staupe,
f. , II.
öffentliche züchtigung mit ruten. I@11)
das wort bezeichnet zunächst den pfahl, an den der verbrecher zum zweck der auspeitschung gebunden wurde, und ist verwandt mit dem adj. *staupa-
steil, hoch, s. stauf II,
und dem verb. altn. stúpa
emporstehen (Fritzner
2 3, 585
b),
s. Torp
bei Fick
4 3, 496.
es gehört zunächst dem fries.-nd. sprachgebiete an: altfries. stupa Richthofen 1055
a;
mnd. stupe Schiller - Lübben 4, 451;
mnl. stupe.
doch hat sich stûpe
früh auf das mitteld. gebiet ausgedehnt und ist hier schon im 13.
jahrh. nachzuweisen, s. mhd. wb. 2, 2, 715
b. Lexer
handwb. 2, 1273
f. Kluge
6 377
a.
indessen beweist das fehlen der lautverschiebung, dasz es sich um entlehnung handelt. (
kaum ist diese aus dem ursprünglichen pp
zu erklären. jedenfalls ist fernzuhalten das bair. stauppe,
m. in alten orts- und flurbezeichnungen: wir Arnolt der Judman ritter und ich Berchtold der Judman gebrüeder genannt von dem stauppenn
urk. v. 1330
s. monum. Boica 16, 360; des Hagen acker zw dem stauppen
s. 361.)
der nhd. schriftsprache gehört das wort seit Luther
an, doch in abgeleiteter bedeutung. den hd. mundarten fehlt es in diesem sinne gänzlich (
so ausdrücklich bezeugt für Handschuhsheim, Lenz 68
a;
vgl. im übrigen II).
doch ist es auch in nd. mundarten in dem ursprünglichen sinne nicht mehr nachzuweisen und im laufe des 19.
jahrh. mit der sache selbst abgekommen. I@22)
die ursprüngliche bedeutung des pfahles ist in der alten sprache zuweilen noch vollkommen deutlich. für pfahl schlechtweg scheint stupa
im fries. noch vorzukommen: huamso ma slacht iefta myt yrsen syuth (
oder mit eisen verwundet) iefta mit holte ieff mit stupa oen syn haud (
haupt) Richthofen 464
a, 14 (?).
sonst nur in dieser speciellen anwendung: stipa vel stupa (...
statua in qua fures ligantur qui abscondunt bursas) ... pranger, staupp, stepffel Dief.
gloss. 553
a (
voc. theuton. Nürnb. 1482,
nach Lexer
handwb.: staup
vel pranger); staupe
per meton. locus et palus infamis, ad quem ligati virgis publice castigantur, alias staup-säule Haltaus 1738: si vero aliquis excedens castigari virgis et verberari debet in loco, qui stupe vulgariter dicitur
urk. v. 1270
s. ebenda; si aliquis in furto comprehenditur et id furtum minus valeat quatuor solidis, in tormento quod stupe vocatur teutonice ferietur
statut v. Salzwedel vom j. 1273,
s. ebenda; an. 1510 hat der rath eine neue holzerne staupen von eichen setzenn laszen
Naumb. chron. s. ebenda; durch den scharfrichter als einen dieb mit stricken gebunden an die staupen führen liesz
urk. v. 1547
s. ebenda. von der säule bei der geiszelung Jesu: denke an de stupe, dar yck wart to gebunden
Oldenburger gebetb. bei Schiller - Lübben 4, 451
a;
sonst in geistlicher dichtung: mit groʒen uneren man in (
s. Martinus) zeiner stupen bant.
pass. 596, 19
Köpke. I@33)
sie liegt offenbar auch der häufigen festen redewendung zur staupe schlagen (
gleichbedeutend mit stäupen, ausstäupen)
zu grunde, die schon im 13.
jahrh. belegt und bis in die neuere zeit (Musäus, 1788)
üblich geblieben ist: cedere virgis tzu der stupen slan Dief.
gloss. 109
c (
aus Trochus
voc. rer. prompt. 1517); haut und har daz ist dz man einen zur staupen schlecht Dief.-Wülcker 863 (
Frankfurter handschr. des 16.
jahrh.),
s. auch Haltaus 1738
nhd. zur staupe schlagen,
s. Stieler
unter 4,
b; jemanden zur staupe schlagen, '
d. h. ihm den staupbesen geben, ihn öffentlich stäupen, welche r. a. noch in den gerichten gang [] bar ist, und niederdeutschen ursprunges zu seyn scheinet, wenigstens in dieser mundart schon sehr alt ist' Adelung.
nl. ter stuyp slaen v.
d. Schueren
Teuthonista s. 385
a Verdam; brem. enen to'r stupe slaan '
einem den staupbesen geben: öffentlich durch den scharfrichter ausstäupen lassen'
brem. wb. 4, 1080.
belege: den deev schall men hengen umme duve de beter is denn 8 schillinghe, unde bene(de)den 8 schillinghe schall men en to der stupe slaen, unde mit einem glöenden slotel an sin ene led bernen
Hamburger liber ordalium v. 1270, 12, § 7,
bei Westphalen
monum. ined. 4, 3017; ne wurde he (
der ein falsches zeugnis abgelegt hat) dhar nicht ute (ute thes stades camere) loest, men scal en upper (
var.: to der) stupe slan unde scal de stad vorsweren unde nicht mer to Bremen comen
Bremer stat. v. 1303
bei Schiller-Lübben 4, 451
b; dosulves wurden to Hildensem dre wyve tor stupe slagen unde ud der stat vorwyset umme erer toverye willen
Lüb. chron. 2, 391 (
zum j. 1476); we den anderen gheschedighet ... hefft, de salt em betalen. hefft hees in den budel nicht .., so mot heet myt sleghen betalen unde mot den rugge dar voer holden; men sal ene dar voer tor stupe slaen Joh. Veghe
s. 37, 40
Jostes; mit starchen ungeverte wart er (
Paulus) zer stupen wol dris (
dreimal) geslagen, daʒ die besem ris im zerissen sine hut
pass. 184, 24
Hahn; zu der stupen man in sluoc 268, 37;
s. auch Haltaus 1738 (
zu ende)
und Scherz-Oberlin 1562.
nhd.: do gieng hyn zu eyn gute christliche frawe ... und erbot sich, man solt sie zur staupen schlagen, ... man solt den man nur widder eyn setzen Luther 18, 239, 35
Weim. ausg. (
schr. 3, 35
a Jenaer ausg.); Pilatus lesst ein urteil ghen, wil yhn geisseln und zur stauppen schlahen und lassen gehen 29, 239, 1 (
vgl. unten); da wolt jch auch nicht raten noch heissen gnad erzeigen, sondern lieber helffen, das man solche zur staupe schluge odder jnn einen sack stecket 32, 379, 36 (5, 383
a); als die herren disz hören und sehen, lassen sie unverhörter sachen ... diese zwen (
Paulus und Silas) nacket auszziehen, und öffentlich zur staupe schlagen Mathesius
Sar. 214
b; entlich merckten die Polen seinen betrug (
eines '
falschen schatzgräbers'
und leichenräubers), liessen jhn zur stauppe schlagen, und eine cronen an die stirn brennen Hennenberger
preusz. landtafel 278; man hat sie (
die christen) gepeitscht, zur staupen geschlagen, lebendig geschunden, und darauff eingesaltzen ... Dan. Schaller
theolog. heroldt (1604) 66; welchem schlusse so sich einer wiederlegen wollen, ist derselbe zur staupe geschlagen Micrälius
altes Pommerl. (1640) 2, 138;
an. 1626.
d. 18. januar. wurde der Kleiber mit seines weibes schwester, die er geschwächt, zur staupen geschlagen und ewig verwiesen Meltzer
histor. Schneeberg. 1055; also ward auch einer von Ober-Krinitz
d. 9. nov. 1714. propter furtum zur staupen geschlagen und ewig des landes verwiesen. 1056,
s. auch s. 1426; dieses weib in der schenck-stube ist eine ertz vettel, die werth wäre, man schlüge sie ihrer leichtfertigkeit halben zur staupe Ettner
medic. maul-affe (1719) 173; die armseligen schlachtopfer der justiz, die öffentlich zur staupe geschlagen, gebranntmarkt, oder enthalset wurden Musäus
physiogn. reisen (1788) 3, 9.
dafür: zur staupen hawen Comenius
sprachenth. (1657)
im reg.; einen zur staupe hauen,
publice aliquem virgis caedere Steinbach 2, 690; 'zur staupe hauen,
lat. fustigatio, ... ist, da der verurtheilte öffentlich durch die gassen und strassen von dem scharffrichter, oder dessen knecht, über die entblöszten schultern mit ruthen gehauen wird' Zedler
univ.-lex. 39, 1397; sie (
die obrigkeit) läst auch wohl einige an pranger stellen, zur staupe hauen, köpffen, rädern, verbrennen Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719), 587; läst eine obrigkeit einen bösen menschen an pranger stellen, oder zur staupen hauen, oder hencken, oder köpffen, oder auf eine andere art und weise öffentlich abstraffen, so geschicht solches in terrorem atque emendationem aliorum 588. —
früher zuweilen noch andre wendungen: auch kan ich stelen und gar wol verslan, und bin doch nie zu der staupe gehan. Wackernagel
leseb. 1
2, 1016, 12 (
osterspiel des 15. jahrh.);
ebenso liest in der stelle Luther 29, 239, 1 (
s. oben)
die [] Nürnberger handschr.: Pilatus wolde yhn lassen zur staupe haben und zur stadt hinaus weyszen
z. 24; so mans aber recht betrachten wird und die ordnung bey jhn finden, sie wurden etwan mit prüglen bezahlt werden, oder zu staupen gejagt unnd noch mehr Paracelsus
opp. (1616) 1, 61 C. — zur staupe schlagen
freier für prügeln überhaupt: ok dachte he (
Brun der bär) up de quaden bur, dat se en sus hadden slagen tor stupen.
Reinke de vos 803 (
Reinaert 860
hat dafür das wort stupen
s. unter stäupen 2,
a). —
übertragen: zur staupe hauen
von litterar. kritik (
vgl.stäupen 3,
f): wir beobachten, wie der bornirte mann (
Gottsched) ... anfänger nicht 'abgeschreckt' oder schon um kleiner unvollkommenheiten willen 'vor aller welt zur staupe gehauen' sehn will E. Schmidt
Lessing2 1, 52.
gelegentlich schmilzt die wortgruppe auch zu einem compositum zusammen, doch wol nur in den nominalformen; so im inf. mnd.: item 6 sch. deme bodele vor stupehauwent
qu. v. 1505
bei Schiller-Lübben 4, 451
b; help mi ... dorch dat stupeslant, dat dyneme kynde wart ghedaen 452
a;
nhd.: so sollen sie diszfalls mit stauppenschlahen verwiesen werden
ehepoliceiordnung der grafen von Ysenburg v. 1584; die sollen mit stauppenschlagen gestrafft werden
ebenda; scelus fustuario dignum, eine ubelthat, die desz staupehawens werth ist Corvinus
fons latin. (1646) 376.
im part. pass.: we ok eynen deef husede edder holede, de scholde hebben vorloren al sin gud, unde darto sin stupeslan
denscke kron. (
nach 1481) E. 6
b bei Schiller-Lübben 4, 452
a; staupen-geschlagner Logau 3, 7, 59 (
s. 130),
überschr. eines epigramms, das beginnt: einem ward der tantz mit ruthen, zu der stadt hinausz gemacht.
mit dem erlöschen des ursprünglichen sinnes von staupe
wird die redensart unverständlich: einen zur staupe schlagen,
id. scheint eine pöbelhaffte unordentliche ausdrückung zu seyn, und ist vielleicht davon entstanden, dasz man an einigen orten den schimpf des auspeitschens zu mehren, einen henkersknecht mit einer trummel mitgehen läszt, die keinen boden hat, auf welche er mit einem alten koch-löffel schlägt. man sagt daher für staupe, auch staupen-schlag Frisch 2, 323
b;
auch Adelung
findet diese redensart sonderbar, s. unter 4,
b. I@44)
mit verblassen des ursprünglichen sinnes wird dann staupe
auch für die züchtigung selbst gesagt und so später gewöhnlich. I@4@aa)
so schon im altfries: thruch thet skilun hia (
d. Friesen) wesa fria ... uter stok and uter stupa Richthofen 25, 26 (16.
küre, Rüstringertext, ebenso in den andern fries. texten),
wofür der mnd. text bietet: sunder stocken sunder gheyselen,
der lat.: preter ligni clausuram, et absque flagellatione 24, 25,
s. auch 25,
anm. 21 (
mnd. end verkorenn wy Vriesen stock end stupe)
und s. 1055
a. —
mnd. s. Schiller-Lübben 4, 451
b;
z. b.: doch wor koppent recht schal syn, dar ys de stupe eyne sachte pyn
Lüb. chron. 3, 431 (
zum j. 1482).
in diesem sinne noch von den älteren nd. idiotiken verzeichnet: brem. stupe '
staupe, staupenschlag, staupbesen'
brem. wb. 4, 1080;
pomm. stupe, stup-bessen '
der staup-besen. das öffentliche ausstreichen durch den büttel' Dähnert 472
a;
s. ferner 5,
a. —
nl., z. th. in abweichender lautform: stoepe
verber : fustuarium, castigatio fustium et virgarum Kilian 2, 641
a; stoepe
vetus: sax. sicamb. cutis et crinium exstirpatio : poena cutis et crinium, corij et capilli. ebenda (
miszverstanden?); stuppe
vel stoepe.
poena cutis et crinium. stuype
sicamb. verber, flagrum: virgae 650
a;
vgl. dazu Haltaus 1738 (1),
der diese bedeutung als die ursprüngliche ansieht. I@4@bb)
ebenso im nhd., wo die wörterbücher das wort allerdings erst seit mitte des 17.
jahrh. verzeichnen (
s. auch unter 3): staupe,
f. steupe fustigatio Schottel (1663) 1421; staupung, die,
et das steupen,
it. die steupe, et staupe,
fustigatio ... einen zur staupe schlagen,
sive die staupe geben,
virgis famosis castigare aliquem Stieler 2151
f.; staupe (die)
fustigatio Steinbach 2, 690 (
als plebejisch);
supplicium virgarum Frisch 2, 323
a; '
im hochdeutschen ist es in dieser bedeutung (
ruthe, s. e)
veraltet, wo man es 2.
nur für staupenschlag,
d. i. die strafe der öffentlichen [] züchtigung mit einer groszen ruthe braucht, und zwar ohne plural, und in der dem anscheine nach sonderbaren r. a. jemanden zur staupe schlagen' Adelung. I@4@cc)
so in festen verbindungen: die staupe geben Stieler 2152,
s. b, vgl. unten e; einem die staupe geben,
caedere aliquem virgis publice Frisch 2, 323
b; zur staupe verurtheilen. die staupe erleiden Campe (
vgl. staupbesen 2). I@4@dd)
belege: das beide Carlstad und Orlamünder verdienet hetten, eine gute starcke staupe, den andern rotten zum exempel Luther 3, 48
b;
s. dazu stauche III, 4; wenn man auffs scherffste mit jhnen (
den '
gartebrüdern',
bettlern, landstreichern) fehret, so lest man sie mit einer staupe hin lauffen, etliche werden verweiset, etliche kommen mit einem uhrfehd davon Pape
bettel u. garteteuffel (1586) R 6
b; ach, welche policey! ich sollte hier gebieten; mein urtheil wäre tod für die gesammte brut, und für den herrn des guts die staupe. Pfeffel
poet. vers. 9, 92. I@4@ee) staupe
geht dann auch in die bedeutung der ruthe über, womit die züchtigung ausgeführt wird. so wol schon: wens aber also wäre, das ein jglicher nur ein stcklin brots und trncklin wassers haben solt und doch sein abgemessene arbeit, als ein zehen fuder mist auff zu laden und hinaus zu fren, und wenn er das nicht thet, flugs hinder jm hehr mit der staupen Luther 28, 647, 16
Weim. ausg.;
wofür kurz vorher: ist mit einer peitzschen hinter jr her 646, 16.
dieser übergang ist wol besonders gefördert durch die wendung einem die staupe geben,
s. c, woneben in ganz demselben sinne einem den staupbesen geben,
s. staupbesen 2,
a. spätere wörterbücher geben geradezu diese bedeutung: staupe, stäupe,
f. scudiscio, frusta, sferza, verga da battere, staffile. einem die staupe geben,
dare la scopa, la sferza, lo scudiscio, la frusta ad uno Kramer
dict. 2, 918
a; die staupe. '1.
eine ruthe, besonders eine grosze ruthe, jemanden damit zu stäupen' Adelung (
giebt als beleg Jerem. 30, 14,
s.unten 5
c, und diese redensart). I@4@ff)
mit dieser verschiebung der bedeutung hängt auch das aufkommen der lautlichen nebenform stäupe
zusammen, s. das. 1. I@55) staupe
wird dann auch in weiterem und freierem sinne gebraucht. I@5@aa)
für züchtigung mit ruthen überhaupt (
vgl. Reinke 803
unter 3);
züchtigung von kindern, so im neund., hamb.: 'stup
brauchen wir auch substantive: he schall stup hebben
er soll was mit der ruthe haben Richey 298;
ebenso holstein. Schütze 4, 218,
während in Osnabrück das subst. unbekannt ist Strodtmann 382
a;
s. ferner unten d. I@5@bb)
dann auch für strafe überhaupt: '
in dni de' Dreyhaupt
t. I. p. 251
Johannes de Disskau an. 1547.
minatur Halensibus: dann ich sorge habe, so sie nicht zum creutz werden krichen, werden sie eine alte staupe leyden müssen. '
aut intelligit miles ille calamitatem hostilem aut (
ut mihi videtur)
proscriptionem imperatoris metuendam' Haltaus 1738.
so im 18.
jahrh.: darüber wurde der geist endlich unwillig ... und wurde gegen alle wanderer so barsch und grämisch, dasz keiner ohne furcht das gebirge betrat, auch selten ohne staupe entrann Musäus
volksm. 1, 43
Hempel (4.
leg.); wer ist denn der Goul, dem du die reisen eines Franzosen durch Teutschland beilegst? wer er auch seyn mag, er hat eine tüchtige staupe verdient Wieland
s. briefe an Merk 1,
s. 402 (27.
oct. 1783); meint ihr, sie (
die Franzosen) seien ... nicht erbittert, dasz sie endlich die verdiente staupe gekriegt haben? Arndt
werke 1, 201
Rösch. I@5@cc)
insbesondere ist staupe
in älterer geistlicher redeweise verbreitet, wo unglücksfälle und plagen gern als göttliche züchtigung aufgefaszt werden: ich hab dich geschlagen, wie ich einen feind schlüge, mit unbarmhertziger staupe, umb deiner grossen missethat ... willen
Jerem. 30, 14; wenn wir sehen und wissen wollen, warm der eifrige herr Zebaoth so sehr zörne; ... auf uns geschlagen, wie ein feind, mit unbarmherziger staupen, mit unsäglichen krieges-pressuren, verwüst- und vorterbungen; und das edle Deutschland also zugerichtet, das alle einwohner trauren müssen? Butschky
Pathmos s. 431 (321).
so auch: sed tamen deus stelt sich noch greulich und mussen vorhin ein stauppen erleiden Luther 16, 629, 16
Weim. ausg. solche wendungen auch, ohne das gott ausdrücklich [] erwähnt wird: wo wir uns nicht bessern, und ablassen von verfolgung und lesterung des evangelij, wir müssen herhalten, und eine staupe leiden, wo es der Türck nicht thut, so mus es doch etwas anders thun Luther 4, 480
a; wo bleiben die heiligen freunde gottes, die Saracenen, die von den Tattern so manche staupe haben leiden müssen 8, 23
b; und zwar wir hetten ein gute scharffe staupen wol verdienet, denn Deudschland hat das liecht der warheit ... noch nie so helle und rein gehabt, ... als eben jtzt. wie stellen wir uns aber dazu? 2, 519
a.
dazu: staupe ... mit dem p und zwo sylben, das ist, plage Gueintz
deutsche rechtschr. (1666) 139 (
mit verweis auf Jerem. 30, 14). I@5@dd)
dabei liegt in der regel das bild der väterlichen züchtigung (
vgl. a)
zu grunde; so deutlich: wir zwingen gott zum zorn mit aller gewalt, ... das ich warlich den lieben vater nicht kan verdencken, das er uns ein mal ein redliche staupe gebe Luther 5, 203
a (=
briefe 4, 197); wyr sehen, ... wie lieb der vater wird, nach der ruten und staupe 19, 240, 32
Weim. ausg.; dasz euch bewegt, ob geldschuld, so auf erben von eltern gelassen wird, auch ein kreuz sey, von gott aufgelegt, kunnt ihr wohl denken, dasz alle staupe, damit gott seine kinder stäupt, etwas des heiligen kreuzes sind ... es soll aber (wie all ander staupe des lieben vaters) das gewissen nicht schrecken als eine ernste ungnade, sondern trosten und stärken, als ein väterliche ruthe oder fuchsschwanz
briefe 1, 427.
von da aus nimmt staupe
in diesem freieren gebrauche dann zuweilen den sinn einer leichten strafe an, der der eigentlichen bedeutung nicht entspricht (
vgl. jedoch Lüb. chron. 2, 431
unter 4,
a): er drewet, die straffe werde nicht ein staupen und kinderstraff sein, da besserung nach folge, sondern es werde eitel zorn und gar aus sein Luther
randbem. z. Hesek. 21, 10 (
bibelübers. 7,
s. 526).
ähnlich: auch ist das scepter Juda damit nicht weg gewest, ob die jüden gen Babylon gefangen wurden gefurt, denn es war allein ein staupe 70 jar lang Luther 8, 66
b; denn es war nur eine kleine staupe, auff 70 jar gewis gestimmet 68
b;
aber andrerseits auch: das er (
d. herzog zu Braunschweig) nu gefangen und aus seinem fürstenthum gestossen, sol er nicht deuten, das es sey die rechte staupe, so er verdienet, sondern ein fuchsschwentzlin, damit er seuberlich und gnediglich vermanet ist zur busse, und sol also sagen. lieber gott, weil ichs wol erger verdienet, und du doch mit solchem kleinen gnedigen reislein mich hast gesteupt, so wil ich diese straffe gerne tragen mein lebenlang 251
b;
vgl. noch: gott der allmechtige hat mich ettliche zeit her ynn der zucht und staupe so hart gehallten, das nicht viel lesens noch schreibens hat bey mir sein mugen 23, 338, 9
Weim. ausg. (
schr. 3, 391
b). I@5@ee)
daher werden denn allerlei plagen, besonders die groszen landplagen, wie krieg, pest, hungersnot, auch schlechtweg als staupe
bezeichnet, vgl. Frisch 2, 323
b unter ii, 2: weil denn schuld, odder durft, odder armuth nicht eine geringe staupe, der sie nicht zu tragen weisz Luther
briefe 1, 427; wenn er (
gott) sihet, dasz wir undanckbar unnd seinem wort unnd befehl ungehorsam sind, so lesset er uns durch den teuffel ein guten schilling geben, mit pestilentz, krieg, thewrung, und der gleichen staupen und plagen
tischred. 23
b; da geredet ward von der grossen pestilentz, ... sprach doct. Mart. die straffe folget allwege der sünde, ... es wird gewiszlich eine staupe geweszt seyn 100
b;
so auch: wilt du mich aber nu nicht mehr fr deinen gott halten, ... denn so kOemet der Trcke oder sonst andere staupen, dieselben leren dich recht mores
werke 28, 735, 30
Weim. ausg.; vgl. ferner: aber das sollen sie wissen, das wer widder uberkait strebt, der nympt eyn gericht uber sich, Rom 13. das ist: eyne stauppe, neyn stauchen odder plage werden sie haben 17, 1, 211, 15.
dazu: unglücksstaupe,
calamitas Stieler 2152. —
so ist wol auch zu verstehen: herr Paris reizte Griechenland zur wut; sein Troja ward verbrannt. ein unglücksel'ger apfel brachte die staupen her, eh' man es dachte. Miller
bei Sauer
Göttinger dichterb. 2,
s. 291 (
die macht der schönh., 1774,
v. 8). I@5@ff) staupe
für '
die irdische strafzeit'
in der Waldeckischen kirchenordn. v. 1556 H 3,
s. Bauer-Collitz 174.
[] IIII.
krankheitsanfall. II@11)
verbreitung. II@1@aa)
das wort scheint vom nordwesten des gesammtdeutschen sprachgebiets, vom nl. auszugehen, ist aber auch hier erst in neuerer zeit bezeugt: stuype.
stupor. et concussus, concussio: et spasmus, convulsio: et deliquium, defectio animi: et fland. febris Kilian 2, 650
a (
schon in der ausg. v. 1599
s. 240);
jetzt holl. stuip
zuckung, convulsion, laune, vgl. Franck 989;
dem eigentlichen nd. scheint das wort fremd zu sein, denn der bei Schiller-Lübben 4, 451
b gegebene beleg aus dem anh. zum ostfries. kochb. zeigt rein nl. sprachform. dafür hat das nd. in demselben sinne eine parallelbildung stuke,
die auch ins nl. hineinreicht, s. stauche III, 3,
d. e. II@1@bb)
dagegen bieten mitteld. mundarten genaue entsprechungen: wetterauisch mit umlaut stäupe (schtäube)
die fallende sucht Crecelius 806;
ebenso in Frankfurt stäube, steube,
auch stickstoibe,
s. Askenasy
d. Frankf. mundart s. 151; soll die ganz deutsch aanigkeit des steupe kriehe,
s. 37;
mansf. staupe
ein kurzer krankheitsanfall Jecht 107
b;
ebenso in Leipzig Albrecht 216
b;
schles. staupe; ich hab' ne rechte staupe gehabt Frommann 4, 187.
formen, die dazu im ablaut stehen, finden sich in hess. mundarten. so steht niederhess. stuppe
einem oberhess. staupe
gegenüber, '
krankheitsanfall, paroxysmus der krankheit, und nicht blosz der leiblichen, auch der narrheit, sogar des zornes u. dgl.' Vilmar 406;
nass. stiepe, '
krankheitsanfall, zustosz' Pfister 286.
diese formeln beweisen, dasz das wort im mitteld. bodenständig ist; das unverschobene p
kann daher nur aus ursprünglichem pp
erklärt werden. II@1@cc)
in der nhd. schriftsprache ist das wort seit dem 17.
jahrh. bezeugt (
bei Scherffer
und Wiedemann
s. die belege unter 3).
die wörterbücher haben es erst seit Frisch (
s. unter 2)
aufgenommen, häufig mit der ausdrücklichen angabe, dasz es ein niederes wort sei, s. Adelung
und Heynatz
unter 3. II@22)
etymologie. geht man von der schriftsprachlichen bedeutung einer seuche aus, so liegt es nahe, diese an staupe I
anzuknüpfen, sie als einen specialfall von I, 5,
e zu nehmen. so deutlich Frisch 2, 323
b: staupe, heiszt auch,
morbus epidemicus, calamitas publica, afflictio communis. es folgt eine staupe auf die andere,
castigatio castigationem sequitur. ihm tritt Adelung
entgegen: '
Frisch siehet dieses wort als eine figur des folgenden an, so dasz es jede landplage oder plage bedeuten würde. allein es scheinet wohl ein eigenes und verschiedenes wort zu seyn, obgleich dessen stammbegriff so deutlich noch nicht ist'
; ähnlich Weigand 2, 803.
dasz in der that ein besonderes wort vorliegt, ergiebt sich schon aus dem ganz verschiedenen verbreitungsgebiete, ebenso wird es durch die ursprüngliche bedeutung eines krampfes oder krampfartigen krankheitsanfalles bewiesen, die sich in den volksmundarten durchweg erhalten hat. die weitere abkunft und vorgeschichte darf man sich wohl nach analogie von stauche
vorstellen, s. das. III, 3. II@33)
die ursprüngliche bedeutung bestimmt Weigand
mit recht als '
überlaufender, schüttelnder krankheitsanfall; krampfanfall mit gliederzucken'.
sie ist noch deutlich in der zusammensetzung kornstaupe, bezeichnung einer 1716—1717
aufgetretenen epidemie mit krampfanfällen: 'spasmodische kranckheit,
morbus spasmodicus, sonst auch griebel-
oder kriebelkranckheit, griebelsucht,
oder kornstaupe
genannt' Zedler
universal-lex. 38 (1743), 1234.
in den litteraturbelegen tritt diese vorstellung zurück vor der einer ansteckenden krankheit, epidemie; vgl. Frisch
unter 2,
ferner: 'staupe
heiszt jede ansteckende, grifftige und plötzlich tödtende kranckheit, so wohl bey den menschen als viehe, z. e. hitzige fieber, pest, viehsterben u. d. g.' Zedler
universal-lex. 39 (1744), 1397; 'die staupe ...
ein nur im gemeinen leben einiger gegenden übliches wort, eine ansteckende krankheit, eine seuche zu bezeichnen. die staupe bekommen,
die herrschende ansteckende krankheit' Adelung; 'die staupe
für eine umher gehende (
epidemische)
krankheit, ist wenigstens gemein gesagt' Heynatz
Antibarb. 2, 444.
belege: umb diese zeit grassirete die rothe ruhr, absonderl. im NeustAedtlein, daran viel kinder starben, und an dieser staupe muste auch der berg-schmidt uffm gebirge ... das leben einbüssen Melter
histor. Schneeberg. (1716) 1407;
[] recht müssen wir ietzund an unserm ort' erkennen dasz um und um der todt mit staupen uns berennen und gleich behetzen wil Scherffer
grabschr. (1646) 4,
s. Drechsler
Wencel Scherffer s. 249; der artzt ist freuden-voll und nimt sein glücke her, wann kleine staupen gehn, dasz nur viel leute krancken Wiedemann
histor. gefangensch. (1690)
mai 65.
ungewöhnlich von geistesstörung: guter gott, bewahre du ... einen jeden, der der wuth seiner leidenschaften keine zügel anzulegen weis, vor der schaudervollen staupe, deren andenken allen empfindsamen das haar empor richten macht ... gieb dem mitleidenswürdigen den gebrauch seiner sinne wieder
Wertherinn (1775)
s. 37.
übertragen: in wahrheit; der fünfte akt ist eine garstige böse staupe, die manchen hinreiszt, dem die ersten vier akte ein weit längeres leben versprachen Lessing 7, 11 (
Hamburg. dramat. 2,
vgl. Cosack
materialien2 s. 30). —
dazu im einzelnen kornstaupe,
th. 5, 1831
und oben. —
ungewöhnlich ist die abgeschwächte bedeutung: '
so nennt man im gemeinen leben oft schon schnupfen und ähnliche ansteckende krankheiten staupen' Campe. II@44) staupe
wird dann auch von krankheiten des viehes gesagt und so wohl in der regel in der neuesten zeit, wo das wort in der allgemeinen umgangssprache überhaupt noch üblich ist, vgl. Cosack
a. a. o.: die viehstaupe,
die viehseuche Adelung;
vgl. viehstaupe.
speciell: II@4@aa) '
in engerer bedeutung ist in einigen gegenden die staupe
eine ansteckende krankheit der schafe, da sie den taumel, und hernach den durchfall bekommen, und plötzlich sterben' Adelung;
s. auch blutstaupe,
th. 2, 192. Campe. II@4@bb)
neuerdings sagt man staupe
oder hundestaupe
für die hundekrankheit (
th. 4, 2, 1922),
der junge hunde häufig unterliegen; und diese bedeutung scheint allein in der gewöhnlichen umgangssprache üblich zu sein: 'hundeseuche (staupe),
eine katharartige krankheit, die in verschiedenen graden die schleimhaut der nase, der luftröhre oder die lunge affizirt, daher schnupfen, husten, feuchtende augen und neigung zum erbrechen nebst unterdrückter freszlust und fieber' Behlen 3, 123; '
heute bekommen gewöhnlich nur hunde die staupe,
d. h. sie werden augenkrank' Drechsler
W. Scherffer s. 249; wo in der nachbarschaft ein kanarienvogel den pips, ein hund die staupe oder eine verwundung auf dem felde der ehre bekam — alle wurden zu Preetzens gebracht
daheim 31, 399
b. II@4@cc)
heute auch pferdestaupe,
leuma, für eine ansteckende krankheit der pferde, die sonst auch als influenza
oder rotlaufseuche
bezeichnet wird, vgl. Dieckerhoff, die pferdestaupe (
Berl. 1882). II@55)
hierher wohl auch thür. (
altenb. u. s. w.) staupe,
leichter regen Hertel
sprachsch. 234.