Wisch,
Wischel m.: 1. was gebündelt, gebüschelt ist. a. 'Büschel aus Stroh, Ähren, kleine Garbe', wird nicht mit Strohseil, sondern mit dem Getreide selbst gebunden,
Wisch [mancherorts im Gebiet zwischen Rockhs Neustdt Lu'haf vereinzelt übrige Pf Christmann Kaulb 89 Müller Dietschw 72],
Wischel (wišəl) [RO-Sippf KB-Bubh Gauhh FR-Höning Kirchh N'lein NW-Bobh Elmst Lambert Penns 179];
Dim. Wischelche (wišəlχə) [KU-Kaulb RO-Duchr/O'hs];
vgl. K. 146 u.
Garbe1,
Wispel3; Zs.:
Korn-,
Strohwisch 1. — b. 'gebüscheltes Stroh, Zweige o. ä., um das obere Ende eines in den Boden gesteckten Pfahles gewikkelt', als Warnungs-, Verbotszeichen, einen Acker, Wiese, Weinberg, Weg zu betreten, abzuernten, hier Schafe zu weiden u. ä., [mancherorts, WKW 71 Stoll 51, 179 Krämer Gal 243];
vgl. wischen 3,
Wischer 2;
s. Abb. 95; Zs.:
Ab-,
Sperr-,
Strohwisch 2.
Er hot en W. gesteckt [LA-Gommh]. RA.:
Der kriet e W. in de Hawe (Hafen)
gesteckt, sagt man, wenn einer zu spät (zum Essen) kommt [KU-Bedb Diedk Kaulb ZW-O'hs]. a. 1549:
Item so ein gemeinsman ein eygert 'Brachland'
hat in der mark zwuschen den wingarten ... und er begert dieselbig geheuet 'gehackt'
zu haben, sol derselbigk ein wsch uff gemelt eygert stecken [MHVPf. 83/1985 (LA-Maik)]. a. 1747:
Die hier eingeführte Weis zu zehnten ist folgende: Der Ackersmann fängt an zu binden, wo er den Acker mit dem Pflügen anfängt, fort zurück die Garben zu zählen und die zehnte mit einem von der Garb aufgezogenen Wisch zu zeichnen und liegen zu lassen [Kreuter Haust. 46]. a. 1768:
Weisung, daß ... diese überflüsig und schädliche Weeg alsogleich abstellen, und das dis falltige Verbott durch ... gräben, auch aufstellende Wüsche ... bekannt machen [Kurpf. 1648/8 (NW-Wachh)]. — 2. was zum
wischen dient. a. 'Putzlappen' [FR-Bockh]; Syn.
s. Aufwäschlumpen. — b. 'abgeschnittener Vogelflügel', zum Abkehren von Mehl usw. [FR-Bockh Lu'haf]; Zs.:
Feder-,
Flatter- 1 a,
Flätt-,
Fleder- 1 a,
Gänsewisch. — 3. '(unordentliche) Haare, Frisur, Haarsträhne' [KL-Katzw PS-Erfw LU-Opp NW-Elmst]; Zs.:
Hudel- 2 a,
Strubbelwisch 1.
Hasch än rechder W. uffem Kopp! [PS-Erfw]. RA.:
ene am W. packe (krieje) 'einen festhalten' [RO-Schweise KL-Katzw]. Volksgl.:
Wann en Gaul g'faundert is 'lahmt',
nemm en Appel oder Grumbier, schneid sie in der Mitt darich, du drei Wischel Hoor neiⁿ vume verbergne Platz un fieders 'm Gaul [Fogel Beliefs Penns Nr. 728]. — 4. 'ringförmiges Kissen als Unterlage für Kopflasten' [HB-Alth Nd'gailb Peppk Seyw Utw IB-Bebh Bliesmg Gersh Habkch Reinh Rubh Witth PS-Hilst GH-Berg Büchbg Neubg Scheibhdt]; Syn.
s. Ring 1 b. — 5. 'Schreiben, Brief, Zettel', verächtlich, bes. für schlecht geschriebenes oder amtli- ches Schreiben [mancherorts, Klein Prov. 234 Thielen 123].
Vom Vet'rinäramt kam ein W. [Albert Oppschuhmacher 39].
Uff dene W. war se ganz besunnersch stolz [Schneider Singersepp 27].
Noht awer, wenn ma »
jo«
gesaht hat, / wenn ma der Wisch unnerschrieb hat [Kraus Putscheblum 42]. — 6. 'unordentliche, flatterhafte Frau' [LU-Friesh Opp SOPf (Heeger Nachl.)]; Zs.:
Flatter- 2 a,
Fleder- 3,
Hudel- 2 b,
Irr- 2 a,
Strubbel- 2,
Urrwisch; Syn.
s. Drecksack.
E iwwerzwerges weiblich Wese / Hääßt Goje, Sorle, W. und Bese [Kühn Kumödi 2]. — 7. Weitere Zs.:
Abkehr-,
Arsch-,
Ballen-,
Palmen-, Bart-,
Brimmen-,
Flatter-,
Fleder-,
Gewürz-,
Heft-,
Heu-,
Hudel- 1,
Irr-,
Kehr-,
Kirbe-,
Laub-,
Mai-,
Nacht-,
Strudel-,
Weihwasser-,
Weih-,
Zottelwisch. —
Rhein. IX 582 ff. Wisch; 585 Wischel; VII 740 K. VII 14 Büschel aufgelesener Ähren;
Lothr. 545;
Els. II 873 ff.