acervare, accumulare, cogere Kilian 2, 644
b.
auch preusz. '
kunstrecht, fest und gedrängt verpacken, namentlich schiffsladungen' Frischbier 2, 363
b. —
auch in die nord. sprachen übernommen (?):
dän. - norw. stuve,
norw. stuva, stua Aasen 765. 4@cc)
im nhd. erst in neuerer zeit nachzuweisen: wahren stauen
bei Kramer
dict. 2 (1702), 2, 917
a,
s.stauchen III, 2.
sonst erst bei Jacobsson (1784)
verzeichnet: 'stauen, (
schifffahrt)
soviel als schichten, die waaren so legen, dasz nichts verderbe, auch alles in gehöriger ordnung und dicht neben einander liege, doch so, dasz überall eine katze dazwischen kann, um die mäuse zu vertreiben' 7, 266
a; 'waaren stauen,
sie fest und so zusammenlegen, dasz sie ohne schaden zu leiden den wenigsten raum einnehmen. besonders in der schifffahrt, die ladung eines schiffes gehörig vertheilen und bequem fest legen, so dasz die güter weder gedrückt werden, noch ihre lage verändern können, und dasz auch das schiff, wie durch schlechte vertheilung der last geschiehet, weder dem stampfen und rollen ausgesetzt, noch zu sehr vorderlastig oder hinterlastig gemacht werde' Campe;
s. ferner Krünitz 171, 72. Bobrik 660
b. Stenzel
seemänn. wb. 400
a unterscheidet: '1)
die arbeit des wegpackens von gegenständen an bord, besonders von gütern im raum; 2)
eine aus verschiedenen waren und gütern bestehende ladung im schiffsraum unter berücksichtigung der schwere und des inhalts der einzelnen stücke sachgemäsz unterbringen, so dasz der laderaum möglichst vollkommen ausgenützt wird; 3)
sachgemäszes unterbringen des inventars und materials an bord; auch verstauen.' 4@dd)
litteraturbelege: nach dem nothwendigen hin- und herreden ... wurden die sachen der fremden jungfer auf den wagen gestaut Freytag 12, 84 (
ahnen 5, 1, 5); wo in den raum des schiffs man deine ballen stau't. Freiligrath
5 1, 99.
dazu: der wackere steuermann versicherte .., ich könne ihn (
den Klabotermann) selber sehr gut im schiffsraume hören, wo er die waren gern noch besser
nachstaue. Heine 3, 100
Elster (
Nordsee 3). 4@ee)
daher übertragen im ostfries. für '
sehr sättigen' Stürenburg 262
a; dat ëten stôed dügtig, dâr kan man nêt fȫl fan ëten,
von dichten schweren mehlspeisen u. a. ten Doornkaat Koolman 3, 322
b (
b).
dazu stausam,
s. das. —
noch freier und allgemeiner im brem.: dat stauet nig veel '
das bringt nicht viel zu, der vorrath ist nicht grosz brem. wb. 4, 1007 (3),
was auch zu 3
gezogen werden könnte. 4@ff)
schwerlich gehört hierher die rätselhafte glosse: aggregatus ptc. gestet;
sbst. eyn stvuenȗg der wort ader ander ding'. Dief.
gloss. 18
a. 55) stauen
als nebenform zu andern wörtern (stauchen). 5@aa)
für stauchen,
luxare, s. das. I, 4 (Stieler 2125
f.). 5@bb) ochsen stauen = stauchen,
s. das. I, 2,
a (Kramer
dict. 2, 917
a). 5@cc)
das vereinzelte stauen
vaporare, Stieler 2125
f., ist wol nur versehen für stauchen,
s. das. III, 3. 66)
weitere abweichende bedeutungen finden sich vereinzelt in bair. mundarten: 6@aa)
bair. stæuen, stáiə~
stellen, stützen, stemmen. den arm auf den tisch stæuen. sich á 'm tisch eini stáiə~,
mit aufgestütztem ellbogen hinsetzen Schmeller
2 2, 709 (
c).
vgl.stauchen IV, 3. 6@bb)
tirol. stauen '
windig, stürmisch sein' Schöpf 703.