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stauche

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stauche f.

Bd. 17, Sp. 1125
stauche, f. II. langer herabhängender ärmel, kopftuch, schleier. ein gemeingerm. wort: altn. stúka ärmel Cleasby-Vigfusson 600b; ahd. stûcha, f. manica, commaticus Graff 6, 638; mhd. stûche, f. m. Lexer handwb. 2, 1259; mnd. stuke Schiller - Lübben 4, 448a. dazu im ablaut ags. stocu langer ärmel, vgl. Kluge6 376b und in Pauls grundr.2 1, 457, § 220. ursprung und weitere beziehungen des wortes sind unsicher, vgl. stauchen und Kluge a. a. o. Torp bei Fick4 3, 494. Prellwitz etym. wb. d. gr. spr.2 440 (unter στύφω). (auch die entlehnung der roman. wortsippe ital. astuccio, span. estuche, franz. étui u. s. w. futteral, behältnis, musz mindestens als zweifelhaft gelten, s. Diez4 30. 707 f.) I@11) die ursprünglichste bedeutung ist offenbar die eines (langen und weiten) ärmels, die im ahd. wie im altn. (und ags.) ausschlieszlich begegnet, im mnd. überwiegt, aber auch im mhd. und nhd. sich gehalten hat. I@1@aa) manica ... stucha (ahd.), stuiche, stucke Dief. gloss. 347a; stuchen vel klanken nov. gloss. 245b (dazu: manucleata gistuchet roc gloss. 347a, manicle[a]ta gestüket rok, i. vestis duplices manicas habens nov. gloss. 245b); perisolidis (= περισκελίς) i. superus ain stuch, stick, en stucke gloss. 427b, perisolitis eyn stuke nov. gloss. 288a; sup(p)arus, -erus ... ein lang(er) ermel ... stuche, schuche (l. sthuche?), stuch, stuoch, stug, stawch, stuke, stuck gloss. 566b, stuke edder grote mauwen, eyn langh vor mauwe, stuch nov. gloss. 355b; in manicis, in ermelen, stuchen quelle bei Schm.2 2, 722; supparus est manica laxa et longa in veste muliebri, ein stauche ebenda (15. jahrh.); voc. v. 1482, s. unter 2, a. I@1@bb) mhd. stûche begegnet als fem. und als schwaches masc., vgl. dazu auch J. Grimm gramm. 3, 451. W. Grimm kl. schr. 3, 268 f. 412. stûche bezeichnet in der regel ein stück der frauenkleidung, nämlich den weiten, lose herabfallenden ärmel des oberkleides, der über den engen, festgeschnürten unterärmel geht, und der in der spätern zeit oft nicht festgenäht, sondern nur angeschnürt und daher abtrennbar ist, vgl. noch Weinhold d. frauen2 2, 225 f. Bergner bürgerl. kunstaltert. 511. Heyne hausaltert. 3, 311. stûche bei frauen: sînes swertes helze vorn zarte ir bî dem krumben reien einen kleinen stûchen. Neidhart v. Reuental 90, 19; Ringewîffel bî der stûchen vrouwen Elsen vuorte minnes. 2, 79b, 6 Hagen; daʒ wip vil dinges bedarf von cleidern unde stuchin. Hugo v. Langenstein Martina 132b, 31; ain rayszkappe was ir claid, ... si hette(n) zway lange stauchen: das sy di arme entlauchen zu dem greyffen solde ... Heinrich v. Neustadt Apollon. 19878 Singer; später auch bei männerkleidung: item in disen selben geziden gingen frauwen, jungfrauwen unde manne, edile unde unedile, mit tapparten. ... unde di manne drugen si lange unde korz ... unde machten daran lange grosze wide stuchen (var.: stauchszen, tuch, duch) endeiles uf di erden Limb. chron. 79, 20 Wysz (cap. 145); item vortme drugen di manne arme an wamselen, an schopen unde an anderer kleidunge, di hatten stuchen (var.: stuchszen, stuszen, schueszenn, stauchszen, stiessen, stausen) binach uf di erden, unde wer di aller lengesten drug, der was der man. 80, 5; er trûc an sîme lîbe einen pelz von hermelîn ... die stûchen wâren im wît. Germ. 16, 69b. (s. auch Frisch 2, 322b.) stuke nur an einem arm: des stichtes man moghe ghi (die äbtissin v. Wunstorf) wol belenen in iuwem werleke (weltlichen) klede, des (wenn nur) gi de witten stuken hebben in juwem vorderen (rechten) arm Calenb. urk. bei Schiller-Lübben 4, 448a. I@1@cc) von der stûche wird mannigfacher gebrauch gemacht: I@1@c@aα) um schweisz abzuwischen u. ähnl.: nu erfürbte sî diu guote von sweiʒe und von bluote mit ir stûchen orte Erec 4508; si wischte in mit ir stûchenund mit ir wîʒen hant. Ortnit A 467. I@1@c@bβ) um das gesicht zu verbergen: den stûchen von dem röckelîn warf ich dâ über daʒ houbet mîn. Ulrich v. Lichtenstein 287, 3. I@1@c@gγ) häufig um etwas darin zu tragen, wobei die ärmel wol abgenommen und wie beutel verwendet wurden: du sla Holoferni daʒ houbit von dem buchi. du la ligin den satin buch, daʒ houbit stoʒ in ginin (l. dinin) stuchin. Diemer d. ged. 123, 12 (ält. Judith); ich und mîne meidetragen in die steine in wîʒen stûchen. Kudr. 1385, 4; daʒ gebein wants in ir stûchen,diu frouwe wol getân. Wolfdietr. D VIII, 326. so auch: 'nach Ruprecht v. Fr. rechtbuch v. 1332 ... soll man der frau, welche gegen einen mann, den sie der nothzucht beschuldigt, in gerichtlichen zweykampf tritt, ainen stain in ir stauchen geben, der ein pfunt hab ..; nach dem Augsb. stadtb. ... soll sie in ir stuchen (in jrer stauchen) haben einen fûst grozzen stein' Schm.2 2, 722; di frauwe soll hie aussen gan, ainen stauchen in der hende han (l.: ainen stain in der stauchen han) mit riemen dar ein gepunden, swer pey dreyn pfunden. Heinr. v. Neustadt Apollon. 20188 Singer; di (var.: der) stauch soll wesen leynein und zwayr elen langk sein. 20191; er hiesz ir dar ir were geben, in ainer stauchen ainen stain. 20243. doch ist hier die bedeutung häufig zweifelhaft, vgl. unten 2, b und 3, b. eigenthümlich und durch die besondere notlage motiviert ist folgende verwendung einer stûche, um wasser zu transportieren: ze einer vil kurzer vrist hât sie ein waʒʒer vunden, dar in hât sie gewunden wol halben ir stûchen, wan siʒ niht mohte belûchen in der hant noch beslieʒen, sie vorhte eʒ vergieʒen. Heinr. v. d. Türlin crone 12072. I@1@c@dδ) einen abgetrennten ärmel empfängt der ritter von seiner herrin als 'kleinoete' für turnier und kampf; er heiszt ermel Parz. 375, 11. 390, 20; stûche: ir sult mir eine stuchen geben zu eime kleinote, des darf ich zu note, daʒ man erkenne da bi daʒ ich ein frowen ritter si. Herbort v. Fritslar 9509 (vgl. anm.); uʒ pheif im san daʒ blut gliche ho dem schafte da die stuche ane hafte. 9930. vgl. K. Kochendörffer, die mouwe als wappenbild, zeitschr. f. d. alterth. 28, 246—250. von hier aus gelangt die stûche dann auch zuweilen in ritterliche wappen, s. Gritzner herald. terminol. (Siebmacher wappenb. einl. B) 118. 308b. — eine ähnliche symbolik liegt auch folgender verwendung zu grunde: her Dietrîch jagete in umbemit starken slegen grôʒ. dô viel er der küneginnenider in die schôʒ. dô warf si einen stûchenüber den küenen degen, dâmite si gevristehern Sîvride lîp und leben. roseng. A 365. I@1@dd) im ältern nhd. tritt diese bedeutung sehr zurück; es musz jedoch beachtet werden, dasz aus den meisten belegen nicht mit voller sicherheit zu ersehen ist, ob diese bedeutung oder 2 vorliegt. ein vereinzelter beleg setzt c, γ fort: welche frauen ihre beste kleider anhaben sollen, und das wachs in iren stauchen tragen weisth. 3, 369 (Lauterbach in Hessen; vor 1589). später scheint sie im allgemeinen erloschen zu sein; die wörterbücher führen sie vereinzelt aus älteren quellen auf: stauch, wodurch man den arm steckt, manica longior Frisch 2, 322c (nach d. voc. v. 1482, s. 2). Scherz-Oberlin 1562. Adelung (2). doch hat sie sich landschaftlich hie und da erhalten, so pfälz. stauch, pl. steuch ärmel; in etwas abweichendem sinne thür. stauche, šduche 'ende des hemdärmels' Hertel sprachsch. 234. Salzunger wb. 44. so erscheint sie gelegentlich auch in neuerer litteratur; ganz in dem ursprünglichen sinne eines ober- bezw. über-ärmels (ärmelschoner, auch schreib- und tintenärmel genannt): der herr auktionator ... wandte sich leise tuschelnd an seinen gehilfen, der, zur schonung seines schäbigen überrocks mit einer kattunen ärmelstauche bewaffnet, sich damit beschäftigte ... Lauff Pittje Pittjewitt (1903) s. 149; der herr protokollführer mit den tintenbeklecksten stauchen. 406. I@1@ee) sonst ist stauche im nhd. (seit ende des 17. jahrh.) mit leichter bedeutungsänderung zur bezeichnung der beiderseitig offnen, walzenförmigen schutzhülle aus pelz geworden, in die man im winter die hände steckt, um sie warm zu halten, steht also synonym mit dem nicht viel früher entlehnten muff, vgl. dieses, theil 6, 2623: sed muff ... quoque exponitur: manica, alias stauche Stieler 1296; stauche, et staufe, die, it. stutze, alias muff, manica, recondendis manibus apta. 2126; meist als masc.: stauche, stauchen, m. [voce non usata che da' populi del basso Reno ...] maniccia, manizza di cacciarvi dentro le mani ne' freddi dell' inverno, v. ermel, muff Kramer dict. (1702) 2, 917a; stauch, worein man im winter die hände steckt, s. ermel oder muff Frisch 2, 322c; 'im oberdeutschen ist stauch oder staucher, ein muff, besonders ein kurzer enger muff, der daselbst auch ein stutz, ein schliefer, genannt wird' Adelung (2), danach Campe. Krünitz 171, 67. vgl. Weigand 2, 802. so heute in rhein- und mittelfränk. mundarten, durchweg als schwaches masc. stauche (plur. = sing.), s. Klein 2, 169 (Pfalz, Koblenz, Jülich, Berg, Hohenlohe), rheinfränk. stûchen Frommann 6, 279, 7, westerwäld. Schmidt 232, nass. Kehrein 1, 388, oberhess. (schdauche) Crecelius 806, köln. stuche Hönig2 178a. I@1@ff) daneben rheinfränk.-hess. auch für pulswärmer: pfälz. (?) stauche 'eine art manschette zum wärmen' Autenrieth 136, in Handschuhsheim nur im deminutiv staicɐlə 'gestrickter pulswärmer (manschette)' Lenz 68a; hess. 'unterärmel oder armhandschuhe, d. h. unterermel, welche handgelenk, unterhand und daumen (diesen nicht immer) umfaszen, meist gestrickt, aber auch aus tuch verfertigt und mit pelz besetzt (pelzstauchen), ein kleidungsstück vorzüglich der landbewohnerinnen, in neuerer zeit aber auch in den höheren ständen, und zwar bei dem männlichen wie bei dem weiblichen geschlecht in übung gekommen' Vilmar 396, 'kleiner handschuh ohne finger' Crecelius 806. I@22) seit beginn der mhd. zeit bezeichnet stûche ferner ein kopftuch oder einen schleier. vgl. Heyne hausaltert. 3, 318 u. anm. 277. I@2@aa) calyptra ... stauch, schlair Dief. gloss. 90c (voc. rer. Augsb. 1521); mitra ... eyn stuch umbsz haubt oder hube 364b (auch Schm.2 2, 722); peplum eyn sleyer, ... heb (haubt) tuoch vel stuch 424a; vitta ... stuchen vel die langen zipffel vel bendel an der huben vel ein wisz tuchel quo capilli colliguntur 624b; sleyer oder stauch, peplum vet. vocab. 1482 bei Frisch 2, 322c; stauch, slayr, preyse, hang-ermel an einem chor-rock ebenda; auch mnd. stuke, velum, s. Schiller-Lübben 4, 448a. nhd. stauchen (die) ein tchle, calantica Maaler 385c. in spätern wörterbüchern zuweilen auf grund älterer quellen: stauch masc. worein man den kopf steckt, ein tüchlein über den kopf, colantica, oder ein schleyer, sturz, stülp, calyptra Alberus (unter kleid) bei Frisch 2, 322b; danach Adelung. I@2@bb) die litteraturbelege gehören hauptsächlich süddeutschen quellen an und scheinen vom anfang des 14. bis zum ende des 16. jahrh. zu reichen, soweit dies bei der unsichern scheidung von der bedeutung 1 zu erkennen ist (vgl. auch die belege unter 3, b): si (die frauen) hânt nû verwunden diu antlüz in ir stûchen, daʒ si niht rûchen (rauh werden). minnes. 2, 287b Hagen (Hadloub 15, 4); das ir vrouwen niht verguot went hân d kleider, der si (ihre männer) dhte gnuog. si wend ouch haben kleinôt kluog, schapel, gebende und gürtellîn, stûchen und reid tüechelîn. Kunrat v. Ammenhausen schachzabelb. (1337) 4948; sichst du dann am gater hangen ain stuchen wis quelle (G. Zobel) bei Schm.2 2, 722; und (er) hat ein langen groen part und ist gewunden in ein stauchen. fastn. sp. s. 1349; (ich, der kriegsman) wolt schier durch dinent (Venus) willen tragen hembd, schleyer, stürtz und stuchen. Gengenbach gouchmat 643; auch must du haben ein gwandkalter darein du henckst mantl, rOeck und schauben ... hembd, piret, ht, klayder und stauchen. H. Sachs 1, 440d; von erst war ich ein gute diern do ich dir kund die blinder fürn das du stets haimlich hetst zu schlauchen und dir vermerckelt goller und stauchen. 479c (fastn. sp. 1, 44 neudr.); der gut Sewheintz nicht liesz darvon ... und legt an ein lang frawen kleid und umb das maul ein stauchen bund. 4, 3, 59c; (sie) reisz jhm den stawchen von dem kopff. 59d; darmit sich frawen und junckfrawen schmücken und zirn, sich lasen schawen in schlayer, stauchen und gepent. 23, 65, 7 Keller-Götze; ouch machend sie die stuchen gelb. concil 808; thu mir den stauchen von dem kopff! ... er schlecht jhm den stauchen mit dem stab vom kopff, so ists der Jahn Molitor Ayrer 2199, 13. 15 Keller (schöne Sidea 2); er hat mir einen rob genomen an einer lieben frowen: si zühet nu die stuchen für und wil mich nit me an sehen Seuse s. 83, 18 Bihlmeyer; ez sol auch dhaine burgerin ... dhaynen slayre noch stauchen tragen, der mer vache habe danne vier vache, also daz di ende vorn auf dem haubt ligen; wil si aber mer sleyir oder stauch tragen durch frostes oder durch krangheit wegen, di mag di wol tragen also, daz si di uber twerch auf legt Nürnberg. polizeiordn. s. 66 (14. jahrh.); und schlug sie in den mund, das sie blutet, da hub sie ir stauchen für den mund, darin stat das blut noch heut zu tage und ist ein einfeltiger schleyr heiligen leben (1472) 77a; die kolen czuo seinen henden nam und den frawen auf ire weisse schleyer und stauchen, unnd den mannen auf ire goller grosse mächtige schwarcze krücz machet Arigo decam. s. 406, 23 Keller (6, 10); Zeppa in die kamern kame das weib fand die ir den stauchen wider umb das haubt band den ir Spinelluczo in dem scherczen ab dem haubt het fallen machen. 516, 18 (8, 8, daraus bei Lindener rastbüchl. 123 und Montanus gartenges. cap. 59); und in sölchem eylenden anlegen den stauchen auf dem haubt mit dem weyl meinte zuo nemen. 552, 22 (9, 2), vgl. Drescher Arigo s. 169; item darnach da pant er die frawen auf und schub sie zur feurstat und setzt sie an die feurstat und tat ir irn stauchen ab und machet einen rink darausz und setzet ir in auf den kopf d. städtechron. 11, 694, 27 (H. Deichsler chron. v. Nürnb. zu 1505); als da der wybren mantel, gstüch und gestürz allein in der fasten gebrucht und ze ostren schnell widerum hingelegt gescholten wirt; zuo eim teil, dasz die eerberkeit der trurkleideren in ein hochfart keert ist Zwingli 2, 381; mAentel und strz wuorden selbs zuo rOecken und stuchen Anshelm Berner chron. 5, 251, 24 (zu 1528); der knab kummet geloffen, treget ein blutigen stauchen (dafür nachher: disz schleirlein blieb bey der aychen.) H. Sachs 3, 3, 6a (fastn. sp. 1, 10 neudr.); und haben weibspersonen in denselben güetern, so mannsstamen verhanden, kain gerechtigkait zu erben, dann ... ain mantl, ain schissl, auch hauben, stauchen, goller und dergleichen tirol. weisth. 4, 662, 1, ebenso 724, 31; und so noch zuweilen im 17. jahrh.: endlich wird ein ruffian auch offtermals ein krämer, damit er nur zu den frawen und jungfrawen komme. ... er bringt jhnen allerhand ... wahren unnd arbeit zu hausz, als ... schleyer, vernehete fatzinetlein, stauchen, handschuch, fingerhüt, hauben u. s. w. Garzoni schawpl. (1641) 694a; bänder und schnür, stauchen, regentücher Jan Perus (1672) 86; im bilde: ob si czu tausent stunden in todsunde strauchen wan über si braittet er stauchen frawe Minne und gotez parmchait daʒ man in der ewichait chain ir sunde mach gesehen. mönch v. Heilsbronn siben grade 1304. I@2@cc) so noch heute in den oberd. mundarten: schweiz. stauche, f. 'eine art schleyer, wodurch man den kopf steckt, wie eine leichenbitterinn mit einer stauche umschleyert' Stalder 2, 393; dafür stûcha, m. Tobler 417a; vorarlb. stûche, stauche, f., auch stûcha, m. 'ein kopftuch oder schleier von dünner, weiszer leinwand, von frauen besonders beim gottesdienste und bei leichenbegleitung getragen; dann dieser stoff selbst und eine schürze davon' Frommann 3, 530, 9; schwäb. stauche, stuchen, f. (schwarzwäld.) 'kopfbedeckung der weiber (weiszer schleier) beim gottesdienste und bei leichen' Schmid 507; vgl. Birlinger 410b; bair. die stauchen, auch der stauch, stäuchel 'a) kopfbinde, kopftuch oder schleyer der weibspersonen (nur noch hie und da, z. b. im Allgäu, um Nürnberg, üblich)' Schm.2 2, 722; tirol. stauch'n, f. Schöpf 702 (mit belegen aus mundartl. quellen des 17.—18. jahrh.); steir. stauche, f. 'kopfbinde, kopftuch, schleierartiges tuch für kopf und gesicht' Unger-Khull 570b; 'im Bregenzerwalde tragen bei leichen die nächsten leidträgerinnen nonnenartig eine weiszleinene kopfumhüllung, staucha genannt' cimbr. wb. 236a. sonst bedeutet cimbr. staucha, f., dem. steuchle, 'halstuch, fazzoletto da spalle' 235b. I@33) weitere gebrauchsweisen. I@3@aa) cimbr. staucha, halstuch, s. 2, c zu ende. so im 16. jahrh. auch für einen theil der rüstung, stoszkragen, brechrand, der quer über die schultern laufende, aufrecht stehende kamm an den achselstücken, besonders v. 1500—1550 üblich, s. Weiss kostümkunde 2, 742. H. Bergner bürgerl. kunstaltert. 550. Boeheim waffenk. 98. I@3@bb) schwäb. für schürze Schmid 507. auch vorarlb., s. oben 2, c. I@3@cc) diese bedeutung kommt vielleicht auch für ältere quellen in frage, wenn die stûche dazu dient, etwas darin zu tragen, vgl. oben 1, c, γ. so nimmt sie Schmid an für die daselbst angezogene stelle aus dem Augsb. stadtb., für sich genommen plausibel, nur kaum zu halten angesichts der parallelstellen, z. b. aus Heinr. v. Neustadt. ferner liegt es nahe, diese bedeutung anzunehmen in stellen wie: wer es, dz man die frauwen mannete, so sollen sie heuwen; unnd wer es dz ein frauw ein khindt daheimen hette, so soll sy heimziehen 3 stundt im tage und soll zw jren kinden lugen, unnd soll nemen ein stauch voll heuws, unnd wer es dz sy zw goüttig (gierig) wehr, dz der stauch breche, so soll sy es dem mayer bessern weisth. 4, 211 (els., 1480). doch wird auch hier die bedeutung 'kopftuch' vorliegen. vgl.: so soll ein fraw binden an ihren schleyer so viel korns alsz sy getröschen und gemahlen mag ein dags ... bunde sy aber so vil, dz jr die stuckh ('f. stûche, kopftuch') brüch eh dz sy heim keme, sy müszt es bessern. 212 (vom j. 1513); hennen haben die freyhait, wenn die peyerin auf den stadelvierst steigt, und ain ay in ein schlair, oder stauchen nimbt, und von ir wirfft, alss weite sy nu dasselbig ay geworffen hat, mag die henn von irem hoff gehen. 3, 683, 13 (bair.). I@3@dd) dann auch als bezeichnung des stoffes; schweiz. stûcha, m. 'dünne, feine leinwand (schleier)' Tobler 417a; ebenso vorarlb., s. 2, c. IIII. kleiner haufen oder bündel von flachs, getreide, torf u. ähnl. ein vorwiegend nd. wort, das jedoch auch in mitteld. mundarten hereinreicht und von den neuern nhd. wörterbüchern verzeichnet wird. II@11) mnd. stuke Schiller - Lübben 4, 448b (2), nur aus glossaren; z. th. unsicher, vgl. unten 2, a. in neuern mundarten stuke brem. wb. 4, 1075 f. Strodtmann 271a. ten Doornkaat Koolman 3, 350 (stuke oder stûke, stûk, 'ein stehender od. aufgerichteter haufe'), überall ohne angabe des geschlechtes. im binnenlande als masc., südhann. stûken, stûke, m. Schambach 216a, waldeck. št(o)ūk(en) Bauer-Collitz 99b. dagegen preusz. stauke, nd. stûke, f. Frischbier 2, 364a. mitteld. meist als fem., nur westerw. stauche, m. Schmidt 232 f.; nass. stauche, f. Kehrein 1, 388; hess. Vilmar 396; thür. stauche, f. Hertel sprachsch. 234. (in Handschuhsheim nicht vorhanden, dafür haufe, m. Lenz 68a.) in nhd. wörterbüchern zuerst bei Adelung als stauche, f. danach Campe. Krünitz 171, 67. vgl. Weigand 2, 802. litteraturbelege fehlen. II@22) im einzelnen lassen sich folgende gebrauchsweisen unterscheiden. II@2@aa) am häufigsten von flachs; so schon mnd.: sabucia, eyn stuke vel ein bote vlasses, s. Schiller-Lübben 4, 448b; ey[n] botte vel stuck Dief. gloss. 506a. im neund. nicht allgemein verbreitet. so wird im brem. wb. 4, 1076 gerade diese bedeutung als hd. angegeben ('bey einigen Hochdeutschen sind stauchen die kleinen flachsbüschel, oder bosen, worin sie, wan sie aus der röste, oder dem wasser, genommen sind, auf gesetzt werden, dasz sie trocknen'); auch bei Stürenburg fehlt sie, dagegen giebt ten Doornkaat Koolman 3, 350b: 'n stuke törf od. flas; üblicher im binnenlande: südhann. (= bâte) Schambach 216a; im kreise Oschersleben, s. nd. korrespondenzbl. 22, 73 ('die stuken werden dadurch gebildet, dasz die strohbände der bötchen an das obere ende gezogen und der flachs, mit den wurzelenden nach unten, kegelförmig ausgebreitet wurde'); preusz. stauke, 'flachsbündel mit kopfartigem knoten, das mit dem offenen ende ausgebreitet aufgestellt wird, damit der trocknende wind es gehörig durchziehe' Frischbier 2, 364a. so auch in Niederhessen stauche, flachsstauche Vilmar 396; thür. (Vogtei, Winterstein) šduchen, flachspyramide Hertel sprachsch. 234. sogar im ungarischen berglande stauche, f. 'ort, wo der flachs trocknet; der daselbst befindliche flachs selbst' Schröer 208a. so auch: 'in einigen hochdeutschen gegenden sind die stauchen kleine büschel oder bündel flachs, in welchen derselbe, wenn er aus der röste genommen worden, zum trocknen aufgesetzet wird, in einigen gegenden werden sie bosen genannt, nieders. both .... stauchen heissen sie, entweder, weil man solche büschel, indem man sie bindet, auf die erde stauchet (s.stauchen), oder auch so fern stauche (s. unten III, 1) überhaupt etwas kurzes und dickes bedeutet, da es denn mit stock, ein klotz, stumpf, nahe verwandt ist. das nieders. stuke, welches von stauche nur in der mundart verschieden ist, bedeutet einen haufen, oder ein jedes bündel' Adelung. vgl. dazu: bothe (die), both, bündel, stauche, (landwirtschaft) eine hand voll flachs' Jacobsson 1, 268a. nach Weigand 2, 802 ein 'vom rösten hohl und spitz aufgestellter büschel flachs oder hanf zum trocknen.' II@2@bb) im binnenlande ferner von getreide: waldeck. 'getreidehaufen' Bauer - Collitz 99b; 'in Oberhessen (wo man stâche spricht) eine handvoll getreidehalme, deren mehrere eine garbe ausmachen; besonders vom hafer gebräuchlich' Vilmar 396. vom hafer speciell westerw.: 'ein bündel hafer, haberstauche. der 4te theil einer garbe. wenn nämlich der hafer einige tage in schwaden auf dem acker gelegen hat, so wird er in kleine bündel gebunden und aufgestellt' Schmidt 233; ebenso Kehrein 1, 388 ('von schriftd. stauchen etwas an oder wider etwas stoszen und dadurch auf einen haufen drücken, krumm biegen, kürzer und dicker machen'). dagegen holstein. stuke vom buchweizen, s. brem. wb. 4, 1076. Schütze 4, 216 (stukk). Stürenburg 271a. II@2@cc) brem. vom torf: 'so heiszt hier bey den bauern ene stuke torf ein kleiner haufe, eine schicht, worin der torf, bey dem stechen desselben, quer über ein ander gelegt wird, dasz er austrocknen könne. eine solche stuke besteht gemeiniglich aus 6 stücken torf. einige nennen einen solchen haufen von 8 torfen ringel ... ein tagwerk ist bey den torfgräbern tein stige stuken, d. i. 1200 oder 1600 torfe.' brem. wb. 4, 1075 f.; ebenso ostfries. 'ein häufchen zum trocknen kreuzweise auf einander gelegten torfs' Stürenburg 271a; de törf steid in stuken, is in stuken settd ten Doornkaat Koolman 3, 350b; s. auch Schütze 4, 217 (Husum, vgl. stauchen II zu ende). so auch: 'eine stuke oder stauche torf, ein haufe torf von sechs stücken' Adelung. II@2@dd) südhann. stuke(n) bezeichnet auch einen haufen klee Schambach 216a. II@33) hiermit läszt sich kaum zusammennehmen das ausschlieszlich nd. stuke für baumstumpf: mnd. stuke s. Schiller-Lübben 4, 448a. dazu vielleicht: vele hebben gêret stocke unde stên. Claus Bur 191, wo Woeste zeitschr. f. d. phil. 5, 77 mit dem ältesten drucke v. h. geren stuken u. st. lesen will. neund. stuke 'der wurzelklotz eines baumes, mit den ausgerodeten wurzeln, welche zerhauen und in kleine haufen, wie torf-stuken auf gesetzt werden, dasz sie trocknen und zum brande dienen können' brem. wb. 4, 1076 (2; gegen diese herleitung von 2, c spricht die verbreitung); ähnlich osnabr. Strodtmann 235 f. ('auch die wurzeln allein werden stuken genannt'); westf. stuken, m. 'stammrest eines baumes' Woeste 260b, waldeck. št(o)ūk(n) Bauer-Collitz 99b; südhann. stûken, -e, m.; stûken rôen, ûthacken Schambach 216a. auch in die anstoszende thür. mundart des Unterharzes (Stiege) übernommen als schtûken, m. baumstamm, stumpf Liesenberg 209, šdúken Hertel sprachsch. 234. — dazu holl. stuik, m. einlaszzapfen, abgesägtes ende an einem holz? wol verwandt mit stock, s. das. IIIIII. andre, seltene gebrauchsweisen. III@11) westerw. stauche, m. 'etwas das klein und gleichsam auf einen haufen gedrückt ist; aber selten. so 'n stauche, wie du bist. es ist ja nur 'n stauche von einem schwein' Schmidt 232, Kehrein 1, 388, vgl. stauchen I, 5, f.ähnliches vereinzelt im nd.: 'stuuk wird auch im dithm. gebraucht als ein iebkosendes wort gegen kleine kinder: das kleine, liebe, arme ding' brem. wb. 6, 350; dat is en lütjen stukk Schütze 4, 217. (hier von II, 3 herzuleiten?) III@22) III@2@aa) stuche, ventosa, lasskopf, vintausle Scherz-Oberlin 1588 (aus dem voc. v. 1482). III@2@bb) 'stuchen, projectura, hervorragender simsen. terminus architectonicus' ebenda. sonst nicht bekannt. III@33) in mundarten hie und da als verbalabstractum in verschiedenen bedeutungen. vgl.: stauche '1) die handlung da man stauchet' Campe. III@3@aa) in Leipzig 'stauch, der, die stauche, erschütterung, wenn man einen fehltritt thut oder der wagen derb stöszt' Albrecht 216a, vgl.stauchen I, 3. III@3@bb) thür. (in Salzungen) šduche abspülung Hertel sprachsch. 234, vgl.stauchen IV, 6. III@3@cc) ostfries. stuke, hemmung, 'stockung' Stürenburg 271a; 'ein zustand von stillstand u. stockung etc. od. auch ein etwas was stehen od. stocken macht u. so auch: ein stocken machender u. hemmender stosz od. gegenstosz, anstosz, widerstosz, erschütterung'. d'r kwam mit 'n mâl 'n stuke in de lôp ten Doornkaat Koolman 3, 350b (b). III@3@dd) brem. 'eine convulsion, ein anfall von krampf.' he kreeg stuken, zuckungen brem. wb. 4, 1076; ebenso nl. stuyck, concussus Kilian 2, 649b. III@3@ee) ostfries. stuke 'anfall von krankheit in bezug auf das gemüth, laune etc.' wen sê hör böse stuken hed, den is slecht mit hör to kramen. sê hed upstünds noch al 'n gôden stûk ten Doornkaat Koolman 3, 350b, vgl. Stürenburg 271a (gew. üble laune). ebenso meklenb. stuk, stuken, launen, eigenthümlichkeiten Mi 88b. III@44) stauche in den letzten bedeutungen (3, d. e) wechselt mit staupe, s. das. II, 1. aber bei Luther kommt stauche 'auch als wechselform neben dem gewöhnlichen staupe (I) züchtigung' vor (infolge von vermischung der beiden bedeutungen?): das beyde Carlstad und Orlamnder verdienet hetten eyne gute starcke stauche 18, 98, 5 Weim. ausg. (wo die alte Jenaer ausg. staupe liest, s. dieses I, 4, d); beides verbunden: aber das sollen sie wissen, das wer widder uberkeit strebt, der nympt eyn gericht uber sich. Rom. 13. das ist: eyne stauppe, neyn stauchen odder plage werden sie haben 17, 1, 211, 15. (vielleicht liegt in diesen fällen ein alter wechsel zwischen germ. k und p vor, wie in kriechen, ahd. kriochan, gegen mitteld. kraufen, nd. krupen, altnfr. criepan, ags. créopan, altn. krjúpa, oder in ahd. slitochôha schlittenschnabel, mnd. koke gegen nhd. kufe, s. theil 5, 2206. 2530. Kluge6 227a. 230a.)
27273 Zeichen · 710 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stauche

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Stauche , plur. die -n, gleichfalls nur in einigen Gegenden. In einigen Hochdeutschen Gegenden sind die Stauchen kle…

  2. modern
    Dialekt
    Stauche

    Rheinisches Wb.

    Stauche -aux, Pl. -xə Wend-Dörrenb f.: Wehr zur Stauung des Wassers, meist Wasserst.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stauche

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stauche‑ als Erstglied (11 von 11)

staucheln

RhWB

stauch·eln

staucheln -ux- Bergh schw.: das Klickersp. stucken (s. d.) spielen.

stauchenbleich

DWB

stauchen·bleich

stauchenbleich , adj. , schweiz., bleich wie ein schleier, s. stauche I, 2; ' weil dieser kopfputz ( s. stauche I, 2, c ) ein bleiches ausse…

stauchenbucklerin

DWB

stauchenbucklerin , f. , schweiz., ' person, die andern diesen kopfputz ( s. stauche I, 2, c ) aufsetzt ' Stalder 2, 393 .

stauchen II

RhWB

stauchen II -ǫu- = stochen (s. d.).

stauchenweisz

DWB

stauchenweisz , adj. weisz wie eine stauche (I, 2), vgl. stauchenbleich; alem. stûchawîsz, schneeweisz Frommann 6, 120, 81 , vorarlb., s. 3,…

stauchenzeug

DWB

stauchen·zeug

stauchenzeug , n. , schweiz. ' dünngewobenes, feines leinenzeug ' Stalder 2, 393 , vgl. stauche I, 2.

Staucher1

PfWB

Staucher 1 m. : 1. 'Verweis, Tadel, Rüge', Staucheʳ (šdauxəʳ) [ PS-Hintwdth NW-Kallstdt GH-Zeisk ]. RA.: en St. gewwe (kriehe) [KU-Hundh BZ-…

Staucher2

PfWB

Staucher 2 m. : ' gestrickte wollene Manschette als Puls- und Handgelenkwärmer, Unterärmel ', Staucheʳ [Bergz ( Kamm 62) GH-N'potz]; vgl. St…

Ableitungen von stauche (1 von 1)