wischen,
vb.; s. auch teil 4, 3, 6139
das adjekt. part. gewischt.
ahd. wisken,
mhd. wischen,
mnd. wischen '
wischen, eilig gehen' Schiller-Lübben 5, 739
f., mnl. wisschen '
abwischen, sich wegmachen, entrinnen' Verwijs-Verdam 9, 2, 2700.
neben diesem j-
verbum steht ein gleichbedeutendes ō-
verbum in ags. weoxian '
reinigen' Bosworth-Toller 1204
b,
engl. whisk '
kehren, sich schnell bewegen, huschen' Murray 10, 2, 3, 63
c,
norw. viska '
heu winden, geschäftig umherrennen' Torp 869
b,
schw. viska '
abwischen',
dial. auch '
werfen, schleudern' Hellquist 1136,
dän. viske '
abwischen' Falk-Torp 1388.
denominativum von wisch,
m.; auch für wischen
in der bedeutung '
sich eilig bewegen, entwischen'
ist kaum ein anderer ursprung anzunehmen; sie erklärt sich ungezwungener aus '
mit einem wisch hantieren, flüchtig über etwas hinwischen', '
sich wie ein wisch bewegen'
als, wie vielfach vorgezogen wird, als wurzelbildung, wie lit. viskti, visgti '
zittern, schlottern', vyzgóti '
schwanken, beben'.
vgl. auszer den genannten noch Persson
beitr. z. idg. wortforschung 327
anm. 2, Walde-Pokorny 1, 243.
früh und weitverbreitet mit rundung: wüste H. Seuse
dtsche schr. 539
Bihlmeyer; wüschen Riederer
spiegel d. rhetorik (1493) k 4
b; Scheit
Grobianus 882
ndr.; Sebiz
feldbau (1580) 35; Frisius
dict. (1556) 253
a; Grimmelshausen 2, 397
Keller; Aler
dict. (1727) 2, 2221
a;
später hauptsächlich schwäb.-aleman.: wühschen Stalder
schweiz. id. 2, 458; Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 170. —
daneben wuschen, vgl. auch wusch
bei wisch,
m.: voc. inc. teut. (1471) o o 7
a; (15.
jh. md.) Diefenbach
gloss. 430
b;
[] wuscht Lindener
katzipori 145
lit. ver.; H. R. Manuel
weinspiel 89
ndr. —
vgl. dazu mundartlich trans. wuschen '
schlagen' (
Niederösterr.) A. Richter
dtsche redensarten nr. 205;
intrans. wuschen
forthuschen Lexer
kärntn. 261; K. Weinhold
schles. 105; Knothe
Nordböhmen 547; Hertel
Thür. 259. —
die u-
form erscheint auch häufig im prät. und part. prät.: wuschte, gewuscht: wuste Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 2208; wuschte Ködiz v. Salfeld
Ludwig 24, 6
Rückert; gewuscht
tersus (15.
jh. md.) Diefenbach
gloss. 580
c; Lindener
rastbüchl. 128
lit. ver.; Wickram 3, 127
Bolte; gewuscht Steinbach (1734) 2, 946; wuschten J. Bodmer
v. d. wunderbaren (1740) 430;
mundartlich g(e)wuscht Lexer
kärntn. 261; Müller-Fraureuth 2, 673; wusk, wusken Woeste
westf. 327
a. —
im prät. vor dem t,
z. t. auch im part. prät. bisweilen mit schwund des k,
s. W. Braune
ahd. gram. § 363
anm. 5, Schatz
ahd. gram. § 485,
im alem. bis ins 16.
jh.: wista Notker 1, 17, 1
Piper; wuste Boner
edelstein 57, 57
Benecke; (1515)
Eulenspiegel 99
ndr.; ist: gewist Murner
narrenbeschw. 227
ndr. —
das part. prät. ist schwach, vereinzelt stark, vgl. mundartlich erwuschen Schmeller-Fr. 2, 1042, wusken Woeste 327
a: das die armenlut ... in den kirchof gewischen (
Augsb. 1490)
städtechr. 25, 352.
bedeutung und gebrauch. AA.
transitiv, mit objekt des gegenstandes, der gewischt wird, oder woran die bewegung des wischens geschieht. A@11)
in der visuellen ausgangsbedeutung einer raschen reibegebärde. A@1@aa)
über etwas (
reinigend)
reiben. beim menschlichen körper: tergamus paulisper lumina eius ... so wisken siniu ougen Notker 1, 16
P.; kranke ougen her wider vrischet, der sie dicke mite (
jaspis) wischet Heinrich v. Hesler 20952
H.; als er (
der priester) daz wazzer enphahet und er die hende getwahet, so wiscet er si sâ und truckent sich danâ(ch) (12.
jh.)
spec. ecclesiae 150
Kelle; wo du die zen dran gewischet hast Murner
gäuchmatt 41
Uhl; ynn der eyle wil sie den hindern mit dem finger wischen Agricola
t. sprichw. (1534) g 4
b; man ... inbildet ... einen alten man ungestalt, zittrende, krum, die nasen wüschende Riederer
rhetoric (1493) k 4
b; wischet das nässlein und den mund Rollenhagen
froschmeuseler (1595) c 7
b; und seufzen eins von liebesqual, und wischen sich wohl hundertmal an meiner hand die nasen Blumauer
ged. (1782) 44; füllt bis oben gierig den pokal, trinkt, und wischt das maul wohl nicht einmal Göthe 2, 190, 24
W.; er wischte das nasse gesicht, buckelte, kam ... grinsend näher Kolbenheyer
Paracelsus 3, 185. — ohne
bartwischen trinken
est amystide bibere Stieler (1691) 2563: sonder thuck, sonder smuck, sonder bard te wischen drincken Tappius
adagia (1545) 142
b; er soffs ... ohne absetzen und barthwischen Chr. Reuter
Schelmuffsky 15
ndr. —
die augen wischen (
s. auch den anfang)
hat gern dazu mittelbare bedeutung, so als '
sich ermuntern' (
vgl. den schlaf wischen
sp. 717): früh um sechs uhr steht die junge frau auf, nachdem sie dreymal gegähnt und zweymal die augen gewischt hat Rabener
s. w. 3, 292;
im bild: der alte strom erwacht, und wischt die augenlieder Fr. W. Zachariä
poet. schr. 2 (1763) 15.
vor allem als zeichen des weinens: etliche (
teufel) fiengen an die augen zu wischen, als weineten sie J. Ayrer
hist. processus juris (1600) 369; das lachen ist des wechsels pfand, das man bald soll die augen wischen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 226; der herzog (
Alba), der der hinrichtung (
Egmonts) aus einem fenster zusah, wischte sich die augen Schiller
[] 9, 267
G.; ich (
ein heimgekehrter, kriegsgefangener friseur) musz mal etwas hinein, nur einmal dringestanden sein (
in einem friseurgeschäft)! sagt er dann, wischt sich die augen, läuft erregt hinein Dwinger
wir rufen Deutschland 27.
alt ist reflexiver gebrauch mit ellipse des objekts (nase, mund, gesicht
u. ä.),
vgl. wischen
emungere (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 201
c: ob die man sech wischet oder snûth oder spîet oder jeschet
Sachsenspiegel 224, 4
Eckhardt, vgl. sich ... wischet oder im snuzet
Schwabenspiegel bei Fischer
schwäb. wb. 6, 885,
ebenso Neumarkter rechtsbuch 189
Meinardus; alle die wile er lebete, wan ime ein dropfe von sinre nasel viel und er sich muoste wüschen, also dicke det er sinre vigende einen döten (
Straszburg)
dtsche städtechron. 8, 396, 15; wischet euch zuvor selbst (ihr wisset wohl wo), eh ihr uns die nase wischen heiszt Luther 8, 10
b Jen. ausg.; vil haben sich des nicht geschembt, dasz sie ein ermel von eim hembdt ziehen herfür, und wischen sich K. Scheit
Grobianus 3105
ndr.; st. Künigundt (
nach erhalt einer maulschelle) wischt sich und sagt: ach herr, thut euch denn das so andt? Ayrer
dramen 1, 682, 2
Keller. bei tieren: ('
reibend streifen'
im anschlusz an die vorlage:) sumiu (
tiere) farent stracchendo unde wiskendo dia erda
namque alia sunt extento corpore, verruntque pulverem Notker 1, 346, 30
Piper. als akt der pflege: der este er (
Kaii) von dem boume brach und begie sînen mûl wol, als man müeden orsen tuon sol, mit wüschen und mit strîchen Heinrich v.
d. Türlin
crône 157
b Scholl; sie sollen auch die küh mit eim ... strohwüsch ... abreiben und wischen Sebiz
feldbau (1579) 96; striegle und wisch das pferdt auff das seuberst Seutter
hippiatria (1588) 8; von wischen und schrapen der pferde Walther
pferde- und viehzucht (1658) 25; dasz er seine hunde ... fleiszig wische und abputze v. Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 326.
sonstiges: do sach er ... einen engel mit pluotigem swerte, der wiskete das selbe swert durch sinen geren
dtsche pred. d. 12.
u. 13.
jh. 76
Roth; das (
schmutzige) messer wisch auffs brot mit lust, so hastu schon das schmaltz umbsust Scheit
Grobianus 899
ndr.; saconia ein tuch, damit man die schuohe wischt Erasmus Alberus
nov. dict. (1540) 34
a; Wagner traf Lydi im wirtshaus
an. sie wischte gläser H. Zillich
zwischen grenzen u. zeiten (1936) 233.
bildlich (
vom spiel her) '
schlagen, übertreffen': so hoff ich doch, es sollen mirs nit allein vil nach thuon, sunder mich ausz dem bret wischen, und weit hinter inen lassen Seb. Franck
chron. zeitbuch (1536) a 3
a.
besonders stark kommt die sinnliche vorstellung der reibenden bewegung bei absolutem gebrauch zum durchbruch: ez (
das kind) nam sîn aller beste kleit, dâ mite ez vaste wischte und daz bilde erfrischte von stoube und von spinnenweben
Marienlegenden 244
Pfeiffer; vgl.: sie (
die blattlaus) wischt mit den hinterbeinen, als wollte sie einen fremden körper von ihrem leibe entfernen Ratzeburg
ichneumonen 1, 51.
häufig mit ortspräpositionen: indessen wischet der wirth über die schwartze farbe und bestreichet sich die bloszen beine über und über Chr. Weise
erznarren 12
ndr.; in sehr kurzem jacket, an dessen aufschlag er ... verzweifelt schabte und wischte H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 93; nahm seine brille ab und wischte eifrig an den gläsern Carossa
der arzt Gion (1931) 119. A@1@bb)
auf das zu entfernende objekt bezogen, '
wegnehmend reiben'
; vgl. deverro mit wischen seubern Calepinus
XI ling. (1598) 412
a: wische denn den stoup ûz eines anderen ougen
dtsche mystiker 2, 241, 31
Pfeiffer; (
herzog [] von Guise) wischete jm das bluot mit seinem schnuptuoch vom angesicht Stumpf
Schweizerchron. (1606) 276
a; den verwundeten soll man den euter aus der wunden wischen H. v. Fleming
d. vollk. soldat (1726) 356
a; wie ich mir den sand und die erde aus den augen wischte Eichendorff
s. w. 3, 80; der mann wischte sich den schweisz von der stirne Hans Grimm
volk ohne raum 1, 67;
im bild: ein held, der seiner deutschen welt ihr blasses leid aus herz und augen wischet P. Fleming
t. ged. 1, 385, 16
L.; er (
der tod) heuchelt nicht und schmeichelt nicht, er wischt grimassen vom gesicht Herder 27, 388
S. Liese soll ... den staub von den spiegeln wischen Kotzebue
s. dram. w. 21, 2; sie ... wischten mit gras das eigelb von den zerbrochenen eiern Brentano
ges. schr. 5, 49.
gerade volkstümliche redeweise bringt dabei das sinnliche moment des hinfahrenden streifens stark zur geltung: somit wischte sie (
die mutter) das geld in Reslis daliegenden hut J. Gotthelf
geld und geist (1852) 353. A@1@cc)
uneigentlich gebraucht nähert sich wischen
der abstrakten bedeutung '
tilgen, auslöschen': schau, wie meiner thränen flut ... mir von der taffel wischt alles, was ich schreibe S. Dach 740
lit. ver.; sie ist verloren mir und meiner liebe ... das hat von meiner larve mir das roth gewischt und strömet heisz aus meinen augen G. Freytag
ges. w. 2, 131.
ganz unsinnlich: sprich diess verhaszte wort nicht aus — wisch es auf ewig aus der sprache der lebendigen Klinger
w. 1, 55; könnt ihr das salische gesetz ... aus dem gedächtnisse des parlaments und der Franzosen wischen? H. Laube
ges. schr. 2, 29;
auch: verschmirzen erst, dann aus der seele wischen Lavater
handbibl. f. freunde (1790) 1, 84. A@1@dd)
fachsprachlich beim zeichnen und im graphischen gewerbe wischen
verschmelzen oder wegnehmen der trockenfarbe durch leichtes reiben mittels wischers (
s. d.),
vgl. Campe 5, 744; Krünitz 239, 422; Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 485; Karmarsch-Heeren 5, 213;
s. auch gewischt
teil 4, 1, 3, 6139: wischen
mit trockenen farben malen Schrader
dtsch-franz. 2, 1642; so hatte ich ... theils mit wischen, theils mit schraffieren das kleine bild hervorzuheben gesucht Göthe 27, 158, 12
W.; er entwarf ... eine rasche komposizion, die schlacht der Kentauren und Lapithen in gewischter röthelmanier darstellend C. L. Fernow
Asmus J. Carsten (1806) 117; auch sind nur wenige (
schüler) dazwischen, die so wie er mit gummi wischen, und im schraffieren, was das schwerste, da wird er unbedingt der erste W. Busch
maler Klecksel (1908) 28.
auch als eine abart des gravierens, anrauhen der glasoberfläche mit einem kupferrädchen: ordinäre weingläser ... werden manchmal durch sogenanntes wischen verziert Lueger 4, 690. A@22)
bildlich-übertragen in festen wendungen für das tun und verhalten eines menschen. A@2@aa)
in der wendung etwas an jemand wischen im sinne von '
abputzen'
als ausdruck der verachtung; meist mit den objekten arsch, schuhe, füsze: wenn wir aber unser werck erfür ziehen, so sol der teufel den ars dran wischen, als er thut Luther 1, 276
W.; er (
der legat) henckt uns grosse titel an und vil frommheit und darneben wischt er den ars an unser begerbrieff
bei O. Clemen
reformationsflugschr. 1, 181; hastu, so braucht man dich, hast nimmer, man wischt an dich den hindern S. Franck
sprichw. (1541) 2, 98
b; das ist keine übersetzung zum ein wenig durchsehen, sondern zum ein wenig den a ... daran zu wischen Lichtenberg
br. 2, 346; solls einen nicht verdrieszen, dasz so ein schmetterling die empfindungen und gedancken, woran unser eines den arsch wischt, ... dem publikum vormarcktschreiet?
[] Göthe 38, 483, 26
W. also geschicht es offt, das eines zu grossen ehren kömpt, ... das es darnach hernidder geschlagen wirt und so veracht wird, das man kaum die schuch an yhn wischet (1526)
M. Luther 19, 301
W.; behalt in (
den ablasz) selb, wüsch die schuo dran!
N. Manuel
ablaszkrämer 264
Bächtold; jetzt stellt es (
das glück) ihn dar als einen gewaltigen herrn, bald wie ein verachteten menschen, an den jederman die schuch wischen will Joh. Saubert
der wagen Simeonis (1627) 540; wann dem also were, müoset man an alle obgemelte regeln ... der hl. römischen kirchen die füsze wischen ... ja, ... dasz der h. papst verflucht were Fischart
binenkorb (1588) 32
a; an arme leute will jedermann die füsze wischen Spannutius (1720) 577; an ihm wischt sich jeder die händ
eine verlassene waise wird von jedem gemiszhandelt Frischbier
preusz. 2, 475.
anders in negativer wendung, '
nichts zu tun haben wollen': in dieser groszen stadt (
Berlin) hätt ich an gemeinen weibsleuthen keinen schuh gewischt Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 241.
dazu mit dativ der person einem (über)
das maul wischen jem. kurz oder grob abfertigen, zurechtweisen: sein hofprediger ... wischte ihm das maul und fertigte ihn gar schimpflich ab in seiner respons
Dr. M. Luther der beste prediger (1722) 7; die sache musz vor gerichte kommen, es musz ihm sein maul gewischt werden Chr. Weise
cur. körbelmacher (1705) 50; dasz ich ein cavalier bin, der das hertze hat, auch das maul zu wischen Schnabel
insel Felsenburg 113, 34
Ullrich; sie wischt dem doctor das maul Göthe 16, 14
W.; sieh dich vor ..., dasz ich dir nicht einmal derb übers maul wische Ricarda Huch
d. grosze krieg (1920) 2, 318. —
auch 'die nase wischen' ...
exponitur objurgare aliquem vehementius Stieler (1691) 2562.
ähnlich einem das gelbe vom schnabel wischen, zunächst von jungen menschen, sie erziehen: den jungen welffen sol man das gelb vonn schnebeln wüschen, wa sy sitzen ob den tischen, das nichtsz daran behang
liederbuch der Hätzlerin 156; (
Heinrich von Braunschweig auf die nachricht des todes seines sohnes hin) soll ... ohne anzeigung einiger trawrigkeit gesagt haben: also musz man den jungen das gelbe vom schnabel wischen Lehman
floril. polit. (1662) 3, 329; meinen all modo herrn ..., dem das gelb noch nicht von dem schnabel gewischet war
bei Creizenach
schausp. engl. com. 233, 12. —
anders, '
jem. klein kriegen': ja hett ich dich bei deim kragen ... ich wolt dirs gel vom schnabel wüschen Herm. v. Sachsenheim
bei Wackernagel
altdt. leseb.2 999; ich will ihnen die hosen gerecht machen und das gelbe vom schnabel wischen, wie die störch den fröschen Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 2, 307; er ... wollte fechten ..., wie fein und sauber er ihm das gelbe vom schnabel wischen würde A. H. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 181. A@2@bb)
auf die (
charakterliche)
haltung des handelnden bezogen (sich)
das maul, den mund wischen, u. zw. nach erlangtem genusz. die redensart beruht z. t. auf der sinnlichen geste als zeichen des abschlusses, vgl.: sie wischten sich das maul, die hochzeit, die war aus, sie muszten miteinander zum schweinischen thor hinaus (1758)
bei v. Ditfurth
volksl. d. preusz. heeres 38; als ich, anstatt die heugabel wieder zu ergreifen, plötzlich den mund wischte, mein bündelchen wieder aufgriff und ohne ein wort weiter zu verlieren, meines weges weiter zog G. Keller
ges. w. 4, 29.
daraus als ausdruck des behagens: wiederfehrt ihm (
dem don Juan) guts zur stund, schweigt er fein und wischt den mund Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 89, 6.
zum andern teil spielt das bild aus sprüch. Salom. 30, 20
herein (
talis est via mulieris adulterae, quae comedit et tergens os suum dicit: '
non sum operata malum'),
vgl.: [] des glychs der weg eynr frowen ist, die sich zuom eebruch hat gerüst, die schleckt, und wüscht den mund gar schon und spricht, ich hab nüt bOesz geton Seb. Brant
narrenschiff 64
Z. als ausdruck wegwerfender gleichgültigkeit, des undanks, geheuchelter unschuld u. a. sittlichen mangels bes. im frühnhd. allgemein: (
der teufel spricht) ich will ... alle unglück und uneinicheit anrichten und darnach das maul wischen Luther
sprichw. 317
Thiele; die papisten sampt irem bapst wollen itzt rein sein, wollen iren mund wischen und haben nie kein wasser betrübet Justus Jonas
ursprung des türkischen reichs (1538) y 3
c; (
sie) wischen das maul, drollen darvon, keiner wil nichts geredet han H. Sachs 9, 171, 1
K.; die etwan einem weibsbild ein kind anhängen, darnach davon ziehen, den krantz zahlen und das maul wischen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 3, 351; mancher liebt aus geilem hertzen, schweret bey des höchsten thron, thut doch nichts als falsches schertzen, wischt das maul und geht davon Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 309;
vgl.das maul wischen und darvon gehen
dopo haver peccato non farsene scrupolo Kramer
t.-it. 2 (1702) 32
b.
vor allem gern im eigentlichen bereich des schmarotzertums sich haltend: er (
der wolf) wüscht das maul und gieng davon, undankbarkeit das war sein lohn Erasmus Alberus
fabeln 132
ndr.; und asz also weisz musz ausz und wüscht den mundt und gieng von hausz, schmarotzet wie ein fledermausz Fischart
Eulenspiegel 358
Hauffen; auch in neuerer sprache nachklingend: wenn die schmarotzer sichs maul gewischt haben, so gehens fort K. Meisl
theatr. quodlibet 5, 117; wann das fass leer ist, so wischen die freunde das maul und gehen Düringsfeld
sprichw. 1, 265
b.
anders, statt eines genusses nur das maul, den mund wischen '
verzichten müssen, leer ausgehen': die schwächere ... müssen ... das maul wischen und davon gehen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 129; allein ihr schmauset nichts, drum wischet nur den mund
samml. v. schausp. (1764) 1, 73; sich das maul wischen
nichts davon bekommen Schrader
dtsch-franz. 2 (1781) 1642; man muszte auch den wagen voll haben, wenn die pferde wiederkamen, sonst wischte man sich das maul
denkw. u. erinn. eines arbeiters (1903) 193
Göhre. auch etwas ans bein wischen,
vgl. Richter
dtsche redensarten 22: dasz der trostlose vater sich endlich zufrieden gab, gern alles das verlohrne ans bein wischte, und nur gott dankte, dasz er seine tochter mit dem schatze wieder hatte Bertuch
Don Quixote (1775) 2, 434. —
mundartlich sich vorher (
d. h. wie vor der mahlzeit, wie sichs gehört) wischen: dor mutt he de mund vör wischen
davor hat er respekt Mensing
schlesw.-holst. 5, 667;
ebenso de nâse fö
ar wischen Woeste
westf. 327.
dagegen anders zu verstehen, '
etwas schlechtes, unreines wegreiben': da sprach der schmidt (
von Ruhla): pfui des landgrafen, des barmhertzigen, wer ihn nennet, sol alle mal das maul wischen Binhardus
thür. chron. (1613) 133;
vgl. brüder Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 177. A@2@cc)
hierher auch (sich)
den schlaf u. ä. aus den augen wischen '
die (
innerliche)
trägheit oder ruhe abschütteln, vertreiben': erriute dich der bôsheit ... wische den mies vonn augen Hartmann v. Aue
büchlein 1, 811
Haupt; das (
der sturz Daniels) benahm ihm (
dem könig) alle lust zu essen, das wischte ihm den schlaff ausz den augen, das machte ihn bekümmert und trawrig Michael Walther
Daniel (1645) 1, 887; wache auff der du schläfest, wische den spengler von den augen! Dannhawer
[] catechismusmilch (1657) 1, 226,
vgl.spengler
teil 10, 1, 2155;
dazu: (
ihr Preuszen) wischt den schlaf von euren stirnen! hört die Oder brausend zürnen! v. Stägemann
kriegsges. (1813) 77. A@33)
aus dem zweck des wischens
ergeben sich bestimmte bedeutungsfärbungen und -einengungen, z. t. unter stärkerer aufgabe der sinnlichen vorstellung des reibens. A@3@aa)
zufrühst '
trocknen'. 'wischen
wird wenigstens in der edeln schreibart gewöhnlich mit trocknen
verwechselt, ungeachtet wischen
und trocknen
eigentlich ganz verschiedene dinge sind' Heynatz
antibarbarus 2, 643;
im einzelnen oft schwer von 1
zu unterscheiden: mit ir vahse hâre (
haupthaar) sie die vuoze wiskte
dtsche ged. d. 11. u. 12. jh. 243, 16
Diemer; do begossen sie in mit unreinem wasser von oben herab, do wischet der gedultig man sein hawbt Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 1, 50
H. besonders gern träne, auge wischen: wiske aba die trane
sicca iam lacrimas Notker 1, 80, 24
Piper; hie nach die aposteln gut verhalen irn truben mut ... si wischten ir ougen unde giengen vor die vrouwen hin
passional 126, 71
Hahn; gelinder flattre dann, o west, die wang ihr zu erfrischen, und thränen, die der gram erpreszt, ihr vom gesicht zu wischen! J.
M. Miller
ged. (1783) 82; gewisse wörter hat der dichter (
Klopstock) zu gemein befunden ... wo es vorher hiesz: 'wische dem knaben die zähre vom antlitz' oder: 'wischet mit mir, wenn er stirbt, das blut von seinem gesichte' ist beidemal für wischen trocknen gesetzt Lessing 8, 51
M.; mundartlich: d auge wischen
eine thräne trocknen Hunziker
Aargau 304.
beim bildlichen gebrauch der wendung die tränen wischen
für '
trösten', '
leid stillen'
nach apokal. 21, 4
ist die grenze zwischen '
wegreiben' (1 b)
und '
trocknen'
gänzlich flieszend: da wischet her (
Jesus) alle trene von den ougen der guten Heinrich v. Hesler
apokalypse 12698
Helm; weil dir (
der seele) der herr vil guotes thuot ... von meinen augen wischt die thren B. Waldis
psalter (1553) 211; der ... auch unser weinen, zu seiner rechten zeit, zu wasser, das ist zu nichts machen wird, wenn er die thränen von den betrübten wangen wird wischen J. Prätorius
saturnalia (1663) 4; einen theil habt ihr (
kinder) noch, eine gute mutter — wischt ihr die thränen, pflegt sie, damit sie nicht auch krank werde Hippel
lebensläufe (1778) 2, 579. A@3@bb) '
kehren', '
fegen': wüschen, zusammenwüschen, seüberen
converro Frisius
dict. (1556) 329
a;
scopis purgo, scovare, spazzare wischen Calepinus
XI ling. (1598) 1528
a; wischen oder zusammenkehren
converro ebda 331
b; ist trincken ein eer, so ist kotzen kein schand, der wirt wüschts allssand hinder dwand (16.
jh.)
ein gespräch Bachi; das ärtz aber also gepaucht, wüschendt sie (
die arbeiter) mit bäsem zuosammen Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1557) 218; wir sollen vor unseren eigenen thüren wüschen, so wird die gantze gasz sauber seyn Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 358
b; wenn man die stiege wüscht, musz man oben und nicht unten anfangen Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 225; die neuen besen wüschen wohl, nur gehen sie nicht in die winkel
ebda 205.
dazu im partizip vom himmel '
gefegt' (
näml. von wolken):
apertum caelum heyteren himmel, hüpsch und schön, guot wätter, oder gewüschten himmel Frisius
dict. (1556) 103
b;
vgl.: der himmel isch wie gwischt
ohne eine wolke Seiler
Basler ma. 320,
s. gewischt
teil 4, 1, 3, 6139.
auch reflexiv: der himmel wischt sich, der hering spielet in der see H. Braun
dies cinerum (1608) 27.
[] —
mundartlich süddeutsch bedeutet wischen
sowohl trocken wie auch nasz fegen, während in norddeutscher umgangsspr. wischen
nur nasses aufwischen besagt, s. Kretschmer
wortgeogr. 195; Schmeller-Fr. 2, 1041; '
spez. mit nassem lumpen' Fischer
schwäb. 6, 885; '
mit dem besen' Stalder
schweiz. id. 2, 461. A@3@cc)
am unsinnlichsten '
reinigen, putzen'
schlechthin; hauptsächlich frühnhd., vgl. wischen
vulgariter wuschen
mundare, delere idem videlicet fetorem voc. incip. teut. (1471) o o 7
a;
tergere ... purgare et nitidum facere, wischen, trocknen, schmücken Bas. Faber
thes. (1587) 852
a; wüschen
purgare Aler (1727) 2, 2221
a: wie wasser wischt, das unrein ist, das sauber macht
bei Wackernagel
dtsch. kirchenlied 5, 34.
vor allem bei waffen und schuhen, wo die vorstellung des reibens (
mit dem lappen)
noch am meisten mitläuft. waffen: 3 sz. Marten swertfegere vor dat richteswert to wyschende (1483)
bei Schiller-Lübben 5, 740;
vgl.: wie man den meister lohnt, so wischt er das schwert Binder
sprichw. 125; ich solt ym vielleicht sein schwert gewischet haben ... nam damit das schwert und wolt das wischen
buch d. liebe (1587) 83
b; die zelt gab man den schitzen ein, darin da soltans wischen und laden Lienhart Flexel
herrenschieszen (1558)
in: Alemannia 6, 211; der alte Bernsteiner wischte sein schlechtes gewehr A. Stifter
s. w. 2, 336;
modern militärisch dafür gewehr reinigen,
doch heute noch wischstrick, wischer. —
schuhe: ich bin ewer genaden wirts sune, der ewer genad die stifel gewischt (15.
jh. Nürnberg)
dtsche städtechron. 3, 151; der herzog aber musste die pferde warten, mich ausziehen, die stiefeln wischen und alles richtig wie einem knecht zustehet, versorgen H. v. Schweinichen
denkw. 133
Öst.; ich hab mich ... nie beschwärt, ... schuoch zuo wischen Wickram
w. 2, 205, 26; welchem zu wischen seine schu, ich mich unwirdig achten thu Ringwaldt
evangelia (1581) c 2
a.
mit sonstigen objekten: dem (
bauern) koufften sie etlich wellen (
stroh) ab und wüsten den (
beschmutzten) wagen
Eulenspiegel 99
ndr.; achtung geben, dasz ... die fasz gewischet, der wein zu guter, rechter zeitt uf gute, reine fasze gezogen
sächs. hofordnungen 2, 63
Kern; daz diser streyt on bluotvergieszen nit vergieng, ich muest wund wüschen Boltz
Terenz deutsch (1539) 50
b; von dem kot wischen seine hend Hans Sachs 19, 90
K.-G.; jetzt werden auch noch die betten auseinander genommen und vor das haus geschleppt, werden gewischt und geklopft K. H. Waggerl
mütter (1935) 222.
kind(er) wischen tritt zusammen mit entspr. synonymen unter den oberbegriff '
pfleglich behandeln': und das kind am arm tragen ... und dik und vil ufheben, denn wüschen und anders legen
d. teufels netz 5277
Barack; (
säuglinge) die von ... weibern mit wischen und speisen beobachtet wurden Grimmelshausen
Simplicissimus 440
ndr.; wischet und seuget die kinder Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 79.
daher wischen
dann auch von (
gebrechlichen)
erwachsenen: der armen mit baden, betten, klaiden, wischen und waschen pflegende G. Alt
das buch der chron. (
Nürnberg 1493) 211
a; du solst in (
deinen kranken mann) zu und auff decken, du solst ihn trucknen und wischen Barth
weiberspiegel (1565) e 1
b;
allgemeiner: damit er nicht allein sich wischen und saubern, besondern auch seinem herren pflegen ... könne Bastel v.
d. Sohle
Harnisch aus Fleckenland (1648) 208.
absolut gebraucht, zumal in stehender verbindung mit waschen,
gelegentlicher mit anderen synonymen, steht wischen
schlieszlich überhaupt für '
reinemachen, hausarbeit verrichten':
[] ein sollich wischen und auch kehren was auch daselbst, dasz ich mich nehren müszt gar in einem kleinen spalt Fischart
flöhhatz 121
ndr.; da hilft auch kein waschen noch wisschen, fegen noch keren
M. Luther
w. 19, 607
W.; die schusterin ... liesz an ihrem trost, wischen und wäschen nichts ermangeln Grimmelshausen 2, 460, 9
Keller; se wischt und wascht den gansen dag Mensing
schlesw.-holst. 5, 667. A@3@dd)
hierher auch, von der wischbewegung genommen, mundartlich einen wischen '
jem. schlagen, ohrfeigen',
uneigentlich '
schelten',
vgl. Schöpf
tirol. 818; Lexer
kärntn. 258; Fischer
schwäb. 6, 885; Knothe
Nordböhmen 544.
deutlicher ist die ableitung in der form einem eine, ein paar (
näml. ohrfeigen), eins wischen,
z. b. Fischer
a. a. o.; Seiler
Basl. ma. 320; Crecelius
oberhess. 2, 919; Hertel
Thür. 259; Frischbier
preusz. 2, 475.
vgl. auch wischer, einen wisch geben
s. v. wisch. A@44)
vereinzelt wischen
etwas mit einem wisch (
s. wisch 1 b
β)
bestecken, zum zeichen der öffentlichen beschlagnahme oder des arrests: wan einer oder mehr an seinem heebzinsz (
der vom hofgut zu zahlende zins) saumig wirdt und denselben nicht zahlt, soll durch den vogt ... daszelb hoffgut, darvon er den zinsz gibt, gewüscht werden, und soll der wüsch darauf jahr und tag stecken bleiben und daszelbe hofgut distel und dörn tragen, und nach verlauffung des jahrs und tags ... dem hoffherren gelieffert werden (
Trier 1598)
weist. d. Rheinprovinz 234, 34
Loersch. A@55)
anders, auf einer vorstellung des zufahrenden greifens, damit der intransitiven bedeutung B 2
nahekommend, beruht die bedeutung '
fassen, greifen',
vielleicht urspr. '
den wisch,
am wisch (
s. d. 5 b)
greifen'
und mit 1
zu verbinden. entwickelt ist dieser strang im komp. erwischen (
s. d.): wischen
deprehendere Schottel (1663) 1444; wischen ...
deprehendere, quod tamen in comp. erwischen
usitatus est Stieler (1691) 2564;
vgl. Campe 5, 744; sich wischen '
sich haschen'
ebda; sonst nur mundartlich: wüschen, derwüschen '
ergreifen, ertappen' Lexer
kärtn. 261, '
haschen',
bes. im spiel Bernd
Posen 354;
vgl. jem. wischen
pincer quelqu'un en flagrant delit René Delcourt (1917) 174
b. BB.
intransitiv mit raumangabe '
sich schnell bewegen' (
vgl. die germ. parallelen unter herkunft),
aus A
abzuleiten als ursprünglich '
sich schnell wie ein wisch (
beim reinigen)
bewegen',
vgl. H. Paul
dtsch. wb. (1921) 652. (
anders, doch weniger überzeugend, ders. in: abh. d. bayr. ak. d. wiss. 22, 195.)
sekundär tritt, mehr mundartlich, ein akustisches moment des mit der bewegung verbundenen geräusches hinzu, gestützt durch die lautverwandten wisch,
interj., witsch, witschen, wusch, wutsch
u. ä., vgl.: und hörst eppas rauschen oder wischn
bei Hartmann
volksschausp. (1880) 288;
dazu wischeln '
wispern' Friedli
Bärndütsch 3, 55, '
zischeln' Jungandreas
schles. 41. B@11)
in der eigentlichen vorstellung einer rasch huschenden bewegung, bei tieren und sachen: gelîch dem snellen phîle, der ûz der nüzze wischet Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 34523; so wüscht das knie wider an sein rechte stadth (1466) Pfolspeundt
bündthertznei 86
Haes.-Midd.; wannen ich wüsche als ain hass ausz ainer hegken Nithart
Terenz 98; wie man aber nit guet sorg het, scheucht der weihe (
ein vogel) und wischt eins mals uszerm korb
Zimmerische chron.2 2, 531, 26
Barack; so hette der faden kein ursach, daz er usz der nadlen wüschet
Eulenspiegel 79
ndr.; da mans (
beim aderlassen) auff senecisch so lang laszt lauffen, bisz die seel mit dem blut ausz dem löchlein wischet Fischart
Garg. 102
ndr.; bald wider doch von wangen ein dopples bächlein wischt Spee
trutznachtigall (1649) 61; das rauschen der eidechse, die durch das gras wischt Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 134,
vgl. dazu wischen ...
[] repere Stieler (1691) 2564; wischen, wuschen
namentlich von dem hinschlüpfen kleiner tiere gebraucht, mäuse, wiesel wuschen an der erde hin K. Weinhold
schles. 105.
bei menschen von einer ähnlich raschen bewegung, am nächstkommenden von der fallbewegung: und ûz dem satel wischete gælichen ûf den anger Konrad v. Würzburg
Engelhard 2625
H.-J.; hinder sich mit dem fusz stiesz er (
der priester) den meszner krefftig an sein brust, dasz er rückling an boden wuscht und nider auff die erden sanck A. J. Widman
hist. Peter Löwen (1573) c 6
a. '
eilig springen': also wischet er oder sprang usz der buolerin huse
Terenz deutsch (1499) 53
a; der meister wuscht von stund usz dem bet
Eulenspiegel 80
ndr.; da wüschet der knecht flux zu dem feur und nam das huon aus dem hafen
V. Schumann
nachtbüchlein 15
Bolte; alszbald du diesz gehört, von dar zu ihnen (
gästen) wische Wencel Scherffer
grobianer (1640) 121; weil wir aber ... in einer kammer gehen hören, wischten wir geschwinde von einander Joh. Beer
weltkucker (1679) 3, 57; als man sie (
die lade) öffnete, hüpfte es (
ein schwarzes männlein) heraus und wischte hintern ofen
dtsche mythologie 1, 424;
auch: hierüber sind die Sachsen wider in harnisch gewischt und haben denen in den festungen herter, denn zuvor je geschehen, zugesetzt Cyr. Spangenberg
mansfeldische chron. (1572) 195
b.
allgemeiner '
sich rasch wohin begeben', '
eilen',
auch '
fliehen': die haben erfunden, das die armen lut ... mit irer hab in den kirchof gewischen (
z. j. 1490
Augsburg)
dtsche städtechron. 25, 352; der landgrafe aber wäre ... durch Goslar ohne gleite hindurch gewischt
M. Luther
tischreden 3, 637
W.; so kehrt er (
der fisch nautilium) geschwinde das schiff unter uber ... und wüscht damit in die tieffe zuo grundt Heyden
Plinius (1565) 367; sie begehrten aber gleichwol den strauchrauber nicht anzupacken, umb ihne der obrigkeit zu übergeben, sondern lieszen ihn in den wald wischen Grimmelshausen 2, 393, 13
Keller; so musz er (
der simplicist) je zu zeiten auch mit einem zedelin in die apotheek wischen Moscherosch
gesichte (1650) 1, 174. '
gleiten': jetzt wischt wohl sein (
des toten) schatten in der nacht längs dem wilden wege Gust. Freytag
ges. w. 8, 303. '
sich eilig bewegen'
mundartl. allgemein verbreitet, z. b.: Fischer
schwäb. 6, 885; Crecelius
oberhess. 919; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 673; Bauer-Collitz
waldeck. 114; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 564.
die alte sprache erweitert diesen gebrauch noch mehr zu '
rasch fahren, reisen, wandern': da musz sy (
die eiche als schiff) über (
die fische) wischen Heinrich v. Neustadt
Apollonius 16628
Singer; über das pirg, pisher unwegsam, darüber gar niemant komen möcht, geacht, unversehenlich gewischt warn Aventin
s. w. 4, 1, 280; die Vandali als recht wandersleute ... sind uber den Rhein gewischt P. Albinus
meiszn. land- und bergchron. (1589) 38; sich leicht bewegen, fliegen, in der luft daherwischen Neander
menschenspiegel (1560) 76
b;
dies klingt vereinzelt später nach: ich will diese ferien nach Leipzig wischen K. Lachmann
an M. Haupt (1840)
br. 59.
hauptsächlich steht in die neuzeit ein gebrauch mit dem beisinn des heimlichen, unbemerkten huschens durch; vgl. auch mundartlich sich wǟšn
sich heimlich entfernen Kisch
Nösner wörter 170, wuschen
heimlich und schnell sich bewegen Knothe
Markersdorfer ma. 125; wischen
unbeurlaubt einen kurzen besuch machen Frischbier
preusz. 2, 475,
vgl. auch unterm wisch
sp. 708: darumb so spricht er (
Terenz) nit 'wannen ich gienge oder keme', sunder 'wüschte oder entrinne' als aus ainer unerbern stat Nithart (1486)
Terenz 98
lit. ver.; die aber mit verachtung des segens vor der zeit aus der kirchen wischen Joh. Pomarius
grosze postilla (1590) 1, 104
a; es währet nicht lange, mein guter freund wischt mit der jungfer in die kammer H. v. Schweinichen
denkw. 38
Österley; [] dann wischte er (
der schneider) eilig und leise wie ein schatten um die ecke O. Ludwig
ges. schr. 2, 314; unbemerkt wischte ein frauenzimmer zur thür hinein A. v. Arnim 11, 53; Lisette hat inzwischen versucht, in Sophiens zimmer zu wischen A. Müllner
dram. w. 5, 313; Trude wischte aus der türe H. Zillich
zwischen grenzen u. zeiten (1936) 383.
durch entsprechenden zusatz gekennzeichnet, '
entwischen'
; vgl.: echappiren entlauffen, davon wischen Sperander (1727) 220
a; aus der hand wischen
elabi e manibus Wachter (1737) 1916.
auch hier ursprünglich auf der sinnlichen vorstellung eines raschen entgleitens beruhend: gleich wie eine schlange eine glatte haut hat und einem durch die hände wischet
M. Luther
tischreden 1, 54
W.; dan jener (
der glöckner) wan ihm das seil aus der handt wische, könn er es leicht wieder ereilen Zinkgref
apophthegmata (1628) 1, 316;
im bild: er möchte sie aus ihres vatters haus entführen, bevor ihnen die gelegenheit hierzu gäntzlich aus den händen wischte
F. M. Pinto wunderliche reisen (1671) 373; der kerl wird mir doch nicht aus dem garn wischen Kretschmann
s. w. 4, 142.
abgezogener: meynten sie, er wolt darvon fliehen ... die kriegsleuth theten sich nahe zusammen, daz er nicht darvon wischte
buch d. liebe (1587) 227
a; so oft wischt er (
ein ochse) mir gar behend gleich einem wind durch die händ Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 438; auf den münzmeister aber, der seine denkungsart auf münzen offenbaret, wird der (
ein neuer Lessing) sich wohl nicht einmal herablassen wollen und dörfen, denn dieser wischt durch die hände Herder 3, 429
S. auf ähnlicher vorstellung beruht die sprichwörtl. redensart durch den bauch, magen wischen '
verpraszt werden': ja es faren offt eim durch den bauch rosz, wagen, hausz, hoff, wiszen, äcker, dann spricht man: es ist im durch den bauch gewischt Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 23
a; es ist ihm ein steinern haus durch den magen gewischt W. Körte
sprichwörter (1837) 194. B@22)
im besonderen wischen
mit auf, an, über
u. a. '
fassend nach etwas sich bewegen',
z. t. mit der sinnlichen vorstellung einer arm- oder handbewegung, hier sich eng mit transitivem wischen '
greifen' (A 5)
berührend: wenn mich einer vorn jhns wammess fast, so wisch ich mit meinem elnbogen hart an seine faust Fab. v. Auerswald
ringerkunst (1539) c 4
b; Fortunatus wüschet bald an sein wammesz, ... befand, das er (
der glückssäckel) ym auch abgeschnitten was (1509)
Fortunatus 52
ndr.; wie leicht wöllt ich dem gifftigen mit den negeln in die augen wüschen (
in oculos involem) (1486) Hans Nithart
Terenz 116
lit. ver.; der sechst wuscht mir in knebelbart H. R. Manuel
weinspiel 89
ndr.; rieff ein italienischer soldat ihn an, dem wuscht er an die kälen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 282
a.
auch: dafern du ihr messer liegen siehst, alszbald zu diesem wisch Wencel Scherffer
Grob. (1640) 29.
daraus allgemeiner '
jemand anfallen, überfallen': so laüfft aber ein narr herzuo ... und wüscht mit feusten über den armen lotterbuben Jac. Frey
gartengesellschaft 16
Bolte; darüber der graffe gewand und unversehens mit einem schweinspies oder spere auf den pfaltzgrafen gewischt und ihn durchstoszen Cyr. Spangenberg
mansfeldische chron. (1572) 181
a; geschwind wischte der fuchs über sie (
die spatzen) her und frasse sie Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 527; derowegen (
aus hunger) ... wischete er (
der wolf) alsbald hinein (
in den schafstall) über die schaaf
ollapatrida 292
Wiener ndr. auch militärisch '(
überraschend)
angreifen': he mit sinen mitburgeren wusten ius (
aus) up ir viande ind schuffierde ir heir sere groislich (1499
Köln)
dtsche städtechr. 13, 308; eine solche formidable armee ... die über den Türcken mit sechsmal hunderttausend mann wischen könnte Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 237;
vgl. noch: über einen
[] wischen
aliquem impetuose aggredi et invadere Nath. Duez
germ.-gall.-lat. (1664) 686
b; drüber herwischen
injicere, invadere, impetum facere Stieler (1691) 2565.