knopf ,
m. nodus, globulus. II.
Formen und verwandtschaft. I@aa)
ahd. chnoph, chnopf,
mhd. knopf;
altfries. und noch neufr. knop (
s. Richth. 876
a),
älter engl., schott. knop,
mnd. knop
neben knoop Dief. 382
b (149
b),
doch kann auch mit 'knop' knôp
gemeint sein. im nnd. gilt nämlich fast durchgehends vielmehr knôp (
s. unter knauf);
doch göttingisch bei Schambach 105
b auch knop,
pl. knöppe,
wo aber mitteld. einflusz möglich ist. nl. knop,
neben knoop
in beschränktem gebrauche, entspricht nicht ganz, s. c. I@bb)
diesz knôp
aber entspricht vielmehr dem hd. knauf,
das zu knopf
in verhältnis steht wie traufe
zu tropfe,
auch wie klosz,
mhd. klôʒ
zu klotz (
s. d.),
die zugleich mit völliger einheit der bed. ein reines seitenstück zu knôp, knauf : knopf
darstellen. alle drei fälle stimmen auch darin überein, dasz nach dem kurzen vocal der geschärfte, nach dem langen der weichere laut steht, eine unterscheidung die doch nur in der hd. sprache ausgeprägt ist. wieder anders ist der vocal entwickelt in knaupe
knöchel, knorren, beule (
s. II, 1),
denn das wurde aus knûpe;
dazu vielleicht schott. knoop
gleich knob
knorren, und so stehen als schwesterformen nebeneinander (
mhd. gefaszt) knûpe : knouf : knopf,
mit deutlicher ablautung, ganz wie bei nd. klûte :
mhd. klôʒ : klotz,
und das gleiche wiederholt sich bei knoten. I@cc)
dazu stimmt eine vierte selbständige form, nd. und md. knuppe
m. und f. (
auch knubbe, knobbe)
knorren, knoten, s. II, 1. 5,
e. 9. 10,
e; älter md. (15.
jh.) knupp
nodus Dief. 382
a,
nexus 379
c (
s. 11);
daher wol knupf (12,
c).
auch mit umlaut westf. knüppe Lyra
plattd. br. 123
fg., ostfr. knüpp
knoten Stürenb. 117
a.
und mit gebrochnem vocal, wie knopf,
md. 15.
jh. knoppe Dief. 382
a. 261
a,
wie noch bei Stieler (II, 5,
e),
auch nnd. Fromm. 3, 379,
mnl. (II, 4)
und bei Kil. knoppe,
jetzt knop,
aber im pl. knoppen.
den ursprünglichen vocal zeigt auch noch knüpfen. I@dd)
aus dieser ablautung aber heraus tritt die nord. form, altn. knappr (
auch hnappr)
m. knopf, knollen u. ä., norw. schwed. knapp,
dän. knap
knopf, knauf, neben schwed. knopp,
dän. knop
knospe (II, 5),
vgl. norw. knôp
unter II, 1,
b. dieser eigne vocal auch in schott. knap
knoten, knorren z. b. an einem baume, wol auch in altfries. knap (
s. II, 16),
in fläm. knab
knollen (II, 8),
vielleicht sogar hd., da schwäb. knab,
pl. knäbe
für knopf angegeben wird (Birlinger);
es ist wie neben knochen (I, 2)
oberd. knacken,
neben knorren
nd. knarre,
engl. knar.
so gehört wol auch ags. cnäp
berggipfel, hügel hierher, nordengl. schott. knap,
denn es heiszt schott. auch knop
und knoop,
und ebenso entspricht unserm knollen
ags. cnol
hügel, gipfel, unserm knoten
nordengl. knot
felsiger berggipfel Hall. 498
b,
vgl. auch knocke 4, knübel 3;
es findet sich auch auf deutschem boden in nd. knap
m. anhöhe Schamb. 105
b, Fromm. 6, 215, Kuhns
zeitschr. 2, 83. 479, knep
Aachener mundart 115,
vgl. II, 9
a. e.; zu dem ablaut darin können stimmen knips, knups
knirps, wegen der bed. s. II, 13,
a. auch knebel
kann hierher gehören, da sein e
auf a
zurückgeht. [] I@ee)
aber auch in dem auslautenden consonanten ist bewegung, wie so oft; denn neben hd. knopf, knauf
steht hd. knaupe
und knopper,
auch knüppel (5)
knoten, und knöbel, knübel
knorren (
vgl.knab
unter d),
und auch die vierte oder fünfte mögliche gestaltung des consonanten liegt vor in bregenzerw. knöver
höcker (
s.knöber).
ebenso stehen nd. knovel (
s.knöbel) : knobbe (
auch md.) : knôp
zu einander, engl. knob : knop.
ebenso ist es bei knochen
und knoten,
sie sind dem knopf
wahrscheinlich stammverwandt, s. darüber knochen I, 3,
b. I@ff)
fürs hd. ist noch zu bemerken die schreibung knoff
im 15. 16.
jh. (
s. unter II, 9. 13,
b),
ebenso knoffeln, knoffecht, beknöffen,
wie ahd. knuffan
gleich chnuphan, chnupfan
knüpfen, noch Schöpf 329
gibt aus Tirol knoaff
knopf, knoaffn
knöpfen, vgl. mährisch kiffel
für kipfel Fromm. 5, 213.
es ist ein nachklang der alten strenghd. lautgleichheit von pf
und ph (f),
vgl. noch im 15.
jh. knoph Dief. 382
a,
s. auch kaffen, klaffen
und sp. 1223
unten. I@gg)
mitteldeutsche voc. des 15.
jh. geben knop Dief. 382
a (
vgl.knöpfen 1,
b),
ebenso Trochus R 2
b und zwar als fem. dy knop
apex, knauf, knopf am messergriff; doch könnte das gekürztes knoppe
sein. aber der knopp
ist noch die ostmd. form (
vergl. unter knöpel).
merkw. aber auch hd. pp
unter knöpfeln 1,
c. I@hh)
die verwandtschaft mit knoten
und knochen
bestätigt auch die bed., sie bezeichnen eig. allerlei rund und fest hervortretendes, und auch bei knopf
könnte das ausgegangen sein von den knöcheln am leibe, s. II, 1,
b und knöbel. IIII.
Bedeutungen. II@11) knopf
am körper. II@1@aa)
knoten, knorren, auswuchs, geschwulst, so möglicherweise schon in ahd. 'cnopf
bulla': dʒ er curiert hab einen jungen uszsetzigen, dem in dem antlitz anfingen knöpf zu werden. Gersdorf
wundarznei (1528) 92; von dem knopf, das ist ein zufall so sich auf der hand oder auf dem fusz begeben und groszen jammer anrichten kan. oftmalen begibt es sich dasz einer auf ein hand oder auf das gerüste des fuszes geschlagen wird, und dieweil an demselbigen ort sehr viel bein und nerven ligen, so kans leichtlich geschehen dasz derselbigen eins oder mehr verletzet werden. und dieweil ein geschwulst darbei ist, so vermeint man gemeinlich es seie alles nur geschwulst, welches doch nicht ist. Würtz
wundarznei (1612) 349,
überbein, ganglion; wann einem bei der wunden oberhalp ein knopf (das ist ein harter düssel, welcher mechtig wehe thut) wolte wachsen. 290; geschwulst und knöpfe auf der (
goldenen) ader. Hohberg 1, 285
b. 286
a; ein überaus schmerzhafter knopf oder geschwür an dem genick. Schöpf
tir. id. 330
aus einer schrift von 1738.
alte segensprüche, womit der knopf
oder tropf und knopf
versprochen ward, in Mones
anz. 6, 468. 469,
wol gleich knüpfen 1,
c von der englischen krankheit. noch tirol. beule, z. b. den kopf voll knöpf kriegen
im raufen Fromm. 6, 298.
s. dazu knöpficht, knüpfel 5
und knaupe
geschwür (
vgl. I,
b).
ebenso ditm. knuppen
knoten im gesicht, engl. knob,
götting. gnuppe
f. blatter Schambach 66
a,
nrh. knupp
m. beule Aachener mundart 119. II@1@bb)
ob nicht auch knopf
für knöchel gebraucht ward? denn knote, knorre, knöchel, knochen, knöbel, knübel, knaust, knolle,
lat. nodus
haben ebenso diese mit jener bed. gemein, und Aasen 227
a gibt wirklich norw. knôp
m. knöchel (
wie knôk).
altengl. þe knop of þe kne (
knie),
s. Stratm. 116. II@1@cc)
bemerkenswert ist ferner, dasz nd. knôp
für kopf gebraucht wird, z. b. enem den knôp herunder slân
brem. wb. 2, 829, wat im knœpken hebben,
im sinne haben Schambach 107
a, he hat wat im knaupe (
westf. für knôpe),
er ist betrunken Lichtenberg (1800) 3, 41,
daher siebenb. knoppedotz
schädel, kopf Frommann 4, 414 (
vgl. knibbeditz
unter knips 4);
auch engl. knob
und nob
ist volksmäszig derb so gebraucht. Luther
kennt den volksausdruck schon (
s. knöpflein 6),
in einem witzigen närrischen recept aus dem 15.
jh. aber wird u. a. vorgeschrieben zu nehmen vier lot pluts von eim swertsknopf
fastnachtsp. 1198,
auch Germ. 8, 64,
was nur darin seinen sinn und witz hat dasz der knopf
zugleich kopf
ist (
in der bed. 9
sind beide wörter mehrfach gleich im gebrauch).
auch in einem fluch gottes knopf!
musz es verhüllend für kopf
stehn: gots knopf, las dem wirt sein ru!
fastnachtsp. 567, 20,
vgl. dazu die flüche 2, 279
ff., besonders box grint (
d. i. gottes kopf).
s. auch knauf 1,
c. II@22)
an gewächsen, wie knoten, nodus, II@2@aa)
z. b. an halmen, geniculum, γόνυ: articuli segetum, knöpf oder gleich (
gelenke). Frisius 113
a;
[] Ambrosiusder lerer grosz spricht in einer sermone, du (
Maria) seist ein rutvor knöpf behut, der erbsünd frei on wone.
N. Manuel 299,
vgl. unter knoten 5; one knopf, glatt,
enodis. Maaler 246
c; der weisz glestig flachs, der da ganz fein, glat und zart ist, on alle ägnen, er ist ganz lauter und clar on alle knöpf. Keisersberg
geistl. spinn. (
granatapf.) L 3
a. II@2@bb)
sprichw. ein knopf du in der binzen suchst.
übers. Terenz Straszb. 1499 34
b, nodum in scirpo quaeris
Andria 5, 4, 38,
von einem eitlen, sinnlosen bemühn, peinlich ängstlichem suchen; aber die welt muosz ein knopf an einer binzen, das liecht in der finsternüs suochen. Frank
weltb. vorr.; dʒ wir nit ewig ein knopf an einer pinzen suochten. 23
a; noch andere tausent zeugnus mehr könt ich ... anziehen, aber was darf ich vil knöpf an einer binzen suchen. Fischart
Garg. 126
a (228). II@2@cc)
noch im 18.
jh. auch bei md. und nordd.: knopf an einem rohr Rädlein 551
b.
spargelkopf (
vgl. 1,
c): welche menge rother knöpfe zeiget uns der spargel nicht. Brockes 5, 283. II@33)
knorren, astknorren: knoch oder knopf an holz,
vertex. voc. th. 1482 r 1
a,
vgl.holzknorre
vertex Dief. 617
b; ein groszen spiesz er bei sich trug von knöpfen grob und rauher art. Spreng
Aeneis 404
b,
vom knorrigen schafte, bei Virg. telum immane, solidum nodis 11, 553;
trinodis clava, kolb (
keule) der drei knöpf oder knorren hat. Frisius 233
b; knopf an einem baum, knorre,
noeud. Rädlein 551
a.
s. ästig oder knöpfig
von stangen unter knöpficht 1.
so engl. knob,
nd. knubbe,
niederrh. knupp.
vgl. weiter 13. II@44)
der flachsknoten,
die samenkapsel: adula, caput lini, knopf von dem flachs,
mnd. knop Dief. 14
c,
mnl. knoppe, knope Mones
anz. 6, 440. 447;
man findet norddeutsch flachsknoppe
als fem. vgl. knauf, knoch
so. II@55)
besonders knospe, keim, fruchtknoten, gewiss uralt, obgleich die belege erst mit dem 15.
jh. beginnen, s. dazu knüpfen 1,
b. vgl. ehsth. nup
knospe, nuppikenne
knöspchen, wol entlehnt. II@5@aa)
allgemein: oculus, ein newer knopf. Brack 32
a (Dief. 393
a); knöpf an den boumen. Keisersb.
bilg. 115
d. 116
a; knopf eines gewächses,
tuber germinis. Stieler 998; tust (
betrügerisch) unter mandel pfirsingkern und unter weinper muckenkopf, für muskat aichenlaubes knopf.
fastn. 478, 10.
vom fruchtknoten (
man bemerke knoten): knopf
oder berprosz,
nodus. voc. th. 1482 q 8
b, berprosz
ist genau '
tragknospe', berknopf 1, 1525,
s.bären
und brosz (
ebenso berbolle 2, 232, berbollen ald berbröm
gemma Dief. 259
b); jetzt, da die blüthenknöpfe wieder quellen. Uhland
ged. 547. II@5@bb)
besonders auch blumenknospe: gleich wie die rosen ausz iren knöpfen sich gegen der sonnen aufsperren. Forer
fischb. 134
a; aus aufgeschossenen söhnen hat die verzweifelung soldaten gemacht, die kleineren hat die beschwerliche armut als gleichsam noch unzeitige knöpfe abgebrochen. Rompler
reimget. vorr. s. 4; wie der kecke rosenkopf seinen jungen hals erhebet ... bald doch vor dem nord erbebet und hengt ab den welken knopf. Fleming 345 (268
L.); der jungen rose gleich, die jetzt jetzung raus geht aus ihrem knopf und wächst, in dem die sonn aufsteht. Werder
Ariost 10, 11, 4; o blumen, welchen wir in wahrheit zu vergleichen! die schleuszt den knopf kaum auf, die steht in voller pracht. A. Gryphius 1, 105,
auch von rosen; wenn sie (
die lilie) den knopf entschleuszt.
ders.; wie der sonnen frühes blitzen ... auf den halb gebrochnen spitzen junger rosenknöpfe spielt. Günther 176,
aber s. 177 knospen; kein knopf, kein fäserchen, kein stengel und kein blatt (
vom rosenbusch). Brockes 1, 95 (1728),
kurz vorher knospen; die unaufgegangne blumen oder die knöpfe (
der hyacinthe).
natürl. zauberbuch Nürnb. 1762
s. 630
u. ö.; hast du (
Flora) in deinem körbchen junge lilien oder rosenknöpfe frischer als sie hier sind? (
auf dem busen des schlafenden mädchens). Götz (1785) 2, 107,
diesz knopf
zugleich für papilla entspricht völlig dem begriff des wortes. [] II@5@cc)
ebenso knopf
für kelch
im eig. sinne (
sp. 507): calyx .. rosenknopf, der knopf am blumen (
sg.),
nl. de knoop van de bloeme. Junius
nom. 86
b,
auch engl. knop; die grünlich weisze blüt und laub musz aus den knöpfen fallen (
wenn sich die frucht ansetzt). Harsdörfer
Nathan u. Jotham 2, 45
nr. 38; der knopf oder das schächtelein ist der gehalter (
behälter) des blusts oder der blume. Muralt
eidgen. lustg. 11; blumenknopf
calyx Stieler 998.
ebenso eig. knospe. II@5@dd)
diesz knopf
ist in der schriftsprache erst in der zweiten hälfte des 18.
jahrh. durch das unlebendigere knospe
verdrängt worden, während es Denzler, Rädlein, Steinbach, Frisch, Kirsch
noch anführen. Adelung
aber gibt an, es sei in der neuern botanik für eine gewisse art blüten angenommen worden, bei denen die blumen in runder oder halbrunder gestalt gedrängt an einander sitzen, verticillus bei Linné, zum unterschied von dolden, büscheln, trauben.
jene bed. lebt aber noch weithin in lebendiger rede, wol durch ganz Süddeutschland (
auch fränkisch Frommann 2, 170, Schleicher
Sonneberg 68,
hier besonders im dem. knöpfla). II@5@ee)
auch die md. und nd. sprache hat es noch heute, doch in nebenformen, es heiszt sächs. knuppe
f., ditm. knuppen
m., märkisch knoppen Danneil 110
b (
aber knôp
knopf),
nrh. knopp,
wie nl. knop (
m.),
pl. knoppen,
früher knoppe (
sg.).
unter dem einflusz dieser md. nd. nebenformen findet sich denn auch schriftdeutsch knopfen pl.: er (
der kukuk) kommt frühlingszeit mit rückung derer knopfen und gehet gleich nach johannistag wiederum weg. H. Fr. v. Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 153; so ist er (
der eichbaum) doch von der kälte und frösten, nemlich (
namentlich) im frühjahr, leicht an seinen knopfen zu verderben, deswegen die natur ihn am allerlängsten mit seinen knopfen zurück behält. 166
u. o. die eigentliche md. form ist knoppe
germen Dief. 261
a (15.
jh.),
noch bei Stieler 998.
auch mnd. knoppe,
ex quo proveniunt flores Dief. 329
b s. v. ligustrum (
in andern vocc. das. knotte, knot).
auch dän. knop,
schwed. knopp,
engl. knop,
altengl. knoppes
pl. von rosen Halliwell 498
b,
vgl. auch nd. knobbe, knubbe
knospe. II@5@ff)
bemerkenswert ist übrigens, wie die bedeutungen knospe und knopf sich auch beisammen finden in frz. bouton,
it. bottone,
sp. pr. boton,
die deutschen ursprungs sind; sie gehen zurück auf hd. butze
knospe, fruchtknoten (
s. 2, 590. 591),
vgl. it. boccia
knospe und kugel, bozza
beule, mailänd. butt
knospe, u. s. w. (
s. Diez 64. 65),
it. bozzetto
knospe, engl. bud
knospe, nl. bot,
hd. butte
in hagebutte.
der begriffskern ist auch da das rundliche derbe, das heraustritt, wie denn auch sonst die knospe deutlich als '
knoten'
bezeichnet wird, s. z. b. knüppel 5, knöger. II@66)
kugel, zwar selten, aber vermutlich alt (
vgl. 8
und 9): kupferin knöpf fult er mit feür. die er vor im auf scheiben an stangen hin liesz treiben. Behaim
Wiener 97, 26,
mit feuer gefüllte kupferkugeln als geschosz. knopf goldes,
goldne kugel: ein wunderparlich werk von einer uhr, das alle stund wie vil es schluog so vil knöpf goldes in ein darzuo gemacht becklin warf. S. Frank
Germaniae chron. (1538) 77
b.
ebenso bisamknöpf,
die eine frau bei sich trägt des wolgeruchs halber, Fischart
pod. trostb. 667
Sch., bisamknopfig
Garg. 161
a,
noch im 17. 18.
jahrh. biesenknopf
bulla moscho fragrans Stieler 997,
olfactoriolum Steinbach 1, 887, biesemknopf
pomme de senteur Rädlein 149
a,
bisambüchse in gestalt einer kleinen kugel Adelung. II@77)
daher noch von mehlklöszen Frisch 1, 529
b,
nürnb. hefenknopf
hefenklosz Schmeller 2, 374 (
s. knöpflein 3): wann dem gesinde klösz, knöpf und ander zugemüs von mehlwerk gereichet wird. Hohberg 3, 1, 61
a;
vgl.knödel
so von knoten 9.
doch enthält das zugleich die folg. bedeutung, wie klump
auch von mehlklöszen gilt. II@88)
auch für klumpen überhaupt, wie klosz, klotz,
die ebenfalls kugel bedeuten: in disz werk (
den menschen) setzt gott einen knopf zuosamen alles des, das er in den andern geschöpften einzlingen zerteilt und gewirkt hat. Keisersb.
bilg. 28
d. 29
a.
noch schweiz. in éinen knopf nehmen,
alles oder alle ohne unterschied zusammen vornehmen, durchnehmen, abthun, s. Schmidt
bei Frommann 2, 372
b,
auch Tobler 111
a, in em chnopf
auf einmal das.; nrh. knupp
klumpen Aachener mundart 119,
in Hagens
Cölner reimchr. 2145 vunfzein hundert mark an eime knuppe,
auf einmal. s. ebenso klosz
sp. 1246 (2,
b).
ein engl. dial. dem. knoppit,
a small lump Hall. 498
b deutet auch ein engl. knop
klumpe an, vgl. knobbly
klümperig 498
a und dazu knöpfen 4.
auch mit der I,
d besprochenen nebenform fläm. knab
klump, derbes stück, z. b. butter, holz Schuermans 260
b.
[] II@99)
gleich knauf,
schon ahd. knopf
conus, auch altengl. knop,
nl. knop,
pl. knoppen,
dän. knap,
schwed. knapp,
altn. knappr.
nd. mitteld. wieder auch knuppe. II@9@aa)
am schwerte, gewiss uralt (
mhd. wb. 1, 854
a): ir schirmen (
kämpfen) was als swinde, daʒ in die swertes knopfe hine sprungen.
Gudr. 367, 4,
von der heftigkeit der hiebe hinten ab sprangen; o wol mich, swert daʒ ich dich hân! ... ûf dînem knopfe ich des swer.
Wigal. 168, 13,
s. RA. 166; in dem zuckt er stracks dʒ schwert und stiesz dʒ durch den künig, so tief hinein das der knoff durch in gieng, bisz an die lamel, wann das schwert het kainen knopf, also das der speck (als er faiszt was) über das schwert gieng das man es nit sach. Keisersberg
granatapf. (
siben schwerter) f 4
d,
nach richter 3, 22;
in der nicht ganz klaren stelle musz aber das erste knoff (
für knopf)
den griff überhaupt meinen, es entspricht dem capulus
der vulg. (ut capulus sequeretur ferrum in vulnere)
und capulus
wird wirklich mit swertknauf, swertsknopf
glossiert (Dief. 99
a),
in Schröers
md. voc. v. 1420
nr. 365
mit swertknof (Dief.
n. gl. 74
b),
das wird aber knôf (knouf)
sein und eine absichtliche unterscheidung von knoff
und knopf
in doppeltem sinne wäre erst der späteren schulmeisterei zuzutrauen. der knopf
wird aber danach das hauptstück des griffes gewesen sein. II@9@bb)
der knopf des schwertes ist auch gemeint in dem sprichworte: was der knopf gesiegelt, soll die spitze vertheidigen. Graf
u. Dietherr
rechtsprichw. s. 525 (Simrock 5789),
man siegelte nämlich auch mit dem schwertknaufe, z. b. Karl der gr., von dem der spruch herstammen soll, s. das. s. 528 (sein insigel hatte er auf seinem wehrknopf Zinkgref 1, 8).
daher auch die redensart: knopf oder spitz, welchs du wilt. Lehmann
floril. 1, 153,
d. i. vertrag oder tod, nachgeben oder sterben! jetzt steht der Griechen tod und leben auf spitz und knopf gefährlich schweben. Spreng
Ilias 204
b,
auf der notwendigen wahl zwischen '
spitze und knopf',
bei Homer anders ἐπὶ ξυροῦ ἵσταται ἀκμῆς 10, 173,
vgl. bei Aler 1217
a 'es ist spitz und knopf beisammen,
stamus in acie novaculae',
d. h. wol es ist keine wahl mehr? auch weiter verwischt alles auf den knopf setzen,
auf krieg und gewalt (
vergl. 1477
unter b a. e.): setzt nicht alls auf den knopf. Opel
u. Cohn
dreiszigj. kr. s. 295, 40. II@9@cc)
auf thürmen u. ä. (
ehstn. nup,
entlehnt),
mhd. Erec 7865: knopf, als auf einem turn oder gehewse (
z. b. einem sacramentshäuschen),
tholus. voc. th. 1482 r 1
a; die verglasten knopf auf die thuren (
thürme) und erker umb die stat. Tucher
Nürnb. baum. 105, 7;
auch erkerknopf
das. (
s. sp. 319
mitte, sie sind vom töpfer gefertigt); ich erstieg ganz allein den höchsten gipfel des (
Straszburger) münsterthurms und sasz in dem sogenannten hals, unter dem knopf oder der krone wie mans nennt. Göthe 25, 252,
bei S. Frank
von demselben: mit viij. engen schnecken (
wendeltreppen), darin nit mer dann ein mann in eim jeden bisz zum knopf .. mag hinauf steigen, vil mer kriechen.
Germ. chron. Augsb. 1538 282
b; und was sonst noch wunderbares knopf und gipfel (
an dem römischen denkmal zu Igel) verzieren und verziert haben mag. Göthe 30, 156. II@9@dd)
auch knopf auf der seul,
epistylium. Dasyp. 279
b. 313
b,
wie knauf,
capitell, bei Maaler knopf, kron, so man oben auf ein saul setzt 246
d,
noch bei Stieler, Steinbach seulenknopf. II@9@ee)
ferner knopf
auf der fahne, s. fänlinknopf
bei Fischart
unter 10,
auf stecknadeln, vgl. knopfnadel, knaufnadel, gluffenknopf. knopf an einem rappier. Rädlein 551
b,
an die spitze gesteckt zum schutze. am wanderstabe, spazierstocke als griff: sein rohr aus Indien ziert ein besondrer knopf, aus Meiszner porcellan ein frauenzimmerkopf. Zachariä
renomm. 2, 223; wanderstab mit eisen beschlagen und mit gemshorn zum knopf. Göthe
an Lavater. sattelknopf Rädlein 551
b: hörst du Thomas, schlag mir Hansens sattel zurecht, steck ein biszchen werg unter den knopf, das arme vieh hat sich am widerrisz gedruckt.
Shakesp. Heinr. IV. 1.
th. 2, 1. umbo in gemma
erklärt Frisius 1398
b (Maaler 246
d) die rund höhe eines edlen gsteins, der knopf;
ähnlich ist es wenn in der kindersprache der nabel das bauchknöpfchen
genannt wird. bei den handwerkern gibt es mancherlei knöpfe
der art, auch in der knochenlehre heiszt das rundliche ende eines knochens der knopf.
[] II@9@ff)
in einer pfälz. urk. von 1310 Mones
anz. 5, 300
erscheint eine örtlichkeit als grenzmarke, der knoph
genannt, wol hügel in bestimmter form, s. ags. cnäp
u. s. w. I,
d, vgl. knolle 11. II@1010) knopf,
knoten, der also deutlich aufgefaszt ist nach der ründe und härte mit der er im faden oder stricke heraustritt; es ist aber mit knoten
ebenso. II@10@aa)
unmittelbar an die bed. knorren sich anschlieszend: sehet ob ihr auch einen einzigen knopf in aller ihrer (
der spinne) arbeit finden möget.
Simpl. 1, 157, 24
Kurz, knorrige, knotige stelle, wie bei dem faden einer schlechten spinnerin; die aglen und das werk (
werch) die kommen oft mit ein und lassen ihr (
der parzen) gespänst nicht ohne knöpfe sein. Rompler 126; selten ein schul ohn eselbank, selten ein wald ohne gimpel, selten ein garn ohne knopf. Conlin
narrenwelt 3, 319; daʒ drit das da irret unser tochter (
jungfrau), das si nit spinnen mag, dʒ ist die gunkel ist voller knöpf und voller ägnen. also sprechen si etwan 'ei ich mag (
kann) den wuost nit spinnen, gib mir ain andere gunkel'. Keisersberg
geistl. spinn. N 1
a (1510 C 2
b),
verfitzte, klumpige stellen im flachs, s. in gleichem gebrauch knorre 8,
und bratwurst,
wulst 1, 313 (Beckers
noth- u. hülfsb. 270); du zeüchest so vil hörter knöpf herausz (
aus der gunkel), dʒ du si nit gespinnen kanst. die zeen seind dir zuo schwache, du magst die selben knöpf nit zerbeiszen, als die frauwn die wol spinnen künden (
können), die zerbeiszen die selben knöpf oder klötz. N 1
b,
vgl.klotz 11; der faden soll auch gezwirnet (
gedreht) sein on alle knöpf. Braunschweig
chir. 13. II@10@bb)
dann auch der mit absicht und kunst gemachte knoten: wann man nicht ein knopf an (
d. i. an'n) faden macht, so ist der erst stich verloren. Lehman
flor. 1, 23; Alexander Magnus hat mächtig grosz ehr mit lösung des gordischen gurtenknopfs eingelegt.
Garg. 286
a (
Sch. 538); so musz hie diser keib zur straf für alle ein bastonata mit knöpfen von barfüszercorden aushalten. 287
a; ein knopf an ein furz sah ich nie machen. 286
b,
vgl. knotenfürzelein; disz schnürlein ist sehr künstlich mit vilen subtilen stricken und unauflöslichen knöpfen in einander geflochten, welche die meister der kunst syllogismos und quotlibeta nennen, und stehn so gedicht und fest an einander, das vil hohe meister auf strick verknipfen und knöpf aufbeiszen ... alle ihre fünf sinn daran gewand haben, dise knöpf aufzuthun ... aber die zän waren inen zu stumpf .... ja sie gibt den meistern auf knöpf verknipfen und schrift verschlieszen grosze besoldung, dann wers am besten flechten, verknipfen und verstricken kan, der kriegt zu lon ein reiche prebend, biszweilen ein abt oder bischofstab mit eim knebelspieszigen fänlinknopf (
knauf) oder ein cardinalshut mit vilen halsstricken und knöpfen (
knoten). Fischart
bienenk. 69
b. 70
a (1588 73
b),
bildlich vom verwirren des einfachen bibelsinns durch künstliche syllogismen; der knopf ist schon vom ban (
des pabstes) zertrent. Schade
sat. u. p. 3, 133,
aufgelöst. renodare, zuosamenknüpfen, an einen knopf (
d. i. in einen knoten) binden. Frisius 1142
a,
nodare, knüpfen, einen knopf machen 873
a,
solvere nodum, einen knopf aufthuon. 872
b. II@10@cc)
ebenso von einer schlinge, durch verschlingung zweier oder mehrerer stränge u. ä.: als diu jüdinne einen knopf gestricket an ein lînlachen und henket daʒ an ir bette (
zur zeit der reinigung, als warnung für den mann). Berthold 323, 14, stricken
ist flechten, schlingen; do sol das seil (
der zu liefernden garbe) sein also lang, als ein mittelman (
mann von durchschnittsgrösze) geklaftern mag, das ime der knopf mittel an dem seil an das herz gat.
weisth. 1, 725; knöpf an (an'n) esten der böumen gemacht,
cippi. Frisius 223
a, Maaler 252
b,
im walde, als wegzeiger für den rückweg u. ä. ähnlich vom haarschopf, den haaren in einen '
knoten'
gewunden: so durchflochten, oben auf dem wirbel im stolzen knopf zusammen gedreht wie königin Semiramis trug. Fr. Müller 3, 141,
vgl. Weckherlin
unter 11
und s. knauf 6
so. II@10@dd)
dazu redensarten wie bei knoten: bistu so alter schneidertropf und weist nicht, das ein knopf solt schrauben an deine lügen, sol mans glauben? Fischart
S. Dominic. G 4
b,
im anschlusse an das sprichwort bei Lehman
unter b; bruder, memento mei, mach dir ein knopf auf die nasen und vergisz meiner nicht. Abr. a S. Clara
Judas 1, 6 (
wie ins schnupftuch); mirkts enks, machts enk ein knopf ins hemed, so
[] vergeszt es (
d. i. ihrs) fein nit. Schwabe
tintenfäszl 8; das künen sich alle meine correspondenten mit eim knopf im hemmed mirkn. 39. II@10@ee)
eigner weise ist diese bed., die doch mit knüpfen
unmittelbar zusammengehört, ins neuere hochdeutsch nicht aufgenommen worden, sodasz nun knüpfen
verwaist steht. schon Stieler 997
gibt nur noch knöpfe auflösen,
nodos solvere, wie es scheint als gelernt, im bildlichen sinne; Steinbach
nennt es nicht mehr, der oberdeutsche Frisch
nur als landschaftlich. ist das nur eine wirkung seines fehlens im md.? es gilt aber noch allgemein im oberd. (sich einen knopf ins sacktuch machen,
auch in die nase,
zum merkmal),
und auch nd. in der nebenform knuppe, knüppe, knoppe (
s. I,
c),
z. b. ostpreusz. de wassknoppe öss em opgebrake Frischbier (1865)
s. 149,
der wachsknoten. ebenso nl. knoop,
auch nrh. knôp.
vom nd. gebrauch her auch noch im schiffswesen knôp (
hd. knopf)
knoten womit man zwei taue an den enden verbindet, knoten im log, ein schiff läuft zwölf knöpfe in der stunde,
zwölf seemeilen. II@1111)
vom knoten erstreckt auf das ganze band das mittelst des knotens bindet (
schlinge, schleife),
wie knoten (13)
selbst diese erweiterte bed. hat, ebenso knauf, knäufel,
lat. nodus,
vgl. auch knebel 9
und 10;
ein schwanken mit der vorigen bed. ist natürlich, da der knoten am ganzen die hauptsache ist. auch altengl. 'knoppe,
nodus, fibula' Way
prompt. parvul. 280
b. II@11@aa)
schon ahd. chnophili
nastula (
nestel) Graff 4, 583,
und mhd.: fur daʒ vallende ubel. du salt warten, swenne iʒ en an gê, sô nim einen hirʒînen riemen unde bint im den umbe den hals unde sprich 'in nomine patris .. sô binde ich hie den siechtuom dises menschen in disem knopfe', unde nim den selben riemen denne unde knupfe einen knoten dar
an. fundgr. 1, 325,
also der knote
vom knopf,
dem geknüpften bande, unterschieden. II@11@bb)
nhd. knopf,
band, copula Dasypodius,
im lat. theil '
copula, ein zuosammenheftung, ein band oder knopf'.
so z. b. knopf oder pand, domit man pucher pindet,
offendix, nodus. voc. th. 1482 q 8
b, offendix (
altlat. ein band mit schleife am hute)
erklän Junius
mit knopf an bendel,
nl. strick
oft knoop. II@11@cc)
so früher am kleide: villus, gewandknopf. Dief. 619
b,
es musz das band sein das man früher statt des kleiderknopfes brauchte (
man sehe knäufel 2,
b).
so wol im folg.: gleichsfals ein seiden kleid darunder, von gülden knöpfen schön besunder geschnüret ein glat und subtil. Spreng
Aeneis 413
a.
das mittelglied zwischen diesen und den heutigen knöpfen
scheint zu bilden was Stieler 998
angibt: 'schleife
oder schlinge mit einem knopf,
alias bitlitze (
vgl. litze),
caudatus globulus, clavus vestiarius',
der knoten in einen knopf verwandelt, vergl. knopfschleife. II@11@dd)
schlinge, geschlungener strick, vgl. knopf für das maul
eines pferdes unter 12,
b, auch den bildlichen gebrauch 12,
c: den andern losen lauren ... gehört ein hänfner knopf (
am galgen). Stöbers
Alsatia 1862
s. 98,
v. j. 1592.
ähnlich von haarzöpfen, zugleich dichterisch als liebesbanden: o goldflusz bleich (
blond) und reich, goldstriemen wahr (
echt) und klar ... je mehr ich ewre knöpf, je mehr ich (
eure) strick' erfahr. Weckherlin 710. II@1212)
dasselbe bildlich gebraucht, wie knoten,
lat. nodus. II@12@aa)
schwierige aufgabe, die zu '
lösen'
ist, oder eben unlösbar, wirrwarr, verwirrtes verhältnis u. dgl., auch von einem festgeschlossenen beweise: enodare quaestionem, den knopf des zwifels ufthun. Melber
varil. h 2
b (zweifelknopf
Garg. 286
b);
nodum solvere, einen knopf auflösen,
einem schwären verwirrten und unrichtigen handel an ein end kommen. Frisius 872
b. Maaler 246
d; grosz narren sint ouch zwifels on, die unserm glouben widerston und gotts stathalter so verachten ... und sich verwicklen in ein knopf dar inn in dick erwürgt der kopf.
narrenschiff Straszb. 1494,
bei Zarncke
s. 107
b,
ein wirrwarr von widersprüchen; darum müeszend wir den selben knopf ouch anzeigen, den iro gheiner noch nie hat können uftuon, denn es ist nit möglich, si versuochend wol oft und ringglend dran, aber es hilft alles nütz. und ist der knopf (
folgt der schriftbeweis, den die taufläugner nicht beseitigen können). Zwingli
von dem touf r 1
b,
vgl. u. 10,
b bei Fischart knöpfe
von syllogismen; könig Oedipus .. so ider zweifeligen fragstück konnt den knopf auflösen. Fischart
pod. trostb. 679
Sch.; löset mir diesem schlüsselargument den knopf auf (
widerlegt den [] beweis).
bien. 1588 8
a; dise ketzer haben scharf zän, beiszen alle gordische knöpf auf und alle knackwürst entzwei. 49
a; die doch arbeiten wie die maulesel, damit sie disen knopf auflösen. 93
b,
beweis widerlegen; secht, löst mit disen knopf auf, habt ir gut zän und spitze nägel. 157
a (144
a)
u. o. so noch jetzt nl. knoop. II@12@bb)
hindernis, im vorigen öfter schon zugleich enthalten, ebenso lat. nodus,
vgl.knoten 14,
c: den mutwilligen pferden macht man einen knopf für das maul (
zu 11,
d): also (
d. i. ebenso) wird unserer ungezähmten natur der knopf des creuzes angelegt, damit wir nicht gleichwie das unvernünftige vieh dahin leben. Abele
gerichtsh. (1684) 1, 373
cas. lxxi; ich hab im ein knopf dafür than. H. Sachs 4, 3, 53
d,
etwas in den weg gelegt, einen streich gespielt; aber ein knopf wäre dafür gelegt gewesen. Krenner
bair. landtagshandl. 14, 409; als er sich nun auf disem euszersten knopf befand, nam er sein zuflucht zu dem bösen feind (trovandosi a quel ponto). Ens
Guicciardini (
s.kläubeln 1) 167. ein knopf machen an ein ding,
moram objicere, cunctationem injicere. Denzler 2, 173
b.
noch bair. einem einen knopf für (etwas) machen,
es ihm unmöglich oder schwer machen (
auch bei M. Kramer 1787), den knopf auflösen,
das hindernis beseitigen. Schmeller 2, 374,
s. dazu unter knoten 12,
b. wenn ein junger mensch plötzlich zu wachsen beginnt, sagt man schweiz. er thut den knopf auf Schmidt
id. bern. Fromm. 2, 372
b (Tobler 111
a),
wie der knoten geht auf.
eigen ebenda 'eim a ne chnopf setze,
ad extremum consilium cum aliquo descendere',
es einem andern gegenüber aufs äuszerste ankommen lassen, unter keiner bedingung nachgeben, noch anders bei Denzler 'an einen knopf setzen,
stricte, serio injungere',
wie auf die seele binden, einbinden;
jenes nähert sich zugleich dem 'auf den knopf setzen'
sp. 1474
mitte. II@12@cc)
feste verbindung, bund, bündnis, nach der bed. 11: wenn gott einen gottlosen herrn stürzen wil, so hilft keine hülf noch stützen, kein bund noch knopf. Mathesius
Sar. 84
b,
erweitert bei Lehman
floril. 1, 126
in dem cap. bündnuss,
vgl.knüpfen 3; wenn ein reich soll sein endschaft gewinnen und zu drümmern gehn, so hilft weder ehe noch knopf. Mathesius
Sar. 88
b,
auch ehe
musz da nicht gesetz, sondern die verbriefung eines bündnisses, bundesartikel bedeuten. da es sprichwörtlich auftritt, ist diese so kärglich belegte bed. von knopf
sicher älter, gewiss schon mhd., vergl. dazu knüpfel 6.
von einem freundschaftsbunde sagt Butschky: Brutus und Cassius waren gute geschworne, gleichsam mit einem nodo gordiano oder unauflöslichen knopfe zusammen verwürkte brüder.
Patmos 61,
vgl. lat. nodus amicitiae.
von der ehe, wie noch nl. de knoop des huwelijks,
der bund der ehe, it. nodo maritale: wie nemlich jederzeit bei allen nationen der zweier-leuten
knupf ehrlich gehalten sei. Biermann
christl. trewrede (
traur.)
C. II@12@dd)
eigen bei Göthe,
in Erwin und Elmire (1776
s. 12): jetzt da der junge Erwin — der hatte auch solche knöpfe, es war ihm nirgends wol. 57, 110,
grillen, absonderliche ansprüche ans leben, am Mittelrhein der hot sein knöpp (
pl.),
flausen Kehrein 236 (
auch er hot en knopp,
ist betrunken).
es musz eine anwendung der bed. a sein, gleichsam knoten im gehirn? vgl. die knoten des sinnes Göthe 10, 301
u. knoten 14,
b, Vollmanns
burschik. wörterb. (
Schaffh. 1846)
erklärt das studentische knote
von '
geistigen knöpfen',
d. i. knoten im verstande. götting. gnuppen hebben, dei het sîne gnuppen (
f.),
seine tücken. Schamb. 66
a;
nrh. knöpp
pl. ränke, knöpp feil han
voller schwänke und streiche stecken. Aachener mundart 117. II@1313)
von menschen, nach der bed. 3,
wie knoten, knollen, knebel
u. a., s. auch knäufel 2, knüpfel 4, knops. II@13@aa)
körperlich, schweiz. 'chnopf
pumilio',
d. i. knirps Frommann 2, 372
b: was doch die leute sagen würden .. wenn so ein kleiner knopf mit einer langen bohnenstange daher käme. Gotthelf 4, 167.
kurzer dicker mensch von untersetzter gestalt Stalder 2, 115,
schwäb. Schmid 320,
auch bair., vgl. knopficht.
dasselbe ist westerw. knoppes
knirps (
auch knopf) Schmidt 81,
s. knips 4;
siebenb. knoppes
ist knopf Fromm. 4, 414.
s. dazu knorre 10, knospe 4. II@13@bb)
tölpel, ungeschliffener mensch, schweiz., schwäb., bair., auch von dummheit Tobler 111
a: bruder knopf
name eines narren Zarnckes
Brant cxxvii
a; zu dem findt man vil freier knöpf, die haben solche gschwinde köpf, dasz sie on aller meister (
lehrer) fleisz erreichen grobianer preis. Scheit
grob. F 3
b, freier knopf
ist gesagt nach freier knabe,
ungebunden, frech; [] schäm dich, du alter grawer kopf, dasz du bist solcher grober knoff (
so). Frischlin
Susanna 269; und kamen also aus dem last, weil der knopf die schaf oben tast. Fischart
flöhhatz 826
Sch., vom cyclopen, wie ihm Odysseus und die seinen entrinnen; bawrenknöpf.
S. Domin. C 2
b. F 2
b; grober knopf.
Amadis 274. Weckherlin 533; se hin, du grober pengl und knopf. J. Ayrer 452
b; wann sie (
die ehefrau) solchen iren groben unbescheidenen knopf und eifernarren mit gedult überträgt. Albertinus
narrenhatz 314; Böhmen seind grobe knöpf. Soltau 2, 336; (
sie erzeugten einen sohn) der zwar nur ein dickkopf (
dumm), jedoch ein zehenfacher knopf. Weckherlin 816 (
epigr. 69); soll ich meins bruders (
Abel) hüter sein? sprach der infame knopf (
Cain).
M. Sturm
lieder in bair. mundart 98.
von verstocktheit: vielleicht laugnen sie diesen todschlag? die peinliche frag (
tortur) kan sonst dergleichen knöpf und halsstarrigkeit schon auflösen. Abele
gerichtsh. (1684) 1, 599
cas. cxxvii,
angelehnt an 12,
a, vgl. knopfstück. II@13@cc)
von einem geizhals (
vergl.knochen 5,
b): beim geizigen knopf möcht ein diener lieber ein ross, hund oder ander thier sein. Lehman
floril. 1, 144.
ebenso knöpfisch 2,
der geiz wird auch sonst bildlich von härte bezeichnet. II@1414) knopf
am kleide u. ä., nebst bed. 9
allein im neuern hd. fortgeführt. es kann sowol aus der bed. 10. 11
abgeleitet sein, da man früher, bei den bauern oft noch im 17.
jh., dafür bänder, knoten brauchte (
vgl.knäufel)
und die kleider nicht zu knöpfte
sondern knüpfte,
als auch aus der urspr. bed. entnommen; mhd. dem. knöpfelîn,
s. knöpflein 5.
entlehnt litt. knypkis,
ehstn. knööp (nööp). II@14@aa) clavi, runde knöpf von purpur wie ein nagelskopf gestaltet, in den röcken der Römeren. Frisius 235
b;
globuli, clavi, knöpf,
nl. knoppen. Junius
nom. 131
a; den müsziggang hielt er (
ein reicher geizhals) für ein sünd .. derowegen strickte er entweder händschuch oder machte härine knöpf. Albertinus
narrenh. 189; die knöpfe zumachen, aufmachen (
eig. das kleid mit den knöpfen); wammesknöpf, mantelknöpf, cassakenknöpf (die seind bald die grösten).
Simpl. 1684 3, 733 (1713 569); hemdeknopf, hosenknopf, westenknopf
u. s. w. II@14@bb) knopf
als spielmarke, s. knöpfchen 4. II@14@cc)
volksmäszig von geld, keinen knopf geld haben,
z. b. tirol., alem. Fromm. 6, 115 er hat knöpfe (
sächs. knöpchen),
nd. hê hat knœp Danneil 110
b,
ist ein reicher mann, wol weil manche metallknöpfe münzen ähnlich sehn und dafür angebracht werden. II@1515) knopf,
kork, stöpfel, ergibt sich aus knopfhake.
wol nach bedeutung 9. II@1616)
merkwürdig folg. weidmännischer gebrauch: die bug (
des hirsches) heiszen knöpf oder läuf. Sebiz
feldbau 568; zemmer und knöpf von hirzen, rechschlegel. Fischart
Garg. 53
b (
Sch. 87); zemmer und knopf von hirzen.
podagr. trostb. 675
Sch. etwa der knochen eigentlich und dann auf den lauf erstreckt, wie das bei keule, schlegel
geschah? altfries. knop, knap
hiesz knochen, halsknap
halsknochen, ersknop
steiszbein, s. Richthofen 906
b. 714
a,
eigentlich das heraustretende runde ende des knochens. II@1717)
was ist es im folg.? wie das volk sahe, dasz der mor unten lag, als wann ein knopf ausz ihm gemacht were.
buch der liebe 227
d.