stauchen,
verb. in dieser lautform fallen wörter sehr verschiedener bedeutung und jedenfalls theilweise auch verschiedenen ursprungs zusammen. II.
eine reihe von gebrauchsweisen läszt sich in einer grundvorstellung '
stoszen'
vereinigen. so zuerst mnd.: des heft nu Lucifer missegebruket, dâr umme is he dâr nedder gestuket.
sündenf. 753.
sonst erst nhd. seit d. 16.
jahrh. nachzuweisen. in lebenden mundarten weit verbreitet, s. unten. auszerhalb des deutschen ist verwandt norw. stauka,
stoszen, niederstampfen, langsam (
am stabe)
gehen. Aasen 745
b,
vgl. Torp
bei Fick
4 3, 494.
danach ist wol eine german. wurzel stuk-
neben stut-
anzunehmen. I@11) 'stauchen, ...
welches eigentlich eine onomatopöie ist, und den dumpfigen hauchenden laut nachahmet, welcher entstehet, wenn man einen kurzen dicken weichen körper gegen einen harten, oder einen solchen festen gegen einen weichen stöszet. 1.
eigentlich. jemanden mit dem hintern gegen die wand stauchen' Adelung,
danach Campe.
von den frühern wörterbüchern nicht beachtet, dagegen ziemlich gewöhnlich in der ältern nhd. litt., namentlich des 16.
jahrh. einen stauchen (
stets mit persönlichem object)
puffen, knuffen, rippenstösze versetzen (?): derhalben die ammen, sie stillen nun oder ... warten der kinder sonsten, so sollen sie getrewe unnd fleissig sein, sollen die kinder ja nicht fallen lassen. ... sollen sie auch nicht stauchen unnd auffrücken Mathesius
Syrach (1586) 2, 126
b; aber was soll ich ernst vil prauchen mit narren, die man nur soll stauchen. Fischart
dicht. 2, 231
Kurz (
notw. kehrab 622); ach secht, wie mich die closter katzen ... so jämmerlich gerichtet zu ... theten mich stossen, stauchen und knörn, wolten den teufel von mir treiben. Ayrer 2863, 23
Keller; o loser mann, dörfft ich mich jetzt reiben an dich! ... ich mein, ich wolt dich stauchen. 3091, 15;
freier: niemand mit gwalt thu stauchn und pucken untertretten noch unterdrucken H. Sachs 2, 4, 48
d.
besonders einen zu boden stauchen (
im kampfe): Curiatius maior sagt: will sie weidlich zu boden stauchn Ayrer 151, 4; von disen würmen (
drachen) weisz jederman, dasz sie als, was sie treffen an, anfallen und zu boden stauchen. 1081, 31; dein strengër ærnst gen uons im brauch staucht uonsre sẹl' i staub zuo boden. Melissus
psalm s. 171
neudr. (44, xiii).
sodann auch: mein frewd zu boden ist gestaucht. H. Sachs 2, 3, 12
b; nider stauchen,
s. niederstauchen,
theil 7, 799: ich wolt dir wol die lende dein so weich schlagen als deinen bauch weist wie ich dich offt nider stauch. 3, 3, 43
c; o thw sie ernstlich nider stawchen.
fastn. sp. 2, 20
neudr.; auch: eh machen sie (
die glücksgaben) dich (
Hoffart) dadelich weil das (
l. dus?) zu hochmut thust miszbrauchen thund sie dich offt darnider stauchen
schr. 1, 251
d; so thust du (
krankheit) jn (
den menschen) darnieder stauchen als ob er leg in stock unnd eysen. 462
b.
in der spätern litteratur in genau entsprechendem transitiven gebrauche nicht mehr zu belegen. doch gehört wol hierher: nun war es zeit, das fischlein (
ein schulkind) abzuhängen, wir wischten ihm das gesicht ab, stauchten es auf seinen platz
jugenderinn. eines alten mannes s. 369.
dagegen noch in den lebenden mundarten erhalten, vom oberd. bis ins nd. gebiet (
sowol auf personen wie auf sachen angewendet):
els. stuche (štýXə, štyXə) '
stoszen, in der schmiede: 's ise widder in's fîr st.' Martin - Lienhart
[] 2, 573
b;
schwäb. stauchen '
einem feindselig stösze geben' Schmid 507;
bair. stauchə, einen stauchen '
ihm rippenstösze versetzen'
; figürlich: bedrücken Schm.
2 2, 722;
in Rappenau štauxə '
einen gegenstand kräftig gegen einen andern stoszen, auf den boden stoszen' Meisinger 181
b;
westerw. stauchen. ich will den kerl schon stauchen. er hat mich auf die erde gestaucht Schmidt 233;
hess. stauchen,
stoszen, stampfen, z. b. kœl shtauche Pfister 283
f. (
in ob. gr. Hanau);
henneb. stauchen, '
stoszen, besonders mit dem ellbogen. ist von knuffen
darin unterschieden, dasz lezteres mit mehr tücke geschieht' Reinwald 1, 156, stouche '
mit heftigkeit und gewalt auf den boden niederstoszen, gewaltsam an oder auf etwas stoszen' Frommann 2, 171, 68;
thür., in Stiege (
Unterharz) schtûken
stoszen, heftig hinstellen Liesenberg 209, šdúken Hertel
sprachsch. 234;
so auch im südwestl. nd. stûken,
südhann. Schambach 216
a,
westfäl. Woeste 260
b;
preusz. 'stûken,
übel verhd. stauken,
auch stucken,
stauchen, wiederholt abwärts stoszen, drücken, stampfen, einen mit der nase auf den tisch stûken' Frischbier 2, 384
b. '
auch heiszt stauchen
in einigen gegenden prügeln.' Krünitz 171, 68.
vgl. noch stuuche,
zerschlagen, im '
Berner mattenenglisch',
s. zeitschr. f. d. wortf. 2, 54
b. I@22)
daran schlieszt sich eine reihe speciellerer gebrauchsweisen. I@2@aa) ochsen stauchen, stauen
ò anstauchen,
stimolare, frugare, pongolare i buoi per farli caminare Kramer
dict. 2, 917
a; das verbum stauchen heiszt bey einigen so viel als mit stechen treiben, als an einigen orten die ochsen mit dem stachel treiben Frisch 2, 322
c.
ähnlich: er aber stauchte den delphin in die seite und sogleich schwamm dieser weiter den flusz hinauf Hauff 2, 712
Reclam (
Saids schicks.). I@2@bb)
els. auch '
coitieren' Martin-Lienhart 2, 574
a. I@2@cc)
in verschiedenen mundarten für '(
etwas)
stampfen',
so im ungr. berglande Schröer 208
a;
hess. (
in oberer gr. Hanau)
z. b. kœl (
kohl) shtauche Pfister 284;
preusz. 'stuhken
wäsche stampfen oder kartoffeln zu brei' Schemionek 39, kartoffeln stûken. die wäsche stûken,
sie durch stauchen reinigen Frischbier 2, 384
b (
vgl. unten III, 7). I@33)
im 18.
jahrh. begegnet stauchen
zuweilen in intransitiver bedeutung, stoszen, stampfen; so von der gangart eines pferdes: der nehmliche schritt meines pferdes däucht mich bald stauchend, bald sanft Bode
Montaigne 4, 22 (2,
kap. 12).
ähnlich, transitiv gebraucht: aber da ich über die verschiedenen arme der Maas sezzen muste, wo ich bald eine meile auf ofner kalesche mich zu schanden stauchen lassen, bald auf einem ofnen boote den wellen preis geben muste, da wars keine freude mehr zu reisen C.
F. Bahrdt
leben 3, 297. —
vom '
stampfen'
eines schiffes (
s.stampfen 5,
sp. 680): mein schiff, dasz ohne seegel schwebt, stets schlenckert, stauchet, zittert, bebt, bis es sich in die fluth vergräbt.
cav. im irrgarten (1746) 406. I@44)
heute zumeist in einer specielleren bedeutung, die gewöhnlich in dem compositum verstauchen
ausgeprägt ist, vgl. das. sowie überstauchen: stauchen, überstauchen,
Saxones dicunt verstuken Schottel 1421; stauchen, staufen,
luxare, ossa sedibus suis movere, it. mutilare, convellere articulos, et torquere Stieler 2125; verstauchen,
et verstauen,
id. quod stauchen,
et stauen,
eluxare. 2126; stauchen, ...
it. slocare Kramer
dict. 2, 917
a; stauchen,
luxare ... dicitur de dislocatione pedum et manuum, et vocatur alias verrenken
distorquere Wachter 1593; sich die hand stauchen, '
auf die hand fallen oder an dieselbe so stoszen, dasz sie gewisser maszen dadurch verrenkt wird' Campe. Steinbach 2, 689, Frisch 2, 322
c und Adelung (1)
kennen nur verstauchen.
auch in der litteratur wie in der umgangssprache ist das einfache verb wenig gebräuchlich: das stauchen ist indesz eine verteufelte sache. mein fusz war sehr geschwollen und schmerzte fürchterlich Seume 4, 48
Hempel (
mein sommer; weiter oben: weil ich mir ... den fusz vertreten hatte).
in idiotiken wird es häufig aufgeführt, meist ohne nähere angaben; so bair. Schm.
2 2, 722 (
a; '
wie hd.' überstauchen);
tirol. Schöpf 703 (
ebenso);
westerw. '
verrenken, verstauchen. ich habe mir die hand verstaucht' Schmidt 233;
hess. schdauche Crecelius
[] 806. Pfister 283.
während hier diese bedeutung zu stauchen
angeführt wird, wenn auch ohne directe belege für den gebrauch des simplex, geben andre wörterbücher ausdrücklich nur das compos. verstauchen,
so schwäb. Schmid 507,
siebenb. Kramer
Bistritzer dial. 127;
ebenso nd. nur verstuken,
s. z. b. brem. wb. 4, 1076. Stürenburg 271
a. ten Doornkaat Koolman 3, 351
a. I@55)
eine weitere entwicklung der bedeutung in der richtung '
etwas (
durch stoszen)
kürzer und dicker machen'
liegt besonders in einigen ausdrücken der schmiedekunst sowie in mundartlichen redeweisen vor, vgl.: (
westerw.) 'stauchen,
eigentlich: etwas an oder wider etwas stoszen und dadurch auf einen haufen drücken, krumm biegen, kürzer und dicker machen' Schmidt 233. I@5@aa) stauchen, bey den schmieden, wenn sie einen geschmiedeten stab der sich erhitzet, nicht der länge nach, sondern der länge entgegen treiben, und solcher gestallt verkürzen und in einander schlagen Frisch 2, 322
c; '
die schmide stauchen ein stück eisen,
wenn sie dasselbe glühend der länge entgegen schmiden, so dasz es kürzer und dicker werde' Adelung (1),
s. ferner Eggers 2, 985
und Campe; stauchen '(
refouler jumping, up-setting).
die behandlung des eisens, wodurch dasselbe im glühenden zustande in der richtung seiner länge zusammengedrückt wird' Karmarsch-Heeren
3 8, 448,
vgl. 7, 734
und Stenzel
seemänn. wb. 400
a (
wo diese bedeutung, kaum mit recht, von II
hergeleitet wird).
so auch (?): wie könnte nicht gehämmert, gestaucht, gesägt, gepaukt werden, mein bester stiller pauker? J. Paul 27, 82 (
flegelj. 2,
nr. 26). I@5@bb)
dazu wol: axt stauchen, ist dieselbe auszschmieden G. Junghans
auszgeklaubte gräublein ertz (1680) B 1
b; stauchen ... ist so viel, als ausschmieden. dahero heisset es: eine axt stauchen Herttwig
bergbuch2 (1734) 368
b; stauchen, nehmen die bergleute in einen besondern verstand, wann sie sagen: eine axt stauchen, das ist, eine axt ausschmieden, hindern dasz sie sich nicht weiter umlegen kan an der schneide Frisch 2, 322
c; bey den bergleuten heiszt stauchen so viel als ausschmieden Eggers 2, 985;
ähnlich bei Adelung (1). Jacobsson 7, 430
a. Campe;
im ungr. berglande eine ax stauchen Schröer 208
a. I@5@cc) die zähne einer säge stauchen,
an den spitzen breiter machen, um die breite des einschnitts zu vergröszern, besonders bei metallsägen und der lochsäge, s. Karmarsch-Heeren
3 7, 456. 501. I@5@dd)
selten auszerhalb dieser technischen verwendungen. allgemein: 'stauchen,
fr. emousser, etwas, so schmal und spitzig ist, auf etwas stoszen, dasz es stumpf und breiter wird' Jacobsson 4, 266
a. —
vgl. noch: eine feder stauchen,
sie auf den tisch stoszen, dasz sie zerspaltet Krünitz 171, 68.
dazu ausstauchen, um die feder von tinte zu reinigen: und solang der rede schwall schwoll mit tönenden gewalten, schlief ich wie am wasserfall; bis mein nachbar seine feder stauchte aus am schreibepult, und der zaubrer vom katheder abtrat, der mich eingelullt. Rückert (1882) 2, 52. I@5@ee)
in mundarten vereinzelt in der bedeutung '
verkürzen'
schlechtweg. so els. kleiner machen. wenn dr pfol ze lang is, stuch ne e bissl! ich will de wagering stuche,
den reif verengern, s. Martin-Lienhart 2, 573
b.
westf. stuken '
verkürzen beim schneiden' Woeste 260
b. I@5@ff)
mitteld. mundarten kennen das part. perf. in einer verwandten bedeutung: in Rappenau kštauxt,
klein, gedrungen von gestalt Meisinger 181
b;
westerw. gestaucht, 'a)
gekrümmt, syn. v. gekaucht. wie gehst du so gestaucht, eingedruckt mit der brust? b)
von leuten, welche den kopf in den schultern stecken haben, und gleichsam auf einen haufen gedrückt sind' Schmidt 233;
vgl. siebenb. ängestaucht '
untersezt, von kurzem, kräftigem körperbau' Kramer 127. —
in anwendung auf sachen auch bei Göthe: die gestauchte form des kreuzes,
s. theil 4, 1, 4206. I@66)
freiere gebrauchsweisen finden sich in mundartlicher redeweise. I@6@aa)
in der soldatensprache einen stauchen,
drillen (?
die eigentliche bedeutung ist wol noch mehr oder weniger deutlich),
s. Horn
s. 9. 75. 81;
bair. als bezeichnung des militärischen tadels zusammen gestochen
oder gestaucht werden.
s. 137.
[] I@6@bb)
so auch sonst. henneb. stauchen '
einen brav abfegen, ihm das maul stopfen' Reinwald 1, 156.
danach Campe. I@6@cc)
henneb. stouche '
auch durch schwere, anstrengende arbeit sich körperlich schwächen oder zu grund richten' Frommann 2, 171, 68.
ähnlich sonst verstauchen,
vgl. das., z. b. hess. Pfister 284. IIII. hanf, flachs stauchen,
in haufen setzen, zum trocknen. in diesem sinne offenbar mit stauche II
zusammenhängend, vgl. das., und eher als ableitung daraus anzusehen, denn als dessen stammwort (
wie Weigand 2, 802
will).
in der schriftsprache seit mitte des 17.
jahrh. nachzuweisen: (
solstu die würzlinge) also aufgericht in die gruben setzen, wie man pflegt den flachs zu stauchen Coler
hausb. (1640) 143; stauchen,
v. a. wird von den kleinen flachs-büscheln oder bosen gesagt, welche, wann sie aus der röste oder aus dem wasser kommen, worinnen sie eine zeitlang haben liegen müssen, trocknen müssen, und staucht sie auf einen platz, man macht dasz sie stehen, dasz die wurzeln unten auseinander kommen, und das andere über sich steht Frisch 2, 322
c; stauchen, heist den aus der röste gekommenen flachs in die sonne zur dürrung busen-weis, unten breit aus einander auf- und aussetzen Zincke
öconom. lex.2 2802; 'den hanf stauchen,
in der landwirthschaft einiger gegenden, z. b. Obersachsens, ihn, wenn er geraufet worden, in kleine häufchen zusammen lehnen, damit er trockne; nieders. stuken,
von stuke,
eine stauche,
ein haufen, bündel. den flachs stauchen,
ihn nach dem rösten in ähnliche bündel aufsetzen' Adelung (2, 1),
danach Campe (2); 'stauchen, (
landwirthschaft)
den aus der röste
gekommenen flachs in die sonne zur dörrung bundweise unten breit auseinander auf- und aussetzen. es wird auch von den garben gesagt, wenn man sie bey anhaltendem nassen wetter von den mandeln nimt, und mit den sturzen auf die erde setzet, damit wind und sonne solche trocknen mögen, und das auswachsen dadurch verhindert werde' Jacobsson 4, 266
a.
vgl. auch Krünitz 171, 68,
der den hanf stauchen
als thüringisch bezeichnet. —
in mitteld. und nd. mundarten weit verbreitet: im ungr. berglande '
gerösteten flachs bündelweise zum trocknen ausstellen' Schröer 208
a;
ebenso henneb. stoch Spiess 240;
hess.: '
nur in Niederhessen staucht
man den geroszeten flachs, in Oberhessen und in der grafschaft Ziegenhain breitet man ihn' Vilmar 396;
thür. in Salzungen šduch Hertel 45.
sprachsch. 234 (
Salz., Vogtei),
nordthür. stûche Kleemann 22
c;
nd., südhann. stûken '
aus den schwaden in haufen bringen, in haufen stellen, z. b. heu, halmfrüchte oder flachs, um sie so trocknen zu lassen; vgl. upstûken' Schambach 216
a;
waldeck. št(o)ūkn (
von halmfrüchten) Bauer - Collitz 99
b;
im kr. Oschersleben opstuken
vom flachs, s. nd. korrespondenzbl. 22, 73.
in den norddeutschen moorgegenden auch in der bedeutung: 'stuken,
in häuflein auf setzen, schichtweise zum trocknen, wie den torf, und die ausgegrabene baumwurzeln'
brem. wb. 4, 1076.
so ostfries. '
den frisch gegrabenen torf zu kleinen häuflein aufschichten, aufstauen,
oder den aus der röste genommenen flachs zum trocknen lose aufstellen' Stürenburg 271
a, flas
oder törf stuken
oder upstuken, umstuken, ferstuken ten Doornkaat Koolman 3, 351
a.
im holstein. mit formaler unterscheidung: 'stukken, upstukken (
Hus. Eid. u. a. o.), uphokken (
Holst.)
getreide, das in garben gebunden ist, zum trocknen aufsetzen, von allem getreide, 2)
in Holst. nur vom buchweizen. bookweetstukken ... stukken (
ditm.)
der gemähte buchweizen in haufen gesetzt, gestuukt,
um zu trocknen' Schütze 4, 216
f. (
die schreibung also inconsequent; auch Richey 426
giebt als ditmars., dasz buchweizen gestuukt
wird);
dagegen: 'upstuuken (
Hus.) klün,
d. i. torf und torf d. i. haidesoden zum trocknen aufsetzen'. 217. IIIIII.
in andern bedeutungen ist stauchen
nebenform zu wörtern von ähnlicher lautform. III@11)
zu stauen,
wasser hemmen, s. das. 3 (
c).
in der nhd. schriftsprache seit anfang des 18.
jahrh. bezeugt (
also nicht viel später als stauen): stauchen, stauen,
verb. [
il semplice è di poc' uso]
stagnare ... das wasser, die bach, den flusz
etc. stauchen
ò stemmen,
stagnare, im[
pe]
dire la corrente d'un ruscello, d'una riviera. v. stemmen Kramer
dict. (1702) 2, 917
a; ein gestauchtes
ò gestautes wasser. 917
b; stauchen ist hier (
in der bedeutung '
dämpfen',
s. 3) so viel als stauen, stauwen,
s. stemmen, das wasser stehen
[] machen, am fliessen hindern Frisch 2, 322
c; im niders. ist für stauchen stauwen. 331
c,
vgl. unten 3; 'das wasser wird gestauchet,
wenn man dessen abflusz hindert, und es dadurch aufschwellen macht; stämmen,
nieders. stauen,
ital. stuare. einen flusz, einen bach stauchen' Adelung (2, 2),
s. auch Campe (1). Krünitz 171, 68 (2, 2).
litteraturbelege: als die Israeliten an einen arm des arabischen meerbusens gelangt waren, ... so trieb ein starker wind ... das wasser aus diesem arme meer ein, und hielt es so lange zurück, bis sie mit aller gemächlichkeit hindurch gegangen waren. indesz suchte das oberwärts gestauchte wasser einen andern ablauf Lessing 10, 22;
intrans.: schäumend kehrt die welle wieder, flieszt nicht mehr im bett darnieder; grund erbebt, das wasser staucht. Göthe 41, 135 (
Faust II, 2; '
erdbeben').
so auch: sie sahen das oberhalb leerstehende schulhaus aufrecht daher schwimmen und an der westlichen ecke des daches sich feststellen; ... holz stauchte davor sich auf Gotthelf 4, 27
Vetter (
wassernot im Emmenthal).
mundartlich wenig verbreitet: hess. schdauche,
stauen Crecelius 806,
besonders sich stauchen '
d. i. drängend stopfen' Pfister 283;
nd. südhann. sek stûken,
sich stauen Schambach 216
a. — Weigand 2, 802
möchte in diesem stauchen
eine weiterbildung von stauen
sehen, indessen darf man bei dem späten auftreten und der geringen verbreitung in mundarten wol fragen, ob stauchen
nicht einfach eine entstellung ist, die das urspr. nd. stauen
bei seinem übertritt auf hd. gebiet unter einflusz des hier einheimischen stauchen
erfuhr. III@22)
zu stauen,
fest packen, s. das. 4: 'wahren in ein fasz, in das schiff stauchen,
sie fest zusammen setzen, mit den füszen in ein fasz treten; nieders. stauen Adelung (
unter 1,
also zu der bedeutung I).
danach Krünitz 171, 68.
hier ist vielleicht zu unterscheiden. waren in ein schiff stauchen
beruht deutlich auf dem nd. stauen
und geht von der seemannssprache aus. es wird dann auch allgemeiner gebraucht, z. b.: nachts, wenn ehrliche leute in ihren betten liegen, kriecht sie vom boden bis zum keller, um ihre schätze zu beäugeln, die sie überall hinter kisten und kasten weg gestaucht hat Storm 8, 14.
dagegen scheint die wendung waren in ein fasz stauchen
dem hd. gebiete eigenthümlich zu sein und ist dann als eine specialisierung der bedeutung I
zu fassen: stauchen, ...
it. stipare, stuare Kramer
dict. 2, 917
a; wahren in ein fasz stauchen, stauen
ò stuchen,
stipare, stuare, calcare delle robbe in una botte etc. v. packen
ebenda; ein wol zusammengestauchtes packfasz. 917
b; Campe
kennt nur sie. so in der litteratur: (
Falkenberg) drückte und stauchte das weibliche schiff und geschirr mit ehernen händen in die nächste schachtel hinein J. Paul 1 (
uns. loge 1), 69. III@33) schmoren, ...
alias stauchen,
gall. estouffer Stieler 1884; stauen,
etiam in specie est vaporare, inde gestaucht fleisch,
caro vaporatione percocta. 2125
f.; stauchen (stofen, stoven, stufen),
stuffare, sottestare, far'
in tegame. v. ein machen. kalbfleisch
etc. stauchen,
stuffare etc. vitella, farne una stuffata Kramer
dict. 2, 917
a; gestaucht, gestoft
ò gestuftes fleisch. 917
b; stauchen, beym kochen.
ital. stuffare. gall. étuvée, gedämpftes oder gedünstetes
fleisch, caro juri incocta, da der dampf der sonst in die lufft weggieng, durch das zudecken wider zurück getrieben wird Frisch 2, 322
c (
der es also von III, 1
herleiten will, vgl. die daselbst angeführte erklärung, die hier unmittelbar anschlieszt); '
in den küchen einiger gegenden ist stauchen
so viel als dämpfen,
nieders. stöfen, stoven. gestauchtes fleisch,
gedämpftes, in einem verschlossenen gefäsze langsam gekochtes' Adelung (2, 3),
s. auch Campe (3). Krünitz 171, 68.
das wort scheint nur eine verunglückte verhochdeutschung des nd. stoven (
für das allerdings ältere belege fehlen),
s. Schiller - Lübben 4, 422
b f., wofür sonst im hd. stufen
erscheint, s. das. (Weigand 2, 845. Diez
etym. wb.4 311). IVIV.
eine anzahl andrer, zumeist vereinzelter gebrauchsweisen lassen sich nicht mit sicherheit ableiten. IV@11) uberackern,
alias stauchen,
oberare, perarare Stieler 18. IV@22) sich stauchen
oder aufstauchen begegnet in dem sinne '
sich wölben, bauschen' (
an III, 1
anzuknüpfen?): aus
[] den kurzen ledernen beinkleidern hatte sich das hemd etwas aufgestaucht Auerbach
dorfgesch. 1, 97 (
Befehlerles 2); unter diesem hute aber ... lag ein mächtiger wulst weizengelben haares, von dem etliches straff und lang ins runde gesicht herabhing, etliches im nacken zu eckigen locken sich stauchte Sohnrey im
grünen klee s. 8.
hierher wol: diese gleich den wellen ... wechselnden, geschmiegten, gestauchten, gebrochnen falten sind mehr als verschieden von der alten regelmässigkeit und steifen zierlichkeit
F. G. Welcker
alte denkm. 1, 74. IV@33)
bair. sich auf's bett hinstauchen,
lehnen Schm.
2 2, 722 (
c). Schöpf 703.
vgl.stauen 6,
a. IV@44)
aus der gaunersprache stammt wol stauchen
für stehlen in mundarten. so im '
Berner mattenenglisch' stuuche,
s. zeitschr. f. d. wortforsch. 2, 52
a; stauche(n)
bei den schwäb. händlern aus Lützenhardt bei Horb. 10, 215
b;
els. stuche '
glimpfw. für stehlen, heimlich entwenden, bes. früchte' Martin-Lienhart 2, 573
b (3),
dazu stuchet, štyXət,
f. '
was man auf einmal heimlich entwendet hat'. 574
a;
thür. stauchen (
in Salzungen šduch,
in Altenburg šdauche) '
kleine gegenstände in der stauche bergen, entwenden' Hertel
sprachschatz 234.
Salzunger wb. 45. (
demnach von stauche I, 1
bezw. 3,
b. c herzuleiten?) —
dazu sich stuuche,
sich fortpacken. zeitschr. f. d. wortforschung 2, 57. IV@55)
mittelfränk. stauche(n),
feuer anzünden, schüren, entspricht dem nl. stoken,
vgl. Franck 971,
und ist vielleicht daher übernommen (
wie auch das engl. stoker,
wonach erst das verb stoke
gebildet ist, aus dem nl. stammt, nach Skeat 599
b):
luxemb. štauchen,
das feuer anfachen. wb. der luxemb. ma. 420
a;
in Aachen und Düsseldorf stauche (stochen) '
anzünden, einheizen, anschüren, sowol feuer, als auch streit; holl. stoken,
verwandt mit stochern' (
vgl. dieses) Müller-Weitz 233. IV@66)
köln. stuche '
einmaischen der gerste' Hönig
2 178
a. IV@77)
thür. stauchen, šduch(e)
auch für '
spülen' Hertel
sprachsch. 234 (4). IV@88) stuken
in ostnd. mundarten: altmärk. stûk'n '
beim waschen das zeug wiederholentlich im wasser niederdrücken' Danneil 215
a;
meklenb. '
stauchen, z. b. gewaschenes zeug, um es vom wasser zu befreien' Mi 88
b;
pomm. 'instuken,
heiszt hier, die unreine wäsche, ehe sie gewaschen wird, in eine art beitze von hünermist und kalter lauge einlegen' Dähnert 471
b;
preusz. 'die wäsche stûken,
sie durch stauchen reinigen, sie ausstûken. einstûken,
unreine wäsche einweichen in lauge' Frischbier 2, 384
b;
so schon in einer Königsberger hochzeits - grat. aus der ersten hälfte des 18.
jahrh.: den mägden kommet zu das stuhcken, schrobben, bohnen,
s. ebenda. (
vgl. oben I, 2,
c. eher zu III, 6
gehörig?).